Wie Du entspannt mit Nicht-Veganern lebst

Ein Beitrag

Folge 127 - Beziehungen zwischen Veganern und Nicht-Veganern

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Buch "Beyond Beliefs - A Guide to improving relationships and communication for vegans, vegetarians, and meat eaters" von Dr. Melanie Joy vor,
  • sprechen wir über die einzelnen Kapitel und
  • erklären wir Dir, an wen sich dieses Buch richtet.

Dieses Buch von Dr. Melanie Joy gibt es momentan nur auf Englisch, soll es aber bald auch auf Deutsch geben. Es beinhaltet nicht nur Hintergrundinformationen über das Konfliktpotential in vegan- nicht-veganen-Partnerschaften, sondern liefert auch einige Werkzeuge, mit denen Du Deine Beziehungen entspannen kannst.

Und da wir das Buch gekauft haben, verlosen wir es in dieser Folge auch- hör doch gleich einmal rein.

Links zur Folge

Beyond Beliefs - A guide to improving relationships and communication for vegans, vegetarians and meat eaters
https://www.buch7.de/store/product_details/1030436818

Podcastfolge 113 - Achtsamkeit im Ehrenamt

Folge 62 - Vegan nervt aka Karnismus

Vollständiges Transkript

Stefanie In der aktuellen Folge habe ich Carsten mal wieder was zu lesen gegeben, denn ich bin in diesem Buch nur bis Seite 24 gekommen, von 228 Seiten.

Carsten Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob du bis dahin gekommen bist, weil mir das Lesezeichen zwischendurch rausgefallen ist.

Stefanie Gut, ja, vielleicht.

Carsten Du bist am Anfang geblieben.

Stefanie Ich bin relativ am Anfang geblieben. Ich habe aber die Angewohnheit, manchmal auch quer zu lesen. Das heißt, ich hatte auch schon mal hinten so gelesen und so. Und naja, wir wollen jetzt auch kein großes Geheimnis darum machen, welches Buch es ist. Es ist „Beyond Beliefs - A Guide to improving relationships and communication for vegans, vegetarians, and meat eaters“ von Melanie Joy, PhD.

Carsten Sehr schön.

Stefanie Ja. Also, Dr. Melanie Joy hat's geschrieben. Woher kennen wir sie? Welches Buch hat sie geschrieben?

Carsten „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ Wir haben eine Podcastfolge zu diesem vorherigen Buch gemacht. Wir haben das Thema schon mal erklärt.

Stefanie Ja, und wie ich jetzt gerade erklärt habe, habe ich das Buch einfach noch nicht gelesen. Also so komplett. Es ist auf Englisch. Es liegt nicht daran, dass es auf Englisch ist, sondern irgendwie sind das Buch und ich nicht sofort warm geworden. Aber Carsten hatte letztens eine längere Zugfahrt, wo er lang unterwegs war und auch noch mit Verspätung und allem wie das bei der Bahn so ist. Und da hat er das ganze Buch durchgelesen.

Carsten Na gut, nicht nur auf dieser Bahnfahrt. Es hat schon einen Moment gedauert, bis ich komplett durch das Buch durch war, weil ich muss sagen, wenn ich Englisch lese, dann ist es doch noch mal ein Tacken langsamer. Und vor allen Dingen sind ja auch bestimmte Begriffe mit dabei, die ich so aus dem Effeff nicht unbedingt immer übersetzen kann. Aber es gibt ja online Übersetzungstools. Ganz so schlimm ist es nicht. Also es ist sehr allgemein verständlich geschrieben, auch für jemanden, der jetzt nicht unbedingt so psychologisch im Englischen stark unterwegs ist. Dr. Melanie Joy ist ja Psychologin und dementsprechend ist viel aus diesem Themenbereich psychologisch, soziologisch etc. fundiert und sie schreibt es aber sehr allgemein verständlich, also mit normalen Englischkenntnissen eigentlich sehr gut verständlich.

Stefanie Und das Buch soll es auch bald auf Deutsch geben, hatte ich gelesen. Das habe ich aber schon vor längerer Zeit gelesen und bis jetzt ist es noch nicht auf Deutsch da, aber es soll es geben.

Carsten Ich denke schon, dass es auf Deutsch kommt, weil Melanie Joy ziemlich bekannt ist.

Stefanie Und mit einem Deutschen verheiratet, also wird es wohl übersetzt werden. Sie arbeitet ja auch für den Vebu oder bzw. das heißt jetzt ProVeg, da wird es schon die Möglichkeit geben. Aber was ich dich jetzt fragen wollte: für wen ist denn dieses Buch jetzt? Steht zwar schon „for vegans, vegetarians, and meat eaters“, aber wer sollte dieses Buch dann lesen?

Carsten Ja, ich glaube das Zielpublikum ist relativ eingeschränkt. Ich habe das aus dem Titel nicht unbedingt erahnt, aber bei mir ist ganz massiv hängengeblieben, dass sich der Inhalt des Buches an Personen richtet, an Veganer·innen, die in einer Partnerschaft leben, wo der Partner oder die Partnerin nicht vegan ist, also entweder vegetarisch oder noch Fleischesser oder krank ist. Das scheint wohl tatsächlich so der Fokus oder die Fokusgruppe zu sein. Ich kann der Melanie Joy jetzt damit Unrecht tun, weil sie im Grunde genommen das Buch offen schreibt. Aber bei mir ist ganz klar diese dieser Fokus im Kopf geblieben und viel von dem was sie schreibt und wie sie schreibt, stellt das schon wirklich so auf diese Konstellation ab.

Stefanie Okay, also aber es ist sind jetzt nicht nur romantische Beziehungen gemeint, sondern auch Familien, also dass vielleicht die Eltern nicht vegan leben, du als Kind aber vegan lebst so was zum Beispiel.

Carsten Davon wird auch gesprochen. Aber tatsächlich habe ich bei mir den Eindruck oder beim Lesen den Eindruck gewonnen, dass es auch stark um romantische Beziehungen geht. Also entweder Ehepaare oder ich sag jetzt mal romantische Partnerschaften, wo jemand gerade in den Veganismus reingeht oder diesen Weg findet oder schon längere Zeit vegan lebt und jetzt jemanden kennenlernt, der nicht vegan lebt und jetzt entsprechende Konflikte wahrnimmt.

Stefanie Und da soll dieses Buch helfen?

Carsten Genau das ist, ja ich will jetzt nicht sagen, Konfliktmanagement. Es geht ein bisschen darüber hinaus, aber im Grunde genommen ist das ein Kern der Frage: Wie gehe ich denn jetzt damit um? Wie gehe ich mit einer nicht veganen Welt um? Und konkret direkt im Zusammenleben mit Menschen, im direkten Umfeld, Familie bzw. wie gesagt, der Partner. Wenn die jetzt ja vom Konsumismus getrieben ihr normales Leben weiterleben und durch diese vegane Sichtweise bzw. durch den Karnismus entsprechender Konflikte aufkommen.

Stefanie Also woran ich mich jetzt noch erinnern kann ist, dass Melanie Joy am Anfang geschrieben hat, dieses Kapitel kannst du lesen, wenn du dich dafür interessierst oder du kannst die überspringen, wenn das nicht so relevant für dichist. Also dass es nicht so ist, dass man von vorne bis hinten lesen muss, sondern dass man einfach auch auf bestimmte Kapitel zugreifen kann. Und ich meine, also hinten sind ja auch so Handlungsanweisungen drin, also so Hilfsmittel, mit denen man dann arbeiten kann.

Carsten Genau. Also es gibt zwei Kapitel, die richten sich vornehmlich an Nichtveganer. Das ist einmal ein Kapitel, wo es tatsächlich nochmal in die Hintergründe vom Karnismus geht. Dieses Kapitel ist relativ komprimiert und ersetzt nicht ganz das vorherige Buch, was sie geschrieben hat. Das heißt also, dass das erste Buch von Melanie Joy, ist nochmal deutlich umfangreicher, aber dieses Kapitel hier in Beyond Believes bringt es wirklich auf den Punkt und stellt dann auch so ein paar Facetten heraus. Sie möchte im Grunde genommen Verständnis dafür aufbauen, was heißt eigentlich Karnismus?

Das heißt jemand, der jetzt nicht vegan lebt, soll erst mal wissen: Aha, es gibt den Karnismus. Was verbirgt sich dahinter? Das ist eine Ideologie. Dass es eine sehr starke, sogar die im Moment stärkste Ideologie ist. Also das ist etwas, was sie auch in den anderen Kapiteln immer wieder erwähnt, dass es zwischen diesen Ideologien eine Art Machtverhältnis gibt und der Karnismus von der Struktur her und von der Verbreitung her viel, viel mächtiger daher kommt als jetzt die Ideologie des Veganismus. Das heißt, wenn ich als Veganer·in einem·r Nichtveganer·in gegenüberstehe, dann sind anti-vegane Argumente immer stärker von der Wucht und der Heftigkeit her und und auch von der Akzeptanz im Umfeld, als wenn ich jetzt eine vegane Äußerung tätige, die sich gegen den Karnismus wendet, weil der Karnismus einfach die derzeit mächtigere Ideologie ist.

Und damit möchte sie einem·r Fleischesser·in oder einem·r Vegetarier·in klarmachen: Pass mal auf, du bist in einer Beziehung mit einem·r Veganer·in. Und das was du sagst ist auch, wenn es für dich persönlich gleichwertig ist, nie gleichwertig, sondern von der Mächtigkeit, immer dem Überlegen oder noch mächtiger oder verletzender, als wenn dein·e Partner·in dir gegenüber etwas sagt, aufgrund der Tatsache, dass du dich in diesem Umfeld bewegst, was so mächtig ist. Das ist so das eine Kapitel.

Und das andere Kapitel, ich glaube, das ist Kapitel acht, da geht es um die sogenannte „effektive Kommunikation“. Das ist im Grunde genommen noch mal so ein praktischer Leitfaden, wie man mit Konflikten umgeht. „Effektive Kommunikation“ ist tatsächlich ein stehender Begriff, eine Art und Weise, wie man miteinander kommuniziert. Und diese beiden Kapitel sind hervorgehoben und richten sich primär erst mal an Personen, die nicht vegan leben, um auch von deren Seite her so ein paar Basics mit reinzubringen. Dass auch die sich dann in einer Konfliktsituation mit einem·r Veganer·in nicht unfair verhalten, sondern auch aufgrund dieses Hintergrundwissens dann konstruktiv im Konflikt bewegen können.

Stefanie Okay, und ich habe jetzt hier also „Chapter 1 Vegans, Vegetarians and Meateaters in Relationships and the problem and the promise“. Das ist dann ja die Ausgangssituation quasi dann kommt „Relationship. Resilience the foundation of healthy relationship“.

Carsten Da geht es darum, wie du deine eigene Resilienz aufbaust. Nicht, dass du jetzt quasi unter die Räder kommst, in einer solchen Beziehung oder auch in Situationen, sondern genügend Energie aufbaust und Kraftreserven, um damit klarzukommen.

Stefanie Das ist jetzt aber bezogen erstmal auf die Beziehung oder auch auf die Person selbst?

Carsten Sowohl als auch.

Stefanie Okay. Und „Becoming allies understanding and bridging differences“ ist dann quasi der nächste Schritt.

Carsten Genau. Also Verbündete suchen, „Allies“. Also für den·die, der·die diesen Begriff noch nicht kennt. Ich übersetze jetzt mal frei mit „Verbündete“. Allyship ist ja so ein Begriff und sie verwendet das sehr häufig und es ist auch ein starker Begriff in diesem ganzen Buch. Also das ist etwas, wo sie drauf achtet bzw. wo sie schon Wert darauf legt, dass man Verbündete sucht.

Stefanie Ja, dann kommt „The Hidden Dances that shape relationships.“ Das ist aber jetzt nochmal so Hintergrundinfos was generell?

Carsten Ja, das ist aber sehr hilfreich, um überhaupt mal zu verstehen, wie funktionieren Beziehungen. Da geht sie sowohl auf die Beziehung im familiären Kreis ein als auch in einer romantischen Beziehung. Und was sie ganz klar darstellt ist: eine Beziehung ist nichts Statisches. Eigentlich ist es ein allgemeiner Trugschluss, den die meisten Leute ziehen, so nach dem Motto ich gehe jetzt mit irgendeiner anderen Person in Beziehung und wir passen einfach hundertProzentig zueinander, es harmonisiert sehr schön und dann muss man nicht mehr an der Beziehung arbeiten, weil sie ist ja schon perfekt und das ist genau nicht der Fall. Das stellt sie klar, dass eine gute Beziehung eigentlich deswegen gut ist und gut wird oder auch gut bleibt, weil in dieser Beziehung eine gewisse Entwicklung da ist.

Beide Partner·innen entwickeln sich und es geht darum, diese Entwicklung der einzelnen Personen in der Beziehung immer wieder zu thematisieren und im Idealfall auch die Entwicklung in die gleichen Richtung zu bringen. Was aber nicht heißt, dass man jetzt auf Teufel komm raus versuchen muss, immer auf dem gleichen Stand des·der Partner·in zu sein, sondern man muss dann auch irgendwann akzeptieren, wenn man sich auseinander entwickelt. Aber diese Entwicklung an sich, da man muss von Bescheid wissen und das auch verinnerlicht haben oder mit berücksichtigen, dass das nichts Statisches ist.

Stefanie Okay, dann kommt das, was du sagtest, was für einen, vor allem für den nicht veganen Teil der Beziehung gedacht ist. Also „Carnism, the invisible intruder in the veg / non-veg relationship“. Dann kommt „Being vegan - living and relating sustainabily in a non vegan world“. Das ist jetzt aber auch für nicht-vegane gedacht oder?

Carsten Ja, es ist im Grunde genommen alles für auch Nicht-Veganer·innen gedacht. Aber der Fokus bei diesem Kapitel ist erst mal auf denjenigen, die vegan leben. Wie komme ich denn jetzt damit am besten klar, in dieser nicht veganen Welt zu leben? Aber für den·die Nicht-Veganer·in ist es natürlich auch wichtig zu verstehen, dass ein·e Veganer·in genau in dieser Situation steckt. Ja, das ist jetzt nicht einfach so lifestyle und total hip. Und jetzt stell dich mal nicht so an, sondern es geht auch wirklich darum, dass - das verwendet sie da in diesem Buch auch - dass Veganer·innen traumatisiert sind.

Also bestimmte Traumaformen werden ja später auch noch mal durchdiskutiert. Und dass ein·e Nicht-Veganer·in auch davon Bescheid weiß, dass sein·e Partner·in durchaus aufgrund dieser Tierquälerei, mit der man sich dann irgendwann konfrontiert sieht und die auch häufig genau die Veranlassung zum Veganismus darstellt, dass da durchaus Stresssymptome und Traumatisierung stattfindet, die in bestimmten Gesprächen oder durch blöde Kommentare oder wie auch immer auch immer wieder getriggert werden. Und das Verständnis bei Nicht-Veganer·innen aufzubauen, das ist auch ein Anliegen dieses Buches.

Stefanie Und dann kommt hier „Chapter 7 - Unraveling Conflict: Principles and Tools for Conflict Prevention and Management.“

Carsten Ja, es ist wieder ein bisschen Theorie im Hintergrund, überhaupt erst mal zu wissen, wie gehe ich jetzt mit Konfrontation und Konflikten um, sei es jetzt direkt in einer Beziehung oder sei es jetzt im direkten Umfeld. Also klassisches Beispiel bei einer Party oder Familienfeierlichkeiten, dass man da jetzt irgendwie wieder auf anti-vegane Sprüche stößt. Wie gehe ich damit um?

Stefanie Okay, also die typischen Sachen, die wir jetzt ja auch in unserer Webinar Reihe besprechen wollen und die ich dann auch in meinem Von Herzen Vegan Clan thematisieren werde. Ich habe gedacht, dieses Konfliktmanagement hört sich so businessmäßig an.

Carsten Es ist sehr theoretisch. Ich habe da jetzt keinen direkten praktischen Nutzen daraus gezogen, dass ich jetzt weiß hey, jetzt kommt so eine Situation, jetzt muss ich mich so verhalten oder die Optionen habe ich. Sondern es geht sehr theoretisch zu.

Stefanie Das ist aber individuell. Das mache ich ja auch im Clan jetzt, dass wir schauen, dass es individuell auf die Person angepasst ist, weil es kommt ja ganz auf dich an, wie du tickst, was deine Geschichte ist und alles. Und dann wie du in der jeweiligen Situation damit umgehen kannst, kommt ja auch darauf an, wie resilient du bist, auf welchem Stand du bist, wie lange du schon vegan lebst, wie viel Erfahrungen Du mitbringt. Das denke, das gehört alles ganz stark dazu. Ja genau. Okay, dann kommt jetzt „Chapter 8 Effective communication: practical skills for successful conversations“. Das war das, was du vorhin schon nanntest.

Carsten Ja, das sind dann nochmal so ein paar Basics, um klarzustellen wie kann ich denn jetzt im Konfliktfall tatsächlich mit meinem·r Partner·in das Ganze konstruktiv lösen? Also fängt an von: Geh raus aus deiner Emotion, erst mal durchatmen, im Zweifelsfall auch nochmal eine Pause erbeten. Also nicht direkt in diesem Konflikt drin bleiben, sondern dem·der Partner·in klarmachen: Du, ich kann da jetzt nicht, meine Emotionen kochen. Lass uns in einer halben Stunde nochmal sprechen oder vielleicht morgen oder? Also schon irgendwo die Möglichkeit geben zu sagen wir diskutieren das noch, wir thematisieren das, ich gehe jetzt nicht raus und komm nie wieder. In diesem Konflikt. Aber die Emotionen runterkommen lassen bis hin zu Ich Botschaften. Also so diese Basics.

Stefanie Okay, da ist vielleicht auch nochmal das Interview, das ich mit Alexandra geführt habe zum Thema Burnoutprophylaxe für Aktivisten, interessant. Da hat sie einige Übungen auch genannt und die sind natürlich in so einem Fall auch ganz gut. Die eine war, alle Muskeln anspannen und dann wieder locker lassen. Oder du schüttelst dich, also dass du rausgehst und dich einmal richtig schüttelst und jedes Körperteil schüttelst, wackelst. Keine Ahnung was. Und dann tief durchatmen und dann wieder rein gehst. Solche Sachen sind natürlich auch ziemlich gut und da wollte ich mit Alexandra auch noch mal zum einen vielleicht in unserer Webinar Reihe, aber auf jeden Fall für den Clan auch noch mal ein extra Webinar machen, wo wir dann so Übungen durchgehen, weil das schon total wichtig ist. Genau. Okay, ich hab dann „Chapter 9 - Change strategy for acceptance and tools for transformation.“

Carsten Ja, das ist so das Abschlusskapitel, mit dem das Buch dann auch fast schon endet. Da kommt dann nachher noch so ein paar Anhänge, die als Arbeitsmittel dienen. Aber da wird im Grunde genommen noch mal so ein bisschen was zusammengefasst, was in den vorherigen Kapiteln vorbereitet wird. Ja, ich muss es allerdings so sagen das Kapitel fand ich so ein bisschen dünn. Also ich hatte mir zum Schluss so ein bisschen mehr pragmatische oder praktische Hilfestellung erhofft, es war für mich so ein bisschen zu high level und und theorielastig.

Stefanie Und du sagtest jetzt schon, da kommen jetzt noch einige Anhänge, neun an der Zahl.

Carsten Ja, es sind praktische Hilfestellungen. Es fängt an mit einem Anhang, wo im Grunde genommen erst mal die eigenen Bedürfnisse noch aufgeführt werden oder mögliche Bedürfnisse, weil das ist etwas, wo sie ganz klar darauf hinweist. Das ist aber unabhängig von diesem vegan oder nicht vegan Konflikt, sondern in dem Moment, wo ich mich mich in einer Beziehung befinde, muss ich auch auf meine eigenen Bedürfnisse achten und lernen, meine eigenen Bedürfnisse insofern wahrzunehmen, dass ich sie auch artikulieren kann.

Stefanie Genau darüber reden ist ganz, ganz wichtig.

Carsten Aber auch sehr sehr schwierig. Und was jetzt hier so in diesem Anhang aufgeführt wird, ist eine Hilfestellung, um überhaupt erst mal zu verstehen, was könnten denn meine eigenen Bedürfnisse sein? Weil das ist ja ganz häufig der Fall, dass bei uns in einer Gesellschaft die Leute eigentlich gar nicht mehr in der Lage sind, ihre eigenen Bedürfnisse auch wirklich so dingfest zu machen, dass sie A verstehen, hey, das ist jetzt gerade ein Bedürfnis, was angekratzt wird und B dass es dieses Bedürfnis ist, wo ich sage, ich brauche jetzt erst mal Ruhe oder ich muss mich irgendwie anders ausleben. Es gibt da eine Liste, wo drinsteht ich brauche Liebe oder Intimität oder Präsenz, Respekt oder Sicherheit oder Raum oder ich brauche jetzt irgendwie eine bestimmte Art von Stabilität oder Unterstützung oder wie auch immer. Das ist wie gesagt so eine Hilfestellung.

Stefanie Dann haben wir hier noch die „Secondary Traumatics Stresssymptoms Checkliste“.

Carsten Also dieses Kapitel ist eine Checkliste, anhand der man selber feststellen kann, ob man unter einem sogenannten sekundären traumatischen Stresssyndrom leidet. Und das sollte man eigentlich regelmäßig durchführen, weil es heißt jetzt nicht, nur weil ich mich heute gut fühle und bei einem Test gut abschneiden, dass es in Zukunft immer noch so ist. Ich konfrontiere mich ja weiterhin mit Themen, die mich dann irgendwie unter Stress setzen und eventuell auch traumatisieren könnten, ohne dass ich es weiß. Ja und diese Checkliste ist ein gutes Tool, um festzustellen wie verändert sich mein Zustand im schlimmsten Fall zum Negativen, um dann gegensteuern zu können.

Stefanie Ja genau. Okay, dann ist der dritte Anhang ist so ein Beispiel Konflikt. Da ist hier Hannah, die vegan ist und verheiratet ist mit Asset, einem Nicht-Veganer und die haben dann so ein Gespräch, darüber, dass der Mann Essen war mit Kumpels und sie versucht rauszufinden was er gegessen hat und das artet dann aus. Obwohl sie versucht ihn nicht auszufragen, schafft sie es dann aber doch nicht. Dann kommt der vierte Anhang. Das ist Chain of Conflict Chart. Da wird es dann diese Geschichte noch mal aufgeschlüsselt und zwar in das Verhalten von Hannah und dann das Verhalten von ihrem Mann und dann ist das noch mal so also was in den verschiedenen Situationen gesagt wurde.

Carsten Wie die einzelne Person sich dann fühlt in dieser Situation und mit was für einer defensiven Verteidigungsstrategie sie dann daherkommt, weil sie sich angegriffen fühlt durch das, was der·die Partner·in macht oder gesagt hat. Und dann werden noch Möglichkeiten um aus diesem Konflikt rauszugehen gezeigt. Um konstruktiv damit umzugehen, dass je nachdem auf was für einer Ebene ich mich gerade befinde. Die Autorin nennt es hier auf der narrativen Ebene oder auf der Gefühlsebene oder nachher, wenn ich schon in dieser Abwehrhaltung drin bin und mich eigentlich gar nicht mehr konstruktiv verhalten kann. Da gibt es bestimmte Möglichkeiten, da im Einzelnen zu sagen: Ich greife jetzt auf diese Strategie zurück, die dort angeboten wird. Und komme dann aus diesem Konflikt raus, ohne dass der sich dann in so einer Aufwärtsspirale oder Abwärtsspirale dann mal weiter anheizt und dann irgendwann eskaliert, sondern dass man genau dieses Eskalationsszenario dann unterbricht.

Stefanie Genau. Und danach ist dann noch mal so eine Tabelle, wo du das selber nochmal eintragen kannst, wenn du selber so eine Situation hast, kannst du dir da mit analysieren. Und dann gibt es noch die Chain of Conflict Guiding Questions. Und da sind dann einfach noch mal so Fragen aufgelistet, die dir Klarheit verschaffen sollen über das Erlebnis, das du hattest. Das kannst du natürlich nur im Nachhinein analysieren. Du wirst wahrscheinlich nicht mit dem Fragenkatalog dasitzen und während du dieses Gespräch hast, dann sagen: einen Moment, wo sind wir gerade? Aber das hilft dir einfach, dann nochmal so ein Konfliktgespräch zu analysieren. Und dann kommt „Requesting a vegan ally“ als sechster Anhang.

Carsten Ja, da muss ich jetzt sagen, dass dieser Begriff wegen ally, also sprich einen Verbündeten, das ist nicht das oder nicht ausschließlich das, was man vielleicht im ersten Moment denkt. Wenn wir das jetzt so lesen, dann kommt erst mal so der Eindruck, ich versuche jetzt in einem Umfeld Gleichgesinnter mir Personen zu suchen, mit dem ich mich jetzt so auseinandersetzen kann und das Ganze diskutieren kann. Dr. Melanie Joy fasst es etwas anders auf. Also sie sagt zwar ja, du solltest dich quasi auch mit Gleichgesinnten verbinden, wenn du im eigenen Umfeld niemanden findest, dann versuch es online, weil es sehr wichtig ist auch für deine mentale Gesundheit. Aber diese·r Verbündete, das ist etwas, was in diesem Buch ganz klar hervorgeht, soll dein·e Partner·in sein. Und sie richtet sich da auch mehr oder weniger explizit an die Personen, die nicht vegan sind.

Das heißt also, dein·e nicht-vegane·r Partner·in soll dein·e Verbündete·r werden. Und das ist in der Hinsicht wichtig, als dass, wenn du zum Beispiel an einer Familienfeier bist und du bist als Veganer·in jetzt mit eingeladen und du weißt, dieses ganze Event birgt ein Konfliktpotenzial, dass du dich auf deine·n Partner·in verlassen kannst, selbst wenn er·sie nicht vegan ist, dass er auf dich Rücksicht nimmt, dich in Schutz nimmt. Jetzt also nicht in der Hinsicht, dass er·sie jetzt für dich da irgendwie Wortgefechte ausficht, sondern einfach, wenn da jetzt ein blöder Spruch kommt, dass er·sie versteht okay, du hast aufgrund deiner veganen Haltung einen bestimmten ethischen Anspruch. Es kommen bestimmte Emotionen hoch und dass er·sie dann in der Situation zu dir steht. Körperlich in der Hinsicht, dass er·sie dich z.B. in den Arm nimmt, dass er·sie dir die Hand reicht, dass er·sie dir einfach nur zu verstehen gibt: Pass mal auf, ich bin da. Ich verstehe, wie du dich gerade fühlst und ich respektiere auch gerade deine Gefühle, die in dir hochkommen, sei das jetzt Wut oder verletzt sein etc.

