Folge 305 - Der stille Frühling: Warum wir eine Pause eingelegt haben

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Folge 305 - Der stille Frühling: Warum wir eine Pause eingelegt haben

In dieser kurzen Folge werfen wir einen Blick zurück und erklären die Gründe für unsere jüngste Sendepause, während wir uns von alten Geschäftsmodellen verabschieden und neue, sinnvolle Wege erkunden.

Wir sprechen über unseren Abschied von Steady, die Abmeldung des Gewerbes und die Entscheidung, uns von gewinnorientierten Modellen zu lösen. Aber keine Sorge: diesen Podcast und auch die andere kostenlosen Inhalte wird es weiterhin geben! :-)

Außerdem geben wir einen Einblick, was gerade so bei uns los ist und was wir in Zukunft vorhaben.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Du hast jetzt länger nichts mehr von uns gehört und wir wollen hier in einer kurzen Folge einmal erklären, warum das so ist und wie so der Stand der Dinge ist. Steady Mitglieder und Newsletter Abonnent·innen wissen es schon: Es wird jetzt in Zukunft kein Steady mehr für uns hier geben.

Der Hintergrund ist der, dass ich mein Gewerbe abgemeldet habe und deswegen natürlich auch kein Geld mehr über Steady einnehmen kann und auch nicht über andere Kanäle wie Überweisungen oder PayPal. Und mein Buch steht jetzt auch nicht mehr zum Verkauf.

Warum habe ich das gemacht? Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel ausprobiert, habe verschiedenste Sachen gemacht, hatte ja die Touren und war online aktiv, habe verschiedenste Modelle ausprobiert, von denen ich dachte, dass es vielleicht funktionieren könnte, sowohl den Lebensunterhalt zu bestreiten, also Geld zu verdienen, als auch etwas Sinnvolles zu tun.

Aber letztlich habe ich festgestellt, dass der Weg über das Gewerbe, also die Selbstständigkeit, für mich nicht der passende Weg ist. In unserem bestehenden System ist das mit dem Finanzamt und der Selbstständigkeit so, dass ich immer Gewinne erwirtschaften muss.

Und wie du vielleicht schon mitbekommen hast, wenn du diesen Podcast regelmäßig hörst und vielleicht auch den „Wir Konsumkinder“ Podcast gehört hast, ist meine Entwicklung und auch Carstens Entwicklung eine andere Entwicklung als die, die das Finanzamt sich wünscht. Nämlich eher raus aus dem Kapitalismus und mehr Richtung Tauschlogikfreiheit und auch „Gib was du kannst“ und alternativer Modelle, die neben dem Modell des „ich muss einfach immer nur Gewinne erwirtschaften“ bestehen können.

Ja und letztlich war es jetzt einfach ein wichtiger Schritt für mich zu sagen: So, ich ziehe da jetzt einen Schlussstrich drunter. Dieser Weg ist nicht der meine und ich möchte jetzt andere Wege gehen.

Wenn du jetzt entsetzt aufgeschrien und gedacht hast: „Oh nein, wie kann ich euch denn jetzt weiterhin unterstützen? Ich würde so gerne Geld geben, aber es geht jetzt nicht mehr!“ Dann kannst du sehr gerne Zeit statt Geld geben, denn wir brauchen immer noch Unterstützung dabei, die Podcastfolgen zu transkribieren und diese Transkripte Korrektur zu lesen.

Also wie gesagt, das Transkribieren übernimmt ein Programm, nur das Korrekturlesen, das müsste ein Mensch machen, denn das Programm bastelt immer mal so kleine Fehler da rein, weil einfach ein Audio nicht so hundertProzentig transkribiert werden kann von einem Programm.

Und da ist immer noch so ungefähr die Hälfte der Podcastfolgen vom „Mehr als Vegan“ Podcast offen und da müssten die Transkripte Korrektur gelesen werden. Wenn du also jetzt entsetzt bist und sagst „ich will unterstützen, wie kann ich das denn noch machen?“, dann schreib eine Email an post@vonherzenvegan.de und melde dich freiwillig, um Transkripte Korrektur zu lesen.

Dass ich jetzt mein Gewerbe abgemeldet habe, ist allerdings nicht der Grund, warum wir so lange keine Podcastfolgen gesendet haben, sondern der Grund ist mehr, dass wir gerade - also sowohl Carsten als auch ich - auf der Suche oder mittendrin sind, dabei, unsere Rolle zu finden auf dem Weg in eine klimagerechte Zukunft. Also herauszufinden, was wir da tun können. Und das nicht nur theoretisch machen, sondern auch praktisch.

Mein Gedanke war: Es muss auch anders gehen, als diesen Weg der Selbstständigkeit mit dem gewinnorientierten Gewerbe zu gehen. Und da probiere ich jetzt einiges aus und auch Carsten probiert einiges aus.

Um es noch einmal mit den Worten der indigenen Aktivistin Sherri Mitchell zu sagen: „Es ist nun an der Zeit, dass wir unsere eigene Rolle als Vorfahr·innen der Zukunft annehmen und die nächsten sieben Generationen zu leben erträumen. […] Wir müssen auch daran arbeiten, ihnen eine Welt zu bieten, die dazu in der Lage ist, ihre Leben zu erhalten. Das ist die Aufgabe unserer Zeit, unseres Lebens.“

Und wir wollen jetzt unsere Rolle annehmen und mehr ins Tun kommen. Also die Verantwortung übernehmen und auch wirklich machen. Die vergangenen Jahre haben wir ja viel auch in der Theorie zusammengetragen, viel gelesen, überlegt, Filme gesehen und Sachen angeschaut. Wir waren nicht unbedingt passiv die ganze Zeit. Wir haben ja viel gemacht, aber es war mehr so, was wir so für uns gemacht haben. Wir haben quasi bei uns persönlich, in unserem Haushalt sozusagen aufgeräumt. Und jetzt ist es einfach an der Zeit, dass wir uns mehr in der Gemeinschaft engagieren. Und da sind wir gerade dabei.

Carsten Genau, wie du gerade schon gesagt hattest: in den vergangenen Jahren haben wir viele Bausteine, Mosaikbausteine für die Frage „Wie können wir eine klimagerechte Zukunft erstellen?“ behandelt und für uns auch adaptiert. Und das Konkrete ist, dass wir gerade in diesem Jahr 2024 nach außen gehen und mit Menschen und Organisationen, Initiativen stärker in Kontakt gehen, um für uns genau diese Rolle, die du, Stefanie, gerade angesprochen hast, zu finden.

Was für eine Rolle können wir spielen? Wo finden wir uns wieder? Wo können wir einen Wirkhebel bedienen / einbauen, um auch das Wissen, was wir uns in den letzten Jahren so häufig auch in der Theorie angeeignet haben, tatsächlich in den Alltag reinzubringen, quasi genau in die Praxis zu gehen?

Stefanie Aktuell engagieren wir uns gerade mehr in der SoLawi, in der wir Mitglied sind und versuchen da so unterstützend wie möglich tätig zu sein. Und Carsten ist jetzt auch irgendwie so der, der die ganze Zeit überall auf Treffen unterwegs ist.

Carsten Ja, ich versuche Menschen zu treffen, die in Gemeinschaft leben. Ich versuche diese Gemeinschaften kennenzulernen, da reinzuschnuppern, um tatsächlich so von diesem Angelesenen „wie könnte es sein in Gemeinschaft zu leben?“ für mich, aber auch für uns auszuloten: was steckt da wirklich hinter? Sind wir gemeinschaftstauglich?

Und wenn nein, was muss eigentlich auf unserer persönlichen Seite noch entstehen, damit wir gemeinschaftstauglich werden? Welche Grundvoraussetzungen müssen wir eigentlich mit reinbringen, um wirklich in Gemeinschaft leben zu können? Also nicht in einer familiären Gemeinschaft, sondern im größeren Kontext mit vielleicht auch eher vorher noch fremden Menschen, die aber den gleichen Wertehorizont mit uns teilen, die die gleichen Zukunftsvorstellungen haben, mit denen was aufzubauen, zu schaffen.

Auch so ein bisschen auszuloten: Bauen wir selber was auf, gehen wir in bestehende Strukturen rein? So, dieses ganze Potpourri, das ist etwas, was gerade dieses Jahr für uns interessant ist. Da versuche ich Kontakte aufzubauen bzw das mal reinzuschnuppern.

Und dann ist da natürlich so mein Herzensthema, die Permakultur. Da, wo ich im vergangenen Jahr den 72 Stunden Kurs, also sprich den Permakultur Design Kurs gemacht habe und dieses Jahr versuche stärker in Projekteninitiativen reinzuschnuppern, um einfach auch für mich auszuloten, wo ist denn hinsichtlich der Permakultur so die Rolle, in der ich mich dort wiederfinde?

Weil ich auch festgestellt habe, dass Permakultur ein sehr breites, eigentlich ein Universum für sich ist, ein sehr breites Themengebiet. Das hat noch nicht mal unbedingt nur die Konzentration auf den Gartenbau, Landschaftsbau, auf den ökologischen Bereich, sondern ich gucke dort für mich persönlich jetzt viel stärker auf den sozialen Bereich. Wie komme ich dort mit Menschen, mit Sozialstrukturen in Kontakt? Was kann ich da initiieren, aufbauen?

Und nach wie vor ist mein persönlicher Plan, zum Ende diesen Jahres hin auch den weiterführenden Ausbildungsschritt zu nehmen, das sogenannte Basisjahr zu starten, um dort im Rahmen dieser Permakultur für mich auch noch mal ein bisschen stärker noch diesen Praxisbezug rein zu bekommen, Projekte zu initiieren, noch viel mehr Menschen kennenzulernen, die in diese Richtung gehen und dieses in Verbindung gehen. Das ist im Grunde genommen das, wo wir im Moment sehr viel Zeit investieren und das wird uns das komplette Jahr über noch begleiten.

Und das ist insofern super spannend, als dass wir einfach feststellen: Viel von dem, was wir in der Theorie gesehen haben, existiert heute in der Praxis schon. Also Überraschung, Überraschung. Wir haben ja schon viel drüber gelesen, aber jetzt tatsächlich so in den persönlichen Kontakt zu gehen, ist unglaublich bereichernd. Gibt ganz viel Energie, ganz viel Aktivität entbrennt daraus und die ist auch raumnehmend.

Also das ist tatsächlich so ein Punkt, wo wir merken, wir sind mit den Themen schon so gefüllt, dass uns da häufig auch die zeitliche Ressource fehlt zu sagen, jetzt machen wir uns noch mal an eine weitere Podcastfolge.

Stefanie Gleichzeitig ist es aber auch so, dass wir ja gesagt hatten, dass wir nur Podcastfolgen aufnehmen, wenn wir auch etwas haben, was wir teilen wollen. Und momentan ist es irgendwie eher so wie so ein Atem holen und Luft holen, wo wir ganz viel Neues entdecken, viel aufsaugen und erleben, aber das noch nicht teilen wollen.

Also das kommt dann noch. Wahrscheinlich kommt dann irgendwann geballt wieder so eine Ladung Podcastfolgen, weil wir dann das Gefühl haben, okay, das wollen wir teilen, das wollen wir teilen, das wollen wir teilen. Momentan ist es aber eher so ein: Wir erleben das erstmal, aber es ist noch nicht bereit, geteilt zu werden.

Um es also ganz kurz zu sagen: Dass ich das Gewerbe abgemeldet habe, heißt nicht, dass wir diesen Podcast hier aufgeben. Wir werden den einfach so weiterführen wie bisher, obwohl es ja weiter wie bisher nicht geht. [lacht] Also haben wir auch mal gelacht. Genau. Also jedenfalls ist das der Plan und auch sonst stehen auch die Inhalte weiterhin zur Verfügung. Also in diesem Sinne ändert sich da nichts. Wir finanzieren das einfach privat weiter, das Hosting und die ganzen Sachen.

Wie gesagt, wenn du etwas zurückgeben möchtest, dann freue ich mich sehr, wenn du Transkripte Korrektur liest. Ich sage das jetzt noch mal: Ich freue mich wirklich, wirklich sehr, wenn du Transkripte Korrektur liest. Denn wie gesagt, die Hälfte steht noch zur Verfügung.

Du kannst dir da selber welche aussuchen, also Folgen, die dich thematisch interessieren. Oder wenn du sagst ach, ich möchte einfach nur eine kürzere Folge von bis zu so und so viel Minuten oder es ist mir alles total egal, ich lese fünf Folgen Korrektur und du schickst mir einfach nur die Transkripte zu, kannst du mir das alles schreiben und wir finden eine Möglichkeit, eine Lösung.

Ich werde mich definitiv auch demnächst noch mal hinsetzen und Transkripte Korrektur lesen. Nur momentan habe ich da tatsächlich auch mit pausiert, muss ich ja sagen. Also von daher: Hilfe ist auf diesem Weg auf jeden Fall gerne gesehen. Schreib an post@vonherzenvegan.de.

Carsten Wir halten euch auf alle Fälle auf dem Laufenden. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und bis zum nächsten Mal.

Folge 304 - Eine Welt ohne Karnismus

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Folge 304 - Eine Welt ohne Karnismus

In dieser Folge geht es um die Verbindung zwischen Klimagerechtigkeit und Tiergerechtigkeit.

Wir erklären, warum wir uns über die Darstellung des Mensch-Tier-Verhältnisses in vielen Geschichten über eine klimagerechte Zukunft ärgeren. Wir argumentieren, dass wir nicht nur die Massentierhaltung, sondern auch den Fleischkonsum und die Tierausnutzung überwinden müssen, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Wir fordern, dass wir Tiere als fühlende und empathische Lebewesen anerkennen und uns eine vegane Vision von der Zukunft vorstellen.

Wenn du dich auch für diese Themen interessierst und mit uns gemeinsam eine Welt ohne Karnismus erdenken möchtest, dann laden wir dich herzlich ein, der neuen Community beizutreten. Dort kannst du dich mit uns und anderen Gleichgesinnten austauschen, diskutieren und kreativ werden. Wir freuen uns auf dich!

Links zur Folge

Meine neue Community:
https://stefanie-rueckert.de/community

Roman: Utopia 2048 - Reise in eine wunderbare Zukunft von Lino Alexander Zeddies
https://linozeddies.de/utopia2048

Mein Newsletter
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/newsletter/sign_up

So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Diese Folge richtet sich eher an vegan lebende Menschen. Denn es gibt einen Aspekt, den ich bei der vergangenen Folge nicht vergessen, aber zumindest außer Acht gelassen habe. Nämlich etwas, was mich an den Geschichten, die in einer möglichen klimagerechten Zukunft spielen oder generell an Geschichten momentan extrem stört.

Und vielleicht kennst du das auch, Du liest zum Beispiel ein Buch und dir gefällt die Geschichte. Und dann sagt die Protagonistin: „Oh, dieser Geruch nach Fischbrötchen. Ah, das ist so lecker, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.“ Oder sie beißt in ein knuspriges Schweineschnitzel oder irgendwie sowas. Und schon hast du das Gefühl: Na toll, das musst du jetzt irgendwie außer Acht lassen, verdrängen, überlesen, damit diese Geschichte für dich immer noch in Ordnung ist.

Und genauso ging es mir jetzt auch bei dem „Utopia 2048“ Buch, was wir in der letzten Folge kurz angesprochen haben, dass selbst in dieser idealen Zukunft es nicht so ist, dass das Mensch Tier Verhältnis grundlegend überdacht und neu gedacht worden wäre, sondern auch dort steht: „Dann fiel ihr Blick auf ein paar Hühner, die vorbei tapsten: ‚Und was ist mit den anderen Tieren, die hier so rumlaufen? Hat sich der Veganismus in der Gesellschaft endlich durchgesetzt?‘ - ‚Ich fürchte, da muss ich dich enttäuschen. Meine Frau und ich ernähren uns vegan. Aber einigen Menschen ließ sich das Fleischessen nicht abgewöhnen.‘ Lena guckte leicht empört und Damian ergänzte: ‚Die Tierschutzgesetze sind inzwischen sehr strikt und Massentierhaltung gibt es nicht mehr. Außerdem ist Fleisch sehr teuer und daher zu einem seltenen Genussmittel geworden.‘“

So, und dann geht es weiter mit Permakultur und so - was Carsten besonders freut, der hat das Buch aber noch nicht gelesen. Also von daher, das kommt noch. Es gibt viele Aspekte, wo ich sagen würde hey, ja, genau so sollte es sein. Aber der Aspekt des Mensch-Tier-Verhältnisses wird hier wieder nicht komplett durchdacht.

Und das ist nicht nur in diesem Buch so, sondern in den meisten Texten, in denen es um eine mögliche klimagerechte Zukunft geht. Aber auch in aktuellen Romanen, Geschichten, die so erzählt werden, dass dort zwar eine gesteigerte, sag ich mal, Sensibilität für die Natur teilweise vorkommt - ich hatte da zum Beispiel in der Vergangenheit eine Buchreihe zu Inselgärten und Sehnsuchtswäldern entdeckt, wo es auch wirklich darum ging, wie gehen wir Menschen mit der Natur um und vieles, was darin beschrieben wird, finde ich richtig gut und es sind tolle Ansätze, wie können wir uns wieder mehr mit der Natur verbinden?

Und dann ist es irgendwie wie eine Ohrfeige wenn dann trotzdem weiterhin Tiere gegessen werden und das in diesen Geschichten zelebriert wird, wie toll zum Beispiel dieses Fischbrötchen schmeckt und wie toll das ist, wenn das doch Bio ist und regional sozusagen. Also jetzt vielleicht nicht das Fischbrötchen, aber so der regional geschossene Hirsch, der quasi vorher direkt nebenan gelebt hat und den ich jetzt in diesem Restaurant in einer tollen Soße verspeisen kann und du schmeckst diese Regionalität daraus.

Und das ist für mich wirklich was, wo ich jedes Mal innerlich mich wappnen muss und was mir natürlich die Geschichte auch verdirbt, weil ich da dann ja nicht mehr mitgehen kann. Also ich muss da irgendwie drüber weglesen und da fehlen uns einfach die Geschichten, in denen das nicht so ist, in denen wir das endlich geschafft haben, den Karnismus zu überwinden.

Und ich sehe das nicht nur in Geschichten, die ich lese oder höre oder sehe, sondern aktuell spiele ich gerade das „Hogwarts Legacy“-Spiel durch - einfach aus Interesse. Wir haben die Möglichkeit, das hier bei uns in der Bücherhalle auszuleihen und deswegen spiele ich das gerade einmal durch und da ist mir das dann auch wieder aufgefallen. Es ist so, dass du da dann ja auch kämpfen musst und du musst so genannte „Straßenköter“ besiegen, die lösen sich dann nachher in Luft auf, also gehe ich mal davon aus, dass du sie getötet hast. Und ja, wenn du aber einer Katze über den Weg läufst, kannst du auch eine Taste drücken und dann streichelst du sie. Und das ist Original das: wen streicheln? Wen essen?

In diesem Fall vielleicht eher wen streicheln, wen töten? Denn du sammelst dann von diesem Straßenköter auch das Fell ein, aber von der Katze würdest du es nicht machen, sondern die kannst du nur streicheln, die kannst du nicht erlegen und das Fell einsammeln. Nicht, dass ich das machen wollen würde, nur ging es jetzt um das grundsätzliche. Egal was ich lese, konsumiere auf irgendeine Art und Weise, sei es ein Spiel, ein Film, ein Buch, irgendeine Geschichte, ist Karnismus leider fast überall immer noch vorhanden. Und das sollte sich auf jeden Fall ändern.

Carsten Was mich daran stört sind durchaus mehrere Dinge. Einmal diesen Aspekt, den du gerade so aus diesem Buch wieder rausgelesen hattest, dass Fleisch wieder bio sein muss. Massentierhaltung ist weg. Also das ist irgendwie vorstellbar. Das wollen wir nicht. Oder die Autor·innen wollen das nicht. Und dann wird aber und das finde ich so krude, wenn Fleisch als Luxusprodukt wieder da steht, also wenn Tierausnutzung, Tierausbeutung, Tiertötung Luxus ist, dann ist das wieder irgendwie okay, weil das wollen wir uns ja vielleicht noch mal gönnen. Also so dieser Gönneraspekt oder dieses Gönnen, das ist in der Zukunft vielleicht trotzdem noch so wichtig.

Und da stelle ich mir ja mittlerweile so die Frage: welche Menschengruppen werden dann diejenigen sein, die sich das noch gönnen können? Sind das überhaupt noch die Personen, die solche Geschichten schreiben? Oder sind das dann irgendwie hyperprivilegierte Personen, die sich so finanziell da eigentlich gar keine Gedanken darüber machen müssen?

Das sind so Gedanken, die bei mir dann durch den Kopf gehen, weil ich ja auch weiß, was wäre denn überhaupt ein Fleischkonsum, ein tierlicher Konsum, der gut fürs Klima wäre? Und das grenzt ja hart an einer veganen Ernährungsweise. Das ist so wenig an tierlichen Produkten, die ich dann noch konsumieren muss, dass ich eigentlich de facto fast das komplette Jahr über vegan leben muss, nur um mir dann keine Ahnung, meinen Weihnachtsbraten noch irgendwie gönnen zu können.

Also von daher, dann kann ich auch den gedanklichen Sprung machen und sagen okay, das ist eigentlich schon fast gar nicht mehr existent, diese Tierausnutzung, dieser Konsum tierlicher Produkte. Also kann ich ihn auch gleich wegdenken und den überspringen. Das ist so eine Sache, die stört mich und eine andere, die geht sogar noch grundlegender.

Es geht ja gar nicht darum, dass ich jetzt sage: Oh, die armen Tiere. Also es ist jetzt gar nicht, dass ich jetzt irgendwie ein überbordenes Verhältnis zu Tierliebe irgendwie entfalten muss, um das zu verstehen, sondern diese Mechanismen, die im Hintergrund greifen, dieses „Ich deklariere Tiere zu einem Objekt“. Das ist ein Ding und ich kann mit dem Ding tun, was ich möchte. Ich kann es ins Leben rufen, ich kann es am Leben lassen. Ich kann den Todeszeitpunkt definieren. Ich kann die Art und Weise des Todes definieren. Ich kann sogar definieren, was ich nachher mit diesem toten Lebewesen mache, ob ich es esse, ob ich es anziehe, ob ich keine Ahnung, was damit mache. Das ist die totale Verfügungsgewalt über Lebewesen. Über fühlende, empathische Lebewesen.

Und dass wir das nicht überwinden und nicht überdenken und sehen: okay, das ist ja eine Art von struktureller Ausnutzung, Ausbeutung, die uns ja quasi auch erst in diese Klimakrise reingeführt hat auf vielen Ebenen. Also das, was wir an Ressourcenverschwendung, an Ressourcenausnutzung auf der Welt haben, ist ja ein ähnlicher Regelmechanismus, dass wir einfach Natur zu einem ausnutzbaren, ausbeutbaren Ding deklarieren und wir werden auch gar nicht in Rechenschaft gezogen, weil es völlig normal ist.

So, und das passiert auch auf dieser Ebene mit den Tieren. Und ich kann mir tatsächlich aus meiner jetzigen persönlichen Sicht keine wirklich klimaverträgliche Zukunft vorstellen, wo wir diese Muster nicht überwunden haben. Wir werden immer wieder in Klimaprobleme und - ich meine, Klima ist ja jetzt nur ein Thema. Wir sprechen ja auch über planetare Grenzen, die wir gesprengt haben, über Kipppunkte etc. - Da kommen wir nie raus, solange wir diese Grundmuster dieser Ausbeutung nicht überwinden.

So, und das ist auch ein Aspekt, der stört mich einfach, wenn alles andere schon so in diesen Zukunftsvisionen in eine schöne Richtung geht, wo ich merke okay, die Zukunft ist grün, wir haben viele erneuerbare Energien, also wir haben viele Dinge schon besser gemacht, richtig gemacht. Aber dieser grundlegende Punkt, wie ich die Welt nicht gestalte, sondern tatsächlich ausnutze, den wollen wir einfach nicht loslassen. Der muss noch da sein und und sei es aus Luxusgründen, weil ich mir das einfach gönnen muss, dass ich so ein Tier mal totschlage und esse. Sorry...

Stefanie Viele Dinge gingen mir durch den Kopf, als du gerade gesprochen hast. Das eine, was du jetzt gerade nicht benannt hattest, aber wahrscheinlich meintest, ist soziale Gerechtigkeit.

Carsten Ja.

Stefanie Also dass es nicht nur um Klima geht, sondern auch um soziale Gerechtigkeit. Und das heißt, wenn es irgendwo noch solche Ausbeutungsstrukturen gibt, dann kann es ja gar keine sozial gerechte Zukunft sein, denn wir müssen ja alle Lebewesen mitdenken. Und wenn wir weiterhin noch irgendwo unsere Mitlebewesen ausbeuten, dann haben wir diese Mechanismen immer noch in unserem System drin und dann kann es keine wirkliche Gerechtigkeit sein.

Und ein weiterer Gedanke war, dass es bei diesen Erzählungen meist immer nur um Ernährung geht. Bei einem der Bücher, das ich meinte, war es dann so, dass ein Teil der Handlung auf der Insel Hiddensee spielte und die Insel Hiddensee ist autofrei - ich glaube, es dürfen ein paar Elektroautos fahren, aber generell dürfen sonst keine Autos fahren. Das heißt, eine von den Protagonist·innen hatte sich da niedergelassen und um sich fortbewegen zu können und größere Dinge dort auch fortzubewegen, einen Ponywagen angeschafft. Und das heißt, sie haben dort natürlich sich gut um das Pony gekümmert. Und so weiter und so fort. Aber auch hier sind diese Nutzungsstrukturen immer noch vorhanden. Ich nutze dieses Pony.

Und genauso ist das ja auch bei Waldarbeiten, dass propagiert wird, dass man große Kaltblutpferde in den Wald bringt und dadurch schonend die Baumstämme aus dem Wald herauszieht. Und das ist sicherlich alles etwas, was wir in der Vergangenheit, vielleicht auch in einer weiter entfernt liegenden Vergangenheit schon gemacht haben, was damals normal war. Nur sollten wir, wenn wir in eine klimagerechte Zukunft gucken und Gerechtigkeit allumfassend sehen und all unsere Mitlebewesen mitdenken, auch diese Praxis in Frage stellen.

Wenn wir das jetzt alles infrage stellen, wirft das natürlich neue Fragen auf. Wie kann denn so eine Welt aussehen, in der wir keine Tiere mehr nutzen, sie auf gar keine Art und Weise nutzen? Eine Welt jenseits des Karnismus quasi? Wie kann das denn aussehen? Und da möchte ich dich einladen in meine Community zu kommen, denn das ist etwas, worüber ich mir die ganze Zeit Gedanken mache. Wie kann das denn aussehen? Wie können wir denn so eine Welt gestalten ohne diese Tiernutzung? Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung, sowas komplett zu durchdenken.

Wenn wir jetzt nur diesen einen Aspekt nehmen, dass ich mit meinem Kaltblutpferd Stämme aus dem Wald ziehe, dann ist das auf jeden Fall schonender, als wenn ich mit meinem Traktor da rein fahre oder mit so einer Riesenmaschine und den Waldboden komplett verdichte. Auf Jahrhunderte alles töte sozusagen, was da so im Boden normalerweise kreucht und fleucht. Und da dann eine Alternative zu überlegen, die keine Tiernutzung beinhaltet, ist definitiv auch eine Herausforderung. Und so gibt es sehr, sehr, sehr viele Aspekte in unserem Leben, die wir komplett neu durchdenken müssen.

Und deswegen habe ich diese Community unter anderem auch geöffnet, damit nicht nur ich alleine darüber nachdenke in meinem stillen Kämmerlein, sondern dass wir online zusammen uns überlegen können, wie könnte das denn sein? Und dass daraus dann wieder Geschichten entstehen können, die nicht so sind wie jetzt bei dem „Utopia 2048“ zum Beispiel. Oder diesen Romanen, die ich benannt habe, wo viele gute Aspekte schon drin sind, aber es immer beim Mensch Tier Verhältnis halt macht und das einfach nicht neu durchdacht wird, sondern es meist darauf hinausläuft, dass es „wenn dann Bio und auch nur ganz wenig, aber irgendwie dann doch und es muss ja irgendwie sein und ich kann nicht darauf verzichten.“ ist. Und ja, Massentierhaltung ist böse, aber so ein bisschen ist doch okay.

Das ist das worauf es dann immer noch hinausläuft und da will ich von wegkommen. Ich möchte Geschichten erzählen in einer klimagerechten Zukunft, in der Karnismus eine ferne Erinnerung und nicht mehr existent ist, also in der wir den Karnismus überwunden haben. Und da würde ich mich sehr über Menschen freuen, die das alles mit mir durchdenken, die mit mir zusammen diskutieren: Wie könnte denn diese Welt aussehen und vielleicht auch Geschichten schreiben, die in dieser Welt stattfinden, damit wir alle uns das besser vorstellen können und vielleicht auch nicht nur schreiben, sondern auch erzählen in verschiedenen Formen.

Wir können ja auch Lieder komponieren, wir können Theaterstücke aufführen, wir können Filme erschaffen, wir können Bilder malen. Also es gibt ja wirklich ganz, ganz viele Möglichkeiten, so eine Zukunft Gestalt annehmen zu lassen. Und mit meiner Community möchte ich einfach so den ersten Schritt anbieten, der dorthin führt, in diese Zukunft. Denn erstmal müssen wir uns das alles vorstellen können, bevor es dann Wirklichkeit werden kann.

Und wenn wir es schaffen, packende Geschichten zu erzählen, die in so einer Zukunft stattfinden, die jenseits des Karnismus ist, die klimagerecht ist, sozial gerecht und in der das Leben schön ist, in der wir gerne leben und in der es nicht so ist wie aktuell die verschiedensten Filme - irgendwelche Zombies sind nur noch da. Du bist der·die letzte Überlebende, es wird ums Wasser gekämpft und alles ist ganz fürchterlich - sondern es sind Geschichten, die eine Sehnsucht auslösen in uns und zeigen, dass so ein Leben möglich ist und dass es auch gut sein kann, dass es ein Leben sein kann, das erstrebenswert ist und wofür es sich lohnt, jetzt sich einzusetzen.

Und den Link zur Community findest du auf jeden Fall hier unter dieser Folge oder in den Shownotes oder im Text, falls du gerade das Transkript liest. Wenn du noch Fragen hast, melde dich gerne unter post@vonherzenvegan.de. Und dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Carsten Für eine antikarnistische Zukunft. In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Da fehlen mir die Worte. Und auf Wiederhören.

Folge 303 - Wie Kathedralendenken uns hilft die nächsten 7 Generationen ins Leben zu träumen

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Folge 303 - Wie Kathedralendenken uns hilft die nächsten 7 Generationen ins Leben zu träumen

Was wäre, wenn wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Nachkommen leben würden? Was wäre, wenn wir Projekte starten würden, die unsere eigene Lebenszeit überdauern würden? Das ist die Essenz des Kathedralendenkens, einer Fähigkeit, die wir dringend brauchen, um eine klimagerechte Zukunft zu erträumen und zu gestalten.

In dieser Folge möchte ich dir das Kathedralendenken näherbringen und dir zeigen, wie es uns helfen kann, kreative Lösungen für große Probleme wie den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt zu finden.

Außerdem stelle ich dir meine neue Online Community vor, in der wir uns über unsere Visionen und Wünsche für die nächsten 200 Jahre austauschen.

Links zur Folge

Meine neue Community:
https://stefanie-rueckert.de/community

TED Talk "Cathedral Thinking is Dead. Long Live Cathedral Thinking" [EN mit deutschen Untertiteln]
https://www.ted.com/talks/jonathan_thompson_cathedral_thinking_is_dead_long_live_cathedral_thinking

Deutsche Zusammenfassung des TED Talks:
https://eightify.app/de/summary/philosophy-and-science/revitalizing-cathedral-thinking-inspiring-ambitious-projects-for-a-unified-purpose

Podcastfolge 285 - "Aktivismus heißt Verbindung - indigene Weisungen zur Heilung der Welt"
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-285-aktivismus-hei%C3%9Ft-verbindung-indigene-weisungen-zur-heilung-der-welt

Podcastfolge 247 - Wir konnten auch anders von Annette Kehnel
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-247-wir-konnten-auch-anders-von-annette-kehnel

Die Fuggerei in Augsburg
https://www.fugger.de/fuggerei

Zukunftsbilder - Scientists4Future
https://zukunftsbilder.net/

Zukunft für alle – Eine Vision für 2048
https://zukunftfueralle.jetzt/buch-zum-kongress/

Klimaplan von unten
https://web.archive.org/web/20210904175120/https://klimaplanvonunten.de/pdf/KlimaplanVonUnten_Auflage_1.pdf

Stadt der Zukunft
https://helmholtz-klima.de/stadt-der-zukunft

Infothek für Realutopien | Buch "Zukunftsbilder 2045"
https://realutopien.info/

Visual Utopias - Jan Kamensky
https://visualutopias.com/

Roman: Utopia 2048 - Reise in eine wunderbare Zukunft von Lino Alexander Zeddies
https://linozeddies.de/utopia2048

Mein Newsletter
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/newsletter/sign_up

So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Die indigene Aktivistin Sherri Mitchell hat geschrieben: „Es ist nun an der Zeit, dass wir unsere eigene Rolle als Vorfahr·innen der Zukunft annehmen und die nächsten sieben Generationen zu leben erträumen. […] Wir müssen auch daran arbeiten, ihnen eine Welt zu bieten, die dazu in der Lage ist, ihre Leben zu erhalten. Das ist die Aufgabe unserer Zeit, unseres Lebens.“

Wenn du diesen Podcast schon länger hörst oder insbesondere die Podcastfolge 285 schon gehört hast, wo wir das Buch von Sherri Mitchell vorstellen „Aktivismus heißt Verbindung - indigene Weisungen zur Heilung der Welt.“, dann wirst du mit diesem Gedanken, die nächsten sieben Generationen ins Leben zu träumen oder generell dieser Vorstellung schon vertraut sein. Ich habe das jetzt auch schon öfter gelesen und gehört, aber irgendwie war es mir mit meiner Vorstellungskraft nicht so wirklich möglich, das auch zu machen.

Und dann bin ich letztens mal über den Begriff „Kathedralendenken“ gestolpert und meiner christlichen Prägung sei Dank: Damit konnte ich gleich viel mehr anfangen. Was ist damit gemeint? Damit ist gemeint langfristig und in Generationen zu denken. Denn so eine Kathedrale wurde damals im Mittelalter ja nicht innerhalb von fünf Jahren fertiggestellt. So wie Notre Dame ja jetzt mal schnell in fünf Jahren repariert werden soll, nach dem Brand, sondern das war ein Projekt, was über mehrere Generationen lief.

Das heißt, Menschen, die daran gearbeitet haben, die das vielleicht auch erst geplant haben, so ein Gebäude, die wussten damals: ich werde die Fertigstellung nicht erleben, haben aber trotzdem dran gearbeitet, weil sie einfach in mehreren Generationen gedacht haben, also daran geglaubt haben, dass das, was sie tun, einer größeren Sache quasi dient. Also sie haben ihr Leben dem Bau dieser Kathedrale gewidmet, wie zum Beispiel Notre Dame und auch das Vertrauen in die nächsten Generationen gehabt, dass dann ihr Werk schon weitergeführt und beendet werden wird, wenn vielleicht nicht in der nächsten Generation, dann in der über oder über übernächsten Generation.

Bei Notre Dame zum Beispiel - habe ich auch extra noch mal bei Wikipedia nachgeguckt - gab es vier Bauphasen von 1163 bis 1345 und da werden wohl die meisten Personen immer wieder weitergegeben haben an die nächste Generation. Und ja, wäre schon doch sehr fantastisch, wenn die Person, die den Bau begonnen hat, das noch miterlebt hätte, wie denn jetzt der Bau beendet wurde.

Und heute haben wir diese Fähigkeit langfristig und in Generationen zu denken, verloren, weil wir uns nur noch auf sofortige Gewinne und Bequemlichkeit konzentrieren. Ich finde, ein gutes Beispiel dafür sind immer diese Legislaturperioden von vier Jahren. Also dass Politiker·innen, hier in Deutschland vor allem, nicht über diese vier Jahre hinaus denken, sondern alles, was sie planen, immer nur innerhalb dieser vier Jahre denken. Und danach ist es egal, weil es übernimmt vielleicht jemand anders, aber vielleicht auch nicht. Aber zumindest bin ich nur diese vier Jahre sicher. Und vier Jahre im Vergleich zu 200 Jahren zum Beispiel ist natürlich wirklich, wirklich sehr kurz gegriffen.

Im Mittelalter war das bei uns hier in Europa zumindest noch anders. Jetzt spreche ich natürlich aufgrund des Kathedralendenkens nicht über die ganze Welt, sondern nur über die christlich geprägte europäische Welt. Also gehe ich jetzt mal aufs Mittelalter in Europa ein. Und warum war das anders? Weil damals vor allem das ganze Leben noch viel langsamer war als heute. Und es gab christlich geprägt noch diesen Glauben daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass es sinnvoll ist, für dieses Leben vorzusorgen. Und auch, dass es sinnvoll ist, ein besonders guter Mensch zu sein, um nicht irgendwie im Fegefeuer oder in der Hölle zu landen.

Die Menschen haben sich damals Fragen gestellt wie: Welches Vermächtnis wollen wir unseren Nachfahr·innen oder künftigen Generationen hinterlassen? Wie können wir gute Vorfahr·innen sein? Wie wollen wir der Nachwelt in Erinnerung bleiben?

Und wir hatten mal, als wir das Buch von Annette Kehnel: „Wir konnten auch anders“ besprochen haben, über Jakob Fugger gesprochen, da musste ich jetzt noch mal dran denken. Wir waren letztes Jahr auch in Augsburg und haben auch die Fuggerei besichtigt und uns das alles mal angeschaut. Und falls du nicht Bescheid weißt: ich verlinke auf jeden Fall auch noch mal alle Infos zur Fuggerei und auch zu der Podcastfolge, wo wir das Buch besprochen haben. dann nochmal in den Shownotes.

Aber jedenfalls hatte Jakob Fugger diese Stiftung, die es heute noch gibt, deswegen ins Leben gerufen, weil er vorsorgen wollte. Das ist ja auch etwas, wo er dann generationenübergreifend gedacht hat und das aufgrund der Lebensrealität, die es im Mittelalter gab, dass dort der christliche Glaube so präsent war.

Die Fuggerei ist ja ein Wohnprojekt, sage ich jetzt mal so, mit vielen Häusern und Wohnungen, wo Menschen unter bestimmten Bedingungen für sehr wenig Geld wohnen können. Und eine Bedingung ist auch, dass sie dreimal am Tag für das Seelenheil des Gründers beten. Und das ist tatsächlich genau dieser Punkt, dass das damals im Mittelalter wichtig war und eine Motivation, in der Gegenwart auch schon langfristig zu denken und nicht so wie heute nur noch auf sofortige Gewinne oder Bequemlichkeit zu schauen.

Wenn wir jetzt also heute so ein großes Projekt wie die Schaffung einer klimagerechten Welt in Angriff nehmen wollen, müssen wir wieder lernen, groß zu träumen und über unsere Lebensspanne hinaus zu denken.

Wie schaffen wir das? Also ein Problem ist ja auf jeden Fall, dass die Welt sich immer schneller dreht. Damals im Mittelalter war alles viel langsamer als heute. Und eigentlich ist es ja auch so, dass wir zur Entschleunigung hinstreben. Also wenn wir daran denken, dass wir den Feierabend herbeisehnen, den Urlaub herbeisehnen oder die Rente herbeisehnen, dann ist das ja schon ein Indiz dafür, dass wir eigentlich dafür leben, ausspannen zu können. Und wir sehnen uns ja eigentlich danach, das alles etwas langsamer läuft.

Historisch betrachtet ist diese Beschleunigung gekommen durch das Aufkommen der Uhren, dass die Zeitmessung immer genauer geworden ist und es nicht mehr einfach nur gefühlte Zeit war oder wir uns an den Jahreszeiten, an der Sonne, an unserer Mitwelt einfach orientiert haben, um die Zeit zu messen, sondern dass jetzt die Uhr den Takt vorgegeben hat.

Das heißt jetzt nicht, dass wir wieder ins Mittelalter zurückkehren sollen. Das ist jetzt hier nicht damit gemeint. Das ist ja auch schon in dem Buch von Annette Kehnel „Wir konnten auch anders“ nicht so gemeint gewesen, sondern es geht darum, Fähigkeiten wiederzubeleben und wieder zu erlernen, die wir damals schon hatten, die auch heute noch gut für uns sind. Das heißt ja nicht, dass wir jetzt alles eins zu eins wieder so machen sollen, wie es damals war, sondern dass wir natürlich trotzdem noch drauf schauen: was ist jetzt sinnvoll und was ist nicht sinnvoll?

Und hier geht es um eine bestimmte Fähigkeit, die wir im Mittelalter noch hatten und die aber dem Fortschritt zum Opfer gefallen ist. Wie schaffen wir das jetzt, diese Fähigkeit tatsächlich wieder zu erlernen?

Da ist es eigentlich so wie bei allen Fähigkeiten. Wenn ich jetzt zum Beispiel ein Musikinstrument lerne oder eine Sportart, dann muss ich das immer und immer wieder üben. Und genauso ist es eigentlich auch mit dieser Fähigkeit. Wir sollten es immer wieder üben. Es geht darum, die Vorstellungskraft zu trainieren. Es geht darum, Geschichten zu erzählen. Und das funktioniert am besten in Gemeinschaft, im Austausch mit anderen. Und es geht auch darum, Geschichten zu konsumieren - also nicht nur lesen, sondern hören auch, vielleicht sehen - die schon in dieser Dimension erzählt werden, also die in der Zukunft stattfinden.

Und dabei dann natürlich wieder nicht diese dystopischen Geschichten, wo alles den Bach runter geht und irgendwie die Erde verbrennt und es nur noch zwei Menschen gibt, die sich da gegen Zombies durchschlagen oder so, keine Ahnung. Es gibt ja mittlerweile wieder so einen ganzen Schwall von Geschichten, wenn ich da einfach nur mal durch schaue. Also dystopische Geschichten gibt es genug. Nein, es geht ja darum, dass wir uns wirklich vorstellen, wie kann denn jetzt so eine klimagerechte Zukunft aussehen?

Und, was ich eingangs sagte mit dem Zitat: Unsere Aufgabe ist es, die nächsten sieben Generationen ins Leben zu träumen. Das sind, wenn wir es so grob überschlagen, 200 Jahre, die wir da in die Zukunft träumen sollten. Und das ist die Aufgabe. Und das funktioniert meiner Meinung nach nur mit Übung.

Und Carsten und ich hatten da jetzt letztens ein Buch gelesen, das nennt sich „Zukunftsbilder 2045“ und das ist ein Projekt, was jetzt 2023 rausgekommen ist. Und da werden nicht nur Geschichten erzählt, sondern vor allem auch Bilder dort dargestellt. Und das war noch mal eine besondere Erfahrung. Kannst du, Carsten, dazu noch mal was sagen?

Carsten Ja gerne. Das Buch selber zeigt quasi Städte hier in Deutschland, wie sie im Jahre 2045 aussehen könnten. Richtig schön grün, also quasi diese klimagerechte Zukunft mal in Fotos reingegossen. Also nicht irgendwie abstrakt gemalt, sondern schon so fotorealistisch dargestellt. Das fand ich sehr und unglaublich inspirierend. Also mich hat dieses Buch wirklich motiviert.

Ich habe mich beim Lesen dieses Buches immer wieder dabei ertappt, dass ich gedacht habe: „Oh cool, super, da gibt es ja Menschen, die müssen jetzt ja quasi heute schon das angepackt haben, damit das tatsächlich in Zukunft genauso aussieht - wieso sitze ich jetzt hier im Büro und gehe einer normalen Erwerbsarbeit nach? Ich will jetzt rausgehen und und will das auch mit aufbauen!“

So, und das war etwas, wo ich gemerkt habe, auch wenn ich mich jetzt schon etwas längere Zeit mit dieser Zukunft, mit Klimagerechtigkeit etc. auseinandersetze. Aber da war noch mal so ein zündender Funke, der mich auch wirklich dazu veranlasst hat zu sagen: Ich gehe jetzt raus, ich packe das an, ich will auch dazugehören. Ich will was schaffen. Etwas, was ich vielleicht heute noch gar nicht sehe, sondern eigentlich habe ich mir diese Gedanken gar nicht gemacht. Also es war für mich eigentlich überhaupt gar nicht relevant, dass dieses Ergebnis vielleicht erst so im Kontext dieses Buches in 21 Jahren zu sehen ist, sondern die Motivation war heute schon da. Ich mache das jetzt, weil es wird einfach gut.

Stefanie Ich habe bei mir auch gemerkt, als ich das Buch angeschaut und gelesen habe, dass die Bilder noch mal irgendwie was anderes reinbringen als nur die Texte. Ich denke, es ist wahrscheinlich bei jeder Person anders, welcher Kanal dich jetzt anspricht. Was ich vor allem gemerkt habe, ist, dass das immer wieder Lesen von solchen Texten - es gibt ja durchaus noch mehr Projekte, ich werde die auch alle noch mal verlinken in den Shownotes, wo solche Zukünfte beschrieben werden, die aber maximal im Jahr 2050 stattfinden – etwas macht mit meiner Vorstellungskraft und auch mit dem Gefühl, dass ich so was erleben kann oder dass so was tatsächlich Gegenwart werden kann.

Ich hatte dann noch das Buch „Utopia 2048“ gelesen. Das ist so ein bisschen verbandelt mit diesem Projekt „Zukunftsbilder 2045“. Das ist aber wiederum ein Roman, der so mehr so wie Infotainment ist, sag ich mal, aber sehr konsequent durchgeschrieben, die ganze Idee, auch in Deutschland wieder stattfindet, wie die Zukunft dann im Jahr 2048 aussehen kann, wenn dieser Wandel stattgefunden hat. Und da waren auch sehr viele Details drin, wo ich gedacht habe: Oh, das ist interessant. Es gab auch einige Details, wo ich gedacht habe: Nee, da gehe ich überhaupt nicht mit. Aber das ist ja nicht das Problem dieses Buchs, sondern das ist ja auch wieder nur eine Person, die eine Perspektive dort dann niedergeschrieben hat. Sicherlich inspiriert auch wieder durch andere Personen und im Austausch mit anderen Personen, aber es ist wieder nur eine Perspektive.

Und was wir brauchen, ist die Perspektive von allen Menschen. Also wirklich divers und vielfältig aufgestellt, damit wirklich alle Bedürfnisse berücksichtigt werden. Und das ist auch was, was ich jetzt gerade in meinem Projekt, also Online Community, die ich jetzt tatsächlich geöffnet habe, auch verfolge.

Das ist eine Art Weltenbau - Weltenbau nutzen Menschen wie zum Beispiel Autor·innen, wenn sie ja Welten aufbauen, wie zum Beispiel Herr der Ringe oder Harry Potter oder was auch immer also du dir vorstellen kannst. Da muss ja erstmal eine ganze Welt neu erschaffen werden. Bei Herr der Ringe ist das vielleicht noch mal ein bisschen greifbarer. Da wird eine ganze Welt neu erschaffen und sich überlegt wie ist das Wetter da, was für Menschen leben da, was für Bräuche gibt es, wie ist die Geografie da? Also einfach alles. Es wird ja alles neu erschaffen.

Und ich dachte, dass es sinnvoll ist, sowas mal auf eine klimagerechte Zukunft anzuwenden. Und das habe ich letztes Jahr begonnen, dieses Projekt, erst mal nur so für mich alleine, aber aufgrund dieses „Problems“, dass das ja dann nur meine Perspektive ist, die zwar inspiriert ist von anderen Menschen und ich sammle ja auch die ganze Zeit Informationen, ist es viel besser, wenn jetzt noch viel mehr Menschen dazu kommen, die ihre eigene Perspektive da mit reingeben.

Und deswegen habe ich jetzt die Community erstmal geöffnet. Du bist also herzlich willkommen teilzunehmen, wenn du Lust hast, dort mit mir an dieser klimagerechten Welt zu bauen. Das ist jetzt erstmal schriftlich. Also wir bauen nicht tatsächlich eine Welt so mit Knete und was weiß ich was, sondern schriftlich geht es darum, sich zu überlegen: was sind denn die Rahmenbedingungen? Wie könnte das aussehen? Wie sieht das Bildungssystem aus? Gibt es überhaupt noch Staaten? Gibt es Grenzen? Wie läuft das eigentlich alles? Was für Rituale gibt es usw und so fort. Also es gibt unendlich viel zu tun.

Ich habe so ein bisschen schon vorgearbeitet und ich arbeite da auch die ganze Zeit dran. Also immer wenn ich was lese und mir wieder was auffällt - jetzt hatte ich gerade etwas zu emotionaler Hygiene gelesen und dachte ja, das ist super, das nehme ich mit auf. Denn genauso wie wir körperliche Hygiene ja auch als sinnvoll und wichtig erachten, ist emotionale Hygiene etwas, was wir alle auch lernen sollten oder was Alltagspraxis sein sollte - packe ich immer wieder was rein, aber es bleibt relativ eindimensional, solange ich da alleine dran arbeite.

Das heißt, das ist eine herzliche Einladung an alle Menschen, die Lust haben, mit mir da zusammen dran zu arbeiten. Das ist kein Zwang im Sinne von du musst jetzt jeden Tag da drei Stunden verbringen und was reinschreiben, sondern das ist eine Einladung. Wenn du Spaß an sowas hast und Freude, da mitzuschreiben, dann bist du herzlich eingeladen. Den Link findest du auf jeden Fall hier im Text oder in den Shownotes, also je nachdem wo du schaust.

Und in der Community gibt es dann auch noch einen Bereich, wo wir dann Geschichten erzählen können, die in dieser Welt stattfinden, die wir in dem Weltenbau dann beschreiben. Das heißt, du kannst diese Rahmenbedingungen nehmen und dir überlegen okay, ich erzähle jetzt eine Geschichte, die in 200 Jahren stattfindet - zum Beispiel, das ist jetzt einfach nur ein Beispiel - und die findet in dieser Klimagerechten Welt statt. Und dann gucke ich bei dem Weltenbau: Ah ja, okay, das inspiriert mich. Mobilität sieht da so aus, da Ernährung sieht so aus. Mensch-Tierrechte sehen so aus. Und so weiter und so fort. Und daraus entwickle ich selber eine Geschichte und erzähle die dann da.

Natürlich kannst du die Geschichte auch nur für dich erzählen und du kannst Bilder malen, Du kannst was weiß ich was machen. Ich will auf lange Sicht diesen Weltenbau auch für alle öffnen. So dass es für alle Autor·innen und Menschen, die gerne Geschichten erzählen, frei zugänglich ist, auf Creative Commons Basis dann. Nur ist es im Moment noch nicht so spruchreif, es fehlt noch Mitarbeit, deswegen mache ich das jetzt noch nicht. Das ist jetzt erstmal in der geschützten Community so, dass du dich da anmelden musst. Aber auf lange Sicht habe ich vor, das zugänglich zu machen für alle.

Und dann gibt es noch einen Bereich, der quasi die Weiterführung des von Herzen Vegan Clans ist: die Vegan Leben Gruppe. Und das habe ich deswegen gemacht, weil ich öfter angesprochen worden bin, was mit dem Von Herzen Vegan Clan ist und ob es den nicht mehr gibt. Und ich dachte für alle Menschen, die sich das wünschen, noch mal so eine Austauschgruppe zu haben, wo es um die Herausforderungen im veganen Leben geht oder die sagen okay, ich möchte vegan leben und möchte mich dort austauschen, ich lebe vielleicht noch nicht vegan, bin auf dem Weg dorthin, für die Person ist dann diese Gruppe gedacht. Vegan leben ist für mich auch ein Bestandteil einer klimagerechten Zukunft. Also von daher ist das ein Bereich davon.

Das ist jetzt im Moment so der Aufbau. Die Community hat die Möglichkeit, dass ich da unendlich viele Gruppen, genannt Spaces, einbauen kann. Also das heißt, es könnte noch alles erweitert werden, es könnte alles ganz anders werden. Also von daher mal schauen. Im Moment starte ich mit diesen drei Bereichen einmal dem Weltenbau, einmal Geschichtenerzählen und einmal vegan leben. Also das heißt, du kannst, wenn du da Mitglied wirst - das ist kostenlos - dir aussuchen, in welchen der drei Bereichen du starten möchtest. Du kannst in allen drei Bereichen sein. Du kannst nur in einem Bereich sein oder auch in zwei Bereichen. Das ist dir überlassen und du findest alle weiteren Informationen entweder hier im Text verlinkt oder in den Shownotes. Ich habe da eine Übersichtsseite zu der Community erstellt, da sollten eigentlich alle Informationen vorhanden sein. Wenn dir etwas fehlt, dann schreib mir gerne, ich beantworte deine Fragen dazu gerne.

Carsten Dann lass uns doch die Folge mit einem Appell beenden, dass wir jetzt anfangen, die Verantwortung für die nächsten sieben Generationen zu übernehmen.

Stefanie Aber kein Druck, also die Verantwortung für die nächsten sieben Generationen zu übernehmen klingt vielleicht doch ein bisschen heftig. Also vielleicht können wir den Appell dahin noch ein bisschen umwandeln, dass wir uns darauf einigen, zumindest die Rolle, unsere Rolle als Vorfahr·innen dieser sieben Generationen anzuerkennen und in diesem Bereich für uns Verantwortung zu übernehmen, als Vorfahr·innen und vielleicht nicht für alles, was jetzt noch kommt. Das wirkt doch so ein bisschen so, als würde da sehr viel auf unseren Schultern lasten.

Nichtsdestotrotz ist es, um es mit den Worten von Sherri Mitchell zu sagen, die Aufgabe unserer Zeit, unseres Lebens, daran zu arbeiten, diesen nächsten sieben Generationen eine Welt zu bieten, die dazu in der Lage ist, ihre Leben zu erhalten. Und mein Beitrag dazu ist jetzt diese Community, die ich dir gerade vorgestellt habe.

Und ich bin einfach der festen Überzeugung, dass Geschichten eine große Kraft haben, uns zu motivieren, zu inspirieren und zu verändern. Ich denke, wenn wir Geschichten erzählen über eine mögliche klimagerechte Zukunft, dann auch tatsächlich in den nächsten 200 Jahren, also wirklich weit in die Zukunft träumen, dann können dadurch Möglichkeitsräume entstehen, die zuvor Erträumtes Wirklichkeit werden lassen können.

So vieles war früher in der Vergangenheit undenkbar. Es gibt so viele gesellschaftliche Bewegungen, die, was heute normal ist, erst normal gemacht haben, im positiven wie auch im negativen Sinne. Im positiven Sinne, wenn wir darauf schauen - ich habe dieses Beispiel jetzt schon öfter genannt – das Frauenwahlrecht oder generell Frauenrechte: Es gab Zeiten, da war sowas undenkbar und heute ist vieles normal. Sicherlich gibt es immer noch keine Gleichberechtigung, aber dass ich als Frau jetzt wählen kann, das ist normal. War es aber vor über 100 Jahren noch nicht.

Wir haben das Glück, dass es damals Menschen gab, die ihre Rolle als Vorfahr·innen der Zukunft angenommen und ein anderes Leben erträumt haben und die ganz aktiv daran gearbeitet haben, uns, die wir heute leben, eine Welt zu bieten, in der dieser Traum Wirklichkeit geworden ist.

Wir stehen momentan vor sehr großen Herausforderungen. Klimagerechtigkeit ist eine riesige Herausforderung, eine klima- und sozialgerechte Welt zu schaffen. Es ist ein Projekt, das ähnlich ist wie eine Kathedrale zu bauen, also etwas, was weit in die Zukunft reicht. Und da denke ich, dass dieses Bild des Kathedralendenkens uns da helfen kann, dieses Denken immer weiter zu trainieren.

Und deswegen auch die Einladung in die Community, das da mit mir zusammen zu machen, daran zu arbeiten, zu überlegen, wie könnte diese Welt aussehen, darüber zu sprechen, weil es einfach Übung braucht. Wir haben das verlernt. Wir können es aber wieder lernen. Wir können es einfach immer weiter üben. Ich glaube wirklich ganz fest daran, dass wir so viele Geschichten wie möglich aus einer klimagerechten Zukunft brauchen, über eine klimagerechte Zukunft, damit wir sie uns alle vorstellen können.

Und deshalb möchte ich diese Folge jetzt mit einem Zitat von Rob Hopkins aus seinem Buch „Stell dir vor“ beenden, weil ich denke, dass er es so super auf den Punkt bringt: "Wir müssen bessere Geschichtenerzähler·innen werden, so dass wir anhand verschiedener Medien den Menschen ein Gefühl dafür vermitteln können, wie eine positive Zukunft klingen, schmecken, sich anfühlen und aussehen würde.

Wir müssen Geschichten schaffen, in denen die Zukunft, die wir sehen wollen, alltäglich wird.

Wir müssen Geschichten in dem Gefühl erzählen, dass allein sie zu erzählen, ein gewisses Maß an Unausweichlichkeit schafft, wodurch sie schließlich zur Realität werden.

Aber auch in dem Gefühl, dass es für unseren eigenen Geist von großem Nutzen ist, sie laut auszusprechen, stellen sie doch ein starkes Gegenmittel gegen Mutlosigkeit und Trauma dar."

Und mit diesem Zitat möchte ich Dich noch einmal ganz, ganz herzlich in meine neue Online Community einladen. Ich freue mich darauf, mich mit Dir über eine klimagerechte Zukunft auszutauschen. Wie kann die für dich aussehen? Was für Bedürfnisse müssten für dich dort erfüllt sein? Wie kann diese Welt aussehen, damit du dich dort wohl und sicher fühlst und ein Leben in Würde führen kannst? Das sind Fragen, die wir uns da stellen. Und ich freue mich wirklich riesig darauf, wenn wir uns gemeinsam austauschen. Und dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 302 - Warum wir unbequem sein müssen, um die Welt zu verändern

Ein Beitrag

Folge 302 - Warum wir unbequem sein müssen, um die Welt zu verändern

Diese Folge ist ein kurzes Statement zu den aktuellen GDL-Streiks.

Wir sprechen darüber, warum es wichtig ist, unbequem zu sein, wenn wir Veränderungen in unserer Gesellschaft anstreben. Wir erklären, warum Proteste, Streiks und Kämpfe das Wesen von Unbequemlichkeit sind und wie sie unser System herausfordern.

Und wir nehmen Stellung zu der Aussage, dass der Streik der GDL unverhältnismäßig sei und deshalb Streikrecht angepasst werden müsste.

Links zur Folge

(Wir verwenden kurze Ausschnitte aus dem Lied "Protest ist cool, aber anstrengend" von der Band Madsen.)

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So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Wir melden uns heute mit einem kleinen Statement zur aktuellen Lage. Normal machen wir sowas nicht. Aber ab und zu ist es wohl nötig. Denn jetzt im Moment wollen wir gerade Stellung nehmen zu dem GDL Streik, der jetzt stattgefunden hat und wo es ja immer noch gerade Tarifverhandlungen gibt, zumindest zu dem Zeitpunkt, wo wir das ja aufnehmen. Und Anlass war etwas, was Carsten gehört hat.

Carsten Ja, im Arbeitsumfeld haben wir auch über den Streik gesprochen, weil der uns natürlich auch betrifft mit der Frage wie kommen wir eigentlich zur Arbeit? Ein Großteil meiner Kollegschaft ist angewiesen auf den öffentlichen Nahverkehr und dementsprechend ist so eine Streiksituation für uns natürlich auch eine Herausforderung. Mit der Frage Bleiben wir im Homeoffice? Kommen wir in die Firma wer kommt, wann kommen wir etc. pp. Und im Zuge dessen war ich so ein bisschen erstaunt, dass ich im Kollegenumfeld eine Haltungsweise wahrgenommen habe, die aus meiner Sicht so ein bisschen fragwürdig ist. Und zwar ging es darum, dass eine Person irgendwann gesagt hat naja, mit dem, was jetzt gerade dort in dieser Streiksituation passiert, wäre sie schon geneigt, das Streikrecht zu ändern. Es ginge ja nicht an, dass ein Streik ewig durchgeführt werden könnte. Irgendwann müsste ja auch jemand mal sagen Jetzt ist Schluss und jetzt benehmt euch mal so nach dem Motto. Und dementsprechend wäre diese Person geneigt, das Streikrecht oder dem zuzustimmen, wenn das Streikrecht angepasst wird, so dass ein Streik nach einer gewissen Zeit auch von einer anderen höheren richterlichen Instanz dann beendet würde.

Stefanie Ja, so wie du mir das erzählt hast, war es ja so nach dem Motto Jetzt ist aber mal gut, ne? Also ist ja okay, dass da gestreikt wird, aber irgendwann muss auch mal gut sein, weil jetzt wird es langsam unbequem.

Carsten Ja anstrengend ist natürlich blöd. Da verlässt man so ein bisschen seine Komfortzone. Und Komfortzone wollen wir ja beibehalten. Also von daher Nein. Aber mal Spaß beiseite Ich fand das schon sehr haarsträubend, dass wir an der Stelle tatsächlich solche Meinungen haben. Und ich glaube, dass dieser gedankliche Korridor, in dem solche Haltungsweisen entstehen, dass der einfach fehlerhaft ausgerichtet ist. Und zwar, ich gucke da eher ein bisschen anders drauf. Ich stelle mir die Frage Ist denn jetzt eigentlich der Mensch für die Wirtschaft da oder die Wirtschaft für den Menschen? Also schon relativ abstrakt. Und du merkst vielleicht, da kommt jetzt auch so ein bisschen der Anarchist in mir zum Vorschein, So von wegen Machtposition. In so einer Streiksituation werden ja Machtpositionen auch mal anders dargestellt als im Alltag. Das heißt, da wird so, so dieses business as usual schon stark in Frage gestellt und auch einmal die Machtposition generell verschoben. Aber dann zu sagen okay, jetzt an einem bestimmten Punkt wird es ein bisschen unkomfortabel. Also möchte ich gerne wieder zurück in den vorherigen, in meine vorherige Komfortzone. Und jetzt ist mal gut. Ja, diesen diesen Riegel vorschieben, da bin ich eigentlich der Meinung, das ist der falsche Weg. Also so ein Protest ist für mich ja oder nicht Protest, sondern Streik ist für mich ja auch ein Anzeichen. Da ist etwas nicht wirklich im Gleichgewicht. Da ist etwas aus dem Lot geraten. Da fühlt sich eine Seite benachteiligt. Und diese Seite hat eigentlich nicht den großen Hebel, bis auf einen Streik. So, und da bin ich jetzt wieder bei der Frage Ist eigentlich die Wirtschaft für den Menschen da oder der Mensch für die Wirtschaft? Sondern ich tendiere eher Naja, eigentlich ist die Wirtschaft für den Menschen da, nur dass die Konfiguration, in der wir im Moment unser Gesellschaft und Wirtschaftssystem leben, ja vom Korridor in die falsche Richtung gegangen ist.

Stefanie Was ich dazu auch denke ist genau das gleiche eigentlich, was wir auch schon zu den sogenannten Klimaklebern, also der letzten Generation, zu den Aktionen der letzten Generation gesagt haben, nämlich dass es schon immer, also historisch betrachtet, eher krassere Proteste waren oder Protestformen, die etwas bewegt haben. Letztlich haben viele Protestformen eher damit angefangen, dass sie friedlich demonstriert haben und einfach versucht haben, darauf hinzuweisen Hier läuft etwas schief und viele Rechte, die wir heute haben, sind teilweise blutig erkämpft worden. Das ist ja noch weit entfernt von dem, was jetzt der GDLStreik da verursacht. Der verursacht jetzt eine Unbequemlichkeit im Alltag. Und Proteste müssen auch unbequem sein, sonst können sie ja nichts bewirken. Also was bringt es denn? Das ist immer und immer wieder wird es ja gebracht, auch mit den geht zur Schule, also Friday's for Future. Warum macht ihr das denn freitags? Ihr könnt das doch auch am Wochenende in eurer Freizeit machen. Geht doch in eurer Freizeit demonstrieren. Also es läuft letztlich immer wieder darauf hinaus. Es ist okay, also schon super wichtig, dass es so was gibt. Aber es soll unseren Alltag nicht zu sehr einschränken. Ein bisschen einschränken ist okay, aber jetzt, das war ja auch der Tenor von dem, was du gerade erzählt hast Jetzt ist gut, jetzt sollte es nicht mehr sein, weil jetzt wird es zu einschränkend. Aber jetzt zum Beispiel das Frauenwahlrecht wurde auch um einiges krasser noch erkämpft. Und dass wir heute diese Rechte haben, die für uns dann in diesem Fall selbstverständlich sind oder nicht mehr in Frage gestellt werden, ist ein Resultat von sehr, sehr, sehr unbequemen Protesten und Kämpfen.

Carsten Und unbequem wird es ja leider werden. Ich meine selbst Freiheit ist for Future hat ja den Slogan System change not climate change. Der ist zwar auch schon veraltet, es müsste eigentlich heißen System change because of climate change und wir müssen uns dem ja stellen. Das werden ja auch keine kleinen Kämpfe sein, die wir ausfechten. Es geht also nicht darum, einfach nur mal die Wochenarbeitszeit zu reduzieren und dafür dann auf die Straße zu gehen oder zu streiken. Sondern wir haben hier wirklich die Herausforderung, die die Grundkonfiguration der Art und Weise, wie wir zusammenleben und wie wir zusammen wirtschaften, völlig anders aufzustellen, sodass wir damit auch zukunftsträchtig arbeiten und agieren und leben können. Und dementsprechend finde ich da jetzt schon so eine Haltung. Aber irgendwann ist er mal gut. Wir haben jetzt die Komfortzone lange genug verlassen, Jetzt mal wieder ein bisschen Ruhe einkehren lassen, das können wir uns nicht mehr erlauben.

Stefanie Ich finde ja auch gerade dann den nächsten Teil, was du gesagt hattest, dass dann jetzt dann rechtlich die Meinungsfreiheit und die ja Streikfreiheit Demonstrationsfreiheit eingeschränkt werden soll, weil es jetzt unbequemer wird. Das finde ich auch sehr problematisch.

Carsten Ja, genau. Und da bin ich jetzt wieder bei meinem inneren Anarchisten, der dann sagt okay, jetzt werden die Machtverhältnisse wieder so. Regiert, dass die Parteien, die jetzt vorher schon genügend Macht hatten und deren Macht jetzt quasi so ein bisschen angegriffen wird durch eine Streik oder Protestform, dass deren Rechte jetzt noch mal verstärkt werden, damit sie richtig mit dem Hau drauf Hammer diese Situation wieder beruhigen können. So, und jetzt ist Ruhe im Kasten. So, das finde ich, finde ich sehr bedenklich, dass so was überhaupt angedacht wird, also diese Bereitschaft überhaupt da ist.

Stefanie Na ja, was wir eigentlich jetzt ja damit sagen wollen. Ich habe gerade gedacht, wir können das noch mal zusammenfassen, obwohl es jetzt ja keine lange Folge ist, aber letztlich, dass Streiks und Proteste Demonstrationen unbequem sein müssen. Es ist quasi das Wesen von Demonstrationen, Streiks, Protesten usw. Unbequem zu sein. Das ist wichtig. Das ist ein essentieller Bestandteil. Wenn es noch bequem ist und wir das leicht aushalten können, dann ist es ja auch für alle leicht aushaltbar. Und dann wird auch Veränderungen nicht leicht kommen. Denn wenn ich das leicht ertragen kann, dass da jemand streikt oder dass hat jemand protestiert und ich mache trotzdem weiter wie bisher. Also es beeinflusst mein Leben nicht. Und diese Veränderung, die gewünscht wird, die herbeiprotestiert werden soll, die ja wird überhaupt nicht in Betracht gezogen, sondern ja, die wird da dargestellt, die wird auch freundlich nickend wahrgenommen. Aber ja, sie wird nicht umgesetzt oder als Alternative gesehen oder als denkbar machbar gesehen, sondern einfach nur och hör, da hat jemand so eine Idee und möchte die kundtun und wählt deswegen diese Form, diese Art des Kundtun. Aber mich berührt das nicht. Ich mache einfach weiter wie bisher und auch das ganze Wirtschaftssystem, das ganze Gesellschaftssystem in dem wir leben, das geht einfach weiter wie bisher und jemand hat was gesagt, Dann ist das ja auch einfach kein Protest, sondern nur ich habe meine Meinung gesagt oder meine Meinung irgendwo kund getan und es hat nicht wirklich Veränderungspotenzial. Und während ich das gerade so gesagt habe, habe ich parallel gedacht, dass in einer Gesellschaft der Zukunft, also in einer klimagerechten, sozial gerechten Zukunft, ja eigentlich dann gar nicht mehr diese Demonstrationen geben muss und diese Streiks und diese gewaltvollen Auseinandersetzungen auch. Sicherlich wird es dort auch Unbequemlichkeiten geben, immer wieder Konflikte auch. Aber ich glaube, diese Art von Protesten, Streiks, Kämpfen, die wir in der Historie gesehen haben und die jetzt vielleicht auch stattfinden, sind unserer Gesellschaft geschuldet, also diesem System, in dem wir leben. Wenn wir ein System haben, dass nicht mehr nur auf die Mehrheit schaut, sondern auf jede einzelne Person und dann mehr kommuniziert untereinander, also unter anderem vielleicht auch soziokratische Methoden nutzt und nicht nur demokratische Methoden. Und wo es nicht nur privilegierte Menschen gibt, die am meisten zu sagen haben, sondern wo wirklich ein gutes Leben für alle möglich ist und wo dann auch alle gleichermaßen gehört werden können, wird das Miteinander auch ganz anders ablaufen als jetzt, wo Menschen die Veränderung anstreben und vielleicht dann noch eine kleine Gruppe sind, wirklich, wirklich viel tun müssen und alle Register ziehen müssen, um überhaupt wahrgenommen und gehört zu werden, um dieses System stören zu können. Kurz gesagt, wenn wir eine klima und sozialgerechte Zukunft erreichen wollen, kann der Weg dorthin nicht bequem sein.

Carsten Und ich denke auch, dass wir mehr Bereitschaft zeigen müssen, Unbequemlichkeiten auszuhalten, dass wir auch mehr Bereitschaft zeigen müssen, Unbequemlichkeiten herbeizuführen. Und wenn Unbequemlichkeiten existieren, dass wir auch Bereitschaft zeigen, dort reinzugehen und die Unbequemlichkeiten noch unbequemer zu machen, weil wir hier Machtverhältnisse aufbrechen müssen, Privilegien aufbrechen müssen.

Stefanie Das war unser Statement jetzt zur Bequemlichkeit von Streiks.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und empört euch!

Folge 301 - Wie Verlernen uns hilft, Diskriminierung, Unterdrückung und Klimakrise zu überwinden

Ein Beitrag

Folge 301 - Wie Verlernen uns hilft, Diskriminierung, Unterdrückung und Klimakrise zu überwinden

In dieser Folge sprechen wir über das Verlernen als Schlüssel für eine gerechtere und nachhaltigere Welt.

Wir erzählen euch, wie wir durch die Bücher von behinderten Autor·innen wie Luisa L’Audace und Alina Buschmann dazu angeregt wurden, unsere eigenen ableistischen Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.

Wir diskutieren auch, wie Verlernen uns hilft, andere Formen der Diskriminierung und Unterdrückung wie Rassismus, Sexismus oder das Patriarchat zu überwinden.

Außerdem gehen wir auf die Frage ein, wie Verlernen mit dem Thema Entwicklung zusammenhängt und warum wir unsere privilegierte Perspektive als Menschen und Länder des globalen Nordens kritisch hinterfragen müssen. Wir teilen mit euch unsere persönlichen Erfahrungen, Herausforderungen und Chancen, die das Verlernen mit sich bringt.

Links zur Folge

Buch: "Behindert und stolz" von Luisa L'Audace
https://buch7.de/produkt/behindert-und-stolz-luisa-laudace/1044013104?ean=9783959103831

Buch: "Angry Cripples" herausgegeben von Alina Buschmann und Luisa L'Audace
https://buch7.de/produkt/angry-cripples-stimmen-behinderter-menschen-gegen-ableismu-alina-buschmann/1046779613?ean=9783701182770

Buch "Unlearn Patriarchy" herausgegeben von Lisa Jaspers, Naomi Ryland und Silvie Horch
https://buch7.de/produkt/unlearn-patriarchy-lisa-jaspers/1043287809?ean=9783550202193

Mein Newsletter
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So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Bevor wir mit dieser Folge starten, erstmal: ein frohes neues Jahr!

Carsten Frohes Neues!

Stefanie Wir hoffen, du bist gut reingekommen. Wie du gemerkt hast, sind wir nicht direkt nach dem Jahreswechsel wieder hier mit neuen Folgen gestartet, sondern haben erstmal uns eine kleine Pause gegönnt. Und jetzt brannte mir aber ein Thema auf der Seele. Und deswegen haben Carsten und ich uns wieder hingesetzt und nehmen eine neue Folge auf.

Wir sprechen in dieser Folge über das Verlernen. Wie bin ich jetzt auf dieses Thema gekommen? Es war tatsächlich wieder einer dieser Zufälle, die wahrscheinlich gar kein Zufall sind. Ich bin durch Zufall auf das Hörbuch „Behindert und stolz“ von Luisa L’Audace gestoßen, habe das dann in einem Rutsch durchgehört und war total inspiriert. Habe dann noch nach weiteren Büchern von Luisa gesucht und dann noch das Buch „Angry Cripples“ gefunden, was sie zusammen mit Alina Buschmann herausgegeben hat.

Das ist eine Sammlung von verschiedenen Texten behinderter Menschen gegen Ableismus. Und während ich sowohl das Hörbuch gehört, als auch danach diese Texte gelesen habe, wurde mir eigentlich immer klarer, dass es für mich in meinem Leben total wichtig ist, eher Dinge zu verlernen, als neue Dinge zu lernen. Also vor allem Verhaltensweisen zu verlernen. Denn als ich jetzt mich mit dem Thema Ableismus noch mal wirklich sehr detailliert auseinandergesetzt habe, durch diese beiden Bücher, habe ich gemerkt, was da alles an Verhaltensweisen in mir aktiv ist, was mir vorher gar nicht so bewusst war.

Und das ist ja nicht nur beim Thema Ableismus so, sondern wir haben ja auch schon in vergangenen Folgen und auch in vergangenen Jahren darüber gesprochen, dass es auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel Rassismus, Sexismus oder generell das Patriarchat usw. vor allem darum geht, Verhaltensweisen zu verlernen, die uns anerzogen wurden, die wir in dieser Gesellschaft gelernt haben.

Carsten Ja, und ich finde diesen Zusammenhang mit dem Verlernen auch im noch erweiterten Kontext sehr interessant, weil wir ja in den vergangenen Folgen auch immer wieder über Bausteine gesprochen haben. Also die Frage „wie kommen wir in eine klimagerechte Zukunft?“ haben wir anhand von einzelnen Bausteinen versucht zu erklären, was für Bausteine existieren, wie wir die zusammensetzen können? Wie kriegen wir quasi den Weg in die klimagerechte Zukunft damit zusammengebaut? Und diese Bausteine implizieren ja eigentlich, dass wir uns neue Fähigkeiten oder vielleicht ältere Fähigkeiten, die in Vergessenheit geraten sind, wieder aneignen, wieder neu lernen.

Und der größere und wahrscheinlich viel schwierigere Part steht da eigentlich beim Verlernen voraus. Wie du gerade schon sagtest, es sind ja innere, aber auch gesellschaftliche Muster, die dort aktiv werden, die wir vielleicht auch gar nicht bewusst steuern, die wir uns erst mal bewusst machen müssen, um tatsächlich erstmal dieses Verlernen wieder rein zu kommen, dieses Reflektieren. Und ja, was ich gerade schon sagte, es ist deutlich schwerer, Dinge, die sich irgendwie völlig intuitiv ergeben, über die wir gar nicht mehr nachdenken, die einfach vielleicht auch reflexhaft hervorkommen, wie wir uns verhalten, wie wir denken, was wir sagen, diese Dinge zu verlernen, als sich tatsächlich - keine Ahnung - mit einem Buch hinzusetzen und Dinge neu zu lernen, handwerkliche Praktiken oder was auch immer.

Stefanie Ja, das stimmt. Das ist definitiv ein Aspekt auch, den wir dabei beachten sollten. Letztlich habe ich auch immer wieder gedacht, diese Verhaltensweisen zu verlernen, hat ja auch viel mit uns selbst, mit der eigene Identität, mit diesen Mustern zu tun. Also immer wieder das Selbst, dich selbst in Frage zu stellen, ist ja auch etwas, was sehr viel Mut erfordert und auch mal wehtun kann. Wo ich dann vielleicht auch denke: Na ja, ich bin doch eigentlich gar nicht so, ich bin doch eigentlich ein guter Mensch und ich bin doch wirklich, ja total reflektiert unterwegs, aber dann wieder zu sehen - Zumindest war das jetzt bei mir so, als ich die Bücher behinderter Autorinnen gelesen habe - dass ich doch Verhaltensweisen habe, die nicht okay sind.

Wo mir behinderte Menschen gesagt haben - also durch die Bücher, jetzt nicht persönlich, aber durch die Bücher - dass das wie ich mich verhalte und wie ich denke, nicht in Ordnung ist. Also natürlich jetzt nicht grundlegend alles, was ich tue, sondern bestimmte Verhaltensweisen und wo ich dann erstmal schlucken musste und gedacht habe, okay, ich habe bisher immer gedacht, das ist in Ordnung oder ich habe bisher da nie drüber nachgedacht, das ist ja auch sowas - und da habe ich gedacht es ist gut, wenn wir jetzt mal einmal darüber sprechen.

Wir wollen jetzt auch gar nicht das in die epische Breite ziehen hier, sondern wir wollen das einfach nur als Gedankenanstoß einmal in die Runde geben, dass es wichtig ist, dass wir Verhaltensweisen verlernen und dass wir dabei auch auf Betroffene marginalisierter Gruppen hören und nicht selber aus unserer privilegierten Perspektive heraus entscheiden, was ist richtig und was ist falsch, sondern uns sagen lassen von den betroffenen Menschen marginalisierter Gruppen, was richtig und was falsch ist.

Und das ist auch etwas, was ich in einem anderen Kontext jetzt auch immer wieder denke und lese: in diesem „Entwicklungs“-kontext von „entwickelten“ und nicht- „entwickelten“ Ländern, dass da auch wieder das aus der privilegierten Perspektive von den Menschen und Ländern des globalen Nordens gedacht wird. Danach wird entschieden: Was ist ein „entwickeltes“ Land und was ist kein „entwickeltes“ Land? Was ist ein Schwellenland? Und dass das wieder so eine übergriffige, paternalistische Sichtweise ist: Ich weiß besser für dich, was gut für dich ist. Also ich kann das besser beurteilen. Meine Maßstäbe sind die richtigen und du als quasi „noch nicht entwickeltes“ Land weißt es nicht, sondern ich weiß das, ich in meiner privilegierten weißen, globalen nördlichen Position meistens.

Und das ist für mich definitiv auch ein Aspekt, den wir noch weiter untersuchen sollten. Also da will ich mit Carsten auf jeden Fall auch noch mal weiter drüber sprechen. Also „Entwicklung“. Da habe ich auch noch ein, zwei Bücher, die ich lesen möchte, aber das habe ich einfach noch nicht geschafft. Deswegen bleiben wir jetzt hier erstmal bei den individuellen Verhaltensweisen, den Mustern, die es zu verlernen gilt.

Und da bin ich ja gekommen vom Ableismus, wie gesagt, Rassismus, Patriarchat etc. Es gibt noch ganz, ganz viele andere Bereiche, in denen wir Verhaltensmuster verlernen sollten. Und es ist wichtig, immer aufmerksam zu bleiben. Und da bin ich letztes Jahr schon auf ein Buch gestoßen, nämlich „Unlearn Patriarchy“, also das Patriarchat verlernen. Und auch das ist eine Sammlung von Texten, die herausgegeben wurde von Lisa Jaspers, Naomi Ryland und Sylvie Horch.

Und in dieser Sammlung sind 15 Texte von verschiedenen Autor·innen, wo wir zum Teil auch schon einige von kennen. Über dieses Buch bin ich zum Beispiel aufmerksam geworden auf Teresa Bücker mit ihrem Buch „Alle Zeit“ und das Buch „Unlearn Patriarchy“ ist definitiv sehr empfehlenswert. Du hast es auch gelesen?

Carsten Ja, ich habe es auch gelesen. Ich kann dem zustimmen. Es ist ganz, ganz wichtig. Gerade weil die Inhalte für mich auch noch mal insofern ja so ein Erweckungsmoment mitgegeben haben, um mir klar zu machen, in wie vielen verschiedenen Themenfeldern wir tatsächlich diese Verhaltensweisen ausüben, ohne uns dessen bewusst zu sein zu sein, wo wir aber genau dieses Verlernen durchführen müssen.

Stefanie Genau. Und ich hatte mir hier noch mal das Inhaltsverzeichnis aufgerufen. Diese Bereiche, die hier besprochen werden, sind folgende: Sprache, Gender, Liebe, Arbeit, Wissenschaft, Sex, Familie, Identität, Rassismus, Bildung, Kapitalismus, Politik, Geld, Technologie, Macht.

Carsten Es ist keine vollständige Auflistung. Das ist das, was in diesem Buch besprochen wird oder thematisiert wird. Und du hast ja gemerkt, dass wir in dieser Podcastfolge über das Thema Ableismus eingestiegen sind. Das heißt also, es gibt ganz viele andere Themenfelder, die ebenfalls zu berücksichtigen sind, wo wir unsere eigenen Verhaltensweisen einfach verlernen müssen.

Stefanie Und ich denke mittlerweile, dass es auch total normal ist, dass wir immer und immer wieder auf neue Verhaltensweisen aufmerksam werden oder aufmerksam gemacht werden von betroffenen, marginalisierten Menschen, die kritisch zu hinterfragen sind und die wir verlernen müssen. Also so ist es zumindest bei mir jetzt die ganze Zeit. Wie gesagt, also diese beiden Bücher über Ableismus, die haben bei mir wieder ganz viel angestoßen.

Beide Bücher kann ich dir sehr, sehr empfehlen. Ich verlinke die auch in den Shownotes. So wie das „Unlearn Patriarchy“-Buch, das du da noch mal nachschauen kannst. Alles sehr empfehlenswert. Es gibt von dem „Behindert und stolz“ Buch und dem „Unlearn Patriarchy“-Buch auch ein Hörbuch, aber von dem „Angry Cripples“ Buch noch nicht. Was du da aber machen kannst, ist dir dann die einzelnen Autor·innen noch mal genauer anschauen. Denn manche haben Internetseiten, andere Social Media Profile. Leider nur bei Instagram. Die meisten zumindest. Ich habe jetzt noch nicht alle durchgeschaut, ob vielleicht auch irgendwer in den nicht kommerziellen sozialen Medien unterwegs ist, da ich da momentan noch nicht wieder online bin. Ist aber auf jeden Fall auch was, was ich noch nachholen werde.

Denn es ist natürlich super wichtig, so viele verschiedene Stimmen wie möglich von marginalisierten Menschen oder mehrfach marginalisierten Menschen zu hören, zu lesen, irgendwie wahrzunehmen. Denn nur so, durch diese Vielfalt können wir auch diese schädlichen Verhaltensweisen verlernen, um eine Gesellschaft zu formen in der ein gutes Leben für alle wirklich möglich ist.

Und was wir da brauchen sind definitiv Orte der Heilung. Das ist was, wo ich schon länger drüber nachdenke. Und ich bin da auch immer wieder drüber gestolpert, dass Menschen das auch ansprechen, dass sowas auch gelebt wird und dass es Orte geben muss, an denen wir über diese schädlichen Verhaltensweisen sprechen können. So wie das auch schon in der Psychotherapie ist, wenn es jetzt so um individuelle, schädliche Verhaltensweisen geht uns selbst gegenüber. Da ist es ja auch wichtig, dass wir erlernte Muster, die für uns überlebensnotwendig waren, vielleicht in der Kindheit, die jetzt im Erwachsenenalter uns schaden, dass wir diese Muster dann auflösen können und vielleicht auch durch andere Verhaltensweisen ersetzen.

Und genauso ist es wichtig, dass wir schauen diese Verhaltensweisen, die wir durch die Gesellschaft erlernt haben, durch das Leben in diesem System, dass wir die auch als schädlich erkennen und dann entweder komplett eliminieren oder durch etwas Positives ersetzen. Und das kann auch wirklich nur passieren, indem wir in Dialog treten mit betroffenen Menschen, aber auch uns immer wieder in einem sicheren Raum austauschen, in dem wir reflektieren und in dem wir ganz besonders auch zuhören.

Zuhören, was marginalisierte Menschen, Gruppen zu sagen haben, was die Bedürfnisse sind, wo wir dann auch merken, wo das System das Problem ist und wo wir als privilegierte Menschen, die wir ja auch nicht überall privilegiert sind, aber in diesem Bereich, wo wir privilegiert sind, dann einfach nur zuhören.

Und dieser Prozess ist ja tatsächlich auch ein längerer Prozess. Veränderung passiert nicht über Nacht. Das ist auch etwas, wo wir dann immer und immer wieder dran arbeiten müssen. Das merke ich selber an meinen inneren Prozessen im Sinne von den Überlebensmechanismen, die ich bei mir in meiner Kindheit ausgebildet habe und die mich jetzt behindern in meinem Leben teilweise, wie ich damit umgehen kann. Aber das merke ich auch jetzt gerade akut beim Thema Ableismus, als ich diese Bücher gelesen/gehört habe, dass da noch ganz viele Verhaltensweisen sind, die ja quasi normal sind für mich, die aber nicht in Ordnung sind und die ich verlernen muss.

Und so begegnen mir immer und immer und immer wieder Verhaltensweisen, von denen ich vorher irgendwie gar nicht dachte, dass sie problematisch sind und wo ich mich dann im Nachhinein tatsächlich schäme, mal so gedacht zu haben. Das ist vielleicht auch noch so ein Punkt. Diese Scham, die dann immer da hochkommt, ist vielleicht auch was, was uns dann davon abhält, uns zu ändern, weil wir dann irgendwie denken, um diese Scham nicht fühlen zu müssen, kommt dann da irgendwie so ein Abwehrmechanismus hoch: Das kann ja nicht falsch sein, alle anderen machen es doch auch so!

Also da kann ganz viel passieren und deswegen ist es definitiv ein längerer Prozess und bedarf dann auch, wie gesagt eines sicheren Raums, in dem ich mich damit beschäftigen kann. Und wie jetzt genauso ein sicherer Raum aussehen kann, das ist ja total unterschiedlich. Kommt ja auch drauf an, was für Bedürfnisse wir haben, ob wir lieber online unterwegs sind oder lieber offline oder beides und wie das jetzt beschaffen sein soll. Ob du gerne mit anderen Menschen zusammen bist oder eher nicht und so, deswegen kann ich da jetzt keinen direkten Ratschlag geben, was da jetzt passend ist, sondern es wäre was, was wir alle irgendwie noch aufbauen müssen.

Einen Vorschlag habe ich: Ich bin gerade dabei, wieder eine neue Community aufzubauen, wo wir dann auch unter anderem so einen sicheren Raum haben. Das ist dann online wieder, natürlich kostenlos. Da bin ich jetzt gerade dabei und ich werde dich auf jeden Fall auf dem Laufenden halten. Wenn du da automatisch informiert werden möchtest, kannst du dich gern für meinen Newsletter anmelden.

Newsletter Abonnent·innen wissen, dass ich eher selten Newsletter schreibe. Also ich habe zwar da geschrieben, einmal im Monat, aber einmal im Monat ist tatsächlich schon selten. Teilweise kann das auch vorkommen, dass ich mal mehrere Monate mich nicht melde. Also von daher keine Sorge, du wirst nicht zugespamt. Also wenn du informiert werden möchtest über diese Community, dann melde dich da gerne an, ansonsten wirst du auf jeden Fall hier auch im Podcast davon erfahren. Den Link zum Newsletter findest du natürlich hier auch in den Shownotes.

Carsten Ja, mit diesen Gedanken lassen wir dich jetzt mal in das neue Jahr 2024 starten und wünschen dir alles Gute. Und in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und bis zum nächsten Mal.

Folge 300 - Aktivismus ist ein Staffellauf

Ein Beitrag

Folge 300 - Aktivismus ist ein Staffellauf

Du bist leidenschaftlich und engagiert für deine Sache. Du willst die Welt verändern und eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft schaffen. Aber Aktivismus ist kein Sprint, sondern ein Staffellauf. Es ist ein langfristiger Prozess, der Geduld und Ausdauer erfordert.

In dieser Folge diskutieren wir, wie du Pausen machen kannst, um deinen Einsatz zu erhalten. Wir sprechen darüber, wie du dich selbst pflegen, deine Gesundheit schützen und deine Motivation steigern kannst. Wir teilen auch, wie du mit deinen Verbündeten zusammenarbeiten, dich aufeinander verlassen und dich solidarisieren kannst. Wir reflektieren über unsere persönlichen Erfahrungen der letzten 10 Jahre und analysieren, wie die These “Aktivismus ist ein Staffellauf” uns geholfen hat, unsere Ziele zu erreichen und unsere Lektionen zu lernen.

Links zur Folge

Retreat-Räume für Aktivisti des sozial-ökologischen Wandels in Ökodörfern, Lebensgemeinschaften und Kommunen
https://aktivisti-retreat.org/

Folge 100 - Du veränderst die Welt
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-100-du-veraenderst-die-welt

Folge 200 - Lustvoll die Welt retten - ohne Verzicht
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-200-lustvoll-und-ohne-verzicht-die-welt-retten

Folge 172 - Der Movement Action Plan
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-172-movement-action-plan-nach-bill-moyer

Geschenk-Mitgliedschaften bei Steady
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Mein Newsletter
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So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Bevor wir jetzt mit dem Thema der Folge starten, muss ich noch eine frohe Botschaft verkünden, so ganz weihnachtlich in diesem Spirit of Christmas usw. - Carsten guckt schon ganz bekümmert - also jedenfalls: wir haben es geschafft! Du hörst jetzt Folge 300! Wir hatten uns das als Ziel gesetzt, dass wir die 300. Folge noch im Jahr 2023 veröffentlichen. Und wir haben es geschafft.

Carsten Yeah! Krassomat - High Five.

Stefanie Wir sind auch stolz auf uns. Ja. 300 Folgen noch dieses Jahr - Also die 300. Folge, nicht 300 extra Folgen noch dieses Jahr - zu schaffen. Das war jetzt ja schon noch mit ein bisschen Arbeit verbunden. Aber diese Arbeit haben wir natürlich gerne auf uns genommen, um einfach auch dieses Erfolgsgefühl zu haben, etwas geschafft zu haben.

Carsten Es motiviert ja auch zu sagen: Hey, 300 Folgen, da steckt ja schon einiges auch an Lebenszeit hinter die wir investiert haben, die uns aber auch weitergebracht haben. Es ist jetzt nicht so, dass wir nur reine Zeit investiert haben, sondern wir haben ja ganz viel in diesen 300 Folgen und in der Zeit, die diese 300 Folgen gebraucht haben, auch für uns mitgenommen und gelernt.

Stefanie Genau. Und da wollte ich jetzt noch gar nicht drüber sprechen, sondern ich wollte noch ein paar organisatorische Dinge klären. Carsten drängt da rüber, zum Thema überzuleiten, aber ich behalte das im Hinterkopf, Carsten. Wir müssen noch ein paar organisatorische Dinge besprechen. Was wir nämlich nicht geschafft haben, ist: Ich hatte mir Anfang des Jahres vorgenommen, in diesen Podcast komplett alle Folgen zu transkribieren. Das habe ich nicht geschafft. Es ist jetzt so, dass immer noch 140 Folgen offen sind. Also das heißt, wenn du mich unterstützen möchtest beim Korrekturlesen der Transkripte dieses Podcasts, bist du immer noch weiterhin herzlich willkommen und ich hoffe natürlich, dass wir das dann im Jahr 2024 schaffen, denn es werden ja nicht mehr Transkripte, sondern immer weniger, dadurch, dass ich automatisch immer jetzt schon von allen neuen Folgen die Transkripte Korrektur lese und veröffentliche, sind es wirklich nur momentan diese 140 Folgen.

Damit haben wir aber - Du hörst ja jetzt gerade hier die 300. Folge - schon mehr als die Hälfte der Podcastfolgen des Mehr als Vegan Podcast transkribiert und Korrektur gelesen. Das heißt, das ist doch immerhin auch schon mal ein Meilenstein, den wir da geschafft haben. Und mit wir meine ich tatsächlich nicht Carsten und mich. Carsten hat auch so eine kleine Handvoll Transkripte Korrektur gelesen, also vielleicht auch ein paar mehr, aber die meisten habe tatsächlich ich Korrektur gelesen. Und es gab aber auch Hörer·innen, die geholfen haben. Und da möchte ich noch mal einmal die Namen nennen. ä’Odner hat die meisten Podcastfolgen Transkripte Korrektur gelesen. Allerdings jetzt nicht hier vom Mehr als Vegan Podcast, sondern insgesamt gesehen von allen Podcasts.

Das muss ich jetzt vielleicht noch mal einmal hier einschieben, was ja auch ein Meilenstein ist, was wir dieses Jahr geschafft haben, ist, dass wirklich alle anderen drei Podcasts, also der Von Herzen Vegan Podcast, der Wir Konsumkinder Podcast und der Milchgeschichten Podcast alle komplett transkribiert sind und da haben die Personen, die ich jetzt nennen werde und die Person, die ich gerade genannt habe, natürlich auch auch mitgeholfen. Und ich nenne jetzt den Namen einmal.

Das ist neben ä’Odner auch noch Rupert, Lakoja, Birgit G., Bärenstark, Astrid L., Hanna B., Johanna H., Wolfgang R., Erika K., Martin H. und eine Person, die anonym bleiben möchte. Und bei diesen Personen, die ich gerade genannt habe, möchte ich mich jetzt erstmal ganz herzlich bedanken.

Carsten Vielen, vielen Dank!

Stefanie Es wäre schön gewesen, wenn ich jetzt zum Ende des Jahres 2023 auch hätte verkünden können: der Mehr als Vegan Podcast ist komplett transkribiert. Ich mache das jetzt nicht damit Suchmaschinen den Podcast besser finden, das ist natürlich ein schöner Nebeneffekt, sondern in erster Linie geht es mir wirklich um Barrierefreiheit oder vielleicht Barrierearmut, sagen wir es mal so, Teilhabe, also dass unser gesprochenes Wort hier auch für Menschen zugänglich ist, die gehörlos sind oder die vielleicht lieber lesen.

Dadurch, dass ich jetzt hier die Inhalte, die wir generieren, nicht von Anfang an wirklich auf diese Art barrierefrei gestaltet habe und ich einfach auch nicht alle Menschen mitgedacht habe und wahrscheinlich momentan immer noch nicht alle mitdenke, denn das ist ja ein Prozess, dass ich das erstmal alles irgendwie verstehe und vielleicht werde ich auch nie alles verstehen - ist es jetzt, das quasi nachträglich nachzurüsten, alles etwas arbeitsintensiver und deswegen bin ich ihm sehr, sehr dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die freiwillig mithelfen.

Und das ist ein Beispiel, was uns auch zum Thema unserer heutigen Podcastfolge führt. Alles drängt dorthin. Carsten wollte auch schon vorhin dorthin leiten. Das hier leitet eigentlich auch dahin, aber ich muss gleich noch mal was anderes sagen. Aber ich schiebe das jetzt schon mal so ein. Unser Thema ist ja „Aktivismus ist ein Staffellauf“ und hier zeigt sich das wieder sehr deutlich. Es sind einige wenige Personen - ich habe ja gerade die Namen genannt - das ist also nur eine Handvoll Menschen im Vergleich zu den Menschen, die diesen Podcast und auch die anderen Podcasts hören. Das ist wirklich ein verschwindend geringer Prozentsatz an Hörer·innen, die hier aktiv werden und sich beteiligen und mithelfen, die Transkripte Korrektur zu lesen.

Und natürlich ist das auch sehr anstrengend. Ich merke das ja selber. Ich lese immer wieder Transkripte Korrektur und es kostet Zeit und natürlich auch Energie, das zu machen. Und deswegen ist es super, wenn man zwischendurch mal Pause machen darf und dann quasi den Staffelstab weitergeben kann an Menschen, die vielleicht vorher noch kein Transkript Korrektur gelesen haben, um in diesem Beispiel zu bleiben und dann frisch und voller Energie weitermachen können und dann vielleicht die nächsten 1, 2, 3 Transkripte Korrektur lesen und dann wieder ihren Staffelstab weitergeben an die nächste Person, die vorher vielleicht auch noch kein Transkript Korrektur gelesen hat. Diese Pausen sind sehr wichtig - wir kommen da nachher auch noch mal drauf zu sprechen - und das sehe ich jetzt auch wieder hier.

Das sind Personen gewesen, die teilweise sehr schnell, sehr viele Transkripte Korrektur gelesen haben, aber dann auch einfach keine Kraft mehr hatten, weiter zu machen, weil das sehr zeitintensiv ist. Und auch bei mir ist es so, dass ich über das Jahr verteilt immer wieder Phasen hatte, wo ich sehr viele Transkripte Korrektur gelesen habe. Dann konnte ich irgendwie nicht mehr und dann habe ich auch mal einen Monat lang oder vielleicht auch zwei mal kein Transkript Korrektur gelesen, weil das einfach so viel Arbeit ist. Und deswegen ist es super, wenn es ganz viele Menschen gibt, die dann vielleicht nur ein, zwei Transkripte Korrektur lesen. Aber dadurch, dass es viele Menschen sind, sich die Arbeit trotzdem erledigt. Und das wollte ich jetzt nur noch einmal als Beispiel einschieben, weil es gerade so gut passte.

Wenn du das Gefühl hast, ja, dieser Podcast gibt mir was, alles was Stefanie macht ist toll und ich möchte sie unterstützen, aber finanziell geht es nicht, ich habe aber Zeit: Dann würde ich mich wirklich sehr, sehr freuen, wenn du dir eins der noch offenen Transkripte vornimmst und das Korrektur liest. Reih dich ein in die Staffel, nimm den Staffelstab und schreib eine Email an post@vonherzenvegan.de. Du kannst dir unter diesen 140 Folgen, die noch offen sind, eine aussuchen oder gerne auch mehrere. Du kannst mir sagen, welches Thema dich interessiert, wie lang die Folge ungefähr sein soll. Oder du suchst dir selbst eine Folge aus, je nachdem. Ich kann was für dich raussuchen oder du suchst was raus oder du nimmst einfach irgendeine Folge. In jedem Fall wäre es super, wenn du sagst: Ja, ich mache mit.

So, und jetzt leiten wir langsam, ganz langsam in kleinen Schrittchen über zum Thema und vorher, also quasi als Schritt eins zur Überleitung zum Thema, wollte ich noch einmal darauf zu sprechen kommen, dass es ja auch schon Folge 100 und Folge 200 gab und insofern ist Folge 300 in dieser Tradition dann etwas Besonderes. 300 Folgen, eine runde Zahl und ich hatte noch mal rausgeschrieben und auch geguckt, okay, in Folge 100 haben wir über „Du veränderst die Welt“ gesprochen. Ich habe auch das Transkript noch Korrektur gelesen. Das heißt, wenn du da dir das Transkript lieber durchlesen möchtest, kannst du das mittlerweile tun. Auch da haben wir also über Aktivismus gesprochen und darüber, wie wir auch schon durch kleinste Handlungen einfach die Welt verändern, ob wir es wollen oder nicht. Also Change by Design oder Change by Desaster war so das Leitthema des Ganzen.

Und in Folge 200 - die Folge heißt „Lustvoll die Welt retten ohne Verzicht“ - haben wir dann vor allem auch über Privilegien gesprochen. Es ging um Menschen, die immer nur möglichst lustvoll und ohne Verzicht die Welt retten wollen. Das war so etwas, was mir zu dem Zeitpunkt relativ häufig über den Weg gelaufen ist, sowohl im realen Leben als auch in Büchern - damit meine ich jetzt nicht Romane, sondern Sachbücher, wo Menschen darüber schreiben, wie wir die Welt retten können, aber dann lustvoll und ohne Verzicht. Und das hat mich zu dem Zeitpunkt echt kolossal genervt. Ehrlich gesagt nervt es mich auch heute noch, aber jetzt nicht mehr so krass.

Und in der Tradition bleibend, wollen wir in der 300. Folge jetzt auch über Aktivismus sprechen. Und zwar über meine These „Aktivismus ist ein Staffellauf“. Und ganz diesem Bild entsprechend würde ich Carsten tatsächlich jetzt den Staffelstab übergeben. Aber ich will erst noch mal kurz das Bild erklären, was ich denn eigentlich damit meine. Denn ich habe das auch schon in den vergangenen Jahren immer mal wieder erwähnt. Also zumindest so in letzter Zeit. Vorher hatte ich immer gedacht, es passt eigentlich dieses Bild, dass Aktivismus ein Marathon ist.

Dass Aktivismus kein Sprint ist, da können wir uns wahrscheinlich alle drauf einigen, dass einfach gesellschaftlicher Wandel sehr viel Zeit braucht. Ich möchte da auch noch mal verweisen auf die Folge 172, wo wir über den Movement Action Plan von Bill Moyers gesprochen haben. Den will ich jetzt hier nicht noch mal erklären. Hör dir die Folge gerne an, es gibt auch ein Transkript dazu, wenn du lieber lesen möchtest. Da wird auch noch mal erklärt, wie gesellschaftlicher Wandel, also nach diesem Modell von Bill Moyers stattfindet und dass diese Zeiträume, die sich zwischen den einzelnen Stationen des gesellschaftlichen Wandels befinden, unterschiedlich lang sein können. Und das sind dann nicht nur Jahre, sondern teilweise auch Jahrzehnte, manchmal sogar Jahrhunderte. Also etwas, was vielleicht gar nicht in einem Menschenleben stattfindet. Also von daher wissen wir Aktivismus ist definitiv kein Sprint.

Bisher dachte ich, wie gesagt immer, Aktivismus ist ein Marathon, dass das ein gutes Bild ist. Aber mittlerweile jetzt so rückblickend, wenn wir jetzt so grob geschätzt, sagen wir mal seit neun Jahren unterwegs sind in diesem Thema, vielleicht seit zehn Jahren, dass wir sagen okay, es gab ja auch eine Vorbereitungszeit, also wenn jetzt dieses Jahr vorbei ist, 2023, dann leben wir seit neun Jahren vegan. Und bevor wir vegan leben konnten, mussten wir uns ja auch erstmal thematisch einfinden und es musste dieser Prozess angestoßen werden, damit es bei uns kippt und wir sagen okay, wir leben jetzt vegan. Das heißt, ich würde jetzt noch ein Jahr mindestens dazurechnen. Sagen wir also, seit zehn Jahren sind wir in diesem Prozess. Und wenn ich mir da rückblickend anschaue, wie meine Art des Aktivismus dort in den vergangenen zehn Jahren war, dann ist es definitiv so, dass es eher in Wellen verlaufen ist. Also es ist nicht so, dass ich gleichmäßig aktiv war und gleichmäßig immer über diese zehn Jahre hinweg gleich viel Energie hatte und auch die gleichen Dinge getan habe, sondern es war wirklich in Wellen.

Und was ich gelernt habe, was unglaublich wichtig ist, ist regelmäßige Pausen zu machen. Und das stützt so mein Bild des Staffellaufs, dass es wichtig ist, immer wieder den Staffelstab des Aktivismus abgeben zu können an ausgeruhte Menschen, die dann frisch und voller Energie weiterlaufen können. Und ich darf mich dann ausruhen und sobald ich wieder ausreichend Energie aufgetankt habe, dann kann ich den Staffelstab wieder von irgendjemanden übernehmen, der oder die dann eine Pause braucht. Und ich finde mittlerweile, dass dieses Bild besser passt als „Aktivismus ist ein Marathon“, weil ich beim Marathon ja eigentlich keine Pausen mache, sondern ich laufe permanent durch. Vielleicht in einem angenehmen Tempo, sage ich jetzt mal, aber ich laufe und laufe und laufe und laufe und vor allem bin ich auch allein. Also ich bin kein Team, will ich damit sagen. Natürlich läufst du meistens den Marathon nicht ganz alleine, sondern es laufen andere mit dir. Aber du bist kein Team, sondern du läufst nur für dich.

Und wenn du das mit dem Sport des Staffellaufs vergleichst, dann ist das ein Team aus Menschen, das aufeinander angewiesen ist und wo alle irgendwelche Stärken haben, die sie dann ausspielen können und wo alle aber auch einander unterstützen. Und das ist etwas, was im Aktivismus auch sehr wichtig ist und was uns in den letzten Jahren immer wieder klar geworden ist: Wir müssen mehr wieder Richtung Gemeinschaft gehen. Vereinzelung, Individualismus, all das sind die Hürden, die Fallen, die es in unserem System gibt. Und deswegen finde ich einfach, dass dieses Bild des Staffellaufs auf vielen Ebenen wirklich sehr gut geeignet ist für den Aktivismus Und wenn ich jetzt so zurückblicke auf die letzten zehn Jahre, dann waren ja so das erste Jahr, sag ich mal so, die Anbahnung, dass wir dann überhaupt vegan geworden sind. Und da war es ja eigentlich so, dass wir bisher nicht gedacht haben, dass das jetzt Aktivismus ist, oder?

Carsten Nein, wir haben das überhaupt nicht als politische Form oder politischen Aktivismus gesehen. Das ist erst im Laufe der letzten Jahre dazugekommen. Oder diese Erkenntnis. Wahrscheinlich waren wir vorher schon irgendwie aktivistisch unterwegs, ohne uns selber so zu titulieren.

Stefanie Ja, genau, das ist eigentlich was, was so mit den letzten Jahren kam. Das kam so mit der Zeit, diese Erkenntnis, ich würde auch sagen, so das erste Jahr, dass wir dann vegan gelebt haben, da war auch dieses sich Einfinden erstmal, wie funktioniert das denn? Das ist dieses typische am Anfang: was kann ich denn da noch essen? Und dann im nächsten Jahr habe ich versucht dann auch raus zu gehen und habe mich ja dann da der Albert Schweitzer Stiftungsgruppe angeschlossen, habe bei Infoständen mitgeholfen, habe mit „Hamburg vegan erkunden“ dann meine Touren gestartet und wurde zu Podiumsdiskussionen eingeladen. War dann langsam auch im nächsten Jahr auf Messen aktiv, bei veganen Sommerfesten aktiv usw und bin da immer weiter reingerutscht. Und ich bin dann so drei Jahre lang immer sehr draußen unterwegs gewesen, quasi, also viel unter Menschen, viel mit Menschen gesprochen und wir haben ja auch super viele O Töne gesammelt hier für den Podcast.

Das wirst du, liebe Hörer·in, ja wahrscheinlich auch gemerkt haben, dass es am Anfang noch viele Podcastfolgen gab mit O Tönen, die gibt es jetzt schon länger nicht mehr. Also die ursprünglichen Podcastfolgen sind noch vorhanden. Das meine ich jetzt nicht. Nicht falsch verstehen, sondern in letzter Zeit haben wir keine O Töne mehr gesammelt und es liegt vor allem daran, dass ich dann nach diesen drei Jahren, auch bedingt durch unseren Umzug aus der Stadt raus mich eher so zurückgezogen habe. Also ich hatte das Gefühl, ich brauche jetzt mehr Ruhe und ich muss jetzt mehr für mich sein. Und ich habe versucht, dann mehr online zu machen

Und jetzt wirklich so rückblickend aus der größeren Perspektive heraus, - in zehn Jahren wird das noch mal eine andere Perspektive sein - dass seitdem ja auch noch mal einige Jahre vergangen sind, kann ich dieses Muster erkennen, dass ich sehe okay, es gab diesen Zeitraum, da war ich extrovertierter unterwegs, war viel draußen, habe viel gemacht und dann brauchte ich aber diese Pause und habe mich mehr zurückgezogen und war eher ruhiger. Dann bin ich wieder rausgegangen, durch Corona bedingt dann auch nicht so unter Menschen direkt, sondern auch mehr online. Dann habe ich mich wieder mehr zurückgezogen und so ist es immer so ein bisschen hin und her gegangen und so zuletzt auch dieses Jahr, dass ich einfach irgendwann im Sommer - ich weiß nicht mehr genau, wann - mich komplett zurückgezogen habe und auch aus Mastodon raus.

Und das muss ich jetzt einmal noch erwähnen, weil ich das bisher noch überhaupt nicht thematisiert habe. Es gibt eigentlich keinen konkreten Grund, warum ich auf Mastodon momentan nicht aktiv bin, außer dass ich eine Zeit lang gedacht habe: okay, ich werde jetzt mal einfach für ein paar Wochen nicht online irgendwie unterwegs sein. Ich gucke mir auch keine Emails an und gar nichts, sondern ich versuche so eine Art Digital Detox zu machen und dann habe ich irgendwie nicht mehr den Einstieg gefunden. Also ich habe es echt nicht mehr geschafft, mich wieder bei Mastodon einzuloggen, weil ich irgendwie dann das Gefühl hatte, das wurde eine immer größere Hürde. Vielleicht kennst du, liebe·r Hörer·in, dass wenn du irgendwie was so vor dir her schiebst, es immer monströser wird, dass das dann tatsächlich zu machen. Ich habe mir jetzt vorgenommen, 2024 im Januar wieder einzusteigen, denn ich denke, dass es auch wichtig ist, dass ich da weiterhin aktiv bin. Nur das war tatsächlich jetzt dieser Wellenform geschuldet, dass ich das Gefühl hatte, ich möchte mich komplett zurückziehen.

Carsten Und bei mir sind diese Wellen etwas anders gelagert gewesen, zumindest inhaltlich. Ich hatte ja jahrelang überhaupt gar nicht so diese Tendenz, nach außen zu gehen, sondern bei mir war es eher so, dass ich beruflich bedingt sehr wenig Zeit in diesen Aktivismus rein investiert habe. Der Podcast war eine Form, mich einzubringen, aber das andere, das war eher so diese intellektuelle Ebene, mich quasi in Form von Literatur und Hintergrundinformationen vorzubereiten auf irgendeine ominöse Zukunft, die dann noch irgendwie mich fordern wird. Das war meine Art, ich sage jetzt mal stiller Aktivismus im Hintergrund, mich einfach so ein bisschen vorzubereiten.

Und dieses Jahr ist es dann tatsächlich ein bisschen umgeschwungen, dass in der Zeit, wo du jetzt in den Rückzug gegangen bist, mehr im Hintergrund und still gewesen bist, bin ich quasi nach draußen gegangen, habe Festivals besucht, habe Kongresse besucht, bin auf Demos gegangen, wollte eigentlich ganz vorne mit dabei sein, habe eigentlich auch genau den Kontakt zu den Menschen, zu den aktivistischen Kreisen gesucht. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung. Zumindest so in der in der Bandbreite, in der ich das dann einmal kurz ausgelebt habe. Und mittlerweile komme ich auch wieder ein bisschen zurück, werde ein bisschen ruhiger und habe aber auch so den Eindruck, dass ich mich wieder ein bisschen vorbereite auf das, was vielleicht nächstes Jahr kommen, wo ich dann wieder ein bisschen mehr nach draußen gehe und auch wieder aktiver bin, wieder stärker Kontakt zu den Personen suche.

Also auch bei mir ist dieses Muster vorhanden, mit diesem Auf und Ab und ein bisschen anders gelagert. Aber nichtsdestotrotz merke ich auch, dass es immer so Phasen gibt, wo ich viel Energie habe, wo ich einfach Bock drauf habe, nach draußen zu gehen und auch Phasen, wo ich wenig Energie habe, wo ich einfach auch froh darum bin, dass es andere Menschen gibt, die in diesen Phasen weiterhin aktiv bleiben.

Stefanie Ja, dazu fallen mir dann gleich mehrere Dinge. Ich versuche die mal in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Zum einen ist es ja auch so, das ist ja ganz normal: Wir sind ja Menschen und Menschen menscheln und wir sind keine Roboter oder so, deswegen ist das ganz individuell, wie diese Phasen, diese Wellen ausschlagen, sage ich mal, wie sich das gestaltet. Das ist ganz normal, dass das bei dir, Carsten, anders ist als bei mir. Und bei dir, liebe·r Hörer·in, wird es auch ganz anders sein als bei uns. Also das soll jetzt hier keine Schablone sein, die du über dein Leben legst und sagst: Oh, aha, ja, genau, jetzt ist also meine extrovertierte Phase dran und jetzt die Introvertierte, hier brauche ich eine Pause usw. Nee, also das ist ganz individuell.

Und das andere, warum mir dieses Bild des Staffellaufs so gut gefällt ist auch, weil ich denke, dass es ja zum einen die Möglichkeit gibt, dass ich mir selbst erlauben kann, eine Pause zu machen. Und das ist ja für viele Menschen, die aktivistisch und ehrenamtlich unterwegs sind, schwer, sich das zuzugestehen, dass wir auch mal eine Pause machen dürfen. Und wir dürfen das nicht nur, sondern wir müssen das auch. Nur so können wir ja dann auch weiterhin langfristig aktiv bleiben, wenn wir gut auf uns achten und wenn wir gut für uns sorgen und Pause machen. Pause. Pause. Pause. Ja, ich sag das extra so oft und deutlich, weil es wirklich so wichtig ist.

Und ich habe einen ganzen Podcast, den Von Herzen Vegan Podcast, dazu gemacht, wo du ganz viele Tipps findest, wie du gut für dich sorgen kannst. Also wenn du da das Gefühl hast, dir fehlen noch Informationen, dann schau beim Von Herzen Vegan Podcast vorbei. Der ist, wie gesagt, komplett transkribiert. Du kannst also dir das auch alles durchlesen, wenn du das nicht durchhören möchtest. Jedenfalls gibt es da viele, viele, viele Ressourcen, die du nutzen kannst.

Und der andere Punkt ist, dass Menschen, die bisher vielleicht noch nicht aktiv waren und vielleicht einfach noch nicht in dieser Phase waren oder sich nicht getraut haben oder einfach noch keine Zeit hatten oder wie auch immer, dass es für die ja auch immer möglich ist, einzusteigen und aktiv zu werden. Weil wir ja gerade bei diesem Bild des Staffellaufs immer wieder neue Menschen brauchen, die energiegeladen, frisch aktiv werden. Und das Schöne daran ist ja, dass das nicht nur Menschen sein müssen, die schon aktiv waren und die da schon lange aktiv sind und die sich gerade ausgeruht haben und dann geht es weiter. Du brauchst ja nicht wirklich ein Vorwissen, um aktiv zu werden, sondern das ist auch die Chance für Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen bisher noch nicht aktiv geworden sind und jetzt eigentlich aktiv werden wollen, aber sich vielleicht nicht trauen.

Da würde ich ja sagen, dieses Bild des Staffellaufs ermutigt diese Menschen dann auch zu sagen: okay, hey, das ist cool, ich kann dich jetzt entlasten, ich nehme jetzt mal den Staffelstab und lauf mal eine Zeit lang weiter. Und dann gibt es ganz viele andere Menschen, die dich dabei unterstützen, aktiv zu werden, die schon dich gerne und freudig begrüßen in dieser Gemeinschaft und sagen: Hey, toll, dass du da bist, toll, dass du aktiv wirst und toll, dass du uns unterstützt. Mit dieser Grundeinstellung seitens der Aktivist·innen, die neue Menschen dann in ihrer Mitte begrüßen, nimmt das ja dann auch den neuen Menschen die Angst, dass sie da vielleicht irgendwie verurteilt werden könnten, weil sie bisher noch nicht aktiv geworden sind.

Und das bedingt natürlich auch, dass das eine offene Gemeinschaft ist, die genau das lebt. Und das ist auch eine Erfahrung, die Carsten jetzt ganz aktuell dieses Jahr machen konnte: wie viel Kraft in so einer Gemeinschaft stecken kann, wenn da die richtigen Menschen zusammenkommen.

Carsten Ja, das war im Frühsommer, wo ich tatsächlich zwei Wochen die Möglichkeit hatte, mit Personen zusammen zu sein, die mit mir eigentlich so den gleichen Erfahrungshorizont, die gleichen Erfahrungswerte teilen. Das war ich bisher noch nicht gewohnt. Ich hatte ja gerade schon gesagt, dass ich im Laufe der letzten Jahre eigentlich mehr so intellektuell mich auf Aktivismus vorbereitet habe. Und diese zwei Wochen, die waren für mich wirklich bahnbrechend, einfach festzustellen, wie wichtig tatsächlich eine gut funktionierende Gemeinschaft ist. Vorher hatte ich immer und das merke ich jetzt nach diesem Kurs auch wieder, das Problem, wirklich viel Energie im Tag aufbringen zu müssen und zu können. Also die normalen Alltagsroutinen kosten mich viel Energie. Ich fühle mich am Ende des Tages auch immer mehr oder weniger ausgelaugt. Das hat manchmal mit der Arbeit zu tun, aber auch generell so dieses in einer Konstellation zu leben, in der ich eigentlich gar nicht wirklich mehr leben möchte, weil ich andere Vorstellungen mittlerweile entwickelt habe.

Stefanie Damit meint Carsten nicht unsere Kleinfamilie hier, muss ich ja mal schnell dazu sagen, sondern du meinst damit die gesellschaftlichen Strukturen.

Carsten Ja, genau. Wir streben ja das Leben in Gemeinschaft an und tatsächlich, diese zwei Wochen im Permakultur Designkurs waren für mich insofern tatsächlich bahnbrechend, dass ich einfach für mich festgestellt habe, dass ich mit voller Energie, mit voller Wucht durch die Tage gehen konnte und zwar von morgens bis abends. Das war ein Energieniveau, was ich so vorher noch gar nicht kannte. Das hätte ich mir auch gar nicht zugetraut, weil ich noch nie diese Erfahrung gemacht habe. Aber das resultierte aus den Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Im normalen Alltag habe ich es mit Personen, mit Strukturen, mit Denkweisen, mit Haltungsweisen zu tun, die mir mittlerweile immer mehr widerstreben, wo ich einfach merke, ich möchte da raus.

Stefanie Und auch hier muss ich noch mal hinzufügen außerhalb unserer Kleinfamilie...

Carsten Genau. Und da tatsächlich jetzt diese Erfahrung gemacht zu haben, diese zwei Wochen mit einer Handvoll an Menschen zu verleben, die mir selber Energie schenken, in deren Interaktion ich im Grunde genommen mehr Energie gewinnen konnte, als ich investieren musste. Das war für mich etwas wirklich Bahnbrechendes. Da möchte ich in Zukunft auch wieder hin. Es müssen nicht exakt diese gleichen fünf Personen sein, aber für mich war dieses Erlebnis festzustellen, dass eine Gruppe Gleichgesinnter elementar wichtig ist, sei es jetzt für den Staffellauf im Aktivismus, aber auch generell um Energie im Tag zu bekommen, für etwas zu arbeiten, sich nicht durch etwas durchzuquälen oder gegen etwas angehen zu müssen, sondern auch wirklich für etwas einzutreten. Das ist das für mich wirklich ein bahnbrechende Erlebnis gewesen.

Stefanie Ja, und es war ja jetzt nicht so, zumindest das, was du so erzählt hast, dass es die ganze Zeit Friede, Freude, veganer Eierkuchen war, sondern es gab ja auch mal Konflikte. Also im Sinne jetzt nicht, ihr habt euch nicht geprügelt oder so, aber ihr wart nicht immer einer Meinung.

Carsten Genau, es sind mehrere Personen, unterschiedliche Charaktere zusammengekommen. Logisch, dass das nicht immer einvernehmlich ist, sondern dass man auch unterschiedliche Meinungen hat oder vielleicht auch mit der Handlung einzelner Personen nicht unbedingt immer voll zufrieden ist. Nichtsdestotrotz war das jetzt nicht so, dass ich gesagt hatte: Boah, das stresst mich jetzt, während ich jetzt und das ist jetzt meine persönliche Erfahrung im beruflichen Kontext, genau das erlebe, dass ich Konflikte als unglaublich energiefressend und -kostend empfinde und dementsprechend auch völlig ausgelaugt nach Hause komme und vielleicht auch gar keine Lust mehr habe, irgendwie an dem Tag noch großartig was aktiv zu machen, egal was es ist, sondern mich einfach gerne zurückziehen möchte und vielleicht auch lieber ins Bett gehen und lange und viel schlafen möchte.

Und das war da nicht der Fall. Da sind Konflikte entstanden, man hat darüber gesprochen, man ist entweder zu einer guten Lösung gekommen oder der Konflikt ist irgendwie anders gelöst worden. Das war aber nicht so, dass ich dann anschließend gesagt habe, ich bin dann so k.o., ich muss jetzt irgendwie raus hier oder ich möchte das nicht mehr, sondern ich bin quasi am nächsten Tag wieder voller Elan durchgestartet. Wir sind früh aufgestanden, wir haben durchgepowert, wir haben ganz viel gemacht. Wir sind ganz spät ins Bett gegangen. Wir haben eigentlich für meine Verhältnisse viel zu wenig Schlaf gehabt. Und trotzdem dieser Energieüberschuss.

Und wie gesagt, das ziehe ich daraus, dass ich einfach mit Personen zu tun hatte, deren Grundwerte ich einfach geteilt habe, wo ich einfach nicht diese Reibung hatte, dass ich mich nicht erklären musste, dass wir das gleiche Ziel verfolgt haben und dann dementsprechend auch diese Energie aufbringen konnten. Und das auch durchaus so aufbringen konnten, dass wir uns gegenseitig mitgezogen haben, wo vielleicht dann doch noch mal irgendwie ein kleines Hängerchen drin war, dass wir uns dann wieder aufgerappelt haben und die Person, die noch Energie hatten, die anderen ja mit reinziehen konnten, mit Energie wieder füllen konnten.

Stefanie Ja, es zeigt auf jeden Fall noch mal, wie wichtig Verbündete sind in unserem Leben. Dass wir wirklich Menschen haben, die ähnlich denken, wie wir, uns unterstützen in dem, was wir machen und mit denen wir uns auch austauschen können. Ich denke, bei dir war das Besondere auch die Orte, an denen du diese zwei Wochen verbracht hast. Die erste Woche hast du ja im Ökodorf Sieben Linden verbracht und das war ja nun mal was ganz Besonderes, dass du da auch in einem Kontext dich einfach aufgehalten hast, der schon diese Zukunft lebt, ne?

Carsten Genau. Und auch in der zweiten Woche war es so, dass wir uns in einem Ort wiedergefunden haben, der eine sehr starke ökosoziale Gemeinschaft hat, die jetzt nicht als Ökodorf daherkommt, aber wo innerhalb des Ortes schon eine Schwelle von fast 10 % der Einwohner mehr diesem ökosozialen Umfeld zugerechnet werden kann, die für sich alleine schon eine entsprechende Dynamik da mit reingebracht haben in den Ort. Natürlich gerade in die Veranstaltung, die ich dort besucht habe, diese eine Woche.

Stefanie Ja, und ich denke, dass das auch dazugehört, dass es nicht nur diese Menschen waren, mit denen du die Zeit verbracht hast, sondern auch der Ort, an dem du diese Zeit verbracht hast. Weil sonst würde das ja auch so funktionieren, dass wenn du mit gleichgesinnten Menschen, dich einfach nur umgibst, dass du dann auch super viel Kraft hast. Das stimmt natürlich, das hast du auch. Aber ich denke, so der richtige Energieschub ist es, wenn du dich auch wirklich an einem Ort befindest, der schon diese Zukunft lebt.

Carsten Ja, und ich glaube, das war auch der Grund, weswegen ich dieses Jahr stärker nach außen gegangen bin. Diese Phase, dass ich jetzt aktiver nach außen gegangen bin, war ja nach meiner Erfahrung im Permakulturkurs. Ich habe da jetzt zu dem Zeitpunkt, wo ich das gemacht habe, nicht aktiv darüber nachgedacht. Aber ich glaube tatsächlich, dass ich noch mal versucht habe, solche Orte zu finden für mich, dass ich Kongresse aufgesucht habe, wo ich weiß, da sind Tierbefreier·innen, mit deren Inhalten ich mich identifiziere.

Ich habe Straßenfeste und Demos aufgesucht, wo ich merke, okay, das sind auch so politische Ideen und und Konzepte, mit denen ich mich ja anfreunde bzw sympathisiere, dass ich auch da versucht habe, nicht nur Personen und Aktivitäten zu finden, sondern auch Orte, um dieses Erlebnis wieder irgendwie aufleben zu lassen. Das ist mir nicht in der Gänze gelungen. Es war ein Experimentierfeld, aber ich glaube, das ist schon so diese Suche nach einem Ort, wo tatsächlich so diese Ideale auch gelebt werden, nicht nur von mir, sondern von anderen Personen und wo dann auch diese Energie dann und sei es nur für einen kurzen Moment, auch wieder auflebt.

Stefanie Ja, das stimmt. Eigentlich müssten wir alle an solchen Orten leben. Es müsste überall diese Orte geben. Das ist was, was mir jetzt in den letzten Jahren immer mehr bewusst wird und dieses Jahr, glaube ich, so am meisten bewusst geworden ist, dass ich mich so total an diesem System aufreibe, in dem wir leben, dass ich eigentlich diesen Ort brauche, von dem du da gesprochen hast, wir da im Moment keinen solchen Ort haben, an dem wir leben können und sich immer und immer und immer wieder dieses System in den Weg stellt, in dem wir leben. Dass ich mich an solchen Hürden abarbeite, an dem, was uns an Werten mitgegeben wurde von der Gesellschaft, aber auch von unseren Eltern, wo ich mich mühsam rauskämpfen muss und immer wieder diese Erkenntnis habe: Ja, dieses System, in dem wir leben, das funktioniert so einfach nicht.

Ich meine, deswegen machen wir ja diesen Podcast: weiter wie bisher geht es nicht. Wir brauchen ein anderes System. Es geht nicht darum, jetzt hier irgendwie da so ein paar Pflaster drauf zu kleben und dann ist alles gut, sondern wir brauchen den Systemwandel. Und in diesem Jahr ist mir wirklich klar geworden, bei vielen Dingen, natürlich nicht bei allen, aber bei vielen Dingen ist eigentlich das System das Problem und nicht ich bin das Problem. Aber das System will mir sagen - das klingt jetzt so, als wäre das System eine Person - die Gesellschaft, in der wir leben, sagt mir, dass ich das Problem bin und dass ich das auf individueller Ebene lösen soll. Dabei geht das gar nicht. Also ich kann dieses Problem, das ich habe, nicht auf individueller Ebene lösen. Das zieht sich einfach durch viele, viele Aspekte in meinem Leben. Care Arbeit ist ja so ein Aspekt. Zeit, wie die verteilt ist in unserem Leben, Arbeit, Lohnarbeit, dieses ganze Konzept generell, wie das funktioniert, was das bedeutet und wie ich darin funktioniere, was von mir erwartet wird als Frau in diesem System, als Mutter in diesem System usw und so fort.

Das ist alles was, wo mir gesagt wird: du musst das individuell lösen und dann wird das schon. Du hast dich nur nicht genug angestrengt und du hast nicht genug daran geglaubt oder was auch immer einem da so erzählt wird. Ich habe ja Coachings gemacht, ich habe, was weiß ich was alles gemacht, um erfolgreich zu werden, um in diesem System irgendwie zu funktionieren, auf irgendeine Art und Weise. Und mittlerweile habe ich einfach erkannt: okay, es kann nicht funktionieren. Es kann einfach nicht funktionieren, weil das, was ich möchte und wie ich leben möchte, das kann in diesem System nicht funktionieren und ich bin da im Moment in so einem Prozess drin, wo ich mich immer und immer und immer wieder aus diesem System versuche, wie aus so einem schleimigen Haufen, rauszuwinden. Und dann zieht es mich wieder runter und dann habe ich es wieder geschafft, mich da irgendwie rauszuwinden.

Und so wie dieses Matrix Beispiel, so von wegen du bist außerhalb der Matrix und guckst wie es innerhalb läuft usw aber irgendwie zieht es mich immer wieder rein und da merke ich - das ist jetzt der dramaturgische Bogen zurück zur Community und zu den Orten und der Gemeinschaft und so auch über Carsten gerade gesprochen hat - dass das, was mir fehlt und was Carsten und dem Kind und mir so fehlt in dieser Gesellschaft diese Gemeinschaft aus Gleichgesinnten ist. Ein Ort wie zum Beispiel dieses Ökodorf Sieben Linden, in dem wir leben können.

Natürlich reicht das nicht, dass es solche Inseln gibt in unserer Gesellschaft. Wir müssen einen weltweiten klima- und sozialgerechten Wandel schaffen. Nur - damit drehen wir uns wieder so hin zum Thema dieser Folge „Aktivismus ist ein Staffellauf“ - ist es ja so, dass Aktivismus, gesellschaftlicher Wandel, ein langfristiges Projekt ist. Etwas, was viel Zeit und Kraft braucht. Und deswegen brauchen wir diese Orte, um aufzutanken.

Und da habe ich jetzt ein ganz tolles Projekt gefunden, nämlich das „Projekt Zähne putzen“. Das sind Retreat Räume für Aktivist)innen des sozial ökologischen Wandels in Ökodörfern, Lebensgemeinschaften und Kommunen. Ich bin auf dieses Projekt über die Seite der Psychologists for Future aufmerksam geworden und es ist auf jeden Fall ein möglichst tauschlogikfreies Projekt, auch ein solidarisches Projekt. Und es bietet einfach die Möglichkeit, dass, wenn du jetzt das Gefühl hast, du brauchst einen Rückzugsort, du möchtest den Staffelstab abgeben an andere Personen und braucht einen Ort, an dem du dich ausruhen kannst und es sollte ein Ort sein, der dir so viel Kraft gibt, wie Carsten es vorhin beschrieben hat mit seinem 72 Stunden Kurs, dann ist dieses Projekt super dafür geeignet, weil es hier die Möglichkeit gibt, dass du in einem Umfeld dich ausruhen kannst und Kraft schöpfen kannst, was dich dann noch mal besonders aktiviert. Es ist nicht nur irgendwie so ein Urlaub irgendwo oder eine Reha oder was auch immer, sondern du hast die Möglichkeit an einem Ort des Wandels aufzutanken. Den Link zu diesem Projekt findest du natürlich in den Shownotes.

Und ich denke, wir kommen jetzt mal zum Ende dieser Folge. Ich glaube, wir haben uns genug zu diesem Thema ausgetauscht, ich habe mich genug in Rage geredet und so, also von daher der Punkt ist klar. Wir geben jetzt den Staffelstab an dich weiter. Wir ziehen uns jetzt zurück. Wir sind ja zwischen den Jahren jetzt. Wir wissen noch nicht, wann die nächste Folge kommt. Mal schauen. Also wir brauchen jetzt auch so ein bisschen Zeit für uns. Wir haben wieder viel Zeit investiert dafür, dass wir es schaffen, unserer Challenge zu erfüllen, diese 300. Folge noch im Jahr 2023 zu veröffentlichen. Und jetzt wollen wir uns ein bisschen zurückziehen, ein bisschen Ruhe finden, um dann, wenn es wieder so weit ist für uns, wir ausgeruht sind, den Staffelstab von der nächsten Person zu übernehmen und weiterzumachen. Also mal schauen. Wir wissen noch nicht genau, wann die nächste Folge kommt.

Ich möchte mich auf jeden Fall nochmal ganz, ganz herzlich bei all den Menschen bedanken, die uns finanziell über Steady unterstützen und/oder über PayPal und/oder einfach was aufs Konto überweisen.

Carsten Vielen Dank!

Stefanie Steady Unterstützer·innen bekommen im Januar auf jeden Fall auch noch mal ihren Quartalsrückblick und da werde ich noch mal ein bisschen mehr darauf eingehen, was jetzt so im vergangenen Quartal war. Dann kommt auch wieder der Ausblick auf das kommende Quartal. Also da dürfen sich Steady Unterstützer·innen schon drauf freuen. Das kommt auf jeden Fall noch. Podcasthörer·innen hören erst später wieder vielleicht von uns. Wir wissen es noch nicht so genau.

Carsten Dann kann ich ja das letzte Mal in diesem Jahr noch sagen. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss

Carsten Und guten Rutsch.

Folge 299 - Verkehrswende von unten: Amsel44 in Wolfsburg. Im Gespräch mit Tobi Rosswog

Ein Beitrag

Folge 299 - Verkehrswende von unten: Amsel44 in Wolfsburg. Im Gespräch mit Tobi Rosswog

In Wolfsburg gibt es ein Projekthaus, das sich für eine klimagerechte Verkehrswende engagiert: die Amsel44. Sie ist keine feste Gruppe, sondern eine offene Plattform, auf der sich Menschen mit verschiedenen Ideen und Talenten austauschen und gemeinsam Aktionen organisieren.

In diesem Podcast Interview lernst du Tobi Rosswog kennen, einen der Mitbegründer·innen der Amsel44. Er berichtet dir, wie die Amsel44 funktioniert, welche Erfolge sie schon erzielt hat und welche Herausforderungen sie noch meistern muss. Er spricht auch über die gesellschaftlichen Dimensionen der Verkehrswende und wie er sich eine zukunftsfähige und solidarische Welt vorstellt. Er lädt dich ein, dich selbst einzubringen und mitzuwirken.

Links zur Folge

Amsel 44 - Freiraum für Projekte, Kampagnen & Aktionen
https://amsel44.de/

Verkehrswendestadt Wolfsburg
https://verkehrswendestadt.de/

Tobi Rosswog
https://www.tobi-rosswog.de/

Buch "After work" als Ebook und Hörbuch kostenlos herunterladen
https://after-work-buch.de/

Buch"VW steht fürs Verkehrswende"
https://www.graswurzel.net/gwr/produkt/vw-steht-fuer-verkehrswende/

Stiftung "Freiraum"
https://www.projektwerkstatt.de/index.php?domain_id=22

Vergesellschaftungskonferenz 15.- 17.3.2024 in Berlin
https://vergesellschaftungskonferenz.de/

Artikel "Baut mehr Straßenbahnen", auf den sich Tobi im Gespräch bezieht
https://blog.verkehrswendestadt.de/baut-mehr-strassenbahnen/

Deutsche Wohnen Enteignen
https://dwenteignen.de/

RWE & Co enteignen
https://rwe-enteignen.de/

Aktion "Wir fahren zusammen" von verdi und FFF
https://www.wir-fahren-zusammen.de/

Geschenk-Mitgliedschaften bei Steady
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So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
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Vollständiges Transkript der Folge

Carsten Ja. Hallo, Tobi. Vielen Dank, dass du heute Zeit hast. Ich freue mich riesig, dich im Gespräch zu haben. Ich hatte dich im Vortext für diese Folge schon mal so ganz leicht angeteasert, aber noch nicht allzu viel verraten. Deswegen wäre es ganz toll, wenn du dich als Person einmal vorstellst. Vielleicht das "Amsel 44" Thema oder diesen Begriff einmal kurz vorstellst und euch und euren Aktivismus auch noch mal so ein bisschen erzählst. Und was mir natürlich so auf der auf dem Herzen liegt, vielleicht kannst du es in dem Atemzug auch noch mal kurz beantworten, wann VW denn jetzt tatsächlich endlich die Straßenbahn bauen wird?

Tobi Ja, großartig. Ich danke Dir herzlich für die Einladung, Carsten und euch allen, die ihr jetzt zuhört. Ich freue mich sehr. Wunderschönen guten Tag von meiner Seite. Ich sitze mit euch gerade auch in der "Amsel 44", ein Projekthaus mitten in der Höhle des Löwen in Wolfsburg, der Stammsitz von VW, was heute noch für Volkswagen steht, aber bald für Verkehrswende stehen darf, weil keine weiteren Autos, die kein Mensch braucht, produziert werden, sondern Busse, Bahnen, Lastenräder und so weiter und so fort.

Kurz zu meiner Person. Ich heiße Tobi und bin als freier Dozent mit 150 Vorträgen im Jahr unterwegs an Universitäten, Kongressen und Konferenzen, an Schulen, wo auch immer ich eingeladen werde, freie Wirtschaft auch unter anderem bei VW, Daimler und Co. Also es macht schon Spaß, da ein paar Impulse zu geben, die mal irritieren, mal mehr inspirieren und mal gucken, was heute im Laufe des Podcasts so rüberkommt. Dann bin ich auch ab und zu schreibend unterwegs.

2018 war so mein Erstlingswerk „After Work - Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit“, wo ich vom Oekom Verlag - die haben ihren Sitz in München, der größte Nachhaltigkeitsverlag im deutschsprachigen Raum - eingeladen worden bin, um da mal ein paar Gedanken zu einer anderen Wirtschaft jenseits kapitalistischer Lohnarbeit, Eigentumsverhältnisse usw und so fort ein bisschen was zu Papier zu bringen. Das gibt es alles immer im Commens - Sinne frei verfügbar. Also wenn ich das hier nenne, mache ich das nicht zur Eigenwerbung, damit Menschen das kaufen und ich reich werde, sondern das Buch ist auch als PDF einfach frei verfügbar.

Und genauso geht das bis heute weiter. Ab und zu ein paar Büchlein, ein paar Broschüren und das aktuelle jetzt mit dem Titel „VW steht für Verkehrswende“, wo wir anhand des Klimacamps, das wir hier stattfinden haben lassen - also ein VerkehrswendeCamp mitten in Wolfsburg mit über 80 Beiträgen aus Wissenschaft, aus Politik, aus der Fabrik, im Grunde vom Band und Büro, aus Gewerkschaftskreisen usw und so fort, verschiedene Workshops hatten und 25 Autor·innen netterweise in 3500 Zeichen jeweils kurz und knapp zusammenfassen, was so ihre Kernpunkte sind. Das ist die aktuelle Broschüre, die verlegt wurde, im Verlag Graswurzelrevolution, aber auch frei verfügbar ist, im Internet als PDF.

Und jetzt als letzter Punkt, der mich, glaube ich, ganz gut vorstellt: Nicht nur schnacken und nicht nur schreiben, sondern ab und zu auch ein bisschen aktiv sein. So aktivistisch. Deswegen sind wir vor anderthalb Jahren, also im August 22, nach Wolfsburg gekommen sind, um zu sagen: Hey, hier ist der weltweit größte Automobilkonzern. Das wechselt ab und zu mal mit Toyota. Aktuell sind die auf Platz zwei mit VW auf jeden Fall Europas größte Industrieunternehmung. Und hier klar zu machen, dass wir die soziale und ökologische Frage nicht nur zusammendenken, sondern sie auch versuchen, handelnd Schritt für Schritt in der sozial ökologischen Transformation anzugehen. Und so sind wir jetzt seit einem guten Jahr hier dabei.

Wir machen verschiedene kreative, subversive Aktionen, die immer strategisch eingebettet sind und inhaltlich kommuniziert werden. Das geht relativ häufig hier auch von der „Amsel 44“ aus, weil es ein offenes Projekthaus ist – wirklich, der Schlüssel steckt immer draußen - und zugänglich für alle. Ich sitze mit euch gerade im Kampagnenbüro, wo ich mit euch diese Aufnahme machen kann. Also konkret schon die Idee, hier mit einer Aktionswerkstatt usw und so fort Strukturen zu schaffen, von dem aus Aktionen, Kampagnen und Projekte möglich sind, wenn Menschen sich organisieren können und da ist einiges passiert. Um nur so eine ganz spektakuläre Großaktion zu nennen - und dann höre ich auf mit meinen einführenden Worten - ist vielleicht ganz interessant, dass wir Anfang des Jahres, am 7. März 2023 einen Autozug zum Halten gebracht haben.

Also der ist dann noch auf werksinterner Schiene über den Mittellandkanal, in Schrittgeschwindigkeit fährt er da die Autos weg, dieser Zug. Und da haben wir den Zug zum Halten gebracht und gesagt: Lieber Zugfahrer, du bist wunderbar, jetzt machst du mal ein bisschen Pause. Wir haben hier Schoki und Tee und was du noch brauchst für dich. Anderthalb Stunden ist es aber mal ein bisschen Ruhe, weil wir wollen auf das 1,5 Grad Ziel hinweisen. Und, letzter Punkt: Jetzt bitte nicht mehr nach vorne nach hinten fahren, haben wir zu ihm gesagt, weil sich aktuell zehn Aktivist·innen auf diesem Zug befinden und die haben ein riesengroßes Transparent entfaltet. 25 Meter lang, 4 Meter hoch und darauf abgebildet eine Straßenbahn.

Und parallel ging dann die Pressemitteilung raus: „Die erste Straßenbahn verlässt das Werk.“ Und das hat natürlich bundesweit ziemlich für Furore gesorgt, ein großes Presseecho mit sich gebracht. Also hier Schritt für Schritt dafür zu sorgen, dass das Undenkbare denkbar wird, ist gerade unser Ziel. Ob dann die erste Straßenbahn nächstes Jahr oder übernächstes Jahr vom Band läuft, ist dabei im Grunde nicht ganz so das Entscheidende.

Carsten Ja, das ist total cool. Du hast gerade gesagt, ihr wollt das Undenkbare denkbar machen. Habt ihr denn jetzt im Zuge dieser Aktion und der weiteren Aktionen, die ihr schon durchgeführt habt, genau das festgestellt, dass ihr langsam so diesen Vorstellungsrahmen aufweicht und erweitert?

Tobi Unbedingt. Da bin ich ganz dankbar. Wir mussten zu Beginn sozusagen eine Art von Abwehrkampf führen, weil VW neben der größten Fabrik dieser Welt hier in Wolfsburg noch mal nördlich davon weitere 130 Hektar Ackerfläche versiegeln wollte, um da ein Tesla Konkurrenzprodukt namens Trinity zu bauen. Also eine Autofabrik noch mal und da hatten wir dann ein Protestcamp. Da könnte jetzt noch viel erzählt werden, aber kurz und knapp hatten wir dieses Protestcamp und immer klar gemacht: Wir sind aber gar nicht nur irgendwie gegen die Scheinlösung eAutos, die am Ende nicht hilfreich sind, weil sie weiterhin motorisierter Individualverkehr sind, sondern wir wollen hier auch die Utopie, also die Konversion und Vergesellschaftung von Volkswagen, konkret also den Umbau, dass hier keine weiteren Autos gebaut werden, sondern Straßenbahnen und dann das immer wieder flankiert mit verschiedenen Aktionen.

Und so fing es schon Anfang des Jahres mit einem großartigen Artikel am 16.1. an - ich weiß es noch ganz genau - in einer Samstagsausgabe der lokalen Presse hier, der Wolfsburger Nachrichten, auf Seite 3 ein großer Kommentar von einer Journalistin, die unter dem Titel „Baut mehr Straßenbahnen“ und im Untertitel ein Loblied auf alle Aktivist·innen sang, so ihren eigenen Reflexionsprozess beschrieb. So nach dem Motto: „Vor ein paar Monaten kamen da irgendwelche Spinner·innen, die haben gesagt, wir sollen Straßenbahnen bauen statt Autos. Was für ein Quatsch, dachte ich erst. Und je öfter ich das aber höre und ich höre das gerade mindestens einmal in der Woche, weil großartiger Weise diese Aktivist·innen irgendwelche Aktionen machen, die in der Presse erscheinen, desto mehr merke ich: warum eigentlich nicht?“

Und spannend, letzter kleiner Punkt: Sie sollte eigentlich diesen Wochenendkommentar auf Seite 3 der Samstagsausgabe schreiben, zum Unwort des Jahres 2022, also „Klimaterrorist·innen“ und schreibt dann okay, kurz möchte ich mit dem auch noch widmen, aber nur eine Frage stellen und sagt dann: Was ist, wenn diese Klimaterrorist·innen gar nicht die Aktivist·innen sind, sondern Konzerne wie VW, die wider besseren Wissens weiter an einem Produkt festhalten, was nicht gebraucht wird, was nicht irgendwie ökologisch oder sozial verträglich ist?

Also von daher, diesen automobilen Konsens durften wir tatsächlich Schritt für Schritt ein bisschen aufbrechen. Und das ist natürlich eine große Freude dadurch, dass es einfach durchschnittlich wöchentlich in der Zeitung ist - in der Volkswagenrubrik übrigens auch. Also die Tagespresse hier hat nicht nur eine Wolfsburg Rubrik, nicht nur eine Sportrubrik, nicht nur eine Politik und was auch immer noch Wirtschaftsrubrik, sondern auch eine Volkswagenrubrik. Und da sind wir immer öfter drin und kriegen da nicht nur Kritik, sondern auch Utopie mit rein. Also von daher. Schritt für Schritt konnten wir dieses Undenkbare denkbar werden lassen.

Carsten Ja, das ist ein cooler Erfolg. Also echt Wahnsinn. Da würde ich ganz gerne im Laufe des Gesprächs noch mal so ein bisschen weiter darauf eingehen, auf euren Aktivismus. Aber ich will noch mal ganz kurz zurückkommen auf den Begriff „Amsel 44“. Du hast vorhin gesagt, das ist ein Projekthaus draußen steckt der Schlüssel für jede·n zugänglich. Kannst du einmal kurz den Begriff "Amsel 44" erklären? Warum dieser Begriff?

Tobi Ja, der ist natürlich relativ unromantisch. Und zwar liegt es einfach daran, dass dieses Haus, in dem ich mich gerade mit euch befinde und noch einigen anderen Menschen im Amselweg 44 ist. Also es ist am Ende dann doch nur sozusagen ganz unspektakulär und unkreativ der Amselweg 44, abgekürzt als "Amsel 44", was mittlerweile aber ein Begriff ist. Also immer wieder wird dann von den "Amsel 44" Aktivist·innen erzählt, also einfach eine Bezeichnung dieses Ortes und der dann aber als Struktur wirklich innehat, dass es offen ist für alle, um sich zu organisieren, die Aktionswerkstatt zu nutzen im Keller oder die Versammlungsmöglichkeiten oder auch die bis zu 15 Schlafplätze, die es gibt in drei Zimmern. Oder dieses Kampagnenbüro mit drei Druckern, mit Tonstudio, mit usw. und so fort.

Carsten Wie seid ihr jetzt konkret an dieses Haus gekommen? Stand das die ganze Zeit leer? Hat da jetzt jemand gesagt: Hey, ich stifte das jetzt quasi genau für solche Zwecke oder Erbschaft? Ich meine, so ein Haus fällt ja jetzt nicht einfach vom Himmel.

Tobi Ganz genau. Erst mal braucht es die Idee und die Idee ist tatsächlich im Mai entstanden. Noch viel konkreter. Wir waren alle Jahre mal mit einer spektakulären Aktion hier in Wolfsburg. Und dann kam tatsächlich während einer Fahrradtour, die ich gemacht habe, durch Deutschland, Österreich und die Schweiz 30 Tage, 30 Vorträge, 3000 Kilometer, aber auch drei Zugjoker, war ich unterwegs und hatte dann irgendwann eine 150 Kilometer Etappe vor mir von Vortrag zu Vortrag. Das war die Strecke von Freiburg nach Karlsruhe. Und dann war so ein bisschen so die Frage: Was kommt als nächstes? Was Großes vielleicht? Und dann dachte ich, na ja, wenn wir zu dem Thema Verkehrswende vielleicht noch mal einen ganz sinnvollen Ort kreieren dürfen, dann doch mitten in Wolfsburg.

Und die Idee ist immer mehr entstanden und immer mehr Leute haben gesagt: Das finden wir klasse, toll, warum nicht? Und tatsächlich haben wir uns dann mit einer Stiftung, die extra dafür ist, dass solche Projekthäuser organisiert werden können, als rechtliches Subjekt, was dann auch im Grundbuch steht, entschlossen: okay, wir kaufen eine Immobilie in Wolfsburg. Und dass es dann hier die "Amsel 44" wurde, im Amselweg 44, ist einfach, weil sie zentral ist, 1,7 Kilometer vom Hauptbahnhof und Fabriksgelände entfernt und die anderen Häuser tatsächlich viel zu weit weg waren. Oder auch tatsächlich am Ende nicht realisierbar finanziell. Genau. Und so ist es die „Amsel 44“ geworden. Wir haben ganz unspektakulär zehn Häuser besichtigt und dann entschieden okay, wir nehmen das jetzt hier, weil das am ehesten das, was wir brauchen, funktional sinnvoll möglich macht, um hier dann eine 2-jährige Kampagne zu fahren.

Carsten Also ganz unspektakulär finde ich persönlich das jetzt gar nicht, weil wenn du jetzt gerade sagst, dass ihr im Hintergrund eine Stiftung habt, die in der Lage ist, ein Haus zu erwerben, dann ist das für mich schon ein Punkt, wo ich sage: Wow! Kannst kannst du das auch noch mal ganz kurz ausführen? Was ist das für eine Stiftung, wo kommt die her? Wie kann man sich da jetzt einbringen? Also wo kommt das Geld her?

Tobi Ja, kurz und knapp: die Stiftung ist die „Stiftung Freiräume“, die genau dafür nämlich gegründet wurde, um solche politischen Aktionswerkstätten zu schaffen. Das hat angefangen, wenn du so möchtest, schon vor 30 Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen. Die Stiftung selber ist aber so rund 10 Jahre erst alt, weil sie nochmal als Instrument geschaffen wurde, um als Eigentümerin solcher Häuser einen offenen Charakter zu ermöglichen, damit nicht Tobi Rosswog da im Grundbuch steht oder Carsten oder wer auch immer sozusagen. Und dann heißt es ja, deine Nase gefällt mir jetzt, du darfst dir das Haus - ich habe ja immer noch sozusagen das Wohnrecht über dieses ganze Immobiliending - sondern ganz bewusst ist es eine Stiftung, die hat dann eine ganz einfache Vereinbarung mit verschiedensten Subjekten, die hier das nutzen. Dass das Gebäude dafür da ist hier in Wolfsburg die Verkehrswende voranzubringen.

Und das Geld ist tatsächlich auch ganz offen hier. Eine ViertelMillion steckt jetzt hier drin, die ist nicht von Elon Musk oder von irgendeinem VW Konkurrenten gespendet worden, sondern tatsächlich einfach der Punkt, dass es immer mal wieder in den letzten Jahren Menschen gab, die gesagt haben: Hey, ich finde das klasse und ich möchte mein Geld nicht Greenpeace geben, nicht dem Nabu geben, nicht dem BUND geben, ich finde klasse was ihr macht, mitten rein zu gehen, sozusagen in die verschiedensten Auseinandersetzungen - Hambi zum Beispiel, Dani usw und so fort. sind ja auch so Auseinandersetzungen, gerade was so die Energiewende angeht im rheinischen Braunkohlerevier oder die A49 in Hessen konkret.

Jetzt ist es aber auch so, dass wir, die wir so in diesen kreativen Zusammenhängen unterwegs sind, versuchen nicht dieser Lohnarbeit- und Eigentums- und Geldlogik zu unterliegen, sondern zu sagen: Hey, lass uns doch Geld miteinander teilen und dann zusammentun und am Ende reicht das für alle. Also ich zum Beispiel selber habe auch gar kein eigenes Konto. Ich teile mir ein Konto mit mehreren Leuten und da geht ab und zu auch was in solche Strukturen dann rein, wenn wieder mal einiges übrig ist. Also davon lebt diese Stiftung - die macht gar nicht groß Außenwirkung und Außenwerbung an der Stelle - aber hat jetzt irgendwie im Laufe der Jahre gerade dieses Volumen an Geld gehabt zufälligerweise, was jetzt hier investiert werden konnte.

Eigentlich, und das ist vielleicht auch noch mal wichtig zu sagen, ist das gar nicht der Sinn und Zweck dieser Stiftung, ein Finanzierungsinstrument zu sein, sondern ein rechtliches Instrument, um vom „Eigentum“ zu befreien. Es geht darum einen Rechtsgaranten zu haben, der klar macht: dieses Haus hat diese und diese Funktion und es ist nicht willkürlich ein Individuum Eigentümer·in und sagt dann am Ende: nee, ich mache jetzt von meinem Hausrecht Gebrauch und du darfst hier rein. Sondern es hat absichtlich so einen offenen Charakter und durch die Stiftung wird wunderbar garantiert, dass wir uns hier gemeinsam organisieren können.

Carsten Genau, „Gemeinsam organisieren“ ist ein schönes Stichwort. Da bin ich jetzt wieder bei dem Schlüssel, der von außen steckt und dieses Haus für alle zugänglich macht. Wie kann ich mir das vorstellen? Kommen da jetzt auch mal für euch wildfremde Leute, die sagen Hey, cool, ich habe Bock mitzumachen, wo kann ich anpacken oder wie organisiert sich das Ganze?

Tobi Dass hier reihenweise Menschen jetzt täglich reinkommen, ist nicht so der Fall, weil tatsächlich Menschen schon irgendwie auch so einer Eigentumslogik unterliegen. Auch wenn das Reihenhaus offen ist, auch wenn es offen so kommuniziert wird, ist das eher selten, dass Menschen einfach mal so vorbeikommen. Die schreiben dann schon meistens vorher eine Mail: Hey, ich würde gerne vorbeikommen oder sind bei den Workshops oder bei den Projekten, den Trainings, die wir anbieten oder oder oder, sozusagen in Kontakt mit der „Amsel 44“. Und dann, wenn sie aber erstmal gemerkt haben, es ist so ein offenes Haus, dann kommt auch der Micha aus Halle 54, VW Arbeiter nach der Spätschicht noch mal vorbei und sagt: Ja, lass uns mal einen Tee miteinander trinken. Micha hat hier viel mit rumgerödelt auch. Oder der liebe Toto vom Kraftwerk von VW, der auch gleichzeitig noch beim NABU und ADFC und wo auch immer organisiert und engagiert, der kommt hier dann auch wie selbstverständlich rein.

Also da klappt es schon, dass sozusagen, wenn die Menschen erst mal in Berührung gekommen sind mit dieser Idee - die natürlich doch ein bisschen spektakulär ist, weil sie vollkommen unserem Alltagsverstand widerspricht, so dass Häuser öffentlich zugänglich sind, dass es kein·e Chef·in gibt, die dir erlaubt, zu gewissen Öffnungszeiten da zu sein, sondern einfach immer offen ist. (Einmal war es nicht offen. Einmal steckte der Schlüssel nicht mehr draußen. Das lag daran, dass eine Polizeirazzia, also eine Hausdurchsuchung stattfand und dann die Polizei den Schlüssel einfach mitgenommen hat. Das war das einzige Mal, wo es ein geschlossenes Projekthaus war, für ein paar Stunden sozusagen.)

Konkret ist es aber schon so, dass auch verschiedene andere, Ilona und Heike und wie sie alle heißen, schon mehr verstehen: Ah ja, das Haus kann ich hier nutzen, sozusagen, und bin dann auch mal da, wenn gar keine andere Person gerade da ist, weil ich auf Vortragstour bin, andere irgendwelche Aktionen woanders machen, oder oder oder.

Carsten Ganz interessant fand ich deinen Hinweis, dass auch Personen aus dem VW Werk bei euch mal auftauchen zum Kaffee, zum Feierabendbierchen, ich weiß ja nicht was was ihr dann macht, aber ich sag jetzt mal auch zum Plausch und Austausch. Und du hattest vorhin ja auch schon erwähnt, dass du durchaus auch Vorträge bei VW, Daimler und Co hältst. Das heißt also, es gibt schon eine direkte Verbindung zu den Personenstrukturen, gegen die ihr agiert. Wie ist da jetzt das Verhältnis zueinander?

Tobi Ja, unbedingt. Ich würde immer wieder betonen: ich kämpfe nicht gegen VW, sondern tatsächlich möchte dafür sorgen, dass hier aus VW Wolfsburg nicht ein zweites Detroit wird. Wie mit General Motors sozusagen in den USA, wo einfach eine Stadt, die eigentlich sowas von abhängig war von diesem Konzern, dadurch, dass der Konzern insolvent wurde, dann auf einmal die gesamten sozialen Strukturen zusammengebrochen sind.

Hier - ganz kurz und knapp nur so ein kleiner historischer Ausflug - haben wir diese Stadt erst seit 85 Jahren, ich würde sagen eigentlich korrekterweise sogar 78 Jahren erst, denn 1938 hat der angeblich geniale Konstrukteur Ferdinand Porsche auf Einladung von Adolf Hitler gesagt bekommen: bau mir hier die Vorzeigestadt der Nazis für Auto und Arbeit und das weltweit größte Werk, so nach dem Motto, das war der Auftrag. Das hat dieser Ferdinand Porsche geschafft. Natürlich nur mit 20.000 Zwangsarbeiter·innen. Also ein unglaublicher Kriegsprofiteur, dieser Ferdinand Porsche, der heute noch geheiligt wird. Ja, überall. Es gibt hier auch die Porschestraße, das Porschestadion, es gibt noch eine Porschebüste am Rathaus. Es gibt ja auch natürlich den Konzern, die Porsche AG, mittlerweile.

Konkret, kurz und knapp: Hier gibt es 125.000 Einwohner·innen und 65.000 Beschäftigte in diesem Werk. Das heißt, da kommen natürlich nicht alle aus Wolfsburg, die kommen aus Braunschweig, Hannover, Magdeburg, Umgebung sozusagen angependelt. Aber diese Stadt ist eigentlich nur existent wegen dieser Fabrik. Vorher existierte sie gar nicht. 1938 hieß sie noch Stadt des KdF, also Kraft durch Freude, -wagens bei Fallersleben. Und 1945 wurde dann erst der Name Wolfsburg geschaffen. Diese Stadt würde gar nicht existieren ohne diesen Konzern.

Und nun sage ich, ich möchte, dass wir die soziale und ökologische Frage zusammen denken. Und das sage glücklicherweise nicht nur ich, sondern immer mehr. Und Autos sind einfach nicht mehr die Zukunft. Wir brauchen also beispielsweise Busse, Bahnen, Lastenräder. Wir können auch nicht eins zu eins das ganze denken in der Frage nach, sozusagen Mobilität, sondern wir brauchen auch Produktionsstätten, um medizinisches Gerät, Beatmungsgeräte oder irgendwie für die Energiewende, Windkraftanlagen, Solarpaneele usw und so fort zu fabrizieren. Also wir brauchen diese Produktionsstätten, aber nicht, um da Autos zu bauen, die kein Mensch braucht.

Jetzt zu den ganz konkreten Verbindungen, der Verbundenheit, die wir mit den Leuten haben aus Patentabteilung, aus Nachhaltigkeitsabteilung, aus Kraftwerk, aus Halle 54, Halle 8 und wo auch immer noch. Da gibt es einzelne schöne Verbindungen mit kritischen Arbeiter·innen, die ganz klar sagen: Hey, also so geht es nicht weiter, Ich kann Metall, ich kann Kunststoff, ich bin sozusagen Arbeiter·in, aber Autos, das ist einfach nicht die Zukunft. Das ergibt gar keinen Sinn. Das ist ökologisch katastrophal, das ist sozial nicht verträglich. Und das kommt mit 2015 noch in Wolfsburg dazu, der große - es heißt immer so verharmlosend „Dieselskandal“, das war nichts anderes als ein Dieselbetrug, der milliardenschwer und teuer war.

Hier ist einiges aufgebrochen. Also die Krise spitzt sich zu und in dieser Situation kommen wir rein von außen, ohne die Seilschaften und können „unabhängig“ mal einfach die Dinge benennen, sozusagen den Elefanten im Raum und darauf hinweisen, dann mit einzelnen unterschiedlichen Leuten Banden bilden, was richtig Spaß macht, wo ich Vorträge gebe, in der freien Wirtschaft, unter anderem auch bei VW. Gerade das Beispiel VW ist jetzt schon ein bisschen was her, aber ich bin immer wieder auch bei VW auf ihren Hauptversammlungen, die sie als Aktiengesellschaft natürlich sozusagen unternehmen müssen.

Ich habe ja kein eigenes Konto, daher auch keine Aktien, aber es gibt den Dachverband „Kritische Aktionär·innen“, und da sind Leute, die zufälligerweise, weil sie mit 18 Jahren irgendwie eine Aktie geschenkt bekommen haben oder von Oma und Opa was geerbt haben, also konkret einfach über Aktien verfügen, die dann diese großartiger Weise an Aktivist·innen wie uns oder andere übertragen und dann ich nicht nur Stimmrecht habe, sondern auch ein Rederecht. Und das nehme ich natürlich gerne wahr und habe das auf der Porsche Hauptversammlung schon gemacht, auf der VW Hauptversammlung. Das macht richtig Spaß da vor Wolfgang Porsche zu sprechen - das ist der Enkel des Kriegsverbrechers Ferdinand Porsche und heutiger Haupteigentümer, der die Porsche Holding SE mit 53,3 % beteiligt, der reichste Österreicher auch, der dann dort sitzt - das Emirat Katar ist drittgrößter Aktionär mit 17 %, zweitgrößter ist dann das Land Niedersachsen mit 20 %, den ganzen Chef·innen, vor allem Oliver Blume ist ja aktuell der CEO von der Volkswagen AG und auch der Porsche AG, also eine VW Tochter.

(Das ist ja auch interessant, das einzusortieren. VW ist ja nicht nur dieses VW Symbol, was wir überall sehen, auf Kleinfahrzeugen oder auch manchmal Nutzfahrzeugen, sondern da ist ein riesen Markenkonglomerat dahinter. Das ist SEAT, das ist ŠKODA, das ist CUPRA, das ist Bugatti, das ist Lamborghini. Und so weiter und so fort. Audi, Porsche usw also ein Riesen Marken Konglomerat, einfach was dahinter steckt.)

Und da immer wieder auch auf den verschiedensten Hauptversammlungen dafür zu sorgen, dass dieser Alltag, dieser kapitalistische Wahn von immer weiter, schneller, höher und angeblich besser mal ganz klar auch durch kreative Aktionen flankiert unterbrochen wird. Seit 1972 wissen wir ja, dass mit den Grenzen des Wachstums des Club of Rome einfach auf einem begrenzten Planeten rein physikalisch kein unendliches Wachstum möglich ist. Diese Studie damals hat übrigens die Volkswagenstiftung mitfinanziert. Also das ist immer wieder ein witziger, sozusagen historischer Punkt.

Carsten Okay, das wusste ich selber noch nicht. Das ist aber interessant. Du gehst also direkt auf Tuchfühlung mit den entsprechenden Protagonist·innen. Wie ist denn da so die Rückmeldung? Also ich kann mir vorstellen, dass ein Vorstand oder gerade bei diesen Aktionär·innenversammlungen ganz andere Rückmeldungen kommen. Wahrscheinlich euch eher nicht unbedingt zugewandte Rückmeldungen, als wenn ihr jetzt mit einzelnen Personen, du hast gerade gesagt teilweise aus Werkhallen, teilweise aus entsprechenden Entwicklungsabteilungen. Da finden ja wahrscheinlich andere Dialoge statt. Trägt sich das so in den Betrieb rein, dass ihr da Fürsprecher·innen für euren Aktivismus bekommt? Oder nehmt ihr da nach wie vor eher zunehmend Gegenwind wahr?

Tobi Ich glaube, das ist das Entscheidende, noch mal klar zu machen. Also, und zwar deutlich: Wir werden nicht in den Kontakt mit den Arbeiter·innen kommen, wenn wir hier eine "Amsel 44" oder damals noch auf dem Protestcamp auf dem Acker sieben Kilometer außerhalb von Wolfsburg, irgendwie sagen: Kommt doch zu unseren Workshops und dann ist alles gut. Nein, wir gehen an die Werkstore. Natürlich. Wir gehen zur IG Metall Delegiertenversammlung, wir gehen zu VW Mitarbeiter·innenversammlungen. Zur Betriebsversammlung selber schaffen wir es, glaube ich nicht, leider, aber zu anderen, außerhalb des Werks stattfindenden Versammlungen, um da mit den Kolleg·innen ins Gespräch zu kommen.

Und tatsächlich zeigt es bei den Leuten, mit denen ich bisher geredet habe, echt eine sehr große Resonanz. Natürlich gibt es auch von den ungefähr 65.000 Beschäftigten, die 2-3000 Leute, die da ihren Verbrenner weiterfahren wollen und Greta Thunberg am liebsten mit ihrem SUV umfahren wollen. Okay, geschenkt. Das ist einfach so ein normales Abbild der Gesellschaft an der Stelle.

Konkret aber, ist auch durch Studien belegt, unter anderem der Spurwechsel riesengroß, 400 Seiten dick, wo Stephan Krull unter anderem der Herausgeber ist - der 40 Jahre bei VW malocht hat, angefangen in der Bäckerei, später VW Betriebsratsmitglied, in Wolfsburg hier eine ziemliche Nummer - der klargemacht hat: Hey, wenn ich mit Kolleg·innen spreche, am Ende ist denen egal, was sie hier produzieren und sogar eher gerne „Dinge“, für die sie nicht sagen müssten: Oh Mist, was bauen wir hier eigentlich gerade den ganzen Tag im Dreischichtbetrieb und verheizen dafür unsere Gesundheit?

Das ist tatsächlich schon so der Tenor, der da stattfindet und das höhere Management aber, vor allem mit Vorstandsriege und Co., die sind natürlich relativ abgeneigt, weil es am Ende nicht so viel Profit macht. Das stimmt und deswegen sagen wir auch, wir brauchen nicht nur die Konversion, also den Umbau, Produkte ändern, sondern auch die Vergesellschaftung. Der Laden gehört uns und wir können uns einen Wolfgang Porsche, der letztes Jahr alleine durch den Porsche Börsengang 3 Milliarden über Nacht gemacht hat, einfach nicht leisten, das ist nicht möglich ist. Das ist auch nicht schlimm, der hat genug in seinem Leben schon auf die hohe Kante gelegt. Den machen wir jetzt mal klar, außerhalb der Situation hier und nehmen den Laden selber in die Hand und müssen dann nicht mehr nach Profit, sondern nach der Frage „Was brauchen wir eigentlich wirklich?“ entscheiden.

Interessant ist aber, was du ansprichst, dass bei den Hauptversammlungen ja nicht nur der Vorstand und der Aufsichtsrat sind, sondern auch tausende Leute, die Aktien haben. Das sind manchmal auch Kolleg·innen, aber auch manchmal Außenstehende. Und dann rede ich da also elf Minuten, versuche, da irgendwie ein paar Punkte unterzubringen, versuche das auch irgendwie in einer Art und Weise, die auf die Situation vor Ort eingeht und nicht irgendwie ein Skript, was ich auswendig gelernt habe, sondern sehr, sehr gefühlvoll. Versuche so die Atmosphäre zu schnuppern und zu schmecken und zu spüren und darauf dann eingehend versuche ich Punkte zu machen, die Menschen hoffentlich anscheinend berühren.

Und tatsächlich, und das habe ich nicht selber nur so wahrgenommen, sondern wurde mir auch von Leuten, die selber im „diesen tausenden Aktionär·innen Saal“ saßen, gesagt: 3/4 der Leute hat nicht aus Höflichkeit geklatscht, sondern tatsächlich aus einer gewissen Begeisterung, aus einer Sehnsucht, einem Moment von „So kann das eigentlich nicht weitergehen“. Und wenn ich dann da - ich habe immer so ein ziemlich quietsch grünes Hemd an, bin logischerweise dann später für die Aktionär·innen, die mir zugehört haben, relativ gut sichtbar und erkennbar - immer wieder nur gutes Feedback bekommen habe, das finde ich schon interessant. Also es gab keine einzige Person, die gesagt hat „Spinner“ oder so was.

Weil das, was ich da sage natürlich schon auch radikal, also grundsätzlich, also an den Wurzeln anpackend, einige Dinge in Frage stellt, die sie als bisher vielleicht als normal, natürlich, notwendig, gottgegeben ansehen. Da bereit zu gehen ist eine großartige Freude. Klar ist eine große Spannbreite. Ich glaube nicht, dass wir Oliver Blume irgendwie davon überzeugt bekommen, dass da jetzt von heute auf morgen was anderes gebaut wird. Den brauchen wir aber aus unserer Perspektive gar nicht, sondern es braucht die kritische Masse an Kolleg·innen, am Band und im Büro.

Carsten Wenn ihr jetzt so mit diesen radikalen Ideen an die einzelnen - ich sage jetzt aber auch nicht Initiativen, sondern mir schwebt jetzt so der Betriebsrat vor, den hattest du vorhin genannt oder auch die IG Metall, also quasi Vertretung der Arbeitnehmer·innenschaft herantretet, kannst du dort in den Dialog mit gehen? Wird das dort aufgesaugt? Kommen die vielleicht aktiv an euch heran und sagen Mensch, wir müssen auch Richtung Zukunft denken, Richtung Transformation, aber unser Horizont ist ja - das klingt jetzt ein bisschen blöd - also dass eure Ideen vielleicht noch ein Quäntchen radikaler sind als das, was der Betriebsalltag im Moment so hergibt und deswegen vielleicht bewusst jetzt der Kontakt zu euch gesucht wird, um diese Vorstellungswelt noch ein bisschen aufzufächern, zu vergrößern, findet sowas statt?

Tobi Das ist ganz interessant, dass du das ansprichst. Natürlich ist die IG Metall hier tatsächlich auch also ein einmaliger Organisierungsrat mit weit über 90 % der Beschäftigten, die gewerkschaftlich dort Mitglied sind. Auch natürlich eine riesengroße, die weltweit größte Einzelgewerkschaft mit der IG Metall, also ein wichtiger Akteur ist. Und wir sind also sofort dorthin, haben mit denen Gespräche in irgendwelchen Hinterzimmern geführt in ihrem Gewerkschaftshaus, was zu 97,3 % nur IG Metall ist und ein bisschen ein kleines Hinterzimmer gehört auch ver.di, so nach dem Motto. Es war natürlich ganz wichtig, mit der IG Metall irgendwie zu versuchen in Kontakt zu gehen und immer wieder sich hier auch in der "Amsel 44" mit einigen Funktionär·innen zu treffen. Das war interessant, dass es damals, als wir das Protestcamp gemacht haben, hieß das Wort dürfen wir hier nicht nennen, weil ihr habt eigentlich recht, aber nee, das ist uns zu heikel, zu heiß irgendwie. Das ist doch das Meilensteinprojekt für Wolfsburg. Das wurde dann glücklicherweise abgesägt, dieses Meilensteinprojekt.

Also konkret gibt es da viele Möglichkeiten, eigentlich reinzugehen und zu sagen: Lasst uns da doch erstmal Banden bilden, gemeinsam und vor allem auch wenn wir vielleicht nicht gleicher Meinung sind, öffentlich diskutieren. Das war unser Anliegen. Ein Jahr lang können wir da Klinken geputzt und immer wieder angeblich auch auf Augenhöhe hieß es: Ja, lass uns da bald mal was machen. Und immer wieder wurden wir vertröstet. Naja, und dann gab es eine sehr kreative Aktionsphase, wo dafür gesorgt wurde, dass die IG Metall sich äußern darf zur Konversion und Vergesellschaftungsfrage. Und sie haben tatsächlich zu beiden Fragen sehr zukunftsunfähige Antworten gegeben, weil sie am Ende - und das muss man ihnen leider attestieren - gerade hier in Wolfsburg ganz besonders sehr konzernhörig sind. Also am Ende des Tages einem Management verfallen, das leider nicht die Möglichkeit bietet, dass sie da jetzt groß aufbegehren.

Also nicht der Großteil auf jeden Fall. Es gibt einzelne Betriebsrät·innen, unter anderem den fantastischen Lars Hirsekorn, der ist in Braunschweig - das ist das drittgrößte Werk in Deutschland, ist hier gleich die Nachbar·innenstadt, 20 Minuten mit der Bahn entfernt, wenn die mal fährt. Also der ist ein ganz kämpferischer Gewerkschafter. Einer, der wirklich für die Kolleg·innen einsteht und die Zeichen der Zeit sieht und sagt: Nee, der motorisierte Individualverkehr ist am Ende. Wir haben auch mit anderen Kolleg·innen geredet in Kassel Baunatal - das ist das zweitgrößte Werk in Hessen - mit einem, der heute auf der Betriebsratsversammlung eine fantastische Rede gehalten hat und auch da auf die Freund·innen aus der "Amsel 44" fantastischerweise sich in der Rede bezogen hat, weil der hier auch ab und zu unterwegs ist. Er hat da einen Riesenapplaus für geerntet, so dass er erst dachte - und das ist Lars Hirsekorn vor drei, vier Jahren schon mal passiert bei einer Rede - „haben die Kolleg·innen meine Rede überhaupt verstanden? Oder habe ich mich irgendwie undeutlich ausgedrückt? Ich stelle ja unser gesamtes Geschäftsfeld in Frage.“ Er wurde bejubelt. So heute auch Thorsten Donnermeier, das ist der Kollege aus Kassel Baunatal, der da auch als Vertrauensmann unterwegs ist, wirklich ein kämpferischer Typ, der nicht die ganz offizielle IG Metall Linie nur fährt, sondern da versucht mehr raus zu bringen.

Und letzter Punkt, der noch mal zeigt, wie da diese Verbindung so schön ist. Letztens kam eine große Zeitung raus. Die Verkehrswende Extrabeilage. So nach dem Motto eine Zeitung, die wir 25.000 mal gedruckt haben, also eine ziemlich hohe Auflage und dann verteilt haben. Vor allem hier in den Wolfsburger Haushalten, aber auch natürlich nach Braunschweig, nach Kassel Baunatal und so etwas gegeben haben, wo dann der Leitartikel ist: „Der größte Umbau aller Zeiten.“ Und dann auf diese Frage nach Konversion und Vergesellschaftung in anderen Artikeln auch noch mal die kämpferische IG Metall herausfordern und sagen: Lasst euch doch mal irgendwie euren eigenen satzungsgemäßen - unter anderem Paragraph zwei, Absatz vier, wo steht, dass sie eigentlich auch die Vergesellschaftung wollen als IG Metall, also tatsächlich steht das da ganz früh schon in den Zielen und Absichten dieser Vereinigung drin.

Konkret hat Thorsten Donnermeier diese Zeitung dabei gehabt, leider nur 150 Stück, wie er sagte, weil irgendwie 6000 Leute bei der Betriebsversammlung waren und die wurden ihnen weggenommen wie geschnitten Brot, weil er in seiner Rede auch auf ein Interview mit Lars Hirsekorn, was da in dieser Zeitung drin ist, verwiesen hat und sagte: Ja, und wer dann mehr noch lesen möchte, kann dann nachher die Zeitung nehmen. Die wurde ihm aus den Händen gerissen. Die haben wir hier gemeinsam mit Arbeiter·innen redaktionell geschaffen und dafür gesorgt, dass so ein Massenmedium noch mal nicht nur in den Social Media Raum, sondern auch ganz real, sozusagen greifbar in den Händen gehalten werden konnte.

Also das macht richtig Spaß, da mit den Leuten gemeinsame Sache zu machen. Mit den Funktionär·innen, aber generell der IG Metall ist es doch ein bisschen schwer, weil sie gerade hier in Wolfsburg doch einem großen Co-Management leider verfallen sind und einfach nur das machen, was am Ende der VW Profitrate hilft. Das heißt ganz konkret, letzter kleiner Punkt: Hier wird jetzt gerade ein Performanceprogramm aufgelegt, weil 3,4 % Rendite nicht groß genug ist. Es müssen 6,5 % sein, das heißt 10 Milliarden einsparen in den nächsten drei Jahren. Das ist unglaublich. Das geht natürlich nur, wenn du Leute entlässt. Das wird jetzt gerade ausgetüftelt, wie das sein könnte, angeblich sozialverträglich. Aber ich würde sagen, egal wie viele Leute entlassen werden, das sind immer zu viele. Und darüber hinaus, und das ist der entscheidende Punkt, hören wir so von Zielen, also mindestens vier, wenn nicht sogar sechs, wahrscheinlich sogar 15.000 Stellen, die gestrichen werden sollen.

Herbert Diess ist letztes Jahr für 30.000, die er eigentlich gesagt hat, müssten entlassen werden, gegangen worden. Als damaliger Chef. Konkret sagt das IG Metall Führungsgremium leider nichts anderes als ja, das kriegen wir schon irgendwie hin. Es gibt Beschäftigungssicherung bis 2029 und dann machen wir das über Altersteilzeit, dass Leute einfach früher rausgehen und dann noch ne nette Abfindung vielleicht noch bekommen. Was natürlich für die Zukunft dieses Standortes hier und der Region, die so was von abhängig davon ist, logischerweise weniger Arbeitsplätze heißt. Das kann so nicht sein aus unserer Perspektive. Da müssen wir kämpferischer auftreten und klarmachen: Nein, wir schuften nicht für Wolfgang Porsches Rendite. Oder des Emirat Katar. konkret also zu sagen, für wen arbeiten wir hier eigentlich? Und wir sollten für die Zukunft arbeiten und dafür sorgen, das sozial ökologisch verträgliche Produkte hier vom Band laufen und nicht nur einige wenige reich werden auf Kosten aller.

Carsten Merkst du denn in dem Zuge, dass die Idee der Vergesellschaftung jetzt Früchte trägt und und stärker haften bleibt? Oder wird das noch als relativ weit weg, vielleicht sogar absurd angesehen?

Tobi Genau, offiziell wird von der IG Metall ganz klar gesagt, das ist Quatsch, auch wenn wir es in unserer eigenen Satzung stehen haben. Das ist ja interessant, dass sie diesen eigenen Widerspruch da aufmachen. Konkret ist die Vergesellschaftungsdebatte aber gerade auch durch „Deutsche Wohnen und Co enteignen“ in Berlin sehr fruchtbar. Es gibt das auch bei „RWE und Co enteignen“, also im Energiesektor. Jetzt machen wir das hier im Mobilitätssektor auf. Tatsächlich gehören ja auch schon 20 % dem Land Niedersachsen. Also es ist schon eine Art von Vergesellschaftung vorhanden. Das ist gar nicht so ganz vollkommen irre oder gar nicht greifbar.

1958 wurde hier schon diskutiert, ob nicht Stiftung und so weiter und so fort vielleicht eine Möglichkeit wäre. Also wir erinnern vielleicht manchmal an so gewisse Ideale, die mal da waren, an gewisse historische, auch spannende Auseinandersetzungen. Konkret sehen wir durch die Debatte, die wir natürlich erstmal reinzubringen haben, um das Undenkbare denkbar werden zu lassen, schon dass das auf fruchtbaren Boden trifft, alleine schon deswegen, weil relativ klar ist: Ne, so ein Wolfgang Porsche, so lieb er auch sein mag, so knuffig der auch ist, der ja gar nichts Böses als Individuum im Schilde führt - es sind strukturelle Verwerflichkeiten, denen er auch unterliegt, sozusagen. Aber als Profiteur und Gewinner dieses ganzen kapitalistischen Systems.

Das Entscheidende ist, dass die Vergesellschaftung für alle hilfreich wäre. Und wir sehen das auch. Ich mache mal einen kurzen Nebenschauplatz auf in der Nähe von Florenz, ehemaliger Automobilzulieferer GKN wurde aufgekauft von Melrose Industries, die haben auch ganz unverblümt auf ihrer Website stehen „Buy improve sell“ - also wir kaufen auf, wir verbessern und wir verkaufen wieder. Und das haben sie auch in der Nähe von Florenz gemacht. 400 Leute haben da Achswellen für Ferrari und Maserati produziert. Und von Freitag auf Montag wurden ihnen in einer Mail ganz klar mitgeteilt: „Ihr müsst gar nicht mehr wiederkommen, ihr seid entlassen.“ Fertig.

Das ist zweieinhalb Jahre her. Ungefähr. Und die Leute haben gesagt: Nein, das machen wir nicht mit. Wir machen eine dauerhafte Betriebsversammlung, und seitdem gehört der Laden uns. Und jetzt sind sie gerade in dieser Konversionsdebatte drin und gleichzeitig auch Vergesellschaftung, ganz praktisch.

Und jetzt, wo sie mal den Freiraum haben, die Luft zum Atmen sozusagen, sich fragen können: Was wollen wir jenseits unserer Lohnarbeitsabhängigkeit eigentlich wirklich hier produzieren, wenn wir selber entscheiden könnten und nicht der Profit weniger, nur im Grunde irgendwelche komischen Achswellen für Maserati und Ferrari? Dann kommen wir natürlich auf Lastenräder tatsächlich in Florenz und auf Solarpaneele.

Diese beiden Dinge sollten da produziert werden. Da ist gerade auch eine Kampagne noch, um bis Ende des Jahres hoffentlich die Anteile zu bekommen, um dann genossenschaftsmäßig dafür zu sorgen, dass der Laden dann den Leuten gehört. Also das sehen wir immer mehr, dass es gar nicht so unvorstellbar ist, weil wir immer wieder auch auf Beispiele Bezug nehmen können, die es ja glücklicherweise schon gibt.

Carsten Da bringst du mich gerade auf so eine Idee von Thema Verbindung zu anderen aktivistischen Kreisen. Wenn du jetzt gerade dieses Beispiel, was du gerade zitiert hast, noch mal nimmst. Steht ihr konkret in Verbindung mit anderen Aktivistis, die vielleicht an anderen Fronten arbeiten und sagen: Ja, wir unterstützen uns insofern, dass wir gegenseitig bei bestimmten Aktionen mit dabei sind. Oder wir stehen regelmäßig im Austausch, um Strategien weiter auszuarbeiten, uns gegenseitig zu befruchten und zu unterstützen. Oder seid ihr relativ losgelöst als autarke Gruppe jetzt in der "Amsel 44" aktiv und macht mehr oder weniger euer Ding?

Tobi Also unbedingt sind wir ganz vernetzt, natürlich in verschiedenste aktivistischen Kreise hinein. Und wichtig ist, es gibt eigentlich hier in der "Amsel 44" gar nicht dieses ganz konkrete Wir. Hier gibt es keine Mitgliedschaft, hier gibt es kein Manifest, was unterschrieben werden muss, hier gibt es keinen Mitgliedsbeitrag und es gibt auch kein Plenum, wo wir irgendwie wöchentlich oder monatlich gemeinsam entscheiden, was wir nun gemeinsam als wir die "Amsel 44" Aktivist·innen machen.

Sondern tatsächlich die Idee, dass es eine lose Struktur ist, eine offene Struktur, eine Plattform im Grunde, wo Menschen reinkommen und sagen: Ich habe die Idee, wer hat Bock mitzumachen? Wer hat das Talent Webseiten zu gestalten? Wer hat das Talent, irgendwelche Flyer zu designen, wer hat das Talent, was auch immer noch? Und so diese ganzen verschiedenen Projekte und Aktionen und Kampagnen hier auch starten, tatsächlich.

Also gar nicht so ein ganz konkretes „ADFC, monatliche Sitzung und dann entscheiden wir, was wir jetzt machen alle gemeinsam. Und wir müssen uns alle gemeinsam auch abstimmen und ganz klar sagen so wird es gemacht oder gar nicht oder so“, sondern eher ganz viele kleine Grüppchen sozusagen, die sich hier organisieren, die immer wieder auch unterschiedlich aussehen können. Und dennoch, und das stimmt auf jeden Fall, das ist natürlich uns eine ganz wichtige Sache, verbunden zu sein mit den unterschiedlichen Auseinandersetzungen, mit den unterschiedlichen Kämpfen und das auch über die Mobilitätssektor natürlich hinaus.

Also alles, was irgendwie Klimagerechtigkeit angeht. Vor allem auch diese spannende Frage nach Klimagerechtigkeit und Arbeiter·innen, also Beschäftigte, konkret, mit dieser Kampagne gerade „Wir fahren zusammen“. Wo Verdi und Fridays For Future ja offiziell dieses Bündnis schaffen und dafür sorgen, dass der ÖPNV nicht nur bessere Arbeitsbedingungen bekommt, sondern auch einen besseren Ausbau. Also dieses finde ich ganz wichtig, ganz großartig. Bauen wir ja auch gerade vor Ort auf.

Und eine Sache, wo wir uns groß auch austauschen, sind natürlich immer wieder unterschiedliche Camps. Hier das VerkehrswendeCamp. Aber auch in Hannover war dieses Jahr ein großes Systemchange Camp, natürlich auch über Deutschland hinaus mit verschiedensten - ich war letztens auf einer Österreich Vortragstour, habe mich in Wien, in Graz mit Aktivist·innen getroffen.

In Graz beispielsweise ist Magna der größte Automobilzulieferer sozusagen und hat da wirklich eine unglaublich große Machtstellung auch und hat da jetzt erstmal einen historisch einmaligen, riesengroßen Auftrag von VW bekommen eine halbe Milliarde, um einen Scout zu entwickeln. Auch das eine Submarke, also eine VW Tochter, vollkommen absurd, riesengroße SUVs Pick up Trucks zu bauen.

Also da reinzugehen ist natürlich ganz wichtig und dann natürlich auch immer thematisch unter anderem in Berlin. Nächstes Jahr findet die Vergesellschaftungskonferenz in der Nähe von Berlin statt. Diesmal aber gar nicht nur als theoretisches Austauschen, was vor einem Jahr in Berlin schon mit mehreren 1000 Leuten passierte, sondern diesmal auch rein praktisch, also konkret an den verschiedenen Auseinandersetzungen in verschiedenen Kämpfen vor Ort. Erfahrungen austauschen, sich gemeinsam organisieren, auch gucken, wer braucht was, wo können wir noch unterstützen usw und so fort.

Carsten Du hattest vorhin schon eine Frage von mir vorweggenommen. Ich hätte nämlich konkret nach dem „Wer ist eigentlich wir gefragt?“ Das hast du jetzt ja quasi schon indirekt beantwortet, aber trotzdem interessiert mich mal, da muss doch ein harter Kern sein. Also es muss doch irgendwie ein oder mehrere treibende Kräfte hinter diesem ganzen Aktivismus sein, die sich auch konkret bei euch in diesem Projekthaus einfinden und vielleicht auch im Hinterkopf - und das ist so meine zweite Anschlussfrage daran - so eine Strategie, so ein Masterplan haben, wie diese ganze Verkehrswende Thematik jetzt in nächster Zeit oder generell gestaltet werden soll?

Tobi So ein Masterplan, so nach dem Motto wir haben jetzt die zehn Punkte, die müssen wir jetzt nur noch abarbeiten und dann haben wir die Weltrevolution geschafft, das ist nicht ganz unsere Herangehensweise, sondern natürlich schon eine strategische Ausrichtung, eine inhaltliche Auseinandersetzung und irgendwie Etappenziele dahin. Logischerweise definitiv. Und dann mit den verschiedenen Aktionen, Strategien, Kampagnen, Projekten immer wieder gucken: ist es jetzt der Sache dienlich oder eher nicht? Und so abwägend definitiv das ja, ganz klar.

Zu der Frage nach dem harten Kern: Also tatsächlich sage ich gerne so wir sind nicht mal eine Handvoll Leute, die hier ziemlich stark involviert sind und das mit angestupst haben. Dann gibt es aber vor allem hier natürlich in Wolfsburg mehrere Dutzend Leute aus verschiedensten Initiativen, sei es NABU, BUND, ADFC, VCD, Grüne Jugend, Attac, was weiß denn ich irgendwelche Initiativen, NGOs und manchmal auch Parteijugend, wie auch immer, die sich hier mit engagieren, in unterschiedlichster Art und Weise dann natürlich auch die Leute aus der Fabrik. Und meistens ist das aber irgendwie eine Doppelrolle, die gleichzeitig beim NABU aktiv und dann auch hier oder so etwas.

Und dann gibt es natürlich noch ein bundesweites Netzwerk von so „losen kreativen Aktionskünstler·innen, Aktivist·innen“, wie auch immer du sie nennen möchtest, auch sicherlich noch mal 50 Leute oder sowas, die gerne auch aktionsorientiert arbeiten dann. Zum Beispiel, um so eine Straßenbahn vom Band laufen zu lassen mit so einem Riesentransparent, da braucht es einfach auch ein paar Leute. Genau. Also von daher das ist so ungefähr vielleicht dieses Netzwerk, diese Plattform, diese Struktur, angedeutet wenigstens.

Carsten Okay, also sehr fluktuativ. Mal kommen Leute dazu, mal ist es ein kleinerer Rahmen. Was ist denn jetzt mit Neuankömmlingen? Also wenn da jetzt irgendwie andere Menschen, vielleicht auch angeregt durch diese Podcastfolge, irgendwie voll Bock drauf haben, da jetzt mitzumischen, wie können die mit euch in Verbindung treten, sich einbringen? Was muss da passieren?

Tobi Ja, also wenn die Person schon super selbstorganisiert ist und kreativ und Pläne und Ideen und was auch immer noch hat, einfach direkt vorbeikommen natürlich. Tatsächlich gibt es aber in den meisten Fällen natürlich so ein bisschen eher dieses „Ah ja noch mal in Berührung kommen, noch mal ein paar Fragen stellen.“ Also schreibt gerne Mails an kontakt@verkehrswendestadt.de. Ruft in der Amsel an, es gibt ein Telefon. Darüber hinaus gibt es auch immer wieder verschiedene Seminare hier vor Ort, wo Menschen mal reinschnuppern können, irgendwelche Aktionstrainings oder oder, oder.

Darüber hinaus natürlich auch die Möglichkeit, sich ganz konkret an Aktionen zu beteiligen, die auch jetzt schon ganz klar terminiert sind oder irgendwie von der Struktur auf jeden Fall klar. Wenn ich sage, zum Beispiel, ich will mal an die Werkstore mit, ich will mal mit den Kolleg·innen am Band reden, so nach dem Motto die da mal im Werks-Schichtwechsel rein und rausgehen, dann ist die Möglichkeit ganz einfach tatsächlich da bei der Kampagne „VW für alle“ mitzumachen und da Konversionvergesellschaftung ans Werkstor zu bringen. Also da gibt es unterschiedlichste, ganz vielfältige Möglichkeiten.

Menschen, die sagen Ach, nach Wolfsburg ist mir zu weit, aber ich finde das irgendwie toll und kann designen. Ich kann Nullen und Einsen coden, ich kann Pressemitteilungen schreiben oder wie auch immer. Da gibt es ja wirklich ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Ich kann Videos schneiden, ich kann was auch immer sozusagen beitragen an Talent, dann einfach melden und wir finden bestimmt eine Möglichkeit, sich einzubringen, beizutragen und am Ende, dass wir gemeinsam was Schickes draus machen.

Carsten Ja, cool. Dann habe ich zum Schluss noch zwei Fragen. Die eine: Wie sieht eigentlich dein Alltag normalerweise aus als Vollzeitaktivist?

Tobi Ja, ganz einfach beantwortet: Das gibt es nicht, ganz klar. Es ist immer wieder unterschiedlich. Also konkret. Heute Morgen, sehr früh wieder aus dem Bett, morgens so zwischen 5:30 Uhr, 7 Uhr spätestens versuche ich loszulegen, den Tag und habe mittlerweile einfach auch so eine gewisse Routine. Dann ist da erstmal so ein bisschen Bewegung drin, irgendwie. Hier ein paar Mails beantworten, die noch vom Abend liegen geblieben sind, dann je nachdem, was gerade wirklich ansteht. Also manchmal ist auch eine Vortragstour, die ist dann nicht ganz so strukturiert. Da geht es dann auch mal irgendwie abends ein bisschen länger bei so einem Podium oder wie auch immer.

Ab und zu darf ich dann Interviews geben, das ist wirklich ganz, ganz unterschiedlich, was da je nachdem passiert. Heute mit einer Companera haben wir noch ein paar im nächsten Jahr kommende Projekte besprochen. Genau. Also da ist wirklich ganz unterschiedlich, Schreiben an der Broschüre, an der neuen Veröffentlichung, an einem Buch. Wie auch immer. Also wirklich, das ist nicht so dieses Nine to five Ding. Es ist nicht so, dass ich sage: Ja, Jeden Morgen gehe ich um 8:00 ins Büro und höre um 17:00 auf, weil dann ist meine Arbeitszeit fertig, sondern genau, mal gucken wie lang das heute noch geht mit dir. Ich höre jetzt schon die letzte Frage kommt gleich. Von daher ist es dann auch irgendwann rund, aber am Ende des Tages? Tatsächlich ist es nicht so, dass ich jetzt irgendwie so einen ganz geregelten Alltag habe, das ist ganz klar.

Carsten Also es klingt alles andere als langweilig und und sehr lebendig. Okay. Ja, dann komme ich auch schon mit meiner letzten Frage. Und zwar geht die in Richtung Zukunftsbild oder deine persönliche Vision. Mich würde mal interessieren, wie du dir die Welt vorstellst, wenn alles so läuft, wie du es dir eigentlich vorgestellt hast. Also du hast alles erreicht, was du gerne erreichen möchtest. Wie würde die Welt aussehen? Also vielleicht auch der der Alltag in einer solchen Welt? Wie würde so der Tag bei dir dann aussehen? In der absolut idealen Welt?

Tobi Ja, Wow, das ist eine ziemlich große Frage. Ich habe schon öfter darüber nicht nur nachgedacht, sondern auch nachgespürt, wie das so aussehen würde. Konkret natürlich erstmal im großen Ganzen eine Welt nach Bedürfnissen und Fähigkeiten. Ich gebe rein, was ich rein geben kann und nehme raus, was ich brauche. Jenseits der Tauschlogik, jenseits der Leistungs- und Gegenleistungslogik, jenseits dessen „ich muss da irgendwie der fremdbestimmten Lohnarbeit nachgehen, die Eigentumsverhältnisse akzeptieren, so dass einige wenige alles haben und ganz viele nichts.“ Das darf nicht sein, das ist zum Schreien ungerecht.

Und da kommen wir natürlich noch in eine - und das ist was ganz Wichtiges für mich - herrschaftsfreie Gesellschaft rein und eine herrschaftsfreie Gesellschaft, die nicht nur unter den menschlichen Tieren existiert, sondern auch den nichtmenschlichen Kreaturen, also ganz klar auch den Tieren, so nennen wir sie meistens in Form von, dass da auch diese ganze Ausbeutung, dieses ganze Leid, dieses ganze Elend, was wir diesen fühlenden Wesen antun, nicht mehr stattfindet. Also das ist ganz, ganz klar eine vegane Lebensweise, die ganz anders sich organisiert und ganz anders Möglichkeiten schafft, wie wir uns auch gemeinsam koordinieren können.

Konkret wäre dann natürlich mein Leben ein bisschen anders, weil jetzt gerade verwende ich keine Ahnung 90 % meiner Zeit darauf, dafür zu sorgen, dass diese Gesellschaft eine andere wird. Und angenommen, es wäre so, - davon gehe ich gar nicht aus, dass wir irgendwann mit dem Schnipsen oder dem langen fünf Minuten noch weiterkämpfen, dann auf einmal die perfekte Welt hätten, sondern immer wieder auf dem Weg dahin merken oh, da gibt noch was zu verändern. Und hier gibt es doch noch mal was und wie auch immer noch. Aber angenommen, es wäre jetzt so, wir könnten alle Feierabend machen, alles ist wunderbar. Wir haben uns so organisiert nach Bedürfnissen und Fähigkeiten.

Alle geben rein, was sie reingeben können und was sie brauchen nehmen sie einfach - fertig. Alles wäre so wunderbar, dann würde ich wahrscheinlich ein bisschen mehr Gitarre spielen. Dann würde ich ein bisschen mehr im Garten Lebensmittel anbauen, wie es mir körperlich möglich ist. Aber vor allem Brotbacken. Ganz gerne. Und so weiter und so fort. Also da würde ich vielleicht noch andere Talente sozusagen ermöglichen. Weiterhin das Schnacken und Schreiben natürlich auch, aber natürlich mit einer ganz anderen Zielrichtung als jetzt 150 Vorträge zu geben im Jahr, um irgendwie Leuten zu sagen: Hey Leute, wir können was ganz anderes machen, das ist dann ja glücklicherweise nicht mehr.

Dann würde ich vielleicht Geschichten erzählen über die Zeit, in der wir noch so komisch gelebt haben. Was unvorstellbar ist in der sozusagen späteren Jetztzeit, wo alles wunderbar ist. Genau. Also von daher. Da bin ich ganz dankbar, diese Idee wirklich zu sagen: Lasst uns ganz anders organisieren in Kooperation anstatt in Konkurrenz.

Carsten Wow, Danke für dieses inspirierende Zukunftsbild. Das macht Lust auf „Ich möchte Teil davon sein.“ Ich hoffe, dass wir eine solche Zukunft tatsächlich noch erleben. Das wäre auf alle Fälle sehr, sehr wünschenswert. Ja, super Tobi. Ganz herzlichen Dank. Ganz lieben Dank für dieses Gespräch. Du hast unglaublich viel Input gegeben. Es war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung, dich im Gespräch zu haben. Ich fand es sehr inspirierend, sehr aktivierend. Tatsächlich.

Ich hoffe, dass es Hörerinnen und Hörern auch so geht und die jetzt auch tatsächlich Bock haben zu sagen: Ich möchte mich in diesem Metier so ein bisschen mit einbringen und vielleicht dort den Kontakt konkret zu euch suchen, um zu sagen, ich helfe bei der Verkehrswende mit, um da wieder den roten Faden zum Anfang zu bekommen. Das auch tatsächlich mal Straßenbahnen aus dem Werk raus fahren und nicht nur verdeckte Züge dafür.

Herzlichen Dank für diese bahnbrechende und ganz tolle Inspiration und vielen Dank für die Zeit, die Du jetzt eingebracht hast für dieses Gespräch.

Tobi Da freue ich mich. Danke sehr.

Folge 298 - Was ist die Wissensallmende und warum ist sie wichtig für unsere Zukunft?

Ein Beitrag

Folge 298 - Was ist die Wissensallmende und warum ist sie wichtig für unsere Zukunft?

Die Wissensallmende ist ein spannendes und wichtiges Thema, das viele Bereiche unseres Lebens betrifft. In dieser Podcastfolge erfährst du, was die Wissensallmende ist, wie sie entstanden ist, welche Vorteile sie hat und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Die Wissensallmende ist mehr als nur eine Sammlung von Daten und Informationen, sie ist eine Vision von einer Welt, in der Wissen frei geteilt und geschaffen wird.

Die Wissensallmende ist ein Begriff, der sich auf geistiges Eigentum bezieht, das allen Menschen gehört und das alle nutzen können. Der Begriff kommt von der Allmende, einer alten Form der Landwirtschaft, bei der eine Gruppe von Menschen gemeinsam ein Stück Land bewirtschaftete. Die Wissensallmende ist wie eine digitale Allmende, bei der es um Software, Internetseiten, Bilder, Musik, Texte und andere Dinge geht, die man im Internet finden kann. Die Wissensallmende ist also eine Art von Gemeingut, das niemandem allein gehört, sondern allen zugute kommt.

Die Wissensallmende ist nicht nur eine Idee, sondern auch eine Bewegung, die sich für die freie Verbreitung und Weiterentwicklung von Wissen einsetzt. Die Wissensallmende ist inspiriert von der Open-Source- und Open-Content-Bewegung, die Programme und Inhalte erstellt, die jeder·e kostenlos benutzen und verändern kann. Ein Beispiel dafür ist das Betriebssystem Linux, das von vielen Menschen auf der ganzen Welt programmiert wird. Ein anderes Beispiel ist die Wikipedia, die von vielen Menschen auf der ganzen Welt geschrieben wird. Die Wissensallmende ist also eine Form von Wissenskommunismus, bei dem Forscher·innen und Künstler·innen ihr Wissen und ihre Werke mit anderen teilen.

Die Wissensallmende hat viele Vorteile, aber auch einige Herausforderungen. Die Vorteile sind, dass die Wissensallmende mehr Lernen und Zusammenarbeit ermöglicht, dass sie die Freiheit und die Selbstbestimmung fördert, und dass sie zu mehr Innovation und Kreativität führt. Die Herausforderungen sind, dass die Wissensallmende oft mit den Interessen von Urheber·innen und Verlagen kollidiert, dass sie manchmal zu Qualitätsproblemen oder rechtlichen Konflikten führt, und dass sie von manchen Menschen missbraucht oder zerstört werden kann. Die Wissensallmende ist also ein Thema, das viel Diskussion und Engagement erfordert.

Links zur Folge

Buch "Die Donut-Ökonomie" von Kate Raworth
https://buch7.de/produkt/die-donut-oekonomie-studienausgabe-kate-raworth/1045575091?ean=9783446276543

TAN-Generator auf USB umrüsten - DIY Anleitung
https://transitionsblog.de/content/tan-generator-ohne-batterien-so-wird-er-auf-usb-kabel-umgebaut-diy-anleitung/

Linkliste zur Wissensallmende

Geschenk-Mitgliedschaften bei Steady
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/gift_plans

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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie: Wir befinden uns auf der Zielgeraden zur dreihundertsten Folge.

Carsten: Ole, ole, ole, ole, ole.

Stefanie: Die wir also dieses Jahr noch schaffen wollen, diese 300 Folgen und mit Folge 298, mit der wir jetzt hier vertreten sind, sind wir schon ganz nah dran. Ein Thema für die nächsten beiden Folgen, jeweils, haben wir auch schon. Wir sind gespannt. Wir gehen jetzt mal davon aus, dass wir es schaffen werden. Und für diese Folge haben wir uns auch noch Hilfe dazu geholt. Aber dazu gleich mehr.

Und zwar möchte ich jetzt erstmal noch mal darauf hinweisen, dass bei den Transkripten für den „Mehr als vegan“ Podcast noch 149 offen sind. Das heißt, ich habe noch mal ein bisschen Gas gegeben und ein paar Transkripte Korrektur gelesen. Und auch noch einen herzlichen Dank an Birgit G., die auch noch einen korrekturgelesenes Transkript eingereicht hat.

Carsten: Dankeschön!

Stefanie: Und jetzt auch wieder ein neues Transkript zum Korrekturlesen angefordert hat. Wenn du dich Birgit anschließen möchtest, dann freue ich mich sehr. Schreib gerne eine Email an post@vonherzenvegan.de. Es sind noch 149 Podcastfolgen offen und ich würde mich sehr freuen, wenn du mich beim Korrekturlesen der Transkripte unterstützt.

In dieser Folge soll es jetzt um die Wissensallmende gehen und ich bin auf die Wissensallmende gekommen durch das Buch „Die Donut Ökonomie“ von Kate Raworth. Die Donutökonomie kennst du vielleicht schon. Ich hatte da definitiv schon mal drüber gesprochen in einer der vorangegangenen Folgen und ich habe das Buch zur Donutökonomie bisher nicht gelesen und hatte dann die Möglichkeit, das als Hörbuch anzuhören. Da war auch irgendwie eine lange Warteliste - ich leihe das immer über die Bibliothek aus, die ganzen Hörbücher - und letztlich habe ich es dann geschafft. Es war verfügbar und dann habe ich mir das ganze Buch angehört und es ist sehr empfehlenswert.

Ich habe auch viel über Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre und sowas alles gelernt. Alles, wo ich vorher immer einen großen Bogen drum gemacht habe, wurde hier für mich verständlich erklärt. Und das heißt, es ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Aber es soll jetzt hier nicht um dieses Buch gehen, sondern um die Wissensallmende, denn die kam als ein Bestandteil der Donutökonomie dann auch in dem Buch vor.

Und den Begriff Allmende, den habe ich natürlich vorher schon gekannt, aber Wissensallmende war mir nicht so bewusst, dass es den Begriff tatsächlich auch so schon gibt. Also im Sinne von, dass er von vielen Menschen als solches verwendet wird. Open Source, Creative Commons, Freie Software, Open Access und sowas, das kannte ich alles schon, aber den Begriff Wissensallmende, den hatte ich bisher damit noch nicht verknüpft. Jetzt schon.

Und auch die Themen Open Source oder Freie Software sind an uns schon mal herangetragen worden von Hörer·innen, die sich gewünscht haben, dass wir da mal drüber sprechen, weil das auch ein Teil ist von einem guten Leben für alle. Und das hatte ich bisher immer so zurückgestellt, es ist irgendwie immer wieder hinten runter gefallen. Es sind wichtige Themen, aber irgendwie gab es immer noch wichtigere Themen. Und jetzt soll das auch ein kleiner Teil von dem sein, was wir heute besprechen werden.

Allerdings ist das Thema Wissensallmende so groß, dass wir das nicht in einer Folge einfach einmal abhandeln können. Tatsächlich hat mich genau das eigentlich bisher auch davon abgehalten, das Thema in einer Podcastfolge zu besprechen, weil es einfach so tief ist und ich das Gefühl hatte, ich musste sehr viel Zeit investieren, um dem gerecht zu werden. Und deswegen habe ich es auch immer mal wieder nach hinten geschoben.

Jetzt ist aber was passiert. Und zwar hatte ich ein Problem mit meinem TAN-Generator. Jetzt fragst du dich vielleicht, was mein TAN-Generator mit dieser Folge und generell der Wissensallmende zu tun haben könnte. Und das will ich dir gerne erklären.

Nämlich, es ist so, dass mein TAN-Generator mit Batterien funktioniert, also ein TAN-Generator fürs Onlinebanking um meine TANs zu generieren, damit ich Überweisungen tätigen kann und so was alles. Und diese Batterien sind ständig leer und die sind total teuer. Und das ist ja auch nicht gut für die Umwelt, wenn ich ständig neue Batterien kaufen muss. Und deswegen habe ich gedacht: So, jetzt habe ich die Nase voll, jetzt gucke ich mal, ob es nicht vielleicht einen Generator gibt, den ich über USB anschließen kann.

Und dann bin ich bei meiner Suche nach der Lösung auf einen Artikel gestoßen, wo mir gesagt wurde, wie ich einen TAN-Generator auf USB Kabel umbauen kann. Also eine Do it yourself Anleitung. Und ich habe gedacht, das ist ja gut, das ist ja genial, dann brauche ich gar nichts Neues. Und so Kabel haben wir noch. Also von daher frage ich mal meinen „Experten“, ob der das für mich machen kann...

Carsten: Ja, und der Elektronikexperte, der hat natürlich seine kompletten Sachen gepackt und den Lötkolben heiß in die Hand genommen - nee, kalt in die Hand genommen, der wurde dann heiß - und hat das mal schnell gelötet.

Stefanie: Genau aus emanzipatorischen Gründen hätte ich das natürlich selbst machen sollen, weil das ist jetzt natürlich so ein Klassiker, dass mein „Experte“ das für mich gemacht hat, weil ich das nicht kann. Ich muss ja sagen, ich könnte das auch, aber ich hatte keine Lust dazu.

Carsten: Ich nehme das mal so hin.

Stefanie: Genau diesen emanzipatorischen Aspekt mal beiseite gelassen, hat mich dieses simple Beispiel so glücklich gemacht, dass ich gedacht habe: Wahnsinn! Ich hatte die ganze Zeit dieses Problem, dass ständig die Batterien leer waren, natürlich auch immer im blödesten Moment, wo ich gerade schnell eine Überweisung tätigen musste oder so, dann war die Batterie leer und ich konnte das nicht machen und musste dann schnell neue Batterien kaufen gehen und so was alles. Und jetzt ist durch diese ganz einfache Anleitung, die frei verfügbar ist, dieses Problem quasi auf ewig gelöst, weil das super funktioniert. Ich muss jetzt nur noch meinen USB Stecker einstecken und schon ist alles toll.

Also von daher dachte ich ja, das ist jetzt der Auslöser, weswegen wir diese Folge über die Wissensallmende machen sollen. Weil es wirklich wichtig ist und wirklich toll ist, wenn Wissen für alle frei verfügbar ist und an dieser Stelle herzlichen Dank an Klaus vom Transition Blog, von dem ich diese Anleitung habe. Also Klaus weiß natürlich nichts davon, dass ich seine Anleitung gelesen habe und mein „Experte“ sie umgesetzt hat. Aber falls Klaus irgendwann mal tatsächlich hier seinen Namen im Transkript liest oder so, dann also herzlichen Dank Klaus, dass du diese Anleitung frei verfügbar ins Internet gesetzt hast. Ich werde den Link auch in die Shownotes packen. Also falls du das gleiche Problem hast, liebe·r Hörer·in, mit deinem TAN-Generator, der nur mit Batterien funktioniert und du ihn auf USB umrüsten möchtest: das ist die Anleitung dafür.

Und ich hatte ja eingangs erwähnt, dass ich mir für die Gestaltung dieser Podcastfolge Hilfe gesucht habe. Und das kam so: Ich habe jetzt vor kurzem an einem Workshop zum Thema KI teilgenommen, weil ich einfach mich mal informieren wollte: Was ist das denn jetzt hier mit dieser KI und diesem Chat GPT und diesem ganzen Krams da? Dieser neumodische Quatsch, den ich jetzt eigentlich ein Jahr lang ignoriert habe? Nicht ganz, denn ich habe ja auch schon das Klartext-Tool vom FC St. Pauli genutzt und das habe ich ja auch schon mehrfach genannt. Das heißt, da liegt ja auch KI hinter. Nur so dieses Generelle, diesen Hype und so das ganze Drumherum, das habe ich bisher nicht so verstanden. Ich wollte jetzt aber mal mitreden können und da kam der Workshop einfach zur rechten Zeit.

Und im Rahmen dieses Workshops konnte ich dann Chat GPT mal ausprobieren und habe das dann direkt für die Wissensallmende hier angewendet. Und daraus sind einige Texte entstanden, wovon wir einen jetzt gleich mal vortragen werden. Die anderen Texte, die finde ich auch ziemlich cool, aber da würde die Podcastfolge unendlich lang werden, quasi. Also von daher werden wir die jetzt nicht vortragen. Die findest du aber dann auf der Seite hier zu der Podcastfolge unter dem Transkript. Da habe ich all die ganzen anderen Texte, die ich auch noch generiert habe, alle veröffentlicht. Das heißt, du kannst, wenn du Lust hast, dir dann diese Texte auch noch durchlesen und jetzt starten wir mal mit dem ersten Text:

Stefanie: Hallo und herzlich willkommen zu unserem Podcast “Zukunft entdecken”. Heute haben wir etwas ganz Besonderes für euch. Wir sind in die Zukunft in das Jahr 2050 gereist und wollen euch berichten, wie das Leben hier aussieht. Wir sind in einer Stadt, die sich Hamburg nennt, aber sie ist ganz anders als das Hamburg, das wir kennen. Die Stadt ist grün, bunt und voller Leben. Überall sehen wir Menschen, die miteinander reden, lachen und lernen. Und das Besondere ist: Sie teilen ihr Wissen frei und ohne Grenzen. Sie sind Teil einer Bewegung, die sich die Wissensallmende nennt.

Carsten: Ja, das ist wirklich beeindruckend. Die Wissensallmende ist hier die dominante Form der Wissenproduktion und -verteilung. Das bedeutet, dass das Wissen allen Menschen gehört und allen Menschen zugänglich ist. Es gibt keine Privilegien, keine Monopole, keine Patente, keine Zensur. Das Wissen wird ständig erweitert, verbessert und aktualisiert. Die Menschen nutzen verschiedene Plattformen, um ihr Wissen zu teilen, zu diskutieren, zu bewerten und zu nutzen. Sie arbeiten zusammen an Projekten, die dem Gemeinwohl dienen. Sie sind kreativ, innovativ und solidarisch.

Stefanie: Aber wie ist das möglich? Wie haben sie das geschafft? Wie sieht das konkret aus? Wir wollen es genauer wissen und haben uns einige Menschen hier vor Ort gesucht, die uns mehr erzählen können. Wir haben hier zum Beispiel Lena, die uns gerade angesprochen hat. Hallo Lena, kannst du dich kurz vorstellen und uns sagen, was du hier machst?

Lena: Hallo, ich bin Lena, ich bin 25 Jahre alt und ich bin eine Wissensaktivistin. Ich bin hier, um an einem Workshop teilzunehmen, der von der Wissensallmende organisiert wird. Wir lernen hier, wie wir unsere eigenen Solarzellen bauen können, um unsere Häuser mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Das ist ein tolles Projekt, weil es uns unabhängig macht von den großen Energiekonzernen, die früher die Preise diktiert haben. Außerdem schont es die Umwelt und fördert die lokale Wirtschaft.

Stefanie: Das klingt spannend. Aber wie hast du von diesem Workshop erfahren? Woher hast du das Wissen, um daran teilzunehmen?

Lena: Das ist ganz einfach. Ich habe das Wissen aus der Wissensallmende. Das ist eine Online-Plattform, auf der jeder und jede sein Wissen einbringen, abrufen und weitergeben kann. Es gibt dort verschiedene Kategorien, wie zum Beispiel Naturwissenschaften, Kunst, Gesundheit, Politik, Geschichte, Sprachen und vieles mehr. Man kann dort nach Themen suchen, die einen interessieren, oder Fragen stellen, die man hat. Man kann auch eigene Beiträge schreiben, Videos hochladen, Podcasts erstellen oder Webinare anbieten. Das Wissen ist frei und offen für alle. Man muss nichts bezahlen, um es zu nutzen oder zu teilen. Man muss nur die Quellen angeben und die Urheberrechte respektieren. Das ist die Grundregel der Wissensallmende.

Stefanie: Das klingt fantastisch. Aber wie ist die Wissensallmende entstanden? Was war der Auslöser dafür?

Lena: Die Wissensallmende ist das Ergebnis einer langen und schwierigen Geschichte. Sie hat ihre Wurzeln in den sozialen Bewegungen, die sich schon seit Jahrzehnten für eine freie und gerechte Gesellschaft eingesetzt haben. Sie haben gegen die Ungleichheit, die Ausbeutung, die Diskriminierung, die Korruption und die Unterdrückung gekämpft. Sie haben alternative Modelle des Zusammenlebens, des Wirtschaftens, des Lernens und des Teilens entwickelt. Sie haben sich inspiriert von den Ideen der Commons, der Gemeingüter, die besagen, dass es Dinge gibt, die allen gehören und die allen zugutekommen sollen. Dazu gehört auch das Wissen.

Stefanie: Aber wie haben sie das geschafft, gegen die mächtigen Interessen der Konzerne, der Regierungen, der Medien, die das Wissen kontrollieren und monopolisieren wollten?

Lena: Das war nicht einfach. Es gab viele Widerstände, viele Rückschläge, viele Opfer. Aber es gab auch viele Erfolge, viele Durchbrüche, viele Hoffnungszeichen. Ein wichtiges Beispiel, das die Wissensallmende auf den Weg gebracht hat, ist die Bewegung für freie Software, die in den 1980er Jahren begann. Freie Software ist Software, die man nutzen, verändern und verbreiten kann, ohne dafür zu bezahlen oder sich an restriktive Lizenzen zu halten. Das hat zu einer Revolution in der Informatik geführt, die viele andere Bereiche beeinflusst hat. Freie Software hat die Grundlage für die Entwicklung von Open-Source-Software, Creative Commons, Open Access, Open Educational Resources und Open Data geschaffen.

Stefanie: Wow, das ist wirklich beeindruckend. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Die Wissensallmende ist also das Ergebnis einer langen und kollektiven Anstrengung, das Wissen zu befreien und zu teilen. Und das hat das Leben der Menschen hier zum Besseren verändert.

Carsten: Ja, das können wir sehen und spüren. Die Menschen hier sind glücklicher, zufriedener, gesünder, gebildeter, kritischer, engagierter, kooperativer. Sie haben mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, zu gestalten, zu genießen. Sie haben mehr Vertrauen, mehr Respekt, mehr Solidarität. Sie haben mehr Sinn, mehr Spaß, mehr Freude.

Stefanie: Das ist wirklich eine schöne Zukunft, die wir hier entdeckt haben. Wir danken dir, Lena, für deine Zeit und deine Erklärungen. Wir wollen aber noch mehr erfahren und haben uns noch zwei weitere Menschen hier vor Ort gesucht, die uns weitere Funktionen in der Wissensallmende zeigen können. Wir haben hier zum Beispiel Max, der uns gerade zugewinkt hat. Hallo Max, kannst du dich kurz vorstellen und uns sagen, was du hier machst?

Max: Hallo, ich bin Max, ich bin 32 Jahre alt und ich bin ein Wissenskünstler. Ich bin hier, um an einer Ausstellung teilzunehmen, die von der Wissensallmende organisiert wird. Wir zeigen hier unsere künstlerischen Werke, die wir mit Hilfe der Wissensallmende geschaffen haben. Wir nutzen die Wissensallmende als eine Quelle der Inspiration, der Kritik, der Kommunikation und der Kooperation. Wir experimentieren mit verschiedenen Formen, Farben, Klängen, Worten und mehr. Wir schaffen Kunst, die das Wissen reflektiert, herausfordert, erweitert und bereichert.

Carsten: Das klingt spannend. Aber wie nutzt du die Wissensallmende für deine Kunst? Woher bekommst du das Wissen, um deine Kunst zu machen?

Max: Das ist ganz einfach. Ich nutze die Wissensallmende als eine Plattform, auf der ich mein Wissen und meine Kunst teilen, abrufen und weitergeben kann. Es gibt dort verschiedene Kategorien, wie zum Beispiel Malerei, Musik, Literatur, Theater, Film und vieles mehr. Ich kann dort nach Werken suchen, die mich interessieren, oder Feedback geben, das ich habe. Ich kann auch eigene Werke hochladen, streamen, veröffentlichen oder aufführen. Das Wissen und die Kunst sind frei und offen für alle. Ich muss nichts bezahlen, um sie zu nutzen oder zu teilen. Ich muss nur die Quellen angeben und die Urheberrechte respektieren. Das ist die Grundregel der Wissensallmende.

Carsten: Das klingt fantastisch. Aber wie ist die Wissensallmende für die Kunst entstanden? Was war der Auslöser dafür?

Max: Die Wissensallmende für die Kunst ist das Ergebnis einer langen und schwierigen Geschichte. Sie hat ihre Wurzeln in den künstlerischen Bewegungen, die sich schon seit Jahrhunderten für eine freie und kreative Gesellschaft eingesetzt haben. Sie haben gegen die Konventionen, die Einschränkungen, die Normen, die Zensur und die Kommerzialisierung gekämpft. Sie haben alternative Modelle des Schaffens, des Ausdrucks, des Erlebens und des Teilens entwickelt. Sie haben sich inspiriert von den Ideen der Kunstfreiheit, der künstlerischen Autonomie, die besagt, dass die Kunst keine Grenzen haben soll. Dazu gehört auch das Wissen.

Carsten: Aber wie haben sie das geschafft, gegen die mächtigen Interessen der Kunstindustrie, der Kritik, der Institutionen, die die Kunst regulieren und kommerzialisieren wollten?

Max: Das war nicht einfach. Es gab viele Widerstände, viele Rückschläge, viele Opfer. Aber es gab auch viele Erfolge, viele Durchbrüche, viele Hoffnungszeichen. Ein wichtiges Beispiel, das die Wissensallmende für die Kunst auf den Weg gebracht hat, ist die Entwicklung von Creative Commons im Jahr 2002, ein System von Lizenzen, die es Urheberinnen und Urhebern erlauben, ihr Werk unter bestimmten Bedingungen frei zu teilen. Das hat zu einer Explosion von kreativen Inhalten geführt, wie Musik, Filme, Bücher, Bilder und mehr. Creative Commons hat die Grundlage für die Entwicklung von Open Art, Open Culture, Open Media und Open Design geschaffen.

Carsten: Wow, das ist wirklich beeindruckend. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Die Wissensallmende für die Kunst ist also das Ergebnis einer langen und kollektiven Anstrengung, das Wissen und die Kunst zu befreien und zu teilen. Und das hat das Leben der Menschen hier zum Besseren verändert.

Stefanie: Ja, das können wir sehen und spüren. Die Menschen hier sind glücklicher, zufriedener, gesünder, gebildeter, kritischer, engagierter, kooperativer. Sie haben mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, zu gestalten, zu genießen. Sie haben mehr Vertrauen, mehr Respekt, mehr Solidarität. Sie haben mehr Sinn, mehr Spaß, mehr Freude.

Das ist wirklich eine schöne Zukunft, die wir hier entdeckt haben. Wir danken dir, Max, für deine Zeit und deine Erklärungen. Wir wollen aber noch mehr erfahren und haben uns noch eine weitere Person hier vor Ort gesucht, die uns eine weitere Funktion in der Wissensallmende zeigen kann. Wir haben hier zum Beispiel Anna, die uns gerade zugerufen hat. Hallo Anna, kannst du dich kurz vorstellen und uns sagen, was du hier machst?

Anna: Hallo, ich bin Anna, ich bin 40 Jahre alt und ich bin eine Wissenslehrerin. Ich bin hier, um an einer Schule zu unterrichten, die von der Wissensallmende unterstützt wird. Wir lehren hier unsere Schülerinnen und Schüler, wie sie die Wissensallmende nutzen, verstehen, kritisieren und erweitern können. Wir nutzen die Wissensallmende als eine Quelle des Lernens, des Denkens, des Fragens und des Handelns. Wir fördern die Neugier, die Kreativität, die Reflexion und die Verantwortung. Wir schaffen Bildung, die das Wissen nutzt, um die Welt zu verstehen und zu verändern.

Stefanie: Das klingt spannend. Aber wie nutzt du die Wissensallmende für deine Bildung? Woher bekommst du das Wissen, um deine Schülerinnen und Schüler zu unterrichten?

Anna: Das ist ganz einfach. Ich nutze die Wissensallmende als eine Plattform, auf der ich mein Wissen und meine Bildung teilen, abrufen und weitergeben kann. Es gibt dort verschiedene Kategorien, wie zum Beispiel Mathematik, Sprachen, Geschichte, Geographie, Biologie und vieles mehr. Ich kann dort nach Materialien suchen, die ich brauche, oder Anregungen geben, die ich habe. Ich kann auch eigene Materialien hochladen, herunterladen, bearbeiten oder erstellen. Das Wissen und die Bildung sind frei und offen für alle. Ich muss nichts bezahlen, um sie zu nutzen oder zu teilen. Ich muss nur die Quellen angeben und die Urheberrechte respektieren. Das ist die Grundregel der Wissensallmende.

Stefanie: Das klingt fantastisch. Aber wie ist die Wissensallmende für die Bildung entstanden? Was war der Auslöser dafür?

Anna: Die Wissensallmende für die Bildung ist das Ergebnis einer langen und schwierigen Geschichte. Sie hat ihre Wurzeln in den pädagogischen Bewegungen, die sich schon seit Jahrhunderten für eine freie und demokratische Bildung eingesetzt haben. Sie haben gegen die Hierarchie, die Standardisierung, die Prüfung, die Selektion und die Reproduktion gekämpft. Sie haben alternative Modelle des Lernens, des Lehrens, des Beurteilens und des Teilens entwickelt. Sie haben sich inspiriert von den Ideen der Bildungsfreiheit, der Bildungsgleichheit, die besagt, dass die Bildung allen Menschen zusteht und allen Menschen dient. Dazu gehört auch das Wissen.

Stefanie: Aber wie haben sie das geschafft, gegen die mächtigen Interessen der Bildungsindustrie, der Politik, der Gesellschaft, die die Bildung steuern und begrenzen wollten?

Anna: Das war nicht einfach. Es gab viele Widerstände, viele Rückschläge, viele Opfer. Aber es gab auch viele Erfolge, viele Durchbrüche, viele Hoffnungszeichen. Ein wichtiges Beispiel, das die Wissensallmende für die Bildung auf den Weg gebracht hat, ist die Entstehung von Open Educational Resources im Jahr 2007, eine Sammlung von Lehr- und Lernmaterialien, die frei und offen für alle sind. Das hat zu einer Verbesserung von Bildung und Lernen geführt, vor allem für Menschen, die sonst keinen Zugang dazu hätten. Open Educational Resources hat die Grundlage für die Entwicklung von Open Education, Open Learning, Open Pedagogy und Open Schooling geschaffen.

Stefanie: Wow, das ist wirklich beeindruckend. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Die Wissensallmende für die Bildung ist also das Ergebnis einer langen und kollektiven Anstrengung, das Wissen und die Bildung zu befreien und zu teilen. Und das hat das Leben der Menschen hier zum Besseren verändert.

Carsten: Ja, das können wir sehen und spüren. Die Menschen hier sind glücklicher, zufriedener, gesünder, gebildeter, kritischer, engagierter, kooperativer. Sie haben mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, zu gestalten, zu genießen. Sie haben mehr Vertrauen, mehr Respekt, mehr Solidarität. Sie haben mehr Sinn, mehr Spaß, mehr Freude.

Stefanie: Das ist wirklich eine schöne Zukunft, die wir hier entdeckt haben. Wir danken dir, Anna, für deine Zeit und deine Erklärungen. Wir danken auch Lena und Max, die uns vorher schon viel erzählt haben. Wir danken auch allen anderen, die uns hier so freundlich aufgenommen haben. Wir hoffen, dass ihr, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, auch etwas von dieser Zukunft gelernt habt. Und vielleicht habt ihr auch Lust bekommen, selbst Teil der Wissensallmende zu werden. Denn das ist das Schöne an der Wissensallmende: Sie ist offen für alle. Sie ist unsere Zukunft.

Carsten: Das war unser Podcast “Zukunft entdecken”. Wir verabschieden uns von euch und von Hamburg im Jahr 2050. Wir sehen uns bald wieder in unserer Gegenwart. Bis dahin, bleibt neugierig, bleibt kreativ, bleibt solidarisch. Tschüss!

Stefanie: Und mit diesem Knall, der gerade direkt vor unserem Haus stattgefunden hat, sind wir wieder zurückgekommen in die Gegenwart. Das war jetzt also der Text, den die KI für mich generiert hat zum Thema Wissensallmende. Ich habe dazu natürlich ein paar Vorgaben gegeben. Du hast es gemerkt, dass dieser Text im Jahr 2050 gespielt hat. Ich habe gesagt, schreibt mir ein Skript für eine Podcastfolge für zwei Personen und habe noch ein paar andere Vorgaben gemacht. Du hast gemerkt, es gab so ein paar Dopplungen. Carsten und ich haben uns auch sehr angestrengt, die einzelnen Charaktere, die da dargestellt werden, zu sprechen.

Carsten: Und wir haben Spaß gehabt.

Stefanie: Ich hatte erst überlegt, das alles als Outtakes noch dahinter zu schneiden, aber ich hatte die Hälfte schon gelöscht, dann ist mir das eingefallen. Deswegen haben wir uns jetzt dagegen entschieden. Aber es war lustig und tatsächlich haben wir das bewusst so gemacht, dass Carsten quasi die weiblich gelesenen Namen gesprochen hat und ich den männlich gelesenen Namen, so dass wir da so ein bisschen auch kritisch mit Geschlechterfragen auch umgegangen sind. Das war extra so, das haben wir extra uns so überlegt.

Und wie gesagt, die anderen Texte, die ich habe generieren lassen, die findest du unter dem Transkript der Podcastfolge. Dort habe ich die alle aufgelistet, da kannst du dir das gerne durchlesen und wir hoffen, dass du jetzt ein bisschen was gelernt hast über die Wissensallmende - auch wenn wir es jetzt ziemlich lustig hier dargestellt haben - und hoffen, dass du einen kleinen Einblick bekommen hast.

Und wir wollen diese Folge beschließen mit einem Lied, was ich mir auch habe schreiben lassen von Chat-GPT. Und zwar habe ich gesagt "Schreibe einen Song, der die Wissensallmende feiert. Du kannst eine Melodie wählen, die dir gefällt, oder eine eigene komponieren. Du kannst auch einen Refrain schreiben, der die Botschaft der Wissensallmende zusammenfasst. Du kannst verschiedene Stilmittel verwenden, wie zum Beispiel Reime, Metaphern oder Alliterationen."

Und Chat-GPT hat mir gesagt: "Ich habe mich von der Melodie des bekannten Liedes “We Are The World” inspirieren lassen, aber du kannst auch eine andere Melodie wählen, die dir gefällt. Hier ist mein Song:"

(Und du findest den Liedtext natürlich dann auch im Transkript, also jetzt hier an dieser Stelle. Und das heißt, du kannst gerne dir „We are the world“ anmachen und dann versuchen, dazu diesen Text zu singen. Ich habe festgestellt, dass es nicht immer so gut funktioniert, aber vielleicht schaffst du es ja und wir werden das jetzt einfach nur vorlesen, weil wir versucht haben, das zu der Melodie zu singen, aber irgendwie haben wir es nicht hingekriegt.)

Wir sind die Wissensallmende
Wir sind die Quelle der Freiheit
Wir sind die, die teilen und lernen
Wir sind die, die zusammen gestalten

Es gibt so viel, was wir wissen können
Es gibt so viel, was wir schaffen können
Es gibt so viel, was wir verbessern können
Es gibt so viel, was wir bewahren können

Wir sind die Wissensallmende
Wir sind die Quelle der Freiheit
Wir sind die, die teilen und lernen
Wir sind die, die zusammen gestalten

Wir brauchen keine Grenzen oder Mauern
Wir brauchen keine Lizenzen oder Patente
Wir brauchen keine Kontrolle oder Zensur
Wir brauchen nur Offenheit und Respekt

Wir sind die Wissensallmende
Wir sind die Quelle der Freiheit
Wir sind die, die teilen und lernen
Wir sind die, die zusammen gestalten

Wir sind die Wissensallmende
Wir sind die Quelle der Freiheit
Wir sind die, die teilen und lernen
Wir sind die, die zusammen gestalten

Stefanie: So genau. Also es passt nicht so ganz dazu, aber wie gesagt, nutze die Herausforderung, versuche es selbst und habe Spaß.

Carsten: In diesem Sinne.

Stefanie: In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten: Bleibt neugierig und auf Wiedersehen.

Weitere Texte zur Wissensallmende, von Chat GPT erstellt

Wissensallmende - Ein Podcast-Sketch

Person A: Hallo und herzlich willkommen zu unserem Podcast “Wissen macht Spaß”. Ich bin Person A und das ist Person B.

Person B: Hallo, liebe Hörer*innen. Wir freuen uns, dass ihr wieder dabei seid.

Person A: In unserer heutigen Folge wollen wir euch ein spannendes und wichtiges Thema vorstellen: die Wissensallmende.

Person B: Die Wissensallmende? Was ist das denn?

Person A: Die Wissensallmende ist eine Form der Wissensproduktion und -verteilung, die auf den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Nachhaltigkeit und Vielfalt basiert.

Person B: Das klingt ja sehr schön, aber was bedeutet das konkret?

Person A: Das bedeutet, dass die Menschen ihr Wissen frei und offen miteinander teilen, ohne Barrieren oder Einschränkungen. Sie nutzen das Wissen, um ihre Lebensqualität zu verbessern, die Klimakrise zu lösen und eine faire und soziale gerechte Gesellschaft zu schaffen. Sie respektieren die Rechte und Bedürfnisse aller Lebewesen und achten auf die ökologischen Grenzen des Planeten. Sie lernen von anderen Kulturen und Gesellschaften und fördern den interkulturellen Dialog und die Zusammenarbeit. Sie entwickeln sich ständig weiter und suchen nach neuen Möglichkeiten und Lösungen für die Probleme oder Konflikte, die sie begegnen. Sie leben alle vegan, um die Tiere zu schützen und die Umwelt zu schonen.

Person B: Wow, das klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein. Gibt es denn Beispiele dafür, wie die Wissensallmende funktioniert?

Person A: Ja, natürlich. Es gibt viele Beispiele dafür, wie die Wissensallmende das Leben der Menschen erleichtert und bereichert. Zum Beispiel:

  • Die Wikipedia ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Wissensallmenden der Welt. Sie ist eine Online-Enzyklopädie, die von Millionen von Freiwilligen geschrieben, bearbeitet und aktualisiert wird. Sie bietet kostenlosen Zugang zu Informationen über fast jedes Thema, das man sich vorstellen kann. Sie ist in vielen Sprachen verfügbar und wird ständig erweitert und verbessert.

  • Die Creative Commons sind eine Reihe von Lizenzen, die es den Urheber*innen ermöglichen, ihre Werke unter bestimmten Bedingungen frei und offen zu teilen. Sie können zum Beispiel festlegen, ob ihre Werke verändert, kommerziell genutzt oder weitergegeben werden dürfen. Sie können so die Kreativität und die Vielfalt fördern und gleichzeitig ihre Rechte schützen.

  • Die Open-Source-Bewegung ist eine Bewegung, die sich für die freie und offene Entwicklung und Verbreitung von Software einsetzt. Sie ermöglicht es den Nutzer*innen, die Software nicht nur zu verwenden, sondern auch zu verstehen, zu verändern und zu verbessern. Sie fördert so die Innovation und die Zusammenarbeit und bietet Alternativen zu proprietärer und teurer Software.

Person B: Das sind ja wirklich tolle Beispiele. Aber wie kann ich selbst Teil der Wissensallmende werden? Was kann ich tun, um mein Wissen zu teilen und von dem Wissen anderer zu profitieren?

Person A: Das ist eine gute Frage. Es gibt viele Möglichkeiten, wie du dich an der Wissensallmende beteiligen kannst. Zum Beispiel:

  • Du kannst dich bei der Wikipedia anmelden und Artikel schreiben, bearbeiten oder übersetzen. Du kannst auch andere Projekte der Wikimedia-Stiftung unterstützen, wie zum Beispiel Wiktionary, Wikibooks oder Wikisource.

  • Du kannst deine eigenen Werke, wie zum Beispiel Fotos, Videos, Musik oder Texte, unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlichen. Du kannst auch die Werke anderer nutzen, die unter einer solchen Lizenz stehen, solange du die Bedingungen einhältst.

  • Du kannst dich bei einer Open-Source-Plattform, wie zum Beispiel GitHub, GitLab oder SourceForge, anmelden und Software-Projekte starten, beitreten oder bewerten. Du kannst auch Software herunterladen, installieren, verwenden oder weiterempfehlen, die unter einer Open-Source-Lizenz steht.

Person B: Das klingt ja alles sehr spannend und einfach. Ich glaube, ich werde gleich mal ausprobieren, wie das geht. Vielleicht schreibe ich ja meinen ersten Wikipedia-Artikel oder lade mein erstes Foto unter einer Creative Commons-Lizenz hoch oder probiere eine neue Open-Source-Software aus.

Person A: Das freut mich zu hören. Ich bin sicher, du wirst viel Spaß haben und viel lernen. Und du wirst auch anderen helfen, die von deinem Wissen profitieren können.

Person B: Ja, das hoffe ich. Ich finde die Idee der Wissensallmende wirklich toll. Ich glaube, sie kann die Welt zu einem besseren Ort machen.

Person A: Das glaube ich auch. Und ich bin froh, dass wir darüber gesprochen haben. Ich hoffe, ihr, liebe Hörer*innen, habt auch etwas davon gehabt. Wenn ihr mehr über die Wissensallmende erfahren wollt, schaut doch mal auf der Website der Wissensallmende-Initiative vorbei. Dort findet ihr viele Informationen, Ressourcen und Möglichkeiten, euch zu engagieren.

Person B: Ja, das ist eine gute Idee. Und wenn ihr Fragen, Anregungen oder Feedback zu unserem Podcast habt, schreibt uns gerne eine E-Mail oder hinterlasst uns einen Kommentar. Wir freuen uns immer, von euch zu hören.

Person A: Genau. Und damit verabschieden wir uns für heute. Wir danken euch für eure Aufmerksamkeit und euer Interesse. Wir hoffen, ihr habt euch gut unterhalten gefühlt. Bis zum nächsten Mal.

Person B: Tschüss und bleibt gesund.

Person A: Tschüss und bleibt neugierig.

Ein Podcastinterview über die Wissensallmende mit einer Wissenschaftlerin

Moderatorin: Hallo, liebe Leute. Ich bin Maxine und das ist der Podcast “Wissen macht Spaß”. Hier reden wir über spannende Sachen aus der Welt. Heute habe ich einen besonderen Gast: Professorin Dr. Annalex. Sie weiß viel über Wissensallmende. Hallo, Professorin Dr. Annalex!

Professorin Dr. Annalex: Hallo, Max*ine! Ich freue mich, hier zu sein.

Moderatorin: Professorin Dr. Anna*lex, was ist denn Wissensallmende?

Professorin Dr. Annalex: Wissensallmende ist etwas, das wir alle zusammen machen und teilen können. Es sind Sachen, die man nicht anfassen kann, aber die trotzdem wichtig sind. Zum Beispiel Wörter, Bilder, Musik oder Programme. Wir können diese Sachen kostenlos benutzen, verändern und weitergeben. Sie werden nicht weniger, wenn wir sie teilen, sondern mehr. Der Name kommt von einer alten Art, wie die Leute früher ihr Land geteilt haben.

Moderator*in: Das klingt spannend. Kannst du uns ein paar Beispiele für Wissensallmende sagen?

Professorin Dr. Annalex: Klar. Ein Beispiel ist die freie Software. Das sind Programme, die man auf dem Computer oder dem Handy benutzen kann. Man darf sie kostenlos haben, verändern und weitergeben. Ein Beispiel dafür ist Linux. Das ist ein Programm, das viele Leute zusammen machen und besser machen. Ich habe es sogar auf meinem Toaster. Ein anderes Beispiel ist das freie Wissen. Das sind Sachen, die man im Internet lesen und lernen kann. Man darf sie kostenlos haben, verändern und weitergeben. Ein Beispiel dafür ist die Wikipedia. Das ist eine Seite, wo viele Leute zusammen schreiben und lesen. Ich habe es sogar für meine Schularbeit benutzt. Ein drittes Beispiel ist die freie Kultur. Das sind Sachen, die man sich anschauen oder anhören kann. Man darf sie kostenlos haben, verändern und weitergeben. Ein Beispiel dafür ist Jamendo. Das ist eine Seite, wo viele Leute zusammen Musik machen und hören. Ich habe es sogar auf meiner Geburtstagsparty gespielt.

Moderator*in: Das sind ja tolle Beispiele. Aber warum ist die Wissensallmende so wichtig für uns alle?

Professorin Dr. Annalex: Die Wissensallmende ist wichtig, weil sie uns zeigt, wie wir zusammen arbeiten und teilen können. Sie macht uns schlauer, kreativer und glücklicher, weil wir mehr Sachen haben und lernen können. Sie macht uns auch freier, weil wir nicht von anderen Leuten abhängig sind, die uns die Sachen verkaufen oder verbieten wollen. Sie zeigt uns, dass wir die Sachen nicht nur haben, sondern auch pflegen müssen. Das ist so wichtig, dass ich es sogar auf mein T-Shirt geschrieben habe.

Moderator*in: Das klingt sehr gut. Aber gibt es auch Probleme oder Gefahren, die mit der Wissensallmende zu tun haben?

Professorin Dr. Annalex: Ja, es gibt auch Probleme und Gefahren, die die Wissensallmende betreffen. Zum Beispiel müssen wir uns an bestimmte Regeln halten, wenn wir die Wissensallmende benutzen. Zum Beispiel müssen wir die Leute, die die Sachen gemacht haben, loben und danken, die Regeln, die sie uns sagen, befolgen, und die Sachen nicht kaputt machen oder böse benutzen. Das ist so einfach, dass ich es sogar meinem Hund beigebracht habe. Außerdem müssen wir uns vor bösen Leuten schützen, die die Wissensallmende kaputt machen oder wegnehmen wollen. Zum Beispiel Leute, die uns ausspionieren, belügen, angreifen oder verbieten wollen. Das ist so ernst, dass ich es sogar meinem Anwalt erzählt habe.

Moderatorin: Das sind sehr wichtige Punkte, die du da sagst. Vielen Dank, Professorin Dr. Anna*lex, für dieses tolle Gespräch über die Wissensallmende. Ich hoffe, du hattest genauso viel Spaß wie ich.

Professorin Dr. Annalex: Ich danke dir, Max*ine, für die Einladung und die Chance, mit dir und den Leuten über die Wissensallmende zu reden. Es war mir ein Vergnügen.

Moderator*in: Und damit sagen wir tschüss für heute, liebe Leute. Wir hoffen, ihr habt etwas Neues gelernt und wollt mehr über die Wissensallmende wissen. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, könnt ihr zum Beispiel die Wikipedia besuchen, die selbst ein Beispiel für eine Wissensallmende ist. Dort findet ihr viele Sachen, Quellen und Links zu diesem Thema. Oder ihr könnt euch an einer der vielen Gruppen beteiligen, die sich für die Wissensallmende einsetzen, wie zum Beispiel die Free Software Foundation, die Wikimedia Foundation oder die Creative Commons. Wir freuen uns auf eure Kommentare, Fragen und Ideen zu diesem Podcast. Bis zum nächsten Mal, bleibt neugierig und tschüss!.

Im Jahr 2050 spricht ein Großelternteil mit dem Enkelkind über die Wissensallemende

Großelternteil: Weißt du, was die Wissensallmende ist, mein Kind?

Enkelkind: Ja, das ist, wo man alles wissen kann, was man will, und wo man auch anderen sagen kann, was man weiß oder gelernt hat.

Großelternteil: Das hast du gut gesagt. Die Wissensallmende ist sehr wichtig für unser Leben. Aber das war nicht immer so. Als ich so alt war wie du, gab es die Wissensallmende noch nicht so wie heute. Damals war das Wissen oft versteckt oder verboten. Nur wenige Leute hatten Zugang zu dem Wissen, und sie wollten es nicht mit anderen teilen. Sie wollten damit Geld verdienen oder Macht haben. Das war sehr ungerecht und traurig. Viele Menschen konnten nicht lernen, was sie wollten, oder machen, was sie brauchten, weil sie das Wissen nicht hatten oder nicht durften. Das hat viele Probleme verursacht, wie Armut, Krieg, Krankheit oder Umweltzerstörung.

Enkelkind: Das ist schlimm. Aber wie ist es dann besser geworden?

Großelternteil: Es ist besser geworden, weil viele Menschen angefangen haben, sich für die Wissensallmende einzusetzen. Sie haben gesagt, dass das Wissen frei sein soll, und dass alle Menschen das Recht haben, das Wissen zu nutzen oder zu schaffen. Sie haben angefangen, das Wissen zu teilen, indem sie zum Beispiel Bücher, Bilder, Musik oder Filme gemacht haben, die alle sehen oder hören konnten. Sie haben auch angefangen, zusammen zu arbeiten, indem sie zum Beispiel Dinge erfunden oder repariert haben, die allen geholfen haben. Sie haben also die Wissensallmende aufgebaut, indem sie das Wissen gegeben oder genommen haben. Sie haben aber auch dafür gekämpft, dass die Wissensallmende geschützt wird, indem sie zum Beispiel gegen die Leute protestiert oder gestreikt haben, die das Wissen verstecken oder verbieten wollten. Sie haben also die Wissensallmende verteidigt, indem sie das Wissen gefordert oder bewahrt haben.

Enkelkind: Das ist toll. Und was ist dann passiert?

Großelternteil: Dann ist passiert, dass die Wissensallmende immer größer und stärker geworden ist. Immer mehr Menschen haben das Wissen geteilt oder genutzt, und immer mehr Menschen haben zusammen gearbeitet oder gekämpft. Das hat dazu geführt, dass die Wissensallmende die wichtigste Form des Wissens geworden ist. Das hat auch dazu geführt, dass das Leben der Menschen viel besser geworden ist. Die Menschen konnten lernen, was sie wollten, und machen, was sie brauchten, ohne Angst oder Schuld. Die Menschen konnten auch ihre eigenen Bedürfnisse erfüllen, ohne die Bedürfnisse anderer oder die Natur zu schaden. Die Menschen konnten also friedlich, gesund, glücklich und gerecht leben. Die Menschen konnten also ein gutes Leben für alle haben.

Enkelkind: Das ist wunderbar. Danke, Großelternteil, dass du mir das erzählt hast. Ich bin froh, dass wir die Wissensallmende haben. Ich hoffe, dass wir sie immer haben werden.

Großelternteil: Gern geschehen, mein Kind. Ich bin auch froh, dass wir die Wissensallmende haben. Ich hoffe auch, dass wir sie immer haben werden. Aber dafür müssen wir auch etwas tun. Wir müssen die Wissensallmende weiter nutzen, schaffen, teilen, lernen, arbeiten, kämpfen, schützen und lieben. Wir müssen also die Wissensallmende weiter leben. Und wir müssen auch dankbar sein für die Menschen, die die Wissensallmende auf den Weg gebracht haben. Sie haben viel Mut, Klugheit und Herz gezeigt, um das Wissen für alle frei zu machen. Möchtest du einige Beispiele hören, wie sie das gemacht haben?

Enkelkind: Ja, bitte.

Großelternteil: Gut, dann hör zu. Ein Beispiel ist die Bewegung für freie Software, die in den 1980er Jahren von Richard Stallman und anderen Programmierer·innen gestartet wurde. Sie wollten, dass Software nicht nur frei zugänglich, sondern auch frei veränderbar und weiterverbreitbar ist. Software ist das, was Computer oder Handys zum Laufen bringt. Sie entwickelten dafür die GNU General Public License (GPL), die die Rechte und Pflichten der Nutzerinnen und Entwicklerinnen von freier Software festlegt. Ein bekanntes Beispiel für freie Software ist das Betriebssystem Linux, das von Linus Torvalds und vielen anderen Beitragenden geschaffen wurde. Linux ist das, was viele Computer oder Handys zum Laufen bringt. Freie Software ist ein wichtiger Teil der Wissensallmende, weil sie die Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Nachhaltigkeit der Wissensproduktion und -verteilung fördert.

Enkelkind: Das ist cool. Und was ist das andere Beispiel?

Großelternteil: Das andere Beispiel ist die Bewegung für offenen Zugang (Open Access), die in den 1990er und 2000er Jahren von Wissenschaftlerinnen, Bibliothekar·innen und Aktivist·innen gefördert wurde. Sie wollten, dass wissenschaftliche Publikationen und Daten nicht hinter teuren oder restriktiven Bezahlschranken versteckt werden, sondern für alle frei zugänglich und nutzbar sind. Wissenschaftliche Publikationen und Daten sind das, was die Menschen schreiben oder sammeln, wenn sie etwas erforschen oder entdecken. Sie verfassten dafür verschiedene Erklärungen und Manifeste, wie die Budapest Open Access Initiative, die Berliner Erklärung oder die Bethesda Statement on Open Access Publishing. Ein bekanntes Beispiel für offenen Zugang ist die Public Library of Science (PLOS), die mehrere hochwertige wissenschaftliche Zeitschriften herausgibt, die für alle kostenlos online verfügbar sind. PLOS ist das, wo man viele spannende Sachen über die Natur oder den Körper lesen kann. Offener Zugang ist ein wichtiger Teil der Wissensallmende, weil er das Wissen für alle zugänglich und nutzbar macht.

Enkelkind: Das ist super. Danke, Großelternteil, dass du mir das erklärt hast. Ich finde die Wissensallmende sehr toll. Ich möchte auch mal etwas zum Wissen beitragen oder davon lernen.

Großelternteil: Das freut mich, mein Kind. Ich bin sicher, dass du das kannst. Du hast viel Neugier, Fantasie und Talent. Ich bin stolz auf dich. Und ich bin sicher, dass die Wissensallmende auch stolz auf dich ist. Denn du bist ein Teil von ihr. Und sie ist ein Teil von dir.

Eine Kurzgeschichte, die im Jahr 2050 spielt, wo die Wissensallmende allgegenwärtig ist.

Die Wissensallmende

Es war ein schöner Morgen im Jahr 2050. Die Sonne schien hell, die Luft war frisch und die Vögel zwitscherten. In einer kleinen Stadt in Deutschland lebten vier Menschen, die unterschiedliche Funktionen in der Wissensallmende ausfüllten. Die Wissensallmende war die dominante Form der Wissensproduktion und -verteilung in der Welt. Sie basierte auf den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Nachhaltigkeit und Vielfalt. Die Menschen teilten ihr Wissen frei und offen miteinander, ohne Barrieren oder Einschränkungen. Sie nutzten das Wissen, um ihre Lebensqualität zu verbessern, die Klimakrise zu lösen und eine faire und soziale gerechte Gesellschaft zu schaffen. Sie respektierten die Rechte und Bedürfnisse aller Lebewesen und achteten auf die ökologischen Grenzen des Planeten. Sie lernten von anderen Kulturen und Gesellschaften und förderten den interkulturellen Dialog und die Zusammenarbeit. Sie entwickelten sich ständig weiter und suchten nach neuen Möglichkeiten und Lösungen für die Probleme oder Konflikte, die sie begegneten. Sie lebten alle vegan, um die Tiere zu schützen und die Umwelt zu schonen. Vegan leben war normal.

Die vier Menschen waren:

  • Lena, eine 25-jährige Studentin, die an der lokalen Universität Informatik studierte. Sie war eine begeisterte Programmiererin, die gerne neue Software und Apps entwickelte, die das Leben der Menschen erleichterten. Sie nutzte die Wissensallmende, um sich über die neuesten Technologien und Trends zu informieren, um Feedback und Unterstützung für ihre Projekte zu erhalten und um ihre eigenen Beiträge zu teilen. Sie war auch an Kunst und Musik interessiert und kombinierte oft ihre kreativen Fähigkeiten mit ihren technischen Fähigkeiten, um originelle und ästhetische Werke zu schaffen.
  • Max, ein 35-jähriger Lernbegleiter, der in einer lokalen freien, demokratischen Schule arbeitete. Er war ein engagierter Pädagoge, der seinen Lernenden das Wissen und die Fertigkeiten vermittelte, die sie für die Zukunft brauchten. Er nutzte die Wissensallmende, um sich über die neuesten Erkenntnisse und Methoden in seinem Fachgebiet zu informieren, um Lernmaterialien und Aktivitäten für seinen Unterricht zu finden und um seine eigenen Erfahrungen und Ideen zu teilen. Er war auch an Sport und Gesundheit interessiert und achtete darauf, seinen Körper und seinen Geist fit zu halten.
  • Anna, eine 45-jährige Ärztin, die in einem lokalen Krankenhaus arbeitete. Sie war eine erfahrene Medizinerin, die sich um die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Patient*innen kümmerte. Sie nutzte die Wissensallmende, um sich über die neuesten Entwicklungen und Behandlungen in der Medizin zu informieren, um Diagnosen und Therapien für ihre Fälle zu finden und um ihre eigenen Erkenntnisse und Empfehlungen zu teilen. Sie war auch an Geschichte und Politik interessiert und engagierte sich für die Menschenrechte und die Demokratie.
  • Paul, ein 55-jähriger Gärtner, der in einem lokalen Gemeinschaftsgarten arbeitete. Er war ein passionierter Gärtner, der sich um die Pflanzen und die Tiere in seinem Garten kümmerte. Er nutzte die Wissensallmende, um sich über die neuesten Techniken und Praktiken in der Permakultur zu informieren, um Saatgut und Dünger für seinen Garten zu finden und um seine eigenen Tipps und Ratschläge zu teilen. Er war auch an Philosophie und Literatur interessiert und las gerne Bücher und Gedichte.

An diesem Morgen trafen sich die vier Menschen zufällig in einem lokalen Café, das von der Wissensallmende betrieben wurde. Das Café war ein Ort, an dem die Menschen sich treffen, austauschen, lernen und genießen konnten. Das Café bot kostenlosen Zugang zu Internet, Büchern, Zeitschriften, Spielen und anderen Ressourcen, die die Wissensallmende zur Verfügung stellte. Das Café bot auch leckere und gesunde vegane Speisen und Getränke an, die aus lokalen und biologischen Zutaten zubereitet wurden. Das Café war ein Beispiel dafür, wie die Wissensallmende das Leben der Menschen erleichterte und bereicherte.

Die vier Menschen kannten sich nicht persönlich, aber sie erkannten sich an ihren Namen und ihren Profilbildern, die sie auf der Wissensallmende-Plattform verwendeten. Sie hatten schon oft miteinander interagiert, kommentiert, geliked und bewertet, ohne sich je zu begegnen. Sie begrüßten sich freundlich und beschlossen, sich an einen Tisch zu setzen und sich besser kennenzulernen. Sie bestellten ihre Lieblingsgetränke und begannen zu plaudern.

Lena erzählte, dass sie gerade an einer neuen App arbeitete, die es den Menschen ermöglichte, ihre CO2-Emissionen zu berechnen und zu reduzieren. Sie erklärte, wie sie die App mit Hilfe der Wissensallmende entwickelte, indem sie auf bestehende Daten, Algorithmen und Codes zugriff, die von anderen Nutzer*innen geteilt wurden, und indem sie ihre eigene Kreativität und Innovation einbrachte. Sie zeigte ihnen die App auf ihrem Smartphone und bat sie um ihre Meinung und ihr Feedback.

Max erzählte, dass er gerade eine neue Lektion für seine Lernenden vorbereitete, die sich mit dem Thema der Kernfusion beschäftigte. Er erklärte, wie er die Lektion mit Hilfe der Wissensallmende gestaltete, indem er auf aktuelle Forschungsergebnisse, Experimente und Simulationen zugriff, die von anderen Nutzer*innen geteilt wurden, und indem er seine eigene Didaktik und Motivation einbrachte. Er zeigte ihnen die Lektion auf seinem Tablet und bat sie um ihre Anregungen und ihre Kritik.

Anna erzählte, dass sie gerade einen neuen Fall behandelt hatte, der sich um eine seltene und komplizierte Krankheit handelte. Sie erklärte, wie sie den Fall mit Hilfe der Wissensallmende löste, indem sie auf relevante Informationen, Diagnosen und Therapien zugriff, die von anderen Nutzer*innen geteilt wurden, und indem sie ihre eigene Erfahrung und Ethik einbrachte. Sie zeigte ihnen den Fall auf ihrem Laptop und bat sie um ihre Fragen und ihre Unterstützung.

Paul erzählte, dass er gerade einen neuen Garten angelegt hatte, der sich um eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren kümmerte. Er erklärte, wie er den Garten mit Hilfe der Wissensallmende schuf, indem er auf geeignete Saatgut, Dünger und Techniken zugriff, die von anderen Nutzer*innen geteilt wurden, und indem er seine eigene Leidenschaft und Sorgfalt einbrachte. Er zeigte ihnen den Garten auf seinem Smartwatch und bat sie um ihre Komplimente und ihre Hilfe.

Die vier Menschen waren beeindruckt und begeistert von den Geschichten und den Werken der anderen. Sie lobten und dankten sich gegenseitig für ihre Beiträge zur Wissensallmende und zur Gesellschaft. Sie erkannten, wie viel sie gemeinsam hatten, trotz ihrer unterschiedlichen Funktionen, Interessen und Perspektiven. Sie spürten, wie die Wissensallmende sie verband und inspirierte. Sie beschlossen, in Kontakt zu bleiben und weiterhin zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Sie tranken ihre Getränke aus und verabschiedeten sich mit einem Lächeln und einer Umarmung. Sie gingen ihren Weg, um ihren Tag fortzusetzen, mit einem Gefühl der Zufriedenheit und der Hoffnung.

Eine weitere Kurzgeschichte, die im Jahr 2050 spielt, wo die Wissensallmende allgegenwärtig ist.

Die Wissensallmende - Version 2

Lena öffnete die Augen und blickte auf den Wecker. Es war 7:30 Uhr, Zeit für die Arbeit. Sie stand auf und ging ins Bad, wo sie sich die Zähne putzte und duschte. Sie zog sich an und ging in die Küche, wo sie sich einen Smoothie aus frischen Früchten und Gemüse machte. Sie nahm einen Schluck und lächelte. Sie liebte es, vegan zu leben. Es war nicht nur gesund, sondern auch ethisch und ökologisch. Sie war froh, dass die Wissensallmende die vegane Ernährung gefördert und erleichtert hatte, indem sie Informationen, Rezepte, Produkte und Ressourcen zur Verfügung stellte.

Sie ging ins Wohnzimmer, wo sie ihren Laptop einschaltete. Sie arbeitete als Wissenschaftlerin für die Wissensallmende, eine globale Organisation, die sich der Förderung und Verbreitung von freiem Wissen verschrieben hatte. Die Wissensallmende war aus einer Bewegung von Aktivistinnen, Forscherinnen, Künstlerinnen und Bürgerinnen entstanden, die sich gegen die Kommerzialisierung und Monopolisierung von Wissen gewehrt hatten. Sie hatten sich für eine offene, partizipative und demokratische Wissenskultur eingesetzt, die allen Menschen zugute kam.

Lena war schon immer fasziniert von der Natur und der Wissenschaft gewesen. Sie hatte als Kind gerne Experimente gemacht und Bücher gelesen. Sie hatte davon geträumt, die Welt zu erforschen und zu verstehen. Sie hatte sich an der Universität eingeschrieben, um Physik zu studieren, aber sie war enttäuscht von dem akademischen System, das von Konkurrenz, Hierarchie und Eigennutz geprägt war. Sie hatte sich isoliert und unter Druck gefühlt. Sie hatte fast aufgegeben, bis sie von der Wissensallmende gehört hatte.

Sie hatte sich der Wissensallmende angeschlossen, weil sie eine andere Art von Wissenschaft erleben wollte. Eine Wissenschaft, die auf Kooperation, Freiheit und Gemeinwohl basierte. Eine Wissenschaft, die nicht nur Wissen produzierte, sondern auch Werte und Sinn. Eine Wissenschaft, die nicht nur für wenige, sondern für alle zugänglich war. Sie hatte sich als Wissenschaftlerin für die Wissensallmende beworben und war angenommen worden. Sie hatte ihre Leidenschaft und ihr Selbstvertrauen wiederentdeckt.

Sie war Teil eines Teams, das an einem Projekt zur Entwicklung einer nachhaltigen Energiequelle arbeitete. Sie nutzte die Ressourcen der Wissensallmende, wie Datenbanken, Software, Hardware, Labore und Netzwerke, um ihre Forschung durchzuführen. Sie teilte ihre Ergebnisse und Erkenntnisse mit der Gemeinschaft, die sie überprüfte, verbesserte und anwendete. Sie erhielt auch Feedback und Unterstützung von anderen Wissenschaftler*innen, die an ähnlichen oder verwandten Themen arbeiteten. Sie fühlte sich als Teil einer großen Familie, die gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeitete.

Sie überprüfte ihre E-Mails und sah, dass sie eine Einladung zu einer Online-Konferenz erhalten hatte. Es war eine Veranstaltung, die von der Wissensallmende organisiert wurde, um die neuesten Entwicklungen und Herausforderungen in verschiedenen Bereichen des Wissens zu diskutieren. Sie klickte auf den Link und trat der Konferenz bei. Sie sah viele bekannte und unbekannte Gesichter auf dem Bildschirm, die sie freundlich begrüßten. Sie hörte gespannt zu, als die Sprecher*innen ihre Präsentationen hielten. Sie stellte Fragen, gab Kommentare und lernte viel Neues. Sie war beeindruckt von der Vielfalt und Qualität der Beiträge, die aus verschiedenen Disziplinen, Perspektiven und Erfahrungen kamen.

Sie erkannte einige ihrer Kolleg*innen, die sie schon länger kannte. Da war zum Beispiel Max, der als Journalist für die Wissensallmende arbeitete. Er berichtete über die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen in der Welt des Wissens. Er war immer gut informiert und hatte einen scharfen Verstand. Er war auch sehr witzig und konnte die Leute zum Lachen bringen. Er hatte gerade einen Artikel über die neuesten Fortschritte in der künstlichen Intelligenz geschrieben, der viel Aufmerksamkeit erregt hatte.

Da war auch Anna, die als Künstlerin für die Wissensallmende arbeitete. Sie schuf wunderschöne und inspirierende Werke, die das Wissen in verschiedenen Formen ausdrückten. Sie malte, zeichnete, skulptierte, fotografierte, filmte, musizierte und vieles mehr. Sie war sehr kreativ und talentiert. Sie hatte gerade eine Ausstellung über die Schönheit und Vielfalt der Natur eröffnet, die viele Besucher*innen anzog.

Da war auch Paul, der als Lehrer für die Wissensallmende arbeitete. Er unterrichtete Kinder und Erwachsene in verschiedenen Fächern und Fertigkeiten. Er war sehr geduldig und einfühlsam. Er verstand es, die Lernenden zu motivieren und zu begeistern. Er hatte gerade einen Online-Kurs über die Geschichte und Philosophie der Wissensallmende gestartet, der viele Anmeldungen hatte.

Lena freute sich, sie alle zu sehen. Sie hatte mit ihnen schon oft zusammengearbeitet und viel gelernt. Sie schätzte ihre Freundschaft und ihren Beitrag zur Wissensallmende.

Sie sah auch einige neue Gesichter, die sie noch nicht kannte. Da war zum Beispiel Laura, die als Aktivistin für die Wissensallmende arbeitete. Sie setzte sich für die Rechte und Interessen der Wissensallmende ein. Sie organisierte Kampagnen, Demonstrationen, Petitionen und andere Aktionen, um die Wissensallmende zu schützen und zu stärken. Sie war sehr mutig und engagiert. Sie hatte gerade eine Rede über die Bedrohungen und Herausforderungen für die Wissensallmende gehalten, die viele Zuhörer*innen bewegt hatte.

Da war auch David, der als Ingenieur für die Wissensallmende arbeitete. Er entwickelte und baute Geräte, Maschinen, Fahrzeuge und andere technische Lösungen, die das Wissen nutzten und verbreiteten. Er war sehr geschickt und erfinderisch. Er hatte gerade einen Prototypen eines neuen Solarmoduls vorgestellt, das mehr Energie erzeugen und speichern konnte.

Da war auch Julia, die als Moderatorin für die Wissensallmende arbeitete. Sie leitete und moderierte die Online-Konferenz. Sie stellte die Sprecher*innen vor, koordinierte die Diskussionen, beantwortete die Fragen und sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Sie war sehr professionell und sympathisch. Sie hatte gerade einen Witz über die Schwierigkeiten der Online-Kommunikation gemacht, der alle zum Lachen gebracht hatte.

Lena war neugierig, sie alle kennenzulernen. Sie hatte von ihnen schon gehört oder gelesen, aber noch nie persönlich gesprochen. Sie bewunderte ihre Arbeit und ihren Einsatz für die Wissensallmende.

Sie schaute auf die Uhr und stellte fest, dass es schon 12:00 Uhr war. Sie beschloss, eine Pause zu machen und etwas zu essen. Sie ging in den Garten, wo sie einige Tomaten, Gurken und Salat erntete. Sie ging zurück in die Küche und bereitete sich einen leckeren Salat zu. Sie setzte sich auf die Terrasse und genoss die Sonne und die frische Luft. Sie dachte an ihr Leben und fühlte sich glücklich. Sie liebte ihre Arbeit, ihre Kolleg*innen, ihre Gemeinschaft und ihre Welt.

Sie war dankbar, dass sie in einer Zeit lebte, in der die Wissensallmende die dominante Form der Wissensproduktion und -verteilung war. Sie war überzeugt, dass dies der Weg war, um die globalen Probleme wie Armut, Ungleichheit, Klimawandel und Krieg zu lösen. Sie sah, wie die Wissensallmende das Leben der Menschen verbessert hatte. Wie sie die Gesellschaft verändert hatte. Wie sie die Beziehungen zwischen den Menschen gestärkt hatte. Wie sie die Lebensbedingungen und die Umwelt geschützt hatte.

Sie stand auf und ging zurück in ihr Wohnzimmer. Sie schaltete ihren Laptop wieder ein und machte sich bereit, ihre Arbeit fortzusetzen. Sie hatte noch viel zu tun, aber sie war motiviert und optimistisch. Sie wusste, dass sie nicht allein war. Sie war Teil der Wissensallmende.

Folge 297 - Meditation zum Loslassen von Konflikten

Ein Beitrag

Folge 297 - Meditation zum Loslassen von Konflikten

In dieser besonderen Folge haben wir etwas für Dich. Es ist eine Fantasie-Reise. Die hilft Dir, Dich zu entspannen. Zum Beispiel nach einem anstrengenden Fest mit Deiner Familie. Oder nach einer Weihnachts-Feier.

Diese Folge ist besonders für Menschen, die vegan leben. Manchmal ist es schwer, vegan zu leben, wenn andere Menschen das nicht tun. Diese Folge soll Dir dabei helfen.

In der letzten Meditation warst Du im Wald. In dieser Folge sind wir am Meer.

Das Meer ist ein Ort der Ruhe und der Kraft. Es ist ein Ort, an dem wir uns mit der Natur verbinden können. Das Meer spiegelt unsere Gefühle wider. Es kann sanft und ruhig sein, aber auch wild und stürmisch. Das Meer lehrt uns, dass alles im Fluss ist. Dass nichts für immer bleibt. Dass wir loslassen müssen, was uns belastet.

Loslassen ist eine Kunst, die wir lernen können. Loslassen bedeutet, nicht mehr an etwas festzuhalten, das uns schadet oder hindert. Loslassen bedeutet, zu akzeptieren, was ist, und zu vertrauen, dass alles gut wird. Loslassen bedeutet, uns selbst und anderen zu vergeben. Loslassen bedeutet, frei zu sein.

Wir wünschen Dir eine entspannte Weihnachtszeit.

Links zur Folge

Mein Buch "Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt."
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

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So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Wie angekündigt verfolgen wir weiterhin unseren Masterplan A zum Erreichen der 300. Folge bis Ende 2023. Und wir sind zuversichtlich, dass wir es schaffen. Wir sind immerhin jetzt schon bei Folge 297!

Carsten Yeah, yeah, yeah, yeah.

Stefanie Genau. Und heute ist der 2. Advent und du bekommst jetzt wie versprochen die zweite Meditation/Fantasiereise ganz kostenlos zur Verfügung gestellt. Und auch wie beim letzten Mal und wie auch schon angekündigt, ist es möglich, dass du diese Fantasiereise schon kennst. Falls du vor vier Jahren schon einmal im Clan warst und oder im Newsletter und oder diese Fantasiereise per Email dir hast zukommen lassen und oder du mein Buch gekauft hast mit dem wunderbaren Titel „Gelassen Vegan leben. Dein Reisebuch in einer nicht veganen Welt.“ Denn zu diesem Buch gibt es eine geschützte Webseite, auf der du noch jede Menge Inhalte findest. Unter anderem diese Fantasiereise, die du gleich hier auch hören wirst, und noch andere.

Carsten (im Flüsterton) Kauf dieses Buch... Kauf es...

Stefanie Und falls du diesen Einflüsterungen tatsächlich erliegen möchtest, bin ich natürlich froh und dankbar, denn dieses Buch macht sich auch sehr gut als Geschenk. Wie schon erwähnt, entweder für dich selbst oder zum Verschenken. Und den Link dazu findest du dann hier in den Shownotes.

Das heißt, wenn du das Buch kaufen möchtest, dann folge dem Link.

Werbeblock Ende.

Während du am letzten Sonntag, also am 1. Advent, eine meditative Fantasiereise zur Stärkung, zum Beispiel auf dem Weg zu einer Familien- und/oder Weihnachtsfeier gehört hast, bekommst du jetzt eine Meditation für die Zeit nach der Feier zum Loslassen. Also zum Beispiel, wenn deine Gedanken kreisen und du dich schlecht fühlst, weil du etwas gesagt oder nicht gesagt hast oder etwas nicht veganes gegessen hast. Vielleicht aus Versehen, obwohl du das gar nicht wolltest. Es kann ja auch sein, dass du einfach niemanden auf die Füße treten wolltest. Es gibt ja ganz viele verschiedene Situationen, wie so etwas passieren kann. Du wolltest das eigentlich gar nicht. Nicht vorsätzlich hast du das gemacht und jetzt kreisen die Gedanken. Du hast ein schlechtes Gewissen, du fühlst dich schlecht. Du hast vielleicht auch Dinge nicht gesagt, die du eigentlich hättest sagen wollen.

Und dafür ist jetzt diese meditative Fantasiereise gedacht, dass sie dir dabei hilft, loszulassen. Und natürlich funktioniert sie auch rund ums Jahr, nicht nur jetzt zur Weihnachtszeit. Aber es passt gerade ganz gut und wir können unseren Masterplan erfüllen. Also von daher kombiniert das viele tolle Vorteile. Also dann würde ich wieder sagen:

In diesem Sinne...

Carsten Viel Spaß mit der Meditation und...

Stefanie Bis zum nächsten Mal.

Carsten Tschüss!

Stefanie Heute möchte ich dich wieder zu einer kleinen Reise einladen. Wenn du magst, schließe deine Augen und mach’s dir ganz bequem.

Vergiss unterwegs das Atmen nicht. Atme am besten tief in den Bauch ein und wieder aus.

Wenn du möchtest, kannst du unterstützend deine Hände auf den unteren Bauch legen und bei jedem Ein- und Ausatmen spüren, wie sich deine Hände langsam heben und senken.

Unsere Reise führt dich heute ans Meer. An einen Ostseestrand.

Du stapfst wütend diesen Strand entlang.

Deine Gedanken kreisen um die vergangene Feier.

Du hast Dinge gesagt, die du eigentlich gar nicht sagen wolltest.

Oder Dinge nicht gesagt, die du eigentlich sagen wolltest.

Vielleicht hast du auch etwas Unveganes gegessen, weil du nicht unhöflich sein wolltest oder einfach nicht ablehnen konntest.

Und jetzt kreisen deine Gedanken.

Du machst dir Vorwürfe.

Du fühlst dich schlecht.

Du hättest doch etwas sagen sollen.

Du hättest es anders formulieren sollen.

Du hättest einfach ablehnen sollen.

Du stampfst den Strand entlang und dein Kopf ist voll von diesen Gedanken.

Du siehst eigentlich gar nicht, was um dich herum passiert.

Blindlings läufst du einfach immer weiter.

Es ist ein schöner Sommertag.

Doch du hast keinen Blick für das Meer oder die Dünen.

Deine Gedanken beschäftigen dich zu sehr.

Warum hast du das getan?

Warum hast du nicht nein gesagt?

Warum hast du nicht was anderes gesagt?

Und hättest du nicht die Veganismus-Flagge hochhalten sollen?

Deine Gedanken kreisen.

Plötzlich trittst du auf einen Stein.

Ein Schmerz fährt durch deinen Körper und auf einmal nimmst du deine Umgebung wieder wahr.

Du schaust dich um.

Du bist an einer besonders schönen Stelle des Strandes gelandet.

Deine Schritte haben dich zu einer Art kleinen Bucht geführt.

Mit weichem, feinem Sand. Und großen Baumwurzeln, die dort teilweise bis zum Wasser heranreichen.

Es sieht wild und wunderschön aus. Die Sonne scheint warm auf dich herab.

Möwen kreischen.

Und auf einmal hast du das Verlangen, dich einfach nur hinzusetzen.

Du suchst dir einen schönen Platz zwischen den Baumwurzeln und schaust in die Ferne.

Du schaust den Möwen zu, wie sie über dem Wasser kreisen und ab und zu in die Fluten stürzen.

Du schaust den Wellen zu, wie sie langsam an den Strand rollen.

Du hörst das Wasser rauschen.

Du riechst diesen typischen Meeresgeruch.

Und du spürst den Sand warm und fein unter deinem Körper.

Du ziehst deine Schuhe aus. Und gräbst dich mit deinen Zehen in den Sand.

Das fühlt sich wunderbar kribbelig an!

Die Sonne wärmt dich.

Die Möwen kreischen.

Langsam weicht die Spannung von dir. Und du legst dich hin und atmest tief ein und aus.

Du siehst die Wolken über dir vorbeiziehen.

Und ab und zu auch eine Möwe.

Die Sonne wärmt dich, und du schließt deine Augen.

Du spürst, wie all das Negative und all diese kreisenden Gedanken langsam wie Wasser aus deinem Körper in den Sand sickern.

Und mit jeder Welle, die an den Strand schwappt und sich wieder zurückzieht, wird auch das Negative und alle kreisenden Gedanken aus dem Sand ins Wasser gezogen.

Eine ganze Zeit lang liegst du einfach nur da. Lauschst den Wellen.

Dem Kreischen der Möwen.

Spürst die Wärme der Sonne auf deinem Körper.

Und den feinen Sand unter dir.

Du spürst, wie deine Muskeln sich langsam durch die Wärme lockern.

Und du machst es dir noch einmal ganz bequem.

Ruckelst dich noch einmal im Sand zurecht, bis du richtig bequem liegst.

Und wie du so da liegst, fühlst du wieder dieses Feuer in dir.

Diese Kraft, die dich von innen heraus wärmt und stärkt.

Mit jedem Atemzug spürst du, wie sich diese Kraft immer weiter in deinem Körper ausbreitet, bis sie dich ganz erfüllt.

Du bist gut so, wie du bist.

Was geschehen ist, ist geschehen.

Du kannst die Vergangenheit nicht ändern.

Du kannst dir aber überlegen, was du in Zukunft anders machen möchtest.

Alle machen Fehler.

Wichtig ist es, dass du die Verantwortung für deine Fehler übernimmst.

Und dir überlegst, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst.

Du bist gut so, wie du bist.

Mit dir ist nichts verkehrt.

Menschen menscheln.

Niemand ist perfekt.

Du liegst noch eine ganze Weile im Sand, erfüllt von deiner Kraft und gewärmt von der Sonne.

Bis du dich voll und ganz erholt fühlst.

Du lauschst den Wellen.

Dem Kreischen der Möwen.

Du riechst die salzige Meeresluft.

Und spürst eine leichte Brise auf deiner Haut.

Als es langsam kühler wird, öffnest du deine Augen und richtest dich auf.

Es ist Abend geworden.

Vor dir breitet sich ein wunderschöner Sonnenuntergang aus.

Und das Meer scheint von Tausenden und Abertausenden glitzernden Fäden durchzogen zu sein.

Du bist umgeben von Schönheit.

Und diese Schönheit ist immer da.

Du bist ein Teil von ihr.

Fest verwoben.

Ehrfürchtig beobachtest du, wie die Sonne langsam im Meer versinkt.

Es ist Zeit für dich, nach Hause zu gehen.

Du atmest noch einmal tief ein und aus.

Dann stehst du auf und machst dich auf den Rückweg.

Du fühlst dich rundum wohl.

Jede kleinste Zelle deines Körpers summt vor Zufriedenheit.

Du bist gut so, wie du bist.

Du gehst deinen Weg in deinem Tempo.

Jeder Schritt ist wertvoll.

Du kannst die Vergangenheit nicht ändern.

Doch du kannst es beim nächsten Mal anders machen.

Und du hast auch schon ein paar Ideen, wie das genau ausschauen könnte.

Bestärkt machst du dich auf den Weg zurück nach Hause, um deine Ideen gleich einmal aufzuschreiben.

Folge 296 - Rechte für die Natur - eine Chance für die Tierrechtsbewegung?

Ein Beitrag

Folge 296 - Rechte für die Natur - eine Chance für die Tierrechtsbewegung?

In vielen Orten der Welt hat die Natur keine Rechte.
Das heißt, sie wird oft nicht gut behandelt.
Die Natur wird oft kaputt gemacht.
Aber einige Länder wollen das ändern.
Diese Länder geben der Natur Rechte.
So wie wir Menschen Rechte haben.
Diese Rechte helfen der Natur.
Sie sorgen dafür, dass die Natur gut behandelt wird.
Sie sorgen dafür, dass die Natur nicht mehr zerstört wird.

(Übersetzt vom Klartext-Tool des FC St. Pauli)

In dieser Folge sprechen Carsten und ich über das Buch "Rechte für Flüsse, Berge und Wälder - Eine neue Perspektive für den Naturschutz?" von Matthias Kramm.

Ich habe das Buch zugeschickt bekommen, weil ich das Crowdfunding unterstützt habe und gebe es jetzt an Dich weiter.

Wenn Du es haben möchtest, melde Dich bis zum 20.12.2023 per E-Mail bei mir. Zwischen allen Personen, die sich melden, verlose ich am 21.12.2023 das Buch.

Das Buch ist nicht sehr dick. Es hat nur 105 Seiten. Aber auf diesen Seiten steht alles Wichtige. Das Thema ist: "Rechte für die Natur". Du kannst das Buch lesen, wenn du etwas über dieses Thema lernen möchtest.

Links zur Folge

Buch: "Rechte für Flüsse, Berge und Wälder - Eine neue Perspektive für den Naturschutz?" von Andreas Gutmann, Frank Raddatz, Hans Leo Bader, Jenny García Ruales, Jula Zenetti, Riccarda Flemmer, Alex Putzer, Matthias Kramm (Hrsg.)
https://www.oekom.de/buch/rechte-fuer-fluesse-berge-und-waelder-9783987260391

Netzwerk Rechte der Natur
https://www.rechte-der-natur.de

Volksbegehren "Gib der Natur Rechte"
https://gibdernaturrecht.muc-mib.de/

Video "Buen Vivir" vorgestellt von Degrowth in Bewegungen
https://vimeo.com/179033138

"Grupo Sal" Kulturbüro - verbindet Welten
https://www.grupo-sal.de/

Podcastfolge "What if we gave nature rights?" von Rob Hopkins [EN]
https://fromwhatiftowhatnext.libsyn.com/83-what-if-we-gave-nature-rights

Eco Jurisprudence Monitor für Gesetze, die über den Anthropozentrismus hinausgehen [EN & ES]
https://ecojurisprudence.org/

Buch: "Pluriversum - Ein Lexikon des Guten Lebens für alle" von Ashish Kothari, Ariel Salleh, Arturo Escobar,
Federico Demaria, Alberto Acosta (Hrsg)
https://agspak.de/pluriversum/

Arte Doku "Was wenn uns die Natur eine Rechnung stellt?"
https://www.arte.tv/de/videos/104840-014-A/was-wenn-uns-die-natur-rechnungen-stellt/

Arte Doku "Können Robben vor Gericht ziehen?" [ACHTUNG: Es werden immer wieder Szenen mit Tierleid gezeigt]
https://www.arte.tv/de/videos/104841-009-A/koennen-robben-vor-gericht-ziehen/

Theater des Antrophozän in Berlin
https://theater-des-anthropozän.de/

DLF - Hörspielfeature "Vom Diskurs der Rechte der Natur - Another Earth, another Globe, invoked by another People"
https://www.hoerspielundfeature.de/another-earth-another-globe-invoked-by-another-people-100.html

Film "The Rights of Nature: A Global Movement - Feature Documentary" [EN]
https://invidious.nerdvpn.de/watch?v=kuFNmH7lVTA

Dezember 2021: Der Regenwald in Ecuador gewinnt gegen den Bergbau
https://blog.rechte-der-natur.de/sonstiges/das-urteil-ueber-los-cedros/
https://www.deutschlandfunkkultur.de/naturrechte-in-ecuador-regenwald-gewinnt-gegen-bergbau-dlf-kultur-565caf5a-100.html

Mein Buch "Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt."
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

Geschenk-Mitgliedschaften bei Steady
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/gift_plans

Mein Newsletter
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/newsletter/sign_up

So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie In dieser Folge sprechen wir über ein Thema, was mich schon länger interessiert, was ich bisher aber nur so aus den Augenwinkeln immer betrachtet habe, weil es wirklich ein großes Thema ist, was ich sehr wichtig finde, wofür ich aber irgendwie keine Zeit hatte bisher. Und dann bin ich beim Ökomverlag beim Crowdfunding dort auf ein Buch gestoßen, wofür noch Geld gesammelt wurde. Und ich dachte, das passt ja gerade ganz gut, denn das war das Buch „Rechte für Flüsse, Berge und Wälder - eine neue Perspektive für den Naturschutz?“ herausgegeben von Matthias Kramm. Und ich habe gedacht okay, das Thema interessiert mich, ich unterstütze dieses Buch und das Crowdfunding für dieses Buch. Und jetzt habe ich dieses Buch zugeschickt bekommen und habe es auch gelesen und dachte, das ist jetzt ein super Anlass, endlich dieses Thema hier mal anzugehen.

Ursprünglich habe ich gedacht, ich stelle dann jetzt hier in der Folge nur das Buch vor. Dann habe ich aber wieder gemerkt, das ist wirklich nur so ein Kratzen an der Oberfläche, wenn ich das Buch hier vorstelle. Es geht da in alle Richtungen noch viel tiefer. Ich habe dadurch jetzt noch einige weitere Bücher gefunden, die ich auch noch alle lesen möchte und die ich aber in dieser Folge einfach noch nicht vorstellen kann, weil ich sie noch nicht gelesen habe. Also ein ganz logischer Schluss hier. Genau. Das heißt also, in dieser Folge wird es auf jeden Fall um das Thema Rechte der Natur gehen. Und ich stelle auch dieses Buch vor, was ich gerade genannt habe. Trotzdem ist es damit noch nicht vollständig, das Thema, sondern es ist wirklich nur erstmal so ein Auftakt zu weiteren Folgen, die folgen werden.

Carsten Die Folgen folgen. Wenn das mal keine Folgen hat.

Stefanie Und bevor wir mit dem Thema starten, möchte ich mich noch ganz herzlich bei Johannes L. bedanken, der auch seine Steady-Unterstützung wieder um ein Jahr verlängert hat. Ganz herzlichen Dank dafür!

Carsten Dankeschön!

Stefanie Wenn du es so wie Johannes machen möchtest und auch diesen Podcast und alle anderen kostenlosen Dinge, die ich hier so anbiete, unterstützen möchtest, dann findest du den Link dazu wie immer in den Shownotes oder auf der Webseite vonherzenvegan.de, da gibt es einen Extrapunkt „Unterstützen“ und auf der stefanie-rueckert.de Seite gibt es auch einen Menüpunkt „Unterstützen“. Es gibt also mehrere Wege, wie du zu den Informationen gelangen kannst, wie du diese Arbeit hier finanziell unterstützen kannst. Und natürlich kannst du auch weiterhin Zeit spenden. Ich bin immer noch auf der Suche nach tollen Menschen, die Transkripte Korrektur lesen. Solltest du zu diesen tollen Menschen zählen, melde dich gerne per Email an post@vonherzenvegan.de. Meinen verbindlichsten Dank! Nun wieder zurück ins Studio zu unserer Buchbesprechung. Diesmal nicht live vom Acker und deswegen auch nicht vom Winde verweht.

Carsten Ich muss mal kurz umschalten. Klick.

Stefanie Genau. Also es geht um das Buch „Rechte für Flüsse, Berge und Wälder. Eine neue Perspektive für den Naturschutz?“ herausgegeben von Matthias Kramm. Und dieses Buch habe ich über das Crowdfunding unterstützt und damit auch erworben. Und wir verlosen das jetzt hier. Wenn du Interesse an diesem Buch hast, dann schreib eine Email an post@vonherzenvegan.de. Und das Ganze bitte bis zum 20.12.2023. Die Uhrzeit ist egal, ich gucke erst am 21.12.2023 nach, wer dann da alles geschrieben hat und du bekommst dann im Laufe des Tages des 21.12.2023 per Email Bescheid, ob du das Buch gewonnen hast oder nicht. Schicke erst dann, wenn du es gewonnen hast, deine Adresse. Also schreib jetzt einfach nur

Carsten „Will haben.“

Stefanie Genau, so ungefähr, darf auch ein bisschen mehr Wörter haben, der Satz als „will haben“. Vielleicht noch, dass du das Buch haben willst, damit das auch wirklich klar ist. Schick also einfach nur so eine Email und dann, wenn du dann ausgelost wirst von Carsten und mir in einer wundersamen Aktion usw, dann schreibe ich dir am 21.12.2023 eine Email und erst dann schickst du deine Adresse oder einen Ort unter einer Brücke, wo wir uns treffen. Hier in der Nähe. Das ist auch in Ordnung. Ganz weit werde ich jetzt nicht fahren, um das Buch zu übergeben. Also von daher ist dann eine Adresse vielleicht auch besser. Die Option mit der Brücke nur, falls du anonym bleiben möchtest, also eine anonymisierte E-Mail Adresse hast und dann sagst lass uns unter dieser Brücke dort hinten treffen.

Carsten Geht aber nur mit schwarzen Mützen oder Kapuzen. Muss konspirativ wirken, sonst geht das nicht.

Stefanie Kann auch eine andere Farbe haben. Also die Farbe ist jetzt nicht so dramatisch, aber dann kann ich sagen: „Hey du, hier ist das Buch.“ Aber wie gesagt, ich werde mich jetzt keinen großen Umkreis hier von der Wohnung wegbewegen, um dieses konspirative Treffen durchzuführen. Okay, gut. Also genug der Scherze. Zurück zum Buch.

Einmal meine Zettel hier zurechtruckeln und, ja, ich hatte mir auch aufgeschrieben: Rechte für Flüsse, Berge und Wälder. Ob das eine Chance ist für die Tierrechtsbewegung? Und tatsächlich ist das auch so der Grundgedanke, mit dem ich diese Zusammenfassung des Buchs angehe und auch das Thema vorstelle. Weil ich der Meinung bin, dass wir die Kämpfe verbinden sollten, so wie es generell der Fall ist mit all den vielen Ungerechtigkeiten in unserer Welt, ist es sinnvoll, dass wir uns verbinden, Bündnisse bilden. Ja und wie ist das jetzt mit diesen Rechten für die Natur?

Also grundlegend ist es so zu verstehen, dass die Rechte der Natur die Natur zum Subjekt mit Rechten machen, also vom Objekt, was von Menschen genutzt wird, dann zum Subjekt, was also als Rechtsperson quasi dann auch für die eigenen Rechte einstehen kann. Die Umwelt wird dadurch dann zur Mitwelt und die Prioritäten verändern sich. Weg von diesem menschenzentrierten Weltbild, hin zu einem Weltbild, in dem der Mensch nur ein Teil eines verzweigten Geflechts von Beziehungen auf unserem Planeten ist.

In dem Buch wurde das auch als „Care Ethik“ beschrieben, also quasi die Pflege von Beziehungen zur Natur. Und eigentlich ist es ja auch diese Sichtweise, dass wir alle miteinander vernetzt sind. Wir sind Natur. Man kann die Natur nicht vom Menschen trennen, sondern es ist alles Natur. Das heißt, eigentlich ist es absurd, dass wir der Natur Rechte geben wollen. Warum sollte man unterscheiden zwischen Rechten für Menschen, Rechten für Tiere und auch Rechten für die Natur? Denn wenn wir alle Natur sind, also alles ist Natur, dann sollte es einfach einen Satz an Rechten geben, der für alle reicht.

Und zu diesem Widerspruch möchte ich noch mal was zitieren, und zwar nicht aus dem Buch, was ich hier vorstelle, sondern aus einem Buch, was ich erst gestern entdeckt habe und ich noch lesen muss. Als ich es durchgeblättert habe, habe ich schon sofort ein Zitat gefunden, was hier sehr ergänzend gut passt. Das Buch heißt „Die Natur hat Recht. Wenn Tiere, Wälder und Flüsse vor Gericht ziehen für ein radikales Umdenken im Miteinander von Mensch und Natur.“ Und ist geschrieben worden von Elisabeth Veith. Das Buch ist auch erst dieses Jahr 2023 erschienen und wie gesagt, ich werde es noch lesen und wahrscheinlich werden wir da auch noch drüber sprechen.

Und es wird hier ein indigener Aktivist zitiert, der sagt, dass das Konzept der Rechte der Natur für ihn wenig Sinn macht. Wenn wir alle Natur sind, braucht es doch keine gesonderten Rechte für die Natur. „Aber die industrialisierte Welt hat Schwierigkeiten, das zu verstehen. Also gut, wir können über Rechte der Natur sprechen, wenn das die nächstbeste Möglichkeit ist, um darüber zu sprechen, wie wir die Verbindung zwischen allen Wesen auf diesem Planeten respektieren und anerkennen, dann lasst uns über die Rechte der Natur sprechen.“ Das also jetzt noch mal vorab, um zu verstehen, dass diese Rechte der Natur einfach nur so ein Hilfskonstrukt sind, damit wir westlichen Menschen wieder zurückfinden zu einem Verständnis, was vor allem für indigene Menschen selbstverständlich ist und wo wir eigentlich alle mal gestartet sind, was ich nachher auch noch mal anführen möchte.

In dem Buch „Rechte für Flüsse, Berge und Wälder“ schreibt Matthias Kramm „Mit Bezug auf die Natur von Interessen oder Wille zu sprechen ist eine ziemliche Herausforderung an das naturwissenschaftlich geprägte westliche Weltbild. […] Rechte der Natur lassen sich nur auf dem Hintergrund einer internationalen und transnationalen Kooperation denken.“

Und diese Herausforderung, von der Matthias Kramm schreibt und auch der indigene Aktivist spricht, das ist ja auch etwas, was wir, wenn wir uns für Tierrechte einsetzen, immer wieder bemerken und auch generell, wenn wir vegan leben. Dass in unserer Gesellschaft Karnismus vorherrschend ist und uns davon abhält, wirklich gleiches Recht für alle anzuwenden. Und diese Trennung zwischen Mensch und Natur oder menschlichem Tier und nichtmenschlichem Tier ist allgegenwärtig. Vielleicht ist dir dieser Vorwurf auch schon begegnet, nichtmenschliche Tiere zu vermenschlichen, da was rein zu deuten in das Verhalten, was eigentlich wissenschaftlich nicht erklärbar wäre.

Und in diesem Spannungsfeld bewegen sich auch die Rechte für die Natur, die ja alles umfassen, nicht nur Pflanzen oder Ökosysteme, sondern auch alles, was da drin lebt und damit dann auch menschliche und nichtmenschliche Tiere. Und in der Vergangenheit habe ich mich zwar für Tierrechte eingesetzt, hatte aber irgendwie nicht so viel Hoffnung, dass wir es irgendwann erreichen können, dass die Tierrechte auch anerkannt und durchgesetzt werden. Für mich war das eigentlich eher so ein Nischenkampf, weil ich immer wieder gemerkt habe: okay, es gibt Menschen, die setzen sich für Klimagerechtigkeit ein, für Nachhaltigkeit und essen dann trotzdem weiterhin Tiere oder tragen Pelz oder was auch immer. Also bei allem gibt es Werte, die uns verbinden. Aber an diesem Punkt ist es immer noch so, dass ich dann als spinnert angesehen werde, wenn ich für Tierrechte kämpfe.

Auch beim Thema Veganismus hatte ich zumindest in den letzten Jahren immer wieder das Gefühl, dass es mehr so als Lifestyle gehypt wird und es um Gesundheit geht und hippes Aussehen und irgendwie ja, es ist trendy und die Menschen, die dann sagen, es geht ja aber um die Tiere und wir treten für die Rechte der Tiere ein, dass die dann als zu radikal angesehen wurden. Und zu Beginn, als ich angefangen habe, vegan zu leben, habe ich auch noch so gedacht, muss ich jetzt zugeben, auf jeden Fall, dass ich da irgendwie nicht so viel mit anfangen konnte mit dieser sehr radikalen Einstellung, die da dann auch vertreten wurde. Mittlerweile verstehe ich sie und unterstütze sie. Und doch habe ich das Gefühl, dass es so im Mainstream überhaupt nicht angekommen ist. Wie geht es dir damit?

Carsten Ja, das ist bei mir auch so, ich muss sagen, ich habe jetzt im Moment meinen Blick auf ganz andere Themen gelegt, kriege gar nicht mehr mit, was so in der Tierrechtsbewegung gerade vor sich geht, was für Aktivitäten sich dort entfalten oder nicht entfalten. Deswegen ist mein Blickwinkel im Moment sehr stark vom Alltag geprägt und da fühle ich mich nach wie vor als Einzelner. Was du schon sagtest, so ein bisschen als spinnert. Das kommt dann so zwischendurch schon an, ich merke aber, dass eine etwas größere Grundoffenheit zumindest hinsichtlich der veganen Lebensweise existiert. Das ist das, was ich auch im Kolleg·innenkreis wahrnehme. Das bezieht sich dann aber tatsächlich eher so auf: Ach, du isst jetzt vegan. Aufs Essen. Da wird dann über diese typischen Themen wie Rezepte und wie machst du denn das und wie kannst du denn auf Eier verzichten, wenn du Kuchen machst und blabla gesprochen. Und das dahinterliegende mit den Tieren, das wird irgendwie weiterhin galant umschifft in den Diskussionen.

Stefanie Und vielleicht ist das natürlich jetzt nur unser subjektiver Eindruck. Das kann natürlich sein. Aus diesem subjektiven Eindruck heraus entsteht diese Folge, denn ich habe das Gefühl, dass die Rechte der Natur der Tierrechtsbewegung wirklich Auftrieb geben können. Und wenn wir das miteinander verbinden, also unsere Kämpfe verknüpfen, dass damit den Tierrechten da noch mal ein besonderes Gewicht gegeben werden kann, weil sie einfach inkludiert werden, mit einbezogen werden, mit drin sind in den Rechten für die Natur.

Und beim Lesen des Buches hat mir ein kleiner Absatz sehr viel Hoffnung gegeben, nämlich als die Sprache auf Kopernikus kam. Du erinnerst dich vielleicht, damals, vor vielen 100 Jahren, hat Nikolaus Kopernikus gesagt, dass nicht die Erde im Mittelpunkt von allem steht und sich alle Planeten und die Sonne darum drehen, wie die Kirche und die gängige Wissenschaft damals in Europa uns ja, ich will nicht sagen weismachen wollte, sondern was der gängige Wissensstand damals war, sondern dass sich die Erde um die Sonne dreht. Etwas, wo wir heute sagen würden: ist doch klar, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht andersrum. Das wird jetzt niemand mehr infrage stellen, aber damals war es etwas, was als total spinnert abgetan wurde. Und das hat auch das ganze Weltbild erschüttert. Das war damals dieses geozentrische Weltbild, also dass die Erde im Mittelpunkt steht, damit auch der Mensch im Mittelpunkt steht. Und alles andere dreht sich um die Erde, um uns herum. Aber so war es nicht und so ist es auch immer noch nicht, denn die Erde dreht sich mit anderen Planeten um die Sonne.

Kopernikus hat es damals gar nicht mehr miterlebt, dass seine Gedanken und seine Idee anerkannt wurden. Das ist ja erst dann viel später passiert. Aber er war der erste, zumindest geschichtlich übermittelt, vielleicht gab es ja noch andere Personen, die das schon viel früher oder gleichzeitig entdeckt haben. Also in unserer Geschichtsschreibung war Kopernikus der erste, der gesagt hat okay, die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Und das war der Anstoß, um dieses Weltbild, was wir damals hatten, zu ändern.

Und diese sogenannte kopernikanische Wende gibt mir Hoffnung, weil ich denke, dass wir genau so was jetzt auch haben können. Wir haben das schon mal geschafft, in der Geschichte unser Weltbild komplett zu ändern. Wir haben gedacht, das sei so, aber es ist eigentlich ganz anders und es war tief verankert in unseren Köpfen, in unseren Herzen. Wir haben wirklich fest daran geglaubt. Aber dann haben wir es geschafft, dieses Weltbild ja quasi um 180 Grad zu wenden und an etwas anderes zu glauben. Und das ist etwas, was mir sehr viel Hoffnung gibt.

Und ein weiterer Punkt, der mir Hoffnung gibt, läuft unter dem Titel „Wir konnten auch anders.“ Da haben wir jetzt schon öfter drüber gesprochen, aber ich fand es sehr interessant. In dem Buch „Rechte für Flüsse, Berge und Wälder“ ist auch ein Kapitel über die Rolle des politischen Theaters um die Rechte der Natur, uns, der Bevölkerung, den Menschen näher zu bringen, also der Bevölkerung des globalen Nordens, der eurozentrisch geprägten Menschen, muss man ja dazu sagen. Und da wird dann auch noch mal darüber gesprochen, über Riten und Bräuche, die es vor dem Christentum gab. Bevor es das Christentum gab, war es einfach so, dass wir eine viel stärkere Bindung noch zur Natur hatten, auch in Europa.

Es ist nicht so, dass es nur im globalen Süden bei indigenen Völkern eine starke Bindung zwischen Natur und Menschen und vielleicht auch dem Verwischen zwischen allem gab, also dass wir alle Natur sind, sondern auch bevor das Christentum auf den Plan getreten ist, gab es unterschiedlichste vielfältige Bräuche und Riten überall in Europa, die die Natur mit dem Menschen verbunden haben. Also wir waren uns eigentlich dessen bewusst, dass wir eine Einheit bilden, dass wir verbunden sind, wie ein Netzwerk. Und erst mit dem Christentum war es dann so, dass diese Bräuche gekappt wurden und die Riten gekappt wurden und das auch ganz physisch, zum Beispiel durch Hexenverbrennungen, Verfolgungen von Menschen, die öffentlich gesagt haben, dass sie sich verbunden fühlen mit der Natur, die an Feen geglaubt haben, die generell irgendwelche Bräuche noch durchgeführt haben, die nicht der christlichen Religion entsprochen haben und diese über 2000 Jahre Verfolgungen, muss man ja schon sagen, haben dazu geführt, dass wir heute der Meinung sind, dass alles Naturverbundene - also wir jetzt hier im globalen Norden eurozentristisch Europa irgendwie so in der Art würde ich sagen - dass alles Naturverbundene gleich als esoterisch, schlimm und schrecklich abgestempelt wird und auf keinen Fall wissenschaftlich beweisbar in Ordnung ist. Auch wenn das wissenschaftlich Beweisbare jetzt mit dem Christentum nichts zu tun hat.

Aber diese Entfremdung von der Natur hat damit angefangen, dass das Christentum uns getrennt hat, dass wir nur noch Bräuche durchführen durften, die mit dem Christentum zusammenhingen und nichts mehr, was uns irgendwie mit der Natur verbunden hat. Und der Mensch wurde in den Mittelpunkt gestellt, der Mensch allein. Und der Mensch ist das Maß aller Dinge und nicht mehr ein Teil von der ganzen Natur, sondern der Mensch soll ja über die Schöpfung herrschen usw und so fort. Und jetzt stehen wir hier und müssen eigentlich diese über 2000 Jahre Entwicklung wieder rückgängig machen. Also was jetzt unsere Entfremdung von der Natur angeht, natürlich nicht generell die Entwicklung, sondern diesen Aspekt und uns wieder neu daran gewöhnen. An etwas, was früher aber schon da war.

Und deswegen gibt mir das auch Hoffnung, weil es nicht so ist, dass es irgendwie was Neues ist, sondern etwas, was wir einfach nur verlernt haben bzw was uns abtrainiert wurde. Natürlich jetzt hier über Jahrtausende, also viele Generationen lang. Deswegen sitzt es ja auch so tief. Und was wir aber von indigenen Völkern auch wieder lernen können und so gehen auch Staaten, inspiriert durch indigene Völker, auch schon voran, was die Rechte der Natur in die Aufnahme der Verfassung angeht.

Ecuador war das erste Land 2008, was die Rechte der Natur in die Verfassung aufgenommen hat und das maßgeblich inspiriert durch die indigenen Andenvölker, die das sogenannte „Buen Vivir“ mit in die Verfassung tragen wollten. Und auch da war es so - ich habe mir dazu auch noch eine Dokumentation angeguckt und auch noch einige andere Dinge mehr dazu angehört und durchgelesen. Ich verlinke alles in den Shownotes. Ich habe da eine ganz lange Linkliste erstellt - auch da war es so, dass da zu Beginn gedacht wurde: Die spinnen doch, das wird nicht funktionieren. Aber es ist durchgesetzt worden und 2008 in die Verfassung aufgenommen worden. Dann hat es aber relativ lange gedauert, bis das Recht auch angewendet wurde.

Denn das ist ja der nächste Punkt. Es kann in der Verfassung stehen, aber jetzt müssen erstmal Richter·innen, Anwält·innen und auch generell die Bevölkerung damit arbeiten und das auch anerkennen und das nutzen. Und da war es wirklich lange Jahre so, dass es gar nicht genutzt wurde, dieser Artikel, der da aufgenommen wurde. Und erst im Dezember 2021 wurde das Recht der Natur tatsächlich dann auch umgesetzt, als Ecuador die Pläne zum Kupfer und Goldabbau im Nebelwald Los Credos mit Berufung auf die Rechte der Natur gestoppt hat.

Dem ging auch wieder ein längerer Kampf voraus und die Person, die da maßgeblich daran beteiligt war, sagte dort auch, dass die Anwält·innen, die damit beschäftigt waren, einfach alle möglichen Gründe aufgeführt haben, warum der Bergbau dort nicht stattfinden soll. Unter anderem auch diesen Artikel 71, der auf die Rechte der Natur verweist. Und sie haben selber nicht so wirklich daran geglaubt, dass das dann auch funktioniert, weil es bisher, die vergangenen Jahre einfach nie angewendet wurde. Und dann hat aber das Gericht diesen Fall rausgepickt und gesagt: So, wir müssen jetzt mal die Rechte der Natur an einem bestimmten Präzedenzfall durchexerzieren und haben das dann mit diesem Fall gemacht. Und dann waren die Rechte der Natur hier auch maßgeblich dafür, dass dort der Kupfer- und Goldabbau gestoppt wurde. Das heißt, das ist ein erfolgreicher Anwendung der Rechte der Natur, um diesen Nebelwald zu schützen.

Und es gibt weltweit tatsächlich auch immer weitere Fälle, in denen einzelne Ökosysteme oder Wälder, Flüsse oder teilweise auch einzelne Personen wie Tiere geschützt werden. 2010 und 2012 hat auch Bolivien das Recht der Natur mit in die Verfassung aufgenommen. Ansonsten gibt es nur Rechte für einzelne Ökosysteme weltweit. Da gibt es einzelne, die sehr bekannt geworden sind. Bekannte Fälle, die du vielleicht schon kennst. Ich habe das alles verlinkt und es gibt auch eine Karte, auf der du dir anschauen kannst, wo im Moment auf der ganzen Welt schon solche Fälle angewendet werden oder wo das in Planung ist oder angedacht ist. Und das ist eigentlich ziemlich interessant. Wir haben uns das vorhin angeguckt. Du, Carsten, hast ja auch gesehen, dass da schon ziemlich viel stattfindet.

Carsten Ja, und vor allen Dingen, das noch mal in den Kontext zu führen. Das geht jetzt nicht um Naturschutzrechte, die eh schon existieren, sondern da wird z.B. in England einem Fluss Persönlichkeitsrecht zugesprochen, der hat ein eigenes Anrecht darauf, quasi gesund und vital und sauber zu sein.

Stefanie Genau in England ist es tatsächlich noch mal speziell. Ich hatte dazu auch eine Podcastfolge gehört von Rob Hopkins von „From What If to what next“ Podcast: Was wäre, wenn wir der Natur Rechte geben würden? Wenn Englisch für dich kein Problem ist, ist diese Folge auch sehr inspirierend. Und da wurde unter anderem auch dieser River Ouse genannt. Und in England ist es so, dass Wasser der Gemeinschaft gehören muss und deswegen kann der Fluss kein Recht auf Wasser haben. Also da ist wieder so eine spezielle Rechtsprechung. Aber es ist so, wie du gerade sagtest, der Fluss hat ein Recht darauf, sauber zu sein, gesund zu sein und geschützt zu werden.

2022 wurde in Spanien die Salzwasserlagune Mar Meno als erstes Ökosystem in Europa mit eigenen Rechten ausgestattet. Das war so das bahnbrechende Ereignis, dass es nicht nur in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten soweit ist, wo es vor allem indigene Völker sind, die das vorantreiben, sondern auch hier in Europa ein ganzes Ökosystem wirklich geschützt wird.

Und in Deutschland gibt es eine Initiative, das „Netzwerk Rechte der Natur“, die eine Grundgesetzreform fordert und da auch schon die entsprechenden Artikel umformuliert oder neu formuliert hat und im August 2022 fertiggestellt wurde. Da kannst du auf jeden Fall auch noch mal schauen. Ist wie gesagt auch verlinkt, was das genau bedeutet. Und das ist bis jetzt nur eine Initiative, die versucht das Grundgesetz zu ändern. Es gibt auch mehrere Volksbegehren in Deutschland, eins in München, in Bayern, was so als erstes gestartet ist, was in der bayerischen Verfassung auch die Rechte der Natur hinterlegen möchte. In Berlin ist das auch schon gestartet und Thüringen, Niedersachsen und Baden Württemberg wollen das Volksbegehren auch starten. Also nicht das schon Aufnehmen in die Verfassung, sondern es gibt dort Initiativen, Menschen, die dieses Volksbegehren starten wollen.

Also das heißt, es tut sich was, es tut sich weltweit was. Aber es tut sich auch in Deutschland und im deutschsprachigen Raum und im europäischen Raum etwas. Und überall sind Menschen aktiv und möchten für die Rechte der Natur eintreten. Und das ist etwas, wo ich denke: Lasst uns vernetzen, dass Menschen, die für Tierrechte eintreten, sich mit Menschen, die für die Rechte der Natur eintreten, vernetzen, um einfach das Bündnis noch viel größer und stärker zu machen.

Also was braucht man jetzt eigentlich, um die Rechte der Natur dann auch umzusetzen? Da schreibt Matthias Kramm in seinem Buch: Es braucht als Minimum eine unabhängige Judikative, rechtlich geschützte Umweltaktivist·innen und engagierte Richter·innen. Es muss also ein einklagbares Umweltrecht geben, sonst funktioniert das nicht.

Wie kann das jetzt genau aussehen, wenn die Rechte der Natur umgesetzt werden? Es gibt verschiedene Modelle, die auch je nachdem schon angewendet werden. In Ecuador ist es so, dass alle Menschen stellvertretend klagen können für die Natur. Also wenn du in Ecuador ansässig bist, dann kannst du für den Fluss, der an deinem Haus vorbei fließt, Klage erheben. Das sind nicht bestimmte Menschen, die das machen, sondern du kannst das. Also alle können das machen.

Und ein anderes Konzept ist, dass Repräsentant·innen gewählt werden. Das heißt, es gibt dann eine Gruppe von Menschen, die quasi als Wächter·innen dieses Ökosystems, dieser Natur, also was auch immer es ist, gewählt werden. Das funktioniert dann nicht für die ganze Natur, sondern immer nur für spezielle, ausgewählte Subjekte. Das sind ja dann keine Objekte mehr, sondern Subjekte. Weil diese Subjekte nicht für sich selbst sprechen können, brauchen sie dann eine·n menschlichen Vertreter·in, der·die für sie spricht. Und am besten sind das dann Menschen, die lokal mit diesem Ökosystem verbunden sind. Wir kennen das ja selbst von uns. Wenn was weit weg ist und wir haben da irgendwie gar keine Verbindung zu, dann fühlt sich das auch irgendwie so an, als würde es uns nicht betreffen und wir fühlen uns weniger verantwortlich dafür. Wenn das aber direkt vor unserer Haustür stattfindet und es steht in einem direkten Bezug zu uns, dann sind wir auch viel eher bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Der Vorteil von diesem Modell ist, dass im Vorfeld präventiv eingegriffen werden kann und nicht erst, wenn Schaden droht oder schon passiert ist. Wenn alle stellvertretend klagen können, dann machen die meisten das ja erst, wenn sie sehen, okay, da droht jetzt Schaden, der Baum soll gefällt werden oder da entsteht eine neue Anlage, die den Fluss verschmutzt oder irgendwie sowas. Das heißt, da werde ich dann erst klagen, wenn ich sehe, okay, da kommt was auf mich zu. Aber wenn es eine feste Gruppe von Repräsentant·innen gibt, von Wächter·innen, dann kann mit dieser Gruppe auch schon vorher geredet werden. Dann kann diese Gruppe einbezogen werden in Planungsprozesse und dann kann der Fluss zum Beispiel oder der See, als Subjekt mit teilnehmen an den Planungsgesprächen oder an Entwicklungsgesprächen oder was auch immer und mitbedacht werden. Dann muss nicht erst im Nachhinein gesehen werden okay, da droht Schaden, ich klage jetzt. Sondern man kann außerhalb von einem Klagesystem dann schon miteinander sprechen, wie das jetzt genau aussehen kann.

Beispiele findest du in dem Buch und auch in den ganzen anderen Medien, die ich verlinkt habe. Da sind auch einige, wie gesagt, also Filmbeispiele, Hörbeispiele, Lesebeispiele und alles Mögliche dabei. Klicke dich da gerne mal durch und schau dir das an!

Es gibt es ja auch immer wieder Menschen, die sich dann darüber lustig machen: Rechte für die Natur - Du kannst doch jetzt nicht etwas wie einem Fluss, der überhaupt nicht für sich selbst sprechen kann, Rechte geben. Wie kann denn sowas zu einer Rechtsperson, einem Subjekt werden? Und wenn du da unter entsprechenden Artikeln im Internet die Kommentare liest, dann bekommst du so einen Eindruck was es alles für „Ja abers“ gibt. Ich empfehle dir die nicht zu lesen, die Kommentare. Das ist sehr ermüdend, so was zu lesen. Generell ja sowieso.

Und in Ecuador war es natürlich genauso. Auch da gab es Menschen, die stark dagegen argumentiert und gesagt haben: das funktioniert einfach nicht, was ist denn das für ein Hirngespinst, jetzt der Natur Rechte zu geben? Und die Menschen wurden tatsächlich überzeugt, als die Rechte der Natur mit Rechten für Neugeborenen verglichen wurden, die ja auch noch nicht für sich stellvertretend sprechen können, die aber natürlich trotzdem schon Rechte haben. Oder Komapatient·innen, die ja auch nicht, nur weil sie jetzt im Koma liegen, keine Rechte mehr haben. Die brauchen auch alle Menschen, die für sie sprechen.

Und wenn wir nur rein rechtlich schauen, dann ist es ja bei uns in der Rechtsprechung auch schon so, dass auch Wirtschaftsunternehmen GmbHs keine wirklichen Personen sind, sondern als Personenkonstrukt aber schon im Recht gesehen werden. Und es sind aber auch Firmen, die eigentlich subjektlos sind. Und da gibt es dann Repräsentant·innen dieses Unternehmens, die für das Unternehmen sprechen. Das heißt, in unserer Rechtsprechung ist diese Art und Weise, dass es Repräsentant·innen gibt, die für ein ein Subjekt sprechen, was nicht für sich selbst sprechen kann, schon vorhanden. Wir müssen das also alles gar nicht neu erfinden, sondern wir müssen diesen Rechtsbegriff einfach nur ausweiten auf die Rechte der Natur.

Und abschließend möchte ich noch einen Aspekt erwähnen, den ich auch sehr wichtig finde, was die Rechte der Natur angeht. Ich hatte ja diese Podcastfolge genannt von Rob Hopkins „From what if to what next“: Was wäre, wenn die Natur Rechte bekäme? Und da wurde ein Anwalt interviewt, der gemeinsam mit anderen zusammen zuvor ein Theaterstück aufgeführt hatte, wo einem Baum Rechte zugesprochen wurden. Und er hatte darüber gesprochen, erstmal, dass es ihm sehr viel Spaß gemacht hat, endlich neue Gesetze schreiben zu können, wo er doch sonst immer dafür ausgeschimpft wird, wenn er Gesetze erfindet. Aber er hat auch davon gesprochen, nicht nur in diesem Theaterstück, sondern auch generell - es gibt diesen Fluss, ich meine, dass es auch dieser Fluss Ouse war, für den er sich einsetzt und für den er auch als Repräsentant tätig ist - dass er dadurch, dass er diesem Fluss oder dem Baum Rechte zugesteht und dieses Stück Natur als Subjekt wahrnimmt, eine ganz andere Verbindung zur Natur auch hat, ein ganz anderes Verantwortungsgefühl auch.

Und als ich das gehört habe, habe ich gedacht, das wäre eigentlich die Lösung! Zum Beispiel bei unserem Badesee, wenn da immer alles so verschmutzt ist, nachdem schöner Sonnenschein war und viele da dann gegrillt haben und so und am nächsten Tag liegt der ganze Müll da noch rum. Wenn jetzt der ganze Bereich dieses Badesee und was so dazu gehört, ein Subjekt mit Rechten wäre und wir als Repräsentant·innen dann dort alle als Gruppe uns darum kümmern würden, dann hätten wir eine ganz andere Verbindung zu diesem Subjekt, zu diesem See und würden diesen See ganz anders pflegen und ganz anders damit umgehen. Und niemand würde mehr auf die Idee kommen, überhaupt da Müll einfach rumliegen zu lassen, weil das einfach eine Missachtung der Rechte dieses Subjekts wäre.

Und das hat mir dann auch wieder noch mal Hoffnung gegeben, dass ich gedacht habe, dieser Punkt also wirklich zu schauen: Wir geben der Natur Rechte, wir geben einzelnen Ökosystemen Rechte, dadurch wird die Beziehung zu der Natur eine ganz andere. Das ist auch etwas, was die Verbindung stärken kann und was uns wieder näher bringen kann zur Natur und uns auch klar werden lässt, dass wir ein Teil der Natur sind. Wir können einfach nicht getrennt sein von der Natur, sondern wir sind alle ein großes Netz von vielen, vielen verschiedenen Subjekten in diesem Netz. Und wir sind alle miteinander verbunden. Und leider ist es so in unserer Gesellschaft, dass diese Verbindung gekappt wurde. Und was wir jetzt tun müssen, ist, diese Verbindung wieder zu heilen. Und die Rechte der Natur sind für mich ein wirklich guter Weg, um das zu schaffen.

Carsten Ja, das ist doch ein schöner, fundierter Abschluss. Aber nicht ganz. Also nur für diese Folge. Du hattest es ja vorhin schon angedeutet: Das ist eigentlich ein Auftakt thematisch. Du hast noch viele weitere Bücher gefunden, die du lesen möchtest. Wir werden das Thema auf alle Fälle noch mal in weiteren Folgen weiter ausbauen und ausarbeiten. Ich bin schon total gespannt, weil auch für mich ist das eine wunderschöne Möglichkeit, um diesen Bezug zur Natur auch auf einer anderen Ebene, auf der rechtlichen Ebene nochmal irgendwie zu denken, vielleicht sogar auszuleben.

Und damit du dich, liebe·r Hörer·in da auch schon mal mit intensiver auseinandersetzen kannst, nochmal hier die Erinnerung: Dieses Buch, was wir hier indirekt mit angesprochen haben, steht zur Verlosung. Wenn du es haben willst, schreib eine Email an post@vonherzenvegan.de. Und das ganze bitte bis zum 20.12.2023. Und wir werden dann am Folgetag schauen, was für Einsendungen gekommen sind, wer dieses Buch gerne lesen möchte und werden das dann unter allen Personen, die uns geschrieben haben, verlosen.

Stefanie Ja, da bleibt mir nur noch zu sagen in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören und ach so schönen Nikolaustag.

Carsten Nikolaus Genau.

Stefanie Wenn du das hier an dem Tag hörst...

Folge 295 - Meditation zur Stärkung vor einer Familienfeier

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Folge 295 - Meditation zur Stärkung vor einer Familienfeier

In dieser besonderen Folge haben wir etwas für Dich: Wir haben eine ruhige Gedanken-Reise für Dich. Diese Reise kann Dir helfen, wenn Du Dich gestresst fühlst. Zum Beispiel vor einem Familien-Treffen oder einer Weihnachts-Feier.

Diese Folge ist besonders für Menschen, die vegan leben. Manchmal ist es schwer, vegan zu leben, wenn andere Menschen das nicht tun. Diese Folge soll Dir dabei helfen.

Die Gedanken-Reise ist eine Form der Entspannung, die Dir viele Vorteile bringen kann. Zum Beispiel kann sie Dir helfen, Deine Emotionen besser zu regulieren, Dein Selbstbewusstsein zu stärken, Deine Kreativität zu fördern und Deine Konzentration zu verbessern. Außerdem kann sie Dir helfen, Deine vegane Lebensweise zu reflektieren und zu schätzen, und Dich mit anderen vegan lebenden Menschen zu verbinden.

Die Gedanken-Reise ist ganz einfach zu machen. Du brauchst nur einen ruhigen Ort, an dem Du Dich wohl fühlst, und ein paar Minuten Zeit. Wir werden Dir eine Anleitung geben, wie Du Dir einen schönen Ort vorstellst, an dem Du Dich entspannen kannst. Du wirst sehen, wie gut es Dir tut, diese Reise zu machen.

Wir wünschen Dir eine entspannte Weihnachtszeit.

Links zur Folge

Mein Buch "Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt."
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Wir folgen weiter unserem Masterplan A zum Erreichen unserer 300 Folgen im Jahr 2023.

Carsten Tschaka!

Stefanie Und nicht Masterplan B, was ja die Idee war, jetzt sofort aus dieser Folge „Folge 300“ zu machen. Nein, artiger Weise werden wir tatsächlich sieben Folgen veröffentlichen. Eine von den sieben haben wir ja schon veröffentlicht und das ist dann jetzt die zweite.

Und du merkst vielleicht einen Unterschied. Diese Folge erscheint an einem Sonntag und nicht an einem Mittwoch. Und es ist nicht irgendein Sonntag. Es ist der 1. Advent und wir haben uns etwas Besonderes überlegt. Inspiriert durch Martin H., unseren treuen Hörer und Steady Unterstützer, der geschrieben hat, dass er sich sehr auf die Zen-Folge freut, die Carsten angeteasert hat, mit der halben Stunde Stille. Also gut, er hat exakt gesagt, dass er sich auf die Meditation voll freut und ich habe ihn jetzt mal beim Wort genommen und gedacht: Hey, vor vier Jahren hatte ich schon mal an den Adventssonntagen Meditationen verschenkt. Die waren damals nicht frei zugänglich, sondern für Clanmitglieder und/oder Newsletter-Leser·innen. Und dann konntest du dir die Meditation auch noch per Email zuschicken lassen.

Diese drei Möglichkeiten gibt es jetzt nicht mehr. Der einzige Ort, an dem diese Meditation momentan verfügbar sind, ist die Webseite zu meinem Buch. Das heißt, wenn du das Buch gekauft hast „Dein Reisebuch gelassen vegan leben in einer nicht veganen Welt“, dann hast du Zugriff zu einer Webseite, einer geschützten Webseite und dort findest du auch diese Meditationen und Phantasiereisen.

Das heißt, es kann sein, dass du diese Meditation, die du jetzt dann gleich, wenn ich endlich aufgehört habe zu reden, hören wirst, schon kennst. Es kann aber auch durchaus sein, dass diese Meditation neu für dich sind. Auf jeden Fall haben wir beschlossen, zwei von diesen Phantasiereisen zu recyceln und somit unseren Masterplan A weiter zu führen, um auf 300 Folgen zu kommen.

Das heißt, an diesem Adventssonntag hörst du eine Mischung aus Meditation und Phantasiereise zur Stärkung vor einer Familienfeier. Und am folgenden Adventssonntag, also am 2. Advent, wirst du dann eine Mischung aus Meditation und Phantasiereise zur Stärkung nach einer Familienfeier hören.

Ich habe diese Fantasiereisen oder auch Meditationen entwickelt, um dir zu helfen, dich mental zu stärken, vor und nach solchen Extremsituationen wie jetzt Familienfeiern während der Weihnachtszeit. Natürlich können das auch Familienfeiern während jeder anderen Jahreszeit sein oder andere Zusammenkünfte. Es muss nicht unbedingt die Familie sein. Aber letztlich richtet es sich explizit wirklich an Menschen, die vegan leben und die sich dieser sozialen Herausforderungen bewusst sind, die mit dem veganen Leben einhergehen.

Und diese Meditationen, die ich vor vier Jahren schon eingesprochen und veröffentlicht habe, sind natürlich heute noch genauso aktuell und können dich heute noch genauso unterstützen wie vor vier Jahren auch. Und deswegen, dachte ich, passt es ganz gut jetzt gerade auch so in die Weihnachtszeit hinein. Das ist was, was du dir immer mal zwischendurch anhören kannst und was du einfach so auch ja unterwegs hören kannst. Oder vielleicht auch zu Hause in Vorbereitung. Einfach um dich auf dich selbst zu besinnen, dir ein bisschen Zeit für dich zu nehmen.

Und wenn diese sozialen Herausforderungen in deinem Leben als Veganer·in gerade eine große Rolle spielen, dann kann ich dir nach wie vor immer noch mein Buch ans Herz legen „Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht veganen Welt“. Dort ist die Essenz meiner Methode, wie du gelassen vegan leben kannst, enthalten. Und wie gesagt, es gibt dazu diese geschützte Webseite, wo es unterschiedlichste Medien noch gibt, die ich dir da als Ergänzung zur Verfügung stelle. Und das Buch macht sich natürlich auch sehr gut als Geschenk. Falls du noch auf der Suche bist nach einem Weihnachtsgeschenk, freue ich mich sehr, kannst du gerne dieses Buch verschenken oder es dir schenken lassen. Das ist ja auch noch eine Idee. Ich habe diesen Link, wo du alle Informationen zum Buch findest, dann natürlich in den Shownotes hinterlegt. Also das nur noch so als kleiner Einschub.

Carsten (im Flüsterton) Kauf das Buch... Kauf es...

Stefanie Da kann ich nur sagen In diesem Sinne.

Carsten Dann wünschen wir dir an dieser Stelle schon viel Spaß mit der Meditation. Und bis zum nächsten Mal.

Stefanie Tschüss!

Stefanie Heute lade ich dich ein zu einer Reise.

Wenn du magst, mach es dir ganz bequem und schließe deine Augen. Lass dich einfach von meiner Stimme leiten.

Vergiss unterwegs das Atmen nicht. Atmet tief in den Bauch ein und wieder aus.

Wenn du magst, lege unterstützend deine Hände auf den unteren Bauch und spüre bei jedem Ein- und Ausatmen, wie sich deine Hände heben und senken.

Unsere Reise führt dich in den Wald.

Es ist Nacht.

Du stehst am Waldrand und nur der Mond und die Sterne beleuchten den Pfad vor dir.

Während du langsam den Weg entlang gehst, hörst du, wie das Laub unter deinen Füßen raschelt.

Und kleine Zweige leise knacken. Ein kühler Nachtwind streift deine Wangen.

Der Pfad führt zu einer grasbewachsenen Lichtung. In deren Mitte ein großer Baum steht.

Von diesem Baum scheint eine eigentümliche Kraft auszugehen. Eine Art pulsierende Energie, die dich magisch anzieht.

Der Baum ist so groß, dass du seinen Stamm mit deinen Armen zweimal umspannen könntest. Er muss uralt sein.

Langsam gehst du auf ihn zu. Und berührst ehrfürchtig seine Rinde mit deinen Händen.

Dieser Baum war schon lange vor dir da und hat schon vieles gesehen und vieles überlebt.

Du setzt dich zwischen die Wurzeln des Baums und lehnst dich an seinen Stamm. Du machst es dir ganz gemütlich und schließt deine Augen.

Und wie du so dasitzt und langsam ein und ausatmest, spürst du auf einmal eine Kraft an deinem Rücken und du öffnest langsam deine Augen.

Die Lichtung ist wie verwandelt. Alles, was bei Tag grün ist, schimmert wie von leuchtenden smaragdgrünen Fäden durchwoben.

Du schaust dich staunend um. Und dann fällt dein Blick auf deine Hände, die von leuchtenden roten Fäden durchzogen sind, als würden deine Adern leuchten.

Du schließt deine Augen.

Und kannst diese Fäden nun auch an deinem Kopf sehen.

Du spürst diesen Fäden nach. Und sie führen dich in deine Körpermitte. In der ein wahres Feuer brennt. Eine warme, leuchtende Quelle der Kraft.

Und du spürst, wie die Kraft, die den Baum und die Lichtung leuchten lässt, nun auch in dir ist.

Und wie sie dich ganz umgibt.

Sie umgibt dich wie einen Schutzmantel.

Du fühlst dich stark.

Du bist verbunden mit allen Lebewesen und der Natur um dich herum.

Diese Kraft fließt durch dich und alles hindurch. Du fühlst dich stark. Beschützt von dieser Kraft. Dieser Quelle in dir.

Die immer für dich da ist. Und die dir immer Kraft spendet.

Die dir zeigt, Du bist gut so, wie du bist.

Und die dich wie einen Schutzmantel umgibt. An dem all die negativen Kommentare und blöden Sprüche von außen einfach abprallen.

Du bist verbunden mit der Natur. Und mit den Lebewesen.

Du spürst die Kraft.

Du weißt, was wirklich wichtig ist.

Und dieses Wissen gibt dir die Kraft, dich zu schützen.

Du spürst die Energie durch deine Adern pulsieren.

Sie webt einen Mantel um dich herum.

Du hast diese Kraft in dir.

Du bist stark.

Du musst nicht diskutieren, wenn du es nicht möchtest.

Du kannst frei entscheiden, wie du mit den Kommentaren von den anderen umgehst.

Diese Kraft in dir wärmt dich und bleibt dir erhalten. Sie umgibt dich.

Jetzt, wo du sie gesehen hast und wo du weißt, dass sie da ist, wird sie nie wieder verschwinden.

Du atmest noch einmal tief ein und aus.

Bedankst dich bei dem Baum.

Und stehst auf.

Du berührst noch einmal seine Rinde und bewunderst das Leuchten um dich herum.

Das Leuchten kommt aus den Lebewesen und der Natur heraus.

Und als sein Blick auf deine Hände fällt, siehst du, dass auch du weiterhin leuchtest.

Du kannst es jetzt sehen. Du fühlst dich stark.

In dir leuchtet diese Quelle der Kraft.

Langsam machst du dich auf den Weg zurück. Bist dir der Umgebung sehr bewusst. Nimmst alles ganz klar wahr.

Das Laub unter deinen Füßen.

Das Rauschen des Windes.

Das Rascheln der Blätter.

Und ab und zu ein Schrei eines Nachtvogels.

Du siehst den Mond und die Sterne glitzern.

All das umgibt dich. Und all das ist immer da.

Genauso wie diese Kraft in dir. Dieser Schutzmantel, der dich umgibt und der dich stärkt und den du immer bei dir trägst.

Deine Schritte führen dich aus dem Wald hinaus.

Und du machst dich auf den Weg nach Hause.

Folge 294 - Solidarisch leben in einer nicht-solidarischen Welt

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Folge 294 - Solidarisch leben in einer nicht-solidarischen Welt

In dieser Folge sprechen wir über unsere Erfahrungen mit solidarischen Gemeinschaften.

Wir sind momentan Teil von zwei solidarischen Gemeinschaften:

  • einer freien, demokratischen Schule seit August 2019
  • einer SoLawi (solidarischen Landwirtschaft) seit August 2022

Ein gutes Leben für alle kann nur gelingen, wenn wir solidarisch leben, wenn wir zusammenhalten. Carsten und ich versuchen daher unser Leben so solidarisch wie möglich zu gestalten und stoßen dabei immer wieder an Grenzen.

Solidarische Gemeinschaften gibt es nur, wenn alle mitmachen. Jede·r muss etwas von seiner·ihrer Zeit geben. Das bedeutet: Jede·r muss etwas tun für die Gemeinschaft.

Doch Zeit ist in unsere Gesellschaft ungerecht verteilt und die Gemeinschaften sind nur ein Aspekt von vielen in unserem Leben. Das macht es schwer solidarisch zu leben.

Hinzu kommt noch der Fokus unserer Gesellschaft auf das Individuum. "Unterm Strich zähl ich." Die Gesellschaft verlangt von mir, dass ich mich nur auf mich konzentriere. Das steht dem "Wir"- Gefühl oft im Weg.

Die solidarischen Gemeinschaften sind wie kleine Inseln in einem Meer aus Individualismus. Das macht es oft schwierig, für andere da zu sein.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Der Countdown hat begonnen. Sieben Folgen noch bis zum Ende des Jahres 2023. Das ist die erste von diesen sieben Folgen. Und Carsten und ich verraten jetzt noch nicht, wie wir das schaffen werden. Aber wir haben einen Plan.

Carsten Den Masterplan zur Eroberung der dreihundertsten Folge.

Stefanie Genau. Wir werden das auf jeden Fall schaffen. Tschaka, Tschaka, Tschaka, usw. Es sei denn, unvorhergesehene Ereignisse passieren.

Carsten Sonst überspringen wir Folgen. Also die Dreihundertste kommt auf alle Fälle.

Stefanie Wir nennen einfach die nächste Folge „Folge 300“ und damit ist es dann gegessen. Und... Mist, jetzt haben wir es verraten.

Carsten Scheiße!

Stefanie Das war….!

Carsten Unser Masterplan B.

Stefanie Das war der Masterplan, genau.

Also in dieser Folge soll es um solidarisch Leben in einer nichtsolidarischen Welt gehen. Und bevor wir erklären, was wir damit meinen und dazu was erzählen, möchte ich mich ganz herzlich bei Julia H. und Lena K. bedanken, die ebenso wie Martin H. und Birgit G. ihre finanzielle Unterstützung um ein Jahr verlängert haben.

Carsten Yeah! Auch von mir ganz vielen lieben Dank!

Stefanie Ein herzliches Dankeschön! Und ich freue mich natürlich über alle, die es diesen vier Personen gleich tun wollen und auch diesen Podcast und all die anderen kostenlosen Inhalte, die von uns und mir hier zur Verfügung gestellt werden, finanziell unterstützen wollen. Das wäre ganz toll. Wie gesagt, es gibt auch die Möglichkeit, sich das schenken zu lassen. Da findest du den Link dazu hier unter der Folge in den Shownotes. Und wenn du sagst, du möchtest nicht über Steady finanziell unterstützen, aber Geld wäre trotzdem möglich, gibt es auch noch andere Wege, zum Beispiel über PayPal oder als Überweisung. Die Informationen, wie du das machen kannst, findest du auch als Link hier in den Shownotes.

Und wenn du sagst finanziell ist bei mir gerade nicht so rosig, aber ich würde trotzdem gern was zurückgeben, gibt es ja immer noch die Möglichkeit Zeit zu spenden in Form von Korrekturlesen, von Transkripten der Podcastfolgen, vom „Mehr als Vegan Podcast“. Da sind jetzt noch 156 Folgen offen, denn ich habe – Trommelwirbel…..- in der Zwischenzeit acht Folgen immerhin Korrektur gelesen. Tataaaa, Ich habe mir vorgenommen, jetzt noch weitere Folgen Korrektur zu lesen, bin aber nicht ganz sicher, ob ich es wirklich bis zum Ende des Jahres schaffe, noch 156 Folgen zur Korrektur zu lesen.

Also wenn ich mich Tag und Nacht hinsetze, könnte es vielleicht noch klappen. Es wäre irgendwie schön, das noch zu schaffen, nur bräuchte ich dafür Unterstützung. Das heißt also, wenn du Zeit spenden möchtest und du fühlst dich dazu in der Lage, Transkripte Korrektur zu lesen, melde dich bei mir unter post@vonherzenvegan.de. Und dann finde ich die passende Folge für dich und dann schaffen wir das gemeinsam. Also bitte 156 Menschen jetzt bei mir melden und schnell ist es getan.

Carsten Ja, und das war ja das Stichwort: Gemeinsam, Gemeinsamkeit. Wir wollen ja heute über Solidarität sprechen, über solidarische Gemeinschaften und wie die jetzt schon existieren und wo wir eigentlich hin wollen und hin müssen.

Stefanie Ja, das stimmt. Ich habe unbeabsichtigt jetzt genau ins Thema geleitet. Das war nicht abgesprochen und von daher würde ich sagen, wir starten jetzt tatsächlich mal mit dem Thema dieser Podcastfolge.

Und zwar ist es so, dass Carsten und ich jetzt nicht nur theoretisch darüber sprechen. Wie ist das denn so, solidarisch in einer nicht solidarischen Welt zu leben, sondern wir sind Teil von zwei solidarischen Gemeinschaften. Einmal der Freien Demokratischen Schule, schon seit August 2019. Das heißt, wir sind da jetzt ein bisschen mehr als vier Jahre dabei. Da können wir aus Erfahrungen schöpfen. Und seit August 2022, also ein bisschen mehr als einem Jahr, sind wir auch Teil der solidarischen Landwirtschaft hier bei uns in der Nähe.

Wir haben zwei Solidargemeinschaften, wo wir Erfahrungen sammeln konnten, und das hat letztlich auch dazu geführt, dass ich gesagt habe, ich möchte jetzt mal diese Folge aufnehmen, weil es tatsächlich so ist, dass nicht alles immer super funktioniert. Und warum das so ist, darüber wollen wir heute sprechen.

Erstmal zu Beginn so die Überlegung: Was bedeutet denn jetzt solidarisch überhaupt? Und ich hatte vorab noch mal so ein bisschen geschaut, wie wird es denn definiert? Ich habe auch noch mal das „Einfache Sprache“-Tool vom St. Pauli bemüht, das Klartext-Tool. Aber ich habe jetzt da nicht rausgeschrieben, was dort als Definition stand. Lustig ist auch, dass ich immer mal wieder auf Übersetzen geklickt habe: „solidarisch“ und dann übersetzt und dann kam immer wieder was Neues. Also von daher kann man da schon noch so ein bisschen mit rumspielen.

Aber letztlich bedeutet solidarisch Leben oder Solidarität eigentlich, dass wir füreinander einstehen und uns gegenseitig helfen, weil wir uns zusammengehörig fühlen. Also es geht um Zusammenhalt, um das Gruppengefühl. Und so eine solidarische Gemeinschaft funktioniert eigentlich nur durch das freiwillige Engagement der Mitglieder. Das heißt, jede·r gibt, was er·sie kann. Das ist so das Ideal. Und wenn aber niemand etwas gibt, dann kann diese solidarische Gemeinschaft auch nicht funktionieren. Das würde aber den Begriff der Solidarität ja auch wieder ad absurdum führen, weil, dann ist es einfach keine solidarische Gemeinschaft mehr. Denn Solidarität bedeutet ja nun mal, dass wir uns gegenseitig helfen und füreinander einstehen und diesen Zusammenhalt haben wollen. Wenn jetzt niemand das möchte, ist es einfach nicht solidarisch. Das heißt, diese Bereitschaft, meinen Teil zu der Gemeinschaft beizutragen, ist eine Grundvoraussetzung für solidarische Gemeinschaften.

Und ich gehe auch davon aus, dass die meisten, die Mitglied in so einer solidarischen Gemeinschaft sind, sich dieser Grundvoraussetzung bewusst sind und auch eigentlich bereit dazu sind, ihren Teil zu leisten. Dann kollidiert aber diese Bereitschaft mit dieser bestehenden Welt, in der wir leben, die nicht solidarisch ist und die auf diese Ich-Zentriertheit ausgerichtet ist, diesen Individualismus. Ich habe immer diesen Postbank Slogan im Kopf: „Unterm Strich zähl ich.“ Also wo alles eher darauf ausgerichtet ist, dass ich als Einzelperson, als Individuum irgendwie einen Vorteil ziehe und wenn alles andere um mich herum so ausgerichtet ist und nur ein Teil meines Lebens sich in dieser solidarischen Gemeinschaft abspielt, ist es wirklich schwer, sich immer wieder auf die eigenen solidarischen Werte zu besinnen und sich auch solidarisch zu zeigen. Das ist das eine, dieser Wertekonflikt.

Und das andere ist meine vorhandene Zeit. Da sind wir dann wieder beim Thema Zeitgerechtigkeit. Denn in einer solidarischen Gemeinschaft wird davon ausgegangen, dass ich ein gewisses Kontingent an Zeit dieser Gemeinschaft zur Verfügung stelle. Wenn ich aber in einem, ich nenne es jetzt mal konventionellen Jobverhältnis bin, am Tag diese acht Stunden Erwerbsarbeit ableisten muss (Ich verweise hiermit auf die Zeitgerechtigkeitsfolge, die ich auch noch mal verlinken werde. Da haben wir das alles noch mal ein bisschen ausführlicher erklärt und verweise auch noch mal auf das Buch „Alle Zeit“ von Teresa Bücker, was sehr, sehr, sehr lesenswert und empfehlenswert ist.), wo ja dann auch zum Beispiel die Pausen, die ich am Tag mache, meine Mittagspause und vielleicht Pausen dazwischen gar nicht mitgerechnet sind. Die ganze Zeit, die ich als Vor- und Nachbereitung quasi für diese Erwerbsarbeit benötige, um mich zurecht zu machen, um mich auszuruhen, um auch zu essen, Hausarbeit zu machen usw. und so fort. Das ist ja alles gar nicht in diese acht Stunden mit eingerechnet. Das heißt, ich habe womöglich gar keine Zeit mehr übrig, um die überhaupt in diese Gemeinschaft zu investieren. Und das liegt wiederum an diesem Zeitmodell, in dem wir uns gerade befinden. Und sich daraus zu lösen ist ein essentieller Punkt, um überhaupt solche solidarischen Gemeinschaften erhalten zu können oder generell die ganze Welt in eine Solidargemeinschaft umzuwandeln.

Und bevor wir da jetzt einige Praxisbeispiele geben aus unserem Alltag, unserer Erfahrung noch ganz kurz als Erklärung, als Fußnote sozusagen dazu warum ist es denn überhaupt so wichtig? Warum wird denn in solidarischen Gemeinschaften erwartet, dass ich da meine Zeit einbringe? Das liegt unter anderem daran: Zum einen ist es eine Solidargemeinschaft, das heißt, es geht ja darum, dass wir einander helfen. Aber zum anderen auch darum, die Kosten gering zu halten. Zum Beispiel bei der solidarischen Landwirtschaft ist es ja so, dass durch die Arbeitseinsätze, die wir da haben, die Gärtner·innen entlastet werden, die dafür zuständig sind, das Gemüse anzubauen und sich darum zu kümmern die Ernte einzufahren. Es wird schon mitgerechnet, dass Mitglieder dort ihre Zeit einbringen und mithelfen. Das könnten die Gärtner·innen gar nicht einfach so alles alleine schaffen. Und das wirkt sich natürlich auf die Kosten aus. Das heißt also, dieser Gesamtbetrag, der jährlich erreicht werden muss, damit die Gärtner·innen bezahlt werden können und auch all das Gemüse angebaut werden kann, also all die Kosten, die bei so einem Landwirtschaftsbetrieb in dieser Form anfallen, werden dadurch geringer gehalten, dass Mitglieder dort freiwillig mithelfen, ohne bezahlt zu werden. Also einfach ihre Zeit spenden.

Und das heißt, ich zahle dort dann nicht nur Geld, sondern auch mit Zeit. Das ist also eine andere Währung, quasi. Aber es ist keine Verpflichtung, dass ich das machen muss. Das heißt, das ist ja dieser solidarische Aspekt: Jede·r gibt, was er·sie kann und so rein rechnerisch würde das auch sehr gut aufgehen und sehr gut funktionieren. Es müssten gar nicht alle mithelfen auf dem Acker. Es ist so, das hatte jetzt ein·e Gärtner·in letztens ausgerechnet: Bei unserer solidarischen Landwirtschaft ist das so, dass 280 Haushalte dort Mitglied sind in diesem Wirtschaftsjahr. Also die Mitgliedschaft ist immer für ein Jahr. Im Februar gibt es dann wieder eine neue Bieter·innenrunde, wo dann wieder neu ausgelotet wird: so und so viele Ernteanteile sind zu vergeben und dann kann man wieder neu entscheiden möchte ich weiterhin Mitglied bleiben oder nicht? Und wenn nicht, dann können neue Mitglieder auch dazukommen. Und diese·r Gärtner·in hatte ausgerechnet, dass von diesen 280 Haushalten, wenn man davon ausgehen könnte, dass so die Hälfte vielleicht aus unterschiedlichsten Gründen einfach keine Möglichkeit hat, auf dem Acker zu helfen, dass eigentlich diese verbleibenden 140 Haushalte, davon jeder Haushalt nur einmal im Jahr helfen müsste. Dann würden schon 17 oder 18 Personen pro Einsatz zusammenkommen. Die Realität sieht aber so ein bisschen anders aus. Was Carsten jetzt exklusiv berichten kann.

Carsten Ja, exklusiv vom Acker sozusagen.

Stefanie Genau. Wir schalten jetzt exklusiv zu Carsten auf den Acker. Wie sieht es denn da aus? Carsten, sag mal, es ist ziemlich windig.

Carsten Genau. Ja, vielleicht machen wir auch so eine Ackerreportage. Also die Realität kann ich aber auch ohne direkten Kontakt zur Natur beschreiben. Tatsächlich ist es so: Als wir damals in diese Solawi eingetreten sind, war für mich ganz klar, dass ich auch ab und an mal dort mithilfe. Das stand für mich völlig außer Frage, weil so kannte ich das Modell der solidarischen Landwirtschaft quasi schon aus der Theorie. Und ich habe, seitdem wir dort sind, auch verhältnismäßig - nicht regelmäßig, aber häufiger -Mitmachaktionen oder Ackereinsätze, wie ich sie nenne, mitgemacht. Das ist meistens am Wochenende. Ich glaube, einmal hatte ich Urlaub, da konnte ich auch unter der Woche.

Stefanie Ich glaube sogar, dass Du auch mal zweimal unter der Woche das gemacht hast.

Carsten Ja, genau da war so einmal direkt an einem Wochentag und einmal an einem Samstag. In unserer Solawi ist es so gelagert, dass du unter der Woche die Möglichkeit hast, unter Anmeldung mit rein zu gehen, damit die Personen, die dann gerade dort in der Gärtnerei aktiv sind, das so koordinieren können. Wissen, wer kommt denn jetzt gerade? Und an den Wochenenden gibt es spezielle Termine, die werden schon ein Jahr im Voraus oder bzw. das Jahr im Voraus schon bekannt gegeben, so dass dann auch Langfristplanungen da sind. Das ist eigentlich so der Vorteil, dass wir wissen, okay, wir haben jetzt im Frühjahr, Frühsommer und nachher im Herbst Richtung Erntezeit bestimmte Termine schon fest, können uns darauf einstellen und dann durchaus schon mal ein paar Monate im Voraus planen und unsere eigene Terminkoordination dementsprechend abstimmen.

Und für die Gärtner·innen hat das auch den Vorteil, dass sie von vornherein ungefähr einschätzen können: Mensch, da haben sich jetzt zehn Personen gemeldet, dann können wir an dem Wochenende das und das schon mal an Aktivitäten einplanen. Die Erntemenge einholen, wie auch immer. So, und von der Realität ist es tatsächlich so, dass nur ein sehr, sehr geringer Anteil der Personen, die überhaupt in dieser Solawi Mitgliedschaften abgeschlossen haben, aktiv werden. Häufig sind es immer die gleichen Verdächtigen. Das ist so das, was ich festgestellt habe.

Ich hatte zumindest mal zum einen den Eindruck, dass ich das gar nicht so häufig mache. Also von meinem eigenen Gefühl her war es so. Ich bin jetzt beispielsweise, fünf mal dabei gewesen im Jahr und musste aber feststellen, dass ich damit schon so einen der Spitzenplätze erreicht hatte. Ich wurde dann schon so begrüßt: „Carsten, schön, dass du wieder da bist.“ Und ich denke so: ja, okay, so häufig bin ich ja noch gar nicht da gewesen, aber anscheinend im Vergleich zu anderen Personen doch.

Es sind dann tatsächlich immer so die die üblichen Verdächtigen gewesen, die sich dort eingefunden haben und meistens in einer Gruppe von maximal 10 bis 12 Leuten. Das kommt schon ungefähr in die Größenordnung rein, die Stefanie gerade genannt hatte. Aber da ist immer die gleichen Personen sind oder häufig die gleichen Personen, spiegelt das auch den verhältnismäßig geringen Anteil der aktiven Mitgliedschaften mit. Tatsächlich ist so ein bisschen der Eindruck entstanden, dass wir sehr viele passive Mitgliedschaften haben, die vielleicht dieses Konzept unserer solidarischen Landwirtschaft als so eine Art Biokiste betrachten. A la „Da sind so Personen, die machen regionales, saisonales Biogemüse und stellen das irgendwie zur Verfügung. Und das ist gut, das bezahle ich, das finde ich auch toll.“ Aber so dieses aktive Mitmachen, das fehlt nicht nur bei den Acker-Aktivitäten, sondern und das fand ich sehr erstaunlich, selbst bei der Jahresmitgliederversammlung, wo ja auch weil wir als Verein organisiert sind, eigentlich ja alle Personen irgendwie mit rein können in die Entscheidungsfindung.

Da wird ja der Vorstand gewählt, der Vorstand entlastet, der erweiterte Vorstand gewählt, es wird über Aktivitäten, über Planungen berichtet, es wird die Finanzierung gezeigt. Also was ist im vergangenen Jahr tatsächlich finanziell geplant gewesen? Wie ist das Wirtschaftsjahr tatsächlich verlaufen? Was kommt jetzt im neuen Jahr dazu? Also all das, was so eine Planung auch wichtig macht und da sind von diesen 280 Mitgliedschaften tatsächlich nur, ich glaube 31 Stimmberechtigte da gewesen. Und das spiegelt auch tatsächlich so ungefähr dieses Verhältnis wieder, was ich dann auf diesen Acker einsetzen. Und wir erklären uns das mit diesem Konflikt, mit diesen Zielkonflikten, dieses Leben in einer nicht solidarischen Gemeinschaft, was sehr Zeit bindend ist, sehr ressourcenfressend ist und vielleicht dann am Ende der Woche auch nicht unbedingt mehr diese Lust weckt, sich dann noch mal aufzuraffen und in einer Solidargemeinschaft aktiv zu werden, dort Zeit und auch körperliche Arbeit zu investieren.

Stefanie Ich glaube, was auch noch da hinzu kommt, ist die räumliche Entfernung, denn diese Solawi ist nicht nur in der Nähe des Ackers sozusagen, also so im näheren Umkreis aufgestellt, sondern beliefert auch die Stadt quasi. Also wir leben ja hier in Hamburg und Carsten und ich leben aber in einem Randstadtteil quasi und der Acker ist von uns so acht Kilometer entfernt. So ungefähr. Das heißt relativ nah. Aber es gibt auch Depots, die von der Solawi beliefert werden, die in der Stadt sind quasi. Also auch schon noch weiter entfernt in der Stadt, also in Stadtteilen, die dann 20 oder 30 Kilometer entfernt sind. Und es kann natürlich sein, das war jetzt so mein Gedanke, dass es viele Menschen davon abhält, diesen weiten Weg zu fahren. Das heißt, es ist dann noch eine Überwindung, die mich das kostet, dann auch wirklich mal diesen Weg auf mich zu nehmen und bis zum Acker zu fahren und damit zu helfen. Für uns ist das ja hier relativ einfach, weil wir diese acht Kilometer mal mit dem Fahrrad fahren können. Da sind wir in einer halben Stunde da, das ist jetzt unproblematisch. Man hat noch frische Luft und ein bisschen Bewegung und sowieso auf dem Acker Bewegung usw. und so fort. Also so ein Gesundheitsprogramm. Aber wenn du aus der Stadt kommend so dann da erstmal noch irgendwie eine Stunde Anfahrt hast oder noch länger, dann ist das natürlich ein bisschen komplizierter. Und das führt mich zu einem Punkt, der ja auch wieder in diese Konfliktsituation mit diesen kleinen solidarischen Gemeinschaften in einer nicht solidarischen Welt darstellt, dass es einfach immer noch so kleine Leuchtturmprojekte quasi sind und dass es eigentlich so sein müsste, dass sowas in meiner Nachbarschaft stattfindet, dass es kurze Wege gibt. Das ist ja auch ein Zukunftsziel, dass wir einfach kurze Wege überallhin haben. Und wenn ich dann einen kurzen Weg habe, auch acht Kilometer können noch lang sein. Aber wenn ich jetzt einen kurzen Weg zu meinem Acker habe, sozusagen, der mich dann mit biologisch solidarischen Gemüse beliefert, dann bin ich auch eher bereit, dahin zu fahren, denke ich.

Carsten Ja, das denke ich auch. Ich erlebe zwar bei den Mitmachaktionen, ich wollte gerade schon sagen viele, überraschend viele Menschen, die aus dem Stadtgebiet kommen, die tatsächlich so Fahrradwege vor einer Stunde oder anderthalb Stunden in Kauf nehmen, in Einzelfällen sogar mit dem Fahrrad die ganze Strecke zurücklegen. Teilweise die komplette Strecke, teilweise aber auch, weil wir es hier in Hamburg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln relativ gut strukturiert haben, fahren Sie in den nächstgelegenen Stadtteil mit der S Bahn, haben da dann das Fahrrad schon mit bei und fahren dann von der letzten S Bahn-Station von dort aus zum Acker. Also diese Möglichkeiten gibt es. Ich glaube, das ist auch so eine Frage von Idealismus und Engagement. Wenn du richtig Bock drauf hast, dann machst du das. Und da kommt natürlich jetzt so ein Aspekt mit rein, Fluch und Segen dieser langfristigen Planung.

Also Segen ist es natürlich, wenn du sagst, du machst jetzt den Jahresplan und hast im März schon die Info, im August, September, Oktober finden an den und den Tagen entsprechende Einsätze statt. Dann kannst du das ja planen und dementsprechend weißt du auch: Am zweiten Septemberwochenende fährst du dahin. Dann kannst du dir immer noch überlegen wie machst du das? Aber du bist ja irgendwie gedanklich per se an diesem Wochenende schon auf dem Acker. Also das ist der Segen dieser Langfristplanung, dass du dich schon drauf einstellen kannst und das dann vielleicht auch noch mal irgendwie kombinierst mit einem Ausflug. Kann ja durchaus interessant sein, am Wochenende eine längere Strecke mit dem Rad zu fahren. Und das ist ja bei uns ja tatsächlich eine relativ schöne Ecke. Also der Acker liegt jetzt nicht irgendwie in so einem Wüstengebiet.

Stefanie So eine Wüste kann auch etwas Schönes haben. Wir wollen das jetzt nicht irgendwie...

Carsten Also, es kann ja durchaus Spaß machen und du kannst es planen. So, soweit der Segen einer Langfristplanung. Der Fluch einer solchen Langfristplanung liegt natürlich darin, dass solche Termine dann durchaus mal vergessen werden. Du guckst vielleicht am Anfang des Jahres rein, wie es eigentlich das Acker oder das Gartenjahr da jetzt irgendwie gestaltet von den Terminen und irgendwann gerät es in Vergessenheit und du erinnerst dich vielleicht nicht mehr daran, dass im September noch Arbeitskräfte benötigt werden und hast es dann für dich schon anders verplant. Dann kommen natürlich Aufrufe durch Newsletter, dass die Gemeinschaft immer wieder dazu auffordert: Mensch, mach mal mit. Aber du bist jetzt vielleicht von deiner Jahresplanung schon mit ganz anderen privaten Aktivitäten zugepflastert und findest da einfach nicht mehr die Zeit.

Stefanie Eine ähnliche Erfahrung machen wir ja auch bei der freien Demokratischen Schule, zu der unser Kind geht. Auch da ist es ja so, das Prinzip, dass diese Schule auf freiwilliger, gemeinschaftlicher Arbeit aufbaut, dass wir alle unseren Teil irgendwie leisten. Und das kann auf unterschiedlichste Art und Weise sein. Das ist auch so in so Arbeitskreisen organisiert, dass die Eltern dann da die Schule mit unterstützen und das können Kreise sein wie Feste und Feiern oder Garten oder auch Bauen. Und Bauen ist so der größte Arbeitskreis. Bzw ist es nicht der größte Arbeitskreis, sondern der, wo am meisten Arbeit tatsächlich anfällt und die zieht sich von Beginn der Schule an hin, dass dort das Gebäude, in dem die Schule ist, immer weiter ausgebaut ist. Das wird auch versucht barrierefreier zu gestalten. Also das heißt, da wird jetzt ein Aufzug eingebaut. Dazu muss es viele bauliche Veränderungen geben und damit die Kosten nicht so hoch sind, helfen Eltern dort mit.

Und da ist es ähnlich wie das, was Carsten vom Acker berichtet hat. Menschen, also Eltern, die dort mithelfen, sind meist immer die gleichen Eltern und da dann auch so, dass es relativ wenig Eltern sind im Verhältnis zu der Anzahl an Eltern, die eigentlich zur Verfügung stehen würde. Und auch da habe ich so das Gefühl, dass es eigentlich ähnliche Gründe hat oder vielleicht auch die gleichen Gründe hat, wie ich sie jetzt schon für die Mitarbeit auf dem Acker genannt habe. Und ich habe das jetzt da bei mir selbst beobachtet. Dadurch, dass wir jetzt nicht mehr so nah an der Schule wohnen wir haben ja zwei Jahre lang relativ nah gewohnt, also vier Kilometer entfernt, da konnte ich noch mal mit dem Fahrrad hinfahren. Jetzt wohnen wir ungefähr so, ich bin mir nicht ganz sicher, 15 bis 18 Kilometer entfernt, da fahre ich nicht mal mit dem Fahrrad. Da müsste ich eigentlich mit der S Bahn fahren. Die kostet aber Geld und da bin ich auch länger unterwegs. Und dann sind die Arbeitseinsätze immer meistens. Nachmittags, also dienstags und freitags nachmittags ist das jetzt. Und da habe ich oft mit mir gehadert, mache ich das jetzt? Fahre ich da extra hin? Gebe ich dafür extra Geld aus, um dahin zu fahren? Können das nicht andere machen, die dann näher wohnen? Also da habe ich solche Gedanken schon bei mir beobachtet und ich denke, was da dann wirklich zählt und was ich jetzt auch gemerkt habe, was uns bei der Schule durch die Pandemie verloren gegangen ist, ist so ein Gemeinschaftsgefühl. Und da wollte Carsten auch noch etwas aus seiner Erfahrung berichten. Deswegen gebe ich es wieder zurück auf den Acker.

Carsten Ja, hier wieder direkt live vom Acker...

Ich habe für mich genau diese Erfahrung gemacht, dass irgendwann im Rahmen meiner Mitmachaktivitäten dieses Gemeinschaftsgefühl bei mir entstanden ist. Als wir damals in diese Solawi eingetreten sind, hatte ich dieses Gemeinschaftsgefühl noch gar nicht. Das ist auch tatsächlich erst vor relativ kurzer Zeit entstanden. Und die ersten Ackereinsätze habe ich eher so als „das gehört einfach dazu, wenn ich mich auf das Konzept einer solidarischen Landwirtschaft einlasse“ gesehen. Da war das für mich relativ klar, gehe ich auch das eine oder andere Mal auf den Acker und helfe mit. Und tatsächlich habe ich die ersten Einsätze für mich als Ausgleich zum Berufsalltag gesehen. Wenn ich den ganzen Tag. Also bei mir ist es tatsächlich ein Bürojob, wenn ich den ganzen Tag auf dem Stuhl vorm Rechner sitze und kaum Bewegung habe, dann war das für mich schon ein Ausgleich. Am Wochenende, am Samstag mal ein paar Stunden draußen auf dem Acker bei der Ernte mitzuhelfen. Bisschen körperliche Bewegung, frische Luft. Das war völlig okay, aber es war einfach eher so: was nehme ich davon mit. Also die Perspektive war: wo habe ich da meinen Nutzen draus? Das dann als Arbeitseinsatz natürlich noch mal etwas für die Gemeinschaft rausfällt, war für mich zu dem Zeitpunkt auch eher zweitrangig. Es hat Spaß gemacht, ich habe eine entsprechende Ausgleichsfunktion gehabt. Das war völlig okay.

So, und jetzt in diesem Jahr, dadurch, dass ich auch ein bisschen aktiver geworden bin, ist dadurch das Gemeinschaftsgefühl entstanden. Ich habe dann irgendwann wirklich für mich so den Punkt gehabt: Mensch, ich muss da am Wochenende hin. Ich habe mich eigentlich gar nicht angemeldet für diesen Ackereinsatz, aber ich habe das Gefühl, die brauchen mich! Und das war für mich wirklich so ein Moment, wo ich gedacht habe: Hey, oh, da hat jetzt gerade eine innerliche, eine andere, also eine Veränderung stattgefunden. Die Haltung ist eine andere. Ich mache das jetzt nicht, weil ich jetzt irgendwie Bock drauf habe, sondern die brauchen mich.So, und ich glaube, das ist genau das Gefühl, was entstehen muss. Und das kommt aber zumindest bei mir nicht einfach so, das kann ich mir ja nicht irgendwie vordiktieren und sagen das ist jetzt die Perspektive, mit der ich jetzt ins Leben gehe oder in diese Gemeinschaft gehe, sondern das funktioniert bei mir nur deswegen, weil ich mich häufig in diese Gemeinschaft eingebracht habe. Ich bin sowohl auf den Acker-Einsätzen unterwegs gewesen, bei gutem Wetter, aber auch bei Sauwetter. Ich habe aber auch bei Infoständen mitgeholfen. Wenn sich die Solawi jetzt irgendwie auf bestimmten Festlichkeiten oder Feierlichkeiten präsentiert hat, habe ich mich dann dahinter gestellt und habe anderen Personen, die vorbeigekommen sind, dieses Konzept und auch die Solari hier konkret vorgestellt. Das waren alles so Momente, wo ich einfach dieses Zugehörigkeitsgefühl auch ausprägen konnte. Und das braucht tatsächlich aus meiner Sicht das Engagement der Person, die sich bereit erklären, in eine solche solidarische Gemeinschaft reinzugehen.

Stefanie Und du hast ja jetzt gerade gesagt, du hast dieses Gefühl entwickelt, dass du gebraucht wirst. Jetzt war es aber so, dass ja in den Emails, in den Newslettern auch immer drin stand: Wir brauchen dich auf dem Acker. Das heißt also, das wissen wir ja eigentlich schon da, dass du gebraucht wirst. Aber du brauchtest konkret dieses Gefühl dazuzugehören, oder wie darf ich das verstehen?

Carsten Ja, tatsächlich. Also ich brauchte dieses Gefühl. Also wir haben ja sowohl bei der Schule als auch bei der Solawi immer wieder diese Aufrufe Hey, da stehen die und die Aktionen an, es muss z.B. was gebaut werden. Wir haben eine bestimmte Deadline, bis dann muss was fertiggestellt werden oder Personen sind krank geworden. Wir schaffen das jetzt nicht allein. Wir brauchen Unterstützung. Aber solange ich nicht dieses Wir-Gefühl entwickelt hatte und das war ja das, was sich dann bei mir herauskristallisiert hat oder sich entfaltet hatte, wo ich dann genau diesen Punkt hatte: Ich werde gebraucht. Das da, da war ich Teil dieses gefühlten Wirs. Ich kannte die Personen mit Namen. Ich habe mich gefreut, diese Personen regelmäßig wiederzusehen. Und das war tatsächlich dieses Wir-Gefühl. Vorher, diese reine Information „Hey, wir brauchen dich.“, das waren immer die „anderen“. Das war tatsächlich ich und die. Und von „die“, da gibt es ja ganz viele. Aber genau das ist etwas, was ich für also meine persönliche subjektive Wahrnehmung als sehr sehr wichtig empfinde, weil erst dadurch fühle ich mich jetzt gerade konkret wirklich in einer solidarischen Gemeinschaft aufgehoben.

Stefanie Du hast quasi eine Verbindung aufgebaut und diese Verbindung macht das Ganze dann auch verbindlich. Also dass du weißt, okay, da sind Personen, das sind jetzt nicht nur Namen, sondern du hast diesen Namen auch Gesichter zugeordnet. Du weißt, wer das ist. Da ist viel mehr Gehalt quasi dahinter und dadurch ist die Motivation viel höher, da jetzt wirklich mitzuhelfen und diese Menschen zu unterstützen, wenn sie um Hilfe bitten.

Carsten Ja, richtig, genau. Es wird einfach verbindlicher. Ich ich merke tatsächlich so diese Not oder auch - ich will nicht sagen - leiden, aber da steckt einfach nicht nur einfach ein Aufruf hinterher „es wäre ganz nett“, sondern ich weiß, was für eine konkrete Auswirkung mein Handeln dort hat.

Stefanie Ja, also ich merke das auch bei der Schule, dass dadurch, dass unser Kind mittlerweile alleine zur Schule hin und zurück fährt, da wirklich die Bindung nicht so stark ist an die Gemeinschaft, also von uns jetzt als Eltern, weil ich mit den Eltern eigentlich fast gar nicht in Kontakt komme außerhalb dieser Arbeitskreise. Wir hatten vor der Pandemie auch noch so Stammtische und so was alles. Während der Pandemie war das alles nicht mehr möglich. Dann gab es viel Bewegung, auch in der Gemeinschaft. Viele Eltern, Familien sind weggegangen, neue sind dazugekommen und irgendwie hat sich das alles noch nicht wieder so richtig zusammengefunden, so dass es zwischen den Eltern eigentlich meiner Meinung nach meiner Empfindung nach noch keinen richtigen festen Zusammenhalt mehr gibt, außer in diesen Arbeitskreisen. Und das sind ja dann wieder so Untergruppen, wo dann wieder nur einige wenige sehr aktiv sind. Aber dieses große Wir-Gefühl, dieses Gemeinschaftsgefühl, dieser Zusammenhalt der kompletten Schulgemeinschaft, das fehlt irgendwie. Das ist zumindest mein Gedanke dahinter.

Das kann natürlich von anderen Angehörigen dieser Gemeinschaft anders gesehen werden. Nur ist das im Moment so mein Gefühl und ich denke, gerade mit der Erfahrung, die Carsten jetzt gemacht hat, mit der Solawi, dass dieses Gefühl für ihn quasi ausschlaggebend war, da auch wirklich noch mehr mitzuhelfen und dieses Gefühl ja auch so eine Sogwirkung entwickelt hat und du, Carsten, ja auch gesagt hast, dass du dann da quasi hin musstest, um diese Gemeinschaft nicht im Stich zu lassen, denke ich, dass dieses Gefühl etwas sehr wichtiges ist. Also das ist wirklich nicht nur um Fakten geht und reine Zugehörigkeit. Unser Kind geht jetzt da zur Schule und das war's. Ich mache ab und zu so meinen Dienst, dass ich da immer mal so ab und zu mithelfe. Das ist vielleicht so die Grundlage dafür. Ich bin Teil dieser Gemeinschaft, so wirklich Teil der Gemeinschaft. Also ein Unterschied zwischen Teil der Gemeinschaft und „Teil“ der Gemeinschaft. Ich fühle mich wirklich zugehörig. Ich bin verbunden mit dieser Gemeinschaft und das kann wirklich nur durch Gefühle entstehen. Das ist so meine Erkenntnis. Ich wollte schon sagen, mein Gefühl, also meine Erkenntnis eigentlich, jetzt so also ich denke, nur so kann das funktionieren mit einer solidarischen Gemeinschaft.

Carsten Und das stiftet dann zumindest auch bei mir eine viel ausgeprägtere Zufriedenheit. Was vorher so bei mir eher auf der individuellen Ebene war. Der Ausgleich hat Spaß gemacht, mich körperlich zu betätigen. Ich habe frische Luft bekommen, Das bekommt dadurch dann jetzt eine ganz andere Dimension. Also ich fühle mich viel, viel zufriedener, weil ich dann einfach merke, wie also: diese Arbeit mit und in der Gemeinschaft macht ja auch Spaß. Und einfach mitzubekommen, was für einen Einfluss mein kleiner Beitrag hat. Dadurch, dass jeder so einen kleinen Teil mit reinbringt, um das große einfach mal zu sehen. So am Ende des Tages einfach mal zu sehen, jetzt in dem konkreten Beispiel, was für eine Erntemenge haben wir eigentlich gehabt? Mal zu sehen: Hey, wir haben jetzt gerade mal eine Tonne Möhren geerntet, das ist schon so..., du stehst da und denkst: Wow, krass, ne? Hättest du als Einzelperson so nicht hinbekommen. Und das ist das wenn sowas erwächst, merke ich, dieser Zusammenhalt stiftet Zufriedenheit. Und letztendlich ist es ja auch das, was wir im Leben anstreben. Wir versuchen irgendwo Zufriedenheit zu bekommen, machen das häufig als individualistische Aktion. Urlaub. Konsum. Wellness, wie auch immer. Und das einmal so festzustellen und wahrzunehmen. Das kommt auch aus einer Zusammenarbeit in einer Gemeinschaft, die einfach an einer, an der gleichen Sache arbeiten, das gleiche Ziel verfolgen, einfach Bock drauf haben, das ein bisschen voranzutreiben, das auch zu stützen, zu halten. Das ist eine ganz tolle, wertvolle Erfahrung für mich.

Stefanie Und das ist ganz wichtig, dass du das jetzt noch sagst, denn es geht ja um Werte. Und es geht ja auch darum, dass wir eine andere Gesellschaftsform finden müssen, um in Verbundenheit auch mit unserer Mitwelt leben zu können. Und das, was du gerade so beschrieben hast, wo wir eigentlich jetzt unsere Zufriedenheit her ziehen, die wir, die Menschen des globalen Nordens quasi, also dass wir irgendwohin reisen oder uns tolle Dinge kaufen oder so, das ist ja alles eigentlich ein Ergebnis unserer Sinn und Werte entleerten Welt, in der wir leben. Ein Ergebnis des Kapitalismus muss man ja irgendwie so sagen. Und das ist ja etwas, wovon wir wegkommen wollen und wovon wir auch wegkommen müssen, um unsere Lebensgrundlage zu retten und um uns selbst zu retten als Menschheit. Also so, und deswegen ist es doch super, dass du diese Erfahrung gemacht hast, dass du diese Zufriedenheit aus der Gemeinschaft ziehen kannst, aus diesem Verbundenheitsgefühl und daraus miteinander etwas Sinnvolles zu tun.

Und wie toll wäre das jetzt eigentlich, wenn unsere Gesellschaft komplett solidarisch aufgebaut wäre und es ganz normal wäre, aus diesem Wir-Gefühl unsere Zufriedenheit zu ziehen und wir mit diesen Werten aufwachsen würden und wir gar nicht diesen Drang hätten, die ganze Zeit zu gucken: Ich muss jetzt das konsumieren, ich muss jetzt hier hinfliegen und hier auf Instagram hat mir da jemand gesagt, ich sollte doch am besten an dem Ort sein, dann fühle ich mich erst richtig gut. Und wenn es auch ganz normal sein würde, dass wir unsere Zeit anders aufteilen? Dass also nicht mehr nur die Erwerbsarbeit die einzig wichtige und wertvolle Zeit in unserem Leben ist, sondern die Zeit viel gerechter aufgeteilt ist und Zeit für Gemeinschaft ebenso viel wert ist, wie Zeit für Erwerbsarbeit und Zeit für Caretätigkeiten und Zeit für mich selbst, also freie, unbestimmte Zeit.

(Wie gesagt, hier noch mal der Hinweis auf das Buch „Alle Zeit“ von Teresa Bücker. Auf jeden Fall sehr lesenswert.)

Wie toll wäre das, wenn sich diese Grundzufriedenheit und meiner Meinung nach auch Grundentspannung durch unser Leben ziehen würde? Wir würden doch ganz anders Entscheidungen treffen, ganz anders mit Menschen umgehen und würden unser Leben auch ganz anders gestalten. Es würden so viele Zwänge wegfallen und auch so viele Süchte. Also es ist ein ganz anderes Lebensgefühl. Und das ist auch der Grund, warum wir trotz aller Widrigkeiten Teil dieser solidarischen Gemeinschaft bleiben. Weil das Schritte auf dem Weg hin zu einer kompletten solidarischen Gesellschaft sind, zu einem Wertewandel in unserer Gesellschaft, der bitter nötig ist. Es ist quasi wie eine Insel oder kleinere Inseln in einem Meer von Ich-Bezogenheit in unserer Gesellschaft.

Und trotzdem ist es so, so viel wert, so etwas erfahren zu dürfen und Teil von so etwas sein zu dürfen. Denn erst wenn wir uns so etwas vorstellen und so etwas erleben können, dass es auch anders geht als das, was so der Mainstream in unserer Gesellschaft vorlebt, können wir uns das auch für unsere Zukunft vorstellen. Und erst dann kann es auch Wirklichkeit werden. Und deswegen sind solche solidarischen Gemeinschaften so wichtig und unterstützenswert.

Wir könnten jetzt noch viel tiefer in die Thematik einsteigen. Da gibt es definitiv noch sehr viel zu zu sagen und vielleicht werden wir das auch noch in weiteren Folgen machen. Sehr wahrscheinlich kommt das Thema immer wieder in verschiedenen Aspekten zur Sprache. Es ist ja auch in der Vergangenheit in verschiedensten Folgen auch schon benannt worden. Mir war es jetzt nur wichtig, dieses Spannungsfeld einmal zu thematisieren. Dass es auf jeden Fall mal angesprochen wurde und auch generell noch einmal zu sagen: Ja, es ist wichtig, dass es diese solidarischen Gemeinschaften gibt, auch wenn sie nicht perfekt sind. Es ist wichtig, dass wir erleben können, wie es sein könnte.

Und damit gebe ich jetzt zurück auf den Acker zu Carsten.

Carsten *Macht Windgeräusche* Ja, ein tolles Schlusswort hier.

Stefanie Ist das so windig?

Carsten Ja, total. Ich glaube, wir hören jetzt auf.

Stefanie Okay, dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Carsten Ja, hier vom Acker sagt man auch Tschüss.

Stefanie Na dann bis bald.

Folge 293 - Die Menschheit ist flexibler als Du denkst

Ein Beitrag

Folge 293 - Die Menschheit ist flexibler als Du denkst

In dieser Folge thematisieren wir die soziale Flexibilität, welche tatsächlich eine maßgeblichen Teil unserer Menschheitsgeschichte ausmachte. Carsten ist eher zufällig auf das aktuelle Buch von David Graeber und David Wengrow mit dem Titel "Anfänge - Eine neue Geschichte der Menschheit" aufmerksam geworden. Beim Lesen wurde schnell klar, dass die Geschichte der Menschheit ganz anders verlaufen ist, als gemeinhin angenommen. Statt eines linearen Verlaufs von Jäger·innen und Sammler·innen, über seßhaft gewordene Landwirtwirt·innen hin zu hierachisch strukturierten Städten und Staaten, ist unsere Menschheitsgeschichte durch eine Vielzahl soziale Experimente geprägt.

Carsten berichtet über die Erkenntnisse, die er aus dem Lesen des Buches erhalten hat und welche Rolle diese für unsere Vorstellungen einer klimagerechten, bzw. enkeltauglichen Zukunft haben.

Links zur Folge

Buch: "Anfänge - eine neue Geschichte der Menschheit" von David Graeber und David Wengrow
https://buch7.de/produkt/anfaenge-david-graeber/1042212236?ean=9783608985085

Podcastfolge zu Annette Kehnel - "Wir konnten auch anders"
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-247-wir-konnten-auch-anders-von-annette-kehnel

Podcastfolge zu Robin Wall Kimmerer "Geflochtenes Süßgras"
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-254-buchbesprechung-die-weisheit-der-pflanzen

Geschenk-Mitgliedschaften bei Steady
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/gift_plans

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So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Aufmerksame Hörer·innen haben gemerkt, dass es zwischen den vergangenen zwei Folgen etwas größere Lücken gab. Stille. Meditative, komplementative Stille. Also, was sehr positives...

Carsten Wir sind aber noch keinen Zen Podcast geworden.

Stefanie Genau. Also jedenfalls aufmerksame Hörer·innen haben das bemerkt. Das liegt nicht daran, dass uns die Themen ausgegangen sind, sondern einfach schlicht und ergreifend, dass uns mal wieder die Zeit fehlte, uns hier hinzusetzen und eine Folge aufzunehmen. Eigentlich stauen sich die Themen. Wir würden auch gerne wieder wöchentlich aufnehmen, aber unser Alltag lässt das nicht zu. Und jetzt haben wir es aber geschafft. Wir haben gedacht, jetzt müssen wir mal wieder eine Folge aufnehmen, denn es drängte ein Thema und zwar möchte Carsten ein Buch vorstellen. Sag doch mal, um welches Buch es geht.

Carsten Also dieses Mal geht es um das Buch „Anfänge - eine neue Geschichte der Menschheit“. Und zwar geschrieben von David Graeber und David Wengrow.

Stefanie Also zwei Davids. Und bevor wir jetzt da einsteigen, möchte ich mich noch einmal ganz, ganz herzlich bei zwei Menschen bedanken. Nämlich bei Martin H. und Birgit G., die jetzt gerade aktuell ihre jährliche Unterstützung über Steady verlängert haben.

Carsten Dankeschön!

Stefanie Leider hat auch eine Person ihre jährliche Unterstützung jetzt gekündigt. Aus sehr nachvollziehbaren Gründen, muss ich dazu sagen, auch sehr inspirierenden Gründen. Allerdings klafft da jetzt eine Lücke, ein Finanzierungsloch. Es ist auch generell so, dass eigentlich das Geld, was ich jeden Monat bräuchte, um die Ausgaben für die Podcasts und generell die ganzen Sachen, die ich so kostenlos auf den Webseiten zur Verfügung stelle, zu decken, noch nicht erreicht ist.

Das heißt, solltest du jetzt das Gefühl haben, du könntest dir überlegen, diesen Podcast oder die ganzen anderen Dinge, die ich so kostenlos zur Verfügung stelle, finanziell zu unterstützen, dann ist jetzt auch wieder eine gute Gelegenheit, das zu tun. Du kannst dann auch dir überlegen, wenn du das über Steady machen möchtest, die finanzielle Unterstützung, dir das quasi schenken zu lassen. Denn es gibt auch Geschenkmitgliedschaften, die verlängern sich auch nicht automatisch, sondern du könntest sagen: ich wünsche mir das jetzt zu Weihnachten oder keine Ahnung zu Nikolaus oder wann auch immer du dir gerne etwas wünschen möchtest und sagst dann, wenn Menschen fragen: Was kann ich dir denn bloß schenken? - Ich habe hier was ganz Sinnvolles. Guck mal, hier ist der Link https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/gift_plans und da kannst du dir eine Mitgliedschaft aussuchen und die kannst du mir dann schenken.

Sowas zum Beispiel könntest du auch machen, wenn das eine Option für dich ist. Denn oft suchen ja Menschen sinnvolle Geschenke zu Weihnachten, vielleicht auch im Arbeitsumfeld, wer weiß. Also jedenfalls wäre das toll. Ich habe meine Ausgaben schon so gut es geht herunter geschraubt. Aber so ganz kostenlos geht es nicht und deswegen wäre es super, wenn wir da die Summe erreichen könnten, die ich monatlich brauche, um diese Ausgaben zu decken. Da geht es, wie gesagt, nicht darum, meine Zeit-Ausgaben zu decken, denn dann bräuchten wir doch viel mehr Geld. Wenn ich mit diesen ganzen Dingen, die ich hier kostenlos anbiete, meinen Lebensunterhalt bestreiten würde, kannst du dir ausrechnen, dass das etwas mehr ist als das, was jetzt über Steady reinkommt. Also wenn du das Gefühl hast, das ist eine Möglichkeit, Du hast die finanzielle Ressourcen, mit denen du diese Arbeit hier unterstützen kannst, dann freue ich mich sehr. Und Carsten natürlich auch.

Carsten Ja, natürlich.

Stefanie Sprühende Freude von dieser Seite her. Wenn du sagst ja, ich würde euch gerne unterstützen, aber finanziell sieht es bei mir jetzt gerade nicht so rosig aus, ich habe aber Zeit, dann gibt es da noch was anderes, nämlich die ganzen Transkripte, die noch Korrektur gelesen werden müssen für den Mehr als Vegan Podcast. Da sind immer noch 164 Transkripte offen. Aufmerksame Hörer·innen wissen, dass sich seit der letzten Folge nichts verändert hat, was unter anderem daran liegt, dass ich es nicht geschafft habe, ein Transkript überhaupt noch mal Korrektur zu lesen.

Eigentlich hatte ich mir das vorgenommen, aber wie das so ist, es kommen immer Sachen dazwischen und ich werde es dann wohl auch nicht schaffen, mein Ziel zu erreichen bis zum Ende des Jahres diese 164 Transkripte Korrektur zu lesen. Aber wer weiß. Wir sagen niemals nie - vielleicht melden sich ja jetzt 164 tolle Hörer·innen, die jeweils ein Transkript Korrektur lesen und das dann bis zum Ende des Jahres schaffen und dann ist das Ziel erreicht.

Carsten Ja, wäre doch gelacht, wenn nicht.

Stefanie Genau. Also von daher gib dir einen Ruck, wenn du das Gefühl hast ein bisschen Zeit kann ich erübrigen. Es kostet dich vielleicht je nach Folge eine halbe Stunde oder es kann auch eine Stunde sein, je nachdem, wie schnell du liest und je nachdem, wie lang die Folge ist. Du musst es nicht selbst transkribieren, sondern es geht wirklich nur darum, das Transkript Korrektur zu lesen. Das Transkribieren übernimmt ein Programm, aber das ist nicht ganz fehlerfrei. Und da entstehen dann merkwürdige Wortverdrehungen und die müssen auf jeden Fall Korrektur gelesen werden.

Also wäre das eine super Möglichkeit, diesen Podcast zu unterstützen, dass du dich dazu bereit erklärst, ein Transkript Korrektur zu lesen. Schon mal im Voraus vielen Dank! Wenn du das machen möchtest, wende dich an folgende E Mail Adresse: post@vonherzenvegan.de und du kannst dir dann unter diesen 164 Folgen auch eine aussuchen. Du kannst auch schon mal auf die Internetseite gehen und die ganzen Podcastfolgen durchsuchen. Wenn du sagst ja, ich interessiere mich für das Thema, dann lese ich das gerne, ist das eine Möglichkeit. Oder du sagst mir: ich möchte gerne eine Folge Korrektur lesen, die höchstens so und so viel Minuten lang ist, das Thema ist mir egal, dann kann ich das auch für dich raussuchen. Also es gibt viele Optionen. Melde dich sehr gerne.

Soweit das Organisatorische. Jetzt zurück zu den beiden Davids. Warum möchtest du dieses Buch in diesem Podcast vorstellen?

Carsten Das war mir, als ich das Buch gesehen habe, auch gar nicht klar, dass es ein Thema für einen Podcast ist, weil - da muss ich kurz ein bisschen was vorschieben: Ich hatte im Vorfeld schon mal ein Buch von David Graeber gelesen: „Bullshitjobs“ und fand die Art und Weise, wie er Themen behandelt, aber auch seinen - ich nenne es jetzt mal Humor, so eine Spitzfindigkeit, die haben bei mir Anklang gefunden. Und ich stand in der Bibliothek, in unserer Hamburger Bücherhalle und habe dieses Buch gesehen und habe gesagt: Ich will das jetzt lesen. Ich wusste gar nicht, worum es geht. Ich war auf den Autoren fixiert.

Leider, leider habe ich dann festgestellt, dass tatsächlich von diesen beiden Davids nur noch einer lebt. David Graeber, weswegen ich mir dieses Buch ausgeliehen habe, ist drei Wochen nach Fertigstellung des Buches gestorben.

Und ja, warum will ich dieses Buch jetzt eigentlich durchsprechen? Weil wir in unserem Podcast ja allgemein im übergeordneten Sinne die Frage stellen: Wie kann diese klimagerechte, enkeltaugliche, name it Zukunft aussehen?

Stefanie Hast Du gerade „name it“ gesagt?

Carsten Ja.

Stefanie Woah.

Carsten Ich bin da voll fancy...

Stefanie Das haut mich jetzt hier voll raus, okay, puh, ja. Aber no hustle…

Carsten No hustle…

Stefanie Okay! Also...

Carsten Genau. Also, bei dieser Art und Weise, wie können wir uns die Zukunft vorstellen? Stoßen wir in unserer Lebensrealität, also gerade wir beide, Stefanie und ich, immer häufiger in Gesprächen so an die Grenzen, dass andere Menschen einfach Probleme damit haben, sich etwas anderes vorzustellen als das, was heute schon ist.

Stefanie Genau. Also nicht in Gesprächen, wenn wir miteinander reden, sondern du meinst jetzt in Gesprächen mit anderen Personen.

Carsten Genau. Da fehlt einfach die Vorstellungswelt. Da kann man tatsächlich so den Eindruck erhalten, wir haben tatsächlich das Ende der Geschichte erreicht, das ist schon das Maß der Dinge. Viel mehr geht da nicht mehr. Wir können so weitermachen wie bisher, aber alles andere ist irgendwie undenkbar.

Und dieses Buch, was ich da gelesen habe, ist tatsächlich noch mal so rückwirkend betrachtet ein Schlüsselerlebnis für mich gewesen, um zu verstehen, dass diese Menschheitsgeschichte, so wie uns das, ich sage jetzt mal „angelernt“ wurde, eigentlich ganz anders verlaufen ist.

Diesen klassischen Werdegang der Menschheit stellen wir uns allgemein sehr linear vor. Wir sind damals als kleinere Horden Jäger und Sammler umhergelaufen, waren quasi so, keine Ahnung, anarchistische, egalitäre kleine Gruppen, vielleicht Familienverbünde, kleine versprenkelte Gruppen, die durch die Lande gezogen sind und dann über tausende von Jahren eigentlich nichts anderes gemacht haben, als Beeren zu pflücken und Wild zu jagen. Und irgendwann kam dann quasi die große Revolte damals, die erste Revolution der Menschheitsgeschichte, die neolithische Revolution, die völlig atypisch verlief, weil sie sich ja über Hunderte und Tausende von Jahren hinweg ereignete. Und je nachdem, in welche Weltregionen wir reingucken, mal vor 10.000, mal vor 20.000 Jahren stattfand. Also überall irrsinnig lange Zeiträume in der Revolution.

Und damals gab es ja nicht die Guillotine. Damals gab es dann die Sense. Das heißt also, es wurden keine Köpfe gefällt, sondern es wurde Weizen geerntet. Das war so das Narrativ, dass dadurch dann die Sesshaftigkeit eintrat. Der Mensch hat damals auch tatsächlich das erste Mal Land für sich beansprucht, also quasi so auch die Ursprünge vom Eigentum werden da irgendwie mit reingedichtet. Und ab dem, je nachdem, was für Bücher man liest, begann da das Grauen. Da ging es bergab.

Vorher war alles tutti. Wir waren alle irgendwie gleichberechtigt und jetzt auf einmal kam Eigentum rein. Wir konnten Lebensmittel horten und dadurch sind dann auch Hierarchien entstanden. Menschen haben sich zu größeren Gruppen konzentriert, es sind Städte entstanden, es sind Staaten entstanden, Verwaltungsapparate sind entstanden. Und ja, irgendwie hat sich dadurch dann quasi unsere heutige Zivilisation ereignet. So, das ist so ganz grob zusammengefasst die Art und Weise, wie Menschheitsgeschichte allgemein verstanden wird, wie wir sie in den Schulen lernen.

Und dieses Buch zeigt einfach auf: Das war gar nicht so so und die Autoren haben eigentlich gegen diese Geschichte, die ich jetzt ganz grob mal so skizziert habe, so drei grundlegende Einwände formuliert. Und zwar sagen sie: das ist schlicht und einfach unwahr. Und es hat zu schlimmen politischen Konsequenzen geführt. Und es macht die Menschheitsgeschichte viel, viel langweiliger, als sie eigentlich war.

Und der letzte Aspekt, dieses langweilige, das ist inhaltlich für mich zumindest mal interessant. Wenn wir die Geschichte so sehen, sind das immer so diese großen Taten gewesen Heldentaten, große Feldzüge, große Kriege oder große Bauten. Also Pyramiden wurden erbaut, Weltwunder sind entstanden und wieder verschwunden. Das sind so die Momente der Menschheitsgeschichte, die unser Geschichtsbild prägen. Und dazwischen war irgendwie tote Phase. Tausende von Jahren, wo anscheinend nicht viel passiert ist. Da hat der Mensch irgendwie vor sich hingedümpelt. Und es sind ja auch so von den Zeitverläufen, die man so sieht, tatsächlich ganz, ganz, ganz große Zeiträume, wo augenscheinlich nichts passiert ist.

Und da zeigen David Graeber und David Wengrow, dass genau da eigentlich die Musik spielt. Das sind exakt die Bereiche in der Geschichte, wo die größten sozialen Erfahrungen der Menschheit stattfanden. Und das ist etwas, was ich für Zukunftsperspektiven, mit denen wir uns heute auseinandersetzen, für sehr wichtig halte. Dass die Menschheitsgeschichte davon geprägt ist, immer wieder zwischen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Formen und Ordnungssystem hin und her zu pendeln. Es gibt da nicht diese lineare Geschichte, die wir uns erzählt haben, sondern in diesem Buch werden zahlreiche Beispiele gezeigt.

Dass teilweise jahreszeitlich bedingt Gesellschaften im Sommer als Jäger und Sammler unterwegs waren, völlig egalitär waren, also quasi hierarchisch frei waren, gleichberechtigt. Die gleiche Gesellschaft sich dann aber in den Wintermonaten als sesshaft eingerichtet hat. Da dann quasi Ackerbau betrieben hat und starke hierarchische, gesellschaftliche Strukturen entwickelt hat, die dann zum Frühjahr wieder aufgelöst wurden und die gleiche Gesellschaft dann in anderer Form wieder zu Jägern und Sammlern wurde.

Oder auch dass Städte und Staaten entstanden sind, die auch diese Verwaltungs- und Machtapparate, Polizei, Könige, Kaiser, gottähnliche Figuren hatten oder auch Personen, die die ultimative Macht hatten, die über Tod und Leben in einer Willkür entscheiden konnten und das auch gemacht haben, die heute nicht mehr vorstellbar ist. Und irgendwann im Laufe der Zeit hat man sich von diesen Strukturen wieder verabschiedet, ist wieder auseinander gegangen, hat kleinere Strukturen geschaffen, vielleicht größere Strukturen und Herrschaftssysteme und Hierarchien wieder abgebaut, hat sich mehr auf Selbstverwaltung wieder konzentriert.

Und das ist am laufenden Band passiert. Weltweit, in unterschiedlichsten Kontexten, zu unterschiedlichsten Zeitpunkten, in unterschiedlichsten Gesellschaften. Und das ist etwas, das finde ich hochgradig interessant, weil es einfach zeigt: Wir waren nie so versteinert wie heute. Ich weiß nicht, ob wir uns immer irgendwas anderes vorstellen konnten, aber wir haben es anders gemacht. Wir sind aus verfestigten Strukturen, die teilweise tausende von Jahren existierten, irgendwann hingegangen und haben gesagt: das passt jetzt für uns nicht mehr, wir machen es grundlegend anders.

Und das ist ja auch das, was uns heute fehlt, was wir brauchen, einfach so diesen Überschlag zu sagen: Hey, wir haben eine kapitalistisch profitorientierte, wachstumsorientierte Wirtschaft. Wir haben eine Gesellschaftsstruktur, die sehr stark mittlerweile auf Vereinzelung ausgelegt ist. Wir brauchen da den Überschlag. Wir müssen einfach radikal anders denken.

Stefanie Ja, es ist einfach ein Experiment. Das haben wir ausprobiert und es funktioniert nicht. Wir müssen uns schlicht eingestehen, dass es nicht funktioniert. Und wenn wir dann das so sehen, wie du das gerade beschrieben hast, von wegen das ist so versteinert ist und es gibt keine Alternative, Alternativlos, ja dann schaffen wir es natürlich da auch nicht raus. Aber wenn wir das eher so als Experiment ansehen und sagen: okay, wir haben das jetzt ausprobiert, es hat ja auch eine Zeit lang funktioniert, für manche sehr gut, für andere nie. Aber jedenfalls, es hat irgendwie funktioniert und es ist ja auch besser geworden. Es ist mehr Wohlstand da und da auch wieder nicht für alle usw aber es hatte auch gute Seiten. Aber es funktioniert nicht. Es läuft gegen die Wand, das kann nicht funktionieren. Die Basis ist einfach falsch. Die Annahmen sind falsch, die getroffen wurden und deswegen kann es nicht funktionieren. Eigentlich ist das klar, aber wir wollen es irgendwie nicht einsehen. Aber wenn wir jetzt sagen okay, es ist ein Experiment, es hat nicht funktioniert, jetzt machen wir einfach ein neues Experiment. Das wäre es, oder?

Carsten Ja, genau darum geht es. Einfach diese Experimentierfreudigkeit wieder aufzubauen, die uns als Menschheit ja im Laufe unserer kompletten Menschheitsgeschichte sehr stark begleitet hat. Aber das findet bisher in den Geschichtsbüchern, die geläufig sind und auch in den Lehranstalten noch nicht wirklich den Raum. Da gehen die Autoren jetzt in diesem Buch auch drauf ein. Warum ist das eigentlich so?

Das sind wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich so in den letzten 10, 20, 30 Jahren ergeben haben. Wissenschaftliche Erkenntnisse meint in diesem Kontext: David Wengrow ist Archäologe. Der guckt so aus dieser Perspektive. Und David Graeber war Anthropologe. So, und diese beiden Wissenschaftler, die haben sich persönlich schon seit zig Jahren gekannt und haben auch zehn Jahre lang an diesem Projekt gearbeitet, irgendwann festgestellt: Mensch, das ist so hochgradig wichtig, dass wir da ein Buch raus verfassen.

Und die haben quasi nichts anderes gemacht, als zu gucken, was für Erkenntnisse haben wir eigentlich mittlerweile über die Menschheitsgeschichte? Und im Rahmen dieser Betrachtung haben sie festgestellt, das ist ja eigentlich anders als das, was bisher gedacht wurde. Und der Umstand, dass das noch nicht in die Breite getragen wurde, das führen die beide darauf zurück, dass die Wissenschaft sich zwar immer erneuert, das heißt also, so dieser allgemeine Gedanke, wenn sich in der Wissenschaft neue Erkenntnisse ergeben, dann verdrängen diese neuen Erkenntnisse das vorherige.

Das ist aber in diesem Wissenschaftsbetrieben, das führen sie so ein bisschen pessimistisch an, auch daran gekoppelt, wann die vorherigen Wissensträger sterben, damit neue Gedanken entstehen können. Also konkret Professoren oder Menschen, die als Lehrende auftreten, die noch diese alten Ansichten mittragen und sich vielleicht aus irgendwelchen Gründen auch dagegen weigern, das neue Wissen aufzunehmen oder dem so viel Stellenwert zuzuweisen.

Die predigen ja quasi noch die althergebrachte Ansicht dieser Menschheitsgeschichte und die wirst du wahrscheinlich auch nicht davon abhalten können und auch nicht überzeugen können, neuere Erkenntnisse aufzunehmen und ihr eigenes Menschheitsbild oder das eigene Bild der Menschheitsgeschichte irgendwie zu revidieren, sondern da müssen wir wahrscheinlich abwarten, bis die dann irgendwann nicht mehr da sind und jüngere Kaliber, die da offener sind, die auch die neueren Forschungsergebnisse anschauen, dass die das dann propagieren. Nur so viel Zeit haben wir jetzt natürlich nicht.

Stefanie Das habe ich auch gerade gedacht: Haben wir überhaupt die Zeit, so lange zu warten?

Carsten Deswegen machen wir jetzt die Folge, damit ich jetzt schon mal darauf hinweisen kann: Leute, es ging auch anders. Wir konnten auch anders.

Stefanie Da hatten wir ja schon mal ein Buch vorgestellt von Annette Kehnel, „Wir konnten auch anders“. Also von daher, das ist ja keine neue Erkenntnis. Und ich wollte noch mal einschieben mit den Geschichtsbüchern und auch der Geschichtsschreibung. Das ist ja immer eine Fokussache. Und wer schreibt diese Geschichte überhaupt? Das ist ja sehr privilegienbehaftet, wer wie darüber schreibt. Und jetzt hier in unserem globalen nördlichen Kontext, sage ich mal, sind es ja eher weiße Männer -ob es immer alte, weiße Männer sind, weiß ich nicht - aber eher weiße Männer, die den Fokus dann auch darauf legen, was weiße Männer in der Geschichte gemacht haben, so dass ja alle anderen eigentlich immer wegfallen. Also es werden kaum andere Menschen genannt.

Carsten Ja, genau. Du hast zum Beispiel aus weiblichen Perspektiven keine Geschichtsschreibung oder wenn, dann nur ziemlich dürftig. Aber die Rolle ist tatsächlich so von diesen männlichen Perspektiven geprägt und das finde ich interessant, weil hier ist auch noch eine andere Facette, die in dem Buch genau da reingreift. Relativ am Anfang wird schon klar, dass, als hier in Europa damals so der Aufbruch stattfand, also zum Zeitpunkt der Aufklärung, da hat man ja grundlegend anders über Gesellschaft, über Gesellschaftsformationen nachgedacht. Da sind ja auch so diese Ideale, die in der Französischen Revolution mit reinspielen, dieses Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit entstanden und propagiert worden, die ja nie so richtig umgesetzt wurden oder werden konnten.

Aber diese Aufbruchsstimmung, dieses grundlegende: Hey, wir denken mal über die bestehenden Zustände nach. Muss das eigentlich so sein oder können wir das anders? Das war ja so eine Aufbruchsituation. Die ist, und das fand ich super interessant, ganz, ganz maßgeblich und stark von nordamerikanischer indigener Kritik ausgegangen. Tatsächlich in persona, dass damals im Rahmen von diesen Siedlungsprojekten, wo wir Europäer·innen den nordamerikanischen Kontinent für uns entdeckten und gesagt haben: Hey, da ist ja so viel Land, was irgendwie verfügbar ist, da gehen wir so rein.

Stefanie Wie du das beschreibst, ist das ja sehr euphemistisch.

Carsten Ja, da sind die Europäer·innen auf indigene Völker und Gesellschaften gestoßen. So, und bevor diese massive Ausrottung von vielen dieser Menschen stattfand, gab es da tatsächlich auch mal den einen oder anderen Dialog. Und im Rahmen dieser Dialogführung wurden massive Kritikpunkte seitens der Indigenen genannt, die gesagt haben: Hey, das was ihr da gerade im europäischen Kontext auf dem europäischen Kontinent mit Gesellschaftsstrukturen, Wirtschaftsstrukturen, Herrschaftsstrukturen macht, das ist irgendwie total falsch. Das heißt also, dieser Freiheitsbegriff, der dann irgendwann im Rahmen der Aufklärung bei uns entstanden ist, der basiert eigentlich auf dem Freiheitsbegriff, der damals in diesen nordamerikanischen indigenen Gesellschaften schon vorhanden war.

So, der war aber nicht immer dort vorhanden. Auch das war durch soziale Experimente und Herantasten, war das ein Entwicklungsschritt. Also der war nicht naturgegeben, sondern auch das musste sich die Menschheit quasi erarbeiten. Aber interessant finde ich einfach, dass wir immer davon ausgehen, wir Europäer·innen waren irgendwann so plietsch und haben das selber für uns herausgefunden und dann quasi unsere eigene Aufklärung bedient. Und die hätte so nicht stattfinden können, wenn wir nicht den Kontakt zu den „rückständigen, unzivilisierten Wilden“ gehabt hätten. Das wurde ja damals so wahrgenommen und bzw auch als Rechtfertigung genannt, da ganze Gesellschaften zu massakrieren, wollte ich gerade schon sagen, zu verdrängen...

Stefanie Ist doch auch so, oder nicht? Kolonialisierung ist auch Gewalt.

Carsten Ja, genau, genau. Und es gab auch Austausche, wo indigene Wortführer·innen nach Europa gebracht wurden und hier in Europa mit Staatsmännern, mit Philosophen in Kontakt gekommen sind, wo man sich mit denen unterhalten hat. Man wollte einfach genau diese Perspektive hören, weil man das total interessant fand, eine Außensicht zu bekommen, so radikal anders die auch war. Und darüber sind genau diese intellektuellen Befruchtungen gekommen, die bei uns diese Aufklärung maßgeblich beeinflusst haben.

Das ist total spannend, denn hier werden Schriftzeugnisse von Zeitzeugen besprochen, die mehr oder weniger scharf oder unscharf sind, aber die darauf hinweisen, dass genau dieser Befruchtungsprozess stattgefunden hat. Und davon erfährst du ja so nichts. Also die ganz normale europäische Geschichtsschreibung spart das total aus. Warum solltest du dich von „wilden, unzivilisierten Völkern“ so stark beeinflussen lassen? Also im Grunde genommen musst du die ja missionieren, bekehren, musst sie auf deinen eigenen Zivilisationsstand bringen. Aber jetzt diese Blöße zu geben, zu sagen hey, eigentlich sind die uns, was die Sozialformen betrifft, meilenweit voraus, da müssten wir eigentlich hin.

Und das fand ich total spannend, dass das hier in diesem Buch auch dargestellt wurde. Ich würde gerne noch mal so auf zwei Passagen dieses Buches eingehen, weil die für mich sehr sinnbildlich sind für das, was da als Inhalt drinsteht. Für das erste, was ich so nenne, muss ich nochmal einschieben, dass die beiden Autoren von bestimmten Grundfreiheiten ausgehen, die der Mensch per se hat.

So, und da schreiben sie: „Wie bereits gesagt, existieren bestimmte Grundfreiheiten. Die Freiheit, sich zu bewegen, wohin man will, Befehlen anderer nicht zu gehorchen und soziale Bindungen neu zu definieren, die für jeden Menschen selbstverständlich sind. Es sei denn, man wurde entschieden zum Gehorsam erzogen, was leider auf so ziemlich jeden Leser dieses Buches zutreffen dürfte.“

Da musste ich schmunzeln, weil ich einfach gedacht habe okay, es sind Grundfreiheiten, denen kann ich per se zustimmen. Aber ja, meine eigene Sozialisation hindert mich daran Befehlen nicht gehorchen zu müssen. Ich bin insofern geprägt. Ja, und das Letzte, was ich aus diesem Buch noch mal zitieren möchte, ist ein kleinerer Abschnitt, der genau in diese Richtung der Zukunftsperspektiven geht. Also dass wir uns andere soziale und generell Zukünfte vorstellen können.

Da schreiben die beiden Autoren: „Wer weiß, womöglich werden wir, wenn unsere Spezies überlebt, eines Tages auf diese heute noch unvorhersehbare Zukunft zurückblicken und Aspekte der fernen Vergangenheit, die heute wie Anomalien wirken - Bürokratien, die im Gemeindemaßstab arbeiten; Städte, die von Nachbarschaften und Nachbarschaftsräten regiert werden; Regierungssysteme, in denen Frauen eine Mehrheit der offiziellen Posten bekleiden; Formen der Landverwaltung, die eher auf Pflege als auf Besitz und Ausbeutung beruhen -, als die wirklich bedeutenden Durchbrüche erkennen und große Steinpyramiden oder Statuen eher für historische Kuriositäten halten. Wie wäre es, wenn wir diesen Ansatz jetzt schon wählten und das minoische Kreta oder Hopewell

[Das sind so Sachen, die in dem Buch vorher besprochen wurden, auf die ich jetzt nicht eingehe.]

nicht mehr als zufällige Schlaglöcher auf einem Weg betrachten, der unvermeidlich zur Bildung von Staaten und Imperien führt, sondern als alternative Möglichkeiten, als Wege, die wir nicht eingeschlagen haben? Diese Dinge hat es schließlich wirklich gegeben, auch wenn unser gewohnter Blick auf die Vergangenheit sie offenbar eher an den Rand als ins Zentrum rückt. Ein Großteil dieses Buches widmete sich der Neukalibrierung solcher Maßstäbe, um uns daran zu erinnern, Menschen haben tatsächlich viele Jahrhunderte und sogar Jahrtausende auf diese Art gelebt. In mancher Hinsicht mag diese neue Perspektive sogar noch tragischer erscheinen als unsere bisherige Standarderzählung von der Zivilisation als unvermeidlichen Sündenfall. Sie bedeutet, wir hätten mit radikal anderen Konzepten von dem, was die menschliche Gesellschaft eigentlich ausmacht, leben können. Sie bedeutet Massenversklavung, Völkermord, Straflager, ja sogar das Patriarchat und die Produktion durch Lohnarbeit hätten niemals geschehen müssen. Andererseits jedoch lässt sich auch vermuten, die Möglichkeiten menschlichen Eingreifens seien auch heute noch weitaus größer, als wir zu denken geneigt sind.“

Stefanie Mich erinnert es jetzt stark auch an „Geflochtenes Süßgras“ von Robin Wall Kimmerer. Da haben wir ja auch eine Podcastfolge schon zu gemacht. Aber sie spricht in ihrem Buch ja auch von dieser Sündenfallthematik, also dass der christliche Glaube letztlich auch zu diesen verheerenden Schlussfolgerungen und geschichtlichen Ereignissen geführt hat, vor allem dann bei indigenen Völkern, die es zu missionieren galt. Und ich denke, da sind Schriften von indigenen Autor·innen auch noch mal sehr wichtig, um auch, wie du das ja gerade gesagt hast, da noch mal zu sehen, was wurde denn schon anders gedacht? Und letztlich wäre es ja dann nur ein Rückbesinnen, wenn das tatsächlich damals schon so stattgefunden hat, dass quasi so die Französische Revolution und die ganze Aufklärung daraus resultiert hat, dass es einen Austausch gab mit indigenen Menschen, die einfach die Wissensgeber·innen waren damals, dann sollten wir uns einfach nur zurückbesinnen und diesen Menschen einen höheren Stellenwert einräumen.

Carsten Ja, definitiv. Das haben wir ja in anderen Folgen auch schon besprochen. Und hier jetzt tatsächlich noch mal die wissenschaftlichen Belege zu holen, das ist ja das, was bei uns in der Gesellschaft immer wichtig ist, das wissenschaftliche.

Stefanie Fakten, Fakten, Fakten.

Carsten Genau davon hast du hier 560 Seiten!

Stefanie Also eine Leseempfehlung von dir uneingeschränkt. Oder gibt es da Einschränkung?

Carsten Ja, massive Einschränkung. 560 Seiten sind sehr einschüchternd, die lassen sich auch nicht einfach so weglesen. Ich habe gerade mal überlegt, es gibt ja „Die kurze Geschichte der Menschheit.“ Harari hat die geschrieben. Das finde ich viel leichter zu verdauen, auch wenn der jetzt in diesem Buch „Anfänge“ so ein bisschen in die Kritik gekommen ist, weil Harari dieses Narrativ von wegen neolithische Revolution etc. ja auch mit eingebracht hat und denkt ja auch in diese Richtung noch. Aber die Art und Weise, wie er schreibt, ist, ich glaube, zugänglicher ist schneller, süffiger.

So, und hier in diesem Buch „Anfänge“ habe ich den Eindruck, da sprechen tatsächlich ein Archäologe und ein Anthropologe und die gucken schon sehr stark in ihre jeweiligen Fachbereiche, nennen auch entsprechende Beispiele - für meinen Alltagsgeschmack teilweise schon so ein bisschen zu detailliert, wahrscheinlich für wissenschaftlich orientierte Menschen nicht detailliert genug. Kann ich mir vorstellen. Also irgendwie so diesen Zwischengrat zu finden zwischen „Hey, wir präsentieren hier gerade die aktuellen wissenschaftlichen Fakten“ und versuchen die aber zugänglich zu schaffen und beide Publikumsebenen, wissenschaftliche, aber auch die Allgemeinheit irgendwie zu treffen. Das ist eine schwierige Gratwanderung und ich glaube, das ist das, was dieses Buch auch eher zäh macht. Also ich habe länger gebraucht, um das Buch durchzulesen, als ich gedacht hatte.

Stefanie Du solltest dich also für das Thema interessieren und schon mal wissen, dass es wahrscheinlich ein bisschen anstrengender ist, das zu lesen.

Carsten Genau also diese Quintessenz, die ich jetzt gerade versucht habe, in dieser Folge zu vermitteln, die ergibt sich zwischendurch immer. Aber das Buch ist eigentlich geprägt durch die zahlreichen Beispiele, die hochgradig interessant sind. Wenn Du mal sehen möchtest, in was für Strukturen Gesellschaften existierten, ob hierarchiefreie Gesellschaften vielleicht auch in ein in Megastädten in größeren Städten existierten - Spoiler, Spoiler, Spoiler ja, war so, kannst du hier nachlesen - dann ist das hochgradig interessant. Gleichzeitig ist es aber, und das ist tatsächlich etwas, was da in dem Buch auch noch mal hervorgeht, der Anfang dieser neuen Geschichte.

Also das Material, was da im Laufe dieser 10-jährigen Korrespondenz zwischen beider Autoren hin und her getauscht wurde, ist so umfangreich, dass sich da wahrscheinlich mehrere Bücher heraus ergeben. Und wenn ich das richtig gelesen habe, wollte David Wengrow das Werk auch weiterführen. Also wird es da wahrscheinlich weitere Bücher in diesem Bereich geben, die noch intensiver und stärker genau auf das eingehen: Was ist da passiert? Was hat jetzt die Wissenschaft mittlerweile an Forschungsergebnissen drin? Aber wie gesagt, das ist alles sehr stark archäologisch und anthropologisch gefärbt. Wenn du da einen Hang zu hast und dich das nicht abschreckt, dann lies es gerne.

Stefanie Ich habe gerade auch noch mal nachgeguckt. Das gibt es auch als Hörbuch. Nicht überall frei verfügbar, aber auf Englisch ist es wohl auch bei uns in der Bücherhalle verfügbar. Ansonsten hatte ich es jetzt nur bei Audible gesehen, aber vielleicht findest du es ja sonst auch noch mal? Aber jedenfalls, das wäre ja noch eine Möglichkeit, dass du sagst lesen nicht, aber nebenbei hören, das wäre vielleicht was, wenn du es nicht gerade auf mal 1,5 oder 2 hörst. Dann rauschen vielleicht die Informationen zu schnell vorbei.

Carsten Wir können auch gleich im Anschluss einfach dranbleiben. Und ich lese das Buch einfach vor.

Stefanie Aber das gibt es dann wahrscheinlich Probleme mit den Rechten - also den Urheberrechten, meine ich, nicht politisch Rechten - weil na ja, gut, muss ich nicht weitersprechen. Okay. Also okay, dann war das jetzt so eine Kurzvorstellung von diesem sehr seitengewaltigen Buch, sage ich jetzt mal und auch inhaltlich gewaltigem Buch.

Und Carsten und ich haben uns selbst gechallenged, eine Herausforderung gesetzt: Wir wollen bis zum Ende des Jahres noch bis Folge 300 kommen. Das heißt, du kannst dich darauf freuen, wenn jetzt nichts schiefgeht und so, das jetzt noch einige Folgen dieses Jahr kommen und wir wissen noch nicht genau, welche Themen wir so behandeln werden. Aber du wirst auf jeden Fall noch mehr Folgen hören können.

Carsten Ja, zur Not machen wir tatsächlich eine Zen-Folge.

Stefanie Stille.

Carsten Eine halbe Stunde Stille. Ja, genau.

Stefanie Nein. Also jedenfalls ist das jetzt so unsere kleine Herausforderung, dass wir das auf jeden Fall schaffen wollen. Und natürlich gibt es keine inhaltlichen Müllfolgen...

Carsten Zen ist doch kein Müll, das ist, also echt jetzt...

Stefanie Gut. Bevor das jetzt hier abdriftet, beenden wir das mal! Und ich würde sagen, in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 292 - TransFARMation: Eine zukunftsfähige Landwirtschaft ohne Tiernutzung

Ein Beitrag

Folge 292 - Transfarmation: Eine zukunftsfähige Landwirtschaft ohne Tiernutzung

In dieser Folge gehen wir der Frage nach, wie für einzelne Landwirtschaftsbetriebe der Ausstieg aus der Tierhaltung gelingen kann. Carsten hat auf dem diesjährigen Tierrechtskongress in Leipzig einen Vortrag zur TransFARMation angeschaut und den Referenten Daniel Hausmann im Anschluss in unserem Podcast eingeladen. TransFARMation begleitet und berät Landwirtschaftsbetriebe auf dem Weg heraus aus der Tierhaltung, hin zu alternativen Landwirtschaftsmodellen.

Wie genau TransFARMation vonstatten geht, welche Perspektiven damit geschaffen werden können und wie Interessent·innen die ganz persönliche TransFARMation starten können, dass erfahrt ihr jetzt im Gespräch zwischen Carsten und Daniel.

Links zur Folge

TransFARMation Deutschland
https://transfarmation-deutschland.de/
E-Mail: info@transfarmation-deutschland.de

Tierbefreiung Magazin
https://www.tierbefreiung.de/

Mein Newsletter
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/newsletter/sign_up

Wall of thanks
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So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
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Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Bevor wir mit der heutigen Folge starten, noch ein paar einleitende Wörter, Sätze von mir, denn ich werde in dieser Folge überhaupt gar nicht zu Wort kommen. Deswegen muss ich natürlich vorher so viel wie möglich reden. Kleiner Scherz.

Zunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei Hanna und Johanna bedanken, dafür, dass sie Transkripte Korrektur gelesen haben. Johanna hat tatsächlich drei Transkripte jetzt in den vergangenen Wochen Korrektur gelesen. Hanna hat ein weiteres eingereicht und so sind wir dem Ziel schon ein wenig näher gekommen. Ich habe in der Zeit auch noch einen Schwung Transkripte Korrektur gelesen und deswegen sind jetzt im Mehr als Vegan Podcast noch 164 Transkripte offen, die Korrektur gelesen werden müssten. Bei der letzten Folge waren es noch 204 Folgen. Das heißt also, wir haben immerhin jetzt schon 40 Transkripte in der Zwischenzeit Korrektur gelesen.

Und wenn du da mitmachen möchtest und mich und uns und generell diesen Podcast unterstützen möchtest, dann melde dich doch sehr, sehr gerne. Es ist wirklich toll. Ich freue mich über jedes Transkript, das ich nicht Korrektur lesen muss. Denn natürlich ist es einfach ein großer Berg und es gibt kurze Transkripte und lange Transkripte und thematisch sehr unterschiedliche Transkripte. Und du kannst da einfach auswählen zwischen den 164 verbleibenden Transkripten, dir eines aussuchen oder gerne auch mehrere. Und mir schreiben an post@vonherzenvegan.de . Melde dich einfach.

Du kannst auch sagen, dass ich dir was raussuchen soll. Du kannst auch sagen: Bitte, ich möchte ein Transkript Korrektur lesen, wo das Audio eine halbe Stunde lang ist oder welche Zeiteinheit für dich passend erscheint. Oder sagen ich möchte etwas zu folgendem Thema Korrektur lesen. Oder du suchst dir selbst eine Folge raus. Das ist alles möglich und wenn du es möchtest, wird dein Name dann auch dazu geschrieben, dass du das Korrektur gelesen hast und du wirst dann auch namentlich auf der Wand des Dankes, der Wall of Thanks genannt, wo du dann für immer eingraviert sein wirst, solange es diese Website gibt. Und wenn du das nicht möchtest, dann kannst du natürlich auch anonym bleiben. Alles ist möglich.

Ich freue mich über jede Hilfe und ich freue mich auch, wenn du sagst, ich habe gar keine Zeit, aber dafür habe ich Geld. Wenn du diesen Podcast und meine Arbeit finanziell unterstützt, alle Möglichkeiten, wie das geht, findest du wie immer hier unter der Folge in den Shownotes oder einfach auf der Webseite unter dem Menüpunkt „Unterstützen“. Also noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle die diesem Aufruf schon Folge geleistet haben. Ich freue mich wirklich über jede einzelne Person. Herzlichen Dank!

Und dann gibt es noch eine Neuigkeit zu verkünden: Die neue Ausgabe des Tierbefreiungsmagazins ist jetzt endlich erschienen, Ausgabe Nummer 120 mit meinem Artikel zur Historie der Kuhmilch und noch weiteren interessanten Artikeln natürlich, zum Thema Tiermilch. Also das heißt, wenn du dich dafür interessierst, für diesen Schwerpunkt oder auch generell für Tierrechte, dann bist du herzlich willkommen, jetzt auf die Tierbefreiungsseite zu gehen, das Magazin dir zu bestellen oder es in einem Laden deines Vertrauens zu erwerben. Und dann natürlich den Artikel und auch die ganzen anderen Artikel, die nicht von mir stammen, zu lesen.

Newsletter Abonnent·innen wussten schon davon. Diese Personen, die sich für den Newsletter bei mir angemeldet haben, hatte ich schon informiert. Das heißt, wenn du sowas so schnell wie möglich erfahren möchtest, all die Neuigkeiten, dann melde dich gerne für meinen Newsletter an! Menschen, die da schon länger angemeldet sind, wissen, ich schreibe nicht sehr häufig. Wenn es einmal im Monat ist, dann ist das schon sehr regelmäßig. Eigentlich schreibe ich wirklich seltener, also wenige Male im Jahr. Wenn jetzt tatsächlich mehr interessante Dinge gehäuft vorkommen, kann das auch mal sein, dass ich dann zweimal im Monat schreibe, vielleicht. Aber bisher ist es noch nicht vorgekommen. Das heißt, du wirst auf keinen Fall zugespamt und du findest den Link zum Newsletter auch wieder hier unter der Folge in den Shownotes.

So, dann kommen wir mal zum Inhalt dieser Folge. Carsten hat da keinen Monolog produziert, sondern hatte einen Gast, hat also ein Interview geführt. Und in dieser Folge gehen Carsten und sein Gast der Frage nach, wie für einzelne Landwirtschaftsbetriebe der Ausstieg aus der Tierhaltung gelingen kann.

Das fand ich auch sehr interessant und finde es immer noch interessant. Deswegen hatte ich Carsten auch ein paar Fragen aufgeschrieben, die er dann für mich auch stellen konnte.

Carsten hat auf dem diesjährigen Tierrechtskongress, also 2023, in Leipzig, einen Vortrag zur TransFARMation angeschaut und den Referenten Daniel Hausmann im Anschluss in unseren Podcast eingeladen.

TransFARMation begleitet und berät Landwirtschaftsbetriebe auf dem Weg heraus aus der Tierhaltung hin zu Alternativen Landwirtschaftsmodellen.

Und wie genau eine TransFARMation vonstatten geht, welche Perspektiven damit geschaffen werden können und wie Interessent·innen die ganz persönliche TransFARMation starten können, das erfährst du jetzt im Gespräch zwischen Carsten und Daniel. Viel Spaß damit!

Carsten Hallo, Daniel. Vielen Dank, dass du heute die Zeit gefunden hast, für uns in diesem Podcast die TransFARMation und auch dich als Person einmal vorzustellen. Auch nochmal vielen Dank für deine zeitliche Flexibilität. Wir hatten dieses Gespräch ja schon mal anders geplant, aber dann musste ich das aus gesundheitlichen Gründen leider verschieben. Jetzt hat es glücklicherweise geklappt. Und ja, vielleicht stellst du dich einmal kurz vor, wer du als Person bist und dann vielleicht gleich hinterher was ist TransFARMation und was ist da deine Rolle? Wie ist da der Kontext zwischen euch beiden?

Daniel Ja, kann ich gerne machen. Erstmal Hallo Carsten nochmal und auch danke für euer Interesse an der Sache. Mein Name ist Daniel. Ich bin jetzt 32 Jahre alt. Ich habe 2012, das ist mittlerweile schon über zehn Jahre her, den Hof meiner Eltern übernommen. Der war damals konventionell. Mein Vater hatte Getreide angebaut und Rinder gehalten und ist dann aber relativ plötzlich verstorben. Da habe ich den Betrieb übernommen und erstmal Ökolandbau in Eberswalde studiert. Weil ich selber nicht auf dem Hof war, habe ich die Rinder erstmal verkauft und das Getreide haben wir im Lohn bewirtschaften lassen.

Im Studium selbst habe ich mich dann für die vegane Lebensweise entschieden und erst den Hof 2014 auf Bio umgestellt, gleichzeitig auch bio vegan und seit 2016 bin ich zurück auf dem Hof. Da habe ich dann angefangen mit meiner Mutter zusammen Gemüse anzubauen. Sie hat ihren Job gekündigt und einfach mitgemacht und im Prinzip immer bio vegan, auch quasi nach besten Wissen und Gewissen. Und seit letztem Jahr 2022 haben wir uns dafür entschieden, das auch zertifizieren zu lassen. Nach den bio-zyklisch-veganen Richtlinien, einfach dass es auch nachvollziehbarer ist für andere. Ansonsten kann ja jeder kommen.

Und seit diesem Jahr 2023 engagiere ich mich mit bei der TransFARMation. Die ist relativ neu in Deutschland. Ja, meine Motivation. Warum mache ich das? Ich komme selbst aus der Landwirtschaft und habe mich auch im Studium schon viel mit bioveganem Landbau beschäftigt. Ob das möglich ist, wie genau und was man damit macht und setze das seit einigen Jahren selbst auch um und denke, mittlerweile ist es auch an der Zeit, das mehr nach außen zu tragen. Ich kann hier die schönste Sache machen auf der Welt, auf so einem kleinen Fleckchen Erde. Wenn da niemand was davon mitbekommt, wächst das nicht großartig.

Und über TransFARMation ist es mir auch möglich, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben. Vielleicht auch Fehler, die ich gemacht habe, weiter zu geben. Dass andere die nicht unbedingt wiederholen und einfach Leute dazu motivieren, aus der Tierhaltung auszusteigen und pflanzenbasiert zu wirtschaften. Und da sind wir eigentlich auch schon bei meiner Rolle im TransFARMation.

Ich kümmere mich hauptsächlich um landwirtschaftliche Belange, denn ist mein Fachgebiet. Wenn irgendwelche Fragen auftauchen, kann ich da zielgerichtet recherchieren oder einfach irgendwas dazu sagen, meinen Senf dazugeben. Das betrifft jetzt nicht nur Landwirtschaft selber, sondern auch vor oder nachgelagerte Bereiche wie zum Beispiel verarbeitende Unternehmen oder abnehmende Betriebe. Und ab und an mache ich auch Vorträge bzw stelle die TransFarmationsarbeit vor, weil ich es sehr wichtig finde von der Sache auch zu reden und einfach den Gedanken unter die Menschen zu bringen.

Carsten Wie ist das denn damals gelaufen? Wie hast du von TransFARMation erfahren? Sind die auf dich zugekommen, weil sie gemerkt haben: Mensch, da ist jemand, der jetzt hier einen Bio zertifizierten Hof hat, der interessant ist? Oder ist es andersrum gewesen? Dass du von TransFARMation erfahren hast und gesagt hast Mensch, cool, exakt das, was ich eigentlich möchte, da will ich jetzt mit einsteigen?

Daniel Das war eher eine zufällige Begegnung. Das war in so einer Zoomkonferenz, da ging es um Tierrechte. Und ja, der Matthias, der auch mit im Team jetzt ist, hat TransFARMation vorgestellt und auch gesagt, dass sie da noch Leute suchen, die landwirtschaftliche Expertise haben. Und das war gerade Winter. Ich hatte viel Zeit und habe mir gedacht: Mensch, das ist genau das, was du machen willst und habe mich gemeldet. Und so haben wir zueinander gefunden.

Carsten Und ich hatte jetzt dadurch, dass wir uns schon auf dem Tierrechtskongress begegnet sind, in Leipzig schon rausgehört, dass TransFARMation hier in Deutschland, ich sage jetzt mal, „neu“ ist, gerade dabei ist Fuß zu fassen, den Ursprung aber woanders hat. Kannst du da noch mal ein bisschen was zu sagen zu dieser Konstellation?

Daniel Genau. Der Ursprung der TransFARMation kommt aus der Schweiz. Dort gibt es das schon seit ungefähr fünf Jahren. Sarah Heiligtag hat es mitgegründet mit ihrem Mann. Und dort wurden in den letzten fünf Jahren 130 Betriebe schon umgestellt oder begleitet. Und jetzt dachten wir, ist es an der Zeit, die Idee auch nach Deutschland zu bringen. Deutschland ist viel größer, hier gibt es viel mehr Betriebe und natürlich auch ein unglaubliches Potenzial.

Carsten 130 Betriebe ist ja schon eine richtige Kennziffer. Wie viele Leute sind denn da in der Schweiz jetzt in TransFARMation als Team vorhanden oder vielleicht darüber hinaus? Noch eine Frage: Ist das eher ein Kernteam, was die die gesamte Arbeit leistet? Gibt es eine bestimmte Fluktuation, je nachdem, in welchen Fachbereich da reingeguckt werden muss, dass dann mal mehr Personen hinzugenommen werden und da vielleicht nur ein stabiles Kernteam ist, was das Ganze koordiniert? Wie ist das momentan in Deutschland gestaltet?

Daniel Also zur Schweiz kann ich gar nicht so viel sagen, wie genau die organisiert sind und wer alles mithilft. Aber in Deutschland kann ich sagen, wir sind im Moment fünf Leute im Kernteam, das sind Samara, Matthias, Timo und Mirjam und ich und offiziell haben wir am 1. Juli 2023 angefangen. Natürlich haben wir inoffiziell schon länger die Sache vorbereitet und verschiedene organisatorische Sachen geklärt. Und wir sind jetzt ungefähr drei Monate schon dabei.

Carsten Seid ihr regional alle in der gleichen Region unterwegs oder zerstreut sich das übers Bundesgebiet und ihr trefft euch vornehmlich virtuell?

Daniel Wir sind tatsächlich in ganz Deutschland verteilt unterwegs. Von Norden, Westen, Osten, Süden und Mitte ist eigentlich alles was dabei. Das macht es auf der einen Seite interessant. Auch für Veranstaltungen können wir es natürlich so einteilen, dass die Leute dorthin gehen, die den geringsten Weg haben. Aber ja, teilweise ist ein bisschen schwierig mit Absprachen, ist meistens online. Wir sehen uns jetzt selten, aber ja, im heutigen Zeitalter ist ja auch schön, dass das überhaupt möglich ist.

Carsten Wie ist das jetzt fachlich? Wenn du sagst, ihr seid jetzt fünf Personen, die zwar übers Bundesgebiet verstreut sind und da auch geguckt werden kann, wer jetzt die kürzesten Wege hat, funktioniert das fachlich genauso, dass jede·r von euch fünf eigentlich, ich sag jetzt mal, jeden Hof, der jetzt gerade an euch herantritt, bedienen kann? Oder stellt der·die dann fest: Mensch, das sind Kompetenzen, die muss ich dann doch bei einer von den anderen vier Personen mit einholen, der·die dann eventuell auch Reisewege in Kauf nehmen muss.

Daniel Die Betriebsbesuche machen doch eher Samara und Matthias und die nehmen dann noch weitere Wege in Kauf. Aber wir versuchen auch vieles miteinander zu verbinden und sprechen uns dann trotzdem auch wieder ab und was sie jetzt vielleicht an Kompetenz nicht haben oder Fragen haben, kann man ja dann online oder telefonisch direkt danach auch im Anschluss klären. Und von daher, durch die technische Digitalisierung gerade ist es fast trotzdem, als wäre jede·r überall dabei.

Carsten Kannst du vielleicht in so einen Prozess mal skizzieren, also angefangen von da ist jetzt ein Hof, der schon bereits Kontakt mit euch aufgenommen hat. Wie geht ihr dann inhaltlich eigentlich vor? Was passiert dann konkret?

Daniel Da passiert eine ganze Menge. Also als erstes nimmt der Hof Kontakt auf zu uns. Das ist immer ganz wichtig zu sagen, wir gehen jetzt nicht hausieren und fragen Höfe von wegen: „Hey, habt ihr nicht Bock, die Tierhaltung abzuschaffen? Wir hätten eine bessere Idee.“ Da wird man wahrscheinlich schnell die Tür wieder vor der Nase zugeschlagen bekommen. Also die Landwirt·innen melden sich bei uns. Das hat den Vorteil, die sind auch schon motiviert das zu machen und haben sich selber auch schon mit dem Thema auseinandergesetzt.

Und als erstes ist meistens ein Anruf oder eine Email ganz unverbindlich. Da kommt man kurz ins Gespräch. Wir haben dann ein Kontaktformular, wo nochmal ausgefüllt wird, spezielle Gegebenheiten des Hofes: Was ist das überhaupt für ein Hof? Was für Tiere gibt es da und was sind vielleicht Stärken von den Menschen, die da arbeiten? Wo wollen die hin? Da haben wir schon mal einen groben Überblick und als nächstes erfolgt dann den Termin vor Ort.

Das ist ganz wichtig erstmal, dass man sich gegenseitig auch kennenlernt, hat ja auch ganz viel damit zu tun. Ist ja alles ganz individuell. Die Menschen sind individuell, die Höfe auch noch mal und dass man sich einfach ein bisschen beschnuppert, Vertrauen aufbaut, kennenlernt und vielleicht auch schon die ersten Ideen und Wünsche bespricht.

Danach wird es erstmal wieder bisschen bürokratischer, da wird der Betrieb analysiert. Da werden dann neue Möglichkeiten ausgelotet, von wegen: was kann ich machen oder anstellen mit den Gegebenheiten vor Ort? Welche Wünsche oder Ziele haben die Landwirte? Und ja, dann geht es irgendwann an die Umsetzung.

Das müssen die Landwirt·innen im Prinzip selber machen. Das sind ja auch die, die jeden Tag auf dem Betrieb sind und die damit leben müssen. Und wir sind aber trotzdem immer noch da als Begleiter·innen. Es ist nicht so, dass wir jetzt sagen: Tiere sind abgeschafft, zack und tschüss! Die Landwirt·innen können trotzdem jederzeit auf uns zukommen, wenn irgendwelche Fragen sind oder noch irgendwelche Unklarheiten.

Das war jetzt ein ganz allgemeine Sache, aber man muss immer dazu sagen, das ist alles sehr individuell und immer interaktiv. Es gibt jetzt auch keine klare Linie, wie das abläuft. Das ist natürlich auch in jedem Betrieb ein bisschen anders.

Carsten Genau. Man hört schon raus, dass Ihr auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort sehr stark achtet. Du hattest schon angesprochen, was für Kompetenzen da auf dem Hof sind. Kannst du zu dieser Analysephase noch mal ein bisschen was sagen? Also wie kann ich mir das vorstellen? Sind das jetzt tatsächlich nur die Personen, die du vorhin genannt hast? Also das Fünfer Team, das im Rahmen dieser Analyse mit dem Landwirtschaftsbetrieb spricht? Oder holt ihr euch dort weitere externe Beratungskapazitäten mit rein, weil vielleicht da das Themenspektrum irgendwie zu speziell ist, was da eventuell noch ausgelotet werden soll?

Daniel Das kommt wieder ganz auf den Betrieb an, bzw auf die Wünsche von den Landwirt·innen oder die Menschen, die da arbeiten. Ich habe jetzt zum Beispiel Ahnung von Landwirtschaft, aber ich kann nicht viel über Tourismus erzählen. Wer jetzt zum Beispiel Ferien auf dem Bauernhof machen will oder irgendwelche touristischen Angebote, da wäre es natürlich dann sinnvoll, auch jemanden dazu zuholen, der davon damit Bescheid weiß. Und das ist auch unsere Aufgabe, so ein bisschen dieses Netzwerk zu erstellen. Wir können selber vielleicht nicht alles abdecken und alles wissen, aber wir haben den Anspruch, dann für alles, auch jemanden zu kennen, der uns helfen kann.

Carsten Und wie weit ist dieses Spektrum der Möglichkeiten da gegeben? Also ich sage jetzt mal, das große Ziel ist ja, die Landwirtschaftsbetriebe aus der Tierhaltung rauszunehmen. Da habe ich trotzdem noch mal ein Spektrum, wo es dann in Zukunft mit diesem Betrieb hingehen kann. Angefangen von was du jetzt gerade schon gesagt hast, so Tourismus, vielleicht Lebenshof, vielleicht irgendwie Richtung Market Gardening? Keine Ahnung. Also kannst du da ein bisschen was zu erzählen, was für Möglichkeiten ihr offerieren könnt oder was generell denkbar ist?

Daniel Also denkbar ist eigentlich fast alles, was der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Und genau, unser Ziel ist es jetzt nicht, die Tiere abzuschaffen, quasi die letzten Schweine zum Schlachthof zu bringen und dann zack, sind wir vegan. Wir versuchen natürlich auch so viel wie möglich Tiere zu retten. Und da ist zum Beispiel die erste Frage für den Betrieb: Wollt ihr weiter wirtschaften oder weiter euren Hof haben, mit oder ohne Tiere? Und da reden wir nicht von den sogenannten Nutztieren, sondern von lebenden Tieren. Und da geht es darum auch: wie viele Tiere kann oder möchte ich behalten?

Wenn ich jetzt zum Beispiel im Extremfall einen großen Schweinemastbetrieb habe und gar nicht die Flächen dazu habe, wenn ich dann will, dass es den Tieren gut geht in Form von Lebensstil, brauche ich eine enorme Fläche auch und einen enormen Arbeitsaufwand. Da geht es dann natürlich auch los. Das muss irgendwie finanziert werden. Da müssen zum Beispiel Pat·innen gesucht werden oder eventuell auch Tiere umplatziert werden. Vielleicht gibt es andere Höfe, die die Tiere aufnehmen können oder andere Privatpersonen. Bei einem Schwein oder bei einer Kuh ist es wahrscheinlich schwierig als Privatperson. Aber wenn ich zum Beispiel Hühner retten möchte, kann ich durchaus auch wenn ich einen großen Garten habe, da eine kleinen Gruppe einen schönen Platz bieten.

Carsten Und wie lange dauert so gefühlt oder vielleicht auch Erfahrungsgemäß eine Gesamtumstellung eines Hofes? Das hängt wahrscheinlich genau von dieser Fragestellung ab: Was möchte der Landwirt oder die Landwirtin? Aber so PI mal Daumen - redet ihr da jetzt eher so von einem Jahr oder von fünf Jahren? Oder von zehn Jahren? Was sind so, so erfahrungsgemäß realistische Zeiträume, die man berücksichtigen muss?

Daniel Wie du schon gesagt hast, es ist auch sehr individuell wieder. Auf einer Seite hängt es davon ab, was der Hof für Tierhaltung betreibt. Und wo er hin möchte. Und das kann relativ schnell gehen, wenn ich jetzt einfach eine extensive Mutterkuhhaltung habe, da brauche ich nicht so viel verändern. Aber wenn ich jetzt eine sehr intensive Schweinehaltung habe oder Hühnerhaltung, muss schon einiges getan werden. Und dann geht es ja schon wieder los.

Wenn ich jetzt zum Beispiel Verarbeitung machen will. Ich baue zum Beispiel Hafer an und möchte Hafermilch herstellen. Das muss ja auch alles organisiert werden. Vielleicht gebaut werden. Da geht es ja schon los mit der Bürokratie, die Bauanträge und wir erstellen dann immer einen groben Zeitplan und dann ist das alles auch nachvollziehbar. Von wegen bin ich im Zeitplan, wird das was oder wird das nicht? Das ist natürlich auch alles sehr flexibel zu sehen, aber sollte auch - also zehn Jahre wäre mir ein bisschen hochgegriffen. Ein Jahr ist schon sportlich und genau kommt drauf an, was man alles mit betrachtet.

Eigentlich ist ja auch der Weg das Ziel. Und wichtig ist, dass die sogenannte Nutztierhaltung relativ schnell aufhört, dass einfach keine Tiere mehr sinnlos geschlachtet werden müssen und dann muss man schauen oder Konzepte erarbeiten: Was mache ich mit den Tieren, die wir behalten und was muss ich vielleicht umbauen und wie schnell geht das?

Carsten Und genau für diese Phase, wo das bestehende Geschäftsmodell erstmal gestoppt wird bis zur Findung eines weiteren Geschäftsmodells, das ist ja genau diese TransFARMation, die ijr durchführt. Das muss wirtschaftlich auch irgendwo berücksichtigt werden. Wie könnt ihr da sicherstellen, dass dann genau in dieser neuralgischen Phase der Landwirtschaftsbetrieb trotzdem noch genügend Einnahmen generiert?

Daniel Ja, wie stellen wir sicher, dass der landwirtschaftliche Betrieb in der Phase genügend Einnahmen generiert? Wir haben natürlich vorher einen Plan und auch einen Finanzplan. Und da wird dann geschaut, wann kommen welche Einnahmen rein. Wir arbeiten auch mit Stiftungen zusammen, also wir haben auch Budgets für Transformationen. Das ist natürlich auch wieder individuell und kommt darauf an, was der Betrieb möchte. Und dann kommt es auch darauf an, wo er hin will, um an neue Einnahmen ranzukommen. Wenn ich jetzt zum Beispiel Bäume pflanze, dauert das ja eine gewisse Zeit auch bis sie wachsen und Früchte geben. Und ansonsten kann ich mir doch vorstellen, eine Crowdfunding Aktion, das ist wieder unser Vorteil. Durch unsere Reichweite können wir natürlich dann wieder viele Menschen erreichen, die da auch mithelfen können. Und es ist natürlich trotzdem wichtig, sich vorher zu überlegen was für finanzielle Mittel brauche ich und wie komme ich da hin?

Carsten Das heißt also, wäre ich jetzt ein Landwirt und ich würde ganz gerne meinen Landwirtschaftsbetrieb von euch umgestalten lassen, hätte aber tatsächlich noch Tierhaltung und kein finanzielles Polster: Wie realistisch ist es dann zu sagen, ich erreiche da trotzdem die Zielgerade, dass ich aus der Tierhaltung aussteige? Könnt ihr dann Mut machen? Sagen Hey, selbst ohne finanzielles Polster, kein Thema, wir finden irgendwie einen Weg, dass du die Einnahmen anders kompensieren kannst oder ist dieses finanzielle Polster irgendwie schon eine Grundvoraussetzung, dass überhaupt so ein Prozess gestartet werden kann?

Daniel Genau deswegen arbeiten wir auch mit den Stiftungen zusammen. Dass da auch ein gewisses Budget vielleicht da ist, kommt dann immer darauf an, was die Betriebe wollen. Für uns ist es natürlich schön, wenn die zum Beispiel Bildungsarbeit betreiben und in die Öffentlichkeit gehen. Das wäre so unser Idealfall von der TransFARMation. Das hilft ja auch der Sache an sich wieder, weil dann wird die Idee mehr ausgebreitet und die Menschen erfahren davon. Und wie gesagt, mittlerweile, man kann ja auch mit Crowdfunding eine gewisse Zeit überbrücken bzw Investitionen tätigen. Und ja, dann kommt es auch darauf an, was ich möchte. Wenn ich jetzt Bildungsarbeit betreibe, brauche ich gar nicht so die großen Investitionen und kann relativ schnell einsteigen.

Carsten Jetzt hattest du gerade schon die Stiftung genannt, das führt mich jetzt zur Frage: was diese Unterstützung von der TransFARMation kostet und wie ihr euch generell finanziert? Ist das tatsächlich primär über diese Stiftung oder wie findet das statt?

Daniel Die TransFARMation ist für die Landwirt·innen erstmal kostenlos. Das ist uns wichtig, dass es nicht abschreckt. Von wegen, dass die Beratung Geld kostet und es dann Menschen daran hindert, die ganze TransFARMation gar nicht erst anstoßen zu lassen. Und wir selber als Verein werden hauptsächlich durch zwei Stiftungen finanziert und natürlich auch durch kleinere Spenden und mit größerer Bekanntheit hoffen wir natürlich, dass auch die finanziellen Mittel dann größer werden, dass wir möglichst viele Höfe unterstützen können.

Carsten Ich will mal ganz kurz zurück so auf euren Beratungsprozess gehen. Da ist mir noch so eine Frage im Kopf geblieben. Du hast jetzt gerade so den Weg skizziert, hin zu einer sehr intensiven Analyse. Das Ganze wird begleitet. Mich interessiert jetzt mal, wie intensiv ist denn die Begleitung in diesem gesamten Umstellungsprozess? Findet da immer eine Person den regelmäßigen Kontakt zum Landwirtschaftsbetrieb, läuft das irgendwann aus und ihr guckt nach ein paar Jahren noch mal wieder. Wie kann ich mir das vorstellen?

Daniel Das ist natürlich auch sehr unterschiedlich. Es gibt Landwirt·innen, die sind sehr eigenständig bzw machen so ein bisschen ihr eigenes Ding, brauchen gar nicht so viel Unterstützung, brauchen bloß ab und zu mal einen Tipp oder dass sie wieder auf dem richtigen Weg bleiben. Wobei das auch komisch klingt, aber du weißt, was ich meine. Ja und dann gibt es Leute, wenn ich jetzt wirklich was ganz anderes mache, brauche ich vielleicht mehr Unterstützung.

Wenn ich jetzt vorher zum Beispiel eine Schweineanlage hatte oder Mastschweine gehalten habe, heißt das nicht zwangsläufig, dass ich sofort auch nur, weil ich Schweine gehalten habe, auch einen grünen Daumen habe. Oder dass meine Mitarbeitenden einen grünen Daumen haben. Und da brauche ich vielleicht ein bisschen mehr oder habe speziellere Fragen von wegen zum Anbau oder zur Bodenfruchtbarkeit, Fruchtfolge was auch immer bzw. können ja ständig auch Rückfragen kommen, von wegen wenn ich meine Produkte verkaufe, mein Abnehmer ist abgesprungen und ich suche gerade jemand neues und da können wir zum Beispiel wieder helfen durch das Netzwerk.

Ja und wann ist so eine TransFARMation eigentlich vorbei? Also wann sind wir raus? Ich würde sagen, so richtig raus sind wir nie. Schon alleine, weil es mich aus privaten Gründen auch interessiert: Wie geht es mit dem Hof weiter? Natürlich wird die Betreuung nach hinten raus dann immer weniger. Aber ja, unsere Hauptaufgabe ist es, den Anstoß zu geben und bei den ersten Schritten zu helfen.

Carsten Netzwerken hattest du vorhin auch schon mal angesprochen. Gilt das dann auch für die Landwirtschaftsbetriebe, dass du die Interessierten oder die, die vielleicht schon so was gestartet oder schon abgeschlossen haben, miteinander in Verbindung bringst, dass da noch mal so eine Ideenbefruchtung oder auch Motivationsbefruchtung stattfindet?

Daniel Ja, das ist tendenziell auch wichtig. Oder es kann helfen, weil nicht jede·r das Rad neu erfinden muss. Man kann ja durchaus von anderen lernen, auch von den Fehlern anderer Leuten lernen. Und wenn Leute ähnliche Sachen machen, macht es natürlich Sinn, die auch zu verknüpfen oder die Leute zu verbinden.

Carsten Ja, vor allen Dingen stelle ich mir das vor, wenn ich jetzt als alteingesessenene·r Landwirt·in in einer sehr ländlichen Region, auf einmal genau diesen Weg beschreite, dann bin ich ja sehr exponiert. Das muss man ja auch irgendwo wollen und mittragen. Und je nachdem, wie das persönliche Standing dann in diesem Umfeld ist, kann das natürlich dann auch schwierig sein, anderen Landwirtschaftsbetrieben gegenüber zu treten und vielleicht nicht als Sonderling oder sowas dazustehen. Wenn da natürlich dann irgendwo im Hintergrund ein Netzwerk existiert, wo ich weiß, Mensch, da sind andere Personen, die genauso ticken wie ich, die sitzen vielleicht nicht direkt nebenan, aber vielleicht ein paar Regionen weiter, dann ist es natürlich wahrscheinlich von der Psychologie her auch nochmal eine gewaltige Unterstützung.

Daniel Ja, das macht auf alle Fälle viel aus. Also das soziale Milieu, das darf man nicht unterschätzen. Natürlich, das spielt eine riesengroße Rolle. Und das ist, wenn ich das vergleiche, sehen wir ja, wenn wir uns vegan ernähren, wenn wir auf Familienfeier sind, wo Leute sich vielleicht nicht vegan ernähren, die wir trotzdem gern haben. Und es kann schon provokant sein, wenn ich zu Weihnachten einfach ein veganes Stück Tofu bekomme, während die anderen ihre Ente essen. Und ich brauche gar nichts sagen und es kann sich schon für die anderen so anfühlen wie versteckte Kritik.

Und genauso ist das natürlich auch bei der Tierhaltung. Man grenzt sich ja schon auch so ein bisschen ab von den anderen. Man will denen vielleicht auch nicht wehtun oder Ratschläge geben, aber das passiert ja automatisch schon mit. Und da hilft es natürlich ungemein, wenn man auch Leute um sich weiß, die quasi dasselbe auch machen, ethisch dieselben Vorstellungen haben. Und ja, man kann auch ganz anders ins Gespräch kommen.

Carsten Ins Gespräch kommen ist ein guter Übergang zu meiner Frage, wie denn jetzt interessierte Landwirtschaftsbetriebe mit euch in Kontakt treten können. Woher weiß ein Landwirtschaftsbetrieb eigentlich von eurer Existenz? Und wenn da dieses Wissen vorhanden ist, was sind dann so die Anknüpfungspunkte, die Anschreiben, die Mail? Kommen die vorbei? Wie passiert das dann?

Daniel Wie erfahren die landwirtschaftliche Betriebe von uns? Ich würde sagen über die Medien, über Instagram, vielleicht ein TV Bericht und verschiedene Veranstaltungen. Vielleicht ist es auch einfach ein Tipp von jemanden, der uns auf einer Messe oder auf einer Veranstaltung gesehen hat. Kann ich mir vorstellen. Vielleicht auch einen Zeitungsartikel. Und der·die Landwirt·in, der¯die das hört, der·die denkt ja nicht sofort: Oh, TransFARMation ist genau das, was ich machen will. Das ist ja auch ein Prozess. Und manchmal ist es, dass die Leute uns irgendwo sehen. Dann arbeitet es ein bisschen im Kopf und ein Jahr später kommen sie auf uns zu: Hey, ich kenne euch von der und der Veranstaltung. Ich habe überlegt und vielleicht wäre das was für mich. Und ja, das ist dann erstmal eine Email oder ein Anruf bzw dass unser Onlineformular ausgefüllt wird. Vorbeikommen ist schwierig, wir haben kein wirkliches Büro, aber im Prinzip ist es erstmal eine einfache Anfrage und dann sehen wir weiter.

Carsten Gibt es da schon irgendwelche Projekte, die ihr als Referenz nennen könnt und wo ihr sagt: „Okay, Mensch, genau in der Region, wo du gerade sitzt mit deinem Landwirtschaftsbetrieb, da haben wir direkt um die Ecke schon jemanden, den du auch noch mal als Referenz kontaktieren kannst.“ Oder ist das, weil du schon sagtest, ihr startet jetzt gerade in Deutschland, ist das hier jetzt zu neu und ihr müsstet im Zweifelsfall auf Referenzen im schweizerischen Umfeld irgendwie verweisen?

Daniel Sowohl als auch, würde ich sagen. Also wir sind relativ neu. In den drei Monaten konnten wir jetzt ja noch nicht so viele Höfe gewinnen. Unser Hauptaugenmerk lag erstmal darin, bekannt zu werden. Deswegen sind ja auch gerade so Podcasts, wie wir es jetzt machen, so wichtig, dass die Leute von uns erfahren. Wir sind aber trotzdem auch schon mit zwei Höfen ernster im Gespräch. Einer ist in Schleswig Holstein und einer in Bayern und ansonsten können wir immer noch auf die Höfe in der Schweiz zurückkommen.

Carsten Gibt es da irgendwie ein Herzensprojekt, wo du sagst Mensch, das ist total super? Wo du mitgearbeitet hast wahrscheinlich jetzt nicht, weil du sagtest, du bist relativ jung noch mit dabei in dieser TransFARMation. Aber eins, wo du sagst, das wäre tatsächlich etwas, was du persönlich präferieren würdest als Herzensprojekt oder als Referenz?

Daniel Herzensprojekt selber habe ich keins, glaube ich. Und ich denke, das Interessante an der ganzen Sache ist ja auch, dass alles so individuell ist und dass man so viele verschiedene Sachen machen kann. Und ja, die Arbeit mit den Menschen zusammen und da denke ich, ist jeder einzelne Betrieb für sich spannend. Aber was mir mit am Herzen liegt, ist wirklich auch die Bildungsarbeit, einfach um den Gedanken in die Welt zu tragen. Und dass möglichst viele Höfe bereit sind davon zu erzählen, ist aber nicht Voraussetzung. Und was natürlich mir auch sehr am Herzen liegen würde, wenn ein Hof bei mir in der Gegend umstellen oder transformieren würde, wo ich wirklich in kurzer Zeit auch mal hinfahren kann und wo man einfach intensiv oder noch intensiver in Kontakt ist.

Carsten Okay, was mich auch noch mal interessieren würde, wenn jetzt andere Personen, die euer Vorhaben total cool finden, diese Podcastfolge hören und die sagen Mensch, ich würde mich da ganz gerne einbringen. Wäre das prinzipiell möglich oder sagt ihr: Moment, wir haben mit fünf erstmal gerade genug, haben uns gerade irgendwie eingegroovt. Wir müssen jetzt erstmal einen Schritt in diesem Team weitergehen. Oder habt ihr generell die Tore offen, um weitere Expertisen, Kompetenzen wie auch immer gelagert ins Team zu nehmen und alle engagierten und interessierten Personen dann erstmal offen zu empfangen und zu sagen wir, wir bauen ein riesiges TransFARMationsnetzwerk auf und je mehr, desto besser?

Daniel Je mehr, desto besser. Das wäre ja der Traum. Also wir haben uns tatsächlich jetzt so weit eingegroovt, dass wir denken, wir sind soweit, neue Leute oder mehr Leute mit aufnehmen zu können. Also vorrangig Ehrenamtler·innen. Ja, da muss man nichts besonderes kennen oder können. Natürlich wäre so Fachgebiet Landwirtschaft wunderschön. Darum geht es ja im Endeffekt. Aber wir sind da flexibel oder offen für breit gestreute Fähigkeiten. Was mit Medien hilft immer oder Leute, die sich mit Werbung auskennen, die gut Kommunikation können, die uns vielleicht auf Messen auch mit vertreten können. Oder jemand, der Ahnung hat von Bildungsarbeit.

Also vorstellen können wir uns einiges. Wichtig ist, dass die Leute motiviert sind und so ein bisschen Wissen und Erfahrung mitbringen. Und da sind wir wirklich im Moment auch auf der Suche und sind dabei, ein Kontaktformular noch mal auf der Website zu erstellen, ansonsten, wer das hört, kann sich gerne per Email melden unter info@transfarmation-deutschland.de. Und da würden wir demnächst noch mal auch einen Workshop machen mit interessierten Leuten und schauen - wir können jetzt die schönsten Vorstellungen haben, von wegen wir brauchen das, das, das und das. Aber ja, man muss ja da auch schauen, was sind das für Menschen, wie kann man am besten zusammenarbeiten, wann? Wer bringt welches Wissen mit? Welche Zeit und wie können wir aus dem ganz großen Suppentopf das Beste für jeden rausholen?

Carsten Also ich werde die Kontaktdaten, die du gerade genannt hattest, also die E Mail Adresse und auch die Internetseite noch hier unter der Podcastfolge mit einbringen und auch in den Shownotes nennen. Das heißt also für die Personen, die jetzt hier gerade wirklich Blut geleckt haben und sagen Mensch, da will ich jetzt ein bisschen mehr auf Tuchfühlung gehen, die können dann über den Weg Kontakt mit euch aufnehmen.

Daniel Genau, super gerne, Danke.

Carsten Ein Thema, was mir so in den letzten Wochen tatsächlich verstärkt über den Weg läuft, was jetzt aber mit reiner TransFARMation erstmal originär nicht so viel am Hut hat, ist die Frage, wie die Landverhältnisse oder Landbesitz gerade im Landwirtschaftsbereich aufgestellt ist. Da ist das sogenannte Ackersyndikat in letzter Zeit so ein bisschen umtriebig geworden. Sagt dir das was? Arbeitet ihr mit denen zusammen? Ist sowas interessant?

Daniel Sag mir was. Wir arbeiten noch nicht zusammen, aber interessant ist es schon. Zumindest um es in der Hinterhand zu behalten. Ist natürlich individuell. Wenn ich jetzt ein Landwirt aus Bayern habe, nützt mir das nicht viel, Land irgendwo in Mecklenburg zu kaufen. Es muss schon sehr passen und Land ist knapp und nicht immer und überall zu verkaufen. Aber ja, tendenziell sage ich immer, es geht nicht darum, für die Landwirte immer mehr Land selber zu bekommen oder zu bewirtschaften. Klar müssen Einnahmen, die von Tieren kommen, irgendwie kompensiert werden. Und ja, es ist schwierig, wenn wir jetzt, wenn jede·r Tierhalter·in seine·ihre Tiere abschaffen würde. So viel Land haben wir gar nicht in Deutschland, dass da jede·r sich irgendwie eine Fläche vergrößern kann, unbegrenzt oder im gewissem Maß.

Und wir brauchen vor allem andere Alternativen. Das ist zum Beispiel Obst oder Gemüsebau oder Pilzzucht. Da kann ich auch auf kleiner Fläche unheimlich viel Wertschöpfung betreiben, unheimlich viel Lebensmittel auch produzieren. Wir haben erneuerbare Energien. Wer es noch nicht hat, auf den Stallgebäuden, die dann vielleicht umgenutzt werden, ist Platz für erneuerbare Energien. Man kann Tourismus betreiben, Hof Events, Ferien auf dem Bauernhof, den Lebenshof. Man kann auch Verarbeitung mitmachen, zum Beispiel wer Hafer anbaut, auch Hafermilch produzieren oder wer einen einen Hof mit kleiner Molkerei oder Metzgerei dran, was dann mgestaltet wird zu einer veganen Käserei oder eine veganen Metzgerei. Und da ist Land klar eine Möglichkeit, wie ich auch den Hof vergrößern oder verbessern kann, aber bei weitem nicht die einzige.

Carsten Jetzt mal ein anderer Aspekt: Thema Gegenwind. Wir haben jetzt ja auch schon so gerade über Thema vegan gesprochen und auch noch mal darauf hingewiesen, dass ja Personen, die nicht vegan sind, gerne mal sich angetriggert fühlen, wenn dann vegan lebende Menschen da jetzt irgendwie erkennbar werden. Das ist ja jetzt bei den Landwirtschaftsbetrieben, die ihr da umstellt, auch etwas, wo vielleicht Kontroversen anbrechen. Merkt ihr da Gegenwind gegen das, was ihr tut?

Daniel Bisschen Gegenwind bekommt man immer, meistens sind es aber nur einzelne Menschen, die vielleicht mal einen blöden Kommentar ablassen bzw irgendwas bei Instagram schreiben. Aber natürlich ist es ein großes Thema. Und ich muss noch mal betonen, die meisten tierhaltenden Betriebe sind keine schlechten Menschen, die ihre Tiere unbedingt ausbeuten wollen und das möglichst meiste Geld damit verdienen wollen. Die meisten Menschen wollen, dass es den Tieren gut geht. Und die tun auch viel. Aber natürlich endet es meistens mit einem gewaltsamen Tod und da sind wir dagegen. Und wenn wir mit dem bösen Wort ankommen und sagen „vegan“, ist das meistens gleich ein persönlicher Angriff. Von wegen aber meinen Tieren geht es doch gut und ich tue doch mein Bestes. Also da muss man auch sehr sensibel sein, bzw auch vorsichtig und darf nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Carsten Du hattest vorhin mal angedeutet, dass ihr auch auf Messen aktiv seid. Ist das so ein Forum, wo ihr persönlich dann mit Anfeindungen und Gegenwind konfrontiert werdet? Ich weiß nicht, was für Messen das sind, aber da steht ihr ja quasi auch sehr exponiert dann da. Ist das ein Umfeld, was schwierig ist?

Daniel Das kommt ganz auf die Messe an, wir waren bis jetzt eher auf veganfreundlichen Veranstaltungen. Da ist natürlich mehr oder weniger positives Feedback, was man bekommt. Was wir nicht machen, ist so eine reine Tierhaltungsmesse. Uns da hinzustellen, das wäre ein bisschen dreist. Also das denke ich, gehört sich nicht. Und interessant wäre es auf so gemischten oder neutralen Messen. Ich war im Juni auf den Ökofeldbau Tagen bei Stuttgart und da war der Konsens von den Landwirt·innen, die Tiere haben, eher so von wegen „Ja eigentlich ganz cool was ihr da macht, aber uns betrifft es ja nicht, wir machen ja schon Bio.“ So von wegen das Thema schön abgewälzt an die anderen.

Carsten Okay... Ja, eigentlich habe ich jetzt noch eine Abschlussfrage, die mich so ein bisschen umtreibt: Gibt es eine große Vision hinter der TransFARMation? Oder anders gefragt: Wenn du dir so eine ideale Welt vorstellst und alles läuft ideal für euch, was ihr da vorhabt, wie würde denn so eine Welt dann aussehen aus deiner Sicht?

Daniel Ja, die große Vision ist natürlich, dass wir keine Nutztiere mehr halten. Es ist sehr weit gegriffen, wird meiner Meinung nach jetzt auch nicht so bald passieren. Genauso wie jetzt nicht in den nächsten zwei, drei Jahren alle Menschen vegan werden, werden natürlich auch nicht alle Landwirt·innen ihre Tiere abschaffen und wir machen überall Bio vegane Landwirtschaft. Aber dass wir generell von den Tierhaltungszahlen runter müssen, schon aus Ressourcengründen, aus Klimagründen, das ist ja mittlerweile in der breiten Masse der Gesellschaft angekommen. Und da denke ich, können wir einen guten Beitrag dazu leisten und einfach Menschen mit unterstützen. Und trotzdem möchte ich dass so schnell wie möglich, so viele Betriebe wie möglich vegane Landwirtschaft betreiben.

Carsten Ja super, dann drücke ich die Daumen, dass der Bekanntheitsgrad von TransFARMation möglichst rasch noch größer wird. Dass vielleicht auch diese Podcastfolge einen Teil dazu beiträgt, dass sich jetzt ganz viele interessierte Personen, sei es von Landwirtschaftsbetrieben, sei es aber auch aus dem aktivistischen Umfeld, die sagen ich möchte Kompetenzen und Expertise mit beibringen, mit euch in Verbindung setzen und auch so eine richtige Welle anstoßen.

Daniel Ja, das hoffen wir doch alle.

Carsten Super, meine Fragen sind tatsächlich beantwortet. Mein Fragenkatalog ist jetzt abgehakt. Gibt es etwas, wo du sagst: Mensch, das würde ich ganz gerne jetzt trotzdem noch mal irgendwie einschieben, Carsten hat es vergessen zu fragen, es ist aber trotzdem noch wichtig?

Daniel Puh, das ist eine gute Frage. Was würde ich noch? Eigentlich habe ich auch schon so viel gesagt. Ich glaube, da war alles dabei.

Carsten Gut, dann würde ich tatsächlich, wenn jetzt noch irgendwie offene Punkte da sind, mehr aus dem Hörer·innenbereich auf die Kontaktdaten verweisen, die TransFARMation betreffen. Wie gesagt, E Mail Adresse und Internetseite findest Du in den Shownotes. Da habt ihr dann jederzeit die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Das gleiche gilt natürlich auch für interessierte Landwirtschaftsbetriebe, die diese Podcastfolge hören sollten und jetzt sagen Mensch, das ist aber ein interessantes Konzept, dem würde ich ganz gerne mal so ein bisschen nachspüren und auf Kontakt gehen. Ja, und dann würde ich tatsächlich sagen: Vielen Dank für das Gespräch, Daniel, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast und toi, toi, toi und viel Erfolg.

Daniel Danke. Etwas würde ich gerne noch anmerken, weil du gesagt hast, interessierte Landwirte, die vielleicht mal auf Tuchfühlung gehen wollen würden. Das ist, wie gesagt auch ganz unverbindlich bei uns. Man kann so eine TransFARMation sich auch anhören und allemal noch sagen: Hey, das ist vielleicht doch nichts für mich, aber ich würde mich schon freuen, wenn man einfach sich Gedanken darüber macht. Und dann können wir ja schauen, wo der Weg hingeht.

Carsten Das ist doch mal ein tolles Schlusswort. Dann würde ich auch sagen in diesem Sinne und vielen Dank, Daniel.

Daniel Ja, gerne. Danke dir auch.

Folge 291 - Den Kopf voller Träume: "Unser Leben mit Permakultur"

Ein Beitrag

Folge 291 - Den Kopf voller Träume: "Unser Leben mit Permakultur"

In diesem Jahr ist im Löwenzahnverlag die deutsche Ausgabe des Buches "Unser Leben mit Permakultur - Ein Haus, 6.500 Quadratmeter Land in der Normandie, den Kopf voller Träume " von Perrine und Charles Hervé-Gruyer erschienen, welches wir in dieser Podcastfolge besprechen. In dem Buch wird die Entstehung und die Entwicklung der weltbekannten Permakulturfarm Ferme de Bec Hellouin in der französischen Normandie geschildert. Diese Farm ist u.a. durch Dokumentationen wie den Film "Tomorrow" medial bekannt geworden und mittlerweile auch Gegenstand wissentschaftlicher Untersuchungen zu deren landwirtschaftlicher Produktivität.

Carsten hat dieses Buch gelesen, weil Permakultur mittlerweile eines seiner Herzensthemen ist und ihn interessiert, wie Permakultur erfolgreich in der Praxis eingesetzt werden kann.

Links zur Folge

Buch "Unser Leben mit Permakultur - Ein Haus, 6500 Quadratmeter Land in der Normandie, den Kopf voller Träume" von Perrine und Charles Hervé-Gruyer
https://www.loewenzahn.at/produkt/2976/unser-leben-mit-permakultur/

Buch "Vivre avec la Terre: manuel des jardiniers-maraîchers : permaculture, écoculture, microfermes" von Perrine und Charles Hervé-Gruyer (bisher nur in französisch erhältlich)

Webseite von Perrine und Charles Hervé-Gruyer (französisch)
https://www.fermedubec.com/

Film: "Tomorrow - die Welt ist voller Lösungen"
https://www.tomorrow-derfilm.de/

Klartext-Tool vom FC St.Pauli zur Übersetzung von Texten in Einfache Sprache
https://einfachesprache.xyz/

Wall of thanks
https://von-herzen-vegan.de/wall-of-thanks

So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie In der heutigen Folge wollen wir wieder ein Buch vorstellen. Das Buch hat nur Carsten gelesen, denn es thematisiert sein allerliebstes Herzenslieblingsthema: die Permakultur.

Und bevor wir darüber sprechen, möchte ich noch etwas nachholen, was ich in der letzten Podcastfolge vergessen habe, nämlich mich bei den Menschen zu bedanken, die Podcastfolgen transkribieren bzw. Transkripte korrekturlesen. In diesem Fall sind das Birgit und Astrid, die zwei Transkripte eingereicht haben. Und dafür: ein Herzliches Dankeschön.

Carsten Dankeschön!

Stefanie Wenn dir also eine finanzielle Unterstützung nicht möglich ist oder du deine finanzielle Unterstützung ergänzen möchtest durch Zeitunterstützung, dann freue ich mich sehr, wenn du es machst wie Birgit und Astrid und auch Transkripte Korrektur liest. Denn von diesem Podcast, der „Mehr als vegan Podcast“, sind noch 204 Transkripte nicht korrekturgelesen. Bzw. die Transkripte gibt es noch gar nicht, die müsste ich erst erstellen. Aber jedenfalls wäre das eine sehr, sehr sehr sehr sehr - füge noch ganz viele „sehrs“ ein - große Unterstützung, wenn du dir die Zeit nimmst und dir eine Folge aussuchst, wo es noch kein Transkript gibt und dann das Transkript Korrektur liest.

Du bekommst das Transkript von mir. Also, ich lasse das von einem Programm erstellen und da das Programm nicht fehlerfrei ist, ist es notwendig, dieses Transkript Korrektur zu lesen und das wäre dann deine Aufgabe. Also wenn du dich jetzt angesprochen fühlst und sagst: so, ich habe eine Stunde Zeit oder vielleicht auch zwei oder drei Stunden, je nachdem wie lang die Podcastfolge ist, dann such dir eine Podcastfolge raus oder schreibt mir und ich such dir eine raus und investiere diese Zeit für diesen Podcast. Das wäre eine Riesenhilfe. Schreibt gerne an, post@vonherzennvegan.de. Vielen Dank schon einmal.

Und wenn du nicht anonym bleiben möchtest, wenn du das Transkript Korrektur gelesen hast, dann findest du deinen Namen auf der Wall of Thanks wieder, der großen Dankesseite, wo ich dann unter jedem Namen, der genannt werden möchte und nicht den Namen, der nicht genannt werden darf und so... du weißt... hö, hö, hö. Ja, also Carsten hat es jetzt auch verstanden… Also jedenfalls, wenn also dein Name genannt werden darf, dann findest du unter deinem Namen dann den Link zu der Podcastfolge, deren Transkript du Korrektur gelesen hast.

Also wäre es super, wenn wir das dieses Jahr noch schaffen würden, die restlichen 204 Folgen zu transkribieren. Dann wäre der komplette Podcast transkribiert. Und jetzt habe ich ganz oft Transkript und Transkribieren gesagt. Das ist auch total suchmaschinenfreundlich. Dann findet man auch wenn man nach Transkript sucht, diese Seite also ganz toll. Ja, also jedenfalls bin ich ja jetzt schon dabei, dass ich von diesem Podcast seit Anfang des Jahres alle Folgen immer direkt transkribiere und Korrektur lese. Das heißt, es kommen keine neuen Folgen dazu, die noch transkribiert werden müssen von anderen Menschen, sondern das übernehme ich direkt. Aber diese 204 immer noch offenen Folgen, die sollten wir gemeinsam noch schaffen.

Carsten Tschaka!

Stefanie Genau. Und mit diesem „Tschaka“ leiten wir jetzt über zu dem eigentlichen Inhalt dieser Podcastfolge. Nämlich haben wir wieder mal ein Buch geschenkt bekommen vom Löwenzahn Verlag. Und das Buch hat den Titel.

Carsten Unser Leben mit Permakultur.

Stefanie Und ist geschrieben von.

Carsten Jetzt kommen meine Französischkenntnisse wieder. Also Perrine und Charles Hervé Gruyer.

Stefanie Wir haben uns vorhin... Ich habe extra so eine Seite gefunden, wo französische Wörter und Namen ausgesprochen wurden. Ich habe mir das ganz oft angehört. Also ich glaube, es klingt genauso, wie Du es gerade ausgesprochen hast.

Carsten Richtig. Ja, ich glaube schon. Ich fühle mich jetzt auch sicherer, wenn du das noch bestätigst.

Stefanie Weil meine Französischkenntnisse auf jeden Fall viel besser sind als deine.

Carsten Ja, garantiert. Ja, meine zwei Jahre in der Schule liegen ja schon so ein bisschen zurück.

Stefanie Ich glaube, ich hatte nur ein Jahr. Meine Kenntnisse beschränken sich auf „j’ai seize ans“ und das ist schon lange her. Okay, gut.

Carsten Aber ich kann dich beruhigen. Also Französisch ist hier nicht die Grundvoraussetzung, um dieses Buch zu lesen, das es hier gibt. Ja, es ist die deutsche Übersetzung. Nur bei der bei der Namensfindung dieser Farm kommt tatsächlich so ein bisschen Französisch vor. Also Perrine und Charles, leben auf einer selbstentworfenen, selbst designten, selbstentwickelten Farm. Und das ist die. - jetzt hoffe ich, dass ich das auch richtig ausspreche - die Ferme du Bec Hellouin.

Stefanie Da hätten wir es vorhin doch noch mal das Ausspracheding bemühen müssen...

Carsten Aber und das ist ja das Schöne daran die beiden Personen, die dieses Buch geschrieben haben - eigentlich ist es Charles, der das Buch geschrieben hat. Der berichtet über seine Frau Perrine, aber da beide diese Farm aufgebaut haben, werden beide im Titel genannt. Aber beide sind auch sehr, sehr, sehr bekannt und nicht nur im Rahmen der Permakultur Szene, sondern generell alles was irgendwo mit mit alternativen Lebensmodellen und auch zukunftsweisenden Lebensarten zu tun hat. Das heißt, die tauchen in diversen Dokumentationen und Filmen auf und einer der prominenteren Filme ist zum Beispiel „Tomorrow“.

Stefanie Genau da hatte ich nämlich auch gedacht, das sind die.

Carsten Das sind die beiden, ja definitiv. Also wenn du den Film „Tomorrow“ schon gesehen hast oder jetzt in Kürze noch mal sehen wirst. Da wird von einer Farm in der französischen Normandie - ich weiß nicht, ob es noch eine nicht französische Normandie gibt… - aber berichtet. Sehr ausführlich auch im Rahmen von von der Permakultur Thematik wird das vorgestellt und das ist exakt das, worum es hier in diesem Buch geht. Also von daher, die haben einen gewissen Bekanntheitsgrad.

Und was jetzt dieses Buch betrifft, ist es tatsächlich so, dass hier die Entwicklung dieser Farm und dieser beiden Personen beschrieben wird. Ich kann dieses Buch tatsächlich nur sehr schmackhaft machen, weil es eine sehr schöne Erzählung ist, wie Perrine und Charles sich persönlich entwickelt haben, wie sie sich getroffen haben und wie sie dazu gekommen sind, überhaupt diese Farm zu gründen und auch wie diese Farm entstanden ist. Und allein die Tatsache, dass sie jetzt mittlerweile einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben, Gegenstand von Forschungsprojekten geworden sind - also jetzt nicht die beiden persönlich, sondern die Farm und ihre Anbaumethoden, die dort sind oder angewendet werden und auch in diversen Dokumentationen und Filmen auftauchen. Das ist alles so dieser Werdegang, der wird in diesem Buch sehr schön und plastisch dargestellt, sehr anekdotenhaft.

Das ist jetzt kein Sachbuch, was total trocken daherkommt, sondern eher so ein persönlicher Reisebericht. Also nicht stakkatomäßig wie Tagebucheinträge, sondern schön flüssig geschrieben. Auch auf eine Art und Weise, die zumindest mich persönlich auch sehr stark berührt hat.

Das war tatsächlich etwas, wo ich, als ich das Buch angefangen habe zu lesen, in den ersten Kapiteln, gemerkt habe: Hey, da spricht jemand, der eine ähnliche Sicht auf die Welt hat! Und ich habe mich da wieder wiedererkannt, auch auch gesehen, gefühlt mit meiner Art und Weise, wie ich momentan so die Welt wahrnehme und auf die Welt blicke. Und tatsächlich sind mir an den einen oder anderen Stellen so ein bisschen die Tränen gekommen, weil ich mich so tief berührt gefühlt habe. Gar nicht, weil das Thema an sich jetzt irgendwie so diesen Anklang in mir geweckt hat, sondern einfach so weil der Blick auf die Welt meinem Blick so ähnlich ist. Es kommt relativ selten vor, dass ich ein Buch lese, wo ich merke, die Person, die das Buch verfasst hat, hat eine hohe Übereinstimmung mit meiner aktuellen Weltsicht Und das war in diesem Fall tatsächlich so gegeben und hat mich sehr stark berührt. Und deshalb kann ich dieses Buch auch persönlich sehr gut empfehlen, weil es sehr, sehr tiefgreifende Erfahrungen und Erkenntnisse bringt. Über diesen Prozess, diese Farm und der Lebenswege.

Stefanie Hat es denn bestimmte Voraussetzungen? Also an wen richtet sich das Buch? Hast du das Gefühl, ich muss jetzt schon ganz viel über Permakultur wissen? Oder ich muss einen bestimmten Weg gegangen sein, damit dieses Buch wirklich für mich gut ist? Oder ist es für Alle?

Carsten Ich würde so zwei Zielgruppen sehen. Ich weiß nicht, ob ich damit falsch liege, aber mein Gefühl ist es: Entweder du kennst dich mit Permakultur schon aus, weißt also was Permakultur ist und möchtest einfach nur sehen, wie haben andere Personen Permakultur in ihrem Leben integriert und auch im Rahmen der praktischen Anwendung wirklich produktive Landwirtschaft damit aufgebaut? Und weil... das ist es. Diese Farm selber…. Da zitiere ich vielleicht noch mal kurz den Untertitel dieses Buches. Da steht nämlich: „Ein Haus, 6500 Quadratmeter Land in der Normandie und den Kopf voller Träume.“ Das heißt, die ganze Farm selber spielt sich auf diesen sechseinhalbtausend. Quadratmetern – wollte schon Kilometern sagen.

Das war also ein relativ kleines Stückchen Land, was aber ausreicht, um einen hochproduktiven landwirtschaftlichen Betrieb darzustellen. Und die haben Produktivitätsraten, die jetzt ja auch mehrfach Gegenstand von Forschungen geworden sind, weil viele Leute sich gefragt haben „Wie machen die das eigentlich?“ Wie kriegen die das hin, auf so wenig Land so viele Lebensmittel zu produzieren, dass sich das Ganze wirtschaftlich rechnet und von der Ausbringungsmenge, von der Erntemenge pro Quadratmeter alles andere in den Schatten stellt, was so in der normalen konventionellen, aber auch biologischen Landwirtschaft gängig ist.

Also die brechen da mit ganz vielen landwirtschaftlichen Konzepten. Da wo viele erfahrene Landwirte, die auch in deren Umgebung leben, vielleicht auch heute noch sagen würden Hey, das kann nicht funktionieren. Und das widerlegen die jeden Tag aufs Neue. Und wenn du wissen möchtest, wie das alles funktioniert, was für Erfahrungen damit gemacht wurden, dann bist du zumindest in der richtigen Zielgruppe für dieses Buch. Du kennst dich mit Permakultur schon aus.

Weil... das macht dieses Buch nicht. Es erklärt nicht die einzelnen Bestandteile der Permakultur. Das ist also kein Sachbuch, kein Fachbuch über Permakultur. Du müsstest an der Stelle tatsächlich schon wissen, was Permakultur an sich so ist. Du liest dann quasi dieses Buch und merkst okay, jetzt werden die und die Werkzeuge oder die und die Elemente der Permakultur dort eingebaut. Dann kriegst du ein Gefühl dafür, dass Permakultur auch wirklich im wirtschaftlichen Kontext, im landwirtschaftlichen Kontext erfolgreich eingesetzt wird. Das ist so die eine Zielgruppe, die ich für mich so sehe.

Und die andere Zielgruppe sind Menschen, die vielleicht mit Permakultur gar nichts am Hut haben, denen dieses Konzept noch gar nichts sagt, für die dieser Begriff vielleicht auch komplett noch neu ist, die aber gerne mal wissen möchten, was für alternative landwirtschaftliche Konzepte gibt es eigentlich? Die einfach vielleicht noch mal gucken wollen? Hey, es gibt konventionell, es gibt Bio, es gibt vielleicht biozyklisch vegan, es gibt… keine Ahnung... Unterarten und und und... Was gibt es vielleicht so noch an darüber hinaus laufenden oder gehenden Konzepten? Und können die eigentlich erfolgreich sein? Also wenn so eine Neugierde da ist, Alternativen kennenzulernen, dann wäre dieses Buch ebenfalls richtig. Das sind so die zwei Zielgruppen, die ich da sehe.

Ähm, ach ja: Ausschlusskriterium. Und das, was das Buch nicht ist, es ist wie gesagt kein Fachbuch, kein Handbuch „Wie setze ich Permakultur konkret im Alltag um, um eine produktive Landwirtschaft aufzubauen?“ Das macht es nicht.

Stefanie Okay, dann lass uns mal ins Buch reingucken. Wie ist es denn aufgebaut?

Carsten Also das Buch selber hat einen Umfang von knapp 290 Seiten. Und auch wenn ich gerade gesagt habe, es ist kein Sachbuch, kein Fachbuch, kein Handbuch, ist es eine unglaubliche Inspirationsquelle. Also ich werde noch einen kleinen Moment brauchen, um all die Anmerkungen und Personen und auch Literatur, die hier genannt wird, für mich noch mal runterzuschreiben und mal zu gucken, wie komme ich an diese Informationsquellen ran. Was muss ich mir vielleicht an Buchbeständen noch ausleihen? Oder welche Internetseiten muss ich noch mal aufsuchen? Also das ist ein Quell der Inspiration.

Stefanie Ja, stimmt, Deine Merkliste für die Bücherhalle ist auch wieder länger geworden.

Carsten Also die nimmt keine neuen Bücher mehr auf...

Stefanie Ja, siehst du, das sprengt schon den Rahmen.

Carsten Aber wenn du dir dieses Buch selber zulegen wirst, wirst du im hinteren Teil im Anhang tatsächlich eine Literaturliste finden. Das ist das, was Charles in diesem Buch auch erwähnt, dass auf seiner Farm an allen Ecken und Kanten quasi Literatur zu finden ist. Ich weiß nicht, wie ich mir das vorzustellen habe. Es klingt manchmal so, dass da unterschiedliche Gebäude auf diesem Gelände sind und in den einzelnen Gebäuden die Wände mit Büchern vollgestopft sind. So ungefähr kommt es beim Lesen rüber. Und die wichtigste Literatur, die einfach auch zeigt, was haben die selber gelesen? Was für Techniken haben die eingesetzt? Was setzen die heute noch ein? Wo haben sie sich inspirieren lassen? Diese Liste der wichtigsten Bücher steht hier im Anhang drin und ist damit alleine schon ein riesiger Fundus. Also allein das ist es schon wert, dieses Buch in die Hand zu nehmen.

Stefanie Und ich muss noch mal kurz eingrätschen, bevor Carsten jetzt da ins Inhaltsverzeichnis einsteigt. Normalerweise verschenken wir das Buch ja hier innerhalb des Podcasts. Jetzt haben sich aber Menschen schon vorgedrängelt, die das Buch haben wollen, nämlich aus Carstens 72 Stunden Permakulturkurs. Da wird es erst mal die Runde machen und deswegen werden wir es jetzt in diesem Podcast nicht zur Verlosung stellen. Du musst es also auf eigene Faust irgendwie an das Buch kommen. Unser Rezensionsexemplar hat schon eine Abnehmerin gefunden.

Carsten Und damit steigen wir mal ein in den Aufbau des Buches. Ich werde jetzt hier nicht das komplette Inhaltsverzeichnis von vorne bis hinten mal vorlesen, sondern mehr so über die für mich wesentlichen Aspekte mal sprechen.

Stefanie Es sind ja auch 22 Punkte, wie ich sehe.

Carsten Kleinere und auch größere Kapitel, die sehr schnell durchgelesen werden können. Also das Buch ist sehr flüssig geschrieben. Also es ist jetzt nicht so, dass das irgendwie lange Zeit braucht, sondern sehr kurzweilig ist und es hat mich auch total mitgerissen.

Es fängt an mit einem Reisebericht an, weil Charles Seefahrer war. Zumindest mal mehrere Jahre, ich glaube 22 Jahre oder so was zur See gefahren ist und da die Welt tatsächlich entdeckt hat. Und was ich sehr spannend und inspirierend finde, ist, dass er gerade vornehmlich die indigenen Völker kennengelernt hat, teilweise auch für längere Zeit in diesen Gemeinschaften mit gelebt hat und diese Erfahrungswerte in diesem Buch teilt. Und das ist etwas, was insofern auch wichtig und interessant ist, weil Permakultur genau dieses indigene Wissen aufgreift, also diese Naturnähe. Wie kann ich mit der Natur leben? Wie kann ich aus der Natur lernen, dass ist ein Wissensbestand, der genau aus indigenem Fundus stammt, der ja quasi, ich sage jetzt mal so, seinen Weg in diese verwissenschaftlichere Welt der Permakultur, der praktischen Umsetzung der Permakultur eingeflossen ist. Und hier in diesem Buch tatsächlich dann jemanden zu finden, der das persönlich durch seine Reisen, durch sein Leben in diesen indigenen Kulturen mitgenommen hat und erst später festgestellt hat: Hey, ich setze hier ja Permakultur ein. Also die sind quasi so mit mit ihrer landwirtschaftlichen Planung gestartet, ohne exakt zu wissen was ist Permakultur und sind erst im Nachgang darauf gekommen. Das finde ich total spannend und das ist tatsächlich etwas... das ist auch der Teil gewesen, wo ich mich persönlich berührt gefühlt habe. Da sind mir teilweise so ein bisschen die Tränen gekommen, als ich gemerkt habe, wie tiefgreifend diese Erfahrungen da geschildert werden. Fand ich sehr mitreißend.

Also damit steigt das Buch quasi ein, geht dann so über die einzelnen Etappen, die aus Charles Sicht sehr wesentlich sind für seine Entwicklung und geht dann in den Punkt rein: wo fängt quasi die Planung dieser Farm an, wo fängt die Farm an? Was für Gedanken standen vorher? Was für Skizzierungen sind da? Dann wie Permakultur in deren Leben gekommen ist, also vom zeitlichen Ablauf oder vom Mengenverständnis her; also der erste Kontaktpunkt hier in diesem Buch mit Permakultur fängt so auf Seite 68 an, das heißt schon mal so 1/3 des Buches, wo eine Vorgeschichte stattfindet. Und dann wird geschildert, dass ab dem Zeitpunkt, wo dann die Farm gedanklich schon entstanden ist, erst so dieser Kontakt zur Permakultur kommt. Dann wird inhaltlich auf bestimmte Aspekte eingegangen, die sehr prägend war. Waren für beide, für Perrine und für Charles, aber auch für den Fortbestand dieser Farm. Da wird dann zum Beispiel die biointensive Mikrolandwirtschaft genannt. Die Person Eliot Coleman ist sehr inspirierend gewesen für die beiden. Ganz interessant fand ich dann auch nochmal der Hinweis auf die sogenannten Pariser Gemüsegärten, die im 19. Jahrhundert existierten, die hochproduktiv auf sehr, sehr wenig Fläche Gemüseanbau direkt im Paris der damaligen Zeit aufgebaut haben. Etwas, was mir vorher gar nicht bekannt war.

Stefanie Oh, man muss hier reingrätschen. Das wird im Film „Tomorrow“ aber auch genannt.

Carsten Wahrscheinlich im Kontext mit dieser Farm. War mir aber gar nicht mehr so im Kopf. Und durch dieses Buch ist das quasi bei mir nochmal sehr präsent geworden, dass da auf einmal, ja, teilweise aus der Not heraus geboren, wirklich ein sehr produktives Fachwissen aufgebaut wurde und diese Menschen auch in der Lage waren, wirklich sehr, sehr große Mengen an Gemüse vor Ort in den städtischen Bereichen anzubauen. Also heute würde man sagen Urban Gardening. Also im Grunde genommen praktizieren wir heute Urban Gardening 2.0 und das 1.0., das scheint damals so im 19. Jahrhundert in Paris gewesen zu sein. Total spannend.

Dann geht das Buch auf Aspekte wie Waldgarten ein. Also Waldgärten sind eine Thematik, die auch im Rahmen der Permakultur sehr stark präsent ist. Das ist etwas, was im Rahmen des Aufbaus dieser Farm dann zu einem späteren Zeitpunkt mit reingekommen ist. Hier wird geschrieben Wie sind die dazu gekommen, wie setzen die das ein? Was versprechen sie sich davon? Es wird sehr viel auf den Aspekt der Handarbeit eingegangen; weg von Maschineneinsatz, hin zu manueller Arbeit. Und über Mikrofarmen, also Mikrofarming. In der Hinsicht, dass mit wenig Landfläche viel Gemüse produziert werden kann. Mit Beispielen aus der Welt, also nicht nur ausschließlich auf dieser Farm, sondern die haben sich inspirieren lassen. Die haben festgestellt, dass es teilweise auch in den USA Personen gibt, die in ihren eigenen persönlichen Gärten auf - keine Ahnung - 650 Quadratmeter so viel Gemüse anbauen, dass sie davon irgendwie 1/3 ihres Jahresgehaltes mit abdecken. Die haben sich teils selbstständig gemacht und brauchen nicht mehr so viel Erwerbsarbeit machen, weil sie aus ihrem eigenen Gemüsegarten so viel hochwertiges Bio-Gemüse durch diese intensivierte manuelle Arbeit erwirtschaften können, dass sie da ein tragfähiges Fundament haben. Und diese Inspirationsquellen werden nicht nur genannt, sondern auch für das Arbeiten auf ihrer eigenen Farm hier mit reingenommen.

Und das ganze Buch schließt dann nachher mit einem Kapitel „Bioüberfluss“. Und zu Bioüberfluss möchte ich jetzt einmal ganz kurz nochmal ein bisschen was zu sagen. Und zwar geht es beim Bioüberfluss um die Tatsache, dass in der Natur schon ein gewisser Überfluss existieren kann, wenn wir ihn sinnvoll gestalten und diese Kraft der Natur, für uns nutzen, quasi die Rendite dessen, was aus der Natur so entsteht. Darum geht es in diesem Kapitel. Und einen Satz fand ich total schön, den möchte ich gerne einmal zitieren: „Bioüberfluss ist die Kunst aus sehr wenig viel zu machen. Nur das Leben ist dazu imstande.“ Das ist etwas, was für mich insofern auch wichtig ist, als dass das allgemeine Verständnis von Landwirtschaft ja darin besteht: da ist jetzt ein(e) Expert*In, ein(e) Landwirt*In, und der/die produziert was. Und die Haltung im Rahmen der Permakultur und auch das, was hier im Buch hervorgeht, ist eigentlich genau das Gegenteil: Wir produzieren nichts; die Natur produziert das für uns. Wir können der Natur nur helfen, das besser zu machen, also besser zu machen, in Anführungszeichen, ein bisschen demütig. Sondern wir können so gestaltend eingreifen, dass wir einen für uns nennenswerten Überschuss mit rausbekommen. Aber das Wachsen, das Produzieren, das macht die Natur und wir können der Natur dabei nur helfen. Also das ist eine ganz andere Haltung, viel mit Demut verbunden und deswegen finde ich das auch sehr schön und sehr wichtig, dass das Buch genau in diesem Bereich nachher seinen Abschluss findet. Um das nochmal klarzustellen, wer eigentlich das Sagen hat. Also im Endeffekt die Natur und nicht irgendwelche landwirtschaftlichen Expert·innen, die eine bestimmte Ausbildung haben und mit Traktoren über weite Feldflächen fahren. Also da räumt das Buch tatsächlich mit den vorherrschenden Sichtweisen auf.

Was ich zu dem Buch noch sagen möchte, ist, dass es eins von zwei Büchern in der Reihe ist. Dieses Buch ist sehr anekdotenhaft geschrieben. Also was ich gerade schon erwähnt habe, eigentlich die Geschichte, den Werdegang zu skizzieren. In dem zweiten Buch geht es dann um die Praxis, also um die Hintergründe, wie die einzelnen Techniken gestaltet sind. Das wird dann mehr so das Fachbuch, das Handbuch sein. Das ist aber bisher nur auf Französisch erschienen und stammt aus dem Jahr 2019.

Da wirst du dich wundern: 2019 und es ist ein Nachfolgebuch. Dieses hier, was wir gerade besprechen, ist brandneu. Wie passt das denn zusammen? Und das ist tatsächlich etwas, was ich sehr schade finde. Das Buch, was wir jetzt gerade besprechen, ist brandneu auf Deutsch übersetzt worden und brandneu im Löwenzahn Verlag veröffentlicht worden, also 2023. Leider hat es neun Jahre gebraucht, um von dem Original in die deutsche Übersetzung zu gehen. Das heißt also, das Buch, über das wir sprechen, ist auf Französisch schon im Jahre 2014 erschienen. Das muss man auch so ein bisschen im Hinterkopf bewahren, weil all das, was jetzt so in diesem Buch geschildert wird, wird heute natürlich nochmal anders dastehen.

In dem Buch geht Charles zum Beispiel auf diese Forschungsaspekte ein, dass da die Wissenschaftler·innen auf die Farm kommen und all das untersuchen und die Forschungsergebnisse gerade noch relativ neu sind, noch ausgewertet werden müssen etc. pp. Das ist zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Buches der Fall gewesen. Mittlerweile - ich glaube, das ist auch in dem Film Tomorrow noch mal präsenter geworden - ist es schon ausgewertet worden, was die Wissenschaftler·innen da alles an Zahlenmaterial erwirtschaftet haben. Also von daher, da ist so ein bisschen Zeit vergangen, bis die deutsche Übersetzung vorlag und deswegen finde ich es ein bisschen schade, jetzt hier so ein großartiges Buch über diese großartige Farm zu haben, aber nicht wirklich den aktuellen Istzustand sehen zu können. Das ist so ein bisschen das Manko dieses Buches.

Stefanie Das heißt also, dass es eigentlich so der Wissensstand ungefähr wie in Tomorrow ist oder ein bisschen davor?

Carsten Ein bisschen davor. Genau. Und - das ist jetzt kein Vorwurf an den Verlag, sondern eigentlich eher ein bisschen schade, dass das Interesse hier in Deutschland anscheinend nicht groß genug war, um zeitnah eine Übersetzung zu bekommen - ich hätte mir gewünscht, das Buch möglichst schnell im Deutschen vorzufinden. Dass ich den zumindest damaligen Ist-Zustand im Buch vorfinde, jetzt so mit diesem Hintergrund: Hey, ich habe das da schon mal in einem Film gesehen und es sind jetzt neun Jahre vergangen und wie hat sich das heute entwickelt? Ist das immer noch so großartig, wie es damals empfunden wurde? Ist es vielleicht noch großartiger geworden? Was für Erfahrungen liegen da noch jetzt mittlerweile zusätzlich vor? Das wäre wirklich interessant gewesen, ist aber aufgrund dieser zeitlichen Diskrepanz zwischen Erscheinen der Originalausgabe und der deutschen Übersetzung nicht machbar.

Was aber sehr schön ist: dieses Buch hat mir unglaublich geholfen, den Begriff „Permakultur“ griffiger zu formulieren. Das ist tatsächlich etwas, was mir unglaublich schwer fällt, diesen Begriff so nahezubringen, dass eine konkrete Vorstellung da rauskommt. Und hier kommt dieses Buch mit einer sehr schönen Beschreibung, die ich hier gerne noch mal zitieren möchte: „Die Permakultur könnte man als intelligenten Werkzeugkasten zur Schaffung von Lebensweisen beschreiben, die sowohl die Erde als auch ihre Bewohner·innen respektieren. Eine praktische Methode, die sich an der Funktionsweise der Natur orientiert.“

Stefanie Und falls du jetzt noch Fragezeichen im Kopf hast, habe ich das Zitat mit meinem neuesten Lieblingsspielzeug, dem Klartext Tool vom FC St. Pauli, in Einfache Sprache übersetzen lassen: „Permakultur ist wie eine kluge Kiste mit Werkzeugen. Mit dieser Kiste können wir so leben, dass wir die Erde und alle Menschen respektieren. Permakultur ist auch eine Methode, die wir aus der Natur lernen können. Wir schauen, wie die Natur funktioniert. Und wir versuchen genauso zu leben und zu arbeiten.“

Carsten Ja, schöner hätte ich das ja auch nicht formulieren können.

Stefanie Du bist ja auch nicht die KI, die dahinter steckt.

Carsten Ja, ich habe ja meine eigene KI.

Stefanie Ich finde dieses Klartext Tool total cool. Ich nutze es mittlerweile auch, um einzelne Wörter zu definieren. Also wenn du da einfach „Permakultur“ zum Beispiel eingibst oder verschiedene andere Wörter, dann spuckt dieses Tool auch eine Definition aus. Und das finde ich total spannend. Es passt nicht immer alles hundertProzentig, das ist ja klar, weil einfach die KI vom FC St. Pauli stammt und der FC St. Pauli naturgemäß eher so Fußballdaten da hinterlegt hat. Aber es ist schon erstaunlich viel, was dabei rauskommt. Also wenn du da auch mal mit experimentieren möchtest und Texte in einfache Sprache übersetzen, kann ich dir das sehr empfehlen.

Carsten Und wir haben ja gerade gemerkt, die KI bringt es eigentlich auf den Punkt. Also wirklich sehr gut nochmal erklärt und in Einfacher Sprache, ohne wirklich zu komplex zu sein.

Stefanie Genau. Ja, wir üben dann weiterhin in Einfacher Sprache noch was zu sagen, nämlich zum Beispiel: Das war's jetzt.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 290 - Debunking der Initiative Milch in zwei Akten

Ein Beitrag

Folge 290 - Debunking der Initiative Milch in zwei Akten

Nach über vier Jahren gibt es zwei neue Folgen im Milchgeschichten Podcast. Ich dachte eigentlich, es sei alles gesagt. Aber dann bekam die deutsche Milchindustrie Panik und gründete 2021 die "Initiative Milch".

Natürlich wieder vordergründig um den gesundheitlichen Mehrwert der Milch für den Menschen hervorzuheben. Denn Milch ist normal, natürlich und notwendig für den Menschen - deshalb sprechen wir ja auch nur noch von "Milch" und meinen damit Kuhmilch. Ein besseres Argument gibt es doch nicht, oder? Und sie schmeckt doch auch so gut! Wenn das nicht auch noch die letzten Zweifler·innen überzeugt... /*Ironie aus*/

Leider wurde in den letzten Jahren vermehrt Kritik laut, die sich auch von der Milchwirtschaft nicht mehr ausblenden ließ. Die "Initiative Milch" geht nun kreativ gegen diese lästigen Fragen zum Tierwohl oder der Nachhaltigkeit vor. Sie macht kurzerhand aus der "Kuh als Klimakiller" die "Kuh als wichtigstes Nutztier in einer ausgeglichenen Kreislaufwirtschaft". Und ganzjährige Laufstallhaltung erklärt sie damit, dass "Planung und Bau moderner Ställe inzwischen ganz darauf ausgerichtet [seien], die Vorteile einer Weide in den Stall zu holen."

Damit ist wieder alles in Butter - der Milchkonsum ist ethisch, wie auch nachhaltig unbedenklich. Und die Milchwirtschaft erreicht ihr eigentliches Ziel: den seit Jahren rückläufigen Milchkonsum wieder ankurbeln und Geld verdienen. Denn hinter der "Initiative Milch" stecken, wie seit Beginn der Milchwirtschaft Mitte des 19. Jahrhunderts - allein wirtschaftliche Interessen.

In den beiden neuen Folgen des Milchgeschichten Podcasts unterziehe ich die Argumente der "Initiative Milch" einem Faktencheck: let's talk milch...

Links zur Folge

Tierbefreiung Magazin
https://www.tierbefreiung.de/magazin/

Podcastfolgen im Milchgeschichten-Podcast zur "Initiative Milch"
https://von-herzen-vegan.de/folge/folge-26-die-milchpropaganda-der-initiative-milch
https://von-herzen-vegan.de/folge/folge-27-die-initiative-milch-sagt-die-kuh-ist-kein-klimakiller

Spiel "Cranky Uncle"
https://app.crankyuncle.info

Klimafakten - zuverlässige Fakten zum Klimawandel und seinen Folgen
https://www.klimafakten.de/

So kannst Du meine Arbeit unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Wir hoffen, du hattest einen schönen Sommer bisher. Bei uns sind die Sommerferien jetzt fast vorbei. Aber vielleicht wohnst du ja in einem anderen Bundesland und die Sommerferien dauern noch an? Vielleicht interessieren dich die Sommerferien auch gar nicht, weil du überhaupt gar keine schulpflichtigen Kinder hast und auch nicht zufällig Lehrer·in bist. Also sagen wir jetzt mal einfach nur Sommer und der Sommer ist ja auch bald vorbei.

Carsten Bald ist Herbst. Ja, bald kommt der September, bald kommt der Herbst.

Stefanie Genau. Wir wollten jetzt einfach nur mal kurz mit dir über Jahreszeiten sprechen und das war's auch schon. In diesem Sinne.

Carsten Genau das ist der Wetterpodcast.

Stefanie Du hast dich vertan. Das ist gar nicht der „Mehr als Vegan Podcast“.

Carsten Falsch eingeschaltet.

Stefanie Ja, piep. Genau. Also mit diesem kurzen Geplänkel wollten wir uns einmal bei dir melden und Hallo sagen.

Carsten Genau. Wir haben uns ja jetzt so zwei, drei, vielleicht vier Tage nicht mehr gemeldet. Also von daher, wir sind wieder da, wenn auch nur in einer kurzen Folge.

Stefanie Genau. Na ja, also eigentlich geht es nicht ums Wetter, sondern um die Milch. Und genau da geht es darum, dass ich für den Milchgeschichten Podcast zwei neue Folgen veröffentlicht habe und du das vielleicht noch nicht mitbekommen hast, weil es ja schon ein paar Jährchen her ist, dass ich das letzte Mal eine Folge dort veröffentlicht habe. Genauer gesagt mehr als vier Jahre. 2019 hatte ich die letzte Folge veröffentlicht und dachte eigentlich auch damit sei alles gesagt.

Aber dann bin ich vom Tierbefreiungsmagazin angesprochen worden, ob ich nicht einen Artikel für das nächste Magazin, was jetzt im September oder Oktober 2023 erscheinen wird, schreiben möchte, nämlich über meine Milchforschung. Und da hab ich natürlich ja gesagt. Das ist eine große Ehre, für dieses Magazin schreiben zu dürfen. Und während ich dann viele Wochen damit verbracht habe, an meinem Text zu feilen - das ist natürlich dann mal wieder in extrem viel Arbeit ausgeartet - habe ich auch gemerkt, dass ich die "Initiative Milch" mit einbeziehen muss in die komplette Historie der Kuhmilch in Deutschland und wie sich das auch von der Werbung her entwickelt hat.

Die "Initiative Milch" gibt es ja seit Juni 2021 und damals habe ich das zwar mitgekriegt über Plakate. Als es damals noch den von Herzen Vegan Clan, später das Experimentarium gab, war es so, dass Menschen da auch Bescheid gesagt haben und gesagt haben: Was ist das denn? Das kann ja nicht wahr sein, dass da jetzt schon wieder flächendeckend solche Werbung kommt. Du hattest die Plakate auch gesehen?

Carsten Ja, ich kann mich schon ganz grob dran erinnern, das war neu, ich hatte jahrelang keine aktive, konzentrierte Werbung für das Produkt Kuhmilch gesehen. Und auf einmal tauchte das auf und war sehr präsent damals.

Stefanie Und ich habe damals gedacht naja, es ist einfach nur so ein Aufbäumen der Milchindustrie, da muss ich nicht wirklich noch was zu machen und es lohnt sich nicht, da noch mal eine Folge aufzunehmen. Aber als ich dann den Artikel geschrieben habe, habe ich so viel Material gesammelt. Um das in Kürze in den Artikel zu packen, musste ich ja erst mal alles so durchdringen und mir das alles angucken.

Und ich hab da auch mehrfach Schnappatmung bekommen, weil ich mir die Internetseite von der "Initiative Milch" angeguckt habe und gedacht habe: Ja, so kann man natürlich Fakten auch verdrehen und so kreativ kann man natürlich Zahlen auch deuten. Und ja, so kann man natürlich auch darüber sprechen. Ja, also von daher. Es hat also damit angefangen, dass die "Initiative Milch" den Slogan hat „Ohne Milch? Ohne mich!“ und Carsten daraufhin sagte:

Carsten Ja, sollen sie mal ihren Worten Taten folgen lassen. Also Milch abschaffen und sich dann auch dementsprechend verdünnisieren, überflüssig machen.

Stefanie Ja, und ich dann gedacht habe, das ist eigentlich wahr, die haben das beste Motto gewählt überhaupt, Denn ohne Milch würde es diese "Initiative Milch" auch gar nicht geben. Das heißt, sie sollten sich wirklich daran halten und überflüssig werden. Ja, das wäre also so das Ziel und ich habe das jetzt in zwei Podcastfolgen etwas genauer ausgeführt. Es ist tatsächlich so viel Material zusammengekommen, dass ich daraus zwei Podcastfolgen, jeweils ungefähr eine halbe Stunde, machen musste.

Einmal habe ich die Propagandamaschine der "Initiative Milch" komplett und allgemein vorgestellt und im zweiten Teil bin ich dann mal auf die Nachhaltigkeitsfakten eingegangen, die die "Initiative Milch" anbringt. Denn es ist zum einen Teil altbekannt, was für Argumente die "Initiative Milch" vorbringt, um Kuhmilch als das wertvollste und tollste und überhaupt notwendigste Nahrungsmittel der Welt zu positionieren. Wenn wir diesen Argumenten glauben, dann können wir einfach nicht ohne Kuhmilch leben.

Was an sich schon merkwürdig ist, denn welches Säugetier wäre denn tatsächlich angewiesen auf die Muttermilch eines anderen Säugetiers? Also wenn das tatsächlich in der Evolution genetisch so vorgesehen wäre, wären wir ja nicht wirklich überlebensfähig, denn wir müssen ja immer irgendwie in Abhängigkeit von diesem anderen Säugetier leben. Und ja, also das ist an sich schon etwas merkwürdig. Aber diese Argumente sind altbekannt.

Was neu dazukommt ist, dass die "Initiative Milch" jetzt Kuhmilch als ein nachhaltiges regionales Produkt positioniert, was gut fürs Klima ist, weil in den letzten Jahren, so im letzten Jahrzehnt, durch die Klimabewegung die „Kuh als Klimakiller“ als Bedrohung für die Milchindustrie dazugekommen ist. Und das wird jetzt versucht zu demontieren. Ja, und da sehen wir , wie kreativ die "Initiative Milch" mit Zahlen umgeht. Es ist wirklich spannend, sich das anzugucken.

Und deswegen brauchte ich da eine extra Folge, um das Schritt für Schritt zu demontieren und zu zeigen, was die "Initiative Milch" da eigentlich macht, wie sie die Fakten auslegt, wie sie das für sich so zurechtrückt, sich Zahlen herauspickt, die für sie vorteilhaft erscheinen, den Gesamtzusammenhang außen vor lässt und sagt: Ach, guck mal hier 5 %, das ist doch total wenig, aber irgendwie nicht anerkennt, dass es da auch noch einen Gesamtzusammenhang gibt, aus dem diese 5 % rausgenommen wurden.

Das wirkt, wenn das erst mal so gesagt wird, alles total plausibel. Und deswegen brauchte ich auch diese halbe Stunde, um das zu demontieren, um zu zeigen okay, guck mal, es ist überhaupt gar nicht plausibel. Denn das, was die „Initiative Milch“ macht, ist Rosinenpicken. Und das ist eine bewährte Methode. Wenn dir die meisten wissenschaftlichen Fakten nicht gefallen, einfach den Fakt rauszupicken, der passt und alle anderen zu ignorieren. So kannst du dann etwas Falsches tun und dich dabei trotzdem gut finden, weil du ja mit diesem einen Fakt, den du herausgepickt hast, zeigst, dass du eigentlich ja was ganz tolles tust. Und genau das macht die "Initiative Milch", wenn sie jetzt die Kuhmilch als ein nachhaltiges, regionales, tolles Produkt darstellt.

Und wenn dich das interessiert, diese Methoden und was Menschen machen, um die Wissenschaft so hinzubiegen, dass sie zu einem passt, gibt es da zum einen ein lustiges Spiel, den „Cranky Uncle“. Vielleicht kennst du den auch schon. Das Spiel gibt es in verschiedenen Sprachen, unter anderem auch in Deutsch, wo du lernst, was für Methoden es gibt, um Wissenschaftsfakten so hinzubiegen, dass sie zu mir passen oder auch generell zu leugnen.

Und zum anderen auch die Webseite klimafakten.de. Da findest du jede Menge Infos und Tipps dazu, was jetzt tatsächlich Fakt ist. Wissenschaftlich bewiesene Fakten was das Klima angeht, die Klimakrise und was es alles für Möglichkeiten gibt, sich damit auseinanderzusetzen.

Ich habe mich in den beiden Folgen auf das Wesentliche konzentriert. Ich hätte auch noch viel minutiöser, detaillierter vorgehen können. Wenn dir also was auffällt, wo du sagst okay, da fehlt mir noch was, dazu hätte ich gerne noch was, dann schreib mir gerne eine Email an post@ vonherzenvegan.de. Hör dir die beiden Folgen also sehr, sehr gerne an.

Und die Quintessenz ist einfach, dass die Milchindustrie quasi ihre Milchkannen davonschwimmen sieht. Ich musste das jetzt noch mal irgendwie einbauen. Ja, also ich habe es nicht geschafft, das in die beiden Folgen einzubauen, deswegen will ich es wenigstens hier einbauen. Ja eine tolle Weiterführung von den Fellen, die davonschwimmen. Ihr habt das verstanden. Gut. Also jedenfalls, sie sieht ihre Milchkannen davonschwimmen, denn der Milchkonsum ist seit Jahren rückläufig.

Und im Grunde geht es wirklich nur darum, ein Produkt zu verkaufen, das zu vermarkten. Es ist Kritik an diesem Produkt laut geworden. Zum einen beim Thema Tierwohl, zum anderen aber auch die Kuh sei ein Klimakiller. Dazu sage ich auch hier noch mal: Es geht nicht darum, das Lebewesen zu verunglimpfen. Also die Kuh ist nicht das Problem, sondern die Art und Weise, wie der Mensch die Kuh nutzt. Und es geht nicht darum zu sagen, es dürfen keine Kühe mehr existieren, sondern wir sollten einfach mit der Nutzung der Kuh aufhören. Und damit wären wir dann wieder bei dem Slogan „Ohne Milch? Ohne mich!“. Denn die "Initiative Milch" sollte wirklich diesem Slogan folgen und einfach eine Initiative werden, die den Milchbäuer·innen hilft umzuschulen und auch wirklich die Nutzung der Milchkuh zu beenden.

Carsten Ja, und wir sind am Ende dieser Folge angekommen und da bleibt mir nur noch zu sagen: hör in die beiden neuen Folgen des Milchgeschichten Podcasts rein. Und lies auch den Artikel in der aktuellen Ausgabe des Tierbefreiungs Magazin Nr. 120.

Stefanie Genau. Ich habe wirklich viele, viele, viele Tage, Stunden, Wochen in das Schreiben des Artikels und nachher dann in die Erstellung der beiden Podcastfolgen gesteckt. Also da ist ganz, ganz viel ehrenamtliche Arbeit drin, denn ich werde ja dafür nicht bezahlt. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass in der Zwischenzeit zwei neue Steady Unterstützer·innen dazugekommen sind. Ein herzlicher Dank geht an Martina und Christine, die davon nichts wussten, dass ich in der Zwischenzeit da so viel Arbeit in die Milchgeschichten gesteckt habe, aber trotzdem sich entschieden haben, meine Arbeit finanziell zu unterstützen. Herzlichen Dank.

Carsten Danke schön.

Stefanie Und das ist jetzt also der beste Anlass, dir zu überlegen, ob du vielleicht auch finanziell etwas zurückgeben möchtest. Denn wie gesagt, in diesen Podcasts, in allen vier Podcasts, die ich hier kostenlos anbiete, in allem, was ich sonst noch ehrenamtlich mache, steckt super viel Arbeit und Zeit und es wäre toll, wenn da ab und zu finanziell etwas zurück käme. Du findest die Möglichkeiten, wie du mich finanziell unterstützen kannst - das geht nicht nur über Steady - auf der Webseite, die ich hier verlinke. Und ich bin sehr dankbar dafür, denn ich mache das ja hier alles werbefrei. Ich gehe keine Kooperationen ein, bekommen sonst auf keinem Weg Geld für das, was ich hier tue.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 289 - Zeitgerechtigkeit als Schlüssel zum guten Leben für alle

Ein Beitrag

Folge 289 - Zeitgerechtigkeit als Schlüssel zum guten Leben für alle

Wir haben keine Zeit. Schon wieder. Wir hätten so viele Themen, die wir gerne in diesem Podcast besprechen würden, aber uns fehlt schlicht die Zeit dazu.

Dass das kein individuelles Zeitmanagement-Problem ist, ist mir spätestens nach der Lektüre des Buchs "Alle_Zeit" von Teresa Bücker klar geworden.

Zeit ist, wie die meisten Ressourcen auf diesem Planeten und in unserem Leben, ungleich und ungerecht verteilt.

Wir alle haben eigentlich gleich viel Zeit zur Verfügung. Doch wir können nicht frei darüber verfügen. Das System, in dem wir leben, lässt das nicht zu.

Links zur Folge

Buch „Alle_Zeit - Eine Frage von Macht und Freiheit“ von Teresa Bücker
https://www.ullstein.de/werke/alle-zeit/hardcover/9783550201721

Mein Newsletter
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/newsletter/sign_up

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Heute möchten wir über das Thema Zeit sprechen. Das passt aus vielerlei Gründen sehr gut. Denn Carsten und ich haben zu wenig Zeit momentan, um Podcastfolgen aufzunehmen. Und gleichzeitig habe ich ein Buch gelesen. Das nennt sich „Alle_Zeit“ von Teresa Bücker. Mit dem Untertitel „Eine Frage von Macht und Freiheit“ und ich möchte in dieser Folge über dieses Buch sprechen, aber auch über unsere rein subjektiven Empfindungen zum Thema Zeit. Und das Buch möchte ich auch nur relativ kurz anteasern und dir jetzt schon mal als Leseempfehlung mitgeben. Dieses Buch hat mich mal wieder sehr radikalisiert und Carsten hat es noch nicht gelesen. Er muss das aber noch lesen.

Carsten Na ja, ich bin trotzdem radikalisiert. Allerdings auch ohne Buch bzw durch meine Alltagserfahrung.

Stefanie Inwiefern? Erzähl doch gleich mal.

Carsten Was du schon sagtest. Uns fehlt einfach die Zeit. Also es ist ja jetzt nicht so, dass wir keine Folgen aufnehmen, weil wir keine Themen haben. Die Themen stapeln sich ja, aber uns fehlt die Zeit zum Aufnehmen um Folgen auszuarbeiten. Und es ist ja nicht so, dass unsere Tage kürzer geworden sind. Aber die Zeit wird ja, wie bei vielen anderen Menschen ja auch, gefüllt mit irgendwelchen Dingen, die sich dann um die Erwerbsarbeit zum Beispiel drehen. Und das ist etwas, was zumindest bei mir nach wie vor immer noch so im Fokus steht, dass ich unglaublich viel Zeit und noch viel, viel mehr Energie aufbringen muss, um meiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. Und da ja nicht nur irgendwie morgens um, keine Ahnung, kurz vor sieben das Haus verlasse und abends um 18:00 Uhr nach Hause komme, sondern dann ja auch entsprechend k.o. bin. Also die Arbeit schlaucht mich ja auch, sei es durch Stress, sei es dadurch, weil ich mich im Moment mit meiner Arbeit immer weniger identifiziere. Also sie ist für mich wenig sinnstiftend geworden oder zunehmend weniger sinnstiftend.

Es entzieht mir Energie, sodass ich dann abends total k.o. nach Hause komme, was dann aber auch etwas ist, wo ich sagen muss, das ist noch so die Nachwirkung von der Erwerbsarbeit. Das heißt also auch da geht die Zeit drauf. Nur weil ich dann quasi „Freizeit“ habe, heißt das noch lange nicht, dass ich diese Zeit nach eigenem Gusto frei gestalten kann. Wenn mir die Energie fehlt, dann ist das natürlich was anderes, als wenn ich jetzt sage: Hey, ich habe jetzt noch keine Ahnung, 4,5,6 Stunden Zeit am Tag, jetzt setze ich mich mal in der Sonne und tu mal gar nichts oder so! Also es ist tatsächlich erst mal so zum Energie nachtanken, damit ich am nächsten Tag wieder einsatzbereit bin.

Stefanie Ja, damit sind wir schon mitten drin im Thema und mitten drin im Buch auch. Also genau das, was du gesagt hast, beschreibt Teresa Bücker in ihrem Buch auch unter anderem. Und die Lösung für das Ganze ist eigentlich nichts Neues, da geh ich nachher noch mal drauf ein. Aber letztlich dieses Gefühl, was du gerade beschrieben hast und auch die Definition von Zeit, also auch die Definition von Freizeit, das ist etwas, über das wir auf jeden Fall nachdenken sollten. Und darüber schreibt Teresa Bücker in diesem Buch unter anderem. Ich würde jetzt vielleicht einfach mal kurz vorlesen, was hinten auf dem Buch draufsteht, denn das ist eine super Zusammenfassung des Buchs. Ich hatte das gar nicht gelesen am Anfang, was da steht, sondern erst danach und habe dann gedacht: Hey, da steht ja alles so, aber natürlich steht im Buch noch viel mehr. Aber letztlich ist das so die Essenz auch. Also:

“Soziale Gerechtigkeit bedeutet gerechte Verteilung von Zeit. ‚Zeit ist ein Geschenk, aber auch Verantwortung. Alle Menschen sollten frei über ihre Zeit verfügen können. Diese Utopie können wir jetzt gestalten.‘ Zeit ist die zentrale Ressource unserer Gesellschaft, doch sie steht nicht allen gleichermaßen zur Verfügung. Teresa Bücker, eine der bedeutendsten Publizist·innen in Deutschland, macht klar: Wir brauchen jetzt eine radikal neue Zeitkultur. Sie ist der Schlüssel für Geschlechter- und Generationengerechtigkeit, für eine nachhaltige Ökonomie und eine lebenswerte Zukunft.“

Carsten Ja, das ist interessant, dass das jetzt hier auch in diesem Buch thematisiert wird. Denn wenn sie davon schreibt oder auf diesem Klappentext steht „Nachhaltige Ökonomie und eine lebenswerte Zukunft sind abhängig davon, wie wie wir mit Zeit umgehen.“ Das habe ich ja tatsächlich in dem Öko Dorf Sieben Linden auch wirklich erfahren. In der einen Woche, wo ich von meiner Ausbildung dort war, dass diese Menschen sich ganz bewusst darauf konzentrieren, ihre Erwerbsarbeit so teilzeitmäßig zu betrachten, also nicht als 40 Stunden Woche, sondern die arbeiten wenn überhaupt, dann 20 Stunden die Woche, um überhaupt irgendwie extern Geld zu verdienen. Und die restliche Zeit wird für andere Tätigkeiten aufgebracht. Gemeinschaftsbildung etc. pp. Und das ist natürlich ein Modell, wo tatsächlich vor Ort auch gezeigt werden kann, dass sich daraus diese lebenswerte Zukunft gestalten lässt. Und das wäre nicht möglich, wenn die Personen, die jetzt zum Beispiel konkret in diesem Ökodorf Sieben Linden arbeiten oder leben, 40 Stunden die Woche arbeiten würden in einem externen Job, dann wäre diese Utopie, die dort ja tatsächlich real gelebt wird, gar nicht machbar.

Stefanie Das möchte ich jetzt noch mal mit einigen Perspektiven aus dem Buch von Teresa Bücker ergänzen, dieses Bild, was du jetzt gezeichnet hast. Denn da ist es ja genauso, wie du eingangs sagtest: Es gibt die Zeit für Erwerbsarbeit und dann gibt es Zeit für Gemeinschaft und dann wird vielleicht noch geschlafen, aber da fehlt ja irgendwie was. Also wo bleibt dann diese Zeit für mich? Und ist dann Carearbeit jetzt auch schon in dieser Gemeinschaftsarbeit mit drin oder ist sie in der Erwerbsarbeit mit drin? Wird sie überhaupt mitgerechnet? Also wenn ich jetzt denke, dass mein 24 Stunden Tag dann irgendwie aufgeteilt wird in acht Stunden Schlaf und dann noch mal acht Stunden Arbeit und acht Stunden Freizeit, das war ja dieses Modell, was früher propagiert wurde und was heute immer noch so propagiert wird. Und dann sind wir wieder bei dem Punkt zu definieren: Was ist denn jetzt Freizeit?

Also jetzt bei dem Modell, was du in Sieben Linden aufgezeichnet hast, wäre es ja so, dass diese acht Stunden Erwerbsarbeit in vier Stunden Erwerbsarbeit und vier Stunden Gemeinschaftsarbeit pro Tag aufgeteilt werden würden. So rein rechnerisch, natürlich funktioniert das nicht so hundertProzentig, aber rein rechnerisch einfach. Und dann hätte ich noch diese acht Stunden Freizeit. Aber und das fand ich sehr interessant in dem Buch von Teresa Bücker was mache ich denn alles noch? Also Sachen wie Essen, Kochen, Carearbeit und Reproduktionsarbeit generell, aber auch duschen, mich irgendwie herrichten und generell alles, was ich brauche, um am Leben zu bleiben. Den eigenen Körper zu pflegen, das sind ja alles keine Freizeittätigkeiten, sondern das ist dann etwas, was ich nicht der Freizeit, also der freien Zeit zurechnen kann, sondern das sind alles vorbereitende Tätigkeiten für die Erwerbsarbeit und auch vorbereitende Tätigkeiten für die Gemeinschaftsarbeit. Dass ich überhaupt irgendwie das alles leisten kann.

Ich fand das dann ganz interessant, dass sie da im Buch auch geschrieben hatte, dass es bei uns gesellschaftlich nicht anerkannt ist, wenn ich nackt und ungepflegt, irgendwie ungeduscht usw dann zur Arbeit gehe. Also es geht nicht, das kann ich nicht machen. Deswegen muss ich ja diese Zeit investieren um mich herzurichten, um dann einem gewissen Standard, einer gewissen „Norm“ zu entsprechen. Und das ist dann auch noch geschlechterbedingt unterschiedlich, was so von einem verlangt wird, wie ich auszusehen habe. Und da rede ich jetzt gar nicht so davon, dass ich unbedingt einer bestimmten körperlichen Fülle entsprechen muss oder auch nicht Fülle, sondern , dass ich als Frau in dieser Gesellschaft, wenn ich als Frau gesehen werde, dann auf bestimmte Art und Weise frisiert und geschminkt, in manchen Jobs zur Arbeit kommen muss und das wirklich erforderlich ist. Das also nur als ein Beispiel von vielen, was ja auch alles Zeit kostet. Das kommt alles dazu.

Das heißt, wenn Carsten sagt, er geht morgens zur Arbeit, kommt abends wieder: davor hast du dich ja auch fertig gemacht, hast möglicherweise geduscht, hast gefrühstückt und das sind ja alles keine Freizeitaktivitäten, würden aber in diesem Modell acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und acht Stunden schlafen dann ja auch dazugerechnet.

Carsten Ja und wenn du das jetzt so aufteilst, diese acht Stunden und acht Stunden und acht Stunden, dann ist es ja so, dass im Alltag eine Pause dazwischen liegt. Das heißt, du machst ja nicht acht Stunden Arbeit am Stück, sondern du arbeitest ja, ich sage jetzt mal so rechnerisch deine vier Stunden. Dann legst du eine halbe Stunde, eine Stunde Pause ein, um dann anschließend die restlichen vier Arbeitsstunden hinter dich zu bringen. Und diese eine Stunde - ich bleibe jetzt mal rechnerisch bei einer Stunde Mittagspause - die ist ja Freizeit. Ja, aber de facto ist sie nicht Freizeit. Sie dient dem Wiedererlangen deines Energieniveaus, um die restlichen vier Stunden Arbeitszeit hinter dich bringen zu können. Und da gibt es ja durchaus auch radikale Ansätze, die wir, glaube ich, auch schon in einer der vorherigen Folgen schon mal besprochen hatten, dass diese Mittagspause eigentlich de facto auch als bezahlte Arbeitszeit gelten müsste, weil sie ja gar nicht ausschließlich dazu dient, dass du jetzt irgendwie deine Freizeit da verbringst, sondern primär dient diese Arbeits- oder diese Mittagspause eher der Wiederherstellung deiner Arbeitskraft. Sie dient also im Grunde genommen deiner·m Arbeitgeber·in, dem Unternehmen, für das du tätig bist und weniger dir selbst.

Stefanie Außerdem ist es so, dass du in deiner Mittagspause etwas isst. So und das dient ja auch wieder der Wiederherstellung und das ist jetzt auch keine freie, unbestimmte Zeit. Und dieses freie, unbestimmte Zeit ist tatsächlich der Punkt, der uns am meisten fehlt. Und gerade wenn wir Vollzeit erwerbstätig sind, ist freie, unbestimmte Zeit rar, quasi fast gar nicht vorhanden. Vor allem, wenn dazu dann noch Carearbeiten kommen und du in einer Kleinfamilie lebst.

Und da kommt jetzt ein Modell ins Spiel, was Teresa Bücker hier in ihrem Buch auch vorstellt von der Soziologin Frigga Haug. Und zwar die „Vier in einem Perspektive“, die wie folgt aussieht, nämlich dass diese acht Stunden und acht Stunden und acht Stunden, die wir vorher hatten, anders aufgeteilt werden, nämlich in vier Stunden Erwerbsarbeit, vier Stunden Gemeinschaftsarbeit, vier Stunden Care Arbeit und vier Stunden freie, unbestimmte Zeit. Und dann noch die acht Stunden Schlaf. Denn zu wenig Schlaf macht uns auch krank, ist auch nicht gut.

Und wir müssen auch politisch und gesellschaftlich sehen, dass die Care Arbeit die ganze Zeit als minderwertige, nicht bezahlte Arbeit so nebenher läuft und immer nur auf diese Erwerbsarbeit fokussiert wird. Aber durch dieses vier mal vier Stunden sozusagen Modell würde das alles ganz anders gewichtet werden. Da würde die Carearbeit gleichwertig neben der Erwerbsarbeit stehen und auch gleichwertig neben der Gemeinschaftsarbeit und der freien, unbestimmten Zeit. Und um nochmal zu verdeutlichen, warum diese freie, unbestimmte Zeit so wichtig ist, möchte ich den Klappentext des Buchs vorlesen:

“Der Zugriff auf Zeit ist eine Frage von Macht und Freiheit. Wer wird für seine Arbeit bezahlt und wer nicht? Wer hat Zeit für seine Interessen einzutreten? Heute wird die meiste Zeit der Erwerbsarbeit zugestanden. Nur ökonomisch Verwertbares gilt als wertvoll für soziale Beziehungen. Sorgearbeit und Erholung bleibt zu wenig Platz. Zeit ist höchst ungerecht verteilt. Der materielle Wohlstand hat sich nicht in Zeitwohlstand übersetzt. Zeitarmut treibt uns in Vereinzelung und Erschöpfung, zerstört Familien und Freundschaften. Sie macht politisches Engagement zu einer Klassenfrage. Ein gutes Leben für alle kann nur gelingen, wenn wir verstehen, wie drängend Zeitgerechtigkeit ist und endlich die Debatte darüber beginnen, wie wir Zeit neu verteilen. Wir müssen den Glaubenssatz überwinden, dass Zeit Geld sei, und wir müssen uns der Zeit derer annehmen, deren Bedürfnisse bislang wenig zählen. Teresa Bücker macht konkrete Vorschläge, wie eine moderne Zeitkultur aussehen kann, die für mehr Gleichberechtigung und Lebensqualität sorgt.“

Gerade dieser Punkt, dass politisches Engagement zur Klassenfrage wird und auch generell viel zu wenig Zeit bleibt für Beziehungen und diese freie, unbestimmte Zeit, in der wir machen können, was wir wollen, quasi einfach mal absichtslos vor uns hin leben, sind Dinge, die mir in letzter Zeit immer stärker auffallen. Ich habe das jetzt im letzten Bildungsurlaub gemerkt, dass wir auch darüber diskutiert haben, dass einfach keine Zeit mehr übrig bleibt, um sich zu engagieren. Und das ist ja auch wieder der Punkt hier bei uns, Carsten und bei mir, dass wir einfach merken durch die Erwerbsarbeit und auch die Carearbeit, die beide anfallen und getan werden müssen, bleibt keine Zeit mehr damit wir hier im Podcast Folgen veröffentlichen können und uns die Zeit nehmen können, politisch aktiv zu sein. Denn hier die Podcastfolgen zu veröffentlichen ist auch eine Art politisches Engagement. Und die Carearbeit und die Erwerbsarbeit ziehen so viel Kraft auch und so viel Energie, dass dann da keine Möglichkeit mehr bleibt, dass wir uns engagieren können. Wie gesagt, Themen haben wir genug und wir würden das auch gerne machen. Wir würden gerne die meiste Zeit, die uns zur Verfügung steht, in politisches Engagement reinstecken. Nur fehlt uns die Kraft und fehlt uns die Zeit.

Carsten Und das mit der Kraft ist ganz spannend, weil auch da die Erfahrungen aus meinem Permakulturkurs gezeigt haben, dass, wenn ich mich mit sinnstiftend und sinnfüllenden Aufgaben und Themen beschäftige, ich ein ganz anderes Energieniveau habe. Wir haben da an den Tagen teilweise 12,13,14,15 Stunden aufeinander gehockt, haben zwar zwischendurch Pause gemacht, aber häufig waren die Pausen dann auch so gestaltet, dass wir die Themen in den Pausen weiter diskutiert hatten. Also wir waren eigentlich komplett rund um die Uhr im Thema drin. Und ich für meinen Teil habe auch tatsächlich ein Schlafdefizit angehäuft, weil wir einfach zu spät ins Bett gegangen sind, ich auch wieder zu früh wach geworden bin, aber trotzdem am nächsten Tag voller Energie und voller Elan da war. Und das hat mich total fasziniert. Das hat mich zwar am Ende dieser Ausbildungsstrecke dann doch schon ein bisschen geschlaucht. Also quasi der Tag danach, wo ich wieder nach Hause gekommen bin, habe ich gemerkt: Hey, ich habe tatsächlich ein Schlafdefizit, ich muss jetzt mal ein bisschen Schlaf nachholen. Aber innerhalb dieser ganzen Kurswochen war einfach das Energieniveau völlig auf einem Niveau, wo ich auch gedacht habe: Oh, das kenne ich so gar nicht in dieser Güte.

Und das ist sehr schnell verflogen, als ich wieder in den ganz normalen Arbeitsalltag reingekommen bin. Da hat es keine 2 bis 3 Tage gedauert. Da war ich dann abends total wieder erschöpft und das hat mir einfach gezeigt, dass das unabhängig davon, wie wir unsere Zeitgestaltung aufbauen, auch eine wichtige Komponente ist. Mit was für Themen verbringen wir eigentlich den Tag? Und wenn ich jetzt schon acht Stunden am Tag mit einer Tätigkeit zu tun habe, die letztendlich nur mein Einkommen sichert oder das Einkommen der Familie dann noch sicherstellt, mich aber inhaltlich gar nicht wirklich erfüllt, dann ist das etwas, was unglaublich viel Energie kostet. Wenn ich das jetzt reduzieren würde auf diese vier Stunden und hätte den restlichen Tag die Möglichkeit, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die vielleicht auch Kraft kosten, die für mich aber sinnstiftender sind, dann habe ich auch viel mehr Möglichkeiten, Themen und Dinge anzubringen, die ich sag jetzt mal auch Energie kosten. Aber wo ich die Energie aufbringe, weil es mir Spaß macht, weil es Spaß bereitet, weil ich einfach merke okay, da geht's voran. Also die Dynamik und die Energie ist dann eine ganz andere, wenn ich mich mit Themen auseinandersetze, wo ich sage, da stehe ich auch hinter, da habe ich Herzblut und das erfüllt mich auch.

Stefanie Ja, definitiv. Denn das, was Teresa Bücker in ihrem Buch auch schreibt, ist, dass es gar nicht darum geht, wenn es jetzt um Gleichberechtigung der Geschlechter auch geht, Frauen in die Vollzeit Erwerbsarbeit zu bringen, sondern dass wir mehrere Schritte zurücktreten und gucken, wie wir denn überhaupt unsere Zeit gestalten. Wie nach diesem vier mal vier Stunden Modell, was ich jetzt vorhin schon vorgestellt hatte, dass wir alle eigentlich in die Teilzeit gehen und nicht versuchen alle in die Vollzeit zu gehen, so dass dann der Erwerbsarbeit dann auch ihre Macht quasi genommen wird und wir dann diese gleichwertig neben den anderen Zeiten stehen haben. Und auch den anderen Arbeiten, sage ich jetzt mal und da sind wir noch bei anderen wichtigen Punkten tatsächlich.

Also das Buch ist wirklich sehr, sehr empfehlenswert. Ich sage es noch mal: Lies dieses Buch. Mir hat es sehr viel gebracht, denn wie viel ist deine Zeit wert? Es wird nur Erwerbsarbeit wertgeschätzt. Und dann gibt es da natürlich auch noch eine Hierarchie und dann sind wir wieder bei Hierarchien und überlegen okay, dass bestimmte Erwerbsarbeit mehr wert ist als andere Erwerbsarbeit. Und da ist dann zum Beispiel der Punkt, dass ich sage okay, die Zeit, die ich mit meiner Erwerbsarbeit verbringe, ist mehr wert als die Zeit, die zum Beispiel eine Person damit verbringt, meine Wohnung zu putzen. Denn nur so kann ich sie ja bezahlen, indem ich mehr verdiene als diese Person. Das sind auch noch Punkte, die wir da bedenken sollten, was dann ja auch zu der Frage führt: wer putzt die Wohnung dieser Person, die meine Wohnung putzt? Wer passt auf die Kinder dieser Person auf, die auf meine Kinder aufpasst? Irgendwo ist immer ein Ende erreicht, wo dann unbezahlte Arbeit entsteht.

Und da sind wir wieder bei dem Punkt Zeitgerechtigkeit. Ein gutes Leben für alle ist nur möglich, wenn die Zeit gerecht verteilt ist. Also wenn da am Ende der Kette Personen stehen, die wieder ungerecht behandelt werden, ist das ja kein gutes Leben für alle. Also funktioniert das nicht, wenn wir so weitermachen wie bisher. Das ist natürlich klar, dann sind wir wieder bei dem System, was das Problem ist, dass wir wieder systemkritisch denken. Und letztlich liegt die Lösung nicht darin, dass wir in dieser Vereinzelung bleiben, in der wir jetzt leben, in diesen Kleinfamilien, sondern dass wir in die Gemeinschaft gehen. Und ja, da lande ich in letzter Zeit immer wieder, egal von wo ich komme, welche Probleme ich mir angucke. Immer wieder lande ich bei der Lösung: Wir müssen Gemeinschaften bilden und gemeinschaftlich handeln und unsere Gesellschaft ganz anders strukturieren, dass wir in Gemeinschaften leben können.

Und das schreibt auch Teresa Bücker in ihrem Buch als Lösung. Sie schreibt es natürlich um einiges ausführlicher, als ich das jetzt hier sage. Deswegen: lies dieses Buch. Wobei ich sagen kann, dass die Lösung hier in dem Buch jetzt nicht so ausführlich dargestellt wird, wie es hätte sein können. Ich würde sagen, dass wir die Lösung aber auch schon kennen, wenn wir zum Beispiel von Robin Wall Kimmerer Bücher gelesen haben oder von Sherri Mitchell. Denn diese Lösungen, die da vorgestellt werden, was indigene Menschen schon alles wissen und schon leben in diesen Gemeinschaften, das ist eigentlich die Lösung. Die gibt es schon, die gibt es seit Jahrtausenden schon auf diesem Planeten, diese Lösung, nur haben wir uns in dem System in dem wir leben, davon ganz weit entfernt und sind in diese Vereinzelung, Individualisierung, Machthierarchien usw in dieses ganze kapitalistische Konstrukt reingelaufen. Herrschaft usw. Genau, ich radikalisiere mich ja auch immer mehr.

Na ja, jedenfalls dieses Experiment, was wir hier gestartet haben, in unserer westlichen Zivilisation ist fehlgeschlagen. Es gibt jede Menge Lösungen auf unserem Planeten, die seit Jahrtausenden schon ausprobiert werden und die gut funktionieren und wo wir einfach nur unseren Blick drauf werfen sollten, unseren Fokus verändern. Und wenn wir da schauen und sehen: Hey, guck mal so kann das funktionieren mit Gemeinschaften, so könnten wir leben, dann wär das die Lösung.

Und bis Carsten und ich das auch geschafft haben, so in Gemeinschaft zu leben und auch wirklich mehr Zeit zur Verfügung haben für politische Interessen, freie, unbestimmte Zeit und so, ist es jetzt leider so, dass wir wirklich kaum Zeit zur Verfügung haben, hier Podcastfolgen aufzunehmen. Und deswegen wissen wir noch nicht so genau, was die Zukunft bringt. Also wir wollen uns so in diese Richtung bewegen, dass wir mehr in Gemeinschaft leben können. Nur ist es immer schwierig innerhalb dieses Systems was anderes zu machen. Also wir versuchen ja immer wieder auszubrechen und neue Dinge zu machen und so, ja, also der Wunsch und der Wille ist da. Wir scheitern nur immer mal wieder am System und na ja, so lange das so ist, wissen wir noch nicht so genau, wie das jetzt mit dem Podcast hier weitergeht. Also wir wollen ihn nicht aufgeben. Es ist nur so, dass es wahrscheinlich noch unregelmäßiger wird mit den Folgen.

Gleichzeitig bin ich aber dabei wieder eine neue Online Community aufzubauen. Also da wird was kommen. Es gab so ein paar technische Hürden, die ich jetzt aber genommen habe und jetzt geht es darum, das erst noch soweit schön vorzubereiten und so. Ich weiß noch nicht - wie gesagt, Zeit ist das große Thema - wie schnell das vorangehen wird. Wenn du den Newsletter abonniert hast und oder Steady Unterstützer·in bist, werde ich dich automatisch auf diesem Weg informieren, wenn ich soweit bin. Und ansonsten werden wir sicherlich irgendwann auch eine Podcastfolge machen, wo wir dann sagen: Hey, es gibt jetzt diese Community. Ich bin da schon einige Schritte weitergekommen. Es wird sie auf jeden Fall geben und sie wird noch viel datenschutzfreundlicher sein als die vorherige Community, weil sie selbst gehostet ist usw und so fort. Aber jedenfalls: da kommt noch was und da wird es dann auch wieder mehr Gemeinschaft geben und so, aber das jetzt nur so am Rande. Erst mal so als Aussicht, damit du Bescheid weißt, warum es jetzt hier so ist, dass wir nicht mehr so regelmäßig Podcastfolgen veröffentlichen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 288 - Wie negative Nachrichten unser Denken beeinflussen

Ein Beitrag

Wie negative Nachrichten unser Denken beeinflussen

Zu viel Negativität kann uns krank machen. Und das auch, wenn wir eigentlich positiv eingestellt sind und gut für uns sorgen.

Das durfte ich während meines letzten Bildungsurlaubs erfahren, den ich für die VHS Hamburg gegeben habe.

Eigentlich wollte ich dieses Erlebnis gar nicht öffentlich teilen. Dann ist mir aber das Buch "Wie wir die Welt sehen" von Ronja von Wurmb-Seibel in die Hände gefallen und ich habe meine Meinung geändert.

Ich habe erkannt, dass meine Erfahrung kein bedauerliches Einzelschicksal ist, sondern symptomatisch für die Art, wie wir Nachrichten konsumieren.

Deshalb geht es in dieser Folge darum, wie negative Nachrichten unser Denken beeinflussen und wie wir damit umgehen können.

Carsten hat erlebt, wie wohltuend "Nachrichtenfasten" ist und stellt das als eine Option vor. Weitere Möglichkeiten ergänzen wir aus dem Buch von Ronja von Wurmb-Seibel.

Links zur Folge

Buch „Wie wir die Welt sehen“ von Ronja von Wurmb-Seibel
https://www.vonwurmbseibel.com/neues-buch/

Mein Buch "Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt."
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

Projekt "Zukunftsbilder" der Scientists4Future
https://de.scientists4future.org/zukunftsbilder/

Quizmöglichkeit 1 [EN]
https://www.gapminder.org/

Quizmöglichkeit 2 [EN]
https://www.ipsos.com/en/perils/perils-perception-take-quiz

Mein Newsletter
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/newsletter/sign_up

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Du fragst dich vielleicht, warum es jetzt schon vier Wochen her ist, dass du das letzte Mal von uns gehört hast in Form einer Podcastfolge. Vielleicht liest du ja auch, aber jedenfalls, warum es schon so lange her ist, dass wir die letzte Podcastfolge veröffentlicht haben. Und auch wenn du dich das nicht fragst, darfst du gerne weiter hören oder lesen. Denn es wird nicht nur darum gehen, denn das ist nur der Auftakt.

Und zwar habe ich, nachdem die letzte Podcastfolge veröffentlicht wurde, einen Bildungsurlaub gehalten. Da habe ich mich sehr stark darauf vorbereitet. Es war so eine Art Fortsetzung geplant von meinem bisherigen Bildungsurlaub, den ich für die VHS konzipiert hatte. In dem vorherigen Bildungsurlaub ging es darum: Wie kann ich als Einzelperson jetzt aktiv fürs Klima werden, wenn ich vorher eigentlich noch gar nicht so viel Wissen habe und nicht so ganz genau weiß, wo ich anfangen soll? Also wirklich so die Basics. Was sind die größten Wirkhebel in den Bereichen Ernährung, Mobilität, Konsum und Wohnen? Also alles auf den Privathaushalt bezogen. Was kann ich da tun? Und dann natürlich auch die große Frage ökologischen Fußabdruck reduzieren, politischen Handabdruck dann maximieren: Wie kann ich das tun? Das war so der Inhalt von dem bisherigen Bildungsurlaub.

Und jetzt hatte ich eine Fortsetzung dazu geplant, die auf dem Wissen dieses bisherigen Bildungsurlaubs basiert. Also entweder hast du den Bildungsurlaub schon gemacht oder du weißt so, das sind die größten Wirkhebel in diesen Bereichen, was ich gerade schon nannte. Also du hast zumindest so ein Basiswissen quasi wie wenn du eine Sprache lernst. Da wird das ja auch unterteilt in verschiedene Stufen, in denen du das lernen kannst. Wenn es dann Stufe A1 gibt, dann gibt es auch Stufe A2 - teilweise, manchmal ist es auch A1 und dann direkt B1 oder so - also jedenfalls, du hast dieses Grundwissen Stufe A1 schon erlernt und jetzt kommt Stufe A2.

Und ich hatte viel auch vorbereitet im Sinne von Träumen von einer klimagerechten Zukunft und hatte mich mit den Texten des Projekts Zukunftsbilder von den Scientists4Future noch mal beschäftigt. Hatte da passende Texte rausgesucht. Es sollte um die Themen Demokratie, Arbeit und Mobilität als Schwerpunkte gehen. Und generell: Wie kann ein gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten aussehen und wie kommen wir dann dahin? Was gibt es schon? So dass wir da ein gemeinsames Bild zeichnen. Und in dieser Woche - der Bildungsurlaub, den ich konzipiert habe, dauert immer fünf Tage und da sind wir dann von 9 bis 16:00 Uhr jeweils beschäftigt - wollte ich innerhalb dieser Zeit von montags bis freitags dann ein großes Bild gemeinsam zeichnen und dann den Weg quasi gemeinsam zu gehen um zu gucken okay, ich stehe jetzt hier in der Gegenwart, wie komme ich jetzt dahin, in diese Zukunft, die ich mir erträumt habe? Das war so das Konzept.

Dann war es so, dass es bei der VHS eine Mindestteilnehmenden-Zahl gibt, mit der erst so ein Kurs zustande kommt. Und diese Mindestteilnehmenden-Zahl war eigentlich gar nicht erreicht. Aber weil der Inhalt des Kurses thematisch gerade so wichtig ist, hat die VHS bei mir eine Ausnahme gemacht und gesagt okay, fünf Teilnehmende reichen. Eigentlich sollten es zehn sein und ich hatte auch mit mindestens zehn Teilnehmenden geplant. Denn je mehr Menschen bei so einem Konzept mitmachen, desto vielfältiger wird natürlich das Bild, was wir zeichnen können, desto diverser sind die Meinungen und die Erfahrungen, die da hineinfließen. Aber ich dachte okay, auch fünf Menschen können da schon mitmachen und vielleicht hörst du schon ein wenig, wie diese Geschichte wohl ausgehen wird? Mal schauen.

Jedenfalls bin ich mit dieser Einstellung in den Kurs gegangen, musste dann montags feststellen, dass da irgendwas schief gelaufen ist, denn von diesen fünf Teilnehmenden war genau ein Teilnehmer dabei, der wirklich genau in mein Konzept passte. Dann zwei, die offen waren dafür, aber eigentlich noch nicht so das Basiswissen hatten und zwei, die überhaupt nicht offen für das Konzept waren und auch kein Basiswissen hatten. Und damit war es sehr sehr schwer zu arbeiten. Das ganze Konzept, also meine ganze Didaktik, alles, was ich mir überlegt hatte für diesen Kurs, funktionierte mit diesen Teilnehmenden überhaupt nicht, weil sie einfach sich nicht darauf einlassen konnten aufgrund dessen, dass sie irgendwie was ganz anderes erwartet haben.

Ich weiß nicht, wie dieses Missverständnis zustande gekommen ist. Ich hatte am Ende einfach auch keine Energie mehr nachzufragen, wo das Problem lag. Da ich aber auch nicht vorhabe, diesen Bildungsurlaub noch mal zu halten und ich auch schon ein ganz anderes Konzept wieder entwickelt habe, habe ich dann letztlich diese Frage zurückgestellt und mir gedacht okay, ich brauche sie nicht zu beantworten. Und darum soll es hier auch gar nicht gehen, sondern tatsächlich um dieses Erlebnis, was ich hatte, in dieser Woche und was das bei mir ausgelöst hat.

Und dann hat sich diese Ausgangssituation, dass zumindest ein Teilnehmender dabei war, zu dem das Konzept des Kurses passte, noch mal verschärft, weil dieser Teilnehmende nach zwei Tagen nicht mehr wiedergekommen ist. Er ist krank geworden und war die letzten drei Tage nicht mehr mit dabei, sodass es dann nur noch vier Teilnehmende waren. Und wie gesagt, ich hatte den Kurs für mindestens zehn Teilnehmende konzipiert und jetzt hatte ich da ein, sagen wir mal, Ungleichgewicht mit den zwei Personen, die sehr sehr negativ eingestellt waren und zwei Personen, die eher so ein bisschen unsicher und zwar eigentlich offen, aber nicht so 100% offen für dieses Konzept waren.

Und das war die Grundsituation in diesem Kurs. Also quasi Thema verfehlt und Menschen, die nicht wirklich offen dafür waren, für Veränderung oder irgendwie was Neues zu lernen, sondern eher so Hm, was kann ich denn jetzt noch im Kleinen für mich vielleicht an so kleinen Stellschrauben drehen? Oder generell sich zu fragen, warum passiert eigentlich so viel Schlimmes in der Welt und wer ist daran schuld? So und das war so eine Grundstimmung, die ich natürlich nicht haben wollte. Alle vier hätten sehr gut in den bisherigen Bildungsurlaub gepasst. Und deswegen habe ich dann versucht, auch die Inhalte so anzupassen, dass sie zu meinen Teilnehmenden passten. Nur bin ich beim Bildungsurlaub auch verpflichtet, weil er bei der Stadt angemeldet wird bzw beim Bundesland - hier in Hamburg ist ja Bundesland gleich Stadt - mich an den Lehrplan zu halten und hab da nicht so viel Spielraum. Ich habe aber immer versucht das wirklich weitestgehend anzupassen an die vier Menschen die da bei mir im Kurs waren, damit alle irgendwie was davon mitnehmen können.

Warum erzähle ich das jetzt hier eigentlich alles? Das soll jetzt hier keine Lamentierrunde werden oder irgendwie so „ich jammere dir was vor“ oder irgendwas, sondern mir geht es wirklich darum was hat diese permanente Negativität, die ich fünf Tage lang da ertragen musste, mit mir gemacht? Normalerweise ist das so, dass ich in den Kursen und auch generell in Gruppen einen sehr positiven Raum aufhalte. Ich mache das ganz bewusst, durch die Art und Weise, wie ich mit den Menschen rede, wie ich sie interagieren lasse, wie sie miteinander in Kontakt kommen durch die Inhalte, die ich da bespreche. Durch all das und wie ich mit diesen Menschen dann umgehe, baue ich eine Vertrauensbasis auf, in der sich die Menschen öffnen können, die in meinen Gruppen sind. Und ich habe jetzt mittlerweile auch über die Jahre Erfahrungen gesammelt und bekomme eigentlich immer positives Feedback dazu, dass es so eine tolle Gruppendynamik ist und so eine tolle Gruppenerfahrung, dass ich weiß, dass ich das kann. Und das ist aber was, wo ich wirklich all meine Kraft reinstecke und all mein Herzblut, das ich da in dieser Woche ein wirklich tolles Erlebnis schaffen möchte.

Jetzt hatte ich diese Sondersituation, dass dann am ersten Tag, wie ein Schlag ins Gesicht, ich gemerkt habe diese Menschen, die da sitzen, die erwarten ganz andere Inhalte und die sind nicht offen für die Inhalte, die ich konzipiert habe für diesen Kurs. Das heißt, ich kann nicht so mit ihnen arbeiten, wie ich das eigentlich wollte. Und ich muss jetzt irgendwie gucken, wie ich das hinbekomme. Den Teilnehmenden fehlen einfach Basisinformationen und sie sind einfach einige wichtige Schritte noch nicht gegangen, die sie hätten gehen müssen, um von diesem Kurs zu profitieren. Das war so der erste Punkt und der zweite war diese ständige Negativität von diesen zwei Personen, die da im Kurs waren, die zu fast allem, was ich vorgestellt habe und fast allem, was ich genannt habe immer wieder was Negatives gesagt haben, also jedes Mal ein „Ja aber“ kam oder „Das kann nicht sein“ oder „Warum ist das denn so? Warum macht denn niemand was?“ und „Ich kann eh nichts ändern“ und „es ist sowieso zu spät“ und „erst mal die anderen“ usw. Also diese Standardsätze eigentlich, gegen die wir im Laufe des Kurses auch angehen wollten.

Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass diese Menschen nicht in diesem Kurs sitzen, sondern in dem Kurs Menschen sitzen, die mit solchen Menschen umgehen lernen wollen. Und das ist natürlich besonders perfide, denn ich kann dann diese Beispiele natürlich nicht nehmen, indem ich sage: Schau dich mal selbst an, wie bist du denn so und wie könntest du damit umgehen, wenn du andere Menschen deines Typs triffst? Also von daher gab es da bestimmte Herausforderungen was das anging und ich musste komplett umdisponieren.

Und wie gesagt, ich stecke all meine Kraft in diesen Kurs und ich kann, wenn da nur eine Person sitzt und immer mal wieder solche Kommentare abgibt und das eine größere Gruppe ist, damit gut umgehen, weil es dann nur eine Person ist. Hier waren es aber dann am Ende nur noch vier Personen und die Hälfte davon negativ eingestellt. Das heißt also das Ungleichgewicht war sehr groß, weswegen dann auch die ganze Gruppe schnell immer in diese Negativspirale rein gefallen ist.

Und das Ganze hat sich dann so hochgeschaukelt über die Tage, dass ich am Donnerstag gegen Mittag einen Nervenzusammenbruch hatte und mir die Tränen kamen und ich dann den Raum verlassen musste, weil mich diese Negativität so fertiggemacht hat. Es war wirklich ein dreieinhalbtägiges Bombardement von Negativität, dem ich die ganze Zeit ausgesetzt war und wo ich immer versucht habe dagegenzuhalten, die Personen irgendwie wieder ins Positive umzustimmen, was jedes Mal nicht geklappt hat und immer wieder ungläubige Blicke und was auch immer dann kamen. Und in diesem Moment konnte ich nicht mehr. Ich konnte einfach nicht mehr. Mir kamen die Tränen und dann habe ich gesagt: okay, ihr macht jetzt Pause. Und bin dann rausgegangen, hab die Tür zugemacht, bin zur Toilette gegangen und hab da erstmal geweint.

Ich habe eine Viertelstunde geweint und ich habe wirklich lange überlegt, ob ich das hier überhaupt erzähle. Und wie gesagt, es geht mir nicht um Nabelschau oder so oder dass du Mitleid mit mir haben musst als Hörer·in, sondern ich denke, dass du tatsächlich von meinem Erlebnis auch profitieren kannst, indem ich das einmal erzähle. Tatsächlich bin ich stolz auf mich, dass meine eigene Systematik, die ich ja in Form eines Buchs auch schon veröffentlicht habe - mein eigenes Hilfskonstrukt Konzept geklappt hat. Denn nach dieser Viertelstunde, wo ich dann tief in meinen Bauch geatmet habe, also die Poweratmung gemacht habe, dann auch alles angespannt habe, also so Notfallübungen gemacht habe, konnte ich wieder einigermaßen gefasst in den Raum reingehen. Ich habe dann für mich beschlossen - es war kurz vor Mittag, eigentlich hätten wir noch irgendwie eine Viertelstunde machen müssen oder eine halbe – dass wir jetzt einfach eine längere Mittagspause machen.

In der Pause hab ich mich da quasi im Raum eingeschlossen und hab mir ein paar lustige Videos angeguckt, habe mich mit anderen Dingen beschäftigt und hab meine Power ups gemacht und ich bin echt super stolz auf mich, dass das alles so gut geklappt hat. Ich konnte am Nachmittag dann weitermachen und wirklich einfach mein Programm durchziehen, sage ich mal und das war für mich eine Bestätigung dafür, dass mein Konzept funktioniert. Also jetzt nicht das Kurskonzept, sondern die Power ups und alles, was ich drumrum entwickelt habe. (Weitere Übungen findest du auch im Von Herzen Vegan Podcast. Da habe ich das ja alles sehr stark thematisiert und ich verlinke auch noch mal das Buch. Also falls du da noch mal schauen möchtest, findest du den Link hier, wenn du den Text liest oder in den Shownotes.)

Am Nachmittag ging es dann auch um Klimakommunikation und da konnte ich sogar dann meinen Zusammenbruch noch mit einbauen, weil ich gesagt habe, es ist auch okay rauszugehen. Es ist auch okay, mal nicht auf alles eine Antwort zu haben und es ist völlig in Ordnung, nicht die ganze Zeit fröhlich und entspannt zu sein. Gefühle sind dazu da gefühlt zu werden. Und wie gesagt, du darfst auch den Raum verlassen. Hab dann nochmal gesagt das war natürlich alles nur eine Showeinlage ist klar. Also alles nur für euch, damit ihr das lernt. So konnte ich dann den Tag einigermaßen abschließen. Freitag habe ich dann so geplant, dass es für die Teilnehmenden am passendsten war und dann war die Woche auch schon vorbei.

Und ich hab danach gemerkt, wie dann meine Energie wich. Also ich irgendwie gar nichts mehr konnte. Ich bin am Wochenende noch mit Carsten viel rausgegangen und montags bin ich dann krank geworden und dann war ich erst mal eine Woche krank. Und zunächst auch mal so richtig lethargisch. Also dass ich irgendwie gar nichts mehr machen konnte. Bis mir dann aufgegangen ist, dass es wirklich an dieser geballten Negativität lag, der ich ausgesetzt war über die Woche hinweg. Normalerweise konsumiere ich nämlich Nachrichten zum Beispiel nur zu bestimmten Zeitpunkten und schaue mir nicht ständig Nachrichten an - also Nachrichten im Sinne von Tagesschau oder solche Sachen, nicht Nachrichten im Sinne von mir schreibt jemand was, wie Briefe oder so. Und mir ist einfach bewusst geworden, dass diese eine Woche, dieses permanente Bombardement mich so ausgefüllt und so ausgebrannt hat, dass ich erst mal wieder auftanken musste.

Und das habe ich jetzt einfach in den vergangenen Wochen getan, hab weiter aufgetankt und dann - es gibt ja eigentlich keine Zufälle - ist mir ein Buch quasi in die Hände gefallen. Eigentlich habe ich das als Hörbuch gehört, es ist nicht direkt in die Hand gefallen, aber ich habe es rausgesucht, habe dieses Buch mir jetzt angehört und habe dann gemerkt: okay, ich sollte diese Geschichte tatsächlich erzählen, denn es ist kein Einzelschicksal. Das bin nicht Ich, die da irgendwie falsch ist oder die alleine dieses Problem hat mit diesen negativen Nachrichten und der Negativität, die mich fertig macht. Sondern das ist ein Phänomen, was viele betrifft und was uns alle im Alltag betreffen kann. Und ich habe dieses Buch im Schnelldurchlauf jetzt noch zu Ende gehört, auf x2,0, damit wir das noch einfach hier mit besprechen können. Also nicht direkt besprechen, aber damit ich weiß, okay, darum geht es und ich kann es dir auf jeden Fall empfehlen.

Und jetzt willst du natürlich wissen, welches Buch das ist. Und zwar ist das das Buch „Wie wir die Welt sehen“ von Ronja von Wurmb-Seibel und es hat den Untertitel „Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen und wie wir uns davon befreien.“ Und das Buch ist im Februar 2022 erschienen. Es ist nicht super alt, aber es ist auch nicht jetzt gerade erschienen. Und tatsächlich hat mir das Buch geholfen, mein Erlebtes noch mal einzuordnen, weil ich gemerkt habe, wie gesagt, dass das kein Einzelschicksal ist und dass es wichtig ist, auch darüber zu sprechen, was negative Nachrichten mit uns machen. Und wenn ich dieses Buch vor dem Bildungsurlaub gelesen oder gehört hätte, hätte mir das tatsächlich geholfen. Das heißt, dieses Buch ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Eigentlich ist es eine generelle Leseempfehlung, aber vor allem wenn es dir auch so geht mit negativen Nachrichten wie mir. Und wenn du das Gefühl hast, dass dein Fokus so sehr ins Negative driftet oder du von Menschen umgeben bist, deren Fokus ins Negative driftet, dann solltest du dieses Buch auf jeden Fall lesen. Dann ist es sehr, sehr hilfreich. Da sind ganz viele Tipps drin, wie du damit umgehen kannst.

Und die Autorin hat da auch eine Art Formel entwickelt, die sie „Scheiße plus X“ nennt. Die Scheiße sind die negativen Nachrichten und die Autorin sagt, dass Berichterstattung generell ein Plus X enthalten sollte, nämlich Lösungsansätze, wie wir denn mit dieser Scheiße umgehen können. Wenn wir jetzt bei Ajahn Brahm bleiben, ist es vielleicht auch so wie diese buddhistische Geschichte, dass du den Mist, der vor deiner Tür abgeladen wurde, kompostierst und daraus einen wunderschönen Garten machst, der Früchte trägt usw und so fort. Das ist dann die Lösung. Aber sie meint in diesem Fall auch, dass wir nicht nur über negative Dinge schreiben sollen, sondern auch schreiben, wie Menschen damit umgehen oder wie sie das herausgefunden haben oder oder oder oder.

Also wie zum Beispiel der Film Tomorrow. Da werden ja auch jede Menge Lösungen gezeigt. Da wird zwar am Anfang auch gesagt: Hey soundso sieht es aus, die Hütte brennt, aber es gibt schon ganz viele Menschen, die schon Lösungen entwickelt haben, wie wir damit umgehen können, also wie wir auf diesem Planeten klimagerecht leben können. Und so sollte es sein, dass wir nicht nur die ganze Zeit negative Nachrichten konsumieren, in denen nur gesagt wird „das und das ist schlecht“, sondern, dass es auch darum geht okay, das und das ist schlecht und so können wir es ändern. Und hier gibt es Beispiele, wie das schon geändert werden kann. Hier gibt es Beispiele von Menschen, die das und das schon geschafft haben. Und so weiter und so fort.

Und konkret jetzt auf den Bildungsurlaub bezogen, diese Situation, in der ich war, schreibt die Autorin in ihrem Buch: „Fragen sind auch dann ein gutes Mittel, wenn wir merken, dass sich ein Gespräch in Negativität festfährt. Jemand schimpft seit 15 Minuten über eine Situation, einen Menschen oder die ganze Welt. Manchmal reicht schon eine einzelne Frage, um das Gespräch in eine andere Richtung zu führen. Was läuft gut momentan? Wodurch wurde dein letzter Lachanfall ausgelöst? Worauf freust du dich diese Woche?

Eine Freundin von mir ist ausgesprochene Expertin in dieser Art zu fragen. Einmal war ich dabei, als ein Mann ihr von Beziehungsproblemen mit seiner Frau erzählte. Das Gespräch war nicht ausgesprochen tiefgründig, er redete eher vor sich hin, doch seine Aussagen wurden von Satz zu Satz düsterer. In einem kurzen Moment der Stille fragte meine Freundin Und was liebst du an deiner Frau? Der Mann begann zu erzählen, wie sicher er sich bei ihr fühle und wie sehr es seiner Frau gelänge, mit seinen Macken umzugehen. Mit einem Mal hatte sich das Gespräch komplett gedreht. Anstatt im Plauderton über seine Frau zu schimpfen, erzählte er offen von seinen eigenen Schwächen. Er zeigte sich verletzlich und wir lernten eine komplett neue Seite von ihm kennen. Beinahe war es, als würde ein anderer Mensch reden.

Wie gesagt, meine Freundin hat ein Talent für diese Art Fragen. Sie stellt die Fragen nicht, sie zaubert mit ihnen. Ich wurde noch öfter Zeugin, wie es ihr innerhalb von Sekunden gelang, ein deprimierendes Gespräch in eine ehrliche, irgendwie positive Unterhaltung zu verwandeln. Beim Versuch, es ihr gleichzutun, merkte ich schnell, dass es wohl Übung braucht, um ihre Technik so mühelos anzuwenden. Aber auch wenn ich die Fragen holpriger, unbeholfener und weniger zielsicher stellte, gaben sie Gesprächen eine neue Richtung. Nicht nur, dass sie sich weniger destruktiv entwickelten, ich lernte auch die Menschen, mit denen ich sprach, auf eine neue Art kennen.

Das Gleiche gilt für politische Diskussionen. Auch hier können wir fragen: Was hat besonders gut funktioniert? Welche Schritte müssen passieren, damit sich eine Situation ändert? Und schon nimmt das Gespräch einen anderen Lauf. In vielen Fällen ist es tatsächlich so einfach. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, unsere Aufmerksamkeit umzulenken. Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir schnell wieder vergessen, wie sehr unsere Aufmerksamkeit von Negativem angezogen wird.“

Das als Beispiel dazu, was du tun kannst, wenn du in solche Situationen gerätst. Ich habe gemerkt, dass dieses Dauerfeuer einfach fünf Tage von morgens neun bis nachmittags um 16:00 Uhr mit Negativität beschossen werden und immer wieder versuchen, den positiven Raum aufzuhalten. Dass das tatsächlich das war, was mich so fertig gemacht hat und was mir wirklich die Energie geraubt hat. Dieses permanente Dauerfeuer, keine Pause, sondern wirklich die ganze Zeit über immer wieder dem standhalten zu müssen.

Und die Autorin gibt sonst auch noch sehr viele weitere Tipps. Also wie gesagt, ich empfehle dir auf jeden Fall das Buch, liebe Hörer·in, da noch mal weiter einzusteigen, wenn du dann noch mehr Tipps brauchst. Was sie auch alles schreibt, ist das, was wir hier im Podcast und generell einfach auch schon immer gesagt haben: Was Carsten und ich abends auch machen, Dankbarkeit und positive Dinge erzählen, worauf wir stolz sind, was wir geschafft haben. Immer wieder den Blick weg von der Scheiße, wenn wir bei der Formel bleiben, hin zum X oder zu den kleinen positiven Dingen lenken. Und das ist einfach etwas, was Zeit braucht, was immer wieder geübt werden muss, was ja wie ein Muskel trainiert werden muss, wie eine Sprache oder was auch immer ich lerne. Wenn ich da nicht drin bleibe und das nicht übe, dann verlerne ich es wieder.

Trotzdem hat das keine Nachrichten konsumieren auch irgendwie so ein Stigma. So von wegen ich bin nicht informiert genug und oder ich bin irgendwie desinteressiert am Weltgeschehen oder so was. Und deswegen denke ich, machen die meisten von uns das ja auch, dass wir versuchen immer informiert zu bleiben, um nicht diesem Stigma zu erliegen. Und deswegen leite ich jetzt über zu Carsten, der nämlich in der Vergangenheit, bevor er diese einschneidende Erfahrung gemacht hat, in den letzten Wochen, auch täglich Nachrichten konsumiert hat.

Carsten Genau so und damit implizierst du ja, dass ich das gerade nicht mehr tue. Und das ist tatsächlich so Ich bin vom Saulus zum Paulus geworden oder andersrum, je nachdem wie man es sehen möchte.

Stefanie Ja, erzähl doch erst mal wie es vorher war.

Carsten Ja, ich habe im Grunde genommen genau das gemacht, was du auch gerade schon gesagt hat. Ich wollte einfach irgendwie anschlussfähig bleiben. Ich wollte auch am Weltgeschehen teilnehmen und wissen, was passiert eigentlich in der Welt? Das heißt, ich habe viele von den täglichen Pausen genutzt, um mal schnell auf dem Handy irgendwelche Nachrichtenseiten anzuschauen. Ich hab da so meine drei, vier Nachrichtenseiten, um so die klassischen Medien mit im Blick zu behalten und hab aber auch, was soziale Medien betrifft, bei Mastodon geguckt. Ich bin, wie gesagt, auch in den kleinen Pausen, dann kurz in die Küche gegangen, Kaffee gezogen, Tee aufgekocht, Toilettenpause - wo man dann teilweise einfach mal so aus dem Arbeitsalltag rausgeht und dann einfach mal ein paar Minuten Zeit hat - Das war eigentlich so das ganz Normale, mit dem ich versucht habe, so auf dem Laufenden zu bleiben.

Und seit zwei Wochen ist da Ruhe. Also auch richtig schöne Ruhe. Also ich mache es einfach nicht. Bedingt dadurch, dass ich jetzt vor zwei Wochen angefangen habe meine Permakultur Ausbildung zu starten, den sogenannten 72 Stunden Kurs, und da fand die erste Kurswoche in dem Ökodorf Sieben Linden statt und das ist ein ganz besonderer Ort in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist dort die Handynutzung nicht so gern gesehen. Es wird drum gebeten, die Handys auf Flugmodus zu schalten oder auszuschalten, während man im Dorf ist, Handygespräche tatsächlich nur am Ortsrand zu führen. Und es gibt auch kein WLAN. Es gibt Internet in dem Dorf, in den einzelnen Zimmern, zum Beispiel im Gästehaus, wo ich übernachtet habe, gibt es Netzwerk-Steckdosen. Das heißt also Menschen, die dann ihren Laptop mitnehmen, können dann quasi da über ganz normale Kabelverbindungen ins Internet. Aber ich hatte keinen Laptop dabei.

Ich habe auch so schon gemerkt, dass der ganz normale Handyempfang eher mäßig bis schlecht war und habe mich dann eigentlich in der Woche dazu entschlossen, einfach überhaupt gar keine Internetseiten zu konsumieren. Das was ich so gemacht habe, war ab und an mal nach Hause zu funken, über den Messenger mal zu sagen Hallo, mir geht's gut und bin angekommen Oder hier mal ein Foto von einem schönen Ausblick. Aber ansonsten habe ich tatsächlich überhaupt nichts im Internet konsumiert und hab das auch beibehalten. Das heißt also, jetzt bin ich seit einer Woche zu Hause und finde das total entspannend, nicht up to date sein zu müssen. Es ist wirklich so eine schöne Ruhe, die sich eingestellt hat bei mir und genau diese kleinen Pausen, wo ich damals mal gedacht habe: Oh, jetzt hast du ja mal so fünf Minuten Zeit, jetzt guckst du noch mal schnell. Das sind jetzt die Pausen, wo ich merke, da kann ich meine Gedanken schweifen lassen.

Komischerweise war das ja das, was mir, als ich noch aktiv Nachrichten konsumiert habe, am meisten gefehlt hat im Alltag. Dass ich immer den Eindruck hatte: Boah, ich habe eigentlich gar nicht die Zeit, mal wirklich so einfach gedankenverloren die Welt wahrzunehmen, Sachen mal zu überdenken. Gedanken schweifen zu lassen, zu reflektieren oder mal zur Ruhe zu kommen, den Gedanken zu lauschen. Und ich hätte im Grunde genommen damals schon die Zeit gehabt, ich hätte nur nicht im Internet unterwegs sein müssen. Und jetzt nehme ich das als sehr wohltuend wahr, dass ich dann tatsächlich diese Ruhepausen habe und bin auch viel entspannter und erleichterter dadurch, dass ich mir diese Zeit gönne und gerade nicht aktiv irgendwas konsumieren muss.

Stefanie Es könnten ja manche sagen okay, aber gar keine Nachrichten mehr konsumieren, das will ich jetzt auch nicht. Und da hat die Ronja von Wurmb-Seibel in ihrem Buch einige Tipps dazu. Sie sagt auch nicht Du sollst nie wieder Nachrichten konsumieren, sondern es kommt darauf an, wie du damit umgehst. Sie empfiehlt auch genau das, was Carsten gemacht hat. Nicht mehr jeden Tag, in jeder freien Minute, mal schnell, irgendwie mal kurz irgendwo was gucken, sondern das gezielt zu machen, sich entweder täglich ein bestimmtes Zeitfenster einzuräumen, in dem nur dann wirklich gezielt nach Nachrichten geschaut wird, dann aber auch diverser. Also nicht nur eine Quelle, sondern zu versuchen dann zu einem Thema verschiedene Quellen zu sehen und / oder als Alternative dann vielleicht einmal die Woche die Zeit anzusammeln, die du sonst täglich nutzen würdest, um dich dann in ein Thema zu vertiefen. Weil es ja genau das ist, was diese Negativität und auch diese Negativitätsspirale dann auch bedingt oder befeuert. Wenn ich alles nur so ganz kurz anreißt, dann habe ich überhaupt gar keine Möglichkeit, da weiter in die Tiefe zu gehen. Und dann nehme ich die Welt vielleicht auch wieder viel negativer wahr, als sie eigentlich ist.

Carsten Ja, das stimmt. Also das kann ich für mich jetzt in den vergangenen zwei Wochen tatsächlich so bestätigen. Ich hatte jetzt im Nachgang festgestellt, dass so bestimmte Entwicklungen wie z.B. die Letzte Generation betrifft, die sind komplett an mir vorbei gelaufen. Etwas, was ich mir vorher nicht passiert wäre. Als ich noch aktiv konsumiert habe, war ich eigentlich so wirklich up to date, was das betrifft. Jetzt sind solche Sachen, die für mich ursprünglich sehr, sehr wichtig waren, so an mir vorbei gelaufen. Das habe ich aber gar nicht so als ärgerlich wahrgenommen, weil ich gemerkt habe, dass mich diese ganze Berichterstattung ja auch zu einem gewissen Teil in Anspruch nimmt, manchmal aufregt, also sogar sehr häufig aufregt.

Wie die Reaktion jetzt konkret über die Letzte Generation in den Medien stattfindet. Also dieses Bashing, was dort stattfindet, das regt mich auf und das nimmt mir aber letztendlich auch viel von meiner ja vielleicht auch Kreativität oder auch Energie. Ich kann das ganz schlecht bemessen. Ich weiß jetzt nicht wie anstrengend so ein normaler Tag mit Medienkonsum für mich vorher war, aber was ich jetzt im Kontrast wahrnehme ist, dass ich viel lösungsorientierter, viel positiver denke. Also ich mache mir mehr Gedanken darüber, was kann ich jetzt in der Welt gestalten, worauf habe ich jetzt eigentlich Lust, was will ich verändern? Und das sind so Gedanken, da hatte ich vorher gar keine Zeit dafür, weil ich die Zeit mit anderen Dingen, auch mit diesen negativen Facetten, mit der Auseinandersetzung mit dem, was so in der Welt passiert gefüllt hatte. Und diesen Freiraum, den fühle ich jetzt gedanklich tatsächlich eher so im positiven Sinne. So kommt es mir zumindest im Moment vor.

Stefanie Es ist ja auch dieser Fakt, dass wir eher auf Negatives gepolt sind und immer gucken wo ist der Tiger, wo ist die Gefahr? Und dann eher auch einfach von unserem Gehirn her danach schauen was könnte schlecht sein. Und deswegen ist es auch anstrengender dann bewusst auf das Positive zu gucken. Und wenn wir uns jetzt die ganze Zeit bombardieren lassen mit Negativität und negativen Fakten, negativen Nachrichten, dann sehen wir das ganze Positive überhaupt nicht mehr. Und dieses Phänomen habe ich auch während des Bildungsurlaubs erlebt. Eine Person von den beiden, die so sehr negativ eingestellt waren, hat gesagt, dass sie jeden Morgen das Morgenmagazin guckt und wenn sie zu der Zeit das nicht gucken kann, dann nimmt sie es auf. Es ist dieser Person sehr wichtig das zu gucken, was ja aber auch wieder dem unterliegt, dass ich informiert sein möchte. Das ist ja nichts Schlechtes, informiert sein zu wollen, sondern auch was Gutes. Nur, dass du da immer und immer wieder mit irgendwelchen Aufregern auf irgendeine Art dann bombardiert wirst.

Und da greift dann wieder diese Formel von Ronja von Wurmb-Seibel, die sagt Scheiße plus X. Also wenn du das Gefühl hast, nachdem du Nachrichten konsumiert hast, dass es dir schlechter geht, dann fehlte da höchstwahrscheinlich das X. Dann mach dich auf die Suche nach dem X. Was könnte das sein? Welche Lösung könntest du finden? Und da hat sie, wie gesagt, in ihrem Buch sehr viele Tipps dazu, wie du dich da auf die Suche machen kannst und auch eine Art Anleitung wie du Medien bzw Nachrichten positiver konsumieren kannst. Und auch noch mal, ich muss es immer wieder sagen, es geht nicht darum jetzt wirklich alles irgendwie positiv zu sehen. Es geht auch nicht darum alles schönzureden, sondern es geht wirklich darum, diesen Fokus vom Negativen wegzunehmen. Das Negative ist trotzdem noch da, aber es gibt auch was Positives und das geht immer unter, wenn wir nur das Negative sehen.

Und dazu hat die Autorin auch zwei Tests, Quizmöglichkeiten verlinkt - in dem eBook sind sie verlinkt, aber im Hörbuch natürlich nicht und im Buch auch nicht - aber es gibt diese Links, die werde ich auch hier in den Shownotes noch mal verlinken. Das ist ganz spannend. Carsten und ich haben das ein Quiz auch durchgemacht. Es gibt inhaltlich ganz viele Möglichkeiten, es ist allerdings fast alles auf Englisch. Das heißt wenn Englisch jetzt nichts für dich ist - ich habe noch kein deutsches Pendant gefunden - dann ist es leider keine gute Quelle für dich, aber wenn Englisch kein Problem ist, schau mal da vorbei. Da werden verschiedene Fragen gestellt, die von den meisten Menschen tatsächlich falsch beantwortet werden. Und wir greifen da jetzt einfach mal eine Beispielfrage raus.

Carsten In der Frage geht es darum herauszufinden, wie hoch der Gesamtanteil von Gas, Kohle und Öl an der weltweit verwendeten Energie ist. Und da gibt es drei Antworten zur Auswahl entweder ungefähr 40 % oder ungefähr 60 % oder ungefähr 80 %.

Stefanie Und du kannst ja mal kurz innehalten und überlegen, was du meinst. Ist es jetzt eher 40 % oder eher 60 % oder 80 %? Was denkst du, wie hoch ist der Gas, Kohle und Öl Anteil an der Gesamtenergie weltweit? Dann lösen wir mal auf.

Carsten Und es sind 80 %.

Stefanie Und wenn du jetzt die Frage falsch beantwortet hast, dann geht es dir wie 60 % der Menschen, die diese Frage schon beantwortet haben. Viele glauben tatsächlich, dass der Anteil an fossilen Energieträgern geringer ist, weil so viel über erneuerbare Energien gesprochen wird. Aber es ist gar nicht so und tatsächlich ist es auch so, dass von diesen verbleibenden 20 %, nicht alles erneuerbare Energie ist, sondern fast 10 % kommt davon, dass Pflanzen verbrannt werden, also Wald, Holz, Kohle und Müll, was dann natürlich auch wieder Rauch verursacht und das dann wieder zum CO2 in der Atmosphäre beiträgt, bis wieder neue Pflanzen dann so weit gewachsen sind.

Dann kommen da noch 5 % Nuklearenergie dazu und nur 6 % erneuerbare Energien, was sich aufteilt in jeweils 2 bis 3 % Wasser und 2 bis 3 % Wind und Solarenergie. Und das ist wirklich, wenn man überlegt okay, es sind nur 6 %, also das heißt, da kann noch einiges ausgebaut werden, da ist noch ganz viel Potenzial. Da ist es dann auch so. Ja, okay, wir können tatsächlich was bewirken, wenn wir gegen fossile Energieträger auf die Straße gehen oder wenn wir uns auf verschiedenste Art dagegen wehren und auch nicht nur dagegen sind, sondern aktiv uns daran beteiligen die erneuerbaren Energien auszubauen. Das jetzt als Beispiel.

Und so gibt es da in diesen Tests ganz viele verschiedene Fragen, die uns zeigen, dass wir die Welt meistens viel negativer sehen, als sie eigentlich ist. Das soll die Probleme natürlich nicht kleinreden, die es gibt. Nur ermöglicht es uns auf jeden Fall auch einen größeren Handlungsspielraum. Denn wenn wir denken, das Problem ist viel größer, als es eigentlich ist oder viel negativer, dann fühlen wir uns auch viel schneller ohnmächtig. So dass wir denken okay, es hilft sowieso nichts mehr, wir können eh nichts mehr tun. Und das ist genau der Zustand, in dem sich auch die beiden sehr negativ eingestellten Personen in meinem Bildungsurlaub befunden haben, die der Meinung waren na ja, wir können ja eh nichts mehr ändern. Und ich war mehrmals an einem Punkt, wo ich es einfach laut ausgesprochen habe. Das war kurz bevor ich mein Nervenzusammenbruch hatte, habe ich dann gesagt: Gut, dann lass uns jetzt den Bildungsurlaub hier beenden, wir können eh nichts machen, alles ist scheiße. Dann gehen wir jetzt nach Hause. Das war's dann. Warum seid ihr hier?

Und natürlich ist das jetzt hier keine Anschuldigung, dass diese beiden Menschen vor allem sehr böse, negative Menschen sind oder so was, sondern es ist ja unsere gesellschaftliche Gesamtkonstruktion und die Art und Weise, wie wir Nachrichten konsumieren und wie Nachrichten auch konzipiert sind, auf jeden Fall auch, was uns dazu bringt, dass wir so negativ denken. Also wie gesagt, es gibt einerseits die Art und Weise, wie negative Nachrichten so aufgebaut sind, dass da diese Formel nicht drin ist, dass das plus X zur Scheiße fehlt. Und zum anderen, dass unser Gehirn einfach darauf angelegt ist, dass wir eher das Negative sehen als das Positive. Und deswegen ist es so super super wichtig, dass wir da täglich trainieren gegen anzuhalten und dass wir uns immer auf die Suche nach diesem X machen. Bei den Nachrichten und generell bei allem was wir so recherchieren.

Da ist es tatsächlich dann auch oft hilfreicher, um auf dem Laufenden zu bleiben oder generell sich über ein Thema zu informieren, wenn du da ein Sachbuch dazu liest, zum Beispiel, weil das viel stärker recherchiert ist und viel stärker in die Tiefe geht oder ein Magazin zu diesem Thema. Also vielleicht etwas, was einen Themenschwerpunkt hat, wo dann eine Vielfalt von Artikeln zu einem Thema existiert oder oder oder. Also Dinge, die dann diverser sind als das, was wir so mal schnell nebenher konsumieren oder was vielleicht auch in einer Viertelstunde in den Nachrichten dann präsentiert wird, in irgendwelchen Schlagzeilen.

Carsten Oder aber auch der Umstand, dass ich vielleicht nicht unbedingt immer eine Meinung haben muss. Also ich neige auch dazu, im Alltag reflexhaft irgendwo eine Meinung äußern zu müssen. Tatsächlich gibt es aber ganz viele Themen, wo ich mich wirklich nicht inhaltlich so tief eingearbeitet habe, dass ich eine handfeste Meinung habe. Ich glaube immer eine Meinung haben zu müssen ist wirklich - mir kommt das wie so ein Reflex vor. Aber am Ende des Tages muss ich mir auch eingestehen, dass es vielleicht auch mal angebracht ist zu sagen: Hey, da habe ich noch keine Meinung. Ich habe mir meine Meinung nicht gebildet, weil ich mich mit dem Thema noch nicht so intensiv auseinandergesetzt habe, dass ich wirklich weiß, was das Thema betrifft oder mich noch nicht so wohlfühle, um wirklich alle Facetten, die für mich wichtig wären, um eine Meinung zu bilden, schon irgendwie konsumiert hätte. Das ist Königsklasse, da bin ich auch noch nicht. Aber ich habe auch den Eindruck, dass das auch ein ganz wichtiger Aspekt ist, um auch mit negativen Informationen umzugehen. Zu sagen: Hey, ja, nehme ich wahr, aber ich habe mich damit noch nicht beschäftigt, ich habe noch keine Meinung dazu.

Stefanie Das ist vielleicht auch irgendwie Übungssache, denke ich mir. Denn in meinen Kursen werde ich ja ständig nach meiner Meinung zu allen möglichen Sachen gefragt. Und bei manchen Sachen muss ich dann auch einfach sagen „Nee, sorry, habe ich keine Meinung zu, habe ich mich noch nicht darum gekümmert. Kann ich dir nicht sagen. Ich kann nur sagen vielleicht so so aber ich habe da einfach noch keine Meinung zu.“ Das ist dann einfach so und vielleicht ist es auch ganz individuell, wie wir damit umgehen. Das ist für dich als alter weißer Mann was anderes ist keine Meinung zu haben, als für mich als alte weiße Frau. Also von daher.

Carsten Ich sage mal ja.

Stefanie Wobei wir dazu sagen müssen alter weißer cis-Mann und alte weiße cis-Frau. Do müssen wir es noch genauer definieren. Ich versuche mir das jetzt alles anzugewöhnen, aber ich bin in diesem Bereich immer noch nicht sattelfest, was das angeht. Und sattelfest ist jetzt wiederum etwas, was ich eigentlich gar nicht sagen sollte. Wir nehmen mal Fahrradsattel, das ist doch viel besser.

Carsten Daran hatte ich auch gedacht.

Stefanie An was hab ich denn sonst gedacht? Ich habe immer an den Fahrradsattel gedacht.

Carsten Genau, wie kämen wir auf den Gedanken, uns irgendwelcher Tiere zu bemächtigen?

Stefanie Genau. Also Sprache. Sprache ist ein Thema, was uns noch lange begleiten wird. Genau. Also Vorstellungswelten. Guck mal, jetzt habe ich einen super Übergang. Ich habe die ganze Zeit überlegt, wie kann ich noch eine Überleitung schaffen zu einem anderen Thema, was mir wichtig ist, nämlich Vorstellungswelten, Geschichten erzählen. Und das ist genau das, womit tatsächlich dieses Buch von Ronja von Wurmb-Seibel auch endet. Sie fordert uns dazu auf, uns eine positive Zukunft zu erträumen in allen Facetten. Und natürlich geht es nicht darum, dass die Zukunft dann genau so auch Gegenwart werden wird, sondern dass dadurch einfach neue Möglichkeitsräume entstehen. Denn nur wenn wir uns etwas vorstellen können, kann das auch Wirklichkeit werden.

Ein Beispiel dafür ist nämlich genau das, was ich vorhin sagte: Ich muss mich als cis-Frau definieren, denn nur so kann es auch trans-Frauen geben. Und diese Menschen, also die trans-Frauen werden dann mitgedacht. Aber wenn es nur Frauen und Männer gibt in diesem binären System, dann ist da kein Platz für alles andere und die Vorstellungswelt ist überhaupt nicht da. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Es gibt natürlich noch viele, viele, viele andere Möglichkeiten, diese Notwendigkeit der Vorstellungskraft zu illustrieren. Und wir sehen das auch daran, wie wir uns die Zukunft vorstellen. Ich habe das schon sehr oft genannt. Ich nenne es jetzt wieder, weil es in diesem Rahmen ja wieder genannt werden muss. Auf jeden Fall.

Wir können uns sehr gut negative Zukünfte erträumen. Darin sind wir super, aber positive Zukünfte können wir uns kaum erträumen. Es fällt uns sehr schwer, uns auszumalen, wie unser Alltag aussehen könnte, wenn wir den Wandel schaffen, wenn alles gut ausgeht, wenn wir ein gutes Leben für alle schaffen. Und das ist etwas, was wir trainieren sollten. Und mit jeder Geschichte, die wir erzählen, also jeder individuellen Geschichte, kommt da ein Puzzlestück hinzu zu dieser Welt, dieser Zukunft, dieser klimagerechten Zukunft, in der ein gutes Leben für alle möglich ist. Und wir brauchen ja wirklich alle dafür, damit wir uns diese Zukunft vorstellen können. Weil wir alle ein bisschen anders denken und alle irgendwie eine andere Wirklichkeit haben. Und deswegen ist es einfach so wichtig, dass wir unser Gehirn austricksen, diese Negativität überwinden und es schaffen, auch das Positive zu sehen.

Also nicht nur die Scheiße. Um jetzt noch mal auf Ronja von Wurmb-Seibel zurückzukommen, sondern auch das X und uns dann auszumalen, wie denn unser Alltag aussehen könnte, wenn wir es geschafft haben. Wenn wir uns wohl und sicher fühlen, wenn es uns gut geht und nicht nur uns persönlich, sondern auch allen Lebewesen auf diesem Planeten. Wie kann das aussehen?

Und jetzt nicht: „Ja, aber…“! Kein, wie Rob Hopkins das nennt, Pastsplaining. Sondern fröhlich in die Zukunft schauen. Versuch's zumindest. Das ist ein gutes Powerup, Tag zu träumen und dir diese Welt vorzustellen. Und ich bin wirklich dankbar dafür, dass das Buch so endet. Denn es bestärkt mich noch mal darin, dass ich mich auf diese Geschichten fokussieren kann. Und ich werde das auch in den nächsten Monaten weiter tun. Mal schauen, was sich daraus wird. Ich werde dich, liebe·r Hörer·in, da auch benachrichtigen, wenn sich da was Neues ergibt. Es gibt übrigens auch einen Newsletter, in den du dich eintragen kannst. Ich verlinke denn hier auch noch mal entweder direkt im Text kannst du ihn anklicken oder unter der Folge in den Shownotes kannst du auch schauen. Das heißt, da würdest du dann sofort informiert werden. Über kurz oder lang wirst du aber auch über den Podcast dann davon erfahren, wenn du dich nicht über den Newsletter eintragen möchtest. Also das nur nebenbei.

So, diese Folge sollte eigentlich wieder nur eine halbe Stunde dauern. Leider hat das mal wieder nicht funktioniert. Wir hoffen, dass du hier nicht nur die Scheiße mitgenommen hast, sondern auch das Plus X gefunden hast und empfehlen dir auf jeden Fall das Buch von Ronja von Wurmb-Seibel zu lesen. Wir haben es nicht als Rezensionsexemplar. Wie gesagt, ich habe mir das ausgeliehen als Hörbuch und als eBook und hab da dann einfach im Schnelldurchlauf das alles konsumiert. Carsten hat's auch noch nicht gelesen und wird es natürlich noch tun.

Carsten Genau.

Stefanie Großartig. Genau. Und dann bedanke ich mich noch mal bei all den Menschen, die uns über Steady finanziell unterstützen. Bei den Menschen die Transkripte Korrektur lesen. Da sind übrigens immer noch 200 offen. Also falls du da Interesse hast, Zeit investieren möchtest, dann bist du herzlich willkommen eine Folge Korrektur zu lesen. Und ja, bei den Menschen, die generell uns auf irgendeine Art unterstützen. Danke.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 287 - Klimakleber im historischen Kontext

Ein Beitrag

Folge 287 - Klimakleber im historischen Kontext

Ob Klima - RAF, Ökoterrorist·innen oder Moor-Taliban - von Aktivist·innen, die konsequent für die Rettung unserer Lebensgrundlage eintreten, wird aktuell schnell ein gewaltbereites, demokratiefeindliches Bild gezeichnet, das in keinem Verhältnis zu ihren Aktionen steht.

Gerade die sogenannten "Klimakleber" der Letzten Generation üben ausschließlich gewaltfreien, friedlichen Widerstand aus. Und auch die "Moor-Taliban" - in diesem Fall wurden Verteter·innen des Greifswalder Moorzentrums so bezeichnet - reden nur über Maßnahmen zur Wiedervernässung der Moore, um das Klima zu schützen. Sie setzen diese Maßnahmen keinesfalls gewaltvoll um.

Trotzdem diskutieren Menschen landesweit darüber, wie die Klimakleber die Gesellschaft spalten und sie der Klimabewegung mehr schaden als nützen.

Wir stellen dieses Phänomen in einen historischen Kontext und zeigen, dass auch bei früheren gesellschaftlichen Bewegungen, es immer wieder Aktionsformen gab, die eine ähnliche Reaktion hervorgerufen haben. Und dass es meist diese Aktionsformen waren, die letztlich der Bewegung zum Erfolg verholfen haben.

Links zur Folge

Buch "Wie man eine Pipeline in die Luft jagt - Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen" Andreas Malm
https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/wie-man-eine-pipeline-in-die-luft-jagt.html

Umfragen zur Bürgerrechtsbewegung in den 1960ern in den USA [EN]
https://news.gallup.com/vault/246167/protests-seen-harming-civil-rights-movement-60s.aspx

Studie zu den sozialen Kipppunkten [EN]
https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1900577117

Soziale Kipppunkte im Klimawandel - Deutschlandfunk
https://www.deutschlandfunk.de/soziale-kipppunkte-klimawandel-100.html

Öffentliches Statement AnästhesistInnen/ NotärztInnen zu Aktionen der Letzten Generation:
https://yewtu.be/watch?v=0nnhYYssz4I

Musik: "A.W.M." und "Protest ist cool aber anstrengend" von Madsen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Heute sprechen wir über ein Thema, über das wir eigentlich gar nicht sprechen wollten, nämlich über die sogenannten Klimakleber, also die Letzte Generation und ihre Protestformen. Allerdings wollen wir das in einen größeren Kontext setzen. Warum sprechen wir jetzt darüber? Ich bin in letzter Zeit tatsächlich persönlich öfter in Kontakt mit diesem Thema gekommen, in dem ich Menschen gehört habe, die darüber gesprochen haben oder wirklich persönlich angesprochen wurde und in Diskussionen zu diesem Thema verwickelt, weswegen ich jetzt dachte: Komm, wir haben da noch so ein Buch, was wir sowieso besprechen wollten, verbinden wir das eine mit dem anderen und sprechen jetzt nicht nur darüber, wie wir, Carsten und ich, persönlich über die Letzte Generation und ihre Protestformen denken, sondern setzen das sowohl in einen weiteren, als auch in einen historischen Kontext. Und erzähl doch mal kurz, um welches Buch es sich handelt.

Carsten Ja, das Buch kommt aus dem Jahr 2020, ist also gar nicht so alt und wurde von Andreas Malm geschrieben und trägt den provokanten Titel „Wie man eine Pipeline in die Luft jagt.“ Es hat den Untertitel „Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen.“ Das Buch selber, das habe ich schon vor einiger Zeit mal irgendwo mitbekommen, dass es das gibt. Und der Titel hatte mich, warum auch immer, angesprochen und es liegt aber auch schon eine Zeit lang zurück, dass ich das Buch gelesen und rezensiert hatte. Also für mich rezensiert. Also nicht irgendwie öffentlich, sondern einfach mal niedergeschrieben, was für mich wichtig ist. Und im Rahmen dieser ganzen Thematik, die jetzt gerade so in der Medienlandschaft breitgetreten wird, fand ich das eigentlich ganz passend jetzt genau diese Verbindung zwischen dem, was mit diesen Klimaklebern und und wie sie alle diffamiert werden an Thematik zu verbinden und zu gucken was gibt es denn tatsächlich im Rahmen von Protest und Widerstandsbewegung noch zu berücksichtigen?

Stefanie Ja, schauen wir mal genauer hin: Was macht die Letzte Generation eigentlich? Im Grunde sind es Menschen, die sich an Dingen oder auf der Straße festkleben. Und was fordert die Letzte Generation? Ein Tempolimit auf der Autobahn, ein 9 € Ticket und einen Bürgerrat. Also es sind ja alles keine bahnbrechenden Dinge, die da gefordert werden. Es ist eigentlich etwas, was sowieso schon so diskutiert wird, ist also jetzt nicht revolutionär. Es wird nicht gefordert, das System zu stürzen.

Carsten Ja, es ist sehr niederschwellig, das, was da an Forderungen gestellt wird.

Stefanie Und die Aktionsform ist mitnichten gewaltvoll. Aber den Protestierenden bzw. den Aktivist·innen schlägt sehr viel Gewalt mittlerweile entgegen, sowohl verbal als auch nonverbal. Und das nicht nur von Menschen, die bisher noch nicht aktiv fürs Klima geworden sind, sondern auch aus den eigenen Reihen. Da habe ich persönlich viel von Spaltung bisher gehört und mir wurde auch gesagt, dass die Letzte Generation gerade durch diesen Namen „die Letzte Generation“ Angst und Schrecken verbreitet und durch ihre Aktionen eher schadet als nützt. Und gerade dieses eher Schaden als Nutzen führt uns eigentlich dann jetzt in den weiteren und in diesem Fall historischen Kontext. Denn solche Protestformen wurden auch schon früher als etwas gedeutet, was der Bewegung, für die diese Protestformen eingesetzt wurden, eher schadet als nützt.

Ganz konkret möchte ich das an dem Beispiel der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren in den USA festmachen. Da hatte ich einen Artikel von 2019 noch mal rausgesucht, wo einige Zahlen veröffentlicht wurden. Da wurden nämlich Umfragen gemacht in den 1960er Jahren, die jetzt veröffentlicht wurden. Die wurden damals bestimmt auch schon veröffentlicht. Aber jetzt ist es interessant für uns, nämlich die Frage, ob diese Protestformen wie zum Beispiel Sit ins oder Freedom Busses oder andere Demonstrationen von N***** eher schaden oder nützen in dieser Bürgerrechtsbewegung und bei der Chance , dass die Rassentrennung aufgehoben wird und da haben 57 % gesagt, dass es eher schadet und 27 % haben gesagt, dass es hilft. Also auch da waren die meisten der Meinung, dass es eher schadet.

Das waren jetzt Zahlen von 1961 und dann werden auch noch Zahlen von 1963 und 1964 genannt. Und auch hier wieder die Frage: Hilft es mehr oder schadet es mehr wenn N**** in großen Demonstrationen auf die Straßen gehen und 1963 haben 60 % gesagt, dass es mehr schadet, als dass es hilft und 27 % haben gesagt, dass es hilft. Und 1964 war es dann so, dass 74 % gesagt haben, dass es mehr schadet. Und 16 % haben gesagt, dass es hilft. Das heißt, mit der Zeit, als die Demonstrationen immer größer geworden und immer mehr Menschen auf die Straße gegangen sind und das ganze Thema auch populärer geworden ist, haben immer mehr Menschen, die befragt wurden, gesagt, dass diese Demonstrationen eher schaden, als dass sie helfen. Je populärer es wurde, desto größer war die Meinung: das schadet der Bewegung.

Carsten Da würde ich jetzt ganz gerne überleiten zu den Inhalten des Buches, was ich da gelesen hatte. Also wie gesagt, der Titel heißt „Wie man eine Pipeline in die Luft jagt.“ Ich muss vorwegnehmen: es gibt keine Anleitung. Also es ist jetzt nicht so, dass da wirklich eine plastische Anleitung drinsteht, wie die Personen, die das Buch lesen, dann nachher in die Lage versetzt werden, irgendwelche Pipelines in die Luft zu jagen. Nichtsdestotrotz ist der Gegenstand dieses Buches tatsächlich die Art und Weise, wie Protest gelebt wird. Protest und Widerstand. Und da wird noch mal ein Narrativ hervorgehoben, und zwar konzentriert sich der Autor Andreas Malm in seiner Aussage sehr stark auf die Bewegung Extinction Rebellion, weil die sehr populär zu dem Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches sind und waren und auch einen sehr stark gewaltfreien Ansatz verfolgten und verfolgen. Das heißt also, da wird nur der gewaltfreie Widerstand propagiert und Andreas Malm spricht dort, dass in der - er dehnt das aus auf die Klimagerechtigkeitsbewegung insgesamt - dass dort ein sogenannter strategischer Pazifismus vorherrscht. Das heißt also dieses Denken, wir können gesellschaftliche Umbrüche tatsächlich nur durch einen gewaltfreien Widerstand erwirken ist das vorherrschende Narrativ in der Klimagerechtigkeitsbewegung.

Da greift Andreas Malm ein in seinem Buch und sagt Nein, das ist eine geglättete Geschichtsauffassung, die einfach wichtige Facetten ignoriert, außen vor lässt, entweder aus Unwissenheit oder weil sie aus irgendwelchem, ich sag jetzt mal auch politischen, strategischem wie auch immer Kalkül einfach nicht diesem vorherrschenden Narrativ eines gewaltfreien Widerstands zuträglich ist und geht dort auch noch mal auf historische Kontexte ein. Und im Rahmen dieser Bürgerrechtsbewegung, das ist ja damals auch mit Martin Luther King, der dort in den 60er Jahren als das prominenteste Beispiel mit reingelaufen ist, der nach außen hin als der Verfechter dieses gewaltlosen Widerstandes gilt und ja auch entsprechend – bitte nicht negativ verstehen - ikonisiert wird. Ja, er ist ja eine Ikone, war damals eine Ikone, hatte aber auch tatsächlich damals schon Personen, die dieser Haltung kritisch gegenüberstanden und eine sehr prominente Person, die auch im gleichen geschichtlichen und zeitlichen Kontext aktiv war, in dieser damaligen Bürgerrechtsbewegung ist Malcolm X, der sich sehr klar dafür ausgesprochen hat, dass es auch einen gewaltbereiten Widerstand geben muss.

So, und das ist tatsächlich etwas, was Andreas Malm in seinem Buch noch mal ausdrücklich betont, dass es diese klassische Sichtweise von ich sag jetzt mal sozialen Eruptionen in sozialen Bewegungen ausschließlich mit diesem gewaltfreien Widerstandshintergrund gar nicht gibt, sondern die Protestformen, die auch heute vielleicht so ein bisschen aus der Historie als gewaltfrei wahrgenommen werden, wurden immer durch einen gewaltbereiten Flügel frankiert - nicht frankiert, sondern flankiert.

Stefanie Wobei frankiert auch interessant wäre, sich das so zu überlegen. So Briefmarkenmäßig. Du kriegst da so einen Stempel drauf und damit wird der gewaltfreie Protest abgeschickt mit dem gewaltvollen...

Carsten Womit wir bei den Suffragetten und bei den brennenden Briefkästen wären. Auch da, in der Frauenrechtsbewegung, die Suffragetten sind ja jetzt auch nicht gewaltfrei unterwegs gewesen, sondern da hat es ja ordentlich gescheppert. Die mussten sich ja zumindest in späteren Phasen, wo der Protest tatsächlich, ich nenne es jetzt mal auch aktiver zu spüren war, Gehör verschaffen und auch durch das, was ich gerade schon sagte, Briefkästen anzünden, Scheiben einschlagen, also Schaufensterscheiben etc. Damit wird ja auch Druck ausgeübt. Also auch weit weg von einem rein pazifistischen, gewaltfreien Anliegen. Und Ähnliches finden wir in der Historie auch zum Beispiel bei der Anti Apartheidsbewegung. Nelson Mandela ist da das Aushängeschild, auch die Ikone. Da muss man auch zu sagen, dass Nelson Mandela dem bewaffneten Arm des ANC damals angehörte und er war der Führer des bewaffneten Flügels, die auch mit gewaltbereiten Mitteln versucht haben, das Apartheidsregime zu stürzen. Und dafür ist er auch ins Gefängnis gekommen. Und das sind alles historische Beispiele, die einfach zeigen: Pass mal auf, so diesen richtig gewaltfreien Widerstand, der dann ausschließlich dazu geführt hat, dass sich bestimmte historische Kontexte schlagartig ändern, den gab es nicht.

So und Andreas Malm geht dort auch noch mal auf die Person Gandhi ein. Da muss ich vielleicht noch mal so ein bisschen die die Kurve kriegen, weil die Phase, die Gandhi zur Ikone gemacht hat, war sehr geprägt durch gewaltfreien Widerstand. Gandhi selbst war aber gar nicht in seiner kompletten Biografie ausschließlich gewaltfrei. Auch der hatte in seiner, ich sag jetzt mal jüngeren Lebensphase, Situationen, wo er tatsächlich mit der britischen Armee gemeinsam gekämpft hat. Der war auf dem afrikanischen Kontinent in der britischen Armee und hat dort gemeinsam mit der britischen Armee, ich sag jetzt mal, koloniale Gefechte ausgefochten, bis er dann in späteren Lebensphasen sich gegen die britische Armee gewandt hat. Und da sagt Andreas Malm aus meiner Sicht auch so ein bisschen zu Recht: okay, es wird in dieser Ikonisierung des gewaltfreien Widerstands gerade hinsichtlich Gandhis Rolle bei der Befreiung Indiens immer so dargestellt, als ob Gandhis Bewegung dazu geführt hat, dass Indien sich vom britischen Königreich losmachen konnte. Und das ist nicht vollständig. Er hat einen maßgeblichen Anteil, vielleicht auch den Hauptanteil. Aber es ist nicht ausschließlich das gewesen, sondern es haben andere historische Bewegungen und Entwicklungen stattgefunden, die dem zuträglich waren, dass sich Indien damals lossagen konnte.

Anders lässt sich zum Beispiel auch nicht erklären, warum das britische Königreich insgesamt in sich mehr oder weniger zusammengefallen ist. Es war ja nicht nur Indien, das der britischen Krone unterstand, sondern auch andere Territorien und Länder. Auch die haben sich im ähnlichen Zeitkontext vom britischen Königreich entflechten können. Ich will sagen, es ist nicht ausschließlich nur dieser gewaltfreie Widerstand, der zu sozialen Umbrüchen führt, sondern man muss das ein bisschen komplexer sehen, mehr Wechselwirkungen mit einbringen. Und was Andreas Malm dort hervorhebt auch berücksichtigen, dass es immer diesen gewaltbereiten, bewaffneten, teilweise flankierenden Flügel oder Arm gegeben hat in den einzelnen Sozialbewegungen, die wichtig waren, die jetzt nicht als Störfeuer wahrgenommen wurden. Oder wurden sie vielleicht in der Bewegung auch, die haben auch zu einer Spaltung geführt, haben auch innerhalb der entsprechenden sozialen Bewegung dafür gesorgt, dass man sich positionieren musste. Bist du für oder gegen Gewalt? Aber die haben ein sehr kritisches Moment immer mitgespielt und ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass bestimmte soziale Disruption, Umstürze nicht funktioniert hätten, wenn es diese Gewaltbereitschaft nicht gegeben hätte.

Stefanie Ja, ich möchte da noch mal ergänzen zwei bis mehrere Punkte, je nachdem, ich bin mir nicht sicher, aber zum einen zu den Suffragetten. Es ist ja auch so, dass der gewaltbereite Widerstand der Suffragetten und der Aktivismus auf Jahrzehnten von friedlichem Widerstand basiert, der einfach nicht wahrgenommen, nicht beachtet wurde und dann darin gemündet hat, dass da in dem Fall Frauen gesagt haben wir müssen jetzt einfach gewaltvoll vorgehen. Aber dann ja auch nicht Gewalt gegen Menschen, sondern Gewalt gegen Dinge – was ja auch, ich nehme Carsten quasi die Worte jetzt aus dem Mund, Teil des Buches ist, da geht Carsten vielleicht gleich noch mal drauf ein. Aber um jetzt meine Gedanken noch zu Ende zu führen: Also zum einen, dass gewaltvoller Protest, wie gesagt Gewalt gegen Dinge, nicht gegen Lebewesen, immer schon quasi ein fester Bestandteil war und letztlich auch zu einem sozialen Kippung geführt hat und soziale Kipppunkte sind tatsächlich etwas, wozu auch schon wissenschaftlich geforscht wurde. Ich verlinke da gerne auch noch mal ein paar Internetseiten und Studien in den Shownotes, dass du da dich auch nochmal einlesen kannst. Und in diesen Studien werden die sozialen Kipppunkte so beschrieben, dass nur 20 bis 25 % der Bevölkerung für ein Thema eingenommen sein müssen, damit die Stimmung komplett kippt. Es muss also nicht die Mehrheit sein, sondern 20 bis 25 % reichen schon aus. Und es geht auch darum, dass nur 3,5 % der Bevölkerung aktiv sein müssen, damit die Stimmung kippt, also damit dann dieser soziale Kipppunkt erreicht werden kann.

Es ist also eine relativ verhältnismäßig kleine Masse, die da aktiv sein muss und je nachdem wer da betroffen ist und um was es geht, können auch schon ein, zwei Menschen ausschlaggebend sein und das finde ich immer wieder sehr hoffnungsvoll, sag ich mal, das gibt mir persönlich auch Hoffnung, dass auch Einzelpersonen und kleine Gruppen, so wie ich das immer schon wieder mantramäßig erwähne, etwas bewirkt haben und auch bewirken werden, dass also auch Du, liebe Hörerin, lieber Hörer etwas bewirken kannst. Aber natürlich sollte die Last nicht auf Einzelpersonen liegen, also das ist schon klar, aber es ist möglich, dass du etwas bewirken kannst. Und was noch wichtig ist, ist, dass im historischen Kontext betrachtet Dinge, die damals stattgefunden haben, also zum Beispiel bei der Bürgerrechtsbewegung, damals, als die Menschen mittendrin waren und diese Proteste erlebt haben und es undenkbar erschien, die Rassentrennung aufzuheben, Bürgerrechte anzugleichen und etwas zu verändern, da wurden diese Proteste als schädigend empfunden. Aber jetzt, wenn wir jetzt von heute auf die Vergangenheit gucken, sehen wir sie eher als sozialen Kipppunkt und sehen sie als das, was letztlich den Wandel angestoßen hat und was dazu geführt hat, dass wir heute denken, wie konnte man denn damals so denken? Und das nicht nur bei der Bürgerrechtsbewegung in den USA, sondern auch beim Frauenwahlrecht und bei vielen anderen gesellschaftlichen Bewegungen.

Und so sehe ich das jetzt auch gerade bei der Diskussion um die Letzte Generation, dass sie jetzt gerade, in unserer jetzigen Gegenwart als schädigend empfunden werden, also die Aktionen, die sie durchführen und wir vielleicht in zehn Jahren sie als den sozialen Kippunkt sehen können - das wissen wir natürlich nicht, denn die Zukunft ist ungewiss - der dann dazu geführt hat, dass wir endlich als Gesellschaft in Richtung „Wir werden alle aktiv fürs Klima“ kippen.

Carsten Ja, und da leite ich jetzt nochmal kurz auf die Gedanken, die Andreas Malm in seinem Buch „Wie man eine Pipeline in die Luft jagt“ hinterlegt hat. Zum einen, was ich da sehr interessant und vielleicht auch vom Kontext her wichtig und auch gewichtig finde ist, dass er sagt: Du kannst die damaligen historischen Beispiele, die wir jetzt so genannt haben mit der Frauenrechtsbewegung, den Suffragetten, Ende der Apartheid, Ende der Sklaverei, was ja auch öfters mal mit reingebracht wird als Beispiel oder auch den Sturz von Diktatoren und Autokraten, was jetzt ja gerade mit dem arabischen Frühling etc. immer mal wieder als Beispiel mit reingegriffen wird, das alles kannst du eigentlich gar nicht mit der jetzigen Situation vergleichen, weil das Problem, dem wir uns jetzt gegenüber stellen, ungleich größer ist. Es ist kein Einzelphänomen, wobei die anderen auch keine Einzelphänomene waren. Das waren auch schon extremst große Themenfelder. Aber gegen das, was wir jetzt gerade ankämpfen, ist dieses business as usual unsere ganz normale Alltagspraxis, also das, was wir als Praktiken im Alltag, auch im beruflichen Kontext, im wirtschaftlichen Kontext leben, das ist das, gegen das wir gerade angehen. Und das führt natürlich genau zu dieser Reibung, die die Letzte Generation da hervorruft.

Das merkt man dann auch an diesen Ausbrüchen Klimakleber, Ökoterroristen, Klima-RAF, da wo na ja, kann man sich ja überlegen, wo das herkommt. Meiner Meinung nach kommt das aus einer Ecke, um es mit der Band Madsen zu sagen: „Alte weiße Männer!“ Das mal als kurzes Statement. Und Andreas Malm sagt auch: Wir müssen das Kämpfen an sich komplett neu lernen im Rahmen dieses Kontextes, der sich dort ergibt, weil die Aufgabe, der wir uns stellen, einfach viel, viel größer ist. Wir haben noch keine Patentlösung, aber wir müssen an der Stelle auch so ein bisschen unterscheiden zwischen den Vorgehensweisen. Und da ist es vielleicht auch noch mal hilfreich zu verstehen, es gibt ja Protest und es gibt Widerstand. Das war mir, bevor ich dieses Buch zum Beispiel gelesen habe, gar nicht so wirklich bewusst. Ich habe das beides miteinander vermischt Protest, Widerstand, blabla. Und ich habe manchmal so den Eindruck, dass Protest okay ist, solange er im stillen Kämmerlein stattfindet, niemanden stört. Du darfst auf die Straße gehen, das Anmelden, darfst auch ein bisschen laut rumschreien, aber nur wenn Du anschließend die Straße wieder gefegt hast und alles sauber ist und der Straßenverkehr wieder rollt, ist das okay. Widerstand ist ja schon so ein bisschen was anderes. Ist ja schon ein bisschen. Nun okay, da läuft jetzt irgendwie was nicht so richtig, da wird was irgendwie blockiert Und ich möchte jetzt einfach mal eine Definition geben, die ich sehr schön fand, die ich auch aus diesem Buch entnehme.

Und da zitiere ich mal, was Andreas Malm dort reingeschrieben hat, was Protest und Widerstand betrifft: „Protest ist, wenn ich sage das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht. Protest ist wenn ich sage, ich mache nicht mehr mit und Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, dass alle anderen auch nicht mehr mitmachen.“

In gewisser Weise kann ich das ja auch auf die Aktionen der letzten Generation übertragen, die zumindest mal punktuell, situativ und für einen überschaubaren Zeitraum versuchen, Alltagspraxen zum Stillstand zu bringen, um auch mal zu reflektieren, was passiert da eigentlich? Und auch einmal kurz dafür zu sorgen, dass andere Personen da auch nicht mehr mitmachen können. Das zu unterbinden, das ist aus meiner Sicht auch ein Kern dessen, was da gerade passiert und dementsprechend kann ich das absolut verstehen, was für eine Protestform dort gewählt wurde und bin auch der Meinung, dass sich das darin nicht erschöpft. Das heißt also, das Repertoire der Klimagerechtigkeitsbewegung muss sogar noch Schritte darüber hinausgehen, also weg vom ganz normalen Protest, der muss weiterhin stattfinden. Protest muss aufrechterhalten werden, weil der die Massen mobilisiert. Ich muss Widerstand leisten und auch das noch mal kurz eingeschoben: Wir sprechen hier auch was die Letzte Generation betrifft, vom gewaltlosen, vom friedlichen Widerstand. Dass der natürlich gewaltbereite und unfriedliche Reaktionen provoziert, sei mal dahingestellt, macht aber den Protest oder die Widerstandsform nicht automatisch gewaltvoll oder gewaltbereit, sondern ist weiterhin völlig gewaltfrei.

So. Und jetzt kommen wir aber an einen Punkt, wo wir sagen müssen: auch da noch mal einen Schritt weitergehen. Wir müssen auch gewaltbereiten Widerstand leisten und zwar gegen Infrastrukturen, gegen fossile Infrastrukturen. Womit wir beim Titel des Buches sind „Wie man eine Pipeline in die Luft jagt.“ Also das ist tatsächlich etwas, was Andreas Malm ganz klar sagt: Wir können nicht auf dieser Stufe des Protests und gewaltfreien Widerstands stehenbleiben, sondern wir müssen auch berücksichtigen, dass das, was wir als Klimagerechtigkeitsbewegung zu leisten haben, noch entscheidende Schritte weitergeht. Und das ist auch ein Punkt, wo er sagt: Dann müssen wir das Kämpfen neu lernen. Wir müssen überlegen, was für Aktivitäten, was für Aktionen, was für Widerstandsformen können wir da noch einflechten. Da ist ganz viel Kreativität nicht nur gefragt, sondern existiert mit Sicherheit auch. Und das kann anfangen bei kleineren Protestformen, wo ich zum Beispiel gegen die SUVs Aktivitäten vorschiebe und versuche denen mal Luft aus den Reifen zu lassen. Das ist ein Beispiel, was in diesem Buch kam. Das fand so Stockholm im Jahre 2007 statt.

Da hat es einen Sommer gegeben, wo eine gewisse Bewegung dort einfach mit - ich sage es jetzt einfach mal: Mungbohnen - dafür gesorgt hat, SUV Fahrende vom fleissigen Davonkommen zu hindern. (Die haben nichts anderes gemacht als Mungbohnen - Kriegt man hier in Hamburg übrigens beim Budni - in die Autoventile reinzustecken, ne Verschlusskappe des Ventils aufdrehen, Mungbohne rein, Verschlusskappe wieder zudrehen und dann im Laufe einer Nacht entweicht genügend Luft, dass dann anschließend der Reifen platt ist.) Das ist keine Sachbeschädigung. Ich lehne mich jetzt aus dem Fenster: wahrscheinlich auch gar nicht wirklich strafbar. Es ist aber sehr hinderlich und wenn man das auf breiter Front mal so ausrollt in einer Stadt, dann kann man damit schon mal so ein Statement setzen.

Stefanie Natürlich zitierst Du gerade quasi frei aus dem Buch.

Carsten Absolut.

Stefanie Wir rufen nicht dazu auf, so was zu machen.

Carsten Nein. Wie kommst du darauf? Nein, nein, nein, nein, es ist eine Buchrezension. Ich bespreche gerade die Inhalte eines Buches. Natürlich geht das Buch auch über SUVs hinaus. Also was jetzt irgendwie generell fossile Infrastrukturen betrifft, der Begriff wird jetzt nicht weiter ausgeführt, bis auf ein paar Beispiele Richtung Pipelines. Aber zu fossiler Infrastruktur gehört ja noch ein bisschen mehr, die lahmzulegen, um einfach zu zeigen wir wollen das nicht mehr, wir wollen keine Wirtschaft, die auf reiner fossiler Energie funktioniert, wir müssen umsteuern. Und um diesen Steuerungsprozess zu beschleunigen, muss ich natürlich dann an einer gewissen Eskalationsstufe auch dafür sorgen, dass diese fossile Infrastruktur nicht mehr so funktioniert, um auch Zwang auszuüben, das vielleicht auch vom Kostenmäßigen her irgendwann nicht mehr attraktiv ist, diese fossile Infrastruktur zu betreiben, sondern eher auf nicht-fossile Infrastrukturen zurückzugreifen, diesen Umbauprozess vielleicht zu beschleunigen. So, und da kommen wir dann automatisch in eine Frage des Eigentums.

Also diese Strukturen sind ja jetzt nicht irgendwie Commons oder Gemeingüter, sondern das sind Privateigentümer von Konzernen, von Wirtschaftsstrukturen. Und da geht Andreas Malm in seinem Buch sehr fordernd mit rein und spricht auch davon, dass das Eigentum nicht der Sache der Erde vorgeschaltet sein darf. Also mit Erde meint er quasi Natur, den Planeten etc. Und er sagt auch, dass es kein technisches, kein natürliches und auch überhaupt kein göttliches Gesetz gibt, das besagt, dass gerade während dieses akuten Notstands, in dem wir uns hinsichtlich unseres Weltklimas bewegen, das Eigentum unantastbar sein muss. Nichtsdestotrotz haben wir natürlich auch gerade den Staat, der mit seinen Staatsorganen dafür sorgt, dass eine schützende Hand auf Eigentum gelegt wird. Das sieht man ja an den Aktivitäten, wie hier in Deutschland Hambacher Forst oder Lützerath. Da wird eher auf dieser entsprechenden Kohleförderung das Augenmerk gelegt und auch mit Staatsorganen wie Polizeieinsatz dafür gesorgt, dass Zerstörungsstrukturen, um weiter fossile Energie zu fördern, vom Staat geschützt werden. Während diese Protestaktionen, die sich dann aktiv dagegenstellen, ja mit mit Staatsressourcen quasi aus dem Weg geräumt werden. Also quasi so eine projektive Eigenschaft der Staatshand.

Und das gilt es tatsächlich zu hinterfragen und auch im Rahmen der Klimagerechtigkeitsbewegung nochmal zu reflektieren und zu gucken: wie gehe ich damit um und wie kann ich weitere Eskalationsstufen hervorrufen, die tatsächlich das Betreiben dieser fossilen Infrastruktur erschweren oder ökonomisch unattraktiv machen?

Stefanie Und wenn jetzt Menschen tatsächlich in diesem Maße aktiv werden und Gewalt gegen Dinge anwenden, um Widerstand zu leisten, dann kann ich auch verstehen, wenn es eine öffentliche Meinung gibt, die das verurteilt. Allerdings, wenn wir jetzt auf die Widerstands- bzw. Protestformen der letzten Generation schauen, ist das ja überhaupt nicht Teil deren Protestformen, sondern die kleben sich ja einfach nur fest und machen damit gar nichts kaputt, sondern sie blockieren für eine gewisse Zeit den Verkehr und trotzdem löst das so starke Aggressionen aus. Und das ist für mich natürlich dann auch wieder so der Beweis dafür, was du vorhin angeführt hast, dass wir uns einer größeren Sache widmen. Also dass der Klimaaktivismus und auch generell die Klimagerechtigkeitsbewegung oder Klimagerechtigkeit als Thema ein globales, allumfassendes, uns ganzheitlich betreffendes Thema ist und nicht nur etwas, was eine bestimmte Gruppe betrifft, sondern es geht uns alle an und anscheinend triggert es in uns die verschiedensten Emotionen und macht uns emotional in dem Fall, so, dass wir da nicht mehr wirklich rational drüber reden können und Menschen, die Bevölkerung, nur noch diese Protestformen sieht und darüber redet und gar nicht darüber, was denn jetzt eigentlich die Letzte Generation möchte.

Und so ein ähnliches Beispiel hab ich jetzt jüngst entdeckt: die „Moor-Taliban“. Also die fand ich ja auch sehr interessant und ich habe das so ein bisschen recherchiert, worum es denn jetzt überhaupt geht. Und letztlich geht es ja einfach nur um Wissenschaftler·innen aus Greifswald, die Moore wieder vernässen wollen im Sinne des Klimaschutzes und damit wiederum anderen Parteien auf die Füße treten, unter anderem im Agrarbereich. Weil Moore derzeit auch landwirtschaftlich genutzt werden, um Tiere darauf weiden zu lassen. Oder es stehen Tierställe auf Mooren. Also gerade im Bereich Milch hatte ich auch schon mal den Vergleich angestellt, wie viel Milchwirtschaft sozusagen „Milchvieh“ auf trockengelegten Mooren eigentlich sich befindet. Und das sind dann jetzt keine glücklichen Kühe, die dort weiden, sondern es sind einfach Ställe. Und gerade im Norden von Deutschland ist es viel der Fall und da ist dann wieder eine große Lobby, die was dagegen zu sagen hat. Und letztlich geht es also wirklich bei diesen Wissenschaftler·innen nur darum, dass sie darüber sprechen. Also sie ketten sich nicht an den Tierställen an und sagen hier muss jetzt das Moor wieder vernässt werden.

Zumindest habe ich bisher nichts davon gehört. Wer weiß das schon. Also nicht, dass es das jetzt doch schon gab oder wenn du das hier hörst, haben das schon Menschen gemacht oder so. Also zu dem Zeitpunkt, wo wir das ja aufnehmen, ist das noch nicht der Fall gewesen. Jedenfalls geht es wirklich nur darum, dass Wissenschaftler·innen ahrzehntelang geforscht haben, ihre Forschungsergebnisse teilen und sich für den Erhalt unserer Lebensgrundlage einsetzen, in dem sie sagen Moore müssen wieder vernässt werden und die werden dann von CDU Politiker·innen als „Moor-Taliban“ bezeichnet. Wobei wenn wir es mal wieder mit Madsen sagen es eigentlich um „alte weiße Männer“ geht. Und wenn wir uns so die gegenwärtige Situation anschauen, die Nachrichtenlage und was da so passiert, also die Betitelung von friedvollen Widerstand als Terrorist·innen, Moor-Taliban, Klima-RAF usw. und so fort, könnte man ja die Hoffnung verlieren, aber...

Carsten Da zitiere ich jetzt noch mal Andreas Malm, der sagt: „Der Kontext für Hoffnung ist radikale Ungewissheit. Alles ist möglich und hängt völlig davon ab, ob wir handeln oder nicht. Hoffnung ist keine Tür, sondern das Gefühl, dass es irgendwann eine Tür geben kann.“

Stefanie Ja, und dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Madsen „Protest ist cool, aber anstrengend. Schon super wichtig, dass es so was gibt.“

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 286 - Unsere Reise mit der Bahn quer durch Deutschland und zurück

Ein Beitrag

Folge 286 - Unsere Reise mit der Bahn quer durch Deutschland und zurück

In dieser Folge erzählen wir Dir von unserer Reise mit Regionalbahnen und dem Nachtzug quer durch Deutschland und zurück.

Wir waren 13 Tage unterwegs und haben insgesamt ungefähr 2000 km zurückgelegt.

Gestartet sind wir in Hamburg. Unser Ziel war das Legoland in Günzburg. Auf dem Hinweg sind wir bewusst mit Regionalbahnen gefahren, weil wir ursprünglich auf das Deutschlandticket gehofft hatten, dass für den 1.4.2023 geplant war. Aber durch die Planung mit den Regionalzügen waren wir auch flexibler und nicht auf eine Reservierung angewiesen.

Wir sind ausschließlich mit Ländertickets oder dem Quer-durchs-Land-Ticket gereist. Ab dem 1.5.2023 ist unsere Reise daher auch mit dem Deutschlandticket um einiges günstiger machbar.

Wir haben verschieden lange Zwischenstopps in unterschiedlichen Städten in Deutschland eingeplant.

Zurück haben wir uns den lang gehegten Wunsch erfüllt mit dem Nachtzug zu fahren.

Wie es uns auf der Reise ergangen ist und was wir gelernt haben, erfährst Du in dieser Folge.

Links zur Folge

ÖBB Nightjet Nachtzug
https://www.nightjet.com/#/home

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Und du hast jetzt länger nichts mehr von uns gehört. Und das hatte einen Grund. Es waren nämlich Osterferien hier bei uns.

Carsten Urlaub!

Stefanie Genau. Also tatsächlich nicht in Hamburg, sondern in Schleswig Holstein. Ich hatte mal nachgeguckt, dass tatsächlich Schleswig Holstein und Hessen die Bundesländer waren in Deutschland die am längsten bzw. nicht am längsten, sondern am spätesten Osterferien hatten. Und unser Kind geht in Schleswig Holstein zur Schule und deswegen - wir wohnen zwar in Hamburg - haben wir andere Osterferien als Menschen, die in Hamburg wohnen. Und in diesen Osterferien haben wir unserem Kind den Wunsch erfüllt, ins Legoland zu fahren und zwar nicht in das Legoland, was von uns aus, also von Hamburg aus geographisch am nächsten wäre, das in Dänemark, sondern das Legoland in Deutschland, was sich in Süddeutschland befindet, nämlich quasi fast wirklich ganz im Süden bei Augsburg und Ulm, da so in der Nähe, in Günzburg.

Und wir erzählen das jetzt hier nicht, weil wir so besonders viel Privates von uns preisgeben und dir erzählen wollen, wie schön es im Legoland war, sondern weil wir mit dir teilen wollen, wie wir denn jetzt gereist sind. Wir haben ja kein Auto, wir haben uns auch kein Auto geliehen. Wir sind auch nicht geflogen, sondern wir sind mit der Bahn gefahren und das war auch von vornherein klar, dass wir das so machen würden. Wir würden mit der Bahn fahren und wir haben uns auf dem Rückweg dann unseren Wunsch erfüllt, mit dem Nachtzug zu fahren. Und über all das wollen wir jetzt in dieser Folge sprechen. Du hörst vielleicht auch so ein bisschen an meiner Stimme, dass ich mal wieder nicht ganz gesund bin. Ich habe mich tatsächlich auf der Reise verkühlt. Ich habe mich da so ein bisschen verschätzt mit den Temperaturen. Da ist dann auch noch mal ein Thema, also nicht meine Verkühlung, sondern die Vorbereitung und alles und so...

Und bevor wir jetzt damit anfangen, möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei bestimmten Menschen bedanken. Zum einen möchte ich mich ganz besonders bei Hanna bedanken, die über PayPal eine Einmalzahlung an uns geschickt hat. Da habe ich mich total drüber gefreut. Da waren wir schon unterwegs auf der Reise und ich habe zwischendurch mal meine Emails gecheckt und habe dann diese Nachricht gesehen und war total dankbar.

Carsten Ja, das war eine richtige Überraschung. Also noch mal vielen Dank.

Stefanie Und noch ein Dankeschön geht an Hanna, weil Hanna nämlich auch eine Podcastfolge, also ein Transkript Korrektur gelesen hat. Also auch in diesem Sinne herzlichen Dank an Hanna, die auch direkt das nächste Transkript wieder in Empfang genommen hat, um es Korrektur zu lesen. Und Hanna ist nicht die einzige Person, die Transkripte Korrektur liest, sondern auch Rupert und Astrid haben fertige Transkripte geschickt und da bin ich auch total dankbar für.

Und im Moment ist der Stand bei den Transkripten für den Mehr als Vegan Podcast so, dass 73 Transkripte inklusive diesem was du hier gerade liest fertig sind. Also komplett Korrektur gelesen. Zehn sind gerade in Bearbeitung von netten Menschen und 206 Transkripte sind tatsächlich noch offen. Ich lese auch immer mal wieder Transkripte Korrektur, immer wenn es passt für mich zeitlich. Das heißt es wird auf jeden Fall weniger werden. Es ist allerdings natürlich ein großer Batzen: 206 Transkripte. Also wenn du das Gefühl hast, du könntest eins übernehmen, wäre das total super. Dann schreib mir gerne an, post [at] vonherzenvegan.de und du kannst dir dann ein Transkript aussuchen, was du übernehmen möchtest. Es gibt unterschiedlich lange Transkripte, das heißt wir haben Folgen, die sind nur 20 Minuten lang. Wir haben aber auch Folgen, die sind anderthalb Stunden, also je nachdem was du sagst, wie viel Zeit du investieren kannst, da kannst du dir dann eine Folge aussuchen und natürlich auch thematisch. Wenn du jetzt sagst ach, ich interessiere mich gerade irgendwie besonders für das Thema Plastik, dann könntest du zum Beispiel die Folge zum dem Film Plastic Planet Korrekturlesen oder verschiedene andere Themen. Also du kannst dir selbst was raussuchen oder ich such was für dich raus, da ist es ganz frei und es geht auch wirklich nicht darum, dass das grammatikalisch, rechtschreibmäßig alles dudenkonform ist, sondern dass es vom Sinn her alles stimmt. Und natürlich, wie ich schon sagte, ist ein Satz ohne Interpunktion teilweise schwer zu verstehen, also sollte die Interpunktion schon einigermaßen korrekt gesetzt sein. Aber es muss jetzt nicht irgendwie eine super Rechtschreibkorrektur Prüfung überstehen. Es wäre eine riesige Hilfe, wenn du dich dazu entscheiden würdest, eine Folge Korrektur zu lesen. Denn diese 206 Folgen, die stehen noch aus und dann wäre es toll, wenn das bis zum Ende des Jahres geschafft wäre. Das wäre ja irgendwie total genial.

Dann jetzt zurück zu unseren Reiseerfahrungen. Wie gesagt, auf dem Rückweg, als wir im Legoland angekommen sind, da sind wir dann mit dem Nachtzug von Augsburg zurück nach Hamburg gefahren. Aber auf dem Hinweg hatte ich den Weg in verschiedene Etappen unterteilt. Wir, Carsten und ich sind ja jetzt schon öfter mit dem Zug gefahren und vor allem wenn wir Carstens Eltern besuchen, ist es so, wenn wir mit dem Regionalzug fahren, dass wir dann dreieinhalb Stunden unterwegs sind plus dann noch das Umsteigen usw. und so fort. Also das kann gut vier Stunden in Anspruch nehmen und deswegen wissen wir, wie stressig das ist und anstrengend, wenn man so lange Strecken immer unterwegs ist.

Ich hatte diese Reise länger geplant. Ich habe auch so ein Faible für das Planen von Reisen und deswegen hatte ich ja auch drei Jahre meine Touren, die Hamburg vegan erkunden Touren, weil ich so was super gerne mache und ich habe da auch wirklich lange dran rum gefeilt, weswegen ich jetzt hier durch die Folge auch führen werde und Carsten nur zwischendurch Geräusche wie „uiuiui“ macht oder so...

Carsten Es war toll, darf ich schon mal versprechen.

Stefanie Ja, du kannst ja nicht sehen, welches Messer ich Carsten gerade an den Hals halte, damit er so was sagt. Genau. Ja, letztlich ist diese Reise aus dem Wunsch entstanden, dass das Kind ins Legoland wollte und ich geguckt habe, es gibt diese zwei Legoländer bei uns in der Nähe. Das nächste ist in Dänemark und das wäre geographisch gesehen näher gewesen. Allerdings ist die Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel zum Legoland in Dänemark relativ schlecht. Wir hätten lange mit dem Bus fahren müssen. Und im Bus wird mir immer schlecht.

Also das ist vielleicht schon mal der erste Punkt, dass die Bedürfnisse von denen, die da reisen, in diesem Fall von Carsten, dem Kind und mir dann auch gesehen und berücksichtigt werden. Und so habe ich die Reise geplant. Das kann für dich natürlich, liebe Hörer·innen, ganz anders sein. Dass du gerne Bus fährst und kein Problem damit hast, Bus zu fahren und deswegen dann du das andere Legoland gewählt hättest zum Beispiel. Natürlich ist jetzt das Legoland kein Ziel, das für alle interessant ist. Es ist jetzt einfach nur ein Beispiel, an dem wir erzählen, wie wir diese Reise durchgeführt haben und vielleicht inspiriert dich das dann dazu, eigene Bahnreisen zu unternehmen. Und letztlich ist es auch so mit der Grundgedanke, warum wir das hier so mit dir teilen, dass du einfach nur unsere individuelle Erfahrung und unseren Reisebericht nimmst und daran siehst, dass es möglich ist, mit der Bahn zu verreisen und wie wir das denn jetzt gemacht haben und dann vielleicht den einen oder anderen Tipp für dich daraus ziehst, um deine eigene Reise zu planen.

Carsten Ja, genau das hatte ich auch im Vorfeld gemerkt. Also mit den Menschen, wo ich im Vorfeld vor meinem Urlaub mal drüber gesprochen habe, was wir vorhaben, kam immer wieder die Resonanz: Oh, das ist ja total ungewöhnlich. Außergewöhnlich. Es ist nicht so ein beliebiger Urlaub, von wegen ich setze mich jetzt in irgendein Vehikel, Flugzeug, Bahn, Auto, fahre von A nach B, bleibe dann in B, mache da mal einen Urlaub und fahre irgendwie zurück, sondern dadurch, dass wir über diese Etappen auch mit einem Thema, was du wahrscheinlich gleich noch verraten, wirst unterwegs waren, haben wir natürlich so vom Sightseeing, vom Lernen her, vom Erlebnis her noch mal ein bisschen mehr mit reinbekommen, als dass es einfach nur eine ganz normale Reise gewesen wäre. Und für uns war tatsächlich an der Stelle der Weg auch Teil des Urlaubs, ganz bewusst auch so gewählt.

Arbeitskolleg·innen haben mich natürlich gefragt: Was hast du denn vor? Wo fliegst du denn hin? So nach dem Motto. Da habe ich das dann aus den Reaktionen schon gemerkt. Das ist irgendwie nicht so wirklich präsent. Die Art und Weise, wie wir das jetzt gewählt haben, war schon ungewöhnlich. Also im Positiven. Die waren alle total überrascht und total neugierig. Aber für sich selbst ist da bisher anscheinend noch keiner auf den Gedanken gekommen, das mal so zu machen.

Stefanie Ja, und in diesem Sinne - in Hamburg sagt man... Na ja, ich darf das jetzt auch mal zwischendurch verwenden - In diesem Sinne dachte ich auch, dass es wichtig ist, dass viele Menschen viele Reiseerlebnisse erzählen, die mit der Bahn zu tun haben und deswegen tragen wir jetzt einfach dazu bei. Also wie gesagt, das hat keinen Perfektheits-, Ganzheits-, für immer Gültigkeitsanspruch, sondern es ist einfach ein individuelles Reiseerlebnis. Und wenn du damit was anfangen kannst, dann ist das super, wenn wir dich damit inspirieren können.

Also vielleicht nochmal zu den Rahmenbedingungen: Ich hatte die Hinfahrt rein mit Regionalzügen geplant, ursprünglich auch mit dem Gedanken, weil es hieß, das Deutschland Ticket würde ab dem 01.04.2023 da sein. Und leider war es ja dann nicht so, das wird ja erst ab dem 01.05.2023 da sein, wodurch wir jetzt seit viel mehr Geld an Reisekosten bezahlt haben als das, was wir mit dem Deutschlandticket bezahlt hätten. Aber es ist natürlich eine Art und Weise zu reisen, die du mit dem Deutschland Ticket dann auch durchführen kannst und zumindest die Hinfahrt, die Rückfahrt haben wir ja dann mit dem Nachtzug gemacht. Das ist aber nochmal ein extra Thema, da sprechen wir dann quasi im zweiten Teil drüber.

Der erste Teil ist jetzt erst mal die Hinfahrt und da hatte ich die Etappen alle so gewählt, dass wir maximal so drei Stunden am Stück mit dem Zug unterwegs waren, weil ich einfach gemerkt habe, das ist so eine Zeit, die hält man noch irgendwie aus und danach wird es dann so ein bisschen kritisch. Also je länger das Richtung 4,5,6 Stunden geht, desto anstrengender ist das tatsächlich am Stück im Zug zu sitzen. Wie gesagt, das ist jetzt unsere Erfahrung und wir haben natürlich auch nicht mehr ein ganz kleines Kind dabei, sondern eins, das sich selbst beschäftigen kann. Und das ist natürlich noch mal ein Vorteil. Wobei wir ja auch schon Zug gefahren sind, als das Kind sich noch nicht so wirklich selbst beschäftigen konnte. Und da haben wir dann andere Sachen mitgenommen, als wir jetzt mitgenommen haben. Jetzt spielt das Kind dann Konsole oder irgendwelche anderen Spiele auf dem Tablet oder liest ein Buch oder macht sonstige Dinge. Vorher haben wir dann mit dem Kind irgendwelche Karten- oder Brettspiele gespielt oder mit ihm ein Buch gelesen usw. und so fort. Aber ich finde nach wie vor, der Vorteil am Zugfahren ist wirklich, dass du auch aufstehen und rumlaufen kannst. Du kannst einfach zur Toilette gehen, du kannst dich bewegen, du kannst auch mal den Gang auf und ab gehen. Also von daher, auch mit kleineren Kindern finde ich diese Möglichkeit gut. Natürlich hast du im Regionalzug den Nachteil, dass du nicht reservieren kannst. Also im ICE oder IC hättest du ja zumindest die Möglichkeit dann dir so ein Abteil zu reservieren oder einen Vierersitzplatz oder wie auch immer, je nachdem mit wie vielen Personen du unterwegs bist. Aber im Regionalzug ging das nicht. Wir hatten aber die ganze Zeit über Glück.

Carsten Wir hatten einen Zug, der war relativ voll. Ja und da haben wir uns so ein bisschen aufgeteilt bzw. eine Person ist bei uns in den 4er Bereich.

Stefanie Stimmt ja doch, es gab so ein paar Situationen, wo das eine Zeit lang voll wurde. Das war glaube ich gerade bei dem ersten Abschnitt, da hatten wir das. Da haben wir uns auch gewundert, wie viele Leute da unterwegs waren. Aber wir haben eigentlich immer Sitzplätze gefunden.

Carsten Ja, das war völlig unproblematisch. Also ich muss auch ehrlich sagen, das ist mir erst in der Situation aufgefallen, dass das natürlich ein Problem sein könnte. Also da ist mir das erst mal bewusst geworden: Oh Regionalbahn kannst du so nicht planen, was passiert, wenn wir jetzt den Rest der Reise auch mal in überfüllten Zügen unterwegs sind? Aber glücklicherweise war das ja gar nicht so und unser Vorteil war, dass diese Etappen auf, ich sag jetzt mal, kurze Distanzen ausgelegt waren. Wie du schon sagtest, diese maximal drei Stunden und zwischendurch auch eventuell mal einen Umstieg oder so was. Also die Phase, wo es wirklich mal überfüllt hätte sein können, wäre für uns ja noch ertragbar gewesen, selbst wenn es jetzt ein kontinuierlicher Zustand gewesen wäre. Problematischer wäre es gewesen, wenn wir mit Gepäck selber keine Sitzplätze bekommen hätten.

Stefanie Ja genau. Also Gepäck ist jetzt noch mal der Punkt, auf den ich eingehen wollte. Wir haben extra vorher uns überlegt, dass wir möglichst wenig Gepäck mitnehmen und zwischendurch waschen. Wobei das zwischendurch waschen dann irgendwie mangels Waschmaschine dann doch nicht geklappt hat. Da hatte ich irgendwie nicht richtig geplant mit den Ferienwohnungen, die wir da gemietet hatten. Aber das ist noch mal so ein anderer Punkt. Jedenfalls haben wir relativ wenig Gepäck dabei gehabt. Wir hatten nur so einen Rollkoffer und dann drei Rucksäcke dabei und noch so eine extra Tasche für Sachen, die man so schnell irgendwie in die Tasche packen sollte. Ja, genau. Da habe ich aber gemerkt und das ist das Thema verkühlt, dass ich beim nächsten Mal dann doch vielleicht den größeren Rollkoffer mitnehmen würde, um dann, wenn es wirklich solche Übergangstemperaturen sind, auch noch mal einen Schal einzupacken und vielleicht noch mal ne Mütze oder so. Also so die Wintersachen dann doch noch mal mitzunehmen.

Ich war davon ausgegangen, dass es immer über zehn Grad bleibt. Das war aber dann leider nicht so und es war dann ziemlich kalt, weswegen ich mich verkühlt hatte. Also auf Kosten der Gesundheit sollte es dann auch nicht gehen. Das war auf jeden Fall für mich auch eine wichtige Erkenntnis zu sehen: Okay, wenig Gepäck ist gut. Also das hat wirklich gut funktioniert. Wir haben das immer irgendwie unter bekommen und es war nie so, dass wir da so gedacht haben „Oh zu viel Gepäck“, weil wir es natürlich auch auf uns drei verteilt haben. Ich alleine musste einmal das ganze Gepäck eine Treppe runter tragen. Das war schon nicht so toll, aber da hätte ich auch auf Carsten warten können. Ich wollte einfach nur schon die Treppe runter. Also von daher das nur so nebenbei. Aber ich habe gemerkt okay, ich war da dann doch ein bisschen zu knauserig mit dem Gepäck. Also da hätte ich durchaus noch ein bisschen mehr mitnehmen können und das dann irgendwie anders packen oder so. Also von daher da dann lieber doch ein bisschen mehr mitnehmen, also im Sinne von für alle Wettermöglichkeiten gewappnet sein, als zu wenig mitnehmen. Das war für mich eine Erkenntnis, die ich beim nächsten Mal auf jeden Fall umsetzen werde. Natürlich nicht im Hochsommer, oder im tiefsten Winter dann noch die Sommersachen mitnehmen, das ist schon klar. Mir geht es jetzt um diese Übergangszeit.

Carsten Genau, in der wir gerade unterwegs waren und worauf wir eingestellt waren, war Regen. Da haben wir Regenklamotten dabei gehabt, Regenhosen, so dass, wenn es wirklich mal Tage gegeben hätte, wo es kontinuierlich komplett durchgeregnet hätte, wäre das für uns auch kein Problem gewesen.

Stefanie Nicht nur „hätte“, das war auch so.

Carsten Ja, die Regensachen haben wir auch genutzt, richtig. Aber auch an den Tagen, muss ich sagen, gab es immer so ein paar Trockenphasen. Also so richtig dieser strömende Regen von morgens bis abends ohne Unterbrechung, da hatte ich mich mental schon darauf eingestellt, zumindest im Vorfeld, den gab es nicht. Ich weiß nicht, ob ich mich dann in der Situation raus getraut hätte, aber das war zumindest so mein Bild, wo ich gesagt habe okay, da muss ich mich drauf einstellen können, da muss ich meine Ausrüstung für haben. Selbst wenn es dann soweit ist, dann will ich nicht den ganzen Tag irgendwie in der Bude hocken müssen, sondern will auch in der Lage sein, draußen rumlaufen zu können.

Stefanie Ja und Carsten hat das ja vorhin schon angesprochen: Es gab auch ein Thema, also nicht nur das Legoland, sondern mein Grundgedanke war, dass ich die Fahrt so plane, dass wir bestimmte Etappen einmal quer durch Deutschland ansteuern und uns überlegen, dass wir dann zu diesen Etappen ein Thema haben. Und das Kind interessiert sich gerade sehr für Römer oder interessiert sich schon lange für Römer. Und da habe ich dann die einzelnen Orte so gewählt, dass wir an jedem Ort auf den Spuren der Römer unterwegs waren. Die erste Etappe, wo wir übernachtet haben, war noch mal ein Verwandtschaftsbesuch, weil wir an Karfreitag gestartet sind und dann haben wir das mit Familienbesuch zu Ostern verbunden. Und das passte aber auch zu unsere Reiserichtung. In Deutschland ist ja das meiste südlich von Hamburg.

Carsten Überwiegend, ja.

Stefanie Und unsere Verwandtschaft wohnt auch südlich von Hamburg, also passte das schon, hat aber dann irgendwie auch so die Richtung vorgegeben, ob wir jetzt eher südwestlich oder südöstlich unterwegs sind. Wobei auch die Römer diese Richtung vorgegeben haben. Die Römer sind ja nur bis zum Rhein und dann nicht weiter östlich in Germanien damals vorgedrungen, sodass wir einfach dann auch sehr westlich unterwegs waren. Wir hätten jetzt auf dem Rückweg dann östlich unterwegs sein können, dass wäre noch mal so eine Überlegung gewesen, aber wir wollten ja dann mit dem Nachtzug fahren. Aber wie gesagt, das ist noch mal ein anderes Thema, über das sprechen wir noch.

Aber deswegen hatte ich das jetzt so geplant, dass wir in mehreren Etappen dann von Hamburg aus auf den Spuren der Römer bis nach Augsburg vorgedrungen sind. Augsburg deswegen, weil auch dort Spuren der Römer vorhanden waren. Und ich habe dann noch weiter geschaut, dass da dann auch noch andere Themen sind, die für Carsten und mich besonders interessant sind. Zum Beispiel in Augsburg die Fuggerei, die wir uns angucken wollten, die wir ja auch schon mal in einer vorangegangenen Podcastfolge erwähnt hatten. Jedenfalls Themen, die uns interessieren und das haben wir alles miteinander verbunden.

Dann habe ich natürlich auch nach veganen Restaurants, veganen Möglichkeiten zu essen geschaut, so dass wir zum Beispiel dann auch zwischen zwei Punkten, wo wir eine Ferienwohnung oder eine Möglichkeit zu übernachten hatten, einen Ort dann noch mal als Mittagessen-Ort rausgesucht haben, wo wir dann vegan essen gehen konnten und oder je nachdem es vielleicht auch noch römische Spuren gab und wir dann gucken konnten: okay, wir fahren jetzt zum Beispiel zwei Stunden, dann machen wir an diesem Ort Halt und essen da was und oder gucken uns noch römische Sachen an. Je nachdem, ob vielleicht wir erst um 16:00 Uhr in die nächste Ferienwohnung gehen können und noch Zeit überbrücken müssen. Und da ist es natürlich schöner, wenn zum Beispiel in dem Ort, wo dann die Ferienwohnung ist, es vielleicht überhaupt gar nichts Veganes zu essen gibt oder wir an Feiertagen unterwegs waren, wo dann überhaupt nichts auf hat, wir dann vielleicht in einer Stadt erst mal Zwischenhalt machen, die größer ist und mehr Möglichkeiten bietet, auch vegane Restaurants und wir dann da Aufenthalt haben, als dass wir dann irgendwie vor Ort an so einem kalten Bahnhof rumsitzen und warten, dass es endlich 16:00 Uhr ist, damit wir in die Ferienwohnung können oder so... Also das ist natürlich so das eine.

Wir haben dann auch immer unser Gepäck, wenn wir so was gemacht haben, am Bahnhof eingeschlossen. Und meist kostet das so 5 €. Die muss man dann in bar in Kleingeld zur Verfügung haben. Kommt natürlich drauf an, wie viel Gepäck du hast. Vielleicht musst du auch zwei Fächer nehmen, je nachdem. Ist ja ganz individuell, aber das war immer eine ganz gute Möglichkeit. Wenn wir dann mit höchstens einem Rucksack da einfach durch die Gegend gezogen sind, relativ frei waren und unser Gepäck war da gut aufgehoben und wir konnten uns frei bewegen.

Carsten Ja, selbst für zwei, drei Stunden oder so, was du da unterwegs bist und du bist unbeschwert, du kannst ins Restaurant gehen, du kannst mal durch die Stadt laufen und du hast nicht immer im Hinterkopf: Jetzt muss ich das Gepäck mit mir rumtragen. Jetzt habe ich doch keine Lust mehr so weit zu laufen oder so, sondern das ist dann völlig losgelöst und da sind die 5 € eigentlich ganz gut investiert.

Stefanie Ja, und das ist tatsächlich auch was, was ich gemerkt habe, dass das ganz gut ist. Wenn du längere Strecken an einem Tag machen möchtest, dann mach einen Zwischenstopp, dann ist es alles nicht so anstrengend und dann kannst du einfach zwei, drei Stunden fahren. Dann machst du einen Zwischenstopp, ruhst dich da aus, gehst was essen oder vielleicht hast du auch was zu essen dabei und isst das in einem netten Park oder irgendwo. Suchst vielleicht dir auch einen Ort aus, wo Dinge sind, die dich interessieren, die du gerne mal sehen möchtest und dann fährst du ausgeruht später noch mal drei Stunden weiter zum Beispiel.

Also wir haben das an einem Tag gemacht, dass wir dann wirklich insgesamt sechs Stunden mit dem Zug gefahren sind, aber mittig quasi nach drei Stunden dann einen Mittagsaufenthalt gemacht haben. Da sind wir auch wirklich nur essen gegangen und sind danach mit dem Zug weitergefahren, weil wir einfach gedacht haben, sechs Stunden am Stück Zugfahren ist ein bisschen stressig und so war es irgendwie total angenehm. Also es war jetzt nicht total schwierig. Es war dann schon so, dass der Zug irgendwann wieder voller wurde. Und weil das ein Freitag war, war dann so ein Junggesellinnenabschied dabei, die sich dann da noch die Haare gemacht haben im Zug und so, da habe ich dann auch wieder gedacht: okay, ich habe einfach meine Kopfhörer aufgesetzt und habe Hörbuch gehört. Deswegen habe ich da nicht wirklich viel von mitgekriegt. Wenn man dann versucht zu lesen während andere so laut und wild durch die Gegend reden, ist das schwierig.

Carsten Ja, ich habe natürlich dann das Buch präferiert und nichts gehört - bis auf diese Privatgespräche. Ja, aber die waren unterwegs zum Augsburger Plärrer und haben das dann, wie du schon sagtest, kombiniert mit einem Junggesellinnenabschied und mussten sich dann da im Zug in der einen Stunde, die sie unterwegs waren, noch für den Abend präparieren. Sie sind eine Station vor dem Ausgburger Plärrer ausgestiegen.

Stefanie Ja, genau.

Carsten Und da hatte ich dann mitbekommen, die wollten sich dann noch mit Dirndl versorgen. Also diese Trachtenkleidung, die wir da auf diesem Jahrmarktgelände auch sehr häufig gesehen haben. Und ja, es sind dann so nette Gespräche, die man so belauscht, wenn man dann in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind.

Stefanie Ja, wobei ich auch dachte: okay, die nutzen jetzt einfach auch die Möglichkeit, diese Fahrt, also die Zeit, die sie da verbringen, nutzen sie auch produktiv um die Haare zu glätten und in Locken zu formen und was auch immer alles. Steckdosen waren vorhanden und es wirkte alles so, als würden sie das öfter machen. Und da habe ich gedacht, das ist auch eine interessante Nutzung von Bahnfahren. Das kannst du beim Autofahren auch nicht machen oder beim Fliegen.

Carsten Nein, kannst du auch nicht. Wobei es für mich am Anfang sehr befremdlich war, jemanden neben mir sitzen zu haben, der ein Glätteisen rausholt und dann anfängt, die umsitzenden Personen zu frisieren. Bis ich dann den Kontext verstanden habe...

Stefanie (lacht) Du hast drauf gewartet, dass sie zu dir kam...

Carsten (lacht) Mein Haar ist nicht lang genug, dass man das glätten könnte. Aber nee, das war am Anfang schon so ein bisschen. Hm, was passiert hier jetzt gerade?

Stefanie Ja, aber ich habe gedacht, dass das eigentlich wirklich auch eine interessante Nutzung ist und wie gesagt, das kannst du da nur beim Bahnfahren machen. Im Bus kannst du es nicht, im Auto nicht, im Flugzeug nicht. Das ist tatsächlich ein Privileg vom Bahnfahren, dass du da dann entspannt, auch anderen, nicht nur dir selbst, die Haare machen und irgendwie dich herrichten kannst, so wie du das möchtest. Und das ist tatsächlich auch ein Vorteil vom Bahnfahren.

Carsten Ja, wo wir jetzt gerade bei Vorteilen des Bahnfahren sind, also ein Thema, was ja auch gerade in den Medien immer sehr stark nach oben gespült wird, ist ja die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn. Da hatten wir dieses Mal eigentlich gar nicht so Probleme mit. Wir hatten tatsächlich so Verzögerungen, die für uns aber nicht kritisch geworden sind. Also es war jetzt nicht so, dass wir irgendwie einen Anschlusszug oder so was nicht bekommen hätten. Wahrscheinlich auch, weil wir auch unsere Etappen so geplant haben, dass wir wirklich nur so ein paar Stunden am Stück unterwegs waren. Und wenn wir dann irgendwie am gleichen Tag weitergefahren sind, hatten wir ja immer auch eine große Pause dazwischen.

Stefanie Und das ist mir danach auch erst aufgegangen: Der Vorteil der Nicht-Reservierung ist ja auch, dass wir mit jedem Zug fahren konnten. Also wenn jetzt der eine Zug nicht gekommen ist oder Verspätung hatte, haben wir dann einfach einen anderen genommen oder den nächsten oder so und wir waren ja relativ flexibel. Wir mussten nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, sondern es war alles total locker.

Carsten Genau. Aber trotzdem war es nicht so, dass wir jetzt irgendwie stundenlang am Bahnhof hatten sitzen müssen, um auf irgendeinen Zug zu warten, weil der geplante ausgefallen ist, verspätet war oder was auch immer. Also das war tatsächlich, auch wenn wir jetzt über diese vielen Tage am Stück unterwegs waren, für uns total gar kein Problem gewesen.

Stefanie Ja, ich finde, das war auch was, was ich vorher überlegt hatte, was ja aus dieser Erfahrung resultiert, dass immer mal wieder die Bahn unpünktlich ist, dass das irgendwie so eine Grundhaltung quasi sein muss, dass du denkst okay, die Bahn, die kann unpünktlich sein und es kann zu Verzögerungen kommen. Und wenn ich mich darüber aufrege, bringt das überhaupt nichts. Das macht die Bahn nicht pünktlicher. Das heißt, das schon irgendwie so mit einbauen und sich zu denken okay, sollte es jetzt mal dazu kommen, dann können wir auch irgendwie Alternativen finden. Und es ist nicht so, dass wir darauf angewiesen sind, dass dieser Zug zu dieser Uhrzeit da und dahin fährt, um den Anschlusszug zu bekommen, sondern wir können dann auch einen anderen Anschlusszug bekommen oder einen anderen Zug nehmen oder irgendwie finden wir schon eine Lösung, Also so eine ruhige Grundhaltung da zu haben, das ist tatsächlich sehr hilfreich und ich glaube, das ist tatsächlich auch so eine Grundhaltung wenn der Weg Teil der Reise ist, dann ist das irgendwie gar nicht so schlimm, wenn der Weg oder die Reise länger dauert oder anders sich gestaltet. Ich glaube, es wird so ärgerlich, wenn du zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein möchtest und du diese Reise oder den Weg nur als notwendiges Übel siehst.

Der Gedanke kam mir gerade, also dass du dann darüber schimpfst und das schrecklich findest, weil du aufgehalten wirst auf deinem Weg zu diesem Ort und du willst ja eigentlich nur an diesem Ort sein und du kannst dich nicht hinbeamen, also musst du irgendwie hinfahren, fliegen was auch immer und dir geht es gar nicht um den Weg. Und dann ist es natürlich blöd - wenn du diese Grundhaltung hast. Aber bei uns war es ja so, dass die ganze Reise Teil des Urlaubs war und der ganze Weg. Jede Etappe war etwas was dazugehört hat und wenn die länger gedauert hat, hat sie einfach länger gedauert und deswegen glaube ich, dass das zwei verschiedene Einstellungen sind. Einmal fährst du, um an diesem Ort zu sein und einmal fährst du einfach nur, um zu fahren. Und natürlich kommst du irgendwann auch an einem Ort an. Aber es ist nicht so dramatisch, wenn du eine Stunde später da ankommst. Oder vielleicht fährst du erst noch an einen anderen Ort oder was auch immer. Weil einfach die ganze Reise der Gedanke war. Und mit der Grundhaltung sind wir echt gut gefahren.

Carsten Ja, tatsächlich. Also jetzt, wo du das sagst. Teil der Entspannung haben wir uns schon während der Fahrt geholt. Ja und wenn ich jetzt - ich denke so ein bisschen naiv mal - klassisch reise, um einen bestimmten Ort zu erreichen. Das wollen wir ja deswegen so, um an dem Ort Entspannung zu bekommen. Du willst an dem Ort sein, willst was erleben. Abschalten. Vielleicht ein bisschen dich hinsetzen, Ruhe genießen. Wie auch immer. Und das haben wir ja, dieses Ruhe genießen, dieses Abschalten, dieses Nichtstun oder einfach lesen, Hörbuch hören, schon während der Fahrt machen können. Deswegen war das für uns eigentlich nicht das Problem. Und selbst wenn es jetzt zu einer Verzögerung auf einem Bahnhof gekommen wäre - kleinere Bahnhöfe wären dann vielleicht ein bisschen unkomfortabler gewesen. Aber auch da hättest du Hörbuch hören können, lesen können etc. hättest deine Freizeitbeschäftigung hier weiterführen können. Größere Bahnhöfe bieten dann ja noch mal ein ganz anderes Umfeld, um dann tatsächlich so ein bisschen die Gegend auch zu erkunden, je nachdem wie viel Zeit sich dann da ergibt.

Stefanie Einen Aspekt will ich noch erwähnen. Ich hatte das ja alles nur quasi am Computer geplant und hatte dann über OpenStreetMap mir da einfach nur angeguckt: Okay, welche Etappen sind gut? Habe das alles angeschaut und da, wenn du dir einfach nur so eine Karte so anguckst, siehst du ja auch nicht, wie die Landschaft aussieht. Und wir hatten eine Strecke, die wirklich sehr sehr schön am Rhein entlang geführt ist, hat, wie auch immer. Und da habe ich auch gedacht, das ist echt ein Geschenk. Also das war so eine richtige Sightseeing Linie, anderthalb Stunden oder so sind wir da am Rhein entlang gefahren und es war echt schön und so was ist natürlich auch nochmal Entspannung, dass du dann da einfach aus dem Fenster gucken kannst und kannst die Landschaft angucken und das einfach so an dir vorbeiziehen lassen, das ist schon fast meditativ.

Carsten Ja, und ich hatte das auch gar nicht auf dem Schirm. Ich bin in den Zug eingestiegen, habe gedacht: Ja, jetzt kann ich mich endlich wieder auf mein Buch konzentrieren und lesen, habe das dann aber irgendwann weggepackt. Und während ich dann im Zug die ganze Zeit raus geguckt habe und habe das Rheinufer gesehen und auch so ein Bergpanorama gehabt und die Lorelei haben wir gesehen.

Stefanie Ja, genau.

Carsten Da an dem Teilstück war das und da ist mir dann auch nochmal klar geworden, es gibt ja Personen, die fahren mit einem Schiff ganz bewusst solche Touren, um genau diese Natur zu erleben. Und du fährst jetzt mal einfach so mit dem Zug da durch.

Stefanie Mit dem Regionalzug. Du fährst einfach ganz günstig mit der Regionalbahn - auf dem Schiff, zahlst Du mehr.

Carsten Ja und exakt die gleiche Strecke. Okay, nicht auf dem Wasser, aber das stört ja jetzt nicht. Aber das ist mir da auch noch bewusst geworden, dass das tatsächlich Luxus gewesen ist, in der Situation. Deswegen war für mich Lesen und andere Freizeitbeschäftigung erst mal völlig uninteressant. Aber ich habe das dann wirklich genossen, da dieses Teilstück dann auch wirklich mal so als Sightseeing zu nutzen.

Stefanie Ja, und mir war das vorher nicht klar, dass wir da so lang fahren, aber das wäre vielleicht dann auch noch mal was für zukünftige Zugfahrten tatsächlich auch zu gucken und zu recherchieren, welche Züge, welche Verbindungen, fahren so malerisch, sag ich jetzt mal, durch die Landschaft, um das dann konkret auch dafür zu nutzen, für so eine Art Sightseeing, einfach da sich durch die Landschaft fahren zu lassen und dabei gemütlich aus dem Fenster zu gucken und ein schönes Panorama zu haben. Also das wäre auch nochmal so ein Punkt, den hatte ich nicht extra berücksichtigt, der ist uns so geschenkt worden sozusagen. Aber das wäre vielleicht für dich, liebe·r Hörer·in, wenn du so eine Reise für dich planst, noch mal eine Option, das auch noch mal zu recherchieren.

Natürlich gäbe es jetzt noch super viel zu erzählen. Wir könnten dir noch alle möglichen Details erzählen, was wir alles erlebt haben, aber wir wollten die Folge nicht extrem lang werden lassen und deswegen erzählen wir dir jetzt von unserem Nachtzug Erlebnis. Da hatten wir lange darauf hingefiebert und ich habe mich da wirklich drauf gefreut und hatte ja hohe Erwartungen an dieses Erlebnis. Wir sind mit dem Nachtzug von Augsburg zurück nach Hamburg gefahren. Wir sind nachts um 23:25 Uhr in diesen Nachtzug gestiegen und ich hatte ein Liegeabteil für uns als Familie, ein Komfort Privatabteil, reserviert. Das kostete 199 €, da war Frühstück inklusive. Allerdings das Wiener Frühstück, also zwei Brötchen, Marmelade, Butter - wir hatten unsere eigene Margarine noch dabei - und ein Getränk, das war inklusive. Und ich hatte mir das auch online angeguckt und habe gedacht: Ja super, dann haben wir da vier Liegen drin, wir sind ja nur zu dritt, das heißt, wir haben genug Platz, wir können unser Gepäck da unterkriegen und wir steigen ein und dann machen wir es uns gemütlich und dann schlafen wir. Und morgens um 8:45 Uhr sind wir dann in Hamburg am Hauptbahnhof und sind total ausgeruht und können noch den ganzen Tag genießen. Also das war so die Annahme. Du hörst vielleicht schon ganz kleines bisschen, dass es nicht so war.

Carsten Wir waren um viertel vor 9 in Hamburg.

Stefanie Ja, das war tatsächlich so, wir hatten keine Verspätung. Ich glaube, wir waren sogar schon um zwanzig vor neun da. Na ja, jedenfalls das war so die Annahme. Wir haben dann in Augsburg den letzten Tag noch verbracht und sind extra vorher abends ins Kino gegangen, damit wir irgendwie die Zeit rumkriegen, dass wir dann nicht stundenlang ohne Obdach rumsitzen.

Carsten Ich glaube, der Tag war von der Planung her der aufwendigste, weil wir so gegen 11 Uhr aus der Ferienwohnung raus mussten und dann tatsächlich so diese über zwölf Stunden hatten, die wir überbrücken mussten, bis wir in den Zug einsteigen konnten. Ja, das haben wir aber ganz gut gemeistert. Es gab dann glücklicherweise genügend Potenzial in Augsburg. Unter anderem deswegen haben wir auch Augsburg als Standort da gewählt, weil wir die Möglichkeit hatten, da auch in der Stadt entsprechend Veranstaltungen zu nutzen, um dann diesen Tag auch füllen zu können.

Stefanie Genau. Und dann haben wir uns noch ein Tagesticket für den öffentlichen Nahverkehr gekauft und sind mal eine Zeit lang mit der Tram hin und her gefahren. Also von daher...

Carsten Da haben wir sogar was gefunden, was wir sonst übersehen hätten.

Stefanie Ja genau. Das heißt wir haben da noch jede Menge Sightseeing gemacht. Also das nur so in Kürze. Aber es geht jetzt um den Nachtzug. Also die Erwartungen waren hoch. Ich habe ja auch in sämtlichen Bildungsurlauben und Kursen immer gesagt Nachtzug, Nachtzug, Nachtzug. Und hatte auch bisher immer tolle Sachen darüber gelesen und wollte das jetzt auch ausprobieren. Dann sind wir da in das Abteil. Natürlich haben alle schon geschlafen, deswegen mussten wir ganz leise sein und das Abteil an sich war auch schön. Das war so ein ganz neues. Die gibt es erst seit letztem Jahr oder Anfang diesen Jahres. Das Abteil war also sauber und frisch, alles schön eingerichtet. Allerdings haben diese neuen Wagen, das habe ich erst nachher recherchiert, nach unserem Erlebnis, keine Waschmöglichkeit mehr. Wir hätten in den Nachbarwagen gehen müssen, aber wir wussten das nicht und es war ja schon halb zwölf nachts und wir waren müde und wir hatten keine Ahnung und der Schaffner war dann auch wieder verschwunden und hat uns auch nichts erzählt, wo wir uns die Zähne putzen können oder so. Es gab also nur eine Toilette und ein rollstuhlgerechtes WC. Das war also nicht bei uns privat, sondern in dem Waggon. Bei uns privat im Abteil, weil das ja nur der Liegewagen war, nicht der Schlafwagen, gab es wirklich nur diese vier Liegen, zwei jeweils übereinander, Tische und Bettzeug. Wir hatten noch eine Flasche Wasser und das war's dann an sich sah das wirklich gut aus. Bis wir dann versucht haben uns hinzulegen. Zumindest Carsten und ich. Was ist dann passiert?

Carsten Ja, meine Beine passten nicht ins Bett. Ich habe festgestellt, dass die Länge der Betten dann doch nicht unseren Körperformen entspricht.

Stefanie Das war etwas, was ich nirgendwo vorher gelesen habe, wie lang diese Betten sind und die können höchstens irgendwie 1,85m lang sein. Also ich bin fast 1,80m lang, ich habe da gerade so reingepasst in das Bett. Man hätte mich da so reinklemmen können, fast. Und Carsten ist ja nun mal 2 Meter groß und er hat da einfach nicht reingepasst. Also schon so Embryohaltungsmäßig.

Carsten Ich schlaf häufig so auf der Seite. Aber zwischendurch habe ich schon mal so das Bedürfnis mich auszustrecken und dummerweise genau in solchen Situationen, wo ich es dann nicht kann. Ja und das Problem ist bei den oberen Liegen - Mensch möchte da ja auch nicht rausfallen und dementsprechend hat die Bahn ja auch vorgesorgt und dann so leichte Stützbretter an der Seite montiert, die bewahren zwar vorm Rauspurzeln, verhindern aber auch die freie Bewegung, dass dann die Knie mal über die Bettkante rüber könnten oder so. Das heißt also auch Embryohaltung im Liegen war da ja schon so ein bisschen eingeschränkt und das war schon schwierig.

Stefanie Du hättest eigentlich unten schlafen sollen, aber ich wollte nicht oben schlafen und das Kind auch nicht. Das heißt das Kind und ich habe unten geschlafen. Das Kind hätte von der Körpergröße, das ist noch etwas kleiner als wir momentan, da ins Bett gepasst. Aber ich wollte jetzt auch nicht, wenn es mal dann, während ich schlafe zur Toilette will und kraxelt irgendwie von oben da raus - ungewohnte Situation – dann fällt es mir da runter, das wollte ich auch nicht. Und Carsten ist ganz ohne Leiter da rauf – und runtergekommen. Wie hast Du das eigentlich gemacht?

Carsten Habe mich hoch abgestützt...

Stefanie Wir haben dann auch nachher erst rausgefunden, wo man die Leiter anhängt. Also das ist wohl offensichtlich der Nachteil, wenn du so spät erst zusteigst, wird dir irgendwie kaum was erklärt. Es waren auch nur zwei Betten mit Bettzeug ausgestattet. Carsten hat dann noch mal extra Bettzeug bekommen und am Morgen haben wir rausgefunden, dass Carsten voll das tolle Kissen hatte und das Kind und ich mit so einem kleinen, ja so einem Spielzeugkissen quasi ausgestattet waren. Ja, also das waren so Dinge. So und der nächste Punkt von dem, dass es schwierig war, sich da auszustrecken und überhaupt zu schlafen und vielleicht noch zu sagen die sind ja auch relativ schmal, die Liegen und die sind auch nicht einfach gerade durch, sondern irgendwie so ergonomisch oder wie auch immer. Also so in Schlangenlinienformen irgendwie, in der Mitte werden die schmaler. Davon noch abgesehen war die ganze Zeit die Lüftung an und die Lüftung war so laut, dass ich gedacht habe: geht die irgendwann aus?

Carsten Die konntest du auch nicht runterregeln. Also wir konnten die Lautstärke für die Durchsagen regeln, wir konnten Lichtintensität regeln, aber die Lüftung, das ging gar nicht. Die lief einfach.

Stefanie Ja, also wobei ich nachher gedacht habe, an die Lüftung hätte ich mich noch gewöhnen können, aber es ging irgendwie überhaupt nicht, sich da angenehm hinzulegen. Ich hatte die ganze Zeit Angst aus dem Bett zu fallen. Unten war nichts, keine Barriere sag ich mal, damit ich, wenn ich schlafe nicht rausfalle. Und ich würde einfach mal sagen für Menschen die größer sind als 1,75m und / oder dick, für die ist das einfach nix.

Carsten Ja, wird schwierig, wird echt schwierig. Also wie gesagt bei meiner Körpergröße, ich habe echt Probleme gehabt, mich da so in den Schlaf irgendwie einzufinden.

Stefanie Ich habe auch kaum geschlafen.

Carsten Ich habe zwischendurch anscheinend schon geschlafen. Das habe ich dann gemerkt, dass die Zeit schneller vergangen ist. Aber gefühlt lag ich auch die meiste Zeit wach und ich hatte eigentlich gedacht, dass wenn wir so spät fahren, dass wir dann schon so müde sind, dass wir quasi in den Schlaf fallen. Ja, das war aber ein Trugschluss. Also wenn ich denn eingeschlafen bin, wie gesagt, da gehe ich von aus, dass ich irgendwo zwischendurch mal ne Stunde geschlafen habe oder so, dann war das Gefühl zuerst so um 3:00 Uhr nachts oder so. Ja, also ich habe noch sehr viel von der Fahrt mitbekommen und das muss ja nicht unbedingt so sein. Also eigentlich war die Idee, wir fläzen uns da hin, fallen relativ schnell in den Schlaf und sind dann morgens tatsächlich ausgeschlafen.

Stefanie Genau damit wirbt ja auch die Bahn. Also das ist jetzt der Nightjet von der ÖBB, also der Österreichischen Bundesbahn. Die Deutsche Bahn hat ja leider das Geschäft so komplett aufgegeben. Die werben damit und auch die Decken sind damit bedruckt. „Dream today - enjoy tomorrow“. Also dass du ausgeschlafen an deinem Wunschort ankommst und deswegen quasi einen Vorteil hast, weil du in der Zeit dich fortbewegt und geschlafen hast. Aber ich habe kaum geschlafen. Das Kind sagte morgens das es eigentlich ganz gut geschlafen hat, hat aber dann später gesagt, dass es noch einen oder anderthalb Tage lang Schwindelgefühle hatte, weil das so ungewohnt war. Du liegst ja auch quer zur Fahrtrichtung, also du liegst nicht in Fahrtrichtung, sondern quer und das ist dann ja auch wieder nochmal was anderes.

Das sind unsere persönlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben. Das kann ja auch sein, dass du ganz andere Erfahrungen machst, dass du 2 Meter groß bist und immer nur in Embryo Haltung schläfst und deswegen dort (zumindest unten) super schläfst. Das kann sein. Ich kann nur sagen: ich hätte gerne vorher gewusst, dass diese Betten so kurz sind, denn jetzt steht ja immer noch der Wunsch im Raum, dass wir mal nach Rom fahren und auch da gibt es so gute Anbindungen. Dann können wir von Hamburg nach München fahren mit dem ICE und von München fährt der Nachtzug - auch wieder der ÖBB Nightjet - abends um 20:00 Uhr los und ist morgens um 9:00 Uhr in Rom. Und das ist natürlich cool. Aber wenn ich dann überlege, was wir für eine Nacht hatten, musst du dich irgendwie zwei Tage lang erholen davon, dass du da so schlecht geschlafen hast. Also so war es zumindest bei uns und das wäre für mich keine Option. Was für uns auch blöd war, war, dass du, wenn du nachts mal zur Toilette musst, du dich immer anziehen musst, dann rausschleichen, da zur Toilette gehen und, wie gesagt, dass wir nicht wussten, dass man dann nebenan in den Waschraum gehen kann. Nur ist dann auch die Frage, wenn alle Wagen neu sind und es gar keine Waschräume mehr gibt, wie machst du es dann? Das ist ja auch irgendwie komisch.

Es gibt noch die Möglichkeit - wir hatten jetzt einen Liegewagen - einen Schlafwagen Platz zu bekommen. Da gibt es Deluxe Abteile, die natürlich teurer sind. Ist klar. Kostet dann so ungefähr das Doppelte von dem, was wir gezahlt haben, mit eigener Dusche und eigener Toilette. Da hatte ich jetzt schon mal drüber nachgedacht, ob wir da vielleicht irgendwie darauf sparen, damit wir dann damit nach Rom fahren, um dann zumindest diese für uns wichtigen Bedürfnisse nachts mal aufstehen, zur Toilette gehen und dann musst du nicht durch den ganzen Wagen laufen, sondern kannst einfach bei dir zur Toilette gehen und schläfst vielleicht, weil das Bett irgendwie kuschliger ist oder so angenehmer. Hatte ich gedacht. Vielleicht ist das was, aber die Betten sind ja auch nicht länger.

Ich hatte jetzt noch mal eine Anfrage gestellt an den Nightjet, wie denn jetzt die genauen Maße sind, und ich habe sogar zwei Antworten bekommen: einmal "im Durchschnitt 180 x 70 cm" und als zweite Antwort "Liegenwagen - 180 x 65 cm, Schlafwagen - 190 x 80 cm".

(Und dann ist natürlich die Frage, weil ich nämlich gesehen hatte, dass es je nach Liegeklasse sozusagen unterschiedliche Bettgrößen gibt, wenn die Betten dann größer wären, ob das dann eine Option wäre? Aber bisher war alles, was ich so recherchiert hatte, werden die Betten nicht länger als 1,90 m und das ist dann auch für Carsten wieder eher uninteressant.)

Carsten Wobei die Qualität des Bettes war für mich gar nicht das Problem. Es war wirklich die Länge, dass ich mich irgendwie nicht wirklich so bewegen konnte, wie ich das eigentlich normalerweise gewohnt bin. Ich bin jetzt auch jemand, der sich nachts immer mal wieder auf die andere Seite legt und dementsprechend braucht es ein bisschen Freiheit und zwischendurch auch tatsächlich mal ausstrecke. Ich habe zwischendurch einfach das Bedürfnis, mich dann einmal kurz auszustrecken und das geht dann nicht, weil das dann wirklich ne harte Kante ist. Da ist nicht so, dass ich mit den Füßen mal fünf Zentimeter nach oben müsste und dann mich über so eine Brüstung ausstrecken könnte, sondern da ist die Kabine zu Ende. Und dementsprechend ist das natürlich ein bisschen blöd und ich bin mir nicht ganz sicher, aber was mich auch vom Schlafen abgehalten hat, war die Kurvenbewegung. Die fand ich teilweise sehr extrem. Also es sind auch Fliehkräfte - so habe ich sie wahrgenommen - dass ich mal komplett nach rechts, mal komplett nach links, also Fahrtrichtung rechts oder links gedrückt wurde, wirklich, als wenn ich in so einer Zentrifuge war.

Solange die Richtung Richtung Füße gegangen ist, war das jetzt nicht so das Problem. In dem Moment, wo ich gemerkt habe der Druck Richtung Kopfregion nimmt zu und ich werde jetzt quasi als Gesamtpaket in Richtung meines Kopfes gedrückt, war das Ganze sehr unangenehm. Das kann sich natürlich dann irgendwie relativieren, wenn ich schneller in den Schlaf gefunden hätte, dann hätte ich das vielleicht gar nicht so wahrgenommen. Aber dadurch, dass ich dann tatsächlich da stundenlang wach gelegen habe, habe ich gefühlt jede Kurve mitbekommen und auch jedes Rangiermanöver. Also irgendwie habe ich sehr viel von der Fahrt mitbekommen. Und ja, wie du schon sagtest, es war überhaupt nicht erholsam. Am nächsten Tag hatte ich komplett den Durchhänger und brauchte eigentlich noch mal eine Nacht danach, um mich wirklich generell wieder zu regenerieren.

Stefanie Und ich hatte zwischendurch auch Angst, dass das Kind aus dem Bett fällt. Es hat sich ja auch mal umgedreht und diese Pritschen sind relativ schmal. Und wie gesagt, ich finde auch für dicke Personen ist es schwierig. Ich konnte mich zwar auf den Rücken legen und dann lag ich so geklemmt, aber wenn ich mich dann auf die Seite gelegt habe, mal auf die eine, mal auf die andere Seite, je nachdem... Ich habe alles ausprobiert. Ich habe auch mal die Richtung gewechselt. Ich habe mich immer mit dem Kopf dann nicht zum Fenster, sondern zur Tür gelegt. Aber da wurde das auch nicht besser.

Zumal die Betten meiner Meinung nach auch so geformt sind; die werden ja irgendwie kleiner. Also die Liegefläche wird schmaler Richtung Fußende. Also die haben tatsächlich eine Ausrichtung. Du kannst gar nicht anders darauf liegen. Also ich würde sagen, dicke Menschen können da auch Probleme haben, vor allem dicke große Menschen. Und mit groß meine ich über 1,75 m. Wie gesagt, ich bin fast 1,80 m.

Es kann natürlich noch passen, aber ich würde das gerne einfach noch mal ganz klar sagen: Diese Liegen, die sind wirklich maximal 1,85 m lang und vielleicht irgendwie so zwischen, weiß ich nicht, ich habe es nicht ausgemessen. Also an den ganz schmalen Stellen sind die bestimmt nur 40 Zentimeter breit, dahinten an den Füßen. Aber vorne vielleicht 70 Zentimeter. Aber das wäre es schon. Das ist schon viel.

Ich hatte nämlich jetzt noch mal recherchiert für Liegeflächen generell und da war so der Standard über die 60 Zentimeter. Und bei manchen Betten ist es dann in manchen Nachtzügen nur 1,75 m lang. Ja, da hätte ich das gleiche Problem wie Carsten gehabt, also da irgendwie reinzupassen, wenn das Bett noch nicht mal so lang ist wie man selbst. Ist schon ziemlich krass und ich bin einfach ehrlich gesagt total naiv davon ausgegangen, dass Betten überall mindestens 2 Meter lang sind. Das war irgendwie so meine Standardannahme, dass das so so sein muss.

Ich hätte nie gedacht, dass die kürzer sind. Ich habe das auch nirgendwo gelesen. Also vorher alle Berichte, die ich darüber gelesen hatte, das wurde da nie erwähnt, dass diese Betten so kurz sind. Oder hast du irgendwo mal was gehört oder gelesen?

Carsten Nein, nein, überhaupt nicht. Nein. Bettlänge war nirgendwo ein Thema. Eigentlich eher immer nur die Vorteile von Nachtfahrten. Das ist ja auch angenehmer. Du legst dich hin und kannst einfach am nächsten Tag aufstehen und frühstücken. Und bist eigentlich fit für den Tag, ohne dich dann noch irgendwie großartig erholen zu müssen, sondern kannst sofort starten.

Stefanie Ja, und es gibt auch einen Waschraum, wo du einmal kurz wenigstens das Gesicht waschen und die Zähne putzen kannst. Das konnten wir ja auch nicht. Wir wollten das auch nicht. Die Toilette war auch schon..., Ich weiß nicht, wie das auf dem rollstuhlgerechten WC war. War das auch schon so dreckig, oder?

Carsten Auf dem Hinweg war sie ganz normal sauber. Am nächsten Morgen habe ich schon gemerkt, dass andere Fahrgäste schon versucht haben, sich dort auch zu waschen. Der Fußboden selber… musste mit Schuhen reingehen, der war total nass.

Stefanie Wenn du jetzt gerade sagtest auf dem Hinweg: wir waren ja nur auf einem Weg unterwegs.

Carsten Nee, also Hinweg meine ich nicht. Also als wir...

Stefanie Eingestiegen sind, so meinst Du das…?

Carsten Ja, genau. Da war noch alles sauber und trocken. Ja, als wir dann ausgestiegen sind, am nächsten Morgen, als ich das letzte Mal drauf war, war ja, wie gesagt... die Spuren waren eindeutig. Menschen haben versucht, sich dort zu waschen und das sind ganz normale Toiletten, so wie wir sie heute so in normalen Zügen auch vorfinden. Das heißt, es kommt so ein bisschen Plätscherwasser raus. Und da hätte ich quasi so eine Katzenwäsche machen können. Und ich habe mir trotzdem die Frage gestellt: Wie kann ich hier Zähneputzen? Ich hatte jetzt keinen Zahnbecher dabei oder so was und das wäre schon schwierig gewesen.

Stefanie Und ich hatte gedacht, wenn Menschen darüber berichtet haben, dass sie mit dem Nachtzug gefahren sind und was negativ war, waren das ja eigentlich die Menschen, die mit einem da in so einem Schlafabteil oder Liegewagen oder wie auch immer dann da mit dabei waren. Dass andere Menschen vielleicht schnarchen oder irgendwas Schlimmes ist. So dass das vielleicht einschränkend sein könnte. Und deswegen hatte ich dieses Privatabteil ja für uns schon bekommen. Das war mit den 199 € schon relativ günstig, muss ich sagen. Und ich meine, wir haben ja tatsächlich einen der neuesten Wagen bekommen. Das ist ja schon alles sehr positiv und ich dachte, damit habe ich alles quasi ausgemerzt. Also damit ist alles abgehakt und wir haben aber auch tatsächlich von den Nachbar·Innen nichts gehört. Erst morgens beim Frühstücken hat man dann was gehört. Aber ich habe von denen in der Nacht eigentlich gar nichts gehört.

Carsten Nein, also umliegende Geräusche habe ich auch so weit nicht wahrgenommen. Das einzige, was ich wahrgenommen habe, war die Lüftung. Aber weil ich oben geschlafen habe, war sie bei mir auch deutlich leiser als bei dir unten. Und tatsächlich, ich sag jetzt mal, ganz normale Bahngeräusch.

Stefanie Ja, was ich auch gemerkt habe war, ich habe ja unten geschlafen, ich hatte das Gefühl da war es viel wärmer als bei dir oben. Und ich hätte besser oben geschlafen, weil ich es kühler mag ister und wie gesagt, dann wäre es da auch leiser gewesen und alles.

Aber ich hätte mir das jetzt auch nicht zugetraut ohne Leiter, wenn ich nachts zur Toilette muss, da einfach einmal runterzuspringen, dann hätte ich wieder eine Leiter angehangen. Vielleicht hätte man die auch die ganze Zeit da einhängen können. Aber mir ist dann auch erst morgens aufgegangen, wo man die einhängen muss. Also wie gesagt, das war alles irgendwie nicht so toll und also selbst wenn wir jetzt abends, sagen wir mal um 20:00 Uhr, wenn wir jetzt diese hypothetische Annahme hätten, wir würden jetzt von München nach Rom fahren mit dem Nightjet und würden um 20:00 Uhr da einsteigen und uns würde ein netter Mensch erzählen, wie das alles funktioniert und uns die Leiter sozusagen dann schon mal einhängen und wir gucken dann, wie funktioniert das alles und ich würde oben schlafen und da wäre die Lüftung nicht so laut und es wäre kühler. Und wenn wir vielleicht sogar investieren würden in ein Deluxe Schlafwagenabteil mit eigener Toilette und eigener Waschmöglichkeit, eigener Dusche gibt es da sogar noch dabei. Selbst dann gäbe es ja immer noch das Problem, dass die Betten nicht lang genug sind.

Und dementsprechend haben wir jetzt eigentlich gesagt: Okay, dann müssen wir jetzt, wenn wir wirklich noch jetzt irgendwann nach Rom fahren wollen, und es kommt nicht in Frage für uns mit dem Bus zu fahren, weil mir da immer schlecht wird. Es kommt nicht in Frage, mit dem Flugzeug zu fliegen, weil wir das einfach nicht wollen, auch nicht mit dem Auto zu fahren, weil wir es auch einfach nicht wollen. Zu Fuß also irgendwie auch blöd und mit dem Fahrrad auch. Das heißt, es käme für diese Strecke nur die Bahn in Frage. Müssen wir es irgendwie anders lösen, ohne Nachtzug.

Und damit kommen wir zu einem Punkt, den ich quasi willentlich zurückgehalten habe für jetzt, im Vergleich zum Nachtzug. Dass ich nämlich das Gefühl hatte, an dem Tag, als wir dann ja noch bis 23:25 Uhr warten mussten, bis dann der Zug kam, ich mich immer wieder dabei erwischt habe, dass ich gedacht habe: Ah ja, nachher, wenn wir im Zug sitzen, dann kann ich das Hörbuch noch weiter hören. Aber nachher, wenn wir im Zug sitzen, dann kann ich ja noch hier was lesen, dann kann ich das recherchieren und dann kann ich hier noch was machen. Um dann wieder zu denken: Ach nee, wir schlafen ja da. Das ist ja total doof. Ich kann überhaupt nicht mehr mein Hörbuch Zuende hören. Wenn wir morgen ankommen in Hamburg, dann ist es vorbei. Dann fahren wir noch eine Viertelstunde mit der S-Bahn, dann sind wir zu Hause und da ist gar keine Option mehr, jetzt ein Hörbuch zu hören. Und zu Hause, da habe ich noch dies oder jenes zu tun und das und so, und dann komme ich überhaupt nicht mehr dazu. Und das war irgendwie so eine Erkenntnis, wo ich gedacht habe: So toll ist es doch nicht.

Und dann habe ich natürlich wieder gedacht, aber das ist es ja auch was wir wollen: Ja, Nachtzug fahren usw..

Jetzt kann ich wiederum das nehmen, dieses Gefühl, dass ich denke: Ah ja, cool, jetzt kann ich gleich mal zwei Stunden, drei Stunden oder so Hörbuch hören oder Buch lesen oder keine Ahnung, was für mich machen und auf eine neue Reisemöglichkeit anwenden. Nämlich dann zu überlegen, dass wir die Reise nach Rom auch in Etappen planen und mir verschiedene Möglichkeiten überlegen. Nämlich, zum Beispiel, hatte ich gedacht, weil wir ja dann durch die Schweiz fahren, dass wir da vielleicht dann auch mal Zwischenhalt machen an einem Projekt von dem Verein Neustart Schweiz. Das wäre auch eine Möglichkeit, einfach Dinge zu sehen, oder Lebenshöfe. Oder so was zum Beispiel. Also einfach thematisch sich was zu überlegen und zu gucken, welche Orte sind dann interessant? Was könnte ich denn auf dem Weg erleben? Wie plane ich das so und dann auch wieder weiterhin die Reise so zu planen, dass man dann nicht so lange am Stück im Zug sitzt.

Jetzt sind wir ja bei dieser Reise durch Deutschland nur mit der Regionalbahn gefahren. Das muss ja nicht sein. Wir können ja auch mit dem ICE fahren, dann werden wir lange Strecken schneller überbrücken. Das werden wir wahrscheinlich dann auch machen. Das ist jetzt alles noch hypothetisch, keine Ahnung, ist auch eher nächstes oder übernächstes Jahr. Also das wissen wir noch nicht genau. Aber wenn man den ICE relativ frühzeitig bucht, dann kriegt man ja auch noch so günstige Tickets. Also von daher wäre das eine Überlegung. Und dann auch die Überlegung, so dann nach Rom zu kommen und auch wieder zurück. Dass man vielleicht auf dem Hinweg in dem Ort Halt macht und auf dem Rückweg in einem anderen Ort, so dass man die Möglichkeit hat, verschiedenste Orte zu sehen.

Natürlich bist du dann nicht irgendwie zwei Wochen in Rom und fährst an anderthalb Tagen hin, anderthalb Tagen zurück, sondern du bist dann vielleicht nur fünf Tage in Rom oder so. Je nachdem, was wir da jetzt machen wollen. Und fährst eine Woche hin und eine Woche zurück oder so ähnlich. Also denke ich mittlerweile, dass wir das dann so machen.

Carsten Und das ist auch tatsächlich etwas, was ich von unserer jetzigen Reise mitnehme, dass sehr viele Ereignisse stattgefunden haben. Also zwischendurch hatte ich schon das Problem im Gedanken nachzuvollziehen, was habe ich eigentlich in welcher Stadt jetzt gesehen? Weil das, was wir gesehen haben, das floss alles so ineinander über, dass ich gar nicht mehr sagen konnte: Oh, das war an dem Ort oder das war in jenem Ort, sondern das war Alles sehr präsent; aber es war sehr reichhaltig. Ich habe sehr viel Neues dazugelernt, ich habe sehr viele Aspekte bemerkt. Und wenn ich überlege, dass das ja eigentlich nur ein Reiseweg war, den wir da zurückgelegt haben, ist das schon sehr bemerkenswert. Und dass diese Konzentration ja mehr auf diesem Weg lag und nicht an einem Ziel festgemacht war, hat für mich eigentlich unser Urlaubserlebnis eigentlich sehr viel facettenreicher gemacht. Dadurch, dass ich einfach viele Dinge gesehen habe, die ich so nicht gesehen hätte, wenn wir uns einfach nur darauf konzentriert hätten, von A nach B zu kommen und möglichst lange an B zu bleiben.

Stefanie Ja, ich habe zwar zwischendurch viel fotografisch dokumentiert, um auch wirklich Erinnerungen daran zu haben und um das dann auch mit den Verwandten zu teilen, so Diashow mäßig. Die freuen sich alle schon auf diese knochentrockene Diashow mit 500 verwackelten Fotos.

Aber jedenfalls habe ich jetzt im Nachhinein gedacht: Ich möchte jetzt gerne noch so ein Fotobuch gestalten, um diese Reise greifbarer zu machen. Ich habe auch extra alle Fahrkarten aufbewahrt, weil ich gedacht habe, das macht es irgendwie schöner. Ich habe jetzt auch noch einige Ideen, wie ich das gestalten möchte, einfach um die Reise an sich auch zu würdigen, was wir so erlebt haben und einen Kontext auch zu den Fotos zu bieten.

Carsten Ich fand es sehr schön, sehr interessant und tatsächlich auch sehr bereichernd. Einmal als Erlebnis, als Gesamterlebnis. Auch wenn wir jetzt gerade zum Schluss die die Rückfahrt als sehr negativ wahrgenommen nochmal erklärt haben.

Stefanie Die Blenden, die einfach aus...

Carsten Und die die Erkenntnis zu haben, dass der Nachtzug jetzt zumindest nichts für uns ist, ist ja auch schon mal sehr, sehr wertvoll. Und wir haben es auch nach Hause geschafft.

Stefanie Wir sind nicht zwischendurch rausgesprungen, schreiend.

Carsten Also das Ziel haben wir ja erreicht. Aber dieses Gesamtkonzept. einfach zu sagen, wir reisen in Etappen, gucken in den einzelnen Etappen, was es dort Interessantes gibt, nutzen auch viele Angebote in den einzelnen Orten und versuchen uns in den Orten so wohlzufühlen, wie wir es gerade in der kurzen Zeit auch schaffen. Das fand ich sehr spannend. Und wie gesagt, ich habe tatsächlich sehr viele Eindrücke gesammelt, die ich jetzt auch noch längere Zeit mit mir herumtrage, wo ich auch zwischendurch wirklich, was ich vorhin auch schon erwähnt hatte, Probleme habe, die auseinander zu differenzieren, zu wissen, was war jetzt wo aber das ist..., das habe ich als sehr bereichernd empfunden. Das hätte ich glaube ich nicht gehabt, wenn ich jetzt wirklich nur in der Zielstadt im Zielort gewesen wäre und hätte da irgendwie eine Woche oder so verbracht.

Das ist jetzt aber nichts, was ich jetzt wahrscheinlich übertragen kann. Aber ich hatte ja am Anfang überlegt, ob ich meine Fotoausrüstung mitnehme. Gedacht: Okay, wenn du jetzt schon durch verschiedene Orte fährst und so, ist ja meistens so für jemanden, der fotografiert, dann die Kamera, das erste Equipment, was man in der Hand hat. Dass hätte ich gar nicht gebraucht. Dass wäre zu viel gewesen für mich. Ich konnte mich ohne meine Kamera so auf die einzelnen Situationen, auf die Erlebnisse, auf die Führungen, auf die Museen und so viel besser einlassen. Und hatte nicht immer diesen Drang, jetzt auf fotografische Tour gehen zu müssen. Also ich hätte wahrscheinlich mein Fotoequipment tatsächlich auch als Belastung, als belastendes Gepäck, aber auch als inhaltliche Belastung wahrgenommen. Und das war ganz gut, dass wir die Reise jetzt nur für uns gemacht haben. Wir haben zwar mit dem Handy fotografiert, um für uns so entsprechende Erinnerungsschnipsel mit reinzubekommen, mit denen du ja auch dieses Fotobuch nach gestalten kannst, aber wir haben auch ganz viele lustige Aufnahmen gemacht, weil wir einfach Spaß dabei hatten. Und das war echt ein super rundes Paket und ich freue mich darauf, wenn wir dieses Konzept auch in Zukunft für andere Reisen einsetzen können. Sei es die Reise nach Rom oder so. Das ist so mein Resümee.

Stefanie Ich nehme das jetzt mal als Kompliment für meine Reiseplanung. Ja und wie gesagt, mir macht so was total viel Spaß und ich habe jetzt auch Spaß daran, dieses Fotobuch zu gestalten. Da kommt wahrscheinlich die Designerin in mir durch. Dieser gestalterische Ansatz, das ist auf jeden Fall was, was mir Freude bereitet und ich könnte mir vorstellen, so was für andere zu machen. Aber letztlich kollidiert das dann wieder mit diesem „Arbeit und Geld“ und diese ganzen großen Gedanken, die ich mir in letzter Zeit mache. Aber vielleicht… ich gebe das jetzt mal so in den Raum hinein, raus aus diesem Mikrofon usw. Vielleicht ergibt sich ja daraus irgendwas. Mal schauen.

Aber jedenfalls, das war jetzt so unsere persönliche Reiseberichterstattung, unser Eindruck und unsere Erfahrungen, die wir gemacht haben mit unserer Tour quer durch Deutschland und zurück, mit verschiedensten Bahnmöglichkeiten. Also einmal Regionalbahn: Hinfahrt mit den verschiedenen Etappen. Und die Rückfahrt, dann unser Nachtzug Erlebnis. Und wie gesagt, das ist nicht allgemeingültig. Das heißt nicht, weil wir das so erlebt haben, musst du das auch so erleben. Gerade die negativen Dinge, das ist jetzt einfach..., sind unsere Grundvoraussetzung, unsere Bedürfnisse. Und ich denke wirklich, dass beim Reisen es ganz viel auf die individuellen Bedürfnisse ankommt. Was brauchst du, um dich wohlzufühlen? Was willst du überhaupt? Also was wünschst du dir vom Reisen? Was ist so dein Anspruch an das Reisen? Ist es eher Entspannung oder willst du was Neues entdecken? Willst du neue Kulturen oder neue Länder kennenlernen? Willst du thematisch so wie wir jetzt, bei den Römern zum Beispiel, irgendwie unterwegs sein? Also das sind alles Dinge, alles Fragen, die du dir zu Beginn stellen solltest. Und da ist jetzt unser Beitrag, dass du diese Gedanken und diese Bedürfnisse vielleicht auch mit Bahnreisen dann erfüllen kannst, dass du zu diesen Orten kommst, zu denen du möchte. Auf verschiedene Art und Weise. Und, vielleicht hast du ja positive Erfahrungen mit Nachtzügen gemacht, so dass du dann sagen kannst: Okay, das ist aber was für mich. Wir sagen jetzt auch nur, dass es aufgrund unserer Körpergröße nichts ist und wir uns nicht so gut daran gewöhnen konnten, an diese Lüftung und die Toilette und Waschmöglichkeiten.

Lüftung, Toilette, Waschmöglichkeiten sind Dinge, womit wir wohl klar kämen, aber die Bettlänge nicht so. Also wie gesagt alles individuell. Also von daher waren das jetzt unsere persönlichen Eindrücke und wir hoffen, dass wir dich damit inspirieren konnten und dass du vielleicht den einen oder anderen Tipp mitnehmen konntest. Und wenn du gerne mit uns darüber ins Gespräch kommen möchtest, kannst du uns natürlich gerne schreiben. Und es wird sogar, das kann ich noch ganz schnell am Ende anfügen, bald wieder eine neue Community geben. Da arbeite ich gerade dran, so im Hintergrund. Das kann aber vielleicht noch ein bisschen dauern, weil wie gesagt, ich mich verkühlt hatte und jetzt erst mal auskurieren musste und dann kommt noch dies und das und jenes. Wie das so ist... Aber bald wird es auf jeden Fall was geben, weil ich irgendwie ohne nicht kann. Also von daher gibt es dann da auch wieder die Möglichkeit zum Austausch. Also das schon mal als Spoiler.

Ja, dann würde ich sagen: In diesem Sinne...

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 285 - "Aktivismus heißt Verbindung - indigene Weisungen zur Heilung der Welt"

Ein Beitrag

Folge 285 - "Aktivismus heißt Verbindung - indigene Weisungen zur Heilung der Welt"

In dieser Folge stellen wir Dir eines meiner aktuellen Lieblingsbücher vor:„Aktivismus heißt Verbindung - indigene Weisungen zur Heilung der Welt“ von Sherri Mitchell, auch bekannt als Weh’na Ha’mu’ Kwasset (Die das Licht bringt).

Sherri Mitchell schreibt nicht nur darüber, was alles in unserer Welt schief läuft und warum, sondern zeigt auch ganz klar auf, was wir jetzt tun können, um das zu ändern.

Sie gibt konkrete Weisungen an die Hand, mit denen wir eine Zukunft erschaffen können, in der ein gutes Leben für alle Lebewesen möglich ist.

Es ist alles schon da, wir müssen es nur umsetzen und vor allem auch auf die Weisheit indigener Gesellschaften hören.

Links zur Folge

Buch "Aktivismus heißt Verbindung - Indigene Weisungen zur Heilung der Welt" von Sherri Mitchell
https://wortenundmeer.net/product/sherri-mitchell-aktivismus-heisst-verbindung/

Buch "Der Flug des Raben" von Richard Wagamese
https://www.penguinrandomhouse.de/Richard-Wagamese-Der-gefrorene-Himmel-Das-weite-Herz-des-Landes/aid87721.rhd

Träume: Von unsichtbaren und sichbaren Welten
https://www.goethe.de/prj/hum/de/dos/tra/22353299.html

„Es gibt Traumthemen, die universell sind“
https://www.goethe.de/prj/hum/de/dos/tra/22356965.html

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie In der heutigen Folge stellen wir mal wieder ein Buch vor. Wir haben einfach einen Riesenstapel an Büchern, den wir noch abarbeiten müssen, quasi. Also wir haben noch ganz viele Bücher, die wir gerade lesen und auch schon welche, die wir schon gelesen haben und die sozusagen in der Warteschlange stehen, aber thematisch jetzt gerade noch nicht passen. Und heute wollen wir das Buch „Aktivismus heißt Verbindung - indigene Weisungen zur Heilung der Welt“ von Sherri Mitchell vorstellen. Und dieses Buch ist für mich was ganz Besonderes und ich habe schon lange darauf gewartet, das jetzt vorstellen zu können. Und das ist tatsächlich ein Buch, das ich mir gekauft habe. Ich habe es vorher ausgeliehen und nachdem ich es gelesen habe, habe ich gedacht, das ist so wichtig für mich, das Buch, auch für die kommende Zeit, was ich alles noch machen möchte, ich muss dieses Buch einfach haben, nicht um des Besitzes willens, sondern einfach um da immer wieder reinlesen zu können.

Und bevor ich dir jetzt erzähle, warum ich das Buch so toll finde, möchte ich mich erst mal bei einigen Menschen bedanken, die Transkripte von Podcastfolgen Korrektur gelesen haben. Und zwar sind, seit wir die letzte Folge aufgenommen haben, nicht seit sie veröffentlicht wurde, sondern seit wir sie aufgenommen haben, einige korrekturgelesene Transkripte eingetrudelt und ich möchte in der Reihenfolge, in der sie angekommen sind, mich bedanken bei Astrid, Erika, Birgit, Wolfgang und vor allem Rupert. Rupert ist nämlich momentan dabei, einfach stetig weiter Transkripte Korrektur zu lesen und das ist wirklich wunderbar. Da bin ich total dankbar für. Denn jedes Transkript was Korrektur gelesen wird, muss ich nicht mehr Korrektur lesen. Und es sind jetzt noch 212 Folgen vom „Mehr als Vegan“ Podcast offen. Da ist also noch ordentlich Luft nach oben. 9 Folgen sind in Bearbeitung, also nicht von diesen 212 Folgen, sondern zusätzlich zu den 212 Folgen sind 9 in Bearbeitung von netten Menschen, die sich bereit erklärt haben Transkripte Korrektur zu lesen und 68 Folgen sind derzeit schon transkribiert worden. Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, jeden Tag ein Transkript Korrektur zu lesen, habe das aber dann tatsächlich wieder aufgegeben und mache das jetzt auch eher so sporadisch, weil es so zeitfressend ist.

Und deswegen bin ich super super dankbar, dass Astrid, Erika, Birgit, Wolfgang und Rupert in den vergangenen Wochen die Korrektur gelesenen Transkripte eingesandt haben und dass es auch weiterhin Menschen gibt, die sich bereit erklären, Transkripte Korrektur zu lesen. Also ganz ganz herzlichen Dank.

Carsten Auch von meiner Seite aus ganz herzlichen Dank!

Stefanie Genau. Du, Carsten, hast ja einfach gar keine Zeit irgendetwas Korrektur zu lesen, weil du ja auch den Vollzeitjob hast und sonst noch so ein paar Dinge zu erledigen.

Carsten Genau, das ist tatsächlich so das große Manko. Kaum bin ich zuhause, dann gehen auch schon fast die Lichter aus. Also im wahrsten Sinne des Wortes. Und da ist tatsächlich nicht die Zeit und leider auch nicht die Energie, um da zu unterstützen. Es liegt nicht daran, dass ich nicht Lust hätte, aber es ist einfach, dass der Energielevel dann am Ende des Tages auch am Ende ist.

Stefanie Und deswegen ist es wirklich sehr zeitintensiv. Und wenn du, liebe Hörerin, lieber Hörer, das Gefühl hast, du möchtest gerne Zeit schenken und eine Folge Korrektur lesen oder vielleicht auch mehrere, dann meld dich gern bei mir unter post [at] vonherzenvegan.de. Wie gesagt, jetzt gerade, wo wir die Podcastfolge aufnehmen, sind noch 212 Folgen offen. Du kannst dann einfach dir eine Folge aussuchen, in dem du online guckst, bei denen, die schon transkribiert sind, da siehst du, dass da vollständiges Transkript steht und dann ist das Transkript schon auf der Folgenseite quasi zu sehen. Diese 9, die in Bearbeitung sind, kannst du nicht sehen. Das heißt, du müsstest mich dann einmal fragen: ist es okay? Ich schicke dir dann das Transkript zu, sollte das noch nicht vergeben sein. Und dann geht es wirklich nur darum, dass du Korrektur liest. Insofern nicht, dass es jetzt dann die neueste deutsche Rechtschreibung ist oder so. Also Kommasetzung ist mir eigentlich total egal. Natürlich ist Interpunktion auch sinnvoll, also so komplett ohne kann sich der Sinn von Sätzen verschieben. Es ist schon ganz gut, wenn so grob der Sinn erhalten bleibt. Aber es geht vor allem darum, dass die Software, die dieses Transkript erstellt, Fehler macht. Und diese Fehler zu erkennen und zu sagen ach, das heißt ja gar nicht „ich liebe Garn“, sondern das heißt „ich lebe vegan“, das dann zu korrigieren, darum geht es tatsächlich, damit der Sinn der Folgen erhalten bleibt. Und das kostet Zeit, weil du das Transkript einmal komplett durchlesen musst. Und je nachdem wie gut die Software das verstanden hat, desto mehr oder desto weniger gibt es zu korrigieren. Und weil das Zeit kostet, bin ich super super dankbar für jede Person die sagt, ich helfe dir, ich lese wenigstens ein Transkript Korrektur.

Also wie gesagt, wenn du dich angesprochen fühlst und sagst: Ja, ich kann ein bisschen Zeit investieren, ich kann dir Zeit schenken, dann melde dich bei mir. Wenn du sagst: Zeit habe ich nicht übrig, aber Geld, dann ist das auch toll, denn es fehlt immer noch ein bisschen Geld, um tatsächlich so die Hostinggebühren, die laufenden Kosten zu zahlen für die Podcasts und die Internetseite, alles was ich so kostenlos zur Verfügung stelle. Da kannst du gerne einmal bei Steady schauen. Es gibt im Moment sechs Menschen, die mich über Steady regelmäßig unterstützen, finanziell, eine Person, die mich regelmäßig per Überweisung unterstützt und insgesamt ergibt das einfach noch zu wenig Geld im Monat, um meine laufenden Kosten auszugleichen. Es geht wirklich nur um die laufenden Kosten. Schau da gerne mal vorbei. Selbst wenn du „nur“ 3 € im Monat gibst, ist das schon toll. Denn wenn das mehrere Menschen machen, dann summiert sich das ja. Und dann kommen wir auch auf den Betrag, den ich brauche, um die laufenden Kosten zu decken. Solltest du finanzielle oder zeitliche Unterstützung erübrigen können, bin ich dafür sehr dankbar. Du findest alle Informationen dazu hier unter der Folge oder in den Shownotes.

Jetzt zurück zum Buch. Carsten und ich haben das beide gelesen und wir haben noch nicht so direkt darüber gesprochen, über das Buch, nur so ein bisschen indirekt. Ich hatte dann das Gefühl, dass Carsten nicht so ganz damit zurechtgekommen ist, mit dem Buch und hatte ihm dann noch andere Bücher empfohlen zu lesen. Und vielleicht können wir da jetzt zunächst einmal drauf eingehen. Ich bin der Meinung, alle sollen dieses Buch lesen. Also dieses Buch ist wirklich für jede und jeden geeignet und sollte auch unbedingt gelesen werden. Wie siehst du das denn?

Carsten Ja, Zustimmung also ja, ist ein wichtiges Buch. Finde ich auch. Ich habe aber tatsächlich ein Thema, mit dem ich schwer klargekommen bin, wo ich auch dankbar bin, dass du mir nachher nochmal ein anderes Buch empfohlen hattest, um das so ein bisschen zu relativieren. Und zwar das Thema Spiritualität. Und dazu muss ich sagen, dass genau zu diesem Aspekt auch der Verlag quasi im Nachwort noch mal Bezug genommen hat, weil das Verständnis von Spiritualität in der indigenen Welt, sage ich jetzt mal, anders gelagert ist als das, was ich jetzt mit meiner, wie soll ich das sagen, eurozentrischen Lebenserfahrung unter Spiritualität verstehe. Ich bin jetzt nicht ganz eingeengt mit dem Begriff Spiritualität, aber Spiritualität hatte für mich erst mal so einen rein christlichen Kontext oder einen fernöstlichen Kontext, so mit, keine Ahnung, Meditation etc. Buddhismus, Zen das sind so alles Sachen, die fallen mir da ein. Also trotzdem sehr speziell, sehr abgegrenzt und meine Schwierigkeit bei diesem Buch war, dass es sehr spirituell geschrieben ist und wie gesagt, der Begriff Spiritualität bei mir eine bestimmte Konnotation hat, manchmal negativ, manchmal aber anders. Und da habe ich mich an einigen Stellen vielleicht nicht ganz so wiedergefunden oder bzw. auch ein bisschen es schwieriger gehabt, mich da reinzudenken.

Aber du hast mir ein Folgebuch empfohlen, einen Roman, wo indigene Erfahrungen, also persönliche Erfahrungen geschildert wurden von einer Person, die zurück zu ihrer Kultur gefunden hat. Und darum ging es ja, diesen Bezug, das ist ja dieses Zurück zur Kultur, zu den eigenen Wurzeln, zu sich selber finden, das ist so, sag jetzt mal so ganz roh das, was unter Spiritualität damit hineinwirkt und damit kann ich was anfangen. Das ist ja letztendlich auch nichts anderes als das, was ich persönlich versuche zu praktizieren, also im Sinne von zu mir selbst zu finden, zu verstehen wer bin ich eigentlich? Und das ist in der indigenen Welt natürlich ein sehr großes Thema. Also wirklich zu sich selbst zu finden und auch diese Verbindung zu sich selbst und und zur Mitwelt wieder aufzubauen. Aber wie gesagt, beim Lesen dieses Buches bin ich da mal so ein bisschen drüber gestolpert. Deswegen kam ich jetzt am Ende des Buches nicht ganz so euphorisch aus dem Lesen heraus wie du. Du hast da viel mehr direkt mitgenommen und ich bin dann immer über diesen Stolperstein Spiritualität gestolpert.

Stefanie Ich habe jetzt gedacht, wo wir gerade darüber sprechen, dass dieses Buch eigentlich ein Beispiel für voraussetzungsreiches Sprechen ist. Das, was Kübra Gümüşay schon in ihrem Buch „Sprache und Sein“ angesprochen hat, das was sie da beschrieben hat, dass das hier eigentlich stattfindet, dass das ein Beispiel dafür ist. Würdest du, wenn du jetzt darüber nachdenkst, das auch so sehen?

Carsten Das würde ich auch tatsächlich so sehen, dass das vielleicht für mich auch eine Hürde da war, dass ich mich erst mal so richtig einfinden musste in das was damit gemeint ist.

Stefanie Weil sie einfach aus dieser Kultur heraus gesprochen hat. Und für sie ist das ihr kulturelles Selbstverständnis und hat das nicht erklärt.

Carsten Mit sie meinst du Sherri Mitchell.

Stefanie Ach so, ja genau. Die Autorin Sherri Mitchell von dem Buch. Genau.

Carsten Ja, stimmt. Sie hat es nicht erklärt, das stimmt. Sie hat es vorausgesetzt. Deswegen ja voraussetzungsreiches Sprechen oder Lesen an der Stelle. Und das stimmt. Und ja, ich will nicht sagen, dass ich das jetzt vermisst habe. Das ist ja eher ein Defizit auf meiner Seite. Ich kann ja nicht voraussetzen, dass jede Person, die über dieses Thema schreibt, von vornherein erst mal einen riesigen Exkurs macht, um in das Thema einzuleiten.

Stefanie Aber ich wusste ja vorher schon, dass du Probleme mit Spiritualität hast und hatte dich darauf hingewiesen, dass das hinten erklärt wird im Buch, dass es dann noch einen Anhang gibt vom Verlag und du das auch dazu lesen solltest und wo du gerade gesagt hast, du weißt nicht, ob dir das geholfen hätte, wenn sie das erklärt hätte. Es wurde ja erklärt und es hat dir aber anscheinend nicht geholfen.

Carsten Ich habe das ja erst zum Schluss gelesen.

Stefanie Ach so.

Carsten Es ist ja ein Anhang.

Stefanie Also da ist es tatsächlich hilfreich, wenn du das zuerst liest. Hat der Anhang denn dann im Nachhinein geholfen?

Carsten Ja, ja klar. Das rückt natürlich sehr viel wieder gerade. Da, wo ich vorher gedacht habe okay, so richtig verstanden habe ich es nicht. Natürlich aber eher logisch. Den Anhang lese ich zum Schluss, deswegen heißt der Anhang, sonst hätte es ein Vorwort oder eine Präambel sein müssen.

Stefanie Ja, okay.

Carsten Und trotz deiner Warnung: nee, ich neige tatsächlich dazu, Bücher linear zu lesen. Also von daher mea culpa.

Stefanie Ja, aber es hat dir ja dann geholfen, sagtest du, dass du das Buch, was ich dir noch empfohlen hatte, gelesen hast. Ich sage nochmal dazu, welches das ist: und zwar von Richard Wagamese „Der Flug des Raben“. Und ich habe jetzt von diesem Autor alle verfügbaren Bücher gelesen. Allerdings sind noch nicht alle Bücher ins Deutsche übersetzt worden. Der Autor ist mittlerweile schon gestorben, ist aber ein sehr bekannter indigener Autor aus Kanada und ich finde die Art und Weise wie er schreibt super. Und ich dachte, damit Carsten zumindest besser versteht, was Sherri Mitchell mit der Spiritualität meint, ist es gut so was nochmal sozusagen in der Praxis zu lesen, weil das, was Sherri Mitchell schreibt, das ist so die Theorie und wie indigene Menschen das wirklich meinen und leben, das fand ich, konnte man gut in dem Buch „Der Flug des Raben“ von Richard Wagamese lesen. Was denkst Du?

Carsten Ja genau, das war für mich tatsächlich eine große Hilfe. Was ich vorhin schon sagte, das hat dann den Bezug zur Praxis für mich aufgebaut, dass ich auch wirklich, ich sag jetzt mal, tatsächlich verstanden habe, was damit gemeint ist, also den direkten Bezug zum Alltag. Und da habe ich mich auch wiedergefunden. Und gerade dieses Buch, „Der Flug der Raben oder des Raben“?

Stefanie Es ist nur einer. Der Protagonist heißt Garnet Raven und ist Teil des Raven Clans und eigentlich im Englischen heißt das Buch „Keeper ‚n me“, weil er mit einer anderen älteren Person dort zusammenkommt, die Keeper heißt. Von daher eigentlich beschreibt das das besser. Die deutsche Übersetzung ist nicht so treffend, aber Rabe, weil sein Familienname Raven ist.

Carsten Ja und das hat für mich sehr viel bedeutet, dieses Buch zu lesen, weil es mich auch sehr emotional mitgenommen hat. Also es war schon sehr berührend, das alles zu lesen, weil es ja auch eine autobiografische Komponente hatte, wobei der Autor es offen gelassen hatte: Was ist jetzt autobiographisch und was ist fiktiv? Aber das ganze Thema an sich, der Umgang mit Indigenen, gerade wie wir weißen Menschen mit indigenen Menschen umgegangen sind und auch noch umgehen, das wird da sehr stark thematisiert aus dieser persönlichen Sichtweise. Und das hat mir tatsächlich geholfen um auch diesen Bezug zum Thema Spiritualität so eingrenzen zu können, wie Sherri Mitchell es in ihrem Sachbuch dann auch gemeint hat.

Stefanie Ja, und deswegen, falls du, liebe Hörerin, lieber Hörer auch so wie Carson eher dem Thema oder dem Begriff Spiritualität so - ja ich will jetzt nicht sagen negativ gegenüber stehst - aber vielleicht so ein bisschen damit fremdelst, das in dir so leichte Verwerfungen hervorruft, dann empfehle ich dir wirklich zusätzlich zu dem Buch noch das Buch „Der Flug des Raben“ von Richard Wagamese zu lesen. Gerne auch alle Bücher von Richard Wargamese. Also ich fand das sehr inspirierend und auch gerne - das mache ich jetzt gerade auch - Bücher generell von indigenen Autor·innen, um einfach die Art und Weise zu denken, da zu lernen und mehr in die Kultur einzutauchen. Das ist nämlich auch was. Da muss ich jetzt einen kleinen Exkurs machen.

In meinen Bildungsurlauben wurde mir ja immer gesagt, ich muss ja unbedingt irgendwo hinfliegen im Urlaub, um die Kultur von diesem Land kennenzulernen. Und ich denke, es gibt tatsächlich noch mehr Möglichkeiten, um die Kultur von einem Land kennenzulernen, auch ohne dahin zu fliegen, nämlich zum Beispiel über Bücher, also Romane, die von Autor·innen geschrieben wurden, die dieser Kultur angehören. Und durch die kann ich viel vielfältiger da eintauchen und auch Filme, Serien, was auch immer, also alles, was so aus diesem Kulturkreis stammt. Es müssen ja keine Dokumentationen sein, sondern es können auch Romane sein oder Gedichte oder was auch immer. Das lässt mich ja viel tiefer eintauchen, als wenn ich drei Wochen Urlaub da mache. Also sowieso ist - wir können das jetzt ewig weiterspinnen - aber sowieso ist dieser kurze, drei Wochen Jahresurlaub nicht dafür geeignet, um eine ganze Kultur kennenzulernen. Oder über die Sprache, wenn du die Sprache lernst, dann kannst du dich dieser Kultur auch annähern. Also es gibt mehrere Möglichkeiten, wollte ich noch mal sagen, genau.

Und auch generell ist es so, dass sich aus dem Buch eine Vielfalt von Themen ergibt, die wir in zukünftigen Folgen auch noch behandeln wollen. Wir planen auch noch so was wie eine Serie zum Thema Gewalt in verschiedensten Formen. Carsten hat schon zwei Bücher eigentlich theoretisch vorbereitet, schon durchgearbeitet, die auch noch dann vorgestellt werden wollen mit bestimmten Schwerpunktthemen. Also es ergibt sich vieles jetzt auch aus diesem Buch und mir war dieses Buch deswegen so wichtig, weil ich das Gefühl hatte, es fügt bei mir vieles zusammen, was vorher schon aus verschiedenen Richtungen auf mich zugekommen ist, aber jetzt in diesem Buch wirklich zu einem sinnvollen Ganzen gewoben wurde.

Carsten Ja, vielleicht können wir da mal einsetzen. Ich glaube, gerade der Titel „Aktivismus heißt Verbindung“, war etwas, da hatte ich ursprünglich ein etwas anderes Verständnis, weil als ich das das erste Mal gelesen habe, habe ich gedacht: ist doch völlig klar. Wir als Aktivist·innen müssen zusammenarbeiten, wir müssen uns verbinden. Das ist ja jetzt keine neue Erkenntnis, sondern Gruppen finden sich ja auch - Ende Gelände als als einzelne Gruppe agiert ja auch in anderen Kontexten und andere Gruppen arbeiten jetzt zum Beispiel damit bei - also von daher dieses Verständnis, dass soziale Gruppen untereinander Verbindung schaffen müssen als Aktivist·innen, das ist ja wohl klar. Warum gibt es da jetzt ein eigenes Buch? Das war so für mich die Frage. Aber als ich das gelesen habe, habe ich gemerkt, hier geht es um was komplett anderes.

Stefanie Und magst du uns mal verraten, um was es denn geht deiner Meinung nach? Ich sag dann gleich ob es richtig oder falsch ist. (lacht)

Carsten Was soll ich fragen, ob ich das Geheimnis lüften darf?

Stefanie Ja, du darfst.

Carsten So wie ich es verstehe, geht es hier tatsächlich um die Verbindung zur Welt. Also dass wir uns nicht als getrennte Personen, als getrennt von der Natur sehen und auch nicht mehr so handeln, sondern, dass wir die Verbindung zur Natur suchen, finden und ausbauen, aber auch die Verbindung zu uns selbst. Was ich vorhin schon sagte, also tatsächlich wissen wer sind wir, wie sind wir, wie reagieren wir? Was für Anteile haben wir in uns und dementsprechend auch die Verbindung zu unseren Mitmenschen. Dass wir uns wieder als soziale Personen begreifen, die nicht nur verbal und wie auch immer interagieren, sondern dass wir auch untereinander verbunden sind und sei es einfach, weil wir Teil der Natur sind. Aber dann auch in diesem spirituellen Kontext, also dieses „alles ist im Fluss“ oder wir sind alle miteinander verbunden oder so. Also ich kann das schlecht ausdrücken, aber das ist so das, was ich aus diesem Buch mitgenommen habe, was Sherri Mitchell unter Verbindung meint, nicht das Zusammenarbeiten untereinander, also keine Kollaboration, nicht ausschließlich, eher so auf dieser spirituellen Art und Weise die Verbindung wieder aufbauen.

Stefanie Auf jeden Fall auch natürlich das Zusammenarbeiten statt gegeneinander, gemeinsam statt individuell also solche Dinge auch, genau. Soll ich jetzt so ein Hop/Top, richtig oder falsch machen?

Carsten Nein, einfach den Daumen hoch oder runter.

Stefanie Sicherlich, sehr lustig. Beim Audio ist sowas toll. Ich kann ja dann im Transkript so einen Daumen hoch Daumen runter einbauen.

Um Verbindungen ging es ja auch schon bei Robin Wall Kimmerer. Als wir „Geflochtenes Süßgras“ gelesen und rezensiert haben, sprach sie ja auch quasi davon, dass wir die Verbindung zur Natur eigentlich wieder herstellen müssen. Hier finde ich, geht Sherri Mitchell nochmal um einiges weiter. Also natürlich ergänzt sich das und je mehr du von indigenen Autorinnen liest, desto mehr wirst du dich da auch hineinfinden können in diese Gedankenwelt. Und was mich besonders angesprochen hat, war Heilung der Welt, weil im Moment mein Thema irgendwie Heilung ist und ich gedacht habe: ja, das ist tatsächlich ein Schritt für alle, den wir gehen müssen, weil so viel Gewalt passiert ist. Insgesamt. Aber natürlich auch uns persönlich.

Aber generell ist historisch betrachtet, so viel Gewalt überall passiert durch die Kolonialisierung, durch verschiedenste Dinge wie das Patriarchat und so, also Gewalt an Menschen, Gewalt an unserem Planeten, an den Mitlebewesen, die hier unseren Lebensraum mit uns teilen und einfach Gewalt in unterschiedlichem Ausmaße. Und natürlich auch Ungleichgewicht herrscht zwischen Menschen, die kolonisiert wurden und Menschen die kolonisiert haben. Also wenn ich das jetzt so unterteilen darf.

Und da damit wir dann eine gemeinsame Zukunft haben und wir ein gutes Leben für alle schaffen können auf diesem Planeten, muss erst mal Heilung stattfinden. Und Sherri Mitchell schreibt an einer Stelle auch, dass Heilung erst stattfinden kann, wenn das aufhört, also diese Gewalt aufhört. Also wenn wir natürlich erst mal anerkennen, dass Gewalt stattfindet. Aber dann muss das aufhören und dann können wir erst heilen. Das ist natürlich ein großer Schritt, zumindest aus unserer heutigen Perspektive, der dann noch getan werden muss. Der aber notwendigerweise gegangen werden muss.

Und das war eigentlich das, was mich am meisten neugierig auf das Buch gemacht hat. nd ich fand es wirklich rundum etwas, was mir hilft, wirklich jetzt dann in die Zukunft weiterzugehen und auch meinen Weg zu finden und meinen Platz, wie ich jetzt am besten an dieser klimagerechten, sozialgerechten Zukunft mitarbeiten kann. Und Sherri Mitchell schreibt auch in dem Buch, dass es die Aufgabe unserer Zeit ist, die nächsten sieben Generationen ins Leben zu träumen und dass wir daran arbeiten müssen, ihnen eine Welt zu bieten, die dazu in der Lage ist, ihre Leben zu erhalten und dieses in die Zukunft träumen. Unsere Vorfahrinnen haben uns quasi in die Zukunft geträumt, haben uns erahnt in der Zukunft und andersrum sind wir jetzt diejenigen an der Reihe, die nächsten sieben Generationen in die Zukunft zu träumen. Das war etwas, was mich auch sehr berührt hat. Was aber natürlich auch wieder spirituell ist. Und deswegen natürlich gleich die Frage an dich: War das jetzt was, womit du was anfangen konntest oder ist das wieder was, wo du sagst: spirituell weg?

Carsten Äh, ja und nein. Also das mit den sieben Generationen kannte ich. Das war jetzt für mich nichts Neues. Ich finde das sehr wichtig, diese sieben Generationen zu überdenken, weil es ein viel größerer Horizont ist als all das, was wir momentan im persönlichen Leben umsetzen. Und im politischen ja sowieso gar nicht; also im politischen Alltag. Das, was da jetzt gerade so realpolitisch passiert, das ist ja wirklich nur von heute auf morgen. Also, da können wir von profitieren und das war für mich nichts Neues.

Wo ich aber Schwierigkeiten mit hatte, ist dieses Reinträumen oder, dass auch in der Vergangenheit unser Ahnen uns geahnt haben, also quasi als Vorahnung. Das ist etwas, wo ich gemerkt habe - dass ist aber bei mir persönlich - dass ich von meiner Haltung, von meiner Denkweise, einfach zu hart bin. Also, hart im Sinne von rational. Da fehlt mir vielleicht noch so diese emotionale Komponente oder so was. Also Spiritualität verbinde ich sehr stark mit Emotionalität. Es ist für mich, will ich sagen, so im „Gleichklang“. Aber das klingt da schon mit an und ich merke, dass ich von meiner Prägung her tatsächlich eher so hart und nüchtern und sachlich bin; muss die Welt irgendwie rational begreifen und bewerte. Und deswegen fällt es mir auch schwer, sowas anzunehmen.

Stefanie Mehrere Dinge fallen mir dazu ein. Nämlich zum einen, dass Sherri Mitchell auch davon spricht, von den männlichen und weiblichen Wesensanteilen, was keine Geschlechtszuordnung sein soll, sondern zwei verschiedene Wesensanteile, die wir alle in uns tragen. Dass diese Gewichtung wichtig ist und dass das bei uns westlichen Menschen oder eurozentrischen Menschen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das was du gerade beschreibst, dass also diese, sag ich jetzt mal, das eher das Männliche. Also wie gesagt, es geht nicht um binäre Geschlechtsformen, sondern um eine Art und Weise zu sein, die einfach ja jetzt diese Zuschreibung hat, was Sherri Mitchell als männlich und weiblich beschreibt. Und da sagt sie auch oder schreibt sie auch , dass wir aus dem Gleichgewicht geraten sind, dass wir auch wieder die Verbindung herstellen und die Verbindung zu dem herstellen, was in uns so aktiv ist.

Führt für mich irgendwie wieder zu Gedanken über toxische Männlichkeit und wie männlich gelesene Menschen aufwachsen in unserer Gesellschaft und könnte jetzt darin enden, dass du so empfindest. Das ist ein Gedanke dazu. Und ein anderer Gedanke, der mir gerade kam, war: Dadurch, dass ich jetzt mehr von indigenen Menschen gelesen habe, also Autorinnen, die Bücher verfasst haben, die ich dann wiederum gelesen habe oder auch mir Dokumentationen angeschaut habe, die von indigenen Menschen auch tatsächlich mit erstellt wurden, habe ich ein anderes Verständnis fürs Träumen gewonnen, Dass das indigene Verständnis von Traum und Träumen ein ganz anderes ist, als wir das haben. Da bin ich aber auch gerade erst frisch dabei. Da bin ich noch auf Recherchereise sozusagen. Habe da erst so ein bisschen was zu gelesen, kann aber jetzt schon sagen, dass das wahrscheinlich deswegen dir so komisch vorkommt, weil auch hier wieder ein anderes kulturelles Verständnis vorherrscht bei dem, was Sherri Mitchell da schreibt. Dass wir das überhaupt gar nicht so können, in Anführungsstrichen. Also wir sind gar nicht fähig, auf diese Art zu träumen, wie Sherri Mitchell es meint. Wie gesagt, stehe ich da noch völlig am Anfang, was die Träume, die kulturelle Bedeutung von Träumen in indigenen Gemeinschaften betrifft.

Ich verlinke aber gerne schon mal zwei Links zu diesem Thema, dann kannst du da, liebe Hörerinnen und Hörer, schon selbst tätig werden und Weiterlesen. Wenn du andersrum da schon viel weiter bist als ich und dazu mir Lektüre empfehlen kannst, dann melde dich auch gerne. Da freue ich mich natürlich auch drüber.

Also mich hat das jedenfalls sehr angesprochen, dass Sherri Mitchell davon schreibt, dass wir die neue Welt kollektiv in die Wirklichkeit räumen müssen. Also weil ich ja auch schon ganz viel mit Träumen und Vorstellungskraft und Reisen in die Zukunft gearbeitet habe und auch immer noch arbeite. Und deswegen war das für mich ein wunderbarer Anknüpfungspunkt, auch ohne vorher schon mehr in die kulturelle Bedeutung von Träumen bei indigenen Völkern einzutauchen. Und was Sherri Mitchell dann als die Aufgabe unserer Zeit bezeichnet. Was ich vorhin zitiert habe, das betont sie auch noch mal, in dem sie schreibt: „Wir investieren 10 % unserer Energie, um zu erkennen, was verändert werden muss. Weitere 10 % investieren wir, um unsere Beteiligungen am Schaden rückgängig zu machen und mit den restlichen 80 % erschaffen wir eine Wirklichkeit, die Mitgefühl, Sicherheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit für alles Lebendige bietet.“ Und damit legt sie noch mal den Schwerpunkt darauf, dass wir nicht nur darauf schauen, was verändert werden muss und wie wir den Schaden rückgängig machen sollen oder können, sondern vor allem den Hauptanteil unserer Energie darauf verwenden, diese neue Welt zu schaffen und ins Leben, in die Wirklichkeit zu erträumen. Und das ist genau das, was mich anspricht.

Carsten Es ist auch genau das, was heute nicht passiert. Ich bin jetzt wieder beim ganz normalen politischen Alltag. Wir gucken , wo ist was schief gelaufen? Bewerten häufig auf technologischer Basis, und fragen uns, wie kommen wir da in Zukunft raus? auch auf technologischer Basis. Und damit ist es das dann auch. Damit ist für uns der Fall dann erledigt. Viel mehr brauchen wir nicht. Zukunft gesichert. Alles tutti. Weiter wie bisher. So ist ja das, was man so außen im Moment wahrnimmt. Und jetzt?

Da ist Sherri Mitchell ja viel klarer, dass sie sagt: Hey, das sind nur 20 % dessen, was wir machen. Wobei... Ihr Ansatz ist ja ein ganz anderer, gar nicht technologisch, sondern tatsächlich spirituell und damit auf der gesellschaftlichen Ebene. Aber dann sind escdie 20 % und der große Teil dessen, was tatsächlich zu leisten ist, findet ja auf einem ganz anderen Feld statt. Das ist dann das Schaffen einer besseren neuen Welt. Und da, wo wir ja quasi heute mit unserem Alltagspraktiken hoffen: „Das ergibt sich dann irgendwie von alleine, wenn man die beiden ersten Themen Schadensidentifikation und Schadenskorrekturen/-Begrenzung dann erledigt hat. Der Rest erfüllt sich dann von alleine.“, stellt sie klar: Nein, da fließt eigentlich der Hauptanteil der Arbeit rein.

Stefanie Ja, Sherri Mitchel betont das auch noch mal, in dem sie schreibt: „Wir müssen bereit sein, mehr zu tun als eine Forderung zu stellen. Wir müssen bereit sein, aktiv an der Schaffung einer Welt zu arbeiten, in der diese Forderung erfüllt werden kann.“ Und das fand ich auch wirklich sehr prägnant. Sage ich jetzt mal, dass sie nicht nur sagt okay, wir können alles anprangern und es ist natürlich auch wichtig anzuprangern, aber gleichzeitig, um alles im Gleichgewicht zu halten, solltest du auch mitarbeiten daran, dass das, was du anprangerst, zum einen abgeschafft wird, aber dann auch das, was du eigentlich willst, dann auch geschaffen wird.

Und Sherri Mitchell schreibt an einer Stelle, wo es um Bildung geht, dass wir nicht versuchen sollen, unsere Kinder an diese Welt anzupassen, sondern wir müssen eine Welt schaffen, die zu unseren Kindern passt.

Und wie genau das jetzt gehen kann, das erklärt sie in dem ganzen Buch und wir schauen nun auch noch einmal rein, wie das denn jetzt aufgebaut ist. Und zwar fängt es an mit Teil Eins „Fundamente legen“ und da geht es um die “Lieder von der Entstehung der Welt“ und “Die Liebe Tausender“

Und die „Liebe Tausender“ bedeutet tatsächlich , dass wir jetzt, also du liebe Hörerin, lieber Hörer und Carsten und ich, wir alle, die wir jetzt leben, aus der Liebe Tausender entstanden sind. Denn wir haben ja ganz viele Vorfahr·Innen, die irgendwie alle zusammengekommen sind im Laufe der Zeit und immer wieder Nachfahren gezeugt haben, die hoffentlich aus Liebe entstanden sind und auf deren Schultern wir theoretisch stehen oder die uns den Rücken stärken; welches Bild dir besser gefällt. Und das soll die Liebe Tausender sein. Tatsächlich, und auch hier kann es natürlich sein, dass du so einen inneren Widerstand hast gegen die Liebe Tausender oder generell diese spirituelle Ansicht. Hier muss ich auch direkt gleich dazu sagen, dass das wieder das voraussetzungsreiche Sprechen oder Schreiben ist. Denn Sherri Mitchell schreibt ja aus der Sicht ihrer indigenen Kultur und aus dieser Sicht gibt es diese Liebe Tausender. Aus unserer eurozentrischen Sicht kann das sein, dass es nicht immer liebevoll war. Das noch als Anmerkung dazu. Und wie geht es dann weiter?

Carsten Ja, im „Zweiten Teil“ des Buches geht es darum, “Den Abweg zu verstehen“ . Also wie sind wir auf Abwege gekommen? Da geht es zum einen um die Frage “Wo sind wir gerade?“, "Wie sind wir denn hierher gekommen?“ Sie geht auf “Trauer, Trauma und Vertrautheit“ ein. Dann schreibt sie über “Konflikte transformieren.“

Ein Teilbereich geht auf den Bereich “Rechte und Verantwortung ins Gleichgewicht bringen.“, “Dekolonisieren“ ist nochmal etwas, worauf sie eingeht. Dann “Unsere kindliche Abhängigkeit beenden.“, “Eroberung und Aktivismus“ und “Frauen tragen das Wasser der Welt.“

Stefanie Genau. Und diese Kapitelüberschriften, die Carsten gerade vorgelesen hat, sind dann immer auch nochmal unterteilt in Unterkapitel. Und gerade so was wie zum Beispiel Dekolonisieren, da geht es ja durchaus noch um einige wichtige Punkte, die mir auch noch nicht so alle klar waren. Aber wo mir das Buch wirklich geholfen hat, da noch mal alles besser zu verstehen. Und letztlich, wir hatten es schon am Anfang gesagt, ist dieses Buch sowohl für Carsten als auch für mich ein Ausgangspunkt für viele, viele weitere Themen, die wir noch mal genauer untersuchen werden. Das heißt, das ist jetzt erst mal nur so ein Überblick. Und in“Teil Drei“geht es dann weiter“Uns den weiteren Weg vorstellen“. Also erst mal haben wir ja geguckt, wo stehen wir jetzt, wie sind wir denn da hingekommen und wie geht es jetzt weiter? Das heißt, dieser dritte Teil ist dann in drei Kapitel unterteilt. Das erste Kapitel heißt “Von der Resonanz zur bewussten gemeinsamen Schöpfung“ und das zweite Kapitel “Von Lehrenden und Lehrern.“ Und das dritte “Die Kultivierung von Krieg·erinnen.“ Und da schreibt Sherri Mitchell auch viel immer wieder über ihre eigene Erfahrung. Also sie hat auch immer wieder, auch schon in vorangegangenen Kapiteln ihre eigene Geschichte mit eingebettet, was ich sehr gut fand. Wie ging es dir damit?

Carsten Ja, ich fand diesen Bezug zur eigenen Vergangenheit für mich sehr hilfreich, weil das sind genau die Brücken, die es mir ermöglichen, diesen Begriff der Spiritualität ja mit Leben zu füllen, dass ich da auch viel von verstehe, was sie damit meint. Deswegen war das ganz wichtig, dass sie da quasi ihre eigene Vergangenheit mit einfließen lässt.

Stefanie Ja, also bei Sherri Mitchell ist es so: Ich habe das so verstanden, dass sie in einer relativ intakten Umgebung aufgewachsen ist. Wobei auch ihre Eltern natürlich leider durch die Kolonisierung Schwierigkeiten hatten. Aber sie hatte einen großen Verwandten·innenkreis sag ich jetzt mal, also die ihr da geholfen haben, ihre Kultur auch zu leben. Trotz der Kolonialisierung und trotz des Leidens, was ihre Vorfahren erlitten haben, angefangen bei ihren Eltern. Und im Vergleich dazu ist sie relativ intakt aufgewachsen, was das kulturelle Gut angeht, also dass sie weiß, wo sie hingehört, wie sie sich verorten kann und hatte Möglichkeiten, ihre Spiritualität dementsprechend zu entwickeln, was wahrscheinlich dann irgendwie auch die Schwierigkeit ist für uns und vor allem für dich, Carsten, dann damit klarzukommen irgendwie, weil unser Denken so westlich geprägt ist. Und deswegen hatte ich dir, Carsten, da dieses Buch empfohlen: „Der Flug des Raben“, von Richard Wagame, weil dort der Protagonist auch fernab seiner Kultur aufgewachsen ist und dann erst als Erwachsener langsam wieder seine Kultur kennen gelernt hat und sich mit den ganzen Werten zu verbinden. Und das ist glaube ich genau der Weg, der für uns auch interessant wäre, das zu lernen. Das heißt, das ist wahrscheinlich etwas, womit wir uns eher identifizieren können als mit einer Person, die schon von Geburt an quasi damit aufgewachsen ist und deswegen ein viel tieferes Verständnis hat von Spiritualität.

Carsten Das ist auch etwas, was hier in diesem dritten Kapitel, des dritten Teils, dann noch mal hochkommt, nämlich wenn sie schreibt die Kultivierung von Krieg·erinnen. Das ist etwas, wo noch mal klar wird, wie unterschiedlich dieser Begriff Krieg·erin gesehen wird. Das Verständnis, was ich so vorher mitgebracht hatte: Ja klar, so hollywoodmäßig aus dem Kino geboren;ja, Krieg, brutal. Vielleicht noch der ehrbare Ritter, so ein Paladin, der vielleicht noch so ein paar ehrbare Grundwerte mit sich bringt, aber alles mehr so auf Kampf gemünzt. Das ist hier überhaupt nicht so im indigenen Verständnis oder in dem, was Sherri Mitchell schreibt.

In ihrer Kultur sind Krieg·erinnen Personen, die für die Gemeinschaft einstehen. Also ein Beispiel, ich hoffe, ich zitiere das jetzt richtig und nicht aus dem Buch „Der Flug des Raben“ - das verschwimmt so inhaltlich gerade so für mich - aber das, was ich so mitbekommen habe über diesen Begriff Krieg·erin: das sind Personen, die zum Beispiel bei Feierlichkeiten dafür sorgen, dass zuerst die Alten, die älteren Menschen, dann alle Kinder und Frauen und dann ganz zum Schluss diese Krieg·erinnen was zu essen bekommen. Also das sind im Grunde genommen diejenigen, die dafür sorgen, dass es der Gemeinschaft gut geht, und das auch aktiv fördern. Also, keine Ahnung... „Sozialarbeiter“ wäre vielleicht etwas, was mir spontan einfällt; aber vielleicht ist das auch ein völlig falscher Kontext. Also mir fehlt einfach der Übertrag. Wo finde ich solche Personen hier in der westlichen Gesellschaft?

Und für mich war das tatsächlich eins von diesen vielen Beispielen, wo ich gemerkt habe, ich bin mit einer komplett anderen Verständniswelt, mit einer Logik aufgewachsen, die konträr ist zu dem oder vielleicht nicht unbedingt konträr, aber sehr weit weg ist von dem, was da in diesem individuellen Kosmos existiert und von dem ich aber sehr profitieren kann, weil ich einfach gemerkt habe, dass unsere Sichtweise, ja ich will nicht sagen grundlegend falsch ist, aber vielleicht nicht unbedingt hundertprozentig richtig ist. Und ich das, was ich dort in der indigenen Welt vorfinde, viel passender, viel treffender auch hinsichtlich der möglichen Zukünfte besser empfinde.

Stefanie Ja, und es geht jetzt natürlich nicht darum, dass wir eins zu eins die indigene Kultur kopieren sollten, sondern deswegen heißt es ja auch Weisungen, sondern uns quasi unterweisen lassen sollen in den Grundwerten, die diese indigenen Kulturen haben und dann unsere eigene Kultur damit wieder bereichern. Also Vielfalt statt Homogenität ist ja tatsächlich auch ein Grundsatz, denn Homogenität ist ein Erbe des Kolonialismus. Und dieses Gleichmachen generell findet er immer noch statt und darum geht es uns nicht. Und darum geht es auch Shari Mitchell nicht, dass sie jetzt sagt Alle müssen genauso denken wie sie. Sondern sie zeigt einfach nur, welche Werte wichtig sind in unserer heutigen Zeit.

Carsten Und damit sind wir auch gleich beim vierten und letzten Teil des Buches “Vorwärtsbewegen und aus dem Vergangenen schöpfen.“ So, und da ist das erste Kapitel in diesem vierten Teil “Kulturelle Grundwerte“, das was du gerade schon angesprochen hattest, die werden hier noch mal vorgestellt in aller Ausführlichkeit. Es geht dann da weiter in die über “Die indigene Lebensweise“. Dann werden noch vorgestellt “Vier Grundlagen selbstbestimmter Gesellschaften“ und das Buch schließt dann ab mit “Leben in Zeiten der Prophezeiung.“

Stefanie Genau. Und dieser vierte Teil ist tatsächlich so ein für mich an Praxisteil, wie ich eine klima- und sozial gerechte Zukunft bauen kann. Und deswegen unter anderem habe ich das Buch auch gekauft und werde es jetzt nicht verlosen lassen, sondern behalten.

Es heißt nicht, dass du es unbedingt kaufen musst. Du kannst es bestimmt irgendwo auch ausleihen. Aber letztlich ist es für mich persönlich gerade sehr wichtig, das Buch. Und weil ich mich darauf konzentriere zu schauen: wie kann eine Welt aussehen oder wie baue ich eine Welt sozusagen, in der ein gutes Leben für alle, alle Lebewesen auf diesem Planeten möglich ist? Und da gibt dieser vierte Teil gerade sehr, sehr viel her. Und die kulturellen Grundwerte, da habe ich schon alles so weit, so rausgeschrieben.

Die indigene Lebensweise gibt sehr viel her und die vier Grundlagen selbstbestimmter Gesellschaften. Das sind: Ernährungssouveränität, Wassersouveränität, Energiesouveränität und Bildungssouveränität.

Und da schreibt Sherri Mitchell sehr konkret auch darüber, wie das aussehen kann und was auch schief läuft. Momentan schreibt sie auch bei Ernährungssouveränität ganz klar darüber, dass diese Fleischlastigkeit hier in unserer Gesellschaft auch ein Problem ist. Und was natürlich auch noch interessant ist, ist „Leben in Zeiten der Prophezeiung“. Da stellt sie einige ausgewählte Prophezeiungen aus verschiedenen indigenen Völkern vor, die alle eigentlich sagen, dass wir jetzt in dieser Zeit leben, für die diese Prophezeiung gedacht war. Also in dieser Zeit, in der wir ins Handeln kommen sollten und in dieser Zeit, in der die weißen Menschen sich an die indigenen Menschen wenden und schauen. Unsere Kultur von deren Kultur lernen, von ihren Werten lernen, von ihrer Art und Weise, hier auf diesem Planeten zu leben. Und damit schließt sich dann quasi der Kreis, das wir von Sherri Mitchell und natürlich allen anderen indigenen Menschen sehr, sehr viel lernen können.

Und wie gesagt, es geht nicht darum uns eine einzige Kultur zu erstellen die homogen ist, sondern um Vielfalt. Und es geht vor allem darum, wieder eine Zukunft zu schaffen, die wirklich für alle lebenswert ist. Und damit würde ich die Buchbesprechung tatsächlich hier auch beenden; schließen, quasi.

Natürlich steckt so so viel mehr in diesem Buch und ich lege dir wirklich ans Herz, dieses Buch zu lesen. Für mich war es ein Schlüsselbuch oder ist es immer noch und ein sehr wichtiges Buch. Und ich denke, dass du auch davon sehr viel profitieren wirst.

Wie gesagt, wenn du wie Carsten eher Spiritualität negativ oder vielleicht etwas kritisch gegenüber stehst, dann lies vielleicht entweder danach oder davor. Das Buch „Der Flug des Raben“ von Richard Wagamese. Und lies vor allem zuerst das Nachwort und und dann das Buch. Also das Nachwort jetzt zu dem „Aktivismus heißt Verbindung“.

„Ich glaube zum Flug des Raben“ gibt es kein Nachwort. Nein. Im Nachwort findest du auch noch Informationen zu dem Verlag. Das ist nämlich ein ganz besonderer Verlag, der heißt „w_orten & meer“. Das ist ein kleiner Verlag, der auf Hiddensee sitzt, also der Insel Hiddensee, und sich auch dem diskriminierungskritischen Übersetzen gewidmet hat. Und das finde ich total spannend, weil hier in dem Buch auf andere Art und Weise gegendert wird, als ich das jetzt zum Beispiel mache. Und dazu sind im Anhang noch einige Gedanken und Überlegungen, wie Sprache diskriminierungsfrei sein kann oder wie du mit Sprache diskriminierungskritisch umgehen kannst. Und das ist wiederum ein weiterer Punkt, wo Carsten und ich noch wirklich lernen müssen, wo wir noch relativ am Anfang stehen.

Ich habe mir dazu auch schon Bücher ausgeliehen, aber wie gesagt, wir haben hier einen Riesenstapel, der noch abgearbeitet werden muss und ich komme gar nicht dazu, alle Themen so zu bearbeiten. Aber das ist auch ein Punkt, der noch wirklich auf unserer To-Do-Liste steht: Diskriminierungsfreies Sprechen und Schreiben, also Sprache generell. Das ist definitiv noch weiterhin Thema. Wir hatten ja schon „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüsay, aber letztlich geht es da noch viel tiefer. Also da ist noch ein weites Feld.

Carsten Ja und von meiner Seite abschließend: Also, für mich war jetzt so die Erkenntnis durch dieses Buch, aber auch durch das andere, was wir gerade schon genannt hatten „Der Flug des Raben“, dass gerade aus diesem indigenen Kontext sehr viele neue Gedankenwelten auf uns einschwappen und das wird uns auf alle Fälle noch beschäftigen in nächster Zeit, in den nächsten Wochen und Monaten, vielleicht auch noch darüber hinaus und werden sicherlich in der einen oder anderen Podcastfolge nochmal andere Schwerpunkte aufgreifen und das Thema weiterführen. Also, ich habe es als sehr befruchtend empfunden, überhaupt jetzt in Kontakt zu diesem Thema zu kommen.

Stefanie Dann würde ich sagen: In diesem Sinne...

Carsten Ja, in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 284 - (Immer noch) Ein Leben ohne Auto

Ein Beitrag

Folge 284 - (Immer noch) Ein Leben ohne Auto

Im August 2016 haben wir eine Folge zum Thema "Leben ohne Auto" veröffentlicht. Als ich das Transkript zu dieser Folge Korrektur gelesen habe, dachte ich, dass es interessant wäre, wenn wir 6,5 Jahre später eine weitere Folge aufnehmen würden.

In der Zwischenzeit ist viel passiert und einiges, was wir damals erzählt haben, findet heute in unserem Alltag nicht mehr statt.

Wir leben mittlerweile seit mehr als 8 Jahren ohne Auto und beleuchten in dieser Folge, wie wir unser Leben autofrei gestalten. Das betrifft den Arbeits - und Schulweg, Wochen-, wie Großeinkäufe, Umzüge, Verwandtenbesuche in weiterer Entfernung und auch die Art, wie wir Urlaub machen.

Natürlich ist auch diese Folge wieder nur eine Momentaufnahme - wir entwickeln uns ständig weiter und doch ist eines klar: ein eigenes Auto brauchen wir nicht mehr.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie In dieser Folge wollen wir mal wieder über ein autofreies Leben sprechen. Mal wieder, weil wir das Thema Mobilität jetzt in den letzten Jahren immer mal wieder besprochen haben. Aber auch, weil wir im August 2016 schon eine Folge rausgebracht haben, die wir mit „Ein Leben ohne Auto“ betitelt haben. Und das Transkript davon habe ich jetzt vor kurzem Korrektur gelesen. Tatsächlich aus der Neugierde heraus mal zu lesen, wie wir damals gedacht haben. Und da haben wir noch ganz stolz erzählt, dass wir seit anderthalb Jahren ohne Auto leben. Das war schon voll die krasse Nummer.

Carsten Ja.

Stefanie Und dann habe ich gedacht, nachdem ich das durchgelesen habe, wir sollten jetzt, sechseinhalb Jahre nach dieser Folge, nochmal eine Folge aufnehmen, denn jetzt leben wir seit mehr als acht Jahren ohne Auto. Und ich denke, wir haben jetzt schon einiges an Erfahrung gesammelt, was wir in dieser Folge mal so geballt wiedergeben können. Carsten und ich haben uns tatsächlich auch vorab zusammengesetzt und so ein bisschen zusammengeschrieben was passiert ist in den vergangenen Jahren und so eine Struktur gebildet, damit wir es für dich auch strukturiert wiedergeben zu können. Und ich hatte mir so als ersten Punkt Alltag aufgeschrieben, worunter wir jetzt zum Beispiel den Arbeitsweg von Carsten, den Schulweg vom Kind und auch generell unsere Wohnsituation gefasst haben.

Carsten Genau. Und beim Arbeitsweg fange ich jetzt gerade mal an, damals, 2016, in der 28. Folge, da hatte ich ja noch einen relativ langen Arbeitsweg. Den hatte ich da in der Folge auch noch mal benannt, dass ich zwei Teile hatte, wo ich mit Fahrrad fahren musste, zwischendurch dann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, also mit der Bahn fahren konnte. Mittlerweile ist es so, dass ich die Wahl habe. Ich kann sowohl den ganzen Weg mit der Bahn fahren als auch mit dem Fahrrad. In den unterschiedlichen Wohnsituation, in denen wir seit 2016 gelebt haben, hatte ich auch unterschiedliche Arbeitswege, die ich aber teilweise auch immer mit Fahrrad bestritten habe. So, und ein Aspekt, der im Alltag für uns immer zum Tragen kam, war, dass wir unseren Wohnort, den wir seit 2016 ja auch schon mehrfach gewechselt haben, auch immer mit der Maßgabe gewählt haben, dass wir möglichst alle Wege auch mit Fahrrad zurücklegen können.

Bei meinem aktuellen Arbeitsweg ist es jetzt so, dass ich die Möglichkeit habe, die Strecke mit Fahrrad zu fahren. Die Strecke ist so 22 - 23 Kilometer lang, führt aber durch ein relativ idyllisches Eckchen, möchte ich schon sagen. Also es ist jetzt auch so von der Fahrradroute her die meiste Zeit eigentlich sehr angenehm. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich direkt ins Stadtzentrum reinkomme, weil ich ja mitten in der Stadt arbeite und die ersten Kilometer tatsächlich so recht ländlich unterwegs bin und dann quasi an den Deichtorhallen raus komme und da dann in die Stadt rein fahre. Und diese Strecke von knapp 23 Kilometer ist für mich tatsächlich im Moment überhaupt gar kein großes Hindernis mehr. Ich fahr verhältnismäßig häufig die komplette Strecke mit dem Rad. Habe aber, und das ist jetzt auch etwas, was ich lernen musste, als ich dann angefangen habe, diese Strecke zu fahren, durchaus noch ein Konditionsdefizit. Also jeden Tag schaffe ich es nicht, da ist ein Arbeitskollege ein etwas anderes Vorbild für mich. Der macht das tatsächlich jeden Tag und hat ungefähr die gleiche Strecke. Der macht das aber auch schon ein paar Jahre länger. Und für mich hat sich das jetzt so ergeben, dass ich versuche, zwei, drei, maximal viermal die Woche diese Strecke zurückzulegen. Wobei bei drei Mal eigentlich so ein Punkt erreicht ist, wo ich merke, okay, das kriegst du von der Kondition noch hin, würde ich viermal fahren, das habe ich auch schon gemacht, dann bin ich am Ende der Woche schon ganz schön geschlaucht.

Stefanie Und man muss dazu sagen: Du hast ein ganz normales Fahrrad. Kein E Bike.

Carsten Ja, genau. Ich habe ganz bewusst kein E Bike gekauft, obwohl wir in der Vergangenheit auch schon mal darüber nachgedacht hatten. Aber diese Strecke selber ist für mich eine sportliche Betätigung, so mit der Maßgabe, dass ich morgens einigermaßen gut gelaunt bei der Arbeit ankomme. Macht ja durchaus was mit einem, wenn man dann auf dem Fahrrad fährt und dann ja, ich brauche quasi eine Stunde, diese Stunde dann tatsächlich manchmal auch bei gutem Wetter zurücklege und dann in der Arbeit ankomme. Und auf dem Rückweg bietet das natürlich die Chance, dann auch ein bisschen Abstand zu gewinnen und sich ein bisschen auszupowern und einfach Arbeit Arbeit sein zu lassen und diesen Nachhauseweg dann zum Abstand gewinnen zu verwenden. Und an den Tagen, wo ich tatsächlich nicht mit Fahrrad fahre, habe ich aber aufgrund unserer Wohnlage die Möglichkeit, die Strecke komplett mit S und U Bahn zurückzulegen und bin da eigentlich ziemlich komfortabel aufgestellt, was diesen Weg betrifft.

Stefanie Und du bist dann auch schneller mit S und U Bahn als die Stunde, oder?

Carsten Genau. Also mit Fahrrad brauche ich tatsächlich so ca. eine Stunde. Wenn das Wetter sehr gut ist und meine Kondition auch gut ist, bin ich ein bisschen unter einer Stunde. Wenn ich jetzt Schlechtwetter habe, schlechte Windverhältnisse, brauche ich ein bisschen mehr als eine Stunde. Aber es kommt dann noch hinzu, dass ich mich dann ja umziehen muss. Und ich habe den Vorteil, dass ich direkt an der Arbeitsstätte auch eine Dusche habe, sodass ich, wenn ich verschwitzt ankomme, dort duschen kann. Also ich ziehe mich zum Fahrradfahren tatsächlich so ein bisschen in Radfahrermontur an, kann mich dann auf der Arbeit duschen, umziehen und wenn ich das mit allen rechne, brauche ich ungefähr anderthalb Stunden für alles, was damit zusammenhängt. Würde ich jetzt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, bin ich in ungefähr 45 - 50 Minuten dann wirklich von Haus zu Haus da.

Stefanie Ja, wir hatten das auch schon damals, falls du die Folge 28 gehört hast, diese Folge vor vielen, vielen Jahren, hatten wir damals auch schon gesagt, dass das aber ja für dich kein Problem ist, diese Zeit zu investieren, weil du dich eben sportlich betätigst. Das hast du jetzt gerade ja auch schon erwähnt, dass du sonst ja diese Zeit für Sport noch mal extra aufwenden müsstest.

Carsten Genau, so ganz hat sich das noch nicht verändert. Also ich werte das immer noch als sportlichen Ersatz und ich merke auch, wenn ich mal ein paar Tage mit der S Bahn fahre, weil ich keine Ahnung einfach ein bisschen zeitiger auch zu Hause sein möchte oder noch andere Dinge zu erledigen habe, wo das mit dem Fahrrad vielleicht so ein bisschen schlechter gelingt, dann merke ich schon, dass ich Spaß dran habe, doch wieder aufs Rad zu steigen und dann die Strecke mal wieder mit Fahrrad zu fahren. Dann freue ich mich da tatsächlich drauf zu wissen, okay, morgen fährst du wieder. Auf der anderen Seite, was ich ja gerade auch schon sagte: irgendwann ist die Kondition dann zu Ende und wenn dann am Ende der Woche die nach Hause Strecke die letzte, die ich da zurücklege, dann doch eher langsamer ausfällt, weil ich merke die Puste ist langsam raus, dann freue ich mich auch mal ein, zwei Tage nicht fahren zu müssen.

Stefanie Ja, wenn dann dein Kollege fröhlich klingelnd an dir vorbeizieht.

Carsten Der versucht immer so eine Hetzjagd zu machen. Manchmal ergibt sich das so, dass ich nur ein paar Minuten vor ihm starte. Normalerweise haben wir immer eine Stunde Abstand. Er kommt eine Stunde später in die Firma, fährt ne Stunde später los. Aber an einigen Tagen ist es dann durch Mehrarbeit oder so so, dass das ich dann kurz vor ihm starte und dann gibt es insgesamt so ein kleines Wettrennen. So nach dem Motto: holt er mich dann noch mal ein oder nicht? Das erzählt er mir am nächsten Tag, dass er nicht erfolgreich gewesen ist und meint mich dann am Horizont gesehen zu haben und dann war ich es dann doch nicht, als er aufgeschlossen hatte usw..

Stefanie Hat er sich schon angesprochen und dann wurde er gerügt, dass...

Carsten Er guckt ja gerade so zur dunklen Jahreszeit immer so: Oh, da hinten ist das Rücklicht und da sind so Satteltaschen das könnte er sein. Und dann, je näher er kommt, stellt er fest: Nee, ist er doch nicht. Und es ist manchmal so ein bisschen lustig, diese Anekdoten am nächsten Tag dann auszutauschen. Und das ist natürlich auch ein treibender Faktor, muss ich sagen. Wenn du weißt, okay, du bist nicht der einzige, der diese Strecken zurücklegt, sondern da ist zufällig auch in der eigenen Abteilung noch eine Person, die fast exakt die gleiche Strecke fährt, splittet sich quasi hier nur in der Wohnsiedlung so ein bisschen auf. Dann ist das noch mal eine ganz andere Motivation, als wenn du als Einzelkämpfer·in immer unterwegs bist.

Stefanie Wir müssen noch dazu sagen, dass dein Arbeitskollege 15 Jahre älter ist als du.

Carsten Ja, das kommt da hinzu. Das hätten wir jetzt nicht unbedingt erwähnen müssen. Also gefühlt ist er 15 Jahre jünger als ich vom Fitnessstand her...

Stefanie Ich finde, dass ist auch noch mal erwähnenswert, dass er - nicht in Bezug auf dich, sondern in Bezug auf ihn - das ja tatsächlich schon ewig macht, mit dem Fahrrad da zur Arbeit zu fahren. Also wirklich diese 23 Kilometer hin und zurück, täglich.

Carsten Und das jeden Tag.

Stefanie Er hat eben nicht diese Pausen, sondern er fährt wirklich jeden Tag, also fünf Tage die Woche fährt er hin und zurück mit dem Fahrrad.

Carsten Ja, genau, das ist natürlich dann schon so ein Punkt, wo ich dann überlege okay, was mach ich falsch? Aber klar, er macht das halt schon über Jahre hinweg, das heißt, er hat die Kondition, vielleicht komme ich da auch noch mal irgendwann hin, will ich ja nicht ausschließen.

Stefanie Und dadurch, dass er diese 15 Jahre älter ist als du, hat er auch eine andere Lebenssituation, weswegen das wahrscheinlich auch nicht so schlimm ist, wenn er mehr Zeit auf dem Fahrrad verbringt. Denn es ist ja tatsächlich auch ein Zeitfaktor, wie du schon sagtest, Du kommst dann auch später nach Hause und hast dementsprechend wieder weniger Zeit für uns hier, für die Familie.

Carsten Das stimmt. Wobei mein Kollege und ich bei dem Punkt, dass das Fahrradfahren tatsächlich Spaß macht, da sind wir uns einig. Er wird natürlich auch im Verwandtenkreis gefragt: warum machst du das eigentlich? Wieso bist du eigentlich so bescheuert und fährst bei jedem Wetter diese Stunde mit Rad hin und eine Stunde wieder zurück, du bist mit dem Bus und mit der S Bahn deutlich schneller. Aber das ist genau der Aspekt, der bei mir, wenn ich dann fahre, ja auch zum Tragen kommt. Es macht einfach Spaß und dieser Spaß, der überwiegt selbst an Tagen, wo dann das Wetter wirklich gruselig ist. Es gibt da durchaus so Situationen, wo du im Büro sitzt und dann kommt auf einmal das Gewitter und du denkst: Oh Scheiße, ich muss jetzt gerade noch mit dem Fahrrad nach Hause fahren. Aber auch das ist dann nicht unbedingt das Problem. Vielleicht auch, weil wir eben zu zweit sind und du kannst dich dann ja mit dem Kollegen austauschen, dann sprichst du am nächsten Tag: Hey, hast du das Gewitter noch irgendwie mitbekommen oder bist du vorher oder hinterher gefahren? Oder musstest du dich unterstellen und so diese Anekdoten, die befeuern dann ja auch nochmal und machen das Übel, was dann in der Situation vorherrscht, wo du im schlimmsten Fall während eines Unwetters dann irgendwie unterwegs sein musst, wett, lockern das ganze Thema auch ein bisschen auf.

Das klingt jetzt natürlich so, macht immer Spaß und alles ganz toll und easy peasy. Und wenn ich jetzt nochmal überlege, was, was ich damals in der Folge 28 noch erwähnt hatte, da sind mir so zwei Sachen aufgefallen. Das eine, das habe ich in der Folge nicht explizit genannt, aber das ist mir jetzt noch mal so durch den Kopf gegangen. Damals hatte ich noch keinen Fahrradhelm, gehörte zu den notorischen „Ich vermeide den Helm, weil habe ich ja nie einen gebraucht“-Menschen, während wir unserem Kind ja immer schon gesagt haben: Zieh den Fahrradhelm an. Irgendwann kam dann auch die Frage: „Papa, warum trägst du eigentlich keinen Helm?“ Und die Argumentation wurde dann immer dürftiger, weil ich es irgendwann selber nicht mehr rechtfertigen konnte. Heute trage ich einen Fahrradhelm und will ihn auch gar nicht mehr missen. Also das gehört dazu. Das ist das eine.

Und das andere ist, dass ich damals einfach mal so diese Empfehlung ausgesprochen habe. Versucht doch mal als autofahrende Person einen Monat auf das Autofahren zu verzichten und möglichst viele Wege auch mit dem Fahrrad zurückzulegen. Damals war das für mich so, ja, okay, das könnte ein Ansporn sein. So nach dem Motto Autofasten und einfach mal auch die Erfahrung machen, es geht auch ohne. Diese Euphorie teile ich heute so nicht mehr, muss ich sagen. Bedingt durch die Erfahrung, mit dem Fahrrad durch die Innenstadt zu fahren, also gerade das letzte Teilstück, wo ich dann bei den Deichtorhallen rauskomme und Hamburger·innen werden diese Strecke kennen, bei den Deichtorhallen raus und dann Richtung Mönckebergstraße, da über den Jungfernstieg bis zum Dammtor. Also richtig so ins Zentrum der Stadt rein, finde ich als radfahrende Person teilweise echt gruselig. Gruselig deswegen, weil der Autoverkehr da doch sehr massiv ist. Mönckebergstraße jetzt nicht und Jungfernstieg auch nicht. Das sind autofreie oder gezähmte Zonen. Aber generell ist die Innenstadt ein total Fußgänger·innen und Fahrradfahrer·innen feindlicher Bereich. Auch wenn da jetzt mittlerweile die Fahrradwege besser ausgebaut sind.

Aber was mich zunehmend stört, ist tatsächlich, dass ich als Fahrradfahrer·in immer irgendwo im Nachsehen bin. Das heißt, es gibt wenn dann eine Spur, die ist mal mehr, mal weniger breit. Aber es ist halt überhaupt nicht der Tatsache angemessen, dass es langsamere und schnellere Radfahrer·innen gibt. Das heißt also, dieses Bedürfnis, jetzt mal eben jemand zu überholen, führt im Zweifelsfall dazu, dass ich als schnellere Person auf die Fahrbahn fahren muss, wo dann die Konkurrenz mit dem Autoverkehr auf einmal da ist. Während Autostraßen teilweise vierspurig sind. Da stellt sich das Problem nicht. Und da bin ich jetzt mittlerweile auch an einem Punkt angekommen, wo ich denke, warum haben die Personen, die in 1,5 Tonnen Metall sitzen, ein höheres Recht als ich, der ungeschützt dieser ganzen Situation ausgesetzt ist? Und warum darf ich nicht genauso schnell und flüssig durch den Verkehr fahren, sondern muss mich hinter der langsameren Person einreihen? Also das ist so, da fällt bei mir die Akzeptanz zunehmend geringer aus. Das ist etwas, was mich stört.

Und bedingt durch diese ganze Konstellation, dass ich das oftmals als sehr gefährlich empfinde, da durch die Stadt durchzufahren, habe ich mich eben auch entschieden, ein Fahrradhelm zu nutzen. Ich würde mich heute nicht mehr trauen, sportlich und schnell durch die Innenstadt zu fahren. Ohne Fahrradhelm. Das wäre mir einfach zu riskant. Und dieses Risiko plus eben die aus meiner Sicht dürftige Fahrradinfrastruktur in der Innenstadt ist etwas, wo ich heute ein bisschen vorsichtiger wäre zu sagen: Hey, verzichte doch mal auf das Auto, Fahrradfahren ist total cool, macht richtig Spaß. Solange du dich irgendwie ländlich oder am Stadtrand bewegst, ist das vielleicht noch was ganz anderes.

Stefanie Oder in einer Kleinstadt.

Carsten Oder in einer Kleinstadt. Aber hier in der Großstadt, mitten im Herzen, finde ich das teilweise sehr, sehr gewagt. Gerade wenn da noch so Situationen aufkommen, wo Fahrzeuge meinen, sich auf den Fahrradweg stellen zu müssen, weil sie mal eben schnell zum Bäcker rein wollen oder mal eben was entladen wollen. Also sprich im Halteverbot stehen und damit da natürlich dann nochmal Gefahrensituationen heraufbeschwören, die einfach völlig unnötig sind.

Stefanie Ja, das finde ich tatsächlich noch wichtig, dass du das erwähnst, weil du ja jetzt auch noch viel mehr Erfahrungen damit hast, hier in der Großstadt Fahrrad zu fahren. Vorher, in der Folge 28 hattest du ja auch erwähnt, dass du, bevor du nach Hamburg gezogen bist, auch schon viel mit dem Fahrrad den Arbeitsweg zurückgelegt hast. Und das war halt auf dem Land.

Carsten Genau, da war ja kaum Verkehr.

Stefanie Da war ja nix. (lacht)

Carsten (lacht) Da war ja nix.

Stefanie Ist halt auf dem Land.

Carsten Nur weite Fläche.

Stefanie Wo niemand unterwegs ist, auch sonst niemand Fahrrad gefahren, weil alle Auto gefahren sind. Das heißt, du hattest immer alles für dich. Und jetzt ist es halt so ungewohnt gewesen. Auf einmal sind da mehr Leute.

Carsten Ich war damals tatsächlich häufig der einzige Fahrradfahrer, die Strecke hatte ich die meiste Zeit tatsächlich für mich alleine.

Stefanie Ah, nicht von ungefähr sage ich das... Ich bin ja auch auf dem Land aufgewachsen, darum weiß ich sowas, also von daher...

So, zurück zu unserer Liste, die ich hier vorliegen habe, was wir noch alles sagen wollten. Wir wollten ja nicht nur über Carstens Arbeitsweg sprechen, sondern unser Alltag wird noch von mehr geprägt als davon. Carsten hatte vorhin schon mal die Wohnsituation angesprochen und das ist eben auch etwas, was sich je nach Bedürfnislage immer wieder geändert hat. Wir sind tatsächlich in den letzten sechseinhalb Jahren noch dreimal umgezogen und wir haben das alles im „Wir Konsumkinder“ Podcast noch mal genauer beschrieben. Also wenn dich das interessiert, warum wir so oft umgezogen sind, dann kannst du das da auf jeden Fall auch noch mal nachhören. Das ist jetzt nicht der Podcast, in dem wir erzählen, warum wir umziehen, sondern da ging es um Konsum. Deswegen heißt er ja „Wir Konsumkinder“ Podcast, aber das nur so nebenbei. Aber jedenfalls war der erste Umzug nach der Folge 28 sozusagen dem geschuldet, dass wir halt weniger Miete zahlen wollten und trotzdem aber irgendwie noch in einem Radius vom Kindergarten bleiben mussten. Der nächste Umzug hat dann stattgefunden, weil wir in der Nähe der Schule des Kindes wohnen mussten. Eine freie, demokratische Schule gab es nicht in der Nähe der Wohnung, in der wir zu dem Zeitpunkt gelebt haben, deswegen mussten wir umziehen.

Und da war es dann das erste Mal so, dass wir relativ ländlich gewohnt haben. Das war ein Dorf acht Kilometer vor den Toren Hamburgs und auch da hatten wir kein Auto. Da war aber dann der Punkt, dass wir gesagt haben, das Kind sollte mit dem Fahrrad zur Schule fahren können. Das waren vier Kilometer von der Wohnung bis zur Schule und das war auch machbar. Das heißt, die Zeit, die wir da gewohnt haben, die zwei Jahre, ist das Kind dann auch mit dem Fahrrad zur Schule gefahren, hin und zurück und dann nach einer Zeit, als es alt genug war, auch alleine. Also das war sehr gut. Dafür hat sich für Carsten dann wieder der Arbeitsweg verlängert. Wobei das auch wieder eine andere Arbeit war. Aber jedenfalls haben wir da dann, obwohl bei der vorigen Wohnung eben die Infrastruktur sehr gut war, bei der Infrastruktur zurückgesteckt, denn in dem Dorf selbst gab es überhaupt gar keine Einkaufsmöglichkeiten. Die nächsten Einkaufsmöglichkeiten waren zwei Kilometer entfernt. Aber auch das haben wir alles mit dem Fahrrad und dem Anhänger zurückgelegt. Und wir hatten das auch schon mal alles beschrieben, wie wir das alles schon so gemacht haben, dass wir eben auch auf dem Land dann da ohne Auto und nur mit Fahrrad und Anhänger usw. dann leben konnten. Also auch das funktionierte und ich hatte da auch nie das Bedürfnis, mir jetzt ein Auto zu kaufen.

Carsten Genau das kommt dazu. Also wir haben uns jetzt nicht entschieden, aufs Land zu ziehen oder in ländliche Gefilde und dann im Hinterkopf gehabt okay, wenn es nicht klappt, holen wir uns ein Auto. Sondern das war von vornherein klar: Wie können wir uns organisieren, auch ohne Auto? Auto war zu keinem Zeitpunkt irgendeine Option. Wir haben immer versucht, andere Wege zu finden und haben sie auch gefunden. Aber ein Auto war tatsächlich nie eine Option.

Stefanie Genau. Ich weiß noch, ich hatte da mit dem Vermieter gesprochen, der dann total entsetzt war, dass wir kein Auto haben und der versucht hat, mich irgendwie zu bequatschen, ob ich nicht vielleicht doch ein kleines Auto haben wollte. “Wollen Sie nicht vielleicht ein Elektroauto?“ oder so. Wo ich immer gesagt habe: Ja, aber ich brauche kein Auto, wir kriegen das alles ohne Auto hin. Und wir haben das ja auch tatsächlich alles ohne Auto hinbekommen. Und wir hatten dann zum Beispiel eine Gemüsekiste bestellt, das funktionierte alles. Da wird ja auch teilweise noch einiges mitgeliefert. Carsten hat auf dem Arbeitsweg, weil er mit dem Fahrrad in den nächstgrößeren Ort, also einen Stadtteil von Hamburg gefahren ist, dort auch schon beim Unverpackt Laden einkaufen können und hat da dann auch schon alles mögliche mitnehmen können. Und wie gesagt, wir haben das dann logistisch halt ein bisschen anders gelöst, als wenn die Geschäfte direkt vor der Haustür sind. Aber wir haben das alles hinbekommen.

Ich muss aber auch dazu sagen, dass es jetzt auch nicht so das Optimum war. Wir haben das hingenommen, weil wir uns eigentlich in der Wohnung wohlgefühlt haben und auch gedacht haben, für das Kind ist das ideal, weil es da alleine mit dem Fahrrad zur Schule fahren und sich mit Freund·innen treffen kann usw. Und wir hätten das alles so weiter hingenommen und uns damit arrangiert. Wenn nicht - und dann kommt hier wieder die dramatische Musik - wenn nicht dann der Eklat mit unserer Vermieterin gewesen wäre. Und darüber hatten wir jetzt ja schon in der Vergangenheit mal gesprochen. Deswegen will ich das hier nicht noch weiter ausführen. Aber jedenfalls gab es dann Gründe, weswegen wir umziehen mussten und uns dann auch eine neue Wohnung gesucht haben. Und dann haben wir gesagt, na gut, wenn wir jetzt wieder umziehen, dann sollte es auch eine bessere Infrastruktur sein. Und da haben wir dann gedacht, okay, dann ist es sinnvoll, eine Wohnung zu haben, wo wir eine gute S Bahn Anbindung haben, die wir fußläufig erreichen können, wo wir fußläufig dann auch die wichtigsten Geschäfte erreichen können und in unserem Fall eben idealerweise auch die Stadtteilbibliothek und wo alles andere sonst mit dem Fahrrad gut zu erreichen ist. Und das haben wir jetzt geschafft. Da, wo wir jetzt wohnen, ist das alles ideal. Da können wir mit dem Fahrrad im Umkreis von drei, vier Kilometer höchstens wirklich alles erreichen, was wir so brauchen. Also das ist alles abgedeckt. Mit der S Bahn sind wir in einer Viertelstunde am Hauptbahnhof und Carsten hatte ja schon über seinen Arbeitsweg gesprochen. Das ist alles ideal.

Der einzige, der zurückstecken musste, war das Kind, denn der Schulweg hat sich dadurch ziemlich verlängert und das Kind musste dann jetzt mit der S Bahn fahren. Das haben wir wiederum so gelöst, dass das Kind so einen kleinen Tretroller hat, also keinen E-Roller, sondern einen ganz normalen Tretroller, mit dem es dann den einen Kilometer bis zur S Bahn Station rollert, dann mit der S Bahn eine Viertelstunde fährt und dann noch mal den einen Kilometer bis zur Schule rollert, so dass es da dann völlig autark ist. Wir hatten auch angeboten, ein Fahrrad an der S Bahn Station, wo die Schule sich befindet, hinzustellen. Allerdings ist es dann ja auch immer so, wenn das Fahrrad geklaut wird, oder das Fahrrad kaputt ist oder so, müsste eine·r von uns dahin fahren und das reparieren. Oder wir müssen Menschen, die da wohnen fragen, ob die das für uns machen. Das ist schon ein großer Aufwand und das Kind wollte das auch nicht, weil das halt irgendwie doch ein bisschen komplizierter wäre. Den Roller dann da anschließen, das Fahrrad wieder abschließe usw. sofort. Das heißt, diese Kombi Tretroller und S Bahn funktioniert momentan noch gut. Es ist ja alles im im werden - im Wachstum wollte ich schon sagen, auch der Roller ist im Wachstum, ja - also jedenfalls kann das ja sein, wenn das Kind älter wird, dass es sich dann halt vielleicht doch noch mal irgendwie so ein Klapprad oder so zulegt, das darf man ja dann auch mit in die S Bahn nehmen. Weil das ist ja auch wieder das Problem - je nachdem, wenn du nicht in der Großstadt wohnst, kennst du das wahrscheinlich nicht - aber hier bei uns ist es zumindest so, dass du zwischen 6 und 9 Uhr morgens und 16:00 und 18:00 kein Fahrrad mit in die S Bahn nehmen darfst. Oder in die U Bahn. Und ja, das ist halt zumindest morgens genau der Zeitpunkt, wo das Kind zur Schule fährt und das heißt, es darf da dann sein Fahrrad nicht mit reinnehmen, ein Klapprad aber schon. Das gilt dann nicht als Fahrrad, wenn es zusammengeklappt ist und deswegen wäre das halt eine Möglichkeit. Aber jetzt im Moment, in dem Alter, in dem das Kind gerade ist, ist das irgendwie noch nicht so ganz komfortabel. Das muss es ja dann auch durch die Gegend tragen und das ist ein erhöhter Kraftaufwand und so, deswegen ist das mit dem Roller gerade ganz gut.

Und das hat sich jetzt in den vergangenen mehr als anderthalb Jahren schon gut eingependelt, so dass ich am Anfang noch, also so für zwei Wochen oder so, das Kind begleitet habe und es seitdem völlig unproblematisch alles meistert, selbst Schienenersatzverkehr oder was auch immer da so passiert. Alles wird schon ideal gemeistert. Das heißt, klar wäre es schön, wenn das Kind hier einfach gegenüber zur Schule gehen könnte, einen Schulweg hätte von zwei Minuten oder so oder vielleicht auch von zehn Minuten zu Fuß. Also das wäre natürlich schön. Oder wie vorher diese vier Kilometer mit dem Rad, aber das Kind hat das auch so abgesegnet. Also wir haben das Kind nicht dazu gezwungen, sondern wir haben es auch befragt. Vorher, nicht nachher, als es keine Wahl mehr hatte, sondern bevor wir umgezogen sind und diese Entscheidung gefällt haben.

Ja, also es ist einfach für mich auch ein Zeichen dafür, dass wir immer abwägen müssen, welche Bedürfnisse können jetzt wie erfüllt werden. Und es ist tatsächlich schwer, alle Bedürfnisse zu 100 % zu erfüllen. Wie momentan. Vorher war immer Carsten der, der zurückgesteckt hat. Diesmal hat er durch diese Wohnsituation etwas gewonnen, weil wir näher an seine Arbeit herangerückt sind. Dann ist es aber für das Kind jetzt ein bisschen schlechter. Dafür ist aber alles andere besser. Die Infrastruktur ist besser und wir können mit dem Fahrrad wirklich alles gut erreichen.

Jetzt hatte ich ja schon angesprochen, dass wir dreimal umgezogen sind in dieser Zeit und wir hatten kein Auto und das heißt, wir mussten gucken, wie kommen wir damit klar. Die ersten beiden Male ist Carsten noch mit den 7,5t gefahren und wir hatten bezahlte Umzugshelfer·innen. Bei dem Umzug aufs Land hatten wir dann noch die Möglichkeit, dadurch, dass Carstens Eltern vorbeigekommen sind, um uns zu helfen, das Auto von Carstens Eltern zu nutzen, womit wir dann noch schnell zum Baumarkt gefahren sind oder schnell hier und da. Also wir haben quasi geschummelt. Wir hatten dann da auch ein Auto noch mit dazu. Und beim letzten Umzug war es aber so, dass wir dann ein Umzugsunternehmen engagiert haben, die das alles für uns gemacht haben. Alles heißt, die haben die Sachen von A nach B transportiert. Zusammengepackt und wieder ausgepackt haben wir schon noch gemacht, aber den Transport haben sie komplett übernommen und wir haben dann nichts mehr koordiniert. So, und da war es dann das erste Mal so, dass wir tatsächlich auch ein Lastenrad genutzt haben und mit wir meine ich Carsten.

Carsten Ja, das wollte ich gerade auch sagen. Das klingt immer so wie so eine Familieaktivität. Aber in dem Fall war ich die Familie.

Stefanie Ja, wir haben zu dritt das Lastenrad genutzt. Eine·r hat hinten getreten, der·die andere hat vorne drin gesessen und eine·r hat noch geschoben. So ungefähr war das.

Carsten Ja, fühlte sich exakt so an, als ich alleine getreten habe. Ich habe das Rad genutzt, um die Renovierungsarbeiten in irgendeiner Art und Weise hinzubekommen. Das heißt also die alte Wohnung herrichten, die neue auch schon vorbereiten. Also alles, was irgendwo so anfällt, Streicharbeiten, saubermachen etc. Und das sind natürlich so Sachen, die haben wir auch zeitlich so ein bisschen entzerrt. Wir wollten das jetzt nicht wirklich punktgenau machen, sondern wir hatten die Möglichkeit in der jetzigen Wohnung, also ich weiß gar nicht, 14 Tage vorher schon irgendwie alles fertig zu machen.

Stefanie Ich glaube sogar noch länger. Einen Monat.

Carsten Also einen relativ langen Zeitraum. Da bin ich dann mit dem Lastenrad hin, hab alles, was ich benötigte, dann hierhin transportiert.

Stefanie Diese großen Farbpötte, was man sich halt so vorstellt oder überlange Dinge. Einfach das, was mit dem normalen Fahrrad nicht so einfach zu transportieren wäre. Und ich muss ja dazu sagen, es ist halt ein Lastenrad gewesen, was wir auch kostenlos uns ausleihen konnten.

Carsten Stimmt, das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Dafür bin ich auch extrem dankbar, dass wir direkt hier in der näheren Umgebung die Möglichkeit für eine solche Entleihe haben. Und der Weg, den ich da zurücklegen musste, der war zwar kilometermäßig noch okay, aber der hatte so eine ganz fiese Steigung. Ja, ich bin echt dankbar gewesen, dass ich da diese Motorunterstützung hatte, weil sonst wäre ich da richtig ins Schwitzen gekommen, gerade mit dieser Zuladung. Und von daher ist so ein motorisiertes Lastenrad echt gold wert gewesen und hat uns, weil wir es relativ häufig ausleihen konnten, auch insofern natürlich dann geholfen, dass wir später die Renovierung der vorherigen Wohnung auch zeitlich stark entzerren konnten. Auch das war jetzt nicht unbedingt so, dass ich auf Teufel komm raus an einem Wochenende da fertig sein musste, sondern ich konnte nachher nach hinten heraus, dann immer mal wieder so ein paar Tage einlegen und das verhältnismäßig entspannt machen. Und das eben tatsächlich komplett ohne Auto. Das hatten wir bei dem Umzug nach der Folge 28 da, ja, da hatten wir eben, was du vorhin schon sagtest, die Unterstützung durch das Auto meiner Eltern, was wir da ja auch ganz gut genutzt hatten für so was.

Stefanie Und diese KFZ Unterstützung hatten wir jetzt dann bei dem letzten Umzug nicht mehr und brauchten wir eigentlich auch gar nicht, weil wir eben die Möglichkeit hatten, dieses Lastenrad zu leihen und weil die Entfernung natürlich zwischen den beiden Wohnungen jetzt nicht so weit war. Die Entfernung zwischen der vorigen Wohnung und der vorvorigen Wohnung war halt ziemlich weit. Da hätten wir auch mit dem Lastenrad ziemlich lang fahren müssen, um da immer hin und her zu pendeln. Da hat sich das auch nicht so angeboten, quasi immer hin und her zu pendeln. Da war die Strecke schon weit, also „ziemlich weit“, denn wir sind in unserem Leben schon viel weitere Strecken umgezogen, wo sich das dann gar nicht mehr angeboten hat, da überhaupt noch mal aufzukreuzen. Von daher, sagen wir mal, wenn du innerhalb von Hamburg umziehst oder eben in dieses Dorf neben Hamburg, dann in diesen Relationen gedacht, war es schon ziemlich weit und deswegen war es jetzt auch der Vorteil, dass wir nur ca. 14 Kilometer weitergezogen sind und da hat sich das dann angeboten, dass wir da mit dem Lastenrad immer mal wieder hin und her gefahren sind und das so lösen konnten.

Carsten Aber wir haben ja auch die Erfahrung gemacht, dass wir nicht für jeden Transport Lastenräder benötigen. Gerade gestern Abend, also am Tag bevor wir diese Folge aufnehmen, haben wir da tatsächlich noch mal ein ein Mikroabenteuer erlebt. Wir haben ein gebrauchtes Regal hier in der näheren Umgebung besorgt und das mit Fahrrad und dem schnöden Fahrradanhänger transportiert. Also nichts mit E Bike Unterstützung und Lastenrad!

Stefanie Genau. Also dem schnöden öden Lastenanhänger wollte ich schon gerade sagen, dem schnöden, öden Fahrradanhänger, denn der ist echt schon älter. Wir haben schon mehrfach überlegt, ob wir den verschenken, aber er hat sich jetzt auch schon mehrfach wieder als nützlich erwiesen, weswegen wir ihn erst mal behalten. Und das Regal ist so ein 1 Meter 84 langes Regal. Ich hatte dieses Maß noch im Kopf. Carsten hat vorhin, was ich wieder raus gelöscht habe, gesagt, wir hätten uns um den Namen des Regals gestritten. Ich bin nicht der Meinung, dass wir uns gestritten haben, sondern wir wussten nur nicht mehr, was für ein Ikea Regal das jetzt ist. Ist es jetzt ein Lack oder ein Expedit? Auf jeden Fall kein Kallax. Also auf jeden Fall so ein Einser, also mit fünf x eins in einer Reihe, also 1,84m lang und dann 40 Zentimeter hoch.

Carsten Genau 40 Zentimeter hoch. Also schon ein wuchtiges Teil, was man nicht einfach so mal eben unter den Arm klemmt.

Stefanie Genau, wir hätten es jetzt nicht einfach so tragen können und es auch nicht einfach so auf dem Fahrrad transportieren. Also der Anhänger musste schon sein und Carsten hat es dann auch geschoben, natürlich, er konnte nicht noch mit dem Fahrrad fahren. Das heißt, wir hatten dann auch geguckt - es war zu verschenken, das Regal - und ich muss dazu jetzt noch kurz ausholen, denn wir sind gerade dabei, das Kinderzimmer umzugestalten. Das Kind hat neue Wünsche und da ist natürlich der Gedanke: „Ich habe ein Auto und fahr mal eben schnell irgendwo hin und hol Sachen ab.“ schon reizvoll, das habe ich zumindest gemerkt. Ich habe gemerkt, dass ich irgendwie gedacht habe: okay, das Kind möchte jetzt dies, das, jenes. Und ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, in das Zimmer vielleicht ein Hochbett rein zu setzen, damit es da drunter noch eine gemütliche Ecke hat und so und mehr Platz ist für andere Sachen. Aber so ein Hochbett halt nur mit dem Lastenrad zu transportieren ist schon ein Jonglierakt. Jetzt haben wir hier die Möglichkeit, tatsächlich ein E-Lastenrad kostenlos mit E-Anhänger auszuleihen. Damit würde es wahrscheinlich gehen, aber der Anhänger ist im Moment komplett ausgebucht und wir wissen nicht, wann der wieder verfügbar ist.

Da bin ich kurz in Versuchung geraten und habe gedacht: „Boah, jetzt, die anderen, die können einfach so mit ihrem Auto mal kurz irgendwo was abholen!“. Weil wir auch den Anspruch haben, das alles gebraucht zu kaufen. Und da kollidieren dann vielleicht diese Ansprüche so ein bisschen, dass ich gedacht habe, wenn, dann gebraucht. Ich meine, es ist ja auch eine Preisfrage, ob du so ein Bett neu für 500, 600 oder noch mehr Euro kaufst oder es gebraucht für 100 € bekommst, ist es schon cooler das für 100 € zu bekommen. Für den Geldbeutel auf jeden Fall. Und für die Umwelt ist es natürlich auch besser, wenn du es gebraucht kaufst, das ist ganz klar. Und unser Anspruch ist es ja eben auch eigentlich so alles gebraucht zu kaufen. Und da hing ich schon wieder so stundenlang in den Kleinanzeigen, um zu jonglieren, wie könnte ich und so und dann habe ich auch schon überlegt, oh, wenn ich jetzt einen Transporter miete und dafür so und so viel Euro zahle und hier und da ist es vielleicht schon wieder besser, das neu zu kaufen und es liefern zu lassen und so ging das hin und her.

Und dann habe ich aber eigentlich doch eher diesen Wunsch mit den Dingen, die wir haben, also mit vorhandenen Dingen, da irgendwie was Neues aus dem Zimmer zu basteln. Jetzt haben wir aber nicht mehr so viel und dann ging das alles so hin und her. Und jedenfalls habe ich jetzt für mich eine Lösung gefunden. Wir verzichten jetzt erst mal auf das Hochbett, weil das Kind vielleicht da dann in zwei Jahren schon wieder zu groß für ist oder keine Lust mehr drauf hat. Und ich hatte dann gedacht, okay, wir brauchen jetzt diese Expedits oder eben auch Kallaxe, mal schauen. Die gibt es eigentlich immer wie Sand am Meer, sozusagen, in den Kleinanzeigen gebraucht. Und da war es nämlich auch schon so, dass Carsten mal, als wir noch in der vorigen Wohnung gewohnt haben, mit dem Lastenrad zwei solche vierer Expedit Quadrate transportiert hat. Das heißt, da wussten wir auf jeden Fall schon, dass es funktioniert. Da hattest du ja erhebende Momente, wo du mit 50 km/h den Berg runtergerast bist mit dem Lastenrad.

Carsten Ja, das war schön. Der Rückweg war nicht so schön.

Stefanie Aber Du hattest ja trotzdem die Elektro-Unterstützung, weil du musstest den Berg wieder hoch mit Last. Aber trotzdem, hast du da geschoben?

Carsten Nein, nein, habe ich nicht geschoben, das ging.

Stefanie Du bist gefahren, oder?

Carsten Das ist das Schöne an so einem Lastenrad. Das hat natürlich so richtig Zug. Also da kommst du auch mit voller Beladung bei Gegenwind bei schlechter Witterung problemlos auf deine 30 km/h. Also das macht da tatsächlich Spaß zu fahren. Wobei ich jetzt sagen muss, ich müsste jetzt nicht jeden Tag irgendwelche Regale da durch die Gegend fahren.

Stefanie (lacht) Carsten hat noch so einen Nebenjob. Der fährt so mit dem Lastenrad...

Carsten Aber für diese Situation war das einfach eine richtig gute Lösung. Ja.

Stefanie Genau. Na ja, also lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte also die ganze Zeit so jongliert und überlegt und irgendwie hat mich das total fertig gemacht, dass ich gedacht habe, wie kriegen wir das transportiert?! Also ich will jetzt dieses Zimmer umgestalten, wir brauchen größere Möbel und wir müssen die irgendwie transportieren. Mit unserem herkömmlichen Fahrrad und dem Anhänger wird das nicht funktionieren. Mit dem Lastenrad vielleicht auch nicht. Wie schaffe ich das alles? Und dann habe ich halt tief durchgeatmet und noch mal alles überlegt. Und habe dann durch Zufall in den Kleinanzeigen dieses Regal zu verschenken gesehen. Und habe gestern dann zu Carsten gesagt: sollen wir mal fragen, wo das ist? Um zu gucken, weil wir wussten, wir müssen zurückschieben, wenn wir da jetzt ne Stunde unterwegs sind, habe ich da auch keine Lust zu. Aber eine halbe Stunde wäre jetzt noch okay. Wenn das also möglichst in der Nähe ist, dann lass uns das machen. Und dann war das drei Kilometer entfernt. Und wir sind da mit dem Fahrrad vorgefahren und wurden schon komisch angeguckt. Was machen die mit dem Fahrrad? Und dann haben wir das Regal auch da aufgeladen und es hat super funktioniert.

Carsten Ja, wie gesagt, es war ein Mikroabenteuer, hat irgendwie Spaß gemacht mit so einem Regal durch die Gegend zu schieben. Und das war war in der Abenddämmerung, wir sind tatsächlich im Dunkeln wieder nach Hause gekommen. Jetzt aber nicht, weil wir tagelang durch die Gegend geschoben haben, sondern weil es tatsächlich relativ spät abends war.

Stefanie War dann doch 30 Kilometer entfernt, nicht 3 km...

Carsten Genau. Aber wir haben den Sonnenuntergang gesehen. Das war tatsächlich etwas, wo wir nachher auch gedacht haben, das hatte irgendwie was - ja, es war natürlich ein bisschen anstrengend, so ein Regal durch die Gegend zu tragen, auch gerade vom zweite Stock runter in den zweiten Stock wieder hoch. Aber alleine da jetzt mit so einem Gegenstand durch die Gegend zu schieben, das war wie so ein netter Abendspaziergang, wo, Du hattest gestern gesagt, die Selbstwirksamkeit gestärkt wird. Das war echt ein gutes Gefühl hier nach Hause zu kommen und zu denken cool, das hast Du geschafft! Andere Leute haben einfach nur doof geguckt, aber du hast das Problem gelöst und hast mal eben spontan mit fast gar nichts, so einen Schrank durch die Gegend gefahren.

Stefanie Ja, das stimmt. Also es war wirklich ein sehr erhebendes Gefühl. Das muss ich jetzt noch kurz sagen, bevor ich sage „fast gar nichts“ stimmt ja nicht, denn wir haben Zeit investiert. Wir sind irgendwie so anderthalb Stunden, sag ich mal, war das, so komplett mit anziehen, Sachen zusammensuchen, Fahrrad und Anhänger rausstellen usw., dann da hinfahren, das aufladen, das wieder zurück und wieder hochbringen. Von dem Punkt „wir machen das jetzt“ bis zu dem Punkt „das Regal steht bei uns“ waren es bestimmt anderthalb Stunden und das ist natürlich, wenn du mit dem Auto mal kurz diese drei Kilometer gefahren wärst, dann wäre es sicherlich schneller gewesen. Das ist für mich auch ein Punkt. Es kostet Zeit. Es ist ganz klar zu benennen, das ist bei allem, wenn du versuchst, irgendwie nachhaltig zu sein, anders zu leben, als der Mainstream es vorsieht, anders zu leben, als diese Gesellschaft es vorsieht, so, dann kostet es wirklich Zeit. Ich muss halt schauen in den Kleinanzeigen oder sonst wo und sie vergleichen und gucken, gibt es da jetzt irgendwie dieses Regal, wo gibt es das? Kann ich dahin, kann ich da nicht hin? Weil, wie gesagt, wenn das jetzt irgendwie zehn Kilometer entfernt ist, wir jetzt mit dem Fahrrad und Anhänger, wären wir dann nicht hingefahren, weil das einfach zu weit ist, dann zu schieben. Mit dem Lastenrad ist es wieder was anderes, aber das Lastenrad musst du reservieren und das konnten wir erst fürs nächste Wochenende reservieren. Und das konnten wir nicht spontan dann einfach nutzen. Spontan konnten wir jetzt unser Fahrrad und Anhänger nutzen, um das zu machen. Da sind wir aber wieder eingeschränkt im Umkreis usw. und so fort.

Das heißt, es ist schon was, wo wir mit jonglieren müssen und ja, wo wir ganz klar sagen, okay, das alles steht dann entgegen den Kosten für ein Leihauto und auch da kostet das natürlich Zeit, dass ich da erstmal hinfahren muss, das ausleihen muss und dann noch für Benzin zahlen und so fort. Das Abwägen fällt eigentlich immer zugunsten des Lastenrads oder eben des Fahrrads aus. Ich habe da wirklich überlegt, leihen wir jetzt nochmal einen Transporter, um dann so die Runde zu machen und irgendwo Sachen einzusammeln. Aber es ist halt einfach enorm teuer und da dann wieder zu überlegen, okay, dann ist es vielleicht neu günstiger, als sich so ein Auto auszuleihen. Dann bin ich wieder bei dem Punkt, dass ich eigentlich gar nichts neu kaufen möchte. Und da natürlich, wenn du dann noch ein Auto hast und sagst: Hey, ich kann jetzt einfach spontan mit dem Auto irgendwo hinfahren, dann hast du es natürlich leichter. Es ist viel bequemer, als die ganze Zeit diese vielen Überlegungen zu haben. Und doch hatten wir dieses coole Gefühl gestern.

Carsten Hätten wir mit dem Auto nicht gehabt.

Stefanie Nee, nee, auf keinen Fall.

Carsten Und ich muss natürlich auch sagen, so häufig ist das ja nicht, dass wir genau in solche Situationen reinlaufen. Das sind eigentlich eher Ausnahmesituationen. Und bisher war es tatsächlich so, dass wir das auch zeitlich gut koordinieren konnten. Heißt jetzt nicht, dass es keinen Zeitaufwand bedeutet. Also dieses Jonglieren, was du gerade gesagt hat, das fällt immer an, aber ich glaube, würden wir so was wöchentlich haben, wäre für uns vielleicht die Option Auto doch wieder greifbarer. Aber trotz solcher Erlebnisse, dass wir uns solche Fragen stellen und dieses Jonglieren dann tätigen müssen, ist ein eigenes Auto, für uns nach wie vor keine Option.

Stefanie Ja, ich sehe da auch überhaupt keine Notwendigkeit für ein eigenes Auto. Ich finde auch, die Kosten sind viel zu hoch. Also mittlerweile möchte ich das alles auch einfach gar nicht mehr. Ich denke, wir haben uns von dem eigenen Auto schon sehr entfremdet. Was ich jetzt aber auch gedacht habe, ist, dass es wieder so ein typisches Beispiel ist, dass es in Gemeinschaft dann alles leichter funktionieren würde. Wenn wir hier in einer Gemeinschaft leben würden, wo es vielleicht ein, zwei Carsharingautos gäbe, die zur Verfügung stehen würden oder Transporter oder eine Lastenrad Flotte und so was. Wenn man einfach auf so einen gemeinschaftlichen Pool an Fahrzeugen zurückgreifen könnte, wäre das natürlich alles viel leichter. Das ist ja jetzt alles nur so kompliziert, weil wir das alleine machen. Ich denke, wenn wir es gemeinsam machen würden, dann wäre es alles wieder viel einfacher. Deswegen ist es also kein Argument zu sagen: das was ihr da macht, ist sch**** oder ineffizient, sondern es ist einfach nur, weil wir es alleine machen, etwas, was im Moment eben noch nicht so hundertProzentig effizient ist. Aber wenn du die Möglichkeit hast, das in Gemeinschaft zu machen, also dir was zu teilen an fahrbaren Untersatz, mit dem du dann Dinge transportieren kannst, ist es leichter. Und der zweite Faktor ist für mich auch: das ist so eine natürliche Konsumbremse, wenn ich halt gar nicht die Möglichkeit habe, diese ganzen Sachen zu transportieren. Und natürlich möchte ich das eigentlich jetzt so schnell wie möglich alles haben, aber es ist mir meistens gar nicht möglich, das sofort zu bekommen.

Carsten Und dann gibt es aber doch Situationen, wo wir relativ zeitnah etwas benötigen. Jetzt zum Beispiel im Rahmen von Umzügen. Da kommt natürlich auch immer die Frage: Hat die neue Wohnung denn jetzt irgendwo einen Kühlschrank, Gefrierschrank, was ist mit Waschmaschinen etc.? Und wir haben das jetzt für uns so gelöst, dass wir da tatsächlich auf einen Gebrauchthändler hier in der Stadt zurückgreifen konnten, mit dem wir auch schon in anderen Wohnsituation gute Erfahrungen gesammelt haben, der auch die Geräte anliefert. Und das sind dann natürlich so Situationen, wo wir schon gucken: okay, ich kann da zumindest vereinbaren, dass es gebrauchte Ware ist. Die kann ich relativ kurzfristig bekommen und muss mir auch um den Transport an der Stelle jetzt persönlich keine direkten Sorgen machen, weil an der Stelle wird es geliefert. Wir haben aber auch schon Situationen gehabt, wo wir Waschmaschinen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln mit unserer Sackkarre durch die Gegend getragen haben.

Stefanie Also eine Waschmaschine. Nicht mehrere.

Carsten Ja, ja, genau.

Stefanie Weil Du Waschmaschinen sagtest.

Carsten Letztendlich auch da muss man so ein bisschen flexibel sein. Mit einem eigenem Auto wäre natürlich dann der Gedanke, ich fahre da mal eben schnell vor und kauf das oder nehme das so mit oder selbst wenn es gebraucht ist, dann fahre ich eben da hin und hole das ab. Ist dann natürlich naheliegend, aber auch ohne Auto schafft man das zumindest auch im städtischen Umfeld.

Stefanie Ja, ich muss dazu sagen, dass das ja auch noch mal ein Vorteil ist, wenn das geliefert wird. In dieser speziellen Situation ist es so, dass es dir bis in die Wohnung geliefert wird. Wenn du es selber kaufst, musst du selber hoch schleppen. Also von daher, das ist schon der Vorteil. Jetzt ist es aber nicht so, als wenn wir ständig Waschmaschinen, Gefrierschränke, Kühlschränke und so liefern lassen, sondern es war halt mal so, dass die Waschmaschine kaputt gegangen ist und eine Reparatur teurer gewesen wäre als eine neue Waschmaschine, weswegen wir dann eben das in Anspruch genommen haben, also diesen Service da. Das Altgerät wurde direkt mit entsorgt und das neue Gerät dort dann installiert. Und so auch jetzt bei dem letzten Umzug brauchten wir noch einen Kühlschrank und den haben wir dann auch liefern lassen. Das ist natürlich ganz praktisch. Also es ist so quasi so ein Mosaik aus verschiedenen Möglichkeiten, was wir dann nutzen, um ohne eigenes Auto da auch einigermaßen komfortabel leben zu können und da auch dann größere Gegenstände zu uns kommen zu lassen.

Etwas, was ich in Folge 28 auch noch gesagt hatte, war, dass wir dann einfach, wenn wir ein Auto brauchen, eins leihen. Das machen wir heute nicht mehr. Das ist schon länger so, das, ich weiß gar nicht, vier Jahre oder fünf Jahre oder so, ich bin mir nicht ganz sicher, ist das so, dass wir kein Auto mehr leihen. Wir haben einmal eine Ausnahme gemacht, während der Covid-19 Situation. Das war zu Weihnachten, dass es da eben für uns tatsächlich einfacher war, dann einmal ein Auto zu leihen, um damit zu den Großeltern zu fahren, um nicht die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Heißt im Umkehrschluss: seit wir uns gedacht haben, dass wir auch aus Nachhaltigkeitsgründen kein Auto mehr leihen, wir immer die Bahn nutzen, um zu den Großeltern zu kommen, die ungefähr 200 Kilometer entfernt wohnen. Und für unser Kind ist es mittlerweile auch Standard, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen.

Bei dieser einen Situation, das war Weihnachten 2021, da meinte unser Kind dann, nachdem wir wieder zu Hause waren, dass das Autofahren total langweilig und blöd sei und Bahnfahren viel besser, weil es eben die ganze Zeit angeschnallt hinten sitzen musste und sich nicht bewegen konnte. Und für unser Kind ist das schon so normal, einfach auch mal im Zug aufstehen zu können, zur Toilette zu gehen oder generell sich frei zu bewegen, mit uns Karten oder irgendwas anderes zu spielen, dass es diese Autofahrt als sehr einschränkend wahrgenommen hat. Und für dich war es ja dann auch wieder dieses: Du fährst nicht mehr so häufig, dann war das halt keine Ahnung, nach wie viel Jahren das erste Mal wieder Auto fahren und dann eben die ganze Zeit aufmerksam bleiben auf der Autobahn. Und ich habe auch gemerkt, dass das für dich so ein Aggressionspotential war.

Carsten Ja, es ist kognitiv ne ganz andere Herausforderung. Ich musste mich viel intensiver wieder auf den Verkehr konzentrieren und ich habe auch zum Beispiel gemerkt, dass ich dann während so einer Autofahrt auch gar nicht mehr Radio hören kann. Zu der Zeit, wo ich noch wirklich regelmäßig gefahren bin, sind viele Sachen intuitiv gewesen. Da war laute Musik und Straßenverkehr und Koordination überhaupt nicht das Problem. Das lief alles total flüssig. Aber jetzt gerade in solchen Lebenssituationen, wo das Autofahren wirklich rar wird und das war ja wirklich keine Ahnung seit langer, langer Zeit, wirklich das eine einzige Mal, hat das wirklich sehr viel Kraft gekostet und war dementsprechend auch überhaupt nichts, wo ich gesagt hatte, das hat sich jetzt sehr gelohnt. Also das war wirklich der Pandemie geschuldet, weil wir einfach das Infektionsrisiko in der Bahn so hoch bewertet haben, dass wir gesagt haben, ne, also wir wollen das Weihnachtsfest da jetzt nicht ausfallen lassen, also bleibt nur die Möglichkeit, sich ein Auto zu holen. Aber auch wenn das Auto jetzt von der reinen Fahrtzeit her, ein Zeitvorteil gewesen ist, hat das Erlebnis eigentlich dazu geführt, dass ich es tunlichst vermeiden würde, in Zukunft wieder diese Option zu ziehen, sondern da wieder, auch wenn es Zeit in Anspruch nimmt, auf die Bahn weg zurückgreifen würde.

Stefanie Ja, und ich hatte in der Folge 28 noch gesagt, dass ich da seit anderthalb Jahren nicht mehr mit dem Auto gefahren und dann gerade kurz vor der Folge das erste Mal wieder mit dem Auto gefahren bin und ich konnte noch Auto fahren. Ich bin seitdem tatsächlich nie wieder Auto gefahren. Also das heißt, ich bin jetzt seit sechseinhalb Jahren nicht mehr Auto gefahren und es ist tatsächlich so, dass ich mir das jetzt auch nicht mehr zutraue. Ich will mich auch einfach gar nicht mehr ins Auto setzen und fahren, weil sechseinhalb Jahre mangelnde Fahrpraxis für mich schon ein großer Unsicherheitsfaktor ist. Wahrscheinlich würde ich es noch können, aber ich will das einfach nicht. Deswegen müsste immer Carsten fahren, der sich das irgendwie immer noch so zutraut. Aber letztlich ist es für mich sicherer und angenehmer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Was mich jetzt noch zu unserem letzten Punkt auf unserer Liste bringt, nämlich das Thema Urlaub. Da haben wir schon mehrfach Folgen zu aufgenommen und wir haben dieses Jahr tatsächlich auch vor, quer durch Deutschland zu reisen. Ich will das jetzt noch nicht alles thematisieren, weil die Folge halt auch schon so lang ist. Aber letztlich ist es auch so, dass wir eben nicht in den Urlaub fliegen. Wir machen eigentlich immer nur innerhalb von Deutschland Urlaub. Wir waren jetzt, seit das Kind da ist, eigentlich noch nie außerhalb von Deutschland, um Urlaub zu machen. Vorher war das auch wegen des Hundes, der noch da war. Da sind wir dann mit dem Auto noch gefahren. Leider ist der Hund mittlerweile verstorben und dann hatten wir auch kein Auto mehr und letztlich ist es halt so: mit Hund in der Bahn ist natürlich wieder was anderes. Da können wir jetzt noch keine Erfahrungswerte zu bieten. Aber so jetzt nur wir drei als Kleinfamilie in der Bahn, das funktioniert eigentlich gut. Wie gesagt, wie schon die ganze Zeit immer wieder, es ist halt logistisch immer so eine Sache, ein Zeitaufwand. Und ich verweise da noch mal auf einige Urlaubsfolgen, die wir schon aufgenommen haben, die wir auch verlinken hier in den Shownotes und wir werden auf jeden Fall, wenn wir jetzt in den Osterferien diese Deutschlandtour gemacht haben - Das hört sich jetzt an, als würden wir auf Tournee gehen...

Carsten Wenn Du am Bahnsteig stehst, kannst du uns mal zuwinken!

Stefanie Genau, dann müssten wir sagen, wo wir genau vorbeifahren.

Carsten Das machen wir dann über mastodon.

Stefanie Genau. Nein. Also jedenfalls, wir sind voll die Promis. Ja, also, jedenfalls. Genau. Also, wenn wir das dann - Du hast mir jetzt voll aus dem Konzept gebracht. Dankeschön. Also, wenn wir das dann gemacht haben, werden wir dazu auf jeden Fall auch noch mal unsere Erfahrungswerte teilen und dir genaueres erzählen. Wie ich das alles geplant habe und so. Ich habe natürlich jetzt viel Zeit mit Planung verbracht und mir alles mögliche überlegt. Also das wird dann noch kommen, da darfst du dich schon drauf freuen, auf jeden Fall. Aber zusammenfassend kann ich jetzt sagen, wir fahren mit Bus und Bahn und Fahrrad in den Urlaub. Den letzten Urlaub haben wir ja tatsächlich mit Fahrrad gemacht. Da haben wir aber auch schon eine Folge zu aufgenommen. Also letztlich kannst du unsere Erfahrungswerte da schon mal nachlesen und auch das funktioniert sehr gut ohne Auto. Wenn ich jetzt so auf den Zettel schiele, sind wir quasi am Ende angekommen. Diese Folge ist auch lang genug. Aber ich denke, acht Jahre Autofrei verdienen tatsächlich so etwas wie eine Quintessenz.

Carsten Unsere Erfahrung ist: im Laufe der Zeit wird es immer einfacher, ohne Auto klar zu kommen. Wir haben auch gemerkt, dass wir Entfernungen anders denken und auch Mobilität generell anders denken, weil diese Option Auto irgendwann gar nicht mehr in Gedanken existiert. Du koordiniert dich quasi im Alltag, so dass das Auto gar keine Rolle mehr spielt.

Stefanie Genau. Es kommt auch irgendwie in der Planung gar nicht mehr so wirklich vor. Also außer dass ich jetzt eben dieses Gefühl hatte: „Jetzt einfach sich ins Auto setzen und zum IKEA fahren, das wär's ja jetzt so!“ Aber es bremst mich ja dann eben auch insofern aus, dass ich dann nicht zum Ikea fahre. Es hat ja auch schon was. Ja, was ich außerdem noch spannend finde, ist, was das mit dem Kind macht, dass auch beim Kind in der Gedankenwelt das Auto so überhaupt gar nicht vorkommt. Das ist jetzt nicht so, dass es irgendwie sagt „Boah, warum haben wir kein Auto? Warum fahren wir nicht ständig mit dem Auto irgendwo hin? Warum machen wir nicht irgendwas mit dem Auto oder so.“ Also das Auto an sich, dass wir jetzt damit unterwegs sind als Mobilitätsoption, findet da irgendwie nicht statt.

Carsten Weil wir auch nicht aufs Auto angewiesen sind. Also ich glaube, es macht ja auch von der gelebten Praxis her einen Unterschied, ob du glaubst, du brauchst es einfach nur, weil du es besitzt und so regelmäßig verwendest oder du, wie bei uns jetzt, eben die Mobilität ganz anders aussieht. Und so wächst das Kind ja in einem Umfeld auf, wo wir alles, was wir irgendwie bewerkstelligen müssen, auch ohne Auto hinbekommen. Also die Notwendigkeit ist bei uns auch gar nicht gegeben.

Stefanie Ja, und es ist ja jetzt mit dem Auto eben genauso lange wie wir vegan leben, ist das Auto auch nicht mehr da. Wie gesagt, das hatte keinen Zusammenhang.

Carsten Es hatte auch keine Ledersitze, die jetzt hier durch unsere vegane Lebensweise...

Stefanie Genau. Darum musste es weg. Nee, nee, da gab es überhaupt gar keinen Zusammenhang dazwischen, dass das Auto zeitgleich mit unserer Entscheidung, vegan zu leben, aus unserem Leben sich verabschiedet hat, sondern es war halt einfach Zufall. Es war einfach so. Und wie gesagt, das Kind war damals ja noch sehr klein, so dass es früher zwar schon im eigenen Auto transportiert worden ist, sich da aber einfach nicht mehr dran erinnern kann.

Carsten Ja.

Stefanie Also so ganz kurz zusammengefasst würde ich sagen: es ist machbar. Ein Leben ohne Auto ist machbar. Und natürlich kommt es auf die Lebensumstände an und es wäre in Gemeinschaft sicherlich einfacher.

Carsten Ja, in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man zu Hause.

Carsten Und auf wiederfahren.

Folge 283 - Mobys Punk Rock Vegan Movie

Ein Beitrag

Folge 283 - Mobys Punk Rock Vegan Movie

In dieser Folge sprechen wir über Mobys am 8.2.2023 erschienen Dokumentarfilm "Punk Rock Vegan Movie".

Moby stellt diesen Film kostenlos über YouTube zur Verfügung. Zum Zeitpunkt der Aufnahme dieser Rezension, kannst du ihn nur mit englischer Tonspur und englischen Untertiteln anschauen.

Wir haben unsere Filmbesprechung unmittelbar aufgenommen, nachdem wir den Film angeschaut haben, ohne uns vorher abzusprechen. So hörst Du unsere unverfälschten Eindrücke, wie der Film auf uns gewirkt hat.

Moby zeichnet in seinem Dokumentarfilm die Historie des Punk Rock und seine Verbindung zum Tierrechtsaktivismus und damit auch zum Veganismus nach. Er beginnt dabei im Jahr 1976 und endet in der Gegenwart. Durchsetzt ist der Film mit vielen Tierleid-Bildern, so dass ich hier auf jeden Fall eine Triggerwarnung aussprechen muss.

Links zur Folge

Offizielle Webseite zu Mobys Punk Rock Vegan Movie mit YouTube Einbindung
https://www.punkrockveganmovie.com/

Punk Rock Vegan Movie über eine Invidious-Instanz gucken
https://y.com.sb/watch?v=W9q1IidazY8

Buch "Straight Edge - Geschichte und Politik einer Bewegung" von Gabriele Kuhn
https://unrast-verlag.de/produkt/straight-edge/

Buch "Tierrechtsbewegung - Geschichte, Theorie, Aktivismus" von Klaus Petrus
https://unrast-verlag.de/produkt/tierrechtsbewegung/

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Carsten und ich haben uns hier spontan zusammengesetzt, um direkt nach dem Anschauen des neuen Films von Moby den auch zu besprechen. Denn Moby hat am 8. Februar 2023 seinen Film „Punk Rock Vegan Movie“ rausgebracht. Zu dem Zeitpunkt, wo wir die Folge hier aufnehmen, am 17. Februar 2023, ist es so, dass es den Film bisher nur im englischen Original gibt. Und wenn du über YouTube gucken möchtest, dann kannst du automatische Untertitel einstellen auf Englisch, die sind so wie Transkriptionstools das so machen: sie erkennen nicht jedes Wort richtig. Und YouTube ist schon mal so das erste Stichwort. Moby stellt nämlich diesen Film völlig kostenlos zur Verfügung und du kannst ihn über YouTube angucken. Aber du kannst den Film auch über eine invidious Instanz angucken. Wenn dir das jetzt nichts sagt, dann schau einfach mal, ich verlinke beides. Also es gibt die Webseite zum Film, da ist das YouTube Video eingebunden und die Invidious-Instanz hilft dir einfach YouTube Videos gucken zu können, ohne dass Google mithört. Wenn Du Wert auf Datenschutz legst, kannst du auch über diesen Weg dann den Film gucken. Da funktioniert allerdings dann diese Untertitelfunktion nicht, weil die eben auf Google angewiesen ist. Also da die dann nicht zu Google funkt, geht das dann halt auch nicht.

Ich hatte den Film irgendwann mal auf dem Schirm und dann auch wieder nicht. Also ich hatte schon mal davon gehört und Moby hatte im Abspann auch gesagt, dass da irgendwie 3,4,5 Jahre oder so an dem Film gearbeitet hat, das erklärt, warum ich da schon mal von gehört hatte, dass er an diesem Film arbeitet. Aber dann hatte ich das komplett vergessen und durch Zufall habe ich dann jetzt wieder davon gelesen, dass der Film draußen ist und dachte, sobald Carsten Zeit hat, gucken wir uns ihn zusammen an und das war eben heute und ich habe jetzt gedacht, nach dem Film nehmen wir uns die Zeit und nehmen sofort unsere Besprechung auf, damit ich das aus dem Kopf habe. Denn, Triggerwarnung: dieser Film ist voller schrecklicher Bilder.

Carsten Ja, da hat Moby wirklich nicht mit gespart. Und ich bin auch tatsächlich so der Meinung, dass er die Geschichte des Punkrocks auch deswegen mit reinbringt, damit Personen, die sich dem Punkrock in irgendeiner Art und Weise zugehörig fühlen oder Interesse daran haben, auch auf das Thema der Tierrechte aufmerksam gemacht werden.

Stefanie Ja, das kann ich mir gut vorstellen und ich habe vorhin noch darüber nachgedacht. Also es ist jetzt wirklich nicht viel Zeit vergangen zwischen, dass wir den Film geguckt haben und wir das jetzt aufnehmen. Wir waren kurz mal zur Toilette und haben uns alles für die Aufnahme zurechtgestellt. Das war es aber auch. Deswegen haben wir uns jetzt nicht abgesprochen. Während ich aber so auf dem Klo saß, habe ich darüber nachgedacht: Für wen ist der Film, was würde ich da sagen? Und das ist tatsächlich das, was du jetzt sagtest. Ich könnte so allgemein sagen, er richtet sich an Menschen, die Punkrock mögen und die vielleicht auch an der Historie interessiert sind. Das, würde ich sagen, ist so ein Oberbegriff. Und natürlich ist er auch was für alle Menschen, die Tiere lieben und für Veganer·innen. Allerdings würde ich da jetzt sagen, da der Film halt voller schrecklicher Tierqual Bilder ist - ständig wurden diese Bilder eingespielt, immer und immer wieder den ganzen Film über das hat mich total fertig gemacht - wenn es dir so geht wie mir und du erträgst diese Bilder nicht mehr, dann solltest du den Film vielleicht nur in der Tonspur hören und nicht die Bilder gucken oder ihn gar nicht angucken. Also von der Tonspur her fand ich ihn gut.

Carsten Ja, Tonspur ist echt gut und da sind wir auch wieder beim Thema Untertitel. Also ich würde sagen, so 70 - 80 % dessen, was gesagt wird, ist in einem sehr gut verständlichen Englisch, so dass, wenn du des Englischen mächtig bist, du vielleicht nicht zwangsläufig auf Untertitel angewiesen bist. Es gibt so einige Protagonist·innen, die habe ich jetzt schwer verstanden. Eine·r sprach mir auch deutlich zu schnell. Da war mir selbst das Lesen zu schnell, weil der Untertitel auch so daher flitzten. Da hatte ich schon so Probleme irgendwie hinterher zu kommen. Aber ansonsten ist er sehr gut verständlich. Und ja klar, natürlich, auf der Tonspur kannst du auch einiges mitbekommen. Da weißt du vielleicht nicht unbedingt, welche Person dort gerade spricht - das fand ich auch total interessant, ich war sehr überrascht von Sepultura den aktuellen Sänger zu sehen, der hat anscheinend doch seine Wurzeln Richtung Punkrock und Hardcore hat. Das wusste ich zum Beispiel nicht. Ich bin ja eher so Headbanger Metalhead.

Stefanie Mit deinen langen Haaren...

Carsten Meinen super langen Haaren. Jetzt noch auf zwölf Millimeter runter rasiert. Ja. Also von daher, Punkrock ist tatsächlich nicht so meine Musikrichtung. Ich muss auch sagen, der Film hat mich jetzt auch gar nicht so richtig angefixt, mich jetzt dem Punkrock nochmal so ein bisschen zu nähern. Okay, das ist aber eher so eine musikalische Vorliebe. Er hat aber in mir wieder den Wunsch gesteigert, jetzt tatsächlich mal so ein paar aktivistische T Shirts zu kaufen, die ich dann vielleicht tagsüber auch nochmal anziehe. Also irgendwie hat er mich ermuntert, jetzt aktivistischer wieder in die Öffentlichkeit zu treten. Und es gibt so zwei Aspekte, weswegen ich so diesen Wunsch habe, aktivistischer zu werden. Zum einen hat mich ja schon stark beeindruckt, dieses Statement Punkrock, so straight edge, also zu seinen Werten stehen, das war klar etwas. Aber für mich war auch noch mal mobilisierend, was du vorhin schon sagst, diese mit einer Triggerwarnung eigentlich zu versehenen Bilder zu sehen.

Stefanie Hat dich das gar nicht gestört, hat dich das überhaupt nicht berührt im Sinne von, dass du gleich los heulst und schreiend durch die Gegend läufst?

Carsten Ja, tatsächlich hat mich das nicht so berührt, weil ich vielleicht schon zu häufig sowas gesehen habe. Also ich persönlich muss sagen, ich bin da schon so ein bisschen abgestumpft. Also es tut extrem weh, aber ich glaube, eine richtige Tierrechtsdoku würde mich härter treffen, obwohl es vielleicht die gleichen Bilder sind. Aber der Kontext ist ein anderer. Bei einer Tierrechtsdoku wäre der Fokus nur auf dieses Tierleid gerichtet. Hier habe ich ja immer noch dieses tragende Element mit dem Punkrock.

Stefanie Ja, aber ich fand halt irgendwie, also mich hat es fertig gemacht. Ich hab's mir jetzt angeguckt, damit wir darüber sprechen können und eben das mit dir, liebe Hörerin, lieber Hörer teilen können, damit du dann halt weißt: gucke ich es mir an oder gucke ich es mir nicht an.. Ich persönlich hätte mich viel mehr auf die Geschichte des Punkrock konzentrieren können, wenn da nicht ständig diese schrecklichen Tierleidbilder gewesen wären. Ich weiß das ja alles, ich kenne das alles und ich meine immer und immer wieder das zu sehen und auch ohne Vorwarnung, dass da also die Einblendungen dann mal Lebenshof, mal Tierleid, mal beides nebeneinander, dann wieder Menschen, die sprechen, dann Punkrock, Konzerte usw. und so fort. Natürlich, Moby wird sich was dabei gedacht haben, das denke ich ja auch. Und Menschen, die eben noch nicht vegan leben, für die ist es vielleicht ja genau das, was sie dazu bringt, dann vegan zu leben. Das kann ja sein.

Nur für mich, jetzt ich hier aus der Perspektive der Veganerin, für mich war das sehr leidvoll, das ansehen zu müssen. Ich habe auch teilweise mal meinen Arm gehoben, damit ich nicht das sehen muss und trotzdem die Untertitel lesen kann, weil ja die Bilder so im Hintergrund quasi eingespielt wurden und die Menschen weiter geredet haben, die da interviewt wurden. Und ich hätte mich viel besser auf die Geschichte des Punkrock und die ganze Aussage und alles, was sie da gesagt haben, konzentrieren können, wenn er jetzt nur Lebenshofbilder gewählt hätte und da habe ich auch gedacht, das wäre viel schöner, da diese positive Beziehung zu zeigen zwischen den sogenannten Nutztieren und den Menschen, also dass das auch anders geht. Aber bis jetzt ist es wirklich bei jeder Dokumentation so, die was mit Veganismus zu tun hat, dass diese Tierleidbilder gezeigt werden. Und hier hatte ich die Hoffnung, er macht das nur am Anfang, aber es zieht sich durch den ganzen Film bis zum Ende durch. Am Ende gibt es nach dem Abspann noch eine etwas skurrile Szene, wie fandest du die?

Carsten So bisschen verstörend. Da musste ich gerade auch mal ein bisschen drüber nachdenken. Also ich glaube, ich habe sie jetzt so verstanden, aber beim ersten Mal auch gedacht, okay, was wollte das jetzt da sein?

Stefanie Ja, es ist auf jeden Fall auch Kunst der ganze Film. Es ist halt Punk.

Carsten Aber richtig gut gemacht in der Form. Also jetzt nicht stümperhaft.

Stefanie Nein, nein.

Carsten Nicht so „Das kann auch Kunst sein“, im spöttischen Sinne, sondern eher richtig gut.

Stefanie Nee, nee. Also das wollen wir jetzt nicht sagen, dass das schlecht gemacht ist. Es passt halt zum Punkrock und das passt zu diesem Ganzen „Ich bin dagegen und ich stelle mich gegen das Establishment“ und so. Und es ist auch sicher wirklich gut durchdacht. Mich persönlich trifft das halt immer wieder hart, wenn ständig meine Wunde aufgerissen wird und ich immer wieder dieses Tierleid sehe. Also das hat mir nicht geholfen, mich auf den Film zu konzentrieren.

Carsten Ja, es war sehr konfrontierend. Genau. Und was du schon sagtest, du kannst dich halt nicht darauf. Einstellen. Du hast das jetzt gelöst, in dem du dann deinen Arm ins Bild gehalten hast und dann halt so versucht hast auszutarieren, dass du trotzdem noch die Untertitel irgendwo liest. Aber du kannst dich nicht wirklich drauf einstellen. Du weißt nicht, wann passiert es, weil diese Durchmischung kommt halt völlig unvorbereitet und das macht das Ganze schon schwierig. Also klar, wenn du sensibel auf solche Bilder reagierst und dann ist der Film definitiv keine leichte Abendunterhaltung, um mal so ein bisschen das Thema Veganismus aus einer anderen Perspektive irgendwie kennen zu lernen.

Stefanie Ja, ich glaube, leichte Abendunterhaltung sollte es sowieso nicht sein. Ich denke, wenn du trotzdem den Film gerne sehen bzw. anhören möchtest, wenn du also die Möglichkeit hast zu hören, dann könntest du das Bild wegdrehen und dann nur hören. Wobei halt teilweise natürlich auch das Tierleid in Geräuschen zu hören ist. Das fand ich aber, war noch relativ schwach, also so, dass man das so ein bisschen ausblenden könnte. Ja, das wäre so die eine Möglichkeit, damit du das auch schon weißt, also dicke Triggerwarnung, es wird sehr viel Tierleid gezeigt. So Punkt. Also das ist so die eine Seite.

Die andere Seite ist ja eben auch die Geschichte des Punkrock und das fand ich jetzt wiederum total interessant. Das meiste spielt alles vor meiner Geburt. wo ich so gedacht habe, okay, deswegen habe ich davon nichts mitgekriegt. Ich war noch überhaupt nicht auf dieser Welt oder ich war irgendwie ein paar Jahre alt oder ich war acht Jahre alt oder so, wenn so was dann halt gespielt hat. Das heißt, je jünger du bist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass du irgendwas davon mitbekommen hast. Und ich fand es total spannend zu sehen, 1976 fing der Film an, dass es Menschen gab, die vegetarisch damals noch gelebt haben und dass da diese Animal Rights Bewegung dann auch schon stark war. Also es wirkte zumindest so, als sei sie stark und dann auch 1980 und dann immer weitergehend, also dass das wirklich eine Bewegung war und das also in diesen Liedtexten auch tatsächlich alles thematisiert wurde, was ich eben nie so wahrgenommen habe. Also ich meine, ich habe teilweise diese Musik gehört, aber offensichtlich habe ich bei Liedtexten nie hingehört. Das war mir alles nicht so bewusst und ich fand es jetzt super interessant, das alles zu sehen und auch die Geschichte von Straight Edge. Wie das alles dann so geworden ist, sage ich mal.

Wir hatten ganz zu Beginn des Podcasts, als wir gestartet sind, hatten wir mal einen Hörer, der ja auch über Vegan Straight Edge eigentlich mal was sagen wollte, dann aber doch nicht. Und dann hatte er nach Jahren noch mal gesagt „Vielleicht doch“ und dann wieder doch nicht. Also das heißt, es war schon immer mal so ein Thema, wo ich gedacht habe, da würde ich gern mehr drüber erfahren und auch mit Menschen drüber sprechen, die da irgendwie in der Szene aktiv waren oder sind. Und deswegen finde ich das jetzt besonders interessant. Also wenn dich das auch interessiert, Vegan Straight Edge und diese ganze Geschichte, wie das halt musikalisch sozusagen verwoben ist, die Tierrechtsbewegung, dann ist der Film auf jeden Fall interessant für dich. Natürlich, wie gesagt mit der dicken Triggerwarnung der Tierleitsbilder.

Carsten Ich fand gerade auch diesen Aspekt von Vegan Straight Edge deswegen interessant, weil das ein Anknüpfungspunkt war an etwas, was wir relativ zu Anfang unseres Podcasts schon mal mitbekommen haben. Wir haben damals auf der Messe O-Töne gesammelt und da war eine Gruppe Menschen, die sagte, sie kämen aus dieser Szene und für die war das jetzt eher so „Oh, wir gehen mal auf diese vegane Messe, einfach nur, um zu gucken, was sich da so ergibt.“ Und die haben uns gegenüber im Interview dann - ich weiß gar nicht, ob wir das aufgenommen oder im Rahmen dieser ganzen Gespräche, die wir dann abseits der O-Töne gesammelt haben - kam auf jeden Fall zur Sprache, dass mindestens eine dieser Personen schon seit 20 Jahren vegan lebt. Ja, wo ich dann gedacht habe, äh, 20 Jahre, wie geht das denn? Und die bezogen sich halt tatsächlich auf diese Straight Edge Bewegung. Und das ist mir damals so im Kopf geblieben und damals sagte mir der Begriff Straight Edge überhaupt gar nichts. Also das war für mich ein völliges Fremdwort. Bis dann irgendwann im Arbeitsumfeld eine weitere Person, das war so ein Verkaufsrepräsentant von einem Dienstleister, mit dem wir gearbeitet haben, der sagte damals, als er jung war, habe er das auch mal gemacht. Also okay, irgendwas ist an mir vorbei gelaufen. So die halbe Welt kennt das, aber ich jetzt nicht. Aber ich bin derjenige, der hier vegan ist und nicht die anderen. Ja, und das fand ich schon sehr merkwürdig. Und jetzt, quasi Jahre später, über diese Doku noch mal so ein bisschen Hintergrund zu der Historie mitzubekommen, das war schon irgendwie richtig klasse. Da hat sich so eine Wissenslücke gerade geschlossen.

Stefanie Ja, als ich damals das erste Mal von Vegan Straight Edge und dieser Verquickung von Punkrock und Veganismus gehört hatte, da habe ich auch gedacht, wieso wusste ich nie was davon und habe mir das dann so erklärt, dass wir ja beide auch sehr ländlich aufgewachsen sind und in den Teeniejahren auch gar nicht so den Zugang dazu hatten. Ich denke, dass das ja eher in den Großstädten stattfand. Also das ist jetzt meine Erklärung dafür. Und dass wir so in der Dorfdisco davon nicht wirklich was mitbekommen haben.

Carsten Punk ist komplett an mir vorbei gelaufen. Ja, stimmt. Das habe ich tatsächlich immer so mit Großstadt in Verbindung gebracht. Und noch ein Aspekt, der mir hier an diesem Film sehr gut gefallen hat, war tatsächlich so, was du vorhin schon sagt, das alles vor deiner Geburt stattgefunden und ein Großteil davon in dem Film ist wirklich so der Eindruck entstanden: Boah, da hat sich irgendwie so Ende oder Mitte / Ende der 70er Jahre, in den 80 er Jahren dann auch eine riesige Bewegung formiert, die dieses Thema der Tierrechte vorantreibt. Das war halt sehr, sehr präsent da in dieser Dokumentation so gezeigt. Da musste ich mir auch erst mal wieder vergegenwärtigen: naja, also da wird ja über eine Nische berichtet. Das ist wahrscheinlich der Grund, weswegen das so irrsinnig lange gebraucht hat, bis es jetzt stärker ins öffentliche Bewusstsein gelangt ist. Und dieses stärker, das würde ich sagen, das ist jetzt so im Rahmen der letzten paar Jahre von heute aus gerechnet, mit veganen Messen, also Veganismus an sich, jetzt auch die veganen Produkte, die auch in die Discounter geschwemmt werden. Also das Bewusstsein hat sich da schon geändert und ich glaube, das wäre nie so weit gekommen, wenn nicht damals so in den 70er, 80er Jahren, diese Wurzeln da gelegt wurden, ich will jetzt nicht sagen die Punker waren es, aber ich glaube schon, dass die an der Stelle schon eine ganz, ganz, ganz wichtige Rolle getragen haben. Und ja, wie gesagt, für mich ist es einfach wichtig, noch mal zu rekapitulieren, dass es damals einfach eine Nische gewesen ist, die jetzt hier in dieser Dokumentation so sehr präsent dargestellt wird.

Stefanie Ja, wo du gerade Produkte und so gesagt hast, musste ich schmunzeln, weil ich grade daran gedacht habe, wie die da erzählt haben, was sie während ihrer Touren gegessen haben, dass sie sich da teilweise nur von Weißbrot und Salat ernährt haben oder so, oder gar nichts gegessen haben, weil es einfach nichts rein pflanzliches gab.

Carsten Misosuppe.

Stefanie Misosuppe oder was auch immer die da hatten. Also das ist echt ganz spannend, sich das anzuhören. Das fand ich richtig gut. Wie gesagt, wenn nicht die ganze Zeit diese Tierleid Bilder wären, würde ich es ja rundum gut finden. Nur eben diese Tierleid Bilder. Na ja, du weißt bescheid. Also jedenfalls das fand ich echt lustig, auch mir das anzuhören und fand das eben auch gut, da dann so einen Rückblick zu haben und auch zu sehen, wie gut wir es heute haben. Also auch schon seit wir angefangen haben, vor mehr als acht Jahren mittlerweile vegan zu leben. Damals war es schon total einfach vegan zu leben. Ich meine, ich habe ja schon vor 28 Jahren vegetarisch angefangen zu leben und auch das ging damals so. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das alles gemacht habe, aber es hat funktioniert. Und das heißt, es war nicht so entbehrungsreich wie das, was sie da geschildert haben. Aber die haben sich auch wirklich rein pflanzlich ernährt, obwohl sie am Anfang halt gesagt haben vegetarisch.

Carsten Ja, ich glaube, da gab es den Begriff „vegan“ noch gar nicht oder zumindest war er noch nicht so publik. Und was ich sehr imponierend fand, war, dass fast ausschließlich aus der ethischen Brille berichtet wurde, zumindest von den Bandmitgliedern sehr stark. Später wird noch mal so ein bisschen Bezug genommen auf das Thema Gesundheit und auch ökologische Folgen, aber das ist wirklich ein komplettes Randthema. Ja, der komplette Film basiert eigentlich auf dieser sehr starken ethischen Sichtweise, um einfach zu zeigen, was da falsch läuft zwischen Menschen und Tieren.

Stefanie Genau. Wobei da auch ein Mensch zur Sprache kam, der gesagt hat, dass er das nur gemacht hat, weil seine Vorbilder das gemacht haben und der das cool fand. Und im Nachgang hat er verstanden, worum es ging. Das heißt, das war natürlich auch hip und trendy sozusagen, in der Szene, in der das stattgefunden hat, aber letztlich haben alle immer irgendwie auch dann die Hintergründe erfahren. ES wurde auch erzählt, dass da viel ja an Infoständen auch immer Flyer auslagen und über Tierrechte informiert wurde und so dann die Menschen da Informationen bekommen haben. Das heißt es ging nicht nur über Liedtexte und Pogo, sondern auch über Infoflyer.

Carsten Ja, und ich habe genau in der Szene, wo du sagtest, da ist jemand, der von seinen Idolen, da hab ich gedacht: Wieso passiert mir das nicht? Wieso kann ich nicht als Idol wahrgenommen werden im Rahmen meines Arbeitsumfeld? Ich bin so da, der einsame, vegan lebende Mensch, da in der Kantine.

Stefanie Ich dachte, da waren noch andere?

Carsten Ja, die machen ja immer so Teilzeit- Veganismus. So im Rahmen von „Jetzt faste ich mal und total entbehrungsreich“.

Stefanie Ja stimmt, das ist...

Carsten Okay so, aber das wäre doch cool. Du sitzt dann da und die Leute fühlen sich inspiriert und nicht so abgegrenzt: „Wie lange machst du das? Oh, das ist ja auch, das machst du aber ganz schön lange!“ und so und dann wirst du immer mit Staunen begutachtet, wenn du sagst: „Ja, so ungefähr acht Jahre. Ist ja nichts Besonderes mehr.“ - „Oh doch, nee, nee, das könnte ich jetzt. Wie machst du das?“ Das wär echt gut.

Stefanie Das liegt daran, dass dein Arbeitsplatz keine Szene ist.

Carsten Wie kann ich das denn szeniger gestalten?

Stefanie Also das ist ja jetzt kein Gruppenzusammenhalt von im Sinne „wir hören alle die gleiche Musik und haben die gleichen Werte“, sondern ihr kommt da ja sehr kapitalistisch dort zusammen, um einfach nur euren Lebensunterhalt zu verdienen.

Carsten In die Küche kommen wir, um unser Energielevel wieder nach oben zu bringen.

Stefanie Ja, okay, aber ich meine, jetzt zur Arbeit kommt ihr, um euren Lebensunterhalt zu sichern. Das ist das Einzige, was euch vereint. Und das ist vielleicht nicht stark genug, um dich als Idol wahrzunehmen.

Carsten Ich muss ja auch zugeben, ich gehe nicht zur Arbeit, um Leute zu inspirieren.

Stefanie Oder um ein Idol zu sein.

Carsten „Kill your idols“ sag ich dazu nur.

Stefanie Ja, ja, ja, gut, und bevor wir jetzt hier völlig überdreht wegkippen und nur noch Unsinn reden, noch mal kurz Tacheles: der Film hat 90 Minuten Länge, quasi so normale Kinofilm Länge und du kannst ihn wie gesagt kostenlos anschauen. Wir verlinken die Seite. Wenn du datenschutzaffin bist, dann kannst du den Invidous Link nehmen. Und wenn dir das alles sch***egal ist, dann kannst du den YouTube Link nehmen. Genau das sind so die beiden Sachen, die ich verlinken werde. Ja und ansonsten gibt es noch was, was man dazu sagen sollte?

Carsten Ja, die Einschränkungen, für wen dieser Film ist, haben wir ja ausführlich dargestellt. Das immer im Hinterkopf behalten. Bevor du jetzt auf den Link klickst und dich dann anschließend mit Bildern konfrontiert siehst, die dir vielleicht gerade nicht bekommen oder generell nicht bekommen. Ja, ansonsten ja, wie gesagt, wenn du einfach Lust drauf hast, so ein bisschen mehr so Punk Rock mäßig da in die Geschichte eingeführt zu werden und auch genau diese Verbindung zum Veganismus und zum Aktivismus zu sehen, dann denke ich, ist das eine richtig gute Dokumentation.

Stefanie Und dich hat es ja motiviert, jetzt dir ein paar T-Shirts zu kaufen. Also von daher dann auch aktiver zu werden. Und ich glaube, das ist auch das, was Moby wollte. Er hat am Ende dann noch so ein, ja, eigentlich ein Dialog gehalten, einen halben Monolog, so in der Art, hat seinem Hund erzählt, der immer wieder auftaucht im Gespräch mit ihm, was er jetzt mit diesem Film bezweckt. Und das war halt unter anderem, dass er gerne uns dazu motivieren möchte, aktiv zu werden. Wir wollen jetzt eigentlich auch gar nicht - wir hatten vorhin schon gedacht, wenn wir jetzt alles erzählen, ist ja auch irgendwie blöd - der Film hat definitiv lustige Momente auch, und Moby hat da viele verschiedene Fragmente eingebaut, die sehr künstlerisch speziell sind.

Carsten Vielleicht skurril.

Stefanie Genau so. Aber alles passt. Das ist ein rundes Werk. Auf jeden Fall. Und wenn dich das Tierleid jetzt in dem Sinne, also die Bilder, wenn die dich nicht abschrecken, dann guck es dir auf jeden Fall an. Ansonsten, wie gesagt, vielleicht kannst du dir dann einfach die Tonspur anhören. Wenn Englisch deine Stärke ist, dann sollte das gar kein Problem sein. Und ja, wenn du Menschen kennst, die Punkrock mögen, dann kannst du ihnen den Film auf jeden Fall auch empfehlen.

Carsten Vor allen Dingen, wenn sie noch nicht Veganer·innen oder Vegetarier·innen sind.

Stefanie Genau.

Carsten Ja, dann hast du, glaube ich, zumindest aus meiner Sicht, genau die Zielgruppe zu 100 % erreicht.

Stefanie Genau. Also eine Empfehlung mit Einschränkungen von uns und eben unsere frischen, unsortierten Eindrücke, die wir dir jetzt hier aufgesprochen haben. Der Film zeigt natürlich noch viel, viel mehr. Und wenn du magst, schau es dir einfach selbst an..

Carsten Genau. Den Rest musst du selber sehen.

Stefanie Genau. Dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Carsten Film ab.

Aus "Einfach Vegan - der Forscher Podcast" wird der "Mehr als vegan" - Podcast

Ein Beitrag

Aus "Einfach Vegan - der Forscher Podcast" wird der "Mehr als vegan" - Podcast

Vollständiges Transkript der Folge

Carsten Wir leben mehr als vegan und dies ist der Podcast mit Carsten und Stefanie.

Stefanie Begleite uns auf unserem Weg in eine klimagerechte Zukunft.

Carsten Denn weiter wie bisher

Stefanie geht es nicht.

Carsten Also dieses hier ist eine kleine Abschiedsfolge. Wir sagen Tschüss „Einfach vegan - der Forscherpodcast“

Stefanie und hallo „Mehr als vegan“ - Podcast.

Carsten Also ist es auch eine Begrüßungsfolge?

Stefanie Genau, das ist eine Zwischenfolge. Wir hatten uns erst überlegt, dass wir gar keine Folge zu dem Wechsel des Namens des Podcasts aufnehmen. Aber dann habe ich gedacht, dass es doch besser ist, weil es dann ersichtlich ist in der Reihe der Podcastfolgen, dass es jetzt einen Cut gibt und dass wir nicht einfach so in einer Folge drin sagen „übrigens, der Podcast heißt jetzt anders“, denn es kann ja auch sein, dass Menschen diese Folge gar nicht hören - also nicht diese Folge jetzt, sondern die Folge, in der wir das dann sagen und vielleicht auch die vorangegangenen Folgen nicht gehört haben, in denen wir das schon angekündigt haben. Deswegen war mir das wichtig, dass das einfach eine sichtbare Folge ist, wo wir einfach nur sagen, wir ändern jetzt den Namen.

Carsten Und zwar nicht einfach so, sondern aus der Erkenntnis heraus oder auch aus dem Gefühl, was wir schon seit längerer Zeit haben, dass wir inhaltlich ja gar nicht mehr rein im vegan Thema unterwegs sind, sondern ganz viele andere Facetten des Lebens, der Gesellschaft etc. pp. beleuchten. Aber immer mit der veganen Sichtweise, also der Sichtweise von vegan lebenden Menschen und dementsprechend haben wir uns einfach nicht mehr wohlgefühlt mit der bisherigen Titelvergabe des Podcasts und uns entschieden: das Ding hat mal einen anderen Namen.

Stefanie Genau. Und es ist ja auch nicht das erste Mal, dass wir den Podcast umbenennen, denn ganz zu Anfang hieß er noch:

Carsten „Weiter wie bisher geht es nicht.

Stefanie Der Forscher Podcast für Veganer und solche, die es werden wollen mit Carsten und Stefanie.

Carsten Ein neues Wohlstandsmodell muss her.

Stefanie Packen wir es an.“

Und der Name war halt so ein bisschen sperrig. Deswegen hatten wir ihn dann umbenannt in „Einfach vegan - der Forscher Podcast“. Aber wie Carsten halt schon sagte, haben wir uns in den vergangenen sieben Jahren ziemlich weiterentwickelt und eben auch andere Gebiete jenseits von vegan erforscht. Und deswegen musste jetzt einfach ein neuer Name her. Und es ging nicht nur um das „einfach vegan“, dass das jetzt zu „mehr als vegan“ geworden ist, sondern auch um den Begriff „Forscher“. Zum einen, weil es ja jetzt eigentlich Forscher·innen oder Forschenden Podcast heißen müsste, das mit dem Gendern, sag ich jetzt mal, das ist auch etwas, was wir erst in den vergangenen Jahren gelernt haben und was wir versuchen, wirklich in den Podcastfolgen durchzuziehen. Carsten ist da ja noch nicht so toll...

Carsten Es wird aber besser.

Stefanie Ich versuche das auch in den Transkripten nachträglich zu ändern, aber wenn andere Menschen Korrektur lesen, hatte ich bis jetzt noch nicht drum gebeten, das auch zu machen. Das heißt, das ist so, mal da, mal nicht da. Und ja, genau deswegen musste das auch geändert werden. Und ich erinnere mich auch daran, als wir noch Kommentare auf der Webseite zugelassen haben, da war es auch so, dass sich mal eine Person beschwert hat, dass das ja hier Forscher Podcast hieße, aber nicht wissenschaftlich genug sei.

Carsten Ja, wobei wir ja nie den Anspruch hatten, jetzt als Wissenschaftler·innen aufzutreten, sondern für uns war es unser persönliches Forschungsprojekt, unsere persönliche Forschungsreise. Das haben wir so vielleicht in diesem Namen nicht unbedingt so darstellen können, aber so haben wir es damals oder bisher eigentlich empfunden.

Stefanie Ja, wir hatten nie diesen Anspruch und ich war damals auch so ein bisschen überrascht, dass dieser Anspruch an uns gestellt wurde, dass Menschen das so lesen könnten, dass wir Wissenschaftler·innen sind, die jetzt hier so einen Podcast betreiben. Also von daher ist es aus vielerlei Gründen so, dass das „Forscher“ jetzt wegfällt. Aber nichtsdestotrotz erforschen wir natürlich trotzdem noch.

Carsten Genau. Und sei es einfach nur unsere eigenen persönlichen Grenzen. Wir sind ja weiterhin Privatpersonen, die sich mit Themen auseinandersetzen, die vielleicht im Rahmen der ersten Lebensjahrzehnte für uns gar nicht präsent waren. Und wir schälen uns da jetzt gerade so aus unserer ursprünglichen Bubble raus und schauen uns andere Aspekte an und nehmen da ganz viel von mit und reflektieren das alles. Und dementsprechend haben wir uns auch in dieser Hinsicht darauf verständigt, den Begriff „Forscherpodcast“ erstmal rauszunehmen.

Stefanie Und einfach um auch den Namen kürzer zu halten. „Mehr als vegan“ - Podcast ist kürzer als „Einfach vegan - der Forscher Podcast“. Und ich habe sowieso schon die ganze Zeit immer nur „Einfach Vegan Podcast“ gesagt, so als Spitzname, sozusagen, unseres Podcasts. Also von daher ist das auch noch mit ein Grund. Es bleibt aber auf jeden Fall eine Reise, wo wir dich eben einladen mit uns zu kommen. Wir dokumentieren weiterhin unseren Weg hin zu einem guten Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten. Und wir haben das ja auch schon immer wieder thematisiert, dass wir als Veganer·innen da auch eine besondere Rolle spielen, weil wir die anderen Lebewesen, die nichtmenschlichen Tiere mitdenken. Und das machen die meisten, die auch in Richtung eines guten Lebens für alle kämpfen, unterwegs sind, sich einsetzen, nicht - ist zumindest meine Erfahrung. Und deswegen ist es auch so wichtig, dass wir vegan lebenden Menschen uns da mit anderen zusammenschließen und unsere Sichtweise mit einbringen.

Carsten Genau, also diese karnistische Sichtweise durchbrechen und da entsprechend darauf hinweisen, dass da trotzdem noch mal eine Ideologie auch bei Personen vorhanden ist, die inhaltlich vielleicht sehr progressiv erscheinen, aber genau an der Hürde des Karnismus dann trotzdem noch irgendwo hängen bleiben.

Stefanie Ja, und da wollen wir uns mit dem Podcast weiterhin einsetzen dafür, dass auch die nichtmenschlichen Tiere gesehen und mit mitgedacht werden. Gleichzeitig ist das hier jetzt quasi auch noch so eine kleine Feier. Sieben Jahre ist der Podcast jetzt alt.

Carsten Auf die nächsten sieben.

Stefanie Genau. Also mal schauen. Und wir bedanken uns natürlich bei all den Menschen, die diesen Podcast all die Jahre lang schon unterstützt haben. Sei es finanziell über Steady, über Einmalzahlungen, über Überweisungen oder eben auch nicht-monetär zeitlich durch das Korrekturlesen von Transkripten zum Beispiel oder einfach durch Emails, die geschrieben wurden, iTunes-Rezensionen und positiven Zuspruch all die sieben Jahre lang.

Carsten Vielen, vielen herzlichen Dank. Auch von mir. Das ist total überwältigend, über so einen langen Zeitraum so viele Menschen zu haben, die eben auch diesen Zuspruch in unterschiedlichster Art und Weise geben und uns dann auch zeigen, dass die Themen, die wir jetzt behandeln, ja auch für andere Personen von Relevanz sind und denen was bringen. Total cool. Danke.

Stefanie Wir blicken zurück auf 283 Folgen dieses Podcasts. Das ist schon eine ganze Menge. Natürlich hätten wir in sieben Jahren auch noch viel mehr anhäufen können. Wir hatten ja teilweise größere Lücken oder nur alle zwei Wochen gesendet. Natürlich ginge da noch mehr. Wenn du aber dann den Milchgeschichten Podcast, den Wir Konsumkinder Podcast und den Von Herzen Vegan Podcast dazu rechnest, dann ist es richtig viel. Also von daher.

Carsten Es sind fast gefühlt 1285 Folgen.

Stefanie Ja, vielleicht nicht ganz. Also so knapp 440 Folgen sind es auf jeden Fall. Ich hatte immer gedacht, Ich möchte für jeden Tag im Jahr eine Folge haben. Das haben wir jetzt auf jeden Fall schon lange erreicht. Das heißt, du könntest alle vier Podcasts in einem Jahr nicht durchhören, wenn du täglich eine Folge hörst, sondern du hättest dann sogar noch mehr. Aber du wärst auf jeden Fall für ein Jahr versorgt.

Carsten Das ist doch schon mal eine Ansage.

Stefanie Das ist doch was. Also von daher, es wird auch weitergehen. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen. Wir haben schon einige Folgen geplant. Das ist nämlich jetzt so, dass wir schon zwei Folgen im voraus aufgenommen haben und diese Folge jetzt danach erst aufnehmen. Das heißt, wir können da also schon mal Sicherheit sagen, es geht weiter. Zwei Folgen sind definitiv schon aufgenommen. Und natürlich haben wir noch ganz, ganz viele andere Themen. Bücher, die wir lesen und auch generell Themen, die uns so bewegen, die wir mit dir teilen wollen. Und wir freuen uns natürlich, wenn du uns weiterhin auf unserem Weg begleitest. Und wenn du Themenwünsche hast, kannst du dich auch sehr gerne an uns wenden. Schreib dann einfach eine Email an, post [at] vonherzenvegan.de. Da sind wir auch immer offen dafür, wenn es passt natürlich. Es kann auch sein, dass Themen einfach nicht zu uns passen. Aber ich schaue mir das alles immer an und bespreche das auch mit Carsten, ob wir das machen wollen oder nicht. Also schick uns gerne Themenvorschläge, wenn du sagst, ich wüsste einfach gern mal mehr darüber, könnt ihr dazu mal recherchieren oder sprecht doch mal darüber. Dann nehmen wir das gerne in unsere Liste auf.

Carsten Wenn es passt, natürlich. Aber wir müssen ja die nächsten sieben Jahre noch voll bekommen. Also von daher kannst du ordentlich an Themenwünschen äußern.

Stefanie Ja, sieben Jahre... Ich lass das mal so dahingestellt. Mal schauen. Ich kann ehrlich nicht sagen, wo wir uns in sieben Jahren befinden werden. Auch so durch den Klimawandel und generell. Aber ja, keine Ahnung was auf uns da zukommt. Aber auf jeden Fall ist es so, dass wir im Moment, zu dem Zeitpunkt, wo wir diese Folge aufnehmen, vorhaben weiterzumachen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie Wir freuen uns über Jubiläumsgeschenke.

Carsten Und sagen tschüss!

Stefanie In Hamburg sagt man tschüss...

Carsten Ja, stimmt und auf Wiederhören.

Stefanie Ich habe Carsten überrumpelt. Also tschüss. Die Adresse findest du im Impressum übrigens...

Folge 282 - Denken wir die Welt neu mit permakulturellen Prinzipien

Ein Beitrag

Folge 282 - Denken wir die Welt neu mit permakulturellen Prinzipien

In dieser Folge stellen wir das ganz neu im Januar 2023 im Löwenzahn Verlag erschienene Buch "Permakultur leben - Denken wir die Welt neu mit permakulturellen Prinzipien" von Sabrina Wagner vor.

Wir verschenken auch dieses Mal wieder unser Rezensionsexemplar.

Um das Verschenken gerechter zu gestalten, hast Du bist zum 7.3.2023 24 Uhr Zeit Dich per E-Mail oder, wenn Du mich finanziell über Steady unterstützt, dort auch per Kommentar, bei mir zu melden.

Unter allen Einsendungen verlosen wir dann das Rezensionsexemplar. Das ist eine private Aktion und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Links zur Folge

Alles über Sabrina Wagner
https://www.sabrina-wagner-permakultur.de/

Buch: "Permakultur leben - Denken wir die Welt neu mit permakulturellen Prinzipien" von Sabrina Wagner
https://www.loewenzahn.at/produkt/2966/permakultur-leben/

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie In dieser Folge stellen wir wieder ein Buch vor. Wir haben tatsächlich eine ziemliche Buchschwemme sozusagen. Wir lesen momentan viel und einige Bücher davon rezensieren wir dann auch hier. Und dieses Buch hier kannst du auch wieder geschenkt bekommen von uns. Und zwar hatten wir uns jetzt überlegt, das doch wieder irgendwie unter mehreren zu verlosen, weil ich so das Gefühl hatte, dass dieses „Ja meld dich einfach und vielleicht ist es noch da“ vielleicht doch irgendwie zu unbestimmt und vielleicht auch zu ungerecht ist. Also werden wir jetzt ein Datum festlegen. Bis zu diesem Zeitpunkt kannst du dich melden, wenn du das Buch haben möchtest und dann verlosen wir das unter allen Menschen, die sich gemeldet haben und wir geben dann den·die Gewinner·in der nächsten Folge auf jeden Fall bekannt. Und wenn du „gewonnen“ hast, dann wirst du natürlich auch benachrichtigt. Das heißt, wenn du nach diesem Zeitpunkt nicht benachrichtigt wirst, hast du auch nicht gewonnen.

Dann brauchen wir noch ein Datum. Ich würde sagen, meld dich bis Ende des siebten Tages, des dritten Monat des Jahres, also bis 24:00 Uhr am 7. 03. 2023. Und du kannst dich melden, indem du eine Email schreibst an post [at] vonherzenvegan.de oder wenn du zu den freundlichen, netten Menschen gehörst, die diesen Podcast über Steady unterstützen, dann kannst du gerne auch einen Kommentar schreiben und so an der Verlosung teilnehmen. In jedem Fall werde ich dann all die Menschen berücksichtigen. Und wie gesagt, wenn du dann gezogen wirst, wir ziehen dann am 8. März 2023, dann benachrichtige ich dich sofort. Das heißt, wenn du nach dem 8. März, also ab dem 9. März 2023, nichts von mir gehört hast und auch nichts im Spam gelandet ist, dann wirst du nicht gewonnen haben. So traurig es ist, wir haben halt nur dieses eine Exemplar und wir versuchen das jetzt mal so. Also wenn du es haben möchtest, meld dich bis 24 Uhr am 7.3.2023 unter der angegebenen Emailadresse. Und damit du jetzt auch weißt, ob du das Buch dann haben möchtest, müssen wir jetzt erstmal erzählen, um welches Buch es sich denn handelt.

Carsten Wollte ich gerade sagen. Wir verlosen hier Bücher, die unbenannt sind. Ja, also das Buch ist meinem Herzensthema gewidmet. Das hat die Autorin sehr passend schon gegriffen. Die wusste, dass ich mich dafür interessiere. Und zwar hat Sabrina Wagner das Buch „Permakultur leben“ geschrieben.

Stefanie Genau das hat sie nur für Carsten geschrieben. Steht definitiv überall auch. Carsten, es ist für dich.

Carsten Aber sie hat die Widmung vergessen. Aber egal. Ich wollte jetzt mal kurz den Untertitel.

Stefanie (lacht) Zwischen den Zeilen...

Carsten den Untertitel vorlesen: „Denken wir die Welt neu mit permakulturellen Prinzipien“. Und erschienen ist das Ganze im Löwenzahn Verlag, der es uns und vielleicht dir, liebe·r Hörer·in, auch gar nicht so unbekannt.

Stefanie Genau. Und der Löwenzahn Verlag hat uns das Exemplar auch wieder kostenlos zur Verfügung gestellt. Also vielen Dank.

Carsten Dankeschön.

Stefanie Wir haben nicht den Zwang, eine Rezension zu erstellen. Wir machen das auch tatsächlich nur, wenn wir das auch wirklich wollen. Wir freuen uns aber einfach darüber, dass wir die Möglichkeit haben, über den Löwenzahn Verlag kostenlos Bücher zu bekommen, die uns interessieren und geben sie danach dann an dich weiter. Krallen sie uns nicht selbst, so selbstlos, wie wir sind. Jetzt kennst du den Titel und auch die Autorin. Und dass dieses Buch quasi Carsten gewidmet ist, so zwischen den Zeilen. Das heißt also, für Carsten ist es geschrieben, Aber ist es dann auch noch für andere Menschen geeignet? Oder um es andersrum zu fragen: An wen richtet sich dieses Buch denn?

Carsten Also ich gehe mal davon aus, das ist kein Einzelexemplar, sondern dass der Löwenzahn Verlag das auch in einer höheren Auflage verfügbar macht. Dementsprechend wird es auch einer breiteren Leser·innenschaft zur Verfügung gestellt werden. Und Zielgruppe dieses Buches sind all jene Menschen, die irgendwie schon mal von dem Thema Permakultur gehört haben, sich vielleicht aber im Moment noch nicht wirklich konkret was darunter vorstellen können. Oder vielleicht durch - keine Ahnung - die Broschüre, Internetseite, wie auch immer, des Verlags überhaupt erst mal auf dieses Thema aufmerksam geworden sind und vielleicht auch den Erstkontakt zu dem Begriff Permakultur haben und da reinstöbern wollen. Also es ist tatsächlich ein Einsteiger·innen, ein Beginner-Buch und geht sehr schön auf dieses Thema Permakultur ein und auch ein klein wenig darüber hinaus, was ja tatsächlich auch mit dem Bereich oder mit dem Begriff „Permakultur leben“ dann gemeint ist.

Stefanie Genau, es geht nicht nur um Gärtnern, was ja so generell eigentlich immer verbunden wird mit Permakultur, sondern die Prinzipien der Permakultur werden auch noch auf das ganze Leben angewandt.

Carsten Das ist ja das, was reizvoll war für mich. Deswegen haben wir auch damals gefragt, ob wir dieses Rezensionsexemplar vom Verlag bekommen können, weil wir da einfach mal ein Buch gefunden haben, was da tatsächlich über den Tellerrand schaut. Wie du schon sagtest, Permakultur kommt ja so aus dem Bereich der Landwirtschaft, Landschaftsgestaltung. Also wie gestalte ich nachhaltige und resiliente ökologische Systeme? Aber die zugrunde liegenden Prinzipien sind natürlich dann übertragbar auf vielfältige andere Anwendungsbereiche. Und diesen Überschlag, den macht Sabrina Wagner hier mit diesem Buch. Und wie gesagt, das war interessant. Deswegen haben wir uns das angefordert und ich habe da reingelesen.

Stefanie Ja, du siehst dich selbst aber ja nicht mehr als Einsteiger im Bereich Permakultur, oder?

Carsten Nein, ich sehe mich jetzt insofern nicht mehr als Einsteiger, als dass ich ja schon mehrere Bücher zum Thema gelesen habe, auch schon mal einen Onlinekurs besucht habe. Und - Spoiler Spoiler Spoiler - ich in diesem Jahr, also 2023, auch anfangen werde mit meiner eigenen persönlichen Permakultur Ausbildung. Dementsprechend bin ich dem Thema schon so ein bisschen auf die Pelle gerückt. Das hat natürlich dann auch den kleinen Nebeneffekt, dass mir dieses Buch inhaltlich gar nicht so viel Neues erzählen, sondern das für mich Bekannte nochmal in anderen Facetten abrunden konnte. Und ich finde es eigentlich per se spannend, Erfahrungswerte anderer Menschen in diesem Bereich einfach noch mal mitzubekommen. Das ist für mich insofern spannend, weil ich ja persönlich bisher noch keinen hier in der Umgebung kenne. Ich fühle mich da im Moment noch als Einzelkämpfer, der noch nicht vernetzt ist. Und da ist jetzt zumindest in meiner aktuellen Lebenssituation so ein Buch immer noch so ein bisschen Anknüpfungspunkt, um zu sehen: Hey, da gibt es Menschen, die leben das schon seit einigen Jahren erfolgreich und auch für dieses Herzensthema. Also das ist auch was, was hier in diesem Buch ganz klar rauskommt. Es ist mit Herzblut geschrieben. Sabrina Wagner kann sich kaum zurückhalten ihre Euphorie irgendwie zu zügeln, sondern sie lässt das alles in dieses Buch einfließen und macht das Ganze auch greifbar. Diese ganze Faszination, die sich mit diesem Thema dann ergibt.

Stefanie Dass du aus dem Buch nicht mehr so wirklich viel mitnehmen kannst, stellt ja irgendwie diese These in Frage, dass es für dich geschrieben wurde. Also von daher...

Carsten Das ist mein Herzensthema!

Stefanie passt das vielleicht dann doch nicht so ganz. Das heißt also, wenn du eher so wie Carsten denkst, liebe·r Hörer·in oder dich so fühlst, dass du eigentlich schon viel weißt über das Thema Permakultur, dann würde ich sagen, dass das Buch eher nichts für dich.

Carsten Ja, wenn Du die Prinzipien der Permakultur schon kennst, schon mal gelesen hast, vielleicht sogar lebst, dann ist dieses Buch definitiv etwas, was du schon innerlich hinter dir gelassen hast. Der andere Aspekt, der in diesem Buch berührt wird, ist dieser Überschlag des Themas raus aus der ökologischen Landwirtschaftsecke hin in andere Lebensbereiche. Das ist etwas, da bin ich mir nicht so sicher, ob das ein Anfänger·innenthema ist. Also für uns beide, Stefanie und mich, sind da auch tatsächlich keine wirklich neuen Aspekte mehr drin, weil wir uns Themen wie Konsumverzicht, Minimalismus etc. schon anderweitig erarbeitet haben. Die werden hier jetzt im Kontext der Permakultur auch noch mal mit eingeflochten. Also im Grunde genommen kommen wir zum gleichen Thema. Nur hier in dem Buch von Sabrina Wagner komme ich halt über die Permakultur zum Minimalismus und wir haben es halt vorher in unserer Lernphase, in unserer Lebensphase, aus anderen Bereichen schon adaptiert. Aber wie gesagt, es ist jetzt für mich so nichts Neues. Wenn du aber von deiner Lebensgestaltung her noch das Gefühl hast, du kannst dich da noch nachhaltiger entwickeln und brauchst nochmal zusätzlichen Input, neue Ideen, dann wird dieses Buch definitiv nochmal einen Zugewinn für dich bringen.

Stefanie Ich habe das Buch jetzt nicht komplett gelesen, sondern habe da zu Beginn reingelesen. Als Carsten gerade noch ein anderes Buch gelesen hat, habe ich mir das hier geschnappt, als es mit der Post kam und habe angefangen darin zu lesen. Habe dann aber parallel auch ein anderes Buch gelesen und habe dann lieber da weiter gelesen und habe Carsten das hier gegeben, woraufhin Carsten das zu Ende gelesen hat und wir dann beschlossen haben, wir nehmen jetzt die Folge auf, weil es ja sowieso Carstens Thema ist und ich eigentlich gar keine Permakultur Bücher lese, was schon ein Plus für dieses Buch ist, weil es nämlich interessant geschrieben ist und ich es gerne gelesen habe bis zu diesem Punkt, zu dem ich kam. Ich weiß es gar nicht mehr, wo am Anfang ich war, Carsten hat das Lesezeichen da rausgenommen. Aber ich habe zumindest einige Seiten davon gelesen und ich merke, dass ich ganz oft „gelesen“ sage, aber es geht ja um ein Buch und das lese ich halt, genau.

Was mir ganz besonders gut gefallen hat an dem Buch, ist tatsächlich, das Sabrina Wagner die Permakultur auch in einen historischen Kontext setzt und darauf hinweist, dass nicht Bill Mollison und David Holmgren die Erfinder der Permakultur sind, sondern dass sie sich auf indigenes Wissen stützen. Und sie übertitelt diesen Absatz, in dem sie darüber schreibt, auch mit „Pionier·innen der Permakultur. Nutzen wir das Wissen indigener Völker weltweit.“ Und da schlägt sie bei mir natürlich in eine Kerbe, die gerade immer tiefer in mein Wissen, in meinen Körper, wie auch immer eingeschlagen wird - was auch wieder sehr gewaltvoll ist.,aber gut - also jedenfalls spricht sie mich damit sehr an und ich bin auch der Meinung, dass ich das bisher bei Menschen, die über Permakultur reden, so noch nicht wahrgenommen habe, dass sie das in so einen Kontext setzen und nicht nur sagt Bill Mollison und David Holmgren, sondern sagt, dass diese beiden das Wissen noch eigentlich woanders her haben.

Carsten Das hängt tatsächlich so von den Büchern ab. Also ich habe so den Eindruck, dass die neueren Bücher da so ein bisschen darüber hinweggehen. Aber David Holmgren und Bill Mollison haben da eigentlich keinen Hehl daraus gemacht. Die geben das ja auch als Wurzel ihres Wissens an, dass das nicht einfach so vom Himmel gefallen ist, sondern dass sie sich dann über Jahre hinweg tatsächlich mit diesen traditionellen Anbaumethoden und dem Wissen der indigenen Bevölkerung auseinandergesetzt haben und daraus die Konzeptideen extrahiert und entwickelt haben. Aber dass das halt kein neues Wissen ist, das ist zumindest so in den älteren Büchern, die ich gelesen habe, eigentlich recht präsent am Anfang, um eben genau diese Herleitung zu bekommen. Wo kommt das Wissen her?

Ja, aber nichtsdestotrotz finde ich es sehr, sehr wichtig, weil wir ja tatsächlich mittlerweile an einem Punkt kommen, wo wir versuchen, Klimakrise durch technologische Lösungen irgendwie anzugehen und auch da häufig den Eindruck erwecken, dass sich nur durch Technologie diese Klimakrise auch tatsächlich lösen lässt und hier jetzt im Bereich der Permakultur tatsächlich auf tradierte Wissenswelten zurückzugreifen und daneben einen Kontrapunkt zu setzen und zu sagen naja, also weiter wie bisher geht es halt nur mit Permakultur, indem wir auch diese ethischen Grundlagen nutzen und auch diese Gestaltungsprinzipien, die sich da tatsächlich aus diesem indigenen Wissen dann extrahieren und abgeleitet haben. Nur auf dieser Basis sind wir überhaupt in der Lage ein zukünftiges Lebensmodell für alle Lebewesen auf dieser Welt hinzubekommen, was auch nachhaltig ist und auch in Zukunft, ich sag jetzt mal in der siebten Generation noch Bestand haben wird.

Stefanie Ja, genau das mit den sieben Generationen in die Zukunft denken, das ist definitiv auch was, was ja eben in anderen Kontexten jetzt immer wieder wichtiger wird, je mehr Texte und Bücher ich da von indigenen Autor·innen lese. Also von daher, wir werden da in Zukunft auch noch mehr drüber sprechen. Jetzt noch mal zurück zum Buch. Also was hat dir denn am besten gefallen?

Carsten Für mich ist einfach der Rundumschlag nochmal interessant. Also tatsächlich einfach mal zu gucken, wie geht jetzt in diesem Fall Sabrina Wagner konkret mit dem Thema Permakultur um? Ein sehr breites Thema. Ich kann ja in verschiedenste Bereiche fast unendlich tief abtauchen und da war für mich einfach mal spannend zu sehen, was greift sie sich da raus, wo sind ihre Schwerpunkte, die sie erwähnenswert findet? Und wie gesagt, dieser Brückenschlag weg von den rein ökologischen Konzepten hin zu wie kann ich jetzt eigentlich meine Lebensgestaltung anhand der Permakultur orientieren? Da spricht sie dann Bereiche an, wie das Leben in Gruppen, also in Communities, Bauen wird thematisiert, also ökologisch bauen. Auch die Thematik mit dem Beton, dass Beton als sehr umweltschädlich dargestellt werden muss, wird dort angesprochen. Das Thema Lernen kommt vor. Wie gehe ich mit Kindern um und wie kann ich den Kindern ein naturnahes Leben wieder nahebringen?

Das nimmt sie quasi so im letzten Drittel des Buches tatsächlich als Hauptthema, nicht nur das mit den Kindern, sondern halt die anderen Aspekte und geht da so ein bisschen drauf ein, wie sie das jetzt lebt, wie sie das mit ihrer „Permakultur Landschaft“ wollte ich gerade schon sagen - Sabrina Wagner hat einfach den Vorteil, dass sie auf einem Hof mit entsprechender Fläche sich da auch selbst verwirklichen kann, dass sie da aus ihrer eigenen Praxis entsprechende Beispiele mit reinbringt, die für sie funktionieren, die auch als Inspiration für andere Personen gelten können. Einfach um zu sehen: Hey, es funktioniert immer kontextbezogen. Und gleichzeitig geht sie aber auch in bestimmten Bereichen darauf ein, dass genau dieser Kontext eben auch wichtig ist. Zum Verständnis also zum Beispiel wie kann ich jetzt eigentlich Permakultur leben, wenn ich keinen eigenen Garten habe? Nicht jede·r ist so prívilegiert irgendwie 10.000 Quadratmeter Fläche da brachliegen zu haben, auf denen ich mich verwirklichen kann. Sondern da geht sie eben auch auf Aspekte ein vom Kleingarten über Balkon bis hin zu Situationen, wo ich eigentlich gar keine direkte Vor Ort Möglichkeiten zur Verwirklichung habe, mich dann aber trotzdem irgendwie in Bereichen wie Urban Gardening oder SoLaWis engagieren kann, um dort entsprechend auch Permakulturell mich ausagieren zu können.

Stefanie Das klingt ja jetzt alles sehr positiv. Gab es auch irgendwas, was du vielleicht nicht so gut gefunden hast?

Carsten Ja, es gab leider zwei Aspekte, wo ich dann gedacht haben: Schade. Der eine Aspekt ist, weil das Thema so unglaublich breit ist und das Buch jetzt eigentlich von der Dicke her auch schon recht umfangreich ist, hat sie natürlich trotzdem Probleme - das liegt aber in der Natur dieser Thematik - wirklich alles in ein Buch reinzubringen. Dementsprechend hatte ich zwischendurch so den Eindruck, sie huscht so ein bisschen durch die Themen. So nach dem Motto: „Ach, das muss ich auch noch erwähnen und das ist auch noch interessant und das ist...“, das passt alles thematisch hier rein. Aber wie gesagt, das ist so ein bisschen dem Umstand geschuldet, dass das einfach - sie hätte wahrscheinlich auch wochenlang über das Thema irgendwie referieren können und nicht umsonst hat sie ja auch eine eigene Schule gegründet, um das ganze Thema irgendwie nahebringen zu können -und das alles in so einem Buch reinzubringen mit allen Facetten, das ist natürlich schwierig. Das ist das Eine, was mir aufgefallen ist.

Und das andere, dass Permakultur natürlich auch immer mit einer Frage daherkommt “Inwiefern können Tiere in das zu schaffende permakulturökologische Konzept mit integriert werden?“ So ein Klassiker sind immer Enten und Hühner. Und da finde ich, ist auch hier in diesem Buch einmal mehr die karnistische Sichtweise wieder präsent. Es wird hier auch dieses typische zwischen Haus- und Nutztier unterschieden. Es wird aber nicht erkannt, dass wir eigentlich nur von Tier sprechen sollten, also diese Differenzierung: Oh, da habe ich ein Nutztier, das darf ich auch in irgendeiner Art und Weise einsetzen, wird dann nicht weiter behandelt, bleibt unreflektiert bis hin zur Frage was mache ich eigentlich mit diesen Nutztieren? Wenn ich das richtig gelesen habe, hat sie bei den Hühnern und den Enten schon eine Verwendung für die gelegten Eier. Scheint also vegetarisch zu leben, akzeptiert es aber auch, dass im familiären Kreis diese Tiere dann nachher auch geschlachtet und gegessen werden. Und das sind so Bereiche. Gut, das ist halt Permakultur. Aber da ich ja mittlerweile mehr so aus der veganen Sichtweise schaue und mich mehr abolitionistisch positioniere, gefällt mir das zunehmend weniger gut wenn im Rahmen der Permakultur halt nicht wirklich reflektiert über das Mensch-Tier-Verhältnis gesprochen oder geschrieben wird. Das ist so tatsächlich ein Knackpunkt, wo ich als vegan lebender Mensch denke, da müsste man eigentlich im Jahr 2023 ein bisschen weiter sein.

Stefanie Ja, das war tatsächlich ein Punkt, als ich das Buch durchgeblättert habe, da habe ich dann auch direkt geguckt: „Und Tiere, Tiere?“. Und dann habe ich das eben mit den Quoten-Enten und Hühnern, die quasi in jedem Permakulturbuch vorkommen - gefühlt zumindest. Immer, wenn es um Permakultur geht, gibt es irgendwo Enten und Hühner - da habe ich das auch gesehen und fand das auch schade. Ich hatte dann so ein bisschen das überflogen, was sie geschrieben hat. Ich hatte das gar nicht gelesen, dass sie die Hühner und Enten auch zur Schlachtung freigibt, hatte aber schon gesehen, da hat sie ja durchaus auch Fotos da reingeschrieben, reingesetzt - reingeschrieben. Also die Fotos geschrieben, wie man das wohl macht? - Ja, also jedenfalls die Fotos untertitelt mit „Regelmäßig werden hier die Gelege kontrolliert und Eier gesammelt.“ Also das scheint da so eine regelmäßige Tätigkeit zu sein, die da integriert ist. Und es ist schon ein bisschen schade, das stimmt.

Carsten Ja, und es kommen natürlich dann auch wieder so Argumente hinsichtlich von Kindern und Natur. Dass Kinder eben auch lernen sollen, dass sie verantwortungsvoll mit Tieren umgehen. Also so diese Konzepte und Gedankenwelten spannen sich da wieder auf. Wobei ich dann denke, ja, das ist natürlich dann auch wieder so eine Sichtweise, eine Lebensweise, die dort präsentiert wird, wo Kinder eigentlich eher lernen, was in einer Dominanzgesellschaft als ausbeuterische Kultur legitimiert oder für legitim gehalten wird, anstatt tatsächlich einen reflektierten Umgang mit der Mensch-Tier-Beziehung zu erlangen. Und wie gesagt, als vegan lebender Mensch und - ich wiederhole mich - mit abolitionistischer Positionierung ist es für mich ein schwieriges Thema.

Stefanie Und ich muss gerade so vor mich hinschmunzeln, weil ich ja momentan viele Podcastfolgen von uns transkribiere, die teilweise auch schon fast sieben Jahre alt sind und muss sagen, wir haben echt eine Entwicklung hingelegt, denn diese Wörter, die du vorhin benutzt hast, die hätten wir vor sieben Jahren nicht gekannt. Also von daher denke ich, es ist eine Entwicklung und wahrscheinlich ist die Autorin diesen Entwicklungsschritt einfach noch nicht gegangen, hat das noch nicht gesehen. Ich will sie deswegen auch auf keinen Fall verurteilen, sondern einfach nur das auch unterstreichen, was du sagst. Es ist schade. Und wenn wir das ganzheitlich betrachten und auch das Mensch Tier Verhältnis mitdenken, dann müsste Permakultur an diesem Punkt anders gedacht werden.

Etwas, was mir beim Durchblättern des Buchs und in die Hand nehmen zu Beginn auch sofort aufgefallen ist - und diesmal positiv - ist die Gestaltung. Das ist eigentlich bei fast jedem Löwenzahn Buch so, oder?

Carsten Ja, ich glaube der Verlag, der positioniert sich auch darüber, unglaublich schöne Bücher zu publizieren.

Stefanie Genau. Also es ist wirklich wieder ein sehr schönes Buch, mein Gestalter·innenherz schlägt immer höher, wenn ich so was in der Hand halte und auch meine Büche-liebendes-Herz. Also von daher, das ist wirklich wieder sehr gelungen und ich denke, insgesamt kannst du es auch empfehlen, das Buch, oder?

Carsten Ja, absolut. Also diese beiden Wermutstropfen, die muss man mit mir ja jetzt nicht teilen. Und das, was du gerade sagtest, ist tatsächlich ein Highlight, es ist kein reines Lesebuch, sondern es ist auch vom Haptischen und vom Optischen her einfach mit ganz vielen, ganz tollen Eindrücken versehen. Und es macht einfach Spaß, dieses Buch in der Hand zu halten und da durchzublättern und dann auch die einzelnen Passagen zu lesen, weil es auch durch diese Gestaltung überhaupt nicht langweilig wird.

Stefanie Ja, und du sagst es gerade, es ist kein reines Lesebuch, das sollten wir vielleicht auch nochmal dazu sagen. Da sind auch Rezepte drin. Also Kochrezepte sind da drin und da sind auch Anleitungen drin, wie du jetzt permakulturell tätig werden kannst in deinem Garten oder auf dem Balkon oder so.

Carsten Genau das, was du brauchst, um den Einstieg in diese Permakultur Themen zu finden, also wirklich diese pragmatischen und praktischen Beispiele, was für Pflanzen kannst du eigentlich verwenden und was machst du nachher mit der Ernte? - deswegen die Rezepte - das findet sich da auch. Und dementsprechend ist es halt ein sehr, sehr rundes Buch, was eben ganz viele Facetten abbildet.

Stefanie Ja, und als ich den Anfang, die Einleitung gelesen habe, hat mir auch sehr gut gefallen, dass die Autorin sehr systemkritisch ist und das klar benennt und auch noch mal klar zusammenfasst: Wo stehen wir denn jetzt eigentlich genau? Warum ist das jetzt alles ein Problem? Warum müssen wir was ändern? Warum geht es nicht weiter wie bisher? Und das hat sie sehr gut auf den Punkt gebracht, finde ich. Also ich mache das ja jetzt seit Jahren, dass ich mit Menschen darüber rede und das fand ich jetzt wirklich gut auf den Punkt gebracht, denn da kann man lange drüber diskutieren und lange drüber reden und stundenlange Filme gucken und so, um das zu erklären. Und sie hat es so in 2-3 Passagen einmal knackig auf den Punkt gebracht. Das heißt, es ist auch für Menschen, die das schon alles wissen, nicht langweilig, das nochmal zu lesen. Und ich denke, für Menschen, die da irgendwie bisher noch nicht so drin sind, ist es aber dann auch so, dass es nicht so sehr abschreckt. Also da hat sie wirklich gut das abgewogen und eine schöne Einleitung auch geschrieben und viel mehr als die Einleitung habe ich auch nicht gelesen, aber Carsten hat den Rest gelesen und fand auch das gut.

Carsten Ja, definitiv. So, liebe·r Hörer·in, wenn du das Buch jetzt auch lesen möchtest, wie gesagt: das bei mir im Moment in der Hand befindliche Rezensionsexemplar könnte dir gehören, meld dich bis zum.

Stefanie 7. März 2023, siebter Tag des dritten Monats des Jahres 2023

Carsten Nach der zwölften Mondphase. Keine Ahnung was.

Stefanie Nein, also jedenfalls bis Mitternacht an diesem Tag kannst du eine Email schreiben an post [at] vonherzenvegan.de oder wenn du zu den netten Menschen gehörst, die diesen Podcast schon finanziell über Steady unterstützen - und du kannst auch immer noch dazu gehören, muss ich ja dazu sagen. Es fehlen nämlich immer noch Menschen, die auch bereit sind, finanziell diesen Podcast und alles, was ich sonst noch so kostenlos anbiete, also alle anderen drei Podcasts und was es noch so alles auf vonherzenvegan.de gibt und dann auch auf stefanie-rueckert.de, wenn du das auch noch finanziell unterstützen würdest, wäre das toll. Du findest den Link immer hier unter der Folge oder in den Shownotes, wie du denn zu Steady gelangst. Wenn du dann da Mitglied wirst und meine Arbeit finanziell unterstützt - hast du die Möglichkeit unter der Podcastfolge, die ich dort in einem Post poste, dann einen Kommentar zu schreiben. Das ist tatsächlich nur Mitgliedern möglich. Das ist bei Steady einfach so, das heißt, wenn du dort Mitglied bist und finanziell unterstützt, dann kannst du auch gerne unter der Podcastfolge einfach schreiben: Ich will dieses Buch haben und dann landest du auch im Lostopf. Du musst das halt nur bis zum 7. 03. 2023 um 24 Uhr geschrieben haben und am 8. 03.2023 werde ich dann unter all den Menschen, die was geschrieben haben, sei es per Email oder per Kommentar, dann das Buch auslosen und den·die Gewinner·in benachrichtigen. Solltest du also am 8. 03.2023 nicht benachrichtigt werden und die Mail nicht im Spam - also guck in den Spam - wenn dann da nichts gelandet ist, dann hast du das Buch höchstwahrscheinlich nicht gewonnen. Sollten nicht irgendwelche Technikprobleme sein oder was auch immer, ich bis dahin im Krankenhaus liegen oder was auch immer. Also unvorhersehbare Ereignisse ausgeschlossen - gehen wir davon aus, am 8. 03. 2023 wirst du benachrichtigt. Dann frage ich nach deiner Adresse, also schick sie vorher noch nicht. Genau so.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Auf Wiederhören.

Folge 281 - Von Indianern und Homo sapiens als Schrecken des Ökosystems

Ein Beitrag

Folge 281 - Von Indianern und Homo sapiens als Schrecken des Ökosystems

Als ich das Transkript unserer vor 4 Jahren im Februar 2019 erschienen Rezension zu Yuval Noah Hararis Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" Korrektur gelesen habe, hatte ich an zwei Stellen das Gefühl, das Transkript unbedingt ergänzen zu müssen.

In den vergangene 4 Jahren haben Carsten und ich uns stark weiterentwickelt und nach unserem heutigen Kenntnisstand würden wir das Buch in einen anderen Kontext setzen.

Außerdem haben wir uns sehr undifferenziert zu "Indianern" und der Comicfigur "Yakari" geäußert.

Beides stört mich heute und deshalb gibt es jetzt diese Ergänzung zu unserer Buchbesprechung von vor 4 Jahren.

Links zur Folge

Folge 158 - Eine kurze Geschichte der Menschheit
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-158-eine-kurze-geschichte-der-menschheit

"Warum wir keine Indianerbücher lesen" - buuu.ch
https://buuu.ch/allgemein/warum-wir-keine-Indianerbucher-lesen/

"Unsere Sehnsucht nach dem tapferen Indianer" - Artikel über Yakari bei Zeit online
https://www.zeit.de/kultur/film/2020-10/yakari-kinofilm-kinderfilm-animationsfilm-kulturelle-aneignung-sioux/komplettansicht

Plakatreihe "Ich bin kein Kostüm"
https://www.oegg.de/plakatreihe-ich-bin-kein-kostuem/

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Diese Folge soll eine Ergänzung zur Folge 158 sein: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Und zwar deswegen, weil ich jetzt vor kurzem das Transkript dieser Folge Korrektur gelesen habe und mir da zwei Dinge aufgefallen sind.

Und wir sprechen jetzt gleich über diese beiden Dinge. Aber bevor wir das machen, müssen wir noch etwas einschieben, etwas Organisatorisches. Wir wollen nämlich schon seit längerem - eigentlich schon seit Jahren - unseren Podcast umbenennen. Zum einen, weil „Forscher-Podcast“ halt immer noch nicht gegendert ist und zum anderen, weil wir thematisch schon lange über das Thema „vegan“ hinausgegangen sind. Natürlich ist „vegan“ unser Ursprung, sozusagen unsere Basis und es dreht sich auch immer wieder darum. Aber es gibt eben viele Themen, die originär nichts mit „vegan“ zu tun haben.

Carsten Genau. Wir gucken immer aus der Brille einer vegan lebenden Person. Das heißt, wir bewerten halt auch alle Lebewesen oder ziehen sie in unsere Bewertung mit ein, wenn dann eine Bewertung stattfindet. Aber es ist halt nicht mehr das ausschließliche Thema. Das hast du ja auch in den vorherigen Folgen, Jahren, Monaten ja auch schon gemerkt, dass wir uns da anderer Themen annehmen und deswegen ist bei uns einfach so dieser Wunsch entstanden, ja, wie Stephanie schon sagte, seit längerer Zeit tatsächlich den Podcast auch umzubenennen, um dem Rechnung zu tragen.

Stefanie Genau. Und irgendwie haben wir den Absprung nie geschafft. Jetzt ist der Podcast bald sieben Jahre alt, hat also schon einiges auf dem Buckel. Und es gibt da diesen Mythos, dass sich die Zellen alle sieben Jahre erneuern. Ich habe gelesen, dass das tatsächlich nur ein Mythos ist, dass unsere Zellen sich in unterschiedlichsten Abständen erneuern. Aber wenn wir jetzt mal diesem Mythos nachgehen, dann sagen wir, dass jetzt, nach sieben Jahren, es an der Zeit ist, da mal einen neuen Namen zu finden.

Und wir hatten uns gedacht, dass wir statt „Einfach vegan - Der Forscher-Podcast“ diesen Podcast in „Mehr als Vegan Podcast“ umbenennen. Und jetzt wollten wir das dann quasi zum 7-jährigen Jubiläum machen und das wäre dann am 7. März. Das ist jetzt ein Dienstag, das heißt, quasi wäre das Jubiläum dann am 8. März dieses Jahr, also 2023. Da wird der Podcast dann sieben Jahre alt. Und da wollen wir ihn jetzt dann eben auch umbenennen.

Und wir wollten dir jetzt noch mal die Möglichkeit geben, dein Veto einzulegen, falls du denkst, „Mehr als Vegan Podcast“, das klingt immer komisch. Ihr sollte den so und so nennen... Ich finde diesen Namen viel besser... Dass du dann die Möglichkeit zumindest hast, uns das mitzuteilen. Jetzt noch bis zum 7. März. Oder sagen wir mal bis zum 6. März 2023. Denn am 7. März wollen wir das dann umstellen.

Also gibt es ein neues Cover und die Podcastfolgen bekommen dann eben logischerweise auch ein neues Cover. Wir werden auch noch ein neues Intro einsprechen und so, das heißt, so ein kleines bisschen was Neues wird es dann geben. Das heißt, wenn du dein Veto einlegen möchtest, dann bitte bis zum 6. März 2023. Ab dem 7. März 2023 werden wir das dann umstellen. Ich werde allerdings nicht rückwirkend jetzt bei allen über 280 Folgen das Cover ändern und auch nicht das Intro neu ansprechen. Das werde ich nicht machen. Sondern ab dem Zeitpunkt wird es dann neu sein.

Das heißt, wenn du ein Veto einlegen willst, dann schreib eine Email an post@vonherzenvegan.de. Wenn keinerlei Vetos kommen oder diese Vetos jetzt nicht zu einem Titel des Podcast führen, den wir vertreten können, dann bleibt es bei „Mehr als Vegan Podcast“.

Und diese Umbenennung ist tatsächlich auch unserer Entwicklung geschuldet. Wir haben uns in den letzten sieben Jahren, die wir diesen Podcast hier schon veröffentlichen, weiterentwickelt. Und das ist jetzt auch die elegante Überleitung zu dem Thema unserer heutigen Folge, warum es eine Ergänzung zur Folge 158 gibt.

Diese Folge 158 haben wir vor fast genau vier Jahren aufgenommen. Und in diesen vier Jahren ist halt schon so einiges passiert und damals war das eben unser Wissensstand, mit dem wir dieses Buch besprochen haben. Und seit damals haben wir uns weiterentwickelt und ich hatte tatsächlich so ein bisschen Schmerzen, als ich das Transkript Korrektur gelesen habe, weil ich gedacht habe: Oh, zum einen haben wir da über Indianer·Innen gesprochen, ein Wort, das wir nach unserem heutigen Wissensstand eigentlich gar nicht mehr nutzen wollen und von dem wir eben auch wissen, dass es ein Phantasiekonstrukt von Europäer·Innen ist. Also den oder die I****** gibt es gar nicht. Und ich habe in dem damaligen Transkript zur Folge 158 dann auch noch mal einen Artikel verlinkt, den ich jetzt auch nochmal hier unter dieser Folge verlinken werde, wo das noch gut beschrieben wird. Ich werde dazu noch einen Artikel packen, der die Comicfigur Yakari noch mal in den richtigen Kontext rückt. Denn über Yakari haben wir damals auch relativ unreflektiert gesprochen; muss ich das ja schon so sagen. Und wir fanden Yakari damals auch gut.

Carsten Ja, der hat uns auch eine Zeit lang begleitet, weil unser Kind ja auch die Sendung sehr gerne gesehen hat. Und wir haben ja dieses niedliche Bild gesehen und gedacht okay, das ist halt irgendwie natürlich und es keine Gewaltverherrlichung, also ist es einfach eine schöne Serie.

Stefanie Und er spricht ja auch sogar mit Tieren. Also von daher war das auch von unserem Empfinden her, dass diese Verbindung zu den Mitlebewesen halt gegeben war. Natürlich hat er die trotzdem gegessen und das haben wir dann so akzeptiert, weil das zu diesem Scheinkonstrukt I****** passte, was wir damals noch für richtig gehalten haben. Dieses europäische Konstrukt, was überhaupt nicht der Realität der First Nations auf dem amerikanischen Kontinent entspricht. Und das möchte ich jetzt einfach nicht mehr so stehen lassen.

Also jetzt, vier Jahre später. Also dieses Wissen haben wir schon ein bisschen länger, aber ich habe jetzt halt erst vier Jahre später das Transkript Korrektur gelesen. Jetzt kann ich das nicht mehr mit mir vereinbaren, das so stehen zu lassen. Und wenn du dich da noch nicht weiter informiert hast und dich jetzt fragst, was ist denn so schlimm daran, an I******n und an dem Wort I******? Und wieso regen die sich denn jetzt darüber auf? Und warum ist das jetzt eine Folge wert? Dann schau dir auf jeden Fall die beiden verlinkten Artikel an. Da wird das nochmal genauer erklärt. Und ich kann das hier noch mal kurz zusammenfassen:

Die I****** gibt es eigentlich gar nicht. Also diesen Begriff, der stammt ja noch von Kolumbus, der sich halt vertan hatte und dachte, er ist in Indien gelandet und alle die da leben, sind halt I******·Innen. Dieser Begriff ist also eine Zuschreibung von Europäer·Innen, unter dem alle Menschen versammelt werden, die damals auf diesem Kontinent gelebt haben und auch heute die Nachfahren, die dort leben.

Was also zum einen eben eine europäische Zuschreibung ist, zum anderen aber auch rassistisch und ja, exotisierend, insofern, als dass da ein europäisches romantisches Bild von Menschen kreiert worden ist, die auch gar nicht dort waren. Wie Karl May und auch der Autor von Yakari, Derib. Beide waren nie wirklich auf dem Kontinent Amerika und haben nie mit First Nations zusammengelebt oder irgendwie gesehen, wie die verschiedenen Stämme und Kulturen dort leben, sondern haben sich das alles nur vorgestellt. Und aus dieser Vorstellung heraus ist da dieses romantisierende Bild entstanden das nicht mal annähernd der Wahrheit entspricht. Und wenn wir jetzt zum Beispiel Karneval anngucken, dann… Ich hatte das schon wieder vergessen, dass unsere Folge ja passend zu diesen ganzen karnevalistischen Aktivitäten rauskommt. Eine Verkleidung als I****** in ist tatsächlich kulturelle Aneignung. Und es verzerrt natürlich auch generell alles, was mit First Nations zu tun hat, weil es ja eben aus diesem romantisierenden europäischen Phantasiekonstrukt heraus entsprungen ist und sich darüber lustig macht, über religiöse Kulte oder sagen wir spirituelle Kulte, über einen Selbstverständnis von First Nations.

Und in dem Sinne ist die Verkleidung auch rassistisch. Das ist genauso, wie wenn ich mich jetzt schwarz anmalen würde und sage, ich bin eine Schwarze Person, wenn ich mich jetzt zu Karneval verkleiden würde. Also es ist auf dem gleichen Level wirklich anzusetzen.

Deswegen war es mir jetzt noch mal wichtig, das hier klarzustellen. Dass wir uns zum einen distanzieren, zu dem, was wir damals gesagt haben, also dass wir dazugelernt haben und es jetzt in einen neuen Kontext setzen und das hier mit dir teilen wollen, damit auch du die Möglichkeit hast, von unserem Wissen zu partizipieren und eventuell das für dich anzuwenden. Also wie gesagt, lies dir dazu diese beiden Artikel durch, die ich hier noch dazu verlinke. Die sind sehr aufschlussreich und haben auch noch mal ganz viele andere Details zu diesem Thema.

Es ist wirklich wichtig, dass wir da unser koloniales Erbe aufarbeiten und uns auch entsprechend positionieren. Nur so können wir ein gutes Leben für alle schaffen, in dem wirklich alle auch gesehen werden und auch die Wunden geheilt werden. Dazu müssen wir eben erst mal anerkennen, dass da Leid zugefügt wurde und dass wir in der Vergangenheit auch Leid zugefügt haben. Und dadurch, dass wir I****** innen, also diese Scheinkonstrukte, unreflektiert einfach in der Welt geteilt haben. Also Carsten und ich, haben wir auch wieder dazu beigetragen, diese Wunde zu reproduzieren und da möchten wir jetzt einfach nochmal Stellung zu nehmen und zu sagen, wir haben uns da weiter entwickelt und wir werden da in Zukunft anders mit umgehen.

Und der andere Grund, warum ich jetzt hier diese Stellungnahme zu der Podcastfolge aufnehmen wollte, hat tatsächlich einen sehr ähnlichen Hintergrund. Und zwar haben wir die Aussagen von Yuval Noah Harari damals relativ, naja, unreflektiert stehen gelassen aus unserer jetzigen Perspektive. Und ich möchte dazu noch mal einen Ausschnitt einspielen, quasi. Damit wir das hier nicht nochmal vorlesen müssen, werden wir das einspielen. Und zwar handelt es sich dabei um das Nachwort aus dem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, das Carsten damals vor vier Jahren in der Folge 158 auch schon vorgelesen hatte:

Carsten “Vor 70.000 Jahren war der Homo sapiens ein unbedeutendes Tier, das in einer abgelegenen Ecke Afrikas seinem Leben nachging. In den folgenden Jahrtausenden stieg es zum Herrscher des gesamten Planeten auf und wurde zum Schrecken des Ökosystems. Heute steht er kurz davor, zum Gott zu werden und nicht nur die ewige Jugend zu gewinnen, sondern auch göttliche Macht über Leben und Tod. Leider hat die Herrschaft des Sapiens bislang wenig hinterlassen, auf das wir uneingeschränkt stolz sein könnten. Wir haben uns die Umwelt untertan gemacht, unsere Nahrungsproduktion gesteigert, Städte gebaut, Weltreiche gegründet und Handelsnetze errichtet. Aber haben wir das Leid in der Welt gelindert? Wieder und wieder bedeuteten die massiven Machtzuwächse der Menschheit keine Verbesserung für die einzelnen Menschen und immenses Leid für andere Lebewesen. Trotz unserer erstaunlichen Leistungen haben wir nach wie vor keine Ahnung, wohin wir eigentlich wollen und sind so unzufrieden wie eh und je. Von Kanus sind wir erst auf Galeeren, dann auf Dampfschiffe und schließlich auf Raumschiffe umgestiegen. Doch wir wissen immer noch nicht, wohin die Reise gehen soll. Wir haben größere Macht als je zuvor, aber wir haben immer noch keine Ahnung, was wir damit anfangen sollen. Schlimmer noch: Die Menschheit scheint hoffnungsloser denn je. Wir sind Self made Götter, die nur noch den Gesetzen der Physik gehorchen, niemanden Rechenschaft schuldig sind. Und so richten wir unter unseren Mitlebewesen und der Umwelt Chaos und Vernichtung an, interessieren uns nur für unsere eigenen Annehmlichkeiten, unsere Unterhaltung und finden doch nie Zufriedenheit. Gibt es etwas Gefährlicheres als unzufriedene und verantwortungslose Götter, die nicht wissen, was sie wollen?“

Stefanie Und was mich hier so gestört hat, als ich das Korrektur gelesen habe, ist, dass Yuval Noah Harari ja quasi Homo sapiens generell als Schrecken des Ökosystems bezeichnet und damit wirklich alle Homo sapiensis oder wie auch immer.

