Wir Veganer gegen Ihr Karnisten

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Folge 021 - Wir Veganer gegen Ihr Karnisten

In dieser Folge spreche ich darüber,

  • warum ein Mensch mehr ist als die Summe seiner Handlungen,
  • warum es sinnvoll ist zu differenzieren zwischen der Handlung ("Er trägt Pelz.") und dem Menschen ("Pelzträger = Mörder") und
  • warum diese Lagerbildung zwischen Veganer*innen und Nicht-Veganer*innen die Tiere kein Stück weiterbringt.

Seien wir mal ehrlich: niemand mag es als Idiot*in, Mörder*in oder Verbrecher*in beschimpft zu werden. Es macht etwas mit uns und sicherlich nichts Positives.

Wollen wir wirklich etwas für die Tiere erreichen, sollten wir mit etwas mehr Fingerspitzengefühl vorgehen.

Vollständiges Transkript

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge des Von Herzen Vegan Podcasts, der dir hilft, dich gelassen und souveränen in deinem veganen Alltag zu bewegen. Ich bin Stefanie und in dieser Folge möchte ich über die Lagerbildung sprechen, dieses „wir Veganer·innen“ und „ihr nicht-Veganer·innen“, was auch durchaus in „Wir Veganer·innen“ und „Ihr Mörder·innen, ihr grausamen Menschen, ihr was auch immer man denen an den Kopf werfen kann“, ausarten kann.

Und ich möchte da tatsächlich schon ansetzen, dieses „wir und ihr“ Denken. Klar, müssen wir irgendwie differenzieren und ich rede auch von Veganer·innen und Nicht-Veganer·innen. Worum es mir aber in dieser Folge geht, ist diese Spaltung in gut und böse. Das passiert bei Demonstrationen schnell, das passiert bei Protestaktionen schnell, zum Beispiel gegen Pelz, wenn du vor einem Pelzgeschäft demonstrierst und dann irgendwas mit Mörder schreist oder generell dich anstecken lässt, alle anderen, die Pelz tragen, als schlechte Menschen zu sehen.

Du kennst es vielleicht aus anderen Situationen im Alltag, stell dir vor, du lässt eine Tasse fallen, sie zerbricht und das war jetzt gerade die Lieblingstasse deiner Oma und deine Oma sagt zu dir, „Bist du blöd Kind, wie kannst du nur, du bist so tollpatschig, du bist ein schlechter Mensch!“ Sie spricht dich als Mensch an, also sie bringt diese Handlung mit dir als Mensch in Verbindung, du bist schlecht, du als Mensch.

Und stell dir vor, die gleiche Situation, du lässt die Tasse fallen, deine Oma sagt zu dir: „Das war jetzt aber blöd, meine schöne Tasse, warum hast du sie fallen gelassen?“ damit spricht sie über die Handlung und nicht über dich als Mensch, sondern über deine Handlung. Deine Handlung war blöd, du hast die Tasse fallen lassen, ja du hast es wahrscheinlich nicht extra gemacht, aber es war blöd, dass du sie hast fallen lassen, aber das macht dich als Menschen nicht zu einem schlechten Menschen, weil du die Tasse fallen gelassen hast, sondern die Handlung war das Problem.

Und genauso ist es dann eben auch bei allen Menschen, die nicht vegan leben, sie sind nicht per se schlechte Menschen, sondern ihre Handlung, dass sie eben nicht vegan leben, dass sie Fleisch essen, dass sie Pelz tragen, Leder tragen, das sind alles Handlungen, die wir ethisch nicht vertretbar finden, die wir bemängeln und das ist das, was wir angreifen können, was wir bemängeln können, wo wir sagen können: „Ja, das was du tust ist nicht gut, aber es sagt nichts über dich als Mensch aus, du kannst trotzdem ein guter Mensch sein, aber schlecht handeln aus den verschiedensten Gründen.“

