Folge 28 - Ein Leben ohne Auto

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Folge 28 - Ein Leben ohne Auto

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir, warum wir seit über 1,5 Jahren kein Auto mehr haben,
  • wie wir auch ohne Auto zurecht kommen
  • und wie das Leben ohne Auto die Wahrnehmung verändert

Früher war ich der festen Überzeugung, ein Auto zu besitzen sei wichtig.

Mit dem Auto bist Du flexibel und unabhängig. Du kommst schnell von A nach B und kannst unproblematisch Dinge transportieren.

Seit ich kein Auto mehr habe, denke ich manchmal wieviel Geld ich unsinniger Weise für mein Auto ausgegeben habe, obwohl ich es in der Großstadt kaum brauchte.

Mittlerweile messe ich Entfernungen in Fahrradwegen und nutze für längere Strecken Bus und Bahn.

Wenn ich wirklich ein Auto brauche, leihe ich es mir einfach.

Ein Mietwagen hat für mich viele Vorteile. Meist bekomme ich ein fast neues Modell, ich kann mir je nach Anlass die passende Größe aussuchen und ich zahle auch wirklich nur für die Zeit, die ich es brauche.

Vollständiges Transkript

Carsten Heute geht es darum, wie wir unseren Alltag ohne Auto meistern.

Stefanie Genau, dazu müssen wir natürlich sagen, dass wir in einer Großstadt leben und dass da das Leben ohne Auto relativ einfach ist.

Carsten Spielverderber. Ich dachte wir machen es jetzt allen schmackhaft.

Stefanie Na, wir wissen schon, dass es auf dem Land anders sein kann.

Carsten Richtig. Okay, zugegeben. Ja, also ich muss dir zustimmen. Die Infrastruktur einer Großstadt ist schon so ein Faktor, der mir das Leben ohne Auto wirklich ganz enorm erleichtert.

Stefanie Wobei du ja im Moment einen ziemlich langen Anfahrtsweg zur Arbeit hast. Und mit dem Auto wärst du sicherlich schneller.

Carsten Mit dem Auto wäre ich definitiv schneller. Ja, im Moment ist es so, kann ich ja auch gerne mal beisteuern, ich fahre 20 Minuten per Rad zur nächsten Bahnstation. Das könnte ich auch mit Bus fahren. Aber ich finde das Radfahren angenehmer.

Stefanie Der Bus hält direkt vor unserer Haustür. Du müsstest nicht mit dem Rad fahren.

Carsten Ich müsste nicht mit Rad fahren, aber die Busfahrt dauert genauso lange.

Stefanie Genauso schleichend wie Du.

Carsten Genauso schleichend wie ich, genau.

Stefanie Ihr fahrt immer so nebeneinander her und winkt euch zu: Hallo.

Carsten Ich halte mich fest… Nein. Also es sind schon mal die ersten 20 Minuten, dann fahre ich noch ein Stück mit der AKN, das ist quasi Regionalbahn oder so wie die Nordwestbahn. Also Bummelzug hält quasi bei jedem kleinen Bahnhof und sammelt Leute ein. Und dann fahre ich nochmal das letzte Stück von dem Zielbahnhof bis zur Arbeit noch mal 20 Minuten nochmal per Fahrrad. Das heißt also, ich habe zwei Fahrräder, das andere habe ich dann hinten in einem anderen Ort stehen und insgesamt bin ich ungefähr eineinhalb Stunden unterwegs pro Strecke. Ja, so, und das ist natürlich dann schon mal ziemlich, ja relativ lang. Ich versuche das natürlich auch durch zukünftige Positionswechsel...

Stefanie Wir wollen jetzt nicht zu viel verraten.

Carsten Nicht spoilern, genau. Also es wäre schon mein Wunsch, dass ich das in Zukunft ein bisschen verkürzen kann. Aber im Moment ist es so.

Stefanie Nicht durch Einsatz eines Autos.

