Folge 48 - Eltern zwingen ihre Kinder zum Veganismus

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Folge 048 - Eltern zwingen ihre Kinder zum Veganismus

Momentan sprechen wir im Von Herzen Vegan Clan über das Thema "Gesundheit" und in diesem Rahmen bat ein Mitglied um Rat:

"Ich bin seit einiger Zeit etwas verunsichert, ob ich mein (zukünftiges) Kind vegan ernähren kann. Ich bin für mich total überzeugt davon, aber das war ja meine freie Entscheidung."

Zu Beginn meines veganen Lebens war ich auch verunsichert durch die Aussagen der anderen Eltern, dass ein Kind frei entscheiden können sollte, was es isst.

Zwingen Veganer*innen ihren Kindern ihren Willen auf? Ist ein Kind nur frei, wenn es sich mischköstlich ernähren kann?

"Ach, muss Dein Kind das auch machen?" war eine Reaktion, die ich ganz zu Beginn auf mein Outing als vegane Familie erhalten habe.

Wie ich damit umgegangen bin und was ich heute darüber denke, das hörst Du in dieser Podcastfolge.

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und in dieser Folge möchte ich mit dir über eine Aussage sprechen, die ich häufiger zu hören bekomme, sowohl von Veganer·innen als auch von Nicht-Veganer·innen. Und zwar geht es darum, ob wir unseren Kindern die vegane Lebensweise nicht aufzwingen.

Wir sprechen gerade im Von Herzen Vegan Clan über das Thema Gesundheit und eine Frage war, ob ich denn mein Kind auch vegan ernähren kann. Und die Veganerin, die das gefragt hat, meinte, dass sie sich ja selber dazu entschieden hat. Und das es also ihre persönliche Entscheidung war sich vegan zu ernähren und das Kind würde sich ja dann nicht selbst dazu entscheiden, sondern sie würde ja für das Kind entscheiden. Und diese Zweifel, die höre ich ganz oft. Wie gesagt, sowohl von Veganer·innen als auch von Nicht-Vegane·rinnen.

Und es handelt sich jetzt hier um ein noch nicht geborenes Kind, ein zukünftiges potenzielles Kind. Das heißt, es wäre dann eben das Neugeborene oder auch schon während der Schwangerschaft, für das ich dann entscheide. Aber auch wenn ich sage, ich werde jetzt vegan und ich entscheide jetzt für mein zweijähriges oder drei jähriges Kind, ist es ja so, dass ich das dann entscheide. Und mir ist es genauso passiert, dass in meiner veganen Anfangszeit mich dann andere Mütter gefragt haben: „Ach, dein Kind muss das auch machen?“ Also der Zwang, ich zwinge mein Kind dazu, vegan zu leben. Ich kann das also gut nachvollziehen, dass so etwas als Zwang betrachtet wird und von außen an einen herangetragen wird. Und auch, dass es wieder Zweifel auslöst in mir als Veganer·in, ob ich denn mein Kind vegan ernähren darf, ob das in Ordnung ist. Nicht aus dem gesundheitlichen Aspekt, denn das steht tatsächlich außer Frage. Gesundheitlich ist es möglich. Sondern aus dem ethischen Aspekt, quasi aus dem Werteaspekt heraus.

Und Werte sind auch tatsächlich das Thema. Denn wenn du vegan lebst, dann geht es ja nicht nur um den neuesten Ernährungstrend und darum, dass du jetzt bestimmte Dinge isst und andere nicht, sondern es geht um Werte. Und zwar um Werte, die du auch deinem Kind vermitteln möchtest. Denn alle Eltern vermitteln ihrem Kind bestimmte Werte. Kein Kind wächst in einem neutralen Umfeld auf. Auch wenn wir der Meinung sind, dass unsere Kinder selbst entscheiden sollen, vermitteln wir ihnen doch auf irgendeine Art und Weise immer Werte. Und auch nicht-vegane Eltern, die ihre Kinder nicht vegan ernähren, vermitteln diesen Kindern dadurch bestimmte Werte und auch diese lassen ihre Kinder nicht frei entscheiden, was sie essen wollen, sondern entscheiden sich von Geburt an dazu, dass die Kinder eben nicht vegan ernährt werden, dass sie Fleisch bekommen, dass sie Fisch bekommen, dass sie Milchprodukte bekommen.

