Folge 294 - Solidarisch leben in einer nicht-solidarischen Welt

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Folge 294 - Solidarisch leben in einer nicht-solidarischen Welt

In dieser Folge sprechen wir über unsere Erfahrungen mit solidarischen Gemeinschaften.

Wir sind momentan Teil von zwei solidarischen Gemeinschaften:

  • einer freien, demokratischen Schule seit August 2019
  • einer SoLawi (solidarischen Landwirtschaft) seit August 2022

Ein gutes Leben für alle kann nur gelingen, wenn wir solidarisch leben, wenn wir zusammenhalten. Carsten und ich versuchen daher unser Leben so solidarisch wie möglich zu gestalten und stoßen dabei immer wieder an Grenzen.

Solidarische Gemeinschaften gibt es nur, wenn alle mitmachen. Jede·r muss etwas von seiner·ihrer Zeit geben. Das bedeutet: Jede·r muss etwas tun für die Gemeinschaft.

Doch Zeit ist in unsere Gesellschaft ungerecht verteilt und die Gemeinschaften sind nur ein Aspekt von vielen in unserem Leben. Das macht es schwer solidarisch zu leben.

Hinzu kommt noch der Fokus unserer Gesellschaft auf das Individuum. "Unterm Strich zähl ich." Die Gesellschaft verlangt von mir, dass ich mich nur auf mich konzentriere. Das steht dem "Wir"- Gefühl oft im Weg.

Die solidarischen Gemeinschaften sind wie kleine Inseln in einem Meer aus Individualismus. Das macht es oft schwierig, für andere da zu sein.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Der Countdown hat begonnen. Sieben Folgen noch bis zum Ende des Jahres 2023. Das ist die erste von diesen sieben Folgen. Und Carsten und ich verraten jetzt noch nicht, wie wir das schaffen werden. Aber wir haben einen Plan.

Carsten Den Masterplan zur Eroberung der dreihundertsten Folge.

Stefanie Genau. Wir werden das auf jeden Fall schaffen. Tschaka, Tschaka, Tschaka, usw. Es sei denn, unvorhergesehene Ereignisse passieren.

Carsten Sonst überspringen wir Folgen. Also die Dreihundertste kommt auf alle Fälle.

Stefanie Wir nennen einfach die nächste Folge „Folge 300“ und damit ist es dann gegessen. Und... Mist, jetzt haben wir es verraten.

Carsten Scheiße!

Stefanie Das war….!

Carsten Unser Masterplan B.

Stefanie Das war der Masterplan, genau.

Also in dieser Folge soll es um solidarisch Leben in einer nichtsolidarischen Welt gehen. Und bevor wir erklären, was wir damit meinen und dazu was erzählen, möchte ich mich ganz herzlich bei Julia H. und Lena K. bedanken, die ebenso wie Martin H. und Birgit G. ihre finanzielle Unterstützung um ein Jahr verlängert haben.

Carsten Yeah! Auch von mir ganz vielen lieben Dank!

Stefanie Ein herzliches Dankeschön! Und ich freue mich natürlich über alle, die es diesen vier Personen gleich tun wollen und auch diesen Podcast und all die anderen kostenlosen Inhalte, die von uns und mir hier zur Verfügung gestellt werden, finanziell unterstützen wollen. Das wäre ganz toll. Wie gesagt, es gibt auch die Möglichkeit, sich das schenken zu lassen. Da findest du den Link dazu hier unter der Folge in den Shownotes. Und wenn du sagst, du möchtest nicht über Steady finanziell unterstützen, aber Geld wäre trotzdem möglich, gibt es auch noch andere Wege, zum Beispiel über PayPal oder als Überweisung. Die Informationen, wie du das machen kannst, findest du auch als Link hier in den Shownotes.

Und wenn du sagst finanziell ist bei mir gerade nicht so rosig, aber ich würde trotzdem gern was zurückgeben, gibt es ja immer noch die Möglichkeit Zeit zu spenden in Form von Korrekturlesen, von Transkripten der Podcastfolgen, vom „Mehr als Vegan Podcast“. Da sind jetzt noch 156 Folgen offen, denn ich habe – Trommelwirbel…..- in der Zwischenzeit acht Folgen immerhin Korrektur gelesen. Tataaaa, Ich habe mir vorgenommen, jetzt noch weitere Folgen Korrektur zu lesen, bin aber nicht ganz sicher, ob ich es wirklich bis zum Ende des Jahres schaffe, noch 156 Folgen zur Korrektur zu lesen.

Also wenn ich mich Tag und Nacht hinsetze, könnte es vielleicht noch klappen. Es wäre irgendwie schön, das noch zu schaffen, nur bräuchte ich dafür Unterstützung. Das heißt also, wenn du Zeit spenden möchtest und du fühlst dich dazu in der Lage, Transkripte Korrektur zu lesen, melde dich bei mir unter post@vonherzenvegan.de. Und dann finde ich die passende Folge für dich und dann schaffen wir das gemeinsam. Also bitte 156 Menschen jetzt bei mir melden und schnell ist es getan.

Carsten Ja, und das war ja das Stichwort: Gemeinsam, Gemeinsamkeit. Wir wollen ja heute über Solidarität sprechen, über solidarische Gemeinschaften und wie die jetzt schon existieren und wo wir eigentlich hin wollen und hin müssen.

Stefanie Ja, das stimmt. Ich habe unbeabsichtigt jetzt genau ins Thema geleitet. Das war nicht abgesprochen und von daher würde ich sagen, wir starten jetzt tatsächlich mal mit dem Thema dieser Podcastfolge.

