Folge 26 - Plastic Planet - wie gefähr­lich ist Plastik?

Ein Beitrag

Folge 26 - Plastic Planet oder wie gefährlich ist Plastik wirklich?

In dieser Folge

  • stellen wir Dir den sehr sehenswerten Dokumentarfilm "Plastic Planet" von Werner Boote vor,
  • erzählen Dir von unseren Erkenntnissen, die wir durch diesen Film gewonnen haben
  • und laden Dich zu verschiedenen Buchverlosungen ein.

Auf den Dokumentarfilm "Plastic Planet" bin ich über einen Artikel von Deutschlandistvegan.de gekommen.

Diesen Dokumentarfilm kannst Du Dir kostenlos über die Bundeszentrale für politische Bildung anschauen, er hat Spielfilmlänge und ist sehr gut gemacht.

Auf Plastik zu verzichten ist definitiv eine Herausforderung und war für mich bisher eigentlich nur aus Nachhaltigkeitsgründen sinnvoll.

Durch den Film ist mir der Gesundheitsaspekt um einiges bewusster geworden und ich weiß, dass es für mich noch viel zu tun gibt.

Links zur Folge

Komplettes Transkript

Stefanie Heute wollen wir über den Dokumentarfilm "Plastic Planet" von Werner Boote reden.

Carsten Ja, den haben wir uns gerade angeguckt und jetzt wirklich ganz frisch, nachdem wir den Film quasi ausgemacht haben, haben wir uns jetzt vors Mikrofon gesetzt und wollen die frischen Eindrücke noch mal ein bisschen verdauen, muss ich ehrlich sagen. Also bei mir kreist es gerade so ein bisschen im Kopf.

Stefanie Und diese Folge gibt es später, weil ich jetzt die ganze Woche krank war und immer noch ein bisschen krank bin. Und weil ich krank bin, hat Carsten mir beim Filmgucken Gesellschaft geleistet, weil ich es sonst nicht geschafft hätte. Ja, den Film wollten wir uns sowieso schon mal anschauen. Ich habe den gefunden über eine Challenge, wie es so viele im Internet gibt, nämlich den „Plasticfree July“. Das habe ich über irgendeinen Newsletter gefunden. Also wie die verschlungenen Pfade im Internet so gehen. Wo es darum geht, dass man den ganzen Juli oder nur einen Tag oder eine Woche oder so ohne Plastik lebt. Und dieser Film wurde da angepriesen. Und da wir sowieso ja schon mit dem Plastik so ein bisschen angefangen haben, dachte ich, macht es Sinn, den anzugucken.

Carsten Der ist übrigens kostenlos und wird auf der Internetseite des Bundesministerium für politische Bildung angeboten.

Stefanie Das war bpb?

Carsten Ja, ich habe das vorhin gemerkt, weil ich natürlich auch wissen wollte, wofür steht die Abkürzung bpb?

Stefanie Plastik? Irgendwas mit Plastik?

Carsten Nein, das war politische Bildung.

Stefanie Bundesweite Plastik. Klassische Bildung. Genau. Plastik.

Carsten Wir verlinken das aber noch mal und wie gesagt, das ist kostenlos, kann sich jede·r jederzeit dann anschauen. Und es ist wirklich empfehlenswert. Dauert ungefähr anderthalb Stunden.

Stefanie Ja, es ist so Spielfilmlänge. Ja, das ist auch wie ein Spielfilm gemacht. Also es tut mir leid, wenn meine Stimme jetzt ein bisschen komisch klingt und wenn ich vielleicht den einen oder anderen Aussetzer habe. Ich bin noch nicht ganz fit. Ich habe mich am letzten Wochenende verkühlt, als wir auf der Suche nach einem neuen Hund mit Bussen unterwegs waren zu den Tierheimen. Und die Busse haben jetzt neuerdings eine schöne Klimaanlage, wenn es draußen 30 Grad ist und drinnen die Klimaanlage, scheint mein Körper das nicht mitzumachen. Ja, das macht Spaß. Ich habe mich auch die ganze Zeit gewundert, woher jetzt dieses Kratzen im Hals kommt, bis ich auf die Idee gekommen bin, es muss diese Klimaanlage gewesen sein. Also liebe Kinder, fahrt nicht mit Klimaanlage, ihr werdet dann krank. So. Okay, also zurück zum Thema. Also "Plastic Planet". So zusammenfassend würdest du jetzt sagen, guck dir den Film an oder guck ihn dir nicht an?

Carsten Doch angucken! Also ich bin jetzt noch ein bisschen benommen von den ganzen Informationen und Fakten, weil ich eigentlich überfordert bin mit dem, was er darstellt. Es geht letztendlich darum, worum geht es eigentlich? Er versucht in diesen anderthalb Stunden zum einen zu zeigen, wie stark Plastik mittlerweile unseren Alltag bestimmt. Ja, das ist mir vorhin so richtig bewusst geworden, weil wir zwischendurch. Der Film hatte beim Streamen so ein paar Aussetzer, die wir als Pause genutzt haben und ich bin dann auch teilweise in der Küche gestanden, habe mir was zu essen geholt und habe dann festgestellt okay, ich habe ja überall irgendwie Plastik und na ja, also das hat er ins Bewusstsein gehoben. Wo ist überall Plastik bei uns im Alltag vorhanden? Können wir uns eine Welt ohne Plastik überhaupt vorstellen? Eigentlich nicht. Also ich kann es jetzt nicht.

Also da bin ich echt überfordert und er geht darauf ein, was für negative Effekte Plastik bzw die Stoffe im Kunststoff haben und zeigt aber auch, dass eigentlich gar nicht so wirklich bekannt ist, was denn dort überhaupt für Substanzen letztendlich in diesen Kunststoffen verarbeitet werden. Das sind teilweise Betriebsgeheimnisse, die so gar nicht nach außen getragen werden oder auch auch überhaupt nicht publik gemacht werden. Und man kann durch bestimmte Materialanalysen, ich sag jetzt mal so, die sehr bekannten schädlichen Substanzen nachweisen. Das geht er da in dem Film auch sehr, sehr gut an, aber ein Großteil der Substanzen ist einfach völlig unbekannt. Wahrscheinlich nur diesen chemischen Herstellern irgendwie bekannt, aber die rücken nicht damit raus.

Stefanie Der Film hat mich ein bisschen an „Cowspiracy“ erinnert, weil das auch ein persönlich motivierter Filmemacher ist, der dann durch die Welt jettet und versucht, eine Spur zu verfolgen. Und ein bisschen auch an „Tomorrow“, auch aufgrund der Geschichte, dass er auf der Suche ist und durch die Gegend fährt und mit vielen Menschen spricht. Also dieses Format ist sehr ähnlich, nur, dass es diesmal ein österreichischer Filmemacher ist und kein kalifornischer Dreamboy, der da durch die Gegend jettet. Also von daher da ist es ein wenig unterschiedlich, aber ansonsten finde ich es schon so ein bisschen ähnlich, vor allem, weil er da auch so relativ offen dran geht. Und man sieht ihn dann immer aus der Plastikflasche trinken und er ist persönlich motiviert dadurch, dass sein Großvater irgendwie im Plastikhandel war.

Carsten Genau der war eine Größe im damaligen kunststoffverarbeitenden Industriebereich und...

Stefanie ...ist mit 61 Jahren schon gestorben.

Carsten Wobei die Todesursache nicht genannt wurde.

Stefanie Aber er ist früh gestorben. Also ich meine, wenn ich dazu bedenke, dass es einfach unsere Großeltern, damals war es ja einfach noch nicht alles so bekannt. Mein Großvater ist ja auch sehr früh gestorben, als ich fünf war und bei ihm war es so, mein Großvater war Arzt und er ist im Krieg mit diesen Röntgenstrahlen quasi da immer konfrontiert worden und er hat dadurch dann später Krebs bekommen. So kann es natürlich bei dem Großvater von Werner Boote auch mit dem Plastik zu tun gehabt haben. Aber ich denke, es ist generell so, dass diese ganzen Stoffe, dass was wir früher alles noch nicht wussten und was so unbewusst ist, ist das gleiche mit der Handystrahlung und diesen ganzen Sachen. Alles was wir noch nicht wissen, das kommt jetzt so langsam, dass wir dann wissen, dass es doch irgendwie krebserregend ist.

Carsten Man kommt im Nachgang häufig an einen Punkt, wo man denkt okay, du hast jahrelang irgendwie mit gesundheitsschädlichen Einflüssen gelebt, sei es jetzt irgendwie Stoffe, Strahlung oder keine Ahnung was was dann, wie du schon sagtest, über Jahrzehnte hinweg einfach nicht bekannt war und dementsprechend auch nicht als als Gefahr gesehen wurde.

Stefanie Ja, wobei, der Werner Boote sagte auch am Ende so ja, aber wir leben ja noch. Also das heißt, es hat uns jetzt nicht getötet. Und außerdem, wenn man im Krankenhaus ist, da ist irgendwie alles aus Plastik, da braucht man das ja auch, um zu überleben. Und der Interviewpartner, mit dem er da gerade gesprochen hat, meinte er dann: Na ja, wenn du als Krebspatient dann dahin kommst und der Krebs ist vom Plastik verursacht worden, dann überlegst du dir auch hat das Plastik jetzt das Leben gerettet oder hat es den Tod verursacht? Oder die Krankheit verursacht? Das stimmt schon.

Carsten Was ich auch sehr gut fand. Generell gibt es die Aussage, dass die Menge das Gift macht. Nach dieser Mentalität wird beurteilt, wie viel man sich von einer Substanz irgendwie aussetzen darf. Und eine Wissenschaftlerin hat aber noch mal richtiggestellt, dass im Bereich von Kunststoffen bestimmte Inhaltsstoffe, z.B. dieses BPA darf man nicht nach dieser Maßgabe bewerten, weil dieses BPA wie ein Hormon wirkt, wie Östrogen und Hormone wirken schon in der kleinsten Konzentration. Da macht also nicht die Menge das Gift aus, sondern schon die kleinste Menge ist das Gift. Und dieses ins Bewusstsein zu rufen, fand ich schon sehr interessant. Also ich habe bis dato, muss ich ehrlich sagen zwar mitbekommen okay, BPA frei und solche Deklarationen gibt es ja relativ häufig, oder ich habe da zumindest mal drauf geachtet, weil wir ja jetzt auch mit Kinderspielzeug und mit Säuglingsequipment zu tun hatten. Da achtet man ja schon drauf. Aber dass da genau dieser Hintergrund existiert, dass das wie ein Hormon wirkt, durchaus auf das Gehirn negative Auswirkungen hat, also auf die Gehirnentwicklung, Krebs verursachen kann. Hodenkrebs, dass es die Fruchtbarkeit bis zu drei Generationen schädigen kann.

Stefanie Ja und vor allem auch bei Menschen mit Penis und Hoden. Ich hatte irgendwann mal vor langer, langer Zeit jedenfalls, gelesen, dass es gerade bei sehr jungen Menschen mit Penis und Hoden sehr schädlich sein kann, dass da die Fruchtbarkeit eingeschränkt wird, die Spermienproduktion und auch, dass es zu Hodenkrebs führen kann, dass gerade sehr junge Menschen mit Penis und Hoden sehr anfällig dafür sind. Und da habe ich jetzt an die Mengen von Duplosteinen bei uns im Kinderzimmer gedacht und an all das Plastikspielzeug, was da rumliegt und was das Kind schon, naja, in seinen ersten Jahren immer mal in den Mund gesteckt hat. Und was natürlich viele Kinder machen oder alle, die damit in Kontakt kommen.

Carsten Ja, das sind so Momente, wo ich mir dann wirklich hilflos vorkomme oder als ich damit konfrontiert wurde während des Films und überlege okay, wo ist denn bei uns im Alltag überhaupt Plastik drin? Und eigentlich fast überall, wie soll ich mich dem jetzt entziehen? Und das dällt mir echt schwer, damit umzugehen. Da habe ich noch nicht den Schlüssel. Ich habe zwar jetzt den Impuls zu sagen, wir versuchen dort, wo es geht, in Zukunft auf Plastik zu verzichten.

Stefanie Schritt für Schritt, Schritt für Schritt.

Carsten Aber dieses Gesamtproblem auch nur in einer akzeptablen Größenordnung aus dem Leben herauszubekommen, das scheint mir im Moment noch völlig undenkbar und auch unmöglich. Also da muss noch einiges an Zeit und auch Gedanken investiert werden, dass ich da besser mit klar komme.

Stefanie Wir haben vor zwei Monaten angefangen mit der Haarseife. Einfach auch aus den Gründen. Plastik weg, also unverpackte Haarseife. Ja, und generell so, dass es vegan ist usw und so fort. Aber da habe ich auch gedacht, weil ich dann auch angefangen habe, im Badezimmer zu gucken, was kann ich denn ersetzen? Also da gibt es ja so viele Plastikdöschen und Tübchen und keine Ahnung was, dass ich gedacht habe: Naja, man denkt vielleicht oder ich habe auch am Anfang so gedacht: Ich habe ja eigentlich gar nicht so viel Plastik und das ist wie beim Fleischessen. Also wie gesagt, ich habe ja schon seit Ewigkeiten kein Fleisch mehr gegessen. Aber ich höre das immer wieder, dass es viele Menschen gibt, die sagen, ich esse ja nicht viel Fleisch und es fällt einem dann erst auf, wenn man dann wirklich mal drauf guckt, wie viel man überhaupt isst. Und bei mir habe ich dann gedacht, ja, das ist irgendwie so ähnlich.

Ich denke, ich habe doch nicht viel Plastik und wenn ich dann mal hingucke, dann sehe ich eigentlich, wie viel Plastik das überhaupt ist und wie viel sinnloses Plastik dann auch. Also ich denke, der erste Schritt ist auch mal zu gucken, was kann man denn ersetzen und dann langsam weiter zu gehen. Das ist wie bei allem was wir machen, wie beim vegan werden, wie bei allem wirklich, sozusagen bei der Nachhaltigkeit und beim Plastik geht es ja jetzt auch um die Gesundheit wieder, dass düberkreuzt sich ja überall, dass wir dann sagen Schritt für Schritt, langsam, weil sonst macht es einen fertig. Sonst macht man gar nichts. Aber gar nichts machen bringt nichts. Also besser, du machst etwas, als nichts.

Carsten Genau das hatten die in dem Film auch sehr gut dargestellt. Dass da immer wieder Familien dabei waren, die haben das mitgemacht, zu gucken, wie viel Plastik habe ich eigentlich im Haushalt und haben all das rausgestellt in den Gärten.

Stefanie Viele unterschiedliche Familien.

Carsten Ja, genau. Der Produzent reist um die Welt trifft sich mit unterschiedlichsten Personen und in den Ländern, wo er da ist, hat er dann wohl immer Familien gefunden, die sich auf dieses Abenteuer eingelassen haben.

Stefanie Und das sogar im Slum in Indien.

Carsten Genau. Und das, was dann als Ergebnis rauskommt, wenn also man sieht, dann so im Zeitraffer, wie die das Haus ausräumen und die ganzen Sachen dann im Garten positionieren aufbauen. Für mich wirkte das nachher total skurril. Das ist dann einfach so Leute in einem Meer aus Plastik. Also jetzt Haushaltsgegenstände, angefangen von Planschbecken, die sowieso schon draußen standen, über Gartenmöbel, irgendwelche Behälter, Eimer. Und das wirkte echt skurril. Und wenn man sich dann vorstellt okay, ich glaube noch nicht mal, dass das wirklich alles Plastik war. Ich habe nicht gesehen, dass die ihre Kühlschränke oder ihre Kosmetika oder so was rausgeräumt haben.

Stefanie Gut, wobei das geht wahrscheinlich in der Masse auch unter.

Carsten Das kann in der Masse untergehen. Aber das fand ich schon cool.

Stefanie Und sie haben alle gesagt: Oh, ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Plastik im Haus habe.

Carsten Denen war das auch nicht bewusst.

Stefanie Nee, nee, das ist einem auch einfach nicht bewusst. Und das ist ja auch gerade das Wichtige, dass wir uns das bewusst machen. Und wenn wir es uns bewusst gemacht haben, dann können wir weiter gehen. Genau, das ist der erste wichtige Schritt. Manchmal ist es auch schön, wenn man sich dessen nicht bewusst ist. Manchmal ist es ganz schön einfach in dieser Traumwelt zu bleiben.

Carsten Probleme gar nicht wahrzunehmen. Ja.

Stefanie Das verstehe ich auch. Das kann ich auch verstehen, wenn du jetzt zum Beispiel sagst, ich habe schon genug Probleme, ich habe jetzt keine Lust, mich um das Plastik noch zu kümmern. Das kann ich total verstehen. Also wir machen das ja auch Schritt für Schritt. Wir haben ja auch nicht einen Tag gewählt und dann gesagt: So, jetzt krempeln wir unser Leben komplett um und dann wird alles um 180 Grad gedreht, sondern wir erforschen das jetzt einfach Schritt für Schritt und jeder geht den Weg in seinem Tempo.

Carsten Ich muss ehrlich sagen, dass als wir damals den Schritt ins Vegane gegangen sind, hätte ich nie im Leben darüber nachgedacht, dass uns irgendwann mal das Thema Plastik begegnet. Das war überhaupt gar nicht existent, das Problem.

Stefanie Ich habe noch andere Menschen / Bekannte, mit denen ich rede, die also selber Vegetarier·in sind., die mir vehement unterstellen wollen, dass ich mich für was Besseres halte, weil ich jetzt vegan lebe und zweitens dann auch immer wieder sagen naja, aber dann, wenn ich irgendwo wandern gehe, sei es auch in Deutschland so, dann gibt es da ja kein veganes Restaurant und dann kann ich das eh nicht durchhalten. Und ich finde einfach, darum geht es nicht. Es geht nicht darum zu sagen, nur weil ich das an einem Punkt vielleicht nicht durchhalten kann, dann kann ich es gleich ganz sein lassen. Sondern ich finde, es zählt jeder Schritt. Gerade bei Tierleid und beim Plastik ist es ja nun mal so, da geht es auch um uns, um die Gesundheit, geht es um unsere Kinder. Und es geht natürlich auch um die Umwelt und auch wieder um die Tiere im weitesten Sinne. Also die, die das Fressen, das Plastik und daran verenden und so und das andere ist, ich finde nach wie vor vegetarisch leben und vegan leben, das ist ein riesiger Unterschied dazwischen, was das Bewusstsein angeht. Denn diese 20 Jahre, die ich vegetarisch gelebt habe, habe ich nie, nie über all die Dinge nachgedacht, über die wir jetzt in den letzten anderthalb Jahren nachdenken, seit wir vegan sind. Ja, vielleicht habe ich es mal gestreift. Vielleicht.

Carsten Aber es war wirklich noch nicht so ein Berührungspunkt, dass du gesagt hast, du musst jetzt da handeln.

Stefanie Das ergibt sich jetzt alles auf unserem Weg, seit wir vegan geworden sind, so organisch, ganz normal. Wir sind jetzt offen dafür. Aber als ich vegetarisch gelebt habe, war das für mich einfach. Ich habe einfach auf Fisch und Fleisch verzichtet und das war's. So, Punkt. Ich habe mich irgendwie angepasst und das war's. Ich will jetzt nicht sagen, dass alle Vegetarier·innen so sind. Ich kenne durchaus auch mindestens eine Vegetarierin, die auch politisch motiviert war und Pelzträger·innen angegriffen hat und so, also von daher. Das muss nicht heißen, dass alle Vegetarier·innen einfach integriert sind und nicht weiterdenken, so wie ich. Aber ich bin der Meinung, dass die meisten so gedacht haben, wie ich. So, ich verzichte jetzt auf Fleisch und Fisch und was die anderen machen ist deren Sache. Ich will die nicht bekehren, das ist alles okay, aber jetzt? Ich will jetzt auch immer noch keinen bekehren, aber jetzt merke ich, dass es weitergeht.

Carsten Da steckt noch viel, viel, viel mehr im Hintergrund.

Stefanie Ja, genau und das Plastik gehört dazu. Und ich finde, also wie gesagt, wir haben den Film gerade erst gesehen, aber ich finde ihn sehr, sehr empfehlenswert. Es hat nichts mit vegan zu tun, Gar nichts.

Carsten Nein, es kein veganer Film, aber er hat ganz schöne Landschafts Bilder. Also zumindest in der ersten Einstellung, bis der Kameraschwenk dann kommt und...

Stefanie Ich finde den Film auch gut gemacht und ich finde auch, jede·r sollte ihn mal gesehen haben.

Carsten Der Film ist von der Qualität her und vom Unterhaltungswert für mich gleichbedeutend mit „Cowspiracy“ zum Beispiel. Und mir kam es so vor, dass „Cowspiracy“ deutlich stärker beworben wurde. Der ist irgendwie sehr präsent gewesen, eine Zeit lang. Vielleicht auch, weil ich da gerade so in meinen Wahrnehmungsfilter drauf ausgerichtet habe. Aber ich finde das ein bisschen irritierend, dass gerade dieser Film "Plastic Planet" für mich bis dato komplett unbekannt war.

Stefanie Ja, ich weiß, ich habe ehrlich gesagt auch nicht weiter recherchiert, aber es kann natürlich auch sein, das ist jetzt ein Österreicher, das andere war ein Amerikaner, dass der Amerikaner mehr Werbung dafür gemacht hat, die haben ja auch das glaube ich, über eine Indiegogo Kampagne und alles so initiiert. Und ich weiß nicht, wie Werner Boote jetzt seinen Film realisiert hat, wie er dafür Werbung macht, Ich weiß es nicht. Ich habe erst vor einer oder zwei Wochen davon gehört. Bis ich diesen Newsletter gelesen hatte, wusste ich auch noch nichts davon.

Carsten Ja, mir ging es genau so, dass ich nie davon was gehört hatte. Also diese wie heißt das? Plastik weg oder Plastik.

Stefanie Plastikfree July.

Carsten Plastikfree July oder diese Aktion, die hatte ich vorher auch noch nicht so wahrgenommen.

Stefanie Also ist auch wieder ich glaube, ich weiß nicht, ob englisch oder amerikanisch, aber jedenfalls nicht deutsch basiert.

Carsten Ja, aber ist ein hochspannendes Thema und ich werde mit Sicherheit in Zukunft stärker darüber nachdenken, auch gerade beim Kauf von irgendwelchen Lebensmittel oder Gegenständen.

Stefanie Und also wir haben ja schon damit angefangen. Da bei unserem Hofladen muss man ständig wie ein Luchs aufpassen, dass die einem nicht alles in Plastik verpacken und ich habe ja schon immer die Plastiktüten dabei, aber jetzt denke ich, da habe ich ja eher immer gedacht an nicht so viel Müll, aber jetzt denke ich, das immer in Plastik einzupacken, ist keine gute Idee. Wir müssen jetzt wirklich mal in Stofftaschen investieren.

Carsten Da habe ich nämlich gerade auch drüber nachgedacht. Also unser Ansatz war bisher ja immer, wenn wir schon so was haben, so häufig wie möglich verwenden. Also wenn du sagst, du gehst zum Hofladen und bringst schon Plastiktüten mit. Dann sind das eigentlich die, die wir vor etlicher Zeit mal dort bekommen haben. Die verwenden wir weiter. Wenn ich jetzt aber in dieser Dokumentation sehe, dass gerade die schädlichen Stoffe dadurch freigesetzt werden, aus diesem Plastik, indem Plastik längere Zeit den Umwelteinflüssen, also Sonneneinstrahlung, Hitze etc. und auch Abrieb, dann stellen wir gerade die Frage ist das wirklich so gut, dass wir die ganzen Sachen da einpacken?

Stefanie Ja, wir müssen wirklich. Es gibt ja auch so Netze, das hatte ich gesehen. Wir verlinken das dann auch, das waren so Gemüsenetze, Brotnetze, was auch immer. Die wurden bei uns so beworben. Ich habe nur gedacht Aha, jetzt zahle ich da jetzt Geld für, kann ich das nicht selber machen? Und hatte da dann angefragt, ob das ein besonderer Baumwollstoff ist. Und das wollten die aber nicht verraten. Also von daher, so was gibt es ja auch, oder? Man könnte ja auch mal versuchen, das selber zu nähen. Brotbeutel auch. Wobei Brot ja meistens in Papiertüten kommt, das ist ja schon mal wieder was anderes. Da ging es mir dann mehr um den Müll.

Carsten Du kannst es nicht in Papierbeuteln lagern, dann wird es steinhart.

Stefanie Ja, genau, das ist auch die Frage wie lagere ich das dann? Bisher habe ich das Brot tatsächlich in Plastiktüten gelagert und die Plastiktüten immer wieder verwendet und auch eingefroren. Wir frieren ja auch Brot ein und dann auch diese ganzen „Tupper“ - das ist ja kein echtes Tupper, was wir haben.

Carsten Aber ja, diese Kunststoffbehälter.

Stefanie Wo wir dann auch unsere Essensreste einfrieren oder so, wo wir dann nochmal was essen. Das ist ja wirklich. Es gibt so vieles zu bedenken, auch für das Kind. Das hat natürlich auch eine Plastikbox für Mittagessen und für Frühstück und hat immerhin keine Plastiktrinkflasche mehr. Aber ich habe gerade gedacht, die hat einen Plastikverschluss. Ja, also es gibt irgendwie ganz viele Dinge, wo man drauf achten muss. Und ich habe dann auch gedacht, na ja, gut, wo es zu spät ist, ist das Kind hat auch ein Fläschchen bekommen und so einen Schnuller. Weil als ich das gesehen habe, da war auch so ein Bild, wo dem Baby so der Schnuller in den Mund. Da habe ich gedacht, ja, da ist natürlich ständig durch den Schnuller, was weiß ich was ausgetreten.

Carsten Zumindest sind die dann schon mal BPA frei.

Stefanie Aber weiß man das noch genau? Ja, also das ist wirklich. Wird man erst mal drauf gestoßen oder macht man sich das bewusst, sieht man überall nur noch Plastik. Das ist das gleiche wie bei uns Vegan in der Anfangsphase. Wir sehen nur noch überall Leichen.

Carsten Es dauert einen Moment, bis das sich wieder so relativiert, dass man da normal mit umgehen kann und trotzdem für sich selber die Lösung findet.

Stefanie Das ist das gleiche wie wenn du dir ein neues Auto kaufst, dann siehst du nur noch diese Automarke oder du bist schwanger und siehst nur noch Schwangere und was weiß ich. Also ist klar, es ist ein normales Phänomen. Aber trotzdem. Wir haben Handlungsbedarf.

Carsten Lass uns das mal probieren. Wir gehen da jetzt mal eine ganze Zeit lang mit diesem bewussten Thema durch den Alltag und dann können wir in ein paar Monaten noch mal ein Resümee ziehen, was sich dann getan hat.

Stefanie Ich würde gerne noch etwas ergänzen. Und zwar habe ich, bevor Carsten und ich den Film gesehen haben, noch eine Dokumentation gesehen. Die kam, glaube ich, auf Phoenix. Über Umwege bin ich auf diese Dokumentation gekommen. Das war eine Hamburger Familie, siebenköpfig, also fünf Kinder von im Alter zwei bis, ich schätze 17. Also ich glaube, dass die alle noch zur Schule gegangen sind. Und die haben ausprobiert, einen Monat lang ohne Plastik zu leben. Und da wurden die Werte gemessen, also was sie vorher für Werte hatten, also im Urin und was sie dann nach den vier Wochen für Werte hatten.

Carsten Und die Werte heißt die Substanzen, die aus den Kunststoffen freigegeben werden, die dann in den menschlichen Organismus gelangen.

Stefanie Genau darauf wurde das getestet und die haben das auch nicht geschafft 100 % plastikfrei zu leben. Aber auch bei denen war dieses Phänomen, die haben irgendwie 50 Umzugskisten voll mit Plastik gepackt und das eingelagert solange, damit sie nicht in Versuchung kommen. Aber hatten dann immer noch das Problem, dass sie irgendwie ihren Käse und ihr Fleisch, also Dinge, womit wir keine Probleme haben. Aber na klar, wir haben ja trotzdem Probleme. Wenn man jetzt Tofu so usw. Gut, also da das Problem aus Hygienegründen wird es so nicht gegeben, was jeder kennt, der das mal versucht hat. Aber sie haben gemerkt, nach den vier Wochen waren ihre Werte deutlich besser. Das heißt, es kann auch wieder zurückgehen.

Carsten Das heißt, die Belastung im Urin war schon merklich geringer. Jetzt ist es allerdings auch so, das wurde ja auch in diesem "Plastic Planet" gesagt, es gibt ja Stoffe, die auch übers Blut getestet werden. Werner Boote selber wurde ja auch auf BPA getestet und da wurde auch festgestellt, dass er signifikante Mengen BPA im Blut hat. Und da hieß es dann, bei Tieren würde das sogar zu einer verminderten Spermienzahl von durchschnittlich 40 % führen. Also es wurden auch so Schreckgespenster aufgebaut, das war jetzt mal mein persönlicher Eindruck. Das ist dort in diesem Film auch nochmal vorgekommen, dass Stoffe auch tatsächlich im menschlichen Körper nachweisbar sind. Und dann kam aber noch mal ein Abschnitt, wo eine europäische Kommissarin, also eine Politikerin, interviewt wurde, die gesagt hat, es wurden im Laufe der letzten zehn Jahre Studien durchgeführt und im Rahmen dieser Studien wurden elf Substanzen untersucht und die wurden, wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe, auch wirklich als gesundheitsschädlich erkannt.

Stefanie Genau. Aber es gibt irgendwie Hunderttausende.

Carsten Ja, sie sagte, das muss man sich jetzt mal im Verhältnis dann vergegenwärtigen, dass angenommen wird, dass es Hunderttausende von Substanzen gibt, die untersucht werden müssten, deren Schädlichkeit überhaupt nicht nachgewiesen werden kann, weil keine Untersuchungen dazu existieren. Aber das war bei diesen elf Substanzen genauso. Da wurde von der Kunststoffindustrie, bis zum Jahre 1999 BPA noch als unbedenklich eingestuft. Also wirklich, die haben massiv dafür geworben oder auch auch Lobbyarbeit betrieben, um zu sagen nein, das ist nicht gesundheitsschädlich. Und dann sind aber die unabhängigen wissenschaftlichen Studien und die gesamte wissenschaftliche Lage so eindeutig gewesen, dass auch die kunststoffverarbeitenden Industrie nicht mehr sagen konnte: Nein, das stimmt nicht, sondern die mussten dann zugeben: Ja, BPA ist gesundheitsschädlich, aber es wird bis zum heutigen Tag noch in den Produkten verwendet.

Ja, also nur weil einige Produkte auf dem Markt sind, wo draufsteht „BPA frei“, ich meine, das ist ja schon ein Indiz dafür, dass es generell in der breiten Masse noch verwendet wird als Weichmacher. Und das ist für mich so ein Punkt, wo ich denke: Hey, hallo, ihr wisst, dass es gesundheitsschädlich ist und macht es trotzdem noch in die Produkte rein?! Von daher, es gibt viele Stoffe, die dann tatsächlich auch im menschlichen Körper gespeichert werden und auch aus den ganz normalen Alltagsgegenständen, Verpackungen für Lebensmittel, also da, wo ich wirklich intensiv Kontakt habe, nicht einfach irgendwie so einen Kunststoffstuhl, den ich mir jetzt im Sommer da in den Garten stelle oder sowas, sondern wirklich im täglichen Leben Materialien, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, die ich dann aufnehme und dadurch kommen diese Stoffe in den Körper und sind auch nachweisbar. Also es sind nicht irgendwie so kleinere Mengen, wo man sagt okay, komm, das ist zu vernachlässigen, sondern ist signifikant. Und das ist wirklich beängstigend.

Stefanie Ja, man muss auch bedenken, dass wir alle, auch du, die·der du hier gerade zuhörst, ja wahrscheinlich früher in unserem Leben damit in Kontakt gekommen sind. Und viele von uns sind ja auch mit Fläschchen großgezogen worden. So über den ein oder anderen Zeitraum. Muss ja nicht von Anfang an gewesen sein, aber sicherlich wurde da auch mit Fläschchen was gemacht und Plastiklöffel und haste nicht gesehen. Und damals, als wir noch klein waren, da war es dann noch ungetestet. Also 1999 ist noch nicht so lange her.

Carsten Da war ich schon alt genug.

Stefanie Du warst schon nicht mehr so klein, dass du mit dem Löffelchen gefüttert wurdest. Ja, also jedenfalls haben wir das alle mitgemacht und es ist alles ja wahrscheinlich in unserem Körper. Heißt aber nicht, dass wir jetzt sagen können Ach ja, egal.

Carsten Ja das sagte der eine Wissenschaftler auch. Es heißt nicht Plastik tötet dich, aber Plastik wirkt sich negativ auf deine Lebensqualität aus.

Stefanie Ja, das war's. Es kann dich krank machen. Also, all diese Zivilisationskrankheiten, die auch durch den Konsum von tierischer Nahrung verursacht werden können, kann auch durch das Plastik verursacht werden. Es kann alles zusammenkommen. Und da hatte ich ja vorhin schon zu dir gesagt. Also meiner Meinung nach ist das alles jetzt in den letzten 100 Jahren so entstanden. Also diese ganze industrielle Revolution und mehr und mehr und mehr und alles soll billiger sein. Und dieses Du liest ja jetzt gerade auch dieses Cheaponomics Buch gerade, dass ich eigentlich auch noch lesen wollte, aber dann habe ich es immer noch nicht getan usw Aber jedenfalls das gehört irgendwie alles zusammen. Das ist irgendwie eine große Masse und wir sind jetzt vom Veganen her dahin gekommen. Andere kommen vielleicht vom Plastik dahin. So, aber irgendwie führt es uns alle in die gleiche Richtung, denn wir wollen ja alle was ändern.

Carsten Also in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

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