Folge 17 - Der Weltmilchtag- historisch betrachtet

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Folge 17 - Der Weltmilchtag- historisch betrachtet

In dieser Folge

  • erfährst Du von den historischen Wurzeln des Weltmilchtags,
  • den Anfängen der "modernen" Milchwirtschaft,
  • von einer ausgestorbenen Berufsgruppe
  • und den Beweggründen für die intensive Bewerbung der Milch.

Der internationale Tag der Milch oder Weltmilchtag wird dieses Jahr am 1. Juni gefeiert. Das war nicht immer so.

Der erste Weltmilchtag fand am 6. Juni 1958 unter dem Motto "Milch = Gesundheit" statt.

Weitere Daten sind z.B. der 18. Mai 1960 mit dem Motto "Milch - unser bestes Getränk" und der 24. Mai 1962.

Im Vordergrund standen die Volksgesundheit und die Förderung der Landwirtschaft- tierrechtliche oder gar ethische Aspekte waren kein Thema.

Nach dem Krieg und den Hungerjahren ging es in erster Linie darum die Gesundheit und Arbeitskraft der Bevölkerung zu steigern.

Die Milch sollte als günstiges und nahrhaftes Volksnahrungsmittel eine Schlüsselrolle spielen.

Links zur Folge

"Milch besser nicht" von Maria Rollinger
www.milchbessernicht.de

Unsere Podcastfolge zu "Milch besser nicht"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-15-buchrezension-milch-besser-nicht-von-maria-rollinger

Der Grüne Plan
https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/wirtschaft-und-gesellschaft-im-westen/wandel-der-landwirtschaft.html

Bibliothek der ehemaligen Milchforschungsanstalt in Kiel
https://www.mri.bund.de/de/service/bibliothek/

Weltmilchtag
http://www.tag-der-milch.de/

Sag Nein zu Milch - Kampagne von ARIWA, die Tierbefreier und Nandu
http://sagneinzumilch.de/

Ausgemolken - Milchausstieg selber machen
http://www.ausgemolken.net

Transkript (Korrektur gelesen von Erika K.)

Carsten Heute sprechen wir über ein aktuelles Thema und zwar möchten wir den Weltmilchtag oder den internationalen Tag der Milch einrahmen in einer Doppelfolge und zwar findet am 1. Juni der nächste Weltmilchtag statt und Stefanie hat sich auf Recherchetour gemacht und einiges an Hintergrundinformationen über die Historie dieses sagenumwobenen Milchtages herausgefunden.

Stefanie Der sagenumwobene Milchtag. Ja, Mythen spinnen sich um diesen Milchtag unter anderem auch der wievielte das jetzt eigentlich ist.

Carsten Ja, der wievielte ist es denn eigentlich?

Stefanie Bei Wikipedia steht, es ist jetzt, es müsste der 59. sein. Aber ich hab rausgefunden, es ist erst der 58.

Carsten Oh, wie kommt das? Kann Wikipedia nicht zählen?

Stefanie Ja, wir wissen ja, Wikipedia ist ein usergenerierter Content. Ja also deswegen, - wer weiß woher…

Carsten aber wann fand dann der erste Tag denn überhaupt statt?

Stefanie Ja, wo Du schon so fragst sag ich es dir natürlich. Also jetzt mal hier Tacheles, also der erste internationale Milchtag fand am 6. Juni 1958 statt. Und wenn ich richtig zählen kann ist jetzt eben erst das 58. Mal.

Carsten Da stimme ich dir zu.

Stefanie So dass er 2018 sechzig wird sozusagen.

Carsten Alter Greis vielleicht geht er dann in Rente, ja.

Stefanie „Alter Greis“ - lass das nicht unsere Eltern hören! So, also ihr habt das nicht gehört. So, ok also der erste internationale Milchtag fand unter dem Motto „Milch gleich Gesundheit“ statt. Und das ist eigentlich auch schon bezeichnend für die Zeit damals, 1958 vor 58 Jahren; was eigentlich noch gar nicht so lange her ist, aber es war tatsächlich noch eine turbulente Anfangszeit der Milch und im Grunde, wenn wir jetzt von Milch sprechen, sprechen wir auch gar nicht von dem, was da aus dem Euter fließt, sondern wir sprechen von der Molkerei-Milch.

