Diese Übung wirkt bei mir nicht.

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Folge 094 - Diese Übung wirkt bei mir nicht.

Kennst Du das auch, Du hörst von einer Übung, probierst sie aus und sie wirkt bei Dir nicht? Oder Du hörst von einer Übung und denkst Dir: "So verrückt bin ich nun auch nicht - diese Übung ist nichts für mich!"?

Ein gutes Beispiel dafür ist das Bäume umarmen - wenn Du davon hörst, denkst Du dann direkt "Das ist doch nur was für Spinner?" oder bist Du offen und überlegst es einmal auszuprobieren oder hast es gar schon getan?

Natürlich ist es immer möglich, dass eine Übung wirklich nichts für uns ist oder wir momentan einfach noch nicht offen für sie sind.

Wozu ich Dich mit dieser Folge einladen möchte, ist, eine offene, neugierige Einstellung zu kultivieren, mit der Du auf neue Übungen blickst. Und eine Übung nicht nach dem ersten Ausprobieren gleich als unbrauchbar abzutun, sondern Dich nach und nach dafür zu öffnen.

Denn oft müssen wir uns erst verletzlich machen und offen sein für eine Übung, damit sie bei uns wirkt.

Das ist gerade für uns Veganer·innen in einer nicht-veganen Welt ein Balanceakt und wir sollten immer darauf achten gleichzeitig gut für uns zu sorgen und uns zu schützen.

Vollständiges Transkript

Herzlich Willkommen zu dieser neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen.

Ich bin Stefanie und ich möchte in dieser Folge darüber sprechen, was da eigentlich passiert bei uns im Kopf und im Körper, wenn wir das Gefühl haben oder der Meinung sind, diese eine Übung, die wir gerade ausprobieren wollen, funktioniert für uns nicht.

Und die Erkenntnis kam mir tatsächlich beim Bäume umarmen, denn Bäume umarmen ist ja etwas, dem viele Menschen erst mal skeptisch gegenüberstehen, was gleich wieder in bestimmte Bereiche abgedrängt wird, was ein Etikett verabreicht bekommt. Und ja, auch ich habe früher immer gedacht, Bäume umarmen, was soll das denn? Jetzt habe ich in letzter Zeit mal des öfteren Bäume umarmt und habe aber bisher noch nicht irgendein Effekt erzielt oder irgendetwas gespürt dabei.

Und dann bin ich letztens durch den Wald gelaufen und habe gedacht, ja, ich muss mich auch darauf einlassen können. Ich muss mich dafür öffnen können für diese Übung und sie nicht direkt abtun, dass sie bei mir nicht wirkt, sondern es kann sein, dass ich einfach nicht offen bin für diese Übung. Natürlich funktioniert nicht jede Übung für jeden Menschen, das ist ganz klar. Aber ich möchte in dieser Folge darüber sprechen, wie schnell wir doch manche Übungen abtun und sie in gewisse Ecken drängen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, obwohl diese Übung uns vielleicht helfen würde.

Natürlich kann es auch sein, dass wir dann momentan einfach noch nicht bereit sind für diese Übung und wir uns erst noch in diese Richtung entwickeln müssen, damit wir auch von der Übung profitieren können. Aber manchmal brauchen wir vielleicht einfach nur einen kleinen Stupser, um uns dafür zu öffnen. Und ich dachte mir, dass wir als Veganer·innen ja eigentlich prädestiniert dafür sind, uns für Neues zu öffnen, denn den meisten ging es ja so, dass sie, bevor sie vegan geworden sind, gedacht haben: „Veganer·nnen, was sind das für Spinner·innen?“

So wie bei mir, dass ich halt als Vegetarierin gesagt habe: „na vegan, so verrückt bin ich jetzt auch wieder nicht. Ich mag ja verrückt sein, weil ich Vegetarierin bin, aber so schlimm ist es jetzt noch nicht, dass ich jetzt auch noch vegan werden würde.“ Und jetzt bin ich in meinem sechsten Jahr vegan und muss sagen: doch, so verrückt bin ich anscheinend schon. Und so sind mir jetzt in den vergangenen fünfeinhalb Jahren so viele Dinge passiert und es haben sich so viele Türen für mich geöffnet, dass ich immer und immer wieder eigentlich mich hab sagen hören: „was ist das denn so verrückt, bin ich nicht?“ Und dann habe ich es eben doch gemacht und mittlerweile empfinde ich es halt gar nicht mehr als verrückt.