Und wenn du an deine Kindheit zurück denkst, wurdest du sicherlich auch nie gefragt, ob du denn Fleisch essen möchtest oder Fisch essen möchtest oder bestimmte Dinge essen möchtest. Und klar, wir erinnern uns nicht mehr daran, wie das war, als wir geboren wurden und dann die erste Beikost kam. Also können wir es nicht mit Sicherheit sagen, ob wir nicht doch gefragt wurden. Aber ganz ehrlich, in dem Alter sind wir einfach noch zu klein, um selbst entscheiden zu können: Was ist das denn da auf der Gabel oder auf dem Löffel? Und wir können nach dem Geschmack entscheiden und es ausspucken, wenn wir es nicht mögen. Aber wir können nicht entscheiden, ob wir jetzt Tiere essen oder nicht, in diesem Alter. Es liegt also in der Natur des Menschen, dass er oder sie seinem oder ihrem Kind gegenüber gewisse Dinge vorschreibt oder vorgibt. Und das fängt bei der Ernährung an und hört ja dann auch nicht auf.

Denn wir geben unserem Kind unsere Erfahrungen und unsere Werte weiter. Und klar, es gibt auch Regeln, die wir weitergeben und wir entscheiden so vieles für unser Kind, ohne es zu fragen. Wir ziehen es an und fragen es nicht, ob es denn jetzt lieber eigentlich eine andere Farbe gehabt hätte oder ein anderes Muster. Oder vielleicht möchte das kleine Mädchen nicht ein Kleidchen tragen oder wie auch immer. Wir entscheiden, ob wir Windeln nutzen oder nicht. Wir interpretieren die Signale des Babys so, wie wir denken, dass es richtig ist, ohne genau zu wissen, ob das jetzt auch wirklich das war, was es wollte. Und wir entscheiden also stetig immer wieder im Alltag selbst darüber, was unser Kind bekommt und was nicht, welches Spielzeug wir ihm anbieten, welche Bücher wie ihm vorlesen. Und all das prägt unser Kind mit unseren Werten.

Wir sagen, wir schlagen zu Hause nicht. Wir versuchen Konflikte gewaltfrei zu lösen. Und du sollst auch natürlich außerhalb des Familienumfelds keine Kinder schlagen. Das sind alles Werte, die wir weitergeben. Und auch da fragen wir nicht unser Kind oder lassen ihm diesen Freiraum und sagen Ja, was denkst du denn? Du kannst das selbst entscheiden, egal ob du falsch liegst oder nicht. Sondern wenn uns das wichtig ist und wir der Meinung sind, dass es nicht in Ordnung ist, andere Menschen zu schlagen, dann stellen wir unser Kind nicht vor die Wahl, sondern sagen ihm, dass es außer Frage steht und geben ihm mit, dass wir keine Kinder schlagen, keine Menschen schlagen, keine Lebewesen schlagen. Da machen ja manche schon wieder einen Bruch, dass es okay ist, dann den Hund zu treten oder zu schlagen.

Aber in jedem Fall ist das unser Wertesystem, was wir unserem Kind mitgeben und wo es in den meisten Fällen nicht mitentscheiden kann. Und das Kind braucht tatsächlich auch dieses Wertesystem als Orientierung. Denn wenn es so in einem luftleeren Raum aufwächst und nicht weiß, woran es sich orientieren soll, wird es ziemlich ambivalent aufwachsen. Dann macht es mal dieses, mal das, mal jenes und ist total verunsichert und weiß nicht recht, woran und wonach sich richten soll.

Ich habe das selbst bei meinem Sohn erlebt, als wir frisch vegan waren, so ein halbes Jahr. Da ist er dann in die Kita gekommen und damals haben wir am Anfang gesagt okay, er wird da noch vegetarisch ernährt und wir wussten noch nicht so recht, wir wollten nicht, dass er da so auffällt. Und vegetarisch war halt kein Problem. Und dann haben mich andere Mütter so bequatscht, dass ich total verunsichert war und gedacht habe: Okay, mein Kind muss selbst entscheiden können. Und er war da knapp dreieinhalb Jahre alt, also nicht mehr ganz so klein. Und ich habe gedacht: Ja, okay, er muss selbst entscheiden können, was isst er jetzt und was isst er nicht? Und für eine Woche habe ich dann freigegeben, dass er selber entscheiden darf, was er essen will und er war so verunsichert und wusste überhaupt nicht mehr, was er tun sollte und wusste nicht, woran er sich orientieren sollte und hatte gar keine Ahnung, so dass wir dann danach gesprochen haben und er mich auch gebeten hat, dass ich für ihn das entscheiden soll. Und das hat mir noch mal die Augen geöffnet, dass es wichtig ist, dass mein Kind sich an mir orientieren kann, dass es die Möglichkeit hat zu sagen: Gut, Mama macht das so, dann mache ich das auch so!