Carsten Ausschließlich von der Molkerei-Milch, so wie ich das gesehen habe.

Stefanie Genau, also ich wollte jetzt ganz gerne das hier noch ein bisschen mehr in den geschichtlichen Kontext stellen. Ich war heute ja mal wieder in Kiel in der ehemaligen Milch-Forschungsanstalt in der Bibliothek und hab da alte Schriften gewälzt und unter anderem auch den „Milchkaufmann“ das ist eine Zeitschrift oder eine Zeitung, eine Fachzeitung,

Carsten ein Branchenblatt

Stefanie genau ja, das ist gut. Ein Branchenblatt für den Milchkaufmann, den es damals eben noch als Beruf gab. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, ne?

Carsten Sagt mir so zumindest nichts.

Stefanie Ja, ich hab auch gedacht, also, es ist wirklich eine Branche, die gab es auch nur ganz kurz, also sie ist aufgekommen sagen wir mal so in den 30er, 40er Jahren des letzten Jahrhunderts und hat sich dann ja so gehalten, sagen wir mal bis ja Ende der 70er Jahre, also wirklich nur so 40 Jahre vielleicht.

Carsten Nicht wirklich lange.

Stefanie Also es war eben damals so, „damals“ das so zu sagen, als wäre es voll ewig her, aber es ist wirklich noch nicht lange her. Damals, als unsere Eltern so kleine Kinder waren, oder geboren wurden, je nachdem, das damals war es eben so, dass es noch Milchfachgeschäfte gab und Milch durfte nur da verkauft werden in diesen Fachgeschäften. Und noch viel früher gab es natürlich die Milch direkt vom Bauernhof und das ist eigentlich, kann man sagen, dass die, ja die moderne Milchwirtschaft, so um 1870 anfing mit der Erfindung der ersten Zentrifuge. Wenn es dann eben möglich wurde, die Milch schneller und besser zu verarbeiten und dann ging es in kleineren Schritten immer weiter. Es gab auch erste Experimente mit Melkrobotern, die für die Kühe nicht sehr schön waren und hatte ich das eigentlich schon beim letzten Mal erzählt, als wir über die Milch gesprochen haben?

Carsten Ich bin mir nicht sicher, ob wir das im Podcast besprochen haben…

Stefanie oder einfach so, also ich hatte das schon mal erzählt. Ja, das würde ich auch nochmal gesondert irgendwie erzählen, aber jedenfalls, die technische Entwicklung schritt voran und dann war es so, das der Verleger der Milchzeitung - das ist auch wieder ein Fachblatt - habe ich auch vorhin wieder in dem Archiv bewundert, Reihe um Reihe von tatsächlich...

Carsten Du hast den Verleger bewundert?

Stefanie Nein, das Fachblatt. So, also jedenfalls habe ich diese Zeitung bewundert, ja, also hab es aber jetzt heute nicht mehr rausgezogen, weil mir das, ich hatte nicht so viel Zeit und außerdem… ja also es geht natürlich darum, wie aus der Milchwirtschaft, die eigentlich eher was bäuerliches ist, dann wirklich eine Wirtschaft zu machen und einen Wirtschaftszweig, wirtschaftliches Arbeiten. Und es geht dann auch wiederum darum, das in einen geschichtlichen Kontext zu stellen und zu sagen, so, es gab dann die Weltkriege und es gab Hunger. Nachdem, also zwischen den Weltkriegen wurde viel gehungert, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg – gut, jetzt haben wir einen großen Zeitsprung gemacht. Aber, jedenfalls vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Menschen gehungert in der Nachkriegszeit und es ging jetzt darum, diese Milch als Volksnahrungsmittel zu etablieren.

Carsten günstiges Lebensmittel mit einem bestimmten Nährwert..

