Folge 17 - Milch als Allheilmittel
Ein Beitrag
Jetzt ein Glas Milch, würde ich schon fast sagen, wenn ich all diese Werbesprüche lese, die im Milchkaufmann vertreten sind.
Was die Milch nicht alles kann- sie ist ein Lebensverlängerer, es gibt keine Krankheit, bei der sie nicht die Heilung unterstützt, sie gibt Kraft und Ausdauer, lässt Dich frisch und ausgeruht aussehen, ist gut für die schlanke Linie und hilft in Form von Quark auch gegen die "Managerkrankheit"...
Milch ist also rundum gesund - das Elexier des Lebens und eine Glanzstück der Werbeindustrie.
Transkript
Schön, dass du wieder dabei bist, bei Milchgeschichten, dem Podcast rund um die Kuhmilch. Ich bin Stefanie und auch in dieser Folge soll es wieder um die Milchwerbung der 1950er und 60er Jahre gehen, denn dort wurde das Fundament für die Normalität der Milch in unserem Alltag gelegt.
1957 war der Käufer noch sehr skeptisch gegenüber Werbung und ich möchte dazu einen kleinen Absatz aus dem Milchkaufmann vorlesen: „Die Aufklärung des Konsumenten über die Qualität der Lebensmittel ist nicht allein Aufgabe der Verbraucherorganisationen, sondern es ist auch eine echte Aufgabe des Handels. Der deutsche Verbraucher ist noch skeptisch gegen die Werbung, besonders dann, wenn er erkennt, dass sie teuer ist und er sie also über den Preis bezahlen muss. Der Verbraucher sieht allzu oft die Fehlleistungen einer Werbung und misstraut ihr. Es liegt also im Interesse der Verbände, wenn sie der Anregung der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände nach objektiver Unterrichtung und objektiver Aufklärung der Verbraucher nachkommen. Die Werbung soll dem Verbraucher helfen, zur Qualitätsbeurteilung zu kommen. Die Werbung muss inhaltlich und sprachlich klar sein und soll keine geheimnisvollen Wortbildungen enthalten. Werbung nützt nur dann, wenn sie wahr ist, denn sie gewinnt dadurch das Zutrauen des Verbrauchers. Wenn er der Werbung traut, richtet er sich auch danach. Wir in der Milchwirtschaft müssen mehr als bisher beachten, dass wir über die Milch nur das sagen, wofür wir auch 100% einstehen können. Noch in diesem Jahr 1957 wird in fast allen Ländern nunmehr TBC-freie Milch auf den Markt gebracht. Es ist ein ganz großer Schritt vorwärts getan, wenn wir dann mit dem Leitspruch werben, Milch ist immer gesund.“
Dieses Zitat zeigt nochmal ganz deutlich, wie anders die Voraussetzungen damals für die Milchwirtschaft waren und wie skeptisch der Verbraucher bzw. die Verbraucherin der Werbung gegenüberstand. Heute werden wir ja quasi nur noch von Werbung gesteuert. Heute ist es total normal, dass überall Werbung hängt und wir über alle Kanäle wirklich mit Werbebotschaften bombardiert werden. Aber damals war es eben noch nicht so. Natürlich müssen wir jetzt auch den Kontext betrachten. 1957 ist noch nicht lange nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist noch immer inmitten Nachkriegsdeutschland. Es war zwar gerade der Aufschwung da. Es ging voran, aber es war immer noch am Anfang dieser Bewegung. Das heißt, die Werbung sollte das jetzt unterstützen.
Und wie du auch in dem Zitat gehört hast, ging es darum, wahre Botschaften zu senden. Denn die Milch war damals nicht immer gesund, weil eben auch Milch von Kühen, die an Tuberkulose erkrankt waren, in den Handel kamen. Und es war ganz normal. Es gab einen Richtwert, wie hoch der Anteil der Tuberkulose Bakterien sein durfte, so wie es ja auch heute aktuell immer noch so ist, dass es einen Prozentsatz gibt, wie hoch der Anteil der Keime sein darf, wie keimbelastet eine Milch sein darf, die in den Handel kommt. Und dann gibt es da verschiedene Güteklassen. Und so war es damals eben auch schon, nur dass es damals Tuberkulose Bakterien unter anderem waren. Und Tuberkulose konnte 1957 fast vollständig bekämpft werden. Und das hat man eben auch als Erfolgsfaktor für die Trinkmilch angesehen.