Und auch die Möglichkeit hat zu sagen: Mama macht das so, dann mache ich es nicht so! Das kommt aber meistens erst später. Das kennen vielleicht Eltern mit pubertierenden Kindern, dass die dann die Werte infrage stellen. Und das ist ja auch ganz normal. Das ist natürlich und das muss auch so sein. Und dann ist es unsere Aufgabe als Eltern, unsere Kinder loszulassen und darauf zu vertrauen, dass wir ihnen unsere Werte mitgegeben haben und das Beste für unsere Kinder getan haben. Und was sie dann daraus machen, ist ihre Sache. Aber meine Erfahrung ist, dass Kinder in dem Alter, wenn sie 3, 4, 5, 6, meistens auch noch sieben, acht Jahre alt sind, die Orientierung an den Werten der Eltern brauchen. Natürlich ist das wieder ganz individuell. Manche Kinder entwickeln sich vielleicht viel schneller, andere langsamer. Und dein Kind ist vielleicht im Alter von dreieinhalb Jahren viel selbstständiger als mein Kind und kann diese Situationen, wenn du eben sagst okay, du kannst selber aussuchen, was du isst, souverän meistern. Das ist natürlich möglich, ganz klar. Und meine Erfahrung soll natürlich nicht als omnipräsenter Richtwert für alle Kinder gelten.

Trotzdem habe ich die Erfahrung tatsächlich mit vielen anderen Kindern auch schon gemacht. Und ich beobachte das auch immer wieder, dass dieses „Mein Kind kann überall selbst entscheiden“, vor allem was die Nahrung angeht viel zu Unsicherheiten führt und. Letzten Endes geht es doch darum, dass du dich entschieden hast, vegan zu leben, weil du deinem Herzen gefolgt bist und weil du entsprechend deiner Werte leben möchtest. Und du möchtest doch diese Werte, die dir wichtig sind, an dein Kind weitergeben. Und das machen doch alle Eltern so. Sie geben ihre Werte an ihr Kind weiter und dazu gehört eben auch, dass du dein Kind vegan ernährst. Und wenn du deinem Kind das entsprechend erklärst und sagst, dass du vegan lebst wegen der Tiere und dass es auch gut ist für den Körper, für dich selbst, deine Gesundheit und für die Umwelt, dass es also wirklich für alle besser ist, vegan zu leben, dann reicht deinem Kind das auch am Anfang noch, wenn es so drei, vier Jahre alt ist. Und wenn es ihm nicht reicht, dann wird es Fragen stellen und dann beantwortest du diese Fragen.

Und das ist ja genau das, was wir eben mit Werten machen, dass wir sie vermitteln, dass wir unseren Kindern die Welt erklären, wie wir sie sehen. Und das machen alle Eltern auf der ganzen Welt so. In allen Kulturkreisen und in allen Regionen. Und nicht überall ist unsere westliche Mischkost die Norm, der Standard. Und in anderen Regionen und anderen Kulturen werden andere Werte weitergegeben und andere Nahrungsmittel als die Norm präsentiert. Und daran siehst du eigentlich auch noch, dass das Mischköstliche nicht das ist, woran du dich orientieren musst, sondern dass deine Werte das sind, woran du dich orientieren solltest. Und wenn du von Herzen vegan lebst, dann steht es eigentlich außer Frage, dass du auch dein Kind vegan ernähren kannst. Gesundheitlich ist das möglich.

Wenn du dich da unsicher fühlst, solltest du dich auf jeden Fall noch einmal informieren und vielleicht auch eine Ernährungsberatung in Erwägung ziehen, die dir dann diese Unsicherheiten nimmt. Denn natürlich musst du dich gut informieren, wenn du dein Kind vegan ernährst, weil einfach unsere Umwelt noch nicht darauf eingestellt ist, dass wir uns alle vegan ernähren und deswegen der Standard überall schon gegeben ist. Und du musst wissen, was du supplementieren musst und wie die Nahrung aufgebaut sein sollte. Aber das ist alles kein Hexenwerk, das kannst du alles lernen und es reicht, wenn du dich einfach informierst. Und es gibt tolle Bücher, Kochbücher und Sachbücher zu diesem Thema. Wenn du noch Fragen hast oder Anregungen, dann schreib mir gerne eine Email an, post [at] vonherzenvegan [punkt] de. Und dann freue ich mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei ist.

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Im November 2021 ist der Von Herzen Vegan Clan ein Teil meiner damals neuen Community, des Experimentariums geworden.

Das Experimentarium gibt es seit Dezember 2022 nicht mehr.

Ich bin gerade dabei eine neue Online-Community aufzubauen. Wenn Du interessiert bist, schau doch mal vorbei:

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