Stefanie Genau

Carsten was noch erschwinglich oder auch verfügbar für die komplette Republik, also für die Masse war

Stefanie …für den Arbeiter. So und also tatsächlich die Motivation am Anfang muss noch, sagen wir mal, lauter gewesen sein, also so, es war noch nicht so nur profitorientiert, sondern wirklich es ging wirklich um die Volksgesundheit, es ging darum, ja eben Mangelernährung...

Carsten also die hatten weniger den wirtschaftlichen, sondern mehr so einen ideellen oder gesundheitlichen Aspekt?

Stefanie Also soweit ich das daraus gelesen hab, ist es also so, wie die Milch damals beworben wurde, wurde halt dieser gesundheitliche Aspekt rausgestellt. Aber es ging vor allem darum, wenn man diesen Zusammenhang sieht zwischen den Weltkriegen und der wirtschaftlichen Lage und also dem Hunger und ja einfach dass es diese Klassenunterschiede auch gab zwischen der Bevölkerung; dass eben die breite Masse nicht genug zu essen hatte. Es ging darum, jetzt ein Lebensmittel zu etablieren, das laut damaliger Darstellung besonders gesund und nahrhaft ist und dann auch zudem noch günstig. Und wenn wir jetzt springen - erster internationaler Tag der Milch ist ja in 1958 - also wenn wir jetzt bis dahin springen, ist es so, 1958 da war der Krieg ja noch nicht so ganz so lange vorbei, der Zweite Weltkrieg. Und nach dem Zweiten Weltkrieg, wie gesagt, hungerten die Massen und da ging es dann wirklich darum, jetzt die Wirtschaft wieder anzukurbeln und dann kam dieser „grüne Plan“ auf den Plan. Muss noch mal eben gucken das war 57, meine ich. Ich hab mir das hier aufgeschrieben.

Carsten Was genau ist dieser „grüne Plan“?

Stefanie Also ich muss mal eben gucken, ob ich das Datum noch hab, aber das hab ich mir gar nicht aufgeschrieben. Aber ich meine das war 1957 - aber jedenfalls also, der „grüne Plan“, da ging es darum, dass die Politiker, das waren die CDU- Politiker damals, die Landwirtschaft ankurbeln wollten, dass sie gesagt haben, jeder kann Bauer sein, der Bauer sein will und versucht haben, verstreut liegende Felder zusammenzufügen. Das waren diese Flurbereinigungen, dass Flüsse einbetoniert, begradigt wurden also, sagen wir mal Sünden, aus unserer Zukunft betrachtet, die später auch versucht wurden, wieder rückgängig gemacht zu werden. Aber es war alles unter dem Motto „So, wir müssen uns jetzt wieder selbst ernähren können und die Landwirtschaft muss stark unterstützt werden“ und dadurch fing es dann eben auch an, dass die Milch subventioniert wurde und also auch die ganze Landwirtschaft wurde subventioniert, aber eben auch die Milch. So und als Teil des Ganzen war eben dann ja der internationale Milchtag natürlich willkommen, also 1958. Und das alles fließt da mit ein in dieses Ganze also einerseits ist es natürlich sehr wirtschaftlich motiviert, Deutschland soll sich wieder erholen und soll sich aufbauen, die Wirtschaft soll wieder florieren und andererseits ist es dann so, dass die Gesundheit die „Volksgesundheit“ im Vordergrund steht und das soll eben nicht mit der Milch direkt, der Rohmilch, vom Euter quasi, also vom Bauern „ab Hof Verkauf“ haben sie das immer genannt, soll nicht dadurch erfolgen, sondern durch die reine weiße, hygienisch reine Molkereimilch.

Carsten Ja, ich hatte vorhin in den Unterlagen, die du jetzt vorbereitet hattest, ja auch nochmal so eine Werbeanzeige von damals gesehen und da fiel mir auf, dass dort zwar Milch an sich präsentiert wird, das wird aber in Gläsern von Händen festgehalten. Hände greifen quasi oder halten Gläser fest, in denen Milch drin ist und auf diesen Plakaten fehlt jeglicher Zusammenhang zu Kühen. Also, da wird das Produkt Milch in den Vordergrund gestellt, aber ich unterstelle mal, dass die Werbetreibenden damals also ganz klar diese Parallele zur Kuh oder die Verbindung zur Kuh einfach ganz bewusst ausgeblendet haben.