Und so kann es eben sein, dass wir bei bestimmten Übungen, wie zum Beispiel beim Bäume umarmen - ich nehme jetzt einfach mal diese Übung, weil wir uns die so gut vorstellen können, du weißt genau, was da passiert und hast vielleicht bestimmte Reaktionen, wenn du hörst, komm lass uns doch mal ein Baum umarmen, wenn du das jetzt hörst, dann hast du vielleicht eine ablehnende Haltung dagegen oder du hast es schon selber ausprobiert oder du bist schon viel weiter und hast positive Erfahrungen gesammelt. Jedenfalls kannst du dir genau vorstellen, was diese Übung bedeutet. Und es kann eben sein, dass wir einfach genau wie wir vorher, bevor wir vegan geworden sind, noch diesen Schritt machen müssen, vom „so verrückt bin ich nicht“ hin zu, „okay ich bin neugierig, ich öffne mich dafür, ich probiere das mal aus“.

Und dann kann es auch sein, dass du es einmal ausprobierst oder zweimal ausprobierst und das Gefühl hast, okay jetzt habe ich mal schnell diesen Baum umarmt, vielleicht habe ich mich auch mal fünf Minuten dran gelehnt, aber irgendwie ist da nichts bei mir passiert, also funktioniert es nicht für mich - habe ich jetzt gemacht, abgehakt und das war es.

Und so war das bei mir jetzt die ersten Male eben einfach auch, dass ich das Gefühl hatte, ja ich umarmte diesen Baum einfach um das mal auszuprobieren, ich bin neugierig und offen dafür und ich habe nichts gespürt. Und dann habe ich einfach jetzt gemerkt, hey ich muss auch was tun, ich muss mich öffnen, ich muss mich verletzlich zeigen, ich kann hier nicht einfach nur diesen Baum umarmen und das als motorische Übung sehen, sondern es geht darum dann auch zu spüren.

Wir versuchen ja immer alles so mit unserem Verstand zu ergründen, aber wir als Menschen sind ja nicht nur unser Verstand, sondern vor allem auch unser Körper, denn ohne unserem Körper wären wir ja nichts. Es fliegen ja jetzt nicht so immaterielle Verstandes-Menschen durch die Gegend, sondern dein Verstand wird von deinem Körper durch die Gegend befördert und ohne deinen Körper wird da auch nichts sein, was denken kann, das funktioniert eben alles nur als Gesamtheit. Wir können daran glauben, dass es eine Seele gibt, die den Tod überdauert, aber auch die ist ja dann körperlos. Und letztlich, selbst wenn wir uns als vielschichtige Person wahrnehmen, mit Körper, Seele, Geist, was denkt da eigentlich, wer kann über die Seele, den Geist und den Körper nachdenken, was ist das denn jetzt noch?

Also selbst wenn wir uns spirituell ergründen, müssen wir doch zugeben, dass wir ohne den Körper nicht weit kommen. Und unser Körper funktioniert eben über Gefühle und nicht nur über den Verstand. Gefühle wiederum sind aber sehr individuell, die kann ich nicht wissenschaftlich basiert abrufen und ich kann anderen nicht ihre Gefühle aberkennen und sagen, es kann gar nicht sein, dass du es fühlst. Ich fühle das nicht, also kannst du das auch nicht fühlen. Wir können Gefühle nicht als falsch oder richtig einstufen, sondern für uns ist das, was wir fühlen immer richtig, weil wir es einfach fühlen. Und für dein Gegenüber ist das, was er oder sie fühlt auch richtig, weil er oder sie das einfach im Moment fühlt. Und wenn ihr unterschiedliche Dinge fühlt, dann ist nichts davon falsch. Aber wenn wir uns unseren Gefühlen öffnen, machen wir uns eben auch wieder verletzlich.