Und zwar ist es so, dass Carsten und ich jetzt nicht nur theoretisch darüber sprechen. Wie ist das denn so, solidarisch in einer nicht solidarischen Welt zu leben, sondern wir sind Teil von zwei solidarischen Gemeinschaften. Einmal der Freien Demokratischen Schule, schon seit August 2019. Das heißt, wir sind da jetzt ein bisschen mehr als vier Jahre dabei. Da können wir aus Erfahrungen schöpfen. Und seit August 2022, also ein bisschen mehr als einem Jahr, sind wir auch Teil der solidarischen Landwirtschaft hier bei uns in der Nähe.

Wir haben zwei Solidargemeinschaften, wo wir Erfahrungen sammeln konnten, und das hat letztlich auch dazu geführt, dass ich gesagt habe, ich möchte jetzt mal diese Folge aufnehmen, weil es tatsächlich so ist, dass nicht alles immer super funktioniert. Und warum das so ist, darüber wollen wir heute sprechen.

Erstmal zu Beginn so die Überlegung: Was bedeutet denn jetzt solidarisch überhaupt? Und ich hatte vorab noch mal so ein bisschen geschaut, wie wird es denn definiert? Ich habe auch noch mal das „Einfache Sprache“-Tool vom St. Pauli bemüht, das Klartext-Tool. Aber ich habe jetzt da nicht rausgeschrieben, was dort als Definition stand. Lustig ist auch, dass ich immer mal wieder auf Übersetzen geklickt habe: „solidarisch“ und dann übersetzt und dann kam immer wieder was Neues. Also von daher kann man da schon noch so ein bisschen mit rumspielen.

Aber letztlich bedeutet solidarisch Leben oder Solidarität eigentlich, dass wir füreinander einstehen und uns gegenseitig helfen, weil wir uns zusammengehörig fühlen. Also es geht um Zusammenhalt, um das Gruppengefühl. Und so eine solidarische Gemeinschaft funktioniert eigentlich nur durch das freiwillige Engagement der Mitglieder. Das heißt, jede·r gibt, was er·sie kann. Das ist so das Ideal. Und wenn aber niemand etwas gibt, dann kann diese solidarische Gemeinschaft auch nicht funktionieren. Das würde aber den Begriff der Solidarität ja auch wieder ad absurdum führen, weil, dann ist es einfach keine solidarische Gemeinschaft mehr. Denn Solidarität bedeutet ja nun mal, dass wir uns gegenseitig helfen und füreinander einstehen und diesen Zusammenhalt haben wollen. Wenn jetzt niemand das möchte, ist es einfach nicht solidarisch. Das heißt, diese Bereitschaft, meinen Teil zu der Gemeinschaft beizutragen, ist eine Grundvoraussetzung für solidarische Gemeinschaften.

Und ich gehe auch davon aus, dass die meisten, die Mitglied in so einer solidarischen Gemeinschaft sind, sich dieser Grundvoraussetzung bewusst sind und auch eigentlich bereit dazu sind, ihren Teil zu leisten. Dann kollidiert aber diese Bereitschaft mit dieser bestehenden Welt, in der wir leben, die nicht solidarisch ist und die auf diese Ich-Zentriertheit ausgerichtet ist, diesen Individualismus. Ich habe immer diesen Postbank Slogan im Kopf: „Unterm Strich zähl ich.“ Also wo alles eher darauf ausgerichtet ist, dass ich als Einzelperson, als Individuum irgendwie einen Vorteil ziehe und wenn alles andere um mich herum so ausgerichtet ist und nur ein Teil meines Lebens sich in dieser solidarischen Gemeinschaft abspielt, ist es wirklich schwer, sich immer wieder auf die eigenen solidarischen Werte zu besinnen und sich auch solidarisch zu zeigen. Das ist das eine, dieser Wertekonflikt.

Und das andere ist meine vorhandene Zeit. Da sind wir dann wieder beim Thema Zeitgerechtigkeit. Denn in einer solidarischen Gemeinschaft wird davon ausgegangen, dass ich ein gewisses Kontingent an Zeit dieser Gemeinschaft zur Verfügung stelle. Wenn ich aber in einem, ich nenne es jetzt mal konventionellen Jobverhältnis bin, am Tag diese acht Stunden Erwerbsarbeit ableisten muss (Ich verweise hiermit auf die Zeitgerechtigkeitsfolge, die ich auch noch mal verlinken werde. Da haben wir das alles noch mal ein bisschen ausführlicher erklärt und verweise auch noch mal auf das Buch „Alle Zeit“ von Teresa Bücker, was sehr, sehr, sehr lesenswert und empfehlenswert ist.), wo ja dann auch zum Beispiel die Pausen, die ich am Tag mache, meine Mittagspause und vielleicht Pausen dazwischen gar nicht mitgerechnet sind. Die ganze Zeit, die ich als Vor- und Nachbereitung quasi für diese Erwerbsarbeit benötige, um mich zurecht zu machen, um mich auszuruhen, um auch zu essen, Hausarbeit zu machen usw. und so fort. Das ist ja alles gar nicht in diese acht Stunden mit eingerechnet. Das heißt, ich habe womöglich gar keine Zeit mehr übrig, um die überhaupt in diese Gemeinschaft zu investieren. Und das liegt wiederum an diesem Zeitmodell, in dem wir uns gerade befinden. Und sich daraus zu lösen ist ein essentieller Punkt, um überhaupt solche solidarischen Gemeinschaften erhalten zu können oder generell die ganze Welt in eine Solidargemeinschaft umzuwandeln.