Carsten Sapiensa.

Stefanie Sapiensa. Okay, danke dafür.

Carsten Keine Ahnung.

Stefanie Ich dachte, du hast voll die Ahnung.

Carsten Nein.

Stefanie Ja, also jedenfalls alle Menschen gleich macht. Und ich lese in letzter Zeit sehr viele Bücher und auch generell viel von indigenen Autor·innen und empfinde das mittlerweile als nicht korrekt. Ich denke diese Bezeichnungen „Schrecken des Ökosystems“ gilt für Menschen wie uns, Nachfahr·innen dieser Europäer·innen, die kolonisierend tätig waren, aber eben nicht für die Menschen, die zum Beispiel als First Nations auf dem amerikanischen Kontinent zumeist im Einklang auch mit der Natur gelebt haben. Also ich will damit nicht sagen, dass das falsch ist, was Yuval Noah Harari sagt, das würdest du jetzt auch nicht sagen, oder?

Carsten Nein, ich würde es vielleicht sogar noch ein bisschen anders differenzieren. Also First Nations würde ich genauso ausnehmen von dieser ökologischen Schreckensvision des Homo sapiens. Ich würd aber auch innerhalb der, ich nenne sie jetzt mal westlichen Zivilisation, noch mal ein bisschen zuspitzen und da auch nochmal graduelle Unterschiede benennen. Dass je nachdem, wie jetzt auch Macht und Reichtum verteilt sind, ergibt sich darüber auch noch eine andere Schreckensherrschaft über die Ökosysteme. Also generell so pauschalisiert zu sagen der Homo sapiens, das ist mir aus meiner heutigen Sicht auch ein bisschen zu undifferenziert.

Stefanie Ja, wobei jetzt, wo ich ja jetzt wieder, wie gesagt, so viel gelesen habe von indigenen Autor·innen, würde ich sagen, jetzt so auf die Jahrtausende gesehen, nicht nur jetzt, so auf die letzten Jahrhunderte oder Jahrzehnte, ist es definitiv so, dass - es müssen ja nicht nur First Nations auf dem Kontinent Amerika sein, es gibt ja überall auf der Welt, First Nations, die Opfer des Kolonialismus geworden sind und auch immer noch darunter leiden - und wenn Yuval Noah Harari schreibt: „Die Menschheit scheint hoffnungsloser denn je. Wir sind Self Made Götter, die nur noch den Gesetzen der Physik gehorchen, niemandem Rechenschaft schuldig sind und so richten wir unter unseren Mitlebewesen und der Umwelt Chaos und Vernichtung an, interessieren uns nur für unsere eigenen Annehmlichkeiten unserer Unterhaltung und finden doch nie Zufriedenheit.“ dann finde ich, bezieht sich das wirklich nur auf einen Teil der Menschheit, aber eben den Teil, der alles kaputt macht, auf jeden Fall. Aber eben nur auf einen Teil. Und das finde ich noch mal wichtig zu sagen, das hatten wir einfach damals nicht gesagt vor vier Jahren und das war uns offensichtlich da auch noch nicht so bewusst. Aber da haben wir jetzt dazugelernt und deswegen möchte ich das noch mal ergänzen, dass es eben nicht so ist, dass alle Menschen die Erde zerstören, sondern dass es einen Teil der Menschheit gibt, der schon seit Jahrtausenden einfach im Einklang mit dieser Erde lebt und jetzt aber daran gehindert wird durch diesen anderen destruktiven Teil.

Carsten Ja, und das ist mir auch ganz wichtig, dass es, wenn ich jetzt das Buch lese und auch dieses Nachwort noch mal mitbekomme, alles so alternativlos klingt. So alternativlos in der Hinsicht: es gibt halt einen Homo sapiens, eine Spezies und die betreibt hier Raubbau. Da gibt es halt keine Alternative in dieser Denkweise. Und tatsächlich sind wir gespickt mit Alternativen. Es gibt ganz, ganz, ganz, ganz viele Alternativen, die in unterschiedlichsten Ausprägungen existieren, aber von uns einfach überhaupt nicht mehr gesehen und gehört werden, die einfach überspült werden. Und deswegen finde ich also für uns, jetzt, für Stefanie und für mich, dass wir jetzt, ein paar Jahre später da einen ganz anderen Blickwinkel drauf haben. Ist ja auch eine Bereicherung, auch dem Umstand geschuldet, dass wir jetzt mittlerweile stärker auf diese Alternativen aufmerksam geworden sind.

Stefanie Und für mich ist das tatsächlich auch so, als würden sich da wieder ganz neue Welten eröffnen. Also Perspektiven. Vielleicht auch nicht nur Welten, sondern Perspektiven, die ich vorher gar nicht so gesehen habe. Wenn wir immer so sehr selbstkritisch in diese Kerbe schlagen, ja, wir Menschen, wir machen alles kaputt, dann sehen wir jetzt eigentlich nicht nur dieses Schwarz-Weiß-Denken, sondern einfach ein buntes Spektrum, die Vielfalt und auch die Möglichkeiten. Und da liegt ja dann auch wiederum die Lösung. Das ist jetzt in dem Buch, was ich jetzt gerade lese, was wir auch noch besprechen werden und wo ich das Gefühl habe, dass das im Moment, für meinen jetzigen Entwicklungsschritt genau das Richtige ist und vielleicht ja dann auch für dich, liebe·r Hörer·in, für Carsten auch, der darf das auch noch lesen usw. und so fort, aber jedenfalls, dass das dann auch voller Lösungen ist und das, was du ja vorhin gerade auch schon sagtest, uns dann auch wieder Hoffnung gibt und das alles nicht so alternativlos ist. Da schließen wir den Kreis zum Alternativlosen, weil wir einfach aus dem Wissen schöpfen können von Menschen, die Jahrtausende lang im Einklang mit der Natur gelebt haben und nicht über die Ressourcen hinaus gelebt haben, die uns die Erde zur Verfügung stellt, sondern einfach schon so gelebt haben, wie wir jetzt auch leben sollten und dass es eben dieses Wissen gibt. Es gibt diese Lösungen alle. Und wenn wir darauf zurückgreifen, hätten wir die Möglichkeit, völlig im Einklang leben zu können, ohne dass irgendwer leiden muss. Und das es eben ein gutes Leben für alle ist.

Ich habe jetzt gerade überlegt, dann die Folge hier zu beenden, aber dann habe ich doch noch mal gelesen, dass ja Carsten gesagt hatte, dass Yuval Noah Harari die Geschichte der Menschheit rekapituliert. Und das ist auch was, worüber ich in den letzten Jahren tatsächlich immer mal wieder nachgedacht habe. Aus wessen Sicht wird diese Geschichte geschrieben? Das ist ja immer total wichtig. Das ist ja jetzt die Sichtweise der Herrschenden, der Sieger·innen, der Menschen, die die Macht haben, in diesem Falle ja dann auch der Kolonialherren. Und dementsprechend ist es dann wieder logisch, dass hier die Perspektive der Unterdrückten gar nicht vorkommt. Und deswegen wirkt es so alternativlos, weil ja die Alternativen ausgemerzt worden sind. Und alles ist so gleichgemacht worden. Und das ist auch etwas, was ich jetzt gelernt habe. Diese Homogenität ist eben ein Ausdruck von Kolonisierung und es gehört quasi dazu, alles gleich zu machen. Und wir werden da in den kommenden Folgen auf jeden Fall nochmal darauf eingehen. Da gibt es viele wichtige Erkenntnisse, die wir noch weiter mit dir teilen wollen.

Hier, bei dieser Ergänzung zu der Folge 158 wollen wir einfach noch mal darauf hinweisen, dass wir zum einen zum Thema I****** jetzt weitergegangen sind und das nochmal in den richtigen Kontext stellen wollen. Und zum anderen es immens wichtig ist zu sehen, dass nicht alle Menschen der Schrecken des Ökosystems sind und waren, sondern sich diese Sichtweise nur auf einen Teil der Menschheit bezieht. Also Homo sapiens ist nicht homogen, sondern Homo sapiens ist sehr divers und es gibt eben Homo sapiens, der oder die sich nicht so entwickelt hat zum Schrecken des Ökosystems, sondern der oder die eben im Einklang mit dem Ökosystem gelebt hat und dann von einem anderen Homo sapiens davon abgehalten wurde. Und das andere ist eben, dass wir immer berücksichtigen müssen, wer hat diese Geschichte geschrieben? Aus welcher Perspektive wurde diese Historie erzählt, um dann zu schauen: Aha, da fehlt vielleicht was und das auch wirklich dann kritisch zu betrachten.

Carsten Damit sind wir am Ende der Folge angekommen. In diesem Sinne,

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 280 - Wann hört Minimalismus auf nachhaltig zu sein?

Ein Beitrag

Folge 280 - Wann hört Minimalismus auf nachhaltig zu sein?

Das Rezensionsexemplar "Anders satt - Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt" von Friederike Schmitz ist mittlerweile vergeben.

In dieser Folge sprechen wir zum einen über mein Vorhaben alle Folgen aller vier Podcasts zu transkribieren. Wir feiern, dass der Von Herzen Vegan Podcast komplett transkribiert ist. Und ich erzähle Dir, wie Du mithelfen kannst auch den Einfach Vegan Podcast komplett zu transkribieren und damit barrierefreier zu machen.

Zum anderen sprechen wir über einen Gedanken, der mir während eines Spaziergangs kam, als Carsten mir erzählt hat, dass er den inneren Wunsch verspürt immer minimalistischer zu leben.

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Bei uns stapeln sich die Bücher, die wir rezensieren wollen. Und eigentlich war das auch so gedacht. Eigentlich wollten wir auch schon letzte Woche eine Rezension wieder veröffentlichen, aber ich bin irgendwie in so einen Sog geraten, was das transkribieren der Podcastfolgen und auch das Korrekturlesen der Transkripte angeht und war da irgendwie total drin und konnte mich nicht drauf konzentrieren, mit Carsten dann noch eine Folge aufzunehmen. Und deswegen wird es jetzt so sein, dass wir dann erst in der nächsten Folge wahrscheinlich wieder eine Rezension haben werden. Und in dieser Folge wollten wir zum einen über das Transkribieren reden und zum anderen über ein Gespräch, das Carsten und ich während des Spazierengehens geführt haben. Wo ich gesagt habe, das möchte ich gerne auch noch mal in einer Folge thematisieren. Und ich fange jetzt mit dem Transkribieren an, denn Hurra, hurra, wir können feiern! Der Von Herzen Vegan Podcast ist komplett transkribiert!

Carsten Ole, ole, ole, ole.

Stefanie Und während Carsten Ole Ole macht, denke ich schon immer gleich an das Transkriptionstool. Was das wieder daraus macht? [Anmerkung: es hat tatsächlich Carstens „ole“ sauber ausgelesen...] Ich bin da mittlerweile schon so ein bisschen „hmmmja“ - also gut, aber da ich ja diese Folge hier selbst transkribieren und Korrektur lesen werde, wird es ja nur mich berühren. Genau, da kommen wir jetzt schon gleich zum ersten Punkt, nämlich, dass ich mir jetzt vorgenommen habe, wirklich alle Folgen, die neu erscheinen, immer auch direkt zu transkribieren und Korrektur zu lesen und mir diese Zeit zu nehmen, egal wie lang sie sind. Und das ist dann auch schon der zweite Punkt, dass ich mich irgendwie total vertan habe mit dem Einfach Vegan Podcast. Ich dachte, alle unsere Folgen sind immer mindestens eine Stunde lang oder so, aber das stimmt gar nicht. Ich bin diese mittlerweile ja über 280 Folgen - zwischendurch sind dann nämlich noch unnummerierte Folgen - mal durchgegangen und habe festgestellt, dass wir vor allem am Anfang halt immer so höchstens eine halbe Stunde aufgenommen haben. Das war ja auch immer so unser Ziel. Aber irgendwann sind wir halt immer wieder übers Ziel hinausgeschossen.

Carsten Na ja, stimmt, wir haben damals wirklich so gesagt, so, diese 30 Minuten sind ein gutes Hörformat und irgendwie haben wir es dann fallen lassen. Mittlerweile machen wir so lange, wie das Thema gerade dauert.

Stefanie Genau. Das heißt, es gibt tatsächlich Folgen, die anderthalb Stunden lang sind. Aber das ist jetzt nicht die Norm. Im Durchschnitt, könnte man dann vielleicht sagen, sind die Folgen eine Dreiviertelstunde lang, wenn man das jetzt so sieht, oder vielleicht eine halbe bis 3/4 Stunde. Wenn du mir Zeit schenken und auch Transkripte Korrekturlesen möchtest, dann kannst du auch kürzere Transkripte bekommen. Also von Folgen, die irgendwie 20 Minuten lang sind. Wobei meistens ist es ein bisschen mehr, also 21, 22 oder so 30 Minuten lang sind oder 31, 32, 33 und so. Also das heißt, du musst nicht unbedingt Folgen Korrektur lesen, die über eine Stunde lang sind. Ich freue mich natürlich darüber, denn natürlich kostet es mehr Zeit, je länger das Transkript ist. Du kannst also zumindest - bei mir ist es so immer - ungefähr das Doppelte rechnen an Zeit. Also wenn es eine halbe Stunde ist, brauchst du eine Stunde, um es Korrektur zu lesen. Es kommt, muss ich ja jetzt sagen, auch ganz klar drauf an, wie stark Carsten und ich so durcheinanderreden. Und das wird mir ja jetzt erst bewusst, nachdem ich da die ganzen Transkripte sehe, dass das vielleicht eben nicht so zuträglich ist, wenn Menschen das Korrekturlesen wollen. Das ist dann halt der Unterschied zwischen dem gesprochenen Wort und dem geschriebenen Wort.

Carsten Jetzt, wo wir quasi auch diese Transkripte vorliegen haben und uns damit beschäftigen, sind wir so ein bisschen demütiger, würde ich schon fast sagen. Also dieses, wo wir in den ersten Folgen noch sehr viel durcheinander gesprochen haben, das versuchen wir jetzt schon so ein bisschen sauberer zu artikulieren, was natürlich auch den Personen dann von Nutzen ist, die tatsächlich nicht hören können oder wollen, sondern auf das geschriebene Wort dann eher Wert legen. Die profitieren davon, weil es dann einfach flüssiger ist.

Stefanie Das auch, ja. Allerdings nimmt das natürlich auch dem Gespräch ein wenig Dynamik. Also wenn wir halt immer aufpassen, dass wir einander nicht ins Wort fallen und so. Das heißt, wir müssen uns da jetzt erst nochmal so ein bisschen dran gewöhnen. Im Moment ist das so eine Übergangsphase und wir schauen jetzt mal, wo uns das so hinführt. Aber es ist tatsächlich so, dass die ersten Folgen etwas schwieriger Korrektur zu lesen sind, weil du dann doch öfter mal noch nachhören musst, was haben sie jetzt da wirklich gesagt und so. Also das stimmt schon.

Ich habe mir jetzt vorgenommen, jeden Tag mindestens eine Folge zu transkribieren und Korrektur zu lesen, damit ich wenigstens bis Ende des Jahres fertig bin, egal ob mir jemand hilft oder nicht. Es ist aber tatsächlich so, dass Menschen helfen. Und es haben mir jetzt auch immer wieder Menschen geschrieben, die eine Folge mal ausprobieren wollen, Korrektur zu lesen und andere, die mir angeboten haben, schon gleich 3, 4, 5 Folgen Korrektur zu lesen. Und dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe mit den Menschen, die bisher noch keine Folge wieder abgeliefert haben, noch nicht abgesprochen, wie ich sie namentlich nennen darf. Deswegen sind sie im Moment nur anonym. Und das heißt Du, wenn du das hier hörst, weißt du ja Bescheid, ob du mir das jetzt schon angeboten hast oder nicht. Also wenn du das gemacht hast, herzlichen Dank. Das ist sehr, sehr hilfreich, denn es gibt definitiv noch viel zu tun.

Und ich habe jetzt so eine Tabelle erstellt, damit ich die Übersicht behalte darüber, welche Folgen jetzt schon transkribiert und welche Folgen gerade in Bearbeitung sind und welche Folgen ich für mich jetzt gerade schon transkribiert habe, damit ich sie dann Korrektur lesen kann. Und da habe ich in dieser Tabelle ausrechnen lassen, wie viel Prozent jetzt schon fertig sind und auch in Folgen, dass ich das sehen kann. Und jetzt, Stand heute, wo wir jetzt die Folge aufnehmen, das ist der 7. Februar 2023, sind 26 Folgen komplett transkribiert und Korrektur gelesen und das sind 9,22 % der Gesamtfolgen des gesamten Podcasts momentan. Wie gesagt, ich habe ja jetzt vor, alle kommenden Folgen schon immer Korrektur zu lesen, das heißt, da sollte eigentlich jetzt nichts mehr dazukommen. Es sollte also nicht weniger werden, was da fertig ist, sondern eher mehr. Und in Bearbeitung sind momentan 3,9 % der Folgen. Das sind elf Folgen, sodass also immer noch 86,88 % übrig sind und das sind 245 Folgen.

Das heißt, wie gesagt, ich versuche jetzt täglich ein Transkript Korrektur zu lesen. Ich weiß aber noch nicht, wie ich das durchhalte, weil das natürlich Zeit kostet. Und ich weiß noch nicht, wie ich das schaffen kann. Ich habe nur gemerkt, als ich den Von Herzen Vegan Podcast, also die Folgen Korrektur gelesen habe, dass ich da in so einen Sog geraten bin, dass ich quasi tagelang nichts anderes gemacht habe. Und das möchte ich jetzt nicht mehr, denn der Von Herzen Vegan Podcast hat ja auch „nur“ 119 Folgen und der Einfach Vegan Podcast hat eben diese über 280 Folgen, jetzt noch 245 offen.

Also wäre jetzt hier der Aufruf: Fühl dich berufen, eine Podcastfolge zu adoptieren. Es gibt auch kürzere Folgen. Du kannst dir auch eine Folge aussuchen, das ist wirklich völlig in Ordnung. Ich habe das jetzt auch so gemacht. Ich wähle die Folgen, die ich transkribiere und Korrektur lese, auch erst mal danach aus, ob ich das Thema auffrischen möchte. Ich habe jetzt zum Beispiel die Podcastfolge zu dem Buch „Sprache und Sein“ Korrektur gelesen, weil ich einfach noch mal das auffrischen wollte, was wir dazu gesagt hatten. Unsere Rezension. Und vielleicht hast du ja auch ein Thema, wo du sagst: Ach ja, das würde ich gerne mal wieder auffrischen, dann kombiniere ich das, indem ich Zeit schenke und diese Folge Korrektur lese. Das wäre eine Möglichkeit.

Und die andere Möglichkeit ist natürlich, dass du sagst okay, mich interessieren die und die Themen und dass du da dann entweder mir sagst, mich interessieren die und die Themen, such mir einfach eine Folge dazu raus oder du einfach mal die Folgen durchgehst und guckst, was spricht dich an? Und dann dementsprechend eine Auswahl triffst. Wenn sie natürlich noch nicht transkribiert ist, also da eben jetzt im Moment, Stand dieser Folge, 11 Folgen in Bearbeitung sind, kann das eben auch sein, dass du das Transkript noch nicht siehst, aber die Folge schon vergeben ist. Das heißt, es sollte natürlich in Absprache mit mir erfolgen und ich schicke dir dann das Transkript zu und du liest es Korrektur. Es geht wirklich nur darum, da sozusagen die Verhörer des Transkriptionstools zu korrigieren. Und da hatten wir beim Von Herzen Vegan Podcast ganz lustige Dinge, die da passiert sind. Und mein Liebling ist immer noch, dass aus „Ich lebe vegan“ - „Ich liebe Garn“ wurde und auch „Schäm dich nicht wie Garn zu sein!“, also „Schäm dich nicht vegan zu sein.“ Das sind meine Lieblinge. Und irgendwie wurde einmal aus „die Jane McGonigal“, der Autorin von dem Buch „Gamify Your Life“, irgendwie „DJ

Carsten Marco

Stefanie Nickel.“ Also das war auch lustig. Genau. Also so was gilt es aufzuspüren. Ich hatte ja schon in der vorangegangenen Folge gesagt, dass es auch schlimmere Verhörer geben kann und das dann halt gerade zu ziehen. Und dann kann es natürlich auch passieren, dass wir ja hier so lustig vor uns hin sprechen und Wortfindungsschwierigkeiten haben und so was dann eben gerade zu ziehen. Oder dass Wörter öfter gesagt werden oder so, so was oder die Satzstellung vielleicht verändert werden sollte, weil es besser klingt, wenn es geschrieben ist. Und darum geht es einfach. Es geht nicht darum, da jetzt so ein grammatikalisch-Rechtschreib-100 %-dudenkonformes Skript daraus zu machen, was dann irgendwie in die Annalen des was auch immer eingehen kann. Sondern wirklich nur, dass das lesbar ist und dass da eben kein Murks steht.

Und wie gesagt, beim Von Herzen Vegan Podcast habe ich fast alle Folgen selbst transkribiert und Korrektur gelesen. Fast alle bedeutet: 96 Folgen habe ich übernommen. Ich wurde dann unterstützt bei den restlichen Folgen von ä’Odner, ich glaube nicht, dass ich das schaffe, dein Pseudonym richtig auszusprechen. Ich wurde gerügt von ä’Odner, dass ich das falsch ausgesprochen habe. Ich bemühe mich, aber ich befürchte, ich schaffe es nicht. Wir haben ja mal im Süden gewohnt und ich habe ja da auch studiert in Stuttgart. Das war ja aber schwäbisch, also. Und ich glaube, das ä’Odner, ist ja nicht so schwäbisch, sondern hessisch. Ja, jedenfalls, ähm, verzeih, dass ich das jetzt hier nicht so äh dialektisch, nee, dialektisch ist wieder was anderes.

Carsten Ja.

Stefanie Also dass ich den Dialekt nicht so gut sprechen kann. Also ä’Odner hat jedenfalls 19 Folgen übernommen und die alle transkribiert und Korrektur gelesen. Und Lakoja hat - auch ein Pseudonym - drei Folgen übernommen und das waren aber lange Folgen. Ich hatte im Von Herzen Vegan Podcast nicht so viele Interviews und wenn Interviews, waren sie halt länger und Lakoja hat drei dieser Interviews Korrektur gelesen. Die anderen Folgen waren wirklich teilweise relativ kurz, dass ich da nur zehn Minuten oder eine Viertelstunde gesprochen habe, manchmal auch 20 Minuten oder länger. Und jedenfalls noch mal ein herzliches Dankeschön an ä’Odner und Lakoja, dass sie mir geholfen haben, den Von Herzen Vegan Podcast komplett zu transkribieren.

Carsten Ja, dankeschön.

Stefanie Dadurch sind jetzt 3 von 4 Podcasts komplett transkribiert. Der Milchgeschichten Podcast ist ja komplett transkribiert und Korrektur gelesen. Der Wir Konsumkinder Podcast ist komplett transkribiert und Korrektur gelesen und der Von Herzen Vegan Podcast ist komplett transkribiert und Korrektur gelesen. Das heißt du kannst da jetzt auch drauf zugreifen als Ressource, wenn du nicht hören möchtest oder kannst und das aber trotzdem alles lesen möchtest und ä’Odner und Lakoja helfen gerade auch noch weiter und haben mir gesagt, dass sie noch weitere Folgen vom Einfach Vegan Podcast transkribieren und Korrektur lesen. Und das ist natürlich eine Riesenhilfe. Das heißt, im Moment gibt es eben so eine Handvoll Menschen, die sich freundlicherweise gemeldet hat, die Folgen vom Einfach Vegan Podcast Korrektur zu lesen. Allen voran Rupert, der da bisher am meisten Korrektur gelesen hat und da ist auch noch bärenstark zu nennen, der auch schon vier Folgen vom Einfach Vegan Podcast Korrektur gelesen hat. Und dann auch noch ein herzliches Dankeschön an Birgit, die ebenfalls eine Folge Korrektur gelesen hat vom Einfach Vegan Podcast und jetzt gerade dabei ist, die nächste Korrektur zu lesen. Also es gibt auch noch andere Menschen, wie gesagt, die sich gemeldet haben, aber bei denen ich noch nicht genau weiß, ob ich sie nennen kann oder nicht. Und in der Vergangenheit gab es auch schon Menschen, die beim Milchgeschichten Podcast eine Folge Korrektur gelesen haben und die ich auch schon benannt habe. Also noch mal ein kollektives, insgesamtes Dankeschön dafür, dass es Menschen gibt, die mir auch Zeit spenden.

Carsten Dankeschön.

Stefanie Und das bringt mich zu den Menschen, die mir Geld spenden. Das stagniert im Moment so ein bisschen und ich kann momentan tatsächlich meine laufenden Kosten nicht komplett decken mit dem Betrag, der da derzeit zusammenkommt. Und wenn du sagst naja, Zeit habe ich irgendwie nicht, kann ich nicht geben, ich würd aber gern was zurückgeben, dann wäre Geld toll. Da kannst du mal schauen, ich verlinke das hier, bei Steady gibt es verschiedene Pakete, die du abschließen kannst, je nachdem, was du geben möchtest. Du hast aber auch die Möglichkeit, mir direkt Geld auf mein Bankkonto oder über PayPal als Einmalzahlung das zu überweisen. Also wenn du sagst, ich möchte gerne Geld spenden, wäre das toll, um die laufenden Kosten tatsächlich zu decken. Ich habe die laufenden Kosten schon sehr stark runtergeschraubt, aber es entstehen halt trotzdem Kosten, um das alles zu hosten und kostenlos für dich zur Verfügung zu stellen. Und diese Kosten fallen monatlich an. Und momentan kann ich das einfach noch nicht mit dem Betrag decken, der jetzt schon gegeben wird. Also wenn du das Gefühl hast, ich kann ein bisschen Geld geben, vielleicht 3 € im Monat, dann wäre das toll. Hier ist der Link zu meiner Unterstützenseite »

So, und jetzt kommen wir zu dem anderen Thema, worüber wir heute auch noch sprechen wollten in dieser Folge. Und zwar führen Carsten und ich, wenn wir spazieren gehen, eigentlich ausschließlich so rein philosophische Gespräche. (lacht)

Carsten (lacht)

Stefanie Oh Mann, ich wollte das total ernst sagen. Also nein, jetzt hast Du es kaputt gemacht. Also wir führen halt rein philosophische Gespräche, da ist nichts anderes. Und während eines philosophischen Gesprächs dachte ich mir, dieses sollten wir hier noch einmal kundtun und mit Dir, liebe Hörerinnen und Hörer, teilen. Carsten nickt wissend. Hier, füge Carstens Antwort ein. Gut so. Wir haben versucht, das Gespräch Revue passieren zu lassen und vor allem, wie es dazu kam, dass Carsten diese dramatische Aussage getroffen hat, die dann dazu geführt hat, dass wir jetzt hier die Folge aufnehmen. Aber wir kriegen es nicht mehr ganz zusammen.

Es war auf jeden Fall so, dass ich irgendwie über Konsum gesprochen habe und darüber, ständig in Versuchung geführt zu werden, dann doch noch mal irgendwie was zu kaufen, dass dann da irgendwie Sale ist bei irgendwas und dann ist diese Versuchung da und dann muss ich wirklich eine Kraftanstrengung aufbringen, dem zu widerstehen. Oder ich dann denke, na ja, dann vielleicht doch noch irgendwie was, um die Wohnung gemütlicher zu machen, zu kaufen und vielleicht noch irgendwas zu kaufen, was den Alltag generell erleichtert. Also ging es mir darum, dass ich immer wieder gegen diese Versuchung kämpfe. Und dann sagte Carsten:

Carsten Dass es mir eigentlich genau andersherum ginge. Also meine Intention ist eher, spartanisch leben zu wollen. Also das ist so das, was mich reizt, mit möglichst wenig klarzukommen.

Stefanie Genau. Und dann hatte ich wiederum gesagt, dass wir dann ja gerade in die falsche Richtung gegangen sind, weil wir uns nämlich einen Reiskocher angeschafft haben. Und dann hat Carsten darüber philosophiert, dass er ja auch dann, wenn er den Reiskocher hat, auf den Herd verzichten kann. Ich weiß nicht, wie wolltest du das jetzt genau machen? Du wolltest dann alles mit dem Reiskocher kochen.

Carsten Ja.

Stefanie Ja, reicht doch. Genau. Und dann habe ich ein großes Veto eingelegt und mich philosophierend erhoben, indem ich sagte: Dass es, was die Nachhaltigkeit angeht, gar nicht darum geht, dass wir jetzt als Einzelpersonen spartanischer leben und auf möglichst viel verzichten im Sinne von Minimalismus oder - Verzicht ist ja wieder das Problem, dass das so negativ behaftet ist - aber eben dem Spartanismus – ach nee, das war wieder was anderes - frönen. Also du verstehst was ich meine. Sondern dass es dann in einer nachhaltigen, klimagerechten Gemeinschaft so wäre, dass du durch dass in Gemeinschaft leben weniger Dinge hast, weil du die Dinge dann gemeinsam nutzt. Dann hast du eine gemeinschaftliche Küche zum Beispiel und brauchst diese ganzen Sachen nicht mehr. Also du kannst automatisch dein Hab und Gut reduzieren, wenn du in Gemeinschaft lebst. Und das musst du eben als Einzelperson machen. Und Carsten tendiert ja dann immer zu seinem Tiny House, einem Bauwagen, wo er dann alleine gegen die Welt mit seinem Reiskocher ankocht und...

Carsten Nicht gegen die Welt. mit der Welt im Einklang.

Stefanie Ach so im Einklang! Das klingt manchmal so ein bisschen, ja...

Carsten Das ist Naturreis.

Stefanie (lacht) Naturreis, aha, genau. Jedenfalls kocht Carsten also in seinem Bauwagen so Löwenzahn mäßig.

Carsten Wobei den Reiskocher habe ich in meiner Version mit dem Bauwagen noch gar nicht integriert.

Stefanie Das hab ich jetzt gemacht.

Carsten Ne schöne neue Facette.

Stefanie Na ja, du wolltest ja den Reiskocher als Ersatz für alles.

Carsten Genau. Genau, ich hab dann keine Küche.

Stefanie Nur einen Reiskocher. Das ist quasi schon wie am Lagerfeuer sitzen. Genau. Also jedenfalls ist es so, dass ich der Meinung bin, dass es natürlich vielen so geht, dass sie diesen Drang haben, diesen Wunsch, immer minimalistischer zu leben. Und das ist ja auch nicht schlimm. Carsten darf das auch. Nur führt das eben weg von diesem Gedanken Klimagerecht zu leben, denn das funktioniert meiner Meinung nach nur in Gemeinschaft. Denn wenn du allein für dich bist, brauchst du ja nun mal einfach einen gewissen Grundstock an Dingen. Und es ist viel einfacher und leichter, klimagerecht zu leben, wenn du in Gemeinschaft lebst. Das heißt, ich sehe die Zukunft nicht in vielen kleinen Bauwägen, wo viele kleine Carstens mit vielen kleinen Reiskocher kochen. Sondern sehe eher einen Verbund von Bauwägen. Nein, also jedenfalls darin, dass wir in Gemeinschaft leben und uns Dinge teilen.

Und da auch noch mal: Ich habe ja jetzt schon viele Jahre damit verbracht, mit Menschen darüber zu reden, wie das ist, in Gemeinschaft zu leben, obwohl ich selber natürlich ja noch nicht in dieser Art von Gemeinschaft lebe, aber durchaus schon Kenntnis davon gewonnen habe. Also du musst dir das nicht so vorstellen, dass wir alle uns jetzt eine Toilette teilen und zu 50 Personen eine Küche, eine Toilette, ein Bad und das war's und es wird nie geputzt und alles ist dreckig. Also es ist kein WG feeling, sondern es geht einfach nur darum, dass wir Ressourcen teilen. Und wenn wir uns das jetzt in einem Mehrfamilienhaus vorstellen, wäre es irgendwie sinnvoll einen Waschkeller zu haben, eine Waschküche zu haben vielleicht, wo wir dann gemeinschaftlich vielleicht zwei Waschmaschinen oder so nutzen oder drei. Also je nachdem, wie groß das Haus ist und wie das passt. Einfach Dinge, die sonst nur vielleicht einmal die Woche genutzt werden oder noch seltener dann gemeinschaftlich genutzt werden, so dass sie ausgenutzt werden.

Und darum geht es ja tatsächlich, einfach Ressourcen besser zu verteilen und zu nutzen und nicht diese Richtung Individualismus zu gehen, sondern Richtung Gemeinschaft, Richtung Verbundenheit. Und ja, ich lese gerade immer noch ein Buch, in dem das sehr gut beschrieben wird und da werde ich auch noch mal irgendwann später drauf eingehen, dass wir hier in dieser europäischen, westlichen, weißen und auch in der US-amerikanischen Sichtweise, diesem Individualismus frönen und auch alle irgendwie in dieser Gesellschaft da so hingetrieben werden. „Unterm Strich zähl ich“ usw.. Und ich finde es mittlerweile auch immer absurder, dass wir hier alle in diesen Wohnungen übereinander gestapelt, alle für sich, ohne Gemeinschaft quasi leben. Es ist ja nicht gerade üblich, dass dann in Mehrfamilienhäusern sich alle kennen und miteinander irgendwas zu tun haben. Und letztlich ist es eine große Ressourcenverschwendung und es wäre halt viel nachhaltiger, wenn wir bestimmte Dinge teilen würden.

Und es kann ja von bis sein. Es muss ja nicht heißen, dass du alles teilst, sondern es kann halt auch sein, dass du nur bestimmte Dinge teilst. Und wir leben ja momentan einfach noch nicht in dieser idealen Gesellschaft, die ja eine klimagerechte Gesellschaft wäre, in der ein gutes Leben für alle Lebewesen möglich ist. Und deswegen kann es ja auch einfach noch nicht diese ideale Wohnform geben, wo wir dann die wichtigsten Dinge teilen.

Und mein Punkt, warum ich jetzt gesagt habe, wir müssen dieses hochphilosophische Gespräch, was wir während unseres Spaziergangs geführt haben, hier mit dir in dieser Podcastfolge teilen, ist, dass ich denke, dass dieser Wunsch, den Carsten geäußert hat, dieser Wunsch nach immer mehr Minimalismus und mich individuell immer mehr von Dingen trennen und in diese Richtung gehen, dass das auch ungesunde Formen annehmen kann. Also ich unterstelle jetzt Carsten nicht, dass das bei ihm so passieren wird. Wer weiß, aber, dass dieser Wunsch halt auch zu einem Zwang werden kann und zu denken, ich muss jetzt immer mehr loslassen und zum anderen auch diese Verpflichtung zu fühlen, dass ich möglichst wenig Dinge habe und mich selbst unter Druck zu setzen, alles loszulassen und nur noch irgendwie zehn Dinge zu besitzen, weil das halt so besonders nachhaltig ist.

Also quasi, dass, wenn ich eine gute Aktivistin, ein guter Aktivist bin, wenn ich was fürs Klima tun will, dann muss ich so minimalistisch wie möglich leben und das denke ich eben nicht. Ich denke, dass es viel nachhaltiger ist, in Gemeinschaft zu leben, dass wir da zusammenkommen und wenn wir in Gemeinschaft leben, viel einfacher und leichter Ressourcen teilen können und mit weniger Dingen mehr Spaß haben können, als wenn wir das als Einzelperson versuchen. Und das ist ja die ganze Zeit über so, das ist eigentlich die Erkenntnis dieses Podcasts seit Jahren, über Jahre hinweg, immer schon wieder und jetzt gerade auch wieder die Erkenntnis eigentlich, die wir alle haben sollten: In Gemeinschaft geht es leichter.

In Gemeinschaft können wir auch viel besser aushalten, dass die Welt immer noch nicht so ist, wie sie sein sollte, dass es da an vielen Ecken und Enden und Kanten und überall hakt und schlimm ist. Und in Gemeinschaft ist auch die Lösung dafür, um nachhaltiger zu leben und auch dann eben auf Dauer nachhaltig zu leben.

Also kurz gesagt: investiere deine Energie lieber in Gemeinschaft und Gemeinschaften als in individuellen Minimalismus.

Das war mir jetzt noch mal wichtig, das zu teilen, weil ich das eben immer wieder erlebe und gehört habe usw. in Kursen, im Experimentarium und im Clan, als ich das alles noch geöffnet hatte, dass es immer wieder auch diskutiert und genannt wurde, wie kann ich mich selbst und meinen Alltag so optimieren, dass ich so nachhaltig wie möglich lebe? Und bis zu einem gewissen Punkt finde ich das ja auch in Ordnung, nur kippt es halt schnell.

Also wenn du das Gefühl hast, dass du da jetzt halt an so kleinen Dingen herumschleifst und auch eben dich da irgendwie in so eine Richtung verrennst, die schädlich für dich ist, und dann ist es besser innezuhalten und mal zu schauen, ob du vielleicht deine Energie nicht besser in Gemeinschaften investieren kannst. Und es gibt ja genügend Gruppen, denen du dich anschließen kannst, wo du mitmachen kannst, sei es irgendwelche Fridays for Future Gruppen oder ähnliches, Urban Gardening Gruppen oder Tierrechtsaktivismus etc. etc. aber letztlich ist das dann zielführender.

Und wenn wir wirklich in die Zukunft schauen, finde ich es viel zielführender, Gemeinschaften aufzubauen und da dann deine Energie rein zu investieren, damit wir auf lange Sicht gesehen minimalistischer leben können. Und damit möchte ich diese philosophischen Erörterungen auch für heute beenden und sage in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 279 - Anders satt von Friederike Schmitz

Ein Beitrag

Folge 279 - Anders satt von Friederike Schmitz

Das Rezensionsexemplar ist mittlerweile vergeben.

In dieser Folge stellen wir das Buch "Anders satt - Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt" von Friederike Schmitz vor. Friederike Schmitz ist promovierte Philosophin und eine bekannte Stimme der deutschen Tierrechtsbewegung.

Du kennst sie auch schon aus Folge 122, wo Friederike mit Carsten über ihr damals neues Buch "Tierethik: kurz und verständlich erklärt" gesprochen hat. Friederike erzählt in der Folge von ihren Erfahrungen mit Workshops, die sie in Schulen gibt und erklärt unter anderem warum auch Kneipengespräche tierethische Diskussionen sein können.

In dieser, mehr als 4,5 Jahre später erscheinenden Folge, sprechen Carsten und ich nun über das neue Buch, das sich nicht auf Tierethik beschränkt, sondern thematisch sehr breit aufgestellt ist.

Links zur Folge

Buch: "Anders satt - wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingen kann" von Friedrike Schmitz
https://www.ventil-vegan.de/produkt/anders-satt-friederike-schmitz/

Folge 122 - Im Gespräch mit Friederike Schmitz
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-122-im-gespraech-mit-friederike-schmitz

Buch "Die Welt auf den Kopf stellen" (gibts hier auch als kostenloses Ebook zum Download)
http://ilakollektiv.org/trafo/

Milchgeschichten Podcast | Folge 25: Was wäre, wenn es ethisch vertretbare Kuhmilch gäbe?
https://von-herzen-vegan.de/folge/folge-25-was-waere-wenn-es-ethisch-vertretbare-kuhmilch-gaebe

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Und bevor wir jetzt mit dieser Folge starten, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich gerade dabei bin, meine kompletten Podcasts und auch diesen Podcast, unseren gemeinsamen Podcast zu transkribieren, also alle Folgen zu transkribieren und damit zugänglicher zu machen. Und da ich gemerkt habe, dass zugänglich machen für manche Menschen etwas anderes bedeutet als für mich, möchte ich das noch mal kurz erklären.

Also ich möchte Menschen, die nicht hören können oder wollen, also die gehörlos sind oder lieber lesen, die Möglichkeit geben, auch diese Podcastfolgen zu lesen. Und deswegen möchte ich alle Podcastfolgen transkribieren, und zwar von allen vier Podcasts. Und Stand heute, wo wir das hier gerade aufnehmen, ist es so, dass der Milchgeschichten Podcast komplett transkribiert ist und ich habe mich jetzt auch hingesetzt und den Wir Konsumkinder Podcast komplett transkribiert. Also die beiden Podcasts sind jetzt schon transkribiert und die kannst du jetzt auch lesen.

Wo es noch viel Arbeit gibt, das sind die beiden anderen Podcasts, also der Von Herzen Vegan Podcast und der Einfach Vegan Podcast. Es gibt einige Menschen, die mir helfen die Folgen zu transkribieren. Und da ist jetzt beim Von Herzen Vegan Podcast vor allem der ä’Odner dabei die ersten 20 Folgen zu transkribieren und dann beim Einfach Vegan Podcast ist es vor allem Rupert, der da am meisten bisher gemacht hat. Also den beiden ein besonders herzliches Dankeschön schon mal!

Carsten Vielen Dank.

Stefanie Ja, und es gibt natürlich auch noch mehr Menschen, die helfen. Nur gibt es jetzt im Moment insgesamt noch mindestens 330 Folgen vom Von Herzen Vegan Podcast und dem Einfach Vegan Podcast zusammen, die noch nicht transkribiert sind. Und momentan ist es so eine Handvoll Menschen, die mithilft und da einzelne Folgen transkribiert. 330 Folgen sind nur ziemlich viel und das wird dann noch ziemlich lange dauern, wenn das jetzt wirklich nur diese Handvoll Menschen weiterhin macht. Und daher wäre es total toll, wenn du dir überlegst, du möchtest gern eine Folge transkribieren. Es müssen sich ja nur 330 Menschen melden, die eine Folge transkribieren wollen. Wenn du sagst: Ja, ich schenke dir die Zeit, ich transkribiere eine Folge und mit Transkribieren meine ich da eigentlich nicht das Transkribieren selbst, sondern das Korrekturlesen. Denn ich habe ein Tool dafür, womit ich die Folgen transkribiere. Also ich lasse sie transkribieren bzw. ich nutze mehrere Tools dafür, je nachdem, was das jetzt für eine Folge ist, ob ich die mit Carsten zusammen aufnehme oder eben mit mehreren Sprechenden oder alleine, kann ich verschiedene Tools nutzen. Und diese Tools können aber einfach das Audio nicht immer so hundertProzentig toll erkennen.

Also meine Lieblingsversprecher sind ja im Moment, dass ich gesagt habe „Tierleid“ und dann hat das Tool daraus „Hitler“ erkannt. Und so was will ich natürlich nicht in meinem Text stehen haben, oder dass aus „karnistisch“ immer „kommunistisch“ gemacht wird. Also das passt da einfach nicht rein. Oder bei „Lützerath“ in der letzten Folge hatten wir glaube ich 20 verschiedene Schreibweisen von „Lützerath“ drin, also die dann jetzt nicht irgendwie „Lützerath“ mit tz und mal ohne tz oder so waren, sondern wirklich sehr merkwürdige Schreibweisen und so was gilt es halt da zu korrigieren. Und du verstehst vielleicht, dass 330 Folgen zu korrigieren für mich alleine doch ein großer Haufen Arbeit ist. Und wirklich, da wäre die Kraft der Masse etwas ganz tolles. Wenn sich jetzt 330 Hörer·innen melden würden und sagen: Hey, ich werde jetzt eine Folge Korrektur lesen, dann wäre das alles super schnell geschafft und das würde mich riesig freuen.

Also wenn du das Gefühl hast, ja, ich möchte dir Zeit schenken, dann melde dich doch gerne bei mir unter post [at] vonherzenvegan [punkt] de. Und du kannst dir auch eine Folge aussuchen. Also du kannst sie quasi adoptieren - eine Folge, die noch nicht transkribiert ist logischerweise. Die Folgen vom Von Herzen Vegan Podcast sind meist relativ kurz sogar. Also da kann es auch sein, dass die Folgen nur zehn Minuten oder eine Viertelstunde lang sind. Hier im Einfach Vegan Podcast sind sie dann doch etwas länger und im Moment ist das Verhältnis so, dass im Von Herzen Vegan Podcast noch 70 Folgen transkribiert und Korrektur gelesen werden müssen und im Einfach Vegan Podcast noch 260 folgen. Also von daher liegt das Gewicht so ein bisschen auf den langen Folgen. Also das heißt, wenn du mir irgendwie zwei Stunden oder drei Stunden deiner Zeit schenken möchtest, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du so eine lange Folge Korrektur liest. Aber natürlich müssen auch noch diese ganzen kurzen Folgen Korrektur gelesen werden.

Und es ist auch so, dass ich dich gerne namentlich nenne und mich auch gerne öffentlich bei dir bedanke. Und es gibt auch die Wall of Thanks, wo du dann aufgeführt bist. Aber wenn du sagst, ich möchte anonym bleiben, dann ist das auch völlig in Ordnung. Also es geht jetzt wirklich darum, diese Podcasts und alles, was wir hier immer frech ins Mikrofon sprechen, zu transkribieren und zugänglich zu machen für Menschen, die entweder eben gehörlos sind oder lieber lesen. Es geht darum, die Inhalte inklusiver zu machen. Soweit erstmal dazu.

Heute stellen wir wieder ein Buch vor und wieder hat es nur Carsten gelesen und die Autorin ist Friederike Schmitz. Die kennst du vielleicht schon, denn ich habe gerade nachgeguckt, im Mai 2018 war sie hier in diesem Podcast schon mal zu Gast und da hatten wir über ein kleines Büchlein von ihr gesprochen und diesmal geht es um ein bisschen dickeres Büchlein.

Carsten Ja, so kann man das auch formulieren. Genau. Also Friederike Schmitz ist sehr bekannt aus dem Bereich der Tierethik. Das war damals in der Folge 122 der Fall, wo ich im Gespräch mit ihr genau darauf eingegangen bin und das Buch, um das es heute geht, mit dem Titel „Anders satt - wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt“ da geht's wirklich um so ein Rundumschlag. Also jetzt nicht ausschließlich auf Tierethik, sondern tatsächlich um die Frage, die der Titel schon andeutet: Wie kommen wir eigentlich raus aus diesem Tierhaltungs- und Tierausbeutungssystem?

Stefanie Und dieses Buch haben wir freundlicherweise vom Ventil Verlag als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen und wir verschenken es jetzt auch im Anschluss an diese Folge weiter an Dich, liebe·r Hörer·in, falls dich dieses Buch interessiert und da kannst du dann einfach schreiben an post [at] vonherzenvegan [punkt] de oder dir einen anderen Weg suchen, wie du mit mir in Kontakt treten möchtest. Und es gibt auch hier wieder kein Limit, bis wann es dieses Buch gibt. Einfach die erste Person, die schreibt, bekommt es dann und sobald es vergeben ist, werde ich in der nächsten Podcastfolge dann Bescheid sagen, dass es vergeben ist.

Und das erinnert mich jetzt gerade eben noch daran, dass das Buch „Die Welt auf den Kopf stellen“ mittlerweile vergeben ist. Das heißt unser Exemplar, dass in dem Fall kein kostenloses Rezensionsexemplar war, sondern eins, was wir auch wirklich gekauft haben, das haben wir mittlerweile verschenkt. Es gibt aber bei „Die Welt auf den Kopf stellen“ immer noch die Möglichkeit, das kostenlos als PDF herunterzuladen. Da werde ich den Link hier auch noch mal in die Shownotes packen, falls du da noch nicht geschaut hast. So jedenfalls, dass du Bescheid weißt. Also das Buch „Die Welt auf den Kopf stellen“ ist nicht mehr da. Dafür ist jetzt das Buch „Anders satt. Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt“ von Friederike Schmitz da - bis auf Weiteres. Es könnte natürlich sein, wenn du das hier hörst, dass es dann auch immer da ist. Wenn du diese Folge hier sehr viel später hörst, dann guck doch mal in die nächste Folge rein, also ins Transkript der nächsten Folge. Oder du hörst da rein, da wirst du dann sehen, ob das Buch noch da ist oder nicht.

Und damit du jetzt für dich entscheiden kannst, ob dieses Buch denn interessant ist für dich, also das Buch von Friederike Schmitz, gleich die erste Frage an dich, Carsten, was denkst du denn? Für wen ist dieses Buch geeignet? An wen richtet es sich?

Carsten Tatsächlich ist es für alle geeignet. Das Buch ist wirklich sehr umfänglich und gar nicht auf eine spezielle Zielgruppe zugespitzt, sondern es ist sowohl für Personen, die im aktivistischen Umfeld tätig sind, die vegan leben, aber genauso gut für Personen, die gar nicht aus dieser Richtung kommen, die sich aber generell mal informieren wollen: wovon reden die vegan lebenden Menschen da eigentlich? Und dementsprechend ist es ein ganz breites Publikum. Da kann ich keine Einschränkung aussprechen.

Stefanie Wobei, als du das Buch gelesen hast, so zu Beginn, sagen wir mal das erste Drittel, da hatte ich dich gefragt: Und wie ist es, wie ist es? Und da hast du gesagt: Ah, da ist nichts Neues drin für uns, also für Menschen, die schon vegan leben, ist das eigentlich nichts. Jetzt sagst du was anderes. Warum?

Carsten Weil das Buch zur zweiten Hälfte viel mehr Informationen bietet, die auch für mich wieder neu waren. Also es war tatsächlich so, das Buch hat acht Kapitel und die ersten vier, das war so etwas, was ich eigentlich schon genau wusste. Vielleicht nicht unbedingt so in der ausgeprägten Detailschärfe, wie Friederike Schmitz das da im dem Buch darstellt. Aber, so der Grundtenor, war für mich keine neue Überraschung, nichts wirklich konkret Neues also für das, was wir jetzt hier so im Laufe der letzten Jahre für uns selber recherchiert haben und zum Großteil auch hier in diesem Podcast schon behandelt haben, ist das so ein bisschen Aufwärmen von vorhandenem Wissen. Und spannender wird es dann tatsächlich so ab der zweiten Hälfte des Buches, wo es dann wirklich so in diese Richtung geht: Wie kommen wir eigentlich raus aus dieser Industrietierhaltung mit verschiedensten Facetten, die sie dort beschreibt? Und da sind tatsächlich viele Informationen drin, die, was ich gerade schon sagte, auch für mich neu waren und auch von der Art und Weise, wie sie es beschreibt, eine richtige Bereicherung darstellen. Deswegen zum Schluss wirklich beide Daumen hoch.

Stefanie Das klingt ja jetzt schon mal sehr vielversprechend. Dann lass uns mal einen Blick ins Inhaltsverzeichnis werfen. Wie sieht das denn da so drin aus?

Carsten Genau das Ganze sind diese acht gerade schon angesprochenen Kapitel. Ich les jetzt einfach nur grob die Überschriften vor, weil die Kapitel sich auch noch mal in kleinere Abschnitte unterteilen, die jeder für sich noch mal ein spezielles Thema in dem Gesamtkontext darstellen.

So, und das Buch steigt ein mit einer Frage, die ja gerade durch die Corona Pandemie nochmal so ein bisschen an Bedeutung gewonnen hat, und zwar das Thema der Zoonosen und Zivilisationskrankheiten. Finde ich sogar einen sehr untypischen Einstieg in ein Buch, weil es von vielen Themen, die irgendwo im Bereich Tierindustrie stattfinden oder zu finden sind, ja eins der vielleicht unzugänglichsten ist. Also man redet ja eher über ökologische Folgen, gesundheitliche etc. Deswegen fand ich das schon ein bisschen verwunderlich, dass sie mit Zoonosen anfängt. Sie greift da aber auch wirklich sehr fundiert in das Thema ein und auch allgemein verständlich. Also es ist jetzt nicht irgendwie total wissenschaftlich formuliert, sondern so, dass Personen, die generell auch vielleicht den Erstkontakt mit dem Thema haben, sofort wissen: Oh, Zoonosen fallen nicht vom Himmel. Was sind eigentlich Zoonosen? Ah, da gibt es Krankheiten, Erreger, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Und die industrielle Tierhaltung hat da einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass so etwas passiert und dass so etwas in Zukunft auch mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit immer öfters passieren wird. Und dementsprechend finde ich das sehr gut aufgemacht, wie sie da in das Thema einsteigt. So, das war das erste Kapitel.

Im zweiten Kapitel geht es dann um das, was auch wirklich tagesaktuell in den Medien transportiert wird: die Klimakrise. Dieses Kapitel heißt „Klimakatastrophe und Gerechtigkeit. Die Zeit zu handeln ist jetzt.“ Da geht sie halt auf die Klimakatastrophenthemen ein und den Einfluss der Tierindustrie.

Das dritte Kapitel ist dann tatsächlich einmal sehr ethisch angehaucht. „Respekt statt Ausnutzung.“ Da geht sie auf das Mensch-Tier-Verhältnis ein. Ein ganz, ganz wichtiges Thema, wo sie auch wirklich sehr im Detail nochmal auf die Fragen des Tierwohls eingeht, weil ja auch gerade im Rahmen der politischen Diskussiondas Tierwohl-Label wieder medial sehr präsent ist. Das sind alles Sachen, die da im dritten Kapitel angegangen werden.

Und das vierte Kapitel beantwortet dann so die Kritik an einer veganen Anbauweise, so nach dem Motto: Kann ich denn überhaupt eine Landwirtschaft anders gestalten? Funktioniert denn vegane Landwirtschaft überhaupt? Bin ich nicht in irgendeiner Art und Weise auf tierliche Bestandteile in der Landwirtschaft angewiesen?

Und das sind so die ersten vier Kapitel, mit denen sie da jetzt so ins Buch startet. Und das waren auch wirklich die vier Kapitel, wo ich gemerkt habe, so richtig viel Futter, was für mich neu ist, ist da nicht dabei. Wir haben ja jeden einzelnen Bereich, jedes einzelne Thema für uns schon auch irgendwie anders mal erschlossen und behandelt. Da waren es wirklich nur Nuancen, die was Neues gegeben haben. So, und dann mit dem fünften Kapitel fängt es an, für mich auch wieder interessanter zu werden.

Das fünfte Kapitel ist überschrieben mit „Zukunft durch Technik? Alternative Proteine auf dem Vormarsch.“ Da geht es dann wirklich in die Thematik wie: Was passiert denn jetzt gerade in der Industrie? Sprich vegane Produkte, vegane Ersatzprodukte. Dieses Umschwenken von Fleisch auf tierlicher Basis hin zu Fleisch mit V. Und da finde ich ganz spannend, dass Friederike Schmitz dort sehr dialektisch vorgeht. Sie geht auch auf Themen ein, wie zum Beispiel Rügenwalder und bleibt aber nicht in einer Ecke. Und das ist so etwas. Das finde ich generell in diesem Buch sehr, sehr, sehr spannend, dass sie immer von unterschiedlichsten Sichtweisen, mindestens sowohl von der positiven und auch der kritischen Seite schaut.

Also jetzt am Beispiel von Rügenwalder dieses: Oh, da geht jetzt ein namhaftes Unternehmen hin und präsentiert eine vegane Palette und wird auch von Pro Veg unterstützt und bringt halt richtig Schwung in diese ganze Thematik und krempelt quasi einmal die die Fleischindustrie um. So dieses Narrativ beleuchtet sie, geht da voll rein, um dann quasi auch nochmal einen kritischen Blick auf dieses Thema zu werfen. Was heißt das eigentlich? Wie vegan ist Rügenwalder eigentlich? Wie vegan möchte Rügenwalder tatsächlich werden? Was heißt das eigentlich, dass sie jetzt ein veganes Sortiment haben? Was heißt das für deren nicht veganes Sortiment? Gibt es da jetzt eigentlich einen Unterschied? Das beleuchtet sie und gibt aber zu solchen Punkten, wo sie immer so dieses, ich sag jetzt mal positiv und dieses kritische Denken mit reinbringt, auch ihre eigene Perspektive und das zeigt sie in allen anderen Bereichen auch. Und das ist tatsächlich eine riesige Bereicherung, dass sie nicht immer nur in einer Denkrichtung hängenbleibt, sondern wirklich so fürs selber einfinden einfach zeigt: okay, das wird jetzt so und so dargestellt, dann gibt es noch Kritikpunkte und ich selber sehe es aber so und so, das ist echt gut so! Das war so das fünfte Kapitel.

Das sechste Kapitel ist dann überschrieben mit „Pflanzlich glücklich: die Ernährungswende.“ Also da geht es dann um die Frage wie kriegen wir eigentlich so eine Ernährungswende hier in der Gesellschaft etabliert? Was kann der Staat, was kann der Staat nicht? Was behaupten Politiker, was sie könnten? Da geht es dann auch um dieses Argument: Wir können den Leuten ja nicht vorschreiben, was sie zu essen haben. Stichwort Veggie Day und so, und da geht sie auch in diese Argumentation rein und sagt: Na ja, der Staat hat schon bestimmte Pflichten und Vorgaben, und zwar immer dann, wo die Freiheit des Individuums zulasten Dritter geht, da, wo Rechte oder auch noch stärkere Einschnitte für Dritte erwachsen, da hat der Staat schon eine Fürsorgepflicht und muss auch mal diesen Neutralitätsanspruch verlassen. Sie bringt dann Beispiele ein wie, es ist ja hier auch in der Gesellschaft nicht so, dass jede·r, die·der irgendwie einen ausgedienten Kühlschrank hat, den einfach irgendwo in den Wald stellen kann, sondern da gibt es halt auch eben Rechte, Pflichten und da hört halt die individuelle Freiheit auf. Genauso kann ich jetzt auch nicht irgendwelche Schadstoffe in den Badesee kippen, weil ich denke, hey, ich habe hier eine liberale Gesellschaft, völlige Freiheit. Ich bin der Meinung, ich darf das. Das mache ich jetzt so nach eigenem Gusto. Da gibt es dementsprechend auch staatliche Reglementierungen, die so was unterbinden. Und in eine solche argumentative Schiene geht sie dort rein.

Was ich total spannend finde, einfach auch aufzuzeigen, was empfehlen vielleicht auch andere Gremien, wie der Staat sich eigentlich zu verhalten hätte. Stichwort Klimarat. Dieser Bürgerrat, der sich schon sehr stark positioniert und auch für eine pflanzliche Ernährung sich ausgesprochen hat, aber auch eben andere Kommissionen und Gremien, die deutlich stärker mit den Forderungen an staatliche Akteure herantreten. Und dieses Argument „Wir dürfen den Leuten nicht vorschreiben, was sie zu essen haben.“ so ein bisschen differenzierter betrachten und sagen: doch, ihr müsst dafür sorgen, dass die Leute sich anders verhalten. Und da gibt es auch bestimmte Maßnahmen, die müssen nicht unbedingt mit einem Verbot einhergehen. Das kann auch so dieses Nudging sein, also dieses mit dem Finger so ein bisschen in eine Richtung stupsen, mit sehr subtilen Möglichkeiten. Aber der Staat muss da schon ins Handeln kommen. Das ist so die Quintessenz dieses Kapitels.

Und dann haben wir im siebten Kapitel die Frage „Wie kann denn eine gerechte Transformation aussehen? Wie kann ich die Produktion umstellen?“ Also weg aus dieser Tierindustrie, hin zu einer veganen Industrie. Das ist insofern ein spannendes Kapitel, als dass sie dort wirklich mit Personen, mit Organisationen Kontakt hatte und hat, die genau das schon durchführen. Sie sagt auch ganz klar: wir können eine solche gerechte Transformation nur mit den Bäuer·innen machen. Die müssen wir quasi mitdenken. Und ohne die schaffen wir das nicht. Und wir müssen zusehen, dass die eben aus der Tierindustrie aussteigen. Und andere Formen ihrer Erwerbstätigkeit, wollte ich schon sagen, also ihres Gelderwerbs dann, ihrer Existenzsicherung erwirken. Und da geht sie halt in verschiedenste Maßnahmen rein, wie das heute schon gemacht wird, wie vielleicht andere Staaten agieren und was Vorschläge für Deutschland dann sein könnten.

Und das letzte Kapitel, das geht dann in den Bereich: Was kann ich denn als Einzelperson machen? Das achte Kapitel ist dementsprechend überschrieben mit „Rebellieren statt konsumieren: gemeinsam für Veränderung.“ Da geht sie drauf ein, wie Nichtregierungsorganisationen, wie aktivistische und soziale Bewegungen agieren können, wie sie auch sich strategisch formen. Das heißt also, dass nicht Einzelpersonen, Einzelgruppierungen jetzt nur auftreten, sondern dass geguckt wird, wie kann ich soziale Gruppierungen thematisch auch zusammenführen. Also dieses Bündnis gemeinsam gegen die Tierindustrie ist da ein Beispiel. Da geht sie hier auch auf das entsprechende Aktions- und Protestcamp im Jahr 2021 ein, wo sie selber mit vor Ort war, da aus eigener Erfahrung entsprechend Schilderungen ins Buch einbringt, wo sie aber auch darauf hinweist, dass dieses Bündnis gemeinsam gegen die Tierindustrie nicht ausschließlich aus Personen und Organisationen besteht, die jetzt nicht nur aus dem Tierrechts- oder Tierbefreiungssegment kommen, sondern alle Facetten abgreift von Klimakatastrophenthemen, Klimagerechtigkeit bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Tierindustrie, so dass ich da vielleicht auch Personen habe, die eher so aus den Gewerkschaftskreisen unterwegs sind und vielleicht mit mehr Tierwohl eher weniger zu tun haben, sondern sich mehr um die Arbeitsbedingungen der Menschen dort in den Industriebereichen dann sorgen. Und dass dieser Zusammenschluss einfach notwendig ist, um geballt für einzelne Themen, wo tatsächlich inhaltliche Überlappungen da sind, da dann entsprechend auch mehr gesellschaftliche Kräfte aufzubringen und zu etablieren.

Stefanie Zu Beginn der Auflistung des Inhaltsverzeichnis hattest du den Begriff „Tierwohl“ genannt und in den Kursen, den Bildungsurlauben und so, die ich jetzt bisher gegeben habe, sind wir auch immer mal wieder auf diese Tierwohllabel zu sprechen gekommen und mich würde mal interessieren, was Friederike Schmitz dazu schreibt.

Carsten Hm, ja, das ist ein sehr ethisch orientiertes Thema. Eigentlich ihr Herzensthema, mit dem sie auch bekannt geworden ist und sie beleuchtet das schon sehr detailliert. Quintessenz ist, sie positioniert sich so: Tierwohl kann halt nur Tierfreiheit sein, alles andere ist Augenwischerei. Alles andere ist halt nur die Frage, wie hoch ist der Qualanteil? Also so ein Tierwohl Label mit einer Skizzierung oder Ampel oder einer Bezifferung, keine Ahnung, 1 bis 5 oder so, kann immer nur irgendwie die Qual des Tieres da zum Ausdruck bringen. Aber hat mit dem eigentlichen Tierwohl ja gar nichts zu tun. Das ist eine Klarstellung, die sie dort trifft. Nichtsdestotrotz geht sie auf diese Thematik sehr im Detail ein, zeigt auch so ein bisschen, wo da die Diskussion hingeht, aber immer wieder mit der Klarstellung: egal was dort gemacht wird, es ist halt in Nuancen keine wirkliche Verbesserung für die Tiere.

Also ich sag jetzt mal in einen Schweinestall, wo die Tiere dann trotzdem nur irgendwie ein Quadratmeter Fläche für sich haben, da einfach nur eine Kette mit einem Gummigegenstand runterhängen zu lassen und das dann so als ultimative Spaß- und Bespielungsfunktion darzustellen, ist weit von dem entfernt, wie sich ein Schwein in der freien Umgebung verhält. Und egal wie jetzt ein Tierindustrieunternehmen da seine Ställe aufbaut, es wird immer primär aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit geplant und dementsprechend kann das Tierwohl dort nie so umgesetzt werden, dass es in irgendeiner Art und Weise akzeptabel dann da ist.

Stefanie Na ja, es ist ja letztlich so wie mit ethisch korrekter Milch sozusagen. Also das ist auch meine Meinung, dass es die nicht geben kann und genauso wenig kann es dann eben Tierwohlfleisch geben. Ja, hast du Punkte, wo du sagen würdest, das hat dich irgendwie besonders beeindruckt, das möchtest du hier noch teilen?

Carsten Ja, also im Detail gibt es schon einige Punkte, wo ich im Buch merke, dass Friederike Schmitz da sehr in die Tiefe abtaucht, also auch gut in die Tiefe abtaucht, weil sie sehr reflektiert und auch fundiert die einzelnen Themen behandelt. Was ich vorhin schon sagte, dieses Abwägen, wie wird es im Positiven, aber wie wird es auch kritisch dargestellt und wo positioniert sie sich? Das durchzieht das ganze Buch. Das war etwas, wo ich einfach gemerkt habe, das ist richtig gut und ansonsten kann ich ein paar Beispiele mal reinbringen, wo ich der Meinung bin, dass sie da schon sehr viel inhaltliches Futter bietet.

Also ganz am Anfang zeigt sie zum Beispiel dieses Thema Weidehaltung auf, was ja auch immer wieder vorgebracht wird. Oh, wenn wir jetzt alle Tiere auf der Weide halten und wir brauchen Weidehaltung und und und. Also diese ganze Thematik, da räumt sie mit auf. Sie geht da tatsächlich hin und schaut, wo kommt das Thema eigentlich her? Welche Personen, welche Akteure sind da im Moment medial auch sehr im Vordergrund? Auf was für Fakten stützen die sich? Und wie sieht es eigentlich in der Realität aus? So, und das macht sie jetzt wirklich sehr ausführlich und Quintessenz von dieser ganzen Thematik ist: Weidehaltung selber ist eigentlich gar nicht das Thema. Das lenkt ein bisschen ab von dem eigentlichen Komplex, der dahinter steht. Weil, wenn wir es wirklich in der letzten Konsequenz umsetzen würden, dann würde das bedeuten, dass wir kleinbäuerliche Strukturen haben mit ganz, ganz wenigen Tieren, die dann Freiland unterwegs sind, wo man ja schon fast sagen könnte: Hey, den Tieren geht es ja wirklich „saugut“ im Vergleich zu dem, was heute stattfindet. Und wenn wir uns zu sehr auf diese Weidehaltungsthematik konzentrieren, dann verlieren wir den Blick dafür, dass es tatsächlich um die Großindustrien geht, wo die Tiere ja eigentlich gar nicht nach draußen kommen, wo sie zu Tausenden, also zu Hunderten und Tausenden in erbärmlichsten Verhältnissen leben müssen, vielleicht nie Tageslicht sehen und am Ende alle im gleichen dunklen Ort dann landen werden. Und das ist halt gefährlich an diesem Thema der Weidetierhaltung.

Aber nichtsdestotrotz räumt sie auch damit auf und stellt eben auch klar: eigentlich ist das nicht nur thematisch bedeutungslos, sondern funktioniert auch nicht wirklich so, wie die Befürworter es so medial sehr stark präsent halten. Das ist so ähnlich wie dieses romantisierte Bild der Alm. Also wenn wir uns Kühe vorstellen, dann sind wir in den Schweizer Bergen auf irgendeiner Alm und da geht es den Kühen gut. Die sind so voller Glück, dass sie schon lila anlaufen. Und denen geht es ja total gut. So, und auch dieses Beispiel wird ja in diesem Buch aufgegriffen, wo sie darstellt, ja, selbst die Tiere, die auf der Alm sind, das sind vielleicht Tiere, die gerade mal vor dem Kalben sind oder nach dem Kalben, die sich jetzt gerade mal eine Ruhepause gönnen müssen. Sind vielleicht Jungtiere, die da noch mal ein paar Wochen leben, bevor sie schlachtreif sind. Aber es sind nicht die riesigen Mengen, weil es sich ja auch gar nicht wirtschaftlich lohnt. Ich kann ja als Landwirt nicht meine komplette Herde mal eben kurz in die Berge verfrachten, um sie dann morgens und abends wieder in den Stall zu holen, um sie dann zu melken. Und eine Melkmaschine auf die Alm zu bringen ist auch nicht unbedingt so praktikabel. Also Heidi läuft da jetzt nicht mehr rum und hat eine Milchkanne in der Hand und melkt die Kühe. Also das ist so, das geht überhaupt nicht. Und deswegen sind das so Zerrbilder, die ein romantisches Verständnis hervorrufen wollen, die uns einfach medial so ein bisschen aufgepresst werden.

Stefanie Ich darf da noch mal auf meinen Milchgeschichten Podcast verweisen, gerade so die letzte Folge, die tatsächlich jetzt auch schon in einen Ethikunterricht übernommen wurde. Da wurde ich mal angefragt. Genau die gleiche Argumentation habe ich da eben auch angeführt. Und letztlich, wenn wir alle aus dieser Perspektive schauen, werden wir alle immer die gleiche Argumentation haben. Es funktioniert halt hinten und vorne nicht, egal wie du es drehst und wendest, dieses Bild, dass es ethisch korrekte Kuhmilch geben kann oder generell eben die Möglichkeit, ja, dass es Tieren gut geht, dass wir ethisch einwandfrei mit Tieren umgehen und sie trotzdem nutzen, das kann halt einfach nicht funktionieren. Und also eben das Beispiel der Alm, ist auch generell egal, ob es jetzt die Alm ist oder wo auch immer die Kühe gehalten werden. Es funktioniert ja überall nicht. Und wenn, dann müsste es ja ganz viele Heidi Klone geben...

Carsten Also es gibt tatsächlich einen Ziegenhirten, den hat sie da in dem Buch beschrieben. Ich weiß nicht, ob das jetzt einer in Deutschland ist oder irgendwie in einem der Nachbarländern. Der wird als sehr positives Beispiel genannt, weil er die Ziegen leben lässt. Also er nutzt sie nicht. Er sorgt dafür, dass tatsächlich dann relativ unzugängliche Bereiche als Grünland Fläche erhalten bleiben. Und er ist quasi so ein Wanderhirte. Und auf die Frage, warum er denn seine Tiere nur weiden lässt, aber ansonsten nicht weiter ausnutzt, sagt er: „Ja, das sind doch meine Mitarbeiter, die kann ich doch nicht töten. Ich kann doch meine Mitarbeiter nicht ausnutzen.“ Und das ist natürlich eine Haltung, die ist ja vielleicht einmalig, keine Ahnung. Der verdient sein Geld aber dadurch, dass er, ich glaube, staatliche Zuschüsse bekommt oder so. Da gibt es halt bestimmte Gelder, die dafür ausgegeben werden, um solche unzugänglichen Flächen zu pflegen und zu bewahren.

Stefanie Und das hat ja dann mit Tiernutzung eigentlich nicht mehr so viel zu tun. Klar, die werden genutzt, um diese Flächen zu pflegen, aber eben nicht, um sie zu essen. Und dann läuft das halt wieder ad absurdum. Zu überlegen, wie kann ich sie besonders gut pflegen, um sie dann zu essen oder eben Exkremente von ihnen zu mir zu nehmen.

Carsten Vielleicht ist das auch vergleichbar mit so einem mobilen Lebenshof.

Stefanie Ja, genau, so könnte man das natürlich sehen. Die Tiere müssen ja auch irgendwie was fressen und dann können sie ja auch irgendwo weiden.

Carsten Genau. Ja, und das ist schön an diesem Buch genau solche Beispiele zu bekommen. Aber auch eben diese Einordnung, dass wir uns nicht darauf konzentrieren. Also es ist ja keine Perspektive jetzt sämtliche Nutztiere als Freilebende, dann sind wir wieder beim Thema Weidetierhaltung.

Stefanie Ja, wir drehen uns im Kreis. Verlassen wir diesen Kreis jetzt mal, was hast du denn noch für Punkte?

Carsten Ja, also so zwei, drei Sachen, die haben mir auch nochmal sehr gut gefallen. Die will ich hier als Beispiel einbringen. Sie geht in dem Buch auch auf das Werk von Tobias Leenaert ein. Das ist halt „der vegane Stratege“. Der hat das Buch „Der Weg zur veganen Welt - ein pragmatischer Leitfaden“ geschrieben, ist damit auch sehr bekannt, wird auch von einigen namhaften veganen Organisationen sehr stark zitiert. Oder die beziehen sich auf seine Arbeit. Da geht es darum, dass er auch eine Metapher in seinem Buch verwendet: „Vegan ville“ also das vegane Dorf, was oben auf einem Berg ist. Und es geht gar nicht darum, alle Personen jetzt oben als Bewohner dieses Berges hin zu bekommen, sondern wir sind eigentlich schon mal glücklich, wenn die Menschen sich auf den Weg dorthin machen. Und die dürfen auch auf einem Teilstück dann einfach stehen bleiben. Was dann übersetzt so heißt: Du bist halt nicht vegan, aber du isst halt weniger Tierprodukte.

Und die Argumentation ist, ich brauche einen pragmatischen Ansatz, um die Menschen mitzureißen. Und die Masse macht es, dass je mehr Menschen sich auf den Weg machen, heißt weniger Fleisch essen, desto größer ist der Einfluss auch auf Tierwohl, auf Tierbestand etc. pp. Das ist so diese Überlegung, aus der auch vegane Organisationen teilweise ihre eigene Strategie ableiten.

Und da geht Friederike Schmitz auch sehr kritisch mit um. Also sie schaut sich an, was hat Tobias Leenaert da als Gedanke, als Strategie ausgearbeitet und zeigt eben auch, dass es Personen und Organisationen gibt, die das kritisch sehen. Und diese kritische Reflexion finde ich an der Stelle wirklich sehr schön. Hatte ich vorher so nicht. Ich hatte das Buch von Tobias Leenaert mal gelesen, fand mich da aber überhaupt nicht wieder. Das war so gar nicht meins.

Stefanie Ich kann mal kurz reingrätschen. Wir hatten das als Rezensionsexemplar mit dem Wunsch, es zu rezensieren und auch mit dem Autor ein Interview zu führen, zugeschickt bekommen. Und ich konnte damit auch nicht wirklich was anfangen. Ich hatte es so quergelesen, habe es dann Carsten gegeben, weil Carsten immer brav solche Bücher liest, sich nicht weigert, sondern brav akkurat das alles zu Ende liest. Und wir haben dann beide beschlossen, wir möchten das nicht rezensieren. Wir hatten dann damals, als es den Von Herzen Vegan Clan noch gab und das Experimentarium, also ich meine es war noch im Clan, hatten wir da für die Clanmitglieder einmal gesagt, warum wir das nicht rezensieren und du hattest da mal was dazu geschrieben. Ich kann das mal raussuchen und dann vielleicht bei Steady noch mal reinstellen oder so, mal gucken. Jedenfalls haben wir das Buch dann an ein Mitglied verschenkt. Und falls du, liebes Clanmitglied, ich nenne jetzt mal keinen Namen, aber du weißt vielleicht noch, dass du es warst, das Buch gelesen hast und dazu noch mal was sagen möchtest? Melde dich gern. Also jedenfalls besitzen wir das Buch auch nicht mehr.

Carsten Genau. Und die Kernkritik, die ich damals hatte, ist auch identisch mit dem, was Friederike Schmitz jetzt hier in dem Buch hinterlegt, dass es bei Tobias Leenaert eigentlich primär um die Frage der Reduzierung des Tierkonsums geht. Also es wird ja ganz massiv dafür geworben, diesen Tierkonsum zu reduzieren. Wir müssen aber den Veganismus als ganz klares Ziel artikulieren. In letzter Konsequenz sind Menschen, die vegan leben, auch immer mit dieser ethischen Komponente verknüpft. Und die dürfen wir nicht einfach verwässern. So nach dem Motto: Weniger ist auch schon gut!, sondern ich muss, egal wie ich argumentiere, egal wie ich meine Strategie aufbaue, egal wie pragmatisch ich vorgehe, immer auch im Hinterkopf behalten und das auch klar kommunizieren nach außen, dass es darum geht, komplett aus dieser Tierausnutzung rauszukommen. Und das fehlt halt in diesem Buch, was Tobias Leenaert geschrieben hat und da ist es dann schon schön, dass Friederike Schmitz in ihrem Buch da eben deckungsgleich mit dem ist, was ich empfunden habe, als ich das Buch gelesen hatte.

Stefanie Ja, und das war bei dem Buch, soweit ich mich erinnere, auch so, dass wir gesagt hatten, dass es so ein Verhaften ist im bestehenden System, dass das Wirtschaftswachstumssystem, der Kapitalismus und das Ganze, in dem wir uns gerade befinden, überhaupt nicht infrage gestellt wird und dass es eigentlich nur eine nachhaltige, gerechte Zukunft geben kann, wenn wir das machen.

Carsten Genau. Auf dieses Narrativ geht Friederike Schmitz jetzt erst mal nicht ein. Aber sie kommt halt auf die gleiche Schlussfolgerung, die ich gerade schon zitiert habe. Also das war einer von den Punkten, wo ich der Meinung bin, dass ist schon richtig schön in diesem Buch, nicht weil wir ja einer Meinung sind, sondern die Art und Weise, wie sie mit solchen Themen umgeht. Sie geht halt nicht bedingungslos in eine Richtung, nur weil, ich sag jetzt mal plakativ, namhafte vegane Organisationen in diese Richtung gehen, sondern sie reflektiert es halt so.

Ein anderer Punkt, den ich sehr schön finde in diesem Buch, ist halt diese Transformationsfrage, dass sie ja verschiedene Wege aufzählt und auflistet wie kann ich eigentlich die Landwirtschaft dahin bringen, dass sie nachher im Idealfall eben bio-vegan agiert und dass sie die Bäuer·innen mitdenkt und dort eben auch so Aspekte mit reinbringt, dass Vermarktungsstrukturen wieder lokaler sind. Solidarische Landwirtschaft ist dort mit drin, Agro-Forstwirtschaft wird kurz genannt. Ich glaube auch über den Begriff der Permakultur gestolpert zu sein, würde mich da aber nicht festlegen. Also bitte, liebe·r Hörer·in, wenn du das Buch dann liest und stellst fest, der Begriff steht da gar nicht drin, dann ist das vielleicht, weil ich mich thematisch generell damit auseinandersetze und so was automatisch dann irgendwie im Kopf in Verbindung bringe.

Stefanie Wenn nun also das Buch mit strg oder command F durchsuchst...

Carsten Genau. Könnte es sein, dass du auf diesen Begriff stößt oder auch nicht? Ohne Gewähr. Also sie geht halt auf verschiedenste Aspekte und Facetten ein. Das finde ich richtig gut. Und was mir auch geholfen hat, war einfach dieses Wissen, dass es ja auch Personen und auch Vereine gibt oder zumindest einen Verein, der aktiv genau das schon durchführt, also einen landwirtschaftlichen Betrieb hin zu einer bio-veganen Landwirtschaft zu transferieren. Der Verein nennt sich „Begleitung zur veganen Landwirtschaft“, der nichts anderes macht, als heute schon mit Landwirt·innen in Deutschland genau diesen Weg zu skizzieren, denen zur Seite steht und sagt okay, du willst aus dieser Tierhaltung raus, was hat das an Konsequenz? Du hast, keine Ahnung, bestimmte Verbindlichkeiten, weil du gerade in deine Stalleinrichtung investiert hast. Die Gelder musst du irgendwie wieder zusammenbringen. Wenn du also aus der Tierhaltung aussteigst, fehlen dir die Einnahmen. Wie kannst du diese Einnahmen auf alternative Art und Weise bekommen? Und diese Umstiegsszenarien, diese ganze Begleitung, da gibt es tatsächlich eben mindestens diesen einen Verein, der dort genannt wird. Fand ich wie gesagt sehr schön.

Und auch das Spektrum der politischen Instrumente wird noch mal beleuchtet. Und da gab es so ein Beispiel, dass in den Niederlanden Gelder zur Verfügung gestellt werden, um Landwirt·innen aus der Tierhaltung aussteigen zu lassen. Also da sind dann bis Mitte 2021 circa 300 Landwirtschaftsbetriebe so gefördert worden, dass sie aus dieser Tierhaltung aussteigen. Die Motivation hat nichts mit Tierethik zu tun, sondern geht dann mehr so auf Umweltbelastungen, dass da die die Böden und und auch das Wasser einfach zunehmend belastet wurde durch diese intensive Tierhaltung. Und diese 300 Betriebe sind auch wirklich nur so ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber da geht es mehr um das Instrument, dass eben auch der Staat Geld geben kann und sagt: Hier, hör mal auf mit dem, was du machst, mach es mal anders und wir finanzieren das. Wir helfen dir. Und das ist einfach total spannend zu sehen, woanders wird das schon gemacht. Warum machen wir das in Deutschland nicht?

So und das dritte, was mir da noch so hängengeblieben ist im Kopf, ist noch mal so Thema Rügenwalder, Thema Ersatzprodukte, vegane Ersatzprodukte. Da muss ich sagen, habe ich eine offene Flanke gehabt. Das wusste ich nicht, dass dieses Simply V eigentlich zu Hochland gehört. Hochland, einer der ganz großen Namen in der Milchindustrie, die einfach dieses Marktsegment irgendwie erschließen wollten für vegane Produkte, so dass da eigentlich gar nicht so der ethische Hintergrund dahinter steht. Ist also kein kleines Startup, so mit dieser ethischen Motivation, sondern einfach nur: da entsteht halt ein Markt, den wir jetzt abgrasen. Da sitzen halt entsprechende Fachkenntnisse und dann Personen mit viel Knowhow drauf, die auch gute Produkte produzieren können. Aber im Endeffekt gibt es gar keine Motivation aus der Milchindustrie auszusteigen. Zumal eben auch der Vorstandsvorsitzende von Hochland auch im Vorsitz des Deutschen Milch Industrieverbandes ist. Also die sind da alle ganz zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Position und die wollen sich da einfach nur so ein Zubrot verdienen.

Und das ist natürlich dann so eine Frage, wie viel kann ich eigentlich ausrichten, wenn ich jetzt solche Ersatzprodukte kaufe, die eigentlich von dem Tierindustriellen Komplex mitverkauft werden? Ist es vielleicht eher eine Illusion zu glauben, dass ich damit die Welt verändere, weil ich da Konzernstrukturen, Unternehmensstrukturen noch mein Geld in die Hand drücke, die vielleicht gar kein Interesse daran haben, auszusteigen aus ihrem vorherigen Industriezweig? Das sind Sachen, die die tauchen dann auf, wenn ich so was lese. Finde ich aber sehr interessant, weil ich auch selbst noch zum Denken angeregt werde, mein eigenes Verhalten, meinen eigenen Konsum nochmal zu reflektieren. Und das sind auch tatsächlich so Sachen, die ich als sehr gewinnbringend beim Lesen dieses Buches empfunden habe. Das sind die neuen Facetten, die sich da für mich dann ergeben haben.

Stefanie Hat sie dann auch irgendwas über Cultured Meat gesagt?

Carsten Ja, genau, sie geht da auch drauf ein. Wie kann ich jetzt Cultured Meat machen? Wie kann ich jetzt zum Beispiel auch original Kuhmilch ohne Kuh produzieren? Ich glaube Bakterien waren es, die dort genetisch verändert werden sollen, um dann tatsächlich Kuhproteine oder Milchproteine herzustellen. Also quasi so diese ganze technologische Welt, die sich da im Hintergrund verbirgt, die wird dort auch angeführt, ist jetzt aber nicht als Lösungsszenario dargestellt worden, sondern einfach ja, dass es so was gibt, was da passiert, was das eigentlich heißt. Quintessenz aber auch das ist alles sehr überkandidelt. Du kannst das einfach viel weniger aufwendig haben.

Warum soll ich jetzt riesig viel Geld, riesig viel Energie, riesig viel Ressourcen in solche Industrien mit reinbringen, wo teilweise bei den Geldern, die notwendig sind, die Branchengrößen, die eigentlich genau dieses Desaster, dieses tierindustriellen Komplexes zu verantworten haben, diejenigen sind, die nachher auch in solche Technologien investieren. Und da bin ich ja wieder bei der Frage, ist es eher ein Zubrot oder haben die wirklich Ausstiegsintentionen? Aber wie gesagt, ich kann es ja viel einfacher haben. Warum soll ich nicht irgendwie Bohnen, Linsen etc. anbauen und habe dort eigentlich auch die Möglichkeit dann auf rein pflanzlicher Ebene alle Nährstoffe, die ich brauche, ja viel einfacher zu erwirtschaften. Das ist so die Quintessenz von dieser ganzen Betrachtung.

Stefanie Und Du sagtest gerade schon: Kann ich jetzt überhaupt was damit ausrichten, wenn ich jetzt zum Beispiel veganen Käse kaufe oder so, kann ich damit überhaupt was verändern? Letztlich ist es ja eigentlich tatsächlich so, dass es nicht nur darum geht, das Einkaufsverhalten zu verändern, sondern wirklich aktiv zu werden. Und da hattest du ja auch gesagt, dass das im letzten Kapitel auch noch mal thematisiert wird.

Carsten Ja, da läuft das komplette Buch darauf hinaus. Im Grunde genommen darfst du dieses Buch verstehen wie eine Anleitung: Wie komme ich eigentlich dahin? Wie kriege ich diese Umstellung hin mit den einzelnen Facetten? Einmal am Anfang, so diese erste Hälfte: Warum muss ich überhaupt handeln, diese Hintergründe und dann nachher so diese Bilder: Wie komme ich an die einzelnen Bereiche eigentlich mit einer Transformation hin? Und das Buch schließt tatsächlich mit dieser Aufforderung ab, aktiv zu werden, dem Aktivismus zu frönen in unterschiedlichsten Ausprägungen. Das bedeutet nicht, dass du ausschließlich in Protestcamps gehen musst oder es funktioniert nur so, wenn wir auf die Straße gehen, sondern es gibt unterschiedlichste Aktivitäten und auch da geht es nicht so beschönigend rein. Sie relativiert viel. Sie sagt auch, okay, wir haben schon viel gemacht. Die Klimabewegung reißt jetzt auch nicht unbedingt das Ruder herum. Über Jahre hinweg gehen Millionen von Menschen auf die Straße, aber irgendwie hört die Politik trotzdem noch nicht und so. Das stellt sie ungeschönt da, diese Wahrheit, auch diese Tristesse, die sich daraus ergibt.

Aber sie sagt: Wir müssen das machen, wir müssen quasi weiterkämpfen. Wir sind es zumindest anderen schuldig. Mit anderen meint sie nicht nur Menschen, sondern eben auch die Tiere. Denen sind wir es schuldig. Wer nicht kämpft, der kann auch nicht gewinnen. In dieser Mentalität agiert sie da. Aber sie weist auch darauf hin, dass soziale Bewegungen keinen linearen Verlauf haben. Du kannst es nicht vorausplanen, sondern du kannst einfach so den Eindruck haben: Hey, du rackert dich ja ab und nichts tut sich und im nächsten Moment kommt halt die Disruption und alles verändert sich. Diesen Punkt kannst du aber auch nicht erkennen, der kommt irgendwann und da ermutigt sie: Komm, steig ein, mach mit, wir brauchen jede Unterstützung. Geh als Einzelperson, geh als Mitglied einer Organisation, vernetze dich, sorgt dafür, dass deine Organisation sich mit anderen vernetzt und dort deckungsgleich irgendwo, zumindest mal in einigen Themen dann mehr Schlagkraft aufbringen kann. Aber werde aktiv und nicht nur über den Konsum, sondern eben auch tatsächlich politisch. Dann ist alles möglich. So schließt sie quasi. Und dann fragt sie: Wann kommst du? Also so diese Motivation: „Ich haben dir genug erzählt weswegen und wie und jetzt bist du quasi als Leser·in dran, dich mit einzubringen und dich einzumischen.“

Stefanie Und ein erster Schritt könnte jetzt sein, dieses Buch zu lesen. Also das heißt, wenn dich dieses Buch anspricht und das, was Carsten da gerade so gesagt hat, dann melde dich gern bei uns unter post [at] vonherzenvegan [punkt] de. Schreib eine E-Mail. Wie gesagt, der·die erste, der·die sich meldet und dieses Buch haben möchte, bekommt es dann auch. Und sobald es vergeben ist, wirst du in der nächsten Podcastfolge dann hören, dass das so ist. Wenn ich in der nächsten Podcastfolge sage, dass es das Buch immer noch gibt, kannst du auch immer noch schreiben. Also es ist jetzt so ein bisschen die Frage: wer meldet sich zuerst? Willst du es haben? Willst du es nicht haben?

Und wie gesagt, es wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt als Rezensionsexemplar vom Ventil Verlag. Also herzlichen Dank noch dafür. Wir wurden jetzt allerdings nicht dafür bezahlt, dass wir es hier diese Rezension gemacht haben. Das müssen wir ja auch noch mal dazu sagen. Also sondern ich habe dahin geschrieben und gesagt: mich interessiert dieses Buch, gebt ihr es mir kostenlos? Und dann haben sie gesagt: Ja, hier bitte. Das war so die Kommunikation. Also von daher. So, und wir geben das Buch jetzt an dich weiter. Also wenn du es haben möchtest, schreib eine E-Mail.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 278 - Aktiv gegen den Kohleabbau in Europa

Ein Beitrag

Aktiv gegen den  Kohleabbau in Europa

Durch die Räumung und die damit verbundenen Protestaktionen im Dorf Lützerath tritt der Widerstand gegen den Braunkohletagebau medial stark in den Vordergrund. Vor diesem Hintergrund wurde zum Zeitpunkt der Räumungsarbeiten in Lützerath organisiert durch die Hamburger Ortsgruppe von Ende Gelände eine Kinovorführung der Dokumentation "Finite - The Climate of Change" (produziert von Rich Felgate) veranstaltet. Carsten hatte die Möglichkeit den Film anzuschauen. Er berichtet in dieser Folge von den bewegenden Bildern und emotionalen Eindrücken über das im Film dokumentierte Geschehen aus den Protestlagern Pont Valley (England) und dem Hambacher Forst, die sich beide in jüngerer Vergangenheit erfolgreich gegen den Kohletagebau gewehrt haben.

Links zur Folge

Film: Finite- The climate of change
https://www.finite-film.com/

Informationen von Ende Gelände zum Film
https://www.ende-gelaende.org/events/film-kohle-hamburg/

Buch "Die Welt auf den Kopf stellen" (gibts hier auch als kostenloses Ebook zum Download)
http://ilakollektiv.org/trafo/

Meine Arbeit unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Bevor wir jetzt hier mit der Podcastfolge starten, möchte ich wie versprochen kurz anmerken, dass das Buch „Wenn nicht wir, wer dann?“ von Philipp Ruch vergeben ist. Also es gab eine·n Interessent·in und ich habe das Buch jetzt verschickt. Es ist also weg. Das Buch „Die Welt auf den Kopf stellen“ ist dagegen noch da. Was ich beim letzten Mal nicht erwähnt hatte, aber dann in den Text geschrieben habe, ist, das dieses Buch auch kostenlos als PDF zum Download gibt. Den Link habe ich unter der letzten Folge verlinkt. Ich kann den hier auch noch mal unter dieser Folge verlinken, aber unter der letzten Folge findest du den Link auch. Oder wenn du einfach nach dem Buch suchst. So. So viel zum Organisatorischen. Und jetzt starten wir mal direkt. Carsten war mal wieder im Kino.

Carsten Und das sogar aus aktuellem Anlass, weil jetzt, wo wir gerade diese Folge aufnehmen, das Thema Lützerath ganz aktuell ist. Die Räumung findet nach wie vor statt und in diesem Rahmen kam auch tatsächlich ein Film heraus, der nicht direkt auf Lützerath gemünzt war, aber auf die gleiche Thematik, und zwar der Film „Infinite - the Climate of Change“. Und präsentiert wurde der Film von der Ortsgruppe Ende Gelände, also Ortsgruppe hier in Hamburg, und zwar genau aus diesem Anlass. Weil eben diese Räumung in Lützerath stattfindet, haben die die Möglichkeit gehabt, diesen Film in einem kleinen Kino zu zeigen, in der Hoffnung, dass sich einige Leute dafür interessieren und die beiden, aus meiner Sicht weiblich gelesenen Personen, die das organisiert haben, haben vor dem Film noch gesagt, dass sie total erstaunt waren und völlig überrascht. Sie hatten für sich erstmal damit gerechnet, dass vielleicht so 20 Leute kommen und hatten nur gedacht, wenn dann doch 40 Leute kommen, dann ist das Kino zumindest bezahlt. Und ich habe dann zwischendurch mal versucht, so ein bisschen durchzuzählen. Ich bin der Meinung, es waren 100 oder ein bisschen mehr als 100 Personen, die drin waren. Damit war der Kinosaal auch komplett gefüllt. Also von daher volles Publikum, total Anklang gehabt und das hat dann tatsächlich die Erwartungen der Organisator·innen bei weitem übertroffen und natürlich auch für eine super Stimmung gesorgt. Wenn man dann wirklich in so einem Saal sitzt mit Personen, die ja in die gleiche Richtung denken, die das gleiche Gefühl vermitteln, wir wollen jetzt irgendwas reißen, wir wollen die Welt verändern und dann guckt man so einen Film. Das ist dann eine ganz eigene Stimmung. Die hat mit dem normalen Kinoabend gar nichts mehr zu tun.

Stefanie Bist du denn da jetzt auch mit so einem Chaka Gefühl aus dem Film oder aus dem Kino rausgegangen, wie ich damals bei „Tomorrow“ oder hat sich das irgendwie anders angefühlt?

Carsten Ich bin tatsächlich ziemlich radikalisiert aus diesem Film herausgegangen, also empört, fassungslos, weil das, was in diesem Film gezeigt wurde, mich emotional sehr mitgenommen hat. Nicht unbedingt in so eine Hilflosigkeit gebracht hat, sondern eigentlich eher gezeigt hat, was eigentlich passiert, wenn man sich für bestimmte gesellschaftliche Belange einsetzt, so zivilen Ungehorsam, demonstrieren, etc. und mit was für Repressalien die Demonstrant·innen und Aktivist·innen da konfrontiert werden. Das es da in diesem Film sehr, sehr, sehr eindrücklich dargestellt worden und das hat mich, ja ich war innerlich wirklich aufgebracht, empört, ich habe gedacht, „So, das kann nicht wahr sein!“ Und das war die Stimmung, mit der ich da aus diesem Film rausgegangen bin.

Und ich hatte tatsächlich so auf der Rückfahrt, ich musste mit der S Bahn dann noch etwa 20, 30 Minuten fahren, noch mal geguckt, wie schaffe ich das jetzt eigentlich vielleicht am nächsten Tag doch noch irgendwie mit der Bahn nach Lützerath zu kommen? Also so dieser Drang, ich muss mich da jetzt mit einbringen, ich muss da jetzt mit vor Ort sein, ich muss da präsent sein, vielleicht mitkämpfen, keine Ahnung. Also so aus dieser Stimmung oder mit dieser Stimmung bin ich da aus diesem Film rausgegangen.

Stefanie Letztlich hatten wir uns ja dann dagegen entschieden, dass du da samstags hinfährst. Dafür bist du ja freitags in Hamburg zur Demo gegangen und hast da rumgeschrien oder hast nicht geschrien?

Carsten Ich habe dem Wetter getrotzt, dem Wind und Regen, was da herrschte und war eigentlich tatsächlich erfreut, dass doch noch so viele Personen sich dann trotz dieser Schlechtwetterlage für Lützerath auch in Hamburg eingesetzt haben. Und das war zumindest mein Teil, den ich beitragen konnte.

Stefanie Kommen wir nochmal zurück zum Film. Ich hatte mir die Kurzbeschreibung durchgelesen auf der Seite von Ende Gelände, wo für den Film geworben wurde. Und da stand am Ende, dass sie für den Film eine Triggerwarnung aussprechen möchten, da explizite Polizeigewalt gezeigt wird. Kannst du dem so zustimmen?

Carsten Ja, definitiv. Und erschreckenderweise sind das ja auch so Sachen, die jetzt mit der Berichterstattung von Lützerath noch mal eine Wiederholung erfahren. Also wenn ich da - wir gucken über den Mastodon Liveticker – sehe, das, was da in der Berichterstattung gezeigt wird, das ist eins zu eins das, was da in dem Film auch zu sehen war. Und da wiederholt sich das Geschehen, die Strategien, die Vorgehensweisen. Das ist sehr erschreckend. Und das ist natürlich klar. Triggerwarnung ist an der Stelle wirklich angebracht. Also für Personen, die das halt nicht sehen wollen, nicht sehen können, wie auch immer nicht aushalten, die da vielleicht auch schon vorbelastet sind aus persönlicher Erfahrung, ist das definitiv harter Tobak. Das hat mir als bisher nicht beteiligte Person ja auch schon stark zugesetzt und das war auch ein Moment, wo ich meine, also dieses Gefühl der Radikalisierung, dieses was geht da denn jetzt ab, das geht ja gar nicht, das kannst du auch nicht so so hinnehmen, das hat ganz klar mit mit dieser präsentierten Polizeigewalt zu tun.

Stefanie Was würdest du denn jetzt sagen? Wem empfiehlst du, diesen Film zu gucken? Für wen ist er geeignet?

Carsten Das ist eine mentale Vorbereitung für alle Menschen, die sich an Aktionen des zivilen Ungehorsams oder auch an direkten Aktionen beteiligen wollen. Weil hier in dem Film wirklich sehr plastisch, sehr greifbar, sehr emotional gezeigt wird, mit was für Gegenreaktionen wir uns dann auseinandersetzen müssen. Und zwar hautnah. Also das, was da gezeigt wurde, das geht tatsächlich schon unter die Haut, es war sehr emotional, zumindest bei mir. Und ich glaube, den anderen Personen im Kino ging es wahrscheinlich genauso. Und insofern ist es einfach eine Vorbereitung. Also wenn du, liebe Hörer·in, irgendwann mal vorhast, dich tatsächlich stärker in diese zivilen Ungehorsam Aktivitäten mit einzubringen und du hast vielleicht keine Erfahrung, dann ist dieser Film definitiv eine gute mentale Vorbereitung.

Stefanie Nur eben mit der Triggerwarnung. Du solltest dir das genau überlegen, ob der Film jetzt gerade das Richtige für dich ist, aber eben mit der Einschätzung von

Carsten ist er als Vorbereitung geeignet. Dann gehen wir nochmal ein bisschen auf den Inhalt ein. Und wir hatten vorhin auch noch gar nicht gesagt, von wem der Film ist. Also der Film wurde jetzt nicht von Ende Gelände produziert oder so, sondern die haben halt diese Filmvorstellung organisiert, also dass der Film gezeigt werden konnte. Aber der Film ist von jemand ganz anderem.

Carsten Genau. Die Person heißt Rich Felgate. Ich würde sagen ein Aktivist, aber mindestens Journalist. Und die Tatsache, dass die Ortsgruppe Hamburg oder die Ortsgruppe Ende Gelände hier in Hamburg diesen Film präsentieren konnte, hängt auch damit zusammen, dass Rich Felgate diesen Film kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Auch gerade genau zu dem Zeitpunkt, wo das Geschehen in Lützerath aktiv ist bzw. jetzt die Räumung stattfand, um für diesen Zeitpunkt noch mal eine Sensibilisierung für dieses Thema zu erwirken. Also das war schon genau so geplant und der Film an sich ist auch relativ neu, er ist im Juni letzten Jahres, quasi rausgekommen und erschienen.

Stefanie Also 2022.

Carsten 2022.

Stefanie Genau, die Menschen, die diese Folge vielleicht in fünf Jahren hören, werden also dann vielleicht mit diesem Datum etwas mehr anfangen können. Noch kurz zu den Rahmenbedingungen des Films: Du hattest gesagt, es wird im englischen Original gezeigt mit deutschen Untertiteln.

Carsten Genau. Genau. Also es ist tatsächlich so, dass der Film primär im Englischen produziert wurde. Es gibt einige Szenen nachher, die genau andersherum sind, da ist die Tonspur deutsch und dann sind die Untertitel auf Englisch. Was ich ein bisschen interessant fand, aber per se musst du dich drauf einstellen, wenn du den Film siehst, dass er mit deutschen Untertiteln präsentiert wird. Wobei die englische Tonspur sehr gut zu verstehen ist. Also Personen, die recht gut Englisch sprechen, kommen auch mit der Tonspur sehr gut zurecht.

Stefanie Und gehörlose Personen? Ich bin ja jetzt etwas sensibilisiert, zwar nicht selbst betroffen, aber dadurch, dass ich im letzten Jahr angefangen hatte, Gebärdensprache zu lernen, interessiert mich das sehr. Also für gehörlose Menschen wäre es dann eben so, sie müssten Englisch und Deutsch lesen können, weil halt dann manchmal eben die deutschen Untertitel in englische Untertitel wechseln.

Carsten Richtig, genau. Aber das ist sehr selten der Fall gewesen, dass ich sag es mal so 90 - 95 % war halt so, dass die Untertitel auf Deutsch waren und die restlichen 5 % oder so was, die waren halt umgedreht und da sind dann Englischkenntnisse schon von Vorteil. Ist nicht unbedingt zwingend notwendig, um den Gesamtkontext des Films zu verstehen. Aber diese kleine Lücke, die gibt es da noch.

Stefanie Ja, nur dass wir das halt einmal noch gesagt haben und solltest du gehörlos sein und hier das Transkript lesen, weißt du zumindest Bescheid.

Wo ich jetzt gerade übers Transkribieren spreche, kann ich vielleicht kurz noch mal so eine Klammer hier reinsetzen, bevor wir weiter mit dem Film oder der Filmbesprechung fortfahren. Und zum einen Aufruf starten: Ich möchte gerne dieses Jahr alle Podcastfolgen des Einfach Vegan Podcasts, des Von Herzen Vegan Podcasts und des Wir Konsumkinder Podcasts transkribieren. Es gibt tatsächlich schon Menschen, die dabei sind und mir helfen und es sind auch schon ein paar Podcastfolgen transkribiert. Den Milchgeschichten Podcast habe ich komplett transkribiert. Da haben auch zwei Menschen geholfen, die je eine Folge transkribiert haben. Den Rest hatte ich transkribiert und Korrektur gelesen.

Also tatsächlich ist das Transkribieren nicht das Problem, sondern das Korrekturlesen der Texte, weil das Transkribieren durch ein Programm übernommen wird, das aber das Audio nicht ganz fehlerfrei erkennt. Und da passieren halt dann merkwürdige Dinge. Also dass wir auf einmal von sehr merkwürdigen Dingen sprechen, von denen wir nie gesprochen haben. Und das müsste halt Korrektur gelesen werden und ich schaff das einfach nicht, diese ganzen Folgen allein Korrektur zu lesen.

Im Moment sind es noch ungefähr 385 Folgen, ungefähr, ich bin jetzt nicht ganz sicher, weil der letzte Stand war 396 Folgen und ungefähr zehn - elf könnten jetzt schon transkribiert worden sein. Also von daher 385 Folgen und dann kommt ja immer wieder hier beim Einfach Vegan Podcast was dazu, die noch transkribiert werden müssten, in unterschiedlicher Länge.

Und da möchte ich mich sehr, sehr herzlich bei ä'Odner bedanken, der gerade dabei ist, die ersten zehn Folgen des Von Herzen Vegan Podcast zu transkribieren und Korrektur zu lesen. Eine Folge davon hat Lea übernommen und die restlichen Folgen transkribiert und liest er gerade Korrektur - also ein ganz, ganz dickes Dankeschön dafür an ä'Odner!

Carsten Danke, danke.

Stefanie Das sind noch relativ kurze Folgen, das heißt, wenn du eher kurze Folgen Korrektur lesen möchtest, dann schau beim Von Herzen Vegan Podcast oder beim Wir Konsumkinder Podcast vorbei. Die beim Einfach Vegan Podcast sind halt oft lang. Aber es gibt auch da natürlich Folgen, wo wir nur eine halbe Stunde sprechen. Dafür sind halt die vom Von Herzen Vegan Podcast manchmal nur eine Viertelstunde lang. Also von daher ist es halt sehr sehr unterschiedlich. Also wenn du uns Zeit schenken möchtest, dann melde dich unter post [at] vonherzenvegan [punkt] de.

Es wäre super, denn wir müssten ja tatsächlich nur 385 Menschen finden, die je eine Folge Korrektur lesen. Und das sind weitaus weniger als die Hörer·innen dieses Podcasts. Also von daher, wenn du das Gefühl hast, du möchtest uns Zeit schenken, dann melde dich bitte. Es wäre super, wenn wir diesen Podcast und auch die anderen Podcasts inklusiver lassen werden könnten und somit dann auch zugänglicher für Menschen, die entweder keine Podcastfolgen hören wollen oder können. Also damit Klammer zu. Und dann kommen wir jetzt mal auf das Inhaltliche zu sprechen, was jetzt genau da porträtiert wird. Ich hatte gelesen, dass es um Schauplätze in Europa geht. Genau zwei.

Carsten Ja, porträtiert ist auch tatsächlich der richtige Begriff. Dafür ist es eine Dokumentation über zwei Orte, über zwei Bewegungen, über zwei sehr namhafte Aktionen des zivilen Ungehorsams, Zivilcourage wie auch immer. Und zwar einmal der sehr bekannte und präsente Ort Hambacher Forst, „Hambi“ und der zumindest vor dem Film noch relativ unbekannte Ort Pont Valley in England. Beide haben eine Parallele, und zwar geht es in beiden Fällen um Kohleabbau. Da werden Landschaften für den Kohletagebau geopfert, um Verstromung mit der Kohle durchzuführen. Und in diesem Film werden beide Protestbewegungen über einen Zeitraum von drei Jahren von Rich Felgate persönlich begleitet und porträtiert.

Und die Geschehnisse vor Ort von ungefähr da, wo sich wirklich dann die aktivistischen Aktionen formieren, wo Protestcamps aufgebaut werden, wo diese Proteststrukturen aufgebaut werden, bis zum Zeitpunkt der Räumung und dann auch im Nachgang. Was ist dann kurz danach passiert? Wie sind eigentlich diese Protestaktionen final dann vonstatten gegangen? Was ist da dann passiert? Das findet sich alles in dieser Dokumentation und das, was diese Dokumentation wirklich einmalig macht, ist diese Nähe. Es ist also nicht einfach irgendwie ein Reporter, der nebenher läuft und das ganze Geschehen mit Abstand irgendwie begleitet, sondern es ist tatsächlich von der Wirkungsweise und von der Machart sehr intim, sehr persönlich, sehr nah und erweckt auch durchaus den Eindruck, als ob Rich Felgate auch längere Zeit wirklich Teil dieser Gruppen war.

Das ist so extrem, also für mich war es ergreifend, das zu sehen und und das, wie gesagt, das macht diese Dokumentation so einmalig und und hat mich auch emotional sehr stark mitgenommen, bis hin zu diesen Passagen, wo eben diese Polizeigewalt nachher gezeigt wurde, weil auch das aus einem unglaublich nahen Abstand gezeigt wird, so als ob du wirklich persönlich davon betroffen bist oder die Personen, die da jetzt gerade angegriffen werden, irgendwie auch schon, würde ich sagen, gekannt hast. Aber du hast im Laufe der Zeit dann, im Laufe des Schauens Bezug zu diesen Personen, zu den Beweggründen aufgebaut und das lässt Dich dann überhaupt nicht mehr kalt, was dann da gezeigt wird.

Ich kann ja mal ein bisschen im Detail wiedergeben, was passiert oder was gezeigt wurde. Also gerade Pont Valley war für mich und für die meisten im Kino auch neu. Also die Organisatorinnen haben im Vorfeld mal gefragt, wem der Begriff Pont Valley denn was sagt. Da hat eigentlich keine·r aufgezeigt. Der Hambacher Forst war eigentlich allen ein Begriff. Im Nachgang hatte sich das natürlich geändert. Dann wusste ja jeder, was da direkt in Pont Valley vonstatten ging und wo auch die Parallelen zum Hambacher Forst zu finden sind.

Pont Valley ist eine sehr kleine Ortschaft, ein Dorf, vielleicht nur eine Ansammlung von Wohnhäusern in England. Sehr, sehr idyllisch gelegen und wurde damit konfrontiert, dass ein Bergbauunternehmen, die Banks Group Kohletagebau dort aufbauen durchführen wollte. Also wirklich die Landschaft mit Kohlebaggern dann vernichten wollte. Und der Widerstand dieses Örtchens, der zog sich über 30 Jahre hinweg bis zu dem Zeitpunkt, wo wirklich das Unternehmen der Banks Group angefangen hat, tatsächlich diesen Kohlebau aufbauen zu wollen. Und zu dem Zeitpunkt haben sich dann die Anwohner·innen entschieden, wirklich in einen aktiven Protest reinzugehen. Vorher haben sie versucht, über demokratische Wege, über Anhörungen, Gerichtsverfahren etc. diesen ganzen Prozess zu stoppen, hinauszuzögern, sind eigentlich nie wirklich erfolgreich gewesen, haben das Ganze nur verzögern können, aber nie stoppen können. Und als dann klar wurde, es geht jetzt wirklich in die harte Konfrontation, haben die ein Protestcamp auf dem Gelände aufgebaut. Das Gelände war ein sehr natürlich wirkendes Areal. Ich weiß nicht, ob es schon ein Naturschutzgebiet war, aber da stand auch im Raum, dass genau auf diesem Gelände mindestens eine geschützte Tierart, ein Kammmolch, leben sollte. Und die Banks Group hatte damals einen unabhängigen Gutachter auf das Gelände geschickt. Und der hat gesagt: Nee, ich kann hier keinen finden, da gibt es keinen. Also von daher gar kein Grund, hier nicht zu baggern, sondern ihr könnt jetzt weitermachen.

Bis zum Zeitpunkt, wo wirklich die Aktionen stattfanden, gab es auch das Problem, dass dieser Kammmolch nicht nachgewiesen werden konnte. Dieser Kammmolchs hat einen Teil dieser Dokumentation begleitet, weil immer wieder versucht wurde, auf diesem Areal diesen Kammmolch ausfindig zu machen. Das heißt also, die Anwohnerinnen, die dort in diesem Protestcamp aktiv waren, haben immer versucht, genau diesen Beweis anzutreten und haben es letztendlich auch geschafft. So viel sei verraten: Der Kammmolch wurde gefunden, er wurde identifiziert. Aber es hat niemanden gestört. Also, das war zu einem Zeitpunkt, wo tatsächlich dann das Unternehmen vor Ort war, wo die Behörden vor Ort waren, wo die Polizei schon eingeschritten ist und auch schon sehr massiv gegen die die Aktivistin vorgegangen ist. Und das hat zu dem Zeitpunkt keinen mehr interessiert, dass da jetzt eigentlich genau diese schützenswerte Tierart gefunden wurde. Das wurde beiseite gewischt und dann wird halt tatsächlich gebaggert.

Pont Valley hatte zu diesem Zeitpunkt auch Unterstützung vom Hambacher Forst bekommen. Das heißt, in Pont Valley waren zum Anfang Personen, die einfach gesagt haben, wir müssen jetzt in Aktion treten, wir haben aber gar keine Erfahrung, wir bauen einfach mal was auf. Ein richtig kleines Protestcamp, jetzt nicht so wie im Hambacher Forst, wo man Baumhäuser oder so was verortet. Das waren Zelte, kleine Hütten und so direkt am Straßenrand. Und die haben dadurch auch Aufmerksamkeit in der Region bekommen, weil das ganze an einer viel befahrenen Straße stattfand. Die haben sehr viel Unterstützung erfahren und dadurch dann ja auch den Anschluss zu anderen aktivistischen Gruppen bekommen, so dass auch teilweise - ich weiß nicht ob mehrmals -, aber in der Dokumentation wurde zumindest gezeigt, dass Aktivistis aus dem Hambacher Forst in Point Valley waren und dort quasi Wissensvermittlung gemacht haben. Wie baue ich ein Protestcamp auf? Leute wurden im Zivilen Ungehorsam geschult. Was müssen sie beachten? Worauf müssen sie eventuell vorbereitet sein? Bis hin zu Fragen: Was passiert, wenn jetzt wirklich nachher das Protestcamp geräumt wird? Wie gehe ich damit um? Wie kann ich mich anketten, damit ich die Räumung noch hinauszögern kann und so?

Also das sind alles so Sachen, die wurden dann auch strategisch quasi von den Aktivistis des Hambacher Forstes dann in dieser Pont Valley Aktivistengruppe gebracht. Und das war so ein wirklich bewegender Austausch, der da auch sehr, wie ich gerade schon sagte, sehr intim auch von von dem Produzenten begleitet wurde. Parallel dazu gab es dann immer wieder den Überschlag oder die Szenen aus dem Hambacher Forst, wo eben Ähnliches gezeigt wurde. Wie werden da die entsprechenden Strukturen aufgebaut? Die Baumhäuser? Und das war etwas, wo ich gedacht habe: Boah, wie geil ist das denn?

Ähm, ich habe das vorher nie so wirklich gesehen oder wahrgenommen. Ich habe immer nur gehört oder in den Medien mitbekommen: Okay, im Hambacher Forst, da sitzen halt ein paar Leute in ihren Baumhäusern. Hab vielleicht auch ein paar Fotos gesehen, aber jetzt so in der Dokumentation so ein Baumhaus zu sehen, wo die dann mit Spülbecken und Ofen und so lebten. Also fast wie ein Ferienhaus; wo sie teilweise wirklich Strukturen geschaffen haben, in denen die ja auch über Jahre hinweg leben mussten… das war unglaublich beeindruckend. Es war also nicht irgendwelche provisorischen Zelte mal im Wald. Sondern das waren wirklich Wohnstrukturen, die über einen längeren Zeitraum auch Bestand hätten haben können, wenn sie denn nicht letztendlich geräumt worden wären.

Es war extrem beeindruckend, wie viel Arbeit, Engagement, Struktur etc. in dieses Protestcamp eingebracht wurde. Und wie gesagt, das gab es parallel in diesem Film für beide Orte, immer so abschnittweise gezeigt. Was passiert jetzt so auf der Zeitschiene in Pont Valley, was passiert im Hambacher Forst, wie spitzen sich die Situation zu? Und dadurch sind dann auch diese Parallelen gezeigt worden. Wie geht jetzt auf einmal, ich nenn es jetzt mal der Staat, oder diese ganz massive Polizeistruktur in Pont Valley vor und was passiert im Hambacher Forst? Und dass sich das fast geglichen hat, als ob die Akteure auf beiden Seiten sich abgesprochen haben, wie sie vorgehen. Von Einschüchterungen bis hin zum Räumen der Protestcamps. Das war fast eins zu eins das Gleiche und das sehe ich jetzt zumindest so bei Lützerath genauso.

Es ist schon erschreckend, wie vorhersehbar die Reaktion der Repression ist, worauf man sich einstellen muss und dass das auch Psychoterror ist, der teilweise über lange Zeit hinweg immer wieder taktisch oder strategisch geplant ist. Von der Gegenseite, so nenne ich es jetzt mal, wo die die Aktivistis erst mal kriminalisiert werden, wo immer wieder vorgegeben wird: Hey, das sind ja Leute, die wollen irgendwas zerstören, die haben da Waffen, die sind kriminell. Und dann werden Durchsuchungen durchgeführt. Dann werden deren persönlichen Sachen durchwühlt, es werden Sachen beschlagnahmt, die eventuell gefährlich sein könnten.

Das betraf den Hambacher Forst. Da gab es so eine Szene, wo Hundertschaften an Polizist·Innen da aufgefahren sind. Das war skurril. Du bist mitten im Wald und dann fahren da gefühlt hunderte Mannschaftswagen mit Blaulicht und Sirene ein. Als ob der Größte Anzunehmende Unfall passiert ist. Fahren in den Wald, wo eigentlich nichts ist. Und dann stehen die da vor diesem Camp und alleine diese, diese riesige Menge an schwer vermummten und gepanzerten Polizisten mit ihren Schlagstöcken und Abwehr-Schutzschilden und Helmen..., das wirkt einfach total einschüchternd. Und dann hast du ein Behördensprecher, der sagt: Wir müssen hier das Camp räumen, weil wir festgestellt haben, dass bestimmte Verordnungen nicht erfüllt werden. Und dann ging es da um Brandschutzverordnung. Und... ohne Witz! Also, dass hat für Gelächter im Kinosaal gesorgt. Einer der wirklich offiziell vorgebrachten Gründe war, dass in den Baumhäusern kein Notausgang für den Brandfall aufgebaut wurde!

Stefanie Ja.

Carsten Also ehrlich, du glaubst, du stehst im Wald? Also im Ernst, Du stehst im Wald und wirfst Leuten, die ein Baumhaus aus Holz (!) gebaut haben vor, sie hätten den Brandfall nicht bedacht, weil der Notausgang in einem Baumhaus nicht gebaut wurde! Und dann hatten sie gezeigt, dass eine von diesen Aktivist·innen noch relativ schnell und flink reagierte und gesagt hat: Ich habe keine Angst vor Feuer, ich habe den Feuerlöscher.! Also wenn es brennt, dann lösche ich das Feuer. Da brauche ich jetzt nicht noch irgendwie eine Tür ins Baumhaus bauen.

Das sind so Sachen, wo du dann als Zuschauer einfach merkst, mit was für Argumenten und auch konstruierten Vorgängen oder Gründen versucht wird Psychoterror zu treiben.

Stefanie Woran ich gerade denken musste beim Thema Psychoterror, dass sich das sich solche Situationen dann auch so lange hinziehen. Ist halt immer wieder dieser Hinweis, dass es eben auch super wichtig ist für alle Aktivist·innen, gut für sich selbst zu sorgen. Denn wir brennen so schnell aus. Und ich meine, ich habe den Film ja jetzt nicht gesehen, aber ich weiß ja auch, wie es ist, Aktivist·in zu sein, gerade wenn du so an der Front stehst. Das ist ja noch mal eine ganz andere Belastung, solche Art von Aktivismus zu betreiben, als wenn du halt einen Infostand in der Stadt betreust. Oder generell einfach auf die Straße zur Demo gehst. Also gerade da und generell, wenn du langfristig aktiv bleiben möchtest, ist es halt super wichtig, auch die eigene Gesundheit und vor allem auch die psychische Gesundheit immer im Blick zu behalten.

Carsten Genau und auch für die Personen, die eher unterstützend wirken. Es ist einfach wichtig zu wissen, dass diese Unterstützung notwendig ist. Also sei es jetzt durch Bekundungen - keine Ahnung – z.B. hier in Hamburg zu demonstrieren und dann damit einfach Solidarität zu zeigen. Das ist unglaublich wichtig, allein schon vom mentalen Faktor her, dass die Personen, die sich da in dieses Umfeld begeben und auch diese Konfrontation erleben, einfach wissen: „Hey, ich bin nicht alleine, egal was hier gerade um mich herum passiert, egal was, was gegen mich gerade gerichtet ist, es gibt Menschen, die stehen hinter mir, die unterstützen mich.“ Und das ist auch in der Hinsicht wichtig, weil,so habe ich es zumindest beim Sehen der Dokumentation empfunden, es gab ganz, ganz viele Momente der Hilflosigkeit, wo du auch in den Gesichtern der Betroffenen gemerkt hast, die wissen jetzt gar nicht mehr, wie es weitergeht. Die sind am Boden zerstört. Die fühlen sich maximal hilflos, maximal der Gewalt der anderen Seite ausgeliefert. Da ist nur noch Hoffnungslosigkeit und gar keinen Ansatzpunkt mehr, irgendwie da aus dieser Situation rauszukommen. Und das ist tatsächlich etwas, das habe ich allein schon beim Anschauen schwer ertragen können.

Und ich glaube, wenn du in dieser Situation bist, und du stehst dann ja auch tatsächlich der Polizei gegenüber, Hundertschaften, wirklich massiv drängende Formationen, die dich teilweise des Platzes verweisen, wenn du denen zu unbequem bist. Und du bist auch gefühlt einer Willkür ausgeliefert. Das musst du aushalten. Und da ist Solidarität; einfach zu wissen, es gibt Menschen, die stehen trotzdem hinter dir. Die finden das gut. Die supporten dich. Das ist unglaublich wichtig. Das ist tatsächlich etwas, was für mich in diesem Film auch sehr stark in den Vordergrund getreten ist. Einfach zu zeigen, was macht das Ganze auf der persönlichen Ebene mit den Menschen, die sich bereit erklären, diese Protestformen auch über Jahre hinweg durchzuziehen?

Stefanie Ja, jetzt gerade dachte ich, dass das ja zum einen auch was für die Psychologists for Future ist, also alle Menschen, die sich da angeschlossen haben, die irgendwie auf psychologischem Terrain unterwegs sind, dass wir so einen äußeren Ring quasi um die Menschen bilden. Also so einen Schutzring für die, die an der Front aktiv sind. Ich nenne es jetzt mal so: Front. Und dass das ja auch etwas sein kann, das für dich vielleicht geeignet ist, um aktiv zu werden oder zu sein. Denn wenn du wie

Carsten und ich halt nicht an der Front tätig sein kannst, aus bestimmten Gründen, welchen auch immer, gibt es immer noch die Möglichkeit, diese Menschen zu unterstützen, auf verschiedene Art und Weise. Und vielleicht ist das ja noch eine Idee, eben wenn du das Gefühl hast, ich will aber eigentlich an der Front aktiv sein. Es geht aber leider aus gewissen Gründen nicht, dass du in diesem helfenden Ring, in diesem Schutzring quasi auf irgendeine Art und Weise aktiv bist. Das wollte ich nur nochmal einmal einbringen, weil ich denke, dass ja viele Hörer·innen das Gefühl haben, ich möchte aktiv werden und ich muss aktiv werden, aber nicht genau wissen wie. Und das wäre eben eine Möglichkeit.

Carsten Genau. Und woran ich jetzt gerade nochmal denke, ist, dass diese beiden Beispiele (Pont Valley und Hambacher Forst), die in dem Film viel zu sehen sind, ja tatsächlich einen positiven Ausgang hatten. Auch wenn du im Rahmen dessen, was da gezeigt wurde, zwischendurch einfach wirklich gedacht hast,jetzt ist alles verloren. Weil in Porn Valley tatsächlich dann das Baggern stattfand. Das Unternehmen Banks Group hat ja allen Gesetzen zum Trotz nach Kohle gebaggert. Also es gab verschiedene Auflagen, die sie einfach bewusst und nachweisbar nicht erfüllt haben. Das hatte aber nachher keinen Bestand. Die haben dann tatsächlich ihren Tagebau aufbauen können und haben, glaube ich, wenn ich das richtig mitbekommen habe, über zwei Jahre hinweg dann dort Kohle baggern dürfen. Im Nachgang wurde das Ganze dann rechtlich gekippt, so dass sie dann diese Aktivität wieder einstellen mussten.

Aber es gab da eine Szene, wo eine Aktivistin, die auch in diesem Protestcamp gelebt hatte, dann in ihrem Arbeitszimmer saß. Ich glaube, das war das Arbeitszimmer, also zumindest in ihrem Haus und hatte quasi so in 300 oder 400 Meter vom Haus entfernt diese Kohlegrube. Und musste tatsächlich tagtäglich zusehen, wie diese Bagger all das zerstörten, wofür sie über 30 Jahre lang gekämpft hat. Und in dieser Situation denkst du, es ist alles verloren. Jetzt haben sie den Kampf verloren. Weil auch die Person dann sagte: Hey, ich kämpfe hier seit Jahrzehnten, ich setzte mich da ein, ich kann nicht mehr. Ich überlege wirklich, hier wegzuziehen, weil ich das nicht ertrage, aus dem Fenster zu gucken und sehe was, was die da machen.

Und es war dann auch so eine Art Mondlandschaft. Also vergleichbar mit dem Braunkohletagebau Garzweiler und beim Hambacher Forst. Dieses größte Loch in Europa, was da gebaggert wurde. Das ist da sogar noch mal eine ganz andere Dimension als in Pont Valley. Aber dieses kahle, dieses nicht mehr Vorhandensein jeglicher natürlichen Strukturen, das war da in Pont Valley eben auch vorhanden. Und das war ein Moment, wo die Hoffnung erst mal wirklich stirbt.

Dann haben die Aktivistis in Pont Valley aber noch später Recht bekommen, dass dieser Tagebau dort nicht stattfinden darf und jetzt quasi wieder renaturiert wird. Das ist dann wieder so ein Gefühl des Hoffens. Das war super! Es hat sich doch gelohnt; diese ganzen Anstrengungen. Jetzt hat das Ganze doch noch mal ein gutes Ende. Und das ist ja beim Hambacher Forst genauso.

Im Hambacher Forst bist du ja auch emotional wirklich durch alle Tiefen gegangen, bis hin zum Umstand, dass beim Räumen ein Journalist, der auf einer Hochseilbrücke das ganze Geschehen filmen wollte, dann während der Räumungsarbeiten von dieser Brücke gestürzt ist und seinen Tod fand. Dass wird auch thematisiert und ich meine auch gesehen zu haben, dass genau zu dem Zeitpunkt eben der Produzent dieser Dokumentation vor Ort war. Er hat nicht das Geschehen an sich gefilmt, aber sehr zeitnah den Zeitpunkt, bis es stattgefunden hat. Und dann in der nächsten Szene halt diese unglaubliche, nicht zu fassende Beklommenheit. Dieses „alles steht still“. Sämtliche Aktivist·Innen und Protestant·Innen können einfach nicht fassen, was da gerade passiert ist. Es ist absolut still im Wald, keiner weiß, was jetzt gerade angebracht oder wie mit dieser Situation umzugehen ist.

Und im Nachgang, ohne dass die betroffenen Personen die Möglichkeit haben, jetzt für sich mal einen Moment der Ruhe zu finden, findet dann die Räumung weiter statt!!? Ich weiß nicht, wie lange die Polizei da jetzt gewartet hat, aber du hast eigentlich überhaupt gar keine Möglichkeit, wirklich in die Trauer reinzugehen, zu verdauen, zu verarbeiten, dass da jetzt gerade ein Mensch gestorben ist. Stattdessen business as usual. Das Camp wird geräumt. Und das sind so Momente, wo du denkst: Boah jetzt, auch da an der Stelle ist alles verloren.

Dass dann aber anschließend genau dieser Teil des Hambacher Forstes, der dann da von den Aktivist·Innen ja so vehement verteidigt wurde, jetzt auch Bestand haben darf, ist natürlich dann rückwirkend betrachtet ein riesiger Erfolg. Aber wie gesagt, die Opfer, die erbracht wurden, die sind so, so massiv. Und ja, wie gesagt, das ist dadurch, dass es in dieser Dokumentation so intim, so nahe gezeigt wurde, extremst bewegend.

Stefanie Für alle, die jetzt sagen, ich möchte diesen Film unbedingt sehen, nach dem, was Carsten so erzählt hat, kann ich im Moment nur auf die Webseite vom Film verweisen. Da habe ich noch mal nachgeschaut. Im Moment gibt es keine aktuellen Termine, wo der Film gezeigt wird. Wohl aber eben die Möglichkeit, dass du dorthin schreiben kannst, um zu fragen, ob in einem Kino in deiner Nähe dieser Film gezeigt werden kann; du vielleicht auch mit so einem kleinen Kino Kontakt aufnimmst und fragst, ob dieser Film dort dann an einem bestimmten Termin gezeigt wird.

Also das wäre jetzt im Moment so die Möglichkeit oder eben sonst diese Webseite im Auge behalten, um immer mal zu gucken, ob der Film bei dir in der Nähe gezeigt wird. Aber wahrscheinlich musst du da momentan tatsächlich selbst aktiv werden. Es bleibt momentan tatsächlich nur der Trailer. Und damit beenden wir diese Folge jetzt auch. Und ich würde sagen, in diesem Sinne…

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 277 - Lasst uns die Welt auf den Kopf stellen!

Ein Beitrag

Folge 277 - Lasst uns die Welt auf den Kopf stellen!

In dieser Folge stellen wir das neue Buch des I.L.A. Kollektivs "Die Welt auf den Kopf stellen - Strategien für radikale Transformation" vor.

Der Titel eignet sich auch sehr gut als Jahresmotto, denn nichts anderes sollte unser Ziel sein, um ein gutes Leben für alle zu schaffen.

Wir verschenken unser Exemplar des Buchs, das wir im Rahmen der Crowdfundingkampagne für das Buch erhalten haben. Du kannst es aber auch kostenlos als PDF auf der Webseite des I.L.A. Kollektivs herunterladen.

Das Buch ist voller inspirierender Übungen und richtet sich vor allem an politisch aktive Gruppen, die sich weiterentwickeln oder ihre innere Gruppendynamik stabilisieren wollen.

Links zur Folge

I.L.A. Kollektiv
http://ilakollektiv.org/

Buch "Die Welt auf den Kopf stellen" (gibts hier auch als kostenloses Ebook zum Download)
http://ilakollektiv.org/trafo/

Buch "Wenn nicht wir, wer dann?" von Philipp Ruch
https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Wenn-nicht-wir-wer-dann/Philipp-Ruch/Ludwig/e481916.rhd

Folge 162: Du lebst auf Kosten anderer!
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-162-du-lebst-auf-kosten-anderer

Meine Arbeit unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript der Folge

Stefanie Herzlich willkommen zur ersten Folge im Jahr 2023.

Carsten Frohes neues Jahr.

Stefanie Frohes neues Jahr. Eine Betonungssache.

Carsten So richtig gebraucht ist es ja noch nicht. Also, es ist noch neu.

Stefanie Ach so.. Okay, Verstehe. Ja. Frohes neues Jahr.

Carsten Ich hoffe, ihr seid gut in das neue Jahr reingekommen. Auch sehr gut. Aus dem alten Jahr rausgekommen, dass der Transfer, die Transformation sehr gut geklappt hat.

Stefanie Das betont

Carsten jetzt gerade so, weil es in dem Buch, das wir heute vorstellen und auch verlosen wollen, um Transformation geht. Aber bevor wir da jetzt darauf zu sprechen kommen, auf dieses Buch, das wir eigentlich auch schon letztes Jahr vorstellen wollten. Aber wie gesagt, wir sind halt krank geworden und

Carsten ist mittlerweile wieder fit.

Carsten Joah, ich bin wieder gesund.

Stefanie Einigermaßen. Aber du hast auch immer noch Probleme, richtig Sport treiben oder so, kannst du noch nicht.

Carsten Nee, da kommt auch Husten hinzu. Also irgendwie, die Lunge scheint noch so ein bisschen belastet und belegt zu sein.

Stefanie Das ist schon hartnäckig. Und bei mir ist es auch noch so, bei mir ist es irgendwie noch hartnäckiger. Ich bin immer noch nicht ganz fit.

Carsten Kommt aber auch noch.

Stefanie Wir hoffen, also toi, toi, toi, hoffen wir, dass auch ich irgendwann wieder gesund werde. Nichtsdestotrotz fühle ich mich momentan gut genug, dass wir jetzt endlich die Rezension von diesem Buch aufnehmen können. Und sage doch mal kurz, um welches Buch es sich handelt.

Carsten Also es hat einen schönen Titel, der eigentlich auch so als das Motto des Jahres gelten kann "Die Welt auf den Kopf stellen" Genau. Und der Untertitel nennt sich "Strategien für radikale Transformation". Und das Ganze ist produziert worden vom I.L.A. Kollektiv.

Stefanie Und es steht da auch noch, dass das ein Handbuch für Menschen in sozialen Bewegungen ist. Und wir gehen da gleich noch genauer drauf ein. Dieses Buch hatten wir auch übers Crowdfunding unterstützt und es ist wieder vom Ökomverlag. Also wir haben da tatsächlich Geld für bezahlt, es ist kein Rezensionsexemplar. Und du kannst das Buch haben, ohne irgendwelche Bedingungen. Schreib einfach eine Email an post [at] vonherzenvegan [punkt] de wenn du dieses Buch haben möchtest. Ah ja, es gibt jetzt kein Datum, bis wann du schreiben solltest oder so. Also die erste Person, die mir schreibt, bekommt das Buch. Das heißt, du kannst gerne schreiben, denn das Buch, was wir beim letzten Mal zum Verschenken angeboten haben - "Wenn nicht wir, wer dann?" von Philipp Ruch - das ist auch immer noch nicht vergeben, da hat sich niemand gemeldet. Also vielleicht ist es auch zu akademisch. Ich weiß es nicht, keine Ahnung. Aber jedenfalls wenn du das Gefühl hast, du möchtest dieses Buch haben, dann schreib einfach eine Email oder kontaktiere mich auf einem anderen Weg, wenn du andere Wege kennst, wie du mich kontaktieren möchtest. Sollte das Buch dann schon vergeben sein, dann sag ich dir natürlich Bescheid und wir sagen dann auch in der nächsten Podcastfolge Bescheid, wenn das Buch vergeben ist, so dass du es dann da auf jeden Fall hörst. Wenn du jetzt die Folge viel später hörst, kannst du in die nächste Folge reinhören. Und da werden wir dann am Anfang direkt sagen, ob das Buch vergeben ist oder nicht. Und bevor wir jetzt mit der Buchrezension starten und du auch erfährst, ob das Buch überhaupt irgendwie was für dich ist, also ob du dich dafür interessieren wirst oder nicht, da möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei all den Menschen bedanken, die meine Arbeit und mich und auch

Carsten finanziell unterstützen. Da ist gerade ganz frisch eine Zahlung von Thorsten reingekommen, die jetzt gerade super passend war. Also herzlichen Dank dafür. Und Annette, die ein Buch gewonnen hatte bei der Adventsaktion, hat auch Geld überwiesen, was ja natürlich nicht so beabsichtigt war. Das sollte ja ein Geschenk sein, aber sie hat ihren Dank eben auf diese Art und Weise ausgedrückt. Und da möchten wir uns auch noch mal ganz herzlich für bedanken.

Carsten Genau, vielen Dank!

Stefanie Und dann natürlich auch ein herzliches Dankeschön an all die Menschen, die mich regelmäßig unterstützen über Steady und über Überweisungen. Allerdings ist es im Moment noch so, dass, nachdem ich ja den Steady Account gewechselt hatte, jetzt nur noch die Hälfte von den Menschen, die vorher unterstützt haben, da weiter unterstützen. Und es fehlt jetzt einfach immer noch Geld um die monatlichen Kosten zu decken, denn es geht wirklich nur um die monatlichen Ausgaben für das Hosting und die Kontoführungsgebühren, die ich habe, um das alles als ordentliches Gewerbe gegenüber dem Finanzamt geltend zu machen. Da gibt es halt bestimmte Auflagen, die ich erfüllen muss und damit sind entsprechende Kosten verbunden. Und da fehlen jetzt noch einige Euros im Monat. Also wenn du das Gefühl hast, du möchtest diesen Podcast und auch alle andere Arbeit, die ich kostenlos zur Verfügung stelle, gerne finanziell honorieren und unterstützen, dann schau doch gerne mal auf der Steady Seite vorbei oder generell auf der unterstützen Seite. Ich habe sowohl auf der vonherzenvegan.de Seite als auch auf der stefanie-rueckert.de Seite eine "Unterstützen Seite", wo du gucken kannst, wie du mich finanziell unterstützen kannst, wenn du sagst Steady, das ist nichts für mich, ich möchte lieber einmal was zahlen oder so, dann kannst du da natürlich auch gucken. Du kannst dann entweder direkt auf das Bankkonto überweisen, dann entstehen für mich keine Gebühren oder du machst das über PayPal, dann entstehen Gebühren. Das ist aber dir überlassen, wie du das dann am liebsten handhaben möchtest. Für mich als Sicherung ist Steady tatsächlich sehr gut, weil jetzt zum Beispiel alle, die bisher über Steady Geld bezahlt haben, das als Jahresbeitrag machen. Und das heißt, ich weiß, für ein Jahr habe ich monatlich diesen Betrag zur Verfügung und damit ist der Betrag halt schon mal abgesichert. Und das heißt, wenn du da jetzt das Gefühl hast, okay, dann mache ich jetzt einmal so ein Jahrespaket, Du kannst ja danach direkt kündigen, das heißt, du zahlst einmal diesen Betrag und danach wird das nicht automatisch verlängert, sondern du kannst einfach kündigen und damit ist es für dich halt gegessen, sozusagen, wäre das für mich eine große Hilfe. Also schau da gerne mal vorbei. Die Links findest du hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und weil mir jetzt langsam hier irgendwie die Luft ausgeht, ich meine, ich kann nicht so gut atmen, übergebe ich jetzt an

Carsten , der jetzt das Buch vorstellen wird. Du hast es ja vorhin gesagt I.L.A. Kollektiv und vielleicht erklärst du noch mal kurz, was das ist.

Carsten Ja, genau. Also falls du schon längere Zeit unseren Podcast hörst, wird dir der Begriff I.L.A. Kollektiv vielleicht schon bekannt sein. Wir haben das ein oder andere Thema oder Buch von denen auch schon besprochen. Nichtsdestotrotz würde ich ganz gerne noch mal kurz deren Selbstbeschreibung vorlesen, die auf der Rückseite des Buches aufgedruckt ist. Und zwar steht dort: "Im I.L.A. Kollektiv organisieren sich junge Wissenschaftler·innen und Aktivist·innen, die sich mit den Problemen der imperialen Lebensweise und Möglichkeiten solidarischer Alternativen auseinandersetzen. Unter dem Kürzel I.L.A. entwickeln und erproben sie Transformationsstrategien für einen sozial ökologischen Wandel und verknüpfen wissenschaftliche Analysen mit politischer Praxis. Das I.L.A. Kollektiv führt Bildungs- und Forschungsprojekte durch und ist politisch und öffentlichkeitswirksam aktiv. Und das gemeinsame Ziel ist ein gutes Leben für alle." Dementsprechend deckt sich das natürlich mit dem, was

Stefanie und ich eigentlich vorhaben, auch mit diesem Podcast ein bisschen präsenter zu halten, also das gute Leben für alle anzustreben. Und das I.L.A. Kollektiv ist mir schon seit längerer Zeit bekannt, auch dadurch, dass sie schon vorher Publikationen veröffentlicht haben. Da ist zum Beispiel das, was ich als allererstes mitbekommen habe, das Buch "Auf Kosten anderer - wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert."

Stefanie Und das haben wir auch schon rezensiert. Genau da gibt es auch eine Podcastfolge zu, die verlinke ich dann auch hier unter der Folge.

Carsten Und dann gab es noch ein anderes Buch "Das gute Leben für alle Wege in die solidarische Lebensweise." Das sind so Sachen, die sind beide total empfehlenswert für Personen, für Menschen, die sich damit auseinandersetzen wollen, wie ein solidarisches Lebensmodell aussehen kann. Und dementsprechend verfolge ich persönlich das, was das I.L.A. Kollektiv macht schon seit längerer Zeit und hab mich auch total gefreut damals, als ich mitbekommen habe, dass dieses neue Buch "Die Welt auf den Kopf stellen" geplant war und mit dem Crowdfunding Unterstützung gesucht hat. Das war so auch schon vom Titel her etwas, wo ich gesagt habe cool, "Die Welt auf den Kopf stellen", das ist ja so richtig schön und dementsprechend kannst du dich mit dem Kollektiv inhaltlich auch gerne noch mal ein bisschen tiefer auseinandersetzen. Wir verlinken unter der Folge und in den Shownotes auch noch mal deren Internetseite. Da gibt es auch einen Newsletter, wo übergeordnete Themen noch mal präsent gehalten werden, die in dem Bereich Transformation, gesellschaftliche Veränderung und gutes Leben für alle reinpassen. Also von daher auf jeder Ebene sehr empfehlenswert.

Stefanie Und vielleicht können wir jetzt noch mal sagen, für wen das Buch denn gedacht ist. Ich hatte das Buch jetzt noch nicht komplett durchgelesen. Es ist auch gar nicht so ein richtiges Buch, was man von Anfang bis Ende durchliest mit einer Geschichte da drin, sondern eigentlich ist es was ganz anderes, oder?

Carsten Ja, es ist tatsächlich ein Handbuch bzw. ich würde es als Arbeitsbuch beschreiben, gleichzeitig aber eine riesige Informationsquelle. Und es mutet gar nicht so an. Also es ist DIN A4 Format und relativ schlank. Es sind zwar immer noch so 126 Seiten, ich gucke gerade mal die Seitenzahl an, aber es ist halt so, so daumendick.

Stefanie Kommt auf den Daumen an..

Carsten Ich habe dünne Daumen. Für den Informationsgehalt ist es tatsächlich überraschend kompakt und es ist aber ein Arbeitsbuch für soziale Bewegungen. Und um das ein bisschen weiter auszukleiden, hatte ich gedacht, ist es sinnvoll, das tatsächlich mit dem noch mal abzurunden, was sie selber hier schreiben. Denn gerade am Anfang des Buches ist ein kleiner Absatz drin wofür und für wen dieses Handbuch eigentlich ist. Und das möchte ich ganz kurz einmal vorlesen: "Schon unzählige Menschen haben sich kluge Gedanken zum Thema Transformation gemacht. Leider verstauben viele dieser Ideen und Erkenntnisse in wissenschaftlichen Studien und Sammelbänden. Gleichzeitig haben soziale Bewegungen wertvolle Erfahrung gesammelt und einzelne Kämpfe für gesellschaftliche Veränderung gewonnen. Und manchmal bleibt wenig Zeit für den Blick aufs große Ganze. Wir wollen in diesem Handbuch beides zusammenbringen in einer Form, die für linken Bewegungsalltag brauchbar ist. Daher ist dieses Handbuch in erster Linie für Aktivist·innen im breiteren sozial ökologischen Bewegungsspektrum gedacht." Und dieses Arbeitshandbuch geht auf unterschiedlichste Facetten und Aspekte ein, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, die im Rahmen von sozialen Bewegungen wichtig sind, und ermuntert eigentlich diese Aspekte auch in den einzelnen Gruppen, in den sozialen Bewegungen, da, wo du vielleicht auch schon aktiv bist, mit einzubinden. Und anhand der hier beschriebenen, nicht nur Informationen, sondern da sind auch Übungen mit drin. Ja.

Stefanie Da muss ich eben kurz reingrätschen. Also ich hatte bei meinem Blick in das Buch und Durchblättern eigentlich das Gefühl, dass es fast nur aus Übungen besteht, also dass da sehr viele Übungen sind und dass sich diese Übungen an Gruppen richten und eben nicht an Einzelpersonen.

Carsten Richtig, genau. Als Einzelpersonen selber ist es höchstens insofern sinnvoll, dass du dann diese Informationen in deine Gruppe, sofern du denn jetzt schon aktiv bist, miteinbringst. Aber unabhängig davon ist es aber, ich sag jetzt mal, so von den Themen, die hier zusammengeführt werden, per se schon mal spannend. Selbst für Personen, die jetzt nicht in sozialen Bewegungen aktiv sind, sich aber trotzdem mit dem Thema generell auseinandersetzen wollen, habe ich hier sehr viel zusätzliche Informationen gefunden, die ich vorher auch gar nicht kannte, die mich persönlich jetzt auch weitergebracht haben und auch viele, viele Quellenverweise, also Bücher, Internetlinks etc., wo jedes einzelne Thema noch mal sehr stark vertieft wird. Das ist natürlich für mich, der per se ein neugieriger Mensch ist und gerne liest, noch mal eine wahre Fundgrube, weil auf diese Themen wäre ich so ohne dieses Buch gar nicht aufmerksam geworden. Und das ist so ein riesiges Paket, also sowohl für Personen, die jetzt in sozialen Bewegungen sind und sich überlegen wollen, wie bringe ich jetzt eigentlich in meinen sozialen Bewegungen nochmal die Transformation immer ein Stück weiter nach vorne? Worauf musste ich vielleicht achten? Also hier geht es ja auch um das Lernen, zu gucken, was haben andere soziale Bewegungen schon erreicht, wo sind sie vielleicht irgendwo gegen Wände gelaufen, gegen Widerstände gelaufen? Wie sind sie damit umgegangen? Wie kann man da erfolgreich dann doch nochmal einen Schritt weitergehen? Das ist tatsächlich hier mit diesen Übungen beabsichtigt und gleichzeitig eben das Ganze informationsmäßig noch zu unterfüttern, um da auch nochmal vom Wissensstand her viel an Zusatzwissen mit reinzubringen. Wie gesagt, ein super Paket, dieses Buch.

Stefanie Aber ich würde sagen, das meiste holst du aus diesem Buch raus, wenn du schon einer Gruppe angehörst oder eine Gruppe gründen möchtest und diese Übungen und Inhalte für die Gruppe nutzt oder?

Carsten Genau, genau dann hast du wirklich so das Maximum daraus gezogen. Aber nichtsdestotrotz, wie gesagt, ich ziehe mich immer zurück als Einzelperson, weil da würde ich mich persönlich jetzt im Moment noch zu zählen. Aber auch ich habe da sehr viel rausgezogen und alleine schon so dieses, da kommt ja kaum eine Gruppe an Menschen heran, die einfach sagt Hey, wir brauchen radikale Transformation. Und wie schaffe ich das eigentlich jetzt tatsächlich so, diese Welt auf den Kopf zu stellen, diesen Gedankden einfach weiterzuspinnen. Wie, Wie komme ich eigentlich dahin, dieses gute Leben für alle zu realisieren?

Stefanie Aber ich bleibe irgendwie dabei, wenn du das als Einzelperson liest und als Einzelperson behandelst, dann ist es eher was Theoretisches oder es geht nicht in die Praxis. Und eigentlich hatte ich das Buch so empfunden, dass es ein Praxisbuch ist. Und das heißt, wenn du diese ganzen Anregungen und Übungen in die Praxis umsetzen möchtest, brauchst du dafür eine Gruppe.

Carsten Genau. Es sei denn, du bist schon Teil einer Gruppe.

Stefanie Genau. Ja, also, ich meine, dann hast du die Gruppe ja schon, oder Du hast halt das Gefühl, du möchtest dich einer Gruppe anschließen.

Carsten Genau. Aber dann hast du tatsächlich schon das Hintergrundwissen und kannst dann bei Eintritt der Gruppe bestimmte Dinge schon mal anders reflektieren und vielleicht woanders angehen und anstoßen. Genau so. Und wie das halt so üblich ist, wenn man so in so ein Buch reinfindet, ist der erste Blick auf das Inhaltsverzeichnis. Und da ist auch tatsächlich der erste Unterschied zu anderen Büchern. Dieses klassische Inhaltsverzeichnis gibt es am Anfang gar nicht. Sondern da gibt es eine Art Landkarte. Das haben die Auto·innen ganz bewusst so gemacht, das Ganze als Landkarte darzustellen, also die Themen, die in dem Buch angerissen werden, als Landkarte darzustellen, um auch klar zu machen, es gibt eine inhaltliche Verzahnung, und zwar in unterschiedlichste Richtung. Das heißt also, die Landkarte selber ist eine fiktive Landkarte?

Stefanie Das ist eine fiktive Landkarte. Da gibt es sogar einen Leuchtturm.

Carsten Stimmt, den habe ich gar nicht gesehen.

Stefanie (lacht) Der ist rot, den kann man gut sehen.

Carsten Ja, du hast recht. Also es gibt halt verschiedene Punkte und Ortschaften, die miteinander verflochten sind. Und diese Punkte und Ortschaften, die behandeln dann entweder einzelne Kapitel oder Absätze in diesen Kapiteln. Und die Landkarte signalisiert zum einen, wie stark die einzelnen Themen und Aspekte miteinander verflochten sind, dass du nicht als Einzelthema oder Thema einzeln betrachten kannst, sondern zwangsläufig immer irgendwo nach rechts, links, oben, unten, irgendwie abgleiten musst, um das vollständig zu behandeln und zu verstehen. Und zum anderen signalisiert die Landkarte auch, dass, egal wo du stehst, du in alle Richtungen laufen kannst und so kannst du dieses Buch auch behandeln und musst es nicht stringent von vorne nach hinten durchlesen, sondern du kannst dir genau die Bausteine rausgreifen, die für dich oder für die Gruppe, in der du jetzt gerade aktiv bist, jetzt aktuell wichtig sind, zu behandeln.

Und damit sind wir auch schon bei den einzelnen Übungen. Die sind inhaltlich schon recht umfangreich. Das ist also nicht so, dass du dich mit so einer Übung mal eben eine Viertelstunde im kleinen Gruppenkreis hinsetzt und dann irgendwie ein bisschen was niederschreibst, sondern das sind schon sehr intensive, reflektierende Übungen, die teilweise auch in die strategische Entwicklung deiner Gruppenarbeit mit reingehen. Also sprich, was will deine Gruppe eigentlich im Rahmen dieser sozialen Bewegung erreichen und wie kriege ich meine strategische Ausrichtung da nochmal ein bisschen abgerundeter, um die Ziele zu verwirklichen? Das sind also so Sachen, die wirklich, ich sag jetzt mal so nachmittags, Abend oder auch tagesfüllend sein können.

So, und dementsprechend hast du natürlich dann hier mit so einem großen Buch auch viel Input, wo du vielleicht auch lange Zeit mit beschäftigt sein kannst. Aber es zwingt dich halt niemand, das wirklich von vorne bis hinten alles mal durchzuprobieren, sondern es kann ja durchaus sein, dass eine Übung für dich schon ausreicht und dann das Buch erst mal wieder beiseite gelegt wird, weil du mit dieser einen Übung in der Gruppe schon genügend neue Dynamik entfacht hast, um damit dann wirklich mal Erfolge zu feiern oder da erst mal mit weiterzugehen.

Nichtsdestotrotz gibt es ganz hinten dann doch noch mal ein strukturiertes Inhaltsverzeichnis und aus dem wird klar: die reden hier nicht von Kapiteln, sondern von Bausteinen. Also wie gesagt, du greifst einzelne Themenpakete raus und diese Bausteine sind noch mal nach übergeordneten Themen sortiert. Und diese übergeordneten Themen lese ich jetzt einmal grob vor.

Da geht es um „Transformation heißt System Change“. Und dann gibt es einen Bereich „Wie kommt der Wandel in die Welt?“ und dann gibt es einen Bereich „Solidarische Gegenhegemonie aufbauen“, dann geht es mit der „Gegenhegemonie und Staat“ weiter. Und ganz zum Schluss „Transformation durch Eskalation“. Das Ganze wird dann noch abgerundet in dem ganz zum Schluss noch mal geschaut wird - wir kommen ja vom Titel „Die Welt auf den Kopf stellen.“ Wenn wir das dann geschafft haben, dann müssen wir das, was wir auf den Kopf gestellt haben, tatsächlich auch nochmal umdrehen, dass man die Welt auf die Füße stellt. Also quasi nach der Transformation das neue Normal. Da gibt es einen kurzen Abspann in dem Buch, wie das dann aussehen kann. Aber das, reine Tun und Handeln, ist tatsächlich so in diesen übergeordneten Punkten zu finden, die sich dann in einzelne Bausteine gliedern.

Und da würde ich jetzt mal so ein bisschen reinschauen. Da hatte ich mir im Vorfeld mal überlegt, was vielleicht interessant wäre, ohne das Buch jetzt wirklich so ausführlich im Detail durchzusprechen, sondern wirklich so an der Oberfläche ein bisschen Input zu geben und auch dir die Möglichkeit zu geben reinzufühlen: ist das was für dich? Willst du dich mit dem Buch oder mit den Themen dann nochmal weiter beschäftigen?

Ich greife mal einzelne Bausteine raus, die ich jetzt hier für erwähnenswert finde. Das mache ich aber nicht, weil ich glaube, die anderen sind nicht interessant, sondern diese Bausteine, die ich jetzt gerade rausgreife, die haben mir persönlich noch mal so ein bisschen Input gegeben. Und der Baustein, den ich jetzt zuerst rausgreife, der nennt sich „Kämpfen statt Appellieren“. Greife ich jetzt nicht einfach so raus, sondern „Kämpfen statt Appellieren“, das ist für mich schon sehr stark mit diesem Gedanken des Radikalen verbunden. Ich bin da tatsächlich so im Laufe der letzten Jahre ein Freund und Sympathisant von radikaleren Gedanken geworden.

Stefanie Du bist ja jetzt auch Komplize einer terroristischen Vereinigung.

Carsten Genau das, ja, das verschmilzt da gerade. Wobei ich Radikal nach wie vor verstehe, in dem Wortsinn wie an der Wurzel anpacken, also so grundlegenden Veränderung und nicht ausschließlich destruktive Gewalt, sondern ich sehe das eher so in diesem Sinne als grundlegendes Transformieren.

Stefanie Ich muss dazu jetzt nochmal, auch wenn ich dich jetzt aus deinem Flow reiße, aber sagen, das ist etwas, was ich immer wieder sage und auch in meinen Kursen usw.: Wirkliche Veränderung - das wird auch mittlerweile in jedem Film, den Du zu dem Thema sehen kannst, gesagt - wirkliche Veränderung ist immer erkämpft worden. Also Suffragetten sind da meistens ein viel genanntes Beispiel, dass die lange, jahrzehntelang wirklich friedlich versucht haben, darauf hinzuweisen, freundlich doch mal bitte Frauen gleich zu behandeln und Wahlrecht auch einzugestehen und dass sie dann erst, nachdem sie so lange friedlich waren, eben durch gewaltvollere Proteste letztlich das erkämpft haben. Und alles ist, alles Wichtige ist tatsächlich erkämpft worden. Und deswegen ist natürlich das Radikale irgendwo eben so ein Punkt, der leider wichtig ist.

Carsten Ja, und zumindest das spricht mich an und hat mir auch im Laufe der letzten Jahre so ein bisschen ich weiß nicht, ob es eine Illusion war, aber ich habe mich auch so ein bisschen einlullen lassen von Ja, wir sind ja eine Demokratie, wir können da durch Wahlen und keine Ahnung was den weiteren gesellschaftlichen Werdegang dann mit beeinflussen – diese Illusion genommen und mir wird eigentlich zunehmend klar und das ist hier auch sehr schön in diesem Buch als Kontext so verbrieft, dass es mit diesen reinen Appellen eigentlich nicht wirklich funktioniert. Also natürlich muss man die Politik irgendwo auch vor sich hertreiben. Deswegen sind Demonstrationen, das auf die Straße gehen sehr wichtig. Aber dieser appellierende Charakter, der reicht einfach nicht aus. Da muss es dann tatsächlich zu sozialen Kämpfen kommen. Und das ist halt in diesem Buch auch in diesem Baustein „Kämpfen statt Appellieren“ hinterlegt.

Und was da für mich nochmal wichtig ist zu betonen, ist, dass auch das Buch sagt, dass soziale Bewegungen genau dafür da sind, um Machtverhältnisse zu verschieben, um eben Druck auf EntscheidungsträgerInnen auszuüben und zu erhöhen und dadurch dann auch politische Veränderungen selbst einleiten. Also nicht darauf hoffen, dass dann irgendwo im Politikbereich Personen sagen „Hey, ich bin einsichtig, ich muss jetzt handeln.“ Ähm, da finden sich ja auf gesellschaftlicher Ebene auch heute schon Mehrheiten für Sachen da, wo sich die Politik immer noch nicht traut, in die Umsetzung zu gehen. Paradebeispiel ist ja das lapidare Thema des Tempolimits. Also da komme ich mit einem Appell aus der Gesellschaft nicht weiter. Da muss ich halt soziale Kämpfe mitberücksichtigen. Ich muss bereit sein, soziale Kämpfe auszutragen. Soziale Kämpfe erleben wir ja jetzt ja gerade Richtung Lützerath, da wo wegen Braunkohleabbau jetzt tatsächlich dann auch wieder eine Konfrontation stattfindet. Das sind soziale Kämpfe, um die es dann tatsächlich geht als ein Beispiel.

Stefanie Ich muss dazu noch sagen, das mit dem Tempolimit, ich hatte da vor kurzem so eine Krimiserie gehört, die in Schottland spielt, und da ging es darum, dass da ein Familienmitglied nach Deutschland ausgewandert ist und die sollte da angeblich einen Autounfall gehabt haben. Und dann haben sich die anderen Familienmitglieder in Schottland darüber unterhalten. Und haben gesagt „Ja, die Deutschen sind sowieso total schlechte Autofahrer. Die haben ja noch nicht mal ein Tempolimit auf der Autobahn!“ Und dann habe ich so gedacht: Ja, stimmt, so kann man das auch sehen. Die Sichtweise fand ich ziemlich cool. So. Okay, du darfst weitermachen.

Carsten Okay. Ich greife jetzt den nächsten Baustein auf. Also, es geht hier tatsächlich in dem Buch auch so ein bisschen in einen akademischen Bereich. Es werden Begriffe verwendet, die ein bisschen sperrig und die erklärungsbedürftig sind, die ich mir auch selber erst erstmal im Laufe der letzten Jahre erarbeiten musste. Und ein Begriff ist Emergenz. Und hier ist ein Baustein „Mit emergenten Strategien flexibel bleiben“.

Stefanie Dann erklär mal.

Carsten Ja, was ist denn jetzt Emergenz? Ich habe überlegt, ich kann das mit eigenen Worten aber wahrscheinlich eher schlecht erklären. Also bediene ich mich jetzt auch wieder dessen, was im Buch steht. Und hier steht „Emergenz beschreibt den Prozess, wenn in Systemen durch das Zusammenwirken verschiedener Elemente etwas qualitativ Neues entsteht, das mehr ist als die Summe seiner Teile.“ Das heißt also, ich habe eigentlich eine Wirkung, die über das hinausgeht, was eben die Einzelwirkungen der einzelnen Akteure, Elemente wie auch immer sind. Und diese emergenten Strategien, die hier angesprochen werden, die zielen darauf ab, dass wir zum einen erst mal vielleicht, falls vorhanden, von einem Glauben ablassen oder von der Vorstellung ablassen und die beiseite legen, dass so eine Transformation sauber geplant werden kann, dass wir eine Transformation kontrollieren können und auch, dass wir eine Transformation einfach umsetzen können. Also all das ist es nicht. Eine Transformation kannst du nicht planen. Du kannst die Prozesse, die dann da in der Transformation losgetreten werden, auch schon gar nicht kontrollieren. Und einfach wird das Ganze eh schon nicht. Also brauchen wir Strategien, die einfach gucken, was passiert denn dort auf gesellschaftlicher, auf wirtschaftlicher, politischer Ebene? Und das alles berücksichtigen und sich auch dessen bewusst werden, dass dieses komplette Handeln, was da passiert, dass das Resultat eben emergente Ergebnisse liefert, also mehr ist als die Summe der einzelnen Akteure jetzt gerade leisten. Und dementsprechend müssen wir an der Stelle flexibel sein.

Und wenn jetzt in sozialen Bewegungen bestimmte strategische Vorgehensweisen oder auch Ziele definiert sind, dass die regelmäßig reflektiert werden und das ist für mich sehr wichtig zu verstehen, dass wenn ich in einer - das bin ich jetzt nicht, aber ich bin mal fiktiv - ich wäre jetzt in einer sozialen Bewegung aktiv und ich weiß, okay, wir haben jetzt irgendwo ein bestimmtes Thema, da wollen wir hin. Keine Ahnung, ob wir das Tempolimit jetzt durchsetzen, dass ich mir bewusst werde, die Strategien, die ich jetzt ausgearbeitet habe, um dieses Ziel zu erreichen, die sind nicht in Stein gemeißelt. Ich darf auch nicht auf Teufel komm raus immer an diesen Strategien festhalten, sondern ich muss halt gucken, wie reagiert mein Umfeld, wie ist die politische Lage, was macht die Gesellschaft, was passiert wirklich? Und all das muss ich regelmäßig einfließen lassen und gegebenenfalls auch meine Strategie dementsprechend anpassen. Dieses Buch zeigt Gestaltungsmöglichkeiten, wie das gemacht werden kann in sozialen Bewegungen. Und ja, ich finde es einfach interessant, das noch mal zu erwähnen, weil Strategien eigentlich so eine Sache sind, die entwirfst Du gefühlt einmal und dann verfolgst du diesen Weg und das ist aber bei einer gesellschaftlichen Transformation tatsächlich nicht zielführend.

Von Emergenz kommen wir jetzt zu Hegemonie. Wir bleiben also bei schwierigen Begriffen, die man vielleicht am Anfang noch gar nicht so versteht. Ich musste mich in beide erst mal im Laufe der letzten ich weiß gar nicht Monate, Jahre so ein bisschen einlesen. Hier geht es in dem Buch um zwei Bausteine. Der eine Baustein ist „Solidarische Gegenhegemonie aufbauen“ und ein zweiter Baustein ist gemünzt als „Gegenhegemonie und Staat“. Und das möchte ich mal so ein bisschen ausführen. Nicht um das Ganze vollständig zu erklären, sondern aber so ein bisschen rein zu teasern. Und dazu lese ich jetzt mal kurz was vor.

“Die imperiale Lebensweise sitzt fest im Sattel, sie ist hegemonial. Was bedeutet das genau? Auf welche Weise wird die Hegemonie der imperialen Lebensweise denn stabil gehalten und welche Rolle spielt Gegenhegemonie für Transformation und wie können wir emanzipatorische Gegenhegemonie von unten aufbauen?“

Und jetzt ist natürlich die Frage, was ist eigentlich Hegemonie? Und dazu lese ich auch noch mal kurz hier einen Abschnitt vor, wo das erklärt wird: „Hegemonie bedeutet, dass herrschende Gruppen, Klassen oder Institutionen in der Lage sind, eigene Interessen als allgemeine gesellschaftliche Interessen darzustellen und durchzusetzen. Hegemonie meint auch, dass herrschende Gruppen ihre Vorstellung der Welt von dem, was gut und schlecht ist, als allgemeingültig und als alternativlos durchsetzen können. Eine breite Gesellschaft akzeptiert diese Deutung der Welt als Normalität, auch wenn diese Normalität einem solidarischen Zusammenleben entgegensteht oder die Bedürfnisse vieler Menschen nicht befriedigen kann. Die Hegemonie dieser Vorstellung beruht nicht nur auf Zwang oder Gewalt, sie fußt auch zentral darauf, dass Teile der Gesellschaft diesen Vorstellungen aktiv zustimmen oder sie passiv hinnehmen.“

Das ist, ich sag jetzt mal, vom Gesamtverständnis, wie wir vielleicht auch unsere Welt sehen, unsere gesellschaftlichen Verhältnisse sehen, unsere gesellschaftlichen Dynamiken interpretieren, für mich ein ganz wichtiges Verständnis zu sehen, dass es da eine Hegemonie gibt, was sich auch hinter diesem Begriff verbirgt und dass ich diese Transformation tatsächlich nur aufbaue oder gestalten kann, wenn ich mir dessen bewusst bin. Und, wie dieses Buch sagt, auch eine sogenannte Gegenhegemonie aufbaut, also im Grunde genommen eine andere Weltsicht implementiert. Dass das, was momentan so als Normalität, als gut und schlecht gesehen wird, reflektiert, in Frage gestellt und eben auch auf den Kopf gestellt werden darf, um eine neue Normalität hin zu bringen. Um zu sagen: Hey, das ist nicht alternativlos, sondern hier sind die Alternativen und die sind durchaus vielleicht auch besser im gesellschaftlichen Kontext. Und dann gibt es auch andere Bausteine. Einer, der ist für mich auch nochmal als sehr privilegierte Person interessant. Da geht es um die Frage, Verbündete und Komplizen zu schaffen. Also weil du schon vorhin sagtest, Komplize einer terroristischen Vereinigung. Hier geht es aber mehr so um dieses Thema Allyship, also für Personen, die Diskriminierung erfahren, die weniger Privilegien besitzen, einzustehen, mit denen ja Seite an Seite auch für deren Emanzipation zu kämpfen etc. Und das ist natürlich, was ich gerade schon sagte, für mich als männliche Person

Stefanie als alter, weißer Mann

Carsten Als alter weißer Mann, der ich ja noch irgendwann in 20 Jahren werde.

Stefanie Der Du innerlich vielleicht nicht bist, aber wir wollen jetzt nicht über die Realität sprechen…

Carsten Also dieses Reflektieren. Und da lese ich jetzt mal kurz so ein paar Überschriften oder Handlungsaufforderungen vor, das sind fünf Stück:

  • Checke deine eigenen Privilegien.
  • Bilde dich weiter und höre zu.
  • Fehler werden passieren, aber lerne dann daraus.
  • Misch dich ein.
  • Begib dich dann in Komplizenschaft.

Das heißt auch für Personen, die jetzt vielleicht gar nicht irgendwie Opfer von Unterdrückung, von Diskriminierung sind, die eigentlich glauben „Ich brauche keine Transformation, mir geht es ja schon gut.“ diesen Reflexionsprozess dann einzuleiten. Das finde ich ungemein wichtig, dass das auch in diesem Buch mit reinkommt, weil das natürlich dann auch in sozialen Bewegungen ein sehr wichtiger Baustein ist. Da vermengen sich ja durchaus auch unterschiedlichste Biografien, unterschiedlichste Erfahrungswelten. Und da muss ich natürlich auch in der Gruppe erst mal schauen, wo gibt es da vielleicht auch Machtgefälle und und wie muss man vielleicht auch mit Erfahrungen von anderen Personen, die eben auch Diskriminierungserfahrung gesammelt haben, umgehen wie Wie kann ich mit denen umgehen? Wie kann ich mehr Verständnis für deren Erfahrungen aufbauen, ohne mich hinzustellen, zu sagen, ich bin davon nicht betroffen, das geht mich nichts an. Also da wirklich diese Offenheit zu bewahren, das finde ich sehr wichtig. Und wie gesagt, ein ganz schöner Baustein hier in diesem Buch.

Stefanie Ich möchte vielleicht nochmal anfügen, bei der Tierrechtsbewegung oder generell der veganen Bewegung ist es ja auch häufig so, dass kritisiert wird, dass sie sehr weiß sind und auch keinesfalls intersektional denken. So, wenn ich an meine Erfahrung denke, dass mir gesagt wird „Du bist dick, deswegen solltest du dich nicht offen als vegan zu erkennen geben, weil du sonst der Bewegung schadest.“, sehe ich das schon als kritisch an. Und da finde ich es gerade gut, dass hier jetzt eben gesagt wird, das ist ja auch ein Punkt, den hast du zwar vorhin nicht genannt, aber ich habe es gelesen, schon ganz am Anfang steht, dass „Intersektional Denken und Handeln“ ein Grundbaustein jeder Bewegung sein sollte. So auch der Tierrechtsbewegung und auch der veganen Szene.

Carsten Genau. Genau. Und das ist auch ein wichtiger Baustein hier in dem Buch. So, und dann haben wir ein Thema, was für dich, Stefanie, vielleicht noch interessant wäre „Geschichten des Wandels erzählen“.

Stefanie Ja, das habe ich mir tatsächlich durchgelesen. Das Kapitel, also einzelne Kapitel habe ich durchgelesen. Gerade wenn es um Geschichten erzählen geht, bin ich immer sofort dabei.

Carsten So ist das Buch ja auch gedacht. Du kriegst die Sachen raus, die für dich gerade passend sind.

Stefanie Ja, aber dann war mein Problem, dass das Geschichten sind, die ich mit der Gruppe erzähle. Und da ich keine Gruppe habe im Moment, habe ich es dann wieder gelassen.

Carsten Genau. Also es geht ja tatsächlich um die Übungen, wo du in deiner sozialen Gruppe in einer sozialen Bewegung überlegst, „Was ist eigentlich die Geschichte, die ihr erzählen wollt?“ Also der Hintergrund ist, dass aus sozialen Bewegungen heraus neue transformative Geschichten entstehen, die Bezug zu dem eigenen Handeln haben. Also warum bist du jetzt eigentlich in dieser sozialen Bewegung? Was ist der Anlass gewesen? Wo willst du eigentlich hin? Bis hin zur Überlegung „Mit was für Akteuren hast du es eigentlich zu tun?“ Und wie sieht denn anschließend die Welt aus, wenn ihr euren sozialen Kampf hinter euch lassen konntet, also gewinnen konntet und da überhaupt eine Perspektive zu geben, so dieses Alternativlose zu überwinden und anderen Menschen einfach klarzumachen Hey, es gibt unterschiedlichste Perspektiven auf dieser Welt, es gibt auch unterschiedlichste alternative Vorstellungen und dieses bestehende, verkrustete Weltbild, dieses Denken, dieses alternativlos einfach aufzubrechen.

Stefanie Ja, und das ist ja gerade auch das, was Rob Hopkins in seinem „From What if to what Next“ Buch schreibt und auch in seinem Podcast halt immer verfolgt, dass es super wichtig ist für Bewegungen, nicht nur dagegen zu sein und gegen etwas zu kämpfen, sondern auch für etwas zu kämpfen. Also eine Vision zu haben, wie die Welt aussehen kann, wenn wir das, wogegen wir sind, eben überwunden haben und dann eben diese neue Welt geschaffen haben. Und da sind wir ja alle zu aufgerufen, da unsere eigenen Visionen zu teilen und uns zu überlegen, wie kann unser Alltag dann aussehen? Und das ist das, was ich im letzten Jahr sehr stark verfolgt habe und was nach wie vor eben total wichtig ist, finde ich. Also wir brauchen diese starken Visionen, diese Geschichten, die uns dann auch dahin ziehen und uns motivieren, gegen etwas zu kämpfen, um etwas zu erlangen.

Carsten Etwas Tolles. Ja, ja, genau. Ja, genau die Die schöne Welt im Jahr 2030. 2040.

Stefanie Schöne, neue Welt.

Carsten Und das wollte ich jetzt so nicht sagen. Ist ja schon vorbelastet.

Stefanie Stimmt ja, die wollen wir lieber nicht. Die finde ich nicht so anziehend.

Carsten Genau. Aber wie kommen wir denn da jetzt hin? Und das ist jetzt das Schöne. Also ich habe da jetzt den letzten Baustein für mich, also den letzten, den ich jetzt hier besprechen möchte, herausgegriffen. Und zwar die Frage, „Wie weit muss man eigentlich gehen mit seiner Transformation?“ So heißt nicht der Baustein. Das habe ich jetzt als Frage reingebracht. Der Baustein nennt sich „Transformation durch Eskalation?“.

Stefanie Mit einem Fragezeichen dahinter.

Carsten Ja, genau das ist die Frage. Muss es denn unbedingt eskalieren? Und da ganz grob einfach mal die Einleitung zu diesem Baustein. Das steht da: „Die Bandbreite politischer Aktionsformen ist groß. Zwischen Onlinepetition und friedlicher Sabotage liegen viele Eskalationsstufen. Wieso und wann entscheiden sich Bewegungen dafür, Konflikte zu eskalieren? Und welche Rolle spielen Gewalt und Gewaltvorwürfe dabei?“ So, und dann geht es da um Risiken von Eskalation und auch ihre mögliche Notwendigkeit. Das finde ich insofern spannend, weil hier reflektiert wird, muss es zu eskalierenden Situation kommen? Wie viel darf, wie viel muss ziviler Ungehorsam leisten? Wie gehen unterschiedliche Bewegung damit um? Also es ist ja überhaupt nicht irgendwie ausgehandelt und alles ist klar, sondern die Bewegung streiten sich ja untereinander, das ist ja schon allein jetzt hier was in den aktuellen Medien berichtet wird schon ein strittiger Punkt.

Darf ich mich jetzt auf Straßen mit Sekundenkleber festkleben? Darf ich Kunstwerke irgendwie beschädigen oder muss ich, ich nenne es jetzt mal ein bisschen übertrieben „brav und artig“ nur an einer Demonstration auf der Straße laufen? Was ist legitim, was wird womit erreicht? Womit erzeuge ich Reibung, womit erzeuge ich Gegenwehr? Wie gehe ich damit als soziale Bewegung um? Und vor allen Dingen: Wie lerne ich eigentlich aus Erfahrung von anderen, die vielleicht schon radikale Schritte gegangen sind, die Eskalation in Kauf genommen haben? Und was ist daraus geworden? Und was kann ich aus diesen Erfahrungen für mich als soziale Bewegung dann noch nutzen und integrieren? Und dieser Reflexionsprozess, der ist in diesem Baustein drin und das finde ich ganz wichtig, dass da tatsächlich drüber nachgedacht wird, um auch, was ich ganz zu Anfang sagte, jetzt nicht nur in diesen appellierenden Charakter zu verfallen, sondern tatsächlich dann auch soziale Kämpfe auszufechten und auch auszuhalten und zu wissen, ein sozialer Kampf wird immer Gegenwehr erzeugen, der stößt nicht immer auf Gegenliebe, sondern in erster Linie auf Gegenreaktionen von Strukturen, die ja eigentlich eher Ruhe und Ordnung haben wollen und

Stefanie Die sich halt was schön gemacht haben. Die wollen halt nicht, dass es jetzt unschön wird. Die wollen auf ihre Privilegien nicht verzichten.

Carsten Genau. Genau. Und deswegen soll man sich dann auf einem FDP Parteitag dann doch lieber nicht an die Wand kleben und nicht den Parteitag stören.

Stefanie Das lasse ich jetzt mal so unkommentiert stehen. Also das waren jetzt die Bausteine, die du vorstellen wolltest.

Carsten Genau, Genau, ja.

Stefanie Was mir halt aufgefallen ist, als ich das Buch gesehen habe, habe ich da natürlich auch so durchgeblättert und habe mir das Inhaltsverzeichnis angeguckt. Auch die Karte vorne und der erste Baustein, den ich mir angeguckt habe, war „Radikale kollektive Heilung“ und den hast du gar nicht rausgesucht. Das fand ich irgendwie total spannend. Ich merke einfach, für mich ist mein Thema momentan Heilung. Und ich fand es schön, dass dieses Thema auch in diesem Buch aufgefasst wird und Carsten hatte mich vorhin gefragt, ob ich was vorlesen möchte. Und da habe ich nein gesagt. Aber irgendwie habe ich gedacht, jetzt lese ich vielleicht doch was vor. Ich gucke mal eben, ich muss es irgendwie so halten, dass ich es nicht vors Mikro halte:

“Während wir in sozialen Bewegungen versuchen, die Welt solidarischer und lebenswerter für alle zu machen, vergessen wir manchmal, den Blick darauf zu richten und wahrzunehmen, wie es uns selbst in der Welt ergeht. Dabei tragen wir alle Verletzungen, Trauer oder Schmerzen mit uns herum. Uns begleitet beispielsweise die Verletzung und die Wut, die wir empfunden haben, weil jemand über unseren Rollstuhl gelacht hat oder weil uns jemand gegen unseren Willen angefasst hat. Andere Schmerzerfahrungen sind offensichtlicher kollektiver Art. Als Covid:19 sich zu einer globalen Pandemie entwickelte, beobachteten Psycholog·innen, dass viele Menschen eine sogenannte kollektive Traurigkeit erfasste. Es ist eine Traurigkeit über die vielen menschlichen Verluste und Entbehrungen, über die Ungewissheit, der die Welt entgegen sieht.“

Soweit erstmal der Text. Das geht dann da noch weiter und es wird vor allem darüber geschrieben, dass gerade marginalisierte Gruppen, Gruppen, die viel Gewalt erfahren haben, in der Vergangenheit auch durch die Kolonialisierung und durch strukturelle Gewalt und alles mögliche, was es an Gewalt in der Historie schon gegeben hat, darunter immer noch leiden. Und da dann auch generationenübergreifend dieses Leid mit sich tragen, dass diese Menschen alle dringend auch Heilung benötigen. Und das ist ein Thema, mit dem ich mich momentan sehr beschäftige, sehr persönlich gerade, aber auch, weil ich viel von indigenen Menschen Bücher lese, wo gerade dieses Thema Heilung viel vorkommt. Und auch in dem Podcast von Rob Hopkins „From What If to What Next“, den ich dir sehr empfehlen kann, liebe Hörerin, liebe Hörer, kommt das Thema Heilung immer mal wieder vor und deswegen wollte ich jetzt diesen Baustein noch mal aufgreifen.

Es gibt noch viel mehr Bausteine in dem Buch, aber da gibt es eben auch noch, ich glaube drei Übungen zum Thema Heilung, was du in der Gruppe halt machen kannst, um zu heilen. Allerdings ist Heilung ein sehr individueller Prozess und auch ein zeitlich sehr individueller Prozess. Es kann also, je nachdem wie tief das alles sitzt, Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis du Heilung erfahren hast. Und so auch bei mir persönlich. Da will ich jetzt nicht tiefer drauf eingehen. Da überlege ich noch, inwieweit ich das in die Öffentlichkeit trage. Aber auf jeden Fall ist Heilung momentan ein Thema und ich denke, dass das eben auch was ist, was ich mit vielen Menschen teile, dass wir alle irgendwie auf irgendeine Art und Weise zu Schaden gekommen sind in der Vergangenheit und schon alleine durch das System, in dem wir leben und deswegen Heilung sehr wichtig ist.

Ja auch die Verbindung zu unserer Mitwelt muss wieder geheilt werden. Also ich habe dann immer sofort die Menschen im Hinterkopf, die dann „oh Esoterik“ schreien. Aber Heilung hat meiner Meinung nach nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist, wie wenn eine offensichtliche Wunde, eine Schnittwunde zum Beispiel, wieder heilen muss. Damit meine ich, wenn ich jetzt zum Beispiel eine Schnittwunde im Arm habe, damit mein Arm wieder geheilt ist. So sind halt auch Traumata und emotionale Wunden etwas, was einfach heilen muss und was nicht heißt, dass ich dann jetzt automatisch irgendwohin begebe, wo es heißt, dass ich nur noch von Lichtnahrung lebe oder so.. Also ich finde, das ist nicht gleichzusetzen. Und dass es zwischen offensichtlich falschen Heilsversprechungen und reinen wissenschaftlichen Fakten auch noch einige Stufen mehr gibt, die wir vielleicht dann nicht wissenschaftlich direkt benennen können, die aber dann auch nicht gleich Spinnereien sind.

Carsten Ja, das ist gut, dass du das nochmal ergänzt hast. Ich glaube, da wird auch noch mal so diese Bandbreite dieses Buches ersichtlich, das du von, ich sag jetzt mal sehr akademischen Themen hin auch zu sehr intimen Themen gehst. Und irgendwie habe ich, nachdem ich das Buch jetzt gelesen hatte und mich da jetzt auch gerade im Rahmen dieser Podcastfolge nochmal nochmal erneut in die Überschriften eingelesen habe, wirklich verstärkt gemerkt, warum mich dieses Buch so fasziniert. Weil es eigentlich eine Zusammenfassung fast aller Themen ist, die uns in der Vergangenheit in den letzten Monaten auch persönlich irgendwie beschäftigt haben. Das eine oder andere Thema haben wir auch in Podcastfolgen selber reflektiert und ich könnte jetzt stark argwöhnen, dass das Kollektiv unseren Podcast hört und dann das alles irgendwie da rein schmilzt. Aber ich glaube, es ist eher andersrum, dass wir von denen beeinflusst werden, aber das passt einfach hervorragend.

Und dementsprechend hat dieses Buch auf mich wirklich so eine magische Faszination ausgeübt. Und ich kann es dir wirklich ans Herz legen. Und wie gesagt, du hast das Angebot, Du kannst das Buch von uns kostenlos bekommen, nimm einfach Kontakt mit uns auf und dann lass dich inspirieren. Nimm das mit in deine soziale Bewegung, in der du aktiv bist oder wenn du als Einzelperson aktiv bist, lass dich einfach inspirieren von der Informationsvielfalt, von der Bandbreite dessen, was da an Informationen drinsteht und auch von den weiterführenden Informationen, die dort zumindest benannt werden. Und ich persönlich war gestern noch in der Hamburger Bücherhalle und habe da schon mal so die die ersten Bücher wieder rausgeholt. Also von daher ist es eine reine Inspirationsquelle.

Stefanie Ich weiß, du wolltest jetzt den Abschluss machen, um endlich diese Folge zu beenden, aber mir schwirrt da immer noch ein Punkt im Kopf rum, nämlich der Baustein „Kämpfe verbinden“. Ja, und das finde ich nämlich auch sehr wichtig, weil wir ja doch relativ isoliert, häufig immer nur in einem Kampf sozusagen feststecken. Und dass das auch noch mal ein wichtiger Punkt ist. Es ist noch eine Facette mehr, also was dieses Buch an sich halt auch schon sehr wichtig macht. Das heißt, wir haben jetzt wirklich nur einen kleinen Auszug aus den Bausteinen vorgestellt und es gibt noch viel mehr Bausteine. Und dieses „Kämpfe verbinden“ ist ja gerade für die vegane Szene sehr wichtig, dass eben dieses intersektional denken und ich erwähne es jetzt nochmal hier extra, weil ich von einigen Podcast Hörer·innen weiß, dass denen das wichtig ist und dass intersektional Handeln und Denken ein wichtiger Grundsatz ist in ihrem Leben. Das heißt, das ist da definitiv auch mit eingearbeitet in das Buch. Also noch mal, damit du eine Entscheidungsmöglichkeit hast, ob du jetzt schreibst, dass du dieses Buch haben möchtest oder es dir dann selbst auf irgendeinem Weg besorgst. Du kannst es auf der Webseite auch kostenlos als PDF herunterladen. Also von daher noch mal eben als Möglichkeit, dich besser zu entscheiden und das noch mal zu nennen. Intersektional denken und handeln ist definitiv auch ein Grundsatz. Gut, bevor mir jetzt mal wieder die Stimme versagt und ich so total kurzatmig werde - ich merke nämlich schon, dass so langsam Schicht im Schacht ist, ich glaube, das habe ich bei der letzten Folge auch schon gesagt, aber jedenfalls leider hat mich diese Krankheit irgendwie immer noch total im Griff - würde ich sagen: In diesem Sinne.

Carsten Lasst uns dieses Jahr die Welt auf den Kopf stellen und in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 276 - Rituale und Wünsche zum Jahreswechsel

Ein Beitrag

Folge 276 - Rituale und Wünsche zum Jahreswechsel

Diese Folge war eigentlich ganz anders geplant, aber es kam mal wieder das Leben dazwischen und so plaudern wir in dieser Folge über Verschiedenes, was zum Jahreswechsel ansteht.

Wir erzählen Dir von Ritualen, die wir zu dieser Jahreszeit gerne durchführen und geben einen kleinen Ausblick auf das nächste Jahr.

Und wir verschenken das Buch "Wenn nicht wir, wer dann?" von Philipp Ruch - wenn Du es haben möchtest, melde Dich gern.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Für die letzte Folge des Jahres hatten wir eigentlich ganz andere Dinge geplant und wir wollten uns eigentlich auch schon früher melden. Aber wie das Leben halt so spielt. Carsten und ich waren jetzt die letzten zwei Wochen krank. Ein Infekt hat uns niedergestreckt und Carsten geht es so einigermaßen wieder.

Carsten Ja, ja, ich bin wieder auf dem Damm.

Stefanie Bei mir ist es immer noch so, dass ich zwar nicht mehr ganz so schlimm krank bin, aber immer noch nicht wirklich fit. Und deswegen haben wir jetzt halt beschlossen, dass wir nur eine kurze Folge aufnehmen und dann hoffentlich im nächsten Jahr wieder längere, tiefgehendere Folgen aufnehmen können. Eigentlich wollten wir nämlich heute ein Buch besprechen. Das verschieben wir jetzt aufs nächste Jahr und das ist auch schon mal so ein kleiner Ausblick auf das nächste Jahr. Es werden noch einige Buchbesprechungen kommen, weil sich halt wieder einige Bücher angestaut haben. Und wenn das Bücher sind, die wir entweder selbst erworben haben oder als Rezensionsexemplare geschenkt bekommen haben, dann verlosen wir die jetzt auch immer in der Folge, weil es ja das Experimentarium nicht mehr gibt und damit auch die Wanderbibliothek nicht mehr. Und ich springe jetzt einfach mal zwischen den Themen, wie es gerade so in meinen Kopf kommt. Die ganzen Bücher aus der Wanderbibliothek hatte ich während des Advents verschenkt. Zwei sind übrig geblieben, die wollte niemand haben. Also falls du da noch Interesse hast das ist zum einen „Milch - vom Mythos zur Massenware“ und zum anderen das „Aktionsbuch Verkehrswende“. Ich glaube, das Aktionsbuch wollte keiner haben, weil es das auch kostenlos als PDF gibt. Ich werde das jetzt auch erst mal behalten, es sei denn, Du, liebe Hörerinnen und Hörer, sagst jetzt ich möchte das gerne haben, dann schicke ich dir das auch gerne zu. Also melde dich gern entweder per Email oder auf einem anderen Kanal. Ich werde das dann für meine Arbeit sonst weiter nutzen. Das Milchbuch, klar, ist halt sehr speziell, nur wenn du dich dafür interessierst. Wie gesagt, meld dich einfach. Ja, alle anderen Bücher sind hoffentlich schon bei den glücklichen Gewinner·innen angekommen und auch die DVD. Ich hatte schon alle benachrichtigt, die gewonnen haben. Wenn du also mitgemacht hast und nicht benachrichtigt worden bist, dann hast du das entsprechende Medium nicht gewonnen. Es gibt einen Steady Artikel, in dem die Gewinnerinnen auch namentlich genannt werden, natürlich so anonymisiert, nur mit Vornamen oder Pseudonym. Und auch ein Video, in dem Carsten und ich da die Gewinner·innen auslosen. Da waren wir auch schon krank. Das heißt, wir haben versucht, das irgendwie durchzuziehen, weil wir das ja versprochen hatten. Und es ist halt nicht das High End Super Video geworden, aber zumindest ein Beweis dafür.

Carsten Genau. Du siehst dort nur unsere Hände.

Stefanie Genau unsere Hände sprechen dort. Also wenn du dir das angucken möchtest, schau einfach auf der Seite vorbei. Ich verlinke den Artikel auch noch mal unter der Folge, dann siehst du, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Allerdings musste ich tatsächlich einmal schneiden. Also du könntest mir jetzt unterstellen, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, weil ich zwischendurch einmal angerufen wurde und das wollte ich jetzt halt nicht mit drin haben. Also musst du uns dann doch vertrauen. Das war bei der Verlosung des Buches Autokorrektur. Da haben die meisten mitgemacht. Bei allen anderen haben wir es immer weiterlaufen lassen. Soweit also zu den Büchern. Und wo wir jetzt gerade bei Büchern sind. Carsten ist jetzt glücklicher Komplize einer terroristischen Vereinigung, nämlich beim Zentrum für politische Schönheit. Das hatte er sich sehr gewünscht. Und für diese Komplizenschaft gab es so ein paar Goodies. Unter anderem hast du dir da ein Buch ausgesucht?

Carsten Ja, genau. Ich durfte mir ein Buch aussuchen und meine Wahl ist gefallen auf das Buch „Wenn nicht wir, wer dann?“ Ein politisches Manifest von Philipp Ruch. Und Philipp Ruch ist auch derjenige, der das Zentrum für politische Schönheit gegründet hat. Und dieses Buch wollen wir jetzt hier auch in dieser Folge verschenken.

Stefanie Genau. Du wolltest es gar nicht rezensieren. Warum nicht?

Carsten Weil es sehr schwierig ist.

Stefanie Sag vielleicht mal kurz, für wen es geeignet ist, weil es sonst vielleicht schwer ist, sich dafür zu melden.

Carsten Ja, okay, also der Titel selber „Wenn nicht wir, wer dann?“ der lässt eigentlich vermuten, dass es da um die Motivation der Einzelpersonen geht. Also quasi jetzt nochmal die Dringlichkeit des Handelns klarzumachen. Wir müssen jetzt was ändern, vielleicht auch im Rahmen der Klimakrise. Auch wenn das Buch jetzt schon aus dem Jahr 2014/ 2015 stammt. Aber tatsächlich ist der Inhalt gar nicht so wirklich griffig. Ich will sagen, es ist ein bisschen akademisch, sehr schwer geschrieben, sehr philosophisch, also für Personen, die jetzt mit akademisch philosophischen Themen kein Problem haben, sondern vielleicht sogar so was lieben, ist dieses Buch hervorragend geeignet. Für Personen, die eher eine Motivation für sich brauchen, um so ins Handeln reinzukommen eher weniger, weil es sehr schwerfällig zu lesen ist. Wobei die Grundthesen, die der Autor vertritt schon sehr, sehr, sehr interessant sind, aber das will ich jetzt gar nicht ausführen. Wie gesagt, ich will das Buch ja nicht rezensieren, weil es eben so schwer ist. Wenn du dich für Philosophie interessierst und auch ein bisschen den akademischen Sprachgebrauch beherrschst, dann kommst du mit dem Buch gut voran.

Stefanie Ja, wir haben jetzt auch beschlossen, dass wir dieses Jahr keinen Rückblick machen, wie das Jahr für uns war. Also keinen offiziellen Rückblick hier in einer Podcastfolge. Carsten und ich machen das schon privat und vielleicht ist es ja auch nochmal ein Impuls für dich, wirklich jedes Jahr sich hinzusetzen und zurückzublicken. Was war, wofür bin ich dankbar? Was hat mich stärker gemacht? Was hat mich vielleicht auch weiser gemacht? Was nehme ich mit ins nächste Jahr und was lasse ich los? Das sind so die Hauptfragen. Wir haben noch so ein paar kleinere andere Fragen, die wir uns immer wieder stellen. Aber dadurch, dass wir das dann auch jedes Jahr aufschreiben, kann man dann auch immer schön gucken, was war im vergangenen Jahr, was hatte ich eigentlich gesagt, was nehme ich mit, was lasse ich los? Habe ich das wirklich gemacht? Und dieses Stehenbleiben und Zurückschauen, das ist auch total wichtig. Generell nicht nur am Jahresende, sondern einfach immer wieder zu gucken okay, was habe ich schon geschafft, sonst fällt es einem halt gar nicht so auf.

Carsten Ja, das ist auch bei mir so eine Erkenntnis gewesen. Und die Rückschau auf das Jahr 2022 war im ersten Moment so ein Einheitsbrei. Als ich dann die Frage beantworten wollte, wofür bin ich denn eigentlich dankbar? Musste ich mir natürlich erst mal überlegen, was es dieses Jahr eigentlich passiert. Und das war mir zu dem Zeitpunkt, wo ich diese Frage das erste Mal gesehen habe, gar nicht mehr wirklich gegenwärtig. Das war dieser Einheitsbrei. Okay, das ganze Jahr im Schnelldurchlauf, irgendwie im Zeitraffer, durchgelaufen und irgendwie ist ja gar nicht so viel passiert. Und als ich dann angefangen habe, darüber nachzudenken, ist mir aufgefallen: Oh Mann, da ist echt ganz schön viel passiert und auch sehr viel, für das ich tatsächlich dankbar bin, weil mir Sachen sehr viel gegeben, geschenkt haben, Dinge auch eine Bedeutung für mich entwickelt hatten und das hat sich dann im Rahmen dieses Nachsinnens - Also kein Grübeln, sondern einfach nochmal Revue passieren lassen - ist das wieder hochgekommen. Und das war richtig schön.

Stefanie Ja, also so eine Reflexion am Ende des Jahres ist auf jeden Fall was, was uns was gibt. Und vielleicht gibt dir das ja auch was, dass du dich jetzt vielleicht auch noch mal hinsetzt und das machst. Vielleicht machst du das auch schon, vielleicht ist es für dich auch schon ein fester Bestandteil, ein Ritual, was du jedes Jahr machst. Aber vielleicht ist es für dich ja auch nochmal ein Impuls, wenn du es noch nicht machst, das mal auszuprobieren. Und ein anderes Ritual, was wir auch machen, ist tatsächlich etwas, was wir von diesen Raunächten übernommen haben. Und da habe ich immer sofort so eine Alarmglocke im Hinterkopf, dass mir Menschen sagen esoterisch, esoterisch usw. und ich betrachte das tatsächlich eher so losgelöst davon. Es geht bei diesem Ritual darum, dass du dir 13 Wünsche aufschreibst für das nächste Jahr, also jetzt für 2023 und dann vom zweiten Weihnachtsfeiertag abends an, dann also zwölf Nächte oder Abende lang jeweils einen Wunsch verbrennst. Und dann bleibt am Ende ein Wunsch übrig. Und der ist dann quasi so das Motto für das nächste Jahr. Das ist jetzt meine ausgedünnte Version dieses Rituals. Du kannst dann noch viel tiefer gehen. Also wenn du dich für so was interessierst und dich so was anspricht, kannst du da noch sehr, sehr viel mehr machen mit diesen Raunachtritualen.

Aber wir haben das jetzt so gemacht, dass wir einfach diese 13 Wünsche auf Zettel aufschreiben die dann in ein Glas füllen, jeweils für jedes Familienmitglied eins und dann gemeinschaftlich jeden Abend diese zwölf Abende in den Raunächten, uns hinsetzen, zusammensitzen, ein Feuer entzünden und dort dann diese Zettel verbrennen. Und falls du das Ritual nicht kennst, erkläre ich es kurz: Es geht darum die Wünsche so aufzuschreiben, dass sie positiv geschrieben sind. Also nicht „Ich möchte nicht mehr krank sein“, sondern „ich bin gesund“. Und das auch so aufzuschreiben, nicht „Ich werde gesund sein oder ich will gesund sein oder ich möchte gesund sein“, sondern „ich bin gesund“. Also so in dieser Form das aufzuschreiben und auch keine Wünsche für andere. Also nicht „mein·e Partner·in soll für immer glücklich sein“ oder so, sondern wirklich nur für dich selbst. Denn letztlich ist es ja so, dass wenn du glücklich bist, dann bist du wahrscheinlich nur dann glücklich, wenn auch dein Umfeld glücklich ist. So in der Art also. Von daher ist das quasi indirekt schon der Wunsch, dass dann die anderen auch glücklich sein werden. Natürlich geht es nicht nur um Glück, aber je nachdem, was du für Wünsche hast, ist das für mich jedenfalls jedes Jahr immer etwas, was ich mir überlege, was möchte ich wirklich, worauf möchte ich mich fokussieren? Wie wünsche ich mir, dass mein Leben aussieht? Und dementsprechend schreibe ich halt die Wünsche auf. Bei unserem Kind kann es dann auch ein bisschen materieller sein. So wie „ich habe zehn Lego Platten“ oder so, aber auch so was ist ja möglich, je nachdem wie das Leben halt so gestaltet wird : Nein, du darfst nur aufschreiben, „ich bin glücklich, ich bin glücklich“, 13 mal oder so, sondern es ist halt jedem und jeder selbst überlassen.

Carsten Ich finde das auch ein sehr schönes Ritual und ich ärgere mich so ein bisschen, dass ich in der letzten Wunschphase, also sprich ein Jahr zuvor, meine Wünsche nicht noch mal separat notiert hatte. Ich habe sie damals nur auf den Zettel geschrieben und am Ende ist einer von diesen Zetteln, einer von diesen Wünschen dann übrig geblieben. Der ist noch per se vorhanden, aber die anderen sind mir nicht mehr so wirklich im Kopf. Und dieses Mal mache ich es anders. Dieses Mal schreibe ich es mir separat noch mal auf in einem Buch, damit ich es dann noch mal Revue passieren lassen kann: Was habe ich mir tatsächlich gewünscht? Also jetzt nicht nur der eine Wunsch, der übrig geblieben ist, sondern insgesamt und das finde ich insofern für mich persönlich wichtig, als dass ich dann schon den Eindruck habe, dass ich so der Fokus von dem, was ich im Leben möchte, so auch mit verschiebt. Oder gerade so in dieser Betrachtung, was war mir damals wichtig, wo hat es eine Verschiebung gegeben, wo bin ich vielleicht zufriedener geworden, wo bin ich unzufriedener geworden, wo möchte ich noch eine Veränderung erwirken?

Und allein dadurch, dass ich mich ja hinsetze und auch ganz bewusst diese Wünsche aufschreibe und das haben wir ja dieses Mal auch so gemacht, dass wir nicht gesagt haben: Komm, wir setzen uns hin und nehmen uns mal eine Stunde Zeit, sondern wir haben uns ja abends immer mal wieder hingesetzt, wenn mal irgendwie Zeit da war oder ein Gedanke gekommen ist, oh, den schreibe ich jetzt nochmal auf. Also eher frei bleibend ohne Zwang. Und dadurch gucke ich natürlich dann indirekt auch auf unser aktuelles Leben. Es ist ja nicht, wie du schon sagtest, so rein materiell orientiert, sondern schon die Betrachtung, wo möchte ich jetzt eine konkrete Veränderung im Positiven haben? Und ich bin auch ein bisschen davon überzeugt, dass egal ob dieser Wunsch jetzt nachher übrig bleibt oder nicht, dass ich ja unbewusst auch an den Themen arbeite, die ich vorher mal notiert hatte und die vielleicht nicht als endgültiger Wunsch dann da liegen bleiben, sondern die verbrannt werden. Aber allein die Beschäftigung damit treibt mich dann ja auch voran, solche Themen weiter zu beobachten und vielleicht auch daran zu arbeiten.

Stefanie Ja, und selbst egal, ob du jetzt daran glaubst, dass du diese Wünsche dem Universum übergibst oder wem auch immer, egal ob dieser Glaube da dranhängt oder nicht. Du hast dich damit beschäftigt und darauf eben, wie Carsten schon sagte, fokussiert. Du hast dich mit dir selbst beschäftigt und mit dem, was du wirklich willst. Und ich denke, das ist gerade so das Wichtige.

Carsten Ja, und ein Wunsch, den ich jetzt nicht explizit irgendwie verschriftlichen musste, sondern von dem ich weiß, dass er in Erfüllung gehen wird, ist tatsächlich, dass ich jetzt meinen ersten Baustein für die Weiterbildung im Bereich Permakultur mache. Also diesen 72 Stunden Grundlagenkurs. Den haben wir gebucht, der wird nächstes Jahr Ende Mai, Anfang Juni stattfinden, wo ich mich schon total darauf freue, weil es zwei Wochen sind, die für mich ja hoffentlich auch so ein bisschen lebensverändernde Strukturen mit sich bringen oder Potenziale. Und das Ganze findet dann auch zum Teil im Ökodorf Sieben Linden statt.Da kommen für mich genau diese beiden Facetten, die mich total reizen, zusammen. Einmal Permakultur, da richtig rein ins Thema zu kommen und auch wie gesagt die Ausbildung starten, wo ich dann die nächsten Jahre dran festhalten möchte und gleichzeitig die Erfahrung, wie ist das eigentlich mit so einer solidarischen Lebensweise jetzt beispielsweise in diesem Ökodorf Sieben Linden, was mich von dem, was ich bisher so wahrgenommen habe, sehr inspiriert, wo ich total neugierig drauf bin und jetzt eben im Rahmen dieser Permakultur Ausbildung auch die Möglichkeit habe, mal eine Woche dort vor Ort zu wohnen und mal abzugleichen: Ist es das überhaupt, was ich mir vorstellen kann? Für mich persönlich, für uns vielleicht in naher Zukunft oder in ferner Zukunft oder generell? Oder ist das ein Ideal, wo ich merke Uups, jetzt bin ich doch irgendwie zu sehr auf Einsamkeit geprägt, da komme ich nun gar nicht mit klar? Also es wird auf alle Fälle total interessant und zumindest für mich persönlich werden das Themen sein, die mich im nächsten Jahr stark begleiten werden. Und ich denke auch, dass ich da in der einen oder anderen Podcast Folge dann auch nochmal drüber berichten werde.

Stefanie Und diese Ausbildung ist ja eigentlich auch etwas, was dir eine Perspektive schenkt, oder?

Carsten Ja, absolut, weil ich ja, das haben wir ja schon öfters thematisiert, mit meiner jetzigen Erwerbsarbeit nicht gerade super zufrieden bin. Was jetzt weniger an dem konkreten Job liegt, sondern eher an einer Entfremdung von der Erwerbsarbeit.

Stefanie Musstest du jetzt gerade sagen.

Carsten Muss ich jetzt sagen.

Stefanie Falls jemand zuhört.

Carsten Hallo Kollegenkreis.

Stefanie Verschämtes Lachen einblenden...

Carsten Ja, auf jeden Fall erhoffe ich mir tatsächlich durch diese Ausbildung eine Perspektive hin zu einer beruflichen Entfaltung, die mir heute noch gar nicht zur Verfügung steht. Also ganz konkret halt der Wunsch, nicht mehr diese Art von Erwerbstätigkeit durchzuführen, die ich zunehmend als sinnentleert ansehe, die mir persönlich einfach überhaupt nicht mehr das bringt, was sie mir vielleicht in jüngeren Jahren bringen konnte. Meine Güte, ich sag jüngere Jahre.

Stefanie Carsten ist ja innerlich immer noch, wie alt? 17 oder so?

Carsten 25.

Stefanie 25. Genau. Genau.

Carsten Und dementsprechend ist das natürlich jetzt ein ganz großes auch auch Motivationsmoment mit viel Hoffnung dahinter für uns.

Stefanie (lacht) Ja, Entschuldigung.

Carsten Ja, lach ruhig.

Stefanie Jetzt gibt es wieder Hörer·innen, die sich beschweren, dass ich dazwischenrede.

Carsten Also Quintessenz des Ganzen: Ich möchte irgendwann mal eine Erwerbstätigkeit ausüben, die mir auch selber Erfüllung verschafft, mit der ich den Lebensunterhalt sicherstellen kann und die auch nach außen hin sinnvoll ist.

Stefanie Genau, Du hattest das mal so formuliert, dass du gesagt hast, dass du tagsüber halt für das System quasi arbeitest und abends dann gegen das System, also was ja irgendwie sinnbefreit ist eigentlich. Und so wird es ja vielen Hörer·innen auch gehen. Die Jobs, die gegen das System arbeiten, womit du deinen Lebensunterhalt sichern kannst, sind ja doch sehr rar gesät. Alles was mit Aktivismus zu tun hat, ist meistens ehrenamtlich und du kriegst kein Geld dafür. Kenne ich sehr gut. Ich habe es bisher auch nicht geschafft, mich da irgendwie so zu positionieren, dass ich meinen Lebensunterhalt damit verdienen kann. Und deswegen finde ich das halt super, dass Carsten jetzt die Möglichkeit hat, in diese Richtung zu gehen und freue mich schon darauf. Und auch, dass du auf Sieben Linden bist. Das habe ich tatsächlich zu verantworten, dass Carsten einen Kurs auf Sieben Linden macht, weil ich in diesem Jahr schon mal für drei Tage auf Sieben Linden war und ich fand es richtig super und habe gedacht, für Carsten ist das auch was. Und das Essen ist auch total lecker da. Also falls du, liebe·r Hörer·in, auch mal ein Seminar auf Sieben Linden machen möchtest: Für vegan lebende Menschen ist das da auch wirklich toll. Zwar ist nicht alles vegan dort, aber es ist immer alles gekennzeichnet. Meistens ist es auch so, dass das, was nicht vegan ist, gekennzeichnet ist. Das heißt also, dass die Grundausstattung dann bei dem Buffet beim Essen vegan ist und das „nicht-vegane“ ist nochmal extra gekennzeichnet. Also jedenfalls super, super lecker, wenn wir so beim Essen sind und auch natürlich die Beherbergung, wo du dann da wohnen kannst, ist auch toll. Und ich fand das Dorf generell sehr inspirierend. Ich hatte ja auch das Glück, da noch mal dann eine Führung machen zu können. Von einer, die das Dorf mitgegründet hat und durfte mir da das alles einmal auch anschauen. Mit anderen zusammen natürlich. Das war keine exklusive Führung und deswegen freue ich mich halt umso mehr, dass Carsten da jetzt eine ganze Woche verbringen darf.

Carsten Und ich freue mich darüber, dass auch dieser Permakulturkurs dort stattfindet. Also ich kann natürlich auch Permakultur Kurse hier direkt auch in Hamburg buchen und machen. Das wäre auch eine Option gewesen, weil es ja auch total bequem ist. Dann könnte ich ja jeden Tag da quasi.

Stefanie Ja, dann musst du halt nicht für die Unterkunft und fürs Essen und so bezahlen.

Carsten Aber der Reiz, tatsächlich mal eine Woche in so einem Ökodorf zu wohnen, mitzuerleben. Gut, ich bin ja wahrscheinlich den ganzen Tag dann im Seminar, aber ich werde hoffentlich noch genug von diesem Leben dort vor Ort wahrnehmen, um mir auch eine Meinung bilden zu können, um zu sehen passt das jetzt für mich? Das ist natürlich so ein Kombi Paket, das ist unschlagbar. Also das war gar keine Frage, dass ich das machen möchte.

Stefanie Genau. Du wurdest überhaupt nicht gezwungen.

Carsten Nein, überhaupt nicht. Und zumal wir ja auch schon mal mit dem Gedanken gespielt hatten, dass wir generell mal solche alternativen Lebensmodelle ausprobieren.

Stefanie Genau das war auch eine Idee, dass wir halt wirklich durch Deutschland reisen und uns diese ganzen alternativen Wohnprojekte anschauen, was bis jetzt noch nicht so funktioniert hat. Aber mit dem Ökodorf Sieben Linden fangen wir jetzt an und vielleicht wird es dann in Zukunft auch noch mehr werden, dass wir da dann eben verschiedene Sachen anschauen können und verschiedene Projekte und dann auch natürlich hier darüber berichten können.

Carsten Genau. Und also da wird sich vieles tun. Und das ist auch tatsächlich so ein Punkt, wo ich sage, 2023 wird nochmal richtig eine Veränderung für uns geben.

Stefanie Tatsächlich nicht nur darauf bezogen. Ich persönlich habe einige Entscheidungen getroffen, die ich jetzt hier noch nicht so öffentlich kundtun möchte, die sich aber auch darauf auswirken, wie es bei mir so weitergeht. Ich muss dann nochmal überlegen, wie weit ich das öffentlich mache und wie weit nicht. Und natürlich weißt Du, dass ich einiges losgelassen habe. Wie das Experimentarium zum Beispiel und die Onlinekurse, dass mein Fokus jetzt tatsächlich mehr so auf das Regionale geht. Die Steady-Unterstützer·innen bekommen ja dann quartalsweise noch den Bericht. Das heißt, wenn du mich und meine Arbeit - das ist immer so meine Arbeit und mich müsste ich eigentlich sagen, voll unhöflich, aber ich sag jetzt einfach mich, wenn du mich und meine Arbeit und Carsten und so - hier finanziell über Steady unterstützt, dann bekommst du quartalsweise einen Rückblick auf das vergangene Quartal. Das wird dann im Januar auf jeden Fall erfolgen. Kannst du dich schon darauf freuen und du hast, wenn du später Mitglied wirst, auch Zugriff auf die vergangenen Berichte. Also wenn dich sowas interessiert, was da so passiert und passieren wird - es ist immer ein Rückblick und ein Ausblick - dann wirst du da auf jeden Fall nochmal detaillierter hören, was ich so vorhabe. Und ich möchte das nicht so ganz öffentlich machen, sondern wirklich eher so in diesem intimeren Kreis, so exklusiven Kreis von denjenigen, die halt enger mit mir verbunden sind, dadurch, dass sie meine Arbeit finanziell wertschätzen, möchte ich das lieber da teilen. Und das heißt also, wenn du mich bei Steady unterstützt, kannst du dich darauf schon mal freuen.

Und wie gesagt, wenn du Interesse daran hast, dich denjenigen anzuschließen, die mich schon über Steady unterstützen, freue ich mich natürlich sehr darüber. Es gibt Monatsmitgliedschaften, wo du 3 € im Monat zahlst oder du kannst Jahresmitgliedschaften abschließen, wo du dann einmal im Jahr etwas zahlst. Du kannst es dann nach einem Jahr kündigen. Das ist auch kein Problem. Und die Monatsmitgliedschaften kannst du monatlich kündigen. Es ist nicht so, dass du für immer gebunden bist und zehn Jahre Geld an mich zahlen musst oder so. Das ist es auf keinen Fall. Und schau einfach da mal vorbei. Ich verlinke das natürlich hier auch wieder unter der Folge und in den Shownotes. Wenn du das Gefühl hast, du möchtest mich gern finanziell unterstützen, freue ich mich sehr. Es fehlt noch Geld, damit ich wirklich die laufenden Kosten bezahlen kann für das Hosting von den Podcastfolgen, von der Webseite oder beiden Webseiten und auch generell die Gebühren, die ich so zahlen muss. Sei es über PayPal oder die Kontogebühren und alles, was mensch halt so braucht, um so ein Mini Business führen zu können. Und nur wenn ich die ganzen Gebühren zahlen kann und einen Gewinn erwirtschaftet, ist das auch fürs Finanzamt in Ordnung das ich das hier tue. Und das ist halt eben die Bürokratie auf die ich achten muss und da wäre es echt super, wenn ich mir da keine Gedanken machen müsste. Also wie gesagt, da geht es nicht um Bereicherung, dass ich jetzt sage Bitte kaufe meinen nächsten Porsche, ich habe ja schon einen von deinem Geld gekauft, so in der Art, sondern wirklich tatsächlich nur um die Gebühren. Und deswegen habe ich ja jetzt auch das Experimentarium losgelassen, weil einfach nicht genug Geld da war, um das zu finanzieren und habe wirklich alle Ausgaben so auf ein Minimum runtergeschraubt.

Den Newsletter, den gibt es jetzt über Steady, da muss ich dann auch keine Extragebühren für zahlen. Also das heißt, wenn du einfach unkompliziert auf dem Laufenden bleiben möchtest über all das, was ich so austüftle und was es so in Zukunft vielleicht auch an Verlosungen gibt oder was auch immer wir so für Gedanken haben, dann kannst du dich sehr gerne für den Newsletter bei Steady anmelden. Alle, die das schon gemacht haben, wissen: Ich habe bis jetzt einen Newsletter verschickt. Also es ist nicht so, dass du wöchentlich von mir etwas bekommst, sondern vielleicht einmal im Monat und kann halt auch mal sein, dass du zweimal im Monat was von mir hörst, wenn es halt irgendwelche besonderen Dinge gibt. Aber es ist halt die Tendenz eher zu einmal im Monat. Also keine Sorge, ich weiß, wie blöd das ist, ständig zugespamt zu werden. Es ist wirklich nur um dich auf dem Laufenden zu halten. Ansonsten, wenn du keine Lust hast auf Newsletter und das alles, deine E Mail Adresse nicht hergeben willst usw. und so fort, verstehe ich das alles. Dann kannst du natürlich auch selbstständig bei Steady vorbeischauen und gucken, ob da halt irgendwelche neuen Posts sind. Du hörst ja auch hier in den Podcastfolgen, was neues passiert oder über Mastodon, wo ich auch aktiv bin, kannst du mir da entweder folgen oder wenn du dich da nicht anmelden möchtest, kannst du das Profil auch einfach so aufrufen und gucken, was ich da schreibe. Also es gibt verschiedenste Möglichkeiten, wie du mit mir Kontakt halten kannst und dich herantasten kannst, je nachdem, wie viel du von dir preisgeben möchtest. Und alle Links zu dem, was ich jetzt gerade gesagt habe, den Newsletter, Mastodon etc.. Findest du hier noch mal unter der Folge oder in den Shownotes. Und bevor mir jetzt die Stimme komplett versagt - ich merke schon, wenn es mich so langsam anstrengt - möchte ich mich auf jeden Fall noch mal mich ganz herzlich bedanken. Dafür, dass Du eine treue Hörerin, ein treuer Hörer dieses Podcasts bist.

Carsten Vielen, vielen Dank.

Stefanie Und auch noch mal an alle, die meine Arbeit und mich finanziell unterstützen, sei es über Steady oder über Überweisungen auf das Konto oder über PayPal. Und auch ein herzliches Dankeschön an Menschen, die mein Buch kaufen. Da freue ich mich auch immer darüber, wenn ich das noch weitergeben kann. Also wenn du das Gefühl hast, du brauchst Unterstützung in deinem Alltag als Veganerin und zwar nicht Unterstützung wie Happy Cow das zum Beispiel liefert, wo ist das nächste vegane Restaurant? Sondern was die sozialen Herausforderungen angeht, dann schau dir gerne mein Buch noch mal an, ich freue mich, wenn ich dir das zusenden kann. Da findest du den Link natürlich auch hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und ja, also ein Gesamt-Dankeschön an alle. Ja, das war wieder ein interessantes Jahr und wir wünschen dir jetzt auf jeden Fall alles Gute für das nächste Jahr. Einen hoffentlich entspannten Start und so wie du dir das wünscht, wie das nächste Jahr sein soll, dass hoffentlich alle deine Wünsche in Erfüllung gehen und es genau das ja wird, was du dir vorstellst.

Carsten Einen guten Rutsch.

Stefanie Wobei ich mir gerade gedacht habe, wenn du dir etwas negatives vorstellst, ist es blöd.

Carsten Also nur positive Wünsche.

Stefanie Wir wünschen dir alles Gute. Sagen wir mal so.. Also nicht, dass es ein schreckliches Jahr wird. Das muss ich jetzt mal eben als Disclaimer noch dazu sagen.

Carsten Dann ausschließlich wohlwollende Wünsche.

Stefanie Also wir hoffen, dass deine Vorstellung vom nächsten Jahr eine positive ist. Und sollte das so sein, wünschen wir dir, dass sie in Erfüllung geht.

Carsten Das ist schön.

Stefanie Sehr schön. Gut, dann fügen wir jetzt hier imaginäre Geräusche von Feuerwerk ein. Und wir sind keine Feuerwerkfans. Deswegen machen wir jetzt - (lacht) Carsten spitzt schon die Lippen, um vielleicht doch noch mal *pfiiiuu* zu machen oder so…

Carsten Das war ein Böller.

Stefanie Achso... Jedenfalls genau, bevor das jetzt hier ganz ausartet: Alles Gute fürs neue Jahr und wir hören uns dann in 2023.

Carsten Bis nächstes Jahr.

Stefanie Tschüss. Ach nee, warte. Wir haben ganz vergessen.

Carsten In diesem Sinne zu sagen.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Bis ins nächste Jahr.

Folge 275 - Rise up - wie verändert man die Welt?

Ein Beitrag

Folge 275 - Rise up - wie verändert man die Welt?

Carsten war im Kino und hat die neue Dokumentation "Rise up - heimgesucht von Alpträumen, auf der Suche nach Träumenden" angesehen. Der Film ist seit dem 27.10.2022 im Kino und wird vor allem durch Initiative verschiedener Kulturvereine gezeigt.

Der Film porträtiert 5 Menschen, die sich, über den ganzen Erdball verstreut, als Einzelpersonen gegen die großen Ungerechtigkeiten unserer Zeit einsetzen und eingesetzt haben.

Triggerwarnung vorab: Solltest Du Dich derzeit emotional nicht stabil fühlen, ist vor allem das Ende des Films nicht für Dich geeignet. Denn der Film zeigt auch die Schattenseiten, die mit den großen Erfolgen einhergehen.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Carsten war im Kino.

Carsten Ja.

Stefanie Und hat sich einen Film angeguckt.

Carsten Mal wieder.

Stefanie Mal wieder.

Carsten Ganz alleine.

Stefanie Ganz alleine, ja, leider kriegen wir das abends noch nicht so wirklich hin, wenn am nächsten Tag Schule ist, dann würde das Kind einfach sehr lange aufbleiben.

Carsten Wird dem Kind vielleicht gefallen, ja.

Stefanie Ja, aber wir sind ja pflichtbewusste Eltern natürlich, also stellt das nicht in Frage und deswegen war Carsten eben alleine im Kino. War es ein großes Kino?

Carsten Ne, das war ein kleines Kino, also auch kein richtiges Kino. Es war eigentlich mehr eine Filmvorführung in einer umgebauten Scheune oder Präsentationsscheune alias Präsentationsraum alias - keine Ahnung - Kulturvereinraum.

Stefanie Aber es war großes Kino.

Carsten Es war großes Kino, der Film war groß. Wenn auch das Publikum klein war.

Stefanie Echt, wie viele waren da?

Carsten Ich weiß nicht, so 20 Leute.

Stefanie Ok und wie viele hätten reingepasst?

Carsten 50.

Stefanie Ok also konntet ihr Abstand halten.

Carsten Wir konnten Abstand halten und von den gefühlten 20 Personen waren ungefähr 18 gefühlt im Kulturverein.

Stefanie Ok.

Carsten Also jetzt keine neutralen Personen, die man eigentlich versucht zu animieren, in ein solches Kino zu gehen, sondern Leute, die das mitorganisiert haben. Das war so ein bisschen schade.

Stefanie Das verstehe ich. Wollen wir erstmal noch kurz sagen, um welchen Film es geht?

Carsten Ja klar, sag doch mal.

Stefanie Ja, ich dachte Du sagst das?

Carsten Ich sag das? Ok: Rise up.

Stefanie Klingt jetzt irgendwie so ein bisschen neutral. Also ich kann mir jetzt da nicht so viel drunter vorstellen, deswegen hab ich grad mal einen Flyer gegriffen und als Untertitel heißt es „Heimgesucht von Alpträumen. Auf der Suche nach Träumenden.“ Also. Wüsste ich jetzt auch ehrlich gesagt nicht, worum es geht, wenn ich mir nicht den Text durchgelesen hätte. Kannst du vielleicht nochmal kurz sagen, worum es geht in dem Film?

Carsten Den Untertitel kann ich jetzt tatsächlich nicht interpretieren, weil ich das so in dem Film nicht wiedersehe. Der muss sehr frei gewählt worden sein. In dem Film selber geht es um Aktivismus und zwar um ein Portrait von 5 Personen, die in sozialen Kämpfen tatsächlich die Welt verändert haben. Im teilweise globalen Kontext, teilweise auch für ihr Land bezogen. Aber in einem sehr großen Stil so und diese 5 Personen wurden porträtiert, wurden befragt nach ihren Kämpfen nach ihren Motiven, nach dem, wie es weitergeht, wie die jetzt gerade, mit dem, ich sag jetzt mal, Stand der Welt zufrieden sind und wie es jetzt weitergehen sollte. Und da geht der Film letztendlich Portrait für Portrait drauf ein und webt quasi diese 5 Geschichten zu einem großen Ganzen zusammen.

Stefanie Und der Film ist ja noch ganz neu, der ist erst dieses Jahr 2022 rausgekommen.

Carsten Genau ist so ein bisschen so Underground Feeling ja. Ich hab den vorher gar nicht so richtig wahrgenommen, das war ganz zufällig, dass ich ein paar Tage vorher hier bei uns im Stadtteil ein Plakat gesehen habe. Über diese Filmvorführung und ich hab mich total angesprochen gefühlt und habe gedacht da gehe ich jetzt hin und der Kinostart war der 27.10.2022 also es wirklich echt noch sehr frisch und wird auch bundesweit ausgestrahlt der Film. Das, wo ich war, war von einem Kulturverein eine organisierte Filmvorführung im kleineren Kreis, die aber öffentlich zugänglich war und eben auch öffentlich beworben wurde.

Stefanie Ja, wir verlinken auch die Webseite, jetzt nicht von dem Kulturverein, sondern zum Film, da kannst du dann gucken, ob der Film auch bei dir in der Nähe gezeigt wird. Aber wie das Beispiel von Carsten zeigt, kannst du eben auch solche Kulturvereine oder Kinos bei dir ansprechen und fragen, ob sie nicht den Film dort wenigstens einmal zeigen können und dann auf diese Art und Weise öffentlich verbreiten.

Wenn du auf der Suche nach Geschenken bist, vielleicht so Last Minute Geschenke für Weihnachten und gerne meine Arbeit und mich und auch hier diesen Podcast mit Carsten zusammen unterstützen möchtest, dann kannst du jetzt auch Steady Mitgliedschaften verschenken. Da gibt es auch einen extra Link. Das wäre auf jeden Fall etwas, worüber ich mich sehr freuen würde. Es fehlt nämlich noch ein bisschen Geld zu dem Betrag, den ich monatlich brauche, um die laufenden Kosten zu decken. Und ich bin sehr, sehr dankbar und froh über die Person, die mich jetzt schon über Steady unterstützen. Und deshalb geht jetzt hier nochmal ein herzliches Dankeschön an Martin, Andrea, Birgit, Julia, Lena und Johannes. Ganz vielen Dank!

Carsten Vielen Dank!

Stefanie Ganz besonders toll ist auch, dass alle sechs eine Jahresmitgliedschaft gewählt haben. Dass ist aus zwei Dingen besonders toll und vorteilhafter als die Monatsmitgliedschaft. Zum einen, weil die Gebühren für das Abbuchen des monatlichen Beitrags nur einmal anfallen, denn dieser Jahresbeitrag wird bei dir einmal abgebucht. Ich bekomme ihn dann monatlich ausgezahlt, also quasi in zwölf Monatsraten. Und zum anderen kann ich jetzt auf jeden Fall für ein Jahr mit diesem Betrag planen. Also ist es super. Aber wenn du sagst ja, ich möchte aber erst mal nur monatlich unterstützen, ist das natürlich auch völlig in Ordnung. Nur mit dem Jahresbeitrag kann ich halt einfach besser planen und es bleibt mehr Geld bei mir. Ich freue mich in jedem Fall sehr, wenn du dich Martin, Andrea, Birgit, Julia, Lena und Johannes anschließt und meine Arbeit und mich auch über Steady unterstützt.

Und da wir ja gerade so bei Weihnachten und Weihnachtsgeschenken sind: es gibt ja auch immer noch mein Buch „Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht veganen Welt“. Wenn du das Gefühl hast, du brauchst Unterstützung bei den sozialen Herausforderungen im Alltag als Veganer·in, dann ist dieses Buch möglicherweise genau das Richtige für dich. Ich habe es so konzipiert, dass es etwas ist, was Du so im Taschenbuchformat immer mit dir rumtragen kannst. Es ist auch definitiv vegan gedruckt, auf Graspapier mit veganen Farben und veganen Leim gebunden. Vielleicht ist es ja auch was für dich persönlich, dass du dir das schenken lässt. Das wäre ja auch eine Idee, oder Du möchtest es gerne verschenken oder du schenkst es dir selbst. Also es gibt viele Möglichkeiten dieses Buch zu verschenken. Genau. Also das waren jetzt noch so die organisatorischen Informationen, die ich jetzt noch mal mit dir teilen wollte.

So, und jetzt starten wir mal mit der Filmrezension zu Rise Up. Ich hatte da, als Carsten mir davon erzählt hat, dann erst mal im Internet gesucht, was es damit auf sich hat. Und es gibt auch andere Filme, die so heißen. Aber dieser Film, Carsten hatte es ja schon gesagt, der ist jetzt ganz neu von 2022 und ich lese jetzt mal hier den Text vor, der auf dem Flyer steht, den Carsten mitgebracht hat: „Wie verändert man die Welt? Diese Frage stellt man am besten denen, die es bereits getan haben. Ob feministischer Kampf in Südamerika, der Kampf um Gerechtigkeit in der Bundesrepublik oder die ökonomische Emanzipation der afroamerikanischen US Bürger. Fünf Menschen, die an überwältigenden gesellschaftlichen Umbrüchen beteiligt waren, erkämpfen sich Antworten. Sie zeigen, wie sich jede·r Einzelne konkret gegen die großen Ungerechtigkeiten unserer Zeit einsetzen kann. Ihre Beispiele bieten aber vor allem eins: Hoffnung. Hoffnung, dass politischer Einsatz kein Kampf gegen Windmühlen ist. Sondern dass man globalen Krisen, sozialer Ungerechtigkeit und autoritären Despoten entgegentreten und gewinnen kann. Rise Up erzählt mit großer Energie von der Heldenhaftigkeit, die in jedem von uns stecken kann, vom einzelnen Aufbegehren zur großen Revolte, von einer einzelnen Idee zu einem historischen Fortschritt. Jeder Wandel beginnt mit dem ersten Schritt und vor allem mit Menschen, die ihn gehen.“

Soweit jetzt erst mal der Text auf dem Flyer. Und als ich das gelesen hatte, habe ich gedacht, das ist ja für mich jetzt erst mal nichts Neues. Es ist eigentlich genau das, was ich auch schon so seit Jahren immer wieder erzähle. Es waren schon immer Einzelpersonen und kleine Gruppen, die etwas bewirkt haben. Und ich überlege eben, ich habe ja jetzt den Film nicht gesehen., ist es denn tatsächlich so, dass du nach dem Film rausgegangen bist und Hoffnung hattest?

Carsten Nein, bei mir hat es genau, ich will nicht sagen das Gegenteil ausgelöst, aber ich bin mit sehr ambivalenten Gefühlen aus diesem Film gegangen. Zum einen muss ich vorab nochmal erwähnen, eine Motivation, weswegen ich ja gerade in diese Vorstellung des Films gegangen bin, lag ja darin, dass ich hier direkt im Stadtteil auch Personen kennenlernen wollte, die sich ähnlich mit diesem Thema identifizieren wie ich. Ich wollte eigentlich Gleichgesinnte kennenlernen oder zumindest einfach mal das Gefühl haben: okay, wie viele von uns gibt es denn eigentlich bei uns hier in der Gegend? Bin ich jetzt ganz alleine? Und da bin ich tatsächlich enttäuscht, weil, wie ich vorhin schon sagte, es gibt ja einen Trägerverein, einen Kulturverein, der sehr viel in dieser Location veranstaltet. Es ist ein sehr breites Spektrum und gefühlt waren dort vornehmlich Personen aus diesem Vereinskreis. Ich glaube, da waren so zwei oder drei andere Personen, die ich jetzt so noch nicht zuordnen konnte, wo ich jetzt vielleicht sagen könnte, das sind Personen, wie auch ich persönlich, die jetzt irgendwo den Flyer draußen gesehen haben oder ein Plakat und gedacht haben, ich geh da hin und guck mir das an. Aber ansonsten waren es eigentlich so die üblichen Verdächtigen, die sowieso bei solchen Veranstaltungen da sind, weil sie sie eben veranstalten. Das war etwas, wo ich schon enttäuscht war.

Stefanie Aber weißt du, vielleicht sind das deine Gleichgesinnten.

Carsten Vielleicht sind das meine Gleichgesinnten. Vielleicht muss ich Teil des Vereins werden. Genau. Ich hatte nur gedacht: Boah, das ist so ein richtig guter Film. So von der Art und Weise, wie ich ihn so in der Werbung, will ich gerade schon sagen, so auf dem Flyer wahrgenommen habe. Und ja, da war natürlich so ein Sog. Ich hatte an dem Abend eigentlich einen anderen Termin. Den habe ich dann aber erst einmal fallen lassen, weil ich gesagt habe: Nee, dieser Film, der ist mir wichtiger, der ist auch gerade für mich thematisch im Leben viel präsenter, weil ich mich auch inhaltlich jetzt immer stärker mit dem Thema Aktivismus auseinandersetze. Und dementsprechend passte der auch wirklich genau. Also vom Zeitlichen her, vom Inhaltlichen her. Und da musste ich einfach hin. Und da ist natürlich dann klar, dass ich dann so ein bisschen brenne. Ich will jetzt da mitmischen und dann stelle ich fest, okay. Also so viele gab es da jetzt nicht, die mit mir mitgemischt haben. Aber das war gar nicht so der der ausschlaggebende Punkt. Der hat damit reingespielt, weswegen ich mich nachher ambivalent gefühlt habe.

Der andere Grund war, dass der Film, wie du grad schon im Flyer vorgelesen hast, tatsächlich Hoffnung bietet. Es werden große Geschichten erzählt, da geht es darum, wie das Apartheidsregime in Südafrika gestürzt wurde. Eine von den Personen war ganz vorne mit in dieser Bewegung und hat auch dafür gesorgt, dass eben dieses Apartheidsregime gestürzt wurde, dass Nelson Mandela aus dem Gefängnis freigekommen ist. Also so richtig große Geschichte wurde dort geschrieben. Eine andere Person, das ist das, was du gerade schon vorgelesen hat, dass das auch hier in der Bundesrepublik passiert ist. Das war eine von den Personen, die damals dabei war, als die DDR sich aufgelöst hat, in diesen sozialen Bewegungen aktiv war und maßgeblich auch daran mitgewirkt hat, dass es dort überhaupt zu einem gesellschaftlichen Aufstand gekommen ist, der letztendlich dazu geführt hat, dass sich der Staat auflöst. Und das sind natürlich dann schon ganz große Würfe. Das ist nicht einfach mal irgendwo auf einer Demo gewesen und sich dann da irgendwie mit präsentiert und da was organisiert, sondern das sind gesellschaftliche Umbrüche, die auch wirklich in die Geschichte eingehen. Und das ist natürlich super motivierent, wenn man merkt, okay, da sind Personen, die genau ihre Lebensgeschichte, ihre Erfahrungen, ihre Hoffnung und auch ihre Erfolge dann da präsentieren. Das zieht mit.

Schwierig ist bei mir gewesen, als ich dann aus diesem Film rausgegangen und gedacht habe: Wow! Also du musst echt groß kämpfen. Also das, was nachher offen blieb, ist ja tatsächlich die Systemfrage. Der Film ist umklammert worden durch eine Stimme im Off, die das kapitalistische System grundlegend infrage gestellt hat. Die Person selber ist da jetzt gar nicht wirklich als Person vorgestellt worden, sondern es war quasi die narrative und verbale Klammer um dieses ganze Geschehen. Und da ging es letztendlich auch um diese Frage: Wann habe ich eigentlich aufgehört ‚Nein‘ zu sagen, ‚Nein zum Kapitalismus‘? Wann habe ich angefangen, ‚Ja‘ zu sagen zu diesem mich - frei übersetzt - Einlullen, diesem nicht mehr auf Widerstand gehen, dieses Akzeptieren des Status Quo und nicht mehr dagegen ankämpfen? Die Filmvorführung war am Donnerstag und ich musste da am Freitag nochmal einen Tag zur Arbeit und ich wusste, ich gehe gleich aus diesem Film raus und morgen beginnt genau dieses Szenario für mich wieder, wo ich eigentlich innerlich sage: Boah, das will ich jetzt gerade überwinden. Ich will da irgendwie gegen angehen, dass ich meine qualitativste Lebenszeit nicht dafür einbringe, andere Menschen noch reicher zu machen.

Das wurde hier in dieser Dokumentation auch sehr stark nach vorne getragen. Dass der Reichtum von wenigen Superreichen, die dort immer mal wieder porträtiert wurden, dass dieser Reichtum einfach nur machbar ist dadurch, dass Menschen wie wir unsere Zeit investieren, unsere Lebenszeit investieren. Also deren Reichtum ist unsere Lebenszeit. Und dann gehe ich natürlich Donnerstagabend aus diesem Film raus und weiß: Hey, morgen investiere ich meine Zeit, damit mein Chef reicher wird. Also so wirklich schwarz-weiß gedacht und das war etwas, wo ich gedacht habe: Nee, also so richtig mit Hoffnung und Power und Yeah und jetzt machen wir das, bin ich da jetzt nicht rausgegangen, sondern wirklich so ambivalent: Ja klar, du musst kämpfen, du musst irgendwas machen, du musst dich da irgendwie gegen auflehnen. Aber ja, morgen muss ich erst mal zur Arbeit.

Stefanie Ja, das ist auch irgendwie das Problem. Auch generell. Bei dem Film Tomorrow gab es ja diese Extras noch auf der DVD, die ich öfter mal angeguckt habe. Und da ist auch eine Person, die sagt ja, er hat da länger drüber nachgedacht. Und dann war der sinnvollste Schritt tatsächlich den Job zu kündigen, um aus diesem System rauszukommen. Aber das ist halt nicht einfach so möglich. Also uns ist das jetzt nicht möglich, dass du deinen Job kündigst bzw. aus dem System aussteigst, um dann eben dich Vollzeit dem Aktivismus zu widmen, weil wir einfach unseren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Und das ist ja das Problem irgendwie. Also dass viele - vielleicht auch du, liebe Hörerin, lieber Hörer, da in diesem System feststecken.

Carsten Ja, und da glaube ich, ist es auch die Schwierigkeit von diesem Film. Er kann mitreißen, er hat wirklich große Bilder, hat große Geschichten, das ist sehr packend und ich habe so ein paar Situationen gehabt, wo mir auch die Tränen gekommen sind, weil ich einfach mitbekommen habe, was für krasse Erlebnisse die Personen hatten. Einige Personen haben auch über die Schattenseiten ihres Aktivismus berichtet, weil auch sie natürlich drunter gelitten haben, unter Repression, unter Bestrafung, teilweise auch unter Polizeigewalt, die dort geschildert wurde. Das ist natürlich etwas, was sehr bewegend ist. Das sind sehr große Momente, sehr große Bilder, die da drin sind. Und gleichzeitig ist es aber auch etwas, was eher so für Personen geeignet ist, die dem Aktivismus schon nahestehen. Also ich bezeichne mich jetzt als eine Person, die dem Aktivismus nahesteht. Ich würde mich nicht als eine aktivistische Person bezeichnen, höchstens im übergeordneten Kontext, jetzt im Rahmen dieses Podcasts. Aber ich bin halt nicht derjenige, der jetzt irgendwelche Demonstrationen organisiert oder wirklich vorne mitarbeitet und einen Großteil seiner Lebensenergie in den Aktivismus investiert, wie es eben diese Protagonist·innen in der Dokumentation machen. Und andererseits sind es aber auch wahrscheinlich Personen, die tatsächlich sehr stark ein aktivistisches Leben leben, die von diesem Film angesprochen werden.

Und da stelle ich mir natürlich die Frage: Was ist eigentlich das Publikum, was dieser Film adressieren möchte? Sind es Personen, die ich eigentlich gar nicht mehr überzeugen muss, die ich vielleicht nochmal hiermit motivieren muss, um zu zeigen: Hey, das was du machst, ist hochgradig sinnvoll, wir unterstützen dich auch nochmal mit Geschichten, um zu zeigen, du kannst wirklich etwas Großes bewegen. Oder ist es eher so adressiert an Personen, die vielleicht von dieser ganzen Thematik noch nichts mitbekommen haben, die man einfach wachrütteln möchte und zu sagen: Hey, du musst jetzt langsam mal raus aus diesem „Ja sagen“ kommen, du musst mal anfangen „nein“ zu sagen zu diesen Systemverhältnissen, musst tatsächlich mal hinter die Kulissen gucken, vielleicht auch mal die rote Pille schlucken und auch konkret Machtverhältnisse hinterfragen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob genau diese Intention diesem Film zugrunde legt, Personen anzusprechen, die vielleicht noch gar nicht im Thema drin sind. Und deswegen fällt es mir wirklich schwer da voller Hoffnung aus diesem Film rauszugehen und mich total motiviert zu fühlen. Weil ich einfach nicht weiß, spricht er die richtige Zielgruppe an? Das wäre für mich eher so die breite Masse, um wirklich zu mobilisieren. Und wie gesagt, mein Freitag kam dazwischen, mein Tag der Arbeit.

Stefanie Das heißt, du kannst gar nicht genau sagen, für wen der Film jetzt geeignet ist.

Carsten Nein. Also natürlich fühlte ich mich angesprochen. Ich könnte jetzt sagen Menschen wie mich. Aber mir wird es jetzt auch schwer fallen zu sagen: Wer bin ich jetzt eigentlich?

Stefanie Ja, gibt es überhaupt noch jemanden wie dich?

Carsten Ja, wie gesagt, ich war ja alleine da. Es war eine Privatvorführung.

Stefanie Quasi mit 19 anderen.

Carsten Mit 19 anderen...

Stefanie Auch privat. Ja, ja, exklusiv. Als du mir von dem Film erzählt hast - bevor du den gesehen hast, wir haben danach jetzt noch nicht darüber gesprochen extra, damit wir jetzt hier die Podcastfolge gemeinsam aufnehmen und alles noch frisch ist - da hatte ich mich ja informiert, was das jetzt genau für ein Film ist und ich dachte, dass er vielleicht tatsächlich hilfreich sein könnte, wenn ich als Aktivist·in schon länger dabei bin und wieder Motivation brauche. Also genau das, was du vorhin angesprochen hast, dass es vielleicht so einen Motivationsschub geben kann, denn Aktivismus ist ja eher ein Marathon, also ein Dauerlauf als ein Sprint. Und da ist es sehr hilfreich, tatsächlich immer mal wieder motiviert zu werden. Hast du denn das Gefühl, dafür ist er auf jeden Fall geeignet?

Carsten Er ist dafür geeignet, wenn du vorzeitig aus diesem Film dann raus gehst und ihn nicht bis zu Ende siehst.

Stefanie Okay.

Carsten Ja, weil der Film, der ist vollumfänglich. Also er zeigt ja auch die Schattenseiten, was ich gerade schon mal angedeutet habe. Also ja, er ist motivierend in der Hinsicht, dass wirklich diese ganz großen Revolutionen präsentiert werden. Umbruch in der DDR, dass der Staat sich dann aufgelöst hat, wie die einzelnen Personen dahinterstanden, wie die Prozesse dort abliefen. Alles natürlich subjektiv aus persönlicher Erfahrung geschildert. Das gleiche mit dem Apartheidsregime in Südafrika. Dann noch eine Person, die in Kurdistan revolutionäres Potenzial entfaltet und dort autonome Strukturen aufgebaut hat. Eine Person in Amerika, die sich stark für die Emanzipation von schwarzen Menschen einsetzt und da sehr starke Kämpfe schon durchgefochten hat. Eine fünfte Person kommt aus Chile, die dort auch am Umbruch der Gesellschaft mitgearbeitet hat, wo es dann auch einen revolutionären Moment gab. Und das Ganze, das motiviert natürlich, wenn man merkt, okay, da sind Prozesse, die sind auch sehr kraftzehrend, die sind auch überhaupt nicht vorhersehbar.

Und das ist auch eine Erkenntnis dieses Films, dass solche Prozesse, die nachher auch durchaus zu revolutionären Punkten führen, gar nicht planbar sind. Die haben eine Eigendynamik, die sich im Nachgang vielleicht erklärt, aber wenn du mitten in dieser Aktivität, im Aktivismus, im Prozess bist, weißt du wirklich nicht, wann ist es vorbei? Und da dann aber durchzuhalten und zu gucken, wie sind andere Menschen damit umgegangen, wie haben die durchgehalten? Das ist natürlich hochgradig motivierend, gerade wenn du merkst, okay, deren Kampf war erfolgreich oder teilweise erfolgreich, also teilweise erfolgreich deswegen, weil am Beispiel der Person, die jetzt hier in der Bundesrepublik damals beim Umsturz der Deutschen Demokratischen Republik aktivistisch mitgearbeitet hat, diese auch deutlich sagte: Das war eigentlich gar nicht das, was sie erreichen wollte. Sie ist mit dem Zustand, wie es heute ist, eigentlich noch unzufriedener als damals in der DDR, meinte dann aber auch so relativ humorvoll: Das liegt aber auch daran, dass sie es geschafft haben die DDR abzuschaffen, den Kapitalismus aber noch nicht. Also es gibt noch einen weiteren Kampf, der gefochten wird, aber die haben sich tatsächlich was anderes vorgestellt. Aber sie haben es zumindest geschafft, das damalige Regime zu überwinden und abzuschaffen.

Und deutlich wird aber auch: Das sind alles Personen gewesen, die ihr Leben dafür einsetzen. Das sind also nicht Freizeitaktivist·innen, die dann tagsüber den Kapitalismus retten, um dann in ihrer Freizeit, dann die Welt, das Klima, keine Ahnung was zu retten, sondern das sind Menschen, die auch vom Persönlichen her so viel Herzblut mit rein setzen, dass sie sämtliche Konsequenzen, die damit einhergehen in Kauf nehmen. Und Konsequenzen sind - das wurde in diesem Film auch deutlich, das sind diese Schattenseiten - durchaus Gewalt, die ausgelöst wird. Staatliche Gewalt, Polizeigewalt, Militär, Gewalt, wo Menschen ihr Leben lassen für diese Sache. Und das ist verstörend für einige Personen, die hier porträtiert wurden, für diesen Film auch motivierend, weil sie enge Angehörige verloren haben, persönliche Angehörige, also Verwandtenkreis, teilweise auch aus ihrem aktivistischen Umfeld, was dann nochmal beflügelt hat. Das hat dann so eine „Erst recht Stimmung, wenn das jetzt schon so weit kommt, habe ich gar nichts mehr zu verlieren. Jetzt gehe ich erst recht rein.“ ausgelöst.

Das ist natürlich dann, ich sag jetzt mal auch vom Lebensentwurf ganz was anderes als das wo ich jetzt gerade bin. Und auch diese Konsequenz. Es ist wichtig zu wissen, dass derartige Umbrüche nicht getan werden, indem ich z.B. Onlinepetition unterschreibe, jeden zweiten Samstag mit auf die Straße, auf eine Demo gehe, sondern da muss mehr kommen, denke ich. Ich muss da viel mehr Energie rein setzen, ohne zu wissen, zahlt sich diese Energie aus. Und ohne zu wissen, was kann mir passieren, wenn ich diesen Weg gehe? Und eine von diesen Schattenseiten war zum Beispiel von diesem Aktivisten, der für die schwarze Community in Amerika eintritt. Der sagte also aus seiner Lebenserfahrung, er wurde bei mindestens sechs Jobs gefeuert, weil er bei diesen sechs Jobs versucht hat, gewerkschaftliche Strukturen in diesen Unternehmen aufzubauen. Da ist es natürlich, wenn du ein sicheres Anstellungsverhältnis suchst, eine sichere Einkommensquelle, ist das natürlich ein Lebensweg, der nicht zu dem passt, was du eigentlich möchtest. Und gleichzeitig hat er aber auch eine krasse Erfahrung geschildert, dass er im Rahmen seines Aktivismus von der Polizei festgenommen wurde. Ich glaube bei Verkehrskontrollen, wenn ich das richtig verstanden habe, wurde zusammengeschlagen, ins Polizeiauto geworfen, gefesselt, konnte sich also da nicht befreien. Und das war in Los Angeles zu den Zeiten, wo die großen Banden- und Drogenkriege stattfanden. Und die Polizei hat ihn in ein anderes Stadtviertel verbracht und dort auf der Straße einfach rausgeworfen. Und er meinte, das haben die gemacht, die haben mich dort also ganz bewusst, die wollten mich sterben lassen. Weil dieses andere Stadtviertel lag in der Herrschaft einer anderen Bande, die verfeindet war mit dem Viertel, aus dem er stammt. Und das war zu der Zeit, wo er das durch gelebt hat, eigentlich ein glattes Todesurteil. Sich dort ungeschützt in feindlichen Gebieten aufzuhalten.

Und das sind so ganz krasse Nebenerscheinungen von diesem Aktivismus, auf die man sich einstellen muss, dass du auf einmal mit Situationen konfrontiert wirst, die im schlimmsten Fall dein Leben kosten können. Und das ist natürlich etwas. Da gehe ich natürlich nach diesem Film nicht nach Hause, sage Yeah, jetzt erst recht. Muss ich meinem Kind noch gute Nacht sagen, aber morgen gehe ich auf die Straße und versuche hier gegen die bestehenden Machtverhältnisse anzugehen und riskiere alles, um diesen Zustand hier zu ändern. Also so ist es natürlich nicht.

Stefanie Ja, das ist ja eben auch das Problem der „Letzten Generation“, dass wenn du da mitmachst, du eben damit rechnen muss, dass du festgenommen wirst, dass du angeklagt wirst. Und auch bei vielen anderen Aktionsformen kann es auch zu Gewalt kommen. Und es ist immer die Frage: Bist du bereit dazu? Wir können ja jetzt nur hypothetisch sagen, ob wir bereit dazu wären. Also wenn wir jetzt alleine wären zum Beispiel. Weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, jetzt in dieser Konstellation tragen wir Verantwortung. Und da bin ich eben nicht bereit dazu, mich verhaften zu lassen.

Carsten Und da muss es tatsächlich auch andere Formen geben, um sich aktivistisch zu beteiligen, ohne jetzt komplett sein bisheriges Leben so stark zu riskieren, dass damit dann ja auch quasi im schlimmsten Fall die Lebensgrundlage oder irgendwie das menschliche Leben dann gefährdet ist. Das fehlte so, diese Perspektive fehlt in dem Film.

Stefanie Ja, aber das gibt es ja auch. Also es gibt ja verschiedenste Formen des Aktivismus und das sind ja diejenigen, die da ihr Leben riskieren und auch generell auf die Straße gehen, nach vorne, also vorne stehen. Die brauchen ja auch immer noch Menschen, die hinter ihnen stehen und die das alles organisieren und vielleicht auch eben Menschen, die sich um sie kümmern im Sinne von sie aus dem Gefängnis wieder rausholen usw. und so fort. Also braucht es ja die verschiedensten Professionen dafür und die verschiedensten Arten, wie du damit umgehen kannst.

Ich habe jetzt gerade, während du davon erzählt hast, überlegt, dass es vielleicht sinnvoll ist, diesen Film in deiner Gruppe sozusagen zu gucken, in der du aktiv bist. Also wenn du schon aktiv bist, sei es für Tierrechte oder für Klimaschutz, also gegen den Klimawandel, Klimaaktivismus, wie auch immer, also für ein gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten, sagen wir jetzt mal so, da gehört ja eigentlich alles so mit dazu und auch eben überlegst: ich will noch aktiver sein oder wie kann ich noch aktiver sein und generell dich schon einer Gruppe angeschlossen hast, dass du diesen Film gemeinsam mit dieser Gruppe schaust, so dass ihr dann danach darüber diskutieren könnt und euch gegenseitig auffangt. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein gutes Konzept ist für diesen Film, weil dann das, was Carsten jetzt macht, dass er sich so alleine gefühlt hat, erstmal wegfällt und zum anderen ihr dann eben auch diskutieren könnt: Okay, passt das jetzt? Können wir soweit gehen? Fühle ich mich bereit und können wir vielleicht so eine Struktur aufbauen, dass einige vielleicht so weit gehen, die anderen aber auf jeden Fall immer als Hilfe bereitstehen?

Carsten Ja, das wäre auf alle Fälle ein guter Anlass, diesen Film zu sehen bzw. auch so zu integrieren, auch hinsichtlich dessen, was natürlich dann beim Aktivismus als spätere Stufe passieren kann. Ich glaube, das ist schon in diesem Film sehr gut dargestellt, dass du ab einer gewissen Stufe deines Aktivismus mit Machtstrukturen in den Konflikt kommst. Du hast vorhin die „letzte Generation“ angesprochen. Jetzt, wo wir diese Folge aufnehmen, das ist ja genau das auch gerade in Bayern in München, die jetzt von der Gesetzgebung genau diese Art des Aktivismus her verbieten. Das ist für mich ein Zeichen, dass die „letzte Generation“ genau an dieser Eskalationsstufe angekommen ist, wo sie sich mit herrschenden Strukturen anlegt. Und die herrschenden Strukturen versuchen jetzt auf Teufel komm raus den Status quo zu verteidigen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass es eine Situation ist, wo ein „jetzt erst recht“ erfolgen muss. Jetzt muss auch mehr als nur der Personenkreis aktiviert werden, der bisher sich ganz bewusst gegen Recht und Ordnung gestellt hat, gegen das Empfinden der Zivilgesellschaft und sich angeklebt hat und ja auch alles in Kauf genommen hat, was dann als negative Konsequenz auch persönlich zu ertragen ist. Ja, da müssen jetzt viel mehr Leute aktiviert werden und zu sagen Hey, neuralgische Schwelle, nee, das nehmen wir so nicht hin. Ja, wir wollen diesen Kampf jetzt auf etwas breiterer Ebene auch aktivistische, auch aktiver, auch vielleicht radikaler noch mal weiterführen.

Aber genau das wird aus meiner Sicht hier in diesem Film „Rise Up“ auch erkenntlich, dass du genau da münden wirst, dich mit bestehenden Strukturen auseinanderzusetzen. Und hier in diesem Film war es tatsächlich so, dass das mit Konfrontation gegen Polizei und gegen Militär dann einher ging, weil das die Instrumente des Staates sind. Die versuchen natürlich, ich sag jetzt mal, den Status Quo aufrecht zu erhalten. Ich muss da jetzt irgendwie versuchen, nicht zu sehr in diesen militanten Sprachgebrauch reinzurutschen. Aber ich glaube, es ist verständlich, in welche Richtung das geht.

Stefanie Ja, ein schwieriges Thema. Ich hatte zu Beginn gedacht, ob das vielleicht so motivierend sein kann wie „Tomorrow“. Da war ich ja auch allein im Kino und als ich aus dem Kino gekommen bin, war ich total motiviert. Und ich dachte, ob du genauso wiederkommst?

Carsten Nee, das hatte ich ja eigentlich gehofft, dass ich da sp wiederkomme. Das war so tatsächlich ein bisschen auch meine Intention, den Film zu sehen. Leider war es jetzt nicht der Fall. Nichtsdestotrotz halte ich es für ein sehr wichtiges Thema und auch einen sehr wichtigen Film. Also wie gesagt, Personen, die jetzt dem Aktivismus nahestehen oder mitten im Aktivismus sind und einfach nochmal Inspiration brauchen. Auch wie gesagt, große Bilder. Also das liefert dieser Film, große Bilder. Aber er hört ja nicht nur bei der Motivation auf, sondern zeigt eben auch Konsequenzen auf. Das ist eben das Schwierige.

Stefanie Also auf jeden Fall auch eine Triggerwarnung. Wenn du dich da gerade nicht emotional stabil fühlst, solltest du den Film nicht gucken.

Carsten Ja, ja, ja, definitiv. Wie gesagt, ich habe da so zwei, drei Situationen gehabt, wo mir die Tränen gekommen sind, weil ich einfach schwer ertragen konnte, was da gerade geschildert wird. Sind zwar nur verbale Schilderungen, aber es sind so aus persönlichen, sehr traumatisierenden Situationen heraus nochmal Revue passieren der Erlebnisse. Das ist schon harter Tobak und das ist definitiv nichts, was einen motiviert zu sagen: Hey, ich geh jetzt morgen dahin und versuch die Welt zu ändern.

Stefanie Okay, also keine klare Empfehlung, würde ich sagen.

Carsten Nee, unter Vorbehalt.

Stefanie Kommt drauf an.. Also ein Jein. Solltest du den Film sehen? Jein. Und gut. Du hast jetzt gehört, du kannst jetzt deine eigene Meinung dazu bilden. Schau dir die Internetseite vielleicht auch an, da gibt es auch einen Trailer, da kannst du da mal reinschauen. Und wie gesagt, unter Vorbehalt auch mit der Triggerwarnung, wenn du dich emotional nicht stabil fühlst und du hast ja jetzt gerade schon gehört, was Carsten so geschildert hat. Wenn das Dinge sind, die dich triggern, dann schau dir den Film lieber nicht an, den Trailer kannst du angucken?

Carsten Ja, der ist okay.

Stefanie Und schau den Film am besten nicht alleine, sondern in Gemeinschaft mit Menschen, die ähnlich denken wie du. Dann kannst du dich direkt austauschen und kannst dir überlegen, ob du oder wie du auch in diese Richtung Aktivismus gehen kannst. Genau. Gut, dann würde ich sagen war's das jetzt mit dieser Folge? Alle Links findest du wie immer hier unter der Folge.

Carsten Ja, dann komm ich jetzt: In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und frohe Weihnachtszeit.

Folge 274 - 'Weltuntergang fällt aus' von Jan Hegenberg

Ein Beitrag

Folge 274 - 'Weltuntergang fällt aus' von Jan Hegenberg

Diese Folge widmen wir dem neuen Buch von Jan Hegenberg, vielen sicherlicherlich auch unter dem Namen "Der Graslutscher" bekannt: "Weltuntergang fällt aus."

Jan Hegenberg geht in seinem Buch der Frage nach, ob und wie wir die zum meistern der Klimakrise notwendige Energiewende hinbekommen. Der Umschwung von fossilen Energieträgern hin zur ausschließlichen Verwendung erneuerbarer Energien wird in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert und weckt so manchen Zweifel an den Erneuerbaren. Dem begegnet dieses Buch, bietet Antworten auf offene Fragen, zeigt greifbare und heute bereits vorhandene Wege aus der Energiekrise und räumt Zeifel aus dem Weg.

Wir sprechen darüber, was Carsten an diesem Buch gut gefallen hat, bei welchen Aspekten er "nicht mitgeht" und ob der Veganismus, für den der Graslutscher seit Jahren einsteht, auch in diesem Buch eine Rolle spielt.

Links zur Folge

Buch "Weltuntergang fällt aus" von Jan Hegenberg
https://graslutscher.de/weltuntergang-faellt-aus/

Die Adventsaktion findest Du hier:
https://steadyhq.com/de/stefanie-rueckert/posts/60628ef9-1154-4f52-ba1b-6fa02a6da7c5

Von Herzen Vegan Podcast: Folge 60 - Souverän debattieren mit dem Graslutscher
https://von-herzen-vegan.de/folgen/folge-060-souveraen-debattieren-mit-dem-graslutscher

Wall of Thanks
https://von-herzen-vegan.de/wall-of-thanks

Vollständiges Transkript

Stefanie Wir haben uns zu dieser Folge entschieden, weil ich gerade dabei bin, die verbleibenden Bücher aus der Wanderbibliothek des Experimentariums Tag für Tag an den Wochentagen, also von montags bis freitags innerhalb des Dezembers, zu verschenken. Und wir haben ja noch ein Buch liegen, das hatten wir schon mal rezensiert, Dann haben wir die Rezension wieder gelöscht. Also wir hatten sie gar nicht veröffentlicht, weil Carsten gesagt hat, „neue Informationen, die ich auch noch einfügen möchte, ich möchte es noch mal neu aufnehmen.“ Deswegen jetzt der nächste Versuch, dieses Buch zu rezensieren.

Tatsächlich haben wir dieses Buch von Jan Hegenberg, auch bekannt als der Graslutscher, bekommen, weil wir ihn schon länger über Steady unterstützen. Finanziell mit einem kleinen Betrag im Monat. Und er hatte dieses Buch geschrieben und gesagt, alle, die über einen gewissen Zeitraum für einen gewissen Betrag ihn unterstützen, bekommen das einfach kostenlos zugeschickt. Du kannst es natürlich auch kostenpflichtig kaufen, das ist auch kein Problem. Nur das hier ist jetzt unser Geschenk Exemplar sag ich jetzt mal, dass wir jetzt wieder weiter verschenken. Das Buch ist noch relativ frisch, das ist im August 2022 herausgekommen und bisher hat tatsächlich nur Carsten es gelesen. Ich hatte hinten mal so ein bisschen gelesen, weil Jan da eine Zukunftsvision beschreibt und mich diese Zukunftsvisionen immer interessieren. Das heißt, auch dieses Buch enthält eine Zukunftsvision, genauer gesagt einen Tag im Jahr 2040.

Noch mal kurz was zur Person Jan Hegenberg oder der Graslutscher. Wenn du ihn noch nicht kennst, solltest du auf jeden Fall mal auf seiner Seite vorbeischauen. Graslutscher.de Da findest du viele, viele Artikel, die auch irgendwie die Basis für dieses Buch waren. Jan Hegenberg betreibt diesen Blog schon seit 2014 und ist auch in den sozialen Medien sehr aktiv. Er ist mittlerweile tatsächlich auch zu Mastodon mal rüber gewechselt. Ich habe jetzt da noch nicht viel von ihm gelesen, aber ich hatte ihn vor einigen Jahren schon mal für den Von Herzen Vegan Podcast interviewt. Genau zu diesem Thema „Wie kann ich gelassen bleiben in Diskussionen in den sozialen Medien?“ Das ist etwas, was mir nicht leicht fällt, weswegen ich solche Diskussionen einfach meide. Aber Jan Hegenberg oder der Graslutscher, der schmeißt sich da einfach immer rein und hat da gewisse Strategien entwickelt. Und wenn dich das interessiert, verlinke ich die Podcastfolge hier auch noch mal unter dieser Folge und in den Shownotes, dann hör da gerne noch mal rein.

Auf der Webseite vom Graslutscher, also graslutscher.de findest du auch noch Termine für Lesungen und Vorträge, falls du ihn mal live erleben möchtest. Da sind noch zwei Termine für den Januar 2023 und vielleicht kommen da ja noch mehr dazu. Aber in jedem Fall ist auch das möglich. Jan Hegenberg beschreibt sein Buch auf seiner Webseite auch selbst als „eine Anleitung zum Einhalten des 1,5 Grad Ziels und dem Erschaffen einer gerechteren, saubereren und lebenswerteren Welt in Frieden und Wohlstand.“ Und jetzt übergebe ich tatsächlich an Carsten, denn er hat, wie gesagt das Buch gelesen und kann vielleicht auch erklären, ob das tatsächlich so ist. Ist es so eine Anleitung? Und dann vielleicht auch noch mal ein bisschen tiefer auf alles eingehen und natürlich auch erzählen: Für wen ist dieses Buch geeignet?

Carsten Da hast du jetzt aber große Worte gerade zitiert, bzw. ich denke mal, Jan Hegenberg hat diese großen Worte formuliert für seine Internetseite. Das sehe ich nicht ganz so, also diese Anleitung für eine gerechtere Welt kommt indirekt zum Vorschein. Aber ich glaube das, was er tatsächlich auf seinem Buch mit abgedruckt hat als Untertitel passt besser. Und zwar steht dann dort, „Warum die Wende der Klimakrise viel einfacher ist, als die meisten denken und was jetzt zu tun ist.“ Das passt aus meiner Sicht besser als dieses große Ziel eine Anleitung für eine gerechtere Welt. Weil das Thema Gerechtigkeit in dem Buch aus meiner Sicht nicht direkt, sondern eher indirekt hervorgeht. Sprich, es geht hier gar nicht um das Thema klimagerechte Zukunft, sondern es geht mehr darum, wie kriegen wir jetzt die Klimakrise irgendwie gewuppt? Indem wir quasi eine Energiewende einleiten, die uns auf erneuerbare Energien umswitcht und die daraus resultierenden Effekte, die haben dann nachher vielleicht auch hinsichtlich der Klimagerechtigkeit eher einen Einfluss. Aber diese Thematik der Klimagerechtigkeit und der Ausbeutungsstrukturen, die da mitschwingen, die sind jetzt gar nicht Gegenstand dieses Buches.

Stefanie Wir kennen ja den Graslutscher eigentlich als denjenigen, der den Veganismus verteidigt, sag ich jetzt mal, daher kommt ja auch das Graslutscher Thema. Also wir essen oder lutschen nur an Gras und Steinen und ernähren uns von sonst nichts. Und ich hatte mich gefragt, ob das auch Thema in dem Buch ist, also ob es vor allem darum geht.

Carsten Nein, es geht nicht darum. Es ist eine der Schlussfolgerungen. Also Jan Hegenberg hat relativ weit hinten im Buch dann noch mal ein kleineres Kapitel, „was ist jetzt zu tun?“ Da werden so vier, fünf Maßnahmen aufgeführt. Nochmal so kompakt. Was sind jetzt tatsächlich unsere To do's, um diese Klimakrise tatsächlich in den Griff zu bekommen? Und der vierte ist „Esst mehr Pflanzen“. Einfach um klar zu stellen, dass gerade die die Produktion von nicht pflanzlichen Lebensmitteln, also alles das, was irgendwo mit Fleisch und Milch etc. zu tun hat, über Gebühr eine ökologische Belastung darstellt. Aber das ist dann auch schon fast das Maximum dessen, was mit vegan zu tun hat.

Ansonsten konzentriert sich dieses Buch wirklich auf den Bereich der erneuerbaren Energien, um klar zu machen: Hey Leute, wir haben eigentlich schon das Fundament dessen, was wir brauchen, um die Energiewende zu wuppen. Wir müssen es nur noch mal ein bisschen richtiger, fokussierter anpacken. Aber wir stehen da jetzt nicht erst am Anfang, sondern sind schon ein ganzes Stück des Weges gegangen und haben es einfach noch nicht richtig gemerkt. Oder es ist noch nicht so wirklich publik und und das macht er mit seinem Buch, einfach drauf hinzuweisen, das Ganze publik zu machen, dass wir tatsächlich diesen Weg schon ein riesiges Stück gegangen sind und jetzt einfach nur noch konsequent die letzten paar Schritte sind es leider nicht, aber das letzte Stück auch noch zurücklegen müssen.

Stefanie Ja, was ich mich so gefragt habe ist, welche Expertise hat er denn eigentlich? Also was befähigt ihn jetzt dazu, so ein Buch zu schreiben?

Carsten Na ja, einfach seine persönliche Beschäftigung über die letzten Jahre. Und das ist auch tatsächlich etwas, was du auf seinem Blog findest. Er ist ja, wie du gerade schon sagtest, ursprünglich als rein vegan-thematisch bekannt geworden. Und das ist ja auch die Phase, wo wir auf ihn aufmerksam geworden sind. Und sein Schreibstil ist natürlich dann auch etwas, was einfach nur Spaß macht beim Lesen, weil er einfach so prägnant und auch von seiner Art des Humors hervorsticht. Und irgendwann im Laufe der Zeit hat es zumindest auch auf seinem Blog inhaltlich einen kleinen Schwenk gegeben, dass er weniger auf diese veganen Themen eingegangen ist, sondern viel mehr auf das Thema erneuerbare Energien. Und ich weiß nicht, ab wann das anfing, aber das kann ja jede·r auf dem Blog von Jan Hegenberg nachlesen. Irgendwann hat sich dann der Fokus tatsächlich auf den Bereich der erneuerbaren Energien gedreht. Das ist jetzt so gefühlt die letzten Jahre der Fall. Ich lese immer noch die Blogbeiträge, weil es unglaublich fundiert ist, was er macht.

Sein Vorteil ist, dass er viel Zeit investieren kann. Er wird ja mittlerweile auch durch Steady und Patreon und andere Unterstützungskanäle von seiner ursprünglichen beruflichen Tätigkeit mehr oder weniger freigehalten und kann sich jetzt Vollzeit auf diese Themen konzentrieren. Hat entsprechend die Möglichkeit, sich in Materialien reinzustürzen, die vielleicht auch vom zeitlichen Horizont gar keinem Menschen zuzumuten sind, der jetzt irgendwie Vollzeit arbeitet, noch Familie hat etc. und er hat auch Familie. Aber er kann sich aus dem ganz normalen Tagesberuf rausziehen. Und wie gesagt, diese Zeit investiert er, um in die Recherche reinzugehen und hat sich da mittlerweile zu einem wirklichen Experten gemausert. Und noch mal auf das, was er in seinem Blog schreibt: Da sind auch häufig Artikel bei, wo er Medienberichte quasi debunked, also Debunking in dem Sinne, dass er einfach richtig stellt, wo in den Medien jeglicher Couleur teilweise auch die erneuerbaren Energien verrissen werden. Also so sehr schlecht dargestellt werden, das greift er oftmals auf, um klarzustellen: Hey, das ist eine sehr, sehr einseitige Berichterstattung. Fakten werden verdreht, es wird vielleicht subjektiv argumentiert und gar nicht mit dem tatsächlichen wissenschaftlichen Kenntnisstand argumentiert. Und das sind alles so Sachen, da beschäftigt er sich seit langer Zeit und daraus resultiert auch seine Expertise zum Thema.

Stefanie Es ist also jetzt kein „Veganismus wird die Welt retten – Buch“. Was würdest du denn sagen? An wen richtet sich dieses Buch? Wer sollte es gelesen haben?

Carsten Also prinzipiell ist der Schreibstil identisch mit dem, was auf seinem Blog vorzufinden ist. Das wäre für Dich, liebe Hörerin, lieber Hörer, schon so ein Indikator, um erst mal so ein bisschen reinzuschnuppern. Das heißt also, bevor du jetzt dieses Buch bei uns gewinnst oder weil du es schnell haben möchtest in der Buchhandlung deiner Wahl dieses Buch kaufst, würde ich dir empfehlen, erst mal mindestens einen dieser Blogbeiträge von Jan Hegenberg zu lesen und mal zu gucken, ob du mit der Art und Weise seines Schriftstils klar kommst, weil der ist nicht staubtrocken, der macht auch Spaß. Und ich hatte am Anfang auch so ein bisschen Bedenken, weil ich gedacht habe okay, so ein Blogbeitrag, den hast du relativ schnell durchgelesen, da macht so eine flapsige Art, nenne ich es jetzt mal, auch noch Spaß beim Lesen. Wie wirkt das denn in einem Buch? Mit einem Buch setzt mensch sich ja häufig über mehrere Tage auseinander und da kann eine flapsige, lustige Schreibweise ja irgendwann unter Umständen auch nervig werden. Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall. Ich habe auch bis zum Schluss des Buches Gefallen an dieser Schreibweise gefunden. Aber hier nochmal die Empfehlung: schnupper erstmal so in seine Art und Weise des persönlichen Ausdrucks rein. Und wenn dir das gefällt, hast du schon mal die erste Stufe genommen. Und inhaltlich sollte dich natürlich das Thema Energiekrise und auch so dieser Ansatz: Wie kann ich die Energiekrise durch den Einsatz erneuerbarer Energien meistern? Das sollte dich interessieren. Und dann bist du eigentlich prädestiniert für dieses Buch.

Stefanie Okay. Ja, und dann? Wir hatten ja jetzt die Folge schon mal aufgenommen und dann warst du bei dieser Konferenz und da hast du gesagt: Nee, dürfen wir nicht senden. Glücklicherweise hatte ich sie noch nicht geschnitten und noch nicht alles vorbereitet, als du gesagt hast: Löschen, löschen. Warum hast du das getan? Wieso wolltest du jetzt diese Folge noch mal neu aufnehmen?

Carsten Ich habe mich nicht mehr wohl gefühlt mit der Ansicht, die ich damals so in der ersten Aufnahme präsentiert habe. Ansicht heißt, Erneuerbare Energien haben natürlich auch immer eine Auswirkung auf Rohstoffe, auf kritische Rohstoffe, seltene Erden oder das, was auch häufig auch in der negativen Berichterstattung hervortritt, sind diese Salzwüsten oder Coltanwüsten in Südamerika. Das sind natürlich alles auch von der Berichterstattung her Hotspots, die sich sehr gut auch in den Medien präsentieren lassen, um negative ökologische Auswirkungen unseres Handelns zu zeigen. Und ich habe beim ersten Lesen, auch bei der ersten Rezension eigentlich Jan Hegenberg in seiner Sichtweise zugestimmt, der gesagt hat: Ja, es gibt diese Ausbeutung, aber sie findet ja heute auch schon statt und sie kommt ja nicht originär aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, weil unabhängig davon, ob wir jetzt erneuerbare Energiesysteme aufbauen.

Da bezieht er sich jetzt auf Themen wie Windkraftanlagen, Fotovoltaikanlagen, das E Auto oder auch Speichersysteme um Wärmepumpen werden genannt. Einfach um die Frage zu lösen, was passiert eigentlich, wenn jetzt gerade mal die Sonne nicht scheint und der Wind auch nicht so stark ist? Wo kriegen wir dann die Energie her? Auch da müssen wir ja irgendwie so Pufferfunktionen haben, dass wir in energiereichen Zeiten Energie einlagern können und die dann dementsprechend im Winter, wenn es wenig windet und knallige Temperaturen sind und alle Leute heizen wollen, wie kriege ich dann die Energie trotzdem aus den Erneuerbaren erzeugt? Und das sind ja alles so Sachen, die erfordern natürlich jetzt auch noch mal weitere Eingriffe in die Ökosysteme, also sprich noch mal mehr von diesen Rohstoffen. Gleichzeitig weist Jan Hegenberg aber auch darauf hin: Selbst wenn wir das jetzt nicht hätten, ist ja dieser Rohstoffhunger heute schon da. Auch in einem normalen Auto gibt es eine Batterie, gibt es Rohstoffe, die da mit reinlaufen und unsere Elektronik erfordert diese Rohstoffe. Unser komplettes fossiles Wirtschaftssystem erfordert diese Rohstoffe. Das heißt also, diese sehr starken negativen Eingriffe ins Ökosystem plus Ausbeutung und Verdrängung der Menschen, die da für uns tätig sind oder die dort einen originären Lebensraum hätten, wenn wir sie denn einfach hätten dort leben lassen, auch das würde ja passieren, wenn wir jetzt gar keine erneuerbaren Energien forcieren würden.

Und das habe ich damals bei der ersten Rezension quasi übernommen. Diese Erklärung, dass ich gesagt habe: ja, okay, das ist das kleinere Übel. Jetzt müssen wir noch ein kleines Stückchen dieses Weges gehen. Das Gros dieser Ausbeutung findet ja heute schon statt. Wir müssen zusehen, dass diese Ausbeutung jetzt nicht überhand nimmt. Und dann haben wir die Energiewende und dann wird alles besser, weil wir dann von den fossilen Energien weggehen und dann quasi das große Maß, was wir heute schon aus diesem fossilen Bereich an Ausbeutungsstrukturen haben, fällt dann ja mehr oder weniger weg. Und das bisschen, was wir dann noch für die erneuerbaren Energien haben, das können wir ja quasi dann jetzt schon und in Zukunft stärker auf Kreislaufwirtschaft umstellen und dann mehr Recycling. Und wo haben wir denn in der Vergangenheit diese Rohstoffe verbaut, dass wir die dann nicht irgendwie auf irgendwelche Schrotthalden kippen, sondern quasi dann über Recycling, dann den Rohstoffhunger für die weiteren erneuerbaren Energien dann generieren? Das klang plausibel.

Fand ich auch teilweise gut vom Ansatz. Deswegen habe ich das in der ersten Aufnahme auch so für mich dann mit in die Aufnahme reingebracht. Dann kam diese Konferenz, von der du gerade schon berichtet hast. Das war eine Konferenz in Münster zum Thema eine Weltwirtschaft, in der wir leben wollen. Und da sind auch Personen zu Wort gekommen, die tatsächlich Betroffene sind, also Personen aus dem globalen Süden, die teilweise per Zoom zugeschaltet waren, teilweise aber auch direkt vor dem Auditorium persönlich gesprochen haben. Die über die Eingriffe in die Natur durch das oder über das Verdrängen der Menschen vor Ort, über all die negativen Aspekte gesprochen haben. Unabhängig davon, ob diese negativen Aspekte jetzt durch erneuerbare Energien, durch diesen Ressourcenhunger entstehen oder durch fossilgetriebene Ausbeutungsstrukturen. Es ist klar geworden, dass egal woher das kommt: Das ist inakzeptabel.

Lässt sich auch nicht irgendwie wegreden, sondern es gilt einfach genau dort hinzugucken. Diese tatsächlich Ausbeutungsstrukturen, die dort existieren, ob ökologisch oder ethisch, auf Mensch und Tier, die gilt es auf Teufel komm raus zu vermeiden, zu benennen, zu gucken, wo finden sie heute schon statt? Unabhängig von den Ursachen. Und deswegen, weil ich das da so präsent mitbekommen habe und das noch mal in mein Bewusstsein reingeschwappt ist, das ist nochmal eine andere Qualität. Wenn du jemanden hast, der dir wirklich aus eigener biografischer Erfahrung sagen kann, was passiert da eigentlich? Oder ob ich da einen Zeitungsbericht drüber lese. Und dadurch, dass ich das dann direkt vor Ort einmal so richtig gehört habe, habe ich meine Meinung zu dem Thema geändert.

Und da sind wir jetzt auch tatsächlich bei dem, was du vorhin vorgelesen hast, was Jan Hegenberg da auf seiner Internetseite mal gegeben hat mit seiner Anleitung zu einer gerechteren Welt. Er hätte, um sich da so ein bisschen zu entkräften, tatsächlich auf diesen Aspekt der Klimagerechtigkeit stärker eingehen müssen. Diese Ausbeutungsstrukturen sind ja systembezogen. Er hätte auch in irgendeiner Art und Weise die Systemfrage stellen müssen. Und das macht er nicht. Er konzentriert sich ja letztendlich nur auf Energie, Trägertechnologien etc. und sagt okay, wenn du das alles so umsetzt, dann kriegen wir die Energiekrise gewuppt.

Aber es bleibt weiterhin eine auf Ausbeutungsstrukturen basierte Energiegewinnung. Vielleicht in der Kreislaufwirtschaft später. Aber ich sag jetzt mal so ganz offen und flapsig: den Kapitalismus stellt er nicht in Frage. So, und mein Learning auch aus dieser Konferenz in Münster ist einfach: doch, genau da müssen wir hingucken. Wir müssen diese Strukturen benennen. Und wenn diese Strukturen originär aus dem Kapitalismus kommen, muss ich auch den Kapitalismus infrage stellen. Und ich kann nicht eine Energiekrise und ich kann auch nicht über eine gerechtere Welt sprechen., indem ich das einfach zu sehr außen vor lasse und und vom Argument her eigentlich vorschiebe: Ja, das findet ja heute schon statt, das hat ja mit den Erneuerbaren nichts zu tun.

Stefanie Aber trotzdem kannst du das Buch empfehlen?

Carsten Ja, unbedingt. Also wie gesagt, aus dem Untertitel des Buches geht ja gar nicht hervor, dass Jan genau diesen Fokus hat. Das war ja jetzt einfach nur, weil da auf der Internetseite diese Anleitungsthematik anders angesprochen wurde. Aber der eigentliche Fokus des Buches ist ja tatsächlich zu zeigen: Hey, wir haben ja jetzt schon irgendwie Windkraftanlagen hier in Deutschland, wir haben Photovoltaik Technologien, wir müssen das einfach nur konsequent jetzt ein bisschen weitergehen. Und wir haben einen Stand der Technologie erreicht, der es uns heute eigentlich schon ermöglicht, die Energiefrage zu lösen, weg von fossilen Energieträgern. Und wir können den Switch machen auf Erneuerbare. Das würde uns heute schon gelingen, wenn wir konsequent die letzten technologischen Schritte noch mal umsetzen würden, die uns heute schon zur Verfügung stehen. Also da muss jetzt nicht zwangsläufig noch eine große technische Innovation abgewartet werden, sondern all das haben wir heute schon parat. Und wir müssen, wie gesagt, nur konsequent handeln.

Stefanie Was hat dir denn so am besten gefallen an dem Buch?

Carsten Also eigentlich zwei Aspekte. Das eine war, es ist neu im Vergleich zu dem, was er in seinen Blogbeiträgen hat. Das ist ja meistens so eine Gefahr. Wenn du jemanden kennst, der als Buchautor im Vorfeld schon sehr viel in den sozialen Medien oder in Blogs veröffentlicht hat, dass sich da Wiederholungen einschleichen. Beim Graslutscher hatte ich ganz am Anfang auch so die Bedenken, wenn ich den Blog jetzt schon intensiv genug verfolgt habe die letzten Jahre, dann wird mir da jetzt nichts Neues mehr unterkommen und das ist tatsächlich hier nicht der Fall. Also das Buch löst sich inhaltlich schon sehr stark von seinem Blog und nur weil du Blogbeiträge en masse von ihm gelesen hast, heißt das noch lange nicht, dass du das dann weißt, was hier im Buch steht. Das Buch ist also eine riesige Ergänzung.

Das ist der eine Aspekt und das andere, was mir sehr gut gefallen hat und was für mich auch tatsächlich so das größte Learning gebracht hat, ist, dass Jan Hegenberg die Verhältnisse, mit denen wir es zu tun haben, sehr schön plakativ darstellt. Also sprich, wie groß ist denn eigentlich das Problem? Wie viel Energie brauchen wir eigentlich? Also der Energiebedarf da, was heißt eigentlich Energie? Also wenn ich jetzt gucke, wie produzieren wir heute über fossile Wege Energie, wie hoch ist da jetzt unser Energiebedarf? Und warum ist eigentlich, wenn wir jetzt auf Erneuerbare umschwenken, der Energiebedarf tatsächlich geringer? Da habe ich mir vorher auch keine Gedanken darüber gemacht, aber hat einfach damit zu tun, dass die Energieerzeugung mit fossilen Energieträgern einfach denkbar ineffizient ist.

Zum Beispiel ein Auto. Das, was ich an Benzin verbrauche, ist ja jetzt nicht ausschließlich um die Fortbewegung zu bekommen, sondern ich habe da eine fahrende Heizung, die meiste Energie, die geht durch Wärmeverlust verloren. Das ist beim Elektroauto anders. Da packe ich Energie rein und dann ist der Wirkungsgrad deutlich höher. Und das muss natürlich dann bei der Gesamtbetrachtung auch mit einfließen. Und das baut er hervorragend in seine Argumentation ein, hat auch ganz tolle Piktogramme, mit denen er da arbeitet, um Verhältnisse klarzustellen. Wie viel Windkraft brauche ich eigentlich, wie viel Photovoltaik? Wie sieht das eigentlich aus? Muss ich jetzt, keine Ahnung, meine meine Windparks irgendwie verdoppeln oder verdreifachen? Spoiler Spoiler Spoiler: Nein, die Fläche, die wir heute haben, reicht aus. Ich muss einfach nur die neueste Technologie einsetzen, weil die einen deutlich höheren Wirkungsgrad hat. Und das alles im Gesamtkonstrukt. Das fand ich echt super, weil mir das vom Verständnis her sehr geholfen hat und auch die Einordnung des Problems viel einfacher dargestellt hat bzw ich da jetzt viel, viel besser drüber nachdenken kann, weil viele von diesen Fakten, die ja präsentiert werden, auf eine Art und Weise präsentiert werden, die sehr leicht verdaulich sind und da in diese Verhältnismäßigkeit gebracht werden können. Größe des Problems, Größe der Lösung. Passt das zusammen und wie weit sind wir eigentlich heute schon? Das ist echt gut geworden da in dem Buch.

Stefanie Ja, also wenn du jetzt, liebe Hörerinnen und Hörer, das Gefühl hast, dieses Buch möchte ich unbedingt lesen, dann hast du die Chance, es zu gewinnen. Damit es noch so ein bisschen spannend bleibt, verrate ich noch nicht, an welchem Tag es im hinterm Türchen sein wird. Und dann noch mal ein herzliches Dankeschön an Rupert, der gerade im Alleingang quasi alle Podcastfolgen transkribiert bzw. Korrektur liest.

Carsten Also so You're the man.

Stefanie Genau. Also vielen, vielen Dank. Wobei ist das okay? Also you're the man, you're the Mankind? Keine Ahnung. Wie können wir das denn neutraler sagen? The human.

Carsten Hero?

Stefanie The Hero? Ja, aber Hero klingt auch schon wieder so. Was ist nicht-Binär?

Carsten Wir tun uns schwer mit der Wortfindung. Du merkst es schon, unser Dank auszudrücken.

Stefanie Herzlichen Dank an Rupert. Wenn du auch so sein willst wie Rupert, nimm dir Rupert als Vorbild, bitte. Dann kannst du dich gerne bei mir melden. Schreib mir an post@vonherzenvegan.de wenn du eine Folge adoptieren und Korrektur lesen möchtest. Das hilft allen sehr, denn zum einen können dann Menschen, die nicht gerne Podcastfolgen hören oder nicht hören können, die Transkripte lesen und so werden die Inhalte zugänglicher und die Podcastfolgen werden auch besser gefunden, weil ja natürlich dann mehr Inhalte auf der Internetseite steht. Das heißt, unsere kongenialen Inhalte werden besser verbreitet. Ich habe es fast geflüstert, also genau, also jedenfalls wäre das eine große Hilfe.

Und dann nochmal herzlichen Dank an Rupert und ich habe da jetzt eine extra Seite ins Leben gerufen. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich das das letzte Mal schon erwähnt hatte. Ich glaube aber nicht, auf der ich allen Menschen danke, die bisher schon Geld gegeben haben, die momentan Geld geben und diejenigen, die Podcastfolgentranskripte Korrektur lesen.

Carsten Deine Wall Of Thanks.

Stefanie Meine Wall of Thanks, das ist inspiriert von Martin, der hatte mir da einen Tipp gegeben von einer anderen Person, die so was hat, die Wall of Thanks und ich dachte, das ist schön. Es ist keine Hall of Fame, sondern Wall of Thanks und das verlinke ich hier auch noch mal unter der Folge in den Shownotes, dann kannst du da mal vorbeischauen. Also das heißt, wenn du schon mal Geld gegeben hast oder ein Transkript Korrektur gelesen hast, dann findest du deinen Namen dort natürlich anonymisiert im Sinne von Vorname und erster Buchstabe Nachname. Wenn du mir gesagt hast, du willst völlig anonym bleiben, dann steht da nur anonym und ich habe das dann alphabetisch noch mal...

Carsten Du hast die Karmapunkte, dann anonymisiert eingezahlt.

Stefanie So in der Art ja, also jedenfalls gibt es das jetzt auch. Lange Rede, kurzer Sinn: Dankeschön.

Carsten Dankeschön.

Stefanie In diesem Sinne.

Carsten Der Weltuntergang fällt aus.

Stefanie In Hamburg.

Carsten und wahrscheinlich auch hoffentlich überall.

Stefanie Und da sagt man dann auch Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 273 - Neuigkeiten, Änderungen und ein Dankeschön

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Folge 273 - Neuigkeiten, Änderungen und ein Dankeschön

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Stefanie In dieser Folge soll es eher um Organisatorisches gehen. Wie geht es weiter? Was hat sich so getan? Und eigentlich brauche ich Carsten dafür gar nicht. Aber ich dachte, das lockert das auf.

Carsten Und ich sitze trotzdem hier bei. Ja, vielleicht habe ich ja zwischendurch mal ein bisschen was, was ich sagen darf.

Stefanie Genau. Also im Gespräch ist es doch immer viel schöner, so im Dialog und so.

Carsten Ja, das ist nett. Danke.

Stefanie Ja, wenn Carsten zwischendurch freundliche Worte sagt, genau so. Also es ist jetzt so, dass ich in den vergangenen Wochen einiges hab Revue passieren lassen und um das Ganze so in einen Gesamtkontext zu setzen: Ich habe vor ungefähr sieben Jahren mich dazu entschieden, mich dem Thema vegan zu widmen, auch was meine Selbstständigkeit, also meine Arbeit angeht und habe dann ausgelotet, wie ich denn in diesem Bereich auch Geld verdienen kann. Und das hat sich über diese sieben Jahre hinweg so entwickelt, dass ich dem Thema Geldverdienen jetzt auch generell kritisch gegenüberstehe. Weswegen das mit dem Geldverdienen die meiste Zeit nicht so gut geklappt hat.

Ich hatte ja zu Beginn die Touren durch Hamburg angeboten. Das war sehr gut. Das ist auch gut angenommen worden. Ich war da auf Messen, ich habe Vorträge gehalten, ich habe viele Touren durchgeführt, per Rad, zu Fuß, was immer angefragt worden ist. Und letztlich hätte ich das aber nur so vergrößern können, dass es meinen Lebensunterhalt finanziert, wenn ich besonders am Wochenende gearbeitet hätte. Und das wollte ich einfach nicht, weil ich ja ein Kind habe. Gemeinsam mit Carsten. Wir haben ein Kind, also nicht nur ich habe das Kind, haben wir das Kind überhaupt? Also jedenfalls wir sind Eltern. Ich bin ein Elter, ein Elternteil, eine Älteste. Haha, sehr lustig.

Und da war es mir immer wichtig, am Wochenende auch für das Kind da zu sein. Und dann, weil Carsten in Vollzeit arbeitet, da dann auch nur am Wochenende Zeit hat für die Familie, dass wir als Familie tatsächlich auch was tun können und gemeinsam etwas erleben können, Zeit füreinander haben und nicht Carsten unter der Woche die ganze Zeit weg ist und ich am Wochenende die ganze Zeit weg bin, sodass wir uns nicht nur als Eltern, sondern auch als Partner·innen dann quasi gar nicht mehr sehen oder nur abends mal kurz eingeschränkt. Also von daher ist da dann die Entscheidung dagegen gefallen und ich habe versucht, viel online zu machen, weil das flexibler ist.

Aber auch das hat nicht so gut funktioniert und ich hatte dann ja den Von Herzen Vegan Clan ins Leben gerufen, der auch ganz gut angenommen wurde. Das war nie so, dass wir jetzt da 5000 Leute hatten, aber alle die dabei waren, können es bestätigen und die jetzt auch noch im Experimentarium mit dabei waren, die vorher den Clan kannten, können bestätigen, dass dieses Umfeld, das ich da geschaffen hatte, dass du da einen geschützten Bereich hast, wo du frei reden kannst und dich austauschen kannst, wirklich etwas Positives war und auch in diesem Bereich angenommen wurde. Nur Geld ist da auch wieder nicht geflossen.

Dann hatte ich Onlinekurse erstellt, aber ich musste jetzt über die Corona Zeit feststellen, dass Selbstlernkurse nicht so gut angenommen werden, sondern es um begleitete Kurse geht. Und das konnte ich jetzt alles da nicht abbilden. Und letztlich habe ich jetzt geguckt, wie mache ich weiter und habe mich entschieden, die Reißleine quasi zu ziehen und einiges zu verändern. Das heißt, das Experimentarium wird am 29.11.2022 schließen. Da hatte ich einen Jahresvertrag für diese Plattform und der läuft dann aus. Ich hätte das dann erneuern müssen und ich bin jetzt einfach nicht mehr bereit, die Kosten dafür zu tragen.

Das Experimentarium war ein Experiment. Du warst dazu eingeladen zu experimentieren. Aber an sich war es auch ein Experiment, um mal zu schauen, ob das funktionieren kann. Anfang diesen Jahres 2022, als ich damit gestartet bin, hatte ich das Gefühl, das ist genau das, was wir jetzt brauchen. Und hatte dann auch sehr viel Zeit in den großen Onlinekurs gesteckt und dann aber festgestellt, dass es nicht so angenommen wurde, wie ich mir das vorgestellt habe. Und dann ist es einfach an der Zeit für mich, auch Dinge wieder loszulassen und mich da nicht dran festzubeißen.

Vielleicht funktioniert es irgendwann. Nur im Moment funktioniert es nicht. Und ich muss auch schauen, dass ich zu hohe Ausgaben einfach loslasse. Und mein Ziel ist es jetzt tatsächlich, mich mehr auf offline quasi zu konzentrieren. Ich mache ja hier für die VHS in Hamburg einiges und da dann mehr regional das auszubauen und in anderen Kultureinrichtungen dann auch Kurse anzubieten. Ich werde immer mal angesprochen und je nachdem ob es passt oder nicht, gebe ich dann da auch Kurse, Führungen oder was auch immer da gerade so passt. Das heißt, ich werde meine Zeit und meine Energie dann eher da hinein stecken. Was aber nicht heißt, dass ich jetzt online gar nichts mehr mache. Also dieser Podcast bleibt bis auf Weiteres erstmal bestehen. Wir haben jetzt im Moment nicht vor, ihn zu beenden.

Carsten Nein, wir haben auch noch genügend Inhalte und Themen, die zu besprechen sind. Und es ist ja für uns auch nach wie vor unsere persönliche Forschungsreise, die wir ja auch weitergehen. Wir lernen ja jeden Tag was Neues hinzu und versuchen unsere Erfahrungen auch weiterhin mit Dir, liebe·r Hörer·in, dann über dieses Medium zu teilen.

Stefanie Genau, und das ist jetzt mal so, dass vielleicht drei Wochen keine Folge kommt oder auch länger nicht. Das liegt wirklich einfach nur daran, dass Carsten Vollzeit arbeitet und das im Job teilweise ziemlich stressig ist und wir dann einfach keine Zeit haben, um Folgen aufzunehmen. Wie gesagt, Themen sind da, nur die Zeit fehlt uns häufig das zu machen. Denn es ist auch sehr zeitintensiv, nicht nur eine Podcastfolge vorzubereiten, wenn wir zum Beispiel Bücher lesen oder dazu recherchieren zu einem Thema und diese aufzunehmen, sondern auch die Nachbereitung, das Schneiden der Folge, das Produzieren sozusagen der Folge, das ist alles auch nochmal mit einem Zeitaufwand verbunden. Dann muss da noch ein Text dazu geschrieben werden. Ich bin jetzt dazu übergegangen, die ersten fünf Minuten zu transkribieren und das als Text zu nehmen. Aber auch das muss Korrektur gelesen werden. Also es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und das können wir einfach nicht immer leisten. Das heißt, wir machen auf jeden Fall weiter hier mit dem Podcast, es sei denn natürlich, es passiert irgendetwas Unvorhergesehenes. Wir können jetzt auch keine Garantie geben.

Carsten Wir wollen jetzt nicht nichts heraufbeschwören.

Stefanie Nee, ich meine jetzt, dass dann am Ende gesagt wird: Aber ihr habt doch gesagt und wenn jetzt keine Ahnung, Wie gesagt, wir wollen nichts heraufbeschwören. Nein, was es auch weiterhin gibt, sind die drei anderen Podcasts. Die sind natürlich weiterhin verfügbar und die kannst du weiterhin als Ressource nutzen. Und ich bin gerade als Projekt dabei, das wirst du ja auch schon gehört haben, alle Podcastfolgen zu transkribieren, das ist ein großer Aufwand, weil das über 400 Folgen sind, insgesamt.

Es gibt einige wenige Menschen, die schon dabei sind zu helfen. Für das Transkribieren nutze ich ein Programm, aber dieses Programm ist nicht fehlerfrei. Das heißt, jedes Transkript muss Korrektur gelesen werden. Und dieses Korrekturlesen übernehmen einige wenige Freiwillige, die damit etwas zurückgeben wollen. Und da geht auf jeden Fall ein herzliches Dankeschön an Rupert, der bis jetzt die meisten Folgen Korrektur gelesen hat und auch gerade aktuell dabei ist. Dann an

Carsten *Beeeep*

Stefanie Möchte gerne anonym bleiben, deswegen haben wir uns diese Anonymisierungstaktik überlegt. Diese Person hat auch schon Podcastfolgen Korrektur gelesen und ist gerade dabei eine weitere Folge Korrektur zu lesen. Auch ein herzliches Dankeschön an Erika, die auch eine Folge Korrektur gelesen hat. Danke schön. Genau. Also das ist auch eine Möglichkeit, wie du etwas zurückgeben kannst, wenn du nichts finanziell zurückgeben möchtest, aber trotzdem gut findest, was wir hier machen. Und generell die Arbeit, die ich in alle Podcasts und was ich auch alles noch weiterhin anbiete reingesteckt habe, ist dir eine Podcast Folge auszusuchen, sie zu adoptieren und lieb zu haben und dann das Transkript Korrektur zu lesen.

Carsten Allerdings hast du jetzt ja auch einen kompletten Podcast so aus dieser Adoptionsphase herausgenommen.

Stefanie Genau, ich hatte ein neues Transkriptionstool, also für mich neues. Skriptionstool ausprobiert, das Carsten freundlicherweise auf seinem alten MacBook, wo jetzt Ubuntu drauf läuft, also Linux installiert hat und wo ich dann in einem Rutsch alle Podcastfolgen des Milchgeschichten Podcast transkribiert und dann noch korrekturgelesen habe. Die ersten beiden Folgen sind einmal von Erika und einmal von *Piiiep* (Anonym) Korrektur gelesen worden und die restlichen 24 habe ich dann Korrektur gelesen, weil ich irgendwie gerade so im Flow war und gedacht habe, dann ist der Podcast zumindest schon abgeschlossen. Das heißt der Milchgeschichten Podcast ist jetzt vollständig transkribiert.

Gehörlose Menschen und auch Menschen, die keine Lust haben Dinge zu hören, wie zum Beispiel den Milchgeschichten Podcast können sich das jetzt durchlesen. Also da überlege ich auch noch und da kannst du gerne ein Feedback geben, wenn du das möchtest, ob ich die Folgen nochmal quasi Korrektur lese, insofern, als dass ich aus dem gesprochenen Wort ein geschriebenes Wort mache, so dass sich das leichter lesen lässt und daraus vielleicht so ein kleines Büchlein dann erstelle, was ich natürlich dann kostenlos wieder zur Verfügung stelle, aber quasi das noch ein bisschen mehr aufbereitet, so dass du es in einem Rutsch durchlesen kannst. Wenn du das gut findest, kannst du mir gerne mal schreiben, damit ich weiß, wie da so die Resonanz ist. Ich habe das auf meine To Do Liste gesetzt, aber es steht relativ weit unten, weil es jetzt gerade nicht so wichtig ist. Und je mehr Menschen mir sagen Boah, das fänd ich total cool, desto höher rutscht es dann auf meiner To Do Liste.

Und das sind zum Beispiel Dinge, die ich hier die ganze Zeit mache. Dass ich also all die Inhalte, die ich jetzt in den letzten sieben Jahren erstellt habe, auch nochmal neu aufbereite, damit sie zugänglicher werden. Und das dann für alle, weil ich das kostenlos bereit stelle. Und für die Milchgeschichten habe ich jetzt auf der Milchgeschichten Podcastseite alles versammelt, was ich bisher zur Milchforschung gemacht habe. Das heißt, einen kleinen Einleitungstext habe ich dahin geschrieben und dann sind da alle Folgen des Milchgeschichten Podcasts. Dann habe ich da auch noch die Folgen zum Thema Milch hinzugefügt, die wir hier im Einfach Vegan Podcast aufgenommen haben, sodass du da eine thematische Übersicht hast. Dann ist da ein Link zur Aufzeichnung meines Vortrags, den ich zu diesem Thema ungefähr innerhalb von drei Jahren immer mal wieder gehalten habe. Das letzte Mal, dass ich den gehalten hatte, war auf dem veganen Sommerfest in Berlin 2019 und davon ist die Aufzeichnung. Das heißt, es ist quasi auch die letzte Aufzeichnung sozusagen.

Carsten Ja quasi pandemiebedingt die letzte Aufzeichnung.

Stefanie Genau. Aber seitdem habe ich den Vortrag nicht mehr gehalten und bin da nicht mehr so drin. Deswegen weiß ich auch nicht, ob ich ihn nochmal wieder halten werde. Jetzt habe ich ihn so häufig gehalten, aber in jedem Fall kannst du ihn dir da angucken. Du kannst dir die Texte durchlesen, du kannst die Podcastfolgen anhören, du kannst auch die ganzen Quellenangaben überprüfen. Wenn du selber weiterforschen möchtest, habe ich da all meine Quellen aufgelistet und du kannst mitsingen. Du kannst mitsingen, denn wir hatten ja mal, in Folge 106 „Ein bisschen Kuhmilch“ gesungen.

Carsten Ja, den ultimativen Kuhmilch Song.

Stefanie Da haben wir gedichtet. Auf „Das bisschen Haushalt“, auf diese Melodie und haben das auch gesungen. Also wir waren uns nicht zu schade, das zu singen. Wenn du noch mal die Folge nachhören willst, es ist Folge 106 des Einfach Vegan Podcast. Also jedenfalls habe ich auch das Lied mitsamt Text auf die Seite gestellt, so dass du den Text auch nutzen und da dann weiterdichten kannst. Und du kannst daraus, weil ich ja immer noch mich wundere, dass das nie viral gegangen ist, kannst du vielleicht daraus das One Hit Wonder machen, liebe·r Hörer·in?

Carsten Wobei, es wurde ja schon adaptiert.

Stefanie Stimmt, Martin T. hat das freundlicherweise noch mal auf dem Klavier eingespielt. Das habe ich jetzt nicht online gestellt, weil die Rechte natürlich bei ihm liegen. Also nicht extra separat, sondern nur in Folge 108 ab Minute 26:43 - das hat er uns erlaubt.

Aber jedenfalls findest du auf der Seite jetzt alles aufgelistet zu meiner Milchforschung, so dass du da komplett durchscrollen und eintauchen kannst. Den Link dazu findest du natürlich hier und in der Folge oder in den Shownotes. Ich werde ihn dir nicht verheimlichen.

Das habe ich auf jeden Fall gemacht und so werde ich jetzt in der Zukunft, also in den nächsten Wochen und Monaten, je nachdem wann ich das schaffe, auch noch mal all die anderen Inhalte durchgehen, die ich in den vergangenen sieben Jahren erstellt habe und die nochmal neu aufbereiten, so dass ich sie dir zur Verfügung stellen kann. Und das ist etwas, da bekomme ich ja kein Geld für. Ich stelle sie dir auch kostenlos zur Verfügung, die Sachen.

Das ist etwas, was du auch finanziell unterstützen kannst, zum Beispiel über Steady. Und da kommen wir jetzt zu einem weiteren Punkt, denn ich habe jetzt den Steady Account, den wir die letzten, ich glaube sechs Jahre hatten oder fünfeinhalb ungefähr den habe ich gekündigt, weil ich einen klaren Cut machen wollte. Der hieß auch noch VeganRevoluzzer, weil ich damals, ganz am Anfang, als wir mit diesem Podcast angefangen haben, immer als Pseudonym VeganRevoluzzer hatte und erst später dann Von Herzen Vegan kam und deswegen hieß auch der Steady Account immer noch so und ich wollte jetzt einfach hier einmal einen Cut machen und frisch beginnen und habe deswegen einen neuen Steady Account aufgesetzt.

Alle Mitglieder im alten Steady Account sind schon benachrichtigt, dass der jetzt zu Anfang Dezember ausläuft. Und wenn du da ein Jahresabo abgeschlossen hattest, bekommst du anteilig dein Geld zurück. Du bist auf jeden Fall schon informiert worden und du hast jetzt die Möglichkeit - wenn du sagst, ich will dich weiter unterstützen, zu dem neuen Steady Account zu wechseln. Und ich hatte dir auch eine Nachricht geschrieben und ich werde den neuen Account natürlich hier auch unter der Folge oder in den Shownotes überall verlinken.

Und es gibt auch schon drei Personen, die gewechselt sind. Und da möchte ich meinen herzlichen Dank für diese Treue aussprechen an Andrea, Birgit und Martin, die alle schon direkt sofort rüber gewechselt sind und auch eine Jahresmitgliedschaft sofort abgeschlossen haben. Was mir wieder sagt, dass ihr an mich glaubt und das hilft mir natürlich riesig. Ich habe da verschiedene Pakete aufgelistet. Erstmal habe ich für jeden Podcast ein Paket, so dass du auch entscheiden kannst, einen Podcast finanziell zu sponsoren. Wenn du das Gefühl hast, ich möchte jetzt zum Beispiel für den Milchgeschichten Podcast was zurückgeben, könntest du da ein Jahresabo abschließen oder ein Monatsabo. Das ist beides in Ordnung, es geht alles. Du kannst das Monatsabo monatlich kündigen, das Jahresabo jährlich kündigen, also bist nicht verpflichtet, das immer weiterlaufen zu lassen.

Und Steady hat jetzt so eine neue Funktion eingeführt, die ich ganz cool finde, nämlich Du kannst diese Pakete auch verschenken. Also wenn du jetzt noch ein Weihnachtsgeschenk suchst, dann kannst du auch sagen okay, guck mal hier, ich verschenke es jetzt wie so eine Patenschaft, also für Lebenshöfe oder so, da kannst du auch Patenschaften verschenken. So kannst du auch hier Steady Mitgliedschaften verschenken und da dann als Geschenk auswählen und dann wird das da alles weiter beschrieben. Also du hast jetzt auch noch solche Möglichkeiten und ich freue mich natürlich über jeden Menschen, der oder die mich da finanziell über steady unterstützt.

Und du hast auch die Möglichkeit, mich finanziell sonst per Überweisung oder per Einmalzahlungen über PayPal zu unterstützen. Manche machen das also dass sie ab und zu Einmalzahlungen schicken über PayPal. Und da geht ein besonderer Dank an Thorsten. Und dann gibt es Menschen, die auch Geld überweisen auf das Konto. Und da geht ein besonderer Dank an Joachim, der da einen Dauerauftrag eingerichtet hat. Und da bin ich sehr dankbar für.

Carsten Ja, super cool. Dankeschön!

Stefanie Da jetzt ja das Experimentarium ausläuft zum 29.11.2022 und wir dann nicht mehr so direkt im Austausch stehen können, habe ich die Möglichkeit genutzt, über Steady einen Newsletter einzurichten, wo du dann auf dem Laufenden bleiben kannst über das, was ich so mache, was ich so austüftele, was es so für Termine gibt, Kurse oder was auch immer alles so passiert. Und du kannst dich da natürlich kostenlos anmelden. Also du musst mich nicht finanziell unterstützen, um dich da für den Newsletter anzumelden. Du kannst einfach da deine E Mail Adresse eintragen und dann werde ich dich informieren.

Im Moment denke ich, dass ich so einmal im Monat vielleicht schreibe. Ich habe auf keinen Fall vor, dich da irgendwie zuzuspamen. Also keine Sorge, ich will auch nicht deine E Mail Adressen verkaufen oder so, sondern es geht wirklich nur darum, wenn du Interesse daran hast, auf dem Laufenden zu bleiben, was ich so mache und einfach unkompliziert informiert werden möchtest, also nicht immer auf meiner Webseite gucken möchtest oder selber aktiv schauen willst, dann ist das eine unkomplizierte Möglichkeit, dabei zu bleiben und informiert zu werden. Da ist auch der Link hier unter der Folge oder in den Shownotes für dich zu sehen.

Es ist einfach: Wenn du auf die Steady Seite gehst, dann ist da unten ja die Möglichkeit, sich für den Newsletter anzumelden und auch das haben schon einige gemacht. Also herzlichen Dank dafür. Ich weiß noch nicht, wann ich den ersten Newsletter schreiben werde, aber wie gesagt, so ungefähr einmal im Monat. Kann natürlich sein, dass dann auch mal irgendwie zweimal im Monat wird, wenn da irgendwie was Besonderes ist, was ich mitteilen möchte. Aber wie gesagt, mein Ziel ist es nicht, dich zuzuspamen. Also keine Sorge.

Eine weitere Möglichkeit, mit mir im Austausch und in Kontakt zu bleiben, ist auch die Social Media Plattform Mastodon. Da bin ich jetzt seit anderthalb Jahren ungefähr unterwegs. Ich war damals mal auf Twitter und konnte das irgendwann nicht mehr mit meinen Datenschutzansprüchen vereinbaren. Und dann bin ich im Mai 2021 gewechselt zu Mastodon ins Fediverse und seitdem fühle ich mich da eigentlich sehr wohl. Und jetzt durch Elon Musk wird das auf einmal alles so überschwemmt. Also muss ich mal gucken, wie ich da so klarkomme.

Aber jedenfalls bin ich auch da aktiv und da kannst du mit mir in Austausch gehen und ich versuche da alles zu teilen, was so kleinere Informationen sind, so vielleicht „dieses Buch kann ich empfehlen“ oder „das ist mir aufgefallen“ oder so solche Dinge . Also nicht Größeres dafür nutze ich dann den Podcast oder bei Steady kann ich auch quasi bloggen, dann werde ich auch auf Steady solche Sachen veröffentlichen. Aber so kleinere Sachen teile ich dort. Und der Schwerpunkt ist dort vor allem auf dem Austausch.

Carsten Ja. Und was ist jetzt mit den Büchern?

Stefanie Super Überleitung. Wir haben gerade überlegt. Carsten hat gesagt, er hat so wenig gesagt. Er möchte gerne jetzt eine tolle Überleitung machen und das war's. Das ist rausgekommen. Genau. Was ist mit den Büchern? Welche Bücher?

Carsten Ja, die Bücher aus der Wanderbibliothek!

Stefanie Im Experimentarium hatte ich die Idee, eine Wanderbibliothek ins Leben zu rufen. Und wo wir, also die Mitglieder im Experimentarium, Bücher hineingegeben haben, die dann von allen Mitgliedern ausgeliehen werden konnten. Da es das Experimentarium zum 29.11.2022 nicht mehr geben wird, werde ich auch die Wanderbibliothek auflösen. Und mein Gedanke ist, die Bücher alle zu verschenken. Und ich dachte, es bietet sich so gut an, es kommt die Adventszeit, das quasi so als Mini Adventskalenderaktion irgendwie so zu machen. Das heißt, ich werde über Mastodon und über Steady die Bücher einzeln verlosen.

Also mein Gedanke momentan ist, dass wir bis zu einem gewissen Zeitpunkt Zeit geben, dann zu sagen ich möchte dieses Buch oder diese Bücher möchte ich gerne haben und alle, die für ein bestimmtes Buch sich melden, schmeißen wir in einen Lostopf. Und dann machen wir vor Weihnachten noch eine große Losaktion. Carsten und ich nehmen das auf Video auf und dann werden wir das auf Steady veröffentlicht, so dass du dann dort sehen kannst, wer gewonnen hat. Natürlich anonymisieren wir das. Also es werden nur Vornamen mit vielleicht ersten Buchstaben Nachnamen, falls es mehrere gleiche Vornamen gibt, dann gezogen. Also wir achten auf den Datenschutz, keine Sorge.

Und so, dass du dann einfach die Möglichkeit hast, dich für das Buch oder die Bücher deiner Wahl einzutragen. Und du wirst da dann die Informationen, welche Bücher verlost werden und wie du da ran kommst, über Steady und über Mastodon erfahren. Das heißt, da werde ich das immer verlinken und wir haben keine 24 Bücher, deswegen ist es nicht wirklich ein ganzer Adventskalender. Ich habe gerade den Überblick verloren, wie viele Bücher es sind, aber letztlich werden wir alle Bücher, die wir verschenken wollen, im Laufe der ersten drei Wochen des Dezembers vorstellen und dann zum Ende dieser drei Wochen verlosen. Das genaue Datum geben wir noch bekannt. Das ist übrigens zum Beispiel ein Thema, was ich wahrscheinlich dann in einem Newsletter versenden werde mit dem Hinweis auf diese Aktion, weil das ja etwas ist, wovon du profitieren kannst. Wenn du vielleicht gerade diese Folge nicht hörst, oder du bist nicht auf Mastodon oder hast dann da nicht reingeguckt. Aber dann kriegst du eine Email von mir, wo dann genau das drinsteht. Okay, also ich glaube, jetzt solltest du auf dem neuesten Stand sein.

Carsten Das waren alles die Neuerungen oder Änderungen, die sich so zugetragen haben oder zutragen werden.

Stefanie Ja, wir haben gerade pausiert und noch mal überlegt, ob noch irgendwas fehlt, aber im Moment fällt uns einfach nichts mehr ein, was noch fehlt. Ich hatte mir ja eine lange Liste gemacht. Ich habe alles abgehakt, was ich sagen wollte. Also von daher nochmal ein ganz herzliches Dankeschön an alle Menschen, die uns finanziell unterstützen oder auch durch das Korrekturlesen von Transkripten. Und eine Sache fällt mir gerade noch ein: Du hast natürlich auch die Möglichkeit, wenn du auf iTunes ein Konto hast, dort freundliche Rezensionen zu schreiben.

Carsten Fünf Sterne Rezensionen.

Stefanie Natürlich ausschließlich bitte.

Carsten Nur die.

Stefanie Nur die, damit nicht so was passiert wie beim Milchgeschichten Podcast passiert ist. Ich hatte da nach Jahren mal wieder in die Rezensionen geguckt und war total begeistert von dieser ein Sterne Rezension, in der steht: „Unterschied Melkroboter und Melkstand. Schade, dass du nicht den Unterschied zwischen Melkroboter und Melkstand erkennst. Sehr schwach.“

Carsten Ja, wir sind zu Tode betrübt.

Stefanie Ja, das bin ja nur ich. Du hast damit ja nichts zu tun. Du kannst deine Weste weiß und rein waschen. Nur ich bin sehr schwach, weil natürlich mein Milchgeschichten Podcast ausschließlich von Melkrobotern und Melkständen handelt und ich da leider nicht den Unterschied erkannt habe. Ja, genau. Leider und glücklicherweise kann jeder Mensch eine Rezension schreiben. Und wenn du Carsten und meinen Podcasts etwas Gutes tun möchtest und bei iTunes bist, dann kannst du gerne dort eine nette Rezension hinterlassen, die vielleicht auch sachlich korrekt ist.

Also nicht so wie das hier, was irgendwie überhaupt gar nicht zu meinem Podcast passt. So wie, als wenn sie jetzt irgendwie geschrieben hätte „Ja, toll, dass du Dosenöffner an zweiter Stelle nennst“ oder so, also so total aus dem Zusammenhang gerissen und es hat irgendwie nichts mit dem Podcast zu tun. Also nur oberflächlich. Natürlich habe ich über Melkroboter gesprochen, denn ich habe über die Geschichte der Melkmaschine gesprochen. Aber das ist etwas ganz anderes als der Unterschied zwischen Melkroboter und Melkstand. Aber davon mal abgesehen.

Wenn du ein iTunes Konto hast, wäre das auch noch eine Möglichkeit meine und unsere Arbeit nicht monetär zu unterstützen. Ich weiß natürlich, dass die meisten, die hier die Podcasts hören, kein iTunes Konto haben. Deswegen haben wir auch so wenig iTunes Rezensionen. Aber falls du eins hast und gerne uns unterstützen möchtest, dann denk man darüber nach. Wir freuen uns darüber. So, das war es jetzt, glaube ich wirklich. Also wir beenden das jetzt, weil sonst fallen uns noch mehr Sachen an oder mir. Carsten guckt schon so ein bisschen verstört.

Carsten Verstört? Reserviert.

Stefanie Reserviert? Äh, wie können wir das noch beschreiben?

Carsten Also ich weiß ja nicht, wie mein Gesicht aussieht.

Stefanie Du meinst, wir podcasten gar nicht mit Spiegel vor uns, wo wir uns die ganze Zeit anlächeln, anflirten?

Carsten Es wird Zeit.

Stefanie Genau. Okay, es wird Zeit. Jetzt guckst du schon wieder so? Ich kann es nicht beschreiben.

Carsten Ich sag jetzt mal, in diesem Sinne.

Stefanie Dazu fällt mir gerade ein, dass mir gesagt wurde, wir sollen nicht immer so hin und her sprechen, weil es beim Korrekturlesen anstrengend ist.

Carsten Und jetzt machst du es aber trotzdem.

Stefanie Es tut mir leid. In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 272 - Rückblick auf die Konferenz für eine Welt-Wirtschaft, in der wir leben wollen

Ein Beitrag

Folge 272 - Rückblick auf die Konferenz für eine Welt-Wirtschaft, in der wir leben wollen

Links zur Folge

Konferenz für eine Welt-Wirtschaft, in der wir leben wollen
https://www.ci-romero.de/systemwandel-konferenz/

Akademie Franz-Hitze-Haus
https://www.franz-hitze-haus.de/home

Elisabeth Voss
http://elisabeth-voss.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute sprechen wir über eine Konferenz auf der Carsten war, also ich war nicht da. Carsten hatte mich überrascht und gesagt, ich will da jetzt unbedingt hin, mal nach Münster, auf eine Konferenz und ich hatte vorhin mir den Titel nochmal durchgelesen, aber jetzt hab ich ihn vergessen also wie heißt die Konferenz noch gleich?

Carsten Also es ist die Konferenz gewesen für eine Weltwirtschaft, in der wir leben wollen, und zwar hat das Ganze stattgefunden am 28. und 29. Oktober 2022. Das war vor 2 Tagen.

Stefanie Von dem Zeitpunkt, wo...

Carsten ...wir das aufnehmen genau. Für Dich sind vielleicht ein paar Tage länger vergangen, aber hier für mich ist der Eindruck noch sehr frisch und ich hab auch tatsächlich vorher nochmal ein bisschen Zeit gebraucht, um so einen roten Faden zu spinnen, von dem was ich berichten kann und damit das nicht alles total abstrus und und irgendwie wild durcheinander geht, musste ich mir all die ganzen Eindrücke und ich habe sehr viel mitgeschrieben, all das nochmal vornehmen und versuchen dann nochmal einen roten Faden rauszuspinnen. Das ist sehr viel, was ich an an Eindrücken sammeln konnte.

Stefanie Und wir haben vorher auch noch gar nicht darüber gesprochen, damit ich jetzt ganz unbedarfte Fragen stellen kann und Carsten mir quasi jetzt hier vor laufendem Mikrofon einfach erzählt, wie es so war.

Carsten Genau ich springe aber mal direkt rein, also am 28./29.10.22 hat das Ganze stattgefunden. Im Umfang von anderthalb Tagen also. Es war von Freitag auf Samstag und fing Freitags nachmittags so gegen 15:00 Uhr an. Bisschen früher ankommen und Kaffee und Networking. Das offizielle Rahmenprogramm startete um 15:00 Uhr und hörte am Freitagabend dann um 21:00 Uhr auf.

Abschluss war eine Podiumsdiskussion. Zwischendurch gab es gemeinsames Abendessen, das Ganze fand in einer Akademie statt, in der Akademie Franz Hitze Haus wie gesagt in Münster, Nordrhein Westfalen und ging dann am zweiten Tag ab 09:00 Uhr morgens wieder los, bis abends so 18:30 Uhr. Gegen 18:15 Uhr haben wir das Ganze nochmal Revue passieren lassen. Dann haben sich die Veranstaltenden nochmal bei allen Personen bedankt und in der Zwischenzeit gab es dann noch so ein kleines Goodie: Während die Veranstalter darauf gewartet haben, dass man quasi so diese Feedback Bögen ausfüllt, wurden dann an den Wänden nochmal Plakate zum selbst gestalten oder zum selbst ausfüllen aufgehangen, wo dann nochmal indirekt Feedback der Teilnehmer:innen gegeben werden konnte und das Ganze hörte dann wie gesagt um 18:30 Uhr auf und war dementsprechend zeitlich ein sehr umfangreiches Programm. Anderthalb Tage, wo wirklich die Gedankenwelt um die Frage kreiste „Wie könnte eine Weltwirtschaft aussehen, die besser ist als das, was wir heute haben?“

Stefanie Du hast schon gesagt, du bist ein bisschen früher angekommen, aber eigentlich bist du später angekommen am Freitag, als du wolltest...

Carsten Achso, die Deutsche Bahn...

Stefanie Du bist ja mit dem ICE gefahren von Hamburg und dann hast du mir auch geschrieben haha, typisch Deutsche Bahn….

Carsten Ja, wir standen irgendwann hinter Buchholz wirklich in der Heide und keiner wusste warum und irgendwann hat dann derjenige, welcher die Durchsagen tätigt, gesagt: „Sehr geehrte Gäste. Sie stellen wahrscheinlich auch seit einiger Zeit schon fest, dass wir rechts und links von Zügen überholt werden. Warum wir noch nicht rollen, weiß ich selber noch nicht.“ Ja, insgesamt war das wieder ein Paradebeispiel für die nicht gegebene Pünktlichkeit der Deutschen Bahn. Also wir haben insgesamt, ich glaub, 73 Minuten Verspätung gehabt vor einem Teilstück, was insgesamt bisschen mehr als 2 Stunden gedauert hätte also.

Stefanie Buchholz ist halt nicht wirklich weit von Hamburg entfernt, das heißt Du bist quasi gerade so angefahren und hast dann wieder angehalten. Aber glücklicherweise hattest du ein Buch dabei und auch die Möglichkeit da ins zur Bord Restaurant zu gehen und musstest keinen Anschluss kriegen und hattest sowieso mehr Zeit eingeplant, also war das alles in Ordnung.

Carsten Ja, genau, ich hatte einen Puffer, ich bin eigentlich von der ursprünglichen Planung ausgegangen, dass ich um Punkt 12 dann in Münster ankomme und hab dann ja maximal noch 3 Stunden, bis die Konferenz beginnt. Woran ich gedacht habe, dass ich so zwischen 14:00 Uhr und 14:30 Uhr dann da auftauche und das mit dem Einchecken, weil ich da auch ein Zimmer gebucht hatte. Und trotz der starken Verspätung hab ichs also auch noch pünktlich geschafft, hab aber von anderen Teilnehmenden ähnliches gehört, dass auch die Probleme hatten, egal aus welcher Richtung sie gekommen sind. Es gab immer irgendwie Verspätungen zu berichten, was den Bahnverkehr betrifft.

Stefanie Um jetzt wieder zurückzukommen auf das eigentliche Programm: warum hast du dich denn eigentlich für diese Konferenz entschieden? Was hat dich da so besonders angesprochen?

Carsten Also allein schon der Titel „Für eine Weltwirtschaft, in der wir leben wollen“. Das ist so etwas gewesen, was ich damals getriggert hat, es passt zu unserer Vorstellung, dass wir uns ein neues Wohlstandsmodell erarbeiten wollen, den Weg dorthin skizzieren wollen und die Frage nach dem Wohlstandsmodell ist ja mit Wirtschaftsmodell gekoppelt. Also erstmal hat mich der Titel angesprochen, dann die Aussicht mich da wirklich mal so 2 Tage hinzusetzen und mich intensiv diesem Thema zu widmen und da dann auch gedanklich abzutauchen. Rechts und links ist ja nichts anderes, sondern ist ja wirklich dieses eine Thema in den unterschiedlichsten Facetten. Das hat mich mal gereizt und ich hatte auch die Hoffnung für mich vielleicht den einen oder anderen Kontakt nochmal zu knüpfen. Zu Personen und zu Initiativen. Relativ ergebnisoffen bin ich da reingegangen, aber schon mit der Hoffnung Leute kennenzulernen, ja, das war so der Punkt, wo ich gesagt habe hey cool und Münster ist jetzt ja wirklich nicht so die Welt entfernt. Wenn alles gut läuft, ist man in ein, zwei Stunden da, wenn alles schlecht läuft in drei. Aber wir haben es ja geschafft und von daher, das lag sehr nahe und deswegen war mein Interesse natürlich relativ groß.

Stefanie Dann lass uns mal aufs Programm genau gucken, auf die einzelnen Punkte. Was hat dich denn da so erwartet?

Carsten Ja, also bevor ich wirklich in die einzelnen Programmpunkte reingehe, möchte ich, um das Ganze ein bisschen genauer zu skizzieren, nochmal mit zwei - Ja, das sind so Sprechblasen, die im Programmheft aufgetaucht sind, die geben noch mal so ein bisschen die inhaltliche Richtung vor. Da steht dann „Wie gestalten wir die sozial ökologische Transformation global gerecht?“ Ich denke, da geht schon vom Inhalt her die Stoßrichtung ganz gut hervor. Und „Visionen des Wandels und Strategien der Transformation“. Das sind so zwei Kernpunkte gewesen, die im übergeordneten Kontext stehen.

Das eigentliche Rahmenprogramm war gespickt mit unterschiedlichsten Referent·innen, die die einzelnen Teilbereiche einer Weltwirtschaft der Transformation dorthin besprochen haben. Das fing an von was gibt es heute schon? Wie kommen wir da hin? Wie weit sind wir eigentlich entfernt? Was muss man eigentlich noch machen? Gibt es da Unterschiede zwischen dem globalen Norden, dem globalen Süden und und und. Also die ganzen Aspekte sind dort besprochen worden und ja, ich kann jetzt einfach mal so ein paar Punkte aus der Agenda herausgreifen, um das mal inhaltlich ein bisschen genauer darzustellen.

Wir haben so ab 15 Uhr ein bisschen locker flockig über das ganze Thema gesprochen, damit man erstmal weiß, mit was für Personen hat man es nachher zu tun? Wer ist eigentlich der Referent oder die Referentin? Schön war an der Stelle, dass nicht alles vor Ort stattfand, sondern dank der digitalen Technik wurden auch Personen zugeschaltet per Zoom. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, auch tatsächlich eine Person direkt aus Argentinien hinzuzuziehen. Es waren zwei weitere Personen aus Lateinamerika vor Ort. Die sind extra nach Münster gekommen und das war etwas, wo ich sehr von profitiert habe, weil da tatsächlich mal der globale Süden auch personell zu Wort gekommen ist. Wir haben also nicht nur über die Menschen gesprochen, sondern tatsächlich mit denen und konnten auch nachher im Rahmen von Fragen aus dem Zuschauer·innenkreis nochmal einzelne Aspekte ein bisschen vertiefen.

Stefanie Kannst du da vielleicht auch noch was zu sagen, wer jetzt überhaupt da war und wie viele Menschen? Also wie sah das Publikum so aus, so altersmäßig usw.

Carsten Also es waren ungefähr 100 Personen, genaue Zahl wurde nicht genannt, aber es gab nachher am zweiten Tag so Workshops, da gab es Listen und die waren durchnummeriert und da habe ich so leicht aufaddiert und bin so auf PI mal Daumen 90, 95 vielleicht 100 Personen gekommen. Das war so das Teilnehmendenumfeld. Bei den Referent·innen war es so, dass wir eine für mich namhafte Person dabei hatten, die war auch tatsächlich so mein Motivationspunkt. Das war Kathrin Hartmann, die ist am Freitag da gewesen. Kathrin Hartmann sagt dir, liebe·r Hörer·in, vielleicht etwas, weil wir in der Vergangenheit schon mal in der einen oder anderen Podcastfolge über Kathrin Hartmann gesprochen haben, oder über ihre Bücher und Filme. Und dementsprechend fand ich es total spannend, diese Person auch mal live sehen zu können.

Stefanie Und wie ist sie jetzt so live?

Carsten Sie ist genauso bissig, wie sie da in den Büchern und Filmen rüberkommt. Also gefällt mir extrem gut, weil sie nicht um den heißen Brei herum redet, sondern sie schmeißt dich mit Fakten zu. Aber jetzt nicht einfach nur, um dich irgendwie mundtot zu machen, sondern tatsächlich, weil sie vorher recherchiert hat. Sie ist ja freie Journalistin und geht ja in die einzelnen Themen extrem tief rein und weiß dementsprechend auch viele Sachen zu berichten. Und das hat sie da in ihrem Vortrag auch so gemacht. Und das ist auch einer von den Vorträgen, wo ich dann immer mitgeschrieben habe, weil ich dann meine ganze Aufmerksamkeit brauchte, um aufzunehmen, was von vorne gekommen ist. Also es war schon richtig gut, richtig gut. Und wie gesagt, sie ist da offen, frei Schnauze, spricht Dinge auch an und versucht nicht zu beschönigen, sondern wenn irgendwo Unrecht passiert oder Sachen irgendwie entgleisen, dann spricht sie es auch an, versucht das nicht irgendwie diplomatisch zu fassen, sondern polarisiert durchaus mal und das hat mir extrem gut gefallen. Sie war dabei.

Dann gab es eine Referentin aus dem Konzeptwerk Neue Ökonomie. Das Konzeptwerk Neue Ökonomie kannte ich namentlich vorher schon. Das habe ich immer so als Zusammenschluss von jungen, engagierten Wilden gesehen, die sich versuchen, für alternative Wirtschaftsmodelle und Systeme einzusetzen, das publik zu machen. Die Referentin ist Ruth Krohn gewesen.

Dann haben wir, was ich vorhin schon sagte, so aus Lateinamerika Personen da gehabt. Da war eine Person aus Argentinien, das war der Enrique Vitale, der eine sehr bekannte Persönlichkeit anscheinend in den Gesellschaftsbewegungen des globalen Südens ist, ist mir bis dato völlig unbekannt. Aber der hatte noch zwei Vorträge und war an einer Podiumsdiskussion teilweise auch beteiligt. Er hat viele Aspekte mit reingebracht, die für mich noch mal neu und wichtig zu hören waren.

Und dann gab es noch zwei weitere Personen, eine Person aus Honduras. Und bei der dritten Person, muss ich ehrlich gesagt ehrlich eingestehen, weiß ich gar nicht, aus welchem Land diese Person jetzt konkret kam. Und beide Namen konnte ich mir auch nicht merken. Also Grundsprache dort war Spanisch und dementsprechend gab es auch eine Simultanübersetzung, weil man hatte zwei Personen, die diese Übersetzung direkt vor Ort in Münster durchgeführt haben und alle Teilnehmenden, die nicht Spanisch verstanden haben, die haben dann die Möglichkeit gehabt, über ein Headset dann direkt die Übersetzung zu lauschen. Und das hat das Ganze aus meiner Sicht wirklich noch sehr angereichert, weil ich einmal digital, aber auch vor Ort tatsächlich, was ich vorhin schon sagte, Personen habe, die aus dem globalen Süden ein bisschen mehr referieren können als das, was ich jetzt persönlich zum Beispiel aus den normalen Medien mitbekomme.

So, und dann gab es noch weitere Personen und Positionen, die dort sich mit einbringen konnten. Unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte einen Referenten, den Jan Philipp Rode vor Ort, der die Rolle der Gewerkschaften im Transformationsprozess dargelegt hat. Was mich am Anfang sehr gewundert hat, weil ich Gewerkschaften bisher eigentlich gar nicht so als die Akteur·innen gesehen habe. Ich muss aber fairerweise dazu sagen: Auch die Rolle der Kirchen war mir bis dato überhaupt nicht bekannt. Und diese ganze Organisation dieser Konferenz ist tatsächlich von kirchlichen Organisationen entstanden und aufgebaut worden, so dass alleine diese Tatsache für mich jetzt viel greifbarer gemacht hat, was für eine Rolle die Kirchen in diesem Transformationsprozess spielen können. Also das war allein schon ein Zugewinn von Wissen. Und ähnlich war es bei den Gewerkschaften auch. Die hatte ich, wie gesagt, vorher nicht auf dem Schirm als wichtige Akteur·innen.

Am zweiten Tag ging es dann wirklich in die einzelnen Bereiche rein zu gucken: Was für sozial ökologische Transformation gibt es eigentlich schon? Da gab es eine Referentin, die Elisabeth Voss, die sehr intensiv zu diesen ganzen Themen recherchiert hat, über Jahrzehnte hinweg Erfahrungen gesammelt hat, sogar aus der ÖkodorfBewegung kommt. Ich weiß nicht, ob sie dort jetzt Mitinitiatorin war, aber sie hat das noch mal betont, dass sie da ihren Background hat und hat auch mehrere Bücher zu dem Thema veröffentlicht. Das heißt also, sie kennt tatsächlich so real Utopien, wie sehen die aus, wo gibt es die, was ist das eigentlich? Inwiefern sind die tragfähig als Lösungsansätze? Das war noch mal sehr interessant.

Und dann, wie gesagt, Lateinamerika wurde noch mal beleuchtet. Was passiert da eigentlich? Wie ist die Situation vor Ort? Was wissen die Betroffenen oder die Beteiligten da zu berichten?

Und dann gab es entsprechende Diskussionen. Es gab so zwei größere Podiumsdiskussionen. Die eine war am Freitagabend und die andere fand am Samstag statt Und die am Freitagabend war insofern noch mal spannend, als dass jemand von der deutschen Regierung dort mit reingekommen ist. Ich sag jetzt mal im breiteren Format deutsche Regierung. Und zwar der Sven Giegold, der seit 2021 Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ist, also direkt im Rahmen der aktuellen Ampelkoalition vorne in diesem Bereich drin, also thematisch. Vorher war er zwölf Jahre lang Europaabgeordneter. Er ist Parteimitglied bei den Grünen Bündnis 90 Die Grüne und ist einer der Mitbegründer von Attac Deutschland gewesen und auch ein Mitbegründer des Tax Justice Networks. Also von seiner Biografie her eigentlich ein Aktivist, der nachher so in die Politik gegangen ist, auch direkt in die Europapolitik und da ganz vorne mitspielt und da dementsprechend auch viel zu berichten hat.

Und das war so der Kern des ersten Abends der Podiumsdiskussion, weil Sven Giegold vielleicht auch von seiner Person her eigentlich sehr raumnehmend war. Es war eigentlich gar nicht der Kern dieser Diskussion, aber es ist nachher so zu einer Sven Giegold Show geworden.

Stefanie Okay.

Carsten Es war auch nachher ein Kritikpunkt, der in den Feedbackrunden dann noch mal schriftlich geäußert wurde. Ich fand es trotzdem hochgradig interessant. Ich kann da gleich gerne noch ein bisschen zu reingehen und die zweite Podiumsdiskussion am nächsten Tag, die ging tatsächlich so um diese Fragen: Wie kommen wir jetzt eigentlich dahin? Was muss getan werden? Wie realistisch ist das eigentlich, dass wir ein anderes Wirtschaftsmodell / Wohlstandsmodell realisieren? Woran erkennen wir eigentlich, wenn wir kurz davor sind? Was sind so Durchbruchsmomente? Und da waren tatsächlich auch Personen vor Ort, die entweder zu dem Thema wissenschaftlich das ganze schon längere Zeit begleiten oder qua ihrer Biografie viel aus diesem Bereich der sozialen Gerechtigkeitsbewegung beisteuern konnten und anhand von anderen, auch historischen Beispielen Fragen beantworten konnten oder neue Fragezeichen aufgeworfen haben. Es waren offene Diskussionen, die im Idealfall tatsächlich dann Wege skizzieren. Aber am Ende des Tages ging es tatsächlich darum, einzelne Facetten in diesem ganzen Transformationsprozess zu besprechen.

Stefanie Und gibt es da Aufzeichnungen von diesen Vorträgen und Workshops?

Carsten Ich bin mir gar nicht bewusst, ob es das gibt. Also es wurde nicht wirklich angesprochen. Was angeboten wurde, war, wenn Folien mal präsentiert wurden, dass die zur Verfügung gestellt werden. Wobei, da hat dann die Veranstaltungsmannschaft leider zum Schluss keine klaren Worte mehr zu gegeben. Wir haben uns ein bisschen darauf verlassen, dass dann noch so ein bisschen Feedback von von deren Seite kommt, vielleicht im Rahmen eines nachgelagerten Newsletters oder wie auch immer. Aber es fand dann am zweiten Tag noch mal ein Workshop statt und da war sich der Workshopleiter selber nicht im Klaren, geht das jetzt über die Veranstalter, dass seine Folien geteilt werden? Und er hat sicherheitshalber eine eigene Unterschriftenlisten rausgegeben im Teilnehmer·innenkreis, um dort zumindest mal auch datenschutzrechtlich die Erlaubnis zu bekommen: Hey, ich darf dich anschreiben, Du willst die Folie haben oder du willst auch über das weitere Geschehen informiert werden.

Also von daher. Ich warte jetzt erstmal ab, ob sich in den nächsten Tagen was tut. Ich bin mir auch nicht sicher, inwiefern das alles was dort passierte, auf Video aufgezeichnet wurde. Aber dadurch, dass natürlich viel auch über Zoom gemacht wurde, ist zumindest mal viel über die digitale Technik gelaufen. Ob das aber mitgeschnitten ist, weiß ich nicht. Was den Datenschutz an sich betrifft, weiß ich, Du hast am Anfang als Teilnehmer·in einen Namensschild bekommen. Das war so ein Aufkleber, den konnten wir uns direkt auf den Pullover kleben, damit jede·r wusste, mit wem hat er·sie es eigentlich zu tun? Vor und Nachname stand da drauf. Und da wurde auch noch mal angeboten für Personen, die nicht fotografiert werden möchten. Die konnten sich dann quasi mit einem roten Punkt zusätzlich kennzeichnen und wurden dann dementsprechend berücksichtigt. Also es geht so gedanklich in die Richtung. Ja, es könnten Aufzeichnungen existieren.

Stefanie Es kann ja auch sein, dass es nur um Fotos ging. So Veranstaltungsfotos, wie viele das gerne machen.

Carsten Genau. Also es gab auch Fotograf·innen, die das Ganze begleitet haben. Vielleicht gibt es dann nachher in nachgelagerten Newslettern oder bei denen auf der Internetseite nochmal das die Möglichkeit visuelle Eindrücke nachzusteuern.

Stefanie Ja, wenn es das alles gibt, dann wirst du das auf jeden Fall in den Shownotes noch nachlesen können, dann werden wir das da verlinken.

Carsten Genau so, und jetzt gehe ich mal inhaltlich ein bisschen rein, damit das auch greifbar ist. Ist jetzt schön und gut zu hören, dass ich jetzt ein interessantes Wochenende verbracht habe. Aber wir wollen Dir, liebe·r Hörer·in auch einen gewissen Mehrwert bieten und dementsprechend jetzt einmal der Grundkontext:

Was für mich sehr greifbar war, war, dass sich alle Beteiligten einig darüber waren, dass wir den Kapitalismus überwinden müssen. Das war der Grundkonsens. Kapitalismuskritik in unterschiedlichsten Facetten. Und das war schon mal ein ganz interessantes Setting, einfach mit Leuten zu sitzen, die zumindest mal was das betrifft, in die gleiche Richtung denken und das nicht unbedingt bei allen Personen strittig war. Und ich hatte in meinen Aufzeichnungen versucht, mal meine Highlights mitzuschreiben. Und auch wenn ich das vorhin gesagt habe, dass ich bei Kathrin Hartmann irgendwann aufgehört habe zu schreiben, aber auch da ist noch ein bisschen was hängen geblieben, was ich sehr interessant fand.

Kathrin Hartmann, in ihrer Rolle als Journalistin, hatte im Vorfeld noch mal zum Thema CO2 Einsparung / Klimaneutralität recherchiert und kam dann mit einem relativ aktuellen Beispiel rein. Ich weiß nicht, ob sie das in irgendeinem Buch auch schon präsentiert hat, aber mir war es neu, und zwar HeidelbergCement. HeidelbergCement ist einer der ganz, ganz großen Zementhersteller. Ich glaube, die Nummer zwei oder drei weltweit ist aber zumindest was die DAX Unternehmen betrifft, also die, die im Deutschen Aktienindex genannt werden, der größte CO2 Emittent. Also eine richtig, richtig große Nummer, die sehr viel CO2 emittieren.

Das fängt an in der Historie dieses CO2 Emissionshandels, wo diese Zertifikate ausgegeben wurden. Da haben solche Unternehmen, die sehr CO2 intensiv arbeiten, die Zertifikate quasi geschenkt bekommen. So, das ist immer noch so, also muss man sich vorstellen, einer der größten CO2 Emittenten in der Wirtschaft kriegt diese Zertifikate quasi hinterher geschmissen, kriegt sie kostenlos. Was ja eigentlich schon mal nicht Sinn der ganzen Sache gewesen ist, weil der Gedanke liegt ja darin, die müssen die käuflich erwerben. Und durch diese Kosten, die entstehen, soll das Unternehmen irgendwo einen Zwang oder eine Motivation bekommen, sich CO2 neutral zu verhalten oder CO2 einzusparen.

Ja, das ist da tatsächlich nicht der Fall. Die können mit diesen geschenkten Zertifikaten frei handeln. Frei handeln heißt, die verdienen sogar noch Geld daran. Anstatt irgendwo gezwungen zu werden, da einzusparen, haben sie auf der anderen Seite noch mal ein wirkliches Zubrot. Und das sind jetzt nicht irgendwie 1000 oder 2000 €, sondern wir reden da über Millionen oder Milliardenbeträge, je nachdem über was für ein Zeitstrang wir jetzt sprechen. Also richtig, richtig dicke Batzen Geld.

Und HeidelbergCement wirbt seit einiger Zeit öffentlich damit, eine Agenda zu haben, mit der sie bis zum Jahre 2050 klimaneutral werden wollen. Und das ist ja anhand des Gegenstands dieser Unternehmung eigentlich schon mal etwas, was so gar nicht geht, weil Zementherstellung technisch gesehen eigentlich ja zwangsläufig durch die ganzen Produktionsprozesse Unmengen CO2 freisetzt. Das ist einfach physisch gar nicht anders machbar. Also ist die Art und Weise, wie jetzt so ein riesiges Unternehmen CO2 neutral werden kann, ja eigentlich nur über solche Technologien oder über Kunstgriffe wie Kompensationsmöglichkeiten gegeben.

Und da wusste Kathrin Hartmann zu berichten, dass HeidelbergCement auf die sogenannte CCS Technologie setzt - Carbon Capture and Storage - das ist diese Technologie, wo CO2 aus der Atmosphäre extrahiert wird und dieser Extrakt wird dann irgendwo endgelagert. So, und jetzt gibt es so zwei Aspekte, die Kathrin Hartmann berichten konnte. Zum einen findet das Ganze, was HeidelbergCement jetzt in den Fokus genommen hat, in Norwegen statt. Norwegen baut dort das weltweit erste Carbon Capture and Storage System ein, im großen nennenswerten Stil. Aber die Technologie existiert heute noch gar nicht in dem Maße, wie sie eigentlich als funktionsfähig benötigt wird. Das sind Forschungsschritte, wo noch viel Arbeit und und auch viel Innovation investiert werden muss, damit das überhaupt so funktioniert.

Und das zweite ist, dass das CO2, was dann da ja zusammengepackt wird und irgendwohin gepackt werden soll, im Meeresboden eingelagert werden soll. Also eine richtig coole Idee. Also ich meine, ich nehme jetzt das Zeug aus der Atmosphäre und packe es in den Meeresboden, ohne auch irgendwie noch zu wissen, was richtet das da unten eigentlich an? Also wahrscheinlich wird der Meeresboden dann so als normale Müllhalde, wo sowieso nichts passiert, angesehen.

Und das ist natürlich hochgradig gefährlich und diese Konzentration auf diese Technologie ist dann natürlich erstmal nach außen hin auch absolut, ich sag jetzt mal, fadenscheinig, weil ich ja als Unternehmen eigentlich gar kein großes Interesse daran habe, meine eigene Produktionsweise zu verändern. Ich konzentriere mich dann lieber darauf, dass diese Technologie irgendwie marktreif ist und macht das dann nicht mehr selber, sondern verlasse mich darauf, dass irgendwo in Norwegen Firmen und Akteure das Ganze schon zur Marktreife bringen und kann natürlich behaupten, wenn das alles soweit klappt, bin ich 2050 dann CO2 neutral. Also es ist so auch typisch Kathrin Hartmann, die in das Wirtschaftsgefüge hineinguckt, was passiert da eigentlich und recherchiert da. Das hat sie ja im Rahmen von Palmöl auch schon sehr intensiv gemacht. Da verweise ich noch mal auf unsere Folge zu diesem Buch „Aus ökologischem Raubbau“ und

Stefanie auch „Die grüne Lüge“.

Carsten Genau. Und insofern passte das von diesem Vortrag da auch hervorragend mit rein. Und dann hatte sie noch einen Aspekt zur CCS Technologie Carbon Capture and Storage genannt. Da wusste sie noch, dass auch eine Industrie, die man vielleicht gar nicht im Verdacht hat, ein hohes Interesse daran hat, diese Technologie voranzutreiben und zwar die der fossilen Energien. Die Erdölunternehmen, die Erdöl fördern. So, warum haben die jetzt so ein großes Interesse daran, diese Technologie voranzutreiben? Nicht weil sie irgendwie CO2 neutral werden wollen, sondern weil sie einfach gemerkt haben, ich kann mit dem dort aggregierten CO2 tatsächlich im Nachgang Erdölvorkommen, die heute schwer erschließbar sind, noch erschließen.

Kathrin Hartmann hat das jetzt nicht weiter inhaltlich und technisch ausgeführt, aber das klang so ein bisschen nach einer Art von Fracking. Ich pumpe da irgendwas an CO2 in den Erdboden und kriegt dann noch den letzten Krümel an Erdöl daraus. Und das war auch super interessant mal zu hören, dass du so Akteure auf der Agenda hast, wo du denkst: Oh ne, also Erdölindustrie, wieso wollt ihr jetzt auf einmal so in diese CCS Technologie investieren? Und dass da jetzt nicht ausschließlich eine nachhaltige Überlegung hinter steht, sondern einfach nur ein handfestes Geschäftsinteresse um ihr bestehendes Geschäft noch weiterbetreiben zu können, das war für mich neu, kannte ich so nicht. Und ist aber auch wieder typisch Kathrin Hartmann, die da sehr stark recherchiert und wie gesagt, da sind ganz viele Informationen von ihr gekommen und ich hatte echt Probleme dem irgendwie zu folgen bzw es mitzuschreiben.

So, und dann haben wir in der Konferenz auch die wirtschaftliche Thematik in Lateinamerika nochmal beleuchtet, auch durch die Referent·innen, die aus Lateinamerika stammten. Und das, was da zum einen noch mal erwähnt wurde, war, dass wenn wir jetzt zum Beispiel im Rahmen der aktuellen politischen Bestrebungen über Themen wie Green New Deal oder Grüner Kapitalismus sprechen, dann hat das natürlich eine direkte Auswirkung auch auf Lateinamerika. Zum einen wäre ein grüner Kapitalismus nichts anderes als ein grüner Kolonialismus, also die Weiterführung des bisherigen. Und ein grüner Kapitalismus schreibt auch tatsächlich all das Negative weiter fort, was heute schon existiert, das wird sich in den Grundzügen nicht ändern. Und da reden wir über Ausbeutung, Landnahme, Menschenrechtsverletzung. Das Ganze mit dem grünen Hintergrund. Aber letztendlich profitieren nur wir im globalen Norden und es bleibt letztendlich alles beim Alten. Das wurde tatsächlich von den einzelnen Akteur·innen noch mal in den Vordergrund gestellt.

Und interessant fand ich dann auch die Bezeichnung, dass es da was lateinamerikanische Länder und deren Rohstoffvorkommen betrifft, eine sogenannte „el-doradische Idee“ gibt. Damit ist El Dorado gemeint, diese nicht existierende Stadt aus Gold, die ja damals, als diese Idee, ich sag jetzt mal nach Europa gekommen ist, dafür gesorgt hat, dass viele Europäer·innen nach Lateinamerika gefahren sind, um dort vom Goldrausch zu profitieren. Ähnliches ist heute von der Stimmung her, was die Rohstoffvorkommen betrifft. Also es wird da gar nicht gesehen, dass es dort um komplexe Ökosysteme geht, dass dort indigene Völker abhängig von diesen Ökosystemen sind, sondern es wird einfach nur das Rohstoffvorkommen gesehen. Und dieser Green New Deal oder der grüne Kapitalismus wird das Ganze noch mal befeuern.

Kathrin Hartmann hatte da auch noch mal was dazu gesagt, dass solche Ideen wie der grüne Kapitalismus natürlich auch zu einem Boom führen, was bestimmte Rohstoffnachfragen betrifft. Ihre Beispiele bezogen sich auf Palmöl und Indonesien, damals, als 1990 beschlossen wurde: Wir setzen Palmöl ein im hiesigen Kraftstoff für die PKWs. Das hatte nie einen rein nachhaltigen Aspekt. Es ging gar nicht darum, die Gesamtemissionen zu senken, sondern man wollte die Emissionen auf einem bestimmten Niveau halten, um ein zwei Prozentiges Wachstum des Verkehrs noch zu realisieren. Also das war die Prämisse. Und allein die Ankündigung, dass die EU vorhat, Palmöl im Biosprit zu verwenden, hat dazu geführt, dass in Indonesien eine Landfläche abgeholzt wurde, die mittlerweile die Ausmaße von der Bundesrepublik Deutschland hat. Und mehr als die Hälfte dieser Fläche ist für reine Palmölplantagen geopfert worden, Monokulturen.

Und Kathrin Hartmann hat das ganz klar dargestellt: das ist irreversibel. Der Schaden ist angerichtet, der wird auch nie wieder gut gemacht werden können. Und das ist so ein absolutes Negativbeispiel für eine Boomsituation, wo auf einmal mit einem ausreichenden Fokus auf Nachhaltigkeit, grüne Technologien, grüne Rohstoffe angefragt oder promotet wurden und eine ähnliche Gefahr müssen wir jetzt natürlich auch für Lateinamerika sehen, wenn es darum geht, Rohstoffe zu fördern, die in erneuerbare Technologien gepumpt werden.

Dann gab es natürlich noch mehr Eindrücke aus Lateinamerika. Sehr eindrücklich fand ich eine Äußerung des Referenten, der auch hier direkt in Münster vor Ort war. Der meinte, was so die Landwirtschaft, die Nahrungsmittelproduktion betrifft, da sind ja, ich sage jetzt mal so in Brasilien diese ganzen Sojafelder oder in Argentinien die riesigen Felder, wo Tiere für die Erzeugung von Rindfleisch gehalten werden. Das sind ja alles so ganz plastische und greifbare Beispiele. Und er meinte, wir ernähren die Welt - mit „wir“ meint er Lateinamerika - aber selber haben wir nichts zu essen, weil tatsächlich die Nahrungsmittel gar nicht für den eigenen Bedarf erzeugt werden, sondern ihm ging es darum, wirklich klarzustellen Leute: euer Lebensstil, der ist zwar nicht nur von uns abhängig, aber auch wirklich massiv zu unseren Lasten. Und nur weil bei uns viel produziert wird, heißt es nicht, dass wir davon was abbekommen, sondern es geht wirklich in die Welt.

Das fand ich, das hat nochmal eine ganz andere Qualität, wenn du jemanden hörst, der in Lateinamerika lebt, dort verwurzelt ist und wirklich aus nächster, greifbarer Nähe das Ganze auch persönlich schildert.

Eine weitere Thematik, die danach angesprochen wurde, war, dass wenn wir jetzt hier im globalen Norden über die Klimakrise und deren Lösung diskutieren und wir halten uns zum Beispiel an diese 1,5 Grad oder so was. Da sagte er: Das ist schön und gut, aber ihr müsst euch jetzt schon mal damit abfinden, dass in Lateinamerika einige Länder mit sechs Grad zusätzlicher Temperatur zu kämpfen haben. Also diese globale 1,5 Grad Thematik, die mag jetzt für eine·n Westeuropäer·in nicht wirklich so greifbar sein, weil ob ich jetzt 20 Grad habe oder 21,5, macht für uns den Kohl nicht fett. Aber in Lateinamerika sind jetzt schon seit einigen Jahrzehnten, wo auch die klimatischen Veränderungen spürbar sind, die Extremwetterverhältnisse sprunghaft angestiegen. Also ich habe auf einmal im Vergleich zu vor 40, 50 Jahren das 3, 4, 5 fache an Extremwetterereignissen pro Jahr, mit denen dann die einzelnen Länder, die einzelnen Menschen, die einzelnen Ökosysteme überhaupt erstmal klarkommen müssen. Und das ist die komplette Bandbreite von Hurricanes über Überschwemmungen, Dürre, also dieses Gesamtpaket, was da eigentlich zu einer riesigen Überforderung führt.

Und jetzt haben wir auch noch mal die Corona Pandemie gehabt. Und all das hat dazu geführt, dass sich die sozialen Verwerfungen dort nochmal stärker dargestellt haben. Und ein·e Referent·in hat noch mal gesagt: Das geht alles vornehmlich zulasten der Frauen, weil die Frauen tatsächlich so diese Carearbeit leisten, die im Hintergrund all das irgendwie zu bewerkstelligen haben, was die Männer, die dann da so - ich sage jetzt mal so mit meinen Worten - in den Fabriken arbeiten und versuchen die Familien finanziell über Wasser zu halten, nicht können. Deswegen bleibt viel bei den Frauen liegen. Und da hat er·sie gesagt: Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist: Du bist eine alleinstehende, ältere Frau mit Behinderung. Das ist wirklich so die unterste Stufe auf der Leiter, darunter geht es schon nicht mehr. Und das sind wirklich diejenigen, die in bitterster Armut irgendwo ihr Leben qualvoll durchstehen müssen.

Und der·der Referent·in hat auch noch mal der Vergleich zu Deutschland geholfen. Ich weiß nicht, ob er·sie das erste Mal hier war, aber er·sie sagte: Wenn ich mir Deutschland anschaue und ich sehe hier die armen Menschen, dann muss ich feststellen, ein armer Mensch in Deutschland wäre in meiner Heimat ein reicher Mensch. Das Elend, was da unten in einigen lateinamerikanischen Ländern existiert, ist nicht mal ansatzweise vergleichbar mit dem, was wir hier als arm skizzieren. Und das gar nicht, um jetzt irgendwie anzugeben oder Elend zu beschönigen, sondern einfach um klarzustellen, wie die Situation in Lateinamerika vor Ort ist.

Stefanie Mir drängt sich jetzt schon so die ganze Zeit eine Zwischenfrage auf, die gerade nicht thematisch unbedingt passt. Aber ich habe gedacht, die Teilnehmenden, die mit dir zusammen da waren - Du hast ja auch gesagt, das war gut, dass Referent·innen da waren aus dem globalen Süden, also dass ihr mit ihnen sprechen können und nicht über sie - genauso gut müsste es ja eigentlich auch sein, wenn die Teilnehmenden möglichst divers aufgestellt sind. War das so, dass eine gewisse Diversität herrschte? Ich meine, du hast ja bestimmt nicht mit allen 100 gesprochen, aber hattest du so den Eindruck oder waren das wieder irgendwie üblich?

Carsten Nein, es war nicht divers. Das ist auch tatsächlich ein Feedback gewesen, was ich dann noch auf diese Tafeln geschrieben habe, das hätte ich erwartet. Also mit divers meine ich jetzt nicht nur Geschlechterdiversität, sondern tatsächlich eine Durchmischung der Teilnehmer hinsichtlich ihrer ethnischen, kulturellen Abstammung, aber auch Altersdurchschnitt.

Stefanie Und vielleicht auch Bildungsabschluss.

Carsten Und Bildungsabschlüsse. Ja, also ja, ich sag jetzt mal einen Querschnitt der Gesellschaft, mindestens. Ja gut, das ist eine freie Veranstaltung. Das ist nicht so, dass da jetzt irgendwie ein statistisches Bundesamt dann Leute einlädt und das dann sicherstellen kann, ja, aber das hat mir tatsächlich gefehlt, das hätte ich erwartet.

Stefanie Und wie sah das Bild aus? Also waren es eher junge Frauen oder eher alte Männer? Also in welche Richtung ging es?

Carsten Also tatsächlich habe ich den Eindruck gehabt, dass ein bisschen mehr aus meiner Sicht weiblich gelesene Personen da waren. Aber wobei das Verhältnis ich weiß nicht so 60 zu 40 oder so was war. Was das betrifft, so von der Geschlechtsidentifikation kann ich es ja nicht sagen, aber von dem, was ich von außen wahrgenommen habe, war es schon mindestens 60 zu 40. Aber was sehr auffällig war: es waren weiße Menschen und Leute wie ich waren gar nicht existent.

Stefanie Wer sind denn Leute wie du?

Carsten Ich war die Quotenmitte vom Altersdurchschnitt. Also ich hatte echt den Eindruck, es sind primär Personen gewesen, Menschen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn waren oder

Stefanie am Ende.

Carsten Oder ihren Arbeitsprozess schon hinter sich gebracht haben. Hat eine Person in der Pause zu mir gesagt...

Stefanie „Ich habe meinen Arbeitsprozess schon hinter mir.“?!

Carsten Aber auch die Person kam aus dem schulischen Umfeld, war glaube ich mal Lehrer·in und die jungen Menschen, die ich dort gesehen habe, würde ich - da bin ich vielleicht jetzt gerade so ein bisschen unscharf und vielleicht auch ungerecht – als Student·innen einschätzen, also ganz klar unter 30.

Stefanie Anfang 20..

Carsten Personen ab 30 bis 60 waren, wenn man es jetzt auf die Gesamt Teilnehmer·innenZahl bezieht, quasi nicht existent. Ich war da gefühlt der einzige. Da waren wohl noch einige Referent·innen, die so in diese Altersklasse fielen. Aber ansonsten muss ich sagen, das war echt eine Lücke.

Stefanie Das ist interessant irgendwie. Hast du eine Idee, woran das lag?

Carsten Ich hatte zwischendurch auch schon mal den Gedanken, ob ich das vielleicht mal in eine Podiumsdiskussion als frage. Es passte inhaltlich gar nicht von der Frage her. Aber es war tatsächlich etwas, wo ich persönlich auch ein bisschen mit zu kämpfen hatte, weil das hat mir natürlich so den Anschluss ein bisschen verwehrt, weil ich den Eindruck hatte, dass entweder altersmäßig die Person gut zusammen passten oder ich sag jetzt mal die Student·innen - für mich waren es ganz klar Personen, die studieren, von dem, was ich so aus den Randgesprächen im Vorbeigehen, im Danebenstehen mitbekommen habe, drehte sich alles irgendwie um: Was studierst du denn so? Nee, ähm, ein Thema, wo ich ja gar nicht mitsprechen kann. Aber das war dann auch tatsächlich eine andere Generation. Und da jetzt reinzugehen und sich daneben zu stellen, zu sagen: Hey, hier bin ich, lasst uns doch mal kennenlernen. Ich bin ja sowieso eher so ein zurückhaltender Mensch. Aber das war so, ich kam mir so ein bisschen vor wie so ein Alien.

Stefanie Okay. Ja, und was ich ja zu Beginn auch eigentlich noch fragen wollte - ich habe ja jetzt angefangen, Deutsche Gebärdensprache zu lernen. Also so ein bisschen zumindest und bin deswegen ja auch so ein bisschen dahingehend sensibilisiert. Du sagtest es schon Deutsche Gebärdensprache Dolmetschende gab es nicht.

Carsten Nein, gab es nicht. Es war wirklich ein Simultanübersetzung auf verbaler Schiene.

Stefanie Ja, aber ich meine jetzt generell, es müssten Dolmetscherinnen da sein, also für sämtliches gesprochenes Wort, da du nicht von Menschen, die gehörlos sind, erwarten kannst, dass die das irgendwie so aufnehmen. Also das sollte, denke ich, mittlerweile auch Standard sein. Es geht ja um Barrierefreiheit, um Inklusion und genau auch darüber nachzudenken, wie ein gutes Leben für alle aussehen kann. Und da müssen alle mitgedacht werden. Ich merke es jetzt erst dadurch, seit ich mich mehr damit beschäftige. Ich versuche jetzt auch meine Kursformate anders zu denken. Deswegen habe ich auch gedacht bei der Veranstaltung. Es ist dann auch wirklich so, dass du als gehörloser Mensch dann echt wenig Auswahl hast.

Carsten Ja, das ist auch die Frage: Wie gehst du als Organisationsteam mit einer solchen Anforderung der Barrierefreiheit um? Verlässt du dich darauf, dass, wenn Interesse geäußert wird, du erst dann nachsteuerst und sagst, solange sich niemand anmeldet, mache ich auch nichts? Ich würde auch denken, dass ich per se sage, die Veranstaltung ist barrierefrei, damit Menschen, die z.B. gehörlos sind, dann sagen: Hey, ich muss da nicht großartig hinterher fragen, sondern ich kann davon ausgehen, dass es barrierefrei ist.

Stefanie Das ist genauso wie mit dem Essen. Nee, also da hatten wir ja vorher auch nachgefragt und dir war zugesagt worden, dass es veganes Essen gibt, aber es war nicht explizit ausgeschrieben.

Carsten Aber es war auch durchmischt. Also ich ich hätte jetzt tatsächlich erwartet, dass bei einer Veranstaltung,

Stefanie wo es um Nachhaltigkeit geht...

Carsten Nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern tatsächlich auch um die Frage: Wie kann ein gutes Leben für alle aussehen, das zum einen mit „alle“ alle Lebewesen gemeint sind. Das war nicht der Fall. Es ging da in diesem Veranstaltungskontext wirklich nur um rein menschliche Tiere. Und beim Essen hat sich das insofern wiedergespiegelt, dass ich bei einigen Mahlzeiten eine relativ gute vegane Auswahl hatte, bei anderen Mahlzeiten nicht. Also es war so tatsächlich fifty fifty. Also es gab vier Mahlzeiten, oder fünf in den Pausen.

Stefanie Aber du hast ja auch gesagt, wenn es in den Pausen Kaffee und Kekse gab, waren die Kekse nicht vegan.

Carsten Aber der Kaffee!

Stefanie Der Kaffee war vegan. Ist ja toll. Ich bin total begeistert.

Carsten Ja, es war so eine ganz, ganz komische Durchmischung. Also mit Durchmischung meine ich. Du hast Sojamilch gehabt, du hast Hafermilch gehabt und du hast Kuhmilch gehabt, wo du denkst, Oh, da haben die ja richtig gut mitgedacht. Also Sojamilch, Hafermilch. Den Unterschied kann ich mir mit Allergien erklären, aber es wird ja berücksichtigt. So, dann guckst du aber auf die andere Tafel, wo Kuchen ist und Plätzchen. Du schüttelst den Kopf?

Stefanie Ich schüttele den Kopf, weil ich denke, dass alle Veranstaltungen, die irgendwie mit Nachhaltigkeit zu tun haben sollten, rein veganes Essen haben sollten. Du kannst es einfach nicht mehr verantworten. Du kannst da nicht Kuhmilch hinstellen, die einen mega Fußabdruck hat oder Fleisch servieren oder sei es auch nur vegetarisch. Das muss einfach vegan sein. Also ich meine, da gibt es gar keinen Diskussionsraum mehr.

Carsten Nee, für mich eigentlich auch nicht. Aber ich habe gemerkt, ich bin völlig in der Minderheit. Also nicht nur altersmäßig.

Stefanie Das ist ja auch gerade das Problem!

Carsten Ich glaube, es gab drei Personen, also zumindest zwei weitere haben sich indirekt zu erkennen gegeben, die auch vegan leben. Das war dadurch bedingt, dass nachher in der finalen Feedbackrunde, was ich vorhin schon sagte, wo die Plakate hingehangen wurden, da gab es ein großes Plakat mit der Überschrift „Für diese Utopie stehe ich ein.“ Jede teilnehmende Person konnte da selber reinschreiben: Was ist jetzt meine persönliche vegane Utopie? Und ich habe dahin geschrieben „Ich bin für eine Welt jenseits des Karnismus.“ Ich habe ganz bewusst Karnismus genannt, um so ein bisschen anzuecken.

Und dann habe ich ein paar Minuten später, als ich dann noch mal dran vorbeigegangen bin, zu gucken, wer hat wann wo was noch dazu ergänzt gesehen: Da hatten sich dann noch zwei Personen da direkt darunter eingetragen. Ein Eintrag war go vegan und eine weitere Person hat dann noch ein blaues Kreuzchen dahinter gemacht. Und diese Kreuzchen wurden verwendet, um zu sagen das mag ich auch, das muss ich nicht doppelt und dreifach schreiben, sondern ich gehöre dazu. So also von daher drei Personen, die sich zumindest öffentlich als vegan leben outen, würde ich jetzt mal attestieren. Also wenn ich nicht vegan lebe, würde ich das vielleicht da nicht hinschreiben, aber das ist natürlich in so einem Teilnehmendenkreis gut. Der Bundesdurchschnitt, so 3 % Veganer·innen aber trotzdem.

Stefanie Also ich finde wirklich alle Veranstaltungen, die irgendwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben, die müssen einfach vegane Verpflegung haben. Das ist egal, ob die Leute vegan leben oder nicht. Das sollte Standard sein, da sich dann noch darüber zu freuen: Ui, da gibt es sogar Hafer- oder Sojamilch zum Kaffee ist nicht okay.

Carsten Ich habe mich erstens nicht getraut und habe auch zweitens nicht gesagt, dass es nicht okay ist.

Stefanie Wir machen eine kurze Pause, damit ich Carsten auf die Finger hauen kann und dann geht es jetzt weiter. Tata!

Carsten So, die Finger sind noch dran. Ja, klar, Das ist nicht okay. Das ist da in dem Kontext auch überhaupt nicht weiter bedacht worden. Und das war auch etwas, was ich persönlich sehr schade fand, weil für mich das persönliche Erlebnis am Freitagabend beim Abendessen sehr gut war. Da habe ich eine reichhaltige Auswahl gefunden, mit der ich auch satt geworden bin. Und das Ganze ebbte dann am nächsten Morgen beim Frühstück und auch beim Mittagessen ab, wo sich das wirklich auf eine Option reduziert hat, wo ich dachte, das ist vielleicht die Beilage. Ein bisschen mehr hätte ich jetzt schon erwartet, wenn ich nur eine Scheibe Brot mit Margarine oder so. Gut, es gab diesen veganen Standardaufstrich, so Gewürzpasten oder sowas, ja, aber das war definitiv zu wenig. Aber mein Eindruck war, ich komme freitags dahin und sehe vegan und vegetarisch und mehr gab es da nicht. Denke zumindest mal so die Richtung stimmt und komme dann am nächsten Morgen in den gleichen Saal und stellt fest jetzt hast du wieder alles. So von diesem klassischen Rührei und gekochten Eiern über Joghurt bis hin zu Schinken und Käse und also hat sich jetzt in irgendeiner Art und Weise nicht wirklich verändert von der Standardernährung. Ja, und das hat mir dann die Illusion wieder genommen.

Stefanie Ja, wir schweifen tatsächlich ein bisschen ab. Okay, ich bin schuld. Ich wollte nur mal so diese Fragen stellen und noch mal darauf hinweisen, dass Veranstaltungen, die mit Nachhaltigkeit zu tun haben, immer noch nicht wirklich fortschrittlich sind, was zumindest die Ernährung angeht.

Carsten Fortschrittlich ist aber ein gutes Thema.

Stefanie Fortschritte. Die geniale Überleitung.

Carsten Unbewusst, aber ja. Genial passend. Ich würde ganz gerne noch mal – da wo ich unterbrochen wurde - Lateinamerika nochmal zur Sprache bringen.

Stefanie Wir müssen mal kurz noch mal anhalten. Ich muss Carsten wieder disziplinieren. Hier. So, Lateinamerika.

Carsten Lateinamerika? Genau. Also Fortschritt. Es gibt tatsächlich Emanzipationsbestrebungen oder Vorhaben, die ich da auch kennengelernt habe. Das eine Thema, das hatte ich vorher noch gar nicht mitbekommen, war, dass El Salvador - also nicht El Dorado, sondern El Salvador - anscheinend vor fünf Jahren den Metallbergbau verboten hat. Da gab es entsprechende gesellschaftliche Bewegung, die dafür gesorgt haben, dass diese krassen ökologischen Auswirkungen, aber auch alles das, was irgendwo mit Menschenrechtsverletzungen und sowas zu tun hat, was alles direkt den Metallbergbau betrifft in den Fokus gerückt wird und deswegen die Rechte der Natur und der Menschen gestärkt wird. Und das hatte zur Folge, dass vor fünf Jahren ein Verbot dieses Metallbergbaus stattfand.

Und das ist natürlich etwas, das finde ich total spannend, weil das ja eigentlich dieses Extraktivismus -Thema ist. Da, wo wir vom globalen Norden sagen: Hey, das ist ein riesiger Rohstoffvorrat, riesige Vorkommen, da kann ich schürfen, ich greife da einfach zu. Ich habe da vielleicht - das ist jetzt ein bisschen polemisch gesagt - ich habe ja genügend Geld. Ich kann da in diese Region reingehen, kann mir Landrechte kaufen, wo auch immer die Rechtsgrundlage herkommt, kriege ich Rückendeckung von den entsprechenden schwachen Regierungen, denen gebe ich auch Geld. Ja, also so jetzt meine blauäugige Sichtweise. Das läuft alles rechtsstaatlich und ja, aber dass ein Land wie El Salvador sagt: Hey, komm, dem entziehe ich mich. Meine eigenen Belange, das Wohl meiner Umwelt, das Wohl meiner eigenen Bevölkerung steht über dem wirtschaftlichen Interesse von internationalen Firmen, das finde ich sehr, sehr spannend.

Und das andere Thema, und da möchte ich zukünftig tatsächlich persönlich noch ein bisschen tiefer einsteigen, weil mir das völlig neu war, das hat eine·r der Referent·innen aus Argentinien angeführt, dass es dort einen sogenannten ökosozialen Pakt gibt, der lateinamerikanischen Länder. Mehr als 70 Organisationen in den lateinamerikanischen Ländern haben einen sogenannten ökosozialen Pakt geschmiedet, um eine entsprechende sozial ökologische Transformation in Lateinamerika voranzubringen. Und das ist eine Emanzipationsbewegung, die direkt aus dem globalen Süden entspringt. Und der Referent, das ist der Enrico Viale gewesen, der aus Argentinien stammt. Der hat noch mal betont, dass das tatsächlich etwas ist was zwar originär aus dem globalen Süden stammt oder konkret Lateinamerika, man aber im Rahmen dieser ganzen Prozesse auch mit Organisationen in Afrika, konkret Südafrika, in Asien, aber auch im globalen Norden gesprochen hat. Aber es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass das Ganze aus dem lateinamerikanischen Raum kommt, dass die das selber schaffen. Man koppelt sich da inhaltlich auch von allen anderen Interessensgebenden ab.

Also nicht dieses klassische Entwicklungshilfe vom globalen Norden in den globalen Süden. Dieser „White Saviorism“. [Erklärung des Begriffs in einfacher Sprache, übersetzt durch das Klartexttool des FC St. Pauli: „White Saviorism“ bedeutet, dass weiße Menschen oft denken, sie müssten anderen Menschen helfen. Diese anderen Menschen haben oft eine andere Hautfarbe. Sie leben oft in armen Ländern. Die weißen Menschen denken, sie wissen besser, was gut für diese Menschen ist. Das ist nicht immer richtig. Jeder Mensch weiß am besten, was gut für ihn ist. Es ist wichtig, dass wir alle Menschen gleich respektieren. Wir sollten nicht denken, dass eine Person besser ist als eine andere. ]

Sondern dass da die Kräfte vor Ort sagen: wir wissen am besten, was wir brauchen, wir machen das unabhängig davon. Und das ist natürlich eine Entwicklung, die wurde auch mehrfach diskutiert, so von der Frage: Ja, was braucht ihr denn? Braucht ihr Unterstützung aus dem globalen Norden? Oder müssen wir jetzt erstmal warten, was bei euch rauskommt? Hat das denn auch eine Strahlkraft auf uns im globalen Norden, wo wir vielleicht im globalen Norden von unserer Gesellschaftsbewegung her im Moment eher Stillstand oder Rückschritte verzeichnen? Also da ist die soziale Bewegung im Moment mal wieder relativ gering im Vergleich zu dem, was sich da in Lateinamerika tut.

Da wird also gefragt: Sollen wir erstmal abwarten? Und wenn ihr dann wirklich erstarkt und eine richtig große soziale Bewegung etabliert habt und dann auch solche Ideen in die Politik einbringt, um da einen Transformationsprozess zu starten, können wir dann im globalen Norden dann darauf aufsatteln oder so? Dieses Zusammenspiel wird diskutiert, allerdings offen. Es ist da für mich so durchgeklungen, es gibt Personen, die heute so in der nördlichen westlichen Hemisphäre schon so ein bisschen in Pessimismus versandet sind. Eine Stimme aus dem Teilnehmendenkreis meinte: Ja, ich gehe seit 40 Jahren auf solche Konferenzen und irgendwie tut sich nichts.

So, und jetzt kommt da natürlich richtig Fahrt in Lateinamerika auf, wo die Leute sagen: Nee, wir müssen das Thema angehen, wir müssen das selber lösen. Der globale Norden hilft uns nicht. Alle Maßnahmen, die da in den letzten Jahrzehnten beigesteuert wurden, haben die Situation nur verschlechtert. Wir müssen das stärker jetzt selber in Angriff nehmen, bis hin zu diesen Themen Berücksichtigung von Naturrechten, also die Natur anders zu bewerten. Und in dem Zusammenhang ist auch ein sehr schöner Ausspruch gekommen: Wir sind Natur, wir Menschen sind Natur. Wir können uns nicht losgekoppelt sehen, sondern wir gehören einfach dazu, müssen das berücksichtigen. Und das sind so zentrale Bausteine, die da jetzt tatsächlich ins Rollen kommen.

Und das ist etwas, da will ich mich in naher Zukunft noch mal intensiver mit beschäftigen, weil ich das einfach wissen möchte, was da konkret hinter steht. Wer agiert da mit? Wie weit sind die? Was passiert da? Inwiefern strahlt das heute schon so auf politisches Geschehen ab? Inwiefern passt das zum Beispiel mit diesem Buen Vivir Gedanken, der in Ecuador und Bolivien tatsächlich in der Verfassung hinterlegt ist, zusammen? Wird das davon beeinflusst? Ja, finde ich total spannend, weil da ist wirklich Bewegung drin im Moment.

So, und hier im globalen Norden, das wurde da auch in der Konferenz noch mal erwähnt, verzeichnen wir eigentlich eher Rückschritte. Gar nicht, weil die Sozialbewegung Rückschritte macht, sondern weil die Realpolitik nach außen hin sagt: Hey, wir wollen jetzt CO2 neutral werden, wir wollen klimaneutral werden. Wir legen das Abkommen, wir machen einen Klimapaket und keine Ahnung, was die einzelnen Regierungen tun und reden. Aber realpolitisch passiert genau das Gegenteil. Wir legen uns fest auf Erdöl, Erdgas. Wir weiten jetzt alles noch mal so weit aus, wie irgendwie geht. Also ein bisschen übertrieben, aber das läuft noch weiter. Vorhin habe ich irgendwo gelesen, dass jetzt so die ersten Windkrafträder schon abgerissen werden, damit der Braunkohlebagger da durch kann. Also der totale Irrsinn geht da und völlig in die falsche Richtung. Und das ist eigentlich so der Rückschritt und da müssen wir natürlich aufpassen, wir so als Zivilgesellschaft, aber auch wir im Rahmen von politischen Akteuren, dass wir uns da nicht irgendwelche Türen verschließen, dass wir da auf einmal langfristige Abhängigkeiten wieder schaffen in fossile Energieträger, von denen wir eigentlich wegkommen wollen.

Ich weiß, dass das alles getrieben und befeuert wird durch den Ukrainekrieg, aber ich kann da das eine nicht für das andere opfern. Also ich meine, ja klar, da ist jetzt gerade Krieg, aber wenn ich jetzt nicht gleichzeitig versuche, die Klimakrise zu lösen, dann habe ich da die nächsten riesigen Baustellen. Also ich muss irgendwie alles zusammendenken und das ist da, wie gesagt, in dieser Konferenz auch stark thematisiert worden, leider mit einer großen Ratlosigkeit. Also viele sind einfach überfordert und wissen einfach nicht ganz genau, wie kann ich damit umgehen? So, und diese Ratlosigkeit, die habe ich auch in der Podiumsdiskussion am Freitagabend irgendwo zumindest für mich wahrgenommen. Das war das, was ich vorhin schon als Sven Giegold Show bezeichnete. Wobei die Bezeichnung nicht von mir kam. Auch das ist aus diesem Feedback entstanden oder für mich dann herauslesbar gewesen.

Sven Giegold hat in seiner Form als Staatssekretär natürlich ein bisschen was aus dem Politalltag erzählt. Logisch. Jemand, der seit zwölf Jahren im Europaparlament war und jetzt auch in einer Ampelkoalition bei Koalitionsverhandlungen dabei ist und generell politische Prozesse sehr intensiv betreut, der kann da ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Und so ein paar Aspekte, die für mich auch so ein bisschen desillusionierend waren, mag ich hier noch mal kurz nennen.

Das eine betraf das Thema der Gewerkschaften. Ich hatte am Anfang vorhin schon gesagt, dass ich überrascht war, dass ein Gewerkschaftsvertreter, ein Referent des Deutschen Gewerkschaftsbundes dabei war. Der hat natürlich dann sehr schön erklärt, wie Gewerkschaften da jetzt mit reinarbeiten über Transformationsräte, die natürlich gucken, was tut sich auf dem Arbeitsmarkt, wo fallen vielleicht zukünftig Branchen oder Arbeitsplätze weg, wie gehe ich damit um? Wie kann ich die Person dann aufgreifen? Ein plastisches Beispiel, was da genannt wurde von dem Herrn Rohde, war die berühmt berüchtigte Wärmepumpe.

Ja, ich habe heute einen steigenden massiven Bedarf an Wärmepumpen, aber es fehlt an Fachkräften, die die Dinger installieren können. Dass in solchen Situationen die Gewerkschaften, weil sie nah am Arbeitsmarkt agieren, sehen, wo sind Branchen, wo Arbeitsplätze wegfallen? Stichwort Montanindustrie, Braunkohleindustrie. Wo kommen jetzt weitere Industriezweige dazu, wo ich Arbeitskräfte generieren muss und wie kriege ich die Personen, die aus der Arbeit rausfallen, wieder in die neue Arbeit rein? Also sprich Weiterqualifikation etc. pp. Es wurde also schön dargestellt, war aber nicht das einzige, wo die Gewerkschaften mit reingreifen. Aber die Rolle der Gewerkschaften wurde für mich prominenter und greifbarer.

Und Sven Giegold hatte das dann in dieser Podiumsdiskussion aufgegriffen und meinte, er hätte die negative Erfahrung gemacht, dass konkret, wo es um umweltschädliche Subventionen geht. Wir reden da über einen Topf von roundabout 50 Milliarden €, die jährlich von der Regierung in Industrien gegeben wird, von denen ein enormes umweltschädliches Verhalten ausgeht, wo wir einfach wissen hey, diese Industrien dürfen so in der Art und Weise entweder gar nicht mehr existieren oder müssen eigentlich ihr Geschäftsfeld so umändern, dass es nicht mehr umweltschädlich ist. Aber wir dürfen dieses bisherige Verhalten nicht mehr finanziell unterstützen. Also müssen wir hingehen und diese Subventionen streichen.

Sven Giegold sagte, es ist der riesige Kampf gewesen. Wir haben Stunden debattiert, um überhaupt kleinste Fortschritte zu bekommen. Und kurioserweise waren einige der massivsten Gegner für Subventionsabbau die Gewerkschaften. Die haben sich also quasi auf die Gegenseite gestellt. Da, wo die Politik gesagt hat: Hey, wir müssen dieses umweltschädliche Verhalten ändern, wir entziehen euch das Geld, wir wollen dieses Geld in Maßnahmen investieren, die klimaschonend sind. Und dann stellen sich die Gewerkschaften hin und sagen: Nein, machen wir nicht. Weil die Gewerkschaften natürlich ein ureigenes Interesse daran haben, bestimmte Arbeitsplätze zu erhalten. Und das war auf der einen Seite steht dann die Gewerkschaft, die sagt: Wir packen das tatkräftig an, wir sind Mitgestalter dieses Transformationsprozesses. Und dann kommt die Politik und sagt: Ja, aber gerade neue Regierung, Ampelkoalition, da haben wir über das ganze Thema diskutiert und da wolltet ihr nicht.

Nee, das ist so etwas, wo ich dann denke: Boah, klar relativiert das ein bisschen was von dieser aus der Gewerkschaftssicht dargestellten tollen Funktion. Auf der anderen Seite ist das natürlich insofern auch desillusionierend, als dass du merkst, na ja, eigentlich so eine Kraft, eine Institution, die sich selber als progressiv nach außen stellt, ist im Hintergrund die massivste Bremse schlechthin. Wie sollst du denn da Politik umsetzen?

Und auch das Thema Tempolimit ist gekommen, da, ich weiß nicht, irgendwie in die Diskussion eingeflochten und Sven Giegold sagt, das ist eigentlich auch aus seiner Sicht, ich sage jetzt mal, ein no brainer. Er ist absolut für das Tempolimit und hatte nochmal darauf hingewiesen, dass diese FDP Haltung ja dafür sorgt, dass kein Tempolimit umgesetzt wird und das, was Sven Giegold dort vorgeschlagen hat, er hätte jetzt ja auch noch nicht festgestellt, dass jetzt die riesigen Menschenmassen auf die Straße gehen und dieses Tempolimit einfordern. Das hat er deswegen gesagt, weil ja laut Umfragen die Mehrheit der Bundesbevölkerung für ein Tempolimit ist, so dass also auch in den ich sag jetzt mal Politikkreisen eigentlich die FDP auf einsamem Posten steht. Ja, und da kam tatsächlich die Frage auf, wenn sowieso der breite Konsens existiert, wieso kriegt ihr das nicht umgesetzt?

So, und wenn dann ein Politiker aus der aktuellen Regierung sagt: ja, aber ich nehme da nicht wahr, dass ihr als Zivilgesellschaft auf die Straßen geht und das einfordert. Das war so ein Moment, wo ich persönlich denke: Verliere ich jetzt komplett das Vertrauen in meine Regierung? Wir haben eine breite Mehrheit in der Gesellschaft, die ist offenkundig. Ich habe nur eine Partei, die dagegenspricht, die vielleicht gerade in der Regierung drin ist. Und es ist ja im Grunde genommen, was ich vorhin schon sagte, ein no brainer oder sonst so ein quick win. Also da ist ja jetzt wirklich nichts bei. Ich muss ja nicht viel machen, um so ein Tempolimit umzusetzen, wenn ich selbst dieses kleinste Detail politisch nicht durchsetzen kann. Kann ich denn dann überhaupt erwarten, dass die Politik den großen Wurf tätigt? Das ist so die Frage, die ich mir gestellt habe, weil mir so ein bisschen die Illusion in die Tatkraft der Politik genommen.

Und Sven Giegold hat auch das Klimapaket der Bundesregierung sehr beschönigt und optimistisch dargestellt. So, wenn man dann so seiner Ausführung Glauben schenkt, dann ist das das absolut Progressivste und Tollste, was jemals da irgendeine Regierung hinsichtlich der Klimasituation gemacht hat. Dann kam natürlich Gegenwind aus dem restlichen Podiumskreis, wo gesagt wurde Moment, das reicht ja vorne und hinten nicht. Also selbst wenn ihr jetzt die optimistischste Umsetzung habt, liegen wir noch weit hinter den tatsächlichen Klimazielen, die wir erfüllen müssen, um dieses 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Du kannst das schönreden wie du willst, aber selbst im optimistischen Fall reicht es einfach schlichtweg nicht. Es ist einfach ungeeignet.

So, und dann kam etwas, wo ich bis heute nicht sicher bin: Ist das so eine Art schwarzer Humor von Sven Giegold? Ich sag mal so zwischendurch gemerkt, dass er einen ganz trockenen Humor einfließen lässt. Aber er sagte dann, weil dann die die Thematik auch kam, 1,5 Grad Ziel werden wir sowieso nicht erreichen, sagte eine Person. Machen wir uns keine Illusion, so wie die Politik momentan vorangeht, 1,5 Grad kriegen wir nicht hin. Und dann meinte Sven Giegold: Ja, wird er gar nicht sagen. Nur Gott weiß, was die Zukunft bringt.

Das war so, alle Münder standen offen. So, wie solltest du jetzt darauf reagieren? Was ist das denn für ein Totschlagargument? Äh, ja, sorry. Also nee. Und natürlich dann im Hinterkopf immer behalten.: Das Ganze fand an einer katholischen Wirkstätte statt.

Stefanie Hat er vielleicht deswegen gesagt.

Carsten Ja und dann ziehst du natürlich so ein Thema komplett aus sämtlicher Diskussion raus. Also das ist so, aber es ist schade gewesen, weil ich glaube, da hat er viel Vertrauen verspielt, zumindest bei mir. Was jetzt tatsächlich so Regierungsmöglichkeiten betrifft, weil wenn ich mich dann, wenn es eng wird, zurückziehe und sage: Hey, Moment, das liegt alles in Gottes Hand, dann brauche ich keine Politiker·innen, dann gehe ich in die Kirche und bete. Oder wenn ich sage, da muss das Volk aber auf die Straßen gehen, damit ich ein Tempolimit umsetze, brauche ich auch keine Regierung. Dann bastle ich mir meine Verkehrsschilder selber und bring die so an, also weiß ich nicht. Das passt eigentlich nicht. Und das war so, Hm. Wie gesagt, ich habe so ein bisschen das Vertrauen in die Politik verloren.

Oder das, was ich vielleicht, wenn ich es positiv sehe, festgestellt oder wahrgenommen habe, ist: Die Politik muss man vor sich hertreiben. Von alleine passiert da nicht viel. Also wenn, dann müssen wir wirklich mit massivsten Protesten versuchen, die Politik vor uns her zu treiben und als gesellschaftliche progressive Kraft Dinge einfordern. Von alleine wird die Politik sich sehr schwer damit tun, genau die richtigen Maßnahmen umzusetzen. Das ist einfach zu viel Realpolitik und zu wenig Utopie. Und vielleicht ist Utopie jetzt auch das letzte gute Stichwort.

Es hatte sich am zweiten Tag dieser Konferenz tatsächlich ja auch um die Frage gedreht: Wie sieht denn dann nachher die neue Weltwirtschaft aus? Was sind denn da so diese Utopien oder real Utopien? Und da kann ich auf die Person Elisabeth Voss verweisen. Wir verlinken das auch noch mal in den Shownotes und unter dieser Folge, die Frau Voss hat eine Internetseite, wo all diese Sachen, die sie im Laufe der letzten Jahrzehnte erarbeitet hat, auch im Detail aufgeführt werden. Sie hat auch Bücher geschrieben, mindestens eins, ich glaube mehrere zu diesen ganzen Themen. Sie hat da einen sehr, sehr vollen Vortrag gehabt, wo all das aufgeführt wurde. Und ich kann das jetzt nur wirklich facettenhaft umreißen, aber ich kann auch Eigenwerbung machen für uns. Wir haben viele von diesen Sachen bei uns im Podcast schon irgendwie behandelt, also wir lagen gar nicht so verkehrt.

Im Grunde genommen ist es ein Zusammenspiel aus all den Nischen, die wir jetzt schon so wahrgenommen haben. Angefangen von Donut Ökonomie, Gemeinwohlökonomie, Ökodörfern, Kooperativen, Kommunen, MietshausSyndikat wurde genannt. Generell wurden Beispiele genannt, wo Unternehmen in die Hände der Mitarbeiter·innen übergeben wurden. Also Argentinien hat da sehr prominente Beispiele, wo Unternehmen, die - ich weiß nicht, ob sie Pleite gegangen sind, aber die wurden tatsächlich von den Mitarbeiter·innen weitergeführt, gegen alle massivsten, auch gewalttätigen Widerstände. Und das sind so Beispiele gewesen, die sie genannt hat. Buen vivir ist gefallen. Commons sind Themen, die da mit reinspielen.

Also im Grunde genommen ein Puzzle oder ein Zusammengewebe aus all diesen Sachen wird nachher tatsächlich bestimmen, wie unsere zukünftige nachhaltige Weltwirtschaft aussieht, die ein gutes Leben für alle bereitstellt. Das ist so, auf der einen Seite haben wir ein riesiges Potpourri an Einzelmaßnahmen, die jede für sich funktioniert, wo wir jetzt im Grunde genommen von der breiten Masse her zusehen müssen, dass sich das noch weiter verbreitet. Dass das raus aus der Nische kommt. Und das ist so meine persönliche Mutmaßung: wahrscheinlich müssen wir regional oder auch in den einzelnen Ländern unterschiedlichste Gestaltungsmodelle miteinander verweben, die dann kooperativ zusammenarbeiten, um trotzdem irgendwo noch einen Welthandel zu haben. Es geht ja nicht darum, reine lokale Produktion, sondern auch im Welthandel zu realisieren. Immer geführt mit der Frage: Was kann vor Ort produziert werden, was muss ich aus fernen Ländern dann doch noch holen? Muss ich das tatsächlich holen? Muss ich jeden Tag meine drei Tassen Kaffee trinken? Die Frage wurde tatsächlich diskutiert oder kann ich dann auch irgendwo was anderes trinken? Was gab es eigentlich vor dem Kaffee? Wurde dann als Gegenfrage gestellt und im Hintergrund hat dann jemand gerufen Muckefuck, wo dann wieder das Lachen durchgekommen ist. Also ja, all diese Fragen fallen mit rein.

Aber das ist so tatsächlich das Maß der Dinge, an dem wir uns orientieren können. Ein Zusammenspiel aus all diesen Formen. Und wie gesagt, ich habe das jetzt nur einmal verbal ganz grob umrissen. Wir haben, wie gesagt, viele Sachen schon in einzelnen Podcastfolgen diskutiert, werden auch in Zukunft immer mal wieder andere, vielleicht bisher noch nicht so im Detail behandelte Themen nochmal mit eigenen Podcastfolgen diskutieren, behandeln, feiern. Wie auch immer. Und wenn du jetzt schon neugierig bist, guck doch mal bei Elisabeth Voss auf der Internetseite, da findest du wirklich ein Extrakt und kannst da wirklich noch mal in die Tiefe reingehen und sagen Hey, das ist etwas, das ist vielleicht für mich auch praktisch greifbar. Das ist vielleicht mit meiner Lebensrealität im Moment recht kompatibel. Da kannst du noch mal reingehen und gucken, kannst du es adaptieren oder wie kannst du es denn sonst irgendwie bekannt machen? Also allein das darüber sprechen ist ja schon wertvoll, dass Menschen wissen, wie kann eine Utopie gestaltet werden oder aussehen?

Stefanie Ja, und jetzt, bevor die Wortfindungsschwierigkeiten zu groß werden und die Zunge schwer, noch die Frage: Würdest du wieder hingehen zu dieser Konferenz? Ist das ein Format, was du empfehlen kannst?

Carsten Ja, also generell glaube ich, sind solche Konferenzen schon aus dem Grunde gut, als dass ich die Möglichkeit hatte, wirklich mal komplett ins Thema abzutauchen. Es gab ja rechts und links nichts anderes. Ich war voll im Thema drin und da kommen ganz andere Gedanken, als wenn ich sage, ich beschäftige mich jetzt mal eine halbe Stunde, eine Stunde oder schau mal eine Doku oder lese mal ein Buch und habe aber ansonsten rechts und links mein ganz normales Alltagsgeschehen. Und das hier hat dann natürlich eine andere Qualität, wenn ich mich voll auf etwas einlassen kann. Und für Personen, die jünger sind als ich oder die ihren Arbeitsprozess schon hinter sich gebracht haben, gibt es dann natürlich auch genügend Anknüpfungspunkte in ihrer Altersklasse. Wobei ich mir echt wünsche, falls ich in Zukunft noch mal die Chance habe, dass da Menschen in meinem Alter sind.

Stefanie Wobei, ich dachte gerade so, das Feedback, was du gerade gegeben hast, kriege ich auch immer beim Bildungsurlaub, dass es toll ist, mal eine Woche in dieses Thema komplett abgetaucht zu sein. Das heißt, deine Altersklasse ist wahrscheinlich immer bei mir im Bildungsurlaub.

Carsten Ach, deswegen war da keiner.

Stefanie Ja, die sind bei mir. Weißt du.

Carsten Ich dachte meine Altersklasse, die muss erstmal den Kapitalismus retten, während die Jüngeren und die Älteren die Kapazitäten haben, um die Welt zu retten.

Stefanie Nee, nee, nee, nee. Also die, die ja voll in der Arbeit noch drin stecken, sind die, die Bildungsurlaub beantragen können und die kommen dann zu mir.

Carsten Ja, das stimmt. Bildungsurlaub kannst du wirklich nur in dieser Konstellation beantragen.

Stefanie Das kannst du nicht als Student·in oder als Mensch, der oder die den Arbeitsprozess schon hinter sich gelassen hat. Also von daher ist das vielleicht das Format. Aber das ist genau dieses Feedback, was ich auch immer wieder bekomme. Es tut tatsächlich gut, mal sich mehrere Tage am Stück oder vielleicht auch nur einen Tag, wirklich aber eine längere Zeit am Stück mit anderen zusammen in einer Gruppe mit diesem Thema zu beschäftigen, da wirklich einzutauchen und nur das zu machen, was aber unsere Podcastfolgen auch nicht abwerten soll, oder?

Carsten Ne, wertet die auf, wir sind ja die Ideengebenden. Vielleicht entstehen ja aus solchen Ideen entsprechende Bildungsurlaube, Angebote oder Konferenzangebote.

Stefanie Oder du kannst sie einfach als Ergänzung und zur Vertiefung anhören.

Carsten Ja, also ich meine, ganz ehrlich, irgendwelche Leute werden sich ja mal mit dem Thema dieser Konferenz auseinandergesetzt haben und haben das dann organisiert. Also da muss irgendwo mal eine Idee gekommen sein.

Stefanie Und die kam aus unserem Podcast.

Carsten Definitiv mal aus so was wie unserem Podcast.

Stefanie Oder sowas wie unser Podcast kam aus unserem Podcast.

Carsten Nein, jetzt ist es ja freibleibend. Es steht ja jeder Person offen ähnliches zu organisieren und sei es einfach nur irgendwie einen politischen Diskussionsabend. Wie auch immer. Also von daher soll das ja als Inspirationsquelle dienen.

Stefanie Genau. Und da wir jetzt schon lange genug geredet haben oder bzw Carsten einfach lang genug geredet hat, sag ich jetzt in diesem Sinne.

Carsten Ja, in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 271 - Wasser, Strom und Heizkosten sparen - so geht es in der Mietwohnung

Ein Beitrag

Folge 271 - Wasser, Strom und Heizkosten sparen - so geht es in der Mietwohnung

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Wir haben uns spontan zu dieser Folge entschlossen, weil uns nämlich die aktuelle Stromabrechnung vorliegt.

Carsten Ja, wir haben Post bekommen.

Stefanie Unter anderem war da die Stromrechnung im Briefkasten. Und ich bin so stolz auf uns!

Carsten Post von unserem Lieblings-Energieversorger? ;)

Stefanie Nee, genau... also, über den sprechen wir jetzt natürlich nicht. Aber halt, vielleicht könnten wir da mal nachfragen, ob die uns sponsoren, dafür dass wir jetzt über das Thema sprechen!? Aber im Ernst, wir reden nicht über unseren Energieversorger, sondern über die Stromrechnung, denn wir haben unseren Stromverbrauch im letzten Abrechnungsjahr um sage und schreibe 37% gesenkt!

Carsten Wow, aber exakt 37 Grad Prozent!

Stefanie Warte mal: 37,04% wurde mir angezeigt.

Wir hatten vorher einen Stromverbrauch für unseren 3 Personenhaushalt von ungefähr 2700 kW/h pro Jahr. Und jetzt sind wir bei 1700 kW/h pro Jahr. Das ist total faszinierend, wir waren nämlich schon mit diesen 2700 kW/h pro Jahr im „guten“ Bereich für einen Dreipersonenhaushalt. Und mit den 1700 sind wir jetzt sogar im „sehr guten“ Bereich. Und laut der von mir rausgesuchten Vergleichstabelle ist 1700 auch schon für einen Einpersonenhaushalt gut. Wir sind quasi so gut wie ein Einpersonenhaushalt!

Carsten So gut wie noch nie zuvor!

Stefanie Ja, das stimmt.

Carsten Yeah, Spitzenleistung!

Stefanie Genau! Und wie haben das jetzt geschafft? Also, genau darüber wollen wir in dieser Folge plaudern: Wie wir es geschafft haben, unseren Stromverbrauch so stark zu senken. Dann wollen wir aber auch über unsere Heizkosten und über unsere Wasserkosten sprechen. Das alles ist ja jetzt gerade in den Medien Thema. Und ich dachte, es passt ganz gut, wenn wir unsere aktuell vorliegenden Abrechnungen zum Anlass nehmen, genau darüber zu sprechen.

Ich bin gerade wirklich stolz darauf, dass wir diese Einsparungen geschafft haben und es passt gerade so gut in unsere Zeit. Deswegen wollen wir da einige Tipps geben.

Natürlich sind wir nicht der Maßstab aller Dinge, und es ist hier auch alles rein subjektiv. Trotzdem habe ich mich jetzt vorhin mindestens eine Stunde hingesetzt und Zahlen recherchiert, um Vergleichswerte zu haben und zu gucken, wie unsere eigenen Verbrauchswerte da rein passen. Ergänzen werde ich das durch Fakten aus meinem Online-Kurs „Grüner Leben Schritt für Schritt“. Der Kurs ist quasi die Essenz meiner Bildungsurlaube und -kurse der vergangenen Jahre und versammelt mein gesamtes Wissen und meine Erfahrungen, die ich in den vergangenen Jahre in diesem Bereich gemacht habe. Ich verlinke Dir die weiteren Informationen zu diesem Kurs auf jeden Fall hier unter der Folge und in den Show-Notes, so dass du da gerne mal vorbeischauen kannst.

Ein Modul meinem Kurs ist das Thema „Wohnen“. Und daraus ziehe ich jetzt diese Informationen. Das heißt, du bekommst jetzt in dieser Folge einen exklusiven Einblick in meinen Kurs. Unter anderem gespickt mit unserem Vergleichswerten und sehr subjektiven Einschätzungen, wie wir es geschafft haben, weniger Energie zu verbrauchen; in den drei Segmenten Wasser, Heizen und Strom.

Aber bevor wir jetzt damit starten, möchte ich mich heute mal ganz herzlich bei Rupert bedanken, der jetzt gerade dabei ist Podcastfolgen, also Transkripte von Podcastfolgen, Korrektur zu lesen und angeboten hat, das regelmäßig zu machen. Sowie bei einer anderen Person, die das auch angeboten hat regelmäßig zu machen, aber anonym bleiben will. Deswegen kann ich den leider Namen nennen, möchte hier aber trotzdem danke sagen. Der Name der Person fängt mit B an, das ist vielleicht ausreichend, damit sich diejenige Person angesprochen fühlt ;)

Wie gesagt, ich schütze Deine Anonymität. Jedenfalls herzlichen Dank an dieser Stelle diesen beiden Personen, die sich dazu bereit erklärt haben, Transkripte Korrektur zu lesen! Es gibt noch andere Personen, die das teilweise schon gemacht haben und teilweise noch machen wollen. Nichtsdestotrotz ist ein großer Anteil der Podcastfolgen immer noch nicht transkribiert und Korrektur gelesen. Also wenn Du das Gefühl hast, Du möchtest das gerne machen, Du würdest gern was zurück geben, dann melde Dich doch bitte gerne bei mir unter post@vonherzenvegan.de.

Du kannst dir die Podcastfolge aussuchen, die du transkribieren möchtest. Und ich denke, es ist relativ unwahrscheinlich, dass du genau die Folge nimmst, die jetzt gerade von einer anderen Person transkribiert wird, bzw. Korrektur gelesen wird. Also von daher besteht, sagen wir mal, eine 98%ige Wahrscheinlichkeit, noch eine bisher nicht transkribierte Folge zu erwischen. Du kannst quasi sowas wie Transkript-Patin oder Transkript-Pate von einer Folge werden. Und ich nenne Dich sehr gerne auch namentlich sowohl im Text zur Podcastfolge und auch gerne verbal in einer der nächsten Podcastfolgen. Dann wirst Du quasi in einer die Hall of Fame der Transkript-Korrekturleser*Innen aufgenommen.

Carsten Ja, das ist cool!

Stefanie Das mit der Hall of Fame ist mir gerade spontan eingefallen. Ich kann dafür auf meiner Internetseite sogar eine eigene Rubrik einrichten, auf der ich aufzähle, welche Person wie viel Korrektur gelesen hat. So mit einer absteigenden Reihenfolge der Ehrungen und so ;) Dann steht da wahrscheinlich mehrfach: Korrekturgelesen von Anonym, Korrektur gelesen von Anonym, Korrekturgelesen von Anonym… Also ich werde das auf jeden Fall gerne honorieren, wenn Du beim Korrekturlesen unterstützen möchtest. Nur nicht finanziell, denn das ist ja nicht der Sinn der Sache. Und ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, wenn du dich meldest, um ein Transkript Korrektur zu lesen. Wie gesagt, du kannst dir die Folge aussuchen. Wenn du dich angesprochen fühlst, melde dich bei mir.

Kommen wir jetzt mal auf das Thema Strom zu sprechen. Wie haben wir das denn geschafft? Also es ist schon länger so, dass wir so kleinere Sachen machen, wie überall den Stecker ziehen oder zum Beispiel schalten wir unseren WLAN Router aus nachts, der zieht tatsächlich auch Strom. Also es gibt jede Menge kleinere Sachen, die wir tun können. Aber was jetzt wirklich diesen großen Sprung gemacht hat von den 2700 auf die 1700 Kilowattstunden pro Jahr, das war, dass wir keinen Trockner mehr haben. Wir hatten davor noch einen Trockner,

Carsten einen relativ alten, den wir regelmäßig genutzt. Da haben wir ganz bewusst darauf verzichtet. Also der tat noch, den haben wir nachher verschenkt.

Stefanie Genau den haben wir verschenkt und leben jetzt seit über einem Jahr ohne Trockner. Genau. Und trocknen jetzt entweder auf dem Balkon oder unten im Trockenraum. Und wir sind tatsächlich die einzigen hier im Haus, von den 7 Parteien, die dort Wäsche trocknen.

Carsten Ja.

Stefanie Merkwürdigerweise ja. Also entweder haben alle anderen Trockner oder die trocknen in der Wohnung, was eigentlich laut Mietvertrag verboten ist. Also wir wissen das ja nicht, wir wollen hier niemanden verleumden. Also jedenfalls wir machen das nicht. Wir trocknen entweder unten im Keller oder auf dem Balkon. Und das denke ich, ist so somit die größte Ersparnis, also was am meisten gebracht hat. Dann hatten wir auch eine „neue“ Spülmaschine und einen „neuen“ Kühl-Gefrierschrank gekauft. Neu ist jetzt irreführend, weil es gebraucht war.

Carsten Diesmal haben wir auf die Energiesparklasse geachtet, was wir in der Vergangenheit so nicht getan haben. Und wir haben durch die Kühlschrank und Gefrierschrank Kombination die vorherigen Geräte ausgetauscht. Also in der vorherigen Wohnung hatten wir einen Kühlschrank.

Stefanie Der so alt war wie die Wohnung selbst und deswegen schon sehr alt. Unser Gefrierschrank war auch schon sehr alt, denn wir hatten da so einen kleinen Gefrierschrank und die Spülmaschine war auch die von der Wohnung, das heißt, die war auch schon älter und da war auch keine Energieeffizienzklasse ersichtlich. Und da haben wir jetzt bei der neuen Wohnung drauf geachtet, dass wir da die höchste Energieeffizienzklasse genommen haben und ein gebrauchtes Gerät, so dass diese Kombination für uns am nachhaltigsten war und tatsächlich auch was gebracht hat.

Wir nutzen für die Spülmaschine und auch die Waschmaschine, die ebenfalls eine hohe Energieeffizienzklasse hat, also die höchste, die es damals gab, als wir das Gerät gebraucht auch wieder gekauft haben, immer die Öko Eco Sparprogramme, so dass wir der Meinung sind, dass es auch daran liegt. Die Waschmaschine hatten wir in dem vorigen Haushalt schon und das heißt, daran kann es nicht liegen, dass wir so viel eingespart haben. Aber ich denke auf jeden Fall am Trockner. Und, dass Spülmaschine, Kühlschrank und Gefrierschrank energieeffiziente Geräte sind.

Carsten Genau das denke ich auch, dass das den großen Anteil gebracht. Ansonsten haben wir ja unseren Stromverbrauch oder die Art und Weise, wie wir Strom verbrauchen, gar nicht geändert.

Stefanie Genau. Also im Vergleich dazu waren wir vorher schon gut.

Carsten Ja.

Stefanie Und das hatten wir dadurch erreicht, dass wir viele kleinere Dinge gemacht haben. Wir haben ja auch keinen Fernseher, der verbraucht auch viel Strom. Was wir aber schon haben, sind mittlerweile zwei Tablets und wir haben auch zwei Laptops. Und wir haben auch einen großen Bildschirm, den wir beim Arbeiten benutzen. Und es war auch so, dass Carsten mindestens zwei Monate Homeoffice im Abrechnungszeitraum gemacht hat, so, dass er da dann auch mehr Strom verbraucht hat. Und ich hatte eigentlich wirklich damit gerechnet, dass wir jetzt mehr Strom verbraucht haben als vorher.

Carsten Durch die Homeofficetätigkeit.

Stefanie Ich habe mich schon so ein bisschen gesorgt und dass wir jetzt also wirklich deutlich weniger verbraucht haben macht mich stolz. Deswegen müssen wir jetzt auch die Podcastfolge aufnehmen, weil ich diesen Stolz teilen möchte. Ich war so stolz auf uns, dass wir das geschafft haben. Und das heißt, es ist ja noch Potenzial da. Wir könnten also jetzt, wenn wir sagen, weniger Elektrogeräte, weniger damit Filme gucken, Musik hören oder was auch immer, weniger arbeiten, also weniger elektrische Geräte nutzen, würde vielleicht auch noch was bringen.

Carsten Ja, ich glaube schon, dass wir da noch ein bisschen Potenzial haben. Wobei ich dazu sagen muss, wir sparen uns jetzt nicht zu Tode. Es ist nicht so, dass wir händeringend versuchen, irgendwie Energie zu sparen, sondern das ist jetzt eine völlig normale Alltagsroutine für uns geworden, ohne dass wir da bewusst immer darauf achten müssen „Oh, jetzt schnell den Stecker ziehen oder jetzt schnell den den Schalter betätigen“, damit dann das Licht ausgeht oder so. Ja, wir wollen jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass wir total die Sparfüchse geworden sind, die als Hauptziel haben, den Energieverbrauch so weit wie möglich nach unten zu skalieren.

Stefanie Ja, da sprichst du auf jeden Fall einen sehr wichtigen Punkt an. Das ist etwas, was ich auch in meinen Kursen und generell mit Menschen immer wieder bespreche. Nämlich: Wie weit schneidet das, was du tust, in deinen Alltag ein? Also wie sehr beeinträchtigt es dich? Und das, was wir bisher getan haben, beeinträchtigt uns nicht in unserem Alltag. Und das wäre nun die Frage, wenn wir weiter schauen und sagen okay, wir wollen noch mehr. Wir sind jetzt voll angefixt, wir wollen noch mehr sparen, noch mehr sparen, noch mehr sparen. Wie stark wird es uns einschränken? Und das ist, glaube ich, immer generell die Frage.

Es ist aber auch ein Prozess, denn natürlich kannst du sagen, die Wäsche nicht im Trockner zu trocknen, das schränkt mich stark ein. Ich habe keinen Trockenkeller oder was auch immer. Es ist individuell. Also wir reden jetzt hier über das, was wir machen und wie das bei uns möglich ist. Und du wägst das dann, liebe·r Hörer·in für dich ab, ob das für dich möglich ist. Denn wir können keine allgemeingültigen Tipps geben, sondern einfach nur aus unserer subjektiven Sicht sagen, wie wir das gemacht haben. Und für uns funktioniert das. Natürlich ist es einfacher, die Sachen in den Trockner zu packen, aber es darf ja auch nicht alles in den Trockner, muss man dazu sagen. Letztlich dann aus dem zweiten Stock in den Keller zu gehen, um die Wäsche aufzuhängen und sie dann auch da wieder hoch zu holen, ist natürlich erst mal ein Aufwand, das ist schon klar. Nur sind es Dinge, an die wir uns gewöhnen können. Also wir zumindest konnten uns jetzt daran gewöhnen und deswegen ist das ein Aufwand, den ich in Kauf nehme. Und da ist es immer wieder ein Abwägen, was ist dir wichtiger?

Und hier beim Strom geht es ja jetzt auch in erster Linie um die Kosten. Also das heißt unser Abschlag war vorher bei 76 €, jetzt ist er bei 46 €. Wir sparen jetzt 30 € im Monat und das ist ja ziemlich cool. Aber letztlich müssen wir uns da jetzt nicht so arg drum sorgen, denn selbst wenn es noch mal 10 € mehr werden, es ist immer noch 20 € weniger als vorher. Und deswegen finde ich es ziemlich cool, dass wir das geschafft haben und deswegen wollte ich einfach teilen, wie wir das geschafft haben. Soweit jetzt erst mal zum Strom und nun zum Thema Wärme, heizen.

Das ist ja jetzt gerade auch in aller Munde und auch da konnten wir viel einsparen. Damals habe ich nicht diesen Stolz verspürt, sofort die Folge zu machen. Dafür lassen wir es jetzt mit einfließen. Wir haben ja vorher, bevor wir im Juni letzten Jahres in diese Wohnung, in dieses Mehrfamilienhaus gezogen sind, in einem Haus gewohnt, was eigentlich ein Einfamilienhaus ist, wo wir mit den Vermieter·innen zusammen in dem Haus gewohnt haben. Das heißt, wir hatten die obere Etage und die hatten die untere Etage. Das heißt, es war ein freistehendes Einfamilienhaus, quasi Zweifamilienhaus, also keine Doppelhaushälfte, dass wir das in der Mitte geteilt hätten, sondern ein ausgebautes Einfamilienhaus.

Carsten Ursprünglich ja, mit der Intention, irgendwie einen Verwandtenteil in der Wohnung zu lassen.

Stefanie So eine Art Einliegerwohnung also quasi horizontal geteilt und nicht vertikal geteilt. Und ja, also die Unterschiede sind ziemlich krass. Also jetzt, was das Heizen vor allem betrifft. Jetzt wohnen wir in einem Mehrfamilienhaus. Wir haben die Quadratmeter auch nur um zehn Quadratmeter reduziert, also die Größe der Wohnung. Eigentlich wäre es ja so 25 Quadratmeter pro Person ist nachhaltig. Und wir wohnen jetzt auf 82 Quadratmeter, ungefähr, 81,3333 oder so. Und vorher haben wir ungefähr auf 92 Quadratmeter gewohnt, da in diesem Einfamilien-Zweifamilienhaus. Und jetzt ist es so, dass wir im zweiten Stock wohnen, in einem großen Mehrfamilienhaus. Uber uns sind noch Wohnungen, neben uns, rechts und links sind Wohnungen und unter uns logischerweise auch. Wir schweben nicht frei im zweiten Stock. Das heißt, um uns rum sind Wohnungen.

Das hörst du vielleicht auch an den Nebengeräuschen? Und ja, das kann natürlich negativ sein. Diese Nebengeräusche. Aber was die Wärme angeht, ist es wirklich super. Wir haben in diesem Jahr zum Herbst hin noch nicht geheizt. Wir waren jetzt in den Herbstferien für eine Woche auf der Insel. Poel - haben wir ja schon erzählt - und dort in einem Ferienhaus, das auch freistehend war. Und dort mussten wir die ganze Zeit heizen, weil das sonst viel zu kalt war, die Zimmer waren sofort ausgekühlt.

Carsten Genau, Es hatte nur eine Grundkühle, also keine Grundwärme, sondern eine Grundkühle, wenn die Heizung nicht aktiv eingeschaltet wurde. Es war immer irgendwo, keine Ahnung, gefühlte 14, 15 Grad oder so, also definitiv zu kalt.

Stefanie Es war auf jeden Fall zu kalt und hier ist es bisher noch nicht passiert. Also einfach nur ganz alleine deswegen, weil wir in einem Mehrfamilienhaus wohnen und nicht in einem Einfamilienhaus. Es ist auf jeden Fall schon wärmer. Dann noch zu den Fakten. Wir werden hier mit Fernwärme beliefert und ich hatte noch mal geguckt: Der Energiebedarf des Gebäudes liegt bei 76,7 Kilowattstunden und das ist schon relativ energieeffizient. Natürlich noch nicht super. Es gibt ja noch viel bessere Häuser, aber schon mehr in die Richtung Energieeffizient. Also damit du das vergleichen kannst mit der Wohnung, dem Haus, wo du wohnst, worüber wir sprechen. Hier ist eine 81,33 qm große Wohnung in einem großen Mehrfamilienhaus, das mit Fernwärme beliefert wird und einen Energiebedarf von 76,7 Kilowattstunden hat. Und da ist Warmwasser schon enthalten in dieser Berechnung.

Auf dieser Basis ist es so, dass wir im letzten Abrechnungszeitraum ungefähr 500 € an Heizkosten inklusive Wartungskosten gezahlt haben. Das ist ein Durchschnitt von 6,15 € pro Quadratmeter. Und ich hatte mal nachgeschaut, das Fernwärme bei einer 70 Quadratmeter großen Wohnung eigentlich dann bei 13,8 € pro Quadratmeter liegen würde. Das heißt, wir sind auf jeden Fall schon deutlich unter dem Durchschnitt. Und das sagt auch eine andere Statistik, wo es ebenfalls um eine 70 Quadratmeter große Wohnung in einem Mehrfamilienhaus geht. Und da steht hier bei Fernwärme sind Heizkosten von 645 € schon als niedrig anzusehen und wir haben nur 500 €. Das heißt, dass wir auch mit der Art und Weise, wie wir heizen, schon in einem sehr niedrigen Bereich gelandet sind.

Direkt vergleichen mit der vorigen Wohnungen, dem Ein-Zweifamilienhaus können wir das nicht, weil dort mit Erdgas geheizt wurde. Und es gab dort gar keine Zähler. Wir mussten nach Quadratmetern uns irgendwie anpassen. Nur der Gesamtwert wurde aufgeteilt, das heißt, wir konnten den tatsächlichen Verbrauch überhaupt nicht messen. Und die Kosten waren aber mehr als doppelt so hoch als das, was wir jetzt in dieser Wohnung gezahlt haben. So dass es dann 12,59 € pro Quadratmeter waren im Vergleich zu diesen 6,5 Euro pro Quadratmeter, die wir jetzt zahlen. Wie gesagt, das kann man nicht richtig vergleichen, weil es auch ein anderer Energieträger ist, der eigentlich im Vergleich günstiger ist. Jetzt natürlich nicht mehr und zum anderen eine andere Art der Messung, so dass es nur mit den Kosten vergleichbar ist.

Carsten Also wir haben einfach für uns sichtbare Effekte, erst messbar, spürbar, sogar auf dem Konto. Aber wir wissen auch weder die Energieeffizienzklasse des Hauses der vorherigen Wohnung. Das ist uns leider unbekannt und wir müssen uns auch drauf verlassen, dass das, was die Vermieter·innen uns damals zugesagt haben, dass deren Heizverhalten eher großzügig ist. Das war damals so etwas. Die haben uns ja erklärt, dass wir eigentlich davon profitieren. Dadurch, dass sie sehr häufig heizen, würde sich unsere Wohnung mit aufheizen. Ob das jetzt tatsächlich so ist, wissen wir natürlich nicht. Das kann natürlich im schlimmsten Fall sein, dass wir einen Großteil der Kosten selber getragen haben. Aber letztendlich sind das so die, ich sag jetzt mal die Unschärfen, mit denen wir den Vergleich anstellen müssen.

Stefanie Genau. Und deswegen können wir das jetzt nicht direkt vergleichen, aber zumindest haben wir diese Tabelle, in der steht, dass Heizkosten von 645 € bei Fernwärme und einer 70 Quadratmeter großen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus schon niedrig sind und wir sagen können okay, wir haben 500 € gezahlt. Das heißt, unser Heizverhalten ist schon sehr gut. Der Schlüssel liegt tatsächlich in der Reduzierung der Raumtemperatur. Da muss man allerdings aufpassen, dass es nicht zu kühl wird, weil sich dann Schimmel bilden kann. Wir hatten hier von unseren neuen Vermieter·innen in diesem Mehrfamilienhaus auch so einen Flyer bekommen, wo genau drin stand „Bitte diese Temperaturen einhalten usw und so fort.“ Das heißt es ist schon gut, wenn man so eine gewisse Raumwärme einhält.

Allerdings macht ein Grad Reduzierung schon viel aus. Das heißt besser dich wärmer anziehen, als auf 20 Grad zu heizen. Lieber auf 19 oder 18 Grad heizen, dann sparst du auf jeden Fall schon was. Warum ist das so? Ich hatte hier eine Statistik vom Statistischen Bundesamt von 2021 rausgesucht, die den Energieverbrauch für Wohnen nach Anwendungsbereichen von dem Jahr 2019 zeigt. Und zwar macht die Raumwärme beim Energieverbrauch 71 % für den Bereich Wohnen aus. Und danach kommt dann mit 15 % Warmwasser. Über das Thema Wasser sprechen wir gleich noch. Aber wirklich fast 2/3 des Energieverbrauchs im Bereich Wohnen liegen bei der Raumwärme, das heißt, da ist dein größtes Einsparpotential. Das ist dann gut fürs Klima, aber auch gut für deinen Geldbeutel, wie wir auch gemerkt haben.

Und ich les dir hier mal ein paar Tipps vor, die ich auch in den Kurs „Grüner Leben Schritt für Schritt“ eingefügt habe. Also Reduzierung der Raumtemperatur um ein Grad hatten wir schon gesagt.

  • Dann falls vorhanden Rollläden nachts herunterlassen, hält die Räume warm und kann bis zu 5 % Energie sparen.
  • Selten genutzte Räume kühler und die Tür zu diesen Geschlossenheiten spart bis zu 3 % Energie.
  • Temperatur der Heizung nachts auf 15 bis 16 Grad Celsius senken spart bis zu 5 % Energie.
  • Zudecken statt hochheizen das ist jetzt, was wir auch schon gesagt hatten. Also bevor du die Heizung hoch drehst, schau, ob du dich wärmer anziehen und eine Decke oder eine Wärmflasche nutzen kannst.
  • Konstant heizen, also je nach gewünschter Raumwärme zwischen 17 und 20 Grad
  • die Heizkörper freihalten,
  • Fenster und Türöffnungen abdichten,
  • Stoßlüften statt Fenster auf Kipp.

Und ich werde auf jeden Fall auch noch mal einem Beitrag von Deutschlandfunk Nova „Netzbasteln Folge 172. Gesund, sparsam, klimafreundlich. So heizt ihr richtig.“ verlinken. Da kannst du auch noch mal reinhören, weil es da auch darum geht, wie du deine Heizungskörper wartest und wie du da dann noch mal was rausholen kannst.

Um das noch mal zusammenzufassen: im Bereich Wohnen, wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist der größte Wirkhebel die Wohnfläche, wo du wohnst und wie das saniert ist. Also das alles zusammen. Diese 25 Quadratmeter Wohnfläche pro Person. Wenn das ein super energieeffizientes Gebäude ist, dann geht es sicherlich auch mit mehr Wohnfläche. Und dann kommt gleich die Raumwärme. Nach der Fläche kommt die Raumwärme. Wenn du in einer Mietwohnung wohnst, so wie wir, hast du ja nicht so viel Einflussmöglichkeiten auf das Gebäude Und du wirst sicherlich auch nicht so viele Möglichkeiten haben, immer wieder umzuziehen, um das passende Gebäude zu finden oder den Vermieter, die Vermieterin dazu zu bringen, alles zu sanieren. Das heißt, wenn du das mit der Wohnfläche nicht hinbekommt, ist gleich der Faktor eins die Raumwärme und nach der Raumwärme kommt dann Warmwasser.

Und das wäre jetzt so der nächste Punkt auf dieser Liste. Und gerade beim Wasser ist es wichtig, dir zu überlegen, aus welchem Grund du Wasser sparen möchtest. Ist es aus Nachhaltigkeitsgründen oder aus Kostengründen? Denn zwar ist Warmwasser definitiv eine Ressource, die viel CO2 verbraucht, Kaltwasser dagegen allerdings weniger. Doch gerade in Relation gesetzt zu dem Wasser, was wir durchschnittlich in unserem Privathaushalt verbrauchen und dem virtuellen Wasser, was in allen möglichen Dingen, die wir verbrauchen, nutzen drinsteckt, ist einfach das, was wir in dem Haushalt verbrauchen, relativ gering.

Um konkrete Zahlen zu nennen: eine in Deutschland lebende Person verbraucht durchschnittlich pro Tag 125 Liter Wasser, davon so fünf Liter für Essen und Trinken und 120 Liter für Körperpflege, Wäsche waschen und so was. Das ist natürlich nur ein Durchschnitt, ein Durchschnittswert. Wenn du mehr trinkst, verbrauchst Du mehr für Trinken usw und so fort. Aber das virtuelle Wasser pro Person in Deutschland täglich liegt bei 4000 Liter. Und da sind die 125 Liter natürlich im Vergleich relativ wenig. Das heißt diese 125 Liter im Privathaushalt, das ist das, was abgerechnet wird und das, wofür du die Wasserrechnung bekommst von deiner Wassergesellschaft und wovon auch das Warmwasser berechnet wird.

Das virtuelle Wasser wird dir nicht berechnet, sondern das ist in den Produkten enthalten, die du nutzt und die du vielleicht auch isst. Denn zum Beispiel um ein Hühnerei zu „produzieren“, werden circa 200 Liter Wasser benötigt. Das ist ungefähr eine Badewannenfüllung. Und das ist natürlich wieder ein Durchschnitt. Kommt drauf an wo das Huhn lebt, wie viel Wasser es bekommt usw und so fort. Aber das zu überlegen, okay, in den Nahrungsmitteln, vor allem in tierlichen Nahrungsmitteln, steckt sehr viel Wasser. Du kennst das bestimmt auch. Das Beispiel mit dem Rindfleisch. Also für ein Kilo Rindfleisch könntest du sogar 75 Badewannen volllaufen lassen. Und das ist nicht nur bei tielichen Produkten so, sondern für die Herstellung einer Jeans werden etwa 55 Badewannen voll Wasser benötigt. Und so führt sich das in vielen Dingen, die wir im Alltag nutzen, fort.

Dagegen sind diese ungefähr 125 Liter Wasser, die jeder Mensch im bundesdeutschen Durchschnitt im Privathaushalt verbraucht, noch relativ wenig. Noch dazu verbrauchen Privathaushalte nur circa 14 % des Frischwassers Deutschlands, während die Industrie stolze 80 % verbraucht. Das finde ich noch sehr wichtig, einfach als Hintergrundwissen, denn für mich ist Wassersparen eher damit verknüpft, Kosten zu sparen, als etwas für die Umwelt zu tun. Also wenn es wirklich nur um diese 120 bis 125 Liter durchschnittsweise Wasser pro Person im Privathaushalt geht.

Denn diese 4000 Liter virtuelles Wasser, das ist eigentlich der Punkt, wo wir Wasser sparen können. Und da sparst du schon alleine dadurch Wasser, dass du dich rein pflanzlich ernährst, dass du SecondHand kaufst, vor allem bei Jeans darauf achtet, dass du sie nicht neu kaufst und auch generell in deinem ganzen Einkaufsverhalten schaust, dass es ressourcenschonend ist. Und damit sparst du Wasser. Und jetzt, hier in dieser Podcastfolge, gucken wir uns nur diesen kleinen, winzigen Teil an, den wir an Wasser sparen können im Privathaushalt. Weil wir jetzt den Fokus auf die Kosten legen und gucken, wo können wir da was sparen.

Es gibt einen Unterschied zwischen Kaltwasser und Warmwasser. Wir schauen zum einen auf die Kosten, zum anderen schauen wir aber auch auf CO2. Denn Warmwasser verbraucht fast 31 mal so viel CO2 wie Kaltwasser. Und das wusste ich vorher auch nicht. Ich habe das alles durchgerechnet. Es ist sehr spannend. Ich verlinke dazu auch eine Statistik vom Umweltbundesamt in den Shownotes, da kannst du dir alles anschauen. Da wurde nämlich ganz praktisch auf einen 3-Personen Haushalt Bezug genommen. Das ist für uns jetzt sehr passend, weil wir als 3-Personen Haushalt damit dann unseren Wasserverbrauch vergleichen können.

Und hier wurde gesagt, dass ein 3- Personen Haushalt in Deutschland jährlich 86 Kubikmeter Kaltwasser und 48 Kubikmeter Warmwasser verbraucht. Und diese 48 Kubikmeter Warmwasser verbrauchen 1515 Kilogramm CO2 durch das Aufheizen. Während die 86 Kubikmeter Kaltwasser nur 90 Kilogramm CO2 durch die Aufbereitung im Wasserwerk verbrauchen. Und analog dazu habe ich jetzt unseren Verbrauch für das vergangene Abrechnungsjahr ausgerechnet. Und wir haben diese 86 Kubikmeter plus die 48 Kubikmeter, die hier im Vergleich angegeben sind, ergeben 134 Kubikmeter. Wir haben insgesamt 118 Kubikmeter verbraucht, also ein bisschen weniger, nicht viel weniger, aber ein bisschen weniger. Was aber jetzt wichtig zu sehen ist, ist der Vergleich zwischen Kaltwasser und Warmwasser. Wir haben nämlich nur 14,175 Kubikmeter Warmwasser verbraucht im Vergleich zu den 48 Kubikmeter Warmwasser hier im Durchschnitt. Das sind tatsächlich 70 % weniger Warmwasser als im Durchschnitt. Allerdings haben wir 104 Kubikmeter Kaltwasser anstelle von 86 Kubikmeter Kaltwasser verbraucht. Das sind 21 % mehr.

Aber weil ja das Kaltwasser 31 mal weniger CO2 verbraucht als das Warmwasser, haben wir insgesamt - wenn wir also Warmwasser und Kaltwasser zusammenrechnen und den CO2 Verbrauch davon zusammenrechnen - im Vergleich zu diesem Durchschnitt, was das Umweltbundesamt angibt 65 % CO2 gespart und das finde ich doch sehr herausragend. Das ist doch schon mal was. Und natürlich haben wir auch jede Menge Kosten gespart, denn letztlich ist das Warmwasser viel teurer als das Kaltwasser. Und deswegen ist der Fokus, Warmwasser zu sparen sehr sinnvoll. Ich habe auch noch mal darüber nachgedacht, warum wir jetzt mehr Kaltwasser als im Durchschnitt verbraucht haben. Ich erkläre mir das so, dass wir zum einen auch das Wasser aus dem Hahn trinken. Also wir zahlen quasi hier schon unser Trinkwasser, wir kaufen kein Wasser in Flaschen, sondern kaufen das Wasser aus dem Hahn. Außerdem wasche ich auch kalt ab. Ich nutze relativ selten Warmwasser dafür. Das funktioniert ganz gut. Wir haben noch Potenzial Kaltwasser einzusparen. as wir gemacht haben, wir haben so Wassermengenregler eingebaut.

Carsten Ich würde sagen, die nennt man Wassersparköpfe. Also in der Dusche heißt es Wassersparkopf.

Stefanie Wir haben jedenfalls diese Wassermengenregler überall eingebaut.

Carsten Aber das haben wir erst unterjährig gemacht. Also noch nicht die ganze Zeit.

Stefanie Genau.

Carsten Außerdem haben wir unseren Balkon dieses Jahr bepflanzt. Da geht auch noch einiges an Kaltwasser drauf.

Stefanie Und auf die Idee gekommen, wie wir da Wasser sparen können, bin ich jetzt erst vor kurzem. Ich habe nämlich jetzt angefangen, wenn ich zum Beispiel Salat oder Gemüse wasche, das Wasser immer aufzufangen, in die Gießkanne zu schütten und damit dann zu gießen. Mein Ziel ist es tatsächlich, das Gießwasser für den Balkon komplett aus Brauchwasser zu nutzen.

Carsten Genau. Und ich mache auch sehr viel mit Sprossen. Das heißt also, ich muss ja morgens und abends einmal meine Sprossen wässern, einmal mit Wasser einweichen und das Tropfwasser habe ich bisher auch nicht aufgefangen. Also das ist natürlich dann auch noch mal etwas, wo ich dann auch Gießwasser generiere, was bei Sprossen ja den schönen Vorteil hat, dass ich auch noch so ein bisschen Nährstoffversorgung damit gewährleisten kann. Aber das sind noch so Potenziale, wo wir vielleicht im nächsten Abrechnungszeitraum auch beim Kaltwasser noch mal so ein bisschen Effekte feststellen können.

Stefanie Ich hatte auch in den Bildungsurlauben und Kursen generell noch mal Tipps immer gesammelt zum Wassersparen und auch da kam einiges zusammen, was wir jetzt auch schon genutzt haben.

  • Diese Wassermengenregler – Nupsis
  • Wasser abstellen, wenn es nicht gebraucht wird
  • Duschen statt baden
  • Beim Einseifen das Wasser ausstellen
  • Falls Trockner dann das Trockner Wasser fürs Bügeln verwenden, weil das dann schon entkalkt ist.
  • Spartaste an der Toilette nutzen
  • nur so viel Wasser erhitzen, wie ich auch wirklich benötige.(Das machen wir auch. Wenn wir jetzt zum Beispiel Tee kochen, dann füllen wir in der Teekanne das Wasser ab, gießen es dann in den Wasserkocher, erhitzen das so, dass es wirklich nur das Wasser ist, was erhitzt werden soll.)
  • Tropfende Wasserhähne und Schläuche sofort reparieren Haben wir auch gemacht.
  • Leitungswasser trinken
  • möglichst Wildpflanzen, Stauden in den Garten pflanzen, die muss man praktisch nicht gießen.
  • Regentonne für den Garten anschaffen
  • Beete im Garten mulchen und Bäume pflanzen, um die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen. (Das war auch noch ein Tipp aus der Runde von meinen Kursteilnehmenden.)
  • Regenwasser fürs Blumengießen nutzen.

Das ist jetzt natürlich. Wir sind auf dem Balkon noch nicht so weit, dass wir das Regenwasser ableiten. Aber dafür nutzen wir jetzt einfach unser Brauchwasser. Das haben wir jetzt ja gerade schon erklärt.

Carsten Ja und was das Warmwasser betrifft, habe ich ja noch so einen Beitrag. Ich dusche tatsächlich kalt. Das mache ich jetzt aber weniger aus Kostengründen, sondern mehr aus gesundheitlichen Gründen. Aber ich glaube, dass das bei uns natürlich auch noch einen Effekt zeigt. Und das andere, das ist so ein bisschen unfair: ich dusche auch zunehmend woanders.

Stefanie Aber erst seit Kurzem.

Carsten Erst seit kurzem. Aber das wird sich im nächsten Abrechnungszeitraum wahrscheinlich bemerkbar machen. Das heißt also, ich fahre

Stefanie zur Arbeit, also nicht das jetzt komische Gedanken hochkommen.

Carsten Genau das wollte ich ja gerade sagen. Nein, ich geh nicht zur Nachbarn.

Stefanie Oder was auch immer man sich da denken könnte, wenn du sagst „ich dusche auch immer woanders“.

Carsten Also ich bestreite meinen Arbeitsweg zunehmend mit Rad und aufgrund der Entfernung - sas sind so keine Ahnung 22, 23, 24 Kilometer - und da ich sehr sportlich fahre, verzichte ich morgens hier auf das Duschen, schmeiß mich in Sportmontur aufs Rad und fahre zur Arbeit und habe dort das Privileg duschen zu können. Das heißt also, ich werde natürlich auch einen Teil des Wassers dann auslagern und einen Teil der Kosten. Das wird mich aber nicht davon abhalten, auch dort vor Ort kalt zu duschen, weil wie gesagt, ich mache das aus gesundheitlichen Gründen. Aber das ist natürlich etwas. Falls wir in einem Jahr wieder eine Folge zum Thema machen und da erneut Zahlen vorweisen, wird das sicherlich auch noch mal einen Effekt zeigen, dass unser Verbrauch noch mal geringer werden könnte.

Stefanie Ja, kalt duschen ist ja immer so ein Thema, das da gesagt wird. Okay. Dusche kalt, um was fürs Klima zu tun. Ich finde, wenn du so wie Carsten bist und sagst „Ich dusche gerne kalt“, ist es okay. Aber letztlich, wenn du schaust auf diese 120 bis 125 Liter pro Tag pro Person und die 4000 Liter virtuelles Wasser, dann wird das kalt duschen jetzt nicht das reißen.

Carsten Also das wird nicht das Klima retten.

Stefanie Nein, genau. Beziehungsweise ist es da ja dann das Warmwasser. Also dass du weniger Warmwasser brauchst. Wie gesagt, das Warmwasser ist laut diesen Daten, die ich habe, 31 mal klimaschädlicher sozusagen. Also es verbraucht 31 mal mehr CO2 als das Kaltwasser. Das heißt also Warmwasser einsparen ist sehr gut. Nur wie gesagt, es gibt andere Möglichkeiten. Es ist nicht der Punkt, wenn du sagst okay, ich dusche einfach immer nur kalt, aber ich esse dreimal Fleisch pro Tag und fahr mit dem Auto über hin, ich fliege und ich wohne ganz alleine in einem 500 Quadratmeter großen Einfamilienhaus oder so da.

Carsten Die Etagenvilla.

Stefanie So was in der Art, Du verstehst, was ich meine. Also das kann nicht der Punkt sein. Das ist so wie, ich nutze keine Coffee to go Becher mehr, sondern habe meinen eigenen Becher. Aber sonst mache ich nichts. Das wenn du sagst, ich mache das fürs Klima, dann ist das kein großer Effekt. Wenn du sagst, ich mach das fürs Geld oder für meine Gesundheit, dann hat es schon einen Effekt. Also wir müssen wirklich diese Relation im Hinterkopf behalten. Beim Wassersparen in Privathaushalten geht es wirklich in erster Linie um die Kosten. Du könntest natürlich auch gar nicht duschen, weder Wanne noch duschen und dich nur noch mit einem feuchten Lappen abwaschen. Das würde noch mehr Wasser sparen.

Carsten Und das Klima total retten.

Stefanie Ja.

Carsten Ich glaub, da geh ich lieber mal gucken, was die Arbeitskolleg·innen sagen, wenn ich dann...

Stefanie Zur Freude deiner Arbeitskolleg·innen könntest du zur Arbeit radeln, verschwitzt ankommen, dich kurz mit einem Lappen abwaschen, also mit möglichst wenig Wasser. Vielleicht nutzt du das Wasser auch mehrfach.

Carsten Ist denn der Kostenvorteil dadurch, dass ich dann mehr Deo brauche, dann noch spürbar, oder…?

Stefanie Das habe ich noch nicht ausgerechnet.

Carsten Aber ist Modellversuch wert?

Stefanie Ja, definitiv. Du kannst das alles noch weiter optimieren. Womit wir wieder bei dieser Selbstoptimierung wären. Ich bin eine Vertreterin der Meinung, dass es gewisse große Wirkhebel gibt, wo es sinnvoll ist, diese zu betätigen, wie zum Beispiel sich pflanzlich zu ernähren, auf wenig Wohnfläche zu wohnen, nicht zu fliegen, möglichst kein Auto zu fahren. Das sind so Punkte, die bringen wirklich was. Aber jetzt.

Carsten Nackt Fahrradfahren um das Schwitzen zu vermeiden?

Stefanie Eher nicht. Ich weiß nicht, ob du das Schwitzen dann vermeidest.

Stefanie Also genau diese Geheimtipps... Ich denke da noch mal drüber nach... Das ist dann Erregung öffentlichen Ärgernisses oder so...

Carsten Nur wenn Du zu schnell fährst. Ich hab einen Helm auf...

Stefanie Das wird das Problem definitiv mindern. Also, der Helm. Gut, wir lassen das jetzt mal dahingestellt. Nicht, dass deine Phantasie überreagiert, liebe·r Hörer·in. Also, es gibt Grenzen und du solltest auf jeden Fall schauen, was ist jetzt deine Intention? Möchtest du Kosten sparen oder möchtest du nachhaltig leben? Oder möchtest du vielleicht beides? Aber jedenfalls wenn es denn um Nachhaltigkeit geht, dann ist es besser, an anderen Stellschrauben zu drehen. Und ich würde sagen, das war's jetzt erstmal.

Carsten Ja, das war eine faktenvolle Folge.

Stefanie Ja, das ist das Wunder der Alliteration. Und zum Schluss möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen Steady Unterstützer·innen bedanken, die diesen Podcast hier finanziell unterstützen und das Hosting möglich machen, so dass du auch weiterhin Podcastfolgen hören kannst. Ganz herzlichen Dank!

Carsten Vielen, vielen Dank!

Stefanie Und dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 270 - Verreisen mit Bahn und Fahrrad: ein Praxistest

Ein Beitrag

Folge 270 - Verreisen mit Bahn und Fahrrad: ein Praxistest

Links zur Folge

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Carsten Wir reisen einfach vegan und dieses hier ist unser Forscherpodcast mit Carsten und Stefanie.

Stefanie Per Bahn oder mit dem Rad.

Carsten Denn eines ist klar.

Stefanie Weiter wie bisher.

Carsten Fährt es so nicht.

Stefanie Wenn du das Intro angehört hast und da nicht vorgespult hast, weil du schon seit etlichen Jahren immer vorspulst, weil du es ja schon kennst, dann weißt du, worum sich diese Folge dreht. Nämlich ums Reisen. Und ich hatte mal nachgeschaut Wir haben vor fünf Jahren, fast exakt vor fünf Jahren, eine Podcastfolge rausgebracht zum Thema Vegan an der Ostsee. Und das war natürlich nicht allumfassend, sondern nur subjektiv. Und heute wollen wir auch noch mal über vegan an der Ostsee sprechen.

Carsten Allumfassender und objektiver oder?

Stefanie Genauso subjektiv wie vor fünf Jahren, nur mit den Erfahrungen von fünf Jahren mehr. Genau. Und bevor wir jetzt darüber sprechen, möchte ich mich noch mal ganz herzlich bedanken bei all diesen wunderbaren tollen Menschen, die mich finanziell unterstützen. Sei es über Steady oder per Überweisung auf das Bankkonto. Das geht ja jetzt mittlerweile auch. Auf vielfaches Drängen habe ich mein Bankkonto preisgegeben und manche Menschen nutzen auch das. Also einen herzlichen Dank an all diese Menschen, denen das, was ich hier tue und teilweise auch Carsten tut,

Carsten Dankeschön!

Stefanie tatsächlich auch Geld wert ist. Und ich nutze dieses Geld, um einfach die Hostingkosten, also die reinen laufenden Kosten zu zahlen.

Carsten Und nicht um davon in Urlaub zu fahren.

Stefanie Das wäre ein sehr knappes Budget für einen Urlaub. Auf jeden Fall.

Carsten Mit 9 € Ticket geht das genau.

Stefanie Fürs 9 € Ticket hätte es gereicht.

Carsten Ich sage nicht wie die Ferienwohnungen finanziert wird.

Stefanie Aber genau. Oder das Essen usw. Gut, aber lassen wir mal den Spaß beiseite. Also ganz herzlichen Dank an die Menschen, die mich finanziell unterstützen oder auch uns und auch an die Menschen, die jetzt schon sich gemeldet haben, um ein Transkript einer Folge Korrektur zu lesen. Da bin ich sehr dankbar für. Fast alle wollen anonym bleiben, weswegen ich jetzt auch gerade keine Namen nenne. So allerdings sind es bisher wirklich sehr, sehr wenige Menschen, die sich gemeldet haben. Ich verstehe, dass das viel Zeit kostet.

Wenn du das Gefühl hast, du möchtest gerne was zurückgeben. Das bringt dir hier alles was. Dieser Podcast und auch die anderen Podcasts, das Experimentarium, alles was ich so mache und du hast aber keine finanziellen Möglichkeiten, dafür aber zeitliche, dann freue ich mich wirklich, wirklich sehr, wenn du dich meldest und mir eine Email schreibst an post@vonherzenvegan.de und wenigstens eine Folge Korrektur liest. Also wie gesagt, wenn das alle machen würden, die hier zuhören, dann wären wir mehrfach, mehrfach und nochmals mehrfach durch. Aber da sich ja nur wenige melden, ist es super, wenn du überlegst und schwankst und sagst na ja, eigentlich würde ich gerne, dann schwank doch mal zu dieser Seite, wo du sagst: Ja, ich mache das. Also eine Folge Korrekturlesen zum Beispiel.

Warum mache ich das jetzt alles mit den Transkripten und dem Korrekturlesen? Ich bin gerade dabei Deutsche Gebärdensprache zu lernen, einfach aus dem Grund, weil ich irgendwie barrierefreier leben möchte. Ich möchte diese Kultur verstehen und auch mit gehörlosen Menschen kommunizieren können. Und ein Schritt in diese Richtung ist es, diese rein für hörende Menschen konzipierten Podcastfolgen in eine Form zu bringen, die nicht hörende oder vielleicht auch Menschen, die nicht so gut dieser Sprache mächtig sind, die Möglichkeit zu geben, auch an den Inhalten zu partizipieren. Denn so wird das Ganze einfach barrierefreier. Und es gibt natürlich auch Menschen, die einfach nicht gerne Podcasts hören, die lieber lesen. Für diese Menschen wäre das auch super. So dass also die Inhalte, die Carsten und ich hier und ich in den anderen Podcasts auch dann wirklich für viel mehr Menschen zugänglich werden. Das ist mein Ziel und da würde ich mich wirklich riesig freuen, wenn du mich dabei unterstützt, dieses Ziel zu erreichen.

Nun kommen wir mal zum eigentlichen Thema der Podcastfolge. Das ist das Thema Reisen. Also quasi die Praxis, nachdem wir in der letzten Folge eher über Mobilität und Verkehrswende und so was alles gesprochen haben, im Theoretischen, auch im praktischen Kontext, aber nicht so subjektiv, sondern eher aus dem: was kann ich als Aktivist·in tun? Es ist jetzt einfach mal so ein Erfahrungsbericht, sage ich mal, weil wir das letzte Mal das vor fünf Jahren gemacht haben. Wobei wir zwischendurch ja auch schon mal über das Thema Reisen gesprochen hatten. Aber jetzt wollten wir noch mal so explizit darüber sprechen, weil wir einfach in der letzten Woche jetzt in den Herbstferien auf der Insel Poel waren, auf der wir noch nie waren.

Carsten Neuland für uns.

Stefanie Ostseeinseln erkunden ist so für mich so ein kleines Hobby geworden. Jetzt tatsächlich angeregt durch eine Buchserie, was ich auch immer wieder spannend finde. Vielleicht noch mal so als kleinen Einschub, wenn wir überlegen oder Du, liebe·r Hörer·in, wie kann ich andere Menschen bewegen, wie kann ich sie anstiften, etwas zu ändern oder etwas zu erkunden? Da sind Bücher natürlich auch eine Möglichkeit. Also nicht nur Sachbücher, sondern auch Romane.

Carsten Über Geschichten anstiften.

Stefanie Genau. Geht natürlich auch über Musik, also Kultur generell. Theaterstücke, was auch immer dir einfällt. Aber in diesem Fall waren es Romane, die sich auf die verschiedenen Ostseeinseln bezogen haben und dort gespielt haben und wo es auf jeden Fall auch um Natur und Verbundenheit und wie stelle ich das wieder her, Artensterben und so was alles ging. Und da wurde über die Insel Poel so viel geschrieben, dass ich gedacht habe, ich muss da unbedingt mal hin. Und dann habe ich Carsten und das Kind gezwungen, eine Woche Urlaub mit mir da zu machen.

Carsten Ja genau. Völlig unter Zwang haben wir sämtliche Positionen und Orte und Gegebenheiten ausgelotet, von denen du da in diesen Romanen gelesen hast.

Stefanie Ich habe das alles nachgestellt...

Carsten Ein Urlaub nach Skript quasi.

Stefanie Ich hatte immer das Buch dabei. Nein, das Buch hatte ich natürlich vorher mal ausgeliehen, aber da hatte ich es nicht dabei. Aber ich wusste noch okay, sie war dort, sie war dort, sie war dort und das wollte ich auch alles sehen, weil das so toll beschrieben war. Unter anderem die Steilküste, wo noch Kabel raushängen aus der Wand, die noch von der Verkabelung aus der ehemaligen DDR stammen, wo damals Flutlichtanlagen waren, damit die Menschen nicht von Ost nach West wechseln konnten. Zum einen ist das natürlich eine fürchterliche, schreckliche Vergangenheit, zum anderen aber natürlich auch faszinierend, dass da immer noch Kabel raushängen und die habe ich auf den ersten Blick erst nicht gefunden. Aber dann haben wir tatsächlich auch Kabel gefunden.

Carsten Als wir sie bewusst gesucht haben, waren wir, glaube ich, am falschen Strandabschnitt.

Stefanie Aber es war der Strandabschnitt, der im Buch genannt wurde.

Carsten Dann, als wir nicht drauf geachtet haben, sind wir dann mehr oder weniger drüber gestolpert, im wahrsten Sinne des Wortes.

Stefanie Da war dann wohl die Autorin nicht so ganz genau. Naja gut, also jedenfalls war das so auch mein Impuls, warum ich jetzt zu dieser Insel wollte und was auch dazu geführt hat, dass wir auf dieser Insel gelandet sind, ist, dass sie nicht so weit von Hamburg entfernt ist.

Carsten Also das ist tatsächlich für uns ja auch ein wichtiges Kriterium, dass wir nicht episch lange reisen und nicht auf irgendwelche Verkehrswege angewiesen sind oder die zu überbrücken sind, wo ich jetzt nur per Schiff oder per Flugzeug hinkomme, sondern in dem Fall war auch die Bahnanbindung für uns ein wichtiges Kriterium, dass wir wussten, wir können ein großes Teilstück tatsächlich mit der ganz normalen Bahn zurücklegen, in unserem Fall sogar mit einem entsprechenden Länder Ticket, also Bundesland Ticket, was dann ja auch noch mal kostengünstig ist. Und wir hatten auch die Möglichkeit, unsere Fahrräder mitzunehmen, so dass wir dann das letzte Teilstück von der Endstation von Wismar aus zur Insel Poel mit Fahrrad, das waren so 14 Kilometer, zurücklegen konnten, um dann auch auf der Insel autark mit den eigenen Fahrrädern unterwegs zu sein. So, und das ist natürlich jetzt ein Reiseanspruch. Ich sag jetzt mal für jemanden, der·die aus Süddeutschland kommt, der·die muss sich dann natürlich irgendwo anders regional einfinden, vielleicht irgendwie Schwarzwaldliteratur oder Romane lesen, um das ähnlich abzubilden zu können. Also das ist so der Kontext, in dem wir unterwegs waren.

Stefanie Ja, aber das war jetzt auch das erste Mal, dass wir die Fahrräder mitgenommen haben in der Bahn. Das heißt, das war jetzt auch unser erstes Erlebnis. Wie wird das wohl sein? Wir hatten im Sommer, als das 9 € Ticket noch galt, auch mal überlegt, die Fahrräder mitzunehmen. Aber da war alles hoffnungslos überfüllt. Ja, da hatten wir auch so Erlebnisse.

Carsten Da ist man ohne Fahrrad auch nicht reingekommen.

