Dr. Michael Gregers "How not to die"
Ein Beitrag
In dieser Folge
- stellen wir das Buch "How not to die" von Dr. Michael Greger vor,
- erzählt Dir Carsten wann Du das Buch unbedingt lesen solltest und
- gibt Carsten Kostproben aus dem Buch zum Besten um Deinen Lesereiz anzukitzeln
"How not to die" von Dr. Michael Greger ist ebenso ein Klassiker, wie die China Study, wenn es um den Vorteil von pflanzenbasierter Ernährung geht. Kein Wunder also, dass Carsten es unbedingt lesen und rezensieren musste.
Links zur Folge
"How not to die" von Dr. Michael Greger
https://www.buch7.de/store/product_details/1026973596
"Das How not to die Kochbuch" von Dr. Michael Greger
https://www.buch7.de/store/product_details/1031726094
Nutritionfacts
https://nutritionfacts.org/
Nutritionfacts Podcast
https://nutritionfacts.org/audio/
Daily Dozen Challenge
https://nutritionfacts.org/daily-dozen-challenge/
Daily Dozen App
Apple iTunes | Google Play
Transkript (Korrektur gelesen von ä'Odner)
Stefanie Diese Folge wollen wir wieder bewusst kurz halten. Und Carsten möchte gerne ein Buch vorstellen, und zwar das „How Not to Die“ von Dr. Michael Greger mit Gene Stone. Und das ist allerdings tatsächlich die deutsche Variante, die Carsten gelesen hat. Und der Untertitel lautet „Entdecken Sie Nahrungsmittel, die Ihr Leben verlängern und bewiesenermaßen Krankheiten vorbeugen und heilen“.
Carsten Ja, das Buch, das. Da habe ich schon die ganze Zeit darauf hingefiebert, weil das extrem mein Metier ist. Also ich, ich liebe das so, diesen gesundheitlichen Aspekt von Ernährung da nochmal irgendwo nachlesen zu können. Und da ist Dr. Michael Greger natürlich so, ja, ich sage jetzt mal die richtige Quelle dafür.
Stefanie Das ist der gute Mann mit NutritionFacts.org.
Carsten Genau da kommt er her. Das bewirbt er indirekt in diesem Buch auch. Was heißt nicht indirekt, sondern zum Schluss sogar direkt. Verweist einfach darauf, dass es da weitere Informationen gibt. Und ja, er hat da im Rahmen dieser Arbeit um diese - ich glaube es ist eine Stiftung - NutritionFacts.org unglaublich viel Informationen sammeln können. Das präsentiert er zum Einen eben auf der Internetseite. Zum anderen hat das aber auch noch mal, ich sag jetzt mal so, als Aggregat in dieses Buch reingepackt. Wenn Du, liebe Hörerin, lieber Hörer, also Dr. Michael Greger schon kennst und vielleicht auch schon relativ häufig bei NutritionFacts.org geschaut hast, wirst du, und das muss ich jetzt dazusagen, in diesem Buch wahrscheinlich relativ wenig Neues vorfinden, weil die meisten Informationen tatsächlich auf der Internetseite schon verfügbar sind, aber eben in loser Reihenfolge oder maximal in einer von diesen jährlichen Reden, die er dort veröffentlicht. Also er scheint dort pro Jahr mindestens eine ausgiebige Vortragsserie mitzufilmen. Das sind dann meistens so Videos, die eine Stunde oder anderthalb Stunde laufen. Da geht er eben auf Kernbestandteile ein, die sich auch in diesem Buch wiederfinden. Nichtsdestotrotz, das Buch lohnt sich. Und für den Fall, dass du NutritionFacts.org bisher noch nicht gehört hast, solltest du zumindest dieses Buch im Auge behalten, wenn du teilweise oder auch komplett wie ich eben stark gesundheitlich motiviert bist.
Stefanie Und also wenn ich jetzt rein ethisch motiviert bin, gucken wir mal dann zu meiner Seite hin und das Gesundheitliche interessiert mich jetzt nicht so wirklich, dann muss ich es nicht unbedingt lesen.
Carsten Nein, also vom ethischen Standpunkt her wird hier eigentlich gar nicht großartig was abgehandelt. Dr. Greger betont quasi, dass das Tollste an dieser Ernährung ist, dass sie eben auch auf ethischer und auf ökologischer Ebene, ich sag jetzt mal, die beste Wahl ist, also nicht nur vom gesundheitlichen her. Das ist aber bei ihm, ich sag jetzt mal zumindest so und in den Schilderungen, die er jetzt in diesem Buch und auf NutritionFacts.org dort rausbringt, eher so ein positiver Nebeneffekt. Sein Augenmerk ist tatsächlich zu gucken, was sagt denn die Ernährungswissenschaft, Stand heute, und wie spielt das mit Ernährung zusammen? Und da merkt er einfach, dass im Rahmen seiner ganzen Auswertungen und Analysen, die er aus diesen ganzen Forschungsergebnissen zieht, alles für eine rein pflanzliche Ernährung spricht. Er geht aber jetzt nicht nur auf die positiven Effekte der rein pflanzlichen Ernährung ein, sondern skizziert natürlich auch das Gegenteil. Also was ist denn jetzt an einer Ernährung mit tierlichen Produkten jetzt eigentlich so schlecht oder bzw. so gesundheitlich negativ? Das wird hier natürlich auch behandelt.
Stefanie Und wie ist das Buch jetzt so aufgebaut? Du hattest gesagt, du hast es da jetzt so hingefiebert. Ist das jetzt ganz neu oder war es einfach nur, dass du es bisher nicht bekommen hast?
Carsten Also das Buch ist verhältnismäßig neu, ist es, ich glaube 2016 das erste Mal in der deutschen Auflage erschienen. Ich habe es damals wahrgenommen, aber immer noch genügend andere Bücher gehabt, die irgendwie wichtiger waren. Ich glaube, das war auch so eine Übergangsphase, wo wir angefangen haben, Bücher auszuleihen. Da war mir noch nicht so ganz bewusst, dass ich das tatsächlich hier in Hamburg in den Bücherhallen bekomme. Und dann irgendwann, als ich dann an den Punkt gekommen bin, wo ich gemerkt habe Mensch, jetzt, das gibt es hier in der Bücherei und ich kann es ausleihen und ich habe jetzt auch wieder Lust, mich mit diesem gesundheitlichen Thema auseinanderzusetzen, bin ich dann da darauf gestoßen, dass das Buch sehr häufig ausgeliehen war und immer vergriffen war, also ich muss es schon vorbestellen und sonst wäre ich da auch gar nicht dran gekommen.
Ansonsten, aber es ist halt aktuell, also 2016 ist ja jetzt wirklich nicht ganz so alt und aufgebaut ist das Buch in zwei Teilen. Im ersten Teil behandelt Dr. Greger Krankheiten nicht irgendwelche dahergelaufenen Krankheiten, sondern er untersucht die Top 15 der häufigsten Todesfälle oder Todesursachen. Die zieht er vornehmlich erstmal so aus dem amerikanischen Statistiken, das heißt, er guckt erst mal mit allem, was er sagt, sehr stark nach Amerika, nach US Amerika, das merkt man in diesem Buch auch, dass es da sehr sehr US-lastig ist, lässt sich aber inhaltlich, meiner Meinung nach, durchaus auf Deutschland oder auf die restliche Welt auch einfach übertragen.
Aber diese Top 15 Todesarten, das sind dann halt so Sachen wie Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Hirnerkrankungen, Krebs, diverse Infektionen, Diabetes, Bluthochdruck, Lebererkrankung etc. pp. Die bespricht er im ersten Teil immer vom Blickwinkel der Krankheit aus. Wie kann ich denn mit dieser Krankheit umgehen und welche Nahrungsmittel wirken sich dann positiv auf den Krankheitsverlauf aus? Und Wunder, oh Wunder, das ist das, wofür Dr. Greger auch bekannt ist, er zeigt, dass viele von diesen Krankheiten eben durch eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung auch verändert werden können.
Stefanie Also nicht geheilt, wenn du sie schon hast?
Carsten Doch, teilweise auch. Ja.
Stefanie Macht er echt solche Heilsversprechen?
Carsten Nein, er sagt, also er zitiert dort wirklich Studien. Das ist jetzt nicht irgendwie so ein Quacksalber, der jetzt irgendwie sagt „Mensch, wenn du das isst, dann wirst du geheilt“, sondern er zitiert Studien und versucht das auch wirklich in einer nüchternen Art und Weise darzustellen. Also jetzt nicht so marktschreierisch, sondern sagt, dass wenn… also mir fällt jetzt kein direktes Beispiel ein, ich habe ja auch keine Textstelle markiert, aber das geht so in die Richtung „Wenn du eine bestimmte Krankheit hast und du isst die und die Lebensmittel in der und der Menge, dann hast du laut der Statistik irgendwie eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit die Krankheit zu lindern oder dass sie komplett ausheilt. Das sind tatsächlich Aussagen, die er aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse tätigt.
Und das Besondere daran ist, da kommen wir jetzt wieder auf diese NutritionFacts.org, diese Stiftung, er hat ein sehr großes Team, ich meine vor ein paar Jahren mal gehört zu haben, dass es 20 Mitarbeiter sind, ich weiß nicht, wo er heute steht, aber die Leute machen nichts anderes, als tagtäglich die zigtausend wissenschaftlichen Arbeiten auszuwerten, die jedes Jahr dort im Bereich der Ernährungswissenschaft durchgeführt werden, sodass er immer die aktuellsten Forschungsergebnisse vorliegen hat und die auch in seine Aussagen reinbringt. Das merkt man immer schön, er hat da so eine süffisante Art und Weise, so was darzustellen. Also es ist nicht komplett trocken, sondern gerade so im zweiten Teil des Buches, wo es dann nicht aus der Sicht der der Krankheiten, sondern aus Sicht der Nahrungsmittel geht, da dreht er es quasi um, da merkt man schon, er schildert stärker anekdotenhaft aus seinem eigenen Erfahrungsschatz bzw. aus seinem eigenen Leben. Und da kommen auch schon mal so Aussagen, dass seine Familie immer mal wieder erstaunt ist, warum er - keine Ahnung jetzt - auf einmal versucht, in jedes Gericht Petersilie mit reinzubringen, weil er darüber gestolpert ist, dass eben viele Forschungsergebnisse, die er jetzt ja gerade in letzter Zeit gelesen hat, den positiven Effekt von Petersilie in den Vordergrund gestellt haben. Und die Familie schüttelt da teilweise schon mit dem Kopf, weil die sich gerade irgendwie dran gewöhnt haben, bestimmten Essensplan zu haben und dann kommt er hin und schmeißt die wieder über Bord und erweitert ihn halt. Also der ist ja sehr experimentierfreudig und schreibt das auch mit einer gewissen Art von Humor.
Ja, also noch mal so auf die Zweiteilung. Wie gesagt, der erste Teil guckt wie gesagt auf diese Krankheitsbilder, skizziert aus meiner Sicht sehr schön, wie man damit umgehen kann und gibt auch tatsächlich Ratschläge, die zum einen wissenschaftlich fundiert sind, wie ich gerade schon ausgeführt habe, zum anderen aber auch sehr leicht in den Alltag zu integrieren sind. Das heißt also, unabhängig davon, ob du jetzt tatsächlich eine von diesen Krankheiten hast, also Bluthochdruck und Diabetes sind ja jetzt keine unbekannten Krankheiten und auch das Herzinfarktrisiko und auch das Krebsrisiko sind ja in unserer Gesellschaft, ich sag es mal mindestens als hoch anzusiedeln, da lohnt es sich schon mal zu gucken, was sagt denn jetzt gerade so die Ernährungswissenschaft, mit was für Nahrungsmitteln man dem begegnen kann, und sei es einfach nur zur Vorsorge.
Der zweite Teil, wo er auf die Nahrungsmittel schaut, der konzentriert sich auf die sogenannten Dutzend Nahrungsmittel, die Dr. Greger persönlich empfiehlt. Das sind so seine persönlichen Favoriten.
Stefanie Sein tägliches Dutzend steht.
Carsten Sein tägliches Dutzend Dutzend. Ja, das sind so auch die Grenzen, wo ich merke, dass mir das englische Original dann doch besser gefällt. Weil auch wenn ich jetzt das Buch nicht im Englischen gelesen habe, aber ich kenne halt seinen Daily Dozen. Ja, also es sind auch einige Redewendungen mit drin, die jetzt hier der deutschen Übersetzung zum Opfer gefallen sind, das merkt man beim Lesen. Aber auch gerade diejenigen, die häufiger mal die die Videos auf NutritionFacts.org anschauen, die werden auch merken, dass da ein bisschen sprachlich auf der Strecke geblieben ist.
Dieses tägliche Dutzend selber kann ich jetzt mal kurz zitieren, das sind Bohnen, Beeren, generell anderes Obst, Kreuzblütler-Gemüse, also sprich Brokkoli, Brokkoli ist so sein Lieblingsgemüse, grünes Blattgemüse. Dann halt andere Gemüsearten wie Paprika und keine Ahnung, Rote Beete oder Möhren. Leinsamen, Nüsse und Samen, Kräuter und Gewürze, Vollkorn, Getränke. Na ja, und dann ein Nicht-Nahrungsmittel halt: die Bewegung, die da mit reinspielt.
Stefanie Ja, er ist ja nun so ein Daily Dozen, es ist ja nicht das Eatable Dozen oder so?
Carsten Nein, absolut.
Stefanie Nicht. Das gehört dazu.
Carsten Das gehört eben mit dazu, um langfristig gesund zu bleiben. Und seine These ist, dass wenn man diese zwölf Nahrungsmittel möglichst täglich in die Ernährung einbaut, dann lebt man halt definitiv länger. Wissenschaftlich erwiesen. Also dann baut er eben auch da an der Stelle auf die aktuelle Forschungslage der Ernährungswissenschaft auf. Damit man das dann besser in den Alltag integrieren kann, gibt es tatsächlich ein elektronisches Hilfsmittel. Und zwar hat er eine App entwickeln lassen: Dr. Gregers Daily Dozen. Die ist im Open Source-Bereich mittlerweile angesiedelt. Ich habe sie vor, ich weiß gar nicht, die ist schon ein bisschen älter, da habe ich sie in der ersten Version mal gesehen. Jetzt, im Rahmen dieses Buches habe, ich mir die aktuelle Version angeguckt und muss echt sagen, die ist richtig gut geworden.
Die war damals mehr so eine Art interaktive Checkliste, wo man einfach gucken konnte, was soll ich eigentlich tagtäglich essen und was habe ich gegessen, dann hat man es abgehakt und das war so eine Merkerliste. Jetzt ist es mit einer Statistik, dass man auch über den Zeitverlauf sieht, wie gut bin ich eigentlich jeden Tag, jeden, jede Woche, jeden Monat gewesen? Wie viel davon habe ich jetzt ausschöpfen können? Sie ist ein bisschen detaillierter geworden und was richtig cool geworden ist, das zu den einzelnen Bereichen auf seine Internetseite verlinkt wird. Das heißt, kannst du also mit einem Fingertipp auf die App, dann direkt in die Videos oder in weiterführende Texte rein und dich da tiefer ins Thema eingraben und wirklich mal die Hintergründe recherchieren. Also nicht nur darauf vertrauen, dass er sagt „Ja, das ist gesund“, sondern auch gucken, warum ist das gesund? Was für Nährstoffe stecken da drin und wie helfen die eigentlich? Es ist wie gesagt richtig gut geworden und da sie halt kostenlos ist, absolut zu empfehlen und sei es einfach nur als Nachschlagewerk.
Was mir jetzt an diesem Buch ganz besonders gut gefallen hat, ist einfach die Art und Weise, wie er es darstellt. Also so der Humor, der da teilweise durchspricht, der ergibt sich dann meistens so aus dem, wenn du liest. Aber ich versuche jetzt einige Passagen mal da rauszunehmen, um einfach mal zu zeigen, wie er das formuliert. In dem einen Kapitel geht es um den Bereich Lebensmittelvergiftung, also Salmonellen oder irgendwelche Keime, die in Lebensmittel drin sein können und bei dir zu Übelkeit und Unwohlsein bzw. vielleicht sogar zum Krankenhausaufenthalt führen können.
„Einer der Gründe dafür, dass tierische Produkte die Hauptschuldigen sind, ist darin zu suchen, dass die meisten Krankheitserreger in Lebensmitteln von Fäkalien stammen. Da Pflanzen nicht kacken, stammt E. Coli, die sie vielleicht über den Spinat aufgenommen haben, nicht wirklich vom Spinat. E. Coli-Bakterien sind intestinale Pathogene oder bzw. Krankheitserreger aus dem Darm“ usw. und so fort.
Stefanie Spinat hat aber keinen Darm. Es steht da.
Carsten Genau. Also das ist so … man muss da schon ein bisschen schmunzeln. So in einem anderen Zusammenhang auch mit diesen Keimen geht darauf ein, wie die Keimbelastung zu Hause ist. Da werden teilweise so Forschungsergebnisse gezeigt, auch wieder auf die amerikanische Bevölkerung bezogen, wo Forscher einfach mal schauen wollten, wie keimbelastet ist denn die Küche und der Lebensraum, nachdem Personen dort Hähnchen oder Hühner verarbeitet haben. Und haben halt festgestellt also Hühner oder Hähnchen sind halt definitiv so keimbelastet, dass du, egal was du machst, selbst wenn du nachher dein Heim komplett mit Bleiche irgendwie putzt, wirst du immer noch eine Verkeimung haben. Und in dem Zusammenhang steht jetzt zum Beispiel drin
„Der Grund, weshalb die meisten Menschen mehr Fäkalien-Bakterien im Spülbecken als auf dem Toilettensitz haben, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass sie ihr Hähnchenfleisch in der Küche und nicht im Badezimmer zubereiten.“
Also das sind so Sachen, die finde ich auch immer noch ganz amüsant von der Art und Weise, wie er das schildert. Und er zieht auch immer einen Vergleich zwischen anderen Lebensmittelbranchen oder auch Tabakindustrie ist bei ihm immer gern gesehen und und der Art und Weise, wie jetzt die Vermarktung stattfindet. Und da schreibt er zum Beispiel:
„Wenn das National Pork Board, also der nationale Verband der Schweinezüchter der USA, Schinken als exzellente Eiweißquelle anpreist, kann ich nicht anders, als an das berühmte Zitat eines Marketingbereichsleiters von McDonald's zu denken, der unter Eid vor Gericht aussagte, Coca Cola sei nahrhaft, weil sie Wasser enthält.“
Stefanie Was anderes konnte er auch nicht sagen. Na ja, das muss ich ja wieder an Thank you for Smoking denken. Also das ist das beste Beispiel für Marketing.
Carsten Genau. Und richtig gut finde ich dann so eine Beschreibung im hinteren Buch Bereich, da wo er dann auf Obst und Gemüse eingeht und so seine persönlichen Erfahrungen einsteuert. Da spricht er so ein bisschen über Durian-Früchte, die sagen mir jetzt herzlich wenig, das soll eine exotische Frucht sein, Da muss ich mal ein bisschen mehr zitieren. Da schreibt er:
„Durian Früchte sind die Obermacker des gesamten Obstreiches und wirklich nichts für Zartbesaitete. Stellen Sie sich einen über drei Kilo schweren amerikanischen Football vor, der wie ein mittelalterlicher Morgenstern mit lauter spitzen Stacheln übersät ist. Welche andere Frucht könnte wohl in der medizinischen Fachliteratur als etwas beschrieben werden, das schwerste Körperverletzungen verursacht, und zwar in Artikeln mit schockierenden Überschriften wie ‚Perforierte Hornhautverletzung durch Durian-Frucht’. Dabei habe ich ihre sprichwörtlich hervorstechendste Eigenschaft noch gar nicht erwähnt: ihren Geruch. Wegen des von ihr ausströmenden Dufts, der wohl am besten als Schweinemist, Terpentin und Zwiebeln, garniert mit einer durchsafteten Sportsocke beschrieben werden kann, sind in Südostasien, wo sie wachsen, an vielen öffentlichen Orten die Durian-Früchte verboten, wie zum Beispiel in U-Bahn oder Flughäfen. Natürlich muss ich so ein krasses Ding probieren.“
Er geht dann so im nächsten Absatz ein bisschen darauf ein, dass er das während seiner Studienzeit gemacht hat. Da hat er sowieso schon keinen guten Stand mit dem Dekan gehabt und er hatte dann eine von diesen Früchten tiefgefroren gekauft, die probiert und festgestellt „Naja, das ist wohl nicht das Wahre“ und musste irgendwo mit dem Rest der Frucht bleiben und hat das Ding dann einfach in einen Spind rein gestellt. Und am nächsten Tag war dann der die komplette Etage dieser Einrichtung, einschließlich des Büros des Dekans komplett abgeriegelt und ein Einsatzteam von, ich weiß gar nicht von was für einer, hat er versucht die Sprinter aufzubrechen, um diesen höllischen Gestank da zu eruieren? Und die Leute haben allen Ernstes geglaubt, dass irgendjemand Leichenteile aus der Pathologie entwendet hat und die im Spind dann aufbewahrt hat und die dann da angefangen haben zu verwesen, bis ihm dann halt klar geworden ist, upps, das ist seine Durian-Frucht, die über Nacht aufgetaut ist.
Stefanie Okay, also solche Anekdötchen gibt es da auch.
Carsten Genau. Also dafür ist er halt echt bekannt und das merkt man auch, wenn man seine Videos anschaut. Gerade so diese Jahresvorträge, die halt wie gesagt sehr ausführlich mit einer Stunde oder anderthalb Stunde sind, da flechtet er natürlich auch solche Anekdoten mit ein und das ist einfach schön, dass er das hier in diesem Buch auch miteinstellen kann. Also macht die ganze Sache eben kurzweilig und nicht wissenschaftlich trocken und dementsprechend ist es auf alle Fälle eine absolute Leseempfehlung.
Stefanie Und würdest du denn dieses Buch jetzt nur Veganern und Veganerinnen empfehlen, so zur vertiefenden Lektüre, wie ernähre ich mich jetzt richtig? Oder ist es auch was für Nichtveganer und Nichtveganerin?
Carsten Also es ist definitiv auch was für Nichtveganer und -Veganerin, weil dort eben auch, zumindest aus dem amerikanischen Raum, Ernährungsgesellschaften zitiert werden, die ja durchaus auf den gleichen Zug aufspringen. Also die Empfehlungen, die Dr. Greger dort zitiert, die finden sich ja heute auch, oder kann man nachlesen auf den Internetseiten der entsprechenden Behörden, die dort zitiert werden. Die gehen eindeutig in die Richtung, dass sie sagen „Esst mehr pflanzliche Lebensmittel, vielfältige pflanzliche Lebensmittel und versucht auf Teufel komm raus euren Konsum von tierlichen Nahrungsmitteln zu minimieren, idealerweise komplett drauf zu verzichten“. Also von daher ist auch das ja schon mal so eine Aussage, wo man merkt, es wird jetzt nicht ausschließlich an einen rein vegan lebenden Menschen adressiert, sondern es geht halt an die Allgemeinbevölkerung. Wobei die größte Einschränkung sehe ich eben, dass dieses Buch ausschließlich auf gesundheitlich orientierte Menschen zugeschnitten ist.
Stefanie Was ja in meiner Erfahrung irgendwie die Masse ist. Zumindest, also alle, die sich irgendwie gesundheitlich orientieren. Ich sehe das ja auch auf den Messen. Also alle Ernährungsberater, die da, sei es Nico Rittenau oder andere, die dann da Vorträge halten, haben immer einen Mega-Zulauf. Das heißt, ich glaube, dass sich viele Menschen dafür interessieren, wie sie sich gesund halten können und dass auch viele Ältere irgendwie merken okay, ich, wenn ich mich halt so und so ernähre, also auch so auf der Suche sind nach dem heiligen Gral, wie kann ich mich denn jetzt am besten ernähren, um gesund zu bleiben?
Carsten Ja genau. Also das ist ja auch er hat den Titel ja deswegen genauso gewählt und „How not to die“, wie man halt nicht stirbt. Er geht da ganz zum Schluss eben noch mal kurz drauf ein, aber jetzt nicht in der Art und Weise das, dass er versucht das irgendwie süffisant darzustellen, sondern ihm geht es einfach nur darum zu sagen „Ja, laut wissenschaftlicher Datenlage ist es tatsächlich so, dass beim Verzehr dieser Lebensmittel, die dort vorgestellt werden, tatsächlich das lebensverlängernd auswirkt, mindestens aber eben krankheitsvermindernd oder vorbeugend und dementsprechend ja auch einen ganz großen Anteil an Lebensqualität dann garantieren kann.
Und dass das Ganze jetzt in eine vegane Ernährung reinläuft. Er hat den Begriff ‚vegan‘, glaube ich, nur ein einziges Mal in diesem Buch aufgegriffen und auch nur an der Stelle, wo er gesagt hat, warum er es nicht als vegan tituliert, weil er tatsächlich von einer pflanzenbasierten Ernährung ausgeht. Er hat, ich sag jetzt mal, auch so dieses vegane mit einem negativ Touch wahrgenommen, und damit das halt nicht abschreckend wirkt, spricht da eben von von einer ausgewogenen und auch vollwertigen pflanzlichen Ernährung. Und das ist ja auch wieder, dass er versucht, die breite Masse zu adressieren.
Stefanie Das ist ja das, das viel gesagt wird, dass vegan, das Label vegan eben abschreckend wirkt und dass deswegen am besten vegan gar nicht auftaucht und das irgendwie pflanzenbasiert heißt, wenn es um die Ernährung geht oder nachhaltig, wenn es um den ganzen Lebensstil geht, und so. Willst Du abschließend noch irgendwelche Worte loswerden oder war das jetzt eigentlich alles?
Carsten Über das Buch an sich habe ich jetzt eigentlich genug erzählt, um hoffentlich bei dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, wenn du eben gesundheitlich motiviert bist, den Lesereiz an zu kitzeln. Also ruhig zugreifen, bestellen, ausleihen, wie auch immer.
Es gibt darüber hinaus aber noch ein zweites Buch wird jetzt nicht den Nachfolger, sondern das Kochbuch dazu. Das ist ähnlich wie bei der China Study. Wenn man so Bücher liest, dann stellt man sich immer die Frage „okay, jetzt weiß ich, was gesund ist, aber wie mache ich das denn tatsächlich so bei der Zubereitung der Gerichte?“ Und genau da gibt es jetzt auch, ähnlich wie bei der China Study, eben auch zu „How not to die“ ein entsprechendes Kochbuch mit Rezepten drin. Das habe ich bisher noch nicht gesehen, also ich ich weiß, dass es es gibt, aber noch nicht reingeschaut. Ähm, im hinteren Teil von von Hauner to. Da geht Dr. Greger so ein bisschen darauf ein, wie er seine Lebensmittel zubereitet und dann lässt er auch so ein bisschen über den Tellerrand gucken, dass er selber nicht so streng mit sich selbst ist. Also er hat jetzt keinen Cheatday, aber er orientiert sich an seinen Daily Dozen, insofern, dass er versucht, das tatsächlich zu beherzigen, weiß aber, gerade weil er eben Vortragsreisender ist und so schwer beschäftigt ist, dass das nicht in jeder Situation möglich ist und versucht dann eben trotzdem eben anhand der Ratschläge, die er zusammengefasst hat, das Beste rauszuziehen. Und dadurch merkt man dann schon okay, wie kann man denn das und das und das mal zubereiten oder wie kann man da eine Mittagessen oder ein Frühstück rausbekommen? Aber es zahlt jetzt in dieser Form eben kein direktes Nachschlagewerk, um leckere Rezepte da rauszubekommen. Da muss man dann tatsächlich das Kochbuch dazu bekommen.
Stefanie Wie steht er zum Thema Öl?
Carsten Ähm, er rät komplett von ab. Er sagte ähnlich wie wir es jetzt schon aus anderen Quellen gehört haben, dass wenn tatsächlich gebraten werden muss, dann eher mit Wasser oder mit Gemüsebrühe. Wobei er scheinbar persönlich dazu übergegangen ist, gar nicht mehr die Bratpfanne zu benutzen, sondern wenn er was anröstet oder so was, dann eher den Backofen zu nehmen, die Sachen dann eben direkt aufs Backblech legen und dann im Backofen so weit garen oder bräunen. Teilweise an einigen Stellen, wo ich gemerkt habe, okay, da würde ich jetzt intuitiv erst mal zur Bratpfanne greifen. Aber es ist gut zu wissen, dass das auch im Backofen geht. So, aber ansonsten sagt er, dass es Öle sind genauso zu betrachten wie wie Auszugsmehle. Es sind halt keine vollwertigen Lebensmittel. Er hatte Olivenöl als Beispiel genommen. Er sagte Oliven selber sind schon nicht so das Toplebensmittel und wenn man davon das Öl noch nimmt, dann reduziere ich ja den eh schon verhältnismäßig geringen Nährwert einer Olive, also jetzt nicht kalorienmäßig, sondern gesundheitlich bezogen diese Aussage minderwertig oder nicht so toll, ich reduziere durch das Öl natürlich dann den eh schon geringen Anteil noch mal. Und je nachdem, wie das Öl dann produziert ist also hochraffiniertes Öl, was erhitzt ist oder so, das ist eigentlich tote Materie und müsste … Bei ihm, er hat da noch so ein Ampelsystem drin, da wo er sagt Grün, das sind die Top-Lebensmittel, Gelb, das ist so leicht verarbeitet, da kann man wohl mal machen, soll aber die Ausnahme sein und Rot tunlichst vermeiden. Und hoch raffiniertes Öl ist bei ihm im roten Bereich rät er komplett von ab.
Stefanie Okay. Das hatte mich jetzt noch mal interessiert, weil das ja so ein Hin und Her ist mit den Ölen.
Carsten Genau. Also er ist da sehr eindeutig und sagt eben beim besten Willen nicht, eben darauf verzichten. Lieber irgendwie für keine Ahnung für Dressing Balsamico oder ölfreie Dressings verwenden, aber dann eben komplett auf das Öl verzichten. Da, wo es geht.
Stefanie Okay. Ja, wenn du jetzt nicht noch irgendwas hast, was fehlt, dann würde ich sagen, passt das schon.
Carsten Das wars, ja.
Stefanie Ja, dann wollen wir auch diese Folge nicht schließen, ohne uns zu bedanken bei unseren tollen Steady-Unterstützer und -Unterstützerinnen, den tollen Enthusiasten und Enthusiastinnen und unseren beiden Puristen, die uns ohne Wenn und Aber mit 10 € im Monat sogar unterstützen. Und auch du kannst uns unterstützen, dass unser Podcast weiterlebt, du kannst schon mit 3 € im Monat anfangen oder mit 5 € oder mit 10 €. Und wenn dir das noch alles zu wenig ist, kannst du uns gerne schreiben. Wir machen auch gerne größere Pakete für dich. Da sind wir ganz offen.
Carsten Da sind wir ja völlig flexibel.
Stefanie Völlig flexibel. Wir sind sehr, sehr dankbar für unsere treuen Unterstützer und Unterstützerinnen, die uns jetzt schon wirklich seit Anbeginn, seit wir dieses Unterstützungssystem eingeführt haben, unterstützen. Jetzt habe ich ganz oft das Wort Unterstützung gesagt. Ich hoffe, es hat sich jetzt eingebrannt bei dir. Also ganz vielen.
Carsten Dank auch von meiner Seite aus. Ganz, ganz, ganz recht herzlichen Dank.
Stefanie Ja, und dann bleibt mir nur noch zu sagen: In diesem Sinne.
Carsten In Hamburg sagt man Guten Appetit.
Stefanie Und auf Wiederhören.
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