Die Omnivoren sind doch verrückt, oder?

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Folge 033 - Die Omnivoren sind doch verrückt, oder?

In dieser Folge spreche ich über eine Herausforderung, die unter Veganer*innen nicht gerade selten ist:

"Die größte Herausforderung für mich ist es tatsächlich omnivore Menschen nicht negativ zu beurteilen. Oft erscheinen mir meine nicht veganen Mitmenschen so sehr auf einem falschen Weg zu gehen, dass es mir schwer fällt, sie so dort einfach weiter laufen zu lassen. Ihre Verhaltensweisen erscheinen mir oft verrückt und wenn ich das nicht verdränge, kann ich teilweise schwer mit ihnen positiv im Alltag umgehen."

Vollständiges Transkript

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und ich möchte mich heute einer Herausforderung widmen, der ich schon des Öfteren begegnet bin und die mir jetzt auch schon im Clan wieder begegnet ist.

Und zwar schreibt ein Clanmitglied: „Die größte Herausforderung für mich ist es tatsächlich, omnivore Menschen nicht negativ zu beurteilen. Oft erscheinen mir meine nicht veganen Mitmenschen so sehr auf einem falschen Weg zu gehen, dass es mir schwerfällt, sie dort einfach weiterlaufen zu lassen. Ihre Verhaltensweisen erscheinen mir oft verrückt und wenn ich das nicht verdränge, kann ich teilweise schwer mit ihnen positiv im Alltag umgehen.“

Wie schon gesagt, diese Herausforderung begegnet mir des Öfteren bei Veganer·innen, die noch nicht so lange dabei sind, aber auch oft bei Veganer·innen, die schon sehr lange dabei sind. Meine Erfahrung ist, dass wir schnell in diese Zweiteilung fallen. Wir Veganer·innen und ihr anderen, weil wir eben auch einer sozialen Gruppe zugehören müssen als Menschen. Wir sind einfach nicht als Einzelgänger angelegt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber wenn wir innerlich diesen Drang haben, einer sozialen Gruppe zuzugehören, dann können wir uns natürlich nicht mehr an der Gruppe orientieren, die nicht unseren Werten entspricht. Und orientieren uns dann an der Gruppe, die unseren Werten entspricht, was in diesem Fall eben die Gruppe der Veganer·innen ist. Und brauchen, um uns abzugrenzen, eben auch dieses Gefühl, dass wir die anderen nicht verstehen. Und dass das, was die anderen machen, falsch ist. Es ist dann die besondere Herausforderung, das in Mitgefühl umzuwandeln.

Ich habe das schon öfter beobachtet, dass Veganer·innen, die bei diesem Denken bleiben und darin verharren, die anderen einfach negativ zu sehen, dass sie Zuflucht in Zynismus suchen und sich zu Menschen entwickeln, die eigentlich eher nur das Negative sehen können. Und damit tust du dir nichts Gutes. Und den anderen natürlich auch nicht. Aber mir geht es eben in erster Linie um dich. Und dass du dich selbst rettest. Und dann, wenn du innerlich stark bist und auf dich gut achtest, wieder für die andern da sein kannst. Ganz klar, was die anderen machen, können wir nicht gutheißen, weil es einfach nicht unseren Werten entspricht. Die anderen, das sind die Nicht-Veganer·innen. Klar, wir brauchen diese Abgrenzung, sonst können wir nicht unseren Werten treu sein. Und ich weiß auch ganz genau, wie das ist. Ich habe auch diese Verzweiflung erlebt und gedacht Warum sieht es niemand? Warum kann nur ich das sehen?

Und leider ist es eben psychologisch bedingt, wie Melanie Joy mit dem Karnismus dargelegt hat. Dass der Karnismus als Ideologie einfach die Norm der Gesellschaft ist. Und es ist ganz schwer, so eine Norm auszuhebeln und eine neue Norm zu etablieren. In unserer Gesellschaft, in der wir leben, ist leider nicht Mitgefühl die Norm. Es ist Gewalt. Gewalt ist die Norm. Wenn wir uns umschauen, ist es wirklich, wirklich so, dass wir ein sehr gewaltvolles Leben führen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Und dann verstehe ich das natürlich vollkommen, wenn du verzweifelst und sagst, wieso sehen die anderen das nicht und den anderen Nicht-Veganer·innen auch nicht offen gegenübertreten kannst. Wichtig ist es jetzt aber nicht den Weg der Verbitterung zu gehen, wenn du gesund bleiben und vor allem auch glücklich bleiben möchtest. Sondern den Weg des Mitgefühls.