Stefanie Dass die Bahn so voll war, dass wir da tatsächlich nicht mehr reingepasst haben. Egal ob mit oder ohne Fahrrad, einfach als Person. Jetzt, diesmal war das einfach ein Wagnis, sich zu überlegen okay, wir nehmen unsere Fahrräder mit und wir versuchen es jetzt einfach mal! Wir haben das Glück, dass diese Regionalbahn unweit von unserem Wohnort am Bahnhof abfährt. Also dass wir nicht bis zum Hauptbahnhof fahren müssen und dann mussten wir auch nur einmal umsteigen. Das heißt, wir sind mit den Fahrrädern von der einen Bahn in die andere Bahn umgestiegen und da war das Glück, dass der Anschlusszug auf dem gleichen Gleis gehalten hat, so dass wir da nicht mit den Fahrrädern noch in den Aufzug und zum nächsten Gleis usw und so fort. Und wir hatten auch einen Anhänger dabei. Da bin ich schon öfter gefragt worden: Wie macht ihr das ohne Auto, ich nehme immer eine ganze Kiste voll mit Essen mit in meinem Auto und packte alles mögliche rein. Wie macht ihr das denn jetzt tatsächlich mit Fahrrädern? Wir haben dann einen Fahrradanhänger, vollgepackt mit Sachen und teilweise auch mit Essen, weil wir jetzt Mitglied bei der solidarischen Landwirtschaft hier bei uns sind und da wird können wir jeden Freitag unseren Anteil aus dem Depot abholen und den hatten wir dann, als wir samstags in den Urlaub gefahren sind, noch da abgeholt, also

Carsten frisch eingepackt und dann zum Bahnhof gefahren.

Stefanie Ja, genau. Und das heißt, wir hatten einiges an Gemüse schon dabei und haben auch Gewürze und alles mögliche, was wir sonst noch brauchten, schon eingepackt. Das war der Vorteil von diesem Anhänger, dass es so ähnlich ist wie im Kofferraum vom Auto, dass man alles Mögliche reinstopfen konnte. Wenn wir vorher ohne Fahrräder verreist sind, einfach nur mit Rucksack und einem Koffer, haben wir kein Essen mitgenommen, weil das einfach zu viel war.

Also zum Beispiel, als wir jetzt im Sommer unterwegs waren, da waren wir in Cuxhaven – da waren wir einmal ausnahmsweise an der Nordsee und nicht an der Ostsee, wo wir doch sonst immer an die Ostsee reisen, wollten wir diesmal einmal das Watt sehen - da haben wir so wenig wie möglich eingepackt und dann vor Ort uns eingedeckt.

Das ist aber auch was, wo wir immer vorher schauen, auch vom Ferienhaus oder von der Ferienwohnung her, je nachdem, was gerade besser passt, wie die Lage ist und wo da die nächsten Einkaufsmöglichkeiten sind. Als wir da an der Nordsee waren, hat Cuxhaven den Vorteil, dass es auch noch einen Biomarkt gibt und mehrere Supermärkte und so, also das heißt Cuxhaven war nicht das Problem, da war es alles super ausgestattet. Aber jetzt auf der Insel gab es nur einen einzigen Supermarkt.

Carsten Einen Rewe, von dem wir vorher nur von dessen Existenz wussten und Schlimmstes befürchtet haben.

Stefanie Wir hatten gedacht, das ist so ein olles Teil.

Carsten Was willst du von so einem kleinen Insel Supermarkt schon erwarten? Das war so die Haltung, mit der wir da hingefahren sind.

Stefanie Genau deswegen hatten wir schon viel eingepackt und gedacht okay, das Nötigste, so wie Nudeln oder so, das kriegen wir da schon, so dass wir dann so rudimentär uns da auf jeden Fall versorgen können. Aber wir hatten Gemüse, Kartoffeln und sowas alles dabei und dann sind wir sehr positiv überrascht worden.

Carsten Ja, das hat uns echt so schon fast geflasht. Also mit unserer Gedankenwelt waren wir wirklich, ja, haben wir befürchtet so einen wirklich kleinen usseligen Tante Emma Supermarkt oder sowas vorzufinden mit einem sehr eingeschränkten Sortiment. Und das, was da dann vor Ort war, das war ja schon fast der vegane Himmel, wollte ich gerade schon sagen. Also die hatten echt ein sehr breites Sortiment an veganen Lebensmitteln. Allerdings auch Fertiggerichte.

Stefanie Aber letztlich, ich weiß nicht, wenn ich im Urlaub bin, dann gönne ich mir sowas auch mal, so oft fahren wir dann auch nicht.

Carsten Dann darf auch mal Müll anfallen.

Stefanie Genau. Aber jedenfalls da gibt es immer wirklich viele vegane Produkte. Das heißt, solltest du mal Urlaub auf der Insel Poel machen wollen, kannst du dich auf jeden Fall darauf verlassen, dass du da in dem REWE auch rundum versorgt werden kannst. Natürlich ist es jetzt auch nicht so, dass es alles bio ist und alles Palmfettfrei. Das kommt ja immer drauf an. Aber da muss man dann so ein bisschen schauen und ich glaube so die ganz speziellen Sachen, wir haben jetzt zum Beispiel keinen Kala Namak gebraucht in der Woche. Ich weiß nicht, ob es das da gäbe, da habe ich nicht nachgeschaut. Aber letztlich, wenn du einfach nur den Anspruch hast, ich möchte was Veganes haben und ich möchte vielleicht auch nicht immer kochen, gab es auch Pizza und verschiedenste Fertiggerichte und so, dann ist es da auf jeden Fall gut.

Carsten Ja, also man muss schon Kompromisse eingehen, auch gerade so, wenn du tatsächlich Obst und Gemüse kaufst. Also das, was ich da gesehen habe: Du kannst entweder Bio, dann kommt es aus Spanien oder kannst regional.

Stefanie Ja, es kommt dann wieder auf die Jahreszeit an, das war jetzt Herbst. Da ist es ja auch so, dass viele Sachen einfach nicht mehr regional erhältlich sind. Aber wir hatten ja, wie gesagt, unser eigenes Gemüse dabei, also von daher mussten wir eigentlich nichts mehr kaufen.

Carsten Na ja, also die Grundversorgung, wenn du eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus hast und selber kochen kannst, ist damit dann ja eigentlich komplett irgendwie abgegolten oder abgedeckt. Schwieriger wird es, wenn du gerade auch auf der Insel Poel als vegan lebende Person auswärts essen möchtest.

Stefanie Ja, das haben wir gar nicht gemacht, weil da ist nichts. Ja klar, es ist fischlastig.

Carsten Vielleicht Pommes oder so würdest du finden.

Stefanie Pommes findest du meistens überall. Das ist das Schreckliche. Dass es immer nur Pommes gibt. Das Kind ist schon total genervt, dass es überall immer nur Pommes gibt, wenn es mit den Großeltern oder so unterwegs ist. Überall gibt es immer nur Pommes. Also es hat schon gar keine Lust mehr auf Pommes. Das ist das einzige, was es als vegan es gibt, auch in Freizeitparks und so steht überall, ja überall gibt es was Veganes, aber es ist immer nur Pommes.

Das ist auf jeden Fall auch etwas, was wir vor sechs Jahren schon gelernt haben, als wir das erste Mal so richtig als Veganer·innen in den Urlaub gefahren sind. Vorher sind wir nicht in Urlaub gefahren. Also wir waren zwar schon vegan, aber sind nicht in den Urlaub gefahren. Da sind wir ins Hotel für eine Woche und das war nicht gut. Also es war ein vegetarisches Hotel, wo man auch vegan essen konnte, aber wir waren so darauf angewiesen überall immer was zu kaufen und es gab nur dort was und man konnte sich auf dem Zimmer nicht irgendwas warm machen. Das heißt, seitdem sind wir immer entweder in einer Ferienwohnung oder im Ferienhaus untergekommen, weil es viel entspannter ist, sich dann die Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Vor allem mit Kind. Das kann natürlich nach Lebenssituationen je nachdem unterschiedlich sein.

Ich würde aber sagen, als Veganer·in auf der Insel Poel zum Beispiel oder generell vielleicht irgendwo, wo es kein großes gastronomisches Angebot gibt, was über Fisch und Fleischgerichte hinaus gibt, ist es immer sinnvoll, eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus zu mieten, weil du da dann entspannt einfach deine Mahlzeiten zubereiten kannst und nicht darauf angewiesen bist, dich da irgendwie in so einer Gaststätte herumzuärgern mit Menschen, die nicht wissen, was vegan ist oder so, also das ist was, was wir seit diesem einen Erlebnis immer so machen.

Vielleicht wird es irgendwann anders sein, wenn das Kind erwachsen ist und dann die Welt vegan lebt. Dann ist es vielleicht so, dass wir immer überall essen gehen, aber im Moment kann ich das nur empfehlen eine Ferienwohnung oder einem Ferienhaus je nach Bedürfnissen zu mieten und dann auf diese Art einfach entspannt den Urlaub zu genießen. Denn gerade in solchen eher ländlichen Gegenden sind ja vegane Restaurants oder generell vegane Angebote eher rar gesät. Wobei ich, als wir auf die Insel gefahren sind, da schon so eine Art Mini Foodtruck gesehen habe, der neben allerlei Fleisch auch vegane Spezialitäten angeboten hat.

Carsten Die wir aber nicht weiter ausloten konnten, weil der wirklich nur zu dem Zeitpunkt da war, wo wir auf die Insel gefahren sind.

Stefanie Genau das war samstags nachmittags und wir haben diesen Foodtruck Mini Anhänger da nie wieder gesehen. Also könnte es auch eine Illusion gewesen sein. Ein magisches Erlebnis. Wo ich nämlich dachte: Boah, guck mal, wir fahren auf die Insel und da gibt es vegane Spezialitäten. Aber wir mussten unbedingt noch zu einem gewissen Zeitpunkt den Schlüssel abholen für das Ferienhaus und deswegen wollte ich da nicht anhalten. Und ja, auf dem Rückweg waren wir zu früh. Wahrscheinlich. Ich weiß nicht, ob das da immer nur samstags steht oder vielleicht war das nur.

Carsten So nachmittags oder so, an einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr.

Stefanie So etwas gibt es also, von daher scheint es da schon was zu geben. Aber wir haben wirklich die ganze Insel uns angeguckt und waren eigentlich in fast allen Orten, wo es auch wirklich Gastronomie gab und überall war nichts Veganes. Also jetzt wie gesagt, außer vielleicht so einem Salat oder Pommes. Wobei das Eiscafe in Kirchdorf da standen Markierungen dran. Von wegen vegan, glutenfrei, sojafrei oder was auch immer. Aber da sind wir nicht reingegangen. Also es könnte sein, dass es da noch mal im Eiscafe wahrscheinlich so Sorbetsorten oder sowas gibt. Das schon, aber wir haben dann lieber einfach im Rewe Eis gekauft, als uns dahin zu setzen. Von daher: es kann sein, dass du da noch was findest, aber sonst haben wir wirklich nirgendwo was gefunden, weil alles so auf Fisch ausgelegt ist.

Carsten Generell finde ich aber diesen Gedanken der Selbstversorgung ja auch insofern vorteilhaft, als dass - haben wir jetzt nicht so episch gemacht, weil die Insel nicht nicht groß genug war - aber wenn du jetzt Tagestouren machst, kannst du natürlich dann schnell Brot oder Brötchen schmieren und dann so belegen, wie du es brauchst. Auch in den Mengen, wie du es meinst, für den Tag irgendwie einteilen zu müssen. Das hätte ich im Hotel natürlich nicht. Und mich immer darauf zu verlassen, dass ich da irgendwo keine Ahnung am Strand dann noch so eine Würstchenbude finde, wo ich dann eine Pommes bekomme, nur um satt zu werden, würde ich dann auch ungern wollen. Also da bin ich dann doch eher ein Freund davon, ein paar Brötchen einzupacken in den Rucksack. Wasser hast du ja meistens sowieso immer dabei und dann bist du zumindest versorgt und auch nicht unbedingt darauf angewiesen, dass du jetzt irgendwie verköstigt werden kannst.

Stefanie Ja, und Pommes, um satt zu werden, ist ja jetzt auch nicht wirklich so das Ziel.

Carsten Nicht die kulinarische Erfüllung.

Stefanie Genau. Ich hatte mal in einem Bildungsurlaub einen Teilnehmer, der gesagt hat, er geht so gerne immer essen, überall. Und zwar ganz spontan. Und deswegen funktioniert das mit vegan nicht. Aber er hat kein Geld für Bio und da habe ich auch länger drüber nachgedacht, weil ich meine auch das ist ein Kostenfaktor, wirklich überall einzukehren und da gebe ich lieber Geld für Bio aus, als überall einzukehren und mich da gastronomisch verköstigen zu lassen. Es ist tatsächlich ein Abwägen, was wir da mit unserem Geld machen. Also letztlich kann ich ja damit, wenn ich mich selbst versorge, auch darüber entscheiden, wie das mit der Verpackung ist, ob das alles palmölfrei ist usw und so fort, was ich ja alles nicht weiß, wenn ich jetzt in eine Gaststätte einkehren und dort etwas bestelle, denn da steht oft nicht dran, wie das verpackt war oder was da alles noch so drin ist.

Carsten Ja, neben der Grundversorgung, die ja jetzt in diesem Kontext für uns abgedeckt war mit Selbstversorgung und gut vorbereitet und auch einem guten Supermarktangebot, haben wir natürlich jetzt auch die Erfahrung gemacht, mit Fahrrad zu reisen, auch tatsächlich mal Fahrräder mit in die Bahn zu nehmen. Und ich muss sagen, das ist mir jetzt so im Nachgang bewusst geworden: dieses barrierefreie Reisen, das haben wir jetzt ja quasi einmal selber am eigenen Leib erlebt, wie umständlich das teilweise ist.

Stefanie Ja, und je nach Regionalbahn noch unterschiedlich. Die ostdeutsche Eisenbahn war tatsächlich viel besser als die, die wir ab Hamburg genommen haben. Die hatte ein anderes, besseres Platzangebot als jetzt die Was ist denn das? Ist es einfach Deutsche Bahn oder?

Carsten Das ist Deutsche Bahn, Deutsche Bahn, Regionalbahn oder Regionalexpress.

Stefanie Regionalexpress von der Deutschen Bahn. Und das andere war die ostdeutsche Eisenbahngesellschaft. Und das war super unterschiedlich, ne?

Carsten Ja. Also ich muss auch sagen, ich habe mich da tatsächlich nicht so wirklich wohlgefühlt. Das ist etwas, wo die Deutsche Bahn insgesamt noch mal besser werden kann. Vom Platzangebot, also das, was wir vorgefunden haben, sind in diesen Regionalexpress Zugwaggons eigentlich nur so ein - eher gefühlt - halber Abschnitt, wenn überhaupt.

Stefanie Ein halber Abschnitt, der geteilt werden muss zwischen Fahrrädern, Menschen, die einen Rollstuhl haben, Menschen, die mit einem Kinderwagen unterwegs sind und Menschen, die mit großen Gepäckstücken unterwegs sind, anscheinend auch, die alle dort Platz finden sollen, wo ungefähr so zehn Plätze in der Reihe sind, an beiden Seiten. Und dann ist da immer noch eine stinkende Toilette.

Carsten Also es ist ja noch nicht mal so, dass du dann - nicht, dass ich diesen Anspruch hätte - aber dass du dann in Ruhe da sitzen kannst und kannst deine Fahrräder und deine Gepäckstücke so positionieren, dass sie stabil stehen, sondern du musst auch noch dafür sorgen, dass der Durchgangsverkehr, der die Toilette frequentiert, auch ungehindert hin und her kann. Und das war in einigen Konstellationen, wo ich mit meinem Anhänger gar nicht komplett in den Raum reingekommen bin, schon so ein bisschen schwierig. Also teilweise stand der Anhänger mehr oder weniger vor der Eingangstür, weil wir gar nicht die Möglichkeit hatten, den abzumontieren und dann separat irgendwie zu verstauen.

Stefanie Genau, auf der Hinfahrt war alles voll mit Menschen mit Kinderwagen, so dass wir da überhaupt nicht die Möglichkeit hatten, unsere Fahrräder noch irgendwo hinzustellen und den Anhänger. Es hat mich so daran erinnert, an diese Rangelei zwischen Fußgänger·innen und Fahrradfahrer·innen auf gemeinsamen Wegen. Da werden Konkurrenzverhältnisse geschaffen, die nicht sein müssten. Ich hatte gesehen, bei der ostdeutschen Eisenbahngesellschaft war es so, dass sie einen Wagen allein nur für Menschen mit Rollstuhl hatten, was ich viel besser finde, denn warum sollten Menschen mit Rollstuhl sich auch noch mit Menschen mit Fahrrad um den Platz streiten müssen?

Carsten Zwischen den Fahrrädern sitzen oder so, das möchtest du ja auch nicht.

Stefanie Du bist ja kein Gepäckstück oder so! Also ich meine, warum solltest du da dich noch streiten müssen? Von daher war da zumindest ein Wagen - ich weiß nicht, ob das immer so ist, aber das war jetzt so unsere Erfahrung - ein Wagen war nur dafür. Und dann gab es noch - auf der Hinfahrt war es zumindest so - zwei Wagen für Fahrräder und auf der Rückfahrt hatte ich gesehen, dass es drei Wagen für Fahrräder gab.

Carsten Aber dummerweise waren jetzt in der Konstellation, wo zwei Wagen für Fahrräder waren, war der eine am Anfang des Zuges und der andere am Ende des Zuges. Und du stehst natürlich da und hast irgendwie so zwei Minuten Umstiegszeit oder Einstiegszeit.

Stefanie Aber das was du meintest, das war die Deutsche Bahn, wo wir Probleme hatten.

Carsten Ja, aber generell geht es mir darum, dass ich als Fahrradfahrer ja nicht die Möglichkeit habe, mal in den einen rein zu gucken, festzustellen der ist jetzt gerade ein bisschen voll, also gehe ich jetzt noch mal fünf Minuten ans andere Ende, um dort zu gucken und mich dann zu entscheiden. Also diese Wahlmöglichkeit habe ich ja gar nicht. Ich bin ja eher in so einer Stresssituation, dass ich überlege, an welcher Stelle muss ich mich positionieren und mit wem konkurriere ich jetzt gerade beim Ein- und Ausstieg, um dann im Zug auch noch Platz zu finden. Wo bringe ich jetzt meine Fahrräder unter? Wie fixiere ich die Fahrräder und wo kommt eigentlich dieser ganze Anhänger noch hin, den ich dabei habe.

Stefanie Also voll zukunftsträchtig nachhaltig ist das nicht mit den Bahnen. Da muss tatsächlich noch sehr sehr viel passieren. Also das war jetzt so unser Praxistest. Wir hatten festgestellt, sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt, dass die Deutsche Bahn da sehr schlecht ist. Und diese stinkenden Toiletten, die gibt es ja immer mal, aber da war wirklich jedes Mal, auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt ein stinkendes Klo. Aber bei der ostdeutschen Eisenbahn war das nicht so, da war das auch anders angeordnet, besser gelöst. Ja, und da hatten wir das Glück, dass wir in dem Waggon die einzigen mit Fahrrädern waren. Und wir konnten auch alles unproblematisch auf einer Seite unterbringen. Und da sind wir aber nur eine halbe Stunde mitgefahren und dann mit dem Anschlusszug 1 1/4 Stunde, wo wir uns dann da wieder quetschen mussten, weil da Menschen saßen, einfach so, weil der Zug schon total voll war, dann Menschen mit großen Gepäckstücken und wir irgendwie das hinkriegen mussten, uns da ja auch noch hinzusetzen. Also so, das ist ein ständiger Platzkampf.

Carsten Vor allen Dingen auch so eine Art Tetris Spiel, je nachdem wer wann wo ein- und aussteigen muss. Das hatten wir jetzt glücklicherweise nicht, aber man muss ja immer irgendwo parat stehen und beim nächsten Halt das Fahrrad oder jetzt bei uns den Anhänger irgendwie so justieren, dass Leute ein- und aussteigen können, dass vielleicht andere Leute an ihre Fahrräder rankommen, also eine Station vor dir aussteigen und so, also das ist alles noch nicht so wirklich durchdacht, wie da jetzt momentan so das Bahnreisen mit Rad dann gestaltet ist.

Stefanie Also wir haben das irgendwie gelöst und wir sind auch nicht aggressiv geworden und haben auch niemanden geschlagen oder so, aber ich habe schon gemerkt, dass das Situationen sind, wo ich aggressiv werden kann. Also das Potenzial ist da und das sollte ja nicht Sinn der Reise sein. Also wenn ich jetzt verreisen möchte und vor allem auch nachhaltig mit dem Fahrrad in der Bahn verreisen möchte, möchte ich ja entspannt reisen und nicht da irgendwie die ganze Zeit mit anderen um den Platz rangeln müssen und dann immer unter Atemnot leiden, weil die Toilette so stinkt.

Carsten Weil auch sonst keine Belüftungsmöglichkeiten da waren.

Stefanie Und dann sitzt du ja die ganze Zeit mit der Maske da. Also das ist ja auch noch der Punkt. Also von daher, das war so unser Erlebnis jetzt in der letzten Woche, also schon aktuell, da muss auf jeden Fall sich was tun. Deswegen. Ich kann alle verstehen, die sagen: Nee, nee, das will ich nicht, das kann ich nicht. Und ich kann auch Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, verstehen, wenn sie nicht Bahn fahren.

Carsten Die kann ich jetzt sogar besser verstehen. Also ich hatte vorher schon so eine theoretische Überlegung, weil ich kenne ja die Gegebenheiten vor Ort. Das heißt also jetzt, wo ich weiß, wie es ist, in einem Rollstuhl verreisen zu wollen, dadurch, dass wir das auch schon öfters mal irgendwie durchdacht oder auch in Reportagen oder Büchern oder so mitbekommen haben, gucke ich da schon drauf, wo sind welche Zustiegsmöglichkeiten und so. Aber jetzt mit dem Fahrrad zu fahren kommt dem ja schon relativ nahe. Das heißt also, beim Ausstieg letzte Station habe ich das extrem gemerkt, dieser Höhenunterschied zwischen dem Wagen und dem Bahnsteig - da bin ich ja mit dem Anhänger quasi fast gar nicht mehr rausgekommen, Da musste von hinten jemand schieben. Im Rollstuhl wäre ich da ohne fremde Hilfe nicht rausgekommen.

Stefanie Genau das ist das Problem. Du bist ständig dann auf fremde Hilfe angewiesen und wirst da wie so ein Gepäckstück irgendwo geparkt. Also von daher, ich kann es auch total verstehen und das kann aber nicht die Zukunft sein.

Carsten Und du hast auch längere Wege auf den Bahnsteigen, musst erstmal gucken, wie rangierst du jetzt überhaupt, damit du zum entsprechenden Aufzug kommst. Und teilweise sind es verengte Stellen da, wenn dann gerade irgendwie ein Zug durchfährt, bist du schon in dieser Gefahrenzone. Die sind ja alle so weiß schraffiert, da, wo du dich dann nicht aufhalten darfst. Du musst dann aber genau an der Passage durch. Dann sind die Aufzüge aus meiner Sicht auch definitiv zu klein gestaltet. Die sind ja wirklich so auf Naht genäht. Also so gefühlt passt da ein Fahrrad und eine Person rein und wenn dann noch irgendwie ein Gepäckstück oder so rein muss, dann ist das schon total voll, so das haben wir jetzt so nicht gehabt glücklicherweise.

Aber ich kann mir durchaus die Situation vorstellen, wo, wenn du als Rollstuhlfahrer·in dann da mit Personen, die mit Fahrrad fahren wollen, vielleicht dann noch Personen, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind und mit Gepäckstücken, dann auch konkurrierst um die Situation des Aufzugs und sich dann entsprechende Warteschlangen bilden. Und das ist natürlich unglaublich unkomfortabel. Und dann überhaupt erstmal in den Bahnhof reinzukommen. Ist ja jetzt nicht so, dass, wenn der Bahnhof jetzt mehrere Eingänge hat, von jedem Eingang problemlos der Weg dann zu den Fahrstühlen gegeben ist, sondern du musst teilweise auch einmal um das Gebäude herum rangieren, um dann entsprechenden rollstuhlgerechten oder jetzt für mich mit dem Fahrradanhänger gerechten Aufstieg zu finden.

Stefanie Ich hatte das ja auf dem Rückweg gemacht, als ich da aus dem Bahnhof mit meinem Fahrrad und dem Anhänger rausgeschoben bin, musste ich auch so eine Rampe darunter. Das war auch wieder schwierig zu rangieren. Und dann standen da schon wieder welche unten Schlange, die mit dem Kinderwagen da hoch fahren wollten und die dann irgendwie genervt waren, weil ich nicht so schnell mit dem Fahrrad und dem Anhänger um die Kurven gekommen bin und so, weil das einfach super abschüssig war, dass der Anhänger quasi das Fahrrad geschoben hat und ich nicht um die Kurven richtig gekommen. Also das heißt, du bist die ganze Zeit im Stress und es dauert lange. Und ja, es ist überhaupt nicht angenehm.

Carsten Es ist nicht familienfreundlich, gerade jetzt für junge Familien, die dann schon unten da stehen mit ihrem Kinderwagen und rauf wollen und kommt einem ein bisschen vor, wie Sozialdarwinismus, survival of the fittest, dass die Bahn darauf eingerichtet ist, dass die Starken und die Mobilen, ein Privileg haben, schneller reisen zu können. Ja, und alle jene, die nicht in dieses Raster reinfallen, die haben das Nachsehen.

Stefanie Ja, diese Erfahrungen haben bei mir auch ein Nachdenken darüber ausgelöst, ob ich jetzt das noch mal mache. Mit dem Fahrrad verreisen. Ich bin da noch nicht so ganz sicher. Also vor allem Fahrrad und Anhänger. Es war zwar eine interessante Erfahrung, auf jeden Fall. Und wir sind ja auch privilegiert, dass wir das eine interessante Erfahrung nennen dürfen, denn wir sind ja nicht darauf angewiesen, quasi das so zu machen, sondern wir hatten uns aus freien Stücken dazu entschieden. Wir hätten ja auch Fahrräder mieten können vor Ort. Aber es ist günstiger, die eigenen Fahrräder mitzunehmen. Und vor allem, weil Carsten so groß ist und so besondere Maße hat.

Carsten Und ein eigenes schönes Fahrrad hat.

Stefanie Freut er sich, wenn er sein eigenes Fahrrad hat. Genau. Also von daher war das jetzt einfach mal eine Erfahrung, die wir jetzt hier in einen Praxisbericht für den Podcast umgemünzt haben. Ja, du darfst daran teilhaben.

Carsten Genau. Aber schön wäre ja auch noch mal irgendwie eine Erfahrung mitzubekommen, wie denn das Verreisen mit Fahrrad im ICE ist, ob da ein anderes Raumangebot ist, was Fahrten, die vielleicht ja auch länger sind. Also wir sind jetzt ja nicht so riesige Strecken gefahren, aber wenn ich jetzt keine Ahnung nach Süddeutschland rein möchte, von Hamburg aus, bin ich ein bisschen länger unterwegs. Ob sowas dann mit Fahrrad und Bahn angenehmer ist.

Stefanie Ob das überhaupt geht?

Carsten Genau.

Stefanie Ja, im Vergleich dazu sind wir im Sommer auch mit der Bahn, aber ohne Fahrrad verreist. Also von Hamburg nach Cuxhaven, da fährt die Bahn tatsächlich durch, was sehr praktisch ist, da muss man nicht umsteigen. Und da war es eigentlich super, weil wir da ja das 9 € Ticket nutzen konnten. Und da haben wir auch vor Ort dann den Bus genutzt, um überall hin zu kommen. Und das fand ich super praktisch. Ja, es war teilweise auch voll in der Bahn. Auf jeden Fall. Die Rückfahrt war ziemlich voll, aber letztlich das Busfahren, einfach diese Möglichkeit zu haben, du hast dieses Ticket, du musst nicht noch mal extra zahlen. Das gilt überall und du kannst einfach dann, wenn du möchtest, mit dem Bus fahren. Und wenn du nicht möchtest, gehst du zu Fuß oder du leihst dir da ein Fahrrad. Das war wirklich praktisch. Also das war wirklich ein positives Mobilitätserlebnis.

Da habe ich jetzt wieder gemerkt, okay, ich rechne das durch. Jetzt gibt es das 9 € Ticket nicht mehr. Das heißt, wenn wir nach der Bahn noch mit dem Bus gefahren wären, für die Bahn galt ja das Länder Ticket, aber dann für den Bus nicht mehr. Da hätten wir dann noch extra zahlen müssen. Wir hätten uns noch extra Fahrräder leihen müssen, da dann auch zu gucken. Okay, Fahrräder musste man beim 9 € Ticket auch extra zahlen, aber das dann aufzuwiegen: drei Fahrräder kosten für Hin und Rückfahrt 36 € insgesamt. Dafür bekomme ich nicht für eine Woche drei Fahrräder geliehen. Also von daher war das klar: Okay, wir machen das so, aber dann ist natürlich wieder dieses Abwägen. Es ist natürlich stressiger, die Fahrräder mitzunehmen. Ist mir der Stress was wert oder nicht?

Also das ist so was, es ist quasi immer ein Abwägen und es wäre toll, das ist jetzt so die positive Zukunftsaussicht, wenn die Realität anders wäre. Und es super einfach wäre, die eigenen Fahrräder mitzunehmen oder es super einfach wäre, wenn wir sagen okay, es gibt Fahrräder vor Ort, es ist überall Mobilität möglich und es gibt so ein All inclusive Ticket oder so, also irgend so ein Tarif, wo ich dann sage: ich fahre jetzt in den Urlaub und dann kann ich überall, wenn ich möchte, auf die Mobilität meiner Wahl umsteigen und ich fahre mit dem Zug hin, dann fahre ich vielleicht mit dem Bus weiter und wenn ich die Insel erkunden will, jetzt in diesem speziellen Fall, dann leihe ich mir da ein Fahrrad und das ist alles irgendwie – Smooth - mit inbegriffen.

Carsten Genau. Ohne Auto einfach verreisen können und auch nicht unbedingt die Notwendigkeit zu haben, jetzt irgendwelche Gegenstände mit Auto transportieren zu müssen.

Stefanie Genau. Das wäre so die Idealvorstellung und die schöne Zukunftsvorstellung. Ja, und mit dieser Zukunftsvorstellung beenden wir jetzt diesen sehr subjektiven Reisebericht.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und gute Reise.

Folge 269 - Drei Bücher zur Mobilitätswende

Ein Beitrag

Folge 269 - Drei Bücher zur Mobilitätswende

Links zur Folge

Buch "Autokorrektur - Mobilität für eine lebenswerte Welt" von Katja Diehl
https://www.fischerverlage.de/buch/katja-diehl-autokorrektur-mobilitaet-fuer-eine-lebenswerte-welt-9783103971422

Buch "Aktionsbuch Verkehrswende" vom Redaktionskollektiv "Autokorrektur" (Kostenlos als PDF downloadbar)
https://www.oekom.de/buch/aktionsbuch-verkehrswende-9783962383541

Buch "Linksverkehr" von Sabine Leidig
https://www.oekom.de/buch/linksverkehr-9783962383046

Buch "Wenn die Hoffnung stirbt, gehts trotzdem weiter" von Jean Peters
https://www.fischerverlage.de/buch/jean-peters-wenn-die-hoffnung-stirbt-geht-s-trotzdem-weiter-9783103970876

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Transkript der ersten 7 Minuten (nur grob Korrektur gelesen)

Stefanie Bevor wir jetzt hier mit der Folge starten, muss ich mich erstmal entschuldigen, dass es so lange gedauert hat, bis die nächste Folge online ging. Das liegt vor allem daran, dass ich krank war, mehrere Wochen tatsächlich schon, ja, mehrere Wochen und immer noch nicht so ganz gesund bin. Es liegt nicht daran, dass wir keine Ideen hätten für Podcastfolgen. Bei uns stapeln sich die Bücher, die besprochen werden müssen und Themenliste ist lang und uns fehlt einfach die Zeit oder Kraft dazu, Folgen aufzunehmen deswegen wissen wir auch noch nicht so ganz genau, wie es jetzt hier mit dem Podcast weitergeht. Wir reden immer mal zwischendurch darüber und wissen noch nicht wo uns der Weg hinführt.

Aber jetzt wollen wir erstmal einige Bücher zumindest besprechen einige Themen abarbeiten, so wie uns die Kraft gegeben ist. Es ist und bleibt einfach auch dabei, dass Carsten Vollzeit arbeitet und dadurch wenig Zeit hat, noch nebenher dann hier Folgen aufzunehmen. Und darum ist es jetzt eben zu dieser längeren Lücke gekommen und ich möchte mich sehr bei den Menschen bedanken, die uns trotzdem weiterhin finanziell unterstützen. Was auf jeden Fall immer eine Hilfe ist, denn die laufenden Kosten gibt es trotzdem, egal, ob wir jetzt neue Podcastfolgen veröffentlichen oder nicht. Die vorhandenen Podcastfolgen müssen ja gehostet werden, und das verursacht eben monatliche Kosten. Und da hilft es halt sehr, dass es diese finanzielle Unterstützung gibt, herzlichen Dank.

Carsten Dankeschön.

Stefanie Dann starten wir jetzt mal mit dem Thema Mobilitätswende. Wir haben dazu hier 3 Bücher liegen, mittlerweile, das heißt, es wird nicht eine Buchbesprechung werden von einem speziellen Buch, sondern Carsten hat sich etwas Besonderes ausgedacht.

Carsten So ganz besonders ist das nicht. Ich will einfach nur ganz locker flockig über dieses Thema sprechen, weil Mobilitätswende ja kein ganz neues Thema ist. Aber für mich war es immer auch ein Herzensthema. Und aufgrund dieser Bücher konnte ich ein bisschen mehr Verständnis über das Thema Mobilitätswende und was heißt eigentlich Mobilitätswende versus Verkehrswende etc also diesen ganzen Komplex bekommen und mich damit beschäftigen. Da hab ich mich drauf gefreut und darüber möchte ich mich - also jetzt nicht über meine Freude, sondern über das Thema - möchte ich jetzt in dieser Folge einfach mal sprechen.

Stefanie Du möchtest Deine Freude teilen, weil sie dadurch größer wird?

Carsten Ja natürlich, damit sie grösser wird, aber auch damit mehr Menschen inspiriert werden und auch über das Thema mehr inhaltlich dann sprechen können.

Stefanie Ja, diese 3 Bücher, die wir zu erledigen haben, sind alles Rezensionsexemplare beziehungsweise nicht wirklich: Ein Rezensionsexemplar und bei dem anderen hatten wir das Crowdfunding unterstützt und haben dann ein drittes Buch noch dazu bekommen zu dem Crowdfunding. Und jetzt willst du sicherlich auch wissen, um welche Bücher es sich überhaupt handelt? Es sind nicht einfach nur 3 Bücher, sie haben auch Namen.

Carsten Ja genau und zwar das Buch, wo wir tatsächlich das Crowdfunding unterstützt haben ist das "Aktionsbuch Verkehrswende, Acker, Wiese und Wald statt Asphalt" vom Redaktionskollektiv "Autokorrektur". In dem Buch geht es um Aktionsformen zur Verkehrswende. Dieses Buch haben wir wie gesagt, durch Crowdfunding realisieren können. Wir haben uns beteiligt und das kleines Dankeschön durfte ich mir ein weiteres Buch aussuchen.

Stefanie Das ist ein großes Dankeschön, denn das ist viel dicker und grösser als das Buch.

Carsten Das wusste ich nicht, das Buch hat mich vom Titel her angesprochen, ohne das ich auch nur ansatzweise wusste, worauf lasse ich mich da ein? Und zwar habe ich dann das Buch "Linksverkehr, Projekte und Geschichte. Beton und Bewegung" bekommen, auch aus dem Oekom Verlag. Die Herausgeberin ist Sabine Leidig. So Sabine Leidig sagte mir - mea culpa mea maxima culpa - bis zu dem Zeitpunkt gar nichts, obwohl sie eine sehr bekannte Persönlichkeit ist. Sie war mal verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag und damit dann auch direkt dran am politischen Geschehen und hat viel von ihrer Erfahrung, von ihrem Wissen aus dieser Zeit in dieses Buch einfließen lassen. Und ja, in der Tat ist dieses Buch nicht nur von den Maßen her grösser so über DIN a 4 Format. Sondern auch dicker als das Aktionsbuch Verkehrswende.

Stefanie Ja, wir beurteilen Bücher nur nach ihrem Aussehen.

Carsten Nur das Aussehen zählt - genau.

Stefanie Der Inhalt ist nicht so wichtig.

Carsten Genau und das dritte Buch kommt von Katja Diehl, die mittlerweile einen sehr großen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Auch gerade hier in Hamburg, im Moment sehr präsent ist durch den HVV. Und das Buch nennt sich "Autokorrektur. Mobilität für eine lebenswerte Welt". Das Buch kommt jetzt nicht aus dem Oekom Verlag und ist das Rezensionsexemplar, was wir uns mal angefordert hatten.

Stefanie Genau da hat Carsten mal hingeschrieben.

Carsten Hat er gesagt, „Will haben“ und hat er bekommen.

Stefanie Ja, ja, ja, das war mal was.

Carsten So muss das.

Stefanie Genau. Mit welchem Buch fangen wir denn jetzt an?

Folge 268 - Im Gespräch mit Friedrich Bohn über das Projekt Zukunftsbilder

Ein Beitrag

Folge 268 - Im Gespräch mit Friedrich Bohn über das Projekt Zukunftsbilder

Links zur Folge

Projekt "Zukunftsbilder" der Scientists for Future
https://de.scientists4future.org/zukunftsbilder/

Fertiggestellte Zukunftsbilder
https://zenodo.org/communities/zukunftsbilder/

Zukunftsbilder mitgestalten
https://www.cognitoforms.com/DeniseErb/ZukunftsbilderMitgestalten

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Friedrich Bohn Ich bin Friedrich Bohn. Ich arbeite am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und beschäftige mich dort ganz intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels auf unsere heimischen Wälder. Welche Wälder sind besonders nachhaltig, welche kommen mit dem Klimawandel besser zurecht? Das sind so die Themen, mit denen ich mich beruflich beschäftige.

Gleichzeitig bin ich eben auch bei den Scientists for Future aktiv, seit Jahren. Und dort bin ich  Mitinitiator und Koordinator des Zukunftsbilder-Teams. Und mein Alltag sieht so aus, dass in den letzten Jahren hauptsächlich von zu Hause gearbeitet hab, wegen Corona. Das liegt aber einfach daran, dass man als Modellierer, der ich eben bin, wir verknüpfen Klimamodelle mit einem Waldmodell, das wir das von überall aus machen können. Ich muss nicht ins Büro gehen oder ins Labor, sondern ich kann wirklich von überall aus arbeiten, solange ich eine Internetverbindung hab, dann kann ich hier die Großrechner ansprechen und dort Simulationen und Auswirkungen machen. Das ist sozusagen die theoretisch wie es abläuft. De facto sind es ganz viele Besprechungen und Diskussionen mit Kollegen, in denen wir über die wissenschaftlichen Erkenntnisse von morgens bis abends diskutieren...

Stefanie Du hattest schon das Projekt Zukunftsbilder angesprochen und das war eben auch der Grund, warum ich dich hier eingeladen hatte. Kannst du da nochmal näher was dazu sagen, was wir uns darunter vorstellen können?

Friedrich Bohn Also das Zukunftsbilder Projekt wurde geboren, aus 3 Ideen, sag ich mal, oder 3 Erkenntnissen. Und zwar ist uns aufgefallen, bei den Scientists, dass die dystopischen, also die negativen Erzählungen wie die Zukunft wird, sehr ausführlich da sind. Sehr prominent immer gebracht werden. Dass man auch immer das Gefühl hat, die sind wirklich durchdacht. Also wie das alles den Bach runtergeht, das ist irgendwie nicht so schnell und naiv sich ausgedacht, sondern da steckt wirklich viel dahinter und das klingt alles sehr plausibel und deswegen ist es so motivierend das zu verhindern. Für manche Menschen.

Das war sozusagen der eine Punkt, der zweite war zu sagen: "Wieso gibt es eigentlich keine positiven Geschichten?" Also es gibt eben immer diese dystopische Sache, so es wird ganz, ganz schlimm und dann kommt eine ganze Liste warum es schlimm wird und deswegen müssen wir was dagegen tun und müssen ja auch ganz viel verzichten und dieses Narrativ ist halt schade, weil es nur eine bestimmte Gruppe von Menschen anspricht und andere eben nicht und die Frage ist: Gibt es nicht auch die Möglichkeit positive Geschichten zu erzählen, wie die Zukunft werden könnte, wenn es richtig geil wird? Und wenn wir eben die Transformation vollbringen.

Und als Beispiel auch da wieder, fand ich sehr bezeichnend den Bundestagswahlkampf, wo wir gemerkt haben, dass alles, was sich um eine Transformation gedreht hat, immer sofort im zweiten Satz gesagt hat "Oh, das kostet ja was." Aber dass es einfach extrem viel kostet, wenn wir nichts tun oder wenn wir länger überlegen, das kam immer viel zu kurz. Also es wurde nicht ein Kostenvergleich von verschiedenen Zukunftsbildern gemacht, sondern es war immer "Wenn wir uns verändern wollen, kostet das Geld." Das war so ein bisschen das, was extrem frustrierend für mich war.

Und die dritte Motivation für die Zukunftsbilder war dieser Claim "Listen to The Science", der von Fridays for Future benutzt wurde, der grundsätzlich stimmt. Und ich glaube auch von den ursprünglichen Gedanken auch richtig gedacht war, aber er birgt die Gefahr dahingehend missverstanden zu werden, dass die Wissenschaft wüsste, was wir tun müssen und es einen ganz klaren Plan in den Schubladen der Wissenschaftler gibt, der einfach nur umgesetzt werden müsste und das ist nicht der Fall.

Es gibt große Übereinstimmungen, was wir nicht tun sollten, was wir vermeiden müssen bezüglich Klimawandel natürlich. Was aber jetzt tatsächlich die finale beste Lösung oder die beste Welt wäre, da unterscheiden sich wir Wissenschaftler doch. Das ist das, wo der wissenschaftliche Diskurs stattfindet. Und das ist eben auch nicht die Aufgabe der Wissenschaft, eine politische Agenda zu formulieren. Aber die Wissenschaft kann eben einen Raum bieten, innerhalb des Raums es Sinn macht zu diskutieren und über demokratische Prozesse zur Entscheidungsfindung zu kommen.

Zusammengefasst: Wissenschaft ist keine Politik, ist die Motivation sozusagen. Es gibt eine Möglichkeit im Raum, den wir haben, das klar zu kommunizieren. Die zweite Motivation war positive Geschichten zu erzählen und die dritte Motivation war, diese positiven Geschichten auch wirklich auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu stellen, so dass das wirklich Hand und Fuß hat, was da rauskommt. Und aus diesen 3 Strängen sind die Zukunftsbilder entstanden.

Und jetzt ist die Frage was ist denn jetzt eigentlich ein Zukunftsbild? Es gibt nicht nur ein Zukunftsbild, sondern insgesamt 4. Man kennt es vielleicht von den ganzen Klimaszenarien, wo man auch verschiedene Szenarien hat, von einer ganz, ganz schlimmen Welt. Und wie würde sich die Temperatur entwickeln, wenn man versucht, Paris einzuhalten? Und so ist es bei den Zukunftsbildern auch, nur statt von Szenarien, die wissenschaftlich eine gewisse Definition haben, sprechen wir von Zukunftsbildern, um ein bisschen freier, auch in der Interpretation und Ausgestaltung zu sein.

Und ein Zukunftsbild ist also eine Beschreibung einer möglichen Zukunft mittels Text und seit kurzer Zeit sind wir in Zusammenarbeit mit den Creatives for Future oder Leuten aus der Kreativwirtschaft, aus der Kunst, die versuchen, diese wissenschaftlichen Texte in ihrer Disziplin mit ihren Fähigkeiten auch nochmal umzusetzen. Dass es eben nicht nur ein wissenschaftliche Artikel ist oder eine Sammlung von wissenschaftlichen Artikeln, sondern ist eben auch ein Theaterstück geben wird demnächst, was auf den Zukunftsbildern basiert. Dass es Geschichten geben wird, die auf den Zukunftsbildern basieren. Und eben auch Illustration.

Genau und jetzt noch einen letzten Satz. Wir unterscheiden sich diese vier Zukunftsbilder? Sie unterscheiden sich ein bisschen in ihrem Narrativ, also wir müssen für jedes dieser Zukunftsbilder darüber berichten, was passiert ungefähr? Und wir haben drei positive Utopien entwickelt und eine Negative. Die drei positiven unterscheiden sich darin, dass in dem einen Fall es eher eine Top Down Transformation ist, also sprich die wichtigsten Entscheidungsträger:innen der Gesellschaft hören auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und leiten darüber sinnvolle Schlüsse ab, und setzen sie dann auch ziemlich zügig um. Und die Bevölkerung trägt es mit.

Die zweite Geschichte ist der umgekehrte Weg: Die Leute beschäftigen sich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen und verändern dementsprechend ihr Verhalten, was dazu führt, dass Entscheidungsträger:innen eben sich und auch ihr Verhalten ändern müssen, um wiedergewählt zu werden, damit ihre Produkte gekauft werden etc.

Und das dritte Zukunftsbild war die Überlegung naja, das sind beides sehr, sehr stark transformative Bilder. Wir versuchen auch eins zu machen, was möglichst wenig transformativ ist, aber trotzdem Paris einhält und die Nachhaltigkeitsziele der UN. Und da war dann die Idee zu sagen, wir lassen manche Sachen fix und dafür müssen wir aber um das auszugleichen, müssen wir an anderen Stellen dafür sehr krasse Veränderungen umsetzen. Um zu zeigen, wenn wir bestimmte Privilegien, die wir heutzutage haben, auch in Zukunft haben wollen, dann müssen wir auf andere Sachen sehr krass verzichten.

Das vierte und letzte Bild, und da haben wir lange darüber diskutiert, ob wir das überhaupt machen, weil keiner da drauf Lust hatte, war dann doch eben ein dystopisches Bild zu zeichnen, aber wir waren uns alle ziemlich schnell einig, dass wir eben nicht das worst case Szenario, also das schlimmste Klimaszenario, das heißt Kohlekraftwerke werden weiterhin wie blöde gebaut, beschreiben wollen, weil das so offensichtlich falsch ist, dass wir uns gedacht haben, das macht keinen Sinn, das nochmal zu wiederholen.

Stattdessen haben wir uns dann doch eben immer wieder geärgert (lacht) über irgendwelche Talkshows, die zu dem Thema gemacht wurden, wo dann irgendwer gesagt hat ja aber wir machen doch schon so viel und ja, aber wir haben doch dieses Jahr schon wieder eine Wachstumsrate von 10% in erneuerbaren Energien und es wird doch schon der Fleischkonsum ein bisschen reduziert, wo wir gesagt haben ja ok, was ist denn, wenn wir in diesen Wachstums- und Transformationsschritten oder Schrittgeschwindigkeit weiter machen, also wir uns jedes Jahr darüber freuen, dass es mehr Windkrafträder oder Solaranlagen gibt, es aber vorne und hinten nicht reicht, um bis 2040 eben komplett klimaneutral zu sein. Um das zu zeigen, was dann rauskommt, das entspricht grob einer drei Grad Welt, die dann da eben bei rauskommt. Und das ist sozusagen die vierte Geschichte.

Stefanie
Genau, du hattest jetzt gerade gesagt 2040, das heißt, diese Zukunftsbilder fokussieren jetzt alle auf dieses Jahr, verstehe ich das richtig? Und auf den Alltag dort, oder fokussiert ihr noch auf etwas anderes?

Friedrich Bohn
Genau ich habe 2040 gesagt, weil es einfach immer leichter ist, sich mit einem konkreten Datum Gedanken zu machen. Es ist jetzt für uns nicht essentiell, dass es 2040 sein muss, wenn es 2039 ist, ist es auch ok, und wenn es bis 2042 dauert, wir dann aber echt viel geschafft haben, ist es auch ok, also nicht festnageln auf das Ziel. Und manche Ziele, die wir haben, da ist es durchaus attraktiv, die auch früher hinzubekommen, Stichwort Co2 Neutralität schon 2035 zu schaffen, also natürlich, das hätte man dann auch 2040 geschafft, deswegen bitte nicht auf diese exakte Zahl festlegen.

Es ist einfach nur so, wenn man sich Transformationen in der Gesellschaft anschaut, bei vielen Sachen dauert es etwa 20 Jahre, bis sich sozusagen die Transformation komplett umgesetzt hat. Wenn man sich überlegt, vom allerersten Knochenhandy bis dahin alle haben ein Handy in der Bevölkerung, es ungefähr 20 Jahre dauert, oder Auto oder was auch immer, sich so vorstellen kann. Es ist uns total wichtig bei dem Projekt, zu zeigen, dass eigentlich eine Verhaltensänderung im Alltag wirklich einen Effekt hat.

Natürlich ist es so, wenn sich nur einer ändert, dann verändert sich natürlich relativ wenig. Aber wenn eben die Masse, alle ein bisschen was machen, dann ist es doch sehr, sehr viel. Und man hat eben durchaus an verschiedensten Stellen Möglichkeiten, wo man die Transformation unterstützen kann. Und die Idee ist bei uns eben, dass es also wir decken eben nicht nur Mobilität und Energieversorgung ab, sondern wirklich sehr, sehr breit eigentlich alle Aspekte der Gesellschaft, das heißt, in allen Bereichen der Gesellschaft ist man ja in seinem Alltag irgendwie involviert in der Mobilität, weil ich zur Arbeit muss, in der Ernährung, weil ich was essen muss, in der Gesundheit, weil ich mich um meine Gesundheit kümmere etc. pp., in der Kultur, weil ich mich irgendwo engagiere.

Trotzdem gibt es manche Sachen, die man nicht durch Verhaltensänderung in seinem Alltag ändern kann. Ich kann nicht als Privatbürger etwa sagen, ich fände es viel cooler, nur 9,00€ für den öffentlichen Nahverkehr zu zahlen, und dann zahle ich einmal im Monat 9,00€ und den Rest fahre ich schwarz, das funktioniert nicht, das ist halt etwas was Top Down passieren muss.

Deswegen es ist tatsächlich so, dass diese ganzen Bereiche, die wir in diesen Zukunftsbildern diskutieren und analysieren, dass wir immer einerseits mit dieser Alltagsperspektive, und wir machen das tatsächlich so, von dieser Alltagsperspektive schauen. Das betrifft dann jeden von uns und auf der anderen Seite aber eben von der, wir nennen das systemisch oder systemisch-wirtschaftliche Perspektive, wo man nur aktiv werden kann, wenn man in diesem Feld beruflich aktiv wird.

Also nur, wenn ich im Mobilitätsbereich verantwortlich bin für Nahverkehrsorganisationen kann ich da auch was tatsächlich in dem Konzept ändern, ich kann aber nicht die Nutzung ändern, weil das ist wiederum Alltag, und so haben wir das für alle Bereiche, so gut es ging, immer versucht, von zwei Seiten zu betrachten.

Stefanie
Und wer seid ihr alle und wie kann man denn bei diesem Projekt mitmachen? Also nicht auf der künstlerischen Seite, sondern auf eurer wissenschaftlichen Seite, was gibt es dafür Voraussetzungen?

Friedrich Bohn
Genau, also das Schreiben der Texte funktioniert ganz stark ausschließlich nach wissenschaftlichen Methoden, also sprich, es ist wie wenn man in der Wissenschaft einen Artikel schreiben will, muss man den Artikel entwickeln mit anderen Leuten, die sich darüber eben sehr gut auskennen, jegliche Argumente müssen mit Quellen belegt werden. Dann kommt dieser Text, dann wird er an andere Expert:innen gegeben, die den gegenlesen und kontrollieren, dagegen argumentieren und zwar ohne zu wissen, wer ihn geschrieben hat. Das ist das sogenannte Peer-Review-Verfahren. Dann kriegt man also diese Kritik wieder zurück, man muss als Autor wieder drauf antworten und den Text entsprechend anpassen.

Die Grundidee dahinter ist, den Text besser zu machen und weiterzuentwickeln, nicht ihn abzulehnen. Es gibt ein sogenanntes Editorial Board, also eine Gruppe, die diesen Prozess überwacht, dass beide Gruppen, also die, die dem Text Feedback geben, als auch die, die den schreiben, dass die sich a) fair behandeln und aber auch, dass die Antwort, die das Autorenteam macht, passt zu den Gegenargumenten, die die andere Seite hat, und nicht irgendwer sagt, wir sind dagegen, und wir lehnen diesen Kommentar ab, sondern dass sie wirklich auch begründen müssen, warum sie ihn ablehnen oder eben aufnehmen, und erst wenn dieser ganze Prozess abgeschlossen ist, gilt der Text als abgeschlossen von wissenschaftlicher Seite.

Um in diesem Prozess mitzumachen, muss man extrem vertraut sein mit der wissenschaftlichen Methode. Man muss jetzt nicht explizit aktuell wissenschaftlich aktiv sein, aber man muss dieses ganze Verfahren wirklich verstehen, weil wir nicht, also weil das sehr aufwendig ist, da jeden mit in seiner ganzen Vielfalt einzubringen, und auf der anderen Seite es bestimmt andere Seiten gibt oder andere Prozesse gibt, wo man mit seiner Expertise viel besser vielleicht aufgehoben ist. Also zum Beispiel haben wir ein Team, das sich durchaus viel um Sprache kümmert, das heißt in diesem Team geht es darum, einerseits ganz praktische Lektoratsarbeit zu machen bei den Texten, aber auch diese Texte durchaus auch etwas kreativer weiterzuentwickeln.

Es sollen demnächst auch Workshops stattfinden, wo die Texte wirklich kreativ, Kurzgeschichten etc. entwickelt werden können für diese Texte. Das heißt, wenn man gerne schreibt, dann wäre es sinnvoller, eher da sich einzubringen und dort kreativ mit den Texten zu arbeiten als jetzt mit der Entwicklung des wissenschaftlichen Fundaments. Auf der anderen Seite haben wir aber auch Illustratorinnen, die eben professionelle Illustratorinnen sind, die sich dann damit beschäftigen und versuchen, mit diesen Bildern ein Konzept zu entwickeln oder dass, damit sind sie grob fertig, ein Konzept zu entwickeln.

Wie diese Sachen dann illustratorisch aufgearbeitet werden, welche Farben werden benutzt, in welchen Anteilen, was sind Grundvoraussetzungen, damit die Illustration stimmt. Auch da wieder gibt es dann Feedbackprozesse und so weiter. Also da steckt sehr viel Know-How in den einzelnen Rädchen, wie alle ineinandergreifen dahinter, mit dem Ziel, das vielleicht richtig zu verstehen, mit dem Ziel, nicht alle überall zu beteiligen, sondern jeden dort zu beteiligen, wo er die größte Expertise hat, damit er dort, wo er am besten ist, auch wirklich dem Projekt dienen kann.

Stefanie
Und ihr habt ja auf eurer Webseite geschrieben, dass ihr mit den Artists und Creatives for Future schon zusammenarbeitet. Und wie kann ich mir das genau vorstellen, und was wünscht ihr euch denn da für eine Zusammenarbeit, und gibt es vielleicht schon konkrete Projekte?

Friedrich Bohn
Genau also was, wo ich gerade mega gespannt bin. Wir haben tatsächlich mit Theaterleuten vom Sommerblut Festival in Köln einen Antrag geschrieben, um ein Theaterstück zu den Zukunftsbildern zu machen, oder zu Teilaspekten der Zukunftsbilder. Die ganzen Zukunftsbilder sind natürlich viel zu umfangreich von der Komplexität, aber da Teilaspekte eben durch eine Theaterreise durch Köln umzusetzen, wir haben jetzt tatsächlich die Förderung bekommen, so dass, ich glaube, Ende September ist die Aufführung wird es einige Auftritte geben, wo es sozusagen ein Theater gibt, was aufbaut auf den Zukunftsbildern.

Und natürlich trotzdem auch da, also es ist vielleicht auch nochmal ein wichtiger Grund, Philosophie von diesem Projekt ist es nicht, dass die Wissenschaftler jetzt alles vorgeben und Wissenschaftlerinnen, sondern sie machen das, was sie können, Texte schreiben, die wissenschaftlich Hand und Fuß haben. Die Theaterleute auf der anderen Seite können gute Texte und Dramaturgien entwickeln. Das heißt, sie haben auch den Hut auf, was in diesen Texten am Ende steht, das ist sozusagen die künstlerische Freiheit, die da ganz wichtig ist.

Trotzdem ist die Hoffnung, diese Texte mit der Wissenschaft wiederum, auch da wieder Feedback einzusammeln, einerseits aufbauend auf den Text, den wir schon haben die ersten Drehbücher zu schreiben, aber jetzt ist es so, die ersten Texte bestehen, und sie geben uns jetzt diese Texte, damit wir Wissenschaftler:innen drauf schauen und gucken, ist das wissenschaftlich, was an Zahlen und etc. drin vorkommt, ist es okay, oder ist das zu krass übertrieben? Wenn wir der Ansicht sind, das ist zu krass übertrieben, dann sagen wir, es ist zu krass übertrieben und hoffen, dass dann die Regie sagt okay, dann versuche ich näher dran, ich kann die Dramaturgie an der Stelle auch anders erzeugen, aber diese letzte Entscheidung bleibt trotzdem bei der Regie und bei den Theaterleuten, wenn die sagen nee, wir wollen das so haben, dann dürfen sie das auch.

Aber bis jetzt gab es noch nie Streit, also man war eigentlich immer höchst daran interessiert, wirklich zusammenzukommen und das zusammen zu machen, dass das alle gut finden und in der Regel ist das, was am Ende dann durch solche Diskussionen rauskommt, auch für alle dann viel besser als das, was vorher da war.

Stefanie
Und sind die Zukunftsbilder jetzt eigentlich global betrachtet? Wir können ja jetzt eigentlich nicht für alle Kulturen auf der Welt diese Zukunftsbilder entwickeln, dann können wir uns ja gar nicht so rein versetzen. Und deswegen stelle ich mir das schwierig vor, also wie habt ihr euch das gedacht?

Friedrich Bohn
Ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Idee ist, sich primär auf den deutschsprachigen Raum, haben wir jetzt gesagt, uns zu beziehen, also sprich auch sozusagen Zentraleuropa oder Mitteleuropa. Weil die Konzepte, die wir da jetzt andiskutieren und entwickeln, nicht nur in Deutschland funktionieren, sondern auch in Österreich oder auch in den Beneluxstaaten theoretisch also, da ist der Unterschied einfach nicht so groß zu uns. In vielen Bereichen ist ja gerade bei Mobilität ist es ein bisschen schwierig (lacht).

Genau. Das ist die Idee, sich eben auf die Deutsche Gesellschaft, für die deutschsprachige Gesellschaft zu konzentrieren. Ein weiteres Argument warum, warum wir nicht explizit Deutschland sagen ist, dass es durchaus Überlegungen gibt, in den Bereichen, die sich mit Demokratie und gesellschaftliche Organisationen beschäftigten, durchaus auf den Raum lassen wollten, den Nationalstaat oder so zu hinterfragen, um da zu sagen ok, wie könnte man das eventuell auch auf europäischer Ebene anders zu organisieren. Etc., und da einfach diese Freiheit zu geben und nicht das, vor den Nationalstaatsgrenzen Stopp zu machen.

Auf der anderen Seite haben natürlich Sachen, die wir hier in Deutschland verändern, trotzdem Rückwirkungen auf den gesamten Planeten, und umgekehrt hat der gesamte Planet auch Rückwirkungen auf Deutschland, also das lässt sich nicht hundert Prozent trennen. Deswegen gibt es neben dieser Alltagsperspektive und der systemischen oder wirtschaftlichen Perspektive eine dritte, die ist ein bisschen einfacher, vom Umfang her einfacher, wo wir versuchen nochmal das alles zusammenzufassen und zu sagen, angenommen, der Rest der Welt würde spezifisch, natürlich kulturell spezifisch und entsprechend der eigenen lokalen Gegebenheiten ähnlich handeln, wie gesagt die konkreten Lösungen sind teilweise sehr sehr unterschiedlich, aber der Spirit wäre sozusagen der gleiche.

Wie würde sich denn dann der gesamte Planet entwickeln? Und darüber, diesen globalen Aspekt abzudecken. Trotzdem zieht das Projekt langsam Kreise. Eben auch in der Wissenschaftscommunity, wo jetzt der ein oder andere eben nicht deutschsprachig ist, weil die Sprache der Wissenschaft häufig englisch ist, eben die Leute auch aus anderen Ländern kommen und sagen es war eigentlich voll cool, das auch für mein Land oder für meine Regionen mal zu entwickeln, wo wir jetzt so ganz, ganz vorsichtig anfangen zu überlegen, wie können wir dieses Konzept auch nochmal für einen anderen Bereich machen? Eben, was weiß ich, Südeuropa also auch da. Italien, Spanien, Portugal das ist wahrscheinlich, da gibts, es gibt Synergien, oder die Unterschiede sind nicht so groß wie jetzt Italien und Norwegen, also da sind irgendwie Lösungen und Konzepte vielleicht auch anders, oder auch aus Europa raus zu gehen. Langfristig ist es schon ist der Wunsch aller.

Stefanie
Wo du jetzt gerade sowas ansprichst, was ist denn so der größte Wunsch? Die größte Vision, die ihr habt mit den Zukunftsbildern, also wenn ihr euch was wünschen könntet? Was wollt ihr mit den Zukunftsbildern bewirken?

Friedrich Bohn
Na ja, dass am Ende wir halt (lacht) nachhaltig leben alle auf diesem Planeten, der so schön ist. Ist im Prinzip wirklich so, also die Idee ist wirklich, das ist kein Projekt, das jetzt irgendwie für ein Jahr läuft und dann freuen wir uns alle, dass wir mal wieder ein Projekt vollgemacht haben und irgendwelche Sachen im Internet stehen, die nach zwei Jahren keiner mehr findet, sondern das ist wirklich so angelegt, dass dieses Projekt so lange läuft, bis wir wirklich die Kehrtwende, was Co2 Emissionen angeht, aber eben nicht nur die, sondern die ganzen Nachhaltigkeitsziele, also dazu gehört auch Gleichstellung der Geschlechter, Landnutzung sinnvoll zu organisieren etc. und erst wenn wir diese Nachhaltigkeitsziele erreicht haben und die planetaren Grenzen eingehalten werden, können wir sagen, die Arbeit ist getan, wir können uns zurückziehen.

Und vielleicht noch ein Gedanke dabei ist, oder was ich, und das gehört sozusagen auch zu diesem Wunsch mit dazu. Es ist so, dass die Inhalte natürlich jetzt wissenschaftlich erarbeitet werden. Aber: Wir Wissenschaftler:innen im Elfenbeinturm wissen auch nicht alles oder wissen vor allem nicht alles besser, sondern wir können einfach nur die Grundlage liefern, um Sachen sich zu überlegen, und es ist super wichtig für dieses Projekt. Und da sind wir grad noch am Entwickeln, wie wir das gut organisieren, Feedback aus, also von den Alltagsexpert:innen zu bekommen.

Ich kann das an einem kleinen Beispiel festmachen. Ich bin zu meinen Schwiegereltern aufs Dorf gefahren, und hab denen erzählt Hurra Zukunftsbilder und wir haben super tolle Visionen, wie wir Mobilität in Zukunft auch auf dem Land organisieren, und hab denen das vorgestellt, und die haben einfach nur mit dem Kopf geschüttelt und gesagt, das ist überhaupt nicht attraktiv für sie, das ist total blöd, es ist echt nicht spannend. Und haben mir dann erzählt, warum. Und dass es mit diesen ganzen selbstfahrenden Autos und selbstfahrendem öffentlichen Nahverkehr einfach echt unpraktisch ist, weil du dann trotzdem dauernd umsteigen musst, und dann kommen die nicht, ewig nicht, oder man muss warten. Und mit dem Auto ist das alles viel, viel schneller.

Und das Interessante war aber dann, dass die Diskussion, die sonst immer sehr schnell zu so einem Clash führen kann, über diese Frage wie wollen wir denn leben nach so einer Transformation die nachhaltig ist, weil prinzipiell gegen Nachhaltigkeit haben die wenigsten, also warum sollte man nicht nachhaltig leben wollen, ne? Da gibt es eigentlich keine Argumente dafür. Wünscht ihr euch denn eine nachhaltige Welt in eurem Alltag? Weil ihr könnt mir nicht sagen, dass ihr mit Freude jeden Tag 30 Minuten im November bei Sturm und Hagel in 30 Kilometer entfernte Einkaufszentren fahrt, das glaube ich euch nicht.

Wie gesagt, natürlich ist das nicht cool, also da waren wir auch dann wieder schon, und das war dieses interessante dann, dadurch, dass man versucht hat zu überlegen, wo wollen wir denn eigentlich hin, war die Diskussion ganz anders. Und dann stellte sich eben raus, dass es eigentlich viel schöner wäre, wenn es, wenn dieses Bedürfnis nach Mobilität abnehmen würde, sprich, wenn es wirklich diese Notwendigkeit gibt, ewig mit dem eigenen Auto umher fahren zu müssen, sondern wenn möglichst viele der Sachen, die man mobil erreichen muss, eigentlich wieder im Dorf stattfinden im Sinne eines kleinen Ladens oder so, also dass einfach gar nicht mehr das Bedürfnis besteht, groß durch die Gegend fahren zu müssen.

Und das fand ich total interessant, weil wir aus unserem Elfenbeinturm da erstmal nur an die neueste technische Idee mit selbstfahrenden Autos gedacht haben. Das war, das fand ich sehr cool und ich glaube, dass so oder so ähnlich noch ganz viele Schätze zu heben sind, die außerhalb des Elfenbeinturms liegen. Und da irgendwie ein konstruktives Miteinander zu entwickeln, das wäre so die andere schöne Aufgabe, die wir bei dem Projekt haben.

Stefanie
Also wie könnten denn die Hörer:innen sich an diesem Projekt beteiligen? Also wenn sie jetzt sagen, Zukunftsbilder klingt total toll, wie können Sie damit machen?

Friedrich Bohn
Es gibt sozusagen zwei Optionen wieder hier, die eine Sache wäre jetzt wirklich dieses, wo ist man Experte oder Expertin, und da zu gucken, ob es da irgendwie eine Andockstelle gibt, also wenn man Schriftsteller:in ist oder was auch immer, zu sagen ok, ich würde gerne die Texte schriftlich mitarbeiten, dann ist das einfachste, uns eine Mail zu schreiben an zukunftsbilder@posteo.de. Und dann kurz beschreiben, wer man ist, was man einbringen möchte, welche Talente, und dann müssen wir schauen, ob sozusagen dieses Talent gerade schon gebraucht, als ob schon die Andockstellen der anderen Teams schon so weit sind, oder ob es eben schon ein Team gibt, wo man sich mit eingliedern kann, das wäre die eine Option.

Und die andere ist eben diese, die ist als Lebensweltexpert:in Feedback zu geben, wie gesagt, da sind die Prozesse noch am Überlegen und beim Entwickeln. Da haben wir erste Testballons gemacht, die waren prinzipiell gut, lassen sich aber nicht hoch skalieren auf viele Leute, da müssen wir noch überlegen, wie wir das machen. Nichtsdestotrotz gibt es da aber eine Datenbank, wo man sich sozusagen schon eintragen kann. So dass man da, sobald da wieder irgendwelche Umfragen passieren, direkt angeschrieben wird. Da weiß ich den Link jetzt nicht auswendig, den würde ich dir einfach nochmal nachreichen.

Stefanie
Genau, den packen wir in die Shownotes.

Friedrich Bohn
Da würde man also, da ist momentan die Idee, also, dass man dann nur Teile der Texte oder Textaspekte zu den Themen, die einen interessieren, bekommt, oder auch Grafiken oder was auch immer, das müssen wir noch entwickeln, aber wo man dann relativ schnell und mit einem einfachen, wahrscheinlich Fragebogen in irgendeiner Art und Weise schnell Feedback geben kann. Und wo dieser Fragebogen aber auch einen sozusagen ein bisschen an die Hand nimmt, wie formuliert man dann wirklich ein Feedback, was dann den einzelnen Teams auch wirklich hilft, ihre Arbeit weiterzumachen, weil zu sagen finde ich doof - okay, aber damit kann man nicht weiterarbeiten. Oder so finde ich total schön - okay, das ist besser als das andere, aber auch damit kommt man nicht weiter, so, also warum findet man die Aspekte schön, da ist dann die nächste Frage.

Ich habe noch eine letzte, noch eine letzte strukturelle Sache nochmal, die ist mir gerade noch aufgefallen. Wir beschreiben die Zukunft im Jahr 2040 etwa, also in 20 Jahren, wie sieht die Zukunft aus, die wir uns wünschen? Der Grund, warum wir das machen, ist, um festzulegen, wo wir denn überhaupt hinwollen und in welcher Zeit, weil wenn wir das wissen, dann können wir nämlich zurückgehen auf heute und überlegen, mit welcher Geschwindigkeit, in welche Richtung müssen wir denn heute loslaufen, damit wir in etwa 20 Jahren dorthin kommen, wo wir hinwollen?

Und dann wird man nämlich sehr schnell feststellen, dass manche Sachen eben einfach immer noch zu langsam laufen, weil einem total klar ist, wenn ich in 20 Jahren dort sein will, dann kann ich nicht im Schneckentempo loslaufen, und das ist die Struktur, wie die Zukunftsbilder aufgebaut sind. Es gibt immer die Zukunftsvision, und daraus abgeleitet im zweiten Teil die Texte. Dann müssen wir aber in den nächsten 3,4 Jahren das das und das in dem und dem und dem Tempo umsetzen, damit das klappt und damit auch wieder wirklich eine konkrete Handlungsanweisungen zu haben für jeden für heute.

Stefanie
Ja, dann bedanke ich mich nochmal ganz herzlich, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast, und ich bin mir sicher, dass es viele Menschen inspiriert und viele Hörer:innen jetzt sagen, ja, Zukunftsbilder, da will ich mitmachen. Alle Links dazu findest du in den Shownotes, liebe Hörerin, lieber Hörer. Und dann noch einmal ganz herzlichen Dank an dich, Friedrich, dass du dabei warst. Es war ein schönes Gespräch.

Friedrich Bohn
Sehr gerne, es war mir eine Freude.

Folge 267 - Im Gespräch mit Dr. Gregor Hagedorn über eine klimagerechte Zukunft

Ein Beitrag

Folge 267 - Im Gespräch mit Dr. Gregor Hagedorn über eine klimagerechte Zukunft

Links zur Folge

Raumschiff Erde – Tipps für die Besatzung | Gregor Hagedorn | TEDxUniPotsdam
https://yewtu.be/watch?v=fB3BLEsTBi0

Unsere Welt in Zahlen [EN]
https://ourworldindata.org/

Daten zur Biodiversitätsfrage [EN]
https://ourworldindata.org/wild-mammals-birds-biomass

350.org - Bewegung gegen Kohle, Öl und Gas
https://350.org/

Kurze Foliensätze und Screencast-Videos von Wissenschaftler*innen zu bestimmten Aspekten aus den Themenbereichen Klima, Biodiversität, Energiewende, Verkehrswende, und Sozio-ökologische Transformation.
https://de.scientists4future.org/s4f-spotlights/

Planetary Boundaries [EN]
https://invidious.sethforprivacy.com/watch?v=8Sl28fkrozE

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Ich freue mich sehr, dass ich heute wieder einen Gast habe im Podcast und zwar Doktor Gregor Hagedorn von den Scientists for Future und falls unsere Hörer·innen dich noch nicht kennen, würde ich dich einmal bitten, dich kurz vorzustellen.

Dr. Gregor Hagedorn Ich freue mich, hier zu sein bei dir. Ich bin Gregor Hagedorn, ich arbeite am Museum für Naturkunde in Berlin als Wissenschaftler zu Themen von Biodiversität, Nachhaltigkeit und Bio-Informatik, also Daten, Vernetzung und ja, ich habe vor 3 Jahren die Scientists for Future mit anderen zusammen gegründet. Ich habe damals rum gefragt, wir müssten doch was tun. Und dann entstand dort eine kleine Arbeitsgruppe.

Stefanie Und wir hatten vorab so ein bisschen per E-Mail ganz kurz hin und her geschrieben, und ich hatte mir einen Ted Talk von dir angeschaut, den ich auch verlinken werde, hier unter der Folge, und so hatte ich das Gefühl bekommen, es ist besser wir nehmen nochmal eine Podcastfolge auf, weil ich dachte das worüber wir uns unterhalten, wird die Hörer·innen auf jeden Fall auch interessieren.

Ich hatte mir 2 Passagen aus unserem E-Mail-Wechsel rausgeschrieben. Du hattest die Frage gestellt: "Wie kämpfen wir für bessere Welten, in denen nicht alles gut sein wird, sondern manches auch schlechter, unbequemer, weniger verfügbar als heute?" Und ich hatte ja vorher gesagt, ich möchte gerne Geschichten erzählen, positive Geschichten darüber, wie alles gut wird. Daraus ist das also so entstanden und da war so ein bisschen das "stimme ich dem zu, stimme ich dem nicht zu" und ich dachte daraus können wir gut ein Gespräch spinnen.

Also wäre die Frage ja wie könnte denn unser Alltag in einer klimagerechten Zukunft aussehen? Also was denkst du, weil du ja sagst, dass vieles oder manches auch eben schlechter werden kann? Also wie wird das dann aussehen?

Dr. Gregor Hagedorn Ich glaube, wir werden einen normalen Alltag mit einem guten Leben gestalten können. Der Alltag wird anders sein und er wird an einigen Stellen reicher seien, an einigen Stellen auch unbequemer. Das muss man meiner Ansicht nach eben auch einfach aussprechen. Er wird Gewohnheitsänderungen mit sich bringen und nicht alle Gewohnheiten, die wir haben, sind ja unbedingt gut.

Also wir wissen unsere Ernährungsgewohnheiten sind alles andere als gesund. Sie tragen nicht zu einem guten Leben bei. Mhm. Viele kämpfen damit auch mit Ernährungsgewohnheiten. Und wenn jetzt von außen irgendwie was kommt und gesagt wird ja, das geht halt jetzt nicht mehr so häufig, dieses momentane Lieblingsgericht, dann wird man sich umstellen und dann wird man neue Lieblingsgerichte finden.

Na also ein ganz typisches Beispiel ist der Fleischkonsum. Wir leben in der Welt derzeit mit 7,8 Milliarden Menschen. Das sind sehr viele. Diese 7,8 Milliarden werden, bis 2050 kann niemand genau sagen, aber schätzungsweise so zwischen 10 und 12 Milliarden Menschen werden, das heißt, wir packen da jetzt nochmal 50% drauf und das ist gar nicht so bedrohlich, wie das vielleicht klingt, weil das klingt so, als würde das explodieren, aber das ist tatsächlich schon eine Annäherung anstatt an mögliche Stabilität. Ganz klar: das kann schiefgehen mit der Bevölkerung, das kann im Bereich von 10 - 12 Milliarden Menschen auch gut gehen, dass sich das dort stabilisiert.

Wenn diese Menschen jetzt unsere derzeitigen Ernährungsgewohnheiten haben, dann können wir die Sache mit Klima, Biodiversitätsschutz, Erhaltung unseres Naturerbes komplett vergessen. Wenn die Menschen jetzt noch, was momentan ganz stark der Fall ist, wenn also viele Länder, die sich bisher anders ernährt haben, jetzt versuchen, sich so zu ernähren, wie sie das bei sich im Fernsehen, wenn sie Derrick oder andere deutsche Fernsehsendungen sehen oder Tatort, die sehen ja auch manchmal was modernes ne, sehen, wenn die das nachahmen wollen und wenn die den europäisch-amerikanischen Ernährungsstil aufnehmen wollen, dann führt das in die Katastrophe.

So wenn wir das jetzt gerecht verteilen, wenn wir die vorhandenen Flächen versuchen, besser zu nutzen. Wir brauchen Flächen für die Ernährung der Menschen, wir brauchen Flächen für die für die Erzeugung von Energie, also zum Beispiel Windkraft, Freiland, Solar und ähnliches. Wir brauchen sehr viel mehr Flächen als wir bisher haben für die Erhaltung der Biodiversität. Im Moment holzen wir immer noch die tropischen Wälder in einem atemberaubenden Tempo ab und zerstören das Menschheitserbe eben. Wenn wir diese Flächen umwidmen, dann kann das die einzige Lösung, die ich und viele Kolleg·innen kennen.

Und das bedeutet halt ja höchstens noch ein Viertel so viel Fleisch wie im Moment. Jetzt zum Lebensstil, was bedeutet das? Ja, ist das ist das ein trauriges Leben, wenn ich nur noch ein Viertel so viel Fleisch esse, die früher jetzt im Durchschnitt der Bevölkerung? Nein, würde ich nicht sagen, aber es ist vielleicht schon ein Leben, wo ich Lust auf Schnitzel hab und schade: heute nicht.

Aber das ist kein schlechtes Leben, das ist ein anderes Leben, das Leben mit Einschränkungen. Das gleiche gilt für Mobilität. Kein Mensch hat Lust, seine Kinder mit dem Elektro-Lastenrad im Regen zum Kindergarten zu bringen. Das Auto ist einfach besser, das Auto ist wasserdichter, es hat eine bessere Klimaanlage, es riecht vielleicht auch besser. Das fördert aber auch Herzkrankheiten natürlich nur, wenn man sich nicht bewegt, also das meine ich damit, dass man nicht einfach nur sagen kann, es wird alles bequemer, besser und alles ist verfügbar, aber wir werden mit ein bisschen kämpfen, ein Leben schaffen, wo wir sagen, da sind wir glücklich, da bin ich fest von überzeugt.

Stefanie Das heißt, es geht jetzt in erster Linie um unsere Gewohnheiten auch, also was wir jetzt hier in der westlichen oder global nördlichen Welt eher gewohnt sind.

Dr. Gregor Hagedorn Ich beziehe das jetzt wirklich auf unser Leben in Deutschland, weil ich denke, das ist jetzt von den Zuhörenden das, wo wir am meisten engem Bezug zu haben. Also wenn wir jetzt sozusagen auf die andere Seite gehen, dann ist die Veränderung des Lebens, dass Menschen, die in großer Armut leben und die sich in der Familie eine Zahnbürste teilen und die das Fahrrad vom Nachbarn leihen, dann selber ein Fahrrad in der Familie haben und jeder hat eine Zahnbürste. Und sie haben Zugang zu Elektrizität, der es ihnen und ihren Kindern ermöglicht, nach 6:00 Uhr abends noch Schulbücher zu lesen und zu lernen. Für solche Menschen sind das weltumbrechende gigantische Wohlstandsfortschritte. Also das wäre jetzt so das andere Extrem, um das mal kurz so anzusprechen.

Ich glaube, wir haben alle das Bedürfnis, eigentlich nicht auf Kosten von anderen zu leben und so richtig zu sagen „Ihr seid scheiße und ihr gehört in den Dreck“. Da gibt es ganz wenige Menschen in Deutschland, die das nicht unterschreiben, wenn man drüber nachdenkt. Aber das in die Praxis umzusetzen ist unglaublich schwer. Natürlich. Also ich finde ein gutes Beispiel, wo es noch schwieriger wird als die Beispiele, die ich gerade geschildert habe, bei Mobilität und Ernährung ist einfach Wohnraum. Also jetzt wieder auf Deutschland bezogen.

Wenn ihr euch überlegt, ihr habt unter Umständen gar nicht so viel Wohnraum pro Kopf. Vielleicht seid ihr Student·innen und lebt auf acht Quadratmetern. Aber ihr kennt höchstwahrscheinlich viele Menschen, die alleine auf 160 und mehr Quadratmetern leben. Und insgesamt nimmt in Deutschland der Wohnraumbedarf pro Kopf seit Jahrzehnten immer weiter zu. Könnt euch mal überlegen, wo ihr denkt, wie viel tatsächlich Quadratmeter pro Kopf momentan wir haben. Sprecht mal irgendeine Zahl aus, jetzt hier als Zuhörende, nur um euch festzulegen. Ich weiß, das ist schwer. Es ist eine Raterei. Man muss ja auch nicht richtig sein. Aber einfach so, um zu sagen: was schätze ich denn selbst? Magst du, Stefanie, dich trauen?

Stefanie Also ich bin mir nicht ganz sicher, aber so 40 - 50 Quadratmeter würde ich schon schätzen. 20 bis 25 qm wäre das, was eigentlich verträglich wäre. Deswegen würde ich das sagen.

Dr. Gregor Hagedorn Ja, du bist total gut informiert. Es sind 47 Quadratmeter pro Person im Durchschnitt. Da bist du ganz nah dran und das ist einfach viel. Und vor allen Dingen es hat zugenommen und sowas führt dann dazu, dass wir seit 30 Jahren Energie sparen und Häuser dämmen und effizientere Heizungen einbauen. Wir haben echt viel gemacht. Das hätte sehr viel bringen können. Aber wenn wir gleichzeitig natürlich die Quadratmeterzahl pro Kopf drastisch erhöhen, dann bleibt nur noch ganz wenig Einsparung. Tatsächlich, über das meiste von den Erfolgen, die wir in den letzten Jahren hatten, haben wir durch mehr Konsum von Quadratmetern pro Person einfach „verfrühstückt“. Das haben wir nicht in Naturschutz, nicht in Klimaschutz, nicht in Nachhaltigkeit, nicht in globale Gerechtigkeit gesteckt, sondern in uns selbst reingefressen. Und das ist so was, wo ich dann sage, Ja, man kann schon mit weniger Quadratmetern pro Person auskommen.

Aber da jetzt deine Eingangsfrage: Wir kommen nicht zu einem Erfolg, wenn wir die Erzählung verstärken, wir werden nur Dinge tun, bei denen es nachher allen besser und bequemer geht. Wir müssen uns überlegen, mit welchen Maßnahmen kommen wir in einer gerechten Weise? Das bedeutet, dass Menschen, die sehr viel Wohnraum haben, mehr abgeben müssen und dass Menschen, das gibt es ja auch, Familien mit drei Kindern, die auf 40- 50 Quadratmetern leben, in Städten, die geben keinen Wohnraum ab. Also dass der durchschnittliche Wohnraum gerechter verteilt wird und auch familienfreundlicher verteilt wird. Wenn wir da die Regeln ändern, dann werden Menschen einen nicht nur gewohnheitsmäßigen Komfort - ich finde, das ist ein absoluter Komfort, wie viel Platz ich habe, wie viel Raum ich nutzen kann, wie viel Raum ich gestalten kann, als Wohlfühlraum, als Schönheitsraum in meiner direkten Lebensumwelt.

Wie viel Aufwand ich zum Beispiel betreiben muss, um mit Freunden ein großes Fest zu machen, habe ich dafür ein Wohnzimmer von 40 Quadratmetern in meinem Einfamilienhaus, das ich sonst nur wenig nutze, aber was ich einfach schätze, weil ich jederzeit irgendwie zehn Freunde zu einer Party einladen kann. Oder gibt es dafür Gemeinschaftsräume, im Dorf, im Stadtteil, im Wohnblock oder so, wo ich dann mehr Aufwand betreiben muss? Das heißt, ich muss gucken, wann kann ich diesen Raum kriegen, wann kann ich meinen Termin legen? Wer ist dran? Es gibt Buchungen dafür und Ähnliches. Also das meine ich mit: die Welt wird anders werden.

Aber diese andere Welt schenkt uns ja auch unheimlich viel. Und für mich persönlich, das was ich mir am meisten wünsche, was mir diese Welt schenkt, ist mehr Gerechtigkeit, mir sicherer zu sein, dass diese Welt gerechter ist. Ich brauche gar nicht das Gefühl, dass alles 100 % gerecht ist, weil 100 % gerecht ist auch wieder ungerecht. Wenn du also für 100 % Gerechtigkeit, für jeden Schritt, den du machst, irgendwie 200 Seiten Formular ausfüllen musst, dann wird auch ganz bestimmt sichergestellt ist, dass nicht irgendwo was schiefgeht. Das ist auch ungerecht, weil das kannst vielleicht du und jemand anders nicht. Aber ich finde schon unsere Welt ist belastend, ungerecht. Sie ist belastend, ungerecht, global. Sie ist belastend, ungerecht innerhalb unserer Gesellschaft, innerhalb unseres Landes. Sie ist vor allen Dingen, was mich und uns ja besonders bewegt, belastend, ungerecht, dass wir so krass im Luxus auf Kosten unserer eigenen Kinder leben, dass wir das, was wir denken, was uns zusteht, dass das uns gar nicht zusteht, dass das auf Pump geschieht, dass wir die Schulden auflaufen lassen.

Und das ist, glaub ich, durchaus etwas, was vielen Menschen bewusst ist, was viele Menschen spüren und hören und dann verdrängen müssen, weil sie es in ihrem Leben nicht umsetzen. Und ich finde so einen Gewinn, den muss man auch mal benennen, also einen Gewinn, dass man diese Verdrängungsarbeit, diese Angstarbeit, diese Schuldarbeit nicht mehr leisten muss, weil man weiß, das läuft gesellschaftlich, das läuft nicht, weil ich mich aufopfere und weil ich irgendwo gegen den Strom schwimme. Und der Strom wird immer reißender und ich werde immer kraftloser usw, sondern es läuft deshalb, weil der Strom in die richtige Richtung führt und ich mit dem Strom schwimmen kann und von Zeit zu Zeit ans Ufer krabbeln kann und mich mal auf den Rücken legen und ausruhen kann und dann weiter schwimme.

Für diese Welt, glaube ich, werden viele Menschen auch bereit sein, solche Einschränkungen, echten Einschränkungen wie zum Beispiel bei Wohnraum hinzunehmen. Dass Wohnen komplizierter ist, dass Wohnen aufwendiger ist, dass Wohnen insbesondere wenn man mit Kindern lebt, wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, ist es eine totale Zumutung, dann zu sagen okay, ich muss mich jetzt verkleinern. Da kann man dann irgendwie so ein paar Jahre Kulanz haben, aber dann wird es wahrscheinlich richtig teuer und das ist schon eine Lebenszumutung, finde ich. Aber diese Lebenszumutung, die muss man dann aufwägen gegen die guten Sachen. Ja, das ist meine Geschichte in dem Zusammenhang von: es wird nicht einfach immer alles besser und versprecht den Leuten nicht das Blaue vom Himmel.

Stefanie Wenn wir jetzt uns einfach erlauben zu träumen, was sagt denn die Wissenschaft, was es da für Grenzen gibt? Also Beziehungsweise was für Leitplanken? Vielleicht auch, worauf wir achten müssten. Also jetzt eher nicht so das Soziale, sondern im Hinblick auf den Klimawandel, also Dürren oder weniger Land steht zur Verfügung. Oder es wird immer heißer oder immer kälter oder was auch immer. Kannst du dazu noch was sagen?

Dr. Gregor Hagedorn Ja, also erst mal finde ich auf deine Frage das noch mal aufzumachen, kurz über Klimawandel hinaus. Es gibt ja dieses Konzept der planetaren Grenzen, also unser Planet hat natürlich ganz viele Grenzen und die Wissenschaftler, die daran arbeiten, identifizieren dann einige dieser Grenzen und sagen, die heben wir jetzt besonders hervor. Da sind Sachen bei, bei denen wir momentan im grünen Bereich sind, zum Beispiel bei der Ozonbelastung der Atmosphäre. Das war ja wirklich ein fantastischer, internationaler Erfolg durch internationale Abkommen, dass dieser Ozonlöcher dann tatsächlich jetzt wieder sich stark reduzieren. Das Problem ist nicht für alle Zeiten einfach weg. Es muss weiter bearbeitet werden. Aber da sind wir richtig schön im grünen Bereich.

Und dann gibt es andere Sachen, da sind wir im gelben Bereich. Das ist erstaunlicherweise das Klima. Das Klima ist im kritischen Bereich, aber im gelben Bereich. Und es gibt Dinge, die sind im roten Bereich und die haben viele Menschen gar nicht auf dem Schirm. Das ist so, wir überschreiten dort die planetaren Grenzen in drastischem Ausmaß, ohne dass es öffentlich diskutiert wird. Das ist zum Beispiel die Biodiversität, also das Artensterben. Das ist im tiefroten Bereich. Das ist aber zum Beispiel auch unsere Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, also wie viel Stickstoffdünger und Phosphat wir einsetzen. Das ist im tiefroten Bereich. Wir sind weit jenseits dessen, was die geologischen Kreisläufe dort integrieren können. So, und Bodenverluste wäre für mich noch, das steht tatsächlich auf diesen Grenzen nicht drauf. Aber Bodenverluste, Bodenerosion, Abnahme von Bodenfruchtbarkeit von natürlicher Bodenfruchtbarkeit wäre für mich ein total bedrohliche, planetare Grenze, angesichts dessen, dass wir eine wachsende Erdbevölkerung ernähren wollen, jetzt speziell fürs Klima.

Das Klima hat schon viele, viele Umbrüche, und das merken wir auch, dass diese Umbrüche nicht nur sich anschleichen, wie diese kleinen Gradzahlen von wir haben jetzt 1,2 Grad Erderhitzung und könnten in den nächsten Jahren bereits erstmalig und einmalig 1,5 Grad überschreiten. Das ist nicht das gleiche wie die Überschreitung der Pariser Grenze, weil dies im langjährigen Mittel gedacht, aber einmalig ein Jahr mit 1,5 Grad Erderhitzung zu haben ist schon. Es wird mir ganz flau im Magen, dass das so schnell geht. Ich hätte das vor vier Jahren nicht gedacht, dass das bis zum Ende des Jahrzehnts schon passieren kann. Die Sachen kommen unerwartet und so brutal katastrophal leicht. Es schleicht sich nicht an, es sind keine Sachen, wo man sagen kann: Na ja, jetzt ist ein bisschen mehr und die nächsten zehn Jahre passen wir uns daran an, sondern plötzlich sind Dinge da, mit denen man nicht gerechnet hat. Plötzlich sind diese gigantischen Hitzewellen in den USA an der Westküste da, wo sich praktisch der Wald selbst entzündet und wo die Feuer überhaupt nicht zu löschen sind. Wir haben zunehmend Feuer in Deutschland.

In Deutschland merkt man es ein bisschen. Aber es könnte in Deutschland irgendwann ein Sommer kommen, bei dem wir irgendwie alle verwirrt vor den Twitternachrichten und Fernsehern sitzen und denken Wow, wieso denn jetzt schon? Also es ist eher so was wie die Ahrtal-Katastrophe, die natürlich auch verschiedene Ursachen hat, die auch hätte natürlich sein können. Sie hat bloß aufgrund des Klimawandels eine sehr hohen Anteil dessen, was die Erderhitzung dazu beigetragen hat, dass sie viel, viel wahrscheinlicher ist. Man kann nicht sagen, Ahrtal kann nur mit Klimawandel passieren. Aber Klimawandel, Erderhitzung hat die Ahrtal-Überflutung einfach sehr viel wahrscheinlicher gemacht, als sie vorher gewesen war. Na ja, und dann sind plötzlich in einem winzigen Tal Deutschlands so viel Werte vernichtet, so viel Menschenleben vernichtet, aber auch so viel Wiederaufbauaufwand, dass man davor, wenn man dieses Geld vorher in ein klimaneutrales Stromsystem gesteckt hätte - da hat man vorher gesagt: so viel Geld haben wir doch gar nicht, das können wir uns nicht leisten.

Ich finde, in Deutschland werden wir es spüren. Aber global wird das noch sehr viel deutlicher sein. Das klingt so ein bisschen harmlos, wenn Wirbelstürme häufiger werden. Aber mein Beispiel ist, wenn alle 20 Jahre dir dein Wirbelsturm dein Dach kaputt macht, da wo du wohnst, dann fluchst du vielleicht und reparierst das Dach oder lässt ein neues Dach drauf machen und die Wirtschaft ist schon drauf eingestellt, dass die Dächer dann noch bezahlbar sind, um alle 20 Jahre wieder, nachdem es abgedeckt wurde, neu gemacht zu werden. Da kann man dann leben. Wenn das gleiche jedes Jahr passiert, dann ist die Gegend quasi unbewohnbar. Also allein die Tatsache, dass was häufiger passiert, kann, kann den Unterschied machen zwischen „ich kann da leben“ und „ich kann da nicht leben“.

Die Frage wie Landwirtschaft, wie unsere Ernährung weiterläuft angesichts von Dürren, angesichts von Stark-Wetterereignissen, wie zuverlässig können wir die Menschen ernähren? Wir haben keine Nahrungsmittelreserven für die Menschheit, für ein tatsächliches globales Ausfalljahr oder ein globales Reduktionsjahr. Es gibt ein paar Länder, die Nahrungsmittelreserven haben. China zum Beispiel. Die Chinesen sind wirklich sehr bedacht darauf, ihre Bevölkerung abzusichern. Aber es ist eines der ganz wenigen Länder, die ausreichende Nahrungsmittelreserven haben. In Deutschland reicht das für ein paar Wochen. Ein Ernteausfall ist hier nicht möglich. Aber es ist auch nicht, solange das nicht global kommt, solange sich das ausgleicht, solange in Europa eine Fehlernte ist und in Argentinien eine wunderbare Ernte. Oder Brasilien, dann kann man diese Sachen ja auch ausgleichen. Aber die Frage, ob durch den Klimawandel dann global es zu Unsicherheiten kommt, dass Dinge, dass Ereignisse zusammenfallen, weil sie einfach immer häufiger kommen und dann zusammenfallen, daraus können sich alleine Katastrophen ergeben, die zu Kriegen, Bürgerkriegen und ähnlichem führen können.

Stefanie Ja, denkst du denn, dass es dann in Zukunft zu Verteilungskämpfen kommen wird?

Dr. Gregor Hagedorn Also wir leben in einer Welt, in der wir Verteilungskämpfe haben. Wir leben in einer Welt, in der es viele Kriege gibt, nicht erst seit dem Überfall der Russischen Föderation auf die Ukraine, sondern wir leben in einer Welt, in der es langjährige Kriege gibt, in der Menschen, in der Kinder in Afghanistan verhungern, in Kriegen, in Bürgerkriegen, in Jemen, in Äthiopien, Eritrea. Ich habe gar nicht die komplette Liste im Kopf. Es gibt Verteilungskämpfe auf der ganzen Welt. Es gibt ja auch so High Level Verteilungskämpfe. Wer schafft es noch mehr Fluchtgrundstücke in Neuseeland zu kaufen als Superreicher? Falls der Rest der Welt untergeht, weil man es mit dem neoliberalen Finanzkapitalismus übertrieben hat. Aber es gibt viele, viele Länder, in denen es ganz erhebliche, auch existenzgefährdende Verteilungskämpfe um Nahrung und Ähnliches gibt. Und die Frage ist dann eigentlich wie sicher sind wir in unserer Festung Europa? Ich glaube, das ist so ein in uns eingebauter Mythos, dass uns in Europa schon nichts passieren kann. Ich glaube, viele Menschen haben in Deutschland in den letzten Jahren gemerkt: Ganz so ist das nicht. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass ich immer, wenn ich was kaufen will, einfach zur Not einen Supermarkt weiter fahre und es dann bekomme.

Wenn es keine Masken gegen Covid gibt, dann gibt es keine Masken gegen Covid. Die gibt es gerade auf der ganzen Welt nicht. Und die kamen dann ja irgendwann. Aber zwischendurch war mal nichts da. Und wenn irgendwas knapp wird, dann versuchen alle Leute sich einen Vorrat anzulegen. Das wird so als Hamstern bezeichnet, aber ich finde das eigentlich eine ganz natürliche Reaktion. Also nachdem wir tatsächlich kein Klopapier mehr hatten, haben wir auch versucht, ein dreifaches Klopapier auf Dauer dann zu haben, um nicht gleich wieder in derselben Situation zu sein. Also Hamstern ist, wenn ich mir irgendwie 20 solche Achterpakete hinlege. Das empfinde ich als Hamstern. Aber wenn ich dann irgendwie dreimal acht ganz gerne im Vorratsschrank habe, weil ich einfach erlebt habe, dass ich eine Woche kein Klopapier hatte, dann finde ich das eigentlich als ein sehr vernünftiges Verhalten.

Und so was macht dann aber natürlich die Versorgungsketten instabil. Es gibt Untersuchungen, dass wenn wirklich Menschen Angst bekommen, dass die Supermärkte gewöhnlich nach 1 bis 2 Tagen leer sind, dann gibt es nichts mehr zu essen und das hält dann auch eine Weile. Das heißt nicht, dass es dauerhaft ist, aber das ist dann krisenhaft. Wenn es also jetzt tatsächlich zu Nahrungsmittelmangel käme global, dann bin ich mir nicht mehr so sicher, dass in Deutschland uns das nicht betreffen würde. Das war definitiv während des Arabischen Frühlings so, da konnten wir in Europa einfach den ärmeren Ländern die Nahrungsmittel wegkaufen und wir haben gar nichts gespürt und die haben es doppelt gespürt. Dazu kamen dann noch Spekulanten, die das angetrieben haben und alle möglichen anderen unschönen Dinge. Aber ich glaube, wir dürfen uns in Europa auch auf den Erfahrungen von Covid-19 und auf den Erfahrungen jetzt des Krieges in der Ukraine nicht zu sicher sein. Es ist ungesund, sich zu sicher zu sein, dass uns das schon nicht betreffen würde.

Wir haben uns total abhängig gemacht von russischem Erdgas und dieses Erdgas ist, wie wir jetzt gerade feststellen, auch ganz unabhängig vom Klima, nicht ersetzbar. Es gab immer schon Menschen, die gemahnt haben. Ich fand das eine hohe, große Leistung der Grünen, dass sie damals, als die Speicher an Gazprom übergeben wurden, tatsächlich eine parlamentarische Anfrage gestellt haben, wie es denn mit der nationalen Versorgungssicherheit aussähe. Damals hat die CDU dann geantwortet, dass das kein Problem sei und der Markt das ja regeln würde. Aber man muss diese Gedanken mitdenken. Ich glaube, wir sind global bessere Partner für andere Länder, wenn wir verstehen, dass wir selber auch verletzlich sind.

Und ob es zu Verteilungskämpfen in Deutschland kommt? Manchmal habe ich vor so etwas Angst, dass das passieren könnte. Ich würde nicht sagen, das muss kommen. Ich würde nicht sagen, das ist hochwahrscheinlich. Die Zivilisation muss zusammenbrechen. Aber es ist ein bisschen so wie wenn man als normaler Mensch Handlungen, Dinge, die nötig sind, verschiebt. So ein bisschen Verschieberitis haben die meisten von uns, denke ich. Ich habe es definitiv. Und da muss man immer mit ein bisschen arbeiten und gucken, dass man die Verschieberitis nicht selbstständig werden lässt. Weil wenn man ein bisschen Verschieberitis hat, dann muss man sich zusammenreißen und arbeitet nach und dann läuft das alles, wenn man es übertreibt, wenn man irgendwie vier Jahre Studium mit maximal Verschieberitis begangen hat und die Prüfungen kommen, dann fährt man gegen eine Wand. Das heißt, es ist nicht eine Frage der einzelnen Aufgabe, ob einzelne Aufgaben lösbar sind.

Also all diese Änderungen unseres Lebensstils, die wir zu Anfang besprochen haben, die Änderung des Energiesystems, die Energiewende, die Ernährungswende, die Agrarwende, wie wird Nahrung angebaut, mit welchen Zerstörungen in Boden und Natur? Die Frage, wie ist unser Finanzsystem aufgebaut? Wie können wir Korruption verhindern? Wie ist unser Sozialsystem aufgebaut? All diese Reformen, die wir tun müssen. Wie ist unser Gesundheitssystem aufgebaut? Ganz aktuelles Beispiel noch und mehr. Ich könnte jetzt fortfahren. Ich will diese Liste nicht als abschließend bezeichnen. All diese Reformen sind meiner Ansicht nach alle machbar. Sie sind machbar, wenn man ein bisschen sagt, es muss jetzt sein, das Verschieben hat ein Ende. Wir sehen, es ist dringend. Das kriegen wir jetzt hin. Und parallel dazu kriegen wir andere Dinge hin. Du machst das, Ich mach das. Wir krempeln die Ärmel hoch und machen das.

Aber es kann in den Zustand treten, wo man so viel verschoben hat, dass eigentlich alle vorhandenen Kräfte dann überfordert sind. Und das ist dann der Unterschied zwischen einer Krise und einer Katastrophe. Ich spreche ganz bewusst von Klima- und Biodiversitätskrise oder allgemeiner noch von einer Nachhaltigkeitskrise. Krise bedeutet, die Aufgaben sind sehr groß und die Zeit ist sehr knapp. Das ist krisenhaft. Krisen sind aber bewältigbar. Nicht zu 100 % perfekt vielleicht. Aber Krisen sind bewältigbare Ereignisse, wo man dann aus dem Krisenmodus wieder zurück in einen Normalmodus schalten kann, wenn man vielleicht auch nur 80 % bewältigt hat in ungewöhnlich schneller Zeit. Aber wenn man das nicht tut, dann ist irgendwann die Zeit so knapp geworden und die Herausforderung so groß, dass es zu einer Katastrophe kommt. Und aus diesen Katastrophen entstehen meiner Ansicht nach zwangsläufig Kriege zwischen Staaten oder Bürgerkriege innerhalb von Staaten. Weil bei einem Zusammenbruch von Versorgung ist das historisch die unvermeidbare Reaktion darauf. Aber ich will das nicht herbeireden. Ich will bloß sagen: Gedanken machen sollte man sich darüber.

Stefanie Und wo du jetzt gerade so eine schöne Überleitung gebracht hast: Was müssten wir denn jetzt tun als Gesellschaft? Auch um, Du hattest das in deinem TED Talk „Raumschiff Erde“ genannt, um da jetzt eine Wende herbeizuführen. Also was müssten wir tun, um diesen Wandel einzuleiten? Was wäre die gemeinschaftliche Anstrengung?

Dr. Gregor Hagedorn Schneller werden? Also sicherlich viele Elemente. Du hattest meinen TED Vortrag angesprochen. Es gibt so viele Gedanken, aber ich habe versucht - ein TED Vortrag darf nur 18 Minuten dauern. Das ist eine Herausforderung. Ich fand das auch sehr spannend, das vorzubereiten und zu sagen: Eigentlich würde ich jetzt gerne drei Stunden reden, Was tue ich denn jetzt in 18 Minuten rein? Das war ein bisschen ein Versuch von mir, die große Leitlinien zu machen. Also ganz viel brauche ich, brauchen wir Gespräche untereinander, um unsere eigene Situation zu reflektieren, um das, was wir gerade besprochen haben, also wir leben auf Pump aus diesem Auf auf Pump Leben folgt, dass man auch zu Einschnitten bereit sein muss. Einschnitte bedeutet nicht, dass es ungerechter werden muss, sondern wir wollen, dass es trotz Einschnitten gerechter wird. Es ist teilweise unvermeidlich, weil sonst kommt es zu Unruhen, wir sehen das momentan, wie das die Gaspreise in die Höhe treibt.

Dann gibt es einfach Menschen, die können sich im Winter heizen überhaupt nicht mehr leisten und die haben ein Recht darauf, dann ihre Grundbedürfnisse erfüllt zu sehen. Das geht nicht ohne eine gerechtere Verteilung der Ressourcen. Ich glaube eine wichtige Sache ist, dass wir auf die Dosis achten. Mein Eindruck ist, dass wir in den letzten Jahrzehnten uns ein bisschen abgewöhnt haben, auf Wirksamkeit zu achten. Also, wie viel brauche ich denn? Wir haben so eine Kultur entwickelt der Freude über Fortschritte. Also das ist ja auch was Positives, dass wenn man das Schöne, den Fortschritt in den Vordergrund rückt und sich darüber dann gemeinsam freut, bin ich durchaus dabei. Aber gleichzeitig, wenn man nicht guckt und wo muss ich hin, dann kann das leicht ihn in Probleme führen.

Ich stell mir jetzt vor, Stefanie, du bist jetzt eine Unternehmerin, die produziert ein ganz nachhaltiges Produkt und das brauchen wirklich ganz viele Leute. Und du musst jetzt eine neue Fabrikhalle neben deiner existierenden bauen und du beauftragst einen Bauunternehmer und ihr schließt den Vertrag. Und jetzt kommt der Bauunternehmer jeden Tag zu dir und sagt: Es war ein toller Tag, wir haben ganz tolle Fortschritte gemacht. Und das geht dann irgendwie drei Monate so und wenn du jetzt nicht irgendwann mal fragst, sag mal, wie sieht denn das mit dem Fertigstellungstermin aus? Ist der denn sicher? Dann könnte es sein, dass dein Unternehmen irgendwann pleite ist, weil der Bauunternehmer bisher nur 1 % der Arbeit gemacht hat. Jeden Tag tolle Fortschritte, aber nicht quantifiziert. Also die Dosis macht die Wirkung und wir achten zu wenig auf die Dosis. Wir achten gesellschaftlich zu wenig auf die Dosis.

Wir sind sehr qualitativ orientiert. Ist das nicht schön, dass es jetzt XY gibt? Ist es nicht schön, dass es jetzt irgendwo in Deutschland drei Reparaturshops für Elektrogeräte gibt? Das ist schön. Aber es ist keine Dosis. Ich muss das in Beziehung setzen zu dem, was tatsächlich die notwendige Größe ist. Ja, dann als nächsten Punkt. Wir haben so viele Aufgaben, wie ich gerade gesagt habe. Wir haben echt viele Dinge parallel zu tun und die werden wir nicht schaffen, indem wir eins nach dem anderen in sämtlichen Talkshows Deutschlands durchdiskutieren und versuchen, die Expertenlösung im Fernsehen zu finden. Den Expert·innen muss man auch als Expert·innen vertrauen, die muss man politisch kontrollieren. Das ist richtig. Aber wenn wir nicht arbeitsteiliger werden, das heißt, dass wir sagen, Du machst dies, ich mach jenes, dann werden wir die Aufgaben, die wir haben, in der verfügbaren Zeit nicht bewältigen können.

Stefanie Was denkst du denn, welche Fähigkeiten wir entwickeln sollten, um wirklich in Zukunft klimagerecht zu leben?

Dr. Gregor Hagedorn Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, dass wir selber vor allen Dingen ein bisschen unser Denken ändern müssen. Das, glaube ich, kann jede und jeder machen. Also aus dieser völlig natürlichen, uns seit Jahrzehnten von Politiker·innen, Medien, Werbung suggerierten Anspruchshaltung, dass einem alles, was man irgendwie will, auch zustehen muss und dass das, an das man sich gewöhnt ist, ein Grundrecht ist. Also es gibt ein Grundrecht auf Mobilität, aber es gibt kein Grundrecht darauf, dreimal im Jahr in Urlaub zu fliegen, weil man einer gewissen Einkommensklasse angehört. Das ist ja nicht so, dass die Deutschen das tun, sondern die obersten 10 % tun das. Ich weiß die Zahl nicht genau, aber es ist nicht die Mehrheit.

Zu reflektieren, dass man als Mensch Bedürfnisse hat, aber dass es nicht automatisch ist, dass alle Bedürfnisse erfüllt werden müssen, sondern dass man das immer mit Rücksicht auf die anderen tut. Diesen Gedanken global zu verfolgen, zu wissen, wie andere Menschen leben. Zu wissen, dass es anders geht, dabei Hilfe auch bekommen zu können. Ich meine jetzt auch durchaus physische Hilfe. Wir hatten vorher über Wohnraum gesprochen. Ich glaube, einfach so eine organisierte Hilfe. Ich helfe dir jetzt, deinen Wohnraum zu verkleinern. Da kommen auch fünf starke junge Menschen an, die Kisten tragen und mit dir zusammen ganz geduldig Dinge durchsortieren, wenn du dich dazu psychisch nicht imstande fühlst, das alleine durchzustehen, Dinge auszusortieren und ähnliche Fragen, das meine ich mit Hilfe. Eine Bewusstseinsänderung, glaube ich, müssen wir alle machen, darüber hinaus, um ein gutes Leben zu führen.

Dieser Anspruch, dass nur die Allerklügsten, die so viel Zeit haben, sich in alle diese Fragen, die wir hier diskutieren, einzuarbeiten, dann ein gutes Leben führen können und ein klimagerechtes und biodiversitätsgerechtes Leben führen können, dem widerspreche ich quasi so ein bisschen. Ich will gar nicht so viel wissen. Ich bin durchaus zufrieden, wenn ich mich mit wissenschaftlichen Nerdfragen beschäftigen kann. Ich muss nicht für jedes Produkt wissen, was der CO2 Fußabdruck und der soziale Fußabdruck und so weiter ist. Ich möchte eigentlich, dass das geregelt ist, so wie wir andere Sachen auch regeln in unserer Gesellschaft. Ich möchte, wenn ich irgendein Produkt kaufe, nicht eine vollständige Produktliste haben und wissen müssen, welche Gifte da drin sind und welche Gifte ich akzeptiere und welche nicht, sondern ich möchte schlichtweg, dass klar ist, der Hammer, den ich kaufe, der ist so konstruiert, dass der Griff mich nicht vergiftet. Das ist die Sicherheit, die ich haben will. Das ist die Arbeitsteiligkeit, die ich haben will. Und genau dieselbe Sache will ich beim Klima haben.

Das heißt, wenn ich in einen Supermarkt gehe, möchte ich nicht wissen müssen, welcher Reis jetzt wie klimaschädlich angebaut ist, sondern ich möchte einfach ganz natürlich sagen: Wenn ich den günstigen Reis kaufe, dann ist das der klimafreundliche. Wenn ich aus irgendwelchen Gründen einen Spezialreis kaufe, der etwas klimaschädlicher ist, dann ist der ganz deutlich und erkennbar teurer. So einfach hätte ich gerne meine Welt, ohne dass ich zu viel wissen muss. Also da muss ich mich dann gar nicht so verändern. Da hilft mir quasi das Preisschild dabei, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Bei Reis ist vielleicht noch ein schlechtes Beispiel, aber ich kann mir zum Beispiel bei Kleidung das sehr gut vorstellen.

Das ist einfach, wenn ich nachhaltige Kleidung produziere, wenn die aus nachhaltigen Fasern ist, Fasern, die auch nachhaltig angebaut werden. Auch Baumwolle ist ja ein großes Problem im Anbau. Dann müsste klar sein, dass diese Kleidung die günstigere ist und dass die Kleidung, wo es einfach mein Traum ist, so schön auszusehen auf diesem Konzertabend. Und da geht man dann Kompromisse bezüglich der Nachhaltigkeit ein, dass das dann entsprechend ganz klar ist okay, das muss ich mir leisten können. Das ist nicht die billigere Variante, das ist die teurere. Und wenn es mir so wichtig ist, dann darf ich das auch mal machen. Dann darf ich auch mal etwas weniger klimafreundlich sein. Ich will keine totalkontrollierende Verbotsgesellschaft, aber ich will eine Gesellschaft, in der irgendwie klar ist: kann ich mir diesen Herzenswunsch leisten?

Stefanie Wobei es ja schön wäre, wenn der Standard einfach das wäre, dass es nachhaltig und sozial und alles das ist gar nicht mehr, wie es jetzt andersrum ist.

Dr. Gregor Hagedorn Aber es ist unglaublich komplex. Vielleicht noch ein einfaches Beispiel, wobei es bei Reis wirklich Klimaunterschiede gibt im Anbau, aber es ist vielleicht nicht das beste Beispiel, aber so Kleidung, da sind so viele Substanzen und Fasern und Färbeprozesse und Knöpfe und Sachen drin. Ich würde sagen, bei Kleidung kann man relativ klar sagen, unter Sozialstandards gehen wir nicht runter. Aber bei Kleidung kann man dann schon sagen okay, irgendwie, da gibt es Sachen, die sind mehr oder weniger nachhaltig und da kann man Grenzen ziehen. Aber ich würde innerhalb der Grenzen immer dafür plädieren, auch Toleranzspielräume zu lassen. Dann aber die Bepreisung, weil das kostet ja wirklich was. Das ist ja nicht eine Willkür des Staates. Also das ist ja genau der Punkt, in dem wir auf Pump leben, wenn wir die Sachen, die eigentlich viel teurer sein müssten, billiger machen, als sie sein müssten, zum Beispiel die ganzen fossilen Brennstoffe. Das ist die Sache, wo wir einfach sagen ja, gut, 10 % zahle ich, 90 % zahlen meine Kinder, also die sind wirklich so teuer, die macht der Staat dann nicht künstlich teuer, die sind in Wirklichkeit schon so teuer. Der Staat muss nur dafür sorgen, dass das durchgesetzt wird und dann funktioniert das auch.

Stefanie Vielleicht habe ich die Frage auch falsch formuliert. Mir ging es darum welche Fähigkeiten brauchen wir? Ich denke, es geht ja auch darum, dass wir wieder lernen, Dinge zu reparieren zum Beispiel. Also so ganz praktisch gedacht. Zum Beispiel hat meine Mutter früher noch Socken gestopft, mit so einem Stopfei so ein Holzteil und irgendwann ist dieses Holzei verschwunden und dann wurden die Socken einfach weggeschmissen, wenn die Löcher hatten und das ist ja eigentlich was. Da gehen wir mit den Ressourcen ja einfach nicht pfleglich um, weil wir denken, es ist alles so billig. Das heißt, wenn wir mit den Ressourcen wieder pfleglich umgehen lernen, dann wäre Dinge reparieren für mich eine Fähigkeit, die schon sinnvoll wäre zu erlernen, weil ich dann ja mit den Ressourcen wieder achtsamer umgehe. Und so in dieser Richtung, denkst du, dass es da Fähigkeiten gibt, die wir pflegen sollten, falls wir sie schon haben oder die wir wieder erlernen sollten?

Dr. Gregor Hagedorn Also die Ressourcenfrage wird dadurch entschieden, ob es repariert wird oder nicht und nicht dadurch entschieden, ob ich es repariere oder nicht. Das heißt, das ist erst mal ein systemischer Wandel, den wir benötigen. Also wir besteuern, wir verteuern Arbeit in unserem System extrem und die Importe, die Ressourcen und natur- und klimaschädlichen Importe, die sind extrem billig. Dadurch lohnt es sich nicht zu reparieren. Ich mach das nicht für Socken, aber ich habe das schon öfter für Kleidung gemacht, dass ich so irgendwie eigentlich unwirtschaftlich handele und Kleidung beim Schneider reparieren lasse, wenn der Reißverschluss kaputt ist. Eigentlich könnte man sagen: Ach, das lohnt sich doch nicht, kauf gleich was Neues. Da handele ich so ein bisschen gegen die Wirtschaftlichkeit und das ärgert mich jedes Mal. Es ärgert mich, dass ich irgendwie jetzt aus Überzeugung unwirtschaftlich handeln soll, weil der Staat ein System aufgebaut hat, das einfach gegen die Klima- und Biodiversitätsgerechtigkeit aufgestellt ist. Also ich glaube, die erste Sache ist tatsächlich überhaupt dran zu denken: Lasse ich das reparieren?

Die zweite Sache ist, das einzufordern, politisch und dafür zu sorgen: Reparatur muss immer billiger sein. Eine in gesamtgerechter Sicht geeignete Reparatur muss immer billiger sein als ein Neukauf, als ein zeit-anteiliger Neukauf. Und dann die zweite Frage, die du stellst: Eigentlich muss ich das können. Das ist eher eine Resilienzfrage, also eine Frage, wie gut kann ich das machen, wenn es mir mal schlechter geht, wenn mein Einkommen sehr schwankend ist. Mit einem Durchschnittseinkommen sollte man dann die Produkte vom Schneider reparieren lassen, weil das wahrscheinlich sehr viel effizienter ist und bessere Qualität hat und usw. Wenn ich sage, ich möchte das aber auf jeden Fall selbst können, dann ist das eher eine Frage: Wie selbstständig bin ich? Wenn niemand da ist, der mir das reparieren kann, wenn ich mir die Reparatur nicht leisten kann, wenn es zu gesellschaftlichen Verwerfungen und ähnlichem kommt. Aber das ist ein bisschen. Ich denke, das sind zwei verschiedene Motivationen, ob die Dinge repariert werden oder ob ich es reparieren kann.

Stefanie Okay. Und wenn wir noch mal so auf Kinder blicken, die in der Regelschule generell Dinge lernen nach einem Plan, der schon sehr alt ist. Würdest du da was ändern, dass du denkst okay, Kinder, die sollten am besten das, das und das lernen, um sich auf diese Zukunft vorzubereiten, die uns da erwartet.

Dr. Gregor Hagedorn Ja, ich denke schon. Das wird ja auch gemacht. Das wird überall gemacht. Ich habe zwei Kinder. Und es ist schon erstaunlich, was in Schulen passiert und was kreative Lehrer als Unterrichtsinhalte machen. Mein Sohn hatte als Unterrichtsinhalte in Englisch dann die planetaren Grenzen und dann haben sie alle den Film mit Johan Rockström geschaut und hatten dann die planetaren Grenzen unter sich verteilt und haben dann Vokabelarbeit dazu gemacht und darüber diskutiert. Das kann man im Englischunterricht machen. Fand ich echt toll, wie kreativ man sein kann. Aber genau das, was ich vorher sagte: Es ist eine Frage der Dosis. Gemacht wird es. Es wird überall über Bildung für nachhaltige Entwicklung gesprochen. Es gibt Nachhaltigkeitsschulen, BNE-Schulen, es gibt viele Schulveranstaltungen dazu, aber viele Lehrer·innen sind einfach auch an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit und sagen: Ja, finde ich toll, aber bei mir ist einfach kein Platz mehr da. Ich bin kurz vorm Burnout. So geht es nicht.

Das heißt, es muss kontrolliert sein. Es muss vom Aufwand her möglich sein. Es muss dann auch gefordert sein, wenn es möglich ist. Aber man kann nicht einfach sagen: Jetzt macht das mal alle freiwillig und die Dosis muss stimmen. Es muss nicht darum gehen irgendwie, ob man in der zehnten Klasse zwei Stunden mehr für Klima macht, sondern klare Vorgaben. Und meine Vorgabe ist so ein Projekt 20 mal zu starten, um ein bisschen so die Flughöhe zu erhöhen und sagt, 20 % vom Unterricht in jedem Fach sollte sich mit Zukunftsthemen auseinandersetzen. Da ist das ja nicht der Gregor Hagedorn oder die Stefanie, die sagt, das muss da rein, sondern da sind das dann sicherlich die Curricula, aber sehr viel auch die Lehrer·innen, die sagen, okay, 20 % der Unterrichtszeit habe ich wirklich frei. Das ist jetzt nicht etwas, das ich mir abknapsen muss, um dann nachher laufen meine Schüler·innen im MSA oder im Abitur oder so etwas gegen eine Zentralprüfungswand, sondern das sind wirklich Gestaltungsräume. In diesen Gestaltungsräumen können wir fächerübergreifend über Zukunftsthemen nachdenken.

Ich kann das in Mathe machen, ich kann das in allen Naturwissenschaften machen. Ich kann das in allen Geisteswissenschaften machen. Ich habe gerade gesagt, in den Sprachfächern kann ich das auch mit Kreativität machen. Ich Kunststoffe in Chemie einfach nur als chemisches Thema der Polymerisation durchmachen. Ich kann Kunststoffe mit einem gigantischen Bezug zu unserer Lebenswirklichkeit behandeln. Was ermöglichen uns Kunststoffe, welche Kunststoffe funktionieren wie? Was haben wir für geniale CO Polymerisationsprozesse entwickelt? Was sind die Probleme von Mikroplastik? Was bedeutet das, bioabbaubar zu sein? Ihr kennt vielleicht, dass es da tatsächlich Kunststoffe gibt, die wirklich bio abbaubar sind und solche, die es gar nicht sind. Bioabbaubar bedeutet sie werden in kleine chemische Bestandteile zerhackt, die zwar winzig klein sind, dann aber persistent sind. Also das müsste eigentlich doch jeder wissen.

Ich müsste in den mathematischen Fächern viel mehr Kenntnisse zusammen vielleicht mit Geografiekenntnissen über wirklich Datenanalyse, Datendarstellung, Statistiken, Weltwissen haben. Es gibt eine fantastische Seite, kann ich euch empfehlen: Our world in Data. Es macht ein deutscher Max Roser aus England zusammen mit Hannah Ritchie und einigen anderen die Welt neu erkunden. Quasi nicht auf einem Atlas mit dem Finger, sondern auf einem Bildschirm mit Daten Graphen, wo man sieht, wie verändern sich Prozesse, welche Beziehung haben Daten, was ist groß, was ist klein? Ist vielleicht jetzt ein bisschen ein Nerdempfehlung, weil es vielleicht so klingt, als sei das total schön designt. Es ist ganz okay, aber es sind einfach Datendarstellungen. Aber darüber nachzudenken, was wissen wir über die Welt? Ich stelle immer wieder fest, dass wir über die Welt unglaublich wenig wissen. Ich bin ja Biologe und ich stelle öfter eine Frage. Wenn ihr Lust habt, mache ich das gerade noch mit euch. Eine Frage über was ist euer Bild von der Natur dieses Planeten zu stellen? Sollen wir das machen?

Stefanie Können wir gerne machen. Die Verbindung zur Natur wieder herstellen finde ich ein sehr schönes Thema und auch darüber nachzudenken, wie sieht es denn aus?

Dr. Gregor Hagedorn Ja, Verbindung zur Natur auf jeden Fall. Aber auch Wissen. Überhaupt wie ist die Natur, auf welchem Planeten leben wir? Und die Frage geht so und ich bitte euch alle jetzt hier, die ihr den Podcast hört, dann so ein bisschen mitzudenken und vielleicht selbst mal gleich auszusprechen. Eine Zahl. Stefanie, du spielst hier auch mit.

Die Frage ist, wenn wir die Biomasse, also das Gewicht aller Landsäugetiere, als 100 % betrachten, das sind Elefanten bis zur Zwergfledermaus. Alles, was Säugetier ist. Keine Insekten, keine Pflanzen, keine Fische usw und auch nicht die Meeressäugetiere wie Wale oder Delfine. Die lassen wir jetzt mal raus. Das ist sowieso schwer vorstellbar. Aber an Land kennen wir uns ein bisschen aus. An Land können wir gucken, in die Ozeane können wir ja nicht reingucken. Das kann man sowieso nur aus dem Buch rauslesen, was das eigentlich ist. Aber an Land haben wir das Gefühl, das können wir gucken. Wir sehen ganz viele Filme über Land und Natur an Land. Wir wissen, was ein Säugetier ist. Wenn wir jetzt die gesamte Masse aller dieser Säugetiere als 100 % betrachten, wie viel Prozentpunkte davon ist das Gewicht aller Menschen auf der Erde?

Stefanie Das weiß ich nicht. Ich würde aber sagen...

Dr. Gregor Hagedorn Genau wissen wir alle nicht. Aber darum geht's ja. Du sollst es nicht wissen. Aber was sagt deine Vorstellungskraft dir? Wie schätzt du das ein? Auf fünf oder zehn Prozentpunkte? Eine genaue Zahl ist völlig unmöglich. Wüsste niemand, der das nicht vorher auswendig gelernt hat.

Stefanie Also ich wage es jetzt. Vielleicht ist das ganz falsch. Und ich sag jetzt 20 %.

Dr. Gregor Hagedorn 20 % finde ich cool. Ich hab das ähnlich selber gedacht. Ich weiß es nicht mehr, ich glaube, ich habe 15 % gedacht.

Stefanie Aber die Wahrheit ist eine ganz andere, oder?

Dr. Gregor Hagedorn Die Wahrheit ist, dass es 36 % sind.

Stefanie Okay.

Dr. Gregor Hagedorn Also 36 % des Gewichts aller Landsäugetiere sind erst mal wir selbst. Hat mich, als ich das zum Ersten Mal gehört hat, ganz schön bisschen umgehauen. Das war fast dreimal so viel, wie ich geschätzt hatte. Du warst schon näher dran als ich jetzt. Die nächste Frage ist dann der Rest jetzt? Wir haben jetzt noch 64 Prozentpunkte und die können wir aufteilen in Haustiere und Nutztiere des Menschen, also Hunde, Katzen, Pferde, Kühe, Schafe, Rinder, Kamele, und die Wildtiere, die in den Ökosystemen leben. Also wirklich Elefanten, Mäuse, Mäuse im Garten, Fledermäuse, alles, was es sonst noch an Säugetieren auf diesem Planeten gibt. Wie schätzt du das? Wie viele Prozentpunkte machen die Haus- und Nutztiere aus?

Stefanie Also es müssen auf jeden Fall mehr sein, als die Wildtiere, um einiges mehr, weil sehr, sehr viel gegessen wird und es gibt viele Katzen und Hunde. Dann würde ich sagen, bleiben vielleicht davon noch so 14 % Wildtiere und der Rest sind Nutz- und Haustiere.

Dr. Gregor Hagedorn Also du sagst jetzt 14 % Wildtiere, 36 % Menschen und 50 % der gesamten Biomasse dieses Planeten sind die Nutztiere.

Stefanie Nutz- und Haustiere hatten wir gesagt. Also zusammen. Ja.

Dr. Gregor Hagedorn Ich bin total beeindruckt von dir, Stefanie. Du hast ein sehr realistisches Weltbild, ein wesentlich realistischeres Weltbild als die meisten Menschen. Tatsächlich sind es nicht 50, sondern 60 Prozentpunkte. Okay, das heißt, die Gesamtaufteilung ist, wenn wir das Gewicht aller Landsäugetiere dieses Planeten nehmen, dann sind 36 Punkte davon wir selbst, 60 Punkte sind unsere Haus- und Nutztiere und 4 % ist sind die Wildtiere.

Stefanie Ja und dann kämen ja noch die ganzen anderen Tiere, die wir gerade ausgeschlossen haben, dazu.

Dr. Gregor Hagedorn Es sind jetzt sozusagen die Tiergruppen, mit denen wir direkt konkurrieren. Wir können nicht in Termitenbauten leben, das heißt, von diesen für Säugetiere verfügbaren Ressourcen haben wir auf diesem Planeten ungefähr 96 % für uns beansprucht. Das finde ich, ist krass. Das ist ein wichtiges Weltwissen, weil viele Menschen in diesem Land immer noch glauben, dass wir unter 50 % der Natur beanspruchen. Wir sind viel weiter. Wir sind in unseren Ansprüchen, in unserer Beanspruchung so ungeheuer weit, dass dieses Bauchgefühl: „Wir haben aber noch Zeit, es gibt doch noch so ganz viel Natur und es gibt auch noch ganz viel Klimastabilität. Und wir als Menschen könnten doch niemals.“ Das ist ein Bauchgefühl von vielen Menschen. Und wenn wir was verändern wollen, dann glaube ich, müssen wir ganz viel von diesem Bauchgefühl verändern und sagen: Nee, das ist nicht so, sondern wir sind dran. Wir sind die Gestalter. Wir sind diejenigen, die unsere eigene Zukunft in der Hand haben. Wir sind nicht irgendwie im Garten Eden, der schon weiter existiert, sondern wir haben die Grenzen überschritten. Wir haben einen ungeheuren großen Einfluss auf diesen Planeten. Und wenn wir uns nicht in den Griff bekommen, dann werden wir die Zukunft unserer Kinder zerstört haben.

Stefanie Ja, was rätst du denn Menschen, die so das Gefühl haben, als einzige sich zu engagieren, Also da irgendwie allein zu sein unter vielen?

Dr. Gregor Hagedorn Ich glaube, das ist tatsächlich dann schon eine Problembeschreibung und da rauszukommen ist ein Teil der Lösung. Weil alleine gegen den Strom schwimmend, werden wir unsere Gesellschaft nicht umgestalten. Und ich rate den Menschen ganz klar zu versuchen, Gleichgesinnte zu finden. Aber idealerweise auch Gleichgesinnte in ihren Freund·innen, in ihren vielleicht weniger engagierten Freund·innen, Nachbar·innen. Mit diesen Menschen über ihre Sorgen zu sprechen. Dort dann gemeinsam zu überlegen, vielleicht auch auf einem Niveau, auf dem, wo man selbst das Gefühl hat, da bin ich schon drüber hinweg. Aber diese Freund·innen, Nachbar·innen, Kolleg·innen mitzunehmen auf eine Reise, gemeinsam zu versuchen, eine bessere Welt zu gestalten.

Der tolle Bill McKibben, der mit diesem 350.org Projekt daran arbeitet, dass möglichst viele Leute mit ihrem Geld nicht weiter die Zerstörung des Planeten finanzieren sollen, der gibt als Ratschlag immer: Was soll ich machen? Erstens organisiert euch, zweitens organisiert euch und drittens: Jetzt dürft ihr eine Glühbirne wechseln. Das ist so auf die Spitze getrieben. Also organisieren kann politische Organisation bedeuten, aber es kann vor allen Dingen und ich glaube, das wird manchmal übersehen, bedeuten, sich in kleinen Freundesgruppen zu organisieren, deren Zweck gar nicht sein muss, eine gigantische Wirksamkeit zu haben. Aber organisiert zu sein in kleinen Gruppen, die sich ein begrenztes, erreichbares Ziel gemeinsam setzen, ist ein ungeheurer Gewinn, ein Gewinn wirklich für die Gesellschaft und für das eigene Leben, für das Wohlbefinden, für die psychische Gesundheit von Menschen, die sich ansonsten vereinsamt und verzweifelt fühlen.

Stefanie Und weil wir ja mit dieser Frage angefangen haben, dass du gesagt hast, wie kämpfen wir für bessere Welten, in denen nicht alles gut sein wird? Also noch mal die Abschlussfrage: Wie schaffen wir das denn jetzt? Wird alles gut gehen oder wie schaffen wir es, dieses gute Leben zu erreichen?

Dr. Gregor Hagedorn Ja, ich glaube, dass wir das politisch schaffen, dass wir in kleinen Gruppen, in größeren Gruppen, in öffentlichen Diskussionen, in möglichst vielen Gesprächen, ob diese Gespräche im Fernsehen stattfinden oder in einem Wahlkampfbüro oder Wahlkreisbüro oder am Tisch in der Kantine mit Kolleg·innen. Dass wir durch ganz viele Gespräche miteinander lernen müssen, dass wir diese Gesellschaft in ihren Regeln ändern müssen. Und das Schritt für Schritt. Dass das Schritt für Schritt gehen muss. Also nicht irgendwie eine große Revolution und dann ist alles gut, sondern schon Schritt für Schritt. Aber das mit der ausreichenden Geschwindigkeit und Dosis.

Meine große Hoffnung ist wirklich, dass historisch betrachtet die Veränderungsgeschwindigkeit von Gesellschaften nicht konstant ist, sondern dass es eher eine Sache ist, wo es manchmal 100 Jahre kaum einen Fortschritt gibt und dann gibt es ein Jahrzehnt, in dem gibt es gigantische Fortschritte. Es gibt ja so Klimakipppunkte, also Systeme, wo es mit relativ wenig Veränderung von außen dann plötzlich ganz große Umbrüche gibt, dass Dinge ganz anders funktionieren und ähnlich. Zu diesen Klimakipppunkten gibt es auch soziale Kipppunkte. Das war bei der Frage des Frauenwahlrechts so, das war nach einer langen Stagnation von fast keinen Fortschritten zwischen 1865 und 1965 bei den amerikanischen Bürgern schwarzer Hautfarbe so. Das ist in vielen Fällen so, dass Dinge, wenn unser Kopf, wenn die Bedingungen andere sind, wenn der gesellschaftliche Wille anders wird, wenn von außen das verstärkt wird durch die Erfahrung von ersten katastrophalen Einflüssen, dass Dinge sehr viel schneller gehen können.

Ich persönlich glaube, dass wir die Nachhaltigkeitsziele zwar nicht 2030 erreichen, aber dass wir sie vielleicht 2050 erreicht haben werden. Und ich stell mir dann immer so vor, dass weil ich ja sage, das Wichtige ist eigentlich unser Kopf, die Frage, wie wir selbst unsere Welt betrachten. Ich stelle mir vor, dass dann vielleicht die UN Generalsekretärin oder der UN Generalsekretär eine Rede halten wird. Und vielleicht wird in der Rede so etwas stehen im Jahr 2050, zur Feier der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele, dass sie oder er sagt: „Es fällt schwer zu glauben, dass das, was heute als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit erkannt ist, früher einmal normal war.“

Ich komme mir häufig so vor, als würde ich heute schon auf unsere Welt so schauen und denke: Das kann doch nicht wahr sein, dass das normal ist, so zu handeln. Und wenn wir möglichst viele Menschen so mitnehmen, die sagen, das ist nicht in Ordnung, einfach die Welt auf Kosten der eigenen Kinder zu zerstören. Und es ist nicht so, dass die Kinder dafür verantwortlich sind, sondern du bist verantwortlich. Wir als Erwachsene sind die Erwachsenen, die diese Entscheidungen verantworten müssen. Und wenn wir uns dessen bewusst sind, dann können wir anders handeln und dann können wir auch schnell handeln.

Stefanie Das ist eigentlich schon ein wunderbares Schlusswort. Dann bedanke ich mich sehr für deine Zeit, die du dir genommen hast und für die vielen Ausführungen. Ich denke, dass viele Menschen jetzt inspiriert sind und auch ins Handeln kommen werden.

Dr. Gregor Hagedorn Vielen, vielen Dank Dir, Stefanie, für das wunderbare Gespräch. Hat mir sehr viel Freude gemacht.

Folge 266 - Landreisen: mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Europa, nach Nordafrika und bis nach Iran

Ein Beitrag

Folge 266 - Landreisen: mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Europa, nach Nordafrika und bis nach Iran

Links zur Folge

Buch "Landreisen" von Richard Kaufmann
https://razelhanout.de/buch/landreisen-softcover/

Podcastfolge zum Buch "Slow Travel" von Dan Kieran
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-174-slow-travel-die-kunst-des-reisens

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Wir nehmen diese Folge gerade sehr spontan auf. Ich möchte Carsten nämlich hier vor laufender Kamera hätte ich fast gesagt, vor laufendem Mikrofon von einem Buch erzählen, das ich gerade gelesen habe. Und dieses Buch wurde mir von Andrea empfohlen. Also noch mal herzlichen Dank, Andrea. Es handelt sich um das Buch „Landreisen. Reisen ohne Ziel“ von Richard Kaufmann. Es ist relativ neu, 2021 erschienen, also letztes Jahr. Geschrieben wurde es 2020, also schon während der Pandemie. Und es ist anscheinend auch aufgrund der Pandemie nur entstanden, weil da die Zeit zur Verfügung stand und nicht gereist werden konnte. Und ich hatte dieses Buch schon länger auf meiner Leseliste und durch einen glücklichen Zufall konnte ich es dann in der Zentralbibliothek ergattern lassen, quasi durch Carsten. Das war nämlich immer verliehen und es gibt nur dieses eine Exemplar bei uns in ganz Hamburg.

Carsten Jetzt ist es bei uns. Du hältst es in den Händen.

Stefanie Ja, genau. Und das Buch ist relativ klein. Also ich würde sagen, so DIN A6 Taschenbuchformat, gut 200 Seiten umfasst es. Und was mir jetzt so während des Lesens stark aufgefallen ist, dass es aus der Perspektive eines weißen, deutschen, jungen Mannes, also mitteleuropäischen Mannes, geschrieben wurde. Er nimmt darauf tatsächlich im Nachwort noch Bezug. Allerdings hätte ich mir das wirklich während des Lesens schon öfter gewünscht, dass er da etwas reflektierter schreibt, weil ich mit dem, was ich jetzt alles weiß, doch irgendwie gedacht habe: Okay, okay, das ist doch ziemlich unreflektiert, wie er an all das herangeht. Und dann im Nachwort ein, zwei Seiten schreibt er dann noch: Ja, er hätte das extra so gemacht, weil er das nicht schönreden will, dass er sich damals so verhalten hat und dann auch zeigen möchte, dass er Fehler gemacht hat und sich jetzt weiterentwickelt. Und das also vorab, falls dir das dann auch auffällt, wenn du dieses Buch liest.

Liebe·r Hörer·in, ich denke, wenn du dich fürs langsame Reisen interessierst und auch das Buch „Slow Travel - Die Kunst des langsamen Reisens“ von Dan Kieran schon gelesen hast, dann ist dieses Buch hier eine sehr gute Ergänzung. Allerdings fand ich tatsächlich „Slow Travel“ besser. Ich weiß aber nicht, ob das einfach nur dem geschuldet ist, dass Dan Kieran viel darauf Bezug genommen hat, dass er auch mit eigenen Kindern reist. Der Autor des Buches „Landreisen“, das ich in den Händen halte, hat anscheinend noch keine Kinder. Zumindest kommen sie nicht vor. Und die meisten Reisen, die er unternommen hat und hier in diesem Buch schildert, hat er auch alleine als Single unternommen.

Später, auf einer der Reisen, trifft er seine Frau, seine - zumindest zum Stand des Buches - derzeitige Frau also, mit der er dann weiter reist und auch beschreibt, wie er mit ihr reist. Allerdings, ja, sage ich mal, macht das so 1/4 des Ganzen aus. Vorher ist er als junger, weißer Mann unterwegs und hat da auch ganz andere Erfahrungen gemacht, als jetzt ich zum Beispiel machen würde oder People of Color machen würden oder, oder oder.

Carsten Das heißt also, er ist quasi privilegiert und die Erfahrungen hängen auch stark mit seinen weißen, männlichen Privilegien zusammen und lassen sich so nicht auf alle Personen übertragen, die auch Reisegelüste haben, aber vielleicht nicht diese Privilegien.

Stefanie Ich würde sagen Jein. Ein klares Jein. Er beginnt mit einer Reise nach Marokko, die er als 19-jähriger unternommen hat. Der Autor ist 1985 geboren, das heißt 2004 war er da unterwegs und er beschreibt da schon recht naiv, wie er nach Marokko gereist ist. Klar, dieses planlose, ziellose Reisen. Er hat dann seine Kreditkarte vergessen, dann hat er nur 100 € zur Verfügung, womit er dann irgendwie nach Marokko reisen möchte. Und angekommen in dem Land kann er sich in dieser Rolle als weißer, männlicher, Mitteleuropäer frei bewegen, während schon alleine ich als weiße, deutsche oder mitteleuropäische Frau mich da nicht frei bewegen könnte. Und so macht er ganz andere Erfahrungen als Menschen, die sich nicht diesem Bild zuordnen machen würden.

Und später reist er auch noch in den Iran und er ist auch generell mehr so in diesem Raum unterwegs und überall dort, wo Frauen zumindest nicht so privilegiert sind und so auch nicht diese Möglichkeit hätten, auf diese Art Erfahrungen zu machen. Andererseits wechseln diese Reiseberichte sich ab mit generellen Empfehlungen, die er ausspricht. Und die sind dann wiederum für alle, so dass wir da an seinen Erfahrungen schon teilhaben können.

Ich nenne hier mal so zwei, drei Beispiele. Ein Kapitel heißt „Legen wir das Motiv des Urlaubs fest“ und er hat da in diesem Kapitel eine sehr praktische, handfeste Tabelle integriert, die er so aufteilt:

  • Wie viel Zeit steht mir zur Verfügung?
  • Welches Reisemotiv habe ich?
  • und in welcher Distanz sollte ich verreisen?

Und so als ersten Punkt nennt er da diese obligatorischen zwei Wochen, die ich zur Verfügung habe. „Ich möchte Ruhe finden.“ Und dann sagt er: Das sollte ich in maximal 100 Kilometer Umkreis suchen, also dafür nicht weit reisen.

Zwei Wochen auch als Zeit und fremde Kulturen kennenlernen, sagt er auch maximal 100 Kilometer und die Klappe halten.

Dann 3 bis 4 Wochen Zeit zur Verfügung als Motiv „Ruhe finden“: maximal 600 Kilometer und sich im Gastland ruhig auch mal mit der lokalen Kultur beschäftigen.

Dann auch wieder 3 bis 4 Wochen Zeit zur Verfügung und als Reisemotiv „fremde Kulturen kennenlernen“. Bis zu 800 Kilometer empfiehlt er da als Distanz. Das reicht für ein Nachbarland in Europa.

Und bei 1 bis 3 Monaten Zeit und als Reisemotiv „Ruhe finden“ empfiehlt er, im Umkreis von fünf Kilometern einen Schrebergarten anzumieten.

Bei 1 bis 3 Monaten Zeit und als Reisemotiv „Fremde Kulturen kennenlernen“ sagt er: „Jetzt wird es spannend. Bis zu 3000 Kilometer sind hier drin. Das reicht für die Türkei, Nordafrika oder Russland.“

Carsten Also auch wenn er jetzt diese Distanzen wie 3.000 km nennt: Das Buch heißt „Landreisen“ Also er spricht jetzt nicht von „Flieg mal dahin und verbringen da mal 1 bis 3 Monate“, sondern das ist tatsächlich die Reisezeit gesamt für diese drei Monate inklusive Anfahrt, Abfahrt mit keine Ahnung was genau.

Stefanie Also das ist auch so eine These, die er aufstellt und etwas, was er ja verfechtet, dass die Reise ab dem Zeitpunkt beginnt, wo du deine Wohnung, dein Haus verlässt und dass es nicht darum geht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern eigentlich eher ziellos, planlos zu reisen. Er beschreibt das in diesen Geschichten, die er immer wieder da zwischen die Infokapitel streut, dass das auch mal schiefgehen kann, auf jeden Fall. Das ist ja auch was, was Dan Kieran sehr schön beschreibt. Aber im Grunde geht es darum, dass dieses langsame Reisen, das sich treiben lassen und auch viele Zwischenstopps einlegen, dass das dann wirklich dazu führt, dass du dich erholst und / oder fremde Kulturen kennenlernst, also deine Motive eher erfüllst.

Und nachdem ich das Buch gelesen habe - er hat da sehr viel auch über so kleinere Trips, wie fahre ich jetzt von Leipzig nach Bologna und so an einem verlängerten Wochenende, drei Tage, aber mit dem Zug davon erzählt - bin ich jetzt noch angefixter. Wir hatten ja mal überlegt, auch so quer durch Deutschland zu reisen, genau das so zu machen mit verschiedenen Zwischenstopps, Denn er beschreibt immer wieder sehr schön, wie das ist, wenn er dann für einen Tag in dieser einen Stadt ist und dann wieder in der nächsten Stadt und dort dann einfach auf eigene Faust diese Städte erkundet, die Umgebung erkundet, ganz entspannt und dann vielleicht fünf Stunden mit dem Zug fährt. Dann ist wieder ein Tag Pause, dann fährt er sechs Stunden mit dem Zug, einen Tag Pause.

Bei diesem Trip nach Marokko ist er drei Tage mit dem Bus durchgefahren. Also das ist natürlich ziemlich krass. Das ist auch nichts, was ich machen wollen würde, da musst du Lust zu haben. Ich glaube, da musst du eine bestimmte Grundeinstellung haben oder ein gewisses Alter oder keine Ahnung. Ich weiß es nicht, aber jedenfalls, zu mir passt es nicht und vielleicht passt es zu dir, lieber Hörer, liebe Hörerin. Mir wird im Bus wird schnell schlecht und so, also von daher wäre es bei mir eher Bahnfahren. Das ist also was persönliches.

Aber letztlich dieser Gedanke, dass die Reise beginnt sobald du hier deine Wohnung, dein Haus verlässt und dann dich auf den Weg machst und alles ist Teil des Urlaubs, alles ist Teil des Ganzen und du genießt es und du willst nicht so schnell wie möglich von A nach B kommen. Es kann ja ruhig sein, dass du sagst okay, ich möchte irgendwann, wie er zum Beispiel mit einer Reise sagt, den Iran erreichen, aber auf dem Weg ist er viele, viele, viele andere Stationen abgegangen und hat da noch nicht mal irgendwie viel gebucht, sondern hat relativ viel spontan gebucht. Ich denke dann immer so, na ja, als Familie und so, das sind wieder so Dinge, die kannst du gut machen, wenn du alleine reist oder vielleicht auch als Erwachsene, zwei Erwachsene oder mehrere Erwachsene. Aber mit Kindern habe ich zumindest ein Sicherheitsbedürfnis.

Und das spricht er auch noch mal an und er gibt da auch noch Tipps zum Ende des Buches hin: Wie kann ich mich dem annähern, was er da macht? Also das es viel auch auf das eigene Sicherheitsbedürfnis ankommt. Also dass ich natürlich erproben kann, immer wieder aus meiner Komfortzone kommen, was könnte ich vielleicht loslassen, wo könnte ich einfach mal machen, aber dann vielleicht auch gucken, okay, was gibt mir Sicherheit? Also er wollte da auch dann mit einer bestimmten Bahnlinie von - ich weiß nicht mehr genau - ich glaube von Istanbul aus dann nach Teheran fahren und die war schon Monate im Voraus ausgebucht. Das heißt, als er da ankam und sagt ich möchte für heute ein Ticket haben, gab es keins und dann hat er den Flieger genommen. Also das heißt, weil er da unbedingt hin wollte und das war für ihn nicht so toll und letztlich kann es auch Rückschläge geben.

Das heißt, ich persönlich finde dann, dass Planung gar nicht so schlecht ist, so bei bestimmten Dingen, die einem wichtig sind. Aber letztlich ist es was, was wir individuell entscheiden können. Und wir haben dieses Privileg ja auch. Ich meine, wir sind hier sehr privilegiert, dass wir sehr viel reisen können, uns viele Länder offen stehen, dass wir vieles auch spontan entscheiden können. Das heißt, um auf deine ursprüngliche Frage noch mal zurückzukommen: Es geht ihm tatsächlich darum, wie können wir auf dem Landweg reisen. Und dann fallen auch bestimmte Ziele weg, die ich nicht über das Land erreichen kann, sondern nur über die Fähre oder übers Flugzeug vielleicht. Ih werde dann nicht nach Bali fahren, es sei denn, ich komme da irgendwie innerhalb eines Jahres hin oder so, das nimmt dann noch mehr Zeit in Anspruch, dann verringert sich der Umkreis meiner Ziele und gleichzeitig vergrößern sich aber dann vielleicht auch die Möglichkeiten, weil ich dann einfach Dinge sehe, die ich vorher nicht gesehen habe.

Carsten Ja, weil du ja vorhin schon diese Tabelle mit den Reisemotiven vorgelesen hast, wird das Motiv, weswegen du jetzt diese Reise antreten möchtest, ja an anderen Orten dann gestillt. Das ist dann vielleicht nicht unbedingt so dieses instagramfähige Hintergrundbild, was du dann da irgendwie vorfindest, sondern vielleicht etwas, was unscheinbar erstmal gar nicht auf deiner mentalen Landkarte existiert und sich dann geografisch eigentlich direkt im Umfeld deines Wohnortes wiederfindet. Diese 100 Kilometer, hattest du vorhin glaube ich vorgelesen, kann ich durchaus nachvollziehen, wenn es dir wirklich darum geht, Ruhe zu finden. Die findest du nicht ausschließlich nur an irgendwelchen Südseestränden, sondern ja durchaus auch da keine Ahnung. Waldbaden fällt mir da gerade so ein.

Stefanie Ja, aber generell wenn du so eine innere Unruhe hast, dann ist es egal, wie weit du fährst oder egal wie weit du fliegst. Die innere Unruhe wird nicht dadurch gestillt, dass du irgendwo auf Mauritius einen Cocktail trinkst.

Carsten Vielleicht wird sie ja durch solche strukturierten und getakteten Reisen eher noch schlimmer. Und diese innere Unruhe „Ich muss schnell zum Flieger. Und meine Güte, jetzt dauert der Sicherheitscheck so lange und keine Ahnung, was“ Und wenn ich völlig unstrukturiert ran gehe, dann wird das vielleicht im Vorfeld eine ziemliche Hürde sein, weil ich dieses unstrukturierte Vorgehen vielleicht nicht kenne, aber vielleicht stellt sich dadurch ja mehr Ruhe ein. Wenn ich dann merke, ich komme mit kleineren Zielen ja auch irgendwo zurecht, also auch vielleicht von der Erwartungshaltung her gar nicht großartig in den Flieger steigen, sondern jetzt fahre ich mit dem 9 € Ticket und erkunde Deutschland. Oder vielleicht die nähere Umgebung.

Stefanie Ich zitiere dazu jetzt noch mal eine kleine Passage aus dem Buch. „Reisen mit dem Flugzeug sind Zeitverschwendung. Wenn wir nach Italien wollen, warum ignorieren wir alle wunderbaren Orte auf dem Weg dorthin? Warum wollen wir unbedingt nach Bali, wenn wir noch nie in Polen waren? Was wollen wir in Ägypten, wenn wir eigentlich nur am Meer rumliegen wollen? In Europa sind wir umgeben von Meer. Fünf der neun Nachbarländer Deutschlands haben Küsten und Strände, die direkt vor unserer Nase liegen und mit Auto, Zug oder Bus erreichbar sind. Es ist bestenfalls ignorant, das alles zu verpassen. Schlimmstenfalls ist es eine vertane Chance, die Schönheit dieser Welt kennenzulernen. Sehen wir es so, macht es gar keinen Sinn zu fliegen. Man könnte angesichts der verlorenen Augenblicke an den überflogenen Orten sogar so weit gehen, zu sagen: Die Reise mit dem Flugzeug ist verschwendete Zeit.“

Richard Kaufmann geht in dem Buch auch noch auf Nachtzüge ein, also wie er schlafend von A nach B kommt. Das hört sich dann nicht so entspannt an wie bei Dan Kieran, muss ich sagen. Richard Kaufmann vergleicht das eher so mit dem Übernachten auf dem Campingplatz. Aber er legt wohl sehr viel Wert darauf, mit anderen immer wieder ins Gespräch zu kommen und bucht deshalb Vierer- oder Sechserkabinen und ist dann die ganze Nacht wach und unterhält sich. Er nutzt es eher um Menschen kennen zu lernen und nicht um zu schlafen. Also von daher ist es wohl dann wieder sehr unterschiedlich, wie mensch da so rangeht.

Letztlich schließt er das Buch dann mit Mikroabenteuern, was wir ja auch schon kennen, was auch Dan Kieran in seinem Buch beschreibt. Dieses „Kennst du eigentlich die Umgebung, die direkt vor deiner Haustür beginnt?“ Also so etwas, was ich ja bei jedem neuen Wohnort mache und auch hier gemacht habe, als wir vor einem Jahr hierher gezogen sind und auch immer noch mache, ist, immer die nähere Umgebung erkunden und dann auch mal irgendwie für einen halben Tag weg sein oder meinetwegen für einen ganzen Tag weg sein und ziellos teilweise auch durch die Gegend zu radeln. Ich fahre meistens mit dem Fahrrad, weil ich dann einfach weiter komme. Zu Fuß geht das auch.

Richard Kaufmann beschreibt das auch, als er nach Leipzig gezogen ist und da relativ neu war, oder bzw. da haben sie da schon irgendwie drei Jahre gewohnt und dann auf einmal festgestellt, einen Kilometer entfernt oder auch zwei, drei Kilometer entfernt gibt es einen Park, den sie sich noch nie angeguckt haben. Und dann sind er und seine Frau Anna dahin gewandert und haben sich auf dem Weg irgendwie so ein bisschen verlaufen und haben dann was ganz anderes gefunden und das ist es gerade, diese Freude daran, einfach nicht nur stracks zum Ziel zu kommen, ohne nach links und rechts zu gucken, das einfach auf sich zukommen zu lassen, so dahin zu mäandern. Also wie ein Fluss, der nicht ins Flussbett gezwungen wird, sondern frei sich bewegen kann und mal hier und mal da Dinge zu finden.

Sowas habe ich auch schon öfter ausprobiert. Einfach mal durch die Gegend fahren und natürlich solltest du Wasser und vielleicht auch was zu essen dabei haben. Vielleicht, in Zeiten wie diesen, auch eine Maske und ein Portemonnaie, würde ich sagen. Aber sonst bist du ja dann voll ausgerüstet und musst nicht viel mehr dabei haben. Vielleicht nimmst du noch dein Smartphone mit, vielleicht auch nicht. Letztlich befinden wir uns ja hier immer noch irgendwie so weit in Gegenden, wo es immer eine Möglichkeit gibt, mal irgendwo telefonieren zu können oder so.

Carsten Was für mich natürlich jetzt interessant ist. Ich plane ja in naher Zukunft irgendwann im Laufe der nächsten Jahre mal so einen Trip nach Schottland, also so richtig ausgiebig, so mit Zug und auch zu Fuß durch die Highlands und Zelt dabei. Nehme ich aus diesem Buch dann was mit? Kann ich davon was lernen? Muss ich es erst lesen?

Stefanie Ich würde sagen ja, du kannst davon was lernen. Ich habe auch was davon gelernt und ich beschäftige mich ja jetzt auch schon verhältnismäßig lange mit diesem Thema. Und es sind wieder neue Aspekte dazugekommen, zum Beispiel diese Tabelle, wie er da herangeht. Ich bespreche sowas ja häufig in meinen Bildungsurlauben, auch mit Teilnehmenden oder in anderen Kursen, wo wir dann Mobilität neu denken und das Reisen neu denken. Und da kommt sowas auch immer zur Sprache. Und das ist natürlich schön zu lesen, dass dieser Mensch das auch schon, seit vielen Jahren macht, dass er so reist und diese Erfahrung, die er gemacht hat. Ich muss diese Einschränkungen, die ich zu Beginn der Folge hier genannt habe, auch noch mal benennen. Es ist aus der Perspektive eines weißen Mannes geschrieben, eines weißen, männlichen Mitteleuropäers, der schon sehr viele Privilegien in sich vereint. Und dadurch kann natürlich das, was du, wenn du diese Privilegien nicht besitzt, in dem Fall variieren.

Carsten Ich würde mich mindestens genauso privilegiert sehen.

Stefanie Genau. Also für dich ist es dann übertragbar. Aber andere, die nicht diese Privilegien genießen, für die ist nicht alles übertragbar. Aber bei den Tipps kann jede·r was rausziehen und wird da sicherlich noch mal die ein oder andere Inspiration finden. Also ich finde, jetzt gerade zur Reisezeit ist es eine schöne Reiselektüre. Ich wollte es eigentlich auch unterwegs im Zug lesen, aber dann habe ich das doch schon vorher durchgelesen und ich finde, das ist wirklich leicht zu lesen. Es ist so flüssig zu lesen. Du kannst da viel mitnehmen. Er schreibt das auch schön und anekdotisch, nur manchmal ist die Wortwahl aus meiner Sicht fragwürdig.

Er schreibt da von seinem Trip nach Marokko als 19-jähriger über „Muttis“. Es mag sein, dass er versucht hat, sich in die Perspektive, wie er als 19-jähriger darüber gedacht hat und welchen Jargon er da genutzt hat, reinzuversetzen und das deswegen so schreibt. Ich persönlich fand das ein bisschen abstoßend, weil ich da irgendwie das Gefühl hatte oder die Art und Weise, wie er teilweise über Frauen geschrieben hat, dass das nichts ist, was ich gerne lese und auch nichts, was ich schreiben würde. Nur wie gesagt, dazu nimmt er im Nachwort in diesen zwei Seiten Stellung und dazu habe ich ja jetzt auch schon einiges gesagt.

Carsten Ja, in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss

Carsten und auf Wieder lesen, hören, schauen.

Folge 265 - Julia stiftet andere leidenschaftlich zum Gärtnern an

Ein Beitrag

Folge 265 - Julia stiftet andere leidenschaftlich zum Gärtnern an

Herzlich Willkommen zur Serie "Mitgliederporträt" im Experimentarium!

Ich möchte in dieser Serie Mitglieder vorstellen, die eigene Projekte ins Rollen gebracht / umgesetzt haben. Meine Intention ist es, Dir damit zu zeigen, was Einzelpersonen wie Du und ich für tolle Dinge bewegen können :-)

Diese Serie gibt es zunächst exklusiv im Experimentarium und wird dann später im Jahr auch im Podcast veröffentlicht.

Heute stelle ich Dir Julia vor, die durch ihren Garten ihre Verbindung zur Natur wiederentdeckt hat und nun leidenschaftlich andere zum Gärtnern anstiftet.

Julia erzählt in diesem Interview,

  • wie sie trotz fehlendem grünen Daumen zum Gärtnern gefunden hat,
  • was die ersten Schritte in ihrem Garten in 4 Jahren von der Brache hin zur Gemüsevielfalt waren,
  • wie das Gärtnern ihr geholfen hat, sich wieder mehr mit der Natur zu verbinden,
  • wie sie ihre Leidenschaft für das Gärtnern an andere weitergibt,
  • was ihre ersten Schritte waren, um sich über ihren Garten hinaus zu vernetzen und mit anderen zusammen aktiv zu werden,
  • wie sie es schafft langfristig aktiv zu bleiben.

Links zur Folge

Julias Instagram-Kanal
https://www.instagram.com/julihuelis.garten/

Gemeinschaftsgärten Vernetzung und Informationen
https://urbane-gaerten.de/

YouTube Kanal "Garten Gemüse Kiosk"
https://yewtu.be/channel/UCiHdV7w_NdHQqhw4MJJFfsg

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Serie Mitgliederporträt im Experimentarium. In dieser Serie stelle ich in loser Folge Mitglieder vor, die eigene Projekte ins Rollen gebracht bzw umgesetzt haben. Und meine Intention ist es, dir damit zu zeigen, was Einzelpersonen wie du und ich für tolle Dinge bewegen können. Diese Serie gibt es zunächst exklusiv im Experimentarium und wird dann später im Jahr auch im Podcast veröffentlicht. Das heißt, wenn du diese Folge im Podcast hörst, dann ist sie schon etwas länger im Experimentarium verfügbar.

Und heute stelle ich dir Julia Hüchting vor, die durch ihren Garten ihre Verbindung zur Natur wiederentdeckt hat und nun leidenschaftlich andere zum Gärtnern anstiftet. Julia erzählt in diesem Interview, wie sie trotz fehlendem grünen Daumen zum Gärtnern gefunden hat. Sie hat verraten, dass früher sogar die Zimmerpflanzen bei ihr eingegangen sind. Und jetzt hat sie quasi einen Selbstversorger-Garten also fast. Aber wir dürfen ja ruhig jetzt ein bisschen dicker auftragen, was die ersten Schritte in ihrem Garten in vier Jahren von der Brache hin zur Gemüsevielfalt waren. Es gibt auch ein bisschen Obst, wenn ich das richtig gehört habe, aber auch vor allem Gemüse.

Julia erzählt wie das Gärtnern ihr geholfen hat, sich wieder mehr mit der Natur zu verbinden. Wie sie ihre Leidenschaft für das Gärtnern an andere weitergibt und was so ihre ersten Schritte waren, um sich über ihren Garten hinaus zu vernetzen und mit anderen zusammen aktiv zu werden. Und wie sie es schafft, langfristig aktiv zu bleiben.

Im Grunde ist also der Garten für Julia gleichzeitig die Quelle von Inspiration und Kraft, aber auch das Sprungbrett in den Aktivismus. Also ein sehr, sehr vielfältiger Garten. Und wir hatten auch viel zu erzählen. Deswegen ist diese Folge relativ lang mit einer Stunde zehn, so der Interviewteil. Von daher freu dich aber auf ganz, ganz viel Informationen rund ums Gärtnern und rund um Aktivismus. Und jetzt gebe ich weiter an Julia.

Julia Ich heiße Julia Hüchting. Ich bin 33 Jahre alt, verheiratet, wohne in der Nähe von Bremen. Ich sag jetzt immer in der Nähe von Bremen, weil mit meinem Ort keiner was anfangen kann. Ich wohne dörflich und habe mit meinem Mann 2017 ein Haus gebaut auf dem Dorf neben meinen Schwiegereltern. Also Familie ist uns beiden sehr wichtig und ich arbeite in der Verwaltung, im Organisationsbereich und habe, weil ich viele Projekte im Kopf habe und manche auch in der Umsetzung habe, meine Arbeitszeit zum April hin auf 35 Stunden reduziert pro Woche, um viel im Garten sein zu können, um ehrenamtlich mich engagieren zu können und in meiner Freizeit. Also deswegen war es mir wichtig, ein bisschen weniger zu machen.

Ich recherchiere viel zu Umweltthemen und zu Klimathemen. Und wir haben einen Gemüsegarten, der in den letzten Jahren wahnsinnig gewachsen ist und tatsächlich auch erst dadurch entstanden ist, dass wir gebaut haben und dieses leere Grünstück da war, wo gar nichts drauf war. Und ja, daraus hat sich so viel entwickelt aus dem leeren Grundstück. Vorher hatte ich überhaupt keinen Plan von Gärtnern. Bei mir sind auch die Pflanzen zu Hause manchmal eingegangen. Also irgendwann hat mein Mann schon das Bewässern übernommen, das Gießen der Pflanzen zu Hause und jetzt mit dem Grundstück ist einfach so viel gekommen, weil das Thema Gärtnern für mich irgendwann aufgeploppt und so stark gewachsen ist, dass ich im Sommer größtenteils draußen im Garten rumhänge, im Herbst die Planung mache für das Folgejahr.

Ich belese mich auch ganz viel in Themen wie Permakultur und sowas, naturnahes Gärtnern, ökologisches Gärtnern. Und auch das ist natürlich etwas, was Zeit benötigt. Und meine Gartenbegeisterung teile ich über Instagram. Ich habe einen ganz kleinen Kanal. Ich werbe nicht groß, ich mache keine Gewinnspiele und versuche nicht irgendwie möglichst viele Abonnent·innen zu bekommen. Mir geht es eher darum, dass diejenigen, mit denen ich Kontakt habe, dass man sich schön austauschen kann. Und da lasse ich auch so Themen wie Veganismus und Klimathemen einfließen, weil ich denke, dann hat man das immer so ein bisschen, es ist irgendwie ein bisschen familiärer und man hat dann trotzdem immer wieder Gedankenanstöße. Das ist so ein bisschen mein Ding.

Und daneben bin ich seit Herbst letzten Jahres ehrenamtlich auch mehr aktiv. Und zwar hat sich das komischerweise auch wirklich relativ zufällig ergeben, dass ich an einer Bürgerversammlung teilgenommen habe, bei mir im Ort und darüber ganz viele Kontakte geknüpft habe, auch zu einer ganz, ganz netten Gartenbegeisterten, mit der ich zusammen eine Arbeitsgruppe aufgemacht habe und wo wir quasi jetzt anfangen, Projekte umzusetzen, die das Thema Gärtnern betreffen. Und das beschäftigt mich ganz viel.

Ehrenamtlich bin ich auch momentan noch in der Koordination der aktiven, ehrenamtlich Tätigen. Weil wir keine hauptamtliche Kraft momentan haben und ich angefragt wurde, ob ich da die Vertretung machen kann. Aber ich hoffe, dass dann, wenn wir hoffentlich irgendwann die Fördermittel dafür bekommen, eine neue Kraft einstellen können, damit ich mich wirklich den Themen widmen kann für die ich so brenne. Und zwar Gärtnern und das Vermitteln von Naturschutzthemen über das Gärtnern und das Thema Klimaschutz-Aktivismus, was jetzt so ein bisschen neu bei mir im Leben aufgeploppt ist und noch ganz viel Recherchearbeit bedarf. Aber mir gehen die Ideen nicht aus, was ich in meiner Freizeit so machen kann. Das ist eher andersrum. Ich habe so wahnsinnig viele Ideen und denke so: Oh Gott, wie soll ich das alles zusammenbekommen?

Stefanie Ja, super. Du hattest ja jetzt schon zu Beginn gesagt mit dem Garten, Du hattest eigentlich keine Vorerfahrung. Das heißt, Du hast auch nicht Gärtnerin gelernt oder hattest vorher eine Ausbildung. Wie kam das denn dann? Wie hast du dir das Wissen angeeignet? Also wie kam dann auf einmal der grüne Daumen zustande?

Julia Das ist ganz kurios, weil man denkt ja oftmals, man muss wahnsinnig viel lernen, um ins Machen zu kommen, aber das ist ja gar nicht so! Also das Ding ist, wir haben 2017 gebaut und 2018 haben wir dann gepflastert bei uns, haben also die Außenarbeiten in Eigenregie gemacht und in der Zeit hatten wir so die ersten Paletten, diese Holzpaletten über von den Pflastersteinen. Und dann habe ich gedacht so, okay, was machst du damit? Dann habe ich im Internet recherchiert, was man da vielleicht auch so als Do it yourself Projekt machen kann und bin auf Hochbeete gekommen. Und ich hatte ja dann gedacht: Oh ja, okay, so ein Hochbeet für Kräuter ist ja total toll. Aber wir hatten auch schon Himbeerpflanzen geholt, die wir dann so an Rand gepflanzt haben von unserem Grundstück. Also so wirklich ein großer Bereich Rasen und dann am Zaun wollte ich dann ein Hochbeet haben und ein bisschen Beeren. So, das war meine Idee, weil sollte ja auch möglichst pflegeleicht sein.

Ja, und dann habe ich aber festgestellt, dass es wahnsinnig viel Spaß macht und dass es total schön ist mit dem Gärtnern. Und ich weiß ehrlicherweise gar nicht, wie ich dazu kam, dann so Tomaten und so was auszusähen. Aber ich habe es einfach gemacht. Ich glaube, ich war sogar im Baumarkt und habe mir das angeguckt und dachte okay, nimmst du mal so ein Tütchen mit und probierst es aus und habe dann das Glück gehabt, dass wir - ja, also ich sag mal, rein ökologisch ist es blöd gewesen. Es war ein sehr heißer Sommer, der trocken war. Aber fürs Anbauen von Gemüse, für jemanden, der neu ist, war das perfekt. Weil die Tomaten wollen eigentlich nicht so gerne Regen ständig haben und brauchen eigentlich einen leicht geschützten Standort. Und ich hatte die auch im Freiland angebaut und hatte trotzdem den Erfolg, dass ich wahnsinnig viel Ernte hatte im ersten Jahr direkt. Auch mit ganz vielen Sachen.

Also mich hat das einfach gepackt zu sehen, dass aus so einem kleinen Korn so eine prächtige Pflanze wachsen kann, dass ich dann alles Mögliche ausprobiert habe. Also ich habe mit Tomaten angefangen und hatte dann aber auch - ohne Witz - wirklich Löcher in unsere Rasen gemacht, habe da Kompost untergemischt und habe dann Wassermelone und Honigmelone im Garten angebaut. Und es hat funktioniert. Weil der Sommer so heiß war, musste man natürlich immer schön gießen und pflegen und so, aber man muss sich das auch so vorstellen: Pflanzen in der Natur wachsen ja auch einfach überall hin. Die brauchen keine Pflege und keine Hilfe. Also außer jetzt vielleicht Regen. Und das hat mir in die Hände gespielt, dass das Wetter so gut war dafür und dass ich deswegen am Ball geblieben bin.

Und gelernt habe ich das alles rein über Seiten im Internet. Also du kriegst ja wahnsinnig viele Informationen mittlerweile im Internet und mir hat YouTube wirklich sehr weitergeholfen. Da gibt es tolle Kanäle wie den GartenGemüsekiosk, das war ein Kanal, den habe ich wirklich viel geguckt. GartenGemüsekiosk, die haben auch tolle Videos, mittlerweile haben die Kurzvideos wie baue ich die und die Kultur an? Da kannst du suchen „Aubergine anbauen“ und dann hast du auch wirklich nur in zwei Minuten und kannst aber auch so ein achtminütiges Video dir angucken, wo dann noch ein paar Zusatzinformationen stehen.

Und ich habe viel auf Seiten geguckt und hatte ein Buch und habe dann immer aufgeschrieben: wie gehe ich mit dem Saatgut um, wie pflanze ich das um? Und dann habe ich irgendwann festgestellt, okay, ich schreibe jetzt irgendwie bei zehn Kulturen genau dasselbe hin. Also das System ist offensichtlich dasselbe: Du hast ein Korn, du packst es in Aussaaterde, gießt es regelmäßig und dann wächst da eine Pflanze draus und dann pflanzt du sie draußen aus. Also so wahnsinnig kompliziert ist es tatsächlich nicht und das wollte ich auch gerne vermitteln.

Deswegen hatte ich dieses Jahr im Frühjahr einen Vortrag dazu gemacht zum Gärtnern für Anfänger·innen, um einfach zu zeigen, wie einfach das geht. Du brauchst echt nicht viel und ich glaube, mit einer Anleitung und mit einer kleinen Palette an Pflanzen kannst du im ersten Jahr auch einfach erstmal lernen, beobachten, gucken. Und wenn du dann Lust hast, kannst du das immer noch weiter ausbauen. Ich habe ja jetzt direkt im ersten Jahr mit einer wahnsinnig großen Palette angefangen an Pflanzen. Das war schon irgendwie krass, weil es sehr viele Eindrücke waren. Auch Internet ist Fluch und Segen zugleich. Du hast da sehr viele negative Sachen, irgendwelche negativen Kommentare. Facebook habe ich schon abgeschafft, weil wenn ich da lese, dann lese ich immer nur irgendwelchen Schrott. Aber so YouTube auch als Informationsquelle oder Vermittlung von Informationen und Weitertragen von Informationen, dafür ist es wirklich gut geeignet.

Stefanie Das heißt, dein Tipp jetzt so für Menschen, die dir nacheifern wollen, wäre also quasi: Fang einfach an, probiere was aus.

Julia Ja, definitiv.

Stefanie Okay. Und ich dachte gerade so, während du so erzählt hast, dass es schön wäre, wenn du uns auf eine gedankliche Reise in deinen Garten mitnehmen könntest, um mal zu beschreiben, wie es da jetzt aussieht. Weil letztlich, so wie du beschrieben hast, war es ja am Anfang einfach nur Brache. So und jetzt ist daraus was wunderbares entstanden. Magst du das mal machen?

Julia Ja klar, gerne, gerne. Ja. Wir haben vor dem Haus Beete, wo wir Blumen haben. Wir haben ein Beet zum Nachbarn hin, vorne, in dem mehrjährige Blumen wachsen, so Stauden. Das ist ein bisschen überwuchert. Und das lasse ich jetzt auch so, das ist quasi so ein Raum, da mache ich nicht so ganz viel. Und ein anderes Bild, da habe ich auch bienenfreundliche Pflanzen und Blühpflanzen, die mehrjährig sind, weil ich mich da nicht so viel drum kümmern möchte. Und ja, im Laufe des Sommers blüht es an unterschiedlichen Ecken, weil sie ja zu unterschiedlichen Zeiträumen auch blühen, die Kräuter und Blumen. Es gibt ja auch ganz tolle Kräuter, die wunderschön blühen und toll für Insekten sind. Also der vordere Bereich ist so ein bisschen eher so der der blühende Bereich.

Und hinten haben wir eine große Terrasse, da haben wir so mobile Beetkästen auch in Eigenbau gemacht, die stehen auf Rädern, damit wir sie auch immer mal hin und her schieben können auf der Terrasse, um die Terrasse zu gestalten. Und mittlerweile ist diese bei uns auch vollgestellt mit ganz vielen unterschiedlichen Kübeln, die ich zum Teil auch über Ebay Kleinanzeigen geschenkt bekommen habe oder für kleines Geld bekommen habe, wo sowohl Gemüse als auch Blumen wachsen. Weil ich das super schön finde, das in der Kombination miteinander anzubauen und das natürlich auch biologisch wertvoller ist. Also man kann sich das so vorstellen: Wir haben an der Terrasse dann wiederum sowohl Wildrosen stehen und auch ganz viele Blumen und Gemüse, auch ganz viele Tomaten, die in in kleineren Kübeln wachsen. So niedrige Buschtomaten, das ist total toll. Da kann man direkt rauskommen und snacken.

Und dann haben wir einen großen Gemüsegarten, der ist mit der Zeit gewachsen, immer größer. Ich habe immer mehr von dem ursprünglichen Rasen abgeluchst und mittlerweile ist mein Mann da so offen und sagt: Ja, komm jedes Jahr immer ein bisschen mehr Beete und ein bisschen mehr Nutzfläche, um den Garten zu gestalten, das ist wirklich gewachsen. Also es ist Wahnsinn. Wir hatten am Anfang nur das Hochbeet und mittlerweile haben wir drei Hochbeete an unterschiedlichen Stellen und drei sehr große Beete. Die sind 1,50 mal etwa 10 Meter. Ich habe sie nie ehrlicherweise gemessen. Wir haben sie irgendwann angelegt, indem wir von der Folgekultur, das immer so anbauen, dass das Beet sich dann vier Jahre regenerieren kann und dann eine andere Kultur da reinkommt. Also wir haben mittlerweile so eine Art Kreislauf. Das habe ich vor zwei Jahren mir ausgedacht, weil ich da ein bisschen mehr recherchiert habe.

Man kann sich das vorstellen, wenn man bei uns von der Terrasse in den Gemüsegarten geht, dann haben wir so einen Holzbogen. Und auf der linken Seite haben wir eine Kräuterbeet für Teekräuter. Da wachsen Agastache (Duftnessel) und ganz viele unterschiedliche Minzen, Baldrian, also da wächst ganz, ganz viel, was man zu Tee verarbeiten kann. Und auf der rechten Seite haben wir unser großes Steinhochbeet, in dem dieses Jahr Kohlpflanzen wachsen, zusammen mit Ringelblumen und Kornblumen, die sich von alleine ausgesät haben. Total schön also. Insgesamt hat sich im Hochbeet bei uns dieses Jahr sehr viel von selbst ausgesät, weil wir unseren Kompost drauf gemacht haben im Frühjahr und dort offensichtlich noch Samen waren von Zucchini und Kürbis und von Blattkohl. Und das hat sich ausgesät, das bleibt da jetzt auch.

Also ich muss die jetzt versuchen irgendwie zu leiten, weil Kürbis kann echt ganz schön was überwuchern. Da musste ich schon ein paar Pflanzen rausnehmen, damit der Kürbis seinen Platz hat. Aber ich lasse es gerne so wachsen. Also ich finde das, was von sich aus kommt und aufläuft, das ist auch das, was auch am robustesten wächst. Das ist schön zu beobachten, wie sich der Garten selbst gestaltet. Also das heißt, wir haben eine optische Begrenzung, wir haben keinen Zaun für den Gemüsegarten, weil wir auch keine Haustiere haben und man hat die optische Begrenzung. Aber durch das Kräuterbeet auf der einen Seite und auf der anderen Seite das Hochbeet und dann geht man in den Gemüsegarten rein, hat auf der linken Seite ein Hochbeet, guckt nach vorne auf ein Hochbeet und rechts hat man drei große Beete, die momentan bepflanzt sind mit Tomaten, Paprika, Auberginen, Stangenbohnen und Buschbohnen.

Wir haben dieses Jahr auch wieder Sojabohnen angepflanzt. Das ist total schön, weil die Blätter so super schön aussehen. Die sind so ein bisschen ja, ich will nicht sagen pelzig, aber die haben so kleine Härchen, die Blätter. Total faszinierend ist, dass die Sojabohne so wenig Pflege auch braucht. Also insgesamt, wenn man anfangen möchte mit unkomplizierten Kulturen. Auch im Hochbeet kann man Buschbohnen sehr gut anpflanzen, weil man die auch super nett ernten kann und weil die mehrmals auch blühen und immer wieder neu beerntet werden können. Also ganz, ganz tolle Kultur. Zucchini und Kürbisse haben wir im Beet, Zwiebeln in Verbindung mit Karotte haben wir ausgesät, Radieschen und Kohlrabi. Den ernten wir jetzt immer schön ordentlich, weil wir danach Winterporree auf das Beet in die Lücken pflanzen werden für Herbst- und Winterernte.

Und das ist total faszinierend, wie viele Kulturen es auch gibt, die im Herbst stehen bleiben können. Also den Grünkohl kennen viele Leute. Und auch der Rosenkohl, der kann wirklich den ganzen Herbst stehen, in den Beeten und beim Herbst- oder Winterporree - gibt ja unterschiedliche Sorten - der ist auch total toll. Wir hatten welchen, den haben wir auch im Frühjahr weiter geerntet und jetzt habe ich noch ein paar Pflanzen stehen lassen. Die sind jetzt gerade in der Blüte. Dann kann ich das Saatgut ernten und kann das wieder verwenden.

Also wir kaufen ausschließlich samenfeste Saatgut und haben dadurch den Vorteil, dass wir nicht immer alles neu kaufen müssen. Natürlich muss man sich darum kümmern, dass man es rechtzeitig aberntet, das Saatgut, dass das quasi nicht alles im Beet landet und man später ganz viel Porree an einer Stelle hat, wo man es eigentlich nicht haben möchte. Aber es ist total cool. Also wirklich. Und das kostet natürlich auch alles Zeit. Aber es bringt auch so wahnsinnig viel.

Mich hat der Garten total geerdet, muss ich sagen. Ich hatte vorher so wenig Ahnung von Naturvorgängen, sage ich mal, und erst durch den Garten bin ich so ein bisschen zu dem geworden, was ich jetzt bin. Also ich glaube, viele würden mich als mega Öko bezeichnen, aber der Garten und euer Podcast haben mich zu dem gemacht, was ich bin, muss ich tatsächlich sagen. Und vielen Dank deswegen auch an an dich und an Carsten für das, was ihr macht, weil diese Sachen diese Kombination von selber anbauen sehen, was für ein wertvolles Gut Natur ist und wie viel uns das gibt in der Kombination mit den Informationen, mit denen ich dann von euch gefüttert worden bin, das ist am Ende des Tages das was daraus geworden ist. Und deswegen setze ich mich selber jetzt auch für diese Themen ein.

Stefanie Das ist natürlich total lieb!

Julia Wir sind ein bisschen von deiner ursprünglichen Frage weggekommen...

Stefanie Aber Komplimente nehme ich natürlich immer gerne an, also es ist alles gut. Wir haben ja hier die Tomatenretter in der Nähe, die unterschiedlichste Tomatensorten anbauen und ich glaube, in meinem letzten Bildungsurlaub war ein Teilnehmer, der da auch in der Nähe wohnt und die dann auch kannte und mir dann auch noch mal gesagt hat, dass der Vorteil ja an den verschiedenen Tomatensorten auch ist, dass sie dann quasi ja eine große Zeitspanne im Jahr abdecken können, dass ich relativ früh Tomaten und relativ spät Tomaten auch schon haben kann. Das fand ich auch ganz interessant, weil ich einfach vorher da auch nicht so drüber nachgedacht habe.

Julia Genau, manche Tomaten blühen früher und andere ein bisschen später. Hängt auch so ein bisschen davon ab, ob man Cherrytomaten hat oder Fleischtomaten. Cherrytomaten sind ja auch super schnell reif und Fleischtomaten brauchen immer ein bisschen länger. Ich habe bei mir einfach alles im Garten. Ich mache mir gar nicht so den Kopf darum, dass ich möglichst viel abdecke. Also zumindest bei den Tomaten nicht. Also ich habe ganz viele Herbst- und Winterkulturen, auch so ganz viele unterschiedliche Kohlsorten und sowas auch da. Es gibt Frühporree, also so ein Sommerporree, den säht man sehr früh aus und kann den den Sommer über schon beernten. Und es gibt auch Winterporree. Das ist dann einer, der ist ein bisschen dunkler, meistens von der Farbe her auch und der kann den ganzen Winter über stehen und das ist auch bei Salaten.

Ganz viele Salate kannst du über den Winter auch in den Beeten lassen, meist lieber ein bisschen abgedeckt, damit da nicht so ganz viel Regen dran kommt. Aber viele haben ja auch so eine Haube über dem Hochbeet und da kann man auch ganz viel kultivieren. Auch so Sachen wie Mangold wächst in den Herbst rein kann, kann man wirklich sehr lange die Ernte verlängern. Und hier der Gartengemüsekiosk Youtubekanal - ist jetzt echt viel Werbung für die, aber die machen das auch sehr liebevoll und sie haben mittlerweile auch einen Shop, aber sie machen den Kanal nicht wegen des Shops, sondern um das Wissen weiterzugeben. Und das merkt man viel. Finde ich auch. Und ich glaube, sie ist auch Veganerin. Und ja Du gibst ja irgendwie auch so eine Art Philosophie weiter - und da zeigen sie auch was, wie man die Ernte verlängern kann und was man so alles machen kann, um auch zu verfrühen. Also dass man im im Haus vorkultiviert zum Beispiel in Töpfen auch zum Beispiel Bohnen und sowas und die sehr früh dann direkt schon rauspflanzen kann, sobald es nicht mehr friert. Also damit man möglichst lange sich selbst versorgen kann. Und das ist, ich muss da auch tatsächlich sagen, im Sommer kaufen wir kein Gemüse, wir haben so viel im Garten und dann gehe ich raus und gucke mir an, was ist da? Und dann überlege ich, was ich koche. Also es ist total toll. Muss man natürlich spontan sein und gerne kochen und kreativ sein. Ich bin es zum Glück. Also mega gut.

Stefanie Gibst du auch was von deiner Ernte weiter, wenn du so viel hast? Oder machst du dann viel ein, kochst viel ein und machst es haltbar für den Winter?

Julia Also ich verteile auch schon mal Tomaten, aber es ist tatsächlich so, dass ich auch gezielt für den Winter einkoche. Also wir haben die letzten zwei Jahre wahnsinnig viele Tomaten geerntet und Paprika und ich habe letztes Jahr zwei riesige Schubladen, da sind nur Tomatensoße unterschiedlich gewürzt für unterschiedliche Zwecke auch mal für Pizza selber machen oder so eine Tomatensoße mit Gemüse oder was auch immer. Das heißt, ich habe keine Tomatensoßen oder keine stückigen Tomaten oder Dosentomaten gekauft, sondern wir haben uns tatsächlich aus dem Garten auch im Winter vollständig mit Tomaten versorgt, wenn man so will. Man kann da auch Ketchup machen. Ketchup kaufen wir tatsächlich noch, aber wir essen sowieso relativ wenig Ketchup. Also demnach ist das jetzt nicht so mega relevant, aber ja, also möglichst viel selber machen.

Zucchini, da mache ich gerne Zucchini Pattis auch wirklich in Massen und friere das ein. Bohnen kann man super einfrieren und aber auch einkochen. In eingekochten Zustand zum Beispiel mit Dill kann man das super einfach zu dem normalen Essen dazupacken oder Zucchini süß sauer. Also man kann ganz viele Kulturen haltbar machen für den Herbst und das ist super toll, wenn man dann im Januar noch mal irgendwie so ein Glas aufmacht und dann weiß, wo das gewachsen ist. Also da bin ich auch wirklich im Sommer und zum Herbst hin, im Spätsommer stehe ich sonntags meistens wirklich Vollzeit in der Küche und kümmere mich darum, dass das haltbar gemacht wird.

Und es gibt natürlich auch viele Sachen, die kann man einlagern. Also wir hatten jetzt auch Kartoffeln für den Winter letztes Jahr, haben wir auch viel lange noch von gegessen und Kürbis und sowas. Das ist super zum Einlagern, da sind wir noch nicht perfekt, was das angeht. Also ich hatte jetzt schon überlegt, ob wir uns nicht so eine Art Erdmiete machen, so eine Art Erdkeller, in den Boden rein, um das Ganze irgendwie da aufzubewahren, weil wir so einen Schuppen haben, aber der ist nicht frostsicher. Das heißt, wenn es wirklich kalt wird, dann wird es schwierig mit dem eingelagerten Gemüse. Der eine oder andere Zucchini hat es auch nicht überlebt. Der kam dann auf den Kompost und jetzt säht er sich selber aus.

Ich liebe auch Kürbis und mein Wunsch wäre es tatsächlich noch eine Fläche zu haben, wo wir noch diese wüchsigeren Kulturen, sage ich mal, in größeren Umfang anbauen können. Weil ich kann natürlich nicht meinen ganzen Garten mit Zucchini bepflanzen. Das wuchert sehr viel. Ja, da würde ich gerne noch mehr. Süßkartoffeln würde ich auch sehr gerne in größeren Stil anbauen, weil das Zeug funktioniert gut. Wir haben hier in der Lüneburger Heide auch einen Betrieb, der Süßkartoffeln im landwirtschaftlichen Stil anbaut und es funktioniert. Auch ein Biobetrieb, die auch im Übrigen ganz viel mit Gründüngung arbeiten, mit Klee und so ein Kram. Also die gar nicht - aber da weichen wir so ein bisschen vom eigentlichen Thema ab, ich weiß, aber es ist total faszinierend, weil es gibt schon landwirtschaftliche Betriebe, die auch so in die Richtung tierfrei anbauen und es funktioniert auch.

Stefanie Ja, es gibt ja auch den Biozyklisch Vegan Anbau Verein, die dann auch schon in Deutschland, zwar nicht flächendeckend, aber schon punktuell aktiv sind. Also von daher ja, es geht. Genau. Vielleicht noch mal, damit wir uns das besser vorstellen können: Wie groß ist dein Garten?

Julia Jetzt muss ich mal überlegen. Also unser Grundstück sind insgesamt etwa 1200 Quadratmeter. Und die Gemüsefläche. Wir haben ein Gewächshaus mittlerweile. Jetzt muss ich mal überlegen. Wie viel ist denn das? Ja, vielleicht 50, 60 Quadratmeter. Also, es ist nicht viel, aber schlau gedacht kann man auch auf einem kleinen Grundstück was machen. Und ich kenne auch viele, die wirklich nur auf der Terrasse Tomaten anbauen und trotzdem wahnsinnig viele Tomaten haben und eine gute Ernte einfahren können. Also ich war jetzt gerade letztens bei jemandem, die hat irgendwie zehn Tomaten einfach entlang der Terrassenkante stehen und sagt Oh, ich weiß gar nicht, was ich damit alles machen soll, aber man kann ja auch Tomatensoße machen und sowas. Ja genau der richtige Weg: Erstmal anfangen und gucken und dann wird sich das entwickeln. Also viele haben auch einen Garten, der Potenzial hat. Ich habe auch bei ihr schon direkt geguckt und gedacht: Aha, das sollten wir beobachten.

Stefanie Ja und hättest du gedacht, als ihr das Haus gebaut habt oder davor vielleicht, dass du heute an diesem Punkt bist mit dem Garten?

Julia Nee, gar nicht. Ich muss auch sagen, ich habe in meinem Studium schon eine Freundin gehabt, die sich vegetarisch ernährt hat. Und ich war zu dem Zeitpunkt noch so drauf, dass ich sagte: Ah ja, okay, gut, also der Gedanke ist gut, aber so ganz auf Fleisch verzichten könnte ich nicht. So, und wenn ich jetzt darüber nachdenke, dass ich das seinerzeit gesagt habe und dass ich jetzt an dem Punkt stehe, dass ich sage: Leute, wie könnt ihr das machen? Also nein, hätte ich nicht gedacht. Auch mit dem Garten nicht, weil ich einfach so ab war von diesen Themen und mich einfach mit ganz anderen Sachen beschäftigt habe. Da muss ich ehrlich sein, schon auch ein bisschen oberflächlich, auch viel mit mir selber beschäftigt und viel rein mit, ich sag mal, Konsum von Dingen und Konsum von Dienstleistungen. Wie auch immer.

Also ja, das kam tatsächlich erst mit diesem Thema. Mit dem Garten in Berührung kommen und mit Natur in Berührung kommen. Und dazu muss man sagen wir leben ja schon immer auf dem Land. Es ist nicht so, dass ich ein Stadtkind bin, und ich bin auch mit Landwirtschaft aufgewachsen, aber mit zehn war das dann zu Ende. So, und danach lebt man in seiner Wohnung und hat da nicht so viel mit zu tun. Und das ist der Grund. Also dieses Thema mit wieder zum Gärtnern kommen oder sich mit Pflanzen beschäftigen. Das ist ja der Grund, warum es mir so wichtig ist, Leute dafür zu motivieren, auch klein anzufangen, auf der Terrasse anzufangen, auf dem Balkon anzufangen.

Wenn man einen Garten hat - das ist ja schon echt ein Privileg, einen Garten zu haben - dass man tatsächlich auch sagt: Ach komm, ich habe da eine kleine Ecke und da mache ich was hin und gucke erstmal, wie es wächst. Und wenn es mir Spaß macht, dann kann da nächstes Jahr ein bisschen mehr stehen. Und so wird sich das hundertProzentig auch entwickeln. Die Leute sind meistens angefixt, wenn die einmal damit angefangen haben und merken, das funktioniert, dann macht es auch vielen echt viel Spaß. Und dann wird in der Regel auch mehr draus. Und das ist so ein bisschen der Grund, warum es mir wichtig ist, das weiter in die Welt zu tragen und ich kann in meiner Bubble ja vieles machen so, aber tatsächlich auf Leute zuzugehen und Leuten zu helfen, die vielleicht Interesse haben, sich aber nicht trauen. Und mit unserem größeren Projekt möchte ich dann auch wirklich mehr Leute dazu motivieren und das Ganze ein bisschen öffentlicher machen.

Stefanie Das wäre jetzt so die super Überleitung, aber ich habe immer noch so eine Frage im Kopf. Ich hatte ja mal da aus dem Buch „Geflochtenes Süßgras“ von der Robin Wall KImmerer was geteilt, dass sie zu der Frage „Wie können wir die Verbundenheit zur Natur wieder stärken?“, immer sagt „Leg einen Garten an!“ und ich weiß nicht, du hast es vorhin schon so ein bisschen angesprochen, dass du dich quasi wirklich geerdeter fühlst. Also sowohl als auch. Kannst du das bestätigen?

Julia Auf jeden Fall. Wunderschönes Buch. Ich habe das als Hörbuch gehört, während ich gegärtnert habe. Ich kann wirklich alles bestätigen, was in diesem Buch ist. Es ist so viel Liebe, die daraus wächst, dass man auf einmal anfängt, Pflanzen zu kultivieren, dieses Wunder, was es eigentlich ist. Ich habe dieses Jahr noch mal Tomaten Saatgut rausgekramt, was ich die letzten zwei Jahre nicht benutzt hatte. Ich war mir gar nicht sicher, ob das überhaupt keimt und davon mehr ausgesät. Ich habe da wirklich echt viel drauf gehauen. Und dann hatte ich am Ende 30 Tomatenpflanzen von einer Sorte und habe das angefangen zu verteilen - Also ich verschenke auch sehr viele Pflanzen an Leute aus meiner Umgebung - und das ist, wenn du siehst, wie die ersten Keimblätter kommen und wie dann aus diesem kleinen Korn eine große Pflanze wird, die dich versorgt, am Ende mit Früchten: Es ist einfach so wunderschön.

Ich glaube, das muss man wirklich selber erleben. Es ist schwierig das zu beschreiben, weil das Gefühle sind, die beim Gärtnern kommen. Und für mich ist immer klar: natürlich ist es auch irgendwo Arbeit, aber ich empfinde das trotzdem deutlich mehr als Bereicherung, als dass ich das als Bürde empfinde. Natürlich bist du verpflichtet, wenn du Pflanzen wachsen hast, dich um die zu kümmern. Aber dieses Wunder - die Natur ist einfach so cool. Ich meine, man muss sich damit einfach mal beschäftigen, da fallen Saatkörner runter in den Boden und irgendwann keimen sie wieder. Also das ist so ein ein Segen, dass wir das haben und zu sehen wie Pflanzen wachsen, wie sie blühen, wie daraus erst kleine Früchte werden, die immer größer werden, die irgendwann reifen.

Vielen Leuten ist ja auch nicht klar, dass eine Paprika grün ist und dann von Grün zu Rot irgendwann wechselt. Also dass das ein Prozess ist, das ist wahnsinnig, wahnsinnig toll und daran erkennt man ja auch was eigentlich in der Region wachsen kann, was zu welcher Jahreszeit wachsen kann. Man ist viel wertschätzender, auch wenn man einkaufen geht. Und dann sieht man das Gemüse und weiß auch, was dahinter steckt. Auch so einen Blumenkohl, wie lange der braucht von diesem kleinen Pflänzchen, bis sich dieser große Kopf ausbildet. Das ist ein langer Prozess. Die Pflanze braucht viele Nährstoffe und die Nährstoffe nimmt die Pflanze aus dem Boden, speichert das in sich selber und in den Früchten ab und wir Menschen nehmen dann diese Nährstoffe wieder auf, das heißt, je fruchtbarer der Boden ist, desto mehr Nährstoffe nimmt man ja auch selber auf. Also einfach auch auf einer rein biologischen Ebene.

Wissenschaftlich betrachtet ist total toll. Aber ja, als ich das Hörbuch gehört habe, habe ich gedacht: Ja, auf jeden Fall genau das. Also das Hörbuch kann ich wirklich allen empfehlen. Wunderschön. Ich habe gleich Bock, das noch mal zu hören. Auch die Pflanzen. Also viele sprechen ja von Unkraut, ne? Im allerersten Jahr kroch ich da tatsächlich teilweise bei uns durchs Gras - weil wir haben keinen richtigen Rasen angelegt, da war viel kaputt, da haben wir noch mal neu ausgesät, aber da waren noch ganz viel Samen von den Wildkräuter, die vorher da auf dieser Wiese gewachsen sind -und ich kroch dann tatsächlich durch den Garten und habe alle Pflanzen fotografiert, die bei uns im Rasen wachsen, weil die blühen ja auch so total schön. Das meint man gar nicht, wie cool das ist, wenn man das nicht als nerviges Unkraut ansieht. Und wir haben den Rasen immer noch so.

Wir waren jetzt am Wochenende bei der „Klimawende von unten Konferenz“ in Kassel und dann kamen wir zurück mitten in der Nacht und Montagmorgen hatten wir noch frei und ich kam raus und es hat alles geblüht. Unser gesamter Rasen hat geblüht, das war so wunderschön und du gehst da hin und guckst dir das an und siehst da die ganzen Insekten drin. Ich habe ja auch schon ein schlechtes Gewissen, aber ab und zu müssen wir auch mähen. Ich bin auch Allergikerin, ich bin allergisch gegen Grassamen. Das ist deutlich besser geworden, seitdem ich tatsächlich auch viel draußen bin. Aber ich merke es schon, wenn es lange trocken ist, müssen wir irgendwann so oder so mähen. Und ich habe auch immer ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, okay, wir schneiden jetzt den Lebensraum der Insekten weg. Ja. Hätte keiner gedacht, früher hatte ich Angst vor Spinnen und jetzt gebe ich denen Namen. Nie hätte ich gedacht, dass sich in so ein paar Jahren so viel tut bei mir. Also ich bin gefühlt ein völlig anderer Mensch.

Stefanie Hat das was mit dir gemacht?. Also bei mir war es zum Beispiel so, dass ich früher, als ich noch Vegetarierin war, als ich dann gefragt wurde: vegan?, habe ich gesagt: Ja, niemals!

Julia Was essen die überhaupt?

Stefanie Genau. Ja, also dieser Standard. Und so war das jetzt ja in den letzten sieben, acht Jahren die ganze Zeit über eigentlich bei mir, dass ich immer wieder an so einen Punkt gekommen bin, wo ich gedacht habe, ach, jetzt kann ich mir das vorstellen, also dass ich da irgendwie offener geworden bin. Ist das bei dir auch so bei solchen Sachen, dass du irgendwie das Gefühl hast, nicht mehr sofort in Abwehrhaltung zu gehen und zu sagen: Nee, das kann ich mir niemals vorstellen, sondern hast du irgendwie ein offeneres Gefühl jetzt?

Julia Ja, ich denke schon, weil ich gelernt habe, dass man am Ende des Tages sich selber gedanklich begrenzt. Also dieses Thema mit vegetarisch ist eigentlich eine gute Sache, aber vegan? Was essen die Leute so und dann wirst du auf einmal innerhalb von wenigen Monaten vegan und denkst wie konntest du sowas bescheuertes denken? Also ja, ich bin auch gegenüber Menschen, die ich nicht unbedingt nachvollziehen kann, trotzdem offener. Weil mir klar ist, es ist einfach nur eine andere Sichtweise auf Dinge ist. Jede·r hat ja eine Sichtweise aufgrund der Erfahrungen, die er oder sie gemacht hat. Jeder Mensch ist mit anderen Sachen aufgewachsen, ist anders erzogen worden, hatte Kontakt mit anderen Menschen. Also deswegen unterschiedliche Sicht. Auch das hat Grenzen. Also wenn jemand mit mir über Corona spricht oder über Krieg, auch das hat Grenzen. Also ich lasse mich auch nicht auf jedes Gespräch ein, aber ich bin deutlich offener Menschen gegenüber, die auch anders denken, sage ich mal und versuche mich erstmal hineinzuversetzen. Und was ich auch immer gerne mache, ist mich tatsächlich gedanklich auf die andere Seite zu begeben - wenn wenn man jetzt also am Tisch miteinander spricht - und zu gucken, was sind die Argumentationswege, wie kommen die zustande? Also das hilft schon sehr. Ja, ich bin offener. Deutlich.

Stefanie Und wir hatten jetzt vorhin schon öfter mal darüber gesprochen, dass du auch in der Gemeinde dich engagierst und in Gemeinschaft sozusagen. Und ich stelle mir auch so vor, wenn jetzt Menschen das hören, worüber wir gerade sprechen - und du hattest ja auch schon gesagt, das ist sehr viel Zeit, die du da investierst, in deinen Garten - dass vielleicht nicht jede·r gleich so für den Anfang erstmal so einen Garten oder so viel Zeit hat und vielleicht manche auch sich das alles nicht selbst aneignen, sondern vielleicht mit anderen zusammen werkeln wollen. Wie bist du denn da hingekommen, dass du dich dann engagiert hast in der Gemeinde und was hast du da so für Erfahrungen gemacht?

Julia Ja, also ich habe mich ja lange Zeit erstmal nur über Instagram engagiert im kleinen Rahmen und wir hatten aber im Herbst letzten Jahres ein Bürgertreffen, das wurde initiiert von einer Flüchtlingsinitiative ursprünglich eigentlich. Da gab es eine hauptamtliche Kraft, eine Sozialarbeiterin, die durch Fördermittel finanziert ein Projekt aufbauen wollte, Gemeinwesenarbeit, und die hatten eine Studie gemacht. Darüber bin ich überhaupt auf das Thema gekommen, weil ich mich irgendwann mal informiert habe darüber, was gibt es bei uns in der Gemeinde und festgestellt habe, wir haben ein Dorfgemeinschaftshaus und da laufen auch so manche Sachen. Also da gibt es schon eine Begegnungsstätte.

Und dann war ich bei dieser Bürgerversammlung und man hat darüber gesprochen, was für unterschiedliche Interessen gibt es bei uns in der Gemeinde? Und da gab es Punkte aus dieser Studie, sage ich mal, aus dieser Erhebung zu den Themen und ich habe an dieser Studie selber auch teilgenommen und hatte da nämlich auch eingetragen: Ich kann mir vorstellen, mich im Thema Garten einzusetzen. An diesem Thema war ich schon sehr interessiert. Es haben sich bei diesem Treffen unterschiedliche Grüppchen zusammengefunden. Das wurde moderiert und ich hätte zu jeder Gruppe gefühlt gehen können, außer zu der Kneipe, da waren aber auch schon ganz viele und am Ende habe ich mich mit meiner jetzigen Mitstreiterin zusammengefunden zur Gruppe Gärtnern und darüber kam das Ganze auf.

Manchmal muss man wirklich, wenn man aktiv werden möchte, aktiv gucken, was gibt es eigentlich in der Gemeinde? Vielleicht kann man sich auch irgendwo andocken. Das ist bei uns ja auch so, wir haben uns ja jetzt gefunden. Wir sind jetzt die Arbeitsgruppe „Thedinghausen grünt“, und von da aus sollen ganz viele Projekte noch starten. Also wir haben als allererste Maßnahme einen Gartenstammtisch organisiert. Wir treffen uns einmal im Monat, sind mittlerweile im Verteiler ein Pool von 24 Leuten, die mal mehr, mal weniger regelmäßig da sind. Wir treffen uns einmal im Monat, sprechen über den Garten, verteilen zum Beispiel auch Saatgut oder Jungpflanzen. Also jede·r baut ja andere Kulturen an und wenn man dann im Garten quasi seine Sachen angepflanzt hat und dann noch welche über hat, dann tauschen wir das auch miteinander. Für nächstes Jahr haben wir einen Pflanzenflohmarkt eingeplant, zum Beispiel.

Momentan sind wir auch in den Gärten von den Teilnehmenden unterwegs. Also wir treffen uns jetzt über den Sommer in den unterschiedlichen Gärten, um zu gucken wie, wie ist es gestaltet und wir unterhalten uns sowohl über Gemüseanbau, aber auch über Blumenanbau, über Gärtnern an sich, tauschen uns aus. Das ist super wertvoll. Da sind Leute dabei, die noch fast keine Ahnung vom Gärtnern haben, die gerade so anfangen und welche, die auch seit 20 Jahren schon gärtnern. Und das ist echt eine echt coole Truppe, auch vom Alter her alles dabei. Also okay, ich sag mal unter 25 ist momentan nichts dabei. Aber das kann ja noch kommen. Also wir würden gerne noch mal größer werden und haben deswegen aus diesem Stammtisch heraus - das war für uns die Möglichkeit noch mehr Garteninteressierte zu kommen und die Anna und ich, wir, die das quasi jetzt so initiiert haben, die Arbeitsgruppe - wir würden gerne noch mal einen Gemeinschaftsgarten anlegen bei uns im Ort.

Und das hat ein bisschen gedauert, bis wir genug Leute zusammenbekommen haben, die Interesse haben, sich an so einer Planung zu beteiligen. Wir haben keine Fläche. Unsere Idee ist es jetzt erstmal, uns zu treffen, ein Konzept zu entwickeln, zu gucken, welche Nutzergruppen wollen wir erreichen. Wir sind ja auch ländlich gelegen. Viele haben auch einen eigenen Garten. Die würden wahrscheinlich auch nicht unbedingt in einen Gemeinschaftsgarten kommen. Unsere Idee ist es , einen interkulturellen Garten anzulegen. Das heißt auch zu gucken, dass die Menschen, die Geflüchtete sind und zu uns dazu kommen in die Gemeinde, dass sie einen Ort haben, um sich auszutauschen und als eine Art Begegnungsstätte. Also das ist so erstmal unser Gedanke, wir müssen uns da noch finden, wir müssen viel recherchieren. Das sind jetzt so die Arbeiten, die anstehen, Recherchearbeiten.

Ich habe jetzt Webinare, für die ich mich angemeldet habe und wir treffen uns im August, wenn dann quasi so die Leute mit ihren Urlauben durch sind und tragen das Ganze zusammen, wollen dann ein Konzept erarbeiten und damit an die Gemeinde herantreten, um zu gucken, ob wir eine Fläche bekommen können, damit wir quasi jetzt schon im Herbst und im Frühjahr Vorbereitungen machen können, damit es hoffentlich nächstes Jahr im Sommer losgehen kann. Da gibt es tatsächlich auch Fördertöpfe, für das Ganze, vielleicht auch bei den Baukosten. Also wir wollen natürlich möglichst viel in Eigenregie machen, auch selber Fördermittel vielleicht auch von Betrieben aus der Umgebung sammeln, aber klar kannst du nicht alles finanzieren. Und abhängig davon, wie groß das Ganze werden wird, werden wir vielleicht auch Fördermittel beantragen müssen. Also das wird noch ein ganz spannendes großes Projekt.

Du musst es ja auch noch öffentlichkeitswirksam machen, also Öffentlichkeitsarbeit betreiben, die Zielgruppen überhaupt erreichen. Und mein Wunsch ist tatsächlich, dass es irgendwann eine Begegnungsstätte ist, wo man auch Projekte macht, wo man vielleicht Schulklassen einlädt oder vielleicht auch so einen Schulgarten anlegt zusammen mit einer Schule. Wir haben hier zum Beispiel eine Grundschule und das kann ich mir auch gut vorstellen, dass das in diesen Bereich reingeht, um auch die Kleinen zu begeistern für das Thema und einfach das Thema Natur näher zu bringen. Ich habe ganz, ganz viele Ideen, neben dem Klimaschutzaktivismus, der vielleicht bald noch dazukommen wird. Ich fange jetzt an, schon irgendwie Übersichten zu machen. Ich habe so viele Sachen in meinem Kopf.

Stefanie Was motiviert dich denn jetzt von deinem Garten, der ja auch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und wo du ja auch eigentlich für dich bleiben könntest, dann dich in Gemeinschaft zu engagieren?

Julia Es ist einfach so ein tolles Miteinander und ich möchte einfach Menschen, die vielleicht auch die Chance gar nicht haben, diese Chance ermöglichen, zusammen zu gärtnern. Klar, ich könnte natürlich auch in meinem eigenen Garten mein Ding machen und manchmal ist es auch schön. Gerade dann, wenn ich ganz viel Weltschmerz habe, wenn ich zu viel Nachrichten gelesen habe, wenn ich irgendwelche Untersuchungen gelesen habe, irgendwelche Studien und so, dann brauche ich auch einfach mal so ein bisschen Zeit für mich, in meinem Garten, in Ruhe. Aber das war auch etwas, was ich früher auch nicht unbedingt so gesehen habe. Dieses unter Leuten sein und irgendwie sich mehr in Gemeinschaft so zu betätigen, das habe ich vorher auch nicht so gesehen. Aber mittlerweile finde ich, das gibt auch wahnsinnig viel. Ich kann das schwierig beschreiben. Ich glaube, ich habe mich als Person einfach noch so viel mehr in Richtung soziales Miteinander weiterentwickelt.

Also auch dieses Thema mit: Brauche ich alles alleine oder kann ich das mit anderen Menschen teilen? So auch das im Garten. Braucht jede·r einen Rasenmäher oder kann man sich so was teilen? Das kannst du in einer Gemeinschaft viel besser, als alleine und du lernst in einer Gemeinschaft ja viel viel mehr voneinander. Ansonsten hockst du alleine in deiner Blase und hast irgendwann keine Ahnung. Am Ende des Tages ist ja Social Media genauso irgendwie eine Gemeinschaft. Ich hänge auch da in meiner Instagram Blase mit Menschen, die gärtnern und ich gucke mir deren Gärten an, suche Ideen heraus. Manchmal schreibe ich die auch an und sage: Was hast du da gemacht, damit es so ist? Und die sagen „das und das“ und ich sage okay, alles klar. Das kannst du aber nur, wenn du mit Menschen auch kommunizierst. Das funktioniert ja von alleine nicht.

Und ich möchte gerne dieses Gemeinschaftsding und das Gärtnern miteinander verbinden. Ich glaube, das ist auch genau richtig miteinander. Also ich glaube, das funktioniert gut, das gemeinschaftliche Gärtnern. Man muss bestimmte Regeln aufstellen. Es ist immer schwierig, wenn du irgendwo anbaust und auf einmal pflückt jemand deinen Kram. Also die Frage: Ist es meins oder ist es Gemeinschaftsgut? Auch das. Also es gibt da auch unterschiedliche Konzepte, wie Gemeinschaftsgärten funktionieren. Hat jede·r sein·ihr kleines eigenes Feld oder gibt es einen großen Garten, wo jede·r quasi alles machen kann? Mich motiviert zu sehen, dass Menschen mehr Wertschätzung für die Umwelt empfinden durch das gemeinschaftliche Gärtnern. Dass diese ganzen Prozesse der Umwelt klarer werden. Und ich glaube, das kann dazu führen, dass Menschen auch sich dann wiederum mehr engagieren oder in ihrem eigenen Tun auch hinterfragen, was gut ist und was weniger gut ist, sage ich mal. Und das motiviert mich , weil ich denke, das kann eine Tür öffnen, Natur und Naturschutz zu verstehen.

Stefanie Hattest du auf diesem Weg, den du jetzt in die Gemeinschaft gegangen bist, auch mal Momente, wo du das Gefühl hattest, du kommst irgendwie nicht weiter? Waren da Widerstände, wo du gedacht hast: Ach nee, ich habe doch keinen Bock auf Gemeinschaft, das ist so anstrengend, ich will doch lieber wieder zurück in meinen Garten?

Julia Ja klar, Widerstände gibt es immer. Aber am Ende muss man sagen es gibt immer Interessen und die Interessen können auch voneinander abweichen. Und dadurch, dass jeder Mensch anders ist. Und ich bin schon so, dass ich sage, ich bin offen dem gegenüber. Aber es kann natürlich trotzdem anstrengend werden. Gerade so Sachen wie Koordination. Wir hatten jetzt beim Gartenstammtisch, zum Beispiel, im Dorfgemeinschaftshaus quasi diesen Tag gehabt, den einen Freitag im Monat, an dem wir uns getroffen hatten und hatten dann irgendwann das Problem, dass eine andere Arbeitsgruppe da rein wollte und aber gesagt hat, wir brauchen jeden Freitag und das heißt auch euren Freitag dort. So, und dann musst du dich erst mal irgendwie zusammensetzen und diesen Konflikt lösen, weil du hast unterschiedliche Interessen und erst durch ein Gespräch - ich muss sagen, es brodelte bei meiner Gartenkollegin und mir, was diese Platzsituation anbetraf - und dann hatte ich irgendwann eine Mail geschrieben und gesagt Leute, ich glaube, wir müssen uns mal irgendwie treffen, weil ich gerade ein bisschen frustriert bin und es war auch gut, dass wir uns getroffen haben, konnten wir darüber sprechen, was sind die unterschiedlichen Ansichten?

Also ich finde, manchmal ist so ein eins zu eins Gespräch, also richtig persönlich, deutlich besser als irgendwie Mails hin und her zu schreiben, weil viele Informationen gehen dann doch irgendwie verloren oder man spricht nicht alles aus. Ja, es kann auf jeden Fall anstrengend sein Und je mehr Leute dazukommen, desto anstrengender ist es natürlich auch, weil jede·r einen anderen Hintergrund mitbringt und andere Interessen auch. Gerade wenn man mehrere Arbeitsgemeinschaften koordiniert, ist es schon auch ein bisschen Arbeit. Aber der Widerstand kommt wahrscheinlich erst, wenn ich im Bereich Klimaschutzprojekte aktiv sein werde, bei mir in der Gemeinde.

Wir waren ja bei der „Klimawende von unten Konferenz“, mein Mann und ich, in Kassel und haben ganz viel über Bürgerbegehren und so was gelernt. Bezieht sich aber viel auf urbanen Raum. Wir sind hier dörflich gelegen, das heißt, bei uns funktioniert das vielleicht auch alles noch mal ein bisschen anders. Und da kann ich mir aber vorstellen, wenn es darum geht zu sagen, wie kann unsere Kommune klimaneutral werden und was passiert schon, was muss vielleicht noch angestoßen werden? Ich kann mir vorstellen, dass da noch Interessen dabei sind, dass das dann noch ein bisschen schwieriger sein wird. Aber da bin ich momentan noch nicht. Also momentan hält sich das in Grenzen, aber ich kann mir vorstellen, wenn da wirtschaftliche Interessen dazukommen, dass das dann vielleicht ein bisschen unangenehmer sein könnte.

Stefanie Das heißt, du hast da schon Pläne, möchtest in die Richtung gehen?

Julia Ja, mehr oder weniger. Also eigentlich muss ich sagen, ich finde es schwierig, dass bei uns das Thema Mobilität eher eine untergeordnete Rolle spielt. Wir sind auf dem Dorf und ich hatte jetzt gerade die Situation, wir haben in dem Ort, wo ich arbeite, so einen Markt gehabt und wollten uns von der Arbeit dort treffen. Ich hatte an dem Tag frei und hatte gedacht, okay, dann fahre ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hin, bin dann nachmittags tatsächlich auch mit dem Bus hingefahren. Das war super. Das hat auch gar nicht viel länger gedauert als mit dem Auto. Aber ich konnte nicht zurück, weil ab 18:30 Uhr keine Busse mehr zu mir aufs Dorf fahren und solche Geschichten. Da würde ich gerne noch mal rangehen und sagen: Ja, wie können wir es machen, dass zumindest vielleicht noch mal ganz spät etwas fährt?

Das Ding ist, auf dem Land bist du entweder aufs Auto angewiesen oder du musst gucken, wie du mit jemand anderem nach Hause kommst. Aber dann musst du auch schon sehr offen und extrovertiert sein, dass du sagst keine Ahnung, irgendwie Leute nett sich aufbauen, dass man man mit anderen Leuten in Kontakt kommt und das Thema irgendwie nochmal weiter angeht. Aber ja, also dieses Thema Mobilität, das beschäftigt mich . Ich weiß aber nicht, das ist ja auch immer eine Sache von wie ist das auf dem Dorf bei uns überhaupt mit denen? Wie viele unterschiedliche Verkehrsunternehmen gibt es denn überhaupt? Also es ist auch ein wahnsinniger Rechercheaufwand und dann muss man vielleicht auch einfach mal auf die Gemeinde zugehen und sagen: Sag mal, habt ihr irgendwie was geplant? Also es ist auch immer schwierig. Gemeinde ist ja die unterste kommunale Ebene. Dann hat man noch die Landkreisebene.

In der Stadt ist es ein bisschen einfacher. Du hast dann die Stadt, die für ein ziemlich großes Gebiet zuständig ist und in der Regel hast du dann eine·n Ansprechpartner·in. Bei uns ist es ein bisschen komplizierter und wir sind auch noch eine Samtgemeinde, Das heißt, wir haben mehrere Mitgliedsgemeinden so und jeder macht so sein Ding. Das ist diese kommunale Struktur zu verstehen und zu verstehen, an wen kann ich mich eigentlich wenden und wo enden die Befugnisse von dem und wo fangen die von dem anderen an? So, das muss man dann beleuchten und gucken, wie man dann dazu kommt.

Stefanie Das heißt aber auch, dass du an einem Punkt bist, wo du das nicht einfach so hin nimmst mit der Mobilität zum Beispiel, sondern wo du auch gerne was ändern möchtest?

Julia Ja, definitiv. Definitiv. Für mich ist natürlich auch klar, dass ich nicht alles gleichzeitig machen kann. Es kommt jetzt so ein bisschen drauf an, wie es mit dem Gemeinschaftsgartenprojekt voran kommt und wie viel Arbeit da reinfließen muss. Aber über die Herbstmonate kann ich mir vorstellen, dass das dann irgendwie auch ein bisschen mehr ruht oder zumindest nicht die körperliche aktive Arbeit anfängt. Und dass ich mir dann über Herbst, Winter, sage ich mal, tatsächlich mehr so die Themenbereiche Mobilität, Mobilität bei uns auf dem Land angucke. Also definitiv ja, das ist mir wichtig und ich glaube, wenn es viele Menschen ärgert, aber keiner was tut, dann verändert sich ja auch nichts. Und ich glaube, da muss man tatsächlich das öffentlich machen.

Vielleicht gehe ich noch mal auf unsere Zeitung zu und sage: Hallo, vielleicht können wir da über einen Artikel noch mal, dass die Leute sich bei mir melden, die Interesse haben. Oder ich muss recherchieren, ob es vielleicht auch eine Gruppe gibt. Auch das ist etwas. Vielleicht gibt es schon Leute, die sich betätigen oder zumindest eine Kernidee haben. Sie wollen die Mobilität verbessern, hier in der Region und da kann man sich natürlich auch zuschalten und zusammen aktiv werden. Man muss ja das Rad nicht neu erfinden. Und das ist etwas, das ist noch ein bisschen auf meiner To Do Liste. Also ich habe so eine große Pinnwand und bin gerade so ein bisschen dabei, aktive Gruppen und sowas zu ermitteln und rauszufinden, was machen die? Geht es in die Richtung, die für mich wichtig ist oder kann ich die zumindest mit ins Boot holen oder von denen was lernen?

Stefanie Ja, ich finde es total spannend. Wie gesagt, bei meinen Bildungsurlaub habe ich ja auch immer wieder dieses Thema und es ist sehr unterschiedlich, wie die Menschen damit umgehen. Viele machen an dem Punkt quasi einen Punkt und sagen naja, ich wohne ländlich und dann muss ich ein Auto haben. Punkt. So, aber da wäre die Möglichkeit: okay, ich kann es jetzt gerade nicht verändern, aber ich kann mich dafür einsetzen, dass es sich verändert. Diesen Weg zu gehen, also diesen Schritt zu machen, das ist für viele noch irgendwie eine Herausforderung. Und ich habe das Gefühl bei dir ist dieser Schritt da. Also du machst das. Und würdest du dem zustimmen, dass das wirklich diesem Prozess geschuldet ist, dass der Garten für diesen Prozess den Grundstein gelegt hat?

Julia Das kann tatsächlich gut angehen. Also am Ende des Tages hat ja auch alles mit dem Garten angefangen. 2017/18 ging es mit dem Garten los. Ich glaube 2019 habe ich angefangen euren Podcast zu hören und die Kombi von dem ganzen hat am Ende dazu geführt, dass ich da bin, wo ich jetzt momentan bin. Und natürlich muss auch ich mich überwinden, auch mal bestimmte Leute anzusprechen. Mein Mann sagt immer: du bist ja total extrovertiert und so, aber es ist gar nicht so, ich muss mich auch überwinden, mit manchen Leuten ins Gespräch zu kommen. Aber ich weiß ja, wenn ich das nicht tue, dann passiert nichts. Das heißt, ich muss mich manchmal auch selber bestärken und sagen: Komm, du versuchst es jetzt, weil ich meine, was hast du am Ende des Tages zu verlieren? Das ist ein Prozess, der da läuft. Und ich glaube, je mehr man macht und je mehr man feststellt, dass das funktioniert und je mehr man sieht, dass andere Menschen das auch machen, desto mehr ist man auch bereit, selber was dafür zu investieren.

Und klar, ich bin gesegnet, dass ich meine Arbeitszeit auch jetzt reduzieren konnte und dass das bei uns finanziell auch noch funktioniert. Das verstehe ich auch, weil wir sind kinderlos. Wir sind da jetzt auch nicht so abhängig von irgendwelchen Dingen. Also das ist auch momentan eine luxuriöse Situation, in der ich bin. Aber ich muss auch sagen, ich muss auch nicht zweimal im Jahr in Urlaub fahren und ich kann mich im Garten auch super entspannen. Auch wenn da Arbeit ist. Aber ich sehe viele, viele Dinge sind eine reine Mindset Geschichte. Ich wechsle jetzt den Arbeitgeber und kann jetzt mit dem Bus zur Arbeit fahren. Dauert über eine Stunde. Da gucken mich die Leute komisch an und sagen: Willst du das wirklich mit dem Bus? Und dann so lange unterwegs? Und ich denke so: Ja, warum nicht? Es gibt doch 1000 Dinge, die ich im Bus machen kann. Podcasts hören, Artikel lesen, Buch mitnehmen, mir Notizen machen für mein Engagement zum Beispiel. Also ich kann jetzt schon sagen, ich werde die Zeit schon gefüllt bekommen.

Warum dann nicht sagen, ich setze mich da rein und dann komme ich irgendwo raus, muss noch ein bisschen laufen, dann bin ich auf der Arbeit. Das wollen die meisten nicht. Aber das ist ein reines Mindset Denken, das ist wirklich, wenn das Mindset sich ändert und man bestimmte Sachen nicht mehr als schlimm ansieht. Ich glaube, viele könnten auch mit dem Bus fahren, auch auf dem Land. Aber sie gucken sich das wahrscheinlich gar nicht mehr an, weil sie keinen Bock drauf haben, weil sie wissen, es dauert länger. Ja, also auf dem Land sind es ja eher Busse als Straßenbahn. Da hat man es in der Stadt ein bisschen einfacher. Da sind die Taktungen deutlich besser. Aber ich würde trotzdem nicht tauschen wollen, muss ich gestehen. Also ich bin so ein Dorfkind. Ich komme vom Dorf, Ich habe in der Stadt gelebt, im Studium in Hannover und ich bin froh, auch wieder auf dem Land zu sein, dass du gehst raus, du hörst die Vögel, das ist so schön. Also ich würde nicht mehr tauschen wollen, auch wenn die Busverbindung wirklich blöd ist. Aber dagegen kann man ja auch was machen.

Stefanie Ja und das ist also gerade eine super Zusammenfassung, weil du sagst ja, du kannst was dagegen machen. Und ich glaube, diese Einstellung ist es, die wir brauchen, dass wir dann diese Missstände angehen und nicht einfach da dann aufhören und sagen naja, ist halt so!

Julia Ja, auf jeden Fall. Ja, und ich glaube auch viele Kommunen sind bereit, wenn sie sehen, dass das Interesse auch da ist, also dass der Bedarf da ist. Aber wenn keiner sagt, dass man den Bedarf sieht, dann wird sich ja auch nichts ändern. Auch, wenn ich mich darüber aufrege, dass ich irgendwo im Restaurant nicht vegan essen kann oder dass da die Gerichte nicht vegan gekennzeichnet sind oder was auch immer. Oder vegetarisch - aber wenn ich nicht auch mal nachfrage oder sage ja, es ist schade, dass ich jetzt so nichts finden kann und so, dann weiß das ja auch keiner.

