Folge 203 - So wurde ich vegan - Teil 2

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Folge 203 - So wurde ich vegan - Teil 2

In dieser Folge lese ich drei Geschichten vor, in denen Clanmitglieder erzählen, wie sie vegan geworden sind.

Denn es sind die wahren Geschichten, die uns berühren und inspirieren.

Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich die Wege sind, die zu einem veganen Leben führen.

Alex war lange Zeit Vegetarierin, bevor sie vegan wurde. Sie hat aus gesundheitlichen Gründen angefangen nach pflanzlichen Alternativen zu Milchprodukten zu suchen und ist so auf vegane Webseiten und letztlich eine Broschüre gestoßen, die dann den Stein ins Rollen gebracht hat.

Auch Nanine wurde zunächst Vegetarierin und hat sich dann über die Nachhaltigkeit dem veganen Leben genähert.

Und Julia hat sich entschlossen vegan zu leben, nachdem sie über ihren eigenen Garten wieder einen Zugang zur Natur gefunden und später auch an den Fridays for Future Protesten teilgenommen hat.

Es gibt unendlich viele Wege, die in ein veganes Leben münden - wie sieht Dein Weg aus? Teile gerne Deine Geschichte mit uns im Clan oder schick mir die Geschichte per E-Mail an post at vonherzenvegan punkt de.

Vollständiges Transkript

Wir leben einfach vegan und dies ist unser forscher Podcast heute nur mit Stefanie. Wir bauen uns ein neues Wohlstandsmodell. Denn eines ist uns klar geworden: Weiter wie bisher geht es nicht.

Wie du schon gehört hast, habe ich das Intro ganz allein gesprochen. Ich dachte, ich mach das heute einfach mal. Denn Carsten ist in letzter Zeit aufgrund dieser Mehrwertsteuerumstellung ganz stark in seinem Job beschäftigt. Und auch, weil sich jobmäßig einiges bei ihm sonst noch umstellt und es irgendwie ziemlich stressig war. Deswegen habe ich beschlossen, dass ich jetzt eine Solo Folge hier im Einfach Vegan Podcast aufnehme. Damit du nicht so lange auf uns verzichten musst, du zumindest einen Teil von und hier hörst.

Und ich möchte in dieser Folge drei Geschichten vorlesen, wie Clanmitglieder vegan geworden sind. Das habe ich schon mal gemacht in einer Folge und ich denke, es kann nicht genug Folgen mit Geschichten geben, wie Menschen vegan geworden sind, weil es immer andere Aspekte sind, die uns inspirieren. Es ist total individuell, was uns inspiriert. Tatsächlich kann eine Geschichte, die für mich ganz normal sein kann oder einfach kein Echo in mir erzeugt, vielleicht bei jemand anderem einen Widerhall erzeugen, der ihn oder sie dann dazu bringt, etwas am eigenen Leben zu ändern. Denn es sind die wahren Geschichten, die uns berühren und inspirieren.

Alex schreibt: „Mein erstes ‚Tiere sind Freunde‘- Erlebnis hatte ich mit circa vier Jahren, als ich beim Essen fragte, was das ist und es hieß, das ist Hasenbraten. Da war klar, dass ich das nicht essen kann, denn ich hatte einen Hasen, Schnuffi, und ich wollte nicht, dass der gegessen wird. Ich habe nie wieder Hase gegessen, aber den Zusammenhang mit anderen Tieren habe ich damals noch nicht herstellen können. Mit 13 wurde ich dann Vegetarierin, da ich Fleisch bis auf wenige Ausnahmen sowieso nicht mochte und mir von Geruch und Geschmack häufig übel wurde. Der ethische Aspekt kam dann in der Pubertät dazu. Es gab ständig Kämpfe, da meine Mutter nicht extra gekocht hat und ich immer ewig gebraucht habe, um alles Fleisch aus meinem Essen zu entfernen unter dem Gemecker meiner Mutter. Dann habe ich lange Zeit nicht mehr über das Thema nachgedacht. Ich wurde damals auch schon gerne mal gefragt, was ich denn dann noch essen könnte. Und es gab genug Restaurants, in denen es nichts für mich gab, außer vielleicht Pommes und grünen Salat.

Mit etwa 28 oder 30 habe ich zum ersten Mal gehört, dass jemand vegan lebt und meine Reaktion war: Das ist mir zu krass. Dann, Jahre später, bin ich krank geworden, Fibromyalgie. Und ich habe ewig gebraucht, bis ich rausgefunden habe, was mit mir los ist. Die erste, die mir geholfen hat, war eine Osteopathin, die mir geraten hat, Milchprodukte wegzulassen. Sie hat zwar auch empfohlen, dass ich Eier und rotes Fleisch essen soll wegen Omega drei, aber Fleisch war eh klar und Eier mochte ich auch noch nie. Also habe ich angefangen, nach pflanzlichen Alternativen für Omega drei zu suchen und Rezepte ohne Milchprodukte. Dabei bin ich im Internet auf vegane Seiten gestoßen und war absolut schockiert. Ich dachte immer, ich bin eine von den Guten. Eine, die keine Tiere töten lässt, wobei ich ja sogar Lederschuhe getragen habe. Das menschliche Gehirn ist ein eigenartiges Ding. Jedenfalls fing es so an. Das war 2009.

Ein Jahr lang hat die Umstellung gedauert. Ich habe zu Hause vegan gegessen und außerhalb, wenn es nicht anders ging, vegetarisch. Am Anfang habe ich das auch noch als Ausrede benutzt, um an Käse ranzukommen. Mein Mann und mein Bruder waren bis dahin auch noch Omnivore, wobei es bei uns zu Hause nie Fleisch, Wurst oder ähnliches gab. Dann habe ich ein Heft in die Hände bekommen, da war ein grüner Apfel drauf und darüber stand groß vegan. Ich dachte, da wären Rezepte drin. Ich fing abends an zu lesen und danach war ich nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Es ging ums Kükenschreddern und -vergasen. Und es war ein Bericht von einer Tierärztin drin, die über den Teil ihrer Ausbildung im Schlachthof berichtete. Das war so schlimm und mir hat es so was von die Augen geöffnet und ich habe mich geschämt, dass ich so lange dazu gebraucht habe. Ich habe die halbe Nacht geheult.

Ab da wurde es erst mal sehr anstrengend für alle in meiner Umgebung, da ich dachte, ich müsste den anderen genauso die Augen öffnen. Naja, bei meinem Bruder und meinem Mann ist mir das gelungen. Bei meinen Eltern war es ein längerer Prozess, der noch anhält, aber sie essen kein Fleisch mehr. Meine Mutter hat inzwischen sogar eine Barista Hafermilch. Sie hat auf ihren Kaffee mit Milchschaum bestanden. Käse und Eier sind noch übrig, aber auch das wird weniger. Ich habe mich damals voller Feuereifer aufs Kochen gestürzt, als mir klar wurde, dass gutes veganes Essen das beste Argument ist für hartnäckige Fälle. Davor war ich eine sehr halbherzige Köchin. Ein sehr schönes Erlebnis war auch mein erstes veganes Restaurant. Es war ein Gutschein für ein Candle Light Dinner. Als ich angerufen habe, um vorzubestellen, wurde ich gefragt, ob es was gibt, was ich nicht essen könnte. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich sagen: Ich kann alles essen, was ihr da habt.“

Und Nanine schreibt: „Meine vegane Geschichte. Angefangen hat alles mit einer Doku Reihe über Masthühner. Danach wurde ich Vegetarierin. Bei den tierischen Produkten achtete ich darauf, dass es Bio war. Ich dachte, dass das okay ist. Ich schätze so fünf Jahre später, aber so genau weiß ich das nicht, habe ich mich mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Damals beschäftigten mich Fragen wie: Ist der tierische Joghurt im Pfandglas besser als ein Sojajoghurt im Plastikbecher? Ich ersetzte danach ein paar Sachen. Ich schaute immer mehr Dokus zu den Themen. Dadurch kam ein schleichender Prozess in Gang. Und irgendwann war der Punkt da, an dem ich dachte, dass es nicht sein darf, wie wir mit Tieren umgehen. Danach war klar, dass es nur einen Weg gibt. Seitdem habe ich mich viel mit Ernährung und Nährstoffen auseinandergesetzt und viele tolle Lebensmittel entdeckt. Ich arbeite kontinuierlich daran, draußen zurechtzukommen und mit meiner Traurigkeit und Wut umzugehen.“

Julia schreibt: „Ich wuchs auf einem Hof auf. Meine Eltern waren Selbstversorger. Wir hatten auch Hühner, Schweine und eine Milchkuh. Wir haben auch Fische gefangen und ich habe diese sogar ausgenommen. Ich kannte die Prozesse von Leben und Tod und hielt das alles für einen natürlichen Kreislauf. Und ich glaube, dass es zu dieser Zeit und an diesem Ort auch so gewesen sein mag. Als wir nach Deutschland kamen, war ich zehn Jahre alt. Überwältigt von dieser Konsumgesellschaft haben wir auch angefangen, viel zu konsumieren. Durch die geänderten Wohnverhältnisse habe ich den Bezug zur Natur total verloren. Diesen Bezug habe ich erst durch den eigenen Garten vor drei Jahren zurückerlangen können. So fing ich an, wieder die Jahreszeiten zu spüren und die im Garten lebenden Tiere zu schätzen, um mich für die Pflanzenwelt zu interessieren. Ich hatte die Herausforderung angenommen, aus der ehemals 20 Jahre brachliegenden, überwucherten Fläche einen vielfältigen Garten zu machen. Ich glaube, dass dieser Moment in meinem Leben erst die Tür geöffnet hat für das, wie wir heute leben.

Eine Freundin und Arbeitskollegin, die ich mittlerweile seit sieben Jahren kenne, war anfangs Vegetarierin und ist seit Neujahr 2019 Veganerin. Ihre Umstellung war nicht sonderlich vorbereitet, sondern quasi ein Neujahrsvorsatz und oftmals hat sie nur ein trockenes Brötchen zum Mittagessen gegessen. Ich konnte nicht verstehen, wie man sich so einschränken kann. Ansonsten kannte ich tatsächlich keine Veganer. Da ich mit den oben genannten Eindrücken aufgewachsen bin, habe ich lange Zeit den Konsum tierischer Lebensmittel auch gegenüber besagter Freundin damit gerechtfertigt, dass ich weiß, woher das Fleisch kommt und wie ein Tier stirbt. Natürlich stimmte das so nicht, denn zwei Schweine und ein Massenbetrieb sind schwerlich miteinander vergleichbar. Und es war auch für mich selbst eine Ausrede, um mich mit dem Thema nicht auseinandersetzen zu müssen. Ich habe das Elend einfach rausgefiltert aus meiner Realität.

Erst durch die Fridays for Future Bewegung wurde ich so richtig wach. Ich ging demonstrieren und dann habe ich mit meinem Mann darüber diskutiert, was wir selbst machen können. Wir haben dann keine Fleischprodukte mehr gekauft und später auch keine Milchprodukte. Innerhalb weniger Wochen habe ich Podcasts und Bücher verschlungen zu allen möglichen Themen: Klima, Umwelt, Zero Waste. Und wir haben uns sehr viele Dokus angesehen. Erst in diesem Prozess kam der ethische Aspekt hinzu. Im Nachhinein verstehe ich nicht, warum ich erst so spät begriffen habe, wie einfühlsam Tiere sind und was für wunderbare Geschöpfe sie sind. Es war ein krasser Prozess, den wir da durchlebt haben. Für mich war er auch mit viel Schmerz verbunden, so lange weggeschaut zu haben. Mir fiel der Umstieg insgesamt deutlich leichter als meinem Mann. Der Verzicht auf Käse war für ihn am Anfang noch richtig schmerzhaft.

Weihnachten 2019 haben wir bei uns dann aber tatsächlich ein veganes Dinner veranstaltet und meine Eltern sind damit gut klargekommen. Mein Bruder hat bei uns sogar eine Woche gelebt und sich mit vegan ernährt. In ihrem gewohnten Umfeld sind meine Eltern jedoch richtige Fleischesser und werden sich auch nicht mehr ändern. Mein Bruder ist jetzt bewusster und das freut mich sehr. Ich bin sehr dankbar für den Prozess, den wir da durchlebt haben. Und ich bin auch sehr froh, dass mein Mann so bereitwillig alles probiert und wir den Weg zusammen gehen. Wir fühlen uns gut mit dieser Entscheidung. Wir fühlen uns übrigens auch fitter und ausgeglichener und das können wir auch nach draußen tragen. Dezent Impulse geben, ohne zu missionieren. Mit unserem Gemüsegarten fällt uns das Kochen eh einfacher. Man schaut einfach, was gerade da ist. Derzeit informiere ich mich über vegane Schwangerschaft und Stillzeit. Mir ist klar, dass ich niemals wieder zurück möchte.“

Soweit die Geschichte von Julia. Und ich finde alle drei Geschichten total inspirierend. Und ich bin sehr dankbar, dass die drei ihre Geschichte mit uns geteilt haben. Und wenn du auch deine Geschichte mit uns hier im Podcast teilen möchtest, dann kannst du sie mir gerne per Email zuschicken an post [at] vonherzenvegan.de. Wenn du möchtest, lese ich sie dann auch vor in einer neuen Folge, wenn ich wieder ausreichend Geschichten gesammelt habe, um eine Folge zu füllen. Ich bin mir sehr sicher, dass du damit andere Menschen wieder inspirieren wirst, weiter ihren veganen Weg zu gehen oder vielleicht vegan zu werden.

Und ich möchte diese Folge schließen, in dem ich mich noch einmal ganz herzlich bei allen Steady- Unterstützer·innen bedanke, die diesen Podcast und alle anderen Dinge, die ich mit Von Herzen Vegan in die Welt bringe, so treu finanziell unterstützen und mir so etwas für meine Arbeit zurückgeben. Ganz herzlichen Dank, wirklich von Herzen Dank! Das bedeutet mir sehr viel und es fehlen immer noch 20 € im Monat, um diese 50 € Grenze zu erreichen, damit ich zumindest die laufenden Kosten decken kann. Wenn du das Gefühl hast, du kannst finanziell etwas zurückgeben für das, was du hier von mir bekommst, dann freue ich mich sehr, wenn du Steady Mitglied wirst oder mir über PayPal eine einmal Überweisung zukommen lässt. Und dann würde ich sagen in diesem Sinne. In der Metropolregion Hamburg sagt man tschüss und bis zum nächsten Mal.

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