Folge 104 - Schaffe Dir Deinen Rückzugsort

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Folge 104 - Schaffe Dir Deinen Rückzugsort

Kennst Du das auch, dieses "Einsame-Insel"-Gefühl?

Mir geht es in letzter Zeit immer wieder so, dass ich gar keine Lust mehr "auf Menschen" habe. Dieses irrationale Verhalten, die ständigen Erklärungen - da werde ich schnell ziemlich dünnhäutig.

Und genau für solche Situationen ist ein physischer Rückzusort ungemein wichtig.

Idealerweise ist das Deine Wohnung oder Dein Haus, wo Du die Wohnungs-/Haustür schließen und einfach für Dich sein kannst. Ein Ort zum Auftanken, an dem Du nicht auf der Hut sein und Dich nicht erklären musst. An dem Du die Regeln aufstellst und sich die anderen daran zu halten haben.

Wenn das Zuhause nicht möglich ist, solltest Du eventuell einmal Deine Wohnsituation überlegen - andererseits findest Du vielleicht auch an einem anderen Ort eine Möglichkeit des Rückzugs.

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und in dieser Folge möchte ich über die Wichtigkeit eines Rückzugsorts sprechen.

Im Einfach Vegan Podcast und im Clan haben wir in den letzten Wochen viel über das Thema „anders wohnen“ gesprochen und auch über das Thema „gemeinschaftlich wohnen“ und da kamen aus verschiedenen Ecken auch immer wieder die Bedenken hoch und die Wünsche, dass es einen Rückzugsort geben sollte und dass es nicht genügend Privatsphäre und Möglichkeiten zum Alleinsein gibt, wenn wir gemeinschaftlich wohnen und ich kann das verstehen.

Auch in mir keimt immer wieder dieser Wunsch auf eine einsame Insel zu ziehen. Gerade als wir jetzt im Urlaub waren, auf Fischland Darß Zingst, und ich gemerkt habe, dass ich scheinbar (das war meine Wahrnehmung) die einzige bin, zusammen mit Carsten und dem Kind, die auf Abstand achtet, hatte ich da auch immer gleich schnell den Wunsch irgendwo auf einer einsamen Insel zu sein.

Und nach den Rückmeldungen, die ich bisher bekommen habe, habe ich das Gefühl, dass dieser Wunsch vor allem unter uns Veganer·innen weit verbreitet ist. Und dann kommt es natürlich darauf an, dann variiert es noch ein wenig, wie intro- oder extrovertiert wir sind, also wohin die persönliche Ausrichtung geht und egal wie du dich fühlst oder siehst, ob du eher gerne mittendrin bist oder eigentlich eher zurückhaltend.

Ein Rückzugsort ist für uns alle wichtig, ein Ort, an dem wir auftanken können, ein Ort, an dem wir einfach wir selbst sein dürfen und das kann eben ein Ort nur in unserer Vorstellung sein, ein Kraftort, an dem wir uns zurückziehen können, wenn wir meditieren zum Beispiel, wenn wir uns ruhig irgendwo hinsetzen können und den wir uns dann vorstellen. Aber es sollte auch einen Ort geben, einen physischen Ort, an den wir uns zurückziehen und meist ist das ja dann unsere Wohnung oder unser Haus und wenn wir da keine Ruhe bekommen und keine Möglichkeit haben, uns zurückzuziehen, dann ist das schon bedenklich.

Wir können das auf jeden Fall aushalten, eine Zeit lang, das geht, aber ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass es sehr wichtig ist, irgendwo in der Wohnung, in einem Zimmer auch die Möglichkeit zu haben, die Tür zuzumachen und nur für dich zu sein. Am besten ist es natürlich, wenn deine ganze Wohnung oder dein ganzes Haus ein Rückzugsort ist, dass du die Tür schließen kannst, die Haustür, die Wohnungstür und für dich sein. Das heißt nicht, dass du allein sein musst, sondern, dass du verstanden wirst.

Gerade bei uns vegan lebenden Menschen ist es ja so, dass wir in unserem Alltag vielen Dingen ausgesetzt sind, die an unseren Kräften zehren, dass wir immer in Habachtstellung sind und schauen müssen, was sagen wir jetzt, wie dürfen wir uns geben, können wir uns outen oder nicht, ist es okay, hier was zu sagen oder nicht und es ist halt ein ständiges Abgleichen und du kannst nicht einfach sein, sondern du bist ständig in Aktion und da ist es super wichtig, zum einen immer wieder aufzutanken, es raubt ganz viel Energie, aber eben zum anderen auch, wie schon gesagt, diesen Rückzugsort zu haben, den Ort zu haben, an dem du einfach sein darfst.

