Anderssein erfordert Mut und Stärke

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Folge 080 - Anderssein erfordert Mut und Stärke

Wenn wir uns als vegan outen, geraten wir schnell ins Rampenlicht. Wir werden nur noch als die Veganerin oder der Veganer wahrgenommen und nicht mehr als Individuum.

Manche können damit besser umgehen als andere.

Wenn Dich solche Situationen stressen und Du Dich deswegen meist lieber nicht als vegan outest, ist diese Folge für Dich.

Selbstbewusst mit dem Anderssein umzugehen, erfordert Mut und Mut kannst Du wie einen Muskel trainieren.

In dieser Folge zeige ich Dir einige Möglichkeiten auf, wie Du in kleinen Schritten Deine Komfortzone verlassen und wieder betreten kannst. Dadurch weitest Du Deine Komfortzone auf lange Sicht aus und stärkst Deinen Mutmuskel.

Situationen in denen Du Dich als vegan outest werden Dir dann auf lange Sicht nicht mehr so unangenehm sein wie gegenwärtig und Du wirst automatisch selbstbewusster.

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und ich möchte heute über Mut sprechen, über den Mut anders zu sein und kleine Schritte dorthin.

Inspiriert hat mich dazu ein Clanmitglied, das auf die Frage, wo warst du diese Woche besonders mutig geschrieben hatte, dass sie sich sehr mutig gefühlt hat, als sie barfuß draußen war. Und ich habe gedacht, ja genau das ist es tatsächlich, denn wir brauchen diesen Mut, um anders sein zu können, um offenen vegan leben zu können. Leider, muss ich sagen, weil wir immer noch als Minderheit in dieser nicht-veganen Welt agieren und daher, sobald wir uns als vegan outen, aus der Norm heraustreten und automatisch anders und dann auch irgendwie im Rampenlicht stehen und anders angesehen werden.

Und da braucht es Mut und Stärke, um da nicht zusammenzuknicken, sondern gerade stehenzubleiben und für deine Werte einzutreten und offen zu sagen: ja, ich lebe vegan und ich stehe dazu. Ich habe meine Gründe und es gibt Gründe, warum du es auch tun solltest und egal was du sagst, ich werde nicht davon abweichen, vegan zu leben. Und das ist nicht so einfach, wie ich das jetzt gerade sage, du wirst es wahrscheinlich auch immer wieder in deinem Alltag erleben und wenn du eher vom Charakter, vom Typ her zurückhalten bist und nicht so gerne im Rampenlicht stehst, dann ist das für dich schon eine größere Herausforderung, diesem Rampenlicht, diesem besonderen Blick, Stand zu halten, wenn du dich als vegan outest.

Und du kannst dich darauf vorbereiten, indem du kleinere Schritte in Richtung anders sein gehst, wie zum Beispiel das Barfuß laufen. Also du kannst mutig sein üben und anders sein üben und du bist dadurch ja nicht schlechter als die anderen oder es ist auch nicht negativ anders zu sein, sondern du bist einfach nur nicht mehr der Norm entsprechend.

Ich habe da jetzt schon öfter darüber gesprochen, seit ich das Buch „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüşay gelesen habe, spreche ich viel von Benannten und Unbenannten. Du trittst also aus diesem Raum der Unbenannten heraus und wirst benannt und das ist meist erstmal ein sehr unangenehmes Gefühl, weil du nur noch als Stellvertreter·in eines Kollektivs wahrgenommen wirst und nicht mehr als Individuum. Und das ist genau das, was wirklich dieses Problem auch ausmacht, dass du quasi darum kämpfen musst, wieder als Individuum wahrgenommen zu werden. Bevor du dich geoutet hast, bevor du zu einer·m Benannten geworden bist, warst du noch Teil einer kuscheligen Gemeinschaft, Teil einer gewissen Normalität, Teil einer anerkannten Norm und jetzt bist du daraus getreten und das ist im ersten Augenblick ein sehr unangenehmes Gefühl.

Manche Menschen können sich das einfach nicht aussuchen, sie sind so geboren, dass sie nicht der allgemein anerkannten Norm entsprechen, man sieht es ihnen an oder sie verhalten sich von Natur aus so, dass sie nicht der anerkannten Norm entsprechen und sie können das nicht verhüllen und nicht ablegen, an- und abstellen, so wie wir entscheiden können, ob wir sagen, dass wir vegan leben oder nicht und deswegen ist es tatsächlich auch für uns ein Privileg, dass wir inkognito sein können oder eben nicht. Dass wir selber darüber entscheiden können, ob wir nun Benannte sind oder untergehen in dieser Masse von Unbenannten.

Wenn du gerade nicht wirklich verstehst, wovon ich rede, unbenannte, benannte, dann empfehle ich dir nochmal die Folge über „Sprache und Sein“ im Einfach-Vegan-Podcast anzuhören. Da haben Carsten und ich das Buch besprochen und eben auch darüber gesprochen, was es damit auf sich hat mit der Unterteilung in Benannte und Unbenannte.

In dieser Folge möchte ich dich jetzt einladen, mutig zu sein und zwar in kleinen Schritten. Das Barfuß laufen ist tatsächlich eine sehr schöne Möglichkeit, dieses Anderssein zu erproben, denn sobald du Barfuß durch die Stadt läufst und nicht am Strand, wo es alle machen, sondern durch die Stadt oder generell über Wege da, wo normalerweise Menschen nicht Barfuß laufen, wirst du Blicke ernten. Und da geht es darum, dass du versuchst, damit klarzukommen und merkst, was das mit dir macht und da kannst du dich selbst erkunden, wie es dir damit geht. Und vielleicht nimmst du am Anfang doch nochmal ein Paar Schuhe mit, so dass, wenn du es nicht mehr aushältst, also nicht vom Laufen her, dass es weh tut, sondern von den Blicken her, du dir dann deine Schuhe anziehen kannst. Ich finde, dass das Barfuß laufen zum einen natürlich eine wunderbare Massage ist, auch für die Füße und eine tolle Verbindung mit der Erde und es fühlt sich einfach rundum gut an. Es ist gleichzeitig auch ein Training dafür, anders zu sein. Und du kannst es beliebig an- und abstellen.

Ich praktiziere das selber auch. Im Sommer laufe ich öfter Barfuß und ich habe auch Barfußschuhe mittlerweile und ich versuche dann so viel wie möglich auch ohne die Schuhe zu laufen. Nur merke ich dann auch, über Stock und Stein zu laufen durch den Wald ist tatsächlich mit den Schuhen dann angenehmer als ohne. Aber wenn du zum Beispiel auf Asphalt läufst oder Waldwege, die angenehm gepolstert sind und wo nicht überall dicke Steine herum liegen, die dir möglicherweise Löcher in die Füße piksen, dann ist das eine sehr, sehr angenehme Erfahrung. Und so findest du vielleicht auch andere Dinge, die für dich Mut erfordern. Einen kleinen Schritt aus deiner Komfortzone heraus und auch aus der anerkannten Norm heraus, wo du denkst, okay, ich probier das jetzt einfach mal aus, ich mach das jetzt mal und es ist für mich ein Schritt, der Mut erfordert und wo ich mich den Blicken der anderen aussetze, wo es sein könnte, dass ich negative Kommentare ernte. Und ich teste das aus, solange wie ich das aushalte und dann lasse ich es wieder sein.

Was das jetzt genau sein könnte, ist für jeden und jede von uns sehr unterschiedlich, denn für manche ist zum Beispiel auch das Barfußlaufen ganz normal, für den oder diejenige wird es auch nicht mehr funktionieren als sogenannte Mutprobe oder wirklich das anders sein zu trainieren. Ich habe quasi schon mein Leben lang ein Training erfahren, im anders nicht der Norm entsprechend zu sein und habe so verschiedene Strategien entwickelt, damit umzugehen. Und so war es für mich auch nicht so schwer, das zu ertragen, dass ich jetzt, wenn ich vegan lebe, dann wieder in eine bestimmte Schublade gesteckt werde als Stellvertreter·in eines Kollektivs wahrgenommen werde.

Und wenn du aber bisher in deinem Leben eigentlich immer so in der Masse der Unbenannten mitgeschwommen bist und eigentlich immer gut überall reingepasst hast, dann ist es jetzt schon ein großer Schritt daraus zu treten und diese unangenehme Erfahrung zu machen, benannt und in den Mittelpunkt gerückt zu werden, ins Rampenlicht und nicht mehr als Individuum gesehen zu werden.

Vielleicht kannst du dir zwei, drei Sachen überlegen, von denen du das Gefühl hast, dass sie etwas sind, womit du aus deiner Komfortzone raus trittst, die Mut erfordern und wo du weißt, dass du die Blicke der anderen auf dich lenken wirst und mal testen, ob du das aushältst und immer mal wieder das austesten und einfach mutig sein in kleinen Dosen, so wie du es aushältst. Es geht wirklich nicht darum, dich jetzt mit anderen zu vergleichen - der oder diejenige ist ja viel mutiger als ich und der oder diejenige macht viel mehr als ich - sondern es geht wirklich nur um dich, um das besser aushalten zu können, dass wenn du dich als vegan out hast, die Blicke auf dich gerichtet werden. Das stärkt dein Selbstbewusstsein und hilft dir dabei, dich so richtig zu fühlen, wie du bist und das ist quasi wie ein Muskel, den du trainierst. Da geht es dann um die Regelmäßigkeit, dass du immer wieder ein kleines bisschen etwas tust und immer wieder mutig bist, etwas neues wagst, dich diesen Blicken aussetzt und dann wieder ins Inkognito zurückkehrst.

Wie gesagt, sehr plastisch funktioniert das mit dem Barfuß laufen. Wenn ich Barfuß rausgehe, dann merke ich irgendwie, wie dann die Blicke auf mich gerichtet werden, mache ich das mit Schuhen guckt mich keiner an. Mache ich das Barfuß, gucken mich ganz viele Menschen an und so kann ich das quasi ganz klar an und abschalten, wie ich wahrgenommen werde. Das kannst du aber auch machen, wenn du mit der Stofftüte zum Bäcker gehst und sagst, dass sie bitte die Brötchen, Brote, Brezeln, was auch immer du kaufst, in diese Stofftüte packen sollen, denn je nach Bäcker machen die das nicht direkt selber, nehmen die Tüte an, sondern geben dir das irgendwie rüber, so dass du das selber einpackst, aber jedenfalls schon allein diese Handlung, dass du nicht automatisch dir das alles in eine Papiertüte packen lässt, sondern du darauf bestehst, dass das in deine Stofftüte wandert, lässt dich schon wieder anders dastehen. Damit trittst du aus der anerkannten Norm heraus und Menschen gucken dich an. Habe ich alles schon ausprobiert.

Also, es ist durchaus machbar mit vielen kleinen Handlungen die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen und das ist tatsächlich alles ein Trainingsfeld. Du kannst das selber entscheiden, wie du das machst, wie oft du das machst, wann du das machst und ob du vielleicht gerade keine Kraft für sowas hast, keine Energie. Das ist alles etwas, was du selber für dich individuell entscheiden musst. Probier es einfach mal aus, so ganz spielerisch, überleg dir was, was du tun könntest, was für dich ein wenig Mut erfordert, wie du anders sein kannst, wie du das anders sein trainieren kannst und wenn du magst, kannst du mir auch gerne schreiben und zurückmelden, was sich da bei dir tut, was du ausgewählt hast, wie deine Erfahrungen damit sind. Ich freue mich wirklich, wenn du diese Folge als Einladung, als Inspiration nimmst, ein wenig Mut in deinen Alltag einzubauen und das anders sein, wie ein Muskel zu trainieren.

Und bevor ich diese Folge beende, möchte ich mich noch ganz herzlich bei Julia bedanken, die als neue Steady-Unterstützerin hinzugekommen ist. Ganz herzlichen Dank Julia, ich habe mich so gefreut, als ich die Benachrichtigung bekommen habe. Wir sind jetzt bei 80 Euro im Monat über Steady, wie gesagt, ich bekomme das nicht komplett ausgezahlter, gehen noch einige Gebühren von ab, 19 Menschen unterstützen und wertschätzen meine Arbeit damit sehr und es freut mich wirklich riesig, dass du, Julia, jetzt dabei bist und du mit diesem Betrag, den du monatlich zahlst, etwas zurückgeben möchtest.

Ganz herzlichen Dank von mir und wenn du, liebe·r Hörer·in, dich Julia und den anderen 18 Unterstützer·innen anschließen und auch etwas zurückgeben möchtest, dann freue ich mich wirklich sehr, wenn du mich über Steady unterstützt. Wenn du keine monatliche oder jährliche Mitgliedschaft abschließen möchtest, dann kannst du es wie eine andere Unterstützerin machen und mich über PayPal zum Beispiel mit einem einmaligen Geldbetrag unterstützen. Ich freue mich wirklich riesig über diese Unterstützung und nochmal ganz, ganz herzlichen Dank an dich, liebe Julia und dann wünsche ich dir ganz viel Kraft und natürlich Gesundheit in dieser besonderen Zeit und freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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