Folge 268 - Im Gespräch mit Friedrich Bohn über das Projekt Zukunftsbilder

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Folge 268 - Im Gespräch mit Friedrich Bohn über das Projekt Zukunftsbilder

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Friedrich Bohn Ich bin Friedrich Bohn. Ich arbeite am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und beschäftige mich dort ganz intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels auf unsere heimischen Wälder. Welche Wälder sind besonders nachhaltig, welche kommen mit dem Klimawandel besser zurecht? Das sind so die Themen, mit denen ich mich beruflich beschäftige.

Gleichzeitig bin ich eben auch bei den Scientists for Future aktiv, seit Jahren. Und dort bin ich  Mitinitiator und Koordinator des Zukunftsbilder-Teams. Und mein Alltag sieht so aus, dass in den letzten Jahren hauptsächlich von zu Hause gearbeitet hab, wegen Corona. Das liegt aber einfach daran, dass man als Modellierer, der ich eben bin, wir verknüpfen Klimamodelle mit einem Waldmodell, das wir das von überall aus machen können. Ich muss nicht ins Büro gehen oder ins Labor, sondern ich kann wirklich von überall aus arbeiten, solange ich eine Internetverbindung hab, dann kann ich hier die Großrechner ansprechen und dort Simulationen und Auswirkungen machen. Das ist sozusagen die theoretisch wie es abläuft. De facto sind es ganz viele Besprechungen und Diskussionen mit Kollegen, in denen wir über die wissenschaftlichen Erkenntnisse von morgens bis abends diskutieren...

Stefanie Du hattest schon das Projekt Zukunftsbilder angesprochen und das war eben auch der Grund, warum ich dich hier eingeladen hatte. Kannst du da nochmal näher was dazu sagen, was wir uns darunter vorstellen können?

Friedrich Bohn Also das Zukunftsbilder Projekt wurde geboren, aus 3 Ideen, sag ich mal, oder 3 Erkenntnissen. Und zwar ist uns aufgefallen, bei den Scientists, dass die dystopischen, also die negativen Erzählungen wie die Zukunft wird, sehr ausführlich da sind. Sehr prominent immer gebracht werden. Dass man auch immer das Gefühl hat, die sind wirklich durchdacht. Also wie das alles den Bach runtergeht, das ist irgendwie nicht so schnell und naiv sich ausgedacht, sondern da steckt wirklich viel dahinter und das klingt alles sehr plausibel und deswegen ist es so motivierend das zu verhindern. Für manche Menschen.

Das war sozusagen der eine Punkt, der zweite war zu sagen: "Wieso gibt es eigentlich keine positiven Geschichten?" Also es gibt eben immer diese dystopische Sache, so es wird ganz, ganz schlimm und dann kommt eine ganze Liste warum es schlimm wird und deswegen müssen wir was dagegen tun und müssen ja auch ganz viel verzichten und dieses Narrativ ist halt schade, weil es nur eine bestimmte Gruppe von Menschen anspricht und andere eben nicht und die Frage ist: Gibt es nicht auch die Möglichkeit positive Geschichten zu erzählen, wie die Zukunft werden könnte, wenn es richtig geil wird? Und wenn wir eben die Transformation vollbringen.

Und als Beispiel auch da wieder, fand ich sehr bezeichnend den Bundestagswahlkampf, wo wir gemerkt haben, dass alles, was sich um eine Transformation gedreht hat, immer sofort im zweiten Satz gesagt hat "Oh, das kostet ja was." Aber dass es einfach extrem viel kostet, wenn wir nichts tun oder wenn wir länger überlegen, das kam immer viel zu kurz. Also es wurde nicht ein Kostenvergleich von verschiedenen Zukunftsbildern gemacht, sondern es war immer "Wenn wir uns verändern wollen, kostet das Geld." Das war so ein bisschen das, was extrem frustrierend für mich war.

Und die dritte Motivation für die Zukunftsbilder war dieser Claim "Listen to The Science", der von Fridays for Future benutzt wurde, der grundsätzlich stimmt. Und ich glaube auch von den ursprünglichen Gedanken auch richtig gedacht war, aber er birgt die Gefahr dahingehend missverstanden zu werden, dass die Wissenschaft wüsste, was wir tun müssen und es einen ganz klaren Plan in den Schubladen der Wissenschaftler gibt, der einfach nur umgesetzt werden müsste und das ist nicht der Fall.