Und bevor wir da jetzt einige Praxisbeispiele geben aus unserem Alltag, unserer Erfahrung noch ganz kurz als Erklärung, als Fußnote sozusagen dazu warum ist es denn überhaupt so wichtig? Warum wird denn in solidarischen Gemeinschaften erwartet, dass ich da meine Zeit einbringe? Das liegt unter anderem daran: Zum einen ist es eine Solidargemeinschaft, das heißt, es geht ja darum, dass wir einander helfen. Aber zum anderen auch darum, die Kosten gering zu halten. Zum Beispiel bei der solidarischen Landwirtschaft ist es ja so, dass durch die Arbeitseinsätze, die wir da haben, die Gärtner·innen entlastet werden, die dafür zuständig sind, das Gemüse anzubauen und sich darum zu kümmern die Ernte einzufahren. Es wird schon mitgerechnet, dass Mitglieder dort ihre Zeit einbringen und mithelfen. Das könnten die Gärtner·innen gar nicht einfach so alles alleine schaffen. Und das wirkt sich natürlich auf die Kosten aus. Das heißt also, dieser Gesamtbetrag, der jährlich erreicht werden muss, damit die Gärtner·innen bezahlt werden können und auch all das Gemüse angebaut werden kann, also all die Kosten, die bei so einem Landwirtschaftsbetrieb in dieser Form anfallen, werden dadurch geringer gehalten, dass Mitglieder dort freiwillig mithelfen, ohne bezahlt zu werden. Also einfach ihre Zeit spenden.

Und das heißt, ich zahle dort dann nicht nur Geld, sondern auch mit Zeit. Das ist also eine andere Währung, quasi. Aber es ist keine Verpflichtung, dass ich das machen muss. Das heißt, das ist ja dieser solidarische Aspekt: Jede·r gibt, was er·sie kann und so rein rechnerisch würde das auch sehr gut aufgehen und sehr gut funktionieren. Es müssten gar nicht alle mithelfen auf dem Acker. Es ist so, das hatte jetzt ein·e Gärtner·in letztens ausgerechnet: Bei unserer solidarischen Landwirtschaft ist das so, dass 280 Haushalte dort Mitglied sind in diesem Wirtschaftsjahr. Also die Mitgliedschaft ist immer für ein Jahr. Im Februar gibt es dann wieder eine neue Bieter·innenrunde, wo dann wieder neu ausgelotet wird: so und so viele Ernteanteile sind zu vergeben und dann kann man wieder neu entscheiden möchte ich weiterhin Mitglied bleiben oder nicht? Und wenn nicht, dann können neue Mitglieder auch dazukommen. Und diese·r Gärtner·in hatte ausgerechnet, dass von diesen 280 Haushalten, wenn man davon ausgehen könnte, dass so die Hälfte vielleicht aus unterschiedlichsten Gründen einfach keine Möglichkeit hat, auf dem Acker zu helfen, dass eigentlich diese verbleibenden 140 Haushalte, davon jeder Haushalt nur einmal im Jahr helfen müsste. Dann würden schon 17 oder 18 Personen pro Einsatz zusammenkommen. Die Realität sieht aber so ein bisschen anders aus. Was Carsten jetzt exklusiv berichten kann.

Carsten Ja, exklusiv vom Acker sozusagen.

Stefanie Genau. Wir schalten jetzt exklusiv zu Carsten auf den Acker. Wie sieht es denn da aus? Carsten, sag mal, es ist ziemlich windig.

Carsten Genau. Ja, vielleicht machen wir auch so eine Ackerreportage. Also die Realität kann ich aber auch ohne direkten Kontakt zur Natur beschreiben. Tatsächlich ist es so: Als wir damals in diese Solawi eingetreten sind, war für mich ganz klar, dass ich auch ab und an mal dort mithilfe. Das stand für mich völlig außer Frage, weil so kannte ich das Modell der solidarischen Landwirtschaft quasi schon aus der Theorie. Und ich habe, seitdem wir dort sind, auch verhältnismäßig - nicht regelmäßig, aber häufiger -Mitmachaktionen oder Ackereinsätze, wie ich sie nenne, mitgemacht. Das ist meistens am Wochenende. Ich glaube, einmal hatte ich Urlaub, da konnte ich auch unter der Woche.

Stefanie Ich glaube sogar, dass Du auch mal zweimal unter der Woche das gemacht hast.

Carsten Ja, genau da war so einmal direkt an einem Wochentag und einmal an einem Samstag. In unserer Solawi ist es so gelagert, dass du unter der Woche die Möglichkeit hast, unter Anmeldung mit rein zu gehen, damit die Personen, die dann gerade dort in der Gärtnerei aktiv sind, das so koordinieren können. Wissen, wer kommt denn jetzt gerade? Und an den Wochenenden gibt es spezielle Termine, die werden schon ein Jahr im Voraus oder bzw. das Jahr im Voraus schon bekannt gegeben, so dass dann auch Langfristplanungen da sind. Das ist eigentlich so der Vorteil, dass wir wissen, okay, wir haben jetzt im Frühjahr, Frühsommer und nachher im Herbst Richtung Erntezeit bestimmte Termine schon fest, können uns darauf einstellen und dann durchaus schon mal ein paar Monate im Voraus planen und unsere eigene Terminkoordination dementsprechend abstimmen.

Und für die Gärtner·innen hat das auch den Vorteil, dass sie von vornherein ungefähr einschätzen können: Mensch, da haben sich jetzt zehn Personen gemeldet, dann können wir an dem Wochenende das und das schon mal an Aktivitäten einplanen. Die Erntemenge einholen, wie auch immer. So, und von der Realität ist es tatsächlich so, dass nur ein sehr, sehr geringer Anteil der Personen, die überhaupt in dieser Solawi Mitgliedschaften abgeschlossen haben, aktiv werden. Häufig sind es immer die gleichen Verdächtigen. Das ist so das, was ich festgestellt habe.

