Geh Deinen Weg in Deinem Tempo

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Folge 085 - Geh Deinen Weg in Deinem Tempo

Mit dieser Folge möchte ich für Verständnis bei Dir werben, dass jede·r ihren·seinen Weg im eigenen Tempo geht.

Es kann sein, dass Menschen den Schritt ins vegane Leben noch nicht gewagt haben, weil in ihrem Leben gerade so viel passiert, dass sie keine Kraft haben, sich mit dem Leiden der Tiere auseinanderzusetzen.

Das klingt für Dich in Deiner Position als jemand, der·die schon vegan lebt, vielleicht völlig unverständlich und so möchte ich in dieser Folge erzählen, welchen Weg ich gegangen bin und welche Voraussetzungen erst erfüllt sein mussten, damit ich bereit war vegan zu leben.

Vollständiges Transkript

Herzlich Willkommen zu dieser neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und ich möchte heute mit dir darüber sprechen, wie wichtig es ist, jeden Menschen in seinem oder ihrem eigenen Tempo gehen zu lassen. <

Dazu möchte ich, zur Illustration sozusagen, meine Geschichte erzählen. Du kennst sie wahrscheinlich schon aus dem Einfach Vegan Podcast. Da haben Carsten und ich in der Pilotfolge erzählt, wie das war, wie wir vegan geworden sind. Und ich möchte jetzt nochmal auf Aspekte eingehen, die mir wichtig sind, mit denen ich verdeutlichen möchte, was für Voraussetzungen teilweise da sein müssen, damit jemand bereit ist, diesen Schritt zu gehen und vegan zu leben.

Bei mir war es damals so, dass ich ja schon lange vegetarisch gelebt habe, 20 Jahre lang. Und sagen wir mal, nach 18 Jahren vegetarisch leben ist mir aufgegangen, was mit den Hühnern eigentlich da los ist und was mit den Milchkühnen. Das war mir vorher überhaupt nicht klar, aber sagen wir so anderthalb bis zwei Jahre - ich bin mir nicht ganz sicher, aber zumindest schon eine Zeit lang, bevor ich dann vegan geworden bin - wusste ich darüber Bescheid. Und ich bin dann auch zunächst diesen Ausweichschritt gegangen, dass ich gedacht habe, okay, Bio ist besser. Dann kaufe ich jetzt nur noch Bio-Eier, um das Schreddern der Küken zu verhindern und Bio-Milch, weil es dann bestimmt den Kälbchen und den Milchkühnen besser geht.

Ein wichtiger Faktor bei mir war aber auch, dass ich so viel in meinem Leben hatte, was mich quasi gefangen gehalten hat, dass ich gar nicht offen dafür war, dieses Leid zu sehen und den Schritt zu gehen. Damals war bei mir so viel los und ich war so am Limit und ich war überhaupt total ausgelaugt und habe das aber gar nicht so wahrgenommen, dass ich keine Kapazitäten frei hatte, um jetzt noch darüber nachzudenken, wie es denn eigentlich den Kälbchen geht oder den Küken, wobei ich das ja mit den Küken relativ schnell dann gelöst hatte, nur dass ich halt nicht über das Leben der Legehennen nachgedacht habe und auch nicht über das Leben der Kälbchen und der Milchkühe generell.

Ich habe damals eine Therapie angefangen und erst nach einem halben Jahr Therapie hatte ich mein Leben soweit entwirrt und war auf einen Weg gekommen, dass ich mich entscheiden konnte, vegan zu leben. Den letzten Auslöser hat dann Carsten eigentlich gegeben, dadurch dass er diese Podcastfolge vom SWR gehört hatte und da ging es ja um Kuhmilch und wo er dann gesagt hatte, okay er trinkt jetzt keine Kuhmilch mehr und ich dann gesagt habe gut, dann mache ich das auch nicht mehr und jetzt werden wir vegan.

Dazu kamen dann noch, dass unsere Schwägerin uns die Zeitschrift „Kochen ohne Knochen“ zu Weihnachten geschenkt hat und wir dann auch darin gelesen haben - wobei die Zeitschrift kam erst im Februar und die Entscheidung vegan zu leben, haben wir im Januar getroffen. Und es war aber bei mir wirklich wichtig, dass ich vorher diesen Schritt gegangen bin, mir Hilfe zu suchen, um mein Leben anzufangen zu sortieren, dass da überhaupt Platz war für das Leid der Tiere und dass ich das überhaupt annehmen konnte und dahin gucken und sagen konnte: okay jetzt ändere ich was. Dass ich überhaupt die Kraft gehabt habe etwas zu ändern.

Und damit will ich nicht sagen, dass jede·r eine Therapie machen muss, bevor er oder sie vegan wird, sondern damit möchte ich sagen, dass wir in unserem Leben auch die Kraft und die Energiereserven haben müssen, um diesen Schritt zu gehen. Denn immer noch ist es ja so, dass wir dadurch aus dieser genormten Realität heraustreten aus der Masse und dann zu Außenseitern werden und wir aus diesem warmen Kollektiv heraus, aus dieser Gemeinschaft heraustreten und anerkennen, dass da etwas falsch läuft und das braucht ganz viel Kraft und Energie und du musst dafür bereit sein, du musst stark genug sein, um daraus zu treten.

