Stellungnahme und Ergänzung zu Folge 116

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Folge 117 - Stellungnahme und Ergänzung zu Folge 116

In dieser Folge lese ich zwei Kommentare von Hörer·innen vor, die zum Interview mit Dr. Tamara Pfeiler (die vorangegangene Folge 116) Stellung genommen haben.

Dabei geht es vor allem um das Abwandeln von Kinderbüchern, was bei einigen Kindern nicht akzeptiert wird und der Aufforderung uns für unser Vegansein "abzufeiern".

Denn so motivierend es sein kann selbstbewusst als Veganer·in aufzutreten, so beängstigend kann es auch sein, wenn ich aus welchen Gründen auch immer nicht gerne im Mittelpunkt stehe.

Gerade bei Kindern erfordert das doch eine große innere Stärke und Festigkeit, die viele zu dem Zeitpunkt noch nicht haben.

Insofern ergänzt diese Folge die vorangegangene um ein Plädoyer für Diversität.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Herzlich Willkommen zu dieser neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souverän durch deinen veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und diese Folge ist quasi ein Zusatz oder eine Antwort auf die vorangegangene Folge des Interviews mit Dr. Tamara Pfeiler zur Thema vegane Kinder.

In dem Interview hatte ich einige Hörer·innenfragen gestellt. Tamara hat sie beantwortet und ich möchte jetzt mit dieser Folge nochmal die Stellungnahme zu den Antworten von Dr. Tamara Pfeiler von zwei Hörer·innen vorlesen und dann eben auch dazu noch kommentieren. Denn das, was Dr. Tamara Pfeiler in der letzten Folge gesagt hat, passt einfach so nicht für jede·n und deswegen möchte ich das quasi nochmal ergänzen.

Und zwar schrieb ein Hörer zu dieser Folge zum Thema Vorlesen, Ausdenken von Geschichten, Büchern - denn Tamara sagte, dass sie bei kleineren Kindern Bücher, also Bauernhofbücher dann in Lebenshofbücher ummünzt und den Text anders liest und das fand ich zu dem Zeitpunkt auch sehr spannend. Hatte aber gar nicht darüber nachgedacht, dass es vielleicht Kinder bemerken könnten, denn dieser Hörer schreibt:

„Generell halte ich die Idee für sinnvoll, pragmatisch, Bücher etc. abzuwandeln beim Vorlesen. Allerdings habe ich folgende Erfahrungen gesammelt mit Kindern in diesem Bereich. Kinder merken immer, wenn Mensch nicht die Wahrheit erzählt beziehungsweise merken später, dass nicht das drinsteht in einem Buch, was Mensch erzählt hat. Weiterhin ist es je nach Alter sinnvoll die eigene Unsicherheit transparent zu machen und gegebenenfalls das Kind partizipieren zu lassen. Das heißt zusammen zu überlegen, wie die Geschichte alternativ laufen könnte oder wo noch Dinge oder Themen sind, die geändert werden können, was wirklich teilweise Spaß macht, egal welcher Themenbereich, Diversität, Rassismus, Ableismus etc.

Allerdings muss ich aus eigener Erfahrung auch berichten, dass die Kinder sich vielleicht auch „zurückentwickeln“. Das heißt, unser Großer ist jetzt 19 Jahre und isst seit ca. drei Jahren wieder Fleisch, also isst Omnivor. Auch das muss Mensch lernen zu trennen wie eigentlich bei fast allen Entwicklungsthemen von Kindern und Jugendlichen. Mensch kann Sachen vorleben und diskutieren, aber letztendlich ist jeder Mensch ab einem gewissen Alter und Reife grad selber dafür verantwortlich und kann sich halt selbst entscheiden.

Beim Thema Kita, Schule etc. wollte ich nur kurz anmerken, dass es zwar generell eine super Idee ist, dort selber seine Meinung Kund zu tun und Alternativen und Kompromisse zu finden, gegebenenfalls zusammen mit anderen Menschen, aber nicht jede·r ist dazu aus unterschiedlichsten Gründen in der Lage. Das heißt, eine gewisse gesetzliche Vorgabe, Lockerung, Alternativaufzeigung ist hier meines Erachtens schon notwendig.

Was ich bei mir selber gesehen habe, gerade auch im Bereich Social Media, - danke, Stefanie für den Filmtipp ‚The Social Dilemma‘ - ist dieses schwarz-weiß Denken. Die totale Spaltung wir und die. Das heißt ein Loben, Bestärken und so weiter, super ist, aber wir sind die Pioniere etc., kann leicht zu einer Vereinfachung, Auftrennung führen, die dann von der Gegenseite als noch extremer wahrgenommen wird. Eine Lösung ist wie immer schwierig.

Außerdem noch mal zum auch oben angesprochenen Thema Kraft, Mut, Selbstbewusstsein. Nicht jedes Kind, Jugendliche, Mensch, Person hat die Kraft aus unterschiedlichsten Gründen, sei es mental, physisch, Äußerlichkeiten, Geschichte, Kultur und so weiter, um sich dort in dem Bereich zu behaupten.

Einmal noch zum Thema Pubertät, ja, zuhören, Kraft geben, auch als Kristallationspunkt oder Gegenentwurf dienen, reiben ist gut und notwendig, aber manchmal auch einzusehen, dass Mensch gerade überhaupt nicht helfen kann und soll, was auch okay ist, aber hier zu versuchen, den Faden nicht abreißen zu lassen.“

Soweit die Gedanken von diesem Hörer, vielen Dank dir, du weißt, dass du gemeint bist. Ich habe es jetzt extra ohne Namen gemacht, damit es auch wirklich anonym ist, weil ich auch den nächsten Beitrag ohne Namen vorlesen möchte, weil ich nicht weiß, ob das okay ist, wenn die nächste Person namentlich genannt wird. Ich nenne ja sowieso nur Vornamen, aber vielleicht möchte sie auch das nicht.

Ich, Stefanie, möchte dazu auch noch Stellung nehmen, denn Tamara hatte viel davon gesprochen, dass wir uns selbst auf die Schulter klopfen können und dass wir uns selbst dafür loben sollten, dass wir das geschafft haben, vegan zu leben und auch dass es sicherlich sinnvoll ist, aber ich pflichte hier diesem Hörer bei, dass das nicht jedem und jeder möglich ist, sich so aufzubauen und selbstbewusst zu geben. Das erfordert schon eine gewisse Stärke und die hat einfach nicht jede Person und das ist nicht, als wenn du stark bist, bist du gut und positiv und wenn du schwach bist, ist das negativ gemeint, sondern einfach, dass wir sehr divers sind und dass es eben auch introvertierte Menschen gibt, die nicht gerne im Mittelpunkt stehen.

Und auch da eben genau das, was dieser Hörer hier sagte, dass es für Kinder, gerade für introvertierte Kinder oder eben die einem bestimmten Spektrum angehören, wo sie sich eben einfach nicht wohl fühlen, im Mittelpunkt zu stehen, es sehr schwierig sein kann, sich hinzustellen und sich als vegan zu outen und dann eben auch zu sagen, ja, ich bin toll, weil ich vegan lebe. Ich weiß, mein Kind würde so etwas nicht machen, weil es eben eher introvertiert ist und würde sich total unwohl fühlen, wenn es sich selbst so in den Mittelpunkt stellen würde und deswegen kann ich das ja gut nachempfinden, was dieser Hörer heute vollkommen anonymisiert da geschrieben hat und möchte das auch noch mal als Plädoyer für Diversität hervorheben.

Kommen wir nun zu dem Kommentar der Stellungnahme der anderen Hörerin, deren Fragen ich an Tamara unter anderem auch gestellt hatte und sie schreibt:

“Ich muss sagen, ich fand die Folge einerseits hilfreich, andererseits hat sie mich aber auch erst mal relativ nachdenklich gestimmt. Zum einen aus persönlicher Perspektive, was das unterschiedliche Essverhalten von mir und meinem Mann angeht, insofern fand ich es sehr positiv und beruhigend, dass Tamara erläutert hat, dass die Kinder da häufig noch nicht so ein ‚schwarz-weiß‘ beziehungsweise ‚gut böse‘ Denken haben. Insofern kann man also ganz gelassen herangehen und ich werde mich weiterhin in Gelassenheit üben.

Ihre zwar irgendwie auch nahe liegende Antwort, sie frage sich, warum der Partner zu Hause nicht komplett vegan esse, wenn man sich doch einig sei, die Kinder vegan zu ernähren, fand ich dann aber etwas zu simpel, denn dafür kann es ja ganz generell gesehen die unterschiedlichsten Gründe geben. Und in unserem Fall ist es halt einfach so, dass mein Mann noch nicht vollständig, insbesondere auf Käse verzichten kann, mag und dass das schwerfallen kann, hört man ja auch von anderen.“

Hier eine Anmerkung von mir, Stefanie: gerade beim Käse wissen wir ja, dass da süchtig machende Stoffe drin sind, diese Casomorphine und es also gar nicht so sehr in unserer Willenskraft liegt oder dem Vorhaben jetzt auf Käse zu verzichten, sondern dass wir quasi schon süchtig sind nach Käse. Und ja, genau gerade beim Käse ist es ja etwas, was viele von uns kennen und ich hatte zu Beginn und habe auch heute noch das Bedürfnis mal so ein Stück Käse zu essen, allerdings mittlerweile eben ein pflanzliches Käsestück, denn mittlerweile ist es ja tatsächlich so weit gekommen, dass es pflanzliche Käsesorten gibt, die ganz gut schmecken. Aber das nur soweit, ja, das stimmt, ich stimme der Hörerin dazu, ich hätte da im Interview noch mal nachhaken sollen, das war tatsächlich ein bisschen zu kurz gegriffen, denn eigentlich kannte ich die Situation der Hörerin ja und hätte wirklich da noch mal was sagen sollen und im Nachhinein hatte ich auch ein bisschen schlechtes Gewissen, dass ich nicht nachgefragt habe, also muss ich jetzt hier einfach mal zugeben, weil ich ja wusste, worum es geht und das wirklich zu simpel war. In der Tat also von daher noch mal nachträglich eine Entschuldigung an dich, liebe Hörerin, du weißt, dass du gemeint bist, also von daher, so Anmerkung von mir zu Ende. Jetzt geht es hier weiter mit dem Kommentar der Hörerin:

“Zum anderen hatte ich auch ein bisschen Schwierigkeiten mit dem Tipp, dass wir uns doch als Pioniere abfeiern sollten, denn dort sehe ich auch wie das Problem, dass man dann noch viel eher als extrem abgehoben, arrogant wahrgenommen werden könnte und somit erst recht eine Außenseiterrolle inne hätte. Auch möchte ich zum Beispiel selbst gar nicht wegen meines Veganseins besonders im Mittelpunkt stehen oder es besonders nach außen tragen und möchte es für meine Kinder erst recht nicht. Ich werde es nicht verheimlichen oder geheimhalten oder so etwas, aber ich möchte es eben auch nicht besonders nach außen hervorheben. Dennoch finde ich, dass die Idee des Pionierseins und des Abfeiern auch eine hilfreiche Idee ist, zumindest wenn man sich selbst innerlich so betrachtet und damit ein positives Mindset entwickelt, anstatt negativ über sich selbst zu denken und sich als Außenseiter zu bezeichnen.

Was das Abwandeln von Kinderbüchern angeht, kann ich noch sagen, dass ich das auch schwierig finde. Mein Sohn jedenfalls achtet nämlich beim mehrmaligen Vorlesen der gleichen Geschichte ganz genau auf einzelne Worte und merkt sofort, wenn ich mal ein Wort aus Versehen vergessen sollte vorzulesen oder wenn der Text im vorgelesenen Buch von seinem Hörspiel abweicht. Da erzählt er mir dann, dass ich das falsch vorlese und das im Hörbuch doch so und so erzählt wird. Und das wirklich bei Kleinigkeiten, da würde ich es also eher so halten, das Buch entweder gar nicht vorzulesen - die Mama Mu-Bücher rühren wir aufgrund deiner Berichte zum Beispiel bisher nicht an - oder eben so vorzulesen, wie es ist und gegebenenfalls mit dem Kind darüber zu sprechen. So weit meine Gedanken hierzu, nochmals danke.“

Und da endet der Kommentar der Hörerin, also vielen Dank, liebe Hörerin, du weißt, dass du gemeint bist für deinen Kommentar und ich denke, dass das für uns alle auch noch mal hilfreich ist als Ergänzung zu dem Interview mit Tamara und auch nochmal zu sehen, ja sicherlich ist es bestimmt für einige Menschen hilfreich, sich abzufeiern und auch selbstbewusst aufzutreten, im Mittelpunkt zu stehen und zu sagen, ja, ich lebe vegan und hier bin ich. Das ist ja durchaus etwas, was legitim und in Ordnung sein kann. Nur gibt es eben einfach zu bedenken, dass es einige Menschen gibt, die sich damit nicht wohlfühlen und das hat dann nichts damit zu tun, dass sie sich dafür schämen vegan zu sein oder so, sondern einfach mit ihrer Persönlichkeit, mit ihrem Charakter, mit ihrem Sein und das sollte dann auch okay sein, dass ich halt dann nicht im Mittelpunkt stehen möchte.

Deswegen war mir das eben noch wichtig, jetzt diese Folge noch aufzunehmen. Ich hatte kurz überlegt, das in Diskussionen mit dem einen Hörer zu machen, der als erstes genannt wurde. Wir haben das zeitlich nicht hinbekommen, wenn du den Podcast hier chronologisch hörst, hast du auch gemerkt, dass hier eine längere Pause ist zwischen dieser Folge und der vorangegangenen. Und ja, das hat einfach nicht geklappt, deswegen dachte ich, ich lese zumindest die Kommentare einmal vor, damit die Folge, das Interview rund ist und wir wirklich alle Seiten beleuchtet haben und auch die Menschen noch mal zu Wort kommen, die eher introvertiert sind oder auf die ein oder andere Art einfach nicht im Mittelpunkt stehen wollen. Jetzt habe ich ganz oft Mittelpunkt gesagt, aber irgendwie ist es ja genau das, worum es geht. Also auch wenn Tamara in ihrer Rolle als Psychologin sicherlich aus fachlicher Erfahrung schöpft, dürfen wir als Laien auch für uns herausfinden, was für uns das Beste ist. Und ich denke, so haben wir jetzt ein etwas ausgewogenes Bild erzeugt. Wenn du noch etwas dazu ergänzen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail an post [at] vonherzenvegan.de.

Und dann danke ich dir fürs zuhören und freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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