Soll ich auswärts Ausnahmen machen?

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Folge 027 - Soll ich auswärts Ausnahmen machen?

Soll ich Ausnahmen auf einer Party machen oder nicht? Riskiere ich es die anderen zu nerven oder esse ich einfach, ohne genau zu wissen, ob es vegan ist?

Wie gehe ich am wertschätzendsten mit meinem Mitmenschen bei einer Feier mit Mitbringbuffet um?

Das sind Fragen, die ich häufig gestellt bekomme und in dieser Folge beantworte.

Vollständiges Transkript

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge des von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän, durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und in dieser Folge möchte ich eine weitere Herausforderung besprechen, die mir von einer Teilnehmerin meiner Webinar-Reihe zugesandt wurde.

Und zwar beschreibt diese Teilnehmerin auf meine Nachfrage hin eine besondere Situation, für die sie bisher noch keine Lösung hat: „Eine Party, viele liebe Menschen, ein Mitbring-Buffet, wie so oft. Alle Speisen wurden mit viel Liebe und lecker zubereitet, oft sogar fleischlos, da ja viele heutzutage schon an Vegetarier denken. Wie kann man dann am wertschätzenden reagieren? Esse ich die mir unbekannten Speisen, von denen ich die Inhaltsstoffe nicht kenne und der Gastgeber auch nicht, da es ein Mitbring-Buffet ist, gar nicht? Oft kommen dann ja maximal Brot und Gemüsesticks in Frage. Frage ich bei allem immer nach, ob da auch Ei, Käse, Sahne, Honig, Quark und so weiter drin ist und riskiere damit das genervt sein der Beteiligten? Kneife ich die Augen zu und esse manches, ohne ganz genau zu wissen, ob da auch nicht vegane Lebensmittel enthalten sind?“

Diese Frage wird mir tatsächlich sehr oft gestellt. Was mache ich, wenn ich irgendwo eingeladen bin und ich weiß nicht genau, ob es vegan ist oder nicht? Esse ich das dann oder esse ich es nicht? Ist das höflich, ist das unhöflich? Wie reagiere ich da am besten? Und hier ist ja auch die Frage, wie reagiere ich am wertschätzendsten?

Ich würde immer sagen, es kommt darauf an. Zum einen kommt es darauf an, wie es dir damit geht. Also ich würde immer schauen, wie fühle ich mich damit? Fühle ich mich schlecht, wenn ich jetzt etwas esse, was nicht vegan ist? Oder ist es okay? Kann ich da mit umgehen? Also ich zum Beispiel lebe jetzt so lange vegan, für mich ist es nicht okay. Ich könnte nicht irgendwas essen, was nicht vegan ist und ich würde tatsächlich dann, wenn ich mir selber nichts mitbringe und ich nicht wüsste, was vegan ist, gar nichts essen oder nur die Dinge essen, von denen ich ganz genau weiß, dass sie vegan sind. Also wie zum Beispiel Gemüsesticks oder vielleicht sogar Brot, wobei man beim Brot ist ja auch nie genau weiß.

Ich beuge aber solchen Mitbringbuffets immer insofern vor, als dass ich immer genügend vegane Sachen mitbringe, sodass ich auf jeden Fall versorgt bin. Und meistens sind das Büfetts für mein Kind. Das heißt also, dass mein Kind und ich immer gut versorgt sind. Ich würde also tatsächlich ganz danach gehen, wie es dir damit geht. Wenn du danach ein schlechtes Gewissen hast und dich total schlecht fühlst, dann würde ich nicht von den Dingen essen, von denen du nicht weißt, ob sie vegan sind. Denn es geht in erster Linie tatsächlich immer darum, deinen Werten zu folgen.

Die Frage war natürlich so gestellt, wie kann ich am wertschätzendsten reagieren? Das bedeutet ja eigentlich, wie geht es den anderen damit? Wenn du also jetzt bei so einem Mitbringbüffet stehst und sagst, okay, ich esse das jetzt alles nicht, dann könnte es bei den anderen schlecht ankommen. Das heißt, du solltest dir im Vorhinein überlegen, wie kannst du das am besten erklären? Ich erkläre es so, dass ich sage, ich kann es einfach nicht essen. Mein Gefühl verbietet es mir. Also, ich fühle mich einfach dann total schlecht danach und ich kann es einfach nicht. Es tut mir leid. Ich weiß, dass du es mit Liebe zubereitet hast und dass du da ganz viel Arbeit und Mühe reingesteckt hast. Aber ich kann es leider nicht essen, nicht im Sinne von ich darf das nicht. Sondern mein Gefühl verbietet mir das, dieses Essen zu essen. Ich habe da einfach ganz viele Bilder im Kopf und ich bin da einfach ein bisschen empfindlich.

