Folge 113 - Zwischen Zwang und Selbstfürsorge

Ein Beitrag

Folge 113 - Zwischen Zwang und Selbstfürsorge

Diese Folge ist quasi so eine Art Fortsetzung der vorangegangenen Folge.

Denn auch wenn Putzen Selbstfürsorge sein kann, so kann diese Tätigkeit auch zwanghaft sein. Es ist stets ein Balanceakt, der auch ins Negative kippen kann.

Tätigkeiten, die mir eigentlich gut tun, können, wenn ich sie unfreiwillig und zwanghaft ausführe, mir schaden.

Um diese Gefahr etwas genauer zu beleuchten und vor allem nicht unerwähnt zu lassen, habe ich diese Folge aufgenommen.

So kannst Du eine Praline genießen und Dich gut dabei fühlen, wenn Du sie isst. Du kannst aber auch einem inneren Zwang folgen, der Dir sagt, dass Du Dich gut fühlen wirst, wenn Du diese Praline isst.

Der Unterschied ist hier, ob Du die Wahl hast diese Praline zu essen oder nicht. Kannst Du die Praline wieder weglegen, ohne dass sie sich immer wieder in Deine Gedanken schleicht und eine innere Stimme Dir sagt, dass Du sie unbedingt essen solltest, um sie zu einem späteren Zeitpunkt bewusst zu genießen, ist es kein Zwang, sondern etwas, mit dem Du Dir etwas Gutes tust.

Musst Du die Praline aber wie ferngesteuert unbedingt essen, verfolgt Dich die Tatsache, dass sie existiert in Deinen Gedanken, isst Du stattdessen vielleicht etwas Gesundes und musst Dich dazu zwingen an etwas anderes zu denken, dann ist das Essen der Praline kein Akt der Selbstfürsorge und Du solltest der Ursache des Zwangs nachgehen.

Links zur Folge

Das Buch "Zen Magic" von Shunmyo Masuno
z.B. bei buch7.de anschauen

Maria Sanchez - Emotionales Essen
https://www.mariasanchez.de/

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen.

Ich bin Stefanie und diese Folge ist quasi so eine Art Fortsetzung der letzten Folge, in der ich zum einen ein Buch vorgestellt habe und zum anderen darüber gesprochen habe, wie putzen, dabei helfen kann, zu dir selbst zu finden, im Sinne von Selbstfürsorge und Achtsamkeit und Meditation.

Woran ich dabei immer wieder denken muss und generell bei allen Tätigkeiten, die gut für uns sein können, dass diese auch ins Gegenteil umschlagen können. So auch beim putzen, das kann natürlich eine Möglichkeit sein, dass du einfach putzt und bei dir bist beim putzen. Es kann aber auch ins Zwanghafte ausarten, so dass du das Gefühl hast, du musst putzen, um deine Gefühle in den Griff zu bekommen. Ich habe darüber nachgedacht, dass die vorangegangene Folge vielleicht dahin gehend missverstanden werden kann und möchte deswegen diese Folge hier ergänzen.

Da ich seit meiner Kindheit emotional esse und mich seit etwa sieben Jahren mit den Gründen des emotionalen Essens etwas intensiver beschäftige in verschiedenen Changierungen, bin ich mit Zwängen wohl vertraut. Beim Essen ist es zum Beispiel so, dass es ja durchaus sein kann, dass du ein Stück Kuchen genießen kannst, dass du ein Stück Schokolade essen kannst, ohne dass es emotionales Essen bedeuten muss. Aber sobald es dazu umschlägt, dass du keine Wahl hast und dieses Stück Schokolade essen musst, sonst verfolgt es dich oder du musst irgendwas anderes dafür essen, dann ist es ein Zwang.

