Folge 272 - Rückblick auf die Konferenz für eine Welt-Wirtschaft, in der wir leben wollen

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Folge 272 - Rückblick auf die Konferenz für eine Welt-Wirtschaft, in der wir leben wollen

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Konferenz für eine Welt-Wirtschaft, in der wir leben wollen
https://www.ci-romero.de/systemwandel-konferenz/

Akademie Franz-Hitze-Haus
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Elisabeth Voss
http://elisabeth-voss.de/

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Vollständiges Transkript

Stefanie Heute sprechen wir über eine Konferenz auf der Carsten war, also ich war nicht da. Carsten hatte mich überrascht und gesagt, ich will da jetzt unbedingt hin, mal nach Münster, auf eine Konferenz und ich hatte vorhin mir den Titel nochmal durchgelesen, aber jetzt hab ich ihn vergessen also wie heißt die Konferenz noch gleich?

Carsten Also es ist die Konferenz gewesen für eine Weltwirtschaft, in der wir leben wollen, und zwar hat das Ganze stattgefunden am 28. und 29. Oktober 2022. Das war vor 2 Tagen.

Stefanie Von dem Zeitpunkt, wo...

Carsten ...wir das aufnehmen genau. Für Dich sind vielleicht ein paar Tage länger vergangen, aber hier für mich ist der Eindruck noch sehr frisch und ich hab auch tatsächlich vorher nochmal ein bisschen Zeit gebraucht, um so einen roten Faden zu spinnen, von dem was ich berichten kann und damit das nicht alles total abstrus und und irgendwie wild durcheinander geht, musste ich mir all die ganzen Eindrücke und ich habe sehr viel mitgeschrieben, all das nochmal vornehmen und versuchen dann nochmal einen roten Faden rauszuspinnen. Das ist sehr viel, was ich an an Eindrücken sammeln konnte.

Stefanie Und wir haben vorher auch noch gar nicht darüber gesprochen, damit ich jetzt ganz unbedarfte Fragen stellen kann und Carsten mir quasi jetzt hier vor laufendem Mikrofon einfach erzählt, wie es so war.

Carsten Genau ich springe aber mal direkt rein, also am 28./29.10.22 hat das Ganze stattgefunden. Im Umfang von anderthalb Tagen also. Es war von Freitag auf Samstag und fing Freitags nachmittags so gegen 15:00 Uhr an. Bisschen früher ankommen und Kaffee und Networking. Das offizielle Rahmenprogramm startete um 15:00 Uhr und hörte am Freitagabend dann um 21:00 Uhr auf.

Abschluss war eine Podiumsdiskussion. Zwischendurch gab es gemeinsames Abendessen, das Ganze fand in einer Akademie statt, in der Akademie Franz Hitze Haus wie gesagt in Münster, Nordrhein Westfalen und ging dann am zweiten Tag ab 09:00 Uhr morgens wieder los, bis abends so 18:30 Uhr. Gegen 18:15 Uhr haben wir das Ganze nochmal Revue passieren lassen. Dann haben sich die Veranstaltenden nochmal bei allen Personen bedankt und in der Zwischenzeit gab es dann noch so ein kleines Goodie: Während die Veranstalter darauf gewartet haben, dass man quasi so diese Feedback Bögen ausfüllt, wurden dann an den Wänden nochmal Plakate zum selbst gestalten oder zum selbst ausfüllen aufgehangen, wo dann nochmal indirekt Feedback der Teilnehmer:innen gegeben werden konnte und das Ganze hörte dann wie gesagt um 18:30 Uhr auf und war dementsprechend zeitlich ein sehr umfangreiches Programm. Anderthalb Tage, wo wirklich die Gedankenwelt um die Frage kreiste „Wie könnte eine Weltwirtschaft aussehen, die besser ist als das, was wir heute haben?“

Stefanie Du hast schon gesagt, du bist ein bisschen früher angekommen, aber eigentlich bist du später angekommen am Freitag, als du wolltest...

Carsten Achso, die Deutsche Bahn...

Stefanie Du bist ja mit dem ICE gefahren von Hamburg und dann hast du mir auch geschrieben haha, typisch Deutsche Bahn….

Carsten Ja, wir standen irgendwann hinter Buchholz wirklich in der Heide und keiner wusste warum und irgendwann hat dann derjenige, welcher die Durchsagen tätigt, gesagt: „Sehr geehrte Gäste. Sie stellen wahrscheinlich auch seit einiger Zeit schon fest, dass wir rechts und links von Zügen überholt werden. Warum wir noch nicht rollen, weiß ich selber noch nicht.“ Ja, insgesamt war das wieder ein Paradebeispiel für die nicht gegebene Pünktlichkeit der Deutschen Bahn. Also wir haben insgesamt, ich glaub, 73 Minuten Verspätung gehabt vor einem Teilstück, was insgesamt bisschen mehr als 2 Stunden gedauert hätte also.

Stefanie Buchholz ist halt nicht wirklich weit von Hamburg entfernt, das heißt Du bist quasi gerade so angefahren und hast dann wieder angehalten. Aber glücklicherweise hattest du ein Buch dabei und auch die Möglichkeit da ins zur Bord Restaurant zu gehen und musstest keinen Anschluss kriegen und hattest sowieso mehr Zeit eingeplant, also war das alles in Ordnung.

Carsten Ja, genau, ich hatte einen Puffer, ich bin eigentlich von der ursprünglichen Planung ausgegangen, dass ich um Punkt 12 dann in Münster ankomme und hab dann ja maximal noch 3 Stunden, bis die Konferenz beginnt. Woran ich gedacht habe, dass ich so zwischen 14:00 Uhr und 14:30 Uhr dann da auftauche und das mit dem Einchecken, weil ich da auch ein Zimmer gebucht hatte. Und trotz der starken Verspätung hab ichs also auch noch pünktlich geschafft, hab aber von anderen Teilnehmenden ähnliches gehört, dass auch die Probleme hatten, egal aus welcher Richtung sie gekommen sind. Es gab immer irgendwie Verspätungen zu berichten, was den Bahnverkehr betrifft.

Stefanie Um jetzt wieder zurückzukommen auf das eigentliche Programm: warum hast du dich denn eigentlich für diese Konferenz entschieden? Was hat dich da so besonders angesprochen?

Carsten Also allein schon der Titel „Für eine Weltwirtschaft, in der wir leben wollen“. Das ist so etwas gewesen, was ich damals getriggert hat, es passt zu unserer Vorstellung, dass wir uns ein neues Wohlstandsmodell erarbeiten wollen, den Weg dorthin skizzieren wollen und die Frage nach dem Wohlstandsmodell ist ja mit Wirtschaftsmodell gekoppelt. Also erstmal hat mich der Titel angesprochen, dann die Aussicht mich da wirklich mal so 2 Tage hinzusetzen und mich intensiv diesem Thema zu widmen und da dann auch gedanklich abzutauchen. Rechts und links ist ja nichts anderes, sondern ist ja wirklich dieses eine Thema in den unterschiedlichsten Facetten. Das hat mich mal gereizt und ich hatte auch die Hoffnung für mich vielleicht den einen oder anderen Kontakt nochmal zu knüpfen. Zu Personen und zu Initiativen. Relativ ergebnisoffen bin ich da reingegangen, aber schon mit der Hoffnung Leute kennenzulernen, ja, das war so der Punkt, wo ich gesagt habe hey cool und Münster ist jetzt ja wirklich nicht so die Welt entfernt. Wenn alles gut läuft, ist man in ein, zwei Stunden da, wenn alles schlecht läuft in drei. Aber wir haben es ja geschafft und von daher, das lag sehr nahe und deswegen war mein Interesse natürlich relativ groß.

Stefanie Dann lass uns mal aufs Programm genau gucken, auf die einzelnen Punkte. Was hat dich denn da so erwartet?

Carsten Ja, also bevor ich wirklich in die einzelnen Programmpunkte reingehe, möchte ich, um das Ganze ein bisschen genauer zu skizzieren, nochmal mit zwei - Ja, das sind so Sprechblasen, die im Programmheft aufgetaucht sind, die geben noch mal so ein bisschen die inhaltliche Richtung vor. Da steht dann „Wie gestalten wir die sozial ökologische Transformation global gerecht?“ Ich denke, da geht schon vom Inhalt her die Stoßrichtung ganz gut hervor. Und „Visionen des Wandels und Strategien der Transformation“. Das sind so zwei Kernpunkte gewesen, die im übergeordneten Kontext stehen.

Das eigentliche Rahmenprogramm war gespickt mit unterschiedlichsten Referent·innen, die die einzelnen Teilbereiche einer Weltwirtschaft der Transformation dorthin besprochen haben. Das fing an von was gibt es heute schon? Wie kommen wir da hin? Wie weit sind wir eigentlich entfernt? Was muss man eigentlich noch machen? Gibt es da Unterschiede zwischen dem globalen Norden, dem globalen Süden und und und. Also die ganzen Aspekte sind dort besprochen worden und ja, ich kann jetzt einfach mal so ein paar Punkte aus der Agenda herausgreifen, um das mal inhaltlich ein bisschen genauer darzustellen.

Wir haben so ab 15 Uhr ein bisschen locker flockig über das ganze Thema gesprochen, damit man erstmal weiß, mit was für Personen hat man es nachher zu tun? Wer ist eigentlich der Referent oder die Referentin? Schön war an der Stelle, dass nicht alles vor Ort stattfand, sondern dank der digitalen Technik wurden auch Personen zugeschaltet per Zoom. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, auch tatsächlich eine Person direkt aus Argentinien hinzuzuziehen. Es waren zwei weitere Personen aus Lateinamerika vor Ort. Die sind extra nach Münster gekommen und das war etwas, wo ich sehr von profitiert habe, weil da tatsächlich mal der globale Süden auch personell zu Wort gekommen ist. Wir haben also nicht nur über die Menschen gesprochen, sondern tatsächlich mit denen und konnten auch nachher im Rahmen von Fragen aus dem Zuschauer·innenkreis nochmal einzelne Aspekte ein bisschen vertiefen.

Stefanie Kannst du da vielleicht auch noch was zu sagen, wer jetzt überhaupt da war und wie viele Menschen? Also wie sah das Publikum so aus, so altersmäßig usw.

Carsten Also es waren ungefähr 100 Personen, genaue Zahl wurde nicht genannt, aber es gab nachher am zweiten Tag so Workshops, da gab es Listen und die waren durchnummeriert und da habe ich so leicht aufaddiert und bin so auf PI mal Daumen 90, 95 vielleicht 100 Personen gekommen. Das war so das Teilnehmendenumfeld. Bei den Referent·innen war es so, dass wir eine für mich namhafte Person dabei hatten, die war auch tatsächlich so mein Motivationspunkt. Das war Kathrin Hartmann, die ist am Freitag da gewesen. Kathrin Hartmann sagt dir, liebe·r Hörer·in, vielleicht etwas, weil wir in der Vergangenheit schon mal in der einen oder anderen Podcastfolge über Kathrin Hartmann gesprochen haben, oder über ihre Bücher und Filme. Und dementsprechend fand ich es total spannend, diese Person auch mal live sehen zu können.

Stefanie Und wie ist sie jetzt so live?

Carsten Sie ist genauso bissig, wie sie da in den Büchern und Filmen rüberkommt. Also gefällt mir extrem gut, weil sie nicht um den heißen Brei herum redet, sondern sie schmeißt dich mit Fakten zu. Aber jetzt nicht einfach nur, um dich irgendwie mundtot zu machen, sondern tatsächlich, weil sie vorher recherchiert hat. Sie ist ja freie Journalistin und geht ja in die einzelnen Themen extrem tief rein und weiß dementsprechend auch viele Sachen zu berichten. Und das hat sie da in ihrem Vortrag auch so gemacht. Und das ist auch einer von den Vorträgen, wo ich dann immer mitgeschrieben habe, weil ich dann meine ganze Aufmerksamkeit brauchte, um aufzunehmen, was von vorne gekommen ist. Also es war schon richtig gut, richtig gut. Und wie gesagt, sie ist da offen, frei Schnauze, spricht Dinge auch an und versucht nicht zu beschönigen, sondern wenn irgendwo Unrecht passiert oder Sachen irgendwie entgleisen, dann spricht sie es auch an, versucht das nicht irgendwie diplomatisch zu fassen, sondern polarisiert durchaus mal und das hat mir extrem gut gefallen. Sie war dabei.

Dann gab es eine Referentin aus dem Konzeptwerk Neue Ökonomie. Das Konzeptwerk Neue Ökonomie kannte ich namentlich vorher schon. Das habe ich immer so als Zusammenschluss von jungen, engagierten Wilden gesehen, die sich versuchen, für alternative Wirtschaftsmodelle und Systeme einzusetzen, das publik zu machen. Die Referentin ist Ruth Krohn gewesen.

Dann haben wir, was ich vorhin schon sagte, so aus Lateinamerika Personen da gehabt. Da war eine Person aus Argentinien, das war der Enrique Vitale, der eine sehr bekannte Persönlichkeit anscheinend in den Gesellschaftsbewegungen des globalen Südens ist, ist mir bis dato völlig unbekannt. Aber der hatte noch zwei Vorträge und war an einer Podiumsdiskussion teilweise auch beteiligt. Er hat viele Aspekte mit reingebracht, die für mich noch mal neu und wichtig zu hören waren.

Und dann gab es noch zwei weitere Personen, eine Person aus Honduras. Und bei der dritten Person, muss ich ehrlich gesagt ehrlich eingestehen, weiß ich gar nicht, aus welchem Land diese Person jetzt konkret kam. Und beide Namen konnte ich mir auch nicht merken. Also Grundsprache dort war Spanisch und dementsprechend gab es auch eine Simultanübersetzung, weil man hatte zwei Personen, die diese Übersetzung direkt vor Ort in Münster durchgeführt haben und alle Teilnehmenden, die nicht Spanisch verstanden haben, die haben dann die Möglichkeit gehabt, über ein Headset dann direkt die Übersetzung zu lauschen. Und das hat das Ganze aus meiner Sicht wirklich noch sehr angereichert, weil ich einmal digital, aber auch vor Ort tatsächlich, was ich vorhin schon sagte, Personen habe, die aus dem globalen Süden ein bisschen mehr referieren können als das, was ich jetzt persönlich zum Beispiel aus den normalen Medien mitbekomme.

So, und dann gab es noch weitere Personen und Positionen, die dort sich mit einbringen konnten. Unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte einen Referenten, den Jan Philipp Rode vor Ort, der die Rolle der Gewerkschaften im Transformationsprozess dargelegt hat. Was mich am Anfang sehr gewundert hat, weil ich Gewerkschaften bisher eigentlich gar nicht so als die Akteur·innen gesehen habe. Ich muss aber fairerweise dazu sagen: Auch die Rolle der Kirchen war mir bis dato überhaupt nicht bekannt. Und diese ganze Organisation dieser Konferenz ist tatsächlich von kirchlichen Organisationen entstanden und aufgebaut worden, so dass alleine diese Tatsache für mich jetzt viel greifbarer gemacht hat, was für eine Rolle die Kirchen in diesem Transformationsprozess spielen können. Also das war allein schon ein Zugewinn von Wissen. Und ähnlich war es bei den Gewerkschaften auch. Die hatte ich, wie gesagt, vorher nicht auf dem Schirm als wichtige Akteur·innen.

Am zweiten Tag ging es dann wirklich in die einzelnen Bereiche rein zu gucken: Was für sozial ökologische Transformation gibt es eigentlich schon? Da gab es eine Referentin, die Elisabeth Voss, die sehr intensiv zu diesen ganzen Themen recherchiert hat, über Jahrzehnte hinweg Erfahrungen gesammelt hat, sogar aus der ÖkodorfBewegung kommt. Ich weiß nicht, ob sie dort jetzt Mitinitiatorin war, aber sie hat das noch mal betont, dass sie da ihren Background hat und hat auch mehrere Bücher zu dem Thema veröffentlicht. Das heißt also, sie kennt tatsächlich so real Utopien, wie sehen die aus, wo gibt es die, was ist das eigentlich? Inwiefern sind die tragfähig als Lösungsansätze? Das war noch mal sehr interessant.

Und dann, wie gesagt, Lateinamerika wurde noch mal beleuchtet. Was passiert da eigentlich? Wie ist die Situation vor Ort? Was wissen die Betroffenen oder die Beteiligten da zu berichten?

Und dann gab es entsprechende Diskussionen. Es gab so zwei größere Podiumsdiskussionen. Die eine war am Freitagabend und die andere fand am Samstag statt Und die am Freitagabend war insofern noch mal spannend, als dass jemand von der deutschen Regierung dort mit reingekommen ist. Ich sag jetzt mal im breiteren Format deutsche Regierung. Und zwar der Sven Giegold, der seit 2021 Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ist, also direkt im Rahmen der aktuellen Ampelkoalition vorne in diesem Bereich drin, also thematisch. Vorher war er zwölf Jahre lang Europaabgeordneter. Er ist Parteimitglied bei den Grünen Bündnis 90 Die Grüne und ist einer der Mitbegründer von Attac Deutschland gewesen und auch ein Mitbegründer des Tax Justice Networks. Also von seiner Biografie her eigentlich ein Aktivist, der nachher so in die Politik gegangen ist, auch direkt in die Europapolitik und da ganz vorne mitspielt und da dementsprechend auch viel zu berichten hat.

Und das war so der Kern des ersten Abends der Podiumsdiskussion, weil Sven Giegold vielleicht auch von seiner Person her eigentlich sehr raumnehmend war. Es war eigentlich gar nicht der Kern dieser Diskussion, aber es ist nachher so zu einer Sven Giegold Show geworden.

Stefanie Okay.

Carsten Es war auch nachher ein Kritikpunkt, der in den Feedbackrunden dann noch mal schriftlich geäußert wurde. Ich fand es trotzdem hochgradig interessant. Ich kann da gleich gerne noch ein bisschen zu reingehen und die zweite Podiumsdiskussion am nächsten Tag, die ging tatsächlich so um diese Fragen: Wie kommen wir jetzt eigentlich dahin? Was muss getan werden? Wie realistisch ist das eigentlich, dass wir ein anderes Wirtschaftsmodell / Wohlstandsmodell realisieren? Woran erkennen wir eigentlich, wenn wir kurz davor sind? Was sind so Durchbruchsmomente? Und da waren tatsächlich auch Personen vor Ort, die entweder zu dem Thema wissenschaftlich das ganze schon längere Zeit begleiten oder qua ihrer Biografie viel aus diesem Bereich der sozialen Gerechtigkeitsbewegung beisteuern konnten und anhand von anderen, auch historischen Beispielen Fragen beantworten konnten oder neue Fragezeichen aufgeworfen haben. Es waren offene Diskussionen, die im Idealfall tatsächlich dann Wege skizzieren. Aber am Ende des Tages ging es tatsächlich darum, einzelne Facetten in diesem ganzen Transformationsprozess zu besprechen.

Stefanie Und gibt es da Aufzeichnungen von diesen Vorträgen und Workshops?

Carsten Ich bin mir gar nicht bewusst, ob es das gibt. Also es wurde nicht wirklich angesprochen. Was angeboten wurde, war, wenn Folien mal präsentiert wurden, dass die zur Verfügung gestellt werden. Wobei, da hat dann die Veranstaltungsmannschaft leider zum Schluss keine klaren Worte mehr zu gegeben. Wir haben uns ein bisschen darauf verlassen, dass dann noch so ein bisschen Feedback von von deren Seite kommt, vielleicht im Rahmen eines nachgelagerten Newsletters oder wie auch immer. Aber es fand dann am zweiten Tag noch mal ein Workshop statt und da war sich der Workshopleiter selber nicht im Klaren, geht das jetzt über die Veranstalter, dass seine Folien geteilt werden? Und er hat sicherheitshalber eine eigene Unterschriftenlisten rausgegeben im Teilnehmer·innenkreis, um dort zumindest mal auch datenschutzrechtlich die Erlaubnis zu bekommen: Hey, ich darf dich anschreiben, Du willst die Folie haben oder du willst auch über das weitere Geschehen informiert werden.

Also von daher. Ich warte jetzt erstmal ab, ob sich in den nächsten Tagen was tut. Ich bin mir auch nicht sicher, inwiefern das alles was dort passierte, auf Video aufgezeichnet wurde. Aber dadurch, dass natürlich viel auch über Zoom gemacht wurde, ist zumindest mal viel über die digitale Technik gelaufen. Ob das aber mitgeschnitten ist, weiß ich nicht. Was den Datenschutz an sich betrifft, weiß ich, Du hast am Anfang als Teilnehmer·in einen Namensschild bekommen. Das war so ein Aufkleber, den konnten wir uns direkt auf den Pullover kleben, damit jede·r wusste, mit wem hat er·sie es eigentlich zu tun? Vor und Nachname stand da drauf. Und da wurde auch noch mal angeboten für Personen, die nicht fotografiert werden möchten. Die konnten sich dann quasi mit einem roten Punkt zusätzlich kennzeichnen und wurden dann dementsprechend berücksichtigt. Also es geht so gedanklich in die Richtung. Ja, es könnten Aufzeichnungen existieren.

Stefanie Es kann ja auch sein, dass es nur um Fotos ging. So Veranstaltungsfotos, wie viele das gerne machen.

Carsten Genau. Also es gab auch Fotograf·innen, die das Ganze begleitet haben. Vielleicht gibt es dann nachher in nachgelagerten Newslettern oder bei denen auf der Internetseite nochmal das die Möglichkeit visuelle Eindrücke nachzusteuern.

Stefanie Ja, wenn es das alles gibt, dann wirst du das auf jeden Fall in den Shownotes noch nachlesen können, dann werden wir das da verlinken.

Carsten Genau so, und jetzt gehe ich mal inhaltlich ein bisschen rein, damit das auch greifbar ist. Ist jetzt schön und gut zu hören, dass ich jetzt ein interessantes Wochenende verbracht habe. Aber wir wollen Dir, liebe·r Hörer·in auch einen gewissen Mehrwert bieten und dementsprechend jetzt einmal der Grundkontext:

Was für mich sehr greifbar war, war, dass sich alle Beteiligten einig darüber waren, dass wir den Kapitalismus überwinden müssen. Das war der Grundkonsens. Kapitalismuskritik in unterschiedlichsten Facetten. Und das war schon mal ein ganz interessantes Setting, einfach mit Leuten zu sitzen, die zumindest mal was das betrifft, in die gleiche Richtung denken und das nicht unbedingt bei allen Personen strittig war. Und ich hatte in meinen Aufzeichnungen versucht, mal meine Highlights mitzuschreiben. Und auch wenn ich das vorhin gesagt habe, dass ich bei Kathrin Hartmann irgendwann aufgehört habe zu schreiben, aber auch da ist noch ein bisschen was hängen geblieben, was ich sehr interessant fand.

Kathrin Hartmann, in ihrer Rolle als Journalistin, hatte im Vorfeld noch mal zum Thema CO2 Einsparung / Klimaneutralität recherchiert und kam dann mit einem relativ aktuellen Beispiel rein. Ich weiß nicht, ob sie das in irgendeinem Buch auch schon präsentiert hat, aber mir war es neu, und zwar HeidelbergCement. HeidelbergCement ist einer der ganz, ganz großen Zementhersteller. Ich glaube, die Nummer zwei oder drei weltweit ist aber zumindest was die DAX Unternehmen betrifft, also die, die im Deutschen Aktienindex genannt werden, der größte CO2 Emittent. Also eine richtig, richtig große Nummer, die sehr viel CO2 emittieren.

Das fängt an in der Historie dieses CO2 Emissionshandels, wo diese Zertifikate ausgegeben wurden. Da haben solche Unternehmen, die sehr CO2 intensiv arbeiten, die Zertifikate quasi geschenkt bekommen. So, das ist immer noch so, also muss man sich vorstellen, einer der größten CO2 Emittenten in der Wirtschaft kriegt diese Zertifikate quasi hinterher geschmissen, kriegt sie kostenlos. Was ja eigentlich schon mal nicht Sinn der ganzen Sache gewesen ist, weil der Gedanke liegt ja darin, die müssen die käuflich erwerben. Und durch diese Kosten, die entstehen, soll das Unternehmen irgendwo einen Zwang oder eine Motivation bekommen, sich CO2 neutral zu verhalten oder CO2 einzusparen.

Ja, das ist da tatsächlich nicht der Fall. Die können mit diesen geschenkten Zertifikaten frei handeln. Frei handeln heißt, die verdienen sogar noch Geld daran. Anstatt irgendwo gezwungen zu werden, da einzusparen, haben sie auf der anderen Seite noch mal ein wirkliches Zubrot. Und das sind jetzt nicht irgendwie 1000 oder 2000 €, sondern wir reden da über Millionen oder Milliardenbeträge, je nachdem über was für ein Zeitstrang wir jetzt sprechen. Also richtig, richtig dicke Batzen Geld.

Und HeidelbergCement wirbt seit einiger Zeit öffentlich damit, eine Agenda zu haben, mit der sie bis zum Jahre 2050 klimaneutral werden wollen. Und das ist ja anhand des Gegenstands dieser Unternehmung eigentlich schon mal etwas, was so gar nicht geht, weil Zementherstellung technisch gesehen eigentlich ja zwangsläufig durch die ganzen Produktionsprozesse Unmengen CO2 freisetzt. Das ist einfach physisch gar nicht anders machbar. Also ist die Art und Weise, wie jetzt so ein riesiges Unternehmen CO2 neutral werden kann, ja eigentlich nur über solche Technologien oder über Kunstgriffe wie Kompensationsmöglichkeiten gegeben.

Und da wusste Kathrin Hartmann zu berichten, dass HeidelbergCement auf die sogenannte CCS Technologie setzt - Carbon Capture and Storage - das ist diese Technologie, wo CO2 aus der Atmosphäre extrahiert wird und dieser Extrakt wird dann irgendwo endgelagert. So, und jetzt gibt es so zwei Aspekte, die Kathrin Hartmann berichten konnte. Zum einen findet das Ganze, was HeidelbergCement jetzt in den Fokus genommen hat, in Norwegen statt. Norwegen baut dort das weltweit erste Carbon Capture and Storage System ein, im großen nennenswerten Stil. Aber die Technologie existiert heute noch gar nicht in dem Maße, wie sie eigentlich als funktionsfähig benötigt wird. Das sind Forschungsschritte, wo noch viel Arbeit und und auch viel Innovation investiert werden muss, damit das überhaupt so funktioniert.

Und das zweite ist, dass das CO2, was dann da ja zusammengepackt wird und irgendwohin gepackt werden soll, im Meeresboden eingelagert werden soll. Also eine richtig coole Idee. Also ich meine, ich nehme jetzt das Zeug aus der Atmosphäre und packe es in den Meeresboden, ohne auch irgendwie noch zu wissen, was richtet das da unten eigentlich an? Also wahrscheinlich wird der Meeresboden dann so als normale Müllhalde, wo sowieso nichts passiert, angesehen.

Und das ist natürlich hochgradig gefährlich und diese Konzentration auf diese Technologie ist dann natürlich erstmal nach außen hin auch absolut, ich sag jetzt mal, fadenscheinig, weil ich ja als Unternehmen eigentlich gar kein großes Interesse daran habe, meine eigene Produktionsweise zu verändern. Ich konzentriere mich dann lieber darauf, dass diese Technologie irgendwie marktreif ist und macht das dann nicht mehr selber, sondern verlasse mich darauf, dass irgendwo in Norwegen Firmen und Akteure das Ganze schon zur Marktreife bringen und kann natürlich behaupten, wenn das alles soweit klappt, bin ich 2050 dann CO2 neutral. Also es ist so auch typisch Kathrin Hartmann, die in das Wirtschaftsgefüge hineinguckt, was passiert da eigentlich und recherchiert da. Das hat sie ja im Rahmen von Palmöl auch schon sehr intensiv gemacht. Da verweise ich noch mal auf unsere Folge zu diesem Buch „Aus ökologischem Raubbau“ und

Stefanie auch „Die grüne Lüge“.

Carsten Genau. Und insofern passte das von diesem Vortrag da auch hervorragend mit rein. Und dann hatte sie noch einen Aspekt zur CCS Technologie Carbon Capture and Storage genannt. Da wusste sie noch, dass auch eine Industrie, die man vielleicht gar nicht im Verdacht hat, ein hohes Interesse daran hat, diese Technologie voranzutreiben und zwar die der fossilen Energien. Die Erdölunternehmen, die Erdöl fördern. So, warum haben die jetzt so ein großes Interesse daran, diese Technologie voranzutreiben? Nicht weil sie irgendwie CO2 neutral werden wollen, sondern weil sie einfach gemerkt haben, ich kann mit dem dort aggregierten CO2 tatsächlich im Nachgang Erdölvorkommen, die heute schwer erschließbar sind, noch erschließen.

Kathrin Hartmann hat das jetzt nicht weiter inhaltlich und technisch ausgeführt, aber das klang so ein bisschen nach einer Art von Fracking. Ich pumpe da irgendwas an CO2 in den Erdboden und kriegt dann noch den letzten Krümel an Erdöl daraus. Und das war auch super interessant mal zu hören, dass du so Akteure auf der Agenda hast, wo du denkst: Oh ne, also Erdölindustrie, wieso wollt ihr jetzt auf einmal so in diese CCS Technologie investieren? Und dass da jetzt nicht ausschließlich eine nachhaltige Überlegung hinter steht, sondern einfach nur ein handfestes Geschäftsinteresse um ihr bestehendes Geschäft noch weiterbetreiben zu können, das war für mich neu, kannte ich so nicht. Und ist aber auch wieder typisch Kathrin Hartmann, die da sehr stark recherchiert und wie gesagt, da sind ganz viele Informationen von ihr gekommen und ich hatte echt Probleme dem irgendwie zu folgen bzw es mitzuschreiben.

So, und dann haben wir in der Konferenz auch die wirtschaftliche Thematik in Lateinamerika nochmal beleuchtet, auch durch die Referent·innen, die aus Lateinamerika stammten. Und das, was da zum einen noch mal erwähnt wurde, war, dass wenn wir jetzt zum Beispiel im Rahmen der aktuellen politischen Bestrebungen über Themen wie Green New Deal oder Grüner Kapitalismus sprechen, dann hat das natürlich eine direkte Auswirkung auch auf Lateinamerika. Zum einen wäre ein grüner Kapitalismus nichts anderes als ein grüner Kolonialismus, also die Weiterführung des bisherigen. Und ein grüner Kapitalismus schreibt auch tatsächlich all das Negative weiter fort, was heute schon existiert, das wird sich in den Grundzügen nicht ändern. Und da reden wir über Ausbeutung, Landnahme, Menschenrechtsverletzung. Das Ganze mit dem grünen Hintergrund. Aber letztendlich profitieren nur wir im globalen Norden und es bleibt letztendlich alles beim Alten. Das wurde tatsächlich von den einzelnen Akteur·innen noch mal in den Vordergrund gestellt.

Und interessant fand ich dann auch die Bezeichnung, dass es da was lateinamerikanische Länder und deren Rohstoffvorkommen betrifft, eine sogenannte „el-doradische Idee“ gibt. Damit ist El Dorado gemeint, diese nicht existierende Stadt aus Gold, die ja damals, als diese Idee, ich sag jetzt mal nach Europa gekommen ist, dafür gesorgt hat, dass viele Europäer·innen nach Lateinamerika gefahren sind, um dort vom Goldrausch zu profitieren. Ähnliches ist heute von der Stimmung her, was die Rohstoffvorkommen betrifft. Also es wird da gar nicht gesehen, dass es dort um komplexe Ökosysteme geht, dass dort indigene Völker abhängig von diesen Ökosystemen sind, sondern es wird einfach nur das Rohstoffvorkommen gesehen. Und dieser Green New Deal oder der grüne Kapitalismus wird das Ganze noch mal befeuern.

Kathrin Hartmann hatte da auch noch mal was dazu gesagt, dass solche Ideen wie der grüne Kapitalismus natürlich auch zu einem Boom führen, was bestimmte Rohstoffnachfragen betrifft. Ihre Beispiele bezogen sich auf Palmöl und Indonesien, damals, als 1990 beschlossen wurde: Wir setzen Palmöl ein im hiesigen Kraftstoff für die PKWs. Das hatte nie einen rein nachhaltigen Aspekt. Es ging gar nicht darum, die Gesamtemissionen zu senken, sondern man wollte die Emissionen auf einem bestimmten Niveau halten, um ein zwei Prozentiges Wachstum des Verkehrs noch zu realisieren. Also das war die Prämisse. Und allein die Ankündigung, dass die EU vorhat, Palmöl im Biosprit zu verwenden, hat dazu geführt, dass in Indonesien eine Landfläche abgeholzt wurde, die mittlerweile die Ausmaße von der Bundesrepublik Deutschland hat. Und mehr als die Hälfte dieser Fläche ist für reine Palmölplantagen geopfert worden, Monokulturen.

Und Kathrin Hartmann hat das ganz klar dargestellt: das ist irreversibel. Der Schaden ist angerichtet, der wird auch nie wieder gut gemacht werden können. Und das ist so ein absolutes Negativbeispiel für eine Boomsituation, wo auf einmal mit einem ausreichenden Fokus auf Nachhaltigkeit, grüne Technologien, grüne Rohstoffe angefragt oder promotet wurden und eine ähnliche Gefahr müssen wir jetzt natürlich auch für Lateinamerika sehen, wenn es darum geht, Rohstoffe zu fördern, die in erneuerbare Technologien gepumpt werden.

Dann gab es natürlich noch mehr Eindrücke aus Lateinamerika. Sehr eindrücklich fand ich eine Äußerung des Referenten, der auch hier direkt in Münster vor Ort war. Der meinte, was so die Landwirtschaft, die Nahrungsmittelproduktion betrifft, da sind ja, ich sage jetzt mal so in Brasilien diese ganzen Sojafelder oder in Argentinien die riesigen Felder, wo Tiere für die Erzeugung von Rindfleisch gehalten werden. Das sind ja alles so ganz plastische und greifbare Beispiele. Und er meinte, wir ernähren die Welt - mit „wir“ meint er Lateinamerika - aber selber haben wir nichts zu essen, weil tatsächlich die Nahrungsmittel gar nicht für den eigenen Bedarf erzeugt werden, sondern ihm ging es darum, wirklich klarzustellen Leute: euer Lebensstil, der ist zwar nicht nur von uns abhängig, aber auch wirklich massiv zu unseren Lasten. Und nur weil bei uns viel produziert wird, heißt es nicht, dass wir davon was abbekommen, sondern es geht wirklich in die Welt.

Das fand ich, das hat nochmal eine ganz andere Qualität, wenn du jemanden hörst, der in Lateinamerika lebt, dort verwurzelt ist und wirklich aus nächster, greifbarer Nähe das Ganze auch persönlich schildert.

Eine weitere Thematik, die danach angesprochen wurde, war, dass wenn wir jetzt hier im globalen Norden über die Klimakrise und deren Lösung diskutieren und wir halten uns zum Beispiel an diese 1,5 Grad oder so was. Da sagte er: Das ist schön und gut, aber ihr müsst euch jetzt schon mal damit abfinden, dass in Lateinamerika einige Länder mit sechs Grad zusätzlicher Temperatur zu kämpfen haben. Also diese globale 1,5 Grad Thematik, die mag jetzt für eine·n Westeuropäer·in nicht wirklich so greifbar sein, weil ob ich jetzt 20 Grad habe oder 21,5, macht für uns den Kohl nicht fett. Aber in Lateinamerika sind jetzt schon seit einigen Jahrzehnten, wo auch die klimatischen Veränderungen spürbar sind, die Extremwetterverhältnisse sprunghaft angestiegen. Also ich habe auf einmal im Vergleich zu vor 40, 50 Jahren das 3, 4, 5 fache an Extremwetterereignissen pro Jahr, mit denen dann die einzelnen Länder, die einzelnen Menschen, die einzelnen Ökosysteme überhaupt erstmal klarkommen müssen. Und das ist die komplette Bandbreite von Hurricanes über Überschwemmungen, Dürre, also dieses Gesamtpaket, was da eigentlich zu einer riesigen Überforderung führt.

Und jetzt haben wir auch noch mal die Corona Pandemie gehabt. Und all das hat dazu geführt, dass sich die sozialen Verwerfungen dort nochmal stärker dargestellt haben. Und ein·e Referent·in hat noch mal gesagt: Das geht alles vornehmlich zulasten der Frauen, weil die Frauen tatsächlich so diese Carearbeit leisten, die im Hintergrund all das irgendwie zu bewerkstelligen haben, was die Männer, die dann da so - ich sage jetzt mal so mit meinen Worten - in den Fabriken arbeiten und versuchen die Familien finanziell über Wasser zu halten, nicht können. Deswegen bleibt viel bei den Frauen liegen. Und da hat er·sie gesagt: Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist: Du bist eine alleinstehende, ältere Frau mit Behinderung. Das ist wirklich so die unterste Stufe auf der Leiter, darunter geht es schon nicht mehr. Und das sind wirklich diejenigen, die in bitterster Armut irgendwo ihr Leben qualvoll durchstehen müssen.

Und der·der Referent·in hat auch noch mal der Vergleich zu Deutschland geholfen. Ich weiß nicht, ob er·sie das erste Mal hier war, aber er·sie sagte: Wenn ich mir Deutschland anschaue und ich sehe hier die armen Menschen, dann muss ich feststellen, ein armer Mensch in Deutschland wäre in meiner Heimat ein reicher Mensch. Das Elend, was da unten in einigen lateinamerikanischen Ländern existiert, ist nicht mal ansatzweise vergleichbar mit dem, was wir hier als arm skizzieren. Und das gar nicht, um jetzt irgendwie anzugeben oder Elend zu beschönigen, sondern einfach um klarzustellen, wie die Situation in Lateinamerika vor Ort ist.

Stefanie Mir drängt sich jetzt schon so die ganze Zeit eine Zwischenfrage auf, die gerade nicht thematisch unbedingt passt. Aber ich habe gedacht, die Teilnehmenden, die mit dir zusammen da waren - Du hast ja auch gesagt, das war gut, dass Referent·innen da waren aus dem globalen Süden, also dass ihr mit ihnen sprechen können und nicht über sie - genauso gut müsste es ja eigentlich auch sein, wenn die Teilnehmenden möglichst divers aufgestellt sind. War das so, dass eine gewisse Diversität herrschte? Ich meine, du hast ja bestimmt nicht mit allen 100 gesprochen, aber hattest du so den Eindruck oder waren das wieder irgendwie üblich?

Carsten Nein, es war nicht divers. Das ist auch tatsächlich ein Feedback gewesen, was ich dann noch auf diese Tafeln geschrieben habe, das hätte ich erwartet. Also mit divers meine ich jetzt nicht nur Geschlechterdiversität, sondern tatsächlich eine Durchmischung der Teilnehmer hinsichtlich ihrer ethnischen, kulturellen Abstammung, aber auch Altersdurchschnitt.

Stefanie Und vielleicht auch Bildungsabschluss.

Carsten Und Bildungsabschlüsse. Ja, also ja, ich sag jetzt mal einen Querschnitt der Gesellschaft, mindestens. Ja gut, das ist eine freie Veranstaltung. Das ist nicht so, dass da jetzt irgendwie ein statistisches Bundesamt dann Leute einlädt und das dann sicherstellen kann, ja, aber das hat mir tatsächlich gefehlt, das hätte ich erwartet.

Stefanie Und wie sah das Bild aus? Also waren es eher junge Frauen oder eher alte Männer? Also in welche Richtung ging es?

Carsten Also tatsächlich habe ich den Eindruck gehabt, dass ein bisschen mehr aus meiner Sicht weiblich gelesene Personen da waren. Aber wobei das Verhältnis ich weiß nicht so 60 zu 40 oder so was war. Was das betrifft, so von der Geschlechtsidentifikation kann ich es ja nicht sagen, aber von dem, was ich von außen wahrgenommen habe, war es schon mindestens 60 zu 40. Aber was sehr auffällig war: es waren weiße Menschen und Leute wie ich waren gar nicht existent.

Stefanie Wer sind denn Leute wie du?

Carsten Ich war die Quotenmitte vom Altersdurchschnitt. Also ich hatte echt den Eindruck, es sind primär Personen gewesen, Menschen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn waren oder

Stefanie am Ende.

Carsten Oder ihren Arbeitsprozess schon hinter sich gebracht haben. Hat eine Person in der Pause zu mir gesagt...

Stefanie „Ich habe meinen Arbeitsprozess schon hinter mir.“?!

Carsten Aber auch die Person kam aus dem schulischen Umfeld, war glaube ich mal Lehrer·in und die jungen Menschen, die ich dort gesehen habe, würde ich - da bin ich vielleicht jetzt gerade so ein bisschen unscharf und vielleicht auch ungerecht – als Student·innen einschätzen, also ganz klar unter 30.

Stefanie Anfang 20..

Carsten Personen ab 30 bis 60 waren, wenn man es jetzt auf die Gesamt Teilnehmer·innenZahl bezieht, quasi nicht existent. Ich war da gefühlt der einzige. Da waren wohl noch einige Referent·innen, die so in diese Altersklasse fielen. Aber ansonsten muss ich sagen, das war echt eine Lücke.

Stefanie Das ist interessant irgendwie. Hast du eine Idee, woran das lag?

Carsten Ich hatte zwischendurch auch schon mal den Gedanken, ob ich das vielleicht mal in eine Podiumsdiskussion als frage. Es passte inhaltlich gar nicht von der Frage her. Aber es war tatsächlich etwas, wo ich persönlich auch ein bisschen mit zu kämpfen hatte, weil das hat mir natürlich so den Anschluss ein bisschen verwehrt, weil ich den Eindruck hatte, dass entweder altersmäßig die Person gut zusammen passten oder ich sag jetzt mal die Student·innen - für mich waren es ganz klar Personen, die studieren, von dem, was ich so aus den Randgesprächen im Vorbeigehen, im Danebenstehen mitbekommen habe, drehte sich alles irgendwie um: Was studierst du denn so? Nee, ähm, ein Thema, wo ich ja gar nicht mitsprechen kann. Aber das war dann auch tatsächlich eine andere Generation. Und da jetzt reinzugehen und sich daneben zu stellen, zu sagen: Hey, hier bin ich, lasst uns doch mal kennenlernen. Ich bin ja sowieso eher so ein zurückhaltender Mensch. Aber das war so, ich kam mir so ein bisschen vor wie so ein Alien.

Stefanie Okay. Ja, und was ich ja zu Beginn auch eigentlich noch fragen wollte - ich habe ja jetzt angefangen, Deutsche Gebärdensprache zu lernen. Also so ein bisschen zumindest und bin deswegen ja auch so ein bisschen dahingehend sensibilisiert. Du sagtest es schon Deutsche Gebärdensprache Dolmetschende gab es nicht.

Carsten Nein, gab es nicht. Es war wirklich ein Simultanübersetzung auf verbaler Schiene.

Stefanie Ja, aber ich meine jetzt generell, es müssten Dolmetscherinnen da sein, also für sämtliches gesprochenes Wort, da du nicht von Menschen, die gehörlos sind, erwarten kannst, dass die das irgendwie so aufnehmen. Also das sollte, denke ich, mittlerweile auch Standard sein. Es geht ja um Barrierefreiheit, um Inklusion und genau auch darüber nachzudenken, wie ein gutes Leben für alle aussehen kann. Und da müssen alle mitgedacht werden. Ich merke es jetzt erst dadurch, seit ich mich mehr damit beschäftige. Ich versuche jetzt auch meine Kursformate anders zu denken. Deswegen habe ich auch gedacht bei der Veranstaltung. Es ist dann auch wirklich so, dass du als gehörloser Mensch dann echt wenig Auswahl hast.

Carsten Ja, das ist auch die Frage: Wie gehst du als Organisationsteam mit einer solchen Anforderung der Barrierefreiheit um? Verlässt du dich darauf, dass, wenn Interesse geäußert wird, du erst dann nachsteuerst und sagst, solange sich niemand anmeldet, mache ich auch nichts? Ich würde auch denken, dass ich per se sage, die Veranstaltung ist barrierefrei, damit Menschen, die z.B. gehörlos sind, dann sagen: Hey, ich muss da nicht großartig hinterher fragen, sondern ich kann davon ausgehen, dass es barrierefrei ist.

Stefanie Das ist genauso wie mit dem Essen. Nee, also da hatten wir ja vorher auch nachgefragt und dir war zugesagt worden, dass es veganes Essen gibt, aber es war nicht explizit ausgeschrieben.

Carsten Aber es war auch durchmischt. Also ich ich hätte jetzt tatsächlich erwartet, dass bei einer Veranstaltung,

Stefanie wo es um Nachhaltigkeit geht...

Carsten Nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern tatsächlich auch um die Frage: Wie kann ein gutes Leben für alle aussehen, das zum einen mit „alle“ alle Lebewesen gemeint sind. Das war nicht der Fall. Es ging da in diesem Veranstaltungskontext wirklich nur um rein menschliche Tiere. Und beim Essen hat sich das insofern wiedergespiegelt, dass ich bei einigen Mahlzeiten eine relativ gute vegane Auswahl hatte, bei anderen Mahlzeiten nicht. Also es war so tatsächlich fifty fifty. Also es gab vier Mahlzeiten, oder fünf in den Pausen.

Stefanie Aber du hast ja auch gesagt, wenn es in den Pausen Kaffee und Kekse gab, waren die Kekse nicht vegan.

Carsten Aber der Kaffee!

Stefanie Der Kaffee war vegan. Ist ja toll. Ich bin total begeistert.

Carsten Ja, es war so eine ganz, ganz komische Durchmischung. Also mit Durchmischung meine ich. Du hast Sojamilch gehabt, du hast Hafermilch gehabt und du hast Kuhmilch gehabt, wo du denkst, Oh, da haben die ja richtig gut mitgedacht. Also Sojamilch, Hafermilch. Den Unterschied kann ich mir mit Allergien erklären, aber es wird ja berücksichtigt. So, dann guckst du aber auf die andere Tafel, wo Kuchen ist und Plätzchen. Du schüttelst den Kopf?

Stefanie Ich schüttele den Kopf, weil ich denke, dass alle Veranstaltungen, die irgendwie mit Nachhaltigkeit zu tun haben sollten, rein veganes Essen haben sollten. Du kannst es einfach nicht mehr verantworten. Du kannst da nicht Kuhmilch hinstellen, die einen mega Fußabdruck hat oder Fleisch servieren oder sei es auch nur vegetarisch. Das muss einfach vegan sein. Also ich meine, da gibt es gar keinen Diskussionsraum mehr.

Carsten Nee, für mich eigentlich auch nicht. Aber ich habe gemerkt, ich bin völlig in der Minderheit. Also nicht nur altersmäßig.

Stefanie Das ist ja auch gerade das Problem!

Carsten Ich glaube, es gab drei Personen, also zumindest zwei weitere haben sich indirekt zu erkennen gegeben, die auch vegan leben. Das war dadurch bedingt, dass nachher in der finalen Feedbackrunde, was ich vorhin schon sagte, wo die Plakate hingehangen wurden, da gab es ein großes Plakat mit der Überschrift „Für diese Utopie stehe ich ein.“ Jede teilnehmende Person konnte da selber reinschreiben: Was ist jetzt meine persönliche vegane Utopie? Und ich habe dahin geschrieben „Ich bin für eine Welt jenseits des Karnismus.“ Ich habe ganz bewusst Karnismus genannt, um so ein bisschen anzuecken.

Und dann habe ich ein paar Minuten später, als ich dann noch mal dran vorbeigegangen bin, zu gucken, wer hat wann wo was noch dazu ergänzt gesehen: Da hatten sich dann noch zwei Personen da direkt darunter eingetragen. Ein Eintrag war go vegan und eine weitere Person hat dann noch ein blaues Kreuzchen dahinter gemacht. Und diese Kreuzchen wurden verwendet, um zu sagen das mag ich auch, das muss ich nicht doppelt und dreifach schreiben, sondern ich gehöre dazu. So also von daher drei Personen, die sich zumindest öffentlich als vegan leben outen, würde ich jetzt mal attestieren. Also wenn ich nicht vegan lebe, würde ich das vielleicht da nicht hinschreiben, aber das ist natürlich in so einem Teilnehmendenkreis gut. Der Bundesdurchschnitt, so 3 % Veganer·innen aber trotzdem.

Stefanie Also ich finde wirklich alle Veranstaltungen, die irgendwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben, die müssen einfach vegane Verpflegung haben. Das ist egal, ob die Leute vegan leben oder nicht. Das sollte Standard sein, da sich dann noch darüber zu freuen: Ui, da gibt es sogar Hafer- oder Sojamilch zum Kaffee ist nicht okay.

Carsten Ich habe mich erstens nicht getraut und habe auch zweitens nicht gesagt, dass es nicht okay ist.

Stefanie Wir machen eine kurze Pause, damit ich Carsten auf die Finger hauen kann und dann geht es jetzt weiter. Tata!

Carsten So, die Finger sind noch dran. Ja, klar, Das ist nicht okay. Das ist da in dem Kontext auch überhaupt nicht weiter bedacht worden. Und das war auch etwas, was ich persönlich sehr schade fand, weil für mich das persönliche Erlebnis am Freitagabend beim Abendessen sehr gut war. Da habe ich eine reichhaltige Auswahl gefunden, mit der ich auch satt geworden bin. Und das Ganze ebbte dann am nächsten Morgen beim Frühstück und auch beim Mittagessen ab, wo sich das wirklich auf eine Option reduziert hat, wo ich dachte, das ist vielleicht die Beilage. Ein bisschen mehr hätte ich jetzt schon erwartet, wenn ich nur eine Scheibe Brot mit Margarine oder so. Gut, es gab diesen veganen Standardaufstrich, so Gewürzpasten oder sowas, ja, aber das war definitiv zu wenig. Aber mein Eindruck war, ich komme freitags dahin und sehe vegan und vegetarisch und mehr gab es da nicht. Denke zumindest mal so die Richtung stimmt und komme dann am nächsten Morgen in den gleichen Saal und stellt fest jetzt hast du wieder alles. So von diesem klassischen Rührei und gekochten Eiern über Joghurt bis hin zu Schinken und Käse und also hat sich jetzt in irgendeiner Art und Weise nicht wirklich verändert von der Standardernährung. Ja, und das hat mir dann die Illusion wieder genommen.

Stefanie Ja, wir schweifen tatsächlich ein bisschen ab. Okay, ich bin schuld. Ich wollte nur mal so diese Fragen stellen und noch mal darauf hinweisen, dass Veranstaltungen, die mit Nachhaltigkeit zu tun haben, immer noch nicht wirklich fortschrittlich sind, was zumindest die Ernährung angeht.

Carsten Fortschrittlich ist aber ein gutes Thema.

Stefanie Fortschritte. Die geniale Überleitung.

Carsten Unbewusst, aber ja. Genial passend. Ich würde ganz gerne noch mal – da wo ich unterbrochen wurde - Lateinamerika nochmal zur Sprache bringen.

Stefanie Wir müssen mal kurz noch mal anhalten. Ich muss Carsten wieder disziplinieren. Hier. So, Lateinamerika.

Carsten Lateinamerika? Genau. Also Fortschritt. Es gibt tatsächlich Emanzipationsbestrebungen oder Vorhaben, die ich da auch kennengelernt habe. Das eine Thema, das hatte ich vorher noch gar nicht mitbekommen, war, dass El Salvador - also nicht El Dorado, sondern El Salvador - anscheinend vor fünf Jahren den Metallbergbau verboten hat. Da gab es entsprechende gesellschaftliche Bewegung, die dafür gesorgt haben, dass diese krassen ökologischen Auswirkungen, aber auch alles das, was irgendwo mit Menschenrechtsverletzungen und sowas zu tun hat, was alles direkt den Metallbergbau betrifft in den Fokus gerückt wird und deswegen die Rechte der Natur und der Menschen gestärkt wird. Und das hatte zur Folge, dass vor fünf Jahren ein Verbot dieses Metallbergbaus stattfand.

Und das ist natürlich etwas, das finde ich total spannend, weil das ja eigentlich dieses Extraktivismus -Thema ist. Da, wo wir vom globalen Norden sagen: Hey, das ist ein riesiger Rohstoffvorrat, riesige Vorkommen, da kann ich schürfen, ich greife da einfach zu. Ich habe da vielleicht - das ist jetzt ein bisschen polemisch gesagt - ich habe ja genügend Geld. Ich kann da in diese Region reingehen, kann mir Landrechte kaufen, wo auch immer die Rechtsgrundlage herkommt, kriege ich Rückendeckung von den entsprechenden schwachen Regierungen, denen gebe ich auch Geld. Ja, also so jetzt meine blauäugige Sichtweise. Das läuft alles rechtsstaatlich und ja, aber dass ein Land wie El Salvador sagt: Hey, komm, dem entziehe ich mich. Meine eigenen Belange, das Wohl meiner Umwelt, das Wohl meiner eigenen Bevölkerung steht über dem wirtschaftlichen Interesse von internationalen Firmen, das finde ich sehr, sehr spannend.

Und das andere Thema, und da möchte ich zukünftig tatsächlich persönlich noch ein bisschen tiefer einsteigen, weil mir das völlig neu war, das hat eine·r der Referent·innen aus Argentinien angeführt, dass es dort einen sogenannten ökosozialen Pakt gibt, der lateinamerikanischen Länder. Mehr als 70 Organisationen in den lateinamerikanischen Ländern haben einen sogenannten ökosozialen Pakt geschmiedet, um eine entsprechende sozial ökologische Transformation in Lateinamerika voranzubringen. Und das ist eine Emanzipationsbewegung, die direkt aus dem globalen Süden entspringt. Und der Referent, das ist der Enrico Viale gewesen, der aus Argentinien stammt. Der hat noch mal betont, dass das tatsächlich etwas ist was zwar originär aus dem globalen Süden stammt oder konkret Lateinamerika, man aber im Rahmen dieser ganzen Prozesse auch mit Organisationen in Afrika, konkret Südafrika, in Asien, aber auch im globalen Norden gesprochen hat. Aber es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass das Ganze aus dem lateinamerikanischen Raum kommt, dass die das selber schaffen. Man koppelt sich da inhaltlich auch von allen anderen Interessensgebenden ab.

Also nicht dieses klassische Entwicklungshilfe vom globalen Norden in den globalen Süden. Dieser „White Saviorism“. [Erklärung des Begriffs in einfacher Sprache, übersetzt durch das Klartexttool des FC St. Pauli: „White Saviorism“ bedeutet, dass weiße Menschen oft denken, sie müssten anderen Menschen helfen. Diese anderen Menschen haben oft eine andere Hautfarbe. Sie leben oft in armen Ländern. Die weißen Menschen denken, sie wissen besser, was gut für diese Menschen ist. Das ist nicht immer richtig. Jeder Mensch weiß am besten, was gut für ihn ist. Es ist wichtig, dass wir alle Menschen gleich respektieren. Wir sollten nicht denken, dass eine Person besser ist als eine andere. ]

Sondern dass da die Kräfte vor Ort sagen: wir wissen am besten, was wir brauchen, wir machen das unabhängig davon. Und das ist natürlich eine Entwicklung, die wurde auch mehrfach diskutiert, so von der Frage: Ja, was braucht ihr denn? Braucht ihr Unterstützung aus dem globalen Norden? Oder müssen wir jetzt erstmal warten, was bei euch rauskommt? Hat das denn auch eine Strahlkraft auf uns im globalen Norden, wo wir vielleicht im globalen Norden von unserer Gesellschaftsbewegung her im Moment eher Stillstand oder Rückschritte verzeichnen? Also da ist die soziale Bewegung im Moment mal wieder relativ gering im Vergleich zu dem, was sich da in Lateinamerika tut.

Da wird also gefragt: Sollen wir erstmal abwarten? Und wenn ihr dann wirklich erstarkt und eine richtig große soziale Bewegung etabliert habt und dann auch solche Ideen in die Politik einbringt, um da einen Transformationsprozess zu starten, können wir dann im globalen Norden dann darauf aufsatteln oder so? Dieses Zusammenspiel wird diskutiert, allerdings offen. Es ist da für mich so durchgeklungen, es gibt Personen, die heute so in der nördlichen westlichen Hemisphäre schon so ein bisschen in Pessimismus versandet sind. Eine Stimme aus dem Teilnehmendenkreis meinte: Ja, ich gehe seit 40 Jahren auf solche Konferenzen und irgendwie tut sich nichts.

So, und jetzt kommt da natürlich richtig Fahrt in Lateinamerika auf, wo die Leute sagen: Nee, wir müssen das Thema angehen, wir müssen das selber lösen. Der globale Norden hilft uns nicht. Alle Maßnahmen, die da in den letzten Jahrzehnten beigesteuert wurden, haben die Situation nur verschlechtert. Wir müssen das stärker jetzt selber in Angriff nehmen, bis hin zu diesen Themen Berücksichtigung von Naturrechten, also die Natur anders zu bewerten. Und in dem Zusammenhang ist auch ein sehr schöner Ausspruch gekommen: Wir sind Natur, wir Menschen sind Natur. Wir können uns nicht losgekoppelt sehen, sondern wir gehören einfach dazu, müssen das berücksichtigen. Und das sind so zentrale Bausteine, die da jetzt tatsächlich ins Rollen kommen.

Und das ist etwas, da will ich mich in naher Zukunft noch mal intensiver mit beschäftigen, weil ich das einfach wissen möchte, was da konkret hinter steht. Wer agiert da mit? Wie weit sind die? Was passiert da? Inwiefern strahlt das heute schon so auf politisches Geschehen ab? Inwiefern passt das zum Beispiel mit diesem Buen Vivir Gedanken, der in Ecuador und Bolivien tatsächlich in der Verfassung hinterlegt ist, zusammen? Wird das davon beeinflusst? Ja, finde ich total spannend, weil da ist wirklich Bewegung drin im Moment.

So, und hier im globalen Norden, das wurde da auch in der Konferenz noch mal erwähnt, verzeichnen wir eigentlich eher Rückschritte. Gar nicht, weil die Sozialbewegung Rückschritte macht, sondern weil die Realpolitik nach außen hin sagt: Hey, wir wollen jetzt CO2 neutral werden, wir wollen klimaneutral werden. Wir legen das Abkommen, wir machen einen Klimapaket und keine Ahnung, was die einzelnen Regierungen tun und reden. Aber realpolitisch passiert genau das Gegenteil. Wir legen uns fest auf Erdöl, Erdgas. Wir weiten jetzt alles noch mal so weit aus, wie irgendwie geht. Also ein bisschen übertrieben, aber das läuft noch weiter. Vorhin habe ich irgendwo gelesen, dass jetzt so die ersten Windkrafträder schon abgerissen werden, damit der Braunkohlebagger da durch kann. Also der totale Irrsinn geht da und völlig in die falsche Richtung. Und das ist eigentlich so der Rückschritt und da müssen wir natürlich aufpassen, wir so als Zivilgesellschaft, aber auch wir im Rahmen von politischen Akteuren, dass wir uns da nicht irgendwelche Türen verschließen, dass wir da auf einmal langfristige Abhängigkeiten wieder schaffen in fossile Energieträger, von denen wir eigentlich wegkommen wollen.