Stefanie Genau es ging jetzt also wirklich um dieses Molkereiprodukt. Allerdings habe ich eben in den Schriften - ich hab also diesen Milch Kaufmann durchgelesen - also die ganzen Aufzeichnungen bis, glaub ich, 1970 war der letzte, ich bin mir nicht ganz sicher. Aber jedenfalls ist es bis 1967, da hab ich das letzte gefunden, die letzte Aufzeichnung, dass immer noch anscheinend viele Kunden oder viele mögliche Kunden, viele Menschen, direkt ab Hof gekauft haben. Also dass die Milch direkt vom Bauern immer noch großen Zuspruch hatte und die Milchkaufleute, die Handelsleute, die in den Milchgeschäften wollten das natürlich nicht und wollten es unterbinden und haben aber immer noch dagegen angefochten. Und die Milch konnte auch die ganze Zeit nicht ohne Subventionen, also der Milchhandel konnte nicht ohne Subventionen bestehen, und im Grunde ging es eben darum, also die Kühe und das Tierwohl und alles das, da ging es eigentlich fast gar nicht drum, also es war alles so in den Hintergrund gerückt. Es ging nur um Hygiene, und es ging darum, ein günstiges „Volksnahrungsmittel“ zu etablieren und das eben mit allen Mitteln. Aber überall, wo ich dann also alles, was ich gelesen hab klang so als wären diese Menschen, die das geschrieben haben, wirklich der festen Überzeugung, dass Milch wirklich gesund ist also nicht das es irgendwie eine Masche ist oder so, sondern dass es wirklich gesund ist und sie haben wirklich an den Nährwert der Milch geglaubt.

Carsten Quasi so das ideale Nahrungsmittel gefunden und das wollen wir jetzt entsprechend in der Bevölkerung fest verankern, als Volks- oder Grundnahrungsmittel und dementsprechend waren ja auch die Strategien und Ratschläge, die da in diesen Zeitungen drin standen, ausgelegt. Also ich hatte das parallel oder zwischendurch mal ein bisschen gelesen, da gibt es ja durchaus extreme Handlungsempfehlungen für diesen Milchkaufmann ja, so wie er mit seinen Kunden umgeht, wie er versucht, jetzt entsprechend auch Hausfrauen irgendwie zu überzeugen und so. Das ist dann nicht so unterschwellig, wie man sich heute so Marketing vorstellt, sondern schon wirklich konkrete Handlungsempfehlungen. „Sie müssen“ also jetzt frei übersetzt, du kannst das gleich besser wiedergeben, aber „sie müssen so und so mit den Leuten sprechen“ und exakt der Wortlaut wird auch vorgegeben.

Stefanie Ja, genau ja, es ist natürlich noch alles sehr am Anfang so und diese Entwicklungen, das ist ja quasi ein neuer Beruf. Und die müssen da erst reinwachsen und auch diese, ja also das sind dann Kaufleute, also die müssen eben werben und auch ja verkaufen können, aber die meisten können das eigentlich gar nicht, die kennen sich halt mit der Milch wohl aus, aber die können eigentlich nicht verkaufen.

Carsten Ja, gut, ich mein…

Stefanie Das sollen sie halt lernen.

Carsten Der Beruf war halt neu und hat keine lange Lebensdauer gehabt, also kann kein klassischer Ausbildungsberuf gewesen.