Das war auch wirklich in den Nachkriegsjahren ein wichtiger Grund, immer auf die Hygiene zu gehen, dass man die Tuberkulose bekämpfen konnte. Denn es gab damals auch immer wieder große Angst vor Seuchen. Und die kamen eben nicht nur von den Tieren selbst her, sondern auch wieder von den Problemen der Milchverfälschung und wirklich unhygienischen Verhalten. Und da wurden natürlich auch die Abhofverkäufe angesehen, weil ja ein Bauer auf seinem Bauernhof immer nur Dreck rumfliegen hat und deswegen kann die Milch dort einfach nur dreckig und unhygienisch sein. So ist also auch 1958 immer noch die Qualität der Milch ein Problem und Hygiene ein wichtiges Stichwort. Und beides findet sich dann eben auch in der Werbung wieder, dass mit Hygiene und Qualität geworben wird.
Milch wurde damals auch als Allheilmittel angepriesen, in allerlei Krankheitsfällen. Und ich habe aus den verschiedenen Milchkaufmännern quasi, also aus den Zeitschriften, einiges rausgeschrieben und ich finde das so spannend, dass da wirklich Milch als Wundermittel propagiert wird. Milch hilft gegen Fettleibigkeit, Magenschwüre, Hautkrankheiten und auch bei appetitlosen Kindern. Der Obermedizinalrat Dr. Partenberg sagte 1953: „Sie, die Milch, ist ein hervorragendes Schutznahrungsmittel, auf das immer wieder hingewiesen werden muss, wenn Gefahren drohen.“
Und ich möchte dazu auch nochmal einmal aus dem Milchkaufmann zitieren. Und zwar gibt es da einen Artikel, der sich „Milchdiät in Krankheitsfällen“ nennt: „Fettleibigkeit und Milch. Bei der häufig durchgeführten, sogenannten karelischen Kur bei Fettleibigkeit, besonders mit Herzbeteiligung, nimmt man täglich 4 mal 200 Kubikzentimeter Vollmilch und etwa 3 Zwiebäcke. Oder man schaltet jede Woche einen reinen Milchtag ein und nimmt während der übrigen Zeit zum Beispiel 2 Liter Buttermilch, 500 Gramm Kartoffeln und 500 Gramm Äpfel über den Tag verteilt zu sich. Bei einer Einnahme von 2 Liter Milch täglich nimmt der normale Mensch 200 Gramm ab, sodass eine solche Milchkur eine ganze Zeit fortgesetzt werden muss.
Milch bei appetitlosen Kindern. Bei der Behandlung der Appetitlosigkeit im Kleinkindes- und Schulalter nach Infektionskrankheiten und nach Essschwierigkeiten in Folge einer abartigen seelischen Veranlagung des Kindes bzw. Überfütterung, Zwischenfütterung mit Süßigkeiten und reinen Erziehungsfehlern hat sich eine Milchnährmedizin besonders bewährt, die wie folgt zubereitet wird. Ein Viertelliter Milch, zweimal wöchentlich 1/8 Liter Sahne, 1/8 Liter Milch, 10 Tee Löffel Dextropur beziehungsweise Traubenzucker, 1 Teelöffel Kakao, das ganze Gemisch aufkochen, ein Eigelb hinzufügen, in eine Medizinflasche füllen und dem Kind als Nährmedizin stündlich 2 Esslöffel geben.“
Ich muss einmal kurz was einfügen: wenn man so Geschichten von früher hört, so wie eklig Medizin war und so, dann kann ich mir das jetzt auch sehr gut vorstellen. Wenn ich dieses Rezept höre und wenn das Kind dann gezwungen wird, stündlich 2 Esslöffel davon einzunehmen, von so einem widerlichen Gebräu, das ist auch irgendwo kein Wunder. Ich finde das so faszinierend, wie Milch genutzt wird, dass Kuhmilch, es geht ja immer um Kuhmilch, also dass Kuhmilch wirklich als Allheilmittel genutzt wird. Kuhmilch kann alles heilen und also auch „Schwierigkeiten in Folge einer abartigen seelischen Veranlagung des Kindes“, was auch immer das heißen soll. Also diese Formulierung, das kommt mir wirklich teilweise vor wie aus grauer Vorzeit und das ist jetzt hier wieder 1957. Also es ist noch nicht lange her, es ist wirklich noch nicht lange her.
Aber ich möchte noch mal weiter zitieren und zwar: „Milch und Magengeschwüre. Bei der Behandlung des Magengeschwürs und der Magenblutung gibt es verschiedene Diätvorschriften. Das Magengeschwür heilt am besten aus, wenn der Magen durch den Speisebrei nicht zu stark gedehnt wird und die Sekretion nicht zu reichlich ist. Bei der Magenblutung in Folge eines Geschwürs wird im Allgemeinen erst am zweiten Tag Milch gegeben, etwa in Form von 250 Gramm Vollmilch mit einem Drittel Kalkwasser 10 Tage lang. In schweren Fällen wird abgekochte kühle Milch esslöffelweise gegeben, von Tag zu Tag um 100 Gramm steigend. Vom zehnten Tag der Behandlung ab kann man bereits täglich 3 Liter Milch geben und einen Zusatz von Rahm. Vom 20. Tag wird die Milchmenge auf 1 bis 1,5 Liter herabgesetzt und am 28. Tag erhält der Kranke täglich 1,5 Liter Milch und 1,5 Liter Sahne.“
Und da geht es noch weiter: „Milch und Hautkrankheiten. Die Behandlung von zahlreichen Hautkrankheiten bei Erwachsenen wie nicht ansteckende Pilzerkrankungen und so weiter wird in vielen Fällen ohne Ernährungsumstellung nicht möglich sein. Die moderne Behandlung von Hautkrankheiten mit Salben, Bestrahlung und so weiter hat weiterhin ihre Berechtigung. Jedoch reicht sie in vielen Fällen zur Umstimmung der Gewebe besonders bei den stark nässenden Hautausschlägen bei Kindern und Erwachsenen nicht aus. Bei manchen plötzlich auftretenden Hautentzündungen gibt man alle 3 Stunden 500 Gramm Milch mit etwas Kalkwasser angereichert. Wenn hier durch Verstopfung auftritt, muss man statt der Milch Kefir verwenden. Nach Abklingen der Hautentzündung wird dann eine Milch-Gemüsekost gegeben.
Es erscheint bemerkenswert, dass im Gegensatz zu den Angaben über den Gewichtsverlust bei der Fettleibigkeit von 200 Gramm pro Tag ein Mensch mit einer plötzlich auftretenden Hautentzündung bei einer Milchkur 1000 bis 1500 Gramm bei gleichzeitig erheblicher Besserung seines Hautleidens abnehmen kann. Dies kommt durch eine Entwässerung und Entchlorung der Haut. Eine solche Milchkur wird zunächst 3 Tage lang durchgeführt und nach 14 Tagen nochmals wiederholt. Besonders auffällig ist es auch, dass solche Milchkuren Hauternährungsstörungen, die bei Fettleibigen auftreten, häufig rasch beseitigen.“
Findest du das nicht auch faszinierend, wie die Milch wirklich rundum wirkt? Und Milch ist halt nicht nur in Krankheitsfällen sinnvoll, wobei jetzt hier ja Fettleibigkeit auch als Krankheitsfall gesehen wird. Das heißt, das folgende Zitat hat dann eigentlich auch etwas mit Krankheit zu tun.
Denn: “Wir haben kürzlich einen Fall beobachtet, wo eine Frau, die an sich schon etwas zur Fülle neigte, für sechs Wochen fast täglich reichliche Portionen Schlagsahne vorgesetzt bekam, die sie auch ohne Rücksicht auf Verluste, so äußerte sie sich mit einem Galgenhumor, verzehrte. Nach dem so gehaltvollen Nachmittagskaffee war dann der Appetit zum Abendessen nicht mehr sehr groß und nach sechs Wochen bestätigte die Waage 10 Pfund Gewichtsabnahme. Die waren trotz Schlagsahne zu verzeichnen und ohne irgendein Mittel oder künstliche Nahrungsbeschränkungen lediglich in Folge Ortsveränderungen, ganz anderer Lebensweise und viel Bewegung. Am Abend ein Glas Sauermilch, das durchaus nicht nur ein Sommergetränk ist, sorgte für den ausreichenden Stuhlgang. Allgemeinbefinden dabei ausgezeichnet.“
Also das ist wirklich mein Lieblingszitrat, was Milch alles so tolles bewirken kann, denn, du hast es gelesen, die Dame hat 10 Pfund abgenommen in sechs Wochen durch Schlagsahne. Und das nur in Folge von Ortsveränderungen, ganz anderer Lebensweise und viel Bewegung. Ich frage mich ja so ganz ehrlich, ob sie nicht vielleicht mehr abgenommen hätte, wenn sie auf die Schlagsahne verzichtet hätte. Wenn wir diesen Sensationsbericht mal nüchtern betrachten, dann wird sie wohl eher davon abgenommen haben, dass sie ganz anders gelebt und sich viel bewegt hat. Und nicht weil sie diese Schlagsahne gegessen hat, sondern obwohl sie diese Schlagsahne gegessen hat, hat sie abgenommen. Aber man kann das natürlich so drehen, dass man behauptet, okay, 10 Pfund abnehmen in sechs Wochen nur durch Schlagsahne. Das ist die neue Brigitte-Diät. Kannst du auch mal ausprobieren. Kannst du ja mal davon berichten, ob du dann auch so 10 Pfund in sechs Wochen abnimmst. Ordentlich Schlagsahne.
Der Milchkaufmann titelt auch immer wieder mit Milch als Lebensverlängerer: „Deswegen gibt es auch keine Krankheit, während deren Verlauf man nicht die Milch als Ernährungszusatz gleichzeitig gegen die weitere Ausbreitung der Krankheitserreger im Körper heranziehen könnte. Es gilt besonders bei Darmkartarren, Magengeschwüren und ähnlichen Vorgängen.“ sagt Dr. Schmidt Lamberg. Und dann gibt es noch „Quark als Diät im Zeitalter der Managerkrankheit“. Es gab es also auch schon damals die Managerkrankheit, so um 1960 herum. Das ist keine Erfindung der 2000er oder 2015-20er Jahre. Nein, tatsächlich gab es auch schon damals das Zeitalter der Managerkrankheit.
Und da heißt es hier: „Für den körperlich, wie für den geistig arbeitenden Menschen ist das gesamte Eiweiß des Quarkes mit seinem hohen Nährwert von großem Nutzen.“
Du siehst also, Milch ist rundum wundervoll und du kannst die Kuhmilch und Kuhmilchprodukte in allen Formen gegen jedes Zipperlein verwenden. Und das finde ich hochgradig faszinierend. Denn je nachdem, worunter du leidest, hilft es dir entweder abzunehmen oder wenn du gerade unter Appetitlosigkeit leidest, zuzunehmen oder Hautkrankheiten zu heilen oder es stoppt die Verbreitung von Bakterien in deinem Körper oder es fördert die Verbreitung von Bakterien in deinem Körper und es ist immer die gleiche Milch. Es ist immer Kuhmilch. Vielleicht in verschiedenen Formen, dass du sie als Quark zu dir nimmst oder als Sauermilch oder als Schlagsahne, aber es ist immer Kuhmilch. Interessant, oder? Und klar, wenn damit so geworben wird, Milch ist hochgradig gesund und hilft dir in allen Lebenslagen. Warum nicht? Warum sollten wir sie nicht nehmen? Wenn du in der Zeit gelebt hättest und vielleicht Mutter gewesen wärst oder Vater, aber in diesem Sinne wahrscheinlich eher Mutter, dann hättest du dich wahrscheinlich auch davon verleiten lassen, Milch zu kaufen, weil sie so gesund ist, weil sie hilft und hättest dich auch daran orientiert, was dir an Rezepten gegeben wird.
Heute ist es ja nicht anders. Wir greifen total gerne zu Wunderpillen, von denen wir uns wer weiß, was versprechen und nicht umsonst gibt es immer wieder neue Diäten und in diesen vielen, vielen, vielen Zeitschriften so viele Diätvorschläge. Und wir glauben sehr gerne solchen Versprechungen, weil sie es einfach machen. Es ist dann nicht so anstrengend, das Leben, sondern es macht es alles total einfach. Und diesen Nerv hat damals die Milchwirtschaft auch schon gekitzelt und hat damals genau da gedrückt und sich gedacht, hey, wunderbar. Damit werben wir, also nicht nur mit Panikmache, wie ich in der vorangegangenen Folge schon erzählt habe, sondern vor allem eben damit, wie gesund Milch ist und dann gleich mit Rezepten und Hinweisen und Handlungsempfehlungen, was du bei den verschiedensten Krankheiten machen kannst, wie du dich da verhalten kannst und wie du wirklich alles kurieren kannst, wenn du nur ein bisschen Kuhmilch hast.
Und das ist natürlich Wahnsinn, wenn du damit aufwächst und wenn dir das eingetrichtert wird die ganze Zeit und du wirst umgeben mit diesen Worten und es wird dir vorgelebt und es wird dir vom Arzt gesagt und du denkst ja auch dieser Arzt, damals gab es wahrscheinlich weniger Ärztinnen als heute, also sage ich jetzt einfach Arzt, du gehst zum Arzt und bist krank und der sagt dir, hey du musst so eine Milchkur machen, eine Milchdiät und das wird da verschrieben, dann glaubst du dem ja auch, weil es eine Autoritätsperson ist und dann ist es eben kein Wunder, wenn du das so weitergibst an deine Kinder und wenn deine Kinder, die unsere Eltern sind oder unsere Großeltern, ja nachdem wie alt du bist, dann das alles schon als Kinder lernen und damit aufwachsen, wie normal das ist und dann geht es immer weiter, so wie ich es ja schon in den vorangegangenen Folgen erzählt habe, dann geht es weiter, dass es immer mehr Milchprodukte gibt und immer mehr verschiedene Geschmacksrichtungen und dann kannst du dir einfach die Milch nicht mehr nur pur irgendwie kaufen, sondern es ist ja total gesund, dass du sie dann mit Schokolade überzogen kaufst und das deine extra Portion Milch am Tag ist und dass du sie als Buttermilch kaufst, als Kefir, als was auch immer und das macht es dir so einfach zu sagen, hey das ist so gesund und deswegen kaufe ich das jetzt, kaufe ich die Buttermilch mit Erdbeergeschmack oder die Molke mit keine Ahnung, Orangengeschmack.
Ich habe das auch gemacht, ich habe auch gedacht, hey das ist total gesund und in jeder Diät wird dann irgendwie was mit Molke-Kur angegeben und Molke ist so toll und wenn du mal Weight Watchers gemacht hast, das hat wenig Punkte, ja, also ich weiß wovon ich spreche, ich weiß es ganz genau, ich habe das auch gemacht, aber jetzt durch diese Arbeit und diese Beschäftigung mit der Milch und allem was da drumherum ist, kann ich dir nur sagen, es ist alles Werbung, es hat nichts mit der Realität zu tun, es ist alles Werbung und es liegt alles daran, dass damals einige den Menschen helfen wollten, dass sie gesagt haben es ist ein günstiges Nahrungsmittel, das uns allen schnell zur Verfügung steht und was uns aus diesem Mangel und aus diesem Hungerleiden herausführen wird und was uns helfen wird diese mangel- und unterernährten Kinder und Erwachsenen wieder zu kräftigen, gesunden Menschen zu machen, was aber heute überhaupt nicht mehr notwendig ist.
Heute geht es nur noch um die Milchwirtschaft, damals ging es auch schon um die Wirtschaft, aber es hatte noch so einen vordergründigen Klang, dass es wirklich auch was war, was vonnutzen war für die Bevölkerung, dass man wirklich helfen wollte, aber es war immer zweigeteilt, immer schon zweigeteilt, dass es sowohl um die Volksgesundheit, als auch um die Volkswirtschaft ging.
Und heute ist es nur noch die Volkswirtschaft, denn schau dich um, wo siehst du in unserer Gesellschaft, in Deutschland, mangel- und unterernährte Kinder en masse, die dringend mit Milch ernährt werden müssen? Wo siehst du bei uns leere Supermärkte und das Problem irgendwie dein Kind zu versorgen? Wo siehst du das? Seit der Wende, seit dem Mauerfall und das ist jetzt nun wirklich schon einige Jahre her, gibt es das in Deutschland nicht mehr, natürlich gibt es einen Einkommensunterschied und es gibt viele Hartz-IV-Empfänger und das will ich nicht leugnen, auf gar keinen Fall, aber trotzdem ist für uns gesorgt und es muss fast keiner Hunger leiden, natürlich gibt es Obdachlose und natürlich gibt es Ausnahmefälle.
Aber schau dich um, egal wie hoch das Einkommen ist, Kinder müssen nicht mangel- oder unterernährt sein, das heißt es gibt diese Problemsituation nicht mehr und in der Folge über die Schulmilch wirst du nochmal erfahren, wie sich das auch, dieser Mangelernährungsfaktor, dieses Argument auch von damals bis heute durchzieht, bis jetzt in die Gegenwart und für heute möchte ich jetzt aber erst mal diese Folge beenden und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.
Quellen
Einen großen Teil meiner Informationen beziehe ich aus der Bibliothek der ehemaligen Milchforschungsanstalt in Kiel.
Max Rubner-Institut
Hermann-Weigmann-Str. 1
24103 Kiel
Diese Bibliothek beherbergt einen wahren Schatz an Dokumenten zur Milchwissenschaft und direkt gegenüber ist auch noch der Unverpacktladen- sehr praktisch :-)
Weitere Quellen
ROLLINGER, Maria, 2013: Milch besser nicht. 5. Auflage Trier: JOU-Verlag | Meine Rezension zum Anhören.
Die Milch : Geschichte und Zukunft eines Lebensmittels / hrsg. im Auftr. der Stiftung Museumsdorf Cloppenburg, Niedersächsisches Freilichtmuseum von Helmut Ottenjann ... [Museumsdorf Cloppenburg, Niedersächsisches Freilichtmuseum], Cloppenburg : Museumsdorf Cloppenburg, 1996.
FINK-KEßLER, Andrea, 2013: Milch - Vom Mythos zur Massenware. 1. Auflage München: oekom
HAHN, Christian Diederich, 1972: Vom Pfennigartikel zum Milliardenobjekt - 100 Jahre Milchwirtschaft in Deutschland. 2. Auflage Hildesheim : Verlag Th. Mann OHG
SCHWERDTFEGER, Curt, 1956: Milch, Wunder der Schöpfung, Quelle der Gesundheit : Ein dokumentar. Bildwerk über d. Milch u.d. Milcherzeugnisse. 2. Auflage Hildesheim : Verlag Th. Mann
WIEGELMANN, Günter, 1986: Unsere tägliche Kost. Geschichte und regionale Prägung. 2. Aufl. Münster: F. Coppenrath Verlag
BROCKS, Christine, 1997: Die Kuh - die Milch : eine Publikation des Deutschen Hygiene-Museums Dresden
Grafes Handbuch der organischen Warenkunde, Vol. 5 Halbbd. 1 (ab S. 306)
http://resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/PPN832533432
Lebendiges Museum online: http://www.dhm.de/lemo