Und gerade so eine Übung wie ein Baum umarmen, hat ja viel mit Fühlen zu tun und gar nicht so sehr mit Denken. Und wenn ich mich da dann nicht öffne und mich verletzlich mache, dann werde ich wahrscheinlich auch die Vorzüge dieser Übung nicht genießen können. Und dann sind wir halt schnell versucht zu sagen, okay, ne, habe ich probiert, Übung wirkt bei mir nicht, funktioniert einfach nicht. Und dann wieder zu sagen, ja, okay, gib mir mal eine andere Übung, lass uns mal schauen, wie die Übung funktioniert, wie die Übung funktioniert. Und dann der Reihe nach, wirklich die verschiedensten Übungen abzutun, weil wir einfach noch keinen Zugang zu unseren Gefühlen haben.

Nun, habe ich aus eigener Erfahrung gemerkt, dass das vegan werden - wenn du aus ethischen Gründen vegan lebst, das muss ich immer einschieben - auch ein Prozess ist, indem du dich selbst erkundest und deine Gefühlswelt und deine Werte, denn du bist ja in dieser karnistischen Welt groß geworden und du bist darin aufgewachsen, dir wurden die Werte einer karnistischen Welt vermittelt und du musstest all deine Gefühle und alles, was du eigentlich ureigen in dir hast, diesen Werten unterordnen. Und dadurch, dass du jetzt vegan lebst, waren da ganz offensichtlich eigentlich andere Werte in dir, die du leben wolltest. Aber weil das eben nicht in dieses karnistische Weltbild gepasst hat, musstest du sie unterdrücken. Und das ist dir mal besser, mal schlechter gelungen, das kannst du nur selber sagen, wie das in deiner Biografie verhaftet ist. Und jetzt, in dem Moment, in dem du gemerkt hast, okay, nein, es geht nicht mehr, ich muss vegan leben, ich muss diesen Schritt gehen, hast du dich geöffnet und verletzlich gemacht. Und das hat weh getan, das hat richtig weh getan.

Du hast vielleicht wochenlang weinend vor irgendwelchen YouTube-Videos gesessen, in denen du dir die Zustände angeschaut hast, die da dann eben in den Massenbetrieben herrschen und die die Wahrheit zeigen. Und du hast dich mit Schuldgefühlen gequält und Scham. Und es war schrecklich, du hast dich gefragt, warum du nicht schon viel früher diesen Schritt gemacht hast. Und du hast dich geschämt dafür, dass du so lange in diesem System verharren konntest. Und wie du bei diesem Schritt, diesem Auslöser, diesem einem Moment, in dem du gemerkt hast, das ist es, jetzt lebe ich vegan, wie du da dann dich geöffnet hast und diesen Schmerz erfahren hast, war das der erste Schritt.

Und jetzt ist es natürlich sehr schwierig und auch ziemlich hart teilweise, weiterhin in dieser karnistischen Welt zu leben, in dieser nicht-veganen Welt zu sehen, was du sehen kannst, die Wahrheit zu sehen. Zu sehen, dass alles so weiterläuft wie bisher, aber zu wissen, dass es ganz schief läuft. Und dich dann nicht wieder zu verkriechen und alle Gefühle abzutöten und zu sagen: okay, nein, ich will nichts mehr fühlen, ich will nichts mehr fühlen, sondern den Weg weiterzugehen und deine Werte Schritt für Schritt freizulegen, dich zu öffnen und verletzlich zu machen, aber gleichzeitig zu schützen.

Das ist jetzt eine riesige Herausforderung und ich weiß, wie es ist. Ich meine, ich gehe diesen Weg jetzt im sechsten Jahr und ich weiß, wie es ist, sich zu öffnen. Und jede·r von uns geht diesen Weg in ihrem oder seinem eigenen Tempo und vielleicht gehst du ihn viel schneller als ich, vielleicht auch langsamer oder genauso schnell. Das ist überhaupt gar nicht richtig messbar, denn du hast eine ganz andere Biografie als ich. Kein Mensch ist mit dem anderen richtig vergleichbar und nur du kannst deinen eigenen Weg beschreiten und wissen, wo und wie du entlang gehen kannst. Und es ist ganz viel auch ein Ausprobieren. Und ein immer wieder Austesten, wie verletzlich kann ich mich wirklich machen und gleichzeitig aber den Notfallkoffer immer dabei zu haben und auch eine Schutzfunktion auszufahren.