Stefanie Wobei, es gab auch Lehrlinge und so in der Zeit. Es ist halt so, dass sich das so entwickelt hat, dass zunächst halt der „ab Hof Verkauf“, dann dass die Bauern Milchmädchen eben eingestellt haben, die die Milch weiterverkauft haben, die dann mit dem Wagen durch die Gegend gezogen sind. Dann gab es eben Milchhändler, die mit größeren Wagen durch die Gegend gezogen sind, und dann gab es diese Verkaufsstätten, die festen, also die Läden, wo man dann reingehen konnte. Und die gibt es ja jetzt auch nicht mehr, also es ist dann einfach im Zuge, als die Supermärkte kamen - das war so in den Siebzigern, also des letzten Jahrhunderts - da fing das eben an mit Discount und den ganzen Sachen, also das steht schon alles da drin, also, dass sie Angst haben vor Discount und so und dass es alles weg geht und dass die Milch dann auf einmal in den Einzelhandel kommt und dass die Milch dann auf einmal in die Supermärkte kommt und so und also, das sind alles so Erfahrungen, also, das ist wirklich auch eine interessante Geschichte. Genau, denn der deutsche Milchkaufmann…

Carsten Und aus dem hast du dann jetzt eine Passage zum ersten internationalen Milchtag?

Stefanie Genau, habe ich rausgesucht und ich wollte das nur mal kurz vorlesen, das ist auch gar nicht so lang. „Erster internationaler Milchtag. Molkereibesichtigungen und kostenlose Schulmilch vorgesehen.“ Dazu muss ich jetzt nochmal kurz einwerfen, ich habe bis jetzt diese verschiedenen Zielgruppen quasi herausgearbeitet was wer jetzt, also an wen die Werbung gerichtet wurde und Schulmilch ist definitiv nochmal ein eigenes Thema. Das möchte ich auch noch weiter ausarbeiten, aber es gibt ja noch den Weltschulmilchtag.

Carsten Den gibt es auch noch?

Stefanie Ok, der ist im September und deswegen habe ich gedacht, ich verschieb das mit der Schulmilch noch ein bisschen also mach ich das passend zum September, kümmer ich mich jetzt erstmal um die anderen Zielgruppen und mit der Schulmilch mach ich das dann…

Carsten Ja ok.

Stefanie Gut, also hier geht es jetzt tatsächlich um den internationalen Milchtag. Den Schulmilchtag gibt es erst seit 2000. Das ist also definitiv eine Marketing-Masche. Gut, das hier mit dem Weltmilchtag ist auch irgendwie eine Marketing Masche, ne.

Carsten Aber schon mal etablierter.

Stefanie Genau. Gut also, ich zitiere: „am 6. Juni 1958 findet der erste internationale Milchtag statt. Dem das Leitwort „Milch gleich Gesundheit“ gegeben wurde. Unter der Schirmherrschaft des Internationalen Milchwirtschaftsverbandes beteiligen sich daran die folgenden 11 Länder: Belgien, Finnland, Indien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, Vereinigtes Königreich und die Bundesrepublik Deutschland.“ Ich finde das irgendwie merkwürdig mit Indien..

Carsten Ja, das ist das einzige Land, was nicht in Europa sitzt.

Stefanie Indien sticht so ein bisschen raus und deswegen ist es sehr international, aber Amerika beteiligt sich da nicht dran.

Carsten Ne, okay, komm vielleicht später.

Stefanie „Die mehr als 530 Millionen Menschen dieser Länder sollen durch den internationalen Milchtag daran erinnert werden, dass Milch und Milcherzeugnisse die wertvollsten und preiswertesten Grundnahrungsmittel mit vielfältiger Verwendungsmöglichkeit sind.“ Genau und das finde ich halt auch interessant, so generell gibt es bei diesem Milchkaufmann auch verschiedene Kundenzeitschriften. Ich hatte jetzt tatsächlich heute welche ausgegraben, da die eine, die heißt „frisch und froh“ und hab da lustige Sachen über die Hausfrau und so alles mögliche gelesen – also, das ist halt für die Hausfrau und da sind auch so Fortsetzungsromane drin und solche Sachen halt. Alles, was man von so einer Zeitschrift erwartet und so, es ist total lustig. Also es geht natürlich um die Milch und da ist auch so ein Comic drin, wo immer Milch dann ja einen Stellenwert hat und so und also so, wie man sich so eine typische Frauenillustrierte vorstellt von damals mit Milch als Hauptthema. Und okay also, das ist total lustig, ich muss sie nochmal, also ich hatte heute wie gesagt nicht viel Zeit und deswegen also es gibt noch so viel in dem Archiv zu heben. Deswegen…, also ich kann jedem nur empfehlen, der da forschen will, in dieses Archiv zu gehen.