Und deswegen finde ich es eben so schwierig diese Lagerspaltung zu betreiben. Die meisten von uns sind nicht vegan geboren, noch nicht mal vegetarisch und deswegen waren wir alle einmal nicht-Veganer·innen und jetzt zu sagen: hey ich bin gut und du bist schlecht, weil du nicht vegan lebst, ist wirklich sehr schwierig gerade aus dieser Historie heraus betrachtet. In jedem Nicht-Veganer und jeder Nicht-Veganerin steckt das Potenzial zu einem Veganer oder einer Veganerin und wenn ich diese Menschen beschimpfe und sie als Mörder und schlechte Menschen darstelle, dann verringere ich dieses Potenzial. Denn wenn du beschimpft wirst als schlechter Mensch, dann hast du auch keine wohlwollenden Gefühle gegenüber dem oder derjenigen, der·die das tut und wirst das wofür dieser Mensch steht, erstmal mit etwas Negativen verknüpfen, weil du angegriffen wurdest, das ist ganz normal.

Ich möchte nicht sanktionieren, was Nicht-Veganer·innen bewusst tun, das möchte ich auf keinen Fall. Wir leben nur leider in einem System, wo es normal ist, nicht-Vegan zu leben und wo es einer besonderen Anstrengung bedarf vegan zu leben und dabei auch zu bleiben und dazu zu stehen. Es wird immer einfacher, es wird immer leichter auf jeden Fall. Dennoch ist es immer noch eine Anstrengung und auch gerade eine Anstrengung sozial zu bestehen. Wir sind soziale Wesen, wir wollen miteinander kommunizieren, wir brauchen die Gruppe um zu überleben und deswegen ist es gerade so schwer für uns, wenn wir vegan leben, als Minderheit in dieser nicht veganen Welt entspannt und gelassen zu leben. Wir brauchen dieses kuschelige Gefühl der Gemeinschaft.

Es geht mir also darum, die Handlung vom Individuum, vom Menschen zu differenzieren und wenn dir diese Trennung von Individuum und Handlung von Mensch und Handlung bekannt vorkommt, dann hast du vielleicht Kinder und kennst es daher, dass du deinem Kind nicht sagst: „Hey du nervst“, sondern „Du, was du da gerade gemacht hast, das finde ich nicht gut. Das finde ich nicht okay.“ Und nicht: du bist nicht okay, sondern deine Handlung ist nicht okay. Und genauso kannst du einem·r Nicht-Veganer·in auch sagen, hey ich finde deine Handlung nicht okay, ich finde das was du tust nicht okay. Ich finde es nicht gut, dass du das Tierleid billigst. Ich finde es nicht gut, dass du den Pelz trägst. Es ist leicht sich von einer Gruppe zu differenzieren, die einen beschimpft und sich dann auch dagegen abzuschotten und zu sagen, das stimmt doch alles gar nicht. Und dann auch dicht zu machen und nicht weiter darüber nachzudenken.

Wenn ich aber sage, hey du was du tust, das finde ich nicht gut. Dann ist es zumindest eine Handreichung darüber nachzudenken und zu sagen, ja stimmt, wie könnte ich es denn anders machen? Das greift mich als Mensch nicht an, also meinen Charakter, meinen Kern, sondern einfach die Handlungen, denn wir Menschen machen Fehler, wir sind menschlich, wir sind nicht perfekt und das ist ganz normal, dass unsere Handlungen nicht jedem gefallen, dass sie Kanten und Ecken haben und vielleicht bei dem·der einen oder anderen für Missfallen sorgen.

Und das ist ganz normal, wir können es nicht jedem·r recht machen, wir können nicht von jedem·r geliebt werden, das ist ganz normal. Wenn du das anstrebst, wirst du unglücklich enden, auf jeden Fall. Aber wir sind denkende, reflektierende, reflektierte Wesen und wir können über unsere Handlungen nachdenken und sie auch anpassen und ändern und das vielleicht eben auch auf einer friedlicheren Basis als „hey du, Mörder·in und du radikale Veganer·in“.

Und das war es jetzt auch schon wieder, wenn du deine Gedanken mit mir teilen möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail oder schreib einen Kommentar. Ich freue mich auch immer über weitere iTunes-Bewertungen, denn nur dadurch kann der Podcast in den Charts steigen und besser gefunden werden und dann freue ich mich auch, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

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