Und ich war erst stark genug, als ich jemanden an meiner Seite hatte, die mir dabei geholfen hat, mein Leben zu sortieren und mir zu zeigen, wie ich mein Leben anders aufbauen kann und mein Leben dann letztlich auch selbstbestimmt zu leben und nicht fremdbestimmt.

So habe ich es dann später im Kindergarten auch mit einer befreundeten Mutter erlebt, die eigentlich offen war für das vegane Leben und das auch immer mal wieder probiert hat, die aber so viele Probleme sonst noch hatte und sich mit so viel rumschlagen musste, dass sie keine Kraft hatte, sich da wirklich konsequent mit dem Veganismus auseinanderzusetzen. Die erstmal für sich sorgen musste und wirklich völlig am Limit war und für die das einfach nicht der richtige Zeitpunkt war.

Was ich dir damit sagen will, ist, dass ich denke, dass jede·r von uns in ihrem·seinen eigenen Tempo diesen Weg geht. Manche werden vielleicht nie ankommen, manche werden niemals vegan werden, wer weiß das schon, aber andere drehen vielleicht noch die ein oder andere Extraschleife, weil sie gerade nicht die Kraft dazu haben oder ihr Leben ihnen gerade irgendwelche anderen Prüfungen aufdrückt oder sie nicht im entsprechenden Umfeld leben, das jetzt umsetzen können. Und dementsprechend versuche ich hier für Verständnis und Mitgefühl für unsere Mitmenschen zu werben.

Als du dich entschieden hast vegan zu leben, war das definitiv ein Kraftakt. Es war zu Beginn, als du die Ernährung umgestellt hast, sicherlich etwas aufregend und hat nach einiger Zeit super funktioniert. Was dann aber die ganze Zeit über passiert ist dieser Gegenwind, den du von deinen Mitmenschen bekommen hast, vielleicht auch direkt aus deinem näheren sozialen Umfeld. Und das ist eben etwas, was viele Menschen wieder dazu bewegt, nicht mehr vegan zu leben, weil manche nicht diesen Rückhalt bekommen aus einer Gruppe von Gleichgesinnten oder generell von Gleichgesinnten, von Verbündeten, die sie dann darin bestärken, weiterhin vegan zu leben.

Du weißt selbst, wie hart das sein kann, diese ganzen Sprüche und ständig irgendwelche Fragen und du sollst als Stellvertreter·in aller Veganer·innen agieren und immer auf alles eine Antwort haben, ein wandelndes Nährstofflexikon sein und am besten genau wissen, wie was in deinem Körper funktioniert, welche Nährstoffe, wie verarbeitet werden, in welcher Zusammensetzung du welche Nahrung brauchst. Und manche von uns wissen das. Manche von uns haben das alles auswendig gelernt, aber andere möchten das auch gar nicht auswendig lernen und wieder andere verzweifeln daran. Und so hat jede·r von uns eben ihren oder seinen eigenen Weg und auch ihren oder seinen eigenen Weg in den Veganismus hinein.

Und manche sind vielleicht einfach jetzt noch nicht bereit dazu, weil in ihrem Leben gerade andere Dinge die Oberhand haben, sie eher fremdbestimmt unterwegs sind, so wie ich damals und nicht selbstbestimmt und ihnen die Kraft fehlt, diesen Schritt zu gehen und sich gegen die Gesellschaft zu stellen und für die eigenen Werte einzustehen.

Denn wir stehen ja nicht nur für Tierrechte, sondern auch für unsere Werte, dass wir der Meinung sind, dass Tiere Rechte haben sollten, genau wie wir. Und so kann es eben sein, dass vielleicht sogar auch dein·e Partner·in immer noch nicht vegan lebt, Du aber schon länger vegan lebst und du dich fragst, was soll denn das? Warum lebt er oder sie immer noch nicht vegan? Und er oder sie hat einfach ein anderes Tempo und klar in Partnerbeziehungen können da auch noch andere Dynamiken, eine Rolle spielen, dass dein·e Partner·in da vielleicht eher in Opposition geht, weil er oder sie sich gedrängt fühlt. Aber das sind nochmal andere Aspekte und dazu hatte ich auch schon mal mindestens eine Podcastfolge gemacht.

Ich möchte mit dieser Folge um Verständnis werben, dass jede·r ihr oder sein eigenes Tempo hat. Und mir geht es mit dieser Folge auch darum, andere nicht zu verurteilen, weil sie diesen Schritt noch nicht gegangen sind. Vielleicht sind sie einfach noch nicht soweit und es gibt irgendetwas in ihrem Leben, dass sie gerade davon abhält. Das wissen wir ja nicht. Wir können ja immer nur unser eigenes Leben beurteilen. Wir sehen immer nur alles in unserer eigenen Wirklichkeit, unserer eigenen Realität. Aber wie es den anderen gerade geht, können wir ja nur erahnen. Und deswegen lade ich dich dazu ein, mit anderen geduldig zu sein und ihnen durch vorleben, die Möglichkeit aufzuzeigen, wie einfach es ist, vegan zu leben.

Und dann danke ich dir fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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