So also weiter ich zitiere mal weiter. „Diese wissenschaftliche und wirtschaftliche Erkenntnis hat sowohl für die Länder Bedeutung, in denen noch immer Hunger und Not weit verbreitet sind, als auch für die Staaten, in denen die Menschen durch fortgeschrittene Zivilisationen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind. Durch sinnvolle und natürliche Ernährung, in der die Milch das wichtigste Grundnahrungsmittel ist, kann Ernährungsschäden wirkungsvoll begegnet werden.“ Was sagst du eigentlich dazu?

Carsten Ich sehe das natürlich sehr zwiespältig, gerade jetzt so in den letzten Jahren kommen immer mehr kritische Stimmen hoch, die diesen gesundheitlichen Wert der Milch dann doch stark in Frage stellen. Es wird zwar an vielen Stellen sehr kontrovers diskutiert, aber es deuten immer mehr Studien und medizinische Ergebnisse darauf hin, dass die Milch eben nicht so gesund ist, wie es propagiert wird. Und wenn ich das jetzt so lese, hier dieses wichtigste Grundnahrungsmittel als das es dargestellt wird. Ich glaube, da sind wir mit der heutigen Wissenslage ganz weit von entfernt. Also das Mindeste, was man heute über Milch sagen kann, ist, dass es sehr kontrovers zu diskutieren ist, aber ich würde es definitiv nicht mehr als das wichtigste Grundnahrungsmittel betrachten.

Stefanie Ich weiß nicht, also ich bin ja wie gesagt gesundheitlich nicht so versiert, ne? Das heißt nicht, dass ich gesundheitlich schlecht dastehe, also, das ist ja eher dein Interessensgebiet. Ich weiß halt nur in diesen Zeitungen und Zeitschriften, die ich jetzt gelesen hab, also die alten Ausgaben, dass Milch quasi für alles bestimmt ist, gegen alles hilft und also: Milch bei Grippe, Milch bei keine Ahnung… Tinnitus, hätte ich jetzt schon fast gesagt. Also Milch, ja Milch hilft im gegen Managerkrankheiten, damals schon

Carsten Damals schon, Burnout…

Stefanie Quasi so Kreislauferkrankungen. Milch hilft gegen Zahnschmerzen, Milch hilft was weiß ich, also Milch ist quasi universell einsetzbar.

Carsten Das ist das Super Food der Nachkriegsgeneration.

Stefanie Genau! Also irgendwie schon und das finde ich halt sehr interessant, weil ja also wir ja beide dieses Buch „Milch besser nicht“ gelesen haben und gut, du hast es ein bisschen mehr gelesen als ich, aber da ja steht doch eigentlich drin, dass Milch nicht gesund ist und außerdem, wenn ich immer noch mal diesen Galen von Pergamon anbringen darf, der 1500 Jahre lang quasi gesagt hat, dass Milch ungesund ist.

Carsten Und eigentlich Gründe genannt hat oder auch Erkenntnisse propagiert hat, die heute durch Studien ja auch nachgewiesen werden können und ja okay, der lag gar nicht so falsch oder gar nicht falsch oder wie auch immer, auf jeden Fall bewahrheitet sich das.

Stefanie Das ist halt, gut, also ich meine die Milch, die er damals quasi zur Verfügung hat, das eine ganz andere Milch als die, die wir jetzt haben.

Carsten Das kannst du auch nicht direkt vergleichen. Aber gut, hier geht es ja letztendlich auch nur um die Molkereimilch, die jetzt hier bei diesem internationalen Milchtag oder auch in der im Rahmen dieser ganzen Marketingmaschinerie, die da losgetreten wurde, betrachtet wird.

Stefanie Genau, die halt angepriesen wird.

