Food Fiction - Essen von morgen

Ein Beitrag von Carsten

Food Fiction - Essen von morgen

"Algen, das ist die Nahrung der Zukunft. So wie Insekten und so." Mit diesen Worten machte mich ein Verwandter vor Kurzem auf eine Süßwasseralgenfarm in meinem Heimatlandkreis aufmerksam.

Während er noch dabei war über die Vorteile der Mikroalgen zu philosophieren, schoss mir eine Frage durch den Kopf: Wieso muss die Nahrung der Zukunft eigentlich futuristisch sein?

Futuristisches Essen?

Dass sich Leute über die sogenannte "Nahrung der Zukunft" Gedanken machen, habe ich des Öfteren schon wahrgenommen. Dabei kommen dann die wildestens Ideen zustanden: Insekten, gedrucktes Essen, Brain Food und Detox Pille.

Aber warum eigentlich? Warum sollten die Menschen in der Zukunft eine Art Astronautennahrung essen? Und warum muss der - im wahrsten Sinne des Wortes - fleischgewordene Proteinmythos mittels Insekten in die Zukunft transportiert werden?

Die Zukunft is(s) doch pflanzlich! Oder?

Nun ja, Proveg (aka Vebu) macht es mit seinem Leitspruch schon klar: so ganz anders denken und essen müssen wir in Zukunft gar nicht. Wir müssen das Essen nicht zwangsläufig neu erfinden. Alles ist heute schon vorhanden.

Diese kulinarischen (?) Zukunftsphantasien entspringen aus meiner Sicht der Ansicht, dass wir die vielen Milliarden Menschen der Zukunft nicht satt bekommen. Also müssen wir uns was Neues, was Anderes einfallen lassen. Das dieser "nicht genug für alle da"-Gedanken ein Trugschluss ist, wurde mindestens durch aufklärende Projekte wir "Taste the Waste" oder "10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?" klargestellt.

Wir haben kein Nahrungsmangel-, sondern ein Verteilungsproblem.

Zudem - was unter aufgeklärten Veganern längst bekannt ist - läuft der Verzehr tierischer Produkte auf reinste Lebensmittelverschwendung hinaus. Der Rohstoffeinsatz und Landverbrauch zum Aufrechterhalten der industriellen Tierproduktion steht in einem völlig inakzeptablen Verhältnis zum Output. Wenn der Input direkt zur Ernährung der (Welt)Bevölkerung verwendet, statt den Schweinen zum Fraß vorgeworfen würde, gäbe es kein nominales Nahrungsmitteldefizit.

All das ist ja hinlänglich bekannt...

Wie die Zukunft wirklich aussehen wird

Wir brauchen gar nicht so weit gedanklich abzuschweifen, um uns ein realistisches Bild der Zukunft zu machen. So futuristisch, wie Manche es sich ausmalen, wird die Zukunft gar nicht ausfallen. Metropolis hat sich bis heute nicht ansatzweise gezeigt, alles ist viel bodenständiger. Oder anders gesagt: Alles ist viel stärker in der Vergangenheit verwurzelt.

Wenn wir ein recht klares Bild der Zukunft haben möchten, müssen wir schauen, welche Elemente der Vergangenheit und Gegenwart sich bereits fest etabliert haben. Je länger etwas bereits Bestand hat, desto größer die Wahrscheinlichkeit es auch in der Zukunft vorzufinden. Disruptive Ereignisse (Schwarze Schwäne) einmal aussen vor gelassen.

In der Zukunft steckt verdammt viel Vergangenheit

Nehmen wir zum Beispiel das Rad. Ein hervorragendes Konzept. Es hat sich so gut etabliert, dass die Wahrscheinlichkeit es auch in Zukunft vorzufinden bei 100% liegen wird. Oder etwas weniger Abstraktes: Messer & Gabel. Ein hervorragendes und ebenfalls etabliertes Werkzeug zum Verzehr von Speisen. Wahrscheinlich auch 100% in der Zukunft vorhanden.

Auch maße ich mir an zu behaupten, dass wir in der Zukunft weiterhin Toiletten vorfinden werden. Oder Lampen- ungeachtet des verwendeten Leuchtmittels. Interessant wird es bei Büchern. Die gibt es schon seit Jahrtausenden, eBooks erst seit ein paar Jahren. Haben eBooks genügend disruptives Potential, um sich langfristig zu etablieren? Oder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das gedruckte Buch auch das eBook überleben wird?

Andererseits: je neuer etwas ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es in Zukunft nicht mehr existieren wird. Tamagotchis zum Beispiel. (Was ist aus denen eigentlich geworden?) Oder diese merkwüridgen Fidget Spinner. Mit welcher Wahrscheinlichkeit werden sie es in die Zukunft schaffen?

Du kannst diese Gedanken problemlos weiterspinnen und überlegen, was sonst noch alles in der Zukunft vorhanden sein wird. Es werden überraschend viele Dinge aus der Vergangenheit und der Gegenwart sein.

Und Vegan?

Tja, wenn die Logik "je länger etabliert, desto wahrscheinlicher in der Zukunft" stimmt, sieht es auf den ersten Blick mit einer veganen Ernährung nicht sehr gut aus.

Allerdings gestehe ich der veganen, rein pflanzlichen Ernährung genügend disruptives Potential zu, sodass sie sich langfristig in der breiten Masse etabliert und ein fester Bestandteil der Zukunft wird. Die Nahrung der Zukunft. Das wäre mir zumindest lieber, als irgendeine Designer-Astronautenkost.

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