Carsten Nicht durch ein Auto. Also irgendwie ist die Option für mich eigentlich gar nicht mehr existent.

Stefanie Ja, aber vielleicht können wir vorher noch mal sagen: Wir haben nicht bewusst auf das Auto verzichtet, sondern unser Auto hat vor anderthalb Jahren den Geist aufgegeben und dann haben wir einfach kein neues mehr gekauft und haben dann einfach alle Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad erledigt, als das vor anderthalb Jahren so war. Da hast du noch eine Fahrtstrecke von einer Stunde gehabt, wobei du mit dem Auto teilweise auch nicht viel kürzer gefahren bist.

Carsten Wenn ich schnell gewesen bin, bin ich damals mit dem Auto 35 Minuten gefahren. Das setzt voraus, dass ich keinen Berufsverkehr hatte, früh losgefahren bin und wirklich mit, so hart am Limit gefahren bin.

Stefanie Wir erzählen das hier nicht, was Carsten alles...

Carsten Aber tatsächlich war es so, dass ich für die meisten Fahrten auch 50 bis 60 Minuten gebraucht habe. Gerade so der Rückweg, da, wo ich dann mit in den Berufsverkehr gekommen bin, obwohl ich asymmetrisch gefahren bin. Ich bin eigentlich immer entgegen des normalen Berufsverkehrsstroms gefahren, aber nichtsdestotrotz in der Stadt staut sich das einfach und deswegen fiel es mir relativ einfach zu sagen, ich fahre das jetzt eben mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, weil ob ich eine Stunde im Auto sitze oder eine Stunde in der Bahn, ist ja vom Zeitfaktor her kein großer Unterschied. Nur dass ich dann eben mit der Bahnfahrt auch Fahrradfahren koppeln konnte.

Stefanie Und beim Bahnfahren kannst du natürlich auch lesen oder Musik oder Podcasts hören, zum Beispiel. Wobei, Podcast hören kannst du im Auto auch, aber du kannst nicht lesen. Und das Fahrradfahren war für dich ja auch eine sportliche Betätigung, die du vorher nicht machen konntest.

Carsten Das war wirklich so ein Punkt, wo ich gesagt habe, zu dem Zeitpunkt in meinem Leben hatte ich zu wenig Bewegung. Und dadurch, dass ich dann auf das Auto verzichtet habe, musste ich ja zwangsläufig mit Fahrrad fahren. Und das waren halt 40 Minuten Radfahren pro Tag, die ich vorher nicht hatte. Und das hat schon einiges ausgemacht. Also so allein vom Gefühl her war es dann schon eine Erleichterung und eine durchaus willkommene Abwechslung.

Stefanie Warum erzählen wir das jetzt eigentlich?

Carsten Ja, weil wir irgendwie gerade überzeugt sind, ohne Auto die Zukunft oder das Leben zu führen. Wir brauchen es nicht. Die Option, ein Auto zu kaufen oder ein Auto zu fahren, existiert für uns eigentlich so nicht.

Stefanie Ja. Also wie machen wir das? Wenn wir zu den Großeltern müssen und mal längere Strecken unterwegs sind, dann mieten wir einfach ein Auto.

Carsten Genau.