Carsten Die angepriesen wird, genau. Und genau da gibt es auch ja eigentlich eine Vielzahl an kritischen Information und ich denke, das wird definitiv noch mindestens einmal einen Podcast oder eine Podcast Folge geben, wo wir vielleicht auch noch das, was du jetzt da in diesen ganzen Unterlagen recherchieren konntest, also quasi diese pro-gesundheitlichen Argumente aufgreifen.

Stefanie Also es ist wirklich total viel, es ist extrem. Klar, weil natürlich soll es als gesundes Volksnahrungsmittel verkauft werden.

Carsten Ja und dass wir das dann einfach mal so gegenstellen gegen das, was heute so bekannt ist.

Stefanie Hm, ja.

Carsten Das wird aber später nochmal folgen, also ich denke, das wird noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen, bis wir das für uns so weit ausgearbeitet haben, aber es ist mit Sicherheit noch ein spannendes Thema.

Stefanie Ja okay, ich les mal weiter: „Zum internationalen Milchtag haben die beteiligten Länder einen Plakatwettbewerb veranstaltet, bei dem eines der Deutschen vom Verein zur Förderung des Milchverbrauchs EV Frankfurt am Main vorgelegten Plakate gewählt wurde. Es zeigt im Fünffarbdruck auf dunklem Blau eine helle Erdkugel, von der aus eine durch Fahnen gebildete Hand ein Glas Milch hält. Im Vordergrund des Armes sind die Farben der am internationalen Milchtag 1958 beteiligten Länder besonders herausgearbeitet.“ Also siehst du, auch beim ersten Plakat gab es eben schon die Hand mit der Milch. Es geht wirklich nicht um die Kuh, es geht um die Milch, also es geht um die Molkerei.

Carsten Das Endprodukt, Molkereimilch.

Stefanie Das ist quasi der Erzeuger heißt es ja nur noch, es gibt den Erzeuger, also das ist alles so anonymisiert jetzt.

Carsten Ja gut, du hattest ja vorhin auch schon mal gesagt, dass die Milchwirtschaft an der Stelle ja versucht, den bäuerlichen Milch - wie soll man sagen – Milchverkauf….

Stefanie Also, Du meinst den „ab Hof Verkauf“.

Carsten Genau, den „ab Hof Verkauf“ schlechtzumachen, wegzudrängen. Schmutzig, also quasi dieses Hygieneargument, es ist nicht hygienisch genug und deswegen kann ich das verstehen, dass dann gerade bei solchen Marketingmaßnahmen, oder

Stefanie halt die Kuh nicht mehr da ist

Carsten Die Kuh nicht mehr da ist, der Bezug zum Landwirt, zum natürlichen Erzeugnis auch zwangsläufig rausgenommen werden muss, um eben irgendwo so ins Abstrakte reinzubringen, hier ist ein Lebensmittel; wo auch immer das herkommt, aber es ist da ja.

Stefanie Wobei ich mich dann ja frage, warum braucht es denn dann noch die Kuh, warum kann man das dann nicht komplett künstlich herstellen? Also weißt du, ich mein, so arg, wie das jetzt behandelt wird, wie das in der Molkerei zersetzt und wieder zusammengelegt wird und was weiß ich. Es hat eigentlich mit dem, was aus dem Euter fließt, ja nix mehr zu tun, warum braucht man das dann noch?

Carsten Vielleicht waren sie damals noch nicht so weit, um sowas wie Sojamilch….

Stefanie Aber.

Carsten Ich meine ja, interessante Frage.

Stefanie Also ich meine jetzt Heute. So also gut zurück zu damals 1958. Ich zitiere weiter: „die Durchführung des internationalen Milchtages in der Bundesrepublik liegt beim Verein zur Förderung des Milchverbrauchs EV Frankfurt am Main und den Landeswerbestellen. Unter anderem wird die Öffentlichkeit in der 1. Juniwoche durch Zeitungsanzeigen und Anschlag des Plakates aufmerksam gemacht. Die dreitausendzweihundert Molkereien des Bundesgebietes wurden gebeten, eine Woche der offenen Tür mit Betriebsbesichtigungen für jedermann durchzuführen und darüber hinaus am 6 Juni die Schulmilch kostenlos zu geben.“ Das war es.