Was Gesche und ich in der Folge „Veganer sind immer schlank“ im Einfach Vegan Podcast festgestellt haben, war ein Erlebnis von Gesche, wo sie erzählte, dass auf einer Party eher akzeptiert wird, dass man sagt: „Ich esse das nicht, weil ich gerade eine Diät mache.“, als wenn ich sage, „Ich esse das nicht, weil ich vegan lebe.“ Wenn du also tatsächlich Angst hast, dich zu outen als Veganer·in oder irgendwie noch in einer Phase bist, wo du nicht möchtest, dass irgendjemand das weiß, kannst du auch sagen: ich mache gerade so eine Challenge oder ich habe eine Wette verloren oder ich mache gerade eine Saftdiät oder so. Also du kannst halt auch solche Ausreden für dich erfinden, wenn es dir damit besser geht. Es geht tatsächlich in erster Linie darum, dass es dir damit besser geht und im Umkehrschluss geht es dir ja auch nur besser damit, wenn du dann das Gefühl hast, dass du den·die anderen damit nicht verletzt, also hast du dann ja auch schon beide mit im Boot.

Dann war ja auch die Frage: frage ich jetzt überall nach, was ist da drin? Könnte ich jetzt natürlich machen. Würde ich aber nur machen, wenn du Interesse daran hast, es wirklich zu essen und vielleicht kannst du auch nur dann nachfragen, wenn dich jemand aktiv darauf anspricht und sagt: Hey, hast du schon meine Käsetorte probiert? Dann kannst du natürlich fragen, ist sie denn vegan und dann sagen die Ja oder Nein oder wissen es nicht und dann kannst du natürlich darüber ins Gespräch kommen. Aber ich würde jetzt nicht bei allem nachfragen, was da drin ist, bei vielem sieht man es ja schon und würde mich auf das beschränken, was ich selber mitgebracht habe. Es sei denn andere sagen dir, hey, ich habe extra was veganes für dich gemacht.

Es wird tatsächlich leichter, wenn du bei einem Mitbringbüffet bist mit, es hieß ja jetzt „vielen lieben Leuten“, da gehe ich davon aus, dass es Menschen sind, die dich kennen. Je länger du vegan lebst, desto mehr wissen natürlich, dass du vegan lebst und werden dann auch schon selber was veganes für dich mitbringen oder von sich aus sagen: hey, das ist nicht vegan oder guck mal, das ist vegan oder irgendwie in diese Art auf dich zugehen. Also es wird sich von alleine geben, das ist meistens nur am Anfang so, wenn du noch nicht lange vegan lebst oder eben bei fremden Gesellschaften, wo dich noch keiner kennt.

Und da kommt es ganz auf deine Persönlichkeit an, möchtest du auffallen oder nicht. Wenn du nicht auffallen möchtest, würde ich mich tatsächlich nur an meine eigenen Speisen halten und wie gesagt für den Fall, dass du wirklich gar nicht irgendwie über das vegan sein reden möchtest, könntest du eine Ausrede erfinden. Gesundheitliche Begründungen werden tatsächlich immer mehr anerkannt als ethische. Du könntest auch ein Nachhaltigkeitsgrund anführen, aber tatsächlich ist es da wieder so moralisch, das heißt das gesundheitliche ist wirklich ja das Argument, was du an erster Stelle wählen könntest.

Es ist also in erster Linie auf jeden Fall Typsache, wie geht es dir damit? Ich würde immer danach schauen, wie geht es dir damit? Und solche Situationen kannst du natürlich auch zu Hause ein wenig vorbereiten, in denen du dir überlegst, wie könnte das ablaufen und wie kannst du damit umgehen, eventuelle Fragen, willst du Fragen beantworten, willst du keine Fragen beantworten, möchtest du dir lieber ein Schutzschild zulegen, möchtest du dir eine Ausrede zurechtlegen. Wenn du das vorher schon mal alles einmal durchgespielt hast, wird es dir dann im Ernstfall leichter fallen.

Es kommt ja tatsächlich auch ganz drauf an, welche Menschen dort sind, sind es Menschen, die du gut kennst, sind es Freunde, Verwandte oder ist es jetzt eine Party von deiner (neuen) Firma, sind es neue Arbeitskolleg·innen, wie stelle ich mich da vor? Oder ist es vielleicht irgend eine Veranstaltung, bei der du ganz neu dabei bist und je nachdem wirst du dich wahrscheinlich anders verhalten.

In keinem Fall würde ich aber unvorbereitet hingehen. Ich würde mir immer vorher überlegen: was könnte passieren und mir dann schon mal einige Szenarien ausmalen, um dann vorbereitet zu sein. Wenn es geht, würde ich immer für ausreichend veganes Essen sorgen, vielleicht kennst du auch die Veranstalterin oder den Veranstalter, Gastgeber, Gastgeberin und kannst vorher schon mal fragen, wie ist es denn mit veganen Speisen und Getränken, wird dafür gesorgt sein oder nicht und weißt du vielleicht, ob da noch andere Veganer·innen hinkommen und dann kannst du so vielleicht schon so ein bisschen abklopfen, worauf du dich da einlassen willst.

Ja und auch hier wieder: es geht tatsächlich nicht darum perfekt zu sein und wirklich jetzt immer die perfekten Argumente zu haben, sondern es geht in erster Linie darum, dich zu schützen und für deine Werte einzustehen.

So, ich hoffe, da waren jetzt ein paar Tipps für dich dabei, wenn du noch Fragen hast, dann schreib mir gerne an post [at] von herzenvegan [punkt] de und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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