Die schnelle Lösung für Deine Probleme

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Folge 093 - Die schnelle Lösung für Deine Probleme

Letztens las ich einen Bericht über die Therapiemethode "The Journey", in dem erwähnt wurde, dass die meisten Probleme in bereits einer Sitzung gelöst werden würden.

Ich war berauscht - das wollte ich ausprobieren. Nur eine Sitzung und dann endlich geheilt. Endlich rundum glücklich und zufrieden.

Ich besuchte die Webseite der Therapeutin, wollte wissen wie viel die Sitzung kosten würde und war schon bereit einen Termin zu machen. Nur endlich eine Lösung finden in möglichst kurzer Zeit!

Dann die Ernüchterung: ich fand keinen Hinweis auf die Kosten und so schloss ich die Webseite wieder - ich würde mich vielleicht morgen wieder damit beschäftigen. Was ich dann nie tat.

Daher weiß ich nicht, ob diese Methode tatsächlich der heilige Gral ist und mich in nur einer Sitzung erlöst hätte. Was ich aber weiß, ist, dass die Lösung meist ein Prozess ist und wir kontinuierlich daran arbeiten müssen.

Wir müssen uns darauf einlassen. Etwas dafür tun. Uns öffnen und das regelmäßig. Über einen längeren Zeitraum hinweg.

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und ich möchte in dieser Folge mit dir über unseren Hang zu schnellen Lösungen sprechen.

Seit ich vegan lebe begegnet mir der Wunsch nach dem einen Argument oder dem einen Set an Argumenten sehr häufig, was Veganer·innen im Gespräch mit nicht-Veganer·innen dann anwenden können. Und vielleicht kennst du das auch sonst aus dem Alltag, wenn du schon mal versucht hast abzunehmen oder generell schon mal durch Zeitschriften geblättert hast, die gewisse Diäten anpreisen. Da wird immer und immer wieder von Diäten gesprochen, die Versprechen in kürzester Zeit ganz viel abzunehmen.

Oder, und das ist mir jetzt wieder passiert, dass ich durch eine Zeitschrift geblättert habe und etwas von einer Therapiemethode namens „The Journey“ gelesen habe. Das war ein Bericht darüber von einer Person, die das ausprobiert hat. Und was mich am meisten getriggert hat, quasi, war, dass gesagt wurde, „meist reicht schon eine Sitzung“. Und schon hatten sie mich und ich hatte das Gefühl, ja okay, das muss ich unbedingt ausprobieren. Eine Sitzung und ich bin von all meinen Problemen geheilt und auf einmal kann ich Frieden finden und Frieden schließen mit meiner Vergangenheit. Meine inneren Kinder werden aufjubeln und alles wird gut sein nach einer Sitzung. Ich habe dann auch direkt geschaut, welche Therapeutin war das da, die zufällig in Hamburg sitzt. Da konnte ich ja mal gucken und habe gedacht, na mal schauen, wie viel kostet das denn wohl und ob ich das wohl investieren kann. Und dann war ich auf der Internetseite von dieser Therapeutin und habe mir das alles angeschaut und es sah alles schön aus, aber da standen keine Preise.

Und dann habe ich es erstmal wieder vertagt und schließlich, bei einem Waldspaziergang, habe ich mich ertappt gefühlt, weil ich gedacht habe: okay, du versuchst jetzt wieder, all deine Probleme, die sich über Jahrzehnte angestaut haben und die wirklich über viele, viele Jahre lange Zeit sich entwickelt haben, durch eine Ad hoc-Lösung zu lösen. Also du versuchst, dort dann mit dieser Methode in einer Sitzung alles zu lösen. Kann das denn sein? Ich habe es noch nicht ausprobiert. Ich war noch nicht dort. Ich gehe aber momentan davon aus, dass es nicht möglich ist, alles in mir zu lösen in einer Sitzung. Höchstwahrscheinlich würde es irgendetwas anstoßen und dann müsste ich doch über die nächsten Tage, Monate, Jahre weiter daran arbeiten, kontinuierlich.

Der Wunsch ist groß, auch in mir auf jeden Fall, so etwas zu finden, die eine Lösung, die schnelle Lösung, etwas, was zack, zack geht. Ich merke es auch tatsächlich selbst in meinen Kursen, die ich bei der VHS gebe. Wochenendkurse bzw. kurze Kurse, die über vier Stunden gehen oder nur über zwei Stunden werden eher gebucht als ein Monatskurs. Sich wirklich kontinuierlich hinzusetzen und an einer Veränderung zu arbeiten, ist offensichtlich etwas, was uns Menschen widerstrebt.

Und bestimmt wirst du, genau wie ich, auch schon die Erfahrung gemacht haben, dass es diese eine schnelle Lösung einfach nicht gibt für die meisten Probleme, für die meisten Situationen, für die wir eine Lösung suchen. Wenn wir ehrlich zu uns sind, wissen wir, dass wir uns Fähigkeiten nur aneignen können, wenn wir kontinuierlich daran arbeiten oder üben, wie zum Beispiel Klavier spielen. Da reicht es nicht, wenn du ein Crashkurs Klavier spielen machst und dann innerhalb von zwei Wochen Klavier spielen lernst und dann nie wieder spielst und dann überlegst nach zwei Jahren, okay, ich habe doch mal diesen Crashkurs gemacht, dann müsste ich doch jetzt eigentlich Klavier spielen können. Aber nein, oh Wunder, nach zwei Jahren wirst du wahrscheinlich alles verlernt haben. Ich kann dir das aus Erfahrung sagen, ich habe fünf Jahre lang Klavier gespielt, als ich noch ein Kind war und ich kann jetzt nichts mehr. Das ist schon sehr lange her, das weiß ich auch, aber ich konnte auch schon kurz danach nichts mehr, also sagen wir mal ein halbes Jahr oder ein Jahr, das ging relativ schnell, dass ich das alles verlernt habe.

Es gibt also tatsächlich Fähigkeiten, die wir kontinuierlich schulen müssen, damit wir sie uns erhalten, im Gegensatz jetzt zum Beispiel zum Fahrrad fahren oder zum Laufen oder auch zum Schwimmen. Das sind ja alles Dinge, die wir immer können - wenn wir motorisch dazu in der Lage sind - aber wir werden es natürlich nicht zur Perfektion bringen, zum Beispiel beim Schwimmen, wenn wir nicht kontinuierlich trainieren und da kommt es eben drauf an, was wir uns als Ziel gesetzt haben.

Laufen, damit meine ich gehen, joggen ist klar, also es ist halt alles etwas, was mit unserem Körper auch zu tun hat. Wenn wir da ausdauernd dabei sein wollen, dann müssen wir unseren Körper eben auch kontinuierlich trainieren und genauso ist es auch mit unserem Geist. Wenn wir jetzt einmal für eine Woche jeden Tag meditieren zum Beispiel, dann hilft uns das sicherlich in dieser Woche, aber wenn wir dann aufhören und dann nur noch ab und zu meditieren, werden wir nicht so leicht wieder in diesen Zustand kommen, der uns gut getan hat und es wird auch nicht zu unserer dauerhaften Entspannung beitragen.

Und so ist es eben mit den meisten Übungen, dass es wichtig ist, sie kontinuierlich durchzuführen. Klar müssen wir da wieder die Balance halten, dass es nicht fanatisch wird, im Sinne von, dass es zu einem Zwang wird, dass wir das tun müssen, sondern es geht in erster Linie darum, dass es uns gut tut. Aber wenn wir wollen, dass es uns nachhaltig, kontinuierlich gut tut, müssen wir es regelmäßig tun und wir müssen es eben regelmäßig über einen gewissen Zeitraum hinweg tun.