Ich weiß, dass das alles getrieben und befeuert wird durch den Ukrainekrieg, aber ich kann da das eine nicht für das andere opfern. Also ich meine, ja klar, da ist jetzt gerade Krieg, aber wenn ich jetzt nicht gleichzeitig versuche, die Klimakrise zu lösen, dann habe ich da die nächsten riesigen Baustellen. Also ich muss irgendwie alles zusammendenken und das ist da, wie gesagt, in dieser Konferenz auch stark thematisiert worden, leider mit einer großen Ratlosigkeit. Also viele sind einfach überfordert und wissen einfach nicht ganz genau, wie kann ich damit umgehen? So, und diese Ratlosigkeit, die habe ich auch in der Podiumsdiskussion am Freitagabend irgendwo zumindest für mich wahrgenommen. Das war das, was ich vorhin schon als Sven Giegold Show bezeichnete. Wobei die Bezeichnung nicht von mir kam. Auch das ist aus diesem Feedback entstanden oder für mich dann herauslesbar gewesen.

Sven Giegold hat in seiner Form als Staatssekretär natürlich ein bisschen was aus dem Politalltag erzählt. Logisch. Jemand, der seit zwölf Jahren im Europaparlament war und jetzt auch in einer Ampelkoalition bei Koalitionsverhandlungen dabei ist und generell politische Prozesse sehr intensiv betreut, der kann da ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Und so ein paar Aspekte, die für mich auch so ein bisschen desillusionierend waren, mag ich hier noch mal kurz nennen.

Das eine betraf das Thema der Gewerkschaften. Ich hatte am Anfang vorhin schon gesagt, dass ich überrascht war, dass ein Gewerkschaftsvertreter, ein Referent des Deutschen Gewerkschaftsbundes dabei war. Der hat natürlich dann sehr schön erklärt, wie Gewerkschaften da jetzt mit reinarbeiten über Transformationsräte, die natürlich gucken, was tut sich auf dem Arbeitsmarkt, wo fallen vielleicht zukünftig Branchen oder Arbeitsplätze weg, wie gehe ich damit um? Wie kann ich die Person dann aufgreifen? Ein plastisches Beispiel, was da genannt wurde von dem Herrn Rohde, war die berühmt berüchtigte Wärmepumpe.

Ja, ich habe heute einen steigenden massiven Bedarf an Wärmepumpen, aber es fehlt an Fachkräften, die die Dinger installieren können. Dass in solchen Situationen die Gewerkschaften, weil sie nah am Arbeitsmarkt agieren, sehen, wo sind Branchen, wo Arbeitsplätze wegfallen? Stichwort Montanindustrie, Braunkohleindustrie. Wo kommen jetzt weitere Industriezweige dazu, wo ich Arbeitskräfte generieren muss und wie kriege ich die Personen, die aus der Arbeit rausfallen, wieder in die neue Arbeit rein? Also sprich Weiterqualifikation etc. pp. Es wurde also schön dargestellt, war aber nicht das einzige, wo die Gewerkschaften mit reingreifen. Aber die Rolle der Gewerkschaften wurde für mich prominenter und greifbarer.

Und Sven Giegold hatte das dann in dieser Podiumsdiskussion aufgegriffen und meinte, er hätte die negative Erfahrung gemacht, dass konkret, wo es um umweltschädliche Subventionen geht. Wir reden da über einen Topf von roundabout 50 Milliarden €, die jährlich von der Regierung in Industrien gegeben wird, von denen ein enormes umweltschädliches Verhalten ausgeht, wo wir einfach wissen hey, diese Industrien dürfen so in der Art und Weise entweder gar nicht mehr existieren oder müssen eigentlich ihr Geschäftsfeld so umändern, dass es nicht mehr umweltschädlich ist. Aber wir dürfen dieses bisherige Verhalten nicht mehr finanziell unterstützen. Also müssen wir hingehen und diese Subventionen streichen.

Sven Giegold sagte, es ist der riesige Kampf gewesen. Wir haben Stunden debattiert, um überhaupt kleinste Fortschritte zu bekommen. Und kurioserweise waren einige der massivsten Gegner für Subventionsabbau die Gewerkschaften. Die haben sich also quasi auf die Gegenseite gestellt. Da, wo die Politik gesagt hat: Hey, wir müssen dieses umweltschädliche Verhalten ändern, wir entziehen euch das Geld, wir wollen dieses Geld in Maßnahmen investieren, die klimaschonend sind. Und dann stellen sich die Gewerkschaften hin und sagen: Nein, machen wir nicht. Weil die Gewerkschaften natürlich ein ureigenes Interesse daran haben, bestimmte Arbeitsplätze zu erhalten. Und das war auf der einen Seite steht dann die Gewerkschaft, die sagt: Wir packen das tatkräftig an, wir sind Mitgestalter dieses Transformationsprozesses. Und dann kommt die Politik und sagt: Ja, aber gerade neue Regierung, Ampelkoalition, da haben wir über das ganze Thema diskutiert und da wolltet ihr nicht.

Nee, das ist so etwas, wo ich dann denke: Boah, klar relativiert das ein bisschen was von dieser aus der Gewerkschaftssicht dargestellten tollen Funktion. Auf der anderen Seite ist das natürlich insofern auch desillusionierend, als dass du merkst, na ja, eigentlich so eine Kraft, eine Institution, die sich selber als progressiv nach außen stellt, ist im Hintergrund die massivste Bremse schlechthin. Wie sollst du denn da Politik umsetzen?

Und auch das Thema Tempolimit ist gekommen, da, ich weiß nicht, irgendwie in die Diskussion eingeflochten und Sven Giegold sagt, das ist eigentlich auch aus seiner Sicht, ich sage jetzt mal, ein no brainer. Er ist absolut für das Tempolimit und hatte nochmal darauf hingewiesen, dass diese FDP Haltung ja dafür sorgt, dass kein Tempolimit umgesetzt wird und das, was Sven Giegold dort vorgeschlagen hat, er hätte jetzt ja auch noch nicht festgestellt, dass jetzt die riesigen Menschenmassen auf die Straße gehen und dieses Tempolimit einfordern. Das hat er deswegen gesagt, weil ja laut Umfragen die Mehrheit der Bundesbevölkerung für ein Tempolimit ist, so dass also auch in den ich sag jetzt mal Politikkreisen eigentlich die FDP auf einsamem Posten steht. Ja, und da kam tatsächlich die Frage auf, wenn sowieso der breite Konsens existiert, wieso kriegt ihr das nicht umgesetzt?

So, und wenn dann ein Politiker aus der aktuellen Regierung sagt: ja, aber ich nehme da nicht wahr, dass ihr als Zivilgesellschaft auf die Straßen geht und das einfordert. Das war so ein Moment, wo ich persönlich denke: Verliere ich jetzt komplett das Vertrauen in meine Regierung? Wir haben eine breite Mehrheit in der Gesellschaft, die ist offenkundig. Ich habe nur eine Partei, die dagegenspricht, die vielleicht gerade in der Regierung drin ist. Und es ist ja im Grunde genommen, was ich vorhin schon sagte, ein no brainer oder sonst so ein quick win. Also da ist ja jetzt wirklich nichts bei. Ich muss ja nicht viel machen, um so ein Tempolimit umzusetzen, wenn ich selbst dieses kleinste Detail politisch nicht durchsetzen kann. Kann ich denn dann überhaupt erwarten, dass die Politik den großen Wurf tätigt? Das ist so die Frage, die ich mir gestellt habe, weil mir so ein bisschen die Illusion in die Tatkraft der Politik genommen.

Und Sven Giegold hat auch das Klimapaket der Bundesregierung sehr beschönigt und optimistisch dargestellt. So, wenn man dann so seiner Ausführung Glauben schenkt, dann ist das das absolut Progressivste und Tollste, was jemals da irgendeine Regierung hinsichtlich der Klimasituation gemacht hat. Dann kam natürlich Gegenwind aus dem restlichen Podiumskreis, wo gesagt wurde Moment, das reicht ja vorne und hinten nicht. Also selbst wenn ihr jetzt die optimistischste Umsetzung habt, liegen wir noch weit hinter den tatsächlichen Klimazielen, die wir erfüllen müssen, um dieses 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Du kannst das schönreden wie du willst, aber selbst im optimistischen Fall reicht es einfach schlichtweg nicht. Es ist einfach ungeeignet.

So, und dann kam etwas, wo ich bis heute nicht sicher bin: Ist das so eine Art schwarzer Humor von Sven Giegold? Ich sag mal so zwischendurch gemerkt, dass er einen ganz trockenen Humor einfließen lässt. Aber er sagte dann, weil dann die die Thematik auch kam, 1,5 Grad Ziel werden wir sowieso nicht erreichen, sagte eine Person. Machen wir uns keine Illusion, so wie die Politik momentan vorangeht, 1,5 Grad kriegen wir nicht hin. Und dann meinte Sven Giegold: Ja, wird er gar nicht sagen. Nur Gott weiß, was die Zukunft bringt.

Das war so, alle Münder standen offen. So, wie solltest du jetzt darauf reagieren? Was ist das denn für ein Totschlagargument? Äh, ja, sorry. Also nee. Und natürlich dann im Hinterkopf immer behalten.: Das Ganze fand an einer katholischen Wirkstätte statt.

Stefanie Hat er vielleicht deswegen gesagt.