Ich hatte zumindest mal zum einen den Eindruck, dass ich das gar nicht so häufig mache. Also von meinem eigenen Gefühl her war es so. Ich bin jetzt beispielsweise, fünf mal dabei gewesen im Jahr und musste aber feststellen, dass ich damit schon so einen der Spitzenplätze erreicht hatte. Ich wurde dann schon so begrüßt: „Carsten, schön, dass du wieder da bist.“ Und ich denke so: ja, okay, so häufig bin ich ja noch gar nicht da gewesen, aber anscheinend im Vergleich zu anderen Personen doch.

Es sind dann tatsächlich immer so die die üblichen Verdächtigen gewesen, die sich dort eingefunden haben und meistens in einer Gruppe von maximal 10 bis 12 Leuten. Das kommt schon ungefähr in die Größenordnung rein, die Stefanie gerade genannt hatte. Aber da ist immer die gleichen Personen sind oder häufig die gleichen Personen, spiegelt das auch den verhältnismäßig geringen Anteil der aktiven Mitgliedschaften mit. Tatsächlich ist so ein bisschen der Eindruck entstanden, dass wir sehr viele passive Mitgliedschaften haben, die vielleicht dieses Konzept unserer solidarischen Landwirtschaft als so eine Art Biokiste betrachten. A la „Da sind so Personen, die machen regionales, saisonales Biogemüse und stellen das irgendwie zur Verfügung. Und das ist gut, das bezahle ich, das finde ich auch toll.“ Aber so dieses aktive Mitmachen, das fehlt nicht nur bei den Acker-Aktivitäten, sondern und das fand ich sehr erstaunlich, selbst bei der Jahresmitgliederversammlung, wo ja auch weil wir als Verein organisiert sind, eigentlich ja alle Personen irgendwie mit rein können in die Entscheidungsfindung.

Da wird ja der Vorstand gewählt, der Vorstand entlastet, der erweiterte Vorstand gewählt, es wird über Aktivitäten, über Planungen berichtet, es wird die Finanzierung gezeigt. Also was ist im vergangenen Jahr tatsächlich finanziell geplant gewesen? Wie ist das Wirtschaftsjahr tatsächlich verlaufen? Was kommt jetzt im neuen Jahr dazu? Also all das, was so eine Planung auch wichtig macht und da sind von diesen 280 Mitgliedschaften tatsächlich nur, ich glaube 31 Stimmberechtigte da gewesen. Und das spiegelt auch tatsächlich so ungefähr dieses Verhältnis wieder, was ich dann auf diesen Acker einsetzen. Und wir erklären uns das mit diesem Konflikt, mit diesen Zielkonflikten, dieses Leben in einer nicht solidarischen Gemeinschaft, was sehr Zeit bindend ist, sehr ressourcenfressend ist und vielleicht dann am Ende der Woche auch nicht unbedingt mehr diese Lust weckt, sich dann noch mal aufzuraffen und in einer Solidargemeinschaft aktiv zu werden, dort Zeit und auch körperliche Arbeit zu investieren.

Stefanie Ich glaube, was auch noch da hinzu kommt, ist die räumliche Entfernung, denn diese Solawi ist nicht nur in der Nähe des Ackers sozusagen, also so im näheren Umkreis aufgestellt, sondern beliefert auch die Stadt quasi. Also wir leben ja hier in Hamburg und Carsten und ich leben aber in einem Randstadtteil quasi und der Acker ist von uns so acht Kilometer entfernt. So ungefähr. Das heißt relativ nah. Aber es gibt auch Depots, die von der Solawi beliefert werden, die in der Stadt sind quasi. Also auch schon noch weiter entfernt in der Stadt, also in Stadtteilen, die dann 20 oder 30 Kilometer entfernt sind. Und es kann natürlich sein, das war jetzt so mein Gedanke, dass es viele Menschen davon abhält, diesen weiten Weg zu fahren. Das heißt, es ist dann noch eine Überwindung, die mich das kostet, dann auch wirklich mal diesen Weg auf mich zu nehmen und bis zum Acker zu fahren und damit zu helfen. Für uns ist das ja hier relativ einfach, weil wir diese acht Kilometer mal mit dem Fahrrad fahren können. Da sind wir in einer halben Stunde da, das ist jetzt unproblematisch. Man hat noch frische Luft und ein bisschen Bewegung und sowieso auf dem Acker Bewegung usw. und so fort. Also so ein Gesundheitsprogramm. Aber wenn du aus der Stadt kommend so dann da erstmal noch irgendwie eine Stunde Anfahrt hast oder noch länger, dann ist das natürlich ein bisschen komplizierter. Und das führt mich zu einem Punkt, der ja auch wieder in diese Konfliktsituation mit diesen kleinen solidarischen Gemeinschaften in einer nicht solidarischen Welt darstellt, dass es einfach immer noch so kleine Leuchtturmprojekte quasi sind und dass es eigentlich so sein müsste, dass sowas in meiner Nachbarschaft stattfindet, dass es kurze Wege gibt. Das ist ja auch ein Zukunftsziel, dass wir einfach kurze Wege überallhin haben. Und wenn ich dann einen kurzen Weg habe, auch acht Kilometer können noch lang sein. Aber wenn ich jetzt einen kurzen Weg zu meinem Acker habe, sozusagen, der mich dann mit biologisch solidarischen Gemüse beliefert, dann bin ich auch eher bereit, dahin zu fahren, denke ich.