Stefanie Und ich habe auch mal mit einer Freundin darüber gesprochen, was wäre, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Und sie meinte, dann hättest du auf jeden Fall ein Auto, dann einfach so, dann würde das einfach da stehen, wenn du es halt mal brauchst. Und ich habe da wirklich länger drüber nachgedacht. Und nein, ich hätte kein Auto, ich hätte dann einen guten Vertrag mit einem Verleihservice oder wenn's halt ganz dringend wäre, würde ich ein Taxi rufen. Wenn das Geld keine Rolle spielt, dann ist es ja egal. Aber ich hätte mir das alles so eingerichtet, dass ich dann immer, wenn ich ein Auto brauche, auch eins zur Verfügung hätte. Nur es kommt wirklich ganz selten vor, dass wir mal ein Auto brauchen und ich bin wirklich jetzt vor ein paar Tagen das erste Mal seit anderthalb Jahren wieder Auto gefahren. Gut, beim Mieten ist es halt so, dass es immer extra kostet, wenn man zwei Fahrer anmeldet und dann bist du, Carsten, bis jetzt immer gefahren. Und da jetzt vor ein paar Tagen, konntest du nicht fahren und deswegen habe ich das gemacht. Aber da habe ich auch schon gedacht, kann ich noch Auto fahren? Aber ich konnte noch Auto fahren, ich habe keinen Unfall gebaut und so alles gut. Ja, aber es ist schon so, damals, als ich das Auto hatte - es war auch erst ein Leasingwagen, weil ich ja auch gar nicht so viel Geld hatte und so - da war ich der festen Überzeugung, ich brauche unbedingt so ein großes Auto, weil ich irgendwie gedacht habe: Ja, in Zukunft, werde ich Pferde haben und ich muss damit einen Anhänger ziehen können. Und ich habe irgendwie alles für die ferne Zukunft mir ausgemalt. Ich habe das alles jetzt nicht und ich habe auf jeden Fall daraus gelernt, dass ich nicht mehr so weit in die Zukunft blicke. Mir irgendwas anzuschaffen, sage ich mal, wo ich gar nicht weiß, ob ich das wirklich irgendwann mal so brauche. Ich schaue jetzt eher so, was ich jetzt brauche. Ja, so und gut, das passt also jetzt im Moment zu diesen Punkten, mit denen wir uns sowieso beschäftigen: was brauche ich wirklich? Und ein Auto brauchen wir einfach nicht wirklich.

Carsten Nein, das ist für mich als Option auch komplett gestorben. Also selbst wenn ich jetzt Schlechtwetter hätte und ich muss jetzt ehrlich zugeben, ich würde auch bei Regenwetter das Fahrrad dem Bus vorziehen, also zumindest jetzt für meine Arbeitsstrecke, einfach weil es für mich angenehmer ist. Ich habe im Moment überhaupt gar keine Scheu, mich in voller Regenmontur auf die Straße zu wagen.

Stefanie Also wenn deine Jacke vom Imprägnierservice wieder da ist, dann ist es auch wieder okay. Die haben wir mal etwas falsch gewaschen.

Carsten Und beim nächsten sehr argen Regenschauer bin ich extrem nass auf der Arbeit angekommen. Ich bin aber auch sehr schnell getrocknet. Also toi, toi, toi. Ja, aber auch das hat mich nicht davon abgehalten. Ich bin da mittlerweile eher so auf dem Stand zu sagen, ich kaufe mir eine ordentliche Regenhose, hol mir mal Gamaschen heißen diese Überschuhe, die ich dann anziehe, damit ich auch von den Füßen her trocken bleibe. Und dann bin ich halt bis auf Gesicht und Hände vollkommen trocken.

