Ich bin ein "Peripherist"

Ein Beitrag von Carsten

Ich bin ein "Peripherist"

Ich musste erst mal im Internet nachschauen, ob es den Begriff "Peripherist" überhaupt gibt. Scheinbar habe ich damit ein bisher nicht weiter bekanntes Kunstwort erfunden. Dabei beschreibt es oft hervorragend meinen Gemütszustand.

Nicht selten fühle ich mich nicht dem Mainstream angehörig. Eher wie jemand, der am Rande des Mainstreams steht; sich (vielleicht auch) bewußt so positioniert.

Ich Glückspilz! (?)

Seit jeher gehöre ich zur Spezies Mensch, die mit der Umschreibung "einsamer Wolf" ganz treffend kategorisiert werden können. Will mal sagen, dass ich ein "eher schlankes" Sozialumfeld besitze. Immer schon besessen habe. Wenige, dafür umso tiefere Bindungen.

Ein Cliquenmensch war ich noch nie. Auf Parties oder diversen gesellschaftlichen Anlässen habe ich immer schon den direkten Kontakt zu ein oder zwei, maximal drei engen Bezugspersonen gesucht.

Schlimm habe ich das (auch bis heute) nie empfunden. Und auch nie mit Neid auf Jene geschaut, die immer umgeben von zahlreichen Freunden waren. Aus jetziger Sicht empfinde ich meine Konzentration auf wenige Bezugspersonen sogar als wohltuend befreiend.

Gruppenzwang? Ja, kenne ich. Hab mal davon gelesen.

Meine Entscheidungen mich fortan vegan zu ernähren, vegan zu leben, zunehmend unverpackt einzukaufen oder minimalistische Tendenzen auszuprobieren, musste ich bisher nie rechtfertigen. Es war schlichtweg keine Gruppe vorhanden, deren Haltung und Handlungen auf einmal diametral zu meinen Lebensentscheidungen stand. Keine Clique, in der ich mich auf einmal als Sonderling, vielleicht sogar als Außenseiter gefühlt hätte.

In dieser Hinsicht empfinde ich meine persönliche Situation schon fast als Privileg. Den berühmt berüchtigten Gruppenzwang kenne ich tatsächlich nur aus der Theorie.

Segen oder doch eher ein Fluch?

Fast ohne Rechtfertigungen im Alltag Dinge anders zu machen als bisher hat durchaus ein befreiendes Moment. Doch (fast) ganz ohne eigener neudeutschen Peer-Group fehlt oft auch der Rückhalt im Alltag. Den muss ich mir dann irgendwie selbst schaffen. Zum Beispiel morgens am Bahnsteig sitzend und auf den nächsten Zug wartend. Da nutze ich die Zeit und esse mein Müsli-To-Go. Aus einem alten großen Gurkenglas. Und am Vorabend bereits vorbereitet. Den Löffel packe ich mir jeden Morgen extra ein. Während ich dann vor mich hin mümmele ernte ich irritierte Blicke, je nach vorbeischreitendem Machismo auch schon mal abfällig gemeinte. Angesprochen wurde ich bisher nicht.

Das ist nur ein kleines Beispiel, wie kleine andersgemachte Handlungen Irritationen hervorrufen. Ich gehöre dann nicht zu denen die sich beim Bäcker einen Coffee-To-Go und ein belegte Brötchen kaufen, sondern gehöre zu den merkwürdigen Gestalten, die freiwillig ein Glas mit sich herumschleppen(!).

So ganz alleine geht es dann doch nicht

Als Mensch mit starkem Charakter, der locker über Meinungen anderer hinwegsieht- diese an sich abperlen lässt- sehe ich mich nicht. Vielleicht werde ich das mal- irgendwann. Bewusst neben dem Mainstream zu leben kann da ja als Training dienen.

Auch ich bin auf Unterstützung und Rückhalt durch andere Menschen angewiesen. Ich bin sehr glücklich ein großes Maß an Unterstützung durch meine Frau zu erhalten. Es macht den Alltag sehr viel leichter einen Menschen an meiner Seite zu haben, der mitzieht oder gar neue Impulse gibt.

Und darüber hinaus helfen mir all die vielen anderen inspirierenden Menschen im Internet, die das Gefühl aufkommen lassen: Ich bin einer von vielen! Allein zu sehen und zu lesen, dass auch andere Menschen sich bewusst abseits des Mainstreams bewegen ist sehr bestärkend.

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