Genauso kann das natürlich passieren mit Tätigkeiten wie putzen, dass du zwanghaft putzt, um Gefühle quasi weg zu putzen, die dich innerlich aufwühlen oder in irgendeiner Art und Weise bedrücken oder dass du zwanghaft Sport treibst, um deine Gefühle irgendwie unter Kontrolle zu halten. Hier ist der Punkt immer die Freiwilligkeit. Hast du die Wahl? Kannst du stattdessen auch nicht putzen, nicht essen oder nicht Sport treiben? Oder fühlst du dich dann gezwungen, es doch zu tun, wirst unruhig, musst irgendetwas anderes machen? Beim Essen ist es ja häufig so, dass dann einfach das ungesunde Essen gegen das gesunde Essen getauscht wird und so habe ich das früher auch gemacht, dass ich dann statt Schokolade Äpfel gegessen habe oder generell Rohkost, was natürlich viel gesünder ist und der schlanken Linie zugute kommt, aber es ändert nichts an dem zwanghaften Essen und es ändert auch nichts an den Gründen, an der Ursache, wo das denn jetzt herkommt.

Und so ist es meiner Erfahrung nach sehr, sehr wichtig, dass wir da sensibel bleiben mit den Dingen, die uns gut tun. Wie gesagt, es kann uns gut tun, ein tolles Stück Kuchen zu essen, eine leckere Schokolade zu genießen, es kann uns gut tun, Sport zu treiben, jeden Tag eine Runde Joggen zu gehen oder wenn es irgendwann mal wieder möglich ist, schwimmen zu gehen und es kann eben auch gut tun, bewusst zu putzen.

Aber immer wenn die Tätigkeit zum Zwang wird und du nicht mehr die Wahl hast, ob du es machen kannst oder nicht, dann ist es gefährlich und dann ist es wichtig, dass du dir dessen bewusst wirst und da schaust, was ist die Ursache ist, was lässt dich jetzt zwanghaft handeln. Ich bin da auch immer noch mittendrin, also ich habe da kein Patentrezept, ich kann dir nur sagen, wenn du wie ich emotionale·r Esser·in bist, bist du bei Maria Sanchez sehr gut aufgehoben, die kann ich da wärmstens empfehlen, Sehnsucht und Hunger, ist ihre Webseite, ich verlinke die auch mal in den Shownotes und alles von ihr kann ich wirklich empfehlen.

Doch auch das, was sie macht, geht natürlich nicht ohne Eigenverantwortung, nur wenn wir selbst bereit sind uns auf den Weg zu machen und uns unseren Zwängen zu stellen, können wir auch Heilung finden und je nachdem welche Ursachen unsere Zwänge haben, sind sie eben leichter oder schwerer zu heilen. Häufig ist es dann einfacher mit den Zwängen zu leben, nur wenn sie anfangen, uns im Alltag zu belasten und einzuschränken, würde ich dir empfehlen, da tiefer zu schauen und wenn du das alleine nicht schaffst dir auch Hilfe zu suchen.

Meiner Erfahrung nach, ist es so, wenn du anfängst für dich zu sorgen und dich um dich selbst zu kümmern, dann wirst du immer sensibler für das, was du wirklich brauchst und das ist definitiv kein linearer Weg, sondern es geht auf und ab, vor, zurück, du drehst Schleifen, du verhedderst dich auch mal, du fällst, das kann alles vorkommen und mein Weg jetzt die letzten sieben Jahre war definitiv genauso. Trotzdem kann ich merken, dass ich immer sensibler für meine eigenen Bedürfnisse werde und immer besser herausfinden kann, was ich gerade brauche. Und das ist definitiv etwas, eine Fähigkeit, die dir hilft, gelassen im Alltag zu sein.

Und natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen ich alles infrage stelle und an alle zweifle. Meistens fällt das bei mir als menstruierende Frau in den Zyklusbereich vor meiner Blutung. Das wäre dann, wenn du den Zyklus in Jahreszeiten einteilst, der Herbst und der Winter auch, Winter ist dann, wenn die Blutung stattfindet und ein bisschen davor und ein bisschen danach. Und das sind für mich die Zeiten, in denen ich weiß, dass da verstärkt Zweifel in mir hoch kommen. Wenn mir das bewusst ist, dass ich mich gerade in dieser Zeit befinde, dann kann ich damit auch leichter umgehen. Es ist für mich ein stetes Kennenlernen meiner selbst.