Es gibt große Übereinstimmungen, was wir nicht tun sollten, was wir vermeiden müssen bezüglich Klimawandel natürlich. Was aber jetzt tatsächlich die finale beste Lösung oder die beste Welt wäre, da unterscheiden sich wir Wissenschaftler doch. Das ist das, wo der wissenschaftliche Diskurs stattfindet. Und das ist eben auch nicht die Aufgabe der Wissenschaft, eine politische Agenda zu formulieren. Aber die Wissenschaft kann eben einen Raum bieten, innerhalb des Raums es Sinn macht zu diskutieren und über demokratische Prozesse zur Entscheidungsfindung zu kommen.

Zusammengefasst: Wissenschaft ist keine Politik, ist die Motivation sozusagen. Es gibt eine Möglichkeit im Raum, den wir haben, das klar zu kommunizieren. Die zweite Motivation war positive Geschichten zu erzählen und die dritte Motivation war, diese positiven Geschichten auch wirklich auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu stellen, so dass das wirklich Hand und Fuß hat, was da rauskommt. Und aus diesen 3 Strängen sind die Zukunftsbilder entstanden.

Und jetzt ist die Frage was ist denn jetzt eigentlich ein Zukunftsbild? Es gibt nicht nur ein Zukunftsbild, sondern insgesamt 4. Man kennt es vielleicht von den ganzen Klimaszenarien, wo man auch verschiedene Szenarien hat, von einer ganz, ganz schlimmen Welt. Und wie würde sich die Temperatur entwickeln, wenn man versucht, Paris einzuhalten? Und so ist es bei den Zukunftsbildern auch, nur statt von Szenarien, die wissenschaftlich eine gewisse Definition haben, sprechen wir von Zukunftsbildern, um ein bisschen freier, auch in der Interpretation und Ausgestaltung zu sein.

Und ein Zukunftsbild ist also eine Beschreibung einer möglichen Zukunft mittels Text und seit kurzer Zeit sind wir in Zusammenarbeit mit den Creatives for Future oder Leuten aus der Kreativwirtschaft, aus der Kunst, die versuchen, diese wissenschaftlichen Texte in ihrer Disziplin mit ihren Fähigkeiten auch nochmal umzusetzen. Dass es eben nicht nur ein wissenschaftliche Artikel ist oder eine Sammlung von wissenschaftlichen Artikeln, sondern ist eben auch ein Theaterstück geben wird demnächst, was auf den Zukunftsbildern basiert. Dass es Geschichten geben wird, die auf den Zukunftsbildern basieren. Und eben auch Illustration.

Genau und jetzt noch einen letzten Satz. Wir unterscheiden sich diese vier Zukunftsbilder? Sie unterscheiden sich ein bisschen in ihrem Narrativ, also wir müssen für jedes dieser Zukunftsbilder darüber berichten, was passiert ungefähr? Und wir haben drei positive Utopien entwickelt und eine Negative. Die drei positiven unterscheiden sich darin, dass in dem einen Fall es eher eine Top Down Transformation ist, also sprich die wichtigsten Entscheidungsträger:innen der Gesellschaft hören auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und leiten darüber sinnvolle Schlüsse ab, und setzen sie dann auch ziemlich zügig um. Und die Bevölkerung trägt es mit.

Die zweite Geschichte ist der umgekehrte Weg: Die Leute beschäftigen sich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen und verändern dementsprechend ihr Verhalten, was dazu führt, dass Entscheidungsträger:innen eben sich und auch ihr Verhalten ändern müssen, um wiedergewählt zu werden, damit ihre Produkte gekauft werden etc.

Und das dritte Zukunftsbild war die Überlegung naja, das sind beides sehr, sehr stark transformative Bilder. Wir versuchen auch eins zu machen, was möglichst wenig transformativ ist, aber trotzdem Paris einhält und die Nachhaltigkeitsziele der UN. Und da war dann die Idee zu sagen, wir lassen manche Sachen fix und dafür müssen wir aber um das auszugleichen, müssen wir an anderen Stellen dafür sehr krasse Veränderungen umsetzen. Um zu zeigen, wenn wir bestimmte Privilegien, die wir heutzutage haben, auch in Zukunft haben wollen, dann müssen wir auf andere Sachen sehr krass verzichten.

Das vierte und letzte Bild, und da haben wir lange darüber diskutiert, ob wir das überhaupt machen, weil keiner da drauf Lust hatte, war dann doch eben ein dystopisches Bild zu zeichnen, aber wir waren uns alle ziemlich schnell einig, dass wir eben nicht das worst case Szenario, also das schlimmste Klimaszenario, das heißt Kohlekraftwerke werden weiterhin wie blöde gebaut, beschreiben wollen, weil das so offensichtlich falsch ist, dass wir uns gedacht haben, das macht keinen Sinn, das nochmal zu wiederholen.

Stattdessen haben wir uns dann doch eben immer wieder geärgert (lacht) über irgendwelche Talkshows, die zu dem Thema gemacht wurden, wo dann irgendwer gesagt hat ja aber wir machen doch schon so viel und ja, aber wir haben doch dieses Jahr schon wieder eine Wachstumsrate von 10% in erneuerbaren Energien und es wird doch schon der Fleischkonsum ein bisschen reduziert, wo wir gesagt haben ja ok, was ist denn, wenn wir in diesen Wachstums- und Transformationsschritten oder Schrittgeschwindigkeit weiter machen, also wir uns jedes Jahr darüber freuen, dass es mehr Windkrafträder oder Solaranlagen gibt, es aber vorne und hinten nicht reicht, um bis 2040 eben komplett klimaneutral zu sein. Um das zu zeigen, was dann rauskommt, das entspricht grob einer drei Grad Welt, die dann da eben bei rauskommt. Und das ist sozusagen die vierte Geschichte.

Stefanie
Genau, du hattest jetzt gerade gesagt 2040, das heißt, diese Zukunftsbilder fokussieren jetzt alle auf dieses Jahr, verstehe ich das richtig? Und auf den Alltag dort, oder fokussiert ihr noch auf etwas anderes?

Friedrich Bohn
Genau ich habe 2040 gesagt, weil es einfach immer leichter ist, sich mit einem konkreten Datum Gedanken zu machen. Es ist jetzt für uns nicht essentiell, dass es 2040 sein muss, wenn es 2039 ist, ist es auch ok, und wenn es bis 2042 dauert, wir dann aber echt viel geschafft haben, ist es auch ok, also nicht festnageln auf das Ziel. Und manche Ziele, die wir haben, da ist es durchaus attraktiv, die auch früher hinzubekommen, Stichwort Co2 Neutralität schon 2035 zu schaffen, also natürlich, das hätte man dann auch 2040 geschafft, deswegen bitte nicht auf diese exakte Zahl festlegen.

Es ist einfach nur so, wenn man sich Transformationen in der Gesellschaft anschaut, bei vielen Sachen dauert es etwa 20 Jahre, bis sich sozusagen die Transformation komplett umgesetzt hat. Wenn man sich überlegt, vom allerersten Knochenhandy bis dahin alle haben ein Handy in der Bevölkerung, es ungefähr 20 Jahre dauert, oder Auto oder was auch immer, sich so vorstellen kann. Es ist uns total wichtig bei dem Projekt, zu zeigen, dass eigentlich eine Verhaltensänderung im Alltag wirklich einen Effekt hat.

Natürlich ist es so, wenn sich nur einer ändert, dann verändert sich natürlich relativ wenig. Aber wenn eben die Masse, alle ein bisschen was machen, dann ist es doch sehr, sehr viel. Und man hat eben durchaus an verschiedensten Stellen Möglichkeiten, wo man die Transformation unterstützen kann. Und die Idee ist bei uns eben, dass es also wir decken eben nicht nur Mobilität und Energieversorgung ab, sondern wirklich sehr, sehr breit eigentlich alle Aspekte der Gesellschaft, das heißt, in allen Bereichen der Gesellschaft ist man ja in seinem Alltag irgendwie involviert in der Mobilität, weil ich zur Arbeit muss, in der Ernährung, weil ich was essen muss, in der Gesundheit, weil ich mich um meine Gesundheit kümmere etc. pp., in der Kultur, weil ich mich irgendwo engagiere.

Trotzdem gibt es manche Sachen, die man nicht durch Verhaltensänderung in seinem Alltag ändern kann. Ich kann nicht als Privatbürger etwa sagen, ich fände es viel cooler, nur 9,00€ für den öffentlichen Nahverkehr zu zahlen, und dann zahle ich einmal im Monat 9,00€ und den Rest fahre ich schwarz, das funktioniert nicht, das ist halt etwas was Top Down passieren muss.

Deswegen es ist tatsächlich so, dass diese ganzen Bereiche, die wir in diesen Zukunftsbildern diskutieren und analysieren, dass wir immer einerseits mit dieser Alltagsperspektive, und wir machen das tatsächlich so, von dieser Alltagsperspektive schauen. Das betrifft dann jeden von uns und auf der anderen Seite aber eben von der, wir nennen das systemisch oder systemisch-wirtschaftliche Perspektive, wo man nur aktiv werden kann, wenn man in diesem Feld beruflich aktiv wird.

Also nur, wenn ich im Mobilitätsbereich verantwortlich bin für Nahverkehrsorganisationen kann ich da auch was tatsächlich in dem Konzept ändern, ich kann aber nicht die Nutzung ändern, weil das ist wiederum Alltag, und so haben wir das für alle Bereiche, so gut es ging, immer versucht, von zwei Seiten zu betrachten.

Stefanie
Und wer seid ihr alle und wie kann man denn bei diesem Projekt mitmachen? Also nicht auf der künstlerischen Seite, sondern auf eurer wissenschaftlichen Seite, was gibt es dafür Voraussetzungen?

Friedrich Bohn
Genau, also das Schreiben der Texte funktioniert ganz stark ausschließlich nach wissenschaftlichen Methoden, also sprich, es ist wie wenn man in der Wissenschaft einen Artikel schreiben will, muss man den Artikel entwickeln mit anderen Leuten, die sich darüber eben sehr gut auskennen, jegliche Argumente müssen mit Quellen belegt werden. Dann kommt dieser Text, dann wird er an andere Expert:innen gegeben, die den gegenlesen und kontrollieren, dagegen argumentieren und zwar ohne zu wissen, wer ihn geschrieben hat. Das ist das sogenannte Peer-Review-Verfahren. Dann kriegt man also diese Kritik wieder zurück, man muss als Autor wieder drauf antworten und den Text entsprechend anpassen.

Die Grundidee dahinter ist, den Text besser zu machen und weiterzuentwickeln, nicht ihn abzulehnen. Es gibt ein sogenanntes Editorial Board, also eine Gruppe, die diesen Prozess überwacht, dass beide Gruppen, also die, die dem Text Feedback geben, als auch die, die den schreiben, dass die sich a) fair behandeln und aber auch, dass die Antwort, die das Autorenteam macht, passt zu den Gegenargumenten, die die andere Seite hat, und nicht irgendwer sagt, wir sind dagegen, und wir lehnen diesen Kommentar ab, sondern dass sie wirklich auch begründen müssen, warum sie ihn ablehnen oder eben aufnehmen, und erst wenn dieser ganze Prozess abgeschlossen ist, gilt der Text als abgeschlossen von wissenschaftlicher Seite.

Um in diesem Prozess mitzumachen, muss man extrem vertraut sein mit der wissenschaftlichen Methode. Man muss jetzt nicht explizit aktuell wissenschaftlich aktiv sein, aber man muss dieses ganze Verfahren wirklich verstehen, weil wir nicht, also weil das sehr aufwendig ist, da jeden mit in seiner ganzen Vielfalt einzubringen, und auf der anderen Seite es bestimmt andere Seiten gibt oder andere Prozesse gibt, wo man mit seiner Expertise viel besser vielleicht aufgehoben ist. Also zum Beispiel haben wir ein Team, das sich durchaus viel um Sprache kümmert, das heißt in diesem Team geht es darum, einerseits ganz praktische Lektoratsarbeit zu machen bei den Texten, aber auch diese Texte durchaus auch etwas kreativer weiterzuentwickeln.

Es sollen demnächst auch Workshops stattfinden, wo die Texte wirklich kreativ, Kurzgeschichten etc. entwickelt werden können für diese Texte. Das heißt, wenn man gerne schreibt, dann wäre es sinnvoller, eher da sich einzubringen und dort kreativ mit den Texten zu arbeiten als jetzt mit der Entwicklung des wissenschaftlichen Fundaments. Auf der anderen Seite haben wir aber auch Illustratorinnen, die eben professionelle Illustratorinnen sind, die sich dann damit beschäftigen und versuchen, mit diesen Bildern ein Konzept zu entwickeln oder dass, damit sind sie grob fertig, ein Konzept zu entwickeln.

Wie diese Sachen dann illustratorisch aufgearbeitet werden, welche Farben werden benutzt, in welchen Anteilen, was sind Grundvoraussetzungen, damit die Illustration stimmt. Auch da wieder gibt es dann Feedbackprozesse und so weiter. Also da steckt sehr viel Know-How in den einzelnen Rädchen, wie alle ineinandergreifen dahinter, mit dem Ziel, das vielleicht richtig zu verstehen, mit dem Ziel, nicht alle überall zu beteiligen, sondern jeden dort zu beteiligen, wo er die größte Expertise hat, damit er dort, wo er am besten ist, auch wirklich dem Projekt dienen kann.

Stefanie
Und ihr habt ja auf eurer Webseite geschrieben, dass ihr mit den Artists und Creatives for Future schon zusammenarbeitet. Und wie kann ich mir das genau vorstellen, und was wünscht ihr euch denn da für eine Zusammenarbeit, und gibt es vielleicht schon konkrete Projekte?

Friedrich Bohn
Genau also was, wo ich gerade mega gespannt bin. Wir haben tatsächlich mit Theaterleuten vom Sommerblut Festival in Köln einen Antrag geschrieben, um ein Theaterstück zu den Zukunftsbildern zu machen, oder zu Teilaspekten der Zukunftsbilder. Die ganzen Zukunftsbilder sind natürlich viel zu umfangreich von der Komplexität, aber da Teilaspekte eben durch eine Theaterreise durch Köln umzusetzen, wir haben jetzt tatsächlich die Förderung bekommen, so dass, ich glaube, Ende September ist die Aufführung wird es einige Auftritte geben, wo es sozusagen ein Theater gibt, was aufbaut auf den Zukunftsbildern.

Und natürlich trotzdem auch da, also es ist vielleicht auch nochmal ein wichtiger Grund, Philosophie von diesem Projekt ist es nicht, dass die Wissenschaftler jetzt alles vorgeben und Wissenschaftlerinnen, sondern sie machen das, was sie können, Texte schreiben, die wissenschaftlich Hand und Fuß haben. Die Theaterleute auf der anderen Seite können gute Texte und Dramaturgien entwickeln. Das heißt, sie haben auch den Hut auf, was in diesen Texten am Ende steht, das ist sozusagen die künstlerische Freiheit, die da ganz wichtig ist.

Trotzdem ist die Hoffnung, diese Texte mit der Wissenschaft wiederum, auch da wieder Feedback einzusammeln, einerseits aufbauend auf den Text, den wir schon haben die ersten Drehbücher zu schreiben, aber jetzt ist es so, die ersten Texte bestehen, und sie geben uns jetzt diese Texte, damit wir Wissenschaftler:innen drauf schauen und gucken, ist das wissenschaftlich, was an Zahlen und etc. drin vorkommt, ist es okay, oder ist das zu krass übertrieben? Wenn wir der Ansicht sind, das ist zu krass übertrieben, dann sagen wir, es ist zu krass übertrieben und hoffen, dass dann die Regie sagt okay, dann versuche ich näher dran, ich kann die Dramaturgie an der Stelle auch anders erzeugen, aber diese letzte Entscheidung bleibt trotzdem bei der Regie und bei den Theaterleuten, wenn die sagen nee, wir wollen das so haben, dann dürfen sie das auch.

Aber bis jetzt gab es noch nie Streit, also man war eigentlich immer höchst daran interessiert, wirklich zusammenzukommen und das zusammen zu machen, dass das alle gut finden und in der Regel ist das, was am Ende dann durch solche Diskussionen rauskommt, auch für alle dann viel besser als das, was vorher da war.

Stefanie
Und sind die Zukunftsbilder jetzt eigentlich global betrachtet? Wir können ja jetzt eigentlich nicht für alle Kulturen auf der Welt diese Zukunftsbilder entwickeln, dann können wir uns ja gar nicht so rein versetzen. Und deswegen stelle ich mir das schwierig vor, also wie habt ihr euch das gedacht?

Friedrich Bohn
Ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Idee ist, sich primär auf den deutschsprachigen Raum, haben wir jetzt gesagt, uns zu beziehen, also sprich auch sozusagen Zentraleuropa oder Mitteleuropa. Weil die Konzepte, die wir da jetzt andiskutieren und entwickeln, nicht nur in Deutschland funktionieren, sondern auch in Österreich oder auch in den Beneluxstaaten theoretisch also, da ist der Unterschied einfach nicht so groß zu uns. In vielen Bereichen ist ja gerade bei Mobilität ist es ein bisschen schwierig (lacht).

Genau. Das ist die Idee, sich eben auf die Deutsche Gesellschaft, für die deutschsprachige Gesellschaft zu konzentrieren. Ein weiteres Argument warum, warum wir nicht explizit Deutschland sagen ist, dass es durchaus Überlegungen gibt, in den Bereichen, die sich mit Demokratie und gesellschaftliche Organisationen beschäftigten, durchaus auf den Raum lassen wollten, den Nationalstaat oder so zu hinterfragen, um da zu sagen ok, wie könnte man das eventuell auch auf europäischer Ebene anders zu organisieren. Etc., und da einfach diese Freiheit zu geben und nicht das, vor den Nationalstaatsgrenzen Stopp zu machen.

Auf der anderen Seite haben natürlich Sachen, die wir hier in Deutschland verändern, trotzdem Rückwirkungen auf den gesamten Planeten, und umgekehrt hat der gesamte Planet auch Rückwirkungen auf Deutschland, also das lässt sich nicht hundert Prozent trennen. Deswegen gibt es neben dieser Alltagsperspektive und der systemischen oder wirtschaftlichen Perspektive eine dritte, die ist ein bisschen einfacher, vom Umfang her einfacher, wo wir versuchen nochmal das alles zusammenzufassen und zu sagen, angenommen, der Rest der Welt würde spezifisch, natürlich kulturell spezifisch und entsprechend der eigenen lokalen Gegebenheiten ähnlich handeln, wie gesagt die konkreten Lösungen sind teilweise sehr sehr unterschiedlich, aber der Spirit wäre sozusagen der gleiche.

Wie würde sich denn dann der gesamte Planet entwickeln? Und darüber, diesen globalen Aspekt abzudecken. Trotzdem zieht das Projekt langsam Kreise. Eben auch in der Wissenschaftscommunity, wo jetzt der ein oder andere eben nicht deutschsprachig ist, weil die Sprache der Wissenschaft häufig englisch ist, eben die Leute auch aus anderen Ländern kommen und sagen es war eigentlich voll cool, das auch für mein Land oder für meine Regionen mal zu entwickeln, wo wir jetzt so ganz, ganz vorsichtig anfangen zu überlegen, wie können wir dieses Konzept auch nochmal für einen anderen Bereich machen? Eben, was weiß ich, Südeuropa also auch da. Italien, Spanien, Portugal das ist wahrscheinlich, da gibts, es gibt Synergien, oder die Unterschiede sind nicht so groß wie jetzt Italien und Norwegen, also da sind irgendwie Lösungen und Konzepte vielleicht auch anders, oder auch aus Europa raus zu gehen. Langfristig ist es schon ist der Wunsch aller.

Stefanie
Wo du jetzt gerade sowas ansprichst, was ist denn so der größte Wunsch? Die größte Vision, die ihr habt mit den Zukunftsbildern, also wenn ihr euch was wünschen könntet? Was wollt ihr mit den Zukunftsbildern bewirken?

Friedrich Bohn
Na ja, dass am Ende wir halt (lacht) nachhaltig leben alle auf diesem Planeten, der so schön ist. Ist im Prinzip wirklich so, also die Idee ist wirklich, das ist kein Projekt, das jetzt irgendwie für ein Jahr läuft und dann freuen wir uns alle, dass wir mal wieder ein Projekt vollgemacht haben und irgendwelche Sachen im Internet stehen, die nach zwei Jahren keiner mehr findet, sondern das ist wirklich so angelegt, dass dieses Projekt so lange läuft, bis wir wirklich die Kehrtwende, was Co2 Emissionen angeht, aber eben nicht nur die, sondern die ganzen Nachhaltigkeitsziele, also dazu gehört auch Gleichstellung der Geschlechter, Landnutzung sinnvoll zu organisieren etc. und erst wenn wir diese Nachhaltigkeitsziele erreicht haben und die planetaren Grenzen eingehalten werden, können wir sagen, die Arbeit ist getan, wir können uns zurückziehen.

Und vielleicht noch ein Gedanke dabei ist, oder was ich, und das gehört sozusagen auch zu diesem Wunsch mit dazu. Es ist so, dass die Inhalte natürlich jetzt wissenschaftlich erarbeitet werden. Aber: Wir Wissenschaftler:innen im Elfenbeinturm wissen auch nicht alles oder wissen vor allem nicht alles besser, sondern wir können einfach nur die Grundlage liefern, um Sachen sich zu überlegen, und es ist super wichtig für dieses Projekt. Und da sind wir grad noch am Entwickeln, wie wir das gut organisieren, Feedback aus, also von den Alltagsexpert:innen zu bekommen.

Ich kann das an einem kleinen Beispiel festmachen. Ich bin zu meinen Schwiegereltern aufs Dorf gefahren, und hab denen erzählt Hurra Zukunftsbilder und wir haben super tolle Visionen, wie wir Mobilität in Zukunft auch auf dem Land organisieren, und hab denen das vorgestellt, und die haben einfach nur mit dem Kopf geschüttelt und gesagt, das ist überhaupt nicht attraktiv für sie, das ist total blöd, es ist echt nicht spannend. Und haben mir dann erzählt, warum. Und dass es mit diesen ganzen selbstfahrenden Autos und selbstfahrendem öffentlichen Nahverkehr einfach echt unpraktisch ist, weil du dann trotzdem dauernd umsteigen musst, und dann kommen die nicht, ewig nicht, oder man muss warten. Und mit dem Auto ist das alles viel, viel schneller.

Und das Interessante war aber dann, dass die Diskussion, die sonst immer sehr schnell zu so einem Clash führen kann, über diese Frage wie wollen wir denn leben nach so einer Transformation die nachhaltig ist, weil prinzipiell gegen Nachhaltigkeit haben die wenigsten, also warum sollte man nicht nachhaltig leben wollen, ne? Da gibt es eigentlich keine Argumente dafür. Wünscht ihr euch denn eine nachhaltige Welt in eurem Alltag? Weil ihr könnt mir nicht sagen, dass ihr mit Freude jeden Tag 30 Minuten im November bei Sturm und Hagel in 30 Kilometer entfernte Einkaufszentren fahrt, das glaube ich euch nicht.

Wie gesagt, natürlich ist das nicht cool, also da waren wir auch dann wieder schon, und das war dieses interessante dann, dadurch, dass man versucht hat zu überlegen, wo wollen wir denn eigentlich hin, war die Diskussion ganz anders. Und dann stellte sich eben raus, dass es eigentlich viel schöner wäre, wenn es, wenn dieses Bedürfnis nach Mobilität abnehmen würde, sprich, wenn es wirklich diese Notwendigkeit gibt, ewig mit dem eigenen Auto umher fahren zu müssen, sondern wenn möglichst viele der Sachen, die man mobil erreichen muss, eigentlich wieder im Dorf stattfinden im Sinne eines kleinen Ladens oder so, also dass einfach gar nicht mehr das Bedürfnis besteht, groß durch die Gegend fahren zu müssen.

Und das fand ich total interessant, weil wir aus unserem Elfenbeinturm da erstmal nur an die neueste technische Idee mit selbstfahrenden Autos gedacht haben. Das war, das fand ich sehr cool und ich glaube, dass so oder so ähnlich noch ganz viele Schätze zu heben sind, die außerhalb des Elfenbeinturms liegen. Und da irgendwie ein konstruktives Miteinander zu entwickeln, das wäre so die andere schöne Aufgabe, die wir bei dem Projekt haben.

Stefanie
Also wie könnten denn die Hörer:innen sich an diesem Projekt beteiligen? Also wenn sie jetzt sagen, Zukunftsbilder klingt total toll, wie können Sie damit machen?

Friedrich Bohn
Es gibt sozusagen zwei Optionen wieder hier, die eine Sache wäre jetzt wirklich dieses, wo ist man Experte oder Expertin, und da zu gucken, ob es da irgendwie eine Andockstelle gibt, also wenn man Schriftsteller:in ist oder was auch immer, zu sagen ok, ich würde gerne die Texte schriftlich mitarbeiten, dann ist das einfachste, uns eine Mail zu schreiben an zukunftsbilder@posteo.de. Und dann kurz beschreiben, wer man ist, was man einbringen möchte, welche Talente, und dann müssen wir schauen, ob sozusagen dieses Talent gerade schon gebraucht, als ob schon die Andockstellen der anderen Teams schon so weit sind, oder ob es eben schon ein Team gibt, wo man sich mit eingliedern kann, das wäre die eine Option.

Und die andere ist eben diese, die ist als Lebensweltexpert:in Feedback zu geben, wie gesagt, da sind die Prozesse noch am Überlegen und beim Entwickeln. Da haben wir erste Testballons gemacht, die waren prinzipiell gut, lassen sich aber nicht hoch skalieren auf viele Leute, da müssen wir noch überlegen, wie wir das machen. Nichtsdestotrotz gibt es da aber eine Datenbank, wo man sich sozusagen schon eintragen kann. So dass man da, sobald da wieder irgendwelche Umfragen passieren, direkt angeschrieben wird. Da weiß ich den Link jetzt nicht auswendig, den würde ich dir einfach nochmal nachreichen.

Stefanie
Genau, den packen wir in die Shownotes.

Friedrich Bohn
Da würde man also, da ist momentan die Idee, also, dass man dann nur Teile der Texte oder Textaspekte zu den Themen, die einen interessieren, bekommt, oder auch Grafiken oder was auch immer, das müssen wir noch entwickeln, aber wo man dann relativ schnell und mit einem einfachen, wahrscheinlich Fragebogen in irgendeiner Art und Weise schnell Feedback geben kann. Und wo dieser Fragebogen aber auch einen sozusagen ein bisschen an die Hand nimmt, wie formuliert man dann wirklich ein Feedback, was dann den einzelnen Teams auch wirklich hilft, ihre Arbeit weiterzumachen, weil zu sagen finde ich doof - okay, aber damit kann man nicht weiterarbeiten. Oder so finde ich total schön - okay, das ist besser als das andere, aber auch damit kommt man nicht weiter, so, also warum findet man die Aspekte schön, da ist dann die nächste Frage.

Ich habe noch eine letzte, noch eine letzte strukturelle Sache nochmal, die ist mir gerade noch aufgefallen. Wir beschreiben die Zukunft im Jahr 2040 etwa, also in 20 Jahren, wie sieht die Zukunft aus, die wir uns wünschen? Der Grund, warum wir das machen, ist, um festzulegen, wo wir denn überhaupt hinwollen und in welcher Zeit, weil wenn wir das wissen, dann können wir nämlich zurückgehen auf heute und überlegen, mit welcher Geschwindigkeit, in welche Richtung müssen wir denn heute loslaufen, damit wir in etwa 20 Jahren dorthin kommen, wo wir hinwollen?

Und dann wird man nämlich sehr schnell feststellen, dass manche Sachen eben einfach immer noch zu langsam laufen, weil einem total klar ist, wenn ich in 20 Jahren dort sein will, dann kann ich nicht im Schneckentempo loslaufen, und das ist die Struktur, wie die Zukunftsbilder aufgebaut sind. Es gibt immer die Zukunftsvision, und daraus abgeleitet im zweiten Teil die Texte. Dann müssen wir aber in den nächsten 3,4 Jahren das das und das in dem und dem und dem Tempo umsetzen, damit das klappt und damit auch wieder wirklich eine konkrete Handlungsanweisungen zu haben für jeden für heute.

Stefanie
Ja, dann bedanke ich mich nochmal ganz herzlich, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast, und ich bin mir sicher, dass es viele Menschen inspiriert und viele Hörer:innen jetzt sagen, ja, Zukunftsbilder, da will ich mitmachen. Alle Links dazu findest du in den Shownotes, liebe Hörerin, lieber Hörer. Und dann noch einmal ganz herzlichen Dank an dich, Friedrich, dass du dabei warst. Es war ein schönes Gespräch.

Friedrich Bohn
Sehr gerne, es war mir eine Freude.

Links zur Folge

Projekt "Zukunftsbilder" der Scientists for Future
https://de.scientists4future.org/zukunftsbilder/

Fertiggestellte Zukunftsbilder
https://zenodo.org/communities/zukunftsbilder/

Zukunftsbilder mitgestalten
https://www.cognitoforms.com/DeniseErb/ZukunftsbilderMitgestalten

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

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