Carsten Ja, das denke ich auch. Ich erlebe zwar bei den Mitmachaktionen, ich wollte gerade schon sagen viele, überraschend viele Menschen, die aus dem Stadtgebiet kommen, die tatsächlich so Fahrradwege vor einer Stunde oder anderthalb Stunden in Kauf nehmen, in Einzelfällen sogar mit dem Fahrrad die ganze Strecke zurücklegen. Teilweise die komplette Strecke, teilweise aber auch, weil wir es hier in Hamburg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln relativ gut strukturiert haben, fahren Sie in den nächstgelegenen Stadtteil mit der S Bahn, haben da dann das Fahrrad schon mit bei und fahren dann von der letzten S Bahn-Station von dort aus zum Acker. Also diese Möglichkeiten gibt es. Ich glaube, das ist auch so eine Frage von Idealismus und Engagement. Wenn du richtig Bock drauf hast, dann machst du das. Und da kommt natürlich jetzt so ein Aspekt mit rein, Fluch und Segen dieser langfristigen Planung.

Also Segen ist es natürlich, wenn du sagst, du machst jetzt den Jahresplan und hast im März schon die Info, im August, September, Oktober finden an den und den Tagen entsprechende Einsätze statt. Dann kannst du das ja planen und dementsprechend weißt du auch: Am zweiten Septemberwochenende fährst du dahin. Dann kannst du dir immer noch überlegen wie machst du das? Aber du bist ja irgendwie gedanklich per se an diesem Wochenende schon auf dem Acker. Also das ist der Segen dieser Langfristplanung, dass du dich schon drauf einstellen kannst und das dann vielleicht auch noch mal irgendwie kombinierst mit einem Ausflug. Kann ja durchaus interessant sein, am Wochenende eine längere Strecke mit dem Rad zu fahren. Und das ist ja bei uns ja tatsächlich eine relativ schöne Ecke. Also der Acker liegt jetzt nicht irgendwie in so einem Wüstengebiet.

Stefanie So eine Wüste kann auch etwas Schönes haben. Wir wollen das jetzt nicht irgendwie...

Carsten Also, es kann ja durchaus Spaß machen und du kannst es planen. So, soweit der Segen einer Langfristplanung. Der Fluch einer solchen Langfristplanung liegt natürlich darin, dass solche Termine dann durchaus mal vergessen werden. Du guckst vielleicht am Anfang des Jahres rein, wie es eigentlich das Acker oder das Gartenjahr da jetzt irgendwie gestaltet von den Terminen und irgendwann gerät es in Vergessenheit und du erinnerst dich vielleicht nicht mehr daran, dass im September noch Arbeitskräfte benötigt werden und hast es dann für dich schon anders verplant. Dann kommen natürlich Aufrufe durch Newsletter, dass die Gemeinschaft immer wieder dazu auffordert: Mensch, mach mal mit. Aber du bist jetzt vielleicht von deiner Jahresplanung schon mit ganz anderen privaten Aktivitäten zugepflastert und findest da einfach nicht mehr die Zeit.

Stefanie Eine ähnliche Erfahrung machen wir ja auch bei der freien Demokratischen Schule, zu der unser Kind geht. Auch da ist es ja so, das Prinzip, dass diese Schule auf freiwilliger, gemeinschaftlicher Arbeit aufbaut, dass wir alle unseren Teil irgendwie leisten. Und das kann auf unterschiedlichste Art und Weise sein. Das ist auch so in so Arbeitskreisen organisiert, dass die Eltern dann da die Schule mit unterstützen und das können Kreise sein wie Feste und Feiern oder Garten oder auch Bauen. Und Bauen ist so der größte Arbeitskreis. Bzw ist es nicht der größte Arbeitskreis, sondern der, wo am meisten Arbeit tatsächlich anfällt und die zieht sich von Beginn der Schule an hin, dass dort das Gebäude, in dem die Schule ist, immer weiter ausgebaut ist. Das wird auch versucht barrierefreier zu gestalten. Also das heißt, da wird jetzt ein Aufzug eingebaut. Dazu muss es viele bauliche Veränderungen geben und damit die Kosten nicht so hoch sind, helfen Eltern dort mit.

Und da ist es ähnlich wie das, was Carsten vom Acker berichtet hat. Menschen, also Eltern, die dort mithelfen, sind meist immer die gleichen Eltern und da dann auch so, dass es relativ wenig Eltern sind im Verhältnis zu der Anzahl an Eltern, die eigentlich zur Verfügung stehen würde. Und auch da habe ich so das Gefühl, dass es eigentlich ähnliche Gründe hat oder vielleicht auch die gleichen Gründe hat, wie ich sie jetzt schon für die Mitarbeit auf dem Acker genannt habe. Und ich habe das jetzt da bei mir selbst beobachtet. Dadurch, dass wir jetzt nicht mehr so nah an der Schule wohnen wir haben ja zwei Jahre lang relativ nah gewohnt, also vier Kilometer entfernt, da konnte ich noch mal mit dem Fahrrad hinfahren. Jetzt wohnen wir ungefähr so, ich bin mir nicht ganz sicher, 15 bis 18 Kilometer entfernt, da fahre ich nicht mal mit dem Fahrrad. Da müsste ich eigentlich mit der S Bahn fahren. Die kostet aber Geld und da bin ich auch länger unterwegs. Und dann sind die Arbeitseinsätze immer meistens. Nachmittags, also dienstags und freitags nachmittags ist das jetzt. Und da habe ich oft mit mir gehadert, mache ich das jetzt? Fahre ich da extra hin? Gebe ich dafür extra Geld aus, um dahin zu fahren? Können das nicht andere machen, die dann näher wohnen? Also da habe ich solche Gedanken schon bei mir beobachtet und ich denke, was da dann wirklich zählt und was ich jetzt auch gemerkt habe, was uns bei der Schule durch die Pandemie verloren gegangen ist, ist so ein Gemeinschaftsgefühl. Und da wollte Carsten auch noch etwas aus seiner Erfahrung berichten. Deswegen gebe ich es wieder zurück auf den Acker.

Carsten Ja, hier wieder direkt live vom Acker...

Ich habe für mich genau diese Erfahrung gemacht, dass irgendwann im Rahmen meiner Mitmachaktivitäten dieses Gemeinschaftsgefühl bei mir entstanden ist. Als wir damals in diese Solawi eingetreten sind, hatte ich dieses Gemeinschaftsgefühl noch gar nicht. Das ist auch tatsächlich erst vor relativ kurzer Zeit entstanden. Und die ersten Ackereinsätze habe ich eher so als „das gehört einfach dazu, wenn ich mich auf das Konzept einer solidarischen Landwirtschaft einlasse“ gesehen. Da war das für mich relativ klar, gehe ich auch das eine oder andere Mal auf den Acker und helfe mit. Und tatsächlich habe ich die ersten Einsätze für mich als Ausgleich zum Berufsalltag gesehen. Wenn ich den ganzen Tag. Also bei mir ist es tatsächlich ein Bürojob, wenn ich den ganzen Tag auf dem Stuhl vorm Rechner sitze und kaum Bewegung habe, dann war das für mich schon ein Ausgleich. Am Wochenende, am Samstag mal ein paar Stunden draußen auf dem Acker bei der Ernte mitzuhelfen. Bisschen körperliche Bewegung, frische Luft. Das war völlig okay, aber es war einfach eher so: was nehme ich davon mit. Also die Perspektive war: wo habe ich da meinen Nutzen draus? Das dann als Arbeitseinsatz natürlich noch mal etwas für die Gemeinschaft rausfällt, war für mich zu dem Zeitpunkt auch eher zweitrangig. Es hat Spaß gemacht, ich habe eine entsprechende Ausgleichsfunktion gehabt. Das war völlig okay.

So, und jetzt in diesem Jahr, dadurch, dass ich auch ein bisschen aktiver geworden bin, ist dadurch das Gemeinschaftsgefühl entstanden. Ich habe dann irgendwann wirklich für mich so den Punkt gehabt: Mensch, ich muss da am Wochenende hin. Ich habe mich eigentlich gar nicht angemeldet für diesen Ackereinsatz, aber ich habe das Gefühl, die brauchen mich! Und das war für mich wirklich so ein Moment, wo ich gedacht habe: Hey, oh, da hat jetzt gerade eine innerliche, eine andere, also eine Veränderung stattgefunden. Die Haltung ist eine andere. Ich mache das jetzt nicht, weil ich jetzt irgendwie Bock drauf habe, sondern die brauchen mich.So, und ich glaube, das ist genau das Gefühl, was entstehen muss. Und das kommt aber zumindest bei mir nicht einfach so, das kann ich mir ja nicht irgendwie vordiktieren und sagen das ist jetzt die Perspektive, mit der ich jetzt ins Leben gehe oder in diese Gemeinschaft gehe, sondern das funktioniert bei mir nur deswegen, weil ich mich häufig in diese Gemeinschaft eingebracht habe. Ich bin sowohl auf den Acker-Einsätzen unterwegs gewesen, bei gutem Wetter, aber auch bei Sauwetter. Ich habe aber auch bei Infoständen mitgeholfen. Wenn sich die Solawi jetzt irgendwie auf bestimmten Festlichkeiten oder Feierlichkeiten präsentiert hat, habe ich mich dann dahinter gestellt und habe anderen Personen, die vorbeigekommen sind, dieses Konzept und auch die Solari hier konkret vorgestellt. Das waren alles so Momente, wo ich einfach dieses Zugehörigkeitsgefühl auch ausprägen konnte. Und das braucht tatsächlich aus meiner Sicht das Engagement der Person, die sich bereit erklären, in eine solche solidarische Gemeinschaft reinzugehen.

Stefanie Und du hast ja jetzt gerade gesagt, du hast dieses Gefühl entwickelt, dass du gebraucht wirst. Jetzt war es aber so, dass ja in den Emails, in den Newslettern auch immer drin stand: Wir brauchen dich auf dem Acker. Das heißt also, das wissen wir ja eigentlich schon da, dass du gebraucht wirst. Aber du brauchtest konkret dieses Gefühl dazuzugehören, oder wie darf ich das verstehen?

Carsten Ja, tatsächlich. Also ich brauchte dieses Gefühl. Also wir haben ja sowohl bei der Schule als auch bei der Solawi immer wieder diese Aufrufe Hey, da stehen die und die Aktionen an, es muss z.B. was gebaut werden. Wir haben eine bestimmte Deadline, bis dann muss was fertiggestellt werden oder Personen sind krank geworden. Wir schaffen das jetzt nicht allein. Wir brauchen Unterstützung. Aber solange ich nicht dieses Wir-Gefühl entwickelt hatte und das war ja das, was sich dann bei mir herauskristallisiert hat oder sich entfaltet hatte, wo ich dann genau diesen Punkt hatte: Ich werde gebraucht. Das da, da war ich Teil dieses gefühlten Wirs. Ich kannte die Personen mit Namen. Ich habe mich gefreut, diese Personen regelmäßig wiederzusehen. Und das war tatsächlich dieses Wir-Gefühl. Vorher, diese reine Information „Hey, wir brauchen dich.“, das waren immer die „anderen“. Das war tatsächlich ich und die. Und von „die“, da gibt es ja ganz viele. Aber genau das ist etwas, was ich für also meine persönliche subjektive Wahrnehmung als sehr sehr wichtig empfinde, weil erst dadurch fühle ich mich jetzt gerade konkret wirklich in einer solidarischen Gemeinschaft aufgehoben.

Stefanie Du hast quasi eine Verbindung aufgebaut und diese Verbindung macht das Ganze dann auch verbindlich. Also dass du weißt, okay, da sind Personen, das sind jetzt nicht nur Namen, sondern du hast diesen Namen auch Gesichter zugeordnet. Du weißt, wer das ist. Da ist viel mehr Gehalt quasi dahinter und dadurch ist die Motivation viel höher, da jetzt wirklich mitzuhelfen und diese Menschen zu unterstützen, wenn sie um Hilfe bitten.

Carsten Ja, richtig, genau. Es wird einfach verbindlicher. Ich ich merke tatsächlich so diese Not oder auch - ich will nicht sagen - leiden, aber da steckt einfach nicht nur einfach ein Aufruf hinterher „es wäre ganz nett“, sondern ich weiß, was für eine konkrete Auswirkung mein Handeln dort hat.

Stefanie Ja, also ich merke das auch bei der Schule, dass dadurch, dass unser Kind mittlerweile alleine zur Schule hin und zurück fährt, da wirklich die Bindung nicht so stark ist an die Gemeinschaft, also von uns jetzt als Eltern, weil ich mit den Eltern eigentlich fast gar nicht in Kontakt komme außerhalb dieser Arbeitskreise. Wir hatten vor der Pandemie auch noch so Stammtische und so was alles. Während der Pandemie war das alles nicht mehr möglich. Dann gab es viel Bewegung, auch in der Gemeinschaft. Viele Eltern, Familien sind weggegangen, neue sind dazugekommen und irgendwie hat sich das alles noch nicht wieder so richtig zusammengefunden, so dass es zwischen den Eltern eigentlich meiner Meinung nach meiner Empfindung nach noch keinen richtigen festen Zusammenhalt mehr gibt, außer in diesen Arbeitskreisen. Und das sind ja dann wieder so Untergruppen, wo dann wieder nur einige wenige sehr aktiv sind. Aber dieses große Wir-Gefühl, dieses Gemeinschaftsgefühl, dieser Zusammenhalt der kompletten Schulgemeinschaft, das fehlt irgendwie. Das ist zumindest mein Gedanke dahinter.

Das kann natürlich von anderen Angehörigen dieser Gemeinschaft anders gesehen werden. Nur ist das im Moment so mein Gefühl und ich denke, gerade mit der Erfahrung, die Carsten jetzt gemacht hat, mit der Solawi, dass dieses Gefühl für ihn quasi ausschlaggebend war, da auch wirklich noch mehr mitzuhelfen und dieses Gefühl ja auch so eine Sogwirkung entwickelt hat und du, Carsten, ja auch gesagt hast, dass du dann da quasi hin musstest, um diese Gemeinschaft nicht im Stich zu lassen, denke ich, dass dieses Gefühl etwas sehr wichtiges ist. Also das ist wirklich nicht nur um Fakten geht und reine Zugehörigkeit. Unser Kind geht jetzt da zur Schule und das war's. Ich mache ab und zu so meinen Dienst, dass ich da immer mal so ab und zu mithelfe. Das ist vielleicht so die Grundlage dafür. Ich bin Teil dieser Gemeinschaft, so wirklich Teil der Gemeinschaft. Also ein Unterschied zwischen Teil der Gemeinschaft und „Teil“ der Gemeinschaft. Ich fühle mich wirklich zugehörig. Ich bin verbunden mit dieser Gemeinschaft und das kann wirklich nur durch Gefühle entstehen. Das ist so meine Erkenntnis. Ich wollte schon sagen, mein Gefühl, also meine Erkenntnis eigentlich, jetzt so also ich denke, nur so kann das funktionieren mit einer solidarischen Gemeinschaft.

Carsten Und das stiftet dann zumindest auch bei mir eine viel ausgeprägtere Zufriedenheit. Was vorher so bei mir eher auf der individuellen Ebene war. Der Ausgleich hat Spaß gemacht, mich körperlich zu betätigen. Ich habe frische Luft bekommen, Das bekommt dadurch dann jetzt eine ganz andere Dimension. Also ich fühle mich viel, viel zufriedener, weil ich dann einfach merke, wie also: diese Arbeit mit und in der Gemeinschaft macht ja auch Spaß. Und einfach mitzubekommen, was für einen Einfluss mein kleiner Beitrag hat. Dadurch, dass jeder so einen kleinen Teil mit reinbringt, um das große einfach mal zu sehen. So am Ende des Tages einfach mal zu sehen, jetzt in dem konkreten Beispiel, was für eine Erntemenge haben wir eigentlich gehabt? Mal zu sehen: Hey, wir haben jetzt gerade mal eine Tonne Möhren geerntet, das ist schon so..., du stehst da und denkst: Wow, krass, ne? Hättest du als Einzelperson so nicht hinbekommen. Und das ist das wenn sowas erwächst, merke ich, dieser Zusammenhalt stiftet Zufriedenheit. Und letztendlich ist es ja auch das, was wir im Leben anstreben. Wir versuchen irgendwo Zufriedenheit zu bekommen, machen das häufig als individualistische Aktion. Urlaub. Konsum. Wellness, wie auch immer. Und das einmal so festzustellen und wahrzunehmen. Das kommt auch aus einer Zusammenarbeit in einer Gemeinschaft, die einfach an einer, an der gleichen Sache arbeiten, das gleiche Ziel verfolgen, einfach Bock drauf haben, das ein bisschen voranzutreiben, das auch zu stützen, zu halten. Das ist eine ganz tolle, wertvolle Erfahrung für mich.