Carsten Sehr interessant also, hier ist der Kontext wirklich so auf den Juni gelegt? Damals war es auch, glaube ich, der 6. Juni, in diesem Jahr fällt der Weltmilchtag oder der internationale Tag der Milch eben auf den 1.Juni. Aber es ist nicht immer der Juni gewesen, also das ist jetzt so ein bisschen Mai Juni, also so hundertprozentig wissen noch nicht ganz genau, nach was für ein Schema jetzt die entsprechenden Tage festgelegt wurden.

Stefanie Genau der dritte Tag der Milch, der Dritte internationale Milchtag war am 18. Mai 1960 mit „Milch unser bestes Getränk“ und dann der fünfte Tag, war quasi am ja, das war ja der fünfte Tag 1962 war dann am 24. Mai. Also wir können jetzt wirklich nicht sagen, das war immer am 1. Juni.

Carsten Nee, wahrscheinlich immer so in der Ecke Ende Mai, Anfang Juni irgendwie.

Stefanie Irgendwie so Mai/Juni, irgendwie so von bis.

Carsten wo auch immer das begründet ist.

Stefanie Ja soweit erstmal zum ersten Weltmilchtag der historische Abriss. Und in der nächsten Folge sprechen wir dann ein bisschen über die Zukunft, allerdings nicht die Zukunft von heute aus gesehen, sondern von 1958 aus.

Carsten Also das, was sie da als Zukunftsvisionen schon hatten.

Stefanie Und genau also wir haben…

Carsten Davon bewahrheitet.

Stefanie ich habe noch ne sehr interessante Zukunftsvision ausgegraben, die war aber von 1968 für das Jahr 2000. Das will ich auf jeden Fall noch einmal vorstellen, das ist ziemlich cool. Ich muss dann noch die Quelle finden, das habe ich noch nicht geschafft, aber ich hab zumindest ein kleines Zitat da draus. Und ja, und dann eben zu sagen, wie ging das denn jetzt weiter? Also wie, ja, einfach einen Ausblick nochmal auf das Historische.

Carsten Genau, damit umrunden wir quasi oder umrahmen nicht umrunden; wir umrahmen damit den diesjährigen Weltmilchtag und versuchen einfach so ein bisschen Hintergrundinformationen durchzufüttern und vielleicht auch mal ein bisschen kritisch das Ganze zu beleuchten.

Stefanie Okay, und natürlich bist du, liebe Hörerin, lieber Hörer, auch eingeladen, mit uns zu sprechen. Also, wenn du Fragen hast oder Anregungen oder dir irgendwas auf der Seele brennt, schreibt uns einen Kommentar oder eine Email.

Carsten Genau, also wir sind wirklich daran interessiert, einfach mal so aus persönlicher Erfahrung mitzubekommen wie ihr oder vielleicht eure Eltern damals diese Aufbruchzeit, als die Milch ja richtig gepusht wurde, mitbekommen haben.

Stefanie Das ist auch nochmal so ein Schulmilchthema, das will ich auch noch mal angehen, aber klar, also wir werden auch nochmal mit unseren Eltern sprechen und auch generell also vor allem die Generation ist ja jetzt noch da.

Carsten Genau, noch haben wir die Möglichkeit, das wirklich so im direkten Dialog herauszufinden, aber ich denke, das ist schon ein spannendes Thema, weil ja es ist, nimmt dem Ganzen auch so ein bisschen die Schärfe. Man beginnt immer so, die den Eindruck zu bekommen, als wäre Milch eigentlich immer schon dagewesen so ja, ne wenn man sich das so anschaut und stellt fest, ne eigentlich sind es vielleicht die Eltern- oder Großelterngeneration die das erste Mal damit wirklich so konfrontiert wurden, in der breiten Masse, dann relativiert das schon vieles.

Stefanie Ja.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

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