Was kann ich allein schon bewirken?

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Folge 059 - Was kann ich allein schon bewirken?

Diese Folge ist für Dich, wenn Du gerade das Gefühl hast, Du kannst ja doch nichts bewirken, Du allein.

Ich habe sie aufgrund einer E-Mail aufgenommen, die mich nach dem Global Strike Day am 20. September 2019 erreichte. Rund 1,4 Millionen Menschen sind an diesem Tag in Deutschland auf die Straße gegangen, um für die Rettung unseres Planeten zu demonstrieren.

Und doch blieb die Politik untätig.

Und das führte bei vielen dazu, dass sie den Mut verloren und ihre eigene Wirksamkeit in Frage stellten.

Es ist ein weit verbreitetes Phänomen bei Aktivist*innen, die schon länger für eine Sache eintreten: sie haben gerade dann ein Gefühl von Ohnmacht und Versagen, wenn sie dabei sind, die Mehrheit der Bevölkerung für ihre Sicht der Dinge zu gewinnen.

Und genau das ist momentan der Fall. Es gibt Hoffnung!

Vollständiges Transkript

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und ich möchte heute über dieses Gefühl sprechen, dass du ja doch nichts bewirken kannst und dass dein Handeln die Welt nicht retten wird.

Ich habe kurz nach dem Global Strike Day am 20. September 2019 einen Von-Herzen-Vegan-Letter geschrieben, in dem ich über Hoffnung geschrieben habe und auch über meine Erlebnisse bei der Demonstration, aber auch darüber, was dann in den sozialen Medien wieder an Reaktionen kam und über diese ewig ständigen Diskussionen. Und auch darüber, was ich für mich jetzt meine Aufgabe entdeckt habe und als meinen inneren Auftrag quasi, denn ich habe das Gefühl, es gibt Hoffnung und ich glaube ganz ganz fest daran, dass wir es schaffen können, diese Welt zu retten, unseren Planeten zu retten und dass wir es schaffen können, ein neues Miteinander zu entwickeln.

Und wenn es so weit ist, dann freue ich mich darauf, dieses Miteinander auszuarbeiten, zu leben und wir machen ja jetzt schon - Carsten und ich mit dem Einfach Vegan Podcast - da die ersten Schritte hin, dass wir rausfinden, wie kann ein neues Wohlstandsmodell aussehen, das ganz weit entfernt ist von höher, schneller, weiter, mehr, mehr, mehr, sondern miteinander eine Gesellschaftsform wie zum Beispiel die Postwachstumsökonomie und wie kann das aussehen? Und das ist was, woran ich mitarbeiten möchte und was ich entwickeln möchte und woran ich eine große Freude habe und wo ich auch immer wieder nachdenke, wie sieht Arbeit dann aus, wie sieht das Leben dann aus? Und mein Traum von einem veganen Dorf und einem Prototypen und ja, es gibt ganz viele Träume, die ich habe und ich bin mir ganz sicher, dass wir, wenn wir einfach nur weitermachen, diese Träume umsetzen können und dass wir es schaffen können, denn es sind mittlerweile so viele Menschen auf der Straße und so viele Menschen, die dieses Bewusstsein jetzt auch dafür haben und es wird immer mehr.

Und dieses Gefühl, ich kann ja doch nichts bewirken, ich als einzelne Person, das beschleicht ganz oft die Menschen, die schon länger dabei sind. Dazu habe ich auch eine Folge im Einfach Vegan Podcast gemacht, das ist der Movement Action Plan, ich verlinke den auch nochmal hier unter der Folge, das ist ein Modell, nachdem quasi so bestimmte Phasen beschrieben werden und das vor allem beschreibt, dass wenn Menschen, die schon länger aktiv sind für eine Sache, wie wir jetzt für Tierrechte und Umweltschutz, für Nachhaltigkeit und dafür unseren Planeten überhaupt zu erhalten, dass diejenigen, die eben schon länger dabei sind, genau in dem Moment denken, es ist aussichtslos und deprimiert sind und einen Tief quasi erleben, in dem das Thema in der breiten Masse richtig präsent wird.

Das heißt, es ist quasi ein Gegensatz. Also wir als Aktivist·innen, ich bezeichne uns alle so, weil wir automatisch eigentlich irgendwie Aktivist·innen sind, sobald wir für diese Sache eintreten, sobald wir vegan leben. Wir leben das schon länger und sind schon länger auf der Straße und stehen schon länger für unsere Rechte ein und haben dementsprechend enorm viel Energie da reingesteckt und erleben jetzt mittlerweile, je nachdem wo du stehst, dann dieses Tief und im gleichen Moment, wo wir alle dieses Tief erleben, gibt es aber eben ein viel größeres Bewusstsein in der Bevölkerung und genau das ist es, was ich jetzt auch beobachte.

Das Bewusstsein geht hoch, es gehen immer mehr Leute auf die Straße, es gibt immer mehr Menschen, die sich dafür interessieren und es wird immer präsenter in den Medien und es wird immer mehr darüber gesprochen. Und ich gebe ja auch Kurse bei der Volkshochschule in Hamburg zum Thema Nachhaltigkeit, was kann ich jetzt tun, was kann ich aktiv tun, um den Klimawandel aufzuhalten und welche Schritte kann ich jetzt schon machen und das wird immer besser angenommen. Es gibt auch immer mehr Kurse in diesem Bereich und immer mehr, wie kann ich Plastikfrei leben und so weiter und so fort.

Also es gibt ganz viel und die breite Masse wird immer besser erreicht und das ist quasi diese Diskrepanz, dass wir als Veganer·innen das Gefühl haben, ich mach das jetzt schon so lange und das bringt irgendwie überhaupt nichts. Es wird irgendwie nicht mehr und dann kann ich auch gleich aufhören, wobei wir, die wir ethisch motiviert sind, das jetzt nicht auf das vegane beziehen, sondern eher auf Müll trennen oder Dinge selber machen, Plastikfrei leben, also auf den Nachhaltigkeitsaspekt. Ich will dir sagen, nein, es ist ein natürliches Moment in diesem Modell, dass in dem Moment, in dem es die breite Masse erreicht, dass du dann dieses Gefühl hast.

Und wenn wir den Blick wieder weiten, sehen wir, dass da tatsächlich das Bewusstsein steigt und ich will in diesem Zusammenhang noch einmal eine E-Mail vorlesen, die ich als Antwort auf meinen Von Herzen Vegan Letter bekommen habe und in der du dich sicherlich wiederfindest:

„Und dann lese ich am Tag danach in der Zeitung, dass AKK und Frau Merkel in unterschiedlichen Flugzeugen, jeder für sich angereist sind, dass die Grünen den Plan in Brandenburg ein Verbandsklagerecht für den Tierschutz zu fordern, wohl jetzt kippen werden und frage mich, warum mache ich eigentlich, was ich mache? Warum trenne ich meinen Müll? Warum lebe ich bio? Warum achte ich auf die Umwelt? Das bringt doch gar nichts. Das zieht mich total runter und gibt meinem Bemühen einen völlig wertlosen Anstrich. Aber dann denke ich mir, okay, ich steh doch dafür. Mir ist es doch wichtig, also mache ich das weiter. Auch wenn ich dann gedanklich ganz schön vielen von denen, die über Umwelt- und Tierschutz grinsen, Arschkrampen nenne, wenn ich freundlich drauf bin. Sonst fallen mir auch noch schlimmere Gedanken ein. Zuverlässig greift dann aber irgendwann mein Hirni und schickt mir den Gedanken, dass ich mir damit nur selber schade und Energie verschwende. So ist es halt. Dann kriege ich mich irgendwie wieder ein, aber ein tiefer Kummer, eine tiefe Restraurigkeit und eine Restverzweiflung bleibt.“

Und es ist genau dieses Gefühl. Warum mache ich das ja eigentlich? Die Politik, sie handelt nicht. Wir gehen auf die Straße, es passiert einfach nichts. Und was soll ich tun? Was hat das für einen Sinn, was ich da mache? Und ganz klar, ich kenne diese Gedanken auch. Es bezieht sich bei mir nicht auf das vegane Leben, denn das ist für mich so tief verwurzelt, das kann ich nicht in Frage stellen und es geht da auch wirklich ja um die Tiere. Also ich könnte jetzt nicht einfach anfangen, wieder Tiere zu essen, weil ich denke, naja, es bringt ja eh nichts. Denn das ist für mich eine 1 zu 1 Handlung. Denn das steht für mich außer Frage.

Worüber ich immer mal wieder ins Grübeln geraten ist, Plastikfrei zu leben und möglichst Müll zu vermeiden. Und das bedeutet eben, dass ich ganz viel selber mache. Und dann stehe ich tagelang in der Küche und mache und mache und irgendwann bin ich so fertig, dass ich denke, meine Güte, wenn ich jetzt in den Supermarkt gegangen wäre, dann hätte ich das in 10 Minuten erledigt. Und so stehe ich hier und backe und koche und bereite Dinge vor. Und das ist ganz schön anstrengend. Was bringt es überhaupt? Wenn ich mich in der Straße hier umschaue oder in dem Ort hier umschaue, alleine wie viel gelbe Säcke da auf der Straße stehen und wie viel Müll weggeschmissen wird und wie wenig das Bewusstsein doch da ist. Und dann denke ich wieder, was ist denn, wenn alle so denken wie ich und sich sagen, naja, es bringt ja eh nichts. Also wenn ich mich hier umschaue und die vielen gelben Säcke sehe, was soll ich denn da machen, dann höre ich einfach auf.

Und dann denke ich, was wäre denn, wenn alle so handeln würden wie ich, wenn ich etwas für die Umwelt tue und für die Tiere, für alle Lebewesen, wenn ich also weitermache und nicht aufgebe, was wäre, wenn alle so handeln würden, was wäre, wenn alle vegan leben würden, wenn alle Menschen versuchen würden auf Plastik zu verzichten, wenn alle Menschen ihren Müll reduzieren, wenn alle Menschen Bio kaufen, wenn alle Menschen versuchen, ihr Auto nicht mehr zu nutzen, sondern irgendwie auf andere Weise sich fortzubewegen, und was wäre dann? Wie würde die Welt dann aussehen? Und da wären wir doch schon einen riesen, riesen, riesen Schritt weiter.

Ich weiß, das Thema Auto ist so ein Ding, das kommt immer darauf an, wo man lebt. Es liegt aber auch tatsächlich an der Infrastruktur. Wenn die Infrastruktur mehr auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, Fußgänger ausgelegt wäre als auf Autos, dann bräuchte man ja gar keine Autos. Und ja, was wäre dann? Was wäre dann? Und das motiviert mich ganz, ganz stark weiter zu machen, weil ich denke, ich mache einen Unterschied. Und wir alle machen einen Unterschied. Und ich bin dann in diesen Bereichen eine Pionierin. Und auch du bist ein·e Pionier·in, du gehst voran, du machst den ersten Schritt, du bist total wichtig. Du bist eine riesen Inspirationsquelle für all deine Mitmenschen, für alle, die mit dir in Kontakt kommen. Du bist ein Wahnsinnspotenzial. Also du hast ein Wahnsinnspotenzial und du bist ein Potenzial. Also du, du bist total wichtig und dass du weiter machst und nicht aufgibst, das ist total wichtig.

Und das ist eben auch der Grund, warum ich mein Buch entwickelt habe, das unterstützt dich dabei, nicht aufzugeben. Es unterstützt dich dabei, deine Träume zu erreichen und dann deinen Potenzial völlig zu entfalten und Methoden zu entwickeln, wie du nicht verzweifelst und nicht in Trauer absinkst, sondern bei dir bleibst und gut für dich sorgst und gelassen für deine Werte einstehen kannst. Denn ich finde es so wichtig, so, so wichtig, dass du dabei bleibst. Du machst einen Unterschied in dieser Welt. Du machst einen Unterschied allein dadurch, dass du so handelst, wie du handelst. Und wir verändern die Welt sowieso, egal was wir tun. Wir verändern sie immer und da wäre es doch super, wenn wir sie zum Guten verändern würden. Und ich sage, es gibt Hoffnung. Solange es Menschen wie dich gibt, gibt es Hoffnung. Es gibt so viele tolle Projekte, diese ganze Transition Bewegung ist ein Superprojekt. Der Film „Tomorrow“ ist etwas, wo ganz viele Projekte, die es schon gibt, die die Welt verbessern, gezeigt werden. Es geht darum, diese Projekte sichtbar zu machen, sie zu zeigen, damit wir Hoffnung schöpfen können. Es sind alles Leuchtfeuer. Es sind alles Möglichkeiten, wie wir einer besseren Gemeinschaft, einer nachhaltigeren Gemeinschaft zusammenleben können.

Also verzweifle nicht. Ich kann es total verstehen, wenn du das Gefühl hast, was bewirkt das denn schon, was ich da mache. Was nützt es denn? Und ich, ich allein, wenn die Politik noch nicht mal was macht, wenn es alles nichts bringt, was, was kann das denn schon bewirken? Ich kann es verstehen. Und doch will ich dir sagen: du bewirkst ganz viel. Du bist total wichtig. Jede·r einzelne von uns ist total wichtig. Das, was du tust, rettet die Welt. Es waren schon immer Einzelpersonen und kleine Gruppen, die etwas bewegt haben in der Welt. Schau dir das an, Greta Thunberg, die als einzelne Person angefangen hat. Und jetzt ist es eine riesen Bewegung. Mahatma Gandhi. Dir fallen bestimmt noch ganz, ganz viele Menschen ein, die alle als Einzelpersonen etwas bewegt haben. Und wir als Veganer·in, wir können auch ganz viel bewegen.

Und ich freue mich so, im Clan sind einige dabei, die in ihren Orten, Ortschaften ganz viel bewegen, die da Dinge auf die Beine stellen, die sich Sachen trauen, die nach vorne gehen, obwohl sie Angst haben, eine Rede halten, die Demonstrationen organisieren, die ganz viel bewegen in ihrem Ort, in ihren Möglichkeiten. Es gibt so vieles, was du tun kannst. Und es reicht auch schon, dass du einfach dabei bleibst. Das ist total wichtig. Bleib bitte dabei. Lass dich nicht von der Politik demotivieren. Ich weiß, dass es demotivierend ist. Und doch ist es total wichtig, dass du dabei bleibst.

Und dann danke ich dir fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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Hinweis zum Von Herzen Vegan Clan

Im November 2021 ist der Von Herzen Vegan Clan ein Teil meiner damals neuen Community, des Experimentariums geworden.

Das Experimentarium gibt es seit Dezember 2022 nicht mehr.

Ich bin gerade dabei eine neue Online-Community aufzubauen. Wenn Du interessiert bist, schau doch mal vorbei:

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