Von der Kunst eine Pause zu machen
Ein Beitrag
Kennst Du das: Du weißt, Du müsstest eigentlich mal wieder eine Pause einlegen, aber dann machst Du noch schnell dies und das und dann hast Du keine Zeit mehr für eine Pause?
Mir ist es in der Vergangenheit sehr oft so gegangen. Dabei sind Pausen so wichtig, um Energie zu schöpfen und Gedanken ziehen zu lassen.
Durch viel Übung und zwei buddhistische Geschichten, die ich in dieser Folge mit Dir teile, schaffe ich es heute leichter Pausen zu machen.
Vollständiges Transkript
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen.
Ich bin Stefanie und in dieser Folge möchte ich von der Kunst sprechen, eine Pause zu machen. Du kennst diese Situation bestimmt auch. Du bist gerade mittendrin und hast das Gefühl, okay, du musst jetzt noch dies tun und das tun und jenes tun. Und dann machst du eine Pause, du weißt, dass Pause machen wichtig ist und dass Pause machen zum Leben dazugehört, denn sonst überarbeitest du dich und dann bist du irgendwann im Burnout, wenn es ganz schlimm wird. Das heißt, du versuchst regelmäßig Pausen in deinen Alltag einzuplanen und dann kommt aber doch immer irgendwie was dazwischen. Du machst noch schnell dies, du machst noch schnell das, du machst noch schnell jenes und irgendwie ist es ganz schwer für dich, dich loszureißen und tatsächlich eine Pause zu machen.
Teilweise hast du vielleicht auch Schuldgefühle, weil du denkst, du müsstest doch eigentlich arbeiten, du darfst doch jetzt nicht einfach so Pause machen und teilweise denkst du, naja, das kann ich ja jetzt wohl noch machen. Das geht ja ganz schnell, das mache ich noch eben.
Und wenn du Mutter oder Vater bist, dann hast du ja auch eine gewisse Verantwortung noch für deine Kinder. Das heißt, wenn du dich komplett überarbeitet hast, dann merkst du es auch, dass du deinen Kindern gegenüber nicht mehr so entspannt bist, wie du es gerne wärst und immer gereizter reagierst und ganz schnell gereizter reagierst und das ist ein Zustand, in dem ich nicht sein möchte, in dem ich auch immer mal wieder gerate und an dem ich dann auch sofort merke, okay, ich habe wieder nicht gut genug auf mich geachtet und meistens merke ich das früh genug, so dass ich dann gegensteuern kann und manchmal schaffe ich das nicht.
Es wird tatsächlich immer besser, weil ich Schritt für Schritt in den letzten Jahren gelernt habe, immer besser auf mich und meinen Körper zu achten und eben Pausen als ganz wichtigen Bestandteil in meinen Alltag einzubauen und ich möchte dir dazu noch eine Geschichte erzählen, die ich auch bei Ajahn Brahm in „Die Kuh, die weinte“ gelesen habe und zwar erzählt Ajahn Brahm, dass in einem thailändischen Kloster eine neue Halle gebaut werden sollte, eine Versammlungshalle und in Thailand ist das so üblich, dass da in der Regenzeit die Mönche nicht arbeiten, dass sie dann quasi ein Regen-Retreat machen und sich zurückziehen, die Arbeit niederlegen und das ist die Zeit der Ruhe.
Die Halle wurde also gebaut, war aber noch nicht fertig und als dann die Regenzeit kam, hat der Abt alle Arbeiter·innen weggeschickt und die Halle stand eben unfertig dann da. Dann kam irgendwie zwei Wochen später ein Besucher und meinte ja, wann ist die Halle denn fertig und dann hat der Abt zu ihm gesagt: die Halle ist fertig und woraufhin der Besucher gesagt hat, die Halle hat kein Dach und da fehlen auch noch Wände und also wieso sollte die fertig sein, bist du irgendwie verrückt, also was ist das denn? Und dann hat der Abt zu ihm gesagt: „was getan ist, ist fertig!“
Und das finde ich so schön, dieses „was getan ist, ist fertig.“. Denn die einzige Möglichkeit eine Pause zu machen ist tatsächlich auch unfertige Dinge liegen zu lassen, denn sonst wirst du nie eine Pause machen, weil immer etwas zu tun ist. Und insofern ist eben diese Halle, so wie sie jetzt ist, fertig und ja, es wird dann nach der Regenzeit weiter daran gebaut, aber sie ist in sich jetzt fertig und das ist eben ein Satz, den ich mir immer wieder vorsage: „was getan ist, ist fertig“, um tatsächlich eine Pause machen zu können und Ajahn Brahm erzählt dann weiter, dass er diese Geschichte vor einem Publikum erzählt hat und dass Tage später ein wütender Vater zu ihm kam, der gesagt hat, „ich habe meinen Sohn gestern gefragt, ob er noch Hausaufgaben machen muss, als er meinte, er geht jetzt mit seinen Kumpels weg und dann hat er gesagt, ach du, Ajahn Brahm hat doch gesagt, was getan ist, ist fertig und ist dann gegangen!“ Dass der Vater wütend ist, kann man natürlich dann auch wieder verstehen, so war das nicht gemeint.