Stefanie Und das ist ganz wichtig, dass du das jetzt noch sagst, denn es geht ja um Werte. Und es geht ja auch darum, dass wir eine andere Gesellschaftsform finden müssen, um in Verbundenheit auch mit unserer Mitwelt leben zu können. Und das, was du gerade so beschrieben hast, wo wir eigentlich jetzt unsere Zufriedenheit her ziehen, die wir, die Menschen des globalen Nordens quasi, also dass wir irgendwohin reisen oder uns tolle Dinge kaufen oder so, das ist ja alles eigentlich ein Ergebnis unserer Sinn und Werte entleerten Welt, in der wir leben. Ein Ergebnis des Kapitalismus muss man ja irgendwie so sagen. Und das ist ja etwas, wovon wir wegkommen wollen und wovon wir auch wegkommen müssen, um unsere Lebensgrundlage zu retten und um uns selbst zu retten als Menschheit. Also so, und deswegen ist es doch super, dass du diese Erfahrung gemacht hast, dass du diese Zufriedenheit aus der Gemeinschaft ziehen kannst, aus diesem Verbundenheitsgefühl und daraus miteinander etwas Sinnvolles zu tun.

Und wie toll wäre das jetzt eigentlich, wenn unsere Gesellschaft komplett solidarisch aufgebaut wäre und es ganz normal wäre, aus diesem Wir-Gefühl unsere Zufriedenheit zu ziehen und wir mit diesen Werten aufwachsen würden und wir gar nicht diesen Drang hätten, die ganze Zeit zu gucken: Ich muss jetzt das konsumieren, ich muss jetzt hier hinfliegen und hier auf Instagram hat mir da jemand gesagt, ich sollte doch am besten an dem Ort sein, dann fühle ich mich erst richtig gut. Und wenn es auch ganz normal sein würde, dass wir unsere Zeit anders aufteilen? Dass also nicht mehr nur die Erwerbsarbeit die einzig wichtige und wertvolle Zeit in unserem Leben ist, sondern die Zeit viel gerechter aufgeteilt ist und Zeit für Gemeinschaft ebenso viel wert ist, wie Zeit für Erwerbsarbeit und Zeit für Caretätigkeiten und Zeit für mich selbst, also freie, unbestimmte Zeit.

(Wie gesagt, hier noch mal der Hinweis auf das Buch „Alle Zeit“ von Teresa Bücker. Auf jeden Fall sehr lesenswert.)

Wie toll wäre das, wenn sich diese Grundzufriedenheit und meiner Meinung nach auch Grundentspannung durch unser Leben ziehen würde? Wir würden doch ganz anders Entscheidungen treffen, ganz anders mit Menschen umgehen und würden unser Leben auch ganz anders gestalten. Es würden so viele Zwänge wegfallen und auch so viele Süchte. Also es ist ein ganz anderes Lebensgefühl. Und das ist auch der Grund, warum wir trotz aller Widrigkeiten Teil dieser solidarischen Gemeinschaft bleiben. Weil das Schritte auf dem Weg hin zu einer kompletten solidarischen Gesellschaft sind, zu einem Wertewandel in unserer Gesellschaft, der bitter nötig ist. Es ist quasi wie eine Insel oder kleinere Inseln in einem Meer von Ich-Bezogenheit in unserer Gesellschaft.

Und trotzdem ist es so, so viel wert, so etwas erfahren zu dürfen und Teil von so etwas sein zu dürfen. Denn erst wenn wir uns so etwas vorstellen und so etwas erleben können, dass es auch anders geht als das, was so der Mainstream in unserer Gesellschaft vorlebt, können wir uns das auch für unsere Zukunft vorstellen. Und erst dann kann es auch Wirklichkeit werden. Und deswegen sind solche solidarischen Gemeinschaften so wichtig und unterstützenswert.

Wir könnten jetzt noch viel tiefer in die Thematik einsteigen. Da gibt es definitiv noch sehr viel zu zu sagen und vielleicht werden wir das auch noch in weiteren Folgen machen. Sehr wahrscheinlich kommt das Thema immer wieder in verschiedenen Aspekten zur Sprache. Es ist ja auch in der Vergangenheit in verschiedensten Folgen auch schon benannt worden. Mir war es jetzt nur wichtig, dieses Spannungsfeld einmal zu thematisieren. Dass es auf jeden Fall mal angesprochen wurde und auch generell noch einmal zu sagen: Ja, es ist wichtig, dass es diese solidarischen Gemeinschaften gibt, auch wenn sie nicht perfekt sind. Es ist wichtig, dass wir erleben können, wie es sein könnte.

Und damit gebe ich jetzt zurück auf den Acker zu Carsten.

Carsten *Macht Windgeräusche* Ja, ein tolles Schlusswort hier.

Stefanie Ist das so windig?

Carsten Ja, total. Ich glaube, wir hören jetzt auf.

Stefanie Okay, dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Carsten Ja, hier vom Acker sagt man auch Tschüss.

Stefanie Na dann bis bald.

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Im November 2021 ist der Von Herzen Vegan Clan ein Teil meiner damals neuen Community, des Experimentariums geworden.

Das Experimentarium gibt es seit Dezember 2022 nicht mehr.

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