Thich Nhat Than hat in seinem Buch „Gut sein“ gesagt: „Wir müssen uns innerlich so entwickelt haben, dass wir mit dem Leiden umgehen können. Wenn wir nicht in uns selbst eine Heimat finden, können wir anderen nicht dienen.“

Und ich möchte noch hinzufügen, dass es eben sehr wichtig für deine Gesundheit ist, dass du gut für dich sorgst. Und in die Verbitterung zu gehen, bedeutet das Gegenteil. Wie kannst du also jetzt den Weg des Mitgefühls gehen? Das ist sehr schwer. Das kann ich sehr verstehen. Die Power ups werden dir helfen, vorbeugend. Und dann ist es eine Empfehlung und eine Erfahrung von mir, deine Sichtweise ein wenig zu drehen und dir immer wieder bewusst zu machen, dass auch du einmal nicht vegan gelebt hast und dass die anderen alle die Möglichkeit in sich tragen, vegan zu leben. Auch sie können alle vegan leben, haben aber den Samen, den sie in sich tragen, noch nicht zum Blühen gebracht.

Und du kennst das ja vielleicht. Ich hatte das zum Beispiel mit dem Wort Kalb. Kalbsfleisch. Selbst als Vegetarierin ist mir das nie aufgegangen. Was das denn jetzt eigentlich ist? Dass das ja eine Babykuh ist. Und erst als ich dann frisch vegan war, habe ich auf einmal gesehen: Klar, das sind überall Babykühe. Geschlachtete Babykühe überall. Und du siehst etwas tausendmal. Und erst beim tausend und einsten Mal begreifst du endlich. Und für manche dauert der Weg eben länger, für manche ist er kürzer und manche werden den Weg nie gehen. Und trotzdem ist es für dich und für die anderen hilfreich, wirklich den Weg des Mitgefühls zu gehen und Mitgefühl eben für alle Lebewesen zu leben. Darauf zu achten, dass du nicht in Kategorien denkst und nicht sagst: Oh, ihr blöden Nicht-Veganer·innen, ihr seid doch alle total verblendet. Warum kapiert ihr das denn jetzt eigentlich alle nicht?!“, sondern versuchst, wirklich versuchst, offen zu sein.

Wenn dir das momentan noch nicht gelingt, dann fang vielleicht erst mal damit an, dich innerlich zu stärken. Und das kannst du eben mit den verschiedenen Übungen machen, die ich zu Beginn des Podcasts vorgestellt habe und auch währenddessen immer mal wieder vorstelle, indem du regelmäßig diese Übungen machst, in dem du meditierst, vielleicht mit Yoga anfängst, also wirklich etwas für dich tust, in dem du ausreichend schläfst, in dem du ausreichend isst, in dem du auf deinen Körper achtest. Also erst mal wirklich dich auf dich zurückbesinnst. Und wenn du dann merkst, dass du stark genug bist, wirklich wieder nach außen zu treten und in der Gesellschaft teilzunehmen, dann kannst du dir überlegen, was dich in den einzelnen Situationen so herausfordert, welche Sprüche oder welche Handlungen? Und dann zu schauen vermeide ich sie oder lieber nicht? Wie gehe ich damit um und wie stelle ich mich denen? Und das dann auszuprobieren.

Ich möchte dich also einladen, diesen Weg zu gehen, den Weg des Mitgefühls und einfach bei dir selbst anzufangen, Mitgefühl mit dir selbst zu haben und anzuerkennen, dass du so fühlst und für dich zu sorgen. Probier es doch einfach mal aus. Ich würde mich sehr freuen und erzähl mir doch gern davon, wie dein Weg sich anfühlt, wie die ersten Schritte sind. Mach es spielerisch. Und ich freue mich natürlich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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