Und Ajahn Brahm erzählt dann noch eine Geschichte von einem Garten, wie man in seinem Garten zur Ruhe kommen kann, weil in Australien irgendwie fast jeder Haushalt einen Garten hat und erzählt von den drei verschiedenen Menschen, also er nennt es „die drei Idioten, die versuchen zur Ruhe zu kommen“. Der erste, der sagt dann, ja ok, coole Idee, ja Pause machen und Garten, super und dann denkt er sich, ich muss aber erst nochmal eben das machen und das machen und das machen und kommt eben dann nicht zur Ruhe. Der zweite Idiot sagt sich, naja, das ist eine gute Idee, ich setze mich jetzt mal hier mit einer Zeitschrift hin und setzt sich in den Garten und liest die Zeitschrift und auch der kommt in dem Garten nicht zur Ruhe, weil er seine Zeitschrift liest und nicht den Garten genießt. Und der dritte Idiot sagt sich, ich mach's besser, setzt sich in den Garten und denkt, oh ok, da hinten müsste ich noch das machen und da könnte eigentlich so ein nettes Vogelbad hin und da könnte das hin und das hin, also auch der genießt nicht seinen Garten.
Der vierte macht's besser und setzt sich für eine Viertelstunde in den Garten, atmet tief durch und bewundert einfach alles, was schon getan ist und denkt nicht an das, was noch getan werden muss und das habe ich gestern tatsächlich auch praktiziert, ich praktiziere das sehr häufig. Ich habe zwar keinen Garten, aber im Moment haben wir einen Friedhof direkt nebenan und da ist es auch relativ still und da sind viele schöne große Bäume und ich mag das sehr, wenn der Wind durch die Blätter streicht und ich das rascheln hören kann und da, obwohl ich nicht alles fertig hatte, denn ich habe eine Never-Ending-To-Do-Liste und ich könnte 24 Stunden, 7 Tage durcharbeiten und wahrscheinlich geht dir das auch so, trotzdem habe ich gesagt: jetzt ist es Zeit für eine Pause und dann bin ich auf den Friedhof gegangen und habe mich auf eine Bank gesetzt und habe einfach nur dem Blätterrauschen zugehört und die Schwalben beobachtet und habe einfach nur diesen Moment genossen und dann nach einiger Zeit bin ich aufgestanden und eine kleine Runde gegangen und dann wieder zurück und habe weitergearbeitet.
Es ist sehr, sehr wichtig, dass du dir Pausen im Alltag nimmst. Wir sind schnell dabei, dass wir in diesen Trott fallen und sagen, jetzt los, das noch, das noch, das noch, das noch und ich finde, es ist eine hohe Kunst, wirklich zu sagen, ich mache jetzt Pause und das dann auch wirklich zu tun und nicht noch schnell das und noch schnell das und noch schnell das, sondern wirklich Pause zu machen und du wirst merken, wenn du regelmäßig dir deine Pausen in den Alltag einbaust, dass du automatisch auch gelassener wirst.
Es geht ja nicht darum, dass du dann für 3 Stunden verschwindest, sondern schon kleine Pausen sind wirklich wunderbar und vielleicht machst du dann einfach mehrere kleine Pausen. Was ich auch immer sehr schön finde, ist Barfuß draußen zu gehen und den Untergrund zu spüren. Das ist nochmal was ganz anderes als einfach nur spazieren zu gehen, weil ich dann direkt die Erde unter mir spüre, vielleicht eben den Beton, die verschiedenen Straßenbeläge, aber direkt und nicht nur durch die Schuhe und das ist für mich nochmal wirklich auch eine Pause im Sinne von bei mir sein. Also wann machst du das nächste mal Pause? Wann sagst du dir: was getan ist, ist fertig?
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Hinweis zum Von Herzen Vegan Clan
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Das Experimentarium gibt es seit Dezember 2022 nicht mehr.
Ich bin gerade dabei eine neue Online-Community aufzubauen. Wenn Du interessiert bist, schau doch mal vorbei: