Fleisch = Gehirnentwicklung
Ein Beitrag von Carsten

Man hat schon so seine liebe Mühe mit der Evolution. Zuerst der unbequeme Aspekt, dass wir irgendwie vom Affen abstammen oder zumindest gemeinsame Vorfahren haben. Und dann auch noch diese Notwendigkeit Fleisch zu essen, weil unser Gehirn sich erst durch regelmäßigen Fleischverzehr zu dem entwickelt hat, was wir heute durch Alkohol, Zigaretten oder andere Rauschmittel gerne betäuben.
Wir haben es wahrlich nicht leicht, wenn wir die Krone der Schöpfung verteidigen wollen.
Es hätte so schön einfach sein können
Doch was ist dran an diesem Argument, dass Fleischverzehr unsere Gehirnentwicklung gefördert hat?
Zuallererst: Ja, es scheint nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft wahr zu sein, dass Fleischverzehr eine Mitschuld daran hat, dass wir Menschen uns zur kognitiv-dominanten Spezies entwickeln konnten. Aber war es allein der Fleischverzehr? Oder wäre das zu eindimensional gedacht?
Ich kann auch etwas weniger abstrakt und etwas mehr konkret werden: Neben dem Fleischverzehr gab es auch (zahlreiche) weitere Einflussfaktoren: Die Erkenntnis über den Wert von Feuer, bzw. dessen Nutzung, die Entwicklung und Nutzung immer neuerer, komplexerer Werkzeuge, Sprache- und Kommunikation mit anderen in der Gruppe/Herde(?), Erschließung neuer Lebensräume durch Wanderungen und damit die Konfrontation mit anderen/wechselnden Lebensbedingungen, etc….
Träger oder Stoff?
Letztendlich ist es müßig darüber zu lamentieren, wie hoch der Stellenwert des Fleischverzehrs für die Gehirnentwicklung war. Was wir jedoch sagen können, dass ohne den Fleischverzehr unser Gehirn nicht den heutigen Entwicklungsstand erreicht hätte. Nein, ich muss diesen Satz umformulieren: Ohne die Nährstoffe, die ursprünglich nur über den Fleischverzehr aufgenommen werden konnten, hätte unser Gehirn nicht den heutigen Entwicklungsstand erreicht.
Mit letztgenannter Formulierung wird auch klar, warum das eigentliche Argument tatsächlich gar keinen Bestand hat: Egal wie, wir sind heute nicht mehr auf den Fleischverzehr angewiesen! Alle Nährstoffe können wir problemlos aus pflanzenbasierten Lebensmitteln beziehen. (Anmerkung: Vitamin B12 sollte supplementiert werden). Die Nahrungsmittelvielfalt war zu keinem anderen Zeitpunkt in der Erdgeschichte so umfangreich und zugleich leicht erreichbar wie heute.
Ach ja: Uns geht's um die Tiere, nicht um unser Gehirn!
Und noch ein Aspekt an diesem Fleisch/Gehirn-Argument muss betrachtet werden. Dieses Argument impliziert, dass ein Verzicht auf Fleisch nicht gut für unser Gehirn wäre. Als wenn sich das Gehirn von Vegetariern und Veganern schon nach kurzer Zeit wieder in einen prä-evolutionären Zustand zurück entwickeln würde. Das ist natürlich Blödsinn. Es geht ja- wie gerade schon beschrieben- primär um die Nährstoffe und nicht um den Nährstoffträger. Und wir sind heute ja nicht mehr gezwungen unsere Nährstoffe wie unsere urzeitlichen Vorfahren aufzunehmen.
Womit ich abschließend auch auf den ethischen Aspekt zu sprechen komme. Der Unterschied zwischen der Nahrungsmittelversorgung in der Urzeit und heute könnte gar nicht größer ausfallen. Da wo unsere Vorfahren einzelne Wildtiere noch mühsam und zeitaufwendig jagen und erlegen mussten, „produzieren“ wir heute „Nutz“Tier-Bestände in einem kaum mehr (be)greifbaren Ausmaß: jährlich (!) mehr als 50 Milliarden (!!) (50.000.000.000) „Nutz“Tiere, die wir unserem Konsum opfern (wie gesagt: jährlich!) und dabei eine Gesamtfläche in der Größe vom afrikanischen Kontinent benötigen, werden im industriellen Maßstab gequält, getötet und verarbeitet. Der Begriff „Body count“ erhält damit eine völlig neue Dimension.
Das hat nichts, rein gar nichts mehr mit der urzeitlichen Nährstoffversorgung zur Entwicklung unseres Gehirns gemeinsam.
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