Ich habe das jetzt erlebt im Sommer, ich dachte, wir haben hier mit dieser Wohnung einen Rückzugsort geschaffen, an dem wir einfach sein können und haben uns das auch soweit eingerichtet, dass wir uns zurückziehen können und wir haben einen Gartenanteil - wir wohnen über unseren Vermietern und die haben den Garten quasi zweigeteilt, sodass wir den vorderen Teil haben und die den hinteren Teil und eigentlich war alles abgesprochen, dachten wir - und dann gab es einen Eklat, weil unsere Vorstellungen von einem Garten sich nicht mit den Vorstellungen unserer Vermieterin gedeckt haben und das hat gleich so ein Unwohlsein, so eine Unsicherheit ausgelöst, so als wäre der Rückzugsort entweiht worden. Es gab noch so ein paar andere Dinge und das muss jetzt nicht breitgetreten werden, es ist einfach dann noch so einiges passiert, was uns letztlich dazu bewogen hat, dann schon mal nach anderen Wohnungen zu gucken und im nächsten Jahr dann doch wieder die Sachen zu packen. Und wir sind schon oft umgezogen und es war immer in Ordnung, aber diesmal hatte ich wirklich das Gefühl, ja es ist okay, solange das Kind zur Schule geht können wir hier bleiben und es ist in Ordnung.

Aber dann kam dieser Eklat und seitdem ist einfach alles anders und ich habe länger gebraucht und habe darüber nachgedacht, was ist das für ein Gefühl, was ist da los, warum fühle ich mich so, was ist das überhaupt und habe das begleitet und angeschaut und dann ist mir klar geworden, dass mir meinen Rückzugsort genommen wurde, dass dieses Gefühl von Sicherheit weg ist, dass ich mich nicht mehr fallen lassen kann und das ist super wichtig, es ist so essentiell für uns, die wir vegan leben, dass wir wirklich diesen Ort haben, wo wir uns einfach fallen lassen können.

Heike, eine Hörerin, hat das mal beschrieben, dass sie klare Regeln hat für ihre Wohnung, damit diese Wohnung ein Rückzugsort bleibt und das fand ich sehr bewundernswert, dass sie das so durchsetzt und auch sagt: okay es darf keine·r nicht-vegane Sachen mit in ihre Wohnung bringen und das macht sie, damit sie sich wohl fühlen kann und das ist etwas, was sehr wichtig ist und wir brauchen einen Ort an dem wir uns niederlassen können, an dem wir uns zurückziehen können.

Und für mich war in diesem Moment der Punkt gekommen, als wir diese Wohnung hier gefunden hatten im Laufe des letzten Jahres, dass ich gedacht habe: ja jetzt muss ich nicht mehr weiterziehen, jetzt kann ich mich hier niederlassen und das ist okay. Dann kam der Eklat und da habe ich dann gemerkt, nein, ich muss schon wieder weiterziehen, ich habe es immer noch nicht gefunden und da ist mir wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass wir diesen Ort haben und wenn wir diesen Ort nämlich nicht haben, dann sind wir ständig unter Anspannung, da müssen wir ständig gucken, abgleichen, ist das okay, was ich sage, ist das okay, wie ich mich gebe, stört das irgendjemanden? Es prasselt einfach alles von außen auf uns ein, all das Tierleid und all das, was Menschen einfach tun, wovon wir denken, dass sie es nicht tun sollten.

In meinem Fall war ich im Urlaub froh, dass ich mich immer wieder ins Ferienhaus zurückziehen konnte und ich hatte zwischendurch wirklich das Gefühl so, ich habe keinen Bock auf Menschen, ich bleibe jetzt hier im Ferienhaus und pendele nur noch zum Strand zu Zeiten, wo hoffentlich niemand da ist, was ich dann auch nicht so umgesetzt habe, aber dieses Gefühl war da und das kennst du sicherlich auch, dieses Gefühl: ich will einfach irgendwo allein sein, ich will diese Menschen nicht mehr sehen und das kann sich natürlich auswachsen, dass du irgendwann überhaupt gar keine Menschen mehr sehen möchtest, dass du innerlich verbitterst und alle hasst.

