Geh Deinen Weg in Trippelschritten

Ein Beitrag

Folge 038 - Geh Deinen Weg in winzigkleinen Trippelschritten

Im Von Herzen Vegan Clan schrieb ein Mitglied, sie sei gerade in sehr kleinen Babysteps unterwegs und schaffe es daher momentan nicht Großes zu bewirken.

Das habe ich zum Anlass genommen diese Folge aufzunehmen, um Dich daran zu erinnern, dass es völlig in Ordnung ist Deinen Weg in Deinem Tempo zu gehen.

Es ist sogar viel wirksamer in winzigkleinen Trippelschritten zu gehen, als in großen, langen Schritten, da Du viel leichter auf Deinem Pfad bleibst.

Dazu stelle ich Dir eine kleine Übung vor, die Du unbedingt ausprobieren solltest - sie wirkt so nachhaltig, dass ich heute noch begeistert jedem davon erzähle, auch wenn ich sie schon vor fast 5 Jahren kennengelernt habe.

Außerdem möchte ich Dich in dieser Folge dazu einladen, Dich nicht mehr zu Vergleichen. Das Gefühl nicht schnell genug zu sein, nicht ausreichend große Schritte zu machen, hat seinen Ursprung in unserem Konkurrenzdenken.

Wenn Du Dir einen Gefallen tun möchtest: lass das Vergleichen einfach sein.

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und in dieser Folge geht es darum, warum es ganz, ganz viel Sinn macht, deinen Weg in winzig kleinen Trippelschritten zu gehen und dich nicht mit anderen zu vergleichen.

Wir starten im Von Herzen Vegan Clan gerade mit einem neuen Monatsthema. Und zwar sprechen wir in diesem Monat über die vegane Zukunft und über Visionen einer weitgehend veganen Welt. Und ich habe zu Beginn die Frage gestellt: „Was ist deine Vision von einer veganen Welt und einer veganen Zukunft? Wie sieht die aus?“ Und ein Clanmitglied hat geantwortet, dass es bei ihr jetzt gerade alles in winzig kleinen Babysteps geht. Und ich hatte das Gefühl, es kam so ein bisschen entschuldigend rüber. So, „also ich mach gerade ganz kleine Schritte und sorry, dass ich das mache.“ und ich möchte dafür werben, dass das ganz normal ist. Und das ist gut so. Es ist richtig super so, dass du kleine Schritte machst und nicht riesengroße Schritte. Denn je größer deine Schritte sind, desto leichter ist es umzukippen.

Du kannst dazu eine kleine Übung machen, die hat eine sehr weise Frau vor vielen Jahren einmal mit mir gemacht. Sie hat mich durch den Raum laufen lassen. Du brauchst dafür eine zweite Person. Also wenn du vielleicht deine·n Partner·in dazu bitten könntest oder eine·n Freund·in oder eine·n Kolleg·in, wen auch immer, und du kannst sie bitten, dich zu schubsen. Und zwar läufst du erstmal in großen Schritten durch den Raum oder über einen Platz, wo auch immer. Und du bittest jetzt diese Person, dich dabei zu schubsen und dann beobachtest du mal, wie du aus dem Tritt gerätst. Also fällst du um oder kannst du dich gut fangen? Sie sollte dich jetzt natürlich nicht so mega krass schubsen, dass du da durch die Gegend fliegst. Aber so ein bisschen Kraft sollte schon dahinter stecken. Und dann beobachte dich mal, was mit dir passiert, wenn du in großen, langen Schritten einmal quer durch den Raum gehst.

Und dann versuchst du es noch mal in ganz, ganz kleinen Schritten. Mach ganz kleine Schritte und bitte deine Begleitung, dich noch nochmal zu schubsen und zwar mit der gleichen Intensität wie vorhin. Und dann vergleicht es mal: wo wirst du leichter aus dem Tritt geraten? Und Du wirst, ich verrate es dir natürlich jetzt schon mal vorab, Du wirst bei den langen Schritten viel leichter aus der Bahn geworfen als bei den kleinen Schritten. Es macht aber total viel Sinn, das mal am Körper zu erfahren, weil sich das dann viel besser bei dir einprägt, als wenn ich es dir jetzt nur erzähle. Also ich zehre immer noch von dieser Übung und das ist jetzt keine Ahnung, bald fünf Jahre her, dass ich diese Übung gemacht habe.