Ich bin so aufgewachsen, dass ich einer bestimmten Norm entsprechen sollte. Und ich denke, viele von uns wurden vor allem durch die Schule, durch unser Bildungssystem in gewisse Richtungen gedrängt. Dass gesagt wurde, dass sie so und so zu sein haben. Und dass es nicht darum ging, dass sie irgendwie ihre individuellen Bedürfnisse erforschen können und erfüllen können auch, sondern dass es nur darum ging, bestimmten Leistungsansprüchen zu genügen.

Dieses Mitgefühl mit mir selbst, herausfinden, was für Bedürfnisse ich überhaupt habe, das ist etwas, was ich jetzt wirklich erst in den letzten sieben Jahren lernen durfte. Und ja, die vorangegangenen Jahrzehnte habe ich das eben nicht gemacht. Und deswegen ist es für mich auch ein teilweise recht steiniger Weg. Und dauert einfach seine Zeit. Und ich bin immer noch unterwegs und wie gesagt, ich weiß gar nicht, ob ich jemals ankommen werde, aber ich weiß zumindest, dass es immer leichter wird. Und ja, auch wenn es zwischendurch Rückfälle gibt oder ich einfach das Gefühl habe, dieser Berg versperrt mir die Sicht und eigentlich ist dahinter alles wunderschön. Nur ich sehe halt die ganze Zeit nur auf diesen Berg und kann das wunderschöne überhaupt nicht sehen.

Deswegen möchte ich dich mit dieser Folge bitten, gut auf dich zu achten und auszubalancieren, was du wirklich brauchst. Dich selbst gut zu beobachten, wann etwas ins Zwanghafte abdriftet und dich selbst mitführend zu behandeln. Liebevolle Güte nennt das Ajahn Brahm, den habe ich ja schon öfter hier zitiert, du kennst ihn dann schon. Also liebevolle Güte dir selbst gegenüber. Wenn du dich selbst hegst und pflegst und Mitgefühl mit dir selbst hast, dir liebevoll begegnest, dann wirst du auch noch lange Kraft haben, um dich um andere Lebewesen zu kümmern. Deine Kinder, falls du welche hast, deine Familie, deine Mitmenschen, aber eben auch vor allem deine Mitlebewesen, die Tiere, um die es dir geht.

Und wie immer geht es darum, geh deinen Weg in deinem Tempo. So wie es zu dir passt und nicht so, wie du denkst, dass andere, das von dir erwarten oder vielleicht andere, diese Erwartung auch wirklich äußern. Nur du selbst kannst wissen, welches Tempo für dich das richtige ist.

Und dann danke ich dir fürs Zuhören und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

Zurück

Hinweis zum Von Herzen Vegan Clan

Im November 2021 ist der Von Herzen Vegan Clan ein Teil meiner damals neuen Community, des Experimentariums geworden.

Das Experimentarium gibt es seit Dezember 2022 nicht mehr.

Ich bin gerade dabei eine neue Online-Community aufzubauen. Wenn Du interessiert bist, schau doch mal vorbei:

>> Hier gehts zur neuen Community

Von Herzen Vegan Podcast

Du möchtest etwas zurückgeben?

Wieder eine tolle Folge, die Dich inspiriert und Dir neue Impulse für Deinen Alltag gegeben hat?

Dann freue ich mich, wenn Du darüber nachdenkst den Von Herzen Vegan Podcast finanziell zu unterstützen.

Jetzt unterstützen >>

P.S.: Ich halte den Von Herzen Vegan Podcast komplett werbefrei und finanziere ihn nur durch Hörer·innen wie Dich.