Permakultur - Ein Plädoyer

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Permakultur - Die notwendige Alternative zur Garten- und Landwirtschaftsgestaltung

Ich habe das Gefühl, der Begriff Permakultur sei in aller Munde.

Zumindest nehme ich ihn in letzter Zeit häufiger wahr. Es ist noch gar nicht so lange her, da war mir dieser Begriff völlig unbekannt. Permakultur. Ist das jetzt eine neue Art von Bioanbau? Vergleichbar mit Demeter & Co?

Mittlerweile weiß ich mehr. Und bin begeistert! Permakultur ist keine konkrete Anbaubaumethode. Permakultur ist ein Gestaltungskonzept. Persönlich finde ich es sogar stimmiger, den Begriff Permakultur als Philosophie oder Werteverständnis zu beschreiben. Es ist mehr als ein landschaftsgestaltender Baukasten. Es entspricht mehr einer Haltungsweise, wie wir der Natur auf gestalterischer Ebene begegnen.

Klingt irgendwie abhoben? Keine Angst. Alles hat Hand und Fuß. Und um ganz ehrlich zu sein, weniges innerhalb der Permakultur ist wirklich neu. Steigen wir doch mal etwas tiefer ein.

Vielleicht hilft es anfangs den Begriff etwas zu entzerren.

Permakultur ist eine Wortschöpfung, zusammen gesetzt aus den beiden Begriffen Permanent und Agrikultur. Persönlich empfinde ich den Begriff Permanent etwas sperrig. Gemeint ist damit „beständig“, „sich selbst erhaltend“. Im weiter gedachten Sinne wahrscheinlich auch „selbst stabilisierend“, „robust“ oder auch im weitesten Sinne „nachhaltig“.

Die Kunst der Permakultur besteht darin, Gärten und Land(wirt)schaften so zu gestalten, dass langfristig die Eingriffe durch den Gärtner, bzw. Landwirt immer geringer ausfallen. Das allein ist schon ein kompletter Gegenentwurf zu der Art wie gemeinhin Gärten und Land(wirt)schaften aufgebaut werden. Diese erfordern immer wiederkehrende korrigierende und pflegende Eingriffe.

Der Einfachheit halber spreche ich im Folgenden von Gärten. Alles gilt aber auch für Land(wirt)schaften.

Permakulturgärten stechen aus der Maße der Gärten hervor. Und das allein schon optisch. Wer selbst einen Garten besitzt, hat diesen sicherlich in erster Linie als Ziergarten angelegt. Vielleicht mit einem abgetrennten Nutzgartenbereich. Beides orientiert sich hauptsächlich an optischen Ansprüchen. Mal mit größeren, mal mit kleineren Freirasenflächen. Mal aufgeräumt und wie mit dem Lineal gezogen, mal etwas wilder. Die Guerillas unter den Kleingärtnern erlauben sich auch schon mal eine Wildblumenwiese. Permakulturgärten sind anders. Sie durchbrechen diese optische Sterilität. Wirken ungezügelter, natürlicher, grüner, farbenfroher.

Das weithin verwendete Ordnungssystem eines aufgeräumten Gartens mit klaren Grenzen zwischen einzelnen Gartenelementen und –flächen wird in Permakulturgärten nicht aus dem Anspruchsdenken des Gartenbesitzers, sondern aus den Bedürfnissen und Erfordernissen der Gartenbewohner umgedeutet. Oder etwas platter ausgedrückt: Es geht weniger um die Erfüllung optischer Ordnung, sondern um die Schaffung eines natürlichen Zusammenspiels.

In Ziergärten werden Einzelpflanzen als Stilelemente verwendet. Diese gilt es sauber abzutrennen und zu maximaler optischer Entfaltung zu bringen. In Permakulturgärten werden Pflanzen nicht nach ästhetischen Aspekten kombiniert, sondern um mit Pflanzenkombinationen oder –gilden das Wachstum und Robustheit gegenüber Schädlingen zu fördern. Permakultur überwindet Monokultur.

Ziergärten wirken auf uns Menschen u.a. durch geharkte und vom Unkraut befreite Beete aufgeräumt.

In der Permakultur gibt es weder Unkraut, noch generell freie Beete. Nicht, dass in Permakulturgärten bedingt durch irgendeine magische Substanz kein Unkraut wächst. Vielmehr wird Unkraut als Beikraut gesehen. Sofern es wächst, darf es wachsen oder wird als willkommenes Mulchmaterial verwendet. Sofern es unerwünscht ist, wird durch optimale Pflanzenkombinationen, aber vor allem durch regelmäßiges Mulchen ihrem Wuchs entgegen gewirkt.

Mulchen ist in der Permakultur eine Selbstverständlichkeit. Ähnlich wie unsere menschliche Haut gilt es auch die Bodenoberfläche vor Wind, Witterung und zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen. Boden ist zu kostbar, als ihn durch Windabtrag oder Trockenheit zu verlieren. Das Bodenleben, u.a. in Form von Regenwürmern und Mikroorganismen, ist lichtempfindlich und benötigt Schutz vor UV-Strahlen.

Nackte Böden, Harken oder gar Umgraben zerstören diese wertvolle Mikroflora. Eine Schicht Mulch schützt die Bodenstruktur vor Sonnenstrahlen, Wind und Kälte. Sie speichert Wasser und wirkt Verdunstung und Trockenheit entgegen. Und sie dient als Nahrung für Regenwürmer und Mikroorganismen, die sich der Mulchschicht dankend bedienen und so dem Boden kontinuierlich wieder Nährstoffe zuführen. Wer gut mulcht, spart sich mitunter die Düngung.

Wer Permakulturgärten sieht, erkennt diese auf den ersten Blick. Hier wird der Natur viel mehr Freiraum gelassen. Pflanzenwuchs wirkt oft überbordend (schön). Grenzen sind fließend. Alles wirkt opulent. Es stellt sich sofort die innere Gewissheit ein: „Ja, so sieht echte Natur aus!“ Ein Permakulturgarten ist der optische Gegenentwurf zum klinisch reinen Ziergarten.

Doch Permakultur ist weit mehr als ein wildwüchsiger Naturgarten.

Permakultur orientiert sich an Werten der Natur und dem Menschen gegenüber.

Das wird sehr schön in den 10 Permakulturgrundsätzen wieder gegeben:

  • Von der Natur lernen
  • Vielfalt ermöglichen
  • Vernetzung fördern
  • Resillente Systeme schaffen
  • Energie effizient nutzen
  • Kreisläufe installieren und Ressourcen  nutzen
  • Kooperation und Integration fördern
  • Positive und kreative Lösungen suchen
  • Wasser effizient nutzen
  • Optimal gestalten und anordnen

Und diese leiten sich aus dem Ethikverständnis ab, welches der Permakultur zugrunde liegt und sich in drei Ethikregeln ausdrückt

  • Sorge um die Erde
  • Sorge um die Menschen
  • Gerechtes Teilen

„Permakultur ist ein Prozess: Das Ganze zu betrachten, die Verbindungen unter den Elementen zu sehen und abzuwägen, wie diese Verbindungen verändert werden können, damit alles harmonischer zusammenarbeitet.“

Permakultur muss man leben, um sie umzusetzen.

Viele Aspekte der Permakultur finden sich auch im suffizienten Lebensstil oder in Do-It-Yourself-Projekten, wie z.B. die 5-R’s: Refuse, Reduce, Reuse, Repair, Rott.

In Permakulturgärten finden scheinbar ausgediente Gegenstände eine Wiederverwendung. Als Wasserspeicher, Pflanzkübel oder Wärmespeicher. Es wird Wert auf vorhandene, lokale Materialien gelegt. Statt der Fahrt zum Baumarkt oder Gartencenter, erfolgt hier erst der Blick in den Schuppen oder Keller und der Rückgriff auf noch vorhandene Baustoffe, die den gleichen gewünschten Sinn erfüllen wie Neuware.

Es gilt Vernetzung zwischen den eingesetzten Materialen aufzubauen, damit einzelne Gartenelemente möglichst viele Aufgaben erfüllen (Windschutz, Wasserspeicher, Wärmespeicher, Nährstoffgeber, Rankhilfe, Schutz für Insekten und Kleintiere, etc.). Was scheinbar defekt ist, wird soweit möglich repariert, statt entsorgt.

Es wird sich Zeit genommen, um kreative Lösungen auf Basis vorhandener Materialien zu finden, statt der Bequemlichkeit zu verfallen und vorgefertigte Lösungen aus dem Baumarkt zu kaufen.

Neben der opulenten Optik ist das Schönste an Permakulturgärten das harmonische Zusammenspiel der verwendeten Elemente.

Hieraus ergibt sich bei geschickter Planung und zunehmen geringer werdender korrigierender Eingriffe ein sich selbst stabilisierendes und selbst erhaltendes Gleichgewicht. Statt stundenlangem Unkrautjähten, Harken und „Aufräumen“, wird man als Permakulturgestalter zum Genießer der natürlichen Fülle, die einem nach einiger Zeit umgibt.

Es findet kein unermüdlicher Kampf gegen unerwünschte Eindringlinge statt. Vielmehr fließt die eigene Arbeit in die Unterstützung eines natürlichen Gleichgewichts.

Und dieses Gleichgewicht macht sich auch der Permakulturgärtner bei Nutzpflanzen zu nutzen, um reiche Ernten einzufahren. Durch den achtsamen Umgang mit dem Boden und dessen ständiger Pflege, wird kontinuierlich für den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit gesorgt. Gepaart mit geschickter Kombination der Nutzpflanzen werden selbst auf geringer Fläche stattliche Ernten möglich.

Permakultur darf deshalb nicht nur, sondern muss gerade deshalb als notwendiger korrigierender Gegenentwurf zur monokulturellen, Bodenverlust fördernden, kapitalintensiven industriellen Landwirtschaft gesehen werden.

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