Und es war wirklich für mich etwas, was ich in mein Leben übernommen habe. Immer wenn ich merke, ich mache viel zu große Schritte, dann besinne ich mich wieder darauf, dass ich viel leichter in der Bahn und auf dem Weg bleibe zu dem Ziel, was ich mir vorgenommen habe, wenn ich ganz kleine Schritte mache, auch wenn das viel Geduld erfordert und vielleicht auf den ersten Blick unbefriedigender erscheint. Wenn ich große Schritte mache, kann ich viel weiter abkommen von meinem Weg, wenn ich umgeworfen werde, als bei kleinen Schritten. Da kann ich ganz schnell wieder in meinen Pfad kommen, den ich gehen will. Und deswegen bin ich eine große Verfechterin der winzig kleinen Trippelschritte oder Baby Steps oder wie du sie auch immer nennen möchtest. Und ich finde nicht, dass jemand das entschuldigend sagen muss, dass er oder sie gerade halt nur Baby Steps macht, sondern ich finde, das kann eine Grundhaltung sein, diese Baby Steps zu machen.

Und ich möchte dich wirklich dazu einladen, mal diese Übung zu machen. Und du kannst natürlich dann auch wechseln und deine·n Partner·in dann schubsen. Ja und alle, mit denen ich bisher diese Übungen gemacht habe, haben gesagt, dass es tatsächlich etwas mit ihnen gemacht hat. Also es ist eine total simple Übung, aber es macht was in unserem Kopf. Also das heißt, hör es dir nicht nur an, sondern mach es auch wirklich.

Und das zweite, wozu mich das führt, ist auch dieses Vergleichen. Wir machen das ja ständig. Wir vergleichen uns ständig mit anderen. Und ich habe mit Carsten jetzt gerade eine Folge zum Bildungssystem aufgenommen und wir haben einen Film geschaut. Und mir ist jetzt klar natürlich, das Bildungssystem sorgt dafür, dass wir uns immer ständig vergleichen. Das heißt, wir werden so aufgezogen. Dass wir uns vergleichen müssen, weil die Prüfungssituationen so sind, weil das Bildungssystem so ist, weil wir es in der Schule so gelernt haben. Das ist aber total toxisch für uns. Also ich hätte schon fast tödlich gesagt, aber es ist wirklich etwas, was uns schadet. Dieses ständige Vergleichen. Denn niemand ist genauso wie wir und niemand hat die gleichen Voraussetzungen wie wir.

Und wenn du dich jetzt mit einer anderen Veganer·innen vergleichst und denkst „Oh, die oder der schafft es aber viel besser als ich und die oder der hat viel mehr Menschen veganisiert oder die oder der kommt viel besser klar in sozialen Situationen und strahlt immer oder ach keine Ahnung, sieht immer gesund aus oder was auch immer.“, dann ist das in dem Sinne problematisch, dass du dich eben gar nicht mit dieser Person vergleichen kannst, weil du überhaupt nicht weißt, was ihre Voraussetzungen sind und was da alles noch abläuft. Du siehst ja immer nur einen Bruchteil von dem, was eine Person ausmacht. Und ja, vielleicht kommt sie ja mit sozialen Situationen richtig gut klar, aber du weißt ja nicht, wie sie dazu gekommen ist und vielleicht ist sie auch ein ganz anderer Typ als du. Also vielleicht bist du eher schüchtern und vielleicht bist du eher so ein Mensch, der oder die nicht so gerne mit anderen spricht oder nicht so selbstbewusst ist oder was auch immer da bei dir vorgeht. Und die andere Person ist eben sehr selbstbewusst und stark und stellt sich da hin und sagt „Hey! Entweder ihr nehmt mich so wahr, wie ich bin, oder ihr könnt mich mal“ oder was auch immer. Und beides ist nicht schlecht oder gut in dem Sinne, dass man es vergleichen könnte.

Also nicht zu sagen, das ist besser und deswegen will ich so sein, sondern du bist du und die andere Person ist die andere Person und du hast deine Geschichte und die andere Person hat ihre Geschichte und du gehst deinen Weg in deinem Tempo individuell, so wie du bist, so wie deine Persönlichkeit ist, so wie das ist, was du an Begabungen mitbekommen hast, an deinem Leben, was dir gegeben wurde, was du als Baby, als du geboren wurdest, schon mit dir herumgetragen hast. Und dann natürlich all die Päckchen, die dir aufgeladen wurden in deiner Kindheit, in deiner Jugend und überhaupt in deinem Leben. Wir tragen so viele Päckchen mit uns herum, ob bewusst oder unbewusst. Und all das wirkt ja darauf. All das wirkt auf dein Verhalten. Wir sind so individuell, wir können uns einfach nicht vergleichen. Und doch machen wir es ständig. Wir machen es ständig.

Ich könnte mich auch die ganze Zeit mit anderen Menschen vergleichen. Und meistens, wenn ich das mache und ich erzähle es dann „Oh, guck mal, die, die machen ja das und das schon. Und die, ja die, die sind viel berühmter als ich und die, denen hören viel mehr Leute zu dann.“ Wenn ich das dann einer Freundin erzähle, dann guckt die mich an und sagt „Ja, aber die, die haben auch keine Kinder und die haben ganz andere Voraussetzungen, die erzählen ganz andere Sachen und usw..“ Also das heißt, wenn du jemand anderen von draußen draufgucken lässt, dann sehen die das immer ganz schnell, dass es überhaupt keinen Sinn macht, dich zu vergleichen, aber du in dir drin, du machst es halt trotzdem und ich möchte dich dazu einladen aufzuhören mit dem Vergleichen. Versuch es. Lass es los.