Niemand erwartet von dem eigenen Körper, dass wir einen Marathon laufen können, wenn wir jetzt eine Woche lang jeden Tag eine Stunde joggen gehen. Das ist einfach nicht möglich, dazu müssen wir viel mehr trainieren und genauso ist es eben wichtig, unseren Geist zu trainieren und Rituale einzuführen, die wir regelmäßig üben.

Das Dankbarkeitsritual ist etwas, worüber ich in einer der vorangegangenen Folgen schon mal gesprochen habe, etwas, was durch die Regelmäßigkeit in uns eine Veränderung hervorrufen kann. Es wird keine Veränderung hervorrufen, wenn wir das jetzt für zwei Wochen machen, jeden Tag aufschreiben, wofür wir dankbar sind und dann wieder aufhören, sondern es ist wichtig, dass wir das regelmäßig tun und dann wird es sich irgendwann in unserem Leben so verankern, dass wir automatisch merken, wofür wir dankbar sind und dass wir uns öffnen für die Dankbarkeit.

Aber auch dann, das habe ich auch wiederum selbst bemerkt, ist es wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern und immer wieder auf dieses Ritual besinnen, weil wir sonst den Fokus darauf wieder verlieren. Oder vielleicht können wir das auch als eine bestimmte Sensibilität beschreiben. Wir werden sensibler für bestimmte Empfindungen und für, in diesem Fall, positive Empfindungen wie die Dankbarkeit und wir stumpfen dann da ein wenig ab, wenn wir das nicht regelmäßig üben.

Und so reizvoll diese Idee mit einer schnellen Lösung auch ist, so wenig kann ich das in der Praxis bestätigen, dass das hilfreich sein kann. Ich weiß selber aus teilweise leidvoller Erfahrung, dass es wichtig ist, sich immer und immer wieder dazu anzuhalten, bestimmte Rituale einzuüben, sich daran zu halten und sich nicht davon von einem Wochenendseminar oder einem Retreat oder was auch immer zu erhoffen, dass dadurch alle Probleme gelöst werden. Es kann natürlich sein, dass es in deinem Fall, in diesem speziellen Fall, was auch immer es sein mag, so ist, dass du nur noch diesen einen Anstupser gebraucht hast und jetzt läuft alles. Wenn es aber tiefsitzendere Dinge sind, dann reicht die schnelle Lösung einfach nicht.

Und gerade in diesem Prozess, in dem wir uns als ethisch motivierte Veganer·innen befinden, in dem wir uns öffnen für unsere Umwelt, für unsere Mitlebewesen, für Gefühle, die wir vorher nicht gefühlt haben, ist es ein längerer Prozess, den wir dann über einen ganzen Zeitraum selbst begleiten müssen. Und ich weiß, wie schmerzvoll das ist, gerade zu beginnen, wenn wir realisieren, was da eigentlich schiefläuft und worauf wir uns jahrzehntelang teilweise eingelassen haben und woraus wir jetzt erwachen und wie weh das tut und wie sehr wir uns da eine Lösung wünschen, die schnell wirkt und womit wir einmal uns beschäftigen und was wir dann abhaken können.

Und leider kann ich dir so etwas nicht anbieten. Jede·r von uns muss da ihren oder seinen eigenen Weg finden. Und es wird teilweise ein schmerzhafter Prozess sein, immer und immer wieder, egal wie lange du vegan lebst. Denn dadurch, dass wir ja als Veganer·innen in einer nicht veganen Welt leben, werden wir immer und immer wieder getriggert. Und deswegen brauchen wir gerade diese Rituale, diese Übungen, die wir täglich, aber zumindest regelmäßig ausführen. Und nur das kann uns tatsächlich stützen und nur das kann wirklich dafür sorgen, dass wir nachhaltig gelassen und souverän reagieren können und dass wir nicht verrückt werden in dieser Welt, die sich so überhaupt nicht um Empathie und Mitgefühl kümmert. Gerade weil wir ja immer und immer wieder getriggert werden, durch genau das, was uns dazu gebracht hat, vegan zu leben.

