Im Veganismus nichts Neues

Ein Beitrag von Carsten

Im Veganismus nichts Neues

Geht es nur mir so oder gibt es im Bereich "Vegan" wirklich nichts Neues mehr? Es fühlt sich so an, als hätte ich eine mediale Sättigung erreicht. Ich bin satt. Habe alles im "veganen" gelesen und gesehen, was für mich noch bahnbrechend schien und mich zum Handeln und Umdenken vernlasst hat.

Weiß ich doch schon....!

Massives Tierleid und Ausbeutung, bedingt durch unsere Lust auf tierische Produkte: Kenne ich.

Die industrielle Massentierhaltung als Hauptverursacher für schädliche Klimagase: Jupp, auch bekannt.

Eine ausgewogene und abwechslungsreiche pflanzliche Ernährung schützt vor manigfaltigen Wohlstandskrankheiten und steigert die körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit: Auch schon zu genüge gehört.

Verarbeitete Fleischwaren sind genauso krebserregend wie Rauchen, Asbest und Plutonium: Ja, ja... weiß ich schon seit Herbst 2015.

Der ökologische Fußabdruck tierischer Lebensmittel ist desaströs: Spätestens seit Cowspiracy auch nichts Neues mehr.

Unser Wohlstand basiert auf massiver Gewaltausübung und Ausbeutung gegenüber Tier und Mensch: Ist mir mittlerweile auch klar geworden.

Boah... laaaaanweilig...!

Egal ob ich Magazine, Blogs oder Twitternachrichten lese, YouTube-Videos anschaue oder Podcasts höre, es scheint mittlerweile alles so begrenzt, so abgegriffen.

Hier das 1.000 Interview mit einem V-Promi, was er/sie zusagen hat und welches sein/ihr ganz persönlicher Erweckungsmoment war. Da die x-te vegane Produktidee, mal ein Superfood, mal ein veganisierter Klassiker. Und immer wieder Hilfestellungen, wie man einfach und problemlos vegan leben kann.

Ach ja, und Reiseberichte von noch einem veganen Globetrotter auf seinem Thailand-Trip.

Bin ich denn wirklich schon damit durch?

War's das jetzt eigentlich? Schon? Dabei fühlte sich das vor 2 Jahren, ganz zu Beginn meiner veganen Reise, noch so völlig unüberschaubar, kaum greifbar, komplex und kompliziert an!

Wenn das "vegane Leben" ein Sportevent wäre, z.B. ein Langstreckenlauf, dann wäre meine aktuelle Gemütsfassung mit jemanden vergleichbar, der gerade den Zieleinlauf beim Halbmarathon hinter sich gebracht hat und feststellt, dass er noch locker den ganzen Marathon hätte laufen können.

Aber vielleicht ist das auch gut so!

Ja, vielleicht ist das auch wirklich gut so! Vielleicht muss es einfach so sein, dass irgendwann die Erkenntnis hoch kommt, dass alles gar nicht so schwer, nicht so viel, alles sehr überschaubar ist. Das Einfinden in ein veganes Leben ist endlich. Und weicht erstaunlich schnell der neuen Normalität.

Vielleicht ist mein Gemütszustand auch ein Zeichen, dass ich jetzt im veganen Leben geerdet bin und mich und mein Leben nicht mehr dauernd umorganisieren und anpassen muss.

Vielleicht ist der Punkt gekommen, wo ich darüber hinaus wirken kann.

Hinterm "veganen" Horizont geht es weiter...

Was als "vegane" Reise für mich anfing ist mittlerweile eine echte Expedition geworden. Getrieben durch kritisches Denken und durch das Aktivieren meines moralischen Kompasses. Wobei Letzteres jetzt sehr pathetisch klingt. Dabei verbirgt sich dahinter nichts anderes, als dass ich mir Gedanken über mein Handeln und meine Entscheidungen mache.

Zumindest fange ich in weiteren Bereichen damit an:

Zero-Waste, plastikfreier Leben, Fair-Trade, Transistion, Postwachstumsökonomie, Minimalismus, Entschleunigung,...

Zugegeben, das ist alles auch nicht wirklich neu, hatte bis vor Kurzem in meinem Leben aber keine Relevanz. Erst seitdem ich vegan lebe, habe ich angefangen, mir über diese Themen Gedanken zu machen.

Mein Leben bleibt also weiterhin spannend! Und ich kann soviel mehr bewegen, als "nur vegan" zu sein :)

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Kommentare

Kommentar von karin verbeek |

Hi! Ich bin der Meinung das noch viel mehr Menschen die Entscheidung für ein veganes Leben treffen sollten. Ich verstehe zwar nicht warum immer noch nicht bei allen Menschen der Schalter umgestellt wird - denn bei den Horrormeldungen die wir ja nun inzwischen alle kennen- sollte das doch die erste "Amtshandlung" eines jeden sein! Bei Familien wäre es sicher etwas zeitaufwendiger, das soziale Umfeld würde sicher entsetzt reagieren, wenn sie ihre alljährlichen Grillpartys mit Gemüse schmoren müßten und Veganer sind ja Spaßbremsen wie wir alle wissen..:-))).. Also, es gibt noch genug zu tun! Es gibt imemr noch vielzuviele Ignoranten auf dieser Welt, die die Dringlichkeit unseres gemeinsamen Themas immer noch nicht verstanden haben oder wollen! Also packen wir´s an! ....Schöne Tage ! Herzliche Grüße Karin Verbeek, Hamburg

Antwort von Carsten

Hallo Karin,

vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Ja, ich denke mir auch häufig, dass die Informationen mittlerweile ja jeden erreicht haben sollten- so häufig und auch viel wie mittlerweile berichtet wird. Wahrscheinlich ist das aber unsere vegane Filterblase.

Ich stand jüngst auf dem Altonaer Weihnachtsmarkt und habe mir eine vegane Bratwurst gegönnt. Und während ich da vor der Bude die wirklich leckere Wurst gegessen habe, kamen zahlreiche teils spöttische, teils arrogante Bemerkungen anderer Leute. Nicht gegen mich, sondern gegen die Tatsache, dass es vegane Brat- und Currywurst auf dem Weihnachtsmarkt gab. Das hat mir mal wieder gezeigt, dass die verfügbaren Informationen wirklich noch nicht jeden erreicht haben. Sei der Grund hierfür deren eigene Filterblase oder ein gehöriges Maß kognitiver Dissonanz.

Um es mal wohlwollend optimistisch zu formulieren: Da ist noch viel Luft nach oben :)

Gruß

Carsten

 

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