Das Vergleichen ist ganz furchtbar. Du bist du und du bist gut so, wie du bist. Du bist schon. Du musst nicht irgendwer sein. Du bist schon. Du bist. Und ja, wenn du merkst, dass du leidest, so wie du jetzt bist, dann geht es natürlich darum, zu heilen. Aber es geht eben nicht darum, so zu sein wie irgendwer anders. Sondern du bist du und du hast deine Geschichte und du gehst deinen Weg. Das kann niemand anders. Du bist du. Du kannst nur deinen Weg gehen. Ich kann dir nicht sagen, wie du deinen Weg zu gehen hast. Du kannst das, nur du ganz allein. Und du bist die- oder derjenige, der oder die bestimmen kann, in welchem Tempo du das machst, wie groß deine Schritte sind und wann du für was bereit bist. Und ich wiederhole mich da auch ständig. Aber ich muss es einfach. Denn ich lese und höre immer wieder davon. Du darfst auch Fehler machen. Das ist okay. Du musst nicht perfekt sein. Es wird immer wieder Situationen geben, wo du aus dem Tritt gerätst, wo du umkippst, vielleicht, wo du ins Wanken gerätst und wo du dir denkst okay, eigentlich hätte ich jetzt anders reagieren sollen, aber ich hab's jetzt halt nicht aus den verschiedensten Gründen und das ist okay.

Fehler sind dazu da, um daraus zu lernen. Das ist das Wichtige, dass du dich nicht fertig machst danach, sondern dass du sagst okay, es ist passiert und jetzt schau ich, wie ich es beim nächsten Mal besser machen kann. Und dann stehst du wieder auf und machst es beim nächsten Mal besser. Und das ist ganz normal. Das passiert uns allen. Es passiert mir, das passiert dir und es passiert allen anderen Menschen auf der Welt auch. Es gibt keine perfekten Menschen. Und du musst nicht perfekt sein. Du musst es einfach nicht. Das ist vielleicht ein innerer Anspruch und ich kenne das auch. Das ist das, was uns anerzogen wurde. Dieser Drang zur Perfektion und dieses Vergleichen und besser sein und schneller sein und höher, weiter, schneller. Du bist ein Mensch und Menschen können einfach nicht perfekt sein. Es sind Menschen. Und deswegen lass es mit dem Vergleichen. Lass es einfach sein. Geh deinen Weg.

Ich will dich dazu ermutigen, wirklich deinen Weg zu gehen. Ich weiß, es ist schwer. Ich weiß, es kommen immer wieder diese Gedanken hoch. Und auch dann gehe liebevoll mit dir um. Liebevoll. Liebevoll ist das Stichwort tatsächlich. Also liebevoll mit dir umgehen. Beobachte diese Gedanken. Schau sie dir an.. Was lösen diese Gedanken in dir aus? Beobachte sie. Sei liebevoll mit all den Teilen, aus denen du bestehst. Denn nur als Gesamtpaket bist du ja du. Und wenn du einen Teil davon verurteilst und sagst, den will ich nicht. Den drück ich weg. Dann ist das trotzdem immer noch ein Teil von dir. Und dann drückst du einen Teil von dir weg. Aber es geht eben darum, dass du dich in deiner Gesamtheit akzeptierst und dann kannst du heilen.

Und das ist auch noch mal ein Hinweis auf das neue Buch von Maria Sanchez. Das hat mich wirklich sehr berührt. „Die revolutionäre Kraft des Fühlens“ Wenn du da weiter einsteigen willst, tiefer einsteigen möchtest, dann lies unbedingt dieses Buch. Das ist sehr, sehr empfehlenswert. Ich verlinke es auch noch mal in den Shownotes. Also abschließend noch einmal: geh deinen Weg in kleinen Trippelschritten. Mach die Übung, mach sie wirklich. Und schäm dich nicht dafür, in kleinen Schritten zu gehen. In kleinen Schritten gehen ist eine ganz wunderbare Lebenseinstellung. Und versuch, das Vergleichen sein zu lassen. Du bist du und du bist gut so, wie du bist. Du bist schon. Du musst nicht anders sein. Und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

Links zur Folge

"Die revolutionäre Kraft des Fühlens" von Maria Sanchez
Mehr dazu hier >>

Von Herzen Vegan Letter
https://von-herzen-vegan.de/von-herzen-vegan-letter

Von Herzen Vegan Clan
https://clan.vonherzenvegan.de

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Hinweis zum Von Herzen Vegan Clan

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Das Experimentarium gibt es seit Dezember 2022 nicht mehr.

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