Mach's Dir doch mal woanders bequem!

Ein Beitrag von Carsten

Mach's Dir doch mal woanders bequem!

Wenn Du Dich dazu entschließt vegan zu leben, verlässt Du bewusst die eigene, liebgewonnene Komfortzone. Alles ist auf einmal neu: Die Art zu essen. Die Reaktionen Deiner Familie, Deiner Freunde, Deiner Kollegen. Restaurantbesuche. Reiseplanungen. Deine eigene Sichtweise auf die Welt.

Eigentlich ist es wie ein Sprung ins kalte Wasser. So ganz genau weißt Du nicht, was dann passiert. Die einzige Gewissheit: Es wird- gerade am Anfang- verdammt unbequem.

So kalt ist das Wasser gar nicht...!

Wenn Du den Schritt ins vegane Leben dann einmal gemacht hast, wirst Du im Nachgang über die tatsächliche Leichtigkeit berichten. Was vorher wie ein unüberwindliches Hinternis anmutet, entpuppt sich im Nachgang eher als kleine Bodenschwelle.

Nach wenigen Wochen hast Du die neuen Einkaufsmöglichkeiten geklärt, der erste Stapel veganer Rezepte hat sich in Deiner Küche etabliert und auch das Zubereiten der Mahlzeiten geht Dir immer leichter von der Hand. An diesem Punkt, fängt alles an Routine zu werden.

Unbequem bleibt's trotzdem noch etwas

Es scheint jetzt alles streßfreier und weniger zeitintensiv zu laufen. Deine anfänglichen Ängste sind großteils verschwunden. Die zahlreichen Kochbüchern, YouTube-Videos und Blogbeiträgen konnten Dir mittlerweile umfangreiche Antworten auf diverse Nährstofffragen und damit Sicherheit geben.

Trotzdem wird es immer dann noch etwas unbequem, sobald Du das eigene, neu eingerichtete Habitat verlassen musst. Die Konfrontation mit kritischen Nicht-Veganern, der nächste "gemischte" Restaurantbesuch, das Treffen mit der nicht-veganen Clique; alles Situationen die bei Dir zu einer gewissen Anspannung führen. Immer wieder kommt der Rechtfertigungsdruck hoch.

Wem musst Du Dich wie gegenüber rechtfertigen? Sind Deine Argumente plausibel? Häst Du den Gegenargumenten stand?

Ja, so ein wenig unbequem wird es noch für eine Weile bleiben.

Dann kehrt irgendwann der Alltag ein

Und dann kommt irgendwann der Punkt, wo sich scheinbar niemand mehr dafür interessiert, dass Du vegan bist. Keine blöden Kommentare. Keine sinnlosen Diskussionen. Leben und leben lassen. Fast schon harmonische Koexistenz- solange jeder in seiner Meinungs-Hemisphäre bleiben darf.

Leider siehst Du diesen Punkt nicht kommen; er läßt sich zeitlich auch nicht planen. Es macht nicht irgendwann "klick" und dann ist Ruhe. Vielmehr merkst Du viel später, dass dieser Punkt bereits seit längerem überschritten ist. Alles fühlt sich auf einmal so schön bequem an.

Ein rein veganes Phänomen!?

Machen wir uns nichts vor, dass oben Beschriebene hat im Grunde genommen nicht zwangsläufig etwas mit einer veganen Lebenseinstellung zu tun. Vielmehr bezieht es sich auf grundlegende Lebensveränderungen. Je grundlegender, je radikaler, desto unbequemer.

Was mir persönlich bei tiefgreifenden Änderungen am meisten gefällt, ist die erlebte Selbstwirksamkeit. Dieses Gefühl, etwas schier Unmögliches letztlich doch alleine hin bekommen zu haben. Der Schritt in einer veganes Leben, der weitesgehende Verzicht auf Plastik, das Lösen vom Besitz und die Reduktion auf das tatsächlich Notwendige, etc.

Das scheint alles anfangs kaum überwindlich, kaum integrierbar. Schwer bis unmöglich. Dann gehst Du den ersten Schritt, der überraschend leicht fällt. Und gehst weiter, weiter, immer weiter...

Und irgendwann wird's dann auch woanders wieder bequem.

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Kommentare

Kommentar von Gerd |

Hallo Carsten,

ja du sagst wahre Worte. Mit veganer Ernährung hat das nichts zu tun, sondern mit Abweichung von der Norm - oder eben wie du es ausdrückst radikalen Veränderungen. Die fallen einfach auf und dann gibt es eben Kommunikationsbedarf.

Danke!

Beste Grüße,
Gerd

Antwort von Carsten

Hallo Gerd,

vielen Dank für Deinen Kommentar. Was mir jetzt im Nachgang immer bewußter wird: Der Kommunikationsbedarf wird im Alltag mittelfristig weniger. Das liegt zum einem am resignierenden, aber auch akzeptierenden Umfeld. Die Einen haben aufgegeben "dagegen zu wettern", die Anderen haben sich damit arrangiert oder finden es sogar inspirierend. Zum anderen verschiebt sich aber auch das eigene Sozialumfeld und man ist mehr mit Menschen zusammen, die den eigenen Weg verstehen und mitgehen.

Gruß Carsten

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