Das ist das, weswegen ich jetzt auch dieses Reisebuch entwickelt habe und weswegen ich schon die ganze Zeit über diese Methode auch im Masterplan immer weiterentwickelt habe und mit der ich dir einfach helfen kann, gleichzeitig Methoden zu entwickeln, wie du mit den Herausforderungen in deinem Leben umgehen kannst, aber auch wie du dich schützt, wie du immer wieder gut für dich sorgst und auf dich aufpasst. Das muss gleichzeitig gehen. Denn wenn du einfach nur darüber nachdenkst, okay, wie meistere ich jetzt diese Herausforderung im Sinne von, wenn ich das höre, dann antworte ich das und ich eigne mir einfach ganz viel Wissen an oder welche Methode auch immer für dich am besten funktioniert, dann würdest du dich nicht davor schützen, wenn du immer und immer wieder in diese verletzenden Situationen gerätst in unserer nicht veganen Welt.

Und deswegen ist es wichtig, dass du gleichzeitig für dich einen Sicherheitsnetz aufbaust, einen Schutzmantel entwickelst, wie auch immer du es nennen möchtest und dann in diesem geschützten Rahmen dich weiter öffnest. Denn dann hast du die Möglichkeit auch von diesen Übungen wie zum Beispiel vom Bäume umarmen zu profitieren, weil du dich dann weiter verletzlich machen kannst. Es ist eine immense Herausforderung sich verletzlich zu machen in dieser verletzenden Welt. Es wirkt jetzt so wie ein Paradoxon, aber es ist machbar. Du musst nur wirklich darauf achten, dass du dich gut schützt und immer wieder zurückkommst in eine sichere Umgebung, die dich sozusagen immer wieder absicherst.

Und vielleicht kannst du es dir so überlegen, wie als wenn du an einer Felswand hochkletterst und du bist gesichert, du kletterst aber trotzdem weiter und meisterst diese Felswand, aber du hast diese Sicherung. Das heißt, wenn du irgendwo falsch trittst oder dich nicht richtig festhalten kannst, dass du nicht komplett abstürzt oder sonst irgendwie dir was Schlimmes tust, sondern dass immer dein Sicherungsnetz oder deine Sicherung generell greift, dass du immer gesichert bist.

Und dann hast du die Möglichkeit, deine Werte immer tiefer zu ergründen und immer stärker und auch feiner herauszukristallisieren. Was sind denn deine Werte? Wofür stehst du? Was ist dir wirklich wichtig? Und das immer wieder feinzuschleifen. Es ist ein Weg, definitiv. Es ist ein Prozess und es ist eigentlich so, dass du es frei legst. Also ich merke dann immer, dass ich denke, das ist so, als würde ich Gold schürfen oder so. Ich habe noch nie Gold geschürft, aber ich meine, ich stelle mir das so vor. Ich lege Schritt für Schritt diese Schichten frei und entdecke, was da eigentlich in mir verborgen ist und was eben von diesem karnistischen System mit diesen Werten, die uns vermittelt wurden, mit denen wir aufgewachsen sind, was mir da vermittelt wurde und was eigentlich gar nicht mit mir übereinstimmt.

So dass da drunter, unter diesem karnistischen Wertesystem dann eigentlich mein empathisches Wertesystem hervorkommt und es mir möglich macht, verletzlich zu sein, ohne beständig verletzt zu werden. Natürlich können wir nicht verletzlich sein, ohne verletzt zu werden. Das ist unmöglich, aber wie gesagt, wir können uns schützen. Wenn du also das Gefühl hast, es gibt Übungen, die hast du ausprobiert und dann abgetan, vielleicht hast du das früher eben auch als verrückt bezeichnest, aber du machst es jetzt und vielleicht kannst du mit diesem offenen Blick, mit dem neugierigen Blick, dann auf die Übung schauen und sagen, okay, ich gebe dir eine Chance.

Und dann danke ich dir fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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