Stefanie Ja, also ich fühle mich auch viel wohler, wenn ich mit dem Fahrrad fahre. Ich fahre ja auch jeden Tag Fahrrad, auch um den Kleinen zum Kindergarten zu bringen und wieder zurück. Der Kleine fährt ja jetzt auch schon Fahrrad und so fährt die ganze Familie Fahrrad. Und ich mache das lieber, als Bus zu fahren oder so. Also für mich ist tatsächlich das Fahrradfahren das Mittel und ich kann ja noch mal beisteuern, weil viele dann denken: Oh ja, aber mit Familie ist ein Auto halt besser. Der eine Erzieher von unserem Sohn, der hat auch kein Auto und er hat drei Kinder und der fährt immer mit dem Fahrrad und die haben aber allerdings mit ihren Nachbarn, die ein Auto haben, eine Abmachung, dass sie deren Auto in so Notsituationen mal leihen können. Aber es ist einfach so, dass sie mit den Fahrrädern klar kommen. Also seine Frau fährt Fahrrad, er fährt Fahrrad, die Kinder fahren Fahrrad, alle. Der jüngste Sohn von ihm ist vier Jahre alt und der kann dann natürlich noch nicht so ewig lange Strecken fahren. Wobei auch der schon mit seinem Papa joggen fährt, sozusagen, mit dem Fahrrad und dann acht, neun Kilometer mit dem kleinen Rädchen durchfährt und der Papa läuft bestimmt nicht langsam. Nicht so wie ich. Jedenfalls, das macht er ohne Probleme. Und ich habe ihm auch diese Frage gestellt: Was wäre, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Würdest du dir dann ein Auto kaufen? Und er meint: nein. Es ist einfach eine Einstellungssache auch, es geht eben auch mit drei Kindern offensichtlich. Die hatten nie ein Auto, also die ganze Zeit über nicht, die haben sich nie eins angeschafft. Also sie haben immer mit allen Kindern, auch im Säuglingsalter das ohne Auto gemacht. Und ich habe immer gedacht, naja, wir haben halt nur ein Kind, da ist es einfacher, als wenn du mehrere hast. Aber seit ich ihn kenne, denke ich naja, es ist wirklich eine Einstellungssache.

Carsten Es ist so, ja.

Stefanie Es ist natürlich auch irgendwo bequem, wenn man dann die Kinder einfach ins Auto packt und losfährt.

Carsten Ja, ist es mit Sicherheit. Aber irgendwie stellt sich die Frage für uns im Moment auch gar nicht. Ich überlege gerade selbst, als wir damals das Auto noch hatten, sind wir auch relativ häufig trotzdem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren oder mit dem Fahrrad.

Stefanie Du hattest das Auto immer, um damit zur Arbeit zu fahren und deswegen hatte ich eh kein Auto. Und ich bin sowieso schon die ganze Zeit mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren. Also von daher.

Carsten Ja, ich bin ja am Wochenende zum Wochenmarkt auch mit Fahrrad gefahren. Ja.

Stefanie Da hatten wir ja auch noch einen Fahrradanhänger. Jetzt haben wir wieder einen. Unser Fahrradanhänger hat nach deinen Wochenendeinkäufen irgendwann einen Achsbruch erlitten...

Carsten Glücklicherweise direkt vor unserer Haustür.

Stefanie Das war auch so ein Hundeanhänger. Das war kein Kinderanhänger, so ein 1.000 € teurer Chariot oder was auch immer, sondern so ein Hundeanhänger. Der hatte dann wohl seine Lebensdauer erreicht.

Carsten Da bin ich auch schon mit Fahrrad gefahren. Und ich habe damals eigentlich immer versucht, meine Arbeitswege per Rad zu fahren. Hatte auch fast immer das Glück, das zu können. Ja, und auch als ich damals ein eigenes Auto hatte.

Stefanie Du meinst vor unserer gemeinsamen Zeit.

Carsten Vor unserer Zeit. Da kannten wir uns noch nicht.

Stefanie Als es dich noch nicht gab...

Carsten Da gab es mich noch nicht, nee, da bin ich trotzdem mit Fahrrad zur Arbeit gefahren, auch bei jedem Wetter.

Stefanie Ja, stimmt, hast du erzählt.