Und genau deswegen, weil wir eben nicht als Einzelpersonen jetzt direkt alles ändern können, ist es wichtig, dass du regelmäßig für dich sorgst, dass du gut für dich sorgst, dass du auf dich achtest. Und ich kann den Wunsch verstehen nach einer Sofortlösung, ich kann ihn wirklich verstehen. Ich habe auch immer wieder diesen Impuls nach so etwas zu greifen, so etwas zu suchen und diesen dringenden Wunsch nach sofortiger Heilung, dass es sofort gut wird oder dass es endlich aufhört, weh zu tun oder nach solchen Dingen. Das kann ich total verstehen.

Ich meine, darum betäuben wir uns mit Alkohol, mit Essen, mit Fernsehen, mit verschiedenen Streamingdiensten, mit Büchern, mit aller möglichen Ablenkung. Und es hilft ja auch teilweise, aber es hilft eben nur für einen gewissen Moment und es betäubt uns tatsächlich nur, es drückt ja den Schmerz nur weg, es drückt die Gefühle nur weg und es hilft nicht auf lange Sicht. Auf lange Sicht müssen wir uns diesen Gefühlen stellen und auf lange Sicht ist es wichtig, das kontinuierlich zu tun. Und ja, die Angst ist groß vor diesem Schmerz, der uns dazu geführt hat, vegan zu leben, diesen Schmerz immer und immer wieder zu fühlen.

Und ich kann dir versichern, es wird besser. Wenn du dich dem Schmerz stellst und wenn du beginnst, begleitende Rituale einzuüben. Ich habe dafür jetzt mein Reisebuch erstellt. Es ist ein Buch, was ich aus meiner Methode entwickelt habe, die ich über die letzten Jahre hinweg aus dem Gamification Bereich stark inspiriert durch Jane McGonagall entwickelt habe und was dich begleitet in deinem Alltag als Veganer·in in einer nicht-veganen Welt. Was dir helfen soll, deinen Weg zu finden, deine Rituale zu finden und deine Herangehensweise mit den Herausforderungen in deinem veganen Alltag umzugehen. Ich habe länger daran gefeilt und ich wünsche mir sehr, dass dieses Buch ein Alltagsbegleiter für dich werden wird, der dir hilft, diese Rituale in dein Leben zu integrieren und dich täglich daran zu erinnern, wie du gut für dich sorgen kannst, wie du deinen Weg finden kannst in dieser nicht veganen Welt.

Es soll keine Sofortlösung sein, nichts, was du jetzt einmal durcharbeitest und dann weglegst, sondern es soll wirklich etwas sein, was du Tag für Tag zur Hand nimmst, was du ja am Anfang erstmal bearbeitest, weil es ein paar Schritte gibt, die zunächst einmal geklärt werden müssen, womit du für dich die Rahmenbedingungen festlegst, quasi die Reisevorbereitung und dich dann mit gepacktem Rucksack in dein Abenteuer stürzt und du dann das Buch immer dabei hast, um immer wieder nachschlagen zu können, was sind deine Werte, was sind deine Träume, wie gehst du mit deinen Herausforderungen um und welche Rituale kannst du regelmäßig in deinen Alltag integrieren. Und natürlich gibt es auch einen Notfallkoffer und natürlich gibt es auch eine Webseite zu diesem Buch, einen geschützten Bereich online, wo du dir dann auch noch einige Audios anhören kannst und alle Anleitungen auch nochmal durchlesen und auch Arbeitsblätter runterladen kannst, wenn du das möchtest. Das ist natürlich alles optional, aber auch diese Möglichkeit gibt es zu dem Buch. Und ich habe wirklich ganz viel Herzblut in dieses Buch gesteckt und ich bin sehr gespannt, was du dazu sagen wirst.

Und dann danke ich dir fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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