Das wäre das Extrem und das ist ja nicht das Ziel, dass du in diese Verbitterung rutschtst, da tust du dir, deinen Mitmenschen und auch den Tieren keinen Gefallen mit, das ist kein schönes Lebensziel. Ich denke mittlerweile dieses einsame Inselgefühl gehört zum Vegan sein dazu, solange bis Vegan leben nicht mehr ein Minderheitsphänomen ist, sondern zum Mainstream gehört und zum Mainstream wird, denn es ist Teil unseres Menschseins, dass wir zu einer Gruppe dazu gehören wollen, dieses soziale, liegt uns in den Genen und wenn wir merken, dass wir nicht dazu gehören können, weil unsere Werte sich einfach extrem unterscheiden mit den Werten der anderen und wir so erschöpft sind davon dazu gehören zu wollen, aber nicht zu können, weil es einfach nicht passt, dann stellt sich dieses „ich will weg, ich will keine Menschen mehr sehen, ich will auf eine einsame Insel“- Gefühl ein.

Und daher stelle ich die These auf, dass wenn wir mit Menschen umgeben sind, die unsere Werte teilen uns dieses einsame Inselgefühl nicht mehr so leicht ereilt und dass wir natürlich immer noch Rückzugsorte brauchen und Privatsphäre und die Möglichkeit zu sagen, ich will jetzt auch mal niemanden mehr sehen, aber dass diese Erschöpfung sich nicht mehr so einstellt, weil wir einfach von Menschen umgeben sind, denen wir uns nicht erklären müssen, wo es eine Basis gibt, die selbstverständlich ist und die nicht erklärungsbedürftig ist.

Das ist ja gerade das Problem, dass wir uns ständig erklären müssen, erklären, erklären, erklären, warum machst du das, wieso, weshalb, warum, was soll das, warum bist du nicht so wie wir und wenn das wegfällt und es um ganz andere Dinge geht, wenn es selbstverständlich ist, dass wir alle vegan leben und wir uns dann nicht erklären müssen, wenn die Werte geklärt sind, dann können wir uns zum Beispiel darüber unterhalten, wie wir diesen Planeten wieder lebenswert machen oder wir können uns darüber unterhalten, welches Buch wir lesen wollen oder was auch immer. Das erleichtert das Leben dann ungemein und ich befürchte wirklich diese Erschöpfung und dieses einsame Inselgefühl hängt ganz stark damit zusammen, dass wir als Veganer·innen momentan noch eine Minderheit sind.

Darum schaff Dir einen physischen Rückzugsort, schafft Dir einen Ort, an dem du einfach sein kannst, an dem du auftanken kannst, so wie ein Kloster zum Beispiel, also ich meine jetzt nicht, dass du in ein Kloster gehen sollst, sondern das als Beispiel, dass Mönche und Nonnen in einem Kloster auftanken und sich dorthin zurückziehen und dann von dort aus rausgehen. Ein Ort, an dem bestimmte Regeln gelten und so werden in deinem Zuhause, an deinem Rückzugsort auch bestimmte Regeln gelten, die es dir möglich machen, dort aufzutanken. Denn wenn in einem Kloster jetzt zum Beispiel die ganze Zeit Geschrei herrschen würde und alles drunter und drüber ginge und weiß ich nicht was noch alles, dann könnte dort auch niemand auftanken und zur Besinnung finden und meditieren und so weiter und so fort.

Das heißt es muss ein Ort sein, an dem bestimmte Regeln gelten, die du festlegst, denn ist es ja dein Rückzugsort und an den du dich dann immer zurückziehen kannst. In jedem Fall möchte ich dir sagen du bist wichtig und dass es sehr wichtig ist, dass du auf dich achtest und darauf achtest, dass du regelmäßig auftanken, Kraft schöpfen kannst und das funktioniert sehr gut mit den Power-Ups, aber es ist eben auch sehr wichtig, einen Rückzugsort zu haben, einen Ort, an dem du sein kannst und wenn du in deinem Alltag noch Unterstützung brauchst, dann lege ich dir sehr mein neues Buch ans Herz, das Reisebuch.

Und dann danke ich dir fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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