Also ich kann ja am Ende des Tages nur darüber, dass ich kommuniziere auch was bewegen. Weil wenn jede·r sagt naja, es ist nicht so und ich habe keine Lust, dann wird sich auch nie was ändern. Und was jetzt im Umweltbereich an unterschiedlichen Aktiven unterwegs sind, das sind ja auch alles Leute wie du und ich, die einfach Lust haben und sich auch verantwortlich fühlen, auch was zu ändern. Dieses bürgerschaftliche Engagement, das war immer Thema und in der Menschheitsgeschichte haben sich Sachen nur verändert dadurch, dass normale Menschen, nicht die Politiker·innen, sondern Menschen wie du und ich und wie die Zuhörer·innen aktiv geworden sind.

Stefanie Ja, dem kann ich nur zustimmen. Ja, was würdest du denn anderen raten, die auch irgendwie sich Veränderungen wünschen und ins Tun kommen wollen?

Julia Also ich glaube, was wirklich sinnvoll ist, dass man das, was man sich wünscht, als Veränderung irgendwie mal visualisiert oder beschreibt. Also ich glaube zu Papier bringen von Sachen, auch wenn es nur reine Schlagworte sind oder ob das ein Brainstorming ist oder was auch immer, hilft einfach auch zu verstehen, was möchte ich eigentlich konkret, was möchte ich, dass sich ändert und dann vielleicht auch überlegen: Kann ich dazu beitragen, dass sich das ändert? Also ich würde sagen immer beschreiben, vielleicht visualisieren, wie wünsche ich mir - es ist geht so ein bisschen in die Richtung wie wie wünsche ich mir eine klimagerechte Zukunft, um das Ganze zu visualisieren und zu gucken: Will ich das? Was ist mir wichtig? Ist es mir wichtig, dass sich das verändert?

Und dann tatsächlich machen. Nicht zu lange warten. Tatsächlich ist es so: Je früher man anfängt, sich zu engagieren, desto weniger negative Gedanken können aufkommen, die sagen: Das schaffst du eh nicht oder da hast du zu viele Widerstände. Ich glaube, man muss wirklich, so lange dieser Aufwind von Motivation da ist, die innerliche intrinsische Motivation, solange die da ist, muss man gucken, dass man in Kontakt kommt mit Leuten und dann wirklich Gleichgesinnte suchen, Netzwerken. Man muss das Rad nicht von neu erfinden. Vielleicht gibt es Gruppen in der Umgebung, die sich für das Thema schon interessieren, aber vielleicht noch relativ vage sind, wo du vielleicht neue Impulse reinbringen kannst. Oder tatsächlich zu sagen okay, dann mache ich jetzt eine Gruppe auf oder suche im Internet nach Leuten oder vielleicht tatsächlich auch in der Zeitung einen kleinen Artikel.

Mit dem Thema Öffentlichkeitsarbeit hatte ich keine Berührungspunkte, bevor ich selber aktiv geworden bin und man lernt vieles dazu, aber auch wirklich alternativ tatsächlich eine Gruppe selber zu suchen und die selber zu initiieren. Ich glaube, viele denken sich, man muss dann zehn Stunden in der Woche dafür Zeit haben, aber das muss man ja nicht. Man kann ja sagen, ich kann so und so viel Zeit dafür investieren und danach plane ich das, was ich umsetzen möchte. Das können ja kleine Dinge sein, die vielleicht noch mehr anstoßen oder ein großes Ding, was dann natürlich ein bisschen länger dauern kann. Aber Gleichgesinnte zu finden ist super wichtig und sich mit Leuten austauschen.

Auch auf der „Klimawende von unten Konferenz“ war das so, dass man ganz neue Ansätze bekommen hat, wie man Sachen umsetzen kann. Und da denke ich eine Gruppe von Gleichgesinnten finden in der Umgebung, wo man etwas verändern möchte, ist sinnvoll, aber vielleicht auch eine übergeordnete Gruppe, wo man sich einfach grundsätzlich zu solchen Sachen austauschen kann, weil man ganz andere Ansätze und Möglichkeiten auf einmal gesagt bekommt von jemand anderem, der vielleicht ein ganz anderes Thema bearbeitet, aktivistisch, was dir aber vielleicht auch helfen kann.

Wie das Thema Öffentlichkeitsarbeit. Wie komme ich an Kontakte? Wie kann ich mein Thema ins Gespräch bringen, da wo ich aktiv bin und solche Geschichten, das ist ja überall gleich am Ende des Tages. Und da kann man auch einfach mit Menschen, die gar nichts mit dem eigenen Projekt zu tun haben, die aber selber vielleicht was machen, ins Gespräch kommen und wirklich Netzwerk aufbauen, mit Leuten sprechen, neue Ideen immer sammeln und sich nicht zu sehr überfordern damit. Sich tatsächlich zwischendurch auch sagen: Jetzt habe ich einen Tag, an dem ich nichts mache. Denn nur dann hat man wieder die Kraft, weiter zu machen.

Stefanie Das ist vielleicht noch eine sehr gute Überleitung. Was machst du denn um aufzutanken, wenn du das Gefühl hast, du hast einfach jetzt so viel gemacht, so viel Kraft investiert, wie tankst du auf?

Julia Ich habe manchmal so Tage, da mache ich gar nichts. Also ich lese auch sehr viel. Ich habe auch mehrere Newsletter von großen NGOs, um dann auch auf dem Stand zu bleiben, was für Aktionen laufen und sowas oder auch was für eine Studien sind rausgekommen usw und so fort. Da passiert ja wahnsinnig viel schon. Das ist auch schon Zeit, um das zu lesen und manchmal denke ich auch so: jetzt mal einfach ein Tag, wo man einfach nur nichts macht. Also am besten das tatsächlich, was mir hilft, einfach nichts zu machen. Also auch zu sagen heute mache ich keinen Abwasch, heute lege ich mich hin und starre an die Decke. Das funktioniert leider nicht lang genug. Dann juckt's in den Fingern, dann gehe ich raus. Also dann gehe ich raus in die Natur. Ich gehe in meinen Garten. Wer keinen Garten hat, kann gerne auch spazieren gehen. Ich glaube, das bringt einen auf andere Gedanken. Und ich glaube dieses Grün um sich herum ist grundsätzlich immer gut um runter zu kommen und wirklich mal sich auch einfach mal das gönnen, auch mal nichts zu machen und nicht die Welt retten zu müssen.

Einen Tag lang einfach nicht die Welt retten wollen. Das hilft mir. Aber am Ende des Tages wird jede·r eine andere Herangehensweise haben. Nur das Ding ist, wenn man zu voll ist mit den Gedanken, weil wir einfach so viele Möglichkeiten haben an Informationen zu kommen, was total toll ist, aber irgendwann auch überfrachten kann. Und dann auch zu sagen: na Handy weg und einfach mal ein paar Stunden nicht draufgucken - im Zweifelsfall einschließen, wenn man das nicht anders kann. Möglichkeiten suchen, um einfach weg von allem zu kommen und sich einfach ein bisschen zu entspannen. Auch wenn das bedeutet, dass man im Zweifelsfall irgendwie eine Doku guckt oder ein paar Filme oder mal keine Ahnung sich eine Serie anguckt oder sowas. Wenn es einen glücklich macht, dann soll man das auch mal machen.

Stefanie Aber das heißt ja eigentlich, wenn wir jetzt einen tollen erzählerischen Bogen spannen, dass dein Garten sowohl dich zum Aktivismus geführt hat, als auch dich erdet. Also es ist quasi ein Ort für alles und eine Impulsgeberin.

Julia Ja, auf jeden Fall. Es ist tatsächlich so, wenn ich in den Garten gehe und Gartenarbeit mache, höre ich oftmals auch Podcasts oder Nachrichten und so was. Aber wenn wenn ich denke so okay, es wird mir jetzt gerade alles zu viel, dann packe ich alles weg und gehe einfach nur in den Garten und zum Unkraut und sowas. Also wirklich ohne zusätzliche Informationen zu haben, sondern wirklich nur rein die Natur um mich zu haben. Sowohl Aktivismus als auch Erdungspunkt. Ja, auf jeden Fall.

Stefanie Das heißt also als Quintessenz.

Julia Jede·r braucht einen kleinen Garten.

Stefanie Oder einen Gemeinschaftsgarten oder irgendwie die Möglichkeit. Wir haben ja jetzt auch nur einen Balkon, aber Gärtnern geht auch auf dem Balkon. Also von daher es gibt so viele Möglichkeiten. Ja, ich würde sagen, das ist doch schon mal eine gute Rundung. Jetzt haben wir das und natürlich noch so die Abschlussfrage: Gibt es noch etwas, was du den Hörer·innen mitgeben möchtest?

Julia Tatsächlich würde ich nur sagen: Leute, passt auf euch auf, wir haben schwierige Zeiten. Es kann einen vieles überladen, man muss auf die eigene Gesundheit achten und natürlich sich auch Auszeiten gönnen. Aber werdet auch aktiv und das bringt auch wahnsinnig viel. Es ist anstrengend und gleichzeitig erreicht man Meilensteine und das hilft einem so weiter und man hat das Gefühl - gerade dann, wenn man sich mit dem Thema Umweltschutz beschäftigt - was passiert hier eigentlich? Mir hilft es immer, weil ich das Gefühl habe, was zu tun, was wertvoll ist für die Gesellschaft. Auch wenn es in der kleinen Bubble ist, in der man lebt. Kommt ins Tun. Werdet aktiv. Das wird euch selber auch gut tun.

Stefanie Alles, was wir jetzt vorhin so gesagt haben verlinken wir unter der Folge, auch natürlich deinen Instagram Kanal, wo wir dich dann finden. Alle Links findest du, liebe·r Hörer·in unter der Folge. Okay. Ja, dann bedanke ich mich ganz herzlich für dieses Gespräch bei dir, Julia, dass du dir die Zeit genommen hast.

Julia Ja, sehr gerne.

Stefanie Und ich bin ganz sicher, dass das, was du erzählt hast, auch andere inspirieren wird, wenn sie schon einen Garten haben, da noch weiter zu gehen oder vielleicht sich einem Gemeinschaftsgarten anzuschließen oder einfach mal zu gucken, wo es sie hinbringt.

Julia Und wer Lust hat, kann mich gerne auch anschreiben für einen Austausch. Also wir werden ja jetzt ganz viel dazulernen. Und wer Lust hat, auch einen Gemeinschaftsgarten zu starten oder auch im Garten irgendwie aktiver zu werden oder auch erst anfängt, gerne sich auch entweder über Instagram melden oder im Experimentarium.

Stefanie Genau dann würde ich sagen in diesem Sinne und in Hamburg sagt man Tschüss.

Julia Und auf Wiederhören Dann tschüss. Bis dann.

Folge 264 - Sommerpause, Zahl was Du willst & Hilfe gesucht

Ein Beitrag

Folge 264 - Sommerpause, Zahl was Du willst & Hilfe gesucht

Transkript

Herzlich Willkommen zu dieser neuen Folge des Einfach Vegan Podcasts. Auch heute bin ich wieder allein. Carsten und ich haben versucht, am Wochenende eine Folge aufzunehmen, aber es war so heiß, dass wir uns nicht einmal konzentrieren konnten. Und wir müssen ja auch, um die Geräusche irgendwie ein bisschen auszusperren, die Nebengeräusche, alle Türen und Fenster zumachen, und das war einfach nicht aus haltbar.

Deswegen nehme ich jetzt die Folge alleine auf und es ist glücklicherweise kühler jetzt hier im Raum, so dass ich alles erzählen kann, was wir sonst gemeinsam erzählt hätten. Und zwar der wichtigste Punkt ist jetzt erstmal das dieser Podcast und damit auch ich für 6 Wochen in eine Sommerpause geht. Ich werde die kompletten Sommerferien unseres Kindes über einfach freinehmen und deswegen gibt es in diesen 6 Wochen auch keine neuen Folgen. Ich hätte jetzt vorarbeiten können und so den Podcast füllen, dass es dir gar nicht auffällt, dass ich in einer Pause bin. Aber ich habe es jetzt bewusst anders entschieden, denn ich denke, dass Pausen wichtig sind und dass es auch aushaltbar sein sollte, dass dieser Podcast mal für 6 Wochen pausiert und danach geht es dann wieder wie gewohnt weiter.

Wir hatten ja mal so ein 2 Wochen Rhythmus angedacht. Im Moment habe ich es dann doch geschafft, wöchentlich zu senden. Das kann sich wieder ändern, aber ich habe auf jeden Fall für nach der Sommerpause schon 3 Podcastfolgen vorbereitet, von daher ist da auf jeden Fall für Inhalt gesorgt.

Und ich werde im Experimentarium sporadisch anwesend sein, aber es kann halt dann auch mal sein, dass ich da einige Tage einfach nicht reinschaue, weil ich dann gerade mit anderen Dingen beschäftigt bin, aber ich werde auf jeden Fall mal ab und zu reinschauen. Und auch auf Mastodon meiner einzigen Social Media Präsenz, werde ich pausieren und nur so ab und zu mal reingucken.

Denn ich möchte wirklich diese 6 Wochen auch nutzen, mich mal auf was anderes zu konzentrieren. Das Kind und ich werden das 9€ Ticket nutzen und hier so ein bisschen im Umkreis von 2 Bahn Stunden uns bewegen und uns Städte anschauen und wir haben überlegt, dass wir nach veganen Eisdielen Ausschau halten oder Eisdielen, die veganes Eis mit Waffel im Angebot haben. Das ist so die Herausforderung: „Finde das vegane Eis mit veganer Waffel.“ Und auch generell vegane Restaurants in der Umgebung.

Wobei ich jetzt auch gemerkt hab, ich war am vergangenen Donnerstag bei der langen Nacht des wissenschaftlichen Schreibens in Weimar und es war so heiß. Ich bin zwar da mit dem ICE hingefahren. und dann auch wieder zurück, aber selbst im ICE war es heiß und ich fand das sehr, sehr anstrengend, da überhaupt unterwegs zu sein. Als ich in Weimar war, dachte ich, ich verbrenne. Und ja, also da werden wir dann auf jeden Fall eher spontan unterwegs sein, wenn es nicht so heiß ist. Mein Körper schafft es nicht so gut mit diesen hohen Temperaturen umzugehen. Deswegen wird das alles eher spontan sein und vielleicht verbringen wir auch die ganzen 6 Wochen hier an unserem Badesee, wer weiß, mal gucken wie das sein wird.

Ich hatte jetzt im Experimentarium auch schon angefangen, so ein bisschen da zu dokumentieren was für Reisevorbereitungen ich getroffen habe und was es so für Möglichkeiten gibt, auch mit dem 9 Euro Ticket unterwegs zu sein und werde dann, wenn ich da noch weitere Entdeckungen mache, die auf jeden Fall dort auch teilen. Solltest du also Interesse an so etwas haben, komm gerne ins Experimentarium. Du bist herzlich willkommen. Es ist kostenlos.

Ich hatte noch versprochen, darüber zu sprechen, wie das jetzt mit der finanziellen oder auch nicht finanziellen Unterstützung von mir und meine Arbeit aussieht. Und zwar denke ich da schon wirklich länger drüber nach. Carsten und ich haben ja auch diese Folgen zum Thema Arbeit gemacht und ich würde sehr gerne Geben von Nehmen entkoppeln und habe jetzt für die nächsten 6 Monate, also den Rest des Jahres, ein Experiment gestartet, bei dem ich alles, was ich über meine Webseite stefanie-rueckert.de und nicht im Auftrag von anderen anbiete, kostenlos anbiete und du kannst dann was geben, wenn du möchtest, aber du musst es nicht. Das ist mein Versuch von Zahl was du willst oder Zahl was du kannst oder gib, was du kannst. Denn es geht nicht nur um Geld, also das ist natürlich auch super, wenn du Geld zahlst, ja.Sondern es gibt natürlich auch die Möglichkeit mir Zeit zu schenken.

Ich möchte nämlich sehr gerne alle Podcastfolgen transkribieren. Du weißt, dass das ziemlich viele sind und ich habe schon so eine kleine Handvoll davon transkribiert. Aber das ist super viel Arbeit. Also das Transkribieren an sich übernimmt ein Programm, was dann nicht der große Arbeitsaufwand ist. Aber das Korrekturlesen, das ist wirklich ein großer Aufwand und ich kann das einfach nicht leisten. Ich schaff das einfach zeitlich nicht alle Podcastfolgen zu transkribieren und dann Korrektur zu lesen.

Solltest du also das Gefühl haben, du möchtest gerne meine Arbeit und mich unterstützen und findest das, was ich tue unterstützenswert und du hast Zeit, die du geben kannst und möchtest, dann würde ich mich riesig freuen, wenn du Transkripte Korrektur lesen könntest. Wir können sehr gerne deinen Namen überall platzieren und sagen, dass du das gewesen bist, der oder die das gemacht hat, das ist überhaupt kein Problem. Und da bin ich sehr offen für. Wir sollten auch honorieren, wenn jemand etwas macht. Also von daher, daran soll es nicht scheitern.

Es ist einfach so, dass ich das nicht alleine schaffe. Jetzt auch noch neben diesen ganzen Dingen wie Podcastfolgen aufnehmen, das alles schneiden, das dann online stellen und natürlich auch je nachdem, was es für eine Podcastfolge ist, dann entweder stundenlanges Lesen von Büchern oder stundenlange Recherche, was davor stattfindet. Dann auch noch die Podcastfolgen transkribieren, also das schaffe ich einfach nicht. Und deswegen mein Aufruf: Wenn du dich angesprochen fühlst und dieses Gefühl hast: Ja, ich möchte eine Folge nur Korrektur lesen oder auch ganz viele Folgen, dann melde dich sehr gerne bei mir unter post @ vonherzenvegan.de.

Und darüber würde ich mich wirklich riesig freuen. Und je mehr Menschen da mitmachen, desto schneller sind wir natürlich fertig. Es sind ziemlich viele Folgen. Ja, aber es würde die Folgen um einiges zugänglicher machen, wenn sie auch in Textform zur Verfügung ständen. Und so würdest du dazu auch noch einen Beitrag leisten, die ganzen Inhalte barrierefreier zu machen.

Links zur Folge

Onlinekurs "Grüner leben - Schritt für Schritt"
https://stefanie-rueckert.de/grüner-leben-schritt-für-schritt

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Folge 263 - Geschichten als Mittel gegen Mutlosigkeit und Trauma

Ein Beitrag

Folge 263 - Geschichten als Mittel gegen Mutlosigkeit und Trauma

Transkript (nur grob Korrektur gelesen)

Herzlich Willkommen zu dieser neuen Folge des Einfach Vegan Podcasts. Ich bin heute hier alleine, denn ich hatte gerade einen spontanen Impuls, dem ich nachkommen wollte, etwas, das ich mit dir als Hörer·in teilen möchte.

Und deswegen habe ich jetzt ganz spontan einfach die Gelegenheit genutzt und nehme das hier auf und sende das auch gleich nachdem ich das aufgenommen habe.

Vielleicht hast du das mitbekommen, ich beschäftige mich in letzter Zeit sehr viel damit, Geschichten über einen Alltag in einer klimagerechten Zukunft zu erzählen, nicht nur zu schreiben, sondern wirklich in allen möglichen Formen, Medien zu erzählen. Und das ist auch mit der Grund, warum ich das Experimentarium, also meine kostenlose Online Community, ins Leben gerufen habe. Damit wir dort einen sicheren Rahmen, einen sicheren Raum haben, in dem wir gemeinsam träumen können und gemeinsam uns gegenseitig Geschichten erzählen können, in welcher Form auch immer, gemalt, gesprochen, gezeichnet, gesungen, was auch immer dir einfällt.

Und ich habe für die Writers for Future jetzt gerade einen Workshop gehalten. Das war ein zweiteiliger Workshop, wo wir im ersten Teil am ersten Tag des Workshops in eine klimagerechte Zukunft gereist sind, eine Phantasiereise gemacht haben und dann in kleinen Gruppen zusammengekommen sind, um uns darüber auszutauschen, was wir gesehen haben und auch schon direkt erste Texte zu verfassen. Im zweiten Teil am zweiten Tag des Workshops, das ging jeweils immer anderthalb Stunden, wurden diese Texte dann lektoriert, also besprochen und technisch ein bisschen überarbeitet.

Es hat soweit auch sehr gut geklappt. Es gibt jetzt nächste Woche noch einen zweiten Durchlauf. Und in der nächsten Woche am 23.6. bin ich auch bei der langen Nacht des wissenschaftlichen Schreibens in Weimar und gebe dort einen Workshop allerdings ohne Lektorat, sondern einfach nur die Fantasiereise und das Träumen erstmal. Und auch das erste Verfassen von Texten. Den gebe ich da vor Ort, das heißt, es ist wirklich nur für Menschen, die in Präsenz da sind und es gibt keine online Übertragung.

Aber du hast durchaus auch die Möglichkeit, wenn du jetzt spontan noch mitmachen möchtest, jetzt, an diesem Samstag, übermorgen am 18. Juni 2022 um 18:00 Uhr, biete ich diesen Workshop auch noch einmal online an über Big Blue Button und du kannst sehr gerne noch dabei sein. Wir sind bis jetzt eine kleine Gruppe und ich freue mich natürlich, wenn du dabei sein möchtest, dann schreib mir da einfach an post@vonherzenvegan.de und dann schicke ich dir die Zugangsdaten zu und Du kannst einfach kostenlos dabei sein am Samstag, das nur falls du spontan das noch machen möchtest, melde dich gerne bei mir.

Und jetzt? Warum ich diese Podcastfolge aufnehme? Ich hab gemerkt, ich war gestern auch nochmal bei einem Writers for Future Treffen dabei und hab da einfach zugehört wie über das Thema Paradising gesprochen wurde also quasi dass wir im religiösen Kontext eine Form von neuer Paradies Erzählung finden müssen, um eben diese Sehnsucht zu kreieren, dass wir dafür bereit sind, jetzt in unserem Alltag etwas zu ändern und diesen Gedanken hatte ich auch schon.Total spannend, dass es das jetzt auch noch irgendwie fachlich als Begriff gibt: Paradising.

Und in der Diskussion, die dann stattfand, habe ich gemerkt, dass ja viele doch immer noch in diesem „Ja aber“ verhaftet sind und irgendwie sich sorgen und viel auch in Rechtfertigung fest stecken, teilweise auch sehr viel Wut da ist, wie darüber gesprochen wird, über den Klimawandel und dann doch häufig dann in Mutlosigkeit feststecken und dadurch irgendwie nicht ins Handeln kommen und auch allgemein irgendwie eine Ratlosigkeit und Frustration herrscht darüber, wie wir denn jetzt am besten kommunizieren, damit die Menschen bereit sind zu handeln.

Etwas, was der Kommunikationsexperte Carel Mohn einmal in einem Vortrag gesagt hat, den ich letztes Jahr bei der Public Climate School angehört habe, ich verlinke den hier auch nochmal unter der Folge, war dass wir oft davon ausgehen, dass andere irgendwie weniger bereit sind, etwas zu verändern, als wir selbst. Wir sind schon bereit, was zu verändern, aber wir glauben andere sind weniger bereit dazu, oder wir trauen denen weniger zu, oder wir glauben, die verstehen das alles gar nicht, aber wir selbst, wir haben irgendwie mehr Bereitschaft und sind irgendwie besser auch teilweise, und das fand ich doch sehr spannend, weil ich das auch bei mir beobachten konnte, dass ich gedacht habe, ja, die anderen sind halt nicht so bereit dazu, irgendwas zu tun und ja, es ist nur eine Minderheit, die irgendwas tun will, aber wenn jetzt jede und jeder das über sich selbst und über andere denkt, dann merken wir halt, das kann gar nicht funktionieren, das passt ja überhaupt nicht zusammen. Und wenn ich das noch weiter interessiert, dieser Gedankengang, dann schau dir gerne diesen Vortrag an von Carel Mohn an. Ich fand das sehr spannend.

Und das heißt, wir können unseren Mitmenschen ruhig zutrauen, dass sie verstehen, wie ernst die Lage ist und dass sie auch bereit sind zu handeln, nur sind wir ja eben alle Menschen und Menschen menscheln und es kann halt total frustrierend sein in ja dieser Gegenwart zu leben und immer wieder prasseln neue Krisen auf mich ein und dann ist es, das hast du wahrscheinlich selber auch schon erlebt, irgendwann so, dass du vielleicht aufgibst oder das Gefühl von Mutlosigkeit macht sich in dir breit und du bist hilflos und deprimiert und weißt einfach nicht, wie du weitermachen sollst.

Und ich möchte dazu jetzt einmal einen Text aus dem Buch „Stell dir vor“ von Rob Hopkins zitieren: „Wir müssen bessere Geschichtenerzähler·innen werden, so dass wir anhand verschiedener Medien den Menschen ein Gefühl dafür vermitteln können, wie eine positive Zukunft klingen, schmecken, sich anfühlen und aussehen würde. Wir müssen Geschichten schaffen, in denen die Zukunft, die wir sehen wollen, alltäglich wird. Wir müssen Geschichten in dem Gefühl erzählen, dass allein sie zu erzählen, ein gewisses Maß an Unausweichlichkeit schafft, wodurch sie schließlich zur Realität werden. Aber auch in dem Gefühl, dass es für unseren eigenen Geist von großem Nutzen ist, sie laut auszusprechen, stellen sie doch ein starkes Gegenmittel gegen Mutlosigkeit und Trauma dar.

Wir müssen diese Geschichten in einer Vielzahl von Medien erzählen. In Filmen, Podcast, Zeichnungen, Graffiti- Kunst, Tanz, Theaterstücken, Romanen, Musik. Sie alle machen uns auf die eine oder andere Weise mit der Zukunft, die sie darstellen, vertraut. Wir müssen Geschichten auch dafür heranziehen, jene Zukunft zum Leben zu erwecken, die, wenn wir unser Verhalten nicht ändern, unausweichlich sein wird und auch dafür, Menschen dabei zu helfen,loszulassen und um die Dinge zu trauern, die wir gerade um uns herum verlieren.

Wir müssen bewusst ein Umfeld für Menschen schaffen, um diese Geschichten zu erzählen, zu teilen oder mitzugestalten. Räume, die gut moderiert sind und sich sicher und einladend anfühlen. Wir müssen sie in Menschen, in Figuren und Orten, die wir kennen, verankern. Unsere Geschichten müssen versuchen, unsere tiefen Erinnerungen anzusprechen, unser Knochengedächtnis, die Dinge, die die Menschen grundlegend bewegen und berühren, die wirklich mitschwingen. Sie müssen vom Foreshadowing Gebrauch machen und am wichtigsten: Wir müssen sie so oft wie möglich erzählen.

Jedes lebhafte und unerläßliche Gespräch mit unseren Mitmenschen über die Schwere und das Ausmaß der Herausforderungen, vor denen wir und die Natur stehen, sollte auch einen Vorgeschmack enthalten auf das, was sein könnte, eine Geschichte über eine noch zu schaffende Zukunft. Jede Demonstration, die darauf abzielt, das Bewusstsein für die globalen Herausforderungen oder bestimmte Manifestationen dieser Herausforderung zu schärfen oder sich ihnen physisch in den Weg zu stellen, sollte ebenfalls eine Feier einer noch zu schaffenden Welt sein. Wenn diese Geschichten gekonnt und aus der Alltagserfahrung heraus erzählt werden, wird sich eine positive, verbundene, feierliche Zukunft geradezu unausweichlich anfühlen.“

Und das ist tatsächlich der Grund, warum es das Experimentarium gibt, weil ich für dich eine sichere Umgebung schaffen möchte, in der du träumen kannst, in der wir uns über diese positiven Geschichten austauschen können, in denen wir die Möglichkeit haben, sie zu entwickeln und uns gegenseitig zu erzählen. Und ich möchte dich auch noch mal ganz herzlich ins Experimentarium einladen. Es ist, wie gesagt, kostenlos. Du kannst gerne Geld geben. Dazu habe ich hier auch nochmal einen Link unter der Folge verlinkt wo du vorbeischauen kannst. Das ist aber kein Muss, du kannst einfach kostenlos dabei sein und ich freue mich, wenn du dich mit uns austauscht und Lust bekommst, Geschichten über einen klimagerechten Alltag zu erzählen und damit auch die eigene Mutlosigkeit bekämpfst, falls du sie denn hast.

Ich merke das jetzt immer wieder im Alltag, dass gerade diese Methode mir sehr hilft, zum Beispiel, wenn mich wieder irgendwas stört da draußen oder jetzt gerade auch über mir eine Familie eingezogen ist, mit 2 sehr kleinen Kindern und ich höre sehr oft Geschrei sowohl von den Eltern als auch von den Kindern. Dann stelle ich mir vor, wie die Zukunft oder der Alltag aussehen würde, in der die Kinder und die Eltern in Harmonie leben könnten. Natürlich wird es immer mal Streit geben und Kinder, vor allem sehr kleine, werden immer ihren Emotionen irgendwie Ausdruck verleihen. Und doch habe ich das Gefühl, dass wir einfach durch diesen ganzen Stress, in den wir uns begeben, durch vielerlei Dinge, das würde jetzt hier die Folge etwas sprengen durch all die Rahmenbedingungen, in denen wir gerade gesellschaftlich leben, Eltern extrem unter Druck stehen und dadurch vieles an ihren Kindern auslassen, was sie, wenn es andere Grundvoraussetzungen gebe, dann wahrscheinlich nicht tun würden und ich denke, das hat viel mit Heilung zu tun mit dem, was wir als Kinder erlebt haben, was unsere Eltern und Großeltern als Kinder oder generell erlebt haben.

Dass, wenn wir in einer Zukunft ankommen wollen, in der ein gutes Leben für alle Menschen möglich ist, dann wird das auch ein Weg der Heilung sein. Wir werden uns viel mit uns selbst beschäftigen und vieles heilen müssen, was in uns kaputt gegangen ist, durch die Art und Weise, wie wir auf diesem Planeten leben und miteinander umgehen, das auf jeden Fall. Oder wenn es mich wieder nervt, dass da am Badesee nach einem schönen Tag am nächsten morgen alles zugemüllt ist. Dann schreibe ich eine Geschichte und überlege mir wie sieht der Alltag aus, in dem es völlig normal ist, achtsam mit meiner Mitwelt umzugehen und die Verbindung zur Natur wiederhergestellt ist und es vielleicht auch gar keinen Müll mehr gibt, weil es da so ist wie damals vor langer Zeit, im Mittelalter zum Beispiel, zumindest hier in Europa, dass Ressourcen wertgeschätzt wurden und in anderen Teilen der Welt ist teilweise immer noch so, je nachdem.

Ich kann dir hier auch wirklich nur aus meiner Perspektive berichten, und das ist ja auch wieder der Punkt. Deswegen brauchen wir so viele Geschichten wie möglich, so viele diverse Sichtweisen, weil ich ja einfach auch eingeschränkt bin in meiner Sichtweise. Ich kann nur aus meiner eigenen Perspektive erzählen und ich lerne von allen anderen, die aus anderen Perspektiven erzählen und lerne dann eben auch diese Perspektiven zu berücksichtigen und miteinzubeziehen und darüber nachzudenken, wie wir alle gemeinsam eben das schaffen können, ein gutes Leben zu führen.

Oder noch ein drittes Beispiel: das Kind ist morgens jetzt immer so müde und hat keine Lust, aufzustehen und zur Schule zu gehen und ich hab ihm jetzt angeboten, dass wirgemeinsam eine Geschichte erzählen und uns vorstellen „Was wäre, wenn es die Schulpflicht nicht gäbe hier bei uns in Deutschland? Wie würde dann der Alltag aussehen? Wie würde der Tag aussehen?“ Und da sind wir jetzt gerade noch dabei das Kind und ich darüber nachzudenken und das ist tatsächlich etwas, was mich persönlich dann aus dieser Hilflosigkeit rausholt und mir auch ein Gefühl von Selbstwirksamkeit gibt, wenn ich mich quasi da selbst rausschreiben kann oder selbst rauserzählen kann aus dieser Lage und mir vorstellen kann, davon träumen kann, wie es anders wäre.

natürlich, das ist mir ganz klar wird dadurch jetzt nicht durch ein Fingerschnipsen, sich die Welt ändern, das ist mir klar. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass das Träumen und das Trainieren unsere Vorstellungskraft uns helfen kann in dieser multiplen Krisensituation und allein das darüber sprechen und das durchdenken von Alternativen und Möglichkeiten und dieses ganz weit aufmachen und erst mal wirklich ausprobieren gedanklich was alles möglich wäre, dass das uns wirklich helfen kann. Letztlich schaffen wir das alles nur gemeinsam, nur im Austausch und ja, nur mit allen anderen gemeinsam in einer kleinen Gruppe, in einer größeren Gruppe, aber eben einfach nicht alleine und deswegen nochmal das Angebot: Komm ins Experimentarium, du bist da wirklich willkommen und da kannst du in diesem sicheren Rahmen mit uns über deine Träume sprechen, gemeinsam träumen und Dich fallen lassen und schauen nach Alternativen was ist alles möglich.

Und ich merke einfach, dass mir das hilft, dass ich durch diese Sichtweise aus meiner Hilflosigkeit und teilweise auch den deprimierenden Gedanken dann wieder rauskomme. Und es auch ein schönes Power-Up ist, das mich stärkt und mich einfach auch resilienter macht für den Alltag. Natürlich geht es nicht darum, dass wir immer alle glücklich sind und positiv denken und alles ist total Heititeiti - darum geht es überhaupt nicht. Gefühle sind dafür da um gefühlt zu werden und auch negative Gefühle haben ihren Platz, das ist ganz klar und ganz normal und gehört zum Leben dazu. Nur wenn die negativen Gefühle überhand nehmen und du quasi nur noch in diesem dunklen Loch versinkst -das ist ja auch ein Thema, was ich im Von Herzen Vegan Podcast in verschiedensten Versionen thematisiert habe - dann kann so eine gefühlte Strickleiter quasi schon helfen, um da wieder rauszukommen.

Und mir hilft es eben tatsächlich, diese Geschichten zu erzählen und immer wieder mich dazu anzuhalten, mich nicht darüber aufzuregen, wie der IST Zustand ist, sondern mir zu überlegen, wie denn der SOLL Zustand sein könnte. Und das also jetzt als Impuls für dich und vielleicht kannst du davon was mitnehmen. Und wie gesagt, ich freue mich, wenn du ins Experimentarium kommst und dort mit mir und den anderen weiter träumst und Dir einen Alltag in einer klimagerechten Zukunft vorstellst und/oder wenn du am Samstag mit dabei bist bei unserem kleinen Workshop anderthalb Stunden geht das. Von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr, online über Big Blue Button treffen wir uns da und reisen dann gemeinsam in die klimagerechte Zukunft und tauschen uns danach darüber aus, was wir gesehen haben. Und du bist herzlich eingeladen, dabei zu sein. Du findest alle Informationen hier unter der Folge oder in den Shownotes und ja, dann freu ich mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

Links zur Folge

Paradising - Wie wir eine alte Vorstellung für die Zukunft zurückerobern wollen
https://www.umkehr-zum-leben.de/asa/paradising/

Vortrag von Carel Mohn "Do's and Dont's der Klimakommunikation"
https://yewtu.be/watch?v=sV6GTd7Ny2U

Workshop "Mein Alltag in einer klimagerechten Zukunft"
https://stefanie-rueckert.de/kurs/workshop-mein-alltag-in-einer-klimagerechten-zukunft

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Folge 262 - Öfter mal die Sau raus lassen von Dr. Markus Keller und Annette Sabersky

Ein Beitrag

Folge 262 - Öfter mal die Sau raus lassen von Dr. Markus Keller und Annette Sabersky

Links zur Folge

Buch "Öfter mal die Sau rauslassen" von Dr. Markus Keller und Annette Sabersky
https://www.ulmer.de/usd-6993793/oefter-mal-die-sau-rauslassen-.html

Workshop "Mein Alltag in einer klimagerechten Zukunft"
https://stefanie-rueckert.de/kurs/workshop-mein-alltag-in-einer-klimagerechten-zukunft

K20 Projekthaus
https://k20-projekthaus.de/

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

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Transkript (von baerenstark Korrektur gelesen)

Stefanie: Auch in dieser Folge besprechen wir mal wieder ein Buch. Wir haben momentan eine große Buchschwemme.

Carsten: Eine richtige Serie?

Stefanie: Genau nur Bücher werden besprochen, in den ganzen Folgen. Es werden auch noch Bücher folgen.

Carsten: Hat aber den Vorteil: die Bücher stehen dann ja in unserer Wanderbibliothek jedem kostenlos zur Verfügung.

Stefanie: Genau also natürlich das mit dem Porto regeln die Menschen dann unter sich. Das ist etwas, was wir dann nicht übernehmen. Aber die Bücher sind einfach da und können dann von vielen Menschen gelesen werden.

So Carsten hat es schon so ein bisschen angeteasert im Intro, wie das Buch dann heißt. Denn es heißt „Öfter mal die Sau rauslassen“ und geschrieben haben es Dr. Markus Keller und Annette Sabersky. Und Dr. Markus Keller kennst du vielleicht schon aus verschiedensten Publikationen und er hat ja auch die beiden Studien ins Leben gerufen und geleitet, also die Vechi Studie und die Vechi Youth Studie, an der wir auch teilgenommen haben beziehungsweise das Kind teilgenommen hat. Es geht da sehr viel um gesundheitliche Aspekte einer rein pflanzlichen Ernährung im Vergleich zu anderen Ernährungsformen.

Und dieses Buch hat auch noch einen Untertitel: „Wie wir mit pflanzenbasierter Ernährung ganz entspannt gesünder leben und das Klima retten.“ Dann gibt es da noch einen Text drauf: „Endlich Klartext zu allen relevanten Ernährungs- und Umweltstudien“.

Das Buch ist jetzt gerade erst erschienen und ich hatte angefragt, ob ich ein Rezensionsexemplar haben kann und habe das dann auch zugeschickt bekommen vom Ulmer-Verlag. Also auch dieses Buch ist uns kostenlos zur Verfügung gestellt worden und wandert nach dieser Folge in die Wanderbibliothek ins Experimentarium, sowie Carsten eben schon erwähnte, dass du dann da Zugriff auf dieses Buch hast.

Ich hab das Buch nicht gelesen, ich hab da so n bisschen rein geblättert, aber Ernährung, alles was so in Richtung Gesundheit geht und stark in diese ganzen Details ist eher Carstens Metier. Deswegen habe ich ihm gleich das Buch hingeschoben als es ankam. Es hat ein bisschen gedauert bis Carsten Zeit hatte das zu lesen, weil er ja auch noch jede Menge andere Bücher liest und außerdem eben nicht den ganzen Tag Zeit hat zu lesen. Aber jetzt hat ers gelesen und jetzt interessiert mich natürlich was sagst du denn dazu?

Carsten: Also Quintessenz ist, pflanzenbasierte Ernährung ist gesund, kann gesund sein. Spaß beiseite, es gibt ganz, ganz viel, was in diesem Buch beschrieben wird und das Buch hat mich auch wirklich überrascht und zwar ist dieser Fokus, den ich ursprünglich angenommen hatte und da, wo du jetzt gerade so ein bisschen hingelenkt hast, so auf dieses Gesundheitliche, das ist gar nicht so der Hauptfokus oder nicht der ausschließliche.

Dr. Markus Keller, den kenn ich tatsächlich mit seinen Publikationen doch schon mehr so aus diesem gesundheitlichen Bereich, ich weiß nicht wo überall veröffentlicht, aber da, wo ich ihn jetzt bisher gelesen und wahrgenommen hatte, hat er immer in diesem Kontext Gesundheit agiert. Das hatte ich auch gedacht, dass das jetzt so der einzige Fokus dieses Buches sein wird.

Das Buch fängt da auch mit. Er geht ganz klar auf diese gesundheitlichen Aspekte ein, bleibt aber glücklicherweise nicht dort stehen und das ist das, was mich wirklich überrascht hat. Er geht sehr gut in die Tiefe, auch in den Bereich ökologische Auswirkungen, also Klimaschutz, aber auch in den Bereich der ethischen Themen, sowohl was, ich sage jetzt mal so den Aspekt der menschlichen Ausbeutung betrifft. Die Benachteiligung indigener Völker etc spricht er ganz klar und deutlich an und er macht auch keinen Halt vor der ethischen Dimension. Was wir den Tieren dort im Moment an Leid und Qual abfordern, und das ist etwas, was, wie gesagt, ich wiederhole mich, mich überrascht hat, das in diesem Buch vorzufinden und dass tatsächlich das, was er am Anfang auf dem Titelbild mit endlich Klartext ankündigt, stimmt.

Ich muss sagen, es gibt ja auch so den einen oder anderen Abschnitt, wo ich denke, da müsste man sogar eine Trigger Warnung mit reinbringen, weil er da halt in den Bereich der Tierausbeutung schon recht deutlich wird.

Stefanie: OK.

Carsten: Es trifft jetzt glücklicherweise nicht das gesamte Buch, es ist ansonsten relativ leicht geschrieben. Es wendet sich jetzt auch nicht an Personen, die schon vegan leben, sondern an Personen, die offen sind für eine vegane Ernährungsweise. Gar nicht mal die vegane Lebensweise, sondern vegane Ernährungsweise oder Personen, die vegan lebende Menschen im Umfeld haben und dann einfach mehr darüber wissen wollen. Für die ist dieses Buch geschrieben und dementsprechend auch relativ leicht im Einstieg. Aber wie gesagt, er geht halt schon auch, ja klartextmäßig in die anderen Bereiche rein und nimmt auch kein Blatt vor den Mund.

Stefanie Okay, also du hast es jetzt gerade schon angesprochen, für wen das Buch ist. Es eignet sich also auch dafür, dass ich es jetzt zum Beispiel eben, wenn ich schon vegan lebe, Menschen in meinem Umfeld schenke, wie irgendwie den Eltern, oder Partner·innen oder Bekannten, Verwandten oder so, damit die mich besser verstehen.

Carsten Richtig. Also, ich hatte ja ganz am Anfang schon den Impuls: Oh, das Buch ist ideal für meine Eltern, um so ein bisschen mehr Kontext mit reinzubringen.

Stefanie Sorry, kommt doch nicht in die Wanderbibliothek.

Carsten Ja, dafür ist es tatsächlich geeignet, um noch viel Fakten mit reinzubringen. Was ich allerdings dazusagen muss: Das Buch ist jetzt nicht gerade dünn. Also es sind ungefähr 300 Seiten, dann kommen noch ein paar Tipps und Tricks, wie man dann tatsächlich in diese vegane Ernährung mit reingehen kann, wie man das umsetzen kann. Aber es ist schon sehr doch faktenreich, also das Zielpublikum muss schon eine Bereitschaft haben, sich mit Fakten auseinanderzusetzen. Es gibt Bücher, die sind noch faktenreicher. Also ich finde jetzt zum Beispiel, dass das, was wir von Niko Rittenau gelesen haben, nochmal ein Stückchen mehr auf Fakten basiert. Also er stellt dann die Fakten mehr in den Vordergrund. Das ist bei dem Buch von Dr. Markus Keller und Annette Sabersky jetzt nicht so der Fall.

Aber nichtsdestotrotz beruft er sich eben schon auf Studien und da muss man auch so ein bisschen offen für sein. Also das liegt ja nicht jedem, dann immer mit den neuesten wissenschaftlichen und Studien-Erkenntnissen konfrontiert zu werden. Aber es hilft auch, weil er mit bestimmten Mythen aufräumt. Gerade da, wo vielleicht auch ältere Studien hinzugezogen werden und auch von vegan-kritischer Seite immer wieder zitiert werden, bezieht er Stellung und sagt: Die sind relativ alt. Damals gab es bestimmte Informationen oder Kenntnisse noch nicht, sei es jetzt bei denjenigen, wo die Studienobjekte waren. Oder auch generell, dass das Wissen noch nicht so weit verbreitet war. Das stellt er gerade. Er erklärt aber auch nochmal, was für unterschiedliche Studientypen es gibt, wie stark die überhaupt vertrauenswürdig sind oder wieviel man aus bestimmten Studienkontexten eigentlich ableiten kann.

Also da geht es so ein bisschen um einen theoretischen Hintergrund, damit der Leser, die Leserin dann auch besser versteht: Wie könnte ich denn mit Studienergebnissen umgehen und was ist vielleicht tendenziös, wo greift vielleicht in den Medien der eine oder andere Reporter oder Reporterin bestimmte Facetten aus einer Studie raus und zerrt die in einen ganz anderen Kontext? Auch das ist so ein bisschen was, wo er mit reingeht und da muss man schon so offen sein um sowas dann auch lesen zu wollen. Aber ansonsten ist es relativ praxisnah geschrieben.

Stefanie Und ich hatte jetzt in meinem letzten Bildungsurlaub eben Personen, die Angst davor hatten, dass sie, wenn sie sich pflanzlich ernähren, dann nicht alle Nährstoffe bekommen und hatte das Buch auch ausgelegt. Da ich es ja jetzt selber noch nicht gelesen hatte, wusste ich jetzt nicht: Ist es dafür geeignet? Also wenn ich jetzt sage: Ok, ich möchte mich eigentlich pflanzenbasierter ernähren, sagen wir mal erstmal aus Nachhaltigkeitsgründen. Und hab aber irgendwie Sorge, dass ich dann nicht alle Nährstoffe bekomme, ist es dann dafür geeignet?

Carsten Ja, es ist geeignet, als sehr brauchbarer Einstieg. Ich versuche mich jetzt gerade so von den Begriffen her ein bisschen moderater auszudrücken. Dieses Buch geht jetzt nicht mit der Zielsetzung hin, alle Menschen komplett in die vegane Ernährung zu überführen. Der Ansatz ist schon: Reduziert euren Konsum an tierischen Produkten, werdet mindestens vegetarisch, so übersetze ich jetzt mal, das liest sich jetzt nicht direkt hier aus diesem Buch, aber das ist so mein Eindruck, also, es geht schon klar in die Richtung „Reduziert, wo ihr könnt.“, und geht aber schon den Schritt weiter und sagt: „Ihr könnt aber auch komplett plant based leben, das schadet euch nicht, das wird euch sogar gut tun.“

Also das stellt er schon klar im Rahmen des Buches, dass diese pflanzenbasierte Ernährungsweise einfach massive Vorteile bietet, auch im persönlichen Bereich eben auf gesundheitlicher Ebene, und diese Hilfestellungen, die er dann im Buch gibt, die richten sich quasi an alle Personen: Leute, die erstmal so ein bisschen reinschnuppern wollen und auch genau diese Angst haben: „Oh, wo kriege ich jetzt meine Nährstoffe her?“ Skizziert er dann teilweise auch aus seiner persönlichen Lebensweise. Er bringt auch seine eigene persönliche Erfahrung mit rein, wie er selber vegetarisch und vegan geworden ist und das hilft natürlich dann beim Lesen schon, diesen Überschlag für sich selber zu bekommen.

Wo stehe ich jetzt gerade in meinem eigenen Leben? Wie viele Fleischprodukte esse ich zum Beispiel oder tierische Produkte und wie gehen andere Menschen damit um? Das ist quasi schon so eine relativ große Hilfestellung, gepaart mit den Informationen, die er eben aus diesen Studienlagen rausnimmt, die eben genau diese Sicherheit geben: Pass mal auf, wenn du es ordentlich machst und jetzt nicht irgendwie nur von Cola und Pommes lebst, dann hast du auch nicht das Problem mit deinem Nährstoffen irgendwo zu kurz zu kommen, aber du musst halt so bestimmte Grundregeln einfach kennen.

Die sind aber, das füge ich jetzt mal hinzu, ja nicht originär vegan, sondern betreffen ja eigentlich alle Menschen, die den Anspruch haben, sich gesund zu ernähren, da gehört einfach ein Minimum an Interesse dazu, dass man einfach mal guckt, was isst man – oder mensch – ich muss das mal anders formulieren: Was isst mensch denn da eigentlich den ganzen Tag und und wie muss man vielleicht bestimmte Lebensmittel auch kombinieren?

Stefanie Ja, da kann ich nochmal kurz einfügen, das hatte ich nämlich tatsächlich bei unserer Rezension zu dem Hofkollektiv Wieserhoisl vergessen zu sagen, dass – also das ist jetzt eine thematische Klammer, die ich hier gerade aufmache – dass das ganze Buch wirklich total konsequent geschrieben ist, also dass da „man“ mit „mensch“ ersetzt wird und das hatte mich während des Lesens tatsächlich beeindruckt, dass es funktionieren kann und das hat mich auch nicht gestört. Stört dich das jetzt, wenn du das liest?

Carsten Überhaupt nicht. Das ist mir auch aufgefallen im Positiven. Und jetzt gerade stolper ich darauf, dass ich das für mich noch gar nicht so verinnerlicht habe, obwohl ich eigentlich den Anspruch habe, aber im Alltag verliert man sich ja.

Stefanie Genau, und ich bin da auch noch nicht so weit, ich versuche das auch zu machen, und wir versuchen jetzt das natürlich in Zukunft auch weiter zu machen, deswegen, das nur als Erklärung, hat

Carsten gerade „man“ durch „mensch“ ersetzt. Und, doch „man“ durch „mensch“.

Carsten Ja, hab ich. Einmal hab ichs gemerkt.

Stefanie Ja, genau, ich war gerade irgendwie durcheinander. Genau, also jedenfalls, das ist der Hintergrund dazu und vielleicht auch nochmal als Ergänzung zu dem Buch vom Hofkollektiv Wieserhoisl, Klammer zu. Zurück zum Buch: Also ich hatte ja schon ein bisschen darin geblättert und so ein paar Kapitel gelesen und was mich natürlich immer interessiert, ist das Thema Übergewicht. Da sagt Dr. Markus Keller halt in der Überschrift schon „Übergewicht: Pflanzenkost hält schlank“. Das ist aus meiner Sicht sehr eindimensional gedacht, denn klar, also es geht ja darum, dass du dich vollwert usw. whole food tralala so ernährst. Trotzdem ist halt schlank wieder so ein Ideal. Also, es gibt halt einfach auch dicke Menschen, die gesund sind und sich vollwertig ernähren. Und die sind halt einfach dick, aber gesund. Also auch das gibt es und deswegen dieses Ideal wieder zu sehen, dass jegliches Übergewicht, egal in welcher Form, etwas Negatives ist und du dann das eben als Krankheit ansehen musst. Das finde ich einfach nicht gut, aber das ist in diesem Buch halt auch wieder so dargestellt. Und klar, es gibt krankhaftes Übergewicht, und es gibt Menschen, die dick sind und krank, auch das gibt es auf jeden Fall, das streite ich auch überhaupt nicht ab. Ich möchte nur dazu sagen, dass es eben auch Menschen gibt, die dick sind und gesund.

Carsten Ein Aspekt, der mich sehr gefreut hat, war die Person Dr. Markus Keller durch seine Schilderung, die er in dieses Buch einfließen lässt, so ein bisschen besser kennenzulernen. Und erfreulicherweise hatte ich ihn dann tatsächlich so als kleinen Radikalinski wahrgenommen, der damals schon sehr umtriebig war in der Phase, wo er tatsächlich seinen tierischen Konsum hinterfragt hat und da auch aktivistisch unterwegs war. Ich kannte seine Biografie bisher noch gar nicht, obwohl mir im Rahmen seine wissenschaftlichen Ausarbeitung schon bekannt ist.

Ich glaube, das geht vielen Menschen so, die sich mit dem veganen Leben auseinandersetzen. Da kennt man so seine bekannten Personen, die so im veganen Umfeld präsent sind und da gehört Dr. Markus Keller eben mit dazu. Dass er aber so einen umtriebigen Lebensweg hatte, ja, der ihn so in diese aktivistische Ecke auch geleitet hat, das fand ich gut, dass hat ihm so ein bisschen Charme verliehen und ich denke, hey, der Mann guckt jetzt nicht ausschließlich so auf das Wissenschaftliche, sondern der versteht auch den ethischen Kontext. Und das ist tatsächlich etwas, wo ich dann auch beim Lesen im Nachgang festgestellt habe, es muss ihm wahrscheinlich, das ist meine Vermutung, es muss ihm wahrscheinlich auch schwer gefallen sein, diesen competischen ethischen Hintergrund so kurz und knackig in dieses Buch mit reinzubringen. Aufgrund seiner Biografie würde ich nämlich denken, dass das noch ein sehr vorherrschendes Thema bei ihm ist, also eine ganz große Triebkraft, die ihn dazu bringt, genau das zu tun, was er heute beruflich macht.

Und jetzt den Fokus in diesem Buch schon als Einstieg auf das Gesundheitliche zu nehmen … weiß ich nicht … jemand, der ethisch motiviert ist. Ich würde mich da immer so ein bisschen unwohl fühlen, genau das, die Triebkraft, die ich selber verspüre ganz bewusst eher hintenanstellen zu müssen, weil ich weiß, das klingt vielleicht auch verschreckend für Menschen, die das erste Mal mit dem Thema in Kontakt kommen.

Stefanie Gibt es denn eine Personengruppe oder eine Zielgruppe, wo du sagen würdest, für die ist das Buch nicht geeignet?

Carsten Ja, stimmt, ich würde sagen für Personen wie wir, die schon längere Zeit vegan leben, also nicht nur vegan essen, sondern auch vegan leben, die auch den ethischen Hintergrund kennen, die aber auch die Gesamtkonsequenzen dessen kennen, was so mit dem Verbrauch von Tieren mit einhergeht. Für die ist dieses Buch jetzt nichts Neues. Also ich hab da tatsächlich keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse daraus gewonnen. Das ist ein Potpourri von Dingen, die in anderen Büchern, Kontexten, generellen Medien schon irgendwo existieren. Hier sind sie nochmal punktgenau zusammengetragen worden, aber wie gesagt, das ist nichts Neues. Also, wenn du, liebe Hörerin, lieber Hörer, meinst, du bist du eigentlich schon sattelfest, du kennst dich aus, was einmal die vegane Ernährung an sich betrifft, hast jetzt auch nicht den Eindruck, dass du dich komplett ungesund ernährst und bist darüber hinaus eben auch mit den ethischen und ökologischen Auswirkungen betraut, dann wird dieses Buch Dir wahrscheinlich auch nichts oder nur sehr wenig an neuen Erkenntnissen schenken können.

Stefanie Also zwei Dinge: Sattelfest, damit meinst du natürlich auf dem Fahrradsattel sattelfest?

Carsten Ja, natürlich.

Stefanie Genau, also nur um das jetzt in den richtigen …

Carsten Wir sitzen auf keinen Tieren.

Stefanie … den richtigen Kontext zu bringen. Und auch nicht motorisiert im Sinne von „wir verbrauchen jetzt sehr viel und so, produzieren Abgase“ und sowas.

Carsten Nein, „ich strampel mich ab“-Fahrrad meine ich damit, ja.

Stefanie Genau so und das andere ist: Es hört sich für mich so an, als wäre das Buch was, wenn jetzt Menschen kommen und sagen: „Ja, aber der Regenwald, Soja“, oder was auch immer, dass ich denen das Buch in die Hand drücken kann und sagen kann: „Hier, ja, aber, kriegst du hier erklärt.“ Ist das so?

Carsten Ja, es ist so, die Fragestellung ist anders, also es gibt andere Bücher, die explizit diese Fragen aufgreifen und dann direkt Antworten drauf geben. Hier ist es ein bisschen indirekter. Dieses Buch ist tatsächlich:„Hier, nimm und hier hast du Informationen und verstehst vielleicht meine jetzige Sichtweise“. Also ich als vegan lebender Mensch könnte mit diesem Buch jemanden, der mich noch nicht vollständig versteht, eine Hilfestellung an die Hand geben und sagen: „Hier hast du im Grunde genommen einen Überflug über all das, was mich bewegt. Lies es durch, dann können wir bei einzelnen Themen noch danach reden.“

Stefanie Erst lesen, dann reden, das ist so „read the feep“-Manual.

Carsten Ja genau, das ist tatsächlich so ein Manual und du kannst bei den einzelnen Themen natürlich beliebig in die Tiefe gehen. Das ist hier relativ nah an der Oberfläche, aber jetzt nicht ganz banal, also das ist, was ich vorhin schon sagte in zwei, drei Abschnitten eben Trigger-Warnung was diesen ethischen Bereich betrifft, da ist es schon Klartext, aber es ist tatsächlich dafür gedacht: „Hier, nimm in die Hand, lies und verstehe mich besser.“

Stefanie Und andererseits, wenn ich jetzt eben denke: „Ok, ich lebe noch nicht vegan, vielleicht vegetarisch, aber vielleicht esse ich halt auch noch Fleisch.“ Dann wäre dieses Buch also auch ein guter Einstieg für mich.

Carsten Ja, genau weil es auch da in die Richtung reingeht zu offenbaren, was für eine Auswirkung überhaupt die Nutzung der tierlichen Ressourcen mit sich bringt, das ist ja durch reine vegetarische Lebensweise trotzdem noch ein Problem.

Stefanie Genau ja.

Carsten Häufig ja auch gar nicht im Bewusstsein der Menschen, die sich vegetarisch ernähren. Und dementsprechend ist das hier auch ein ganz guter Ansatzpunkt, auch solchen Leuten mit diesem Buch nochmal eine Hilfestellung zu geben, um das Verständnis für die eigene Lebensweise ein bisschen zu verschärfen.

Stefanie Also sowohl ökologisch als auch ethisch eben ein Problem, vegetarisch.

Carsten Richtig, genau.

Stefanie Also beides ist ein Problem. Ok, du hattest jetzt gesagt, du wolltest nochmal einmal durch das Inhaltsverzeichnis durchgehen.

Carsten Ja, genau, ich würde einfach nochmal ein bisschen vorlesen, was denn tatsächlich Inhalt des Buches im Konkreten ist. Schön finde ich, dass quasi im Rahmen des Vorworts tatsächlich nochmal ein Abschnitt drinsteht: „Für die Zukunft unserer Kinder und unseres Planeten“. Damit ist eigentlich der Kontext schon relativ gut umrissen. Es geht hier nicht einfach nur um die Tiere oder um die eigene Gesundheit, sondern da steckt halt deutlich mehr dahinter und es hat eine Dringlichkeit und eine Wichtigkeit. Und dementsprechend: Das finde ich ganz gut, dass das da tatsächlich dieser Rahmen gesetzt wird. Inhaltlich gliedert sich das Buch in 9 Kapitel. Wobei das 9. Kapitel tatsächlich dann so ein bisschen Tipps und Tricks und Kniffe ist, wo dann schlagwortmäßig auf einzelne Nahrungsmittel eingegangen wird. Und ich glaube Dr. Markus Keller dann persönlich so einen eigenen Tipp mit reingibt: Was würde er empfehlen? Wie macht er das so in der Praxis? Das finde ich ganz nett. Und die anderen 8 Kapitel, das ist schon sehr inhaltlich geprägt.

Es fängt an im 1. Kapitel mit den „Ernährungsmythen im Reality-Check“. Das ist dann tatsächlich so ein bisschen dieses Aufweichen von den typischen Vegan-Klischees. „Wo kriegst du dein Eiweiß her, bla bla …“, dass da so ein bisschen Stellung dazu genommen wird.

Es hat dann im 2. Kapitel den Fokus auf die pflanzliche Ernährung als solches, „The power of plants – Pflanzlich ist besser!“, wo dann inhaltlich auf die gesundheitlichen Vorteile eingegangen wird, die sich aus Studien ergeben. Wie jetzt Ernährungsgesellschaften mit dem ganzen Thema umgehen, dass es da auch im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte schon eine Entwicklung gegeben hat, hin zu einer mehr pflanzenbasierten Ernährungsempfehlung, das wird so ein bisschen geschildert.

Im 3. Kapitel bleiben wir noch im Bereich Gesundheit, da ist die große Überschrift „Gesünder leben mit Pflanzenkost“, da geht es dann inhaltlich noch so ein bisschen in die Tiefe, wo aus Studien abgeleitet wird, welche Krankheitsbilder positiv über eine rein pflanzliche Ernährung beeinflusst werden können, teilweise auch Krankheiten damit kuriert werden können. Alles studienbasiert, wo die Autoren dann schon auch Themen aufgreifen, wo jetzt der wissenschaftliche Erkenntnisstand schon ganz klar sagt: Hier gibt es einen positiven Einfluss einer pflanzenbasierten oder rein pflanzlichen Ernährung auf die eigene Gesundheit, das ist so das 3. Kapitel.

Im 4. Kapitel geht es dann tatsächlich ein bisschen weg von dem Thema Gesundheit, nicht nur ein bisschen, sondern halt schon ein Cut. Da geht es um die Umwelt, „Die Umwelt schonen, den Planeten erhalten“, ist so die große Überschrift. Das sind die ökologischen Folgen des Konsums tierischer Produkte. Hier geht es im ersten Bereich stark in die Auswirkungen des Fleischkonsums, aber generell ist das dann halt auf alles, was aus dem tierischen Umfeld als Produkt generiert wird, gemünzt.

Im 5. Kapitel, das ist dann tatsächlich so, wo die Überschrift des Buches herkommt, „Tierschutz: Öfter mal die Sau rauslassen!“, das ist ein relativ kurzes Kapitel, aber tatsächlich knackig, um die Zahlen zu verdeutlichen: Was passiert da eigentlich? Wie viele Tiere sind hier in Deutschland jährlich betroffen? Was hat mein Konsum an tierischen Produkten überhaupt für ethische Auswirkungen?

Das 6. Kapitel geht dann nochmal einen Schritt weiter, nennt sich „Hunger bekämpfen, Fairness fördern“, das ist dann schön, dass das tatsächlich in einem solchen Buch auch drinsteht, die Auswirkungen tierischer Produkte auf andere Länder, andere Zivilisationen wollte ich gerade schon sagen, auf andere Völker, was dafür weitere Dimensionen dahinter stecken, was für Leid verursacht wird, wie jetzt der weltweite Hunger wieder da mit reinspielt, was für Auswirkungen dann unser eigener Konsum da hat. Das finde ich wirklich wichtig, dass das mitbetont wird, dass es da Auswirkungen gibt.

Stefanie Das Leben auf Kosten anderer.

Carsten Genau, das Leben auf Kosten anderer, richtig. Interessant fand ich, dass in diesem Buch auch auf Kinderarbeit eingegangen wird. Das hat gar nicht mal großartig mit tierischen Produkten alleine zu tun, sondern da geht er auch in den Bereich von pflanzlicher Ernährung: Schokolade, Kakao. Die Sensibilisierung, dass wir generell ein Problem haben mit der Art und Weise, wie unsere Nahrungsmittel produziert werden, dass das hier thematisiert wird, find ich ganz wichtig und freut mich auch, dass in so einem Buch lesen zu dürfen.

Das 7. Kapitel geht dann tatsächlich wieder zurück in den gesundheitlichen Bereich, „Pflanzenpower auf dem Teller“, das schließt an zu Lebensmittelpyramiden. Hat jeder schon mal wahrscheinlich gesehen, der sich mit Ernährung auseinandergesetzt hat. Es gibt verschiedene Lebensmittelpyramiden, hier wird nochmal erklärt: Wo kommt das System der Lebensmittelpyramide überhaupt her? Und Dr. Markus Keller hat mit anderen Personen gemeinsam auch zwei entsprechende Ernährungsempfehlungen ausgearbeitet, eine für die vegetarische und eine für die rein vegane Ernährung. Beide Systeme werden hier nochmal vorgestellt, sodass dann die Leserin, der Leser die Wahl hat: Was ist denn jetzt passend für mich? Will ich erst in den einen Bereich oder gehe ich komplett auf pflanzlich und wie muss ich mich dann orientieren? Was sind so die Nahrungsmittel, die ich dann verstärkt zu mir nehmen muss und wo muss ich darauf achten, dass ich da nur in Maßen dann etwas davon konsumiere? Und das wird dann da vorgestellt.

Und dann das 8. Kapitel ist dann tatsächlich so ein bisschen: Wie kann ich eigentlich dann oder was kann ich denn eigentlich noch essen? Also wie sind dann meine Essensmahlzeiten? Um dann eine Vorstellung dafür zu geben, dass reine pflanzliche Ernährung jetzt nicht nur auf Salat und Kartoffeln oder verschimmelte Kartoffeln reduziert ist, sondern dass da eigentlich die große Vielfalt auf uns wartet.

Stefanie Gras und Steine.

Carsten Gras und Steine, genau.

Stefanie Der Klassiker. Und das Buch schließt dann eben mit dem Kapitel „Planetengerecht und gesund einkaufen“, das waren jetzt diese Tipps und Tricks, die du meintest?

Carsten Ja, genau und da geht er wirklich alphabetisch vor und nimmt dann einzelne Begriffe. Ich hab jetzt grad mal rein geblättert. Hier ist dann unter „T“ Trockenobst, „W“ wie Wurstwaren, „Z“ wie Zucker.

Stefanie Ach so, unter „T“. Ich hab gerade an „Tee“, also an ein Trinken, an das Getränk gedacht und dachte: „Wieso ist unter „Tee“ Trockenobst, aber du meinst jetzt den Buchstaben „T“?

Carsten Unter dem Buchstaben „T“, genau. Da geht der auf die einzelnen Bereiche nochmal ganz kurz ein. Mit zwei oder drei Sätzen wird dann nochmal mit „meinem Tipp“ tatsächlich Praxisinformationen gegeben: Wie sollte man sich im Alltag eigentlich verhalten oder wie verhält sich der oder die Autorin jetzt? Worauf muss man vielleicht achten? Weil Avocados zum Beispiel, da geht er auch darauf ein, dass Avocados eben einen hohen Wasserbedarf haben. Wenn man unbedingt Avocados essen sollte, dann eben eher reduziert und dann bitte aus Regionen, wo sowieso schon viel Wasser vorhanden ist. Da gibt es halt bestimmte Anbaugebiete, aber ein Gros der Avocados ist tatsächlich sehr wasserintensiv, weil das in den Bereichen angebaut wird, wo perse schon teilweise Wassermangel existiert, aber es problematisch ist, ausgerechnet nur diese Pflanzen, die ja in Monokulturen angebaut werden, da jetzt mit extremen Wassermengen zu versorgen, während dann der Rest des umliegenden Landes dann eher mit einem Wassermangel dann daherkommt. Also das sind so Sachen, da wird dann nochmal mit einem Praxistipp in die Tiefe ein bisschen an Informationen gefüttert und gibt es auch immer so ein „besser nicht“, nennt sich das, also was dann problematisch sein könnte, wenn man im Alltag problematische Kauf- oder Konsumentscheidungen trifft.

Stefanie Ja, da hatte ich jetzt letztens, hatte da jemand über Mastodon – jemensch – eine Studie irgendwie geteilt, wo gesagt wurde, dass Veganer·innen durch ihre Ernährung viel mehr Wasser verbrauchen würden als andere, also Nicht-Veganer·innen und ich hatte das jetzt noch nicht lesen können, weil das auch wieder hinter so einem Bezahlschranken-Ding war. Ich hatte noch keine Muse, das nochmal über einen anderen Weg zu probieren. Jedenfalls stand schon im Teaser, dass durch die Mandelmilch halt super viel verbraucht wird und es ist halt: Irgendwie davon auszugehen, dass alle Veganer·innen halt ausschließlich sich von Mandelmilch und Avocados ernähren, das ist halt wieder …

Carsten Ja, ich überlege gerade, wann haben wir das letzte Mal Mandelmilch gehabt? Das haben wir, glaub ich, einmal im Leben getrunken.

Stefanie Na ja, nicht einmal im Leben, aber Mandelmilch gehört ja nicht zu unserem täglichen Bedarf. Wenn du vielleicht irgendwo mal zu Gast bist oder so, dann vielleicht. Aber letztlich … Ja, in unserer Anfangsphase haben wir auch mal Mandelmilch ausprobiert.

Carsten Ja, weil wir die Pflanzenalternativen testen wollten, also nicht die Alternativen zu Pflanzen …

Stefanie Ja, Alternativen zu Pflanzen, also Luft und Liebe und so haben wir mal ausgetestet und Mandelmilch gehört zu Luft und Liebe … Gut, also wir führen das jetzt hier nicht weiter, warte mal ab, sonst wird uns noch jemand hier erzählen, wir würden nur Quatsch verbreiten. Also jedenfalls klar, du kannst dich auch vegan nicht nachhaltig ernähren. Und du kannst dich auch vegan ungesund ernähren, dazu hatten wir ja auch schon Podcastfolgen gemacht, also letztlich, na ja,

Carsten und ich sind jetzt hier seit siebeneinhalb Jahren fast unterwegs auf diesem Feld und irgendwann hast du halt schon alles gehört und es ist halt … Ja dann lass uns mal einfach jetzt nochmal zusammenfassen: Also das Buch eignet sich zum einen, um es Menschen in deinem Umfeld zu geben, die vielleicht noch nicht so genau verstehen, warum du vegan lebst, zum anderen aber auch für Menschen, die jetzt gerne in Richtung pflanzliche Ernährung gehen wollen und da faktenbasierte Hintergrundinformationen brauchen und auch generell Tipps und Tricks und Anleitungen.

Carsten Genau, als erster Einstieg, also noch gar nicht großartig konfrontieren mit den harten Fakten und Bildern und Dokumentationen, sondern wirklich erstmal so das reine Grundverständnis, und dafür ist es ideal geeignet.

Stefanie Genau, aber wenn du halt schon länger vegan lebst und da eben dich gut auskennst und das Gefühl hast, du weißt eigentlich schon viel über die ökologischen, ethischen und gesundheitlichen Dimensionen, was eine pflanzliche vegane Ernährung ausmacht, dann wirst du in diesem Buch nicht viel Neues finden.

Carsten Genau, also wenn du weißt, wie der Hase läuft, wenn er denn laufen darf, dann ist das Buch eher nichts für dich.

Stefanie Welche Haken er schlägt … Das Buch bekommst du in jedem guten Buchhandel natürlich. Am besten kaufst du es nicht online, sondern in einer lokalen Buchhandlung, die möglichst Inhaber·innen-geführt ist. Und wenn dir das nicht möglich ist, es ist natürlich auch OK, das online zu kaufen. Aber dann am besten nicht beim großen A, sondern zum Beispiel bei buch7.de. Mit denen habe ich keine Kooperation und bekomme auch kein Geld von denen, wenn ich das jetzt hier erwähne. Es ist einfach nur eine Empfehlung, eine persönliche, private Empfehlung von mir.

Und für alle, die Mitglied im Experimentarium sind oder auch Mitglied werden wollen, der Zugang ist völlig frei, gibt es das Buch jetzt auch in der Wanderbibliothek im Experimentarium, der kostenlosen Online-Community. Also es ist jetzt ab sofort dort verfügbar und dann können wir das untereinander kreisen lassen. Nochmal zu dem Thema kostenlos: Also das Experimentarium ist für dich kostenlos, für mich nicht. Also du zahlst nicht mit deinen Daten, sondern du kannst freiwillig über Steady mich unterstützen und da findest du auch eben die Möglichkeiten wie du mich unterstützen kannst, jetzt hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und kannst du freiwillig da Geld geben, damit das Experimentarium weiterlaufen kann, aber du musst es nicht.

Das heißt, wenn es dir nicht möglich ist, du aber trotzdem Mitglied werden möchtest, ist das völlig ok. Ich zahle dort dafür, dass es dieses Experimentarium gibt, ich geh also quasi in Vorleistung und ich freu mich halt, wenn du sagst, „Okay, das gibt mir was, da bin ich inspiriert und das ist eben was, wovon ich profitiere.“, wenn du dann Geld zurück gibst und ich damit eben das refinanzieren kann. Also so sieht das Modell aus und ich versuche das eben so solidarisch wie möglich zu handhaben. Mehr dazu findest du hier unter der Folge oder in den Shownotes, da erkläre ich das nochmal etwas tiefergehend. Und so möchte ich jetzt die Folge auch beenden, mich nochmal zu bedanken bei allen schon bestehenden Steady-Unterstützer·innen.

Carsten Vielen, vielen, vielen Dank.

Stefanie Damit habe ich Carsten auch nochmal eingeblendet hier und dann bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen: In diesem Sinne …

Carsten … in Hamburg sagt man Tschüss …

Stefanie … und auf Wiederhören.

Folge 261 - Animal Agents - Retter im Verborgenen

Ein Beitrag

Folge 261 - Animal Agents - Retter im Verborgenen

In dieser Folge spreche ich mit Ilona Koglin und Marek Rohde über ihren ersten Fantasy-Roman "Animal Agents - Retter im Verborgenen".

Du kennst Ilona und Marek schon aus den Folge 83, 98, 167 und 171, in denen wir ihre verschiedenen Sachbücher besprechen.

Mit "Animal Agents" haben die beiden nun den Bereich der Fiktion betreten und eine Fantasyreihe gestartet, die sich an Menschen ab 10 Jahren richtet.

Ich durfte das Buch schon vorab lesen (es erscheint am 19.7.2022) und bin sehr begeistert - durch das Interview konnte ich noch viel tiefer in die Geschichte eintauchen und habe Hintergründe kennengelernt, die mir durch das erste Lesen gar nicht bewusst waren.

"Animal Agents" ist ein mit viel Liebe und Passion geschriebenes Buch und ich hoffe sehr, dass eine Fortsetzung geben wird.

Material dafür gibt es genug. Jetzt muss nur noch der Verlag mitziehen.

Begleitet wird das Buch durch eine Internetseite, auf der Du die Möglichkeit hast, viele Aspekte der Geschichte zu vertiefen.

Links zur Folge

Buch "Animal Agents - Retter im Verborgenen" von Ilona Koglin und Marek Rohde
https://www.ueberreuter.de/produkt/animal-agents/

Webseite zum Buch
https://animal-agents.de/

Webseite von Marek und Ilona
https://www.fuereinebesserewelt.info/

Podcastfolge 83: Im Gespräch mit Ilona und Marek
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-83-im-gespraech-mit-ilona-koglin-und-marek-rohde

Podcastfolge 98: Der Wandelplaner für Querdenker
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-98-der-wandelplaner-fuer-idealisten-und-querdenker

Podcastfolge 167: Faironomics - ökologisch, fair + frei
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-167-ilona-und-marek-ueber-faironomics-oekologisch-fair-und-frei

Podcastfolge 171: Gärtnern für eine bessere Welt
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-171-gaertnern-fuer-eine-bessere-welt

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute freue ich mich erneut, Ilona und Marek hier im Podcast begrüßen zu dürfen. Erneut, weil ich nämlich nachgezählt habe: Das ist jetzt schon das fünfte Mal, dass ihr hier zu Gast seid. Und für den Fall, dass jetzt es tatsächlich Hörer·innen gibt, die euch noch nicht kennen, würde ich euch bitten, euch einmal kurz vorzustellen.

Ilona Ja, gerne. Also erstmal vielen Dank, dass du mit uns sprichst heute und für die Einladung. Ich bin Ilona Koglin und bin Buchautorin, Journalistin und Projektmacherin für eine bessere Welt.

Marek Ja, und ich bin Marek Rohde. Ich bin Ilonas Mann. Wir arbeiten zusammen. Wir haben „Für eine bessere Welt“ vor einiger Zeit als Medienplattform ins Leben gerufen und seitdem viele Projekte gemacht. Wir schreiben Bücher gemeinsam und ja, das bringt einen riesigen Spaß. Gerade in diesem Bereich der ökosozialen Themen ganz unterschiedliche Mittel und Medien einzusetzen, um die Welt zu verbessern.

Stefanie Und nachdem - ich habe mir das extra rausgeschrieben - ihr schon in Folge 83, 98, 167 und 171 zu Gast wart und das alles Sachbücher waren, seid ihr jetzt heute mit einem Fantasy Kinderbuch da. Und da frage ich mich natürlich, wie kam es denn dazu?

Ilona Also die Idee, die hatten wir eigentlich schon vor vielen, vielen Jahren. Also es sind bestimmt schon sechs oder sieben Jahre her, denke ich. Und zwar hatten wir immer einen Hund aus dem Tierschutz und mit dem sind wir immer spazieren gegangen, mittags logischerweise und auf dieser Hunde Spazierrunde, da sind uns immer ganz viele Ideen gekommen und unter anderem hatten wir eines Tages auch natürlich darüber gesprochen, was so alles schief läuft und was nicht gut ist und was die Menschen so anstellen mit der Natur usw und den Tieren. Und dann hatten wir - ich weiß nicht, wer von uns beiden es war - aber einer von uns beiden hatte so die Idee: Ja, wie wäre das? Stell dir mal vor, das wäre so, dass die Tiere auf dieser Welt ständig den Menschen irgendwie den Hintern retten, weil die irgendwie immer irgendwelchen Unfug anstellen und irgendwas zerstören und irgendwelche Kipppunkte erreichen. Und die Tiere sind sozusagen im Hintergrund ständig aktiv und versuchen das Schlimmste zu verhindern. Und damit war eigentlich die Idee geboren für dieses Buch.

Stefanie Das heißt, ihr habt da jetzt auch schon länger dran geschrieben an dem Buch und jetzt ist es bald endlich da. Oder war habt ihr jetzt erstmal die ganzen Sachbücher geschrieben und dann kam das Buch?

Marek Also das eine hat so ins andere gegriffen. Das ist ja tatsächlich so, dass wir eher aus dem Sachbuchbereich kommen und uns aber eigentlich immer auch schon mit diesen Themen beschäftigt haben und wir uns überlegt haben, wie kann man eigentlich diese Themen auch auf eine andere Art und Weise vermitteln? Wie kann man sie vielleicht in Geschichten kleiden und mit Spannung erzählen, so dass eigentlich die Inhalte dann genauso aufgenommen werden? Das ist ja ein Unterschied, ob man wirklich ein dickes Sachbuch liest und sich das ganze Wissen draufschafft, oder aber, ob man eine spannende Geschichte liest, aber trotzdem letztendlich so viel erfahren kann darüber und auch über Lösungsmöglichkeiten erfahren kann.

Und deswegen kam uns die Idee, vielleicht das Ganze im Sinne einer Fabel zu erzählen, also das heißt durch die Augen der Tiere zu schauen auf diese Welt und - wir haben es beschrieben - „mit ihren Herzen zu fühlen“, um zu vermitteln, wie die eigentlich die Welt betrachten und haben uns dann überlegt: Wie wäre es denn eigentlich, wenn es eine geheime Gesellschaft der Tiere gäbe? Aus Trillionen von Mitgliedern, alle untereinander vernetzt, alle miteinander in Kommunikation, die eigentlich, wie Ilona das beschrieben hat, die ganze Zeit damit beschäftigt sind, eigentlich den ganzen Unfug, den der Mensch auf diesem Planeten anstellt, so gut es geht, dann zu verhindern, einzudämmen.

Was wäre, wenn ein Teil von denen irgendwann keine Lust mehr dazu hätte und sagen würde: Nee, der Mensch ist es vielleicht gar nicht wert, dass wir uns um ihn kümmern und dadurch ein Konflikt in dieser Tierwelt entsteht. Und das war sozusagen der Grundplot. Und dann haben wir uns hingesetzt und lange drüber nachgedacht und geschmiedet und Figuren überlegt und versucht, das auch an einen Verlag zu bringen. Und das hat eine ganze Weile gedauert, wie Ilona schon erzählt hat. Und dann irgendwann wurde es was und dann konnten wir ins Schreiben kommen, die Geschichte entwickeln und dann nahm das so seinen Lauf. Und jetzt sind wir froh, weil es dann im Juli erscheinen kann.

Stefanie Und dann müssten wir vielleicht noch sagen: wie es heißt das Buch denn? Du hast ja schon so ein bisschen erzählt, worum es geht. Und wir hatten uns ja darauf geeinigt, wir spoilern so wenig wie möglich. Deswegen versuche ich jetzt, möglichst geschickte Fragen zu stellen. Aber wie es heißt, das könnt ihr ja auf jeden Fall verraten.

Marek Also das Buch hat den Titel „Animal Agents“. Weil es eine Gemeinschaft von Tieren ist, die wie Agenten im Verborgenen agieren und da passte das sehr gut.

Ilona Genau, weil die Menschheit kriegt ja nicht mit, dass da so und so viel Milliarden Tiere unterwegs sind und immer wieder alle möglichen Dinge anstellen, um die Sachen zu retten. Und was ich noch sagen wollte: Also das hört sich so einfach an, so eine Geschichte, aber das ist wirklich schon ziemlich komplex. Und da muss ich sagen, die Hauptarbeit und die Hauptleistung hat auch Marek gemacht. Es geht nicht nur darum, sich die Geschichte zu überlegen und jeder einzelne Charakter hat so seine Geschichte und seine Hintergrundstory und alles hat er entwickelt und wie was miteinander zusammenhängt, sondern Marek hat sich ja dann wirklich auch daran gemacht zu recherchieren.

Also wie kommunizieren eigentlich Fische miteinander? Oder wie könnte es funktionieren, dass eine Biene mit einem Papagei kommuniziert? Also so ganz viel Wissen auch aus der Tierwelt. So interessante Fakten, die auch in dem Buch so jetzt nicht im Vordergrund stehen, aber damit alles so funktioniert, gibt es da schon ziemlich viel zu recherchieren und auszutüfteln und zu erkunden und dann so in eine Geschichte zusammenzubinden, die tatsächlich auch logisch erscheint oder auch tatsächlich trägt und sehr unterhaltsam ist. Also die Spannung steht im Vordergrund, die spannende Geschichte. Aber so, diese ganzen Themen, die stehen sozusagen so ein bisschen so im Hintergrund und kommen sozusagen nebenbei irgendwie mit.

Marek Aber es bleibt Fantasy natürlich.

Ilona Es ist auf jeden Fall eine spannende Fantasygeschichte. Genau.

Stefanie Und ihr hattet doch sicherlich auch Testleser·innen. Denn es richtet sich ja an Kinder, da weiß ich nicht. Also ich meine, ich habe ja selber ein Kind, aber trotzdem hätte ich irgendwie das Gefühl, dass ich vielleicht als Erwachsene da manchmal übers Ziel hinausschießen könnte, wenn ich sowas jetzt schreiben würde, wenn ich sowas könnte. Habt ihr da mit vielen Testleser·innen im richtigen Alter, sage ich mal, zusammengearbeitet?

Marek Ja, also wir hatten einige Mädchen und Jungs und die waren eigentlich natürlich alle stolz und begeistert, dass sie sowas lesen können. Und wir haben auch viele Gespräche mit den Eltern geführt, weil tatsächlich geht es ja hier um, ich sage mal, auch wirklich ernste ökologische Verwerfungen und große Probleme, die wir haben, mit denen Kinder ohnehin konfrontiert sind und sich die Eltern natürlich gefragt haben: Ja, wie kann man eine Geschichte erzählen, so dass sie nicht so weit reicht, dass sie verstörend ist, aber auf der anderen Seite ein Gefühl für die Problematik vermittelt, die dahinter steht. Und das war eigentlich die tatsächliche Aufgabe. Und wir sind total glücklich, dass die meisten Kinder sich wirklich so weit hineindenken konnten und uns also auch dann teils tolle Kritik bzw tolle Feedbacks gegeben haben, weil die richtig eingetaucht sind in diese Welt.

Natürlich Fragen gestellt haben, Vorschläge gemacht haben, aber auch begriffen haben, um was es dort eigentlich geht oder um es anders zu sagen, wie groß die Bedeutung dessen ist, um was es geht in diesem Buch. Dass das nicht nur eine Fantasygeschichte ist, wie es viele andere auch gibt, sondern dass dahinter tatsächlich etwas Bedeutendes steht, was womöglich sehr mit ihnen zu tun hat. Und das fanden nicht nur die Eltern gut, sondern auch die Kinder, weil die Art, wie sie das Buch lesen konnten, am Ende doch letztendlich ein Abenteuer war. Ein Abenteuer, dass durch diese Themen führt.

Ilona Und das Buch funktioniert auch auf verschiedenen Ebenen, haben wir festgestellt. Also zum Beispiel relativ am Anfang gibt es so eine Szene, wo die Hauptprotagonistin Berry ganz viele Tiere aus so einem Tierversuchslabor befreit. Und wir haben festgestellt, wir Erwachsenen - Menschen, die sich damit beschäftigen - haben natürlich bestimmte Bilder im Kopf, die ganz schrecklich sind. Aber es ist in dem Buch nicht genau beschrieben, wie es dort aussieht. Und Kinder, die diese Bilder noch nicht im Kopf haben, die empfinden dann diese Szene auch nicht als so schrecklich wie wir Erwachsenen, die wissen, was da passiert. Also insofern funktioniert diese Geschichte auch auf verschiedenen Ebenen und durchaus auch für verschiedene Altersstufen.

Marek Ja, und weil es eine Fabel ist, geht es in der Hauptsache eigentlich darum, sich in die Tiere hineinzuversetzen, sich zu fragen: Wie fühlen die sich denn? Wie betrachten die den Moment? Oder wie gehen die miteinander um? Und was natürlich noch mal besonders spannend ist: Wie sehen die eigentlich die - wir haben sie "Fellwechsler" genannt - Menschen? Was denken die sich eigentlich, warum wir das Ganze hier machen? Also was hat das aus der Tierperspektive für einen Sinn, was der Mensch, was der "Fellwechsler" hier so treibt auf diesem Planeten? Und was machen die sich für einen Reim darauf? Und so war es möglich, tiefer in diese Problematiken einzutauchen und davon zu beschreiben, ohne dass es so, ich sag mal, plastisch und drastisch war, dass - die Eltern hatten natürlich ihre Bilder im Hinterkopf - die Kinder da in irgendeiner Weise auch nur jetzt Schwierigkeiten hatten, durch diese Szenen zu kommen.

Stefanie Ja, "Fellwechsler". „Rollkasten“ fand ich auch schön. Ich durfte das Buch vorher lesen, muss ich jetzt gleich noch mal anmerken. Also ich habe das schon gelesen und ich muss wirklich an mich halten, jetzt nicht zu spoilern, aber weil Ilona, du gerade über das Tierversuchslabor gesprochen hast, habe ich überlegt, dass auch ich teilweise vielleicht noch Hintergrundinformationen bräuchte zu den verschiedenen Akteur·innen in dem Buch. Ihr plant ja auch eine Internetseite dazu. Wird es dann da weitere Hintergrundinformationen dazu geben? Was jetzt - wie gesagt, ich versuche nicht zu spoilern - bestimmte Akteur·innen in dem Tierversuchslabor, sage ich jetzt mal, betrifft, warum die so aussehen oder sich so verhalten?

Marek Ja, also dazu muss man natürlich schon ein klein bisschen ausholen, um die Geschichte zu vermitteln. Und das ist jetzt auch nicht gespoilert, sondern einfach nur, um eine Vorstellung davon zu geben, um was es letztendlich geht. Und zwar geht es um eine junge Hündin. Berry heißt sie, die hier am kalten Ufer, so haben wir es genannt, also in Hamburg tatsächlich bei uns - wir kommen auch beide aus Hamburg – lebt, aber nichts um ihre Geschichte weiß, nichts von ihren Eltern weiß, also sozusagen ein Waisenhund ist, der von Menschen von „Fellwechslern“ aufgenommen wurde und von einer Katze, die auf sie aufpasst, instruiert wird. Und die vermittelt ihr etliche Übungen, damit sie auf irgendetwas vorbereitet wird, von dem sie aber noch nicht weiß, was es ist.

Und eines Tages kommt ein, ich sag mal ziemlich heruntergekommener - das hört sich gemein an, aber das ist eine herzensgute Seele – Hund, Doozer heißt er - die Katze heißt übrigens Yoko - und der holt die Katze Yoko ab zu einem Auftrag. Und da die Hauptakteurin, also die Berry, noch nie aus diesem Hinterhof oder groß aus dieser Gegend herauskam und sie aber trotzdem total neugierig ist, geht sie den beiden hinterher. Und so entwickelt sich dann nach und nach die Geschichte. Sie erfährt - das zumindest kann man sagen - dann, dass es eine geheime Gesellschaft gibt, die, wie Ilona das ja schon beschrieben hat, sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, für den Erhalt des Planeten zu sorgen, für die "Fellwechsler" sich verantwortlich sieht und versucht da die Probleme so gut es geht sozusagen hinter ihnen aufzuräumen, was immer schwieriger wird.

Und da stoßen sie in Hamburg auf eine Organisation, die weltweit tätig ist. Und diese Organisation steht eigentlich symbolisch für das, was wir Menschen gerade auch mit unserem, ich sag mal Technologiewahn diesenmPlaneten antun. Und vielleicht kann man soviel sagen: sie entdecken dort etwas in einem Lager hier in Hamburg, was nicht sein kann und nicht sein darf und verfolgen dann diese Firma bis über das große Wasser, bis zum glorreichen Ufer nach Amerika um dort - und da wird sie hineingezogen - dann mit der Geheimgesellschaft diesen, ich sag mal, Agentenfall zu lösen.

Und die Figuren haben eigentlich alle, gerade auch so die Widersacher Figuren, an sich schon eine starke Aufgabe. Du hattest ja gefragt, ob diese Figuren tatsächlich mehr sind, sage ich jetzt mal, als reine Figuren, also das heißt, ob sie etwas vermitteln sollen. Und so ist es tatsächlich, weil diese Figuren Eigenschaften haben, weil es eine Fabel ist, mit der wir in unserer Welt hier auch nicht nur konfrontiert werden, sondern mit dem wir umgehen müssen.

So ist die Hauptfigur beispielsweise sehr gutgläubig und gutherzig und geht auf alles zu, aber wird dann irgendwann auch mit finsteren anderen Gestalten konfrontiert aus dem Labor. Das zumindest kann man sagen. Da kommt ein Affe an, ein Laboraffe, der sich ihnen anschließt, der die Menschen, die "Fellwechsler" nicht mag und ist aber trotzdem bei ihnen mit dabei. Und seine Grundidee ist: eigentlich müssten die Tiere über die Menschen herrschen. Das wäre viel fairer als umgekehrt. Er steht eigentlich für eine starke Ideologie, die er vertritt. Die "Fellwechsler", also diese Organisation steht sehr stark für die Technologie. Und später gibt es noch eine andere Gruppe. Das sind nämlich genau diejenigen, die sagen, wir wollen gar nicht mehr den Menschen helfen, sondern wir sind eigentlich total gegen sie. Am liebsten möchten wir sie gänzlich vom Thron stoßen und sie auch beseitigen. Die stehen für den starken Hass.

Und so hat man drei Elemente, einmal Technologie, einmal Ideologie und einmal den Hass, mit dem wir eigentlich im Moment hier sehr stark konfrontiert sind bei der Lösung unserer ökologischen und sozialen Probleme. Also insofern trägt sozusagen die Fabel eigentlich genau die Probleme, mit denen wir heutzutage hier zu tun haben auf unserem Planeten und mit denen auch Kinder sehr stark konfrontiert sind im Moment, weiter und befördert sie in dieses Fantasy Setting hinein.

Ilona Und gleichzeitig spiegelt sich da auch so diese ambivalente Haltung wider, die wir Menschen Tieren gegenüber haben. Während Berry, die ja ein Haushund ist und natürlich von ihrem Herrchen und Frauchen geliebt und gehegt und gepflegt wird, nur gute Erfahrungen mit Menschen gemacht hat, hat der Affe, der in dem Versuchslabor ist, nur schlechte Erfahrungen gemacht. Und so zieht sich das eigentlich auch durchs Tierreich. Und es gibt die sogenannten Nutztiere, es gibt die sogenannten Haustiere. Und dann gibt es noch die wilden Tiere und die alle haben immer so Gruppen von Tieren, die sozusagen unterschiedliche Erfahrungen mit Menschen gemacht haben und dementsprechend auch unterschiedliche Haltungen den Menschen gegenüber haben.

Während Berry sich überhaupt nicht vorstellen kann, dass es Menschen gibt, die Tieren irgendwas Schlechtes antun und natürlich vom Glauben abfällt, was sie da dann sieht, als sie in dieses Versuchslabor kommt, kann der Affe sich nicht vorstellen, dass Menschen irgendwie auch eine gute Seite haben können. Und die treffen aufeinander. Und dann entsteht da so diese Diskussion und auch der Konflikt sozusagen.

Marek Du hattest ja nach der Webseite gefragt. Wir sind tatsächlich dabei, weil wir glauben, das ist sehr wichtig und auch sehr sinnvoll, eine Webseite zu diesem Buch zu machen, von dem wir übrigens hoffen, dass es vielleicht eine Reihe werden kann. Mit etwas Glück, immer neue Abenteuer, sich immer mit neuen, ich sage mal, ökologischen und sozialen Problemen dann beschäftigen, die diese Tiere immer mehr und immer weiter in die sogenannte „weite Welt“ hinausführen.

Und auf dieser Webseite soll es vier große Bereiche geben. Einmal natürlichen den Bereich, wo man die Charaktere kennenlernen kann, diese geheime Gesellschaft der Tiere, vielleicht auch die Rebell·innen und was sie wollen oder auch die „Fellwechsler·innen“. Also das heißt, dass man denen näher kommt, dass man so ein bisschen, ja ich sag mal so, Profile von diesen Tieren hat und die sozusagen noch weiter erkunden kann. Ihre Geschichte. Das ist ein Bereich, wo man die Charaktere kennenlernt.

Dann gibt es einen Bereich, der sich nennen wird „Erforsche die weite Welt“, weil die Tiere nennen den Planeten, die „weite Welt“, weil die so unergründlich und weit für sie ist, aber doch faszinierend, wo die Kinder dann die Möglichkeit haben, natürlich mit jeder Geschichte, die dort entsteht, auch unterschiedliche Regionen der Welt kennenzulernen und sich damit zu befassen und zu sehen, welche Problematiken, aber auch welche faszinierenden Dinge es dort zu entdecken gibt. Und ja, das ist natürlich meistens aus der Sicht der Tiere auch vermittelt auch auf dieser Webseite. Aber es hilft den Kindern natürlich dann zu sehen, dass – ein ganz wesentlicher Punkt - alles miteinander verflochten ist und wenn möglich natürlich dort, das noch eine gute Verlängerung zu diesem Buch darstellt.

Der dritte Bereich, der nennt sich „Besuche Haunting Heart“. Haunting Heart ist die Agentenschule, an die dann hinterher Berry kommt und wo sie noch ganz andere Charaktere kennenlernt. Sozusagen eine Art Zentrum, das sich in New York befindet, dort, wo das eigentliche Abenteuer dann später auch spielt. Und Haunting Heart vermittelt einerseits natürlich etwas über die Struktur der Gesellschaft der Tiere, erklärt, was beispielsweise einzelne Tierkreise sind.

Es ist nämlich so, dass die gesamte Welt dieser Tiere in Tierkreise aufgeteilt ist. Organisatorisch. Es gibt einen hohen Rat, den sie dort auch noch mal kennenlernen und wissen, wie der agiert und warum er so agiert. Und es gibt an der Agent·innenschule Haunting Heart der Fall Kurse, wo Übungen gemacht werden, die die Tiere machen in unterschiedlichen Bereichen. Und diese Übungen helfen den Tieren natürlich bei ihrer Arbeit als Agent·innen, sind aber gleichzeitig geeignet durchaus für Kinder, sie so zu machen.

Das heißt also Übungen, die ihnen helfen, beispielsweise mit einem anderen Blick auf die Welt zu schauen, sich selbst zu betrachten. Also das ist eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die die Kinder, wenn sie dann die Agent·innenschule Haunting Heart auf der Seite besuchen mitmachen können und sich damit beschäftigen können. Und wir hoffen natürlich auch, dass das den Kindern was bringt und dass es ihnen gefällt, dass es spannend ist und dass es auch seinen Effekt hat.

Und der letzte Bereich nennt sich „The Animal Agent“ und da möchten wir so etwas haben, wo die Kinder dann selbst auch aktiv werden können, wo sie Wissen sammeln können, also aus dem ökologischen Bereich, Tierwissen beispielsweise, aber auch, wo wir so Interviews haben mit NGOs oder Organisationen. Im ersten Band geht es um Bienen. Das Aussterben der Bienen ist das Hauptthema für diesen ersten Band. Das heißt also, in diesem Bereich Animal Agent werden die Kinder dazu animiert sich zu engagieren für die Bienen auf diesem Planeten. Und da gibt es etliche Tipps und reichlich Wissen drumherum. Und wir hoffen natürlich, dass das genügend Ansätze sind, die sozusagen noch mal über das reine Lesen des Buches hinaus führen.

Stefanie Du hast jetzt schon einige Fragen beantwortet, die ich noch stellen wollte, nämlich unter anderem wird es eine Fortsetzung geben? Das hatte ich am Ende des Buches gedacht. Irgendwie wäre es schön, wenn es da noch weiter ginge. Das heißt, wenn es euch möglich ist, ist das auf jeden Fall angedacht?

Ilona Ja, genau. Wenn das erste Buch so erfolgreich wird, dass der Verlag sagt ja, da machen wir jetzt noch weiter, dann wird es weitere Bände geben und die Protagonist·innen werden die gleichen bleiben. Also Berry ist immer die Hauptperson und Doozer sozusagen der Sidekick und die werden aber pro Buch andere Fälle lösen. Also im zweiten geht es um die Plastikverschmutzung im Meer. Dann kommen wir auch mal zur Massentierhaltung, wo sie irgendeinen Fall lösen müssen oder wo der Regenwald abgeholzt wird. Also das sind so die verschiedenen Problemzonen, die wir irgendwie so haben. Da werden sie immer verschiedene Fälle lösen müssen.

Und dann gibt es aber auch Geschichten, die sich über die ganzen Bücher hinweg ziehen werden: Wie entwickelt sich Berry weiter? Wie entwickelt sich Doozer weiter? Wie entwickeln sich die Widersacher genau? Wo sind ihre Eltern, ihre Geschwister? Und wie ist das mit den Rebell·innen, die die Menschheit vernichten wollen? Also dieser Kampf innerhalb der Tierwelt, wie geht der weiter usw. Also es gibt so verschiedene Erzählbögen, die auch über die Bücher hinweg gehen.

Marek Und es gibt ein ungelöstes Rätsel sozusagen von der Berry und sie braucht etwas länger um dahinter zu kommen, welchen Part sie in der ganzen Geschichte der geheimen Gesellschaft spielt.

Stefanie Und das heißt, ihr habt die Fortsetzungen quasi schon im Kopf oder zumindest so grob geplant?

Ilona Ja, also du kannst dir vorstellen, Mareks Büro, das sieht so aus - kennst du das manchmal, wenn es so Krimis gibt und die bösen Übeltäter oder die verrückten Menschen haben irgendwie so das ganze Zimmer voller Zettel und dann spannen sich so Schnüre von einer Wand zu anderen? So sieht gerade Mareks Büro aus, weil sozusagen alle Wände voll sind mit Zettel von den Charakteren, von den Geschichten, von den Erzählbögen. Also es ist alles durchgeplant, schon in der Theorie. Die anderen Bücher müssen „nur noch“ geschrieben werden.

Stefanie Das klingt ja vielversprechend. Das heißt, wenn das Buch ein Erfolg wird, wovon wir jetzt einfach mal ausgehen, dann wird es auch noch weitere Bände geben.

Marek Ja, es ist auf jeden Fall geplant. Wir würden uns freuen. Und es gibt noch genügend Stoff. Und es gibt, wie Ilona auch sagte, einige Rätsel, die am Ende des ersten Bandes nicht gelöst sind. Das wäre jetzt nicht schlimm, aber natürlich könnte man da noch einiges erzählen, was dazu beigetragen hat. Und das bietet noch genügend Stoff natürlich für eine Verlängerung auch des großen Erzählbogens.

Stefanie Und bevor wir noch mal auf Haunting Heart zu sprechen kommen, noch eine Frage: Welche Rolle spielt Veganismus für euch in diesem Buch?

Marek Also wir beide leben ja selbst auch vegan. Das heißt, es spielt für uns natürlich eine sehr, sehr große Rolle. Und es ist, muss man wirklich sagen, auch ein Hauptantrieb gewesen, so ein Buch aus der Sicht der Tiere zu schreiben. Weil jetzt gerade ist es natürlich so, wir haben mit dem riesigen Klimaproblem, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, andere Dinge so ein bisschen an den Rand geschoben und das tat uns auch bei unseren Spaziergängen leid, weil wenn man jetzt nur dieses Thema Artensterben oder Massentierhaltung oder die Artenvielfalt, die wir nach und nach verlieren, nur als Stichworte sieht, dann haben die so eine Dimension, die natürlich, wenn man jetzt durch die Augen der Tiere schaut, natürlich für die so etwas von bedeutend sind.

Natürlich ist das Klima ein riesiges Thema, aber gerade diese Dinge stehen nicht im Vordergrund der aktuellen Diskussion. Was tun wir eigentlich unsere Mitgeschöpfen auf diesem Planeten an? Und das war für uns wichtig, einmal den Fokus darauf zu richten, weil man kann natürlich selbst vegan leben, aber es gehört auf jeden Fall dazu, dass man sich auch in diese vielen Tiere versetzt. Und wir teilen diesen schönen Planeten nun mal mit diesen ganzen Tieren. Und ich persönlich bin der Meinung, dass wir auch uns entsprechend verhalten sollten.

Ilona Ich denke, das kennen auch viele Menschen, die vegan selbst leben und dafür ein Bewusstsein haben, dass das immer so eine Gratwanderung ist, oder? Mir geht es auf jeden Fall so. Auf der einen Seite lebe ich vegan, weil ich bei diesen ganzen schrecklichen Sachen einfach nicht mitmachen möchte. Und natürlich schmerzt mich das zu sehen, dass andere Menschen das schlicht nicht wahrnehmen oder sich nicht mit auseinandersetzen und ich mir dann denke: Ja, wenn ich jetzt nicht das Wort für die Tiere ergreife, wer macht es dann? Weil die Tiere können ja nicht für sich selbst sprechen, die haben ja keine Möglichkeit ihre Rechte einzufordern oder sich zu organisieren oder zu protestieren oder was auch immer. Die sind uns wirklich zum Teil einfach hilflos ausgeliefert.

Und auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass es so dieses Klischee gibt, des kämpferischen Veganers oder der Veganerin, der·die alle anprangert und ja total unduldsam mit anderen Menschen ist und das bringt ja dann auch nicht viel. Also man kommt da auch nicht weiter und deswegen war es für uns schon eine Möglichkeit, Tieren eine Stimme zu geben, wo wir so das Gefühl hatten, da kann man die Herzen der Menschen erreichen, weil sich die Leser·innen ja mit diesen Figuren identifizieren. Auch wenn es Menschen sind, nehmen sie ja die ganze Geschichte durch ihre Augen wahr und und können sozusagen deren Emotionen nachempfinden. Und wir hoffen, dass wir auf die Art und Weise auch noch mal Menschen erreichen können, die sich sonst mit solchen Themen eigentlich nicht so beschäftigen, die sich aber schlicht und einfach sagen: Oh, spannende Tierfantasy, cool, das lese ich mir durch, weil sie auch andere Bücher lesen, wo auch Tiere irgendwie eine Rolle spielen.

Stefanie Jetzt richtet sich das Buch ja vor allem an Kinder ab 10 Jahren, hatte ich jetzt gelesen und ihr hattet ja vorhin schon mal von diesen Übungen gesprochen, die die Tiere zum einen machen, aber die ja auch die Kinder dann übernehmen können. Und Marek, du hattest gesagt zu der Rolle der Agent·innenschule, dass die lesenden Kinder da auch was draus lernen können. Was wünscht ihr euch denn, was die Kinder, die dieses Buch lesen, aus dem Buch mitnehmen?

Marek Auf jeden Fall ist es auch ein Buch für Groß und Klein oder umgekehrt gesagt für klein und groß. Also das ist natürlich schon auch der Wunsch, auch wenn das Eltern vorlesen oder wenn sie es selbst gerne lesen, hoffen wir natürlich, weil es eine Fabel ist, die unsere heutige Menschenwelt skizziert, dass sie da auch einiges mitnehmen können. Und ja, der Grundgedanke ist schon, dass wenn es eine Fabel ist, man sich überlegen kann, einerseits beispielsweise: Wie lösen diese Tiere in der geheimen Gesellschaft ihre Probleme? Und zwar lösen sie sie nicht durch reine Hierarchie und dass der, der am kräftigsten ist, das alles löst, alles dominiert, sondern sie finden noch andere Wege. Natürlich ist es im Tierreich so, dass da nicht alle nur diskutieren miteinander und hier ist es auch im Buch nicht der Fall.

Aber sie haben schon eine etwas andere Struktur, die wir schon idealer finden, als sie derzeit bei den Menschen praktiziert wird. Wie lösen wir unsere Probleme? Wie gehen wir mit den großen Konflikten auf unserem Planeten um? Und Haunting Heart steht so ein bisschen für eine Schule, die das vermitteln soll. Natürlich in erster Linie den Tieren, aber natürlich damit auch den Kindern. Es gibt dort eine Reihe von Kursfächern, die die Tiere dann besuchen. Die sind aufgeteilt, und das ist eigentlich auch noch mal ganz charmant, in Sechs bzw fünf unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Es gibt die einfachen Kurse, die nicht mehr so einfachen Kurse, die komplizierten, die noch komplizierteren oder fast verrückten oder - das ist der sechste - die wirklich verrückten Schwierigkeitsgrade. Und es gibt die einzelnen Kurse, die auch exemplarisch stehen für Themen, mit denen sich vielleicht Kinder gerade auch in dem Alter beschäftigen.

Und zwar geht es einmal um das „Ich sein“. Das ist zum Beispiel eine Art von Kurs, wo die Tiere, in diesem Fall aber damit auch die Kinder, die Menschen, die es lesen, mit dem Ich sein sich beschäftigen können. Was heißt es überhaupt, Ich zu sein? Oder was bedeutet Identität und Persönlichkeit und was mache ich daraus? Und wie gehe ich damit um, wenn ein·e andere·r, der·die natürlich auch einen Willen hat und etwas erreichen will, so ganz anders drauf ist, als ich oder sich vielleicht gegen mich stellt? Also wie gehe ich beispielsweise mit den inneren Konflikten um oder auch mit den Wünschen und Träumen, die ich habe? Also ein Kurs nennt sich „Ich sein“.

Ein weiterer Kurs nennt sich „Verflochten sein“. Und da geht es darum, wie können wir eigentlich alle gemeinsam etwas erreichen bzw wie stehen wir zueinander? Wie hängen die Dinge miteinander zusammen? Wie hängt unter Umständen alles, was auf dem Planeten existiert, miteinander zusammen? Die Tiere, in diesem Fall natürlich, übertragen auch die Menschen. Bildet das alles eine Einheit oder bin ich jetzt nur einfach für mich alleine und muss jetzt irgendwie mich durchkämpfen und das reicht?

Und es gibt da noch eine Reihe anderer Kurse, beispielsweise einer nennt sich „Fellwechselei“. Da geht es um die Frage: Wie betrachten die Tiere dann die Menschen? Welchen Reim machen sie sich auf unterschiedliche Verhaltensweisen, zum Beispiel auf die Technologie der Menschen? Du hast vorhin den Begriff „Rollkästen“ mit ins Spiel gebracht. Das ist das Wort für Autos, das die Tiere gefunden haben. Die sind natürlich keine Techniker in dem Sinne, die müssen sich irgendwie erklären, was das alles für seltsame Dinge sind, die die Menschen, die "Fellwechsler" sich da ausgedacht haben. Manche von denen hochgefährlich, andere einfach nur skurril. Also aus ihrer Sicht.

Da gibt es aber auch so etwas wie Gesellschaftswesen, wo sie sich damit beschäftigen, wie überhaupt eine Gesellschaft funktionieren kann, aufgebaut sein kann, die letztendlich etwas Positives, etwas Gutes erreichen will und was man selbst dafür tun kann. Und so gibt es eine Reihe von Fächern, die den Kindern helfen, sich mit der tatsächlichen Welt auseinanderzusetzen. Aber in Form dieser Fabel. Und es gibt in diesen Fächern unterschiedliche Übungen. Und diese Übungen, das wollen wir auch auf der Webseite zeigen, sind natürlich so aufgebaut, dass sie die Tiere machen, aber dass sie auch die Kinder machen können und wenn sie wollen natürlich auch die Erwachsenen, weil sie auf jeden Fall auch sinnvoll sind, sie bringen Spaß und aus unserer Sicht führen die auch zu was.

Zum Beispiel eine Übung, die nennt sich „Alles kann wichtig sein“ wo ein Tier, sag ich jetzt erstmal, sich darauf konzentriert, wie es in dem Moment die Welt wahrnimmt, was sie hört, was sie sieht. Also das heißt eine Erkundung sozusagen ihrer Umwelt in dem Moment für ein paar Minuten macht, um einfach präsenter zu sein und mehr mitzubekommen von den Dingen, die um es herum geschehen. Oder eine andere Übung heißt „Viel Kleines ergibt was Großes“, wo man auch sieht, dass beispielsweise durch Kooperation, durch Zusammenhalt, durch eine Gemeinschaft, etwas Großes entstehen kann, was man vielleicht alleine nicht schaffen kann. Dass es aber in dem Großen immer auch auf das Kleine, auf das Individuum ankommt.

Oder auch nur als Beispiel noch eine dritte Übung, die sich nennt „Die Welt wird, wie man sie sieht“, wo es um die Frage geht: Wie betrachte ich eigentlich das, was ich hier gerade erlebe? Oder gibt es nicht vielleicht auch eine andere Möglichkeit, es zu betrachten? Oder auch eine andere Möglichkeit, die Dinge, an die ich mich erinnere, zu betrachten? Haben die nicht unter Umständen noch mehrere Aspekte, vielleicht auch gute Aspekte und damit eine Situation auch zu wandeln, in der man beispielsweise unglücklich ist oder die man als nur schrecklich sieht, also auch vielleicht einem solchen Moment etwas Gutes abzugewinnen.

Und so gibt es eine ganze Reihe von Übungen, die in diesem Buch auftauchen, die den Tieren helfen und die für die Kinder vielleicht auch ganz nützlich sind. Und die gibt es auch auf der Webseite, so dass man sie einfach machen kann.

Stefanie Und sind das alles Übungen, die ihr selbst ausprobiert habt und damit euch quasi selbst stärkt, um mit diesen Krisen und Wirren in unserer Welt klar zu kommen?

Marek Ja, also unbewusst schon auch immer, oder seit langem und jetzt so formuliert natürlich zur Probe ohnehin. Ich musste erstmal darüber nachdenken, was mache ich eigentlich hier, wenn ich mich gerade auf mich besinne? Oder was mache ich, wenn ich versuche, einer vielleicht schrecklichen Weltsituation doch etwas abzugewinnen, was mir Hoffnung und Mut und Vertrauen in die Zukunft gibt. Und es gibt unterschiedlichste Übungen. Nicht alle davon sollte man immer machen, aber in kleinen Momenten sind sie tatsächlich auch sehr hilfreich.

Ilona Im Grunde genommen geht es um so Themen wie Achtsamkeit und das sind durchaus natürlich Themen, die uns auch schon seit Jahren bewegen und beschäftigen und wo wir uns auch versuchen weiterzuentwickeln. Aber jetzt im Zusammenhang mit dem Buch und mit genau dieser Perspektive der Tiere und für Kinder und so haben wir das natürlich noch mal neu durchdacht.

Stefanie Das heißt, die Art und Weise, wie die Übungen beschrieben sind, ist tatsächlich das, was von Euch, Marek und Ilona stammt. Die Inspiration stammt dann aus eurem Leben, sag ich jetzt mal.

Ilona Die Inspiration stammt aus unserem Leben. Aber natürlich, wenn ein Hund „Alles kann wichtig sein“ Übung macht, dann ist es natürlich klar, dass der viel, viel feiner riechen kann als wir. Sie können ja bis zu zwei Wochen zurück riechen, wo irgendwo was auf dem Boden verschüttet wurde oder so, das können wir ja alles gar nicht erfassen. Also wir haben schon versucht, auch in dem Buch wirklich darzustellen, dass Tiere tatsächlich die Welt auch anders wahrnehmen. Dafür sehen Hunde Rot und grün nicht oder so und das spielt alles auch eine Rolle. Also das heißt, die Übung ist schon ein bisschen anders für einen Hund, wenn er die macht, als für uns Menschen. Aber vom Ansatz her und von den Schritten usw. geht es darum, im Hier und Jetzt anzukommen und mit allen Sinnen den jetzigen Augenblick wahrzunehmen oder das wahrzunehmen, was um einen herum gerade stattfindet.

Marek Und auch genießen zu können.

Stefanie Ihr habt jetzt eigentlich schon ziemlich viel erzählt von dem, was ich so wissen wollte. Jetzt überlege ich gerade: Gibt es noch was, wo ihr denkt, das sollten wir noch teilen? Zu dem Buch?

Marek Was schon ein Wunsch ist und das haben wir eigentlich auch vom ersten Moment damit verbunden - Das Buch heißt nun Animal Agents. Das ist natürlich einerseits der Tatsache geschuldet, dass es einfach spannend klingt - auf der anderen Seite wäre es eigentlich wirklich toll, wenn wir uns alle so ein bisschen als Agent·innen für die Tiere einsetzen könnten. Das heißt also eigentlich wieder stärker auch unsere Mitgeschöpfe in den Fokus rücken. Mir geht es persönlich zumindest so, wie vorhin schon kurz erwähnt, fehlt es mir tatsächlich in der öffentlichen Diskussion und es wird einfach so hingenommen, dass wir uns stärker auch beschäftigen mit dem, was die Welt der Tiere ausmacht.

Wir greifen als Menschen immer weiter ein, lassen den Tieren immer weniger Platz. Das Anthropozän, das heißt das Zeitalter des Menschen, hat eine ganz verheerende Auswirkung seit einigen Jahrzehnten, oder sagen wir mal, wenn wir ganz großzügig sind, seit wenigen Jahrhunderten, wo wir die Natur oder auch alle Lebewesen, die in ihr leben, so stark beeinflussen, dass es eigentlich kaum noch einen Bereich gibt, der unberührt von uns ist. Und das wirft natürlich Fragen auf, die ganz massiv sind. Und wenn man sich in diese Tiere hineinversetzt, dann ist es tatsächlich eine Bedrohungssituation.

Und das, worum es in diesem Buch eigentlich in der Grundfrage geht, ist: Wie weit wollen wir gehen? Wie weit wollen wir als Menschen gehen in Bezug auf unseren Planeten, aber auch: Wie weit wollen wir gehen und uns trauen, uns in die hinein zu versetzen, die sozusagen unter diesen Schwierigkeiten, die wir ihnen machen, und den lebensbedrohlichen Gefahren, denen wir sie aussetzen, uns in sie hinein zu versetzen dabei und das Mitgefühl zu erhalten, anstatt zu sagen, das ist jetzt einfach notwendig, weil wir Menschen Probleme haben, die wir für uns lösen müssen. Und für uns kommt der Mensch immer nur an erster Stelle.

Und egal in welche Richtung es geht, lohnt es, denke ich, die Tiere einfach gedanklich nicht nur mitzunehmen, sondern ihnen auch den Stellenwert zu geben, den sie haben. Wir gehen immer sehr leicht davon aus, dass alles, was zu geschehen hat, immer ja aus der Sicht des Menschen und für den Menschen zu geschehen hat. Aber welchen Grund sollte es geben, dass ein Tier, egal noch welches hier in diesem Buch beschrieben wird, weniger Bedeutung oder weniger Anrecht hat als der Mensch in dieser Welt? Also ein Anrecht auf Glück oder Anrecht auf Freiheit oder ein Anrecht auf eine eigene Persönlichkeit? Das vergessen wir häufig und stellen die Tiere eigentlich jetzt nur noch sozusagen in den Vergleich: Sind sie für uns nützlich oder sind sie eine Gefahr oder sind sie unbedeutend?

Und so gehen wir auch mit ihnen um. Und das jetzt nicht nur im kleinen Maßstab, sondern in einem Maßstab – das wird natürlich im Buch hier nicht aufgedröselt - aber in einem Maßstab, der wirklich so was von bedrohlich und gigantisch ist. Also wo wir von Milliarden von Tieren sprechen, die wir als Zucht- oder als Nutztiere haben, Milliarden von Tieren, die wir gerade in ihrer Existenz bedrohen. Noch Milliarden von Tieren, die einfach die Menschen nicht überleben, wenn man es so sagen kann. Und das stellt ein gehöriges Problem dar. Und wir reden jetzt wie gesagt hauptsächlich über das Klima, was ein riesiges, riesiges Problem ist. Aber wir verlieren ein bisschen aus den Augen, dass wir hier nicht alleine sind.

Stefanie Ja, ich kann da ganz mitgehen. Also das ist genau das, was ich auch tatsächlich in letzter Zeit immer wieder denke, dass wir die Verbindung zu unserer Mitwelt verloren haben und vor allem finde ich auch, dass wir eigentlich auf indigenes Wissen hören sollten, wo es diese Verbindung noch gibt, was aber ja leider nicht wirklich gehört wird, zumindest in unserer westlichen Welt nicht. Und auch, dass wir ja jetzt über dieses mechanistische Weltbild stolpern und deswegen kann ich das voll und ganz verstehen. Ich finde das auch spannend, diesen Ansatz in ein Kinderbuch zu verpacken, ich glaube, dass das tatsächlich wirklich gut ist für Kinder, das noch mal zu sehen, aber auch für Erwachsene natürlich, dass wir die Sichtweise wechseln und aus den Augen der Tiere schauen, dass das wieder einmal Möglichkeit ist, die Verbindung zu stärken.

Marek Es gibt ja noch einen weiteren Punkt und das sind die sozialen Konflikte, mit denen wir im Moment vermehrt zu tun haben. Wir befinden uns ja im Moment in einer, ich sage nicht nur Stress-, sondern in einer Bedrohungssituation. Also sozial, global betrachtet. Das hat natürlich einerseits mit dem Kampf um Ressourcen zu tun oder auch mit dem Kampf um Territorien oder dem Kampf, wenn man es ganz einfach sagen möchte, um Macht und Einfluss. Und diese Konflikte, die entstanden sind, die zeichnen sich ja in der Gesellschaft ab und mit denen werden Kinder konfrontiert. Wir haben ja vorhin gesagt, ab zehn Jahren ist das Lesealter, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, Kinder ganz aus dieser allgemeinen Stresssituation herauszuhalten. Spätestens dann nicht, wenn man selbst sich bedroht empfindet oder gestresst noch, wenn es um politische Themen beispielsweise geht.

Und da ist es auch noch mal wichtig, Möglichkeiten zu liefern, wie man sich in sozialen Konflikten womöglich anders verhalten kann. Und vielleicht auch die Hauptelemente, die man hat, in einem solchen sozialen Konflikt aus unserer Sicht noch dazu führen, dass wir uns überhaupt in einer solchen Situation zu befinden, über Tiere oder über Figuren darzustellen, wie vorhin jetzt zum Beispiel die Technologisierung, mit der viele Menschen meinen, dass wir alle Probleme dieser Welt lösen können, oder auch Ideologien, mit denen viele Menschen meinen, die Probleme zu lösen oder auch einfach nur den Hass, der an so vielen verschiedenen Stellen aufkeimt und uns eigentlich sozusagen außerstande sein lässt, miteinander weiterhin in einem Dialog zu bleiben und die großen Herausforderungen der Zukunft auch gemeinsam zu lösen. Und all diese Aspekte tauchen in diesem Buch kindgerecht auf. Und ich sage auch mal erwachsenengerecht auch so, dass es möglich ist, vielleicht dem noch andere Perspektiven abzugewinnen.

Stefanie Ja, ich denke auch, dass das Buch sehr vielschichtig ist. Auf jeden Fall. Also es hat mir wirklich sehr gut gefallen, einmal das, was ihr sagt, mit dem verflochten sein, die Verbundenheit, wirklich, dass alles miteinander verflochten ist, aber auch gerade, du sagst ja, es ist eine Fabel, gerade diese Krisen, die wir alle ja hier erleben, dass die dort abgebildet werden, so dass ich auch das wiedererkennen konnte, sei es im Kleinen, wenn es Krisen jetzt gerade bei uns so im Umfeld gibt oder im Großen, wie wir das jetzt einfach erleben, gesellschaftlich und dann natürlich all die anderen Probleme, die wir haben. Wir haben ja einfach multiple Krisen.

Nur was ich dachte, ist, dass manchmal, aber das hatten wir ja jetzt auch schon gesagt - wir hatten über den Affen gesprochen, bei dem fände ich so ein bisschen Hintergrundinformationen auf der Internetseite gut, aber ich denke, das habt ihr ja wahrscheinlich auch vor. Also was hat das mit dem auf sich? Was ist mit dem passiert? Also ich denke, das wäre schön.

Ilona Das wird sich natürlich auch über die folgenden Bände noch entblättern. Also auch, warum Berry da eigentlich in Hamburg gestrandet ist und so ganz allein, wieso sie getrennt ist von ihrem Onkel und so, das alles wird sich noch auflösen. Auch was mit Yoko ist der Katze und so, die haben alle noch ihre Geschichte, die sich noch entfalten wird.

Marek Der Affe, der hat einem Jungen, der Testleser war des Buches, am besten gefallen, weil der Affe dadurch, dass er in diesem Labor war, Schwierigkeiten hatte - die Versuche, die dort gemacht wurden, hatten eigentlich hauptsächlich mit der Psychologie zu tun, in diesem Fall der Affenpsychologie - mit seinen Gefühlen umzugehen und er muss eigentlich an verschiedensten Stellen - das wird auch noch ganz bedeutend für die Geschichte - seine Gefühle irgendwie versuchen zu beherrschen und diese dunklen Gefühle nicht überhand nehmen zu lassen, weil das sonst an manchen Stellen schreckliche Folgen haben könnte. Dem Jungen hat das total gefallen, weil er sich mit der Figur am meisten verbinden und das auch auf sich beziehen konnte. Diese Selbstbeherrschung, gerade in einer Stresssituation oder gerade wenn man wütend ist und es eigentlich nicht sein sollte, aber eigentlich dann doch müsste usw.

Ilona Mit der Wut umgehen.

Marek Wie kann man mit der Wut umgehen? Und das hat uns auch verblüfft. Das war ja gar nicht am Anfang so konzipiert, aber es hat sich ergeben. War für ihn eine tolle Möglichkeit, unterschiedliche Varianten sozusagen dieser starken Gefühlswelten in dieser Figur auf sich zu beziehen und sich damit für sich selbst auch zu erschließen.

Stefanie Das kann ich mir gut vorstellen. Auf jeden Fall. Wenn das Buch dann erscheint, bin ich mal gespannt, was alles so an Feedback kommt. Was ich bisher als Erfahrung gemacht habe ist, dass - jetzt habe ich ja noch kein Buch in dem Sinne geschrieben - aber wenn ich bestimmte Podcastfolgen oder so aufnehme, dann lösen manchmal Dinge Reaktionen aus, von denen ich nicht dachte, dass die Reaktionen auslösen. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass da jetzt noch die verschiedensten positiven Feedbacks kommen. Also mal schauen, wie sich das dann entwickelt, weil wir uns ja einfach in den unterschiedlichsten Charakteren wiederfinden, je nachdem, wie es uns gerade geht und wie divers wir so aufgestellt sind. Da gibt es ja unterschiedliche Möglichkeiten. Ja. Also das heißt, es muss einfach jetzt auch ein Erfolg werden, damit es weitergeht.

Marek Also wir würden uns natürlich sehr darüber freuen und das ist ein echtes Herzensprojekt, wie man vielleicht hört. Nicht einfach eine Geschichte, die wir aufschreiben, sondern wir würden natürlich uns super freuen, damit auch was bewegen zu können.

Stefanie Was wäre so das größte Kompliment, was man euch machen kann mit diesem Buch? Also was wünscht ihr euch? Was ist so die größte Wirkung, die das Buch erzielen kann?

Ilona Unser Traum hat sich erfüllt, wenn ich so sagen darf, wenn Menschen berührt sind und anfangen, ihr Leben zu verändern, und zwar in eine Richtung, dass sie mehr auf Tiere achten, dass sie bewusster konsumieren und bewusster in dieser Welt agieren und mehr auf Gerechtigkeit und Umweltschutz achten.

Marek Wenn das Buch sie auch vom Herzen her anspricht. Und man bietet ja eine Welt an, also das heißt in diesem Fall eine Welt, die man erzählt und die in sich vielleicht stimmig ist und in die die Leser·innen eintauchen können. Und ein tolles Kompliment wäre natürlich, wenn die sagen, wir möchten noch mehr über diese Welt erfahren und es soll irgendwie weitergehen, wir möchten noch mehr Abenteuer erleben, wir möchten auch noch mehr und häufiger an verschiedenen Stellen berührt sein von dem, was die Tiere hier erleben. Und wir kommen den Tieren wieder näher. Vielleicht kann man das so sagen, vielleicht wäre das eine eine tolle Belohnung noch. Also dass Menschen sagen: ich stehe jetzt noch mal ganz anders dazu und ich achte noch mal ganz anders darauf, neben anderen Dingen.

Stefanie Ja, all das habt ihr in mir auf jeden Fall schon ausgelöst. Das ist schon mal schon mal wahr geworden. Also gut, natürlich lebe ich ja schon vegan, aber ich habe zumindest dieses Bedürfnis: Ich möchte gerne wissen, wie es weitergeht. Ich möchte noch mehr Bücher haben. Wenn also Menschen dann sagen, ich bin berührt und ich möchte noch mehr Übungen machen, dann finden sie dazu dann auf der Internetseite auf jeden Fall noch Infos.

Marek Genau, da sind wir schon fleißig dabei, das vorzubereiten. Und genau da soll es alles Mögliche dann geben. Und vielleicht gibt es da ja auch noch die Möglichkeit des Austausches. Und wie gesagt, wir wollen ja auch dann Kontakt aufnehmen zu Organisationen, NGOs, in diesem Fall speziell zu Bienen. Und vielleicht können die ja auch noch mal Tipps geben, also würden wir uns natürlich sehr darüber freuen. Also eine Sache kann man noch sagen: Wir sind total stolz auf das schöne Cover, das der Illustrator Max Meinzold gemacht hat. Und der hat sich sehr, sehr viel Mühe gegeben und hat aus unserer Sicht das genau getroffen. Das ist auch total wichtig, dass da etwas zu sehen ist, wo man gerne länger hinguckt und was entdecken kann.

Stefanie Also alle weiteren Informationen zu dem Buch findet ihr dann in den Shownotes oder hier direkt unter der Folge. Da verlinke ich dann auch natürlich die Internetseite zum Buch. Und das Buch - hattet ihr ja so schön auch in eurer Signatur in der Email geschrieben - findet man in jedem guten Buchhandel. Also von daher am besten nicht online bestellen, sondern direkt vor Ort kaufen. Ja, dann bedanke ich mich, dass ihr euch die Zeit genommen habt und dass ich jetzt hier tatsächlich das erste Interview führen durfte mit euch über das Buch. Und dann wünsche ich euch natürlich total viel Erfolg mit diesem Buch. Das müssen einfach alle Kinder lesen.

Marek Ja, vielen, vielen Dank!

Ilona Danke dir auch.

Marek Im Namen der Tiere. Ja, wir grüßen auf jeden Fall alle, die zugehört haben. Wir freuen uns total über diese tolle Podcastreihe. Ja, und wir hoffen natürlich, dass alle, so wie wir, durch die Augen der Tiere schauen und mit ihren Herzen fühlen.

Ilona Ja, bis vielleicht zum nächsten Mal.

Marek Ja, genau.

Stefanie Das war das Interview mit Ilona Koglin und Marek Rohde zu ihrem neuen Buch „Animal Agents - Retter im Verborgenen“, einem spannenden Fantasyabenteuer für Menschen ab zehn Jahren, aber sicherlich auch zum Vorlesen schon für jüngere Menschen geeignet. Und das Buch wird am 19. Juli 2022 erscheinen. Du kannst es ab dem 24. Juni 2022, vorbestellen und den Link dazu findest du hier unter der Folge oder in den Shownotes. Du kannst natürlich auch einfach so nach „Animal Agents“ suchen oder in die Buchhandlung deines Vertrauens gehen und es dort dann schon mal vormerken lassen. Also von daher es gibt viele Wege, die dorthin führen und es wird ein Hardcover Buch werden mit 320 Seiten. So dass du jetzt noch einmal die Daten zu diesem Buch hast. Dann bleibt mir jetzt nur noch zu sagen: In diesem Sinne. In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

Folge 260 - Einfach alles Teilen? Das Leben im Hofkollektiv Wieserhoisl

Ein Beitrag

Folge 260 - Einfach alles Teilen? Das Leben im Hofkollektiv Wieserhoisl

Links zur Folge

Buch "Einfach alles teilen? Unser Leben im Kollektiv", Hofkollektiv Wieserhoisl
https://www.loewenzahn.at/produkt/2691/einfach-alles-teilen/

Webseite des Hofkollektivs Wieserhoisl
http://www.wieserhoisl.at/

Die Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie:

Auch in dieser Folge stellen wir wieder ein Buch vor und auch dieses Buch wurde uns wieder freundlicherweise kostenlos vom Löwenzahn Verlag zur Verfügung gestellt. Es heißt „Einfach alles teilen? Unser Leben im Kollektiv“ und wurde vom Hofkollektiv Wieserhoisel geschrieben.

Und ich hatte da mir diesen Katalog angeschaut mit den ganzen Löwenzahn Büchern und habe mich sehr auf dieses Buch gefreut. Das ist nämlich jetzt erst in diesem Jahr 2022 im Frühjahr erschienen. Und da hatte ich jetzt schon die ganze Zeit darauf hingefiebert, das endlich lesen zu können, weil mich das sehr angesprochen hat vom Titel her.

Carsten hat es nicht gelesen, so das nur ich jetzt vom Inhalt berichten kann und wie es mir gefallen hat und Carsten vielleicht zwischendurch ein paar schlaue Fragen stellt.

Carsten: Ja sehr eloquente Fragen werde ich mir einfallen lassen hier.

Stefanie: Aber spontan.

Carsten: Ganz spontan.

Stefanie: Denn Carsten hat gerade vielleicht mal einmal kurz ins Inhaltsverzeichnis geguckt, aber mehr weiß er nicht über dieses Buch. Wobei, zwischendurch hatte ich mal so ein bisschen drüber gesprochen, ist aber auch schon länger her. Wir hatten jetzt einfach keine Möglichkeit, zeitnah die Besprechung hier aufzunehmen. Das heißt, da liegen schon wieder ein paar Bücher dazwischen, wenn wir das in diesen Zeiteinheiten messen dürfen und ich habe vorhin nochmal versucht alles zu rekapitulieren, was in dem Buch steht, aber so im Grunde denke ich, kriegen wir das jetzt hin.

Carsten: Also kannst du meine Fragen beantworten.

Stefanie: Richtig, ich starte mal damit zu sagen, für wen dieses Buch geeignet ist oder an wen sich das Buch richtet. Es richtet sich wahrscheinlich an alle, ja, nur ich habe so das Gefühl, dass du eine bestimmte Vorgeschichte haben musst, um von diesem Buch maximal zu profitieren.

Ich habe gemerkt, dass ich zwar einige Dinge aus dem Buch mitnehmen kann, aber jetzt die Art und Weise, wie dieses Hofkollektiv zusammenlebt, auch nicht mein Ideal vom Zusammenleben ist. Ich denke aber, wenn du dich für alternative Wohnformen interessierst und für Selbstversorgung und den Sharing Gedanken, dann ist das Buch auf jeden Fall geeignet für dich.

Und das ist halt sehr interessant, über einen längeren Zeitraum mal zu schauen, wie sich dieses Kollektiv entwickelt, wie sie sich verstehen, wie sie sich organisieren, was sie alles zusammen machen und was eben auch nicht. Das Hof Kollektiv besteht ungefähr seit 2006, also da haben sie halt angefangen, haben ein passendes Objekt gefunden, wo sie dann als Gruppe im sich ansiedeln wollten.

Und damit fängt es eigentlich auch schon an. Das ist halt einfach ein Hof, Deswegen heißt es ja auch Hofkollektiv, in Österreich und das ist schon mal von der Personenzahl begrenzt. Also ich glaube, das Maximum an Menschen, die da bisher gelebt haben, waren 15. Meistens so irgendwie um die 10 Personen und auch im Haus finden nicht viel mehr als 10 oder 12 Personen Platz. Das heißt, sie haben auch noch so Bauwagen drum herum stehen, damit jede Person, die da lebt, auch einen Rückzugsort haben kann, aber was halt ganz klar aus dem Buch hervorgeht, ist, dass Momente der Einsamkeit dort in diesem Hofkollektiv oder auf diesem Hof wirklich selten sind.

Also das Buch ist von allen Mitgliedern, die im Moment auf dem Hof leben mitgeschrieben worden. Das heißt, es ist immer aus unterschiedlichen Perspektiven und die Person, die das Kapitel über Privatsphäre und so geschrieben hat, hat gesagt, dass sie im vorangegangenen Jahr zweimal nur ganz alleine auf dem Hof war. Das heißt, du musst tatsächlich, wenn du analog quasi dazu ein eigenes Hofkollektiv genauso aufbauen willst, wie dieses Hofkollektiv, damit rechnen, dass Privatsphäre ein rares Gut ist.

Du hast zwar die Möglichkeit dich mal zurückzuziehen, aber es geht wirklich um dieses Miteinander und ich starte jetzt einfach mal direkt mit diesem Punkt, weil das eben ein Punkt ist, der mir in meinen Kursen, Bildungsurlauben und so weiter und sofort, also in Kontakt mit Teilnehmenden, denen ich versuche alternative Wohnformen nahezubringen und denen ich versuche zu sagen, dass es nachhaltiger ist in Gemeinschaft zu leben, ist genau das der Punkt immer der mir entgegengehalten wird: „Aber die Privatsphäre!“

Vielleicht eine kurze Anekdote dazu noch. In dem letzten Bildungsurlaub, den ich gehalten habe, hatte ich verschiedene Wohnformen vorgestellt, unter anderem aber auch dieses Konzept der 15 Minuten Stadt in Paris, was ja nun wirklich kein Kollektiv ist im Vergleich zu dem, was wir jetzt in diesem Buch besprechen, sondern das bezieht sich auf die Stadt Paris, auf bestehende Wohneinheiten, die einfach Wohnungen sind, so wie wir es aus dem herkömmlichen Wohnungsmarkt kennen, also mit einer Wohnungstür, die man schließen kann, und dann eigenen Räumen, in die du dich zurückziehen kannst. Und ich habe wirklich verschiedene Konzepte vorgestellt, auch das vom Verein Neustart Schweiz und hatte dazu noch Hintergrundfilme, wo aber unter anderem auch experimentelles Wohnen gezeigt wurde, wo nämlich Menschen dann in einem Earthship sich getroffen haben, das als Gemeinschaftsraum hatten und dann in Bauwägen gewohnt haben und wo es experimenteller zuging. Und es war wirklich ein Potpourri an Möglichkeiten.

Aber jedes Mal passiert das und ich kann da wirklich drauf wetten, dass mindestens eine Person sagt: ja, aber so in so einem Earthship oder so wie die da, das könnte ich ja nicht. Nee, also auf gar keinen Fall. Dabei geht es wirklich nicht nur darum, sondern es ist eine Möglichkeit von vielen, in Gemeinschaft zu wohnen. Und in dem letzten Bildungsurlaub erzählte dann auch ein Teilnehmer, dass er Bekannte hatte, die jetzt nicht mehr seine Bekannten sind, die aus dem Haus weggezogen sind in ein gemeinschaftliches Wohnen, wo es gar keine Türen mehr gäbe und die Menschen nur noch miteinander ein- und ausgingen und alles gemeinsam machen würden. Und er sei auch froh, dass es da jetzt keinen Kontakt mehr gäbe und durch Nachfragen von meiner Seite aus hat sich dann rausgestellt, dass er das überspitzt meinte, dass es keine Türen mehr gibt, weil mich das doch etwas irritiert hatte, dass da keine Türen mehr sind. Ich habe das ernst genommen, aber anscheinend war das für ihn eine satirische Überspitzung, oder eine Metapher.

Hier bei dem Hofkollektiv ist es so ähnlich. Da gibt es zwar auch Türen, die man auch schließen kann, aber einfach durch die räumliche Nähe gibt es dort nicht wirklich viele Rückzugsorte. Und das heißt, wenn dich sowas abstößt und du damit gar nichts anfangen kannst, dann ist dieses Buch auch nichts für dich. Es sei denn, du möchtest einfach mal interessehalber da reinlesen. Aber wenn du sagst boah, nee, komm mir nicht mit sowas, dann kannst du an dieser Stelle quasi die Folge jetzt beenden. Oder, wenn du noch zuhören willst, kannst du das natürlich gerne machen, aber dann ist dieses Buch einfach für dich nichts. Also es würde keinen Mehrwert geben.

Carsten Du hast ja gerade gesagt, dass sie sich 2006 gefunden haben oder mit ihrem Projekt aktiv gestartet sind. Ist denn dieses Zusammenleben, was da geschildert wird, jetzt noch im Rahmen einer Aufbauphase, dass sie sich immer noch so im Aufbau befinden und deswegen eine sehr intensive Interaktion notwendig ist? Oder konntest du das schon irgendwie erkennen, eigentlich ist es jetzt so gesetzt, das heißt, sie haben schon zueinander gefunden. Die Strukturen sind schon so weit ausgebaut und und existieren, da wird sich nicht mehr so grundlegend viel verändern und perspektivisch wird es auch so sein, dass ein Leben in einer solchen Konstellation, in einem solchen Kollektiv immer ein hohes Maß an Interaktion mit sich bringt?

Stefanie Also jetzt speziell auf dieses Hofkollektiv bezogen würde ich letzteres sagen, dass das immer notwendig ist, sich miteinander auszutauschen. Jetzt weiß ich nicht, ich habe ja nicht so viele Erfahrungswerte mit anderen Kollektiven, wie das da ist, aber letztlich auch von dem, was Gemeinschaft ausmacht und generell auch zusammenleben, Vor allem auf so engem Raum musst du einfach miteinander sprechen. Und das ist jetzt nicht mehr im Aufbau. Die haben sich eigentlich so weit gefunden, aber es variiert immer, wer da wohnt. Das heißt, von dem Kernteam, die gestartet sind, wohnen da, glaube ich, nur noch zwei Personen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber jedenfalls ist es nicht mehr viel.

Also dann kamen neue dazu, dann sind wieder welche weggegangen und Kinder wurden geboren und sind da jetzt aufgewachsen. Und das heißt, es variiert immer mal, da ist jetzt gerade auch wieder ein junger Mann neu dazu gekommen - das war letztes oder vorletztes Jahr, auf jeden Fall jetzt aktueller - der dann auch da geblieben ist. Und so ist da einfach immer viel Bewegung auch drin. Und wie das so ist, wenn es eine Gemeinschaft ist, gibt es auch einen Auswahlprozess, wer denn jetzt dazu passt und nicht. Und dieser Auswahlprozess zieht sich tatsächlich über mindestens ein halbes Jahr hin. Also das heißt, auch das braucht Zeit und viel miteinander reden.

Carsten Und ich hatte jetzt im Inhaltsverzeichnis schon gesehen, dass da auch - ich weiß nicht, ob es ein Anspruch ist oder inwiefern die das leben - aber diese Selbstversorgung wird dort genannt und auch mit Selbstversorgung hinsichtlich von eigenem Gemüseanbau meine ich gelesen zu haben. Also ich kann mir schon vorstellen, wenn ein solcher Anspruch da ist, dann muss ich ja zwangsläufig sehr intensiv zusammenarbeiten, weil es ist ja nicht so, dass du im Kollektiv jetzt irgendwie ein oder zwei Personen hast, die den ganzen Tag nur gärtnern und die anderen machen dann keine Ahnung was, sondern das wird sich ja so vermischen, dass jede·r einen Teil dazu beiträgt. Und das muss wahrscheinlich dann über eine sehr intensive Abstimmung erfolgen.

Stefanie Ja, also sie beschreiben da auch, wie sich das alles entwickelt hat. Die sind da wohl am Anfang relativ naiv dran gegangen, weil sie alle nur theoretische Erfahrungen hatten und keine wirkliche Praxiserfahrung. Und dann haben sie viel gelernt. Es war ein Lernprozess. Und die halten auch Tiere. Sie hatten Schafe und die schlachten sie auch. Das heißt, es ist keine bio vegane Landwirtschaft, was sie da betreiben, sondern zu ihrem Selbstverständnis gehört es, Tiere zu schlachten. Allerdings schlachten sie die nicht selber, sondern lassen die schlachten. Ich weiß nicht, inwiefern das in Österreich sich unterscheidet von Deutschland, aber da gibt es wohl noch Schlachter·innen, wo es keine Riesenschlachthöfe sind, sondern kleinere Schlachterbetriebe. Trotzdem, wir jetzt als vegan lebende Menschen, ich würde sagen, ich distanziere mich davon und das ist für mich keine Option, dann auf so einem Hof dann mit zu leben.

Aber bei ihnen gehört das dazu, weil sie sagen, dass sie die Schafe auch nutzen zur Landschaftspflege und sie nutzen die Lämmer. Die Lämmer werden geschlachtet, um dann finanziell auch was reinzubekommen. Und da gibt es auch ein Kapitel, wo sie sagen okay, du darfst den Lämmern nicht zu nahe kommen, also Lämmer selbst aufziehen, dann hast du da einen Bezug zu, den du da entwickelst und dann fällt es dir schwerer, dieses Lamm zu schlachten. Und dazu möchte ich hier einmal eine kurze Passage zitieren.

„Manchmal kommt es dabei aber auch vor, dass die Mutter ein Lamm ablehnt. Mit viel Zuwendung schaffen wir es vielleicht, die Beziehung noch ins Lot zu bringen. Manchmal gelingt uns das nicht und wir müssen dann ein Flaschenlamm versorgen. Mittlerweile versuchen wir aber, Flaschenlämmer zu verschenken, denn der Aufwand und die Kosten rechtfertigen es leider bei unserer Betriebsgröße nicht, ein Flaschenlamm aufzuziehen. Außerdem ist die emotionale Bindung, die zwischen Mensch und Tier entsteht, nicht zu unterschätzen. So ein kleines Lämmchen ist unglaublich herzig, wie es herumspringt und dann auf einen zuläuft, um zu trinken. Leider kommt aber zwangsläufig der Moment, wenn es dann heißt, Abschied zu nehmen. Ein Flaschenlamm zu schlachten ist emotional sehr fordernd. Dazu kommt noch, dass wir nur einmal im Jahr schlachten lassen und somit von einer Routine weit entfernt sind.“

Und das ist so ein Punkt, der mir negativ aufgefallen ist, weil ich gedacht habe: Nein, ihr müsst das Lamm nicht schlachten und das ist überhaupt keine Notwendigkeit. Aber in diesem Glaubenssystem ist es so, dass sie denken, das muss so sein. Und sie haben ja ihren Betrieb irgendwie darauf aufgebaut, sie müssen sich ja irgendwie finanzieren. Das machen sie zum einen über das Gemüse und Obst, was sie anbauen, aber zum anderen auch durch das Lammfleisch. Aber es wäre ja möglich, das auch auf andere Art zu machen. Und das ist auf jeden Fall ja ein Punkt, wo ich denke okay, da kann ich jedenfalls nicht von euch lernen.

Aber es gibt auch jede Menge andere Punkte noch in dem Buch, wo ich denke, dass wir alle von diesem Hofkollektiv auch noch lernen können. Denn vor allem wenn es darum geht, wie wir in Gemeinschaft leben können. Und da begegnen uns dann wieder Punkte wie Soziokratie und Konsens und Konsent. Und wie wird dort entschieden und was für Möglichkeiten gibt es da, um Konflikte auszutragen und auch mit Konflikten generell umzugehen. Und das finde ich wieder sehr spannend, dass sie da aus dem Alltag berichten und nicht nur eine theoretische Methode vorstellen, sondern berichten, wie das bei denen so funktioniert.

Und wir, Carsten und ich, merken, dass jetzt auch, weil unser Kind an einer freien demokratischen Schule ist, wo es auch um Konsens und Konsent geht und soziokratische Ansätze und wie schwer sich manche Menschen damit tun, wirklich diese Konzepte zu verstehen, weil es ja bei Demokratie meist darum geht, dass die Mehrheit etwas entscheidet. Und bei Soziokratie geht es darum, dass es keinen gewichtigen Einwand gibt, wenn es Konsent ist. Aber wenn es Konsens ist, dann müssen wirklich alle dafür sein. Also gibt es verschiedene Möglichkeiten, da zu diskutieren. Und da ist das Buch wirklich gut, dass wir da noch mal aus der Praxis erfahren, wie das funktionieren kann und was für Methoden sie da für sich gefunden haben.

Carsten Ja, was ich gerade noch mal im Inhaltsverzeichnis gesehen hatte, im Vorfeld, dass die ja auch ganz bewusst darauf verzichten, Hierarchien aufzubauen. Also das ist ja etwas, was mich auch persönlich so direkt angesprochen hat. So ein bisschen Anarchie, nee, nee, Scherz beiseite, aber dieses Hierarchiefreie, das leitet sich da ja auch daraus herab, was du gerade schon sagtest, dass im Konsens oder Konsent entschieden wird und ganz andere Möglichkeiten der Entscheidungsfindung dann auch gelebt werden.

Stefanie Ja, das spiegelt sich dann auch in den Besitzverhältnissen wieder, dass das Hofkollektiv allen gehört, die dort wohnen. Und das ist auch gar nicht so einfach rechtlich das hinzubekommen. Da schreiben sie auch darüber, also auch darüber kannst du viel erfahren. Und dann ist noch ein Aspekt, dass sie auch ihre Finanzen teilen und auch generell Besitz teilen. Also es läuft alles in ein Konto, was so an Geld gegeben werden kann. Trotzdem ist es nicht so, dass du nichts eigenes mehr besitzen darfst, sondern du kannst auch Eigentum noch haben.

Wenn ich jetzt zum Beispiel meine Bohrmaschine mitbringe und sage, die ist für alle, dann geht sie in den kollektiven Besitz über. Und wenn du dann das Kollektiv verlässt, dann kannst du die Bohrmaschine wieder mitnehmen. Also ist es nicht so, du gibst es da rein und siehst es nie wieder, sondern du kannst es dann mitnehmen. So sind verschiedene Dinge ja auch schon wieder verschwunden, sozusagen, wenn die ursprünglichen Besitzer·innen dann das Kollektiv verlassen haben.

Und das mit den Finanzen fand ich auch ganz gut, da mal reinzuschauen. Gerade vor ein paar Monaten war in der Hinz und Kunzt, dem Straßenmagazin hier in Hamburg, auch Geld und gemeinsame Finanzierung ein Schwerpunktthema. Und da fand ich es auch noch mal interessant zu sehen, wenn eine Gemeinschaft alles in ein Konto packt, wie das funktionieren kann. Und hier wird es auch so gelebt. Deshalb war das für mich jetzt nicht neu, aber noch mal interessant, einfach da zu schauen: Okay, so kann das funktionieren. Und auch der solidarische Ansatz, dass es nicht darum geht, dass alle gleich viel geben, sondern jede·r gibt, so viel er oder sie kann. Und dann ist es auch so, dass jede·r sich so viel herausnimmt, wie er oder sie denkt, was er oder sie braucht und sich das dann quasi so ausbalanciert, wie es dann passt.

Und hier ist natürlich die Gruppengröße auch wieder entscheidend. Da es ja nur so ungefähr 15 Personen sind maximal plus minus, Kinder sind ja da auch schon dabei, kann da viel leichter auch eine Vertrauensbasis entstehen und dann kann das Geld auch solidarisch geteilt werden. Eine Buchhaltung haben sie dafür nicht, haben sie geschrieben. Das liegt aber wirklich daran, dass es diese Vertrauensbasis gibt und sie einfach auf jahrelange Erfahrung zurückschauen können, wie das alles funktioniert und sie hatten gesagt, solange diese Vertrauensbasis besteht und genug Geld auf dem Konto ist, bleibt das auch so.

Letztlich geht es hier auch sehr systemkritisch zu, sag ich mal. Das Konzept Arbeit wird in Frage gestellt. Das Wirtschaftskonzept wird in Frage gestellt und auch die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. All das ist eine Basis dafür, dass so was funktionieren kann. So wird dann auch überlegt, dass die Arbeit auf dem Hof gleich viel wert ist, wie die Arbeit irgendwo anders. Also wenn ich jetzt außerhalb des Hofes Geld „verdiene“, dass diese Lohn- oder Erwerbsarbeit gleichwertig gesehen wird, wie dann die Arbeit auf dem Feld oder mit den Schafen oder dass da Kinder betreut werden oder geputzt wird oder was auch immer, so dass es nicht irgendwie aufgewogen werden muss, dass nur Lohn- oder Erwerbsarbeit zählt, die Geld in die Kasse spült, sondern dass es so weit aufgeteilt werden kann. Und es muss ja auch einfach Menschen geben, die da auf dem Hof arbeiten, weil sie damit ja auch wiederum kollektiv dann Geld verdienen.

Carsten Genau da habe ich eine Frage: Wird darin geschrieben, wie sich das aufteilt? Wie viele Leute sind jetzt noch in ihrem normalen Erwerbsjobs tätig und wie viele sind in der Landwirtschaft unterwegs?

Stefanie Soweit ich das jetzt erinnern kann, ist wird es nicht direkt klar geschrieben, wie viel Menschen so arbeiten und wie viele so, sondern einfach nur, dass es quasi egal ist, wie viel jede Person einzahlt auf dieses Gemeinschaftskonto und dass es einfach diese Regel gibt, dass Erwerbsjobs außerhalb des Kollektivs nur gemacht werden, wenn sie einem auch wirklich Freude bringen und dann sonst auch gemeinschaftlich geschaut wird: Wie können wir das Geld, was wir brauchen, um unseren Lebensunterhalt zu finanzieren, erwirtschaften? Und das wird ja auch über den Hof durch diese Selbstversorgung und das Weiterverkaufen der Dinge, die dort „erzeugt“ werden - wenn ich an das Lammfleisch denke, muss ich hier die Finger wieder bewegen - dann gewährleistet. Und sie haben sich dann auch als Biobetrieb zertifizieren lassen, weil sie dadurch mehr Förderungen bekommen, Subventionen auch und da dann auch wieder das in die Finanzierung einfließen lassen können. Das heißt, die Finanzierung steht auf ganz vielen verschiedenen Füßen.

Carsten Und sind die denn jetzt eine solidarische Landwirtschaft, weil ich da am Inhaltsverzeichnis gesehen habe, dass sie da auch mal mit experimentiert haben.

Stefanie Genau das haben die mal gemacht und dann ist das wieder im Sande verlaufen. Das kommt wohl auch darauf an, wie viele Menschen sich darum kümmern. Aber letztlich hat sich das wohl für sie nicht rentiert. Und der Grund dafür waren vor allem die nicht ganz idealen Gelände- und Bodenbedingungen am Hof und der dadurch erhöhte Arbeitsaufwand. In dem Kapitel, wo sie auch über die solidarische Landwirtschaft sprechen, da schreiben sie auch viel über Biodiversität und auch über Permakultur und alles, was sie so ausprobiert haben. Das heißt, auch da findest du dann reichlich Informationen noch zu diesen Themen.

Und was ich auch sehr gut finde - denn sie werden auch sehr politisch - es geht auch um Saatgutsouveränität und auch generell heben sie auch immer wieder hervor, dass sie auch politisch aktiv sind. Also es ist nicht nur, dass sie da mit, sagen wir mal 15 Personen oder zwölf oder zehn da gemeinsam an einem Ort leben und versuchen, sich möglichst selbst zu versorgen, sondern sie versuchen dort auch dann ein Kollektiv zu sein, das nach außen geht. Also einen Begegnungsort zu schaffen, dass Menschen zu ihnen kommen können, aber auch, dass sie rausgehen.

Und sie hatten am Anfang versucht, dieses Kollektiv dadurch zu finanzieren, dass sie als Zirkusartist·innen unterwegs waren. Und sie beschreiben das auch so, dass sie am Anfang so diese naive Vorstellung hatten, dass sie gleichzeitig durch die Welt touren und dort dann politisch motivierte akrobatische Shows vorführen können, zum Beispiel auch zum Thema Saatgutsouveränität und Biodiversität und diesen Hof aufbauen und haben dann einfach gemerkt okay, das funktioniert so nicht. Sie müssen wirklich sehr viel Zeit in den Aufbau des Hofes stecken, der dann auch übernommen wurde, als nicht unbedingt runtergewirtschafteter Hof, aber auch kein Biohof und es musste sehr viel gemacht werden. Also es war alles zugewuchert und da musste ganz viel Arbeit reingesteckt werden am Anfang auch und sie hatten gar kein Geld. Das heißt, sie haben sehr viel einfach nur durch Arbeit gemacht und das ging dann auch alles nicht sofort.

Ach so, und was wir vielleicht auch noch dazu sagen sollten, da habe ich wieder gedacht: Ja, okay, schön, dass es diese glücklichen Fügungen gibt. Sie sind an diesen Hof gekommen durch familiäre Beziehungen. Das heißt, sie haben den nicht gekauft, sondern gepachtet. Und das auch immer mit diesem Wunsch dahinter, diesen Hof dann irgendwann komplett zu übernehmen, aber auch mit dieser Auflage, wenn irgendwann mal jemand kommt, der·die diesen Hof kaufen möchte, müssten sie den abgeben. Und da gab es auch schon mal eine Situation, wo es tatsächlich eine·n potenzielle·n Käufer·in gab und sie wollten da ja natürlich nicht weg. Und dann haben sie versucht, irgendwie selbst den Hof zu kaufen. Aber in der Zeit, in der sie das versucht haben, ist der·die Käufer·in dann wieder abgesprungen.

Also ist das von der Rechtssicherheit auch kein so ganz sicheres Konstrukt, in dem sie dort leben. Und da schreiben sie auch, ideal wäre es natürlich so wie beim Mietshäuser Syndikat zum Beispiel, dass der Hof dann wirklich auch rechtlich der Gemeinschaft gehört. Aber so weit sind sie mit diesem Hof noch nicht. Ich habe gerade gedacht, ich glaube, ich habe das am Anfang gesagt, dass der Hof dem Kollektiv wirklich gehört. Aber rein rechtlich gesehen sind sie da noch nicht, da arbeiten sie noch dran. Aber es gibt immer so viel anderes zu tun, dass sie das noch nicht angegangen sind.

Carsten Der Hof ist ja in Österreich. Kann man genau diese rechtlichen Themen eins zu eins auf Deutschland übertragen, geht da das Buch drauf ein oder lässt es das offen?

Stefanie Doch, es gibt da ein ganzes Kapitel zu dem Thema Besitzung, Grund und Boden und den Möglichkeiten, die du hättest, wenn du dich für so etwas interessierst, also auf welche Art und Weise du einen kollektiven Besitz finanzieren könntest, abseits von Bankkrediten, was es da noch für Möglichkeiten gibt und das nicht nur für Österreich, sondern auch für Deutschland und auch die Schweiz. Also ich gehe jetzt mal von dem ganzen deutschsprachigen Raum aus. Natürlich gilt nicht immer alles überall, aber da empfehle ich dann noch mal nachzulesen.

Carsten Dann habe ich noch mal eine ganz andere Frage. Du hattest gerade schon erzählt, dass das Hofkollektiv ja insofern lebt, dass auch die Mitglieder wechseln und von der Ursprungsgesellschaft oder von den Gründer·innen jetzt nur noch so zwei Personen übrig sind. Stellen die denn irgendein Auswahlverfahren vor, wo heraus hervorgeht, ob bestimmte Kompetenzen oder Fähigkeiten gefragt sind? Oder kann da einfach mit einer gewissen idealistischen Gesinnung quasi jede·r mit ins Kollektiv rein, wenn ein Platz frei ist?

Stefanie Gesinnung hört sich jetzt wieder so an, also im Grunde, ich hatte das vorhin ja schon mal kurz angesprochen, dass dieses Auswahlverfahren mindestens ein halbes Jahr dauert. Das wird immer wieder dann in der Gruppe intern auch besprochen und letztlich gibt es dazu auch ein Kapitel wieder in dem Buch, wo sie erzählen, wie das funktionieren kann, neue Mitglieder aufzunehmen. Sie bieten aber auch die Möglichkeit, da mal reinzuschnuppern und auch generell immer mal zu Gast zu sein und dann über mehrere Stufen sich da anzunähern und mal zu schauen. Jetzt ist das ja auch ein sehr spezielles Projekt, da muss man wirklich miteinander auskommen. Und dann ist auch die Frage: wie füge ich mich da ein? Passt das auch mit den Menschen? Das ist ja wirklich ein starkes Miteinander, gerade auch räumlich. Also wenn ich jetzt an den Verein Neustart Schweiz denke, die da die Nachbarschaften mit 500 Personen pro Nachbarschaft vorstellen, das ist ja eine ganz andere Dimension.

Carsten Ja, ich frage jetzt in der Hinsicht, weil so ein Projekt ja auch viel von handwerklichen und ich sag jetzt mal so gärtnerischen Fähigkeiten abhängt. Und ich kann mir das schwer vorstellen, dass wenn die so offen sind von den einzelnen Personen, die vielleicht von der persönlichen Chemie stimmen, aber ich sag jetzt mal von den 15 Leuten zehn Leute handwerklich überhaupt gar keine Kompetenzen besitzen und auch sich völlig unwohl fühlen, jetzt irgendwie im Garten rum zu arbeiten, dann wird es natürlich schwierig und gucken die dahin, dass sie sagen Mensch, wir brauchen jetzt jemanden, keine Ahnung, jetzt ist jemand weggegangen, der·die für uns im Grunde genommen so unser·e Handwerksmeister·in war und jetzt suchen wir gezielt Personen, die diese Kompetenzen irgendwie ergänzen. Ist das da irgendwie mit drin geschildert?

Stefanie Ich glaube, so einen konkreten Anforderungskatalog gibt es nicht. Ich bin mir aber jetzt gerade auch nicht sicher. Also bitte nicht darauf festnageln. Am besten das Buch lesen oder beim Hofkollektiv mal auf der Internetseite gucken. Aber was sie in dem Buch schreiben, ist, dass Kompetenzen angeeignet werden können. Also das heißt, dass dieser Ort auch ein Lernort ist, so dass viele Menschen dort einfach sich vieles aneignen und dass sie zu Beginn auch viel von den Nachbar·innen gelernt haben, also dass die Nachbar·innen ihnen geholfen haben, die Wiesen zu mähen und sonstige Dinge, also landwirtschaftliche Tätigkeiten, die sie vorher so sonst nicht gemacht haben. Dann von diesen Menschen gelernt haben, in dem die Nachbar·innen erstmal geholfen haben, dann haben die zugeguckt und dann haben sie das gelernt.

Und was sie auch gesagt haben, ist, dass es ein Ort ist, an dem viele Frauen arbeiten. Also ich habe gedacht, das ist echt traurig, dass mensch das so hervorheben muss. Doch es wurde in dem Buch jetzt hier so hervorgehoben, dass es vor allem ein queer-feministischer Ort auch ist oder teilweise war. Also je nachdem von der Gruppenzusammensetzung. Dementsprechend auch offen für diverse Menschen. Und in dem Zusammenhang auch für Menschen mit jeglichen Fähigkeiten. Nur wenn du überhaupt gar keinen Bock darauf hast, auf dem Land irgendwas zu machen, dann bist du da fehl am Platze. Also wirst du wahrscheinlich automatisch dich selbst aussieben, sozusagen. Das ist ja nicht sinnvoll, aber es ist die Möglichkeit, dass wenn du das alles nicht kannst, das zu lernen und du bekommst dort dann die Fähigkeiten einfach beigebracht.

Carsten Und jetzt hattest Du gesagt, dass die Nachbar·innen teilweise mitgeholfen haben, landwirtschaftliche Fähigkeiten zu erlernen. Das heißt also, das Verhältnis zur Umgebung ist jetzt nicht angespannt, die werden jetzt nicht so als die „Boah, was sind das denn für Hippies oder für Ökos“ oder keine Ahnung, was für Vorbehalte da teilweise ja aufgebaut werden können, angesehen, sondern die kommunizieren nach außen, werden als Teil der der lokalen Gemeinschaft angesehen oder sind das weiterhin so Randfiguren?

Stefanie Also die leben relativ alleine auf einem Berg sozusagen, also auf der Hälfte. Also ich meine Österreich ist...

Carsten nicht so fürs Flachland bekannt...

Stefanie Genau. Und da ist es so, dass da ein Wanderweg irgendwie auch direkt über deren Hof führt, so dass auch einfach Menschen da immer mal wieder vorbeikommen, fremde Menschen und der·die nächste Nachbar·in ist wohl ein bisschen weiter entfernt. Das ist jetzt nicht so, dass sie den direkten Kontakt haben. Aber sie haben auch geschrieben, dass sie am Anfang natürlich komisch beäugt wurden. Was sind das denn da für welche? Aber weil sie gezeigt haben, dass sie sich ernsthaft damit beschäftigen und ernsthaft da wirklich was aufbauen wollen, sind sie da akzeptiert. Und außerdem sind sie von Anfang an auch offen auf die Nachbarschaft zugegangen und haben mit denen gesprochen, haben sie um Rat gebeten usw, also dass da ein freundschaftliches Verhältnis schon besteht.

Und vielleicht noch ein Punkt zum Thema Wissen aneignen. Also es ist auch so, dass sie immer mal wieder andere Gruppen zu Gast haben, wie zum Beispiel das Bausyndikat, die ihnen dann geholfen haben, bestimmte Gebäude zu bauen oder sowas. Und dass da dann auch wieder ein Wissenstransfer stattgefunden hat und sie auch immer wieder offen sind. Ich sagte ja schon, dass da einfach Menschen vorbeikommen und mithelfen und dass sie auch teilweise darauf angewiesen sind. Das wäre zum Beispiel auch eine Möglichkeit, dieses Hofkollektiv und das Leben dort kennenzulernen, wenn du über das Buch oder solche Freiwilligenaktionen gehst.

Und eine Sache wollte ich noch erwähnen (und noch eine und noch eine). Da leben ja auch Kinder auf diesem Hof. Und was ich sehr interessant fand, war, dass es da auch ein Interview mit zweien von diesen Kindern gibt in dem Buch, die ihre Sichtweise auf das Leben dort beisteuern, darüber berichten und auch gesagt haben: Na ja, du bist da nie allein. Das ist einerseits gut, aber andererseits kann es auch nervig sein. Aber für sie ist es ganz normal. Ein Kind davon lebt auch noch in einem anderen Kollektiv, weil die Eltern getrennt leben und hat da dann noch Vergleichsmöglichkeiten, Hat da jetzt aber nicht irgendwie gesagt, das eine ist besser oder das andere schlechter. Aber sie haben das schon thematisiert, dass da nicht wirklich diese Möglichkeit da ist, dann auch mal irgendwie einfach allein zu sein. Und sonst haben sie aber gesagt okay, das Problem ist so ein bisschen, sie sind da so abgeschieden, das heißt mit anderen Kindern treffen, da müssen sie immer mit dem Auto hingefahren werden.

Und das ist vielleicht auch noch so ein Punkt, wo ich gedacht habe: nachhaltig – Auto? Sie haben dort drei Autos und die sind ein fester Bestandteil, weil sie einfach sonst nicht von diesem Berg runterkommen. Sie brauchen das einfach, um mobil zu sein. So, und da schlage ich wieder den Bogen zum Verein Neustart Schweiz zurück. Dass das gemeinschaftliche Wohnen eigentlich nur dann nachhaltig ist, wenn es auch von der Infrastruktur her gegeben ist, dass du dich nicht mit dem Auto die ganze Zeit fortbewegen musst. Deswegen ist dieses Modell bei diesem Hofkollektiv sicherlich auf verschiedenste Art und Weise nachahmenswert und nachhaltig. Nur das Angewiesensein auf diese Autos sehe ich da schon kritisch, weil wenn ich jetzt mir überlege für die Zukunft, in was für einem Modell möchte ich wohnen, dann wäre es ideal, wenn das ohne Autos funktionieren würde.

Ja, und das war der Kritikpunkt der Kinder, dass sie immer darauf angewiesen sind, dass ihre Eltern oder irgendwelche Erwachsenen sie irgendwo hinfahren, wenn sie sich mit anderen Kindern verabreden wollen und sie nicht einfach so sich mal spontan verabreden können. Und ich denke, das ist ja für alle Menschen, die so auf dem Land leben oder sich idyllisch irgendwo niedergelassen haben, mit Kindern, wo es weit und breit sonst nichts gibt, aber es ist schön da, dass die Kinder immer irgendwie gefahren werden. Also das ist auch was, wo ich früher immer wieder drüber nachgedacht habe. Also ja, du kannst total schön wohnen, aber dann bist du ständig als Taxiunternehmer·in für dein·e Kind·er unterwegs und musst sie überall hinkutschieren. Vielleicht kennst du das aus deinem Alltag, liebe·r Hörer·in.

Also von daher, das war so ein bisschen der Kritikpunkt, aber ansonsten haben sie auch gesagt, dass es auch sehr schön ist, dass immer jemand da ist und sie sich da frei ausprobieren können und dort auch sehr viel lernen können. Das ist ja auch ein Lernort. Aber die Kinder besuchen auch eine ganz normale Regelschule in Österreich. Wobei eines, glaube ich, auch eine freie demokratische Schule besucht, aber ich bin mir nicht ganz sicher. Aber zumindest ist es so gemischt, dass sie nicht wirklich da eine freie demokratische Schule haben, die diesem Konzept eigentlich entsprechen würde, wie sie dort leben. Und da müssen sie auch ständig hingebracht werden und wieder abgeholt. Es fährt ja kein Bus vorbei bei denen. Das sind alles Dinge, die da noch kritisch zu sehen sind, denke ich. Ich hatte ja zu Beginn gesagt, dass ich mich sehr auf dieses Buch gefreut habe und es hat sich auch wirklich gelohnt, das Buch zu lesen. Es lässt sich sehr leicht lesen und es sind auch viele, ganz viele kleine Kapitelchen..

Carsten Ja, und typisch Löwenzahnverlag auch wieder total super optisch aufgemacht. Also allein das Durchblättern vorne, das hat schon Spaß gemacht.

Stefanie Und das heißt, du musst es nicht chronologisch lesen. Das Buch ist für mich auch immer von Vorteil. Du kannst von Kapitel zu Kapitel springen, also wild quer durchs Buch. Weil die Kapitel auch alle von unterschiedlichen Menschen geschrieben wurden und nicht unbedingt aufeinander aufbauen. Also wenn dich alternative Wohnformen interessieren und du dich auch dafür interessierst, wie könnte ein anderes Arbeiten aussehen, eine andere Art von gemeinsamen Leben und die Erfahrungen von den Menschen lesen möchtest, die das jetzt schon seit etwa 16 Jahren machen - davor hatten sie natürlich auch schon Gedanken dazu. Also es ist ein längerer Prozess natürlich, der immer dahin führt zu so einer Gründung - dann lohnt sich das auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen.

Ich habe jetzt hier in der Folge nur einige Aspekte vorgestellt. Du findest im Buch noch viel mehr Aspekte. Also du kannst da noch tiefer gehen in den einzelnen Themen. Und jetzt ist natürlich die Frage, wie kommst du denn an dieses Buch? Denn unser Rezensionsexemplar stellen wir natürlich wieder zur Verfügung und es kommt in die Wanderbibliothek im Experimentarium, also der kostenlosen Online Community. Und wenn du Teil des Experimentariums bist, hast du Zugriff auf dieses Buch und wir lassen es fröhlich zirkulieren.

Carsten Musst aber schnell sein. Also ich habe jetzt durch die Rezensionsbesprechungen Lust auf das Buch bekommen.

Stefanie Vielleicht musst du dann nicht schnell sein, sondern es muss Carsten es erstmal lesen.

Carsten Wer sich zuerst meldet, bekommt das.

Stefanie Wenn du Mitglied im Experimentarium bist, dann kannst du auf dieses Buch zugreifen. Wenn du nicht Mitglied bist und auch keine Lust hast, Mitglied zu werden, hast du natürlich auch die Möglichkeit, das Buch über den Verlag zu bekommen oder in jedem guten Buchhandel, so dass du natürlich auch außerhalb des Experimentariums darauf zugreifen kannst. Aber dieses spezielle Buch, das Carsten und ich schon in der Hand gehabt haben - ob das jetzt positiv oder negativ ist - unser Rezensionsexemplar wandert jedenfalls in die Wanderbibliothek und darf dann wandern.

Carsten Und gerne weitergereicht werden.

Stefanie Genau das meine ich ja mit Wandern. Genau, genau da in der Wanderbibliothek sind auch schon viele andere Bücher. Zum Beispiel auch das Buch, das wir in der vorangegangenen Folge vorgestellt haben. Es lohnt sich also, Mitglied zu werden im Experimentarium experimentarium.stefanie-rueckert.de.

Carsten Das Ganze ist kostenlos.

Stefanie Du zahlst auch nicht mit deinen Daten, denn ich zahle für dich.

Carsten Und das auch noch gratis.

Stefanie Nein, ich zahle nicht gratis. Ich zahle jeden Monat Geld für dieses Experimentarium und damit finanziert sich die Firma, die mir die Plattform zur Verfügung stellt. Ich sage das jetzt hier noch mal extra, damit du das einfach verstehst, denn bei Modellen wie Fakebook usw zahlst du ja mit deinen Daten, denn Facebook erhebt nirgendwo Gebühren dafür, dass du das nutzt. Aber beim Experimentarium erhebt die Firma, die mir diese Plattform bereitstellt, die ich dann nutzen kann, Gebühren an mich, die ich zahle. Genau. Und deswegen ist es für dich kostenlos, weil ich dafür zahle. Und natürlich kannst du, wenn du das Gefühl hast, du möchtest gerne mir auch was zurückgeben, mich über Steady zum Beispiel unterstützen und dann sagen okay, ich zahle auch einen Teil dazu oder ich finde diesen Podcast so toll, das inspiriert mich jedes Mal. Ich bin so voller Inspiration, ich könnte platzen und da regnet ein bisschen Geld raus und das kannst du dann auf Steady an mich weitergeben. Den Link zu Steady findest du auch immer hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und bevor ich mich hier um Kopf und Kragen rede, würde ich sagen In diesem Sinne.

Carsten Ja, in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 259 - Dein fantastischer Balkongarten

Ein Beitrag

Folge 259 - Dein fantastischer Balkongarten

Links zur Folge

Buch "Dein fantastischer Balkongarten", Fühl Dich Löwenzahn
https://www.loewenzahn.at/produkt/2675/dein-fantastischer-balkongarten/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Transkript (von baerenstark Korrektur gelesen)

Stefanie In dieser Folge besprechen wir wieder mal ein Buch und zwar das Buch "Dein fantastischer Balkongarten - Ernten bis zum Abheben." Fühl dich Löwenzahn steht noch dabei, denn dieses Buch stammt wieder vom Löwenzahn Verlag und wurde uns freundlicherweise kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Und dieses Buch wird im Anschluss an die Rezensionen auch in der Wanderbibliothek des Experimentariums zur Verfügung stehen. Das heißt, wenn du Mitglied im Experimentarium bist, dann kannst du kostenlos einfach auf dieses Buch zugreifen, es dir ausleihen, es weiter verleihen, was auch immer du damit machen möchtest.

Und Du kannst dich kostenlos im Experimentarium anmelden, kannst dann Mitglied werden und dich dann mit vielen netten Menschen und Carsten und mir über eine klimagerechte Zukunft austauschen und was wir jetzt schon tun können, um in diese Richtung zu gehen und da gehört eben Balkongärtnern zum Teil auch mit dazu.

Den Link zum Experimentarium findest du immer unter der Folge oder in den Shownotes oder auf der Webseite. Und jetzt bin ich ja gerade schon über dieses Ernten bis zum Abheben gestolpert und möchte gleich mal als erste Frage stellen, was das denn zu bedeuten hat?

Carsten Das kann ich leider auch gar nicht erklären. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es geht letztendlich darum, dass du Balkongestaltung nicht so auf typische herkömmliche Art, mit Blumen, die vielleicht schön aussehen, aber von denen du bis auf die Optik und ein angenehmes Gefühl eigentlich nicht so viel hast.

Es geht tatsächlich darum wenn du in der Stadt wohnst und gar keine, ja Anbaufläche hast, aber trotzdem ganz gerne irgendwo deine Obst und Gemüsesorten anbauen möchtest, dann geht das auch auf dem Balkon und wie das funktioniert, das ist tatsächlich Kernbestand des Buches und ich glaub das Abheben, das geht eigentlich in die Richtung, dass du ganz viel ernten kannst. Das ist nicht so, dass du da so ein kleines Töpfchen hast, wo vielleicht so ein paar Erdbeeren sind und das wars dann mit der Ernte, sondern je nachdem wie du es dann gestalten möchtest und aufziehst hast du durchaus die Möglichkeit ganz viel zu ernten.

Nicht komplette Selbstversorgung soweit geht es halt nicht aber das Buch macht schon deutlich, dass Du einen nennenswerten Teil von dem, was du an Obst und Gemüse dann konsumieren möchtest, über den Sommer und Herbst hinweg auch tatsächlich auf deiner eigenen Balkonfläche erwirtschaften kannst.

Stefanie Kommt auch tatsächlich drauf an, wie groß der Balkon ist. Ich meine, wenn ich jetzt so ein ganze Dachterrasse hab mit vielen vielen Quadratmetern, hab ich natürlich mehr Möglichkeiten, als wenn ich irgendwie einen 4 Quadratmeter großen Balkon habe.

Carsten Das ist ja die Krux beim Balkon, dass du im Vorfeld einfach nicht sagen kannst, dass es ohne Schablonen nicht funktioniert überall dementsprechend. Wir haben jetzt einen Balkon, der ungefähr sechseinhalb Quadratmeter groß ist und auch nicht direkt nach Süden raus geht. Das sind natürlich alles so Beschränkungen, die man bei einer Balkonplanung berücksichtigen muss.

Also wenn ich jetzt einen sehr sonnigen Standort habe, wo ich weiß im Sommer ballert da die Sonne drauf, dann kann ich da natürlich ganz andere Sachen anbauen, als wenn ich jetzt weiß, das geht jetzt mehr so in die Schattenregion und ich habe vielleicht nur in den Nachmittagsstunden so ein bisschen Sonne, aber das ist tatsächlich etwas, was hier in diesem Buch behandelt wird.

Das geht so von den Basics los und macht auch klar, was ist eigentlich möglich, was ist machbar? Es gibt ja auch komplett neue Vorstellungswelten. Es richtet sich da tatsächlich an Menschen, die anfangen wollen, mit dem Balkon zu arbeiten, also gerade hinsichtlich von was kann ich denn da Gemüsemäßig anbauen und was ist vielleicht auch gut für Insekten, also Insektenhotels, aber auch die Pflanzen, die wichtig sind um die Biodiversität aufrechtzuhalten oder zu steigern.

Damit werden halt Facetten angesprochen, die Gedankenwelten öffnen, die vielleicht vorher nicht da waren. Und das ist tatsächlich das Schöne an diesem Buch und es ist wieder, ich sag jetzt mal so typisch Löwenzahn, die haben unglaublich toll gestaltete Bücher, sieht man schon so vom ersten Blick auf das Titelbild. Es ist sehr verspielt, das ist sehr, sehr blumig, sehr bunt. Es ist liebevoll gestaltet, und das zieht sich auch in in diesem Buch von vorne bis hinten weg. Also ist allein vom gestalterischen her eine richtige Augenweide. Ganz viele Fotos und und auch Illustrationen. Also wirklich viel, viel gemalte Illustrationen sind mit drin und das macht das ganze Buch schon allein so vom Durchlesen vom haptischen her zu einer echten Augenweide.

Stefanie Es macht also Spaß es durchzublättern?

Carsten Absolut, absolut, und das ist ja auch das, was wir bei den anderen Büchern, die wir vom Löwenzahn Verlag jetzt schon gelesen und rezensiert haben, genau das Schema, das ist das Schöne an diesem Verlag, was ich wirklich mittlerweile zu schätzen weiß, dass du einfach dich drauf verlassen kannst: Es macht Spaß, sich mit diesen Büchern auseinanderzusetzen.

StefanieJa, dann hast du jetzt ja schon gesagt, an wen sich das Buch eigentlich richtet, also Menschen mit Balkon, heißt, wenn du keinen Balkon hast, ist das Buch wahrscheinlich eher nichts für dich. Es sei denn Du wirst irgendwann mal einen Balkon haben und für Menschen, die dann noch so am Anfang stehen, die also den Beton Balkon vielleicht haben und jetzt da etwas draus machen wollen, vielleicht mal das ein oder andere Gemüse mal antesten wollen. Und dann schauen wir doch mal ins Inhaltsverzeichnis, Carsten, leite uns doch mal einmal durch.

Carsten Also das Buch fängt beim Planen an, so tatsächlich die Grundüberlegung: was kannst du mit deinem Balkon eigentlich machen? Wie gehst du an eine Sache über Planung ran? Nicht dass du in so einem Mechanismus verfällst: ich stelle einfach mal n paar Blumenpötte dahin und guck mal was da rauskommt, sondern es leitet dich schon so ein bisschen an wie du mit deiner Balkon Gestaltung umgehen kannst.

Carsten Also, was ich vorhin schon sagte, die Überlegung: Wie warm wird es eigentlich, wie viel Sonnenstrahlung kommt rein, was möchtest du eigentlich mit dem Balkon machen? Ist das jetzt für dich im Grunde genommen so eine ausgelagerte Ackerfläche, wo du maximal einen Anbau haben möchtest oder möchtest du einen Rückzugsort haben, wo du dann, je nach Größe des Balkens, ob du da jetzt so eine Hängematte mit integrierst oder einfach nur eine nette Sitzecke? Wo du dann nachher, wenn es dann wirklich blüht und grünt wirklich im Grünen sitzen kannst und da deinen Kaffee, Kuchen, Tee, was auch immer du dann trinken möchtest, dann genießt?

Das ist quasi so der Auftakt „Planung“ und geht dann im weiteren Verlauf tatsächlich so in die Details, da wird einfach geguckt, was für Pflanzen sind balkontauglich? Teilweise so kleinere Pflanzen, die man so direkt im Blick hat, Kräuter, die man so normalerweise auf den Fensterbänken hat, dass man die dann auch auf den Balkon integriert, hin zu Sachen, die man so schnell snacken kann, also Tomaten, Erdbeeren, auch Andenbeeren oder die Physalis, da probieren wir jetzt grad so ein bisschen mit rum, aber auch Pflanzen, die mir bisher noch nicht so wirklich bekannt waren, die auch gar nicht so direkt zur Ernte gehören, sondern eigentlich mehr Richtung Biodiversität gehen, um auch vom Optischen her ein bisschen was zu bringen, gleichzeitig aber auch für Insekten wichtig sind. Da geht es dann um Lavendel oder Klatschmohn, Kornblume, Färberkamille ist dort genannt, Natternkopf, also da taucht die eine oder andere Pflanze auf, die ich vorher gar nicht kannte. Das ist das Schöne an diesem Buch, auch wirklich komplett neue Sachen kennenzulernen.

Und geht dann auch ins Eingemachte, also sprich Sachen, die man tatsächlich so Richtung Garten vermutet, also so Bärlauch, Rucola, generell die Art und Weise, wie ich Salate anbauen kann, bis hin zu Karotten, Kartoffeln, Bohnen, Kürbisse, Melonen, je nachdem, also hängt da wirklich ein bisschen von der Sonneneinstrahlung ab, und das Schöne ist, es gibt auch so einen kleinen Abschnitt, der einfach zeigt, dass das Gartenjahr nicht unbedingt im Herbst aufhören muss, sondern es wird auch kurz behandelt, was für Salate oder Pflanzen auch in den kälteren Wochen des Jahres dann noch wachsen können. Also sprich, so ein bisschen das Wintergemüse, sodass man dann auch im November, vielleicht im Dezember, noch so ein bisschen was abernten kann an frischen Gemüsesorten oder Salatsorten.

Und was mich so ein bisschen überrascht hat und auch zum Schmunzeln gebracht hat, war das Thema Pilze; zum Schmunzeln deswegen, weil ich im Vorfeld immer mal wieder auf das Thema aufmerksam geworden bin. Hab gedacht: „Oh, jetzt begegnet mir das hier in diesem Buch nochmal. Irgendwie will mir das Schicksal sagen, beschäftige dich mit Pilzen, mit Pilzanbau.“ Finde ich total spannend einfach zu wissen, dass du auch auf dem Balkon auf einer kleinen Fläche mit wenig Aufwand die unterschiedlichsten Pilze, also Pilzsorten, selber ziehen kannst. Wie gesagt, da gibt es ein eigenes Kapitel, was du da machen kannst, wie du Pilze tatsächlich dann auch langfristig auf dem Balkon kultivieren kannst, worauf du achten musst etc. Also ist schon so ein bisschen spezieller, aber ich finde es eine schöne Abrundung von diesem ganzen Buchprojekt, weil es für mich so überhaupt nicht typisch ist. Das ist das letzte, was ich auf dem Balkon erwarte, dass man so eine Pilzzucht hat, also von daher der Rundumschlag.

Stefanie Ja, aber da Pilze ja auch gar nicht so günstig sind, wenn du sie in Bio-Qualität einkaufst, das ist also gar nicht so schlecht, so was auf dem Balkon anzubauen.

Carsten Ja, allein deswegen lohnt sich das schon, also wenn du gerne Pilze isst oder vielleicht auch zeitweise darauf verzichtest, weil sie halt so teuer sind, dann ist das natürlich dann richtig gelungen. Möchte ich auch irgendwann mal ausprobieren. Im Moment bin ich noch nicht so weit, aber es klingt total spannend und sieht ja auch gar nicht so aufwändig aus.

Stefanie Ok, und um das Buch noch so ein bisschen weiter einzuordnen: Erstmal hast du erzählt, was drin ist. Und was ist denn so nicht drin?

Carsten Ja, also was nicht drin ist, auch ganz bewusst hier nicht reingehört, sind so konkrete Gestaltungshilfen oder -vorschläge à la „do it yourself“, Bau mit Holzkästen, Palettenbau etc. Also das, was man vielleicht bei Balkongestaltungen in anderen Büchern vorfindet, ist hier recht kurz gehalten. Hier geht es wirklich mit dem Fokus um die einzelnen Pflanzen, also die Pflanzenporträts, zu gucken, was wächst wie, wann wächst es? Was muss ich darauf achten, das ist hier tatsächlich so, was ich vorhin schon sagte, für den den Anfänger sehr relevant. Aber offen ist halt tatsächlich die Frage: Wie baust du das jetzt an, nimmst du einen Kübel, nimmst du eine alte Badewanne, die ausrangiert ist, nimmst du Kaffeesäcke? Also das wird hier nicht wirklich so stark thematisiert.

Stefanie Das heißt, das Wissen, wie du das jetzt, also wo drin, in welchen Behältnissen, du das anbaust, hast du dir jetzt woanders angeeignet?

Carsten Genau, ich bin da jetzt schon längere Zeit mit dem Thema Permakultur unterwegs. Wir haben ja unseren Bokashi-Eimer, das heißt, wir versanden unseren Bokashi, das heißt, ein bisschen nährstoffreiche Erde habe ich per se schon so, ich hab mir Themen über Kompost über Wurmerde, weil wir uns eigene Wurmkiste haben. Das kommt alles von woanders. Das musst du quasi als Person, die sich jetzt mit Balkongestaltung auseinandersetzt, schon so ein bisschen mitbringen oder dir aus anderen Büchern noch erschließen. Hier geht es tatsächlich darum, Geschmack auf das zu machen, dass du den Balkon tatsächlich auch zum Ernten nutzen kannst, inklusive der Pflanzenporträts und eben dem Rahmenwerk. In welchen Zeitabständen kannst du was anpflanzen, wann ist eine Ernte notwendig? Also dieses Einsteiger-Thema wird hier sehr, sehr schön dargestellt und macht einfach Lust darauf, sich tatsächlich mit dem Thema zu beschäftigen und wirklich mal in die Praxis umzusetzen.

Stefanie Das heißt also, wenn du, liebe Hörerin, lieber Hörer, dir schon immer mal überlegt hast, dass du deinen Balkon begrünen möchtest, und zwar so, dass du zum einen davon ernten kannst, als auch dass es eine Oase ist für Insekten, dann wäre dieses Buch dafür geeignet.

Carsten: Genau, genau. Wie gesagt, bebildert ist es wunderbar, das heißt also, es macht Lust darauf, wirklich einen Wohlfühlort für alle Beteiligten zu schaffen, für den Mensch, für die Pflanze, für die Insekten und wie du es nachher ausgestaltest, da sind dir quasi keine Grenzen gesetzt. Und das ist für mich wie gesagt ein sehr schönes Einstiegsbuch, um überhaupt in das Thema reinzukommen und dann kannst du natürlich oben draufsetzen und mit weiterer Fachlektüre in die Tiefe gehen, was jetzt Bodengestaltung betrifft, also was für Pflanzenerde nimmst du, wie sorgst du für Nährstoffversorgung? Hier kannst du ausgefeilte Bewässerungssysteme et cetera einbauen. Das sind ja alles Fragen, die kommen dann im Laufe der Zeit. Die werden hier wenn, dann nur oberflächlich, gestreift, aber wie gesagt, es geht hier um einen Einstieg und da macht das Buch wirklich Lust drauf, da loszulegen und abzuheben.

Stefanie Und abzuheben, genau. Wir schließen den Kreis und heben ab. Genau, du findest das Buch ab jetzt bei uns in der Wanderbibliothek im Experimentarium, der kostenlosen Online-Community. Den Link zum Experimentarium findest du hier unter der Folge oder in den Shownotes. Das ist https://experimentarium.stefanie-rueckert.de. Falls du das jetzt sofort eintippen möchtest, kannst du das jetzt tun und dann kommst du zum Experimentarium. Dort kannst du dann eine Form der Mitgliedschaft auswählen. Das ist alles kostenlos, es kommen keine versteckten Kosten auf dich zu und du kannst auch jederzeit wieder sagen: „Ne, das ist nichts für mich und ich gehe wieder.“ Über diesen Weg kommst du jetzt an unser Rezensions-Exemplar, weil es Teil eben der Wanderbibliothek wird. Oder du findest in den Shownotes oder hier drunter eben den Link zum Buch und kannst direkt über den Löwenzahn-Verlag es dir besorgen oder in der gut sortierten Bibliothek in deiner Nähe oder eben der gut sortierten Buchhandlung in deiner Nähe. Also es gibt viele Wege, wie du an dieses Buch kommen kannst.

Und ich möchte mich zum Schluss jetzt noch einmal natürlich dafür bedanken, dass der Löwenzahn-Verlag uns dieses Rezensions-Exemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat und es immer noch viele nette Menschen gibt, die diesen Podcast finanziell unterstützen und die über Steady eine monatliche oder jährliche Mitgliedschaft abgeschlossen haben. Und wenn dir diese Podcastfolgen etwas bringen und dich inspirieren, möchte ich dich sehr darum bitten und herzlich dazu einladen, etwas zurückzugeben und dich ebenso finanziell zu beteiligen, denn es entstehen weiterhin monatliche Kosten und da sind eben die Kosten für Recherche, den Zeitaufwand, den wir haben, um diese Bücher zu lesen, zu rezensieren, nicht mit eingerechnet und auch generell für alle Recherchen und alles, was so kostenlos angeboten wird, es ist alles nicht mit eingerechnet. Deswegen wäre es super, wenn du jetzt gerade das Gefühl hast ja, das bringt mir was, ich möchte was zurückgeben, wenn du dich entscheidest, Steady-Mitglied zu werden, das noch zum Schluss. Und wie gesagt ein herzliches Dankeschön an alle, die sich schon dazu entschieden haben und ihren kleinen finanziellen Beitrag leisten, herzlichen Dank.

Carsten Vielen Dank.

Stefanie Und dann bleibt mir nur noch zu sagen:

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 258 - Andrea inspiriert Schüler·innen mit dem Rad zu fahren.

Ein Beitrag

Folge 258 - Andrea inspiriert Schüler·innen mit dem Rad zu fahren.

Diese Folge ist ein Teil der Serie "Mitgliederporträt" im Experimentarium.

Ich möchte in dieser Serie Mitglieder vorstellen, die eigene Projekte ins Rollen gebracht / umgesetzt haben. Meine Intention ist es, Dir damit zu zeigen, was Einzelpersonen wie Du und ich für tolle Dinge bewegen können :-)

Diese Serie gibt es zunächst exklusiv im Experimentarium und wird dann später im Jahr auch im Podcast veröffentlicht.

Heute stelle ich Dir Andrea vor, die als Lehrerin die Aktion "Schulradeln" an ihre Schule gebracht hat und damit Schüler·innen dazu inspiriert ihre Mobilität zu überdenken.

Andrea erzählt in diesem Interview,

  • was die Aktion "Schulradeln" ist und wie auch Du mitmachen kannst,
  • wie sie von der spontanen Idee ihre Schule zum "Schulradeln" anzumelden, in die Umsetzung gegangen ist,
  • welche Hürden es gab und wie ihre Kolleg·innen mit ihrem Vorschlag umgegangen,
  • wie sie es geschafft hat mit einem kleinen Team große Erfolge zu erzielen,
  • wie Du vorgehen kannst, wenn Du auch mit Deiner Schule, Deinem Betrieb oder privat an dieser Aktion teilnehmen möchtest.

Links zur Folge

Alle Informationen zum Stadtradeln
https://www.stadtradeln.de

Der Stadtradeln - Podcast
https://www.stadtradeln.de/podcast

Alle Informationen zum Schulradeln
https://www.stadtradeln.de/schulradeln

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Diese Folge ist wieder ein Mitgliederporträt von einem Mitglied aus dem Experimentarium meiner kostenlosen Onlinecommunity, wo du immer herzlich willkommen bist. Und den Link findest du hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und ich möchte in dieser Serie Mitglieder vorstellen, die eigene Projekte ins Rollen gebracht bzw umgesetzt haben. Und meine Intention ist es, dir damit zu zeigen, was Einzelpersonen wie du und ich für tolle Dinge bewegen können. Diese Serie gibt es zunächst exklusiv im Experimentarium und dann werden die Folgen so peu a peu immer mal wieder auch hier im Podcast veröffentlicht.

In diesem Interview stelle ich dir Andrea vor, die als Lehrerin die Aktion "Schulradeln" an ihre Schule gebracht hat und damit Schülerinnen dazu inspiriert hat, ihre Mobilität zu überdenken. Andrea erzählt in dem Interview, was die Aktion "Schulradeln" ist und wie auch du mitmachen kannst, Wie sie von der spontanen Idee, ihre Schule zum "Schulradeln" anzumelden, in die Umsetzung gegangen ist. Welche Hürden es gab und wie ihre Kolleg·innen mit ihrem Vorschlag umgegangen sind, wie sie es geschafft hat, mit einem kleinen Team große Erfolge zu erzielen. Und natürlich darf nicht fehlen: Sie erzählt auch, wie du vorgehen kannst, wenn auch du mit deiner Schule, deinem Betrieb oder privat an dieser Aktion teilnehmen möchtest.

Alle Links zum Interview findest du natürlich hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß mit diesem Interview.

Heute habe ich Andrea zu Gast und ich möchte dich, Andrea, doch gleich einmal bitten, dich einmal vorzustellen. Wer bist du und wie sieht denn so dein Alltag aus?

Andrea Ja, genau. Also ich bin die Andrea. Ich bin 50 Jahre alt, bin von Beruf Lehrerin für Biologie und Chemie hier in Limburg an einer Schule, um die es ja gleich auch noch gehen wird. Und ich bin Mutter von drei Kindern, bin verheiratet. Meine Kinder sind zwischen neun und 15 Jahre alt. Also schon mal so aus dem Gröbsten raus. Das ist schon mal sehr gut so für den Alltag, sage ich mal. Aber prinzipiell ist unser Alltag hier wirklich natürlich sehr von Schule und Familie geprägt. Mein Mann ist auch Lehrer, von daher ja, Unterricht vorbereiten und korrigieren und sich um die Kinder kümmern. Kochen ja, was dann so ansteht, das ist das, was uns hier so beschäftigt. Einen Hund haben wir noch, der möchte natürlich auch immer noch Gassi gehen. Kann sein, dass man den gleich mal hier so ein bisschen herumtappen hört auf unserem Holzfußboden.

Wir wohnen in einem Vorort von Limburg. Wir hatten uns auch diesen Ort hier ausgesucht, im Prinzip schon vorher hatte ich mir überlegt okay, wo können wir wohnen? Dass wir relativ Stadtnah sind, dass irgendwann die Kinder, wenn sie groß genug sind - wir wohnen jetzt seit zehn Jahren hier und jetzt klappt das ja so, dass die Kinder dann auch tatsächlich alleine zur Schule können, zu ihren Freizeitveranstaltungen können. Es gibt hier öffentliche Verkehrsmittel, Bus und Zuganbindung und alles. Mit dem Fahrrad kommt man gut in die Stadt, was unseren Alltag inzwischen da schon ein bisschen erleichtert, weil so das Mama Taxi dann doch nicht mehr so häufig gefragt ist.

Ja, ansonsten gehen wir sehr gerne wandern und Fahrrad fahren. Das macht uns allen viel Spaß. Mein großes Hobby ist auch noch das Gärtnern. Das mache ich sehr gerne und da kann ich mich auch wunderbar bei entspannen. Wobei es natürlich auch viel Arbeit manchmal ist, aber das macht mir Spaß. Wenn ich mit den Händen in der Erde wühle, dann bin ich geerdet und kann das Ganze um mich herum so ein bisschen vergessen. Und das macht mir viel Freude. Zum Sport gehe ich ab und zu mal und das ist so der der Alltag hier bei uns.

Stefanie Ja, wunderbar. Und jetzt habe ich dich ja aus einem speziellen Grund eingeladen. Und zwar, weil ich dich bitten wollte, über ein spezielles Projekt zu sprechen. Und zwar das „Stadtradeln“. Da würde ich dich einmal bitten, das kurz vorzustellen. Was können wir uns darunter vorstellen unter diesem Projekt?

Andrea Genau. Also ich habe an meiner Schule das "Schulradeln" mit initiiert und das ist ein Teil des „Stadtradelns“. Deswegen kann ich vielleicht erstmal das "Stadtradeln" an sich erklären, weil das "Schulradeln" dann ja entsprechend dazugehört.

Das "Stadtradeln" ist eine deutschlandweite Aktion und da geht es darum, möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen und natürlich dann entsprechend Fahrten einzusparen, die man sonst vielleicht mit dem Auto gemacht hätte. Es geht darum CO2 einzusparen und überhaupt erstmal das Fahrradfahren vielleicht auch kennenzulernen. Es soll ein Anreiz sein, sich tatsächlich mal aufs Fahrrad zu setzen und das einfach mal im Alltag auszuprobieren. Und das Ganze funktioniert dann allerdings nur, wenn die eigene Kommune, also hier bei uns die Stadt Limburg angemeldet ist. Das heißt, das ist im Prinzip eine Aktion, die von den Kommunen, Gemeinden, Städten ausgeht. Es sind aber inzwischen auch schon wirklich sehr, sehr viele Städte mit drin.

Also da kann ich jedem nur empfehlen, mal auf die Internetseite zu gehen: stadtradeln.de und mal zu gucken, ob die eigene Stadt schon mit dabei ist. Und einmal im Jahr findet das dann statt für drei Wochen. Das heißt man meldet sich an über eine Plattform, registriert sich dort und kann entweder als Einzelperson starten, aber die allermeisten nehmen innerhalb eines Teams teil, weil das dann natürlich auch schöner und spannender ist, gemeinsam dann auch Kilometer zu sammeln. Das ist nämlich auch das Schöne dran, dass das so ein Wettbewerbscharakter hat. Das heißt, man ist in seinem Team entweder vom Stadtteil oder auch viele Betriebe sind da mit dabei und die sammeln dann diese Fahrradkilometer, die werden dann auch auf der Plattform angezeigt. Das heißt, das muss man eintragen.

Jeden Abend, wenn ich dann nach Hause gekommen bin, habe ich dann dort meine Kilometer eingetragen, die ich pro Tag gefahren bin und dann kann man das natürlich auch schön vergleichen. Da kann man dann schon schauen, okay, mein Team ist jetzt im Ranking schon - was weiß ich - auf Platz drei. So, da müssen wir jetzt noch ein bisschen zulegen, habe ich noch irgendwie eine Fahrt, die ich vielleicht heute erledigen muss, die ich vielleicht mit dem Fahrrad zurücklegen kann und dann macht man das natürlich auch gerne mit dem Fahrrad. Und dann kann man auf diese Weise dann auch ein gutes Ranking bekommen. Ja, ist so ein kleiner Spaß nebenbei. Also es geht natürlich auch ohne diesen Wettbewerbscharakter. Aber für viele ist das, denke ich, dann doch auch eine Motivation und vor allem natürlich auch für Jugendliche und Kinder. Die finden das dann natürlich auch besonders spannend. Ja, genau, das ist so ganz kurz und knapp erzählt das „Stadtradeln“.

"Schulradeln" ist jetzt nochmal so eine Unterkategorie. Funktioniert im Prinzip genauso. Es gibt aber für die Schulen dann noch mal eine eigene Wertung. Es gibt auch eine eigene Homepage schulradeln.de, wo das alles ganz toll erklärt ist, auch teilweise schon mit Flyern, mit Postern, die die Schulen dann auch bestellen können. Das macht die ganze Sache dann natürlich auch wesentlich einfacher, das zu initiieren. Und dann können die Schulen sich dort anmelden, die Kilometer werden gesammelt und dann hat man am Ende dieser drei Wochen ein entsprechendes Ranking und kann auch schauen, wie viel Kilometer gesammelt wurden und auch wie viel CO2 eingespart wurde. Das ist so ganz grob das, worum es da geht.

Stefanie Und wie bist du auf die Idee gekommen, daran teilzunehmen? Was hat dich da angetrieben?

Andrea Ich bin lange Zeit mit dem Auto zur Schule gefahren, weil ich meinen kleinen Sohn, den jüngsten, noch zum Kindergarten fahren musste. Und das war mir dann morgens um 7:00 Uhr im Winter mit dem Fahrrad ein bisschen zu umständlich, muss ich zugeben. Und auf dem Rückweg habe ich immer im Stau gestanden. Um 16:00 Uhr, wenn ich ihn abgeholt habe. War immer ganz furchtbar. Sobald er dann hier bei uns im Stadtteil zur Grundschule gegangen bin, habe ich gesagt: so, jetzt fahre ich mit dem Fahrrad zur Schule. Und das ging auch alles ganz wunderbar. Und ich habe gemerkt, das ist eigentlich überhaupt gar kein Problem. Ich bin auch im Winter gefahren, also jeden Tag. Es ist allerdings auch nicht sehr weit, muss ich zugeben. Also ich fahre so 20 Minuten etwa zur Schule. Das geht sehr gut. Ist auch ein schöner Radweg an der Lahn entlang. Das ist gut zu fahren und dann habe ich mir irgendwann gedacht: Ja, warum können das eigentlich andere nicht auch machen?

Und ich kam dann auf dieses Projekt. Und zwar wurde das vorgestellt auf einem Fahrradaktionstag hier in der Stadt Limburg. Die Stadt Limburg ist da recht aktiv mit solchen Dingen, weil wir nämlich hier in Limburg ja zu trauriger Berühmtheit gekommen sind, weil wir hier ein großes Stickoxidproblem haben. Wir sind eine der am höchsten belasteten Kommunen in Hessen. Ich glaube, wir liegen auf Platz drei. Ich bin mir nicht sicher. Auf jeden Fall ist die Stickoxidbelastung hier sehr, sehr hoch. Und die Stadt Limburg muss auch einfach was tun gegen den Autoverkehr, für den Fahrradverkehr, öffentlichen Personennahverkehr usw.

Und von daher sind da immer mal wieder solche Aktionen geplant. Da war ich dort und da war dann zum Beispiel auch eine Fahrradtour angeboten und Ausstellungen und alles mögliche. Und unter anderem wurde dann auch das "Stadtradeln" und "Schulradeln" dort vorgestellt. Da habe ich mir gedacht: Ach, das wäre doch mal was. Einfach mal ausprobieren. Und so kam ich dann auf die Idee.

Stefanie Klasse. Ja, und wie hast du dann angefangen? Also, wie bist du ins Tun gekommen?

Andrea Das war eigentlich relativ einfach. Dieser Zeitraum war kurz nach den Sommerferien, Anfang September und dann dachte ich mir okay, probiere ich das einfach mal. In den Ferien hatte ich dann zunächst natürlich in der Schule nachgefragt, meine Schulleiterin angesprochen, ob ich so ein Projekt durchführen darf an der Schule. Sie war auch gleich ganz begeistert. Sie ist nämlich selber Radfahrerin und fährt auch sehr, sehr viel mit dem Fahrrad. Manchmal auch wirklich über eine längere Strecke von ihrem Wohnort zur Schule, wenn sie Zeit hat. Und sie war gleich ganz begeistert, meinte „Klar machen wir das.“

Und ja, dann habe ich mich erstmal dort registriert, auf der Plattform. Das war alles recht einfach. Ich habe Informationsmaterial angefordert, was man dort auch bestellen kann, also Poster, Flyer, die ich auch in der Schule ausgeteilt, aufgehängt habe und insofern dadurch, dass das ja alles schon vorbereitet war, war das Ganze dann auch recht einfach. Was so ein bisschen schwierig war - ich hatte ja gerade gesagt, dass das direkt nach den Sommerferien war - und diese ganze Kommunikation, das publik machen, das musste also in der ersten Schulwoche stattfinden und das ist immer etwas schwierig.

In der ersten Schulwoche sind alle immer in großer Aufregung. Man muss ja selber erstmal irgendwie reinkommen ins neue Schuljahr. Man hat vielleicht eine neue Klasse übernommen. Für die fünften Klassen gibt es zum Beispiel so Kennenlernwochen oder irgendwas, was zu organisieren ist. Das war dann so ein bisschen schwierig, dann tatsächlich die Kolleg·innen auch zu motivieren, da mitzumachen und Werbung zu machen, gewissermaßen. Aber insgesamt hat das gut geklappt und dann ging das im Prinzip einfach los.

Das heißt, ich habe die Schüler·innen angesprochen durch verschiedene Kanäle über unsere Lernplattform. Da gibt es auch so eine Kommunikationsplattform. Ich habe die Kolleg·innen angesprochen und es waren auch gleich einige, die da auch tatsächlich mitgemacht haben. Die haben sich angemeldet, die Schüler·innen auch. Und dann ging das Ganze im Prinzip los. Und nachdem wir es dann gestartet hat, dieser dreiwöchige Zeitraum war dann ja im Prinzip ein Selbstläufer.

Man hat dann einen eigenen Teamraum. Dort kann man dann auch kommunizieren. Da habe ich dann zwischendurch auch mal immer wieder reingeschrieben: „Super, ihr habt schon ganz viele Kilometer gesammelt, haut noch mal rein, kommt, wir sind auf Platz drei, vielleicht schaffen wir es noch auf zwei!“ Und auf diese Weise kann man dann natürlich auch die Jugendlichen dann noch mal ganz gut motivieren.

Stefanie Ja, du hattest gerade schon von Widerständen gesprochen, sozusagen. Gab es da noch mehr irgendwas, wo du vielleicht gedacht hast, es wird nicht funktionieren? Es hört sich jetzt so an, als wäre es alles ganz leicht gelaufen.

Andrea Ja, das war es eigentlich auch. Also wirkliche Widerstände, muss ich sagen, gab es eigentlich nicht. Es gab bei einigen Kolleg·innen etwas Skepsis, was vielleicht auch so ein bisschen damit zusammenhängt, dass wir mitten in der Stadt liegen als Schule und der Schulweg natürlich auch nicht so ganz unproblematisch ist, der Radweg und da hatten dann manche Bedenken mit dem Fahrradfahren und ob die Eltern das wollen.

Aber es gab ja auch einen Elternbrief. Das heißt, die Eltern wurden informiert darüber und es waren auch vorher schon recht viele Kinder und Jugendliche, die auch mit dem Fahrrad zur Schule kamen. Das war dann eher vielleicht so ein bisschen so eine Sorge, da jetzt was zu initiieren, was jetzt vielleicht ein bisschen zu groß ist oder was viele gerade in den jüngeren Jahrgangsstufen auch noch nicht leisten können. Aber letztendlich kann ja jede·r Schüler·in bzw die Eltern entscheiden, ob das in Ordnung ist, ob das Kind dann mit dem Fahrrad fährt oder dann doch auf einem anderen Wege dorthin kommt. Von daher war das eigentlich soweit in Ordnung. Das heißt die, die es nicht wollten, haben es dann eh nicht gemacht. Aber die, die motiviert waren, haben dann auch mitgemacht.

Und so lief das dann eigentlich erstmal ganz gut an, muss ich sagen. Zwar noch recht klein, es waren gar nicht so viele Teilnehmende, die letztendlich dann mit dabei waren. Aber ich denke, für das allererste Mal war das dann schon eine ganz gute Sache. Wir sind eine Schule von 1000 Schüler·innen. Ich habe knapp 100 Kolleg·innen. Und es waren jetzt tatsächlich 33, die mitgemacht haben. Erstmal hört sich das wenig an, ist auch noch nicht so viel, aber ich denke, das ist auf jeden Fall ausbaufähig. Die anderen Schulen in Limburg haben teilweise noch niedrigere Zahlen, teilweise auch ein bisschen höher, aber alle so um den Dreh rum, also vielleicht so zwischen 20 und 80 ungefähr liegen die. Aber es ist noch Luft nach oben. Kann ich gleich auch noch mal was zu erzählen.

Stefanie Ich schaue mal auf meinen Zettel. Ich habe nämlich eine Frage übersprungen, weil ich gerade nämlich gedacht habe Widerstände hattest du gerade angesprochen deswegen. Ich hatte doch mir überlegt zu fragen, was dir geholfen hat, dran zu bleiben. Jetzt hatten wir ja eigentlich schon so ein bisschen drüber gesprochen, aber gab es denn irgendwie so Durststrecken überhaupt? Oder war das dann letztlich ein Selbstläufer und hat sich alles so befeuert?

Andrea Genau. Nachdem dann die Anmeldung gelaufen ist, musste erstmal die Schülerschaft informiert werden. Da hatte ich, wie gesagt nur diese eine Woche Zeit. Das war ein bisschen schade, aber nachdem das dann einmal anlief, war das in Ordnung. Also es waren auch einige Kolleg·innen, die dann auch mitgemacht haben, die dann auch Werbung in ihren Klassen gemacht haben, die gesagt haben: es gibt da ein neues Projekt und wer Lust hat, kann da mitmachen. Ganz einfach, meldet euch an, registriert euch auf der Plattform und dann ging das eigentlich ganz gut. Also das war recht unkompliziert, muss ich sagen.

Stefanie Jetzt interessiert mich natürlich, wie ihr abgeschnitten habt, so am Ende, wo wart ihr denn da?

Andrea Tatsächlich haben wir recht gut abgeschnitten, muss ich sagen. Es gibt ja einmal eine Wertung für die Schulen und einmal eine Wertung für die ganze Kommune und Limburgweit waren wir tatsächlich auf dem dritten Platz und von den Schulen her sogar auf dem zweiten. Wie gesagt, es waren noch nicht so viele Leute dabei, aber wir hatten recht viele Kilometer gesammelt. Ich habe es mir noch mal aufgeschrieben. 5200 Kilometer sind wir gefahren und wir hatten allerdings auch noch ein paar Kolleg·innen dabei, die auch so in der Freizeit viel gefahren sind. Das war dann natürlich auch positiv für uns.

Aber auch einige Schüler·innen sind wirklich viel gefahren. Auch in der Freizeit, wahrscheinlich sind die dann auch zum Sport oder zum Einkaufen, zu der Freundin, zum Freund, dann alleine losgefahren mit dem Fahrrad und von daher kamen wir ja immerhin auf über 5000 Kilometer.

Und wie gesagt, zweiter Platz. Es gab dann auch eine Siegerehrung von der Stadt aus. Da haben wir natürlich auch Fotos gemacht und das Ganze auf die Homepage gestellt, um das auch zu kommunizieren. „Tue Gutes und rede darüber“ nach dem Motto. Das gehört natürlich dann auch dazu. Und ja, am Tag der offenen Tür, der Gott sei Dank dieses Jahr wieder stattgefunden hat, da gab es ein Poster, wo die Leute sich dann auch noch mal informieren konnten. Einen kleinen Zeitungsartikel gab's. Das muss dann natürlich auch sein, um das zu kommunizieren, dass das stattgefunden hat. Ja, das lief dann eigentlich, muss ich sagen, recht gut.

Und als Preis gab es dann auch noch für jede·n teilnehmende·n Schüler·in eine Zehner Freikarte fürs Freibad. Da waren die natürlich ganz begeistert. Das war auch ganz lustig, weil als ich die Freikarten dann in der Pause verteilt habe, standen andere Schüler·innen daneben und meinten so: wieso kriegt der jetzt eine Freikarte fürs Freibad? Ich will auch eine! - Ja, hast nicht mitgemacht. Nächstes Jahr gibt es wieder die Möglichkeit und dann machst du mit und dann kriegst du auch eine. Ich weiß nicht, was es dann als Preis gibt, aber sie haben zumindest schon mal gesehen: es lohnt sich, da mitzumachen. Das war dann schon mal ganz gut.

Stefanie Ja, das passt eigentlich ganz gut, was du gerade erzählst, weil ich dachte: hat das denn irgendwie Auswirkungen gehabt auf die teilnehmenden Schüler·innen, dass sie daran teilgenommen haben? Hast du da irgendwas beobachten können, dass sie jetzt mehr Fahrrad fahren oder einen anderen Blick auf Mobilität gewonnen haben?

Andrea Ich glaube, leider noch nicht so viel. Also die, die teilgenommen haben, sind eigentlich auch schon vorher viel mit dem Fahrrad gefahren. Also dass jetzt wirklich neue hinzukamen, kann ich jetzt nicht genau evaluieren. Das habe ich auch nicht abgefragt. Da hätte man vielleicht auch noch mal eine Umfrage starten können. Wäre zum Beispiel was, was man in diesem Jahr machen könnte. Also wir werden das ja in diesem Jahr auf jeden Fall wiederholen und da könnte man dann auch vorher und nachher eine Umfrage starten. Das wäre auf jeden Fall eine gute Idee, die wir dann auch machen.

Ende März haben wir ein ein Klimaprojekt in der neunten Jahrgangsstufe, wo es unter anderem auch um Mobilität geht. Und da kann dieses Projekt dann auch noch mal weiter vorbereitet werden, auch noch mal kommuniziert werden, so dass das auch aus der Schüler·innenschaft kommt, diese Idee. So kam es ja jetzt so ein bisschen von den Lehrer·innen oder von mir und von ein paar Kolleg·innen. Und wenn das dann aus der Schüler·innenschaft herauskommt, ist das dann, denke ich, auch noch mal ein bisschen motivierender. Und das soll auch wirklich etwas größer aufgezogen werden, dieses Projekt auch mit Kommunikationskanälen, so dass dann die Ergebnisse, die dort in dem Projekt gesammelt werden, an die ganze Schule weitergetragen werden, so dass dann letztendlich auch die ganze Schule dann mitmachen soll.

Es geht dann dort auch nicht nur Mobilität, sondern auch um Ernährung, um Stromsparen etc. Und das ist auf jeden Fall jetzt eine gute Gelegenheit, dieses Projekt dann auch noch mal ein bisschen längerfristig vorzubereiten und die ganze Schule und die Schüler·innen dann auch entsprechend vorzubereiten und dann auch noch mal neue Leute zu motivieren. Das war jetzt diesmal vielleicht noch nicht so viel, aber es war ja auch erstmal ein Anfang und das war mir auch ganz wichtig, dass wir einfach mal loslegen. Und so nach und nach wird sich das, denke ich, noch weiter etablieren. Und ich hatte jetzt noch mal nachgeschaut, es gibt tatsächlich Schulen in Hessen, die riesengroße Teilnehmer·innenzahlen haben. Also das ist unglaublich. Die Schule mit den meisten Teilnehmer·innen hat 1700 Teilnehmer·innen. Also das ist im Prinzip wirklich eigentlich die ganze Schule.

Das hatte ich noch vergessen: Es können natürlich auch die Eltern mitmachen. also auch die Kilometer, die die Eltern fahren, werden mitgezählt. Die können sich dort auch registrieren und teilnehmen, was ja auch noch mal eine Motivation ist, dass die ganze Familie vielleicht mal diese drei Wochen aufs Fahrrad umsteigt und nicht nur die Kinder. Und wie gesagt, die hatten da wirklich, ich habe es gesehen, 1700 Teilnehmende. Es waren noch zwei weitere Schulen, die weit über 1000 Teilnehmer·innen lagen. Und die Schule mit den meisten Kilometern waren fast 150.000 Kilometer gefahren. Und das ist natürlich eine Hausnummer. Also da werden wir dieses Jahr bestimmt nicht hinkommen.

Aber es ist ein Ansporn, auf jeden Fall. Also wir mit unseren 5000 Kilometern dachte ich, Oh ja, das war schon ganz gut. Aber 150.000 Kilometer an einer Schule, das ist schon wirklich super und da hat man dann natürlich auch wirklich einen Effekt, den man dann auch auch messen kann. Wie gesagt, es wird ja auch der Anteil an CO2 auf dieser Plattform angegeben, der jetzt eingespart worden ist in Kilogramm. Und das sind dann natürlich schon Werte, die sich dann sehen lassen können.

Stefanie Ja, das stimmt. Was würdest du denn anderen Lehrer·innen zum Beispiel raten, wenn sie jetzt denken: Ja, das klingt total toll und ich will jetzt im September da auch dran teilnehmen mit meiner Schule. Was für Tipps hast du für sie?

Andrea Erster Tipp: Einfach anfangen. Einfach machen. Das ist eigentlich immer das, was man als allererstes sagen kann. Und dann als nächstes einfach mal gucken. Auf der Homepage von "Stadtradeln" oder "Schulradeln", ob die Kommune überhaupt schon angemeldet ist. Also sehr, sehr viele sind wirklich inzwischen schon mit dabei und man weiß es vielleicht gar nicht. Also da einfach mal gucken, ob die schon mit dabei sind, falls die Stadt oder die Kommune, Gemeinde noch nicht dabei ist, auf jeden Fall mal nachfragen. Zum Beispiel bei den Klimabeauftragten der Gemeinde oder Umweltbeauftragten.

Bei uns wird das auch von der Klimabeauftragten initiiert, das Ganze und durchgeführt und organisiert. Und einfach mal den Vorschlag machen und sagen warum sind wir nicht dabei, unsere Stadt, wir können doch auch das genauso gut wie alle anderen. Und dann, wenn das dann gelaufen ist, dann kann man im Prinzip ja in der Schule eigentlich schon schnell damit anfangen, die Schulleitung zu informieren. Ein paar Kolleg·innen mit ins Boot holen, das ist auf jeden Fall immer eine gute Sache, dass man da nicht so als Einzelkämpfer·in dasteht und versuchen muss, irgendwie jetzt den 1000 Schüler·innen das schmackhaft zu machen.

Also Kolleg·innen mit ins Boot nehmen. Vielleicht auch die Schüler·innenvertretung, vielleicht auch einzelne Schüler·innen ansprechen, die schon mit dem Fahrrad zur Schule kommen, damit die dann auch Werbung machen können und dann natürlich gucken, dass man das frühzeitig auch kommuniziert in die Schüler·innenschaft, vielleicht auch durch ein Projekt wie wir das jetzt im März machen. Ich hatte diesen Gedanken relativ spontan in den Ferien, deshalb war es ein bisschen knapp. Aber man kann ja auch schon vor den Ferien das ganze planen und kommunizieren und sagen hier nach den Ferien, dann und dann geht's los und dann sind wir mit dabei und es gibt Informationsmaterial, da kann man sich auf der Internetseite wirklich gut informieren. Das geht sehr einfach.

Stefanie Was waren deine Argumente so gegen diese Bedenken? Dass Eltern Bedenken haben könnten, dass der Schulweg nicht Fahrradkompatibel ist? Hast du da irgendwie was, wo du mit überzeugen konntest? Oder hast du einfach gesagt, dann es steht dir frei oder irgendwie sowas in der Art?

Andrea In die Diskussion sind wir eigentlich da noch gar nicht so groß reingekommen. Bisher waren es einfach die, die Lust hatten, haben mitgemacht. Aber das wäre jetzt zum Beispiel auch was, wenn wir das jetzt langfristiger dann auch planen, dass man da solche Bedenken dann auch angehen kann. Von der Stadt wird da gerade ein FahrradwegePlan ausgearbeitet, der wird dann auch an alle Schüler·innen und auch an die Lehrer·innen verschickt. Da kann eingesehen werden, wo zum Beispiel Gefahrenstellen sind auf verschiedenen Schulwegen. Das heißt es werden aus den verschiedenen Stadtteilen Schulwege eingezeichnet, in Richtung Schule, in die Stadt und dann die Gefahrenstellen markiert, wo man dann auch gucken kann.

Und dann können die Eltern zum Beispiel in den Ferien den Schulweg noch mal abfahren. Gerade wenn die Kinder noch jünger sind, also so 5., 6., 7. Klasse würde ich das auf jeden Fall machen. Möglichst auch mehrmals auf Gefahrenstellen hinzuweisen und zu sagen: Hier, guck mal da und da wird es jetzt vielleicht ein bisschen eng. Meine Tochter ist morgens mit mir gemeinsam zur Schule gefahren und der habe ich dann auch den Weg entsprechend erklärt und habe gesagt, so mittags, wenn es dann besonders voll ist, dann fährst du vielleicht lieber hier durch die Altstadt und nicht an der Straße entlang. Da wird mir das sonst ein bisschen zu gefährlich. Und da sind die Eltern dann natürlich auch gefordert zu gucken, wo ist jetzt wirklich ein guter, sicherer Fahrradweg für meine Kinder. Aber es gibt da, wie gesagt, auch dann diesen RadwegePlan, an dem man sich dann auch orientieren kann, auch wenn man jetzt vielleicht nicht so oft mit dem Fahrrad in der Stadt ist und diese heiklen Stellen vielleicht noch nicht kennt.

Stefanie Okay. Hast du noch was, was ich nicht abgefragt habe, was du gerne teilen möchtest?

Andrea Ich schaue gerade mal, ob ich mir noch was notiert habe. Eigentlich nicht. Außer, dass ich wirklich, dazu aufrufe, das zu machen, weil es wirklich eine einfache Sache ist. Wie gesagt, es gibt schon Schulen, die wirklich da ganz, ganz groß das inzwischen gemacht haben. Da darf man sich jetzt auch nicht von beeindrucken lassen und sagen so, oh je, das werde ich doch niemals schaffen, da 1700 Leute zu motivieren, mitzumachen. Aber wie gesagt, wir sind jetzt auch mit 33 Leuten gestartet. Dieses Mal werden es vielleicht 333 Leute und im nächsten Jahr dann vielleicht noch mal ein paar mehr. Also da einfach loslegen und nicht irgendwie denken: Oh, das ist alles noch viel zu klein und zu wenig und bringt ja vielleicht auch gar nicht so viel. Also einfach machen.

Stefanie Ja, ihr seid ja schließlich auch auf Platz zwei und Platz drei gelandet. Also von daher ist das ja der beste Beweis dafür, dass ihr auch mit einer verhältnismäßig kleinen Mannschaft da viel geschafft habt. Auch im Kleinen und irgendwo muss man ja anfangen.

Andrea Also ja, was ich noch dazu sagen könnte: das Ganze funktioniert natürlich nicht nur für Schulen, weil wir hatten ja jetzt viel über das "Schulradeln" gesprochen. Aber nochmal als Motivation für alle Nicht-Lehrer·innen: Das "Stadtradeln" funktioniert natürlich für alle. Das heißt, wenn die Kommune die Stadt dort angemeldet ist, dann kann auch jede·r einzelne von euch da ein Team gründen. Und Freund·innen, Kolleg·innen, Leute aus dem Stadtteil motivieren in dieses Team einzutreten, sich zu registrieren und dann geht es einfach los. In Limburg zum Beispiel, da gibt es sehr viele Stadtteilgruppen oder auch Freund·innen, die sich dann auch irgendwelche lustigen Namen geben. Team Hollister oder was weiß ich, die dann einfach sich jedes Jahr immer wieder zusammentun und dann schon wissen okay, Anfang September geht's los, da wird Fahrrad gefahren, da werden Kilometer gesammelt für unser Team und das kann tatsächlich jede·r machen