Carsten Das war eine Strecke, die wir auch 20 Minuten, 20, 25 Minuten lang. Und selbst bei Eis und Schneeregen bin ich mit Fahrrad gefahren, obwohl ich zu Hause in der Garage mein eigenes Auto stehen hatte. Aber das kam für mich gar nicht in Betracht, mich ins Auto zu setzen. Es war einfach so von Optionen. Du fährst mit Fahrrad zur Arbeit und Thema durch. Du kannst dich halt entsprechend dafür anziehen, dass das Wetter nichts ausmacht. Und ja, damit war das Thema eigentlich vom Tisch. Mein Arbeitskollegen haben mich dann echt für spinnert erklärt, weil die gesagt haben Mensch, du hast doch ein Auto, wieso kommst du jetzt bei dem Regen mit Fahrrad? Ja, ich habe gesagt, wieso regt ihr euch darüber auf? Das war für mich einfach überhaupt keine Option. Also von daher lag der Gedanke jetzt nicht ganz so fern. Ich glaube, ich war damals schon relativ nahe dran zu sagen: Also ich brauche eigentlich kein Auto, obwohl ich damals noch sehr ländlich gelebt habe. Und jetzt hier in Hamburg mit der ganzen Infrastruktur, wie du vorhin schon sagtest, wir haben die nächste Bushaltestelle direkt vor der Tür, das sind 50 Meter entfernt. S Bahn Station ist zehn Minuten von hier entfernt, wenn du mit Bus fährst, oder ich glaube, mit Fahrrad auch nicht viel länger.

Stefanie Mit dem Fahrrad brauchst du keine zehn Minuten.

Carsten Keine 10 Minuten, ist sogar schneller. Und die Einkaufsmöglichkeiten sind gerade was unsere Wohnlage betrifft, natürlich genial. Ich kann quasi fast alles irgendwie fußläufig erreichen. Das sind natürlich so Aspekte, wo ich mir sage, selbst wenn ich jetzt Geld hätte, warum soll ich mir ein Auto zulegen? Brauche ich nicht.

Stefanie Aber ich bin ja auch auf dem Land aufgewachsen, genau wie du. Eigentlich sind das so ähnliche Verhältnisse gewesen, wie wir aufgewachsen sind und ich bin irgendwie so aufgewachsen mit der Idee, dass ein Auto wichtig ist und dass man halt so zwei Autos hat. Es sind Autos immer vorhanden und ein Auto war auch total wichtig und ich kann das auch verstehen, wenn du gerade den Führerschein machst, dass du dann gerne auch ein eigenes Auto hättest und so. Ich glaube aber auch, dass sich das heute verändert, dass durch dieses ganze Carsharing und so, dass sich da das Bewusstsein dafür verändert. Ich weiß nicht, wie das für unseren Kleinen dann irgendwann mal sein wird, wenn er so weit ist. Im Moment möchte er noch ganz viele Autos und Traktoren, Flugzeuge ferngesteuert, aber auch selber und keine Ahnung was. Also im Moment ist da noch kein Bewusstsein vorhanden, aber ich weiß nicht, wie es dann sein wird. Also ich habe ja auch keine Ahnung. Vielleicht existiert die Welt auch gar nicht mehr, wer weiß. Aber davon mal ganz abgesehen für mich war das irgendwie ganz normal und ich ärgere mich irgendwie zwischendurch immer noch darüber, dass ich damals so entschieden habe, dass ich gedacht habe, ich brauche unbedingt so ein großes Auto, was mich Unmengen an Geld gekostet hat. Sinnlos verbraten, denn die meiste Zeit stand es nur rum. Und das ist ja bei vielen Autos so, dass sie einfach nur rumstehen. Das ist ja der Sinn des Carsharing eben auch, dass man sein Auto dann, es muss ja nicht das eigene Auto sein, aber eben einfach sich ein Auto leiht für die Zeit, die man es braucht. Ich merke aber einfach jetzt so mit der Zeit kommt so das Bewusstsein für sowas. Das ist jetzt nicht im Rahmen des Veganseins gekommen und wir haben das auch nicht gemacht wegen der Umwelt, oder? Nee, wir haben das einfach für uns gemacht.

Carsten Weil wir es einfach nicht gebraucht haben. Wir haben ja festgestellt, das wir können drauf verzichten. So einfach war es.

Stefanie Ja und also so mit Fahrrad und Anhänger, so Anhänger ist halt ganz praktisch für größere Einkäufe. Da lässt sich alles erledigen. Und so die laufenden Kosten, man muss halt immer mal bedenken, dass die Kette ab und zu reißt. Wenn man jetzt so oft fährt wie wir, braucht man jedes Jahr eigentlich fast schon eine neue Kette. Das sind halt so Sachen. Reifen. Teilweise braucht man neue Mäntel, aber das ist ja alles nicht vergleichbar mit den Kosten, die man jetzt für so ein Auto hat.

Carsten Allein die Versicherung für so einen Wagen frisst deutlich mehr...

Stefanie Steuer und Instandhaltung musst du auch noch bedenken. Dann braucht das Ding auch noch hier in der Stadt einen Stellplatz und dann musst du dafür ja auch noch Benzin bezahlen. Und das muss du für das Fahrrad alles nicht.

Carsten Ich könnte mir jetzt gar nicht mehr vorstellen, solche solche Kosten aufzuwenden, nur um ein Auto haben zu wollen, was dann die meiste Zeit nur rumsteht.

Stefanie Ja, natürlich. Also wenn wir jetzt ein Auto mieten, dann müssen wir eben auch einen Batzen Geld bezahlen, sozusagen, den jemand, der ein Auto schon besitzt, nicht zahlt, weil er halt dann nur die Spritkosten sieht, aber aufgerechnet ist halt für uns so günstiger.

Carsten Ich hatte jetzt hier in diesem Buch „Cheaponomics“ etwas sehr interessantes gelesen. Der Autor geht auf den Bereich der relativen Geschwindigkeit ein. Das fand ich total spannend, weil er da in diesem Vergleich sogar eine Statistik nennt, die auch Hamburg mit einbezieht. Und da geht es darum, einfach zu schauen, mit was für einem Verkehrsmittel ist man eigentlich relativ gesehen am schnellsten und der Wert, der mir so im Kopf geblieben ist, war, dass wenn man mit Fahrrad fährt, die relative Geschwindigkeit so 12,5 km/h ist und damit würde man im Vergleich zum Auto sogar schneller sein. Jetzt ist die Frage, was heißt denn relative Geschwindigkeit? Er geht einfach hin und sagt es reicht ja nicht, einfach anzunehmen, Du setzt dich ins Auto, setzt dich aufs Fahrrad und fährst die gleiche Strecke und guckst, wer schneller ist und was für eine Geschwindigkeit das jeweilige Gefährt bekommt. Sondern die relative Geschwindigkeit bezieht eben auch die Zeit ein, die du aufbringen musst, damit du zu diesem Zustand des Losfahren kommst. Also sprich, wie viel Zeit musst du investieren, um Geld zu verdienen, um dir ein Auto leisten zu können? Oder wie viel Zeit musst du investieren, um Geld zu verdienen, um dir dein Fahrrad leisten zu können? Diese Zeitspanne ist natürlich deutlich kürzer, um sich ein Fahrrad leisten zu können, als wenn du Geld aufbringen musst, um das Auto zu kaufen plus Zeit, die du an der Tankstelle, in der Werkstatt, im Stau, etc verbringst. Also das zieht er alles zusammen und sagt: im Endeffekt reicht es, wenn du mit einem Fahrrad so zwölf km/h fährst und du bist relativ gesehen schneller, als wenn du mit Auto fährst. So, und das fand ich total spannend, weil das mir ins Bewusstsein geführt hat, wie viel Arbeit, wie viel Geld, wie viel Zeit muss ich eigentlich aufwenden, um mir diesen Luxus Auto überhaupt gönnen zu können? Also im schlimmsten Fall müsste ich die Hälfte meines Tages fürs Auto arbeiten.

Das war auch wieder so ein Durchschnittswert, dass die gesagt haben, vier Stunden am Tag arbeiten die Leute in den USA für das Auto. Ja, das ist natürlich schon ziemlich heftig und das fand ich schon interessant. Das war jetzt für mich nicht wichtig, um mich zu überzeugen, weil ich schon überzeugt bin. Aber allein so diese Gedankengänge: ja, er hat recht. Also um sich mal wirklich bewusst zu machen, was heißt das eigentlich ein Auto zu haben, wie viel Arbeit und Zeit muss ich investieren, um genau diesen Zustand zu erreichen und auch beibehalten zu können?

Stefanie Und was mir jetzt gerade einfällt in dem Film „Plastic Planet“, den wir gesehen hatten, sagte der Werner Boote ja auch, dass Taxifahrer den höchsten - ist es der BPA-Wert? Ich weiß nicht mehr genau, aber jedenfalls diese Phthalate inhalieren in dem Auto. Also die sind am kränksten, weil sie halt die ganze Zeit über im Taxi sitzen und diesen Kunststoff inhalieren und dadurch auch die Giftstoffe aufnehmen. Und ja, dann habe ich so gedacht, wenn ich dann so im Auto sitze. Gut, also wie gesagt, ich muss mir ab und zu mal eins leihen, aber es ist auch gesundheitlich vielleicht tatsächlich besser, auf das Auto zu verzichten. Ja, also jetzt so nach dem Film, nur mal so als Idee noch dazu, was man da so inhaliert und so und wenn man über die negativen Auswirkungen von Plastik nachdenkt...

Carsten Also letztendlich muss ich sogar sagen, dass mir das Fahrradfahren als Luxus vorkommt. Ich kann es mir erlauben, auch mir selbst gegenüber aufs ein Auto zu verzichten.

Stefanie Meinst du zeitlich oder generell?

Carsten Ja generell, nicht mal zeitlich. Ich bin flexibel, ich kann aufs Fahrrad steigen, kann losfahren, also bin ich jetzt nicht an irgendwelche Zeiten von Bussen oder Bahnen gebunden. Wobei das ja noch nicht mal schlimm ist. Die haben ja hier in Hamburg einen sehr guten Takt. Aber ich kann die Route selbst bestimmen. Ich kann Abkürzungen fahren.

Stefanie Ja, das Fahrrad ist da wirklich am besten. Das stimmt.

Carsten Und ich habe eben gerade bei gutem Wetter, das ist eine schöne Sache, wenn man wirklich im Sonnenschein dann irgendwie zur Arbeit fährt oder wieder den Nachhauseweg meistert und und hat dann immer ein echt geniales Wetter. Das hebt nochmal die Laune und man bekommt Abstand und kann auch mal so ein bisschen ausspannen oder sich auspowern. Ich bin dann auch gerne mal geneigt, mal einen Tacken zuzulegen oder auch ein bisschen mich selbst herauszufordern. Aber das ist was ganz anderes, als wenn ich jetzt im Auto sitzen müsste und würde dann im Stau stehen, würde mich vielleicht aufregen und keine Ahnung. Im Auto, würde ich jetzt wirklich sagen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Stress ist, relativ hoch. Auf dem Fahrrad finde ich es viel, viel angenehmer.

Stefanie Wobei du natürlich auch Stresssituationen auf dem Fahrrad erlebst, wenn du nicht gesehen oder halb überfahren wirst oder so als Fahrradfahrer. Das gibt es natürlich schon. Nur ich dachte gerade so, wenn du dann im Auto sitzt und wieder mit dem lila Armband anfängst, das ist nicht zuträglich. Ja, wobei, mit dem lila Armband und das Auto, da fällt mir ja jetzt wieder diese Geschichte von Will Bowen ein, wie er erzählte, dass er sich da immer aufgeregt hat über so einen Transporter, der vor ihm her gefahren ist auf der Autobahn und ihn dann immer ausgebremst hat und so und dass er dann ständig solche Transporter gesehen hat, die ihn ausgebremst haben. Und da hat sich drüber aufgeregt. Und dann stell ich mir immer so ein wütendes Männchen da drin vor und irgendwann hat er dann gemerkt, ja, das wirkte gerade so auf ihn, als würde er die so heraufbeschwören. Und dann hat er gedacht, dann dreh ich das um. Und was könnte das Positive sein daran? Das Positive ist halt, dass ich dadurch langsamer und sicherer fahre. Und dann hat er, jedes Mal, wenn einer vor ihm war, ihm gedankt dafür, dass er da war und gesagt hat: Toll, dass du da bist und mir wieder zeigst, dass ich so sicherer fahren kann. Und dann waren die auf einmal weg.