Und das ist ein ganz, ganz wesentlicher und bedeutender Schritt, dass man hier in diesem Kontext auch auf Nicht-Veganer·innen eingeht. Und dieser Anhang, den du jetzt gerade genannt hast, der ist quasi so eine Hilfestellung, um einen nicht-veganen Menschen zu einem·r Verbündeten zu machen, der nicht unbedingt als als vegan Promotor nach außen tritt, sondern respektiert, dass der·die Partner·in vegan lebt, dieses Wertesystem hat und aufgrund dessen auch verletzt sein wird, wenn irgendwelche Anti Vegan Sprüche da kommen und dann in der Situation doch zu dir steht.

Stefanie Genau. Da ist auch noch mal einfach so ein Text von Dr. Melanie Joy geschrieben worden, den man so eins zu eins seinem·r potenziellen nicht-veganen Verbündeten geben kann. Wobei der ja jetzt auf Englisch ist, also musst du ihn übersetzen. Es sei denn der·die andere möchte das auch auf Englisch lesen, aber jedenfalls ist es nochmal ein Beispiel wie du das erklären kannst, wie du dich fühlst und was du dir wünscht von deinem Partner oder deiner Partnerin. Ähnlich sind dann auch die drei letzten Anhänge zu verstehen, die da heißen „Requesting compassion at witnessing“, „Requesting respect“ und „Letter to a non vegan“. Also es sind alles Beispiele wie du als Veganer·in dann Nicht-Veganer·innen in deinem Umfeld adressieren kannst, damit sie zu Verbündeten werden.

Carsten Wobei das letzte dieses Letter to a non-vegan ist explizit schon so formuliert, dass man den Text eins zu eins nehmen kann. Also Melanie Joy schreibt ihn aus ihrer Ichperspektive und sagt „Ich schreibe hier stellvertretend für deine·n Veganer·in im Umfeld“, um auch dem·der Nicht-Veganer·in klar zu machen: Wie ticken eigentlich Veganer·innen? Warum sind sie vegan geworden? Wie fühlen sie sich und worauf muss der·die Nicht-Veganer·in achten?

Diese Sensibilität aufzubauen, dass dieser Mechanismus, in dem wir uns bewegen, eigentlich immer wirkt und ein stärkeres Machtverhältnis ausübt, als die vegane Ideologie. Weil vegan da noch ganz klar in der Minderheit ist und dass aufgrund dieses ungleichen Machtverhältnisses der·die Nicht-Veganer·in einfach weiß: die Sprüche, die der·die Veganer·in da ausgesetzt ist, die wirken deutlich verletzender als umgekehrt es sein könnte. Und das steht in diesem Brief drin, der so zwei oder drei Seiten umfasst und ist, wie gesagt, dann an den·die Partner·in adressiert, um das Grundverständnis aufzubauen.

Stefanie Soweit zum Buch.

Carsten Und dann möchten wir uns noch herzlich bedanken, bei allen, die uns bei Steady unterstützen.

Stefanie Vielen, vielen Dank. Und danke für alle Emails, die uns erreichen und allen, die uns hören. Und damit sollte es jetzt auch gewesen sein. Und deswegen sagt Carsten:

Carsten Jetzt endlich mal wieder in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

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