Carsten Ja und dann ziehst du natürlich so ein Thema komplett aus sämtlicher Diskussion raus. Also das ist so, aber es ist schade gewesen, weil ich glaube, da hat er viel Vertrauen verspielt, zumindest bei mir. Was jetzt tatsächlich so Regierungsmöglichkeiten betrifft, weil wenn ich mich dann, wenn es eng wird, zurückziehe und sage: Hey, Moment, das liegt alles in Gottes Hand, dann brauche ich keine Politiker·innen, dann gehe ich in die Kirche und bete. Oder wenn ich sage, da muss das Volk aber auf die Straßen gehen, damit ich ein Tempolimit umsetze, brauche ich auch keine Regierung. Dann bastle ich mir meine Verkehrsschilder selber und bring die so an, also weiß ich nicht. Das passt eigentlich nicht. Und das war so, Hm. Wie gesagt, ich habe so ein bisschen das Vertrauen in die Politik verloren.

Oder das, was ich vielleicht, wenn ich es positiv sehe, festgestellt oder wahrgenommen habe, ist: Die Politik muss man vor sich hertreiben. Von alleine passiert da nicht viel. Also wenn, dann müssen wir wirklich mit massivsten Protesten versuchen, die Politik vor uns her zu treiben und als gesellschaftliche progressive Kraft Dinge einfordern. Von alleine wird die Politik sich sehr schwer damit tun, genau die richtigen Maßnahmen umzusetzen. Das ist einfach zu viel Realpolitik und zu wenig Utopie. Und vielleicht ist Utopie jetzt auch das letzte gute Stichwort.

Es hatte sich am zweiten Tag dieser Konferenz tatsächlich ja auch um die Frage gedreht: Wie sieht denn dann nachher die neue Weltwirtschaft aus? Was sind denn da so diese Utopien oder real Utopien? Und da kann ich auf die Person Elisabeth Voss verweisen. Wir verlinken das auch noch mal in den Shownotes und unter dieser Folge, die Frau Voss hat eine Internetseite, wo all diese Sachen, die sie im Laufe der letzten Jahrzehnte erarbeitet hat, auch im Detail aufgeführt werden. Sie hat auch Bücher geschrieben, mindestens eins, ich glaube mehrere zu diesen ganzen Themen. Sie hat da einen sehr, sehr vollen Vortrag gehabt, wo all das aufgeführt wurde. Und ich kann das jetzt nur wirklich facettenhaft umreißen, aber ich kann auch Eigenwerbung machen für uns. Wir haben viele von diesen Sachen bei uns im Podcast schon irgendwie behandelt, also wir lagen gar nicht so verkehrt.

Im Grunde genommen ist es ein Zusammenspiel aus all den Nischen, die wir jetzt schon so wahrgenommen haben. Angefangen von Donut Ökonomie, Gemeinwohlökonomie, Ökodörfern, Kooperativen, Kommunen, MietshausSyndikat wurde genannt. Generell wurden Beispiele genannt, wo Unternehmen in die Hände der Mitarbeiter·innen übergeben wurden. Also Argentinien hat da sehr prominente Beispiele, wo Unternehmen, die - ich weiß nicht, ob sie Pleite gegangen sind, aber die wurden tatsächlich von den Mitarbeiter·innen weitergeführt, gegen alle massivsten, auch gewalttätigen Widerstände. Und das sind so Beispiele gewesen, die sie genannt hat. Buen vivir ist gefallen. Commons sind Themen, die da mit reinspielen.

Also im Grunde genommen ein Puzzle oder ein Zusammengewebe aus all diesen Sachen wird nachher tatsächlich bestimmen, wie unsere zukünftige nachhaltige Weltwirtschaft aussieht, die ein gutes Leben für alle bereitstellt. Das ist so, auf der einen Seite haben wir ein riesiges Potpourri an Einzelmaßnahmen, die jede für sich funktioniert, wo wir jetzt im Grunde genommen von der breiten Masse her zusehen müssen, dass sich das noch weiter verbreitet. Dass das raus aus der Nische kommt. Und das ist so meine persönliche Mutmaßung: wahrscheinlich müssen wir regional oder auch in den einzelnen Ländern unterschiedlichste Gestaltungsmodelle miteinander verweben, die dann kooperativ zusammenarbeiten, um trotzdem irgendwo noch einen Welthandel zu haben. Es geht ja nicht darum, reine lokale Produktion, sondern auch im Welthandel zu realisieren. Immer geführt mit der Frage: Was kann vor Ort produziert werden, was muss ich aus fernen Ländern dann doch noch holen? Muss ich das tatsächlich holen? Muss ich jeden Tag meine drei Tassen Kaffee trinken? Die Frage wurde tatsächlich diskutiert oder kann ich dann auch irgendwo was anderes trinken? Was gab es eigentlich vor dem Kaffee? Wurde dann als Gegenfrage gestellt und im Hintergrund hat dann jemand gerufen Muckefuck, wo dann wieder das Lachen durchgekommen ist. Also ja, all diese Fragen fallen mit rein.

Aber das ist so tatsächlich das Maß der Dinge, an dem wir uns orientieren können. Ein Zusammenspiel aus all diesen Formen. Und wie gesagt, ich habe das jetzt nur einmal verbal ganz grob umrissen. Wir haben, wie gesagt, viele Sachen schon in einzelnen Podcastfolgen diskutiert, werden auch in Zukunft immer mal wieder andere, vielleicht bisher noch nicht so im Detail behandelte Themen nochmal mit eigenen Podcastfolgen diskutieren, behandeln, feiern. Wie auch immer. Und wenn du jetzt schon neugierig bist, guck doch mal bei Elisabeth Voss auf der Internetseite, da findest du wirklich ein Extrakt und kannst da wirklich noch mal in die Tiefe reingehen und sagen Hey, das ist etwas, das ist vielleicht für mich auch praktisch greifbar. Das ist vielleicht mit meiner Lebensrealität im Moment recht kompatibel. Da kannst du noch mal reingehen und gucken, kannst du es adaptieren oder wie kannst du es denn sonst irgendwie bekannt machen? Also allein das darüber sprechen ist ja schon wertvoll, dass Menschen wissen, wie kann eine Utopie gestaltet werden oder aussehen?

Stefanie Ja, und jetzt, bevor die Wortfindungsschwierigkeiten zu groß werden und die Zunge schwer, noch die Frage: Würdest du wieder hingehen zu dieser Konferenz? Ist das ein Format, was du empfehlen kannst?

Carsten Ja, also generell glaube ich, sind solche Konferenzen schon aus dem Grunde gut, als dass ich die Möglichkeit hatte, wirklich mal komplett ins Thema abzutauchen. Es gab ja rechts und links nichts anderes. Ich war voll im Thema drin und da kommen ganz andere Gedanken, als wenn ich sage, ich beschäftige mich jetzt mal eine halbe Stunde, eine Stunde oder schau mal eine Doku oder lese mal ein Buch und habe aber ansonsten rechts und links mein ganz normales Alltagsgeschehen. Und das hier hat dann natürlich eine andere Qualität, wenn ich mich voll auf etwas einlassen kann. Und für Personen, die jünger sind als ich oder die ihren Arbeitsprozess schon hinter sich gebracht haben, gibt es dann natürlich auch genügend Anknüpfungspunkte in ihrer Altersklasse. Wobei ich mir echt wünsche, falls ich in Zukunft noch mal die Chance habe, dass da Menschen in meinem Alter sind.

Stefanie Wobei, ich dachte gerade so, das Feedback, was du gerade gegeben hast, kriege ich auch immer beim Bildungsurlaub, dass es toll ist, mal eine Woche in dieses Thema komplett abgetaucht zu sein. Das heißt, deine Altersklasse ist wahrscheinlich immer bei mir im Bildungsurlaub.

Carsten Ach, deswegen war da keiner.

Stefanie Ja, die sind bei mir. Weißt du.

Carsten Ich dachte meine Altersklasse, die muss erstmal den Kapitalismus retten, während die Jüngeren und die Älteren die Kapazitäten haben, um die Welt zu retten.

Stefanie Nee, nee, nee, nee. Also die, die ja voll in der Arbeit noch drin stecken, sind die, die Bildungsurlaub beantragen können und die kommen dann zu mir.

Carsten Ja, das stimmt. Bildungsurlaub kannst du wirklich nur in dieser Konstellation beantragen.

Stefanie Das kannst du nicht als Student·in oder als Mensch, der oder die den Arbeitsprozess schon hinter sich gelassen hat. Also von daher ist das vielleicht das Format. Aber das ist genau dieses Feedback, was ich auch immer wieder bekomme. Es tut tatsächlich gut, mal sich mehrere Tage am Stück oder vielleicht auch nur einen Tag, wirklich aber eine längere Zeit am Stück mit anderen zusammen in einer Gruppe mit diesem Thema zu beschäftigen, da wirklich einzutauchen und nur das zu machen, was aber unsere Podcastfolgen auch nicht abwerten soll, oder?

Carsten Ne, wertet die auf, wir sind ja die Ideengebenden. Vielleicht entstehen ja aus solchen Ideen entsprechende Bildungsurlaube, Angebote oder Konferenzangebote.

Stefanie Oder du kannst sie einfach als Ergänzung und zur Vertiefung anhören.

Carsten Ja, also ich meine, ganz ehrlich, irgendwelche Leute werden sich ja mal mit dem Thema dieser Konferenz auseinandergesetzt haben und haben das dann organisiert. Also da muss irgendwo mal eine Idee gekommen sein.

Stefanie Und die kam aus unserem Podcast.

Carsten Definitiv mal aus so was wie unserem Podcast.

Stefanie Oder sowas wie unser Podcast kam aus unserem Podcast.

Carsten Nein, jetzt ist es ja freibleibend. Es steht ja jeder Person offen ähnliches zu organisieren und sei es einfach nur irgendwie einen politischen Diskussionsabend. Wie auch immer. Also von daher soll das ja als Inspirationsquelle dienen.

Stefanie Genau. Und da wir jetzt schon lange genug geredet haben oder bzw Carsten einfach lang genug geredet hat, sag ich jetzt in diesem Sinne.

Carsten Ja, in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

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