Carsten Ja.

Stefanie Dann war das Phänomen nicht mehr da.

Carsten Da hat er seinen Wahrnehmungsfokus wieder irgendwie verschoben.

Stefanie Und hat das nicht mehr heraufbeschworen. Es ist schon schon ganz spannend.

Carsten Ja, also wir können es einfach nur empfehlen, öfters mal das Auto stehen zu lassen und dann wirklich gerade so in der Großstadt einfach zu versuchen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch mit Fahrrad zu fahren und auch ruhig mal irgendwie ne Regenhose zu kaufen und dann auch Schlechtwetter mal auszunutzen.

Stefanie Wie gesagt, auch bei Familie mit mehreren Kindern ist es durchaus möglich ohne Auto klar zu kommen. Und ja, wenn du jetzt noch nicht so darüber nachgedacht hast, ob es auch ohne Auto geht, also wenn du noch so am Anfang stehst, sag ich mal, dann kannst du einfach mit dem Fahrrad ein bisschen mehr fahren. Also für uns war es gut, das Auto einfach nicht mehr zu haben.

Carsten Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, mal einen kompletten Monat aufs Auto zu verzichten, den Arbeitsweg, sofern es dann von der Entfernung machbar ist, einfach mit Fahrrad zu fahren. Ja, und auch bei schlechtem Wetter. Also nicht irgendwie zu sagen, ich mache das jetzt nur, ich bin nur ein Schönwetterfahrer oder so. Nee, das nicht wirklich. Regenklamotten organisieren, bereitlegen. Ich habe die immer bei mir mit im Rucksack, transportiere mein Essen und sogar meinen Laptop.

Stefanie Dann transportierst du noch Werkzeug, falls du einen Platten hast.

Carsten Ich bin voll ausgestattet. Also nicht, dass ich da noch irgendwie einen zweiten Werkzeugkasten habe. Nein, alles im Rucksack und ich bin dann halt völlig mobil. Und dann kann mich auch nichts schocken, selbst wenn ich jetzt hier losfahre und stelle dann hinten beim Zielort, wo ich arbeite, fest: Mensch, das Wetter ist hier ganz anders, stört mich nicht. Ich habe ja meine komplette Regenmontur dabei und dann ziehe ich mir halt im Zug eben mal eine Regenhose an. Dann ist das halt so. Also ruhig ausprobieren, einen Monat durchziehen und dann einfach gucken, was das mit einem macht. Ich habe diese Umstellung, durch den Verzicht auf unser Auto ja auch durchaus mitgemacht. Und vorher hatte ich wirklich das latente Gefühl, ich habe zu wenig Bewegung. Dadurch, dass ich dann aber eine ganze Zeit lang mit Fahrrad fahren musste, habe ich mich im Endeffekt deutlich besser gefühlt. Also ich war ausgelasteter. Ich habe wieder gemerkt, diese körperliche Bewegung an sich, die tut gut und nachher das Wetter selber. Meine Güte, wenn ich mal ein paar Regentropfen ins Gesicht bekomme.

Stefanie Gerade hier in Hamburg ist es ja nicht immer nur Sonnenschein.

Carsten Da darf man dem Wetter sowieso nicht trauen. Also von daher immer irgendwie alles dabei haben und dann passt das schon. Und es lohnt sich ja durchaus. Gut, dann haben wir es für heute, oder?

Stefanie Ich würde sagen, ja.

Carsten Alles klar. Gut. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

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