Du darfst schlecht gelaunt sein!

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Folge 010 - Du darfst schlecht gelaunt sein!

In dieser Folge möchte ich Dir mitgeben, dass es völlig in Ordnung ist, nicht permanent gut gelaunt zu sein.

Wir leben mittlerweile in einem Zeitalter der Selbstoptimierung und auch die Power-Ups sollen Dir helfen, Dich besser zu fühlen, dabei übersehen wir aber sehr schnell, dass negative Gefühle zum Alltag dazugehören.

Es ist okay, wenn Du gerade schlecht drauf bist. Du musst dieses Gefühl nicht wegdrücken. Es hat seine Daseinsberechtigung.

Transkript (Korrektur gelesen von ä'Odner)

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge des „Von Herzen vegan“-Podcasts, der Dir hilft, dich gelassen und souverän in deinem veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und in dieser Folge möchte ich dir einmal mitgeben es ist okay, wenn du dich schlecht fühlst. Es ist völlig in Ordnung, wenn du mal schlecht gelaunt bist. Es ist okay, sich mies zu fühlen.

Natürlich ist es nicht schön, schlecht gelaunt zu sein oder sich mies zu fühlen. Schmerzen jeglicher Art sind nie schön, aber es ist völlig in Ordnung, sie zu fühlen, wenn du sie gerade fühlst. Das ist deine Realität. Du fühlst das gerade und das kann dir keiner absprechen. Selbst wenn jemand anders zu dir sagt: „Ach, stell dich nicht so an. Das ist doch nicht so schlimm.“ Kann dieser andere das überhaupt nicht beurteilen. Du empfindest es gerade so und dann ist das so.

Ja, ich weiß, dass das mit dem Power-ups und ja vor allem mit der emotionalen Resilienz in diese Richtung geht, dass man sich quasi immer gut fühlen sollte. Aber es ist tatsächlich nicht so gemeint, dass du quasi dich so selbst optimierst, dass du dich rund um die Uhr immer super fühlst. Schlechte Gefühle, negative Gefühle gehören einfach dazu zum Leben. … auch dies geht vorbei. Es ist halt ein auf und ab. Es ist ein Fluss. Ein auf und ein ab. Und mal fühlst du dich halt schlecht. Mal fühlst du dich gut. Und du weißt aber es geht immer weiter.

Natürlich kannst du dich halt ganz tief in das schlechte Gefühl reinbohren und ja in so einer Abwärtsspirale bewegen. Da helfen dann wiederum die Power-ups, dich da wieder rauszuholen. Ich möchte das jetzt hier nicht verstanden wissen für eine Hilfe bei Depressionen, da kenne ich mich einfach nicht genug aus und das ist jetzt ja auch keine therapeutische Hilfe, sondern einfach nur meine Erfahrung. Ich möchte dir einfach nur sagen, dass es in Ordnung ist, das zu fühlen, was du fühlst und wenn du gerade eben schlecht gelaunt bist, dann bist du gerade schlecht gelaunt und das ist ok.

Ich habe das Gefühl, dass uns das irgendwie schon als Kinder abgesprochen wurde. Meine Theorie basiert tatsächlich auf einigen Beweisen, denn du kennst du leicht diese klassische Situation: Kind fällt hin, schlägt sich irgendwie das Knie auf oder so und weint und dann stürzt jemand hin und sagt „Ach, ist doch nicht so schlimm!“, pustet so ein bisschen aufs Knie und sagt „ach, stell dich nicht so an! Wein doch nicht, ist doch alles halb so wild!“, irgendwie so ne also. Das ist aber die Realität von demjenigen, der dahingestürzt ist, um helfen zu wollen. Der sagt das wahrscheinlich auch nicht irgendwie aus bösem Willen, sondern um Helfen zu wollen.

Das Kind aber empfindet gerade in dem Moment Schmerz und es tut ihm gerade weh und darf aber jetzt keinen Schmerz empfinden und darf nicht weinen, weil der Erwachsene grad gesagt hat „ach komm, es ist doch gar nicht so“. Und wenn dem Kind das halt häufig genug passiert, dass ihm seine eigene Realität abgesprochen wird, dann wird es das eben nicht mehr als die eigene Realität ansehen, also dann sieht es sich selbst als falsch an, also die eigenen Gefühle als falsch. Und ich bin der Meinung, dass uns das als Kinder ganz oft passiert ist und das es heute eben noch passiert.

Ich musste das leider als Mutter auch schon sehr oft beobachten, auch als mein Kind noch sehr klein war, das anderen Kindern gesagt wurde so „jetzt hör erstmal auf zu weinen, dann bekommst du das und das“. Dass das Kind halt einfach gar nicht weinen durfte! Und ich hab bei meinem Kind bemerkt, wenn ich ihn einfach begleite durch diesen Schmerz und sage „ja, es tut weh!“ und „es ist echt gerade alles total mies“ und „hey, ich bin bei dir“ und „ich halte dich“ und „ich bin da und begleite dich jetzt durch diesen Schmerz“, dann vergeht der Schmerz auch wieder. Es ist nicht so, dass das Kind sich dann eine reinfallen lässt und für immer schlecht gelaunt und weinerlich ist. Sondern es muss da wie durch so’n Tal einmal durchgehen und dann am Ende ist es ausgeweint sozusagen und der Schmerz ist vorbei und es ist es ist in Ordnung so.

Und meine Theorie ist ja, dass wir das verlernt haben, da unsere Gefühle wirklich einfach zu durchleben. Das uns halt von außen auch gesagt wurde „dein Gefühl, das was du gerade fühlst, das ist nicht richtig. Das ist falsch. Das ist nicht ok. Das darfst du nicht fühlen. Du fühlst das gerade gar nicht“ im Sinne von „Ach komm, das ist doch gar nicht so schlimm!“, „das tut doch gar nicht so weh!“ und so. Und das wir dadurch heute angelangt sind bei dieser Annahme, dass wir immer schlechte Gefühle wegdrücken müssen. Und das ist eben gar nicht so.

Und ich möchte mit diesem Impuls eben vorbeugen, dass du denkst, dass du durch die Power-Ups eben versuchen musst, auch diesem Anspruch gerecht zu werden. Sondern, dass du die Möglichkeit hast, wenn es dir schlecht geht einfach dieses Gefühl zu durchleben und das Gefühl da sein zu lassen. Diesem Gefühl Raum zu geben, dass du auch mal tief durchatmen kannst und dem Gefühl die Möglichkeit geben kannst, in dir zu sein.

Thich Nhat Hanh hat da eine Übung ein eigentlich ganz simpel ist, dass du so sagst: also einatmend sag ich dem Gefühl „Hallo“, quasi so „Hallo Wut“ also zum Beispiel und dann ausatmend „Auf Wiedersehen, Wut“. Also so ganz simpel, also einatmend „Hallo Wut“ ... „Auf Wiedersehen, Wut“. Also kannst du was einladen und wieder gehen lassen.

Und das funktioniert natürlich auch bei Trauer oder Schmerz, dass du dieses Gefühl einfach einlädst einmal da zu sein und dann auch wieder wegzugehen. Das es halt nicht immer bei dir ist, aber dass du ihm zumindest Raum gibst und so eine zeitlang atmest. Das ist halt eine Möglichkeit, auch damit umzugehen. Und mein Impuls ist wirklich, bitte, du darfst dich schlecht fühlen, du darfst schlecht gelaunt sein, du musst nicht immer gut gelaunt sein.

Und damit endet diese Folge jetzt auch wieder hier und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

Links zur Folge

Gamify your life von Jane McGonigal
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