Permakultur - Grundlagen

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Permakultur - Grundlagen

In unserer "Einfach vegan"-Podcastfolge #195 hatte ich mich mit Stefanie über meine ersten Recherche-Ergebnisse zum Thema Permakultur unterhalten. Und meine bisherigen Erkenntnisse dargelegt. Solltest Du die Folge noch nicht gehört haben, hier der Link Folge 195: Einstieg in die Permakultur

Ergänzend zur Folge halte ich es für sinnvoll die wesentlichen Informationen hier schriftlich zusammen zu fassen.

PermaWAS?

Der Begriff PermaKultur stammt aus den Begriffen Permanent (Agri)culture. Aus dieser "Wurzel" ist bereits der Schwerpunkt auf Agrar, also Landwirtschaft oder Garten, erkennbar. Mittlerweile lässt sich der Bogen thematisch aber viel weiter spannen, bis hin zu Gesellschaft und Wirtschaft. Für eine solche Weiterführung fehlt mir aber im Moment noch das "Futter"; hier hoffe ich im Laufe der Zeit mehr Informationen zusammen tragen zu können.

Dass sich Permakultur so übergreifend einsetzen lässt liegt darin, dass es sich nicht um eine spezielle Anbaumethode handelt. Permakulatur ist ein Gestaltungskonzept, bzw. -prozess. Und dieses Konzept ist offen genug, um auch jenseits der Landwirtschaft in andere Bereiche auszustrahlen.

Der Permakultur liegt ein klares Ethikverständnis zugrunde. Dieses Ethikverständnis wird durch drei "Regeln" ausgedrückt:

  • Sorge um die Erde
  • Sorge um die Menschen
  • Gerechtes Teilen

An dieser Stelle ein kurzer Einschub von mir persönlich: Ich hätte mir in der zweiten Regel die Festlegung auf "Leben/Lebewesen", statt auf "Menschen" gewünscht. Die Begrenzung auf den Menschen führt dazu, dass Nutzung von Tieren in Permakulturkonzepten als legitimes "Element" betrachtet wird. Mehr zu Elementen später. Permakultur überwindet zwar tradierte

Ansichten (Landwirtschaft/Gartengestaltung), schafft es aber in der mir bekannten Literatur bisher nicht den Spezieszismus zu überwinden.

Permakultur Grundsätze

Zur Umsetzung des Ethikverständnisses wurden recht klare Regeln und/oder Grundsätze formuliert, aus denen sehr schön der inhaltliche Charakter der Permakultur hervor geht. Je nach Buch, werden die folgenden Grundsätze oder die darunter aufgeführten Regeln genannt.

Zehn Permakulturgrundsätze

  • Von der Natur lernen
  • Vielfalt ermöglichen
  • Vernetzung fördern
  • Resillente Systeme schaffen
  • Energie effizient nutzen
  • Kreisläufe installieren und Ressourcen nutzen
  • Kooperation und Integration fördern
  • Positive und kreative Lösungen suchen
  • Wasser effizient nutzen
  • Optimal gestalten und anordnen

Zwölf Regeln der Permakultur

  1. Beobachte die Natur und interagiere sorgfältig mit ihr.
  2. Fange die Energie ein und bewahre sie.
  3. Ernte.
  4. Beschränke dich.
  5. Nutze erneuerbare Ressourcen.
  6. Produziere keinen Abfall.
  7. Gestalte nach übergeordneten Mustern bis ins Detail.
  8. Integriere.
  9. Finde kleine und langsame Lösungen.
  10. Schätze die Vielfalt.
  11. Nutze die Randzonen.
  12. Sei kreativ und reagiere auf Veränderungen.

Bewusste Auseinandersetzung

Permakultur setzt eine intensive Beschäftigung mit dem zu gestaltendem "Gegenstand" voraus. Planung, Planung, Planung. Oder: Vor der Tat, kommt erst die Überlegung. Auf den eigenen Garten bezogen, würde das bedeuten, nicht gleich zum Spaten zu greifen und mit Umgraben anzufangen, sondern erst zu überlegen, welche Pflanzen in welcher Kombination wo angepflanzt werden sollen.

Pflanzen und gestalterische Bauteile werden als Elemente betrachtet. Jedes Element sollte in der Permakultur so viele Aspekte wie möglich abdecken: Wasserspeicher, Wärmespeicher, Nährstoffversorgung, Bodenerhalt/-aufbau, Windschutz, Nistmöglichkeiten oder Unterschlupf für Kleintiere und Insekten, etc.

Einzelne Bäume sollten nie "einfach so" gepflanzt werden. Stattdessen gilt es die sogenannten Baumscheibe so gut es geht zu nutzen. Die Baumscheibe ist der runde Bereich unter/um den Baum, also am Wurzelwerk. Es gilt zu überlegen, welche zusätzlichen Pflanzen in diesem Bereich gepflanzt werden können. Hierdurch werden Gemeinschaften zwischen dem Baum und anderen Pflanzen geschaffen, die sich gegenseitig unterstützen. Der Baum kann über sein Wurzelwerk Wasser und Nährstoffe aus größeren Tiefen nach oben befördern, was nahen Pflanzen zu Gute kommt. Gleichzeitig hilft ein dichter Bewuchs mit anderen Pflanzen den Boden gegen Wind und Trockenheit zu schützen. Außerdem können kleinere Pflanzen als zusätzliche Nährstoffversorger den Baum positiv unterstützen; bis hin zum

Schutz vor Krankheiten oder Schädlingsbefall. Das Ganze darf gerne als Symbiose verstanden werden.

Ohne guten Boden ist Alles Nichts

Dem Boden wird besonderes Augenmerk geschenkt. Statt mit künstlichem Dünger zu arbeiten, gilt es kontinuierlich am Bodenaufbau (Humus) zu arbeiten. Unerwünschtem Pflanzenwuchs (umgangssprachlich "Un"kraut) kann durch Mulchen entgegen gewirkt werden. Statt Pflanzen auszureissen, können Pflanzenteile (zerhackt/zerschnitten), als Grünmulch auf dem Boden verteilt werden. Die abgestorbenen Pflanzenteile versorgen den Boden so als Gründünger mit Nährstoffen. Regenwürmer und Kleinstlebewesen verarbeiten derartige Pflanzenreste und führen dem Boden Nährstoffe zu. Zudem lockern Regenwürmer die Erde auf und steigern damit die Wasserspeicherkapazität des Bodens. Gut bei Regen (der auf toter Erde schlecht bis gar nicht abfliesst) und gut bei trockenen Perioden, da hier noch Restfeuchtigkeit im Boden vorhanden ist, von dem die Pflanzen zerren können.

Mir wurde durch die Beschäftigung mit Permakultur klar, wie sehr wir mit einem falschen Bild vom Boden geprägt sind. Und den Boden deshalb - aus falscher Eitelkeit - katastrophal behandeln. Wir glauben vor dem Anpflanzen umgraben zu müssen, um den Boden aufzulockern. Oder Humus zur regelmäßigen Nährstoffzufuhr untergraben zu müssen. Unsere Eitelkeit hat uns so weit getrieben, dass nur ein akurat geharkter Boden, als schön empfunden wird. Es wird Zeit den Boden, wie unsere eigene Haut schätzen zu lernen. So, wie wir unsere Haut gegen Sonnenstrahlen schützen, indem wir Sie eincremen oder bedecken, sollten wir den Boden in unseren Gärten ebenfalls vor Sonne schützen. Ungemulchter oder ungeschützter Boden verdorrt in der Sonne. Für die Nährstoffversorgung wichtige Mikroorganismen gilt es vor Sonnenlicht (UV-Strahlung/Hitze) zu schützen. Zudem ist unser Boden mehrschichtig. Untere Schichten enthalten anaerobe Mikroorganismen, die für die Zersetzung von Grünabfällen und Biomassen wichtig sind und den Boden mit Nährstoffen versorgen. Umgraben oder Pflügen reisst diese tieferen, luft- und UV-empfindlichen Bereiche an die Oberfläche und zerstört dieses wichtige, vorher lebendige Gleichgewicht (Pilze, Hefen, Mikroorganismen, Kleinstlebewesen). Es gilt hier die Lockerung der Bodenstruktur durch Pflanzenwurzeln und Regenwürmer, statt durch eigentlich brachiale Gewalt (Umgraben) herbei zu führen. Erst jetzt, mit diesem Verständnis über die Beschaffenheit des Bodens,

bemerke ich bei Spaziergängen, wie sehr unsere Ackerböden toter Materie gleichen. Pflanzenwachstum ist hier nur durch Düngung möglich; gleich ob Kunstdünger oder Gülle. Derartige Böden sehen nicht mal mehr lebendig aus. Selbst dann nicht, wenn die Acker voll mit grünem Getreidebewuchs sind.

Das Zonensystem

Permakultur im Garten findet generell in Zonen statt. Zone 0 ist dabei das eigene Haus. Zone 1 der unmittelbar im Zugriff befindliche Bereich. Je weiter die Zonen vom Haus entfernt sind, desto weniger pflegeintensiv wird dort angebaut. Oder anders gesagt, weiter weg, darf Natur Natur sein. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass Bereiche mit hohem Pflegeaufwand oder regelmäßiger Nutzung schnell erreicht werden können. Das Kräuterbeet gehört also in Zone 1, möglichst nah ans Haus oder Küchenfenster. Und ist im Idealfall auch bei Regen mit wenigen Schritten erreichbar, so dass täglich hiervon profitiert werden kann.

Ein anderer Blickwinkel auf Garten- und Landschaftsnutzung

In einem der Bücher, die ich gelesen habe, fand ich folgenden Satz:

Permakultur ist ein Prozess: Das Ganze zu betrachten, die Verbindungen unter den Elementen zu sehen und abzuwägen, wie diese Verbindungen verändert werden können, damit alles harmonischer zusammenarbeitet.

Ich denke, dass ist eine schöne Formulierung. Weit mehr als Rasenmähen und Rosenschneiden, um einen ordentlichen Garten zu haben.

Es wird Zeit unsere Gärten, aber auch unsere landwirtschaftlichen Flächen, als Ganzes zu sehen, statt als Summe von optisch oder zweckmäßig angeordneten Einzelelementen.

Permakultur in der Landwirtschaft ist allein deshalb schon interessant, als dass hier Biodiversität und Bodenaufbau ermöglicht werden. Beides wird derzeit ja in der industriellen Landwirtschaft einem hohem Ertrag geopfert. Dabei zeigen diverse Beispiele aus der Praxis deutlich, dass Permakultur in der Lage ist vergleichbare, wenn nicht sogar höhere Erträge zu erwirtschaften.

Vielleicht konnte ich auch Dich inspirieren, etwas tiefer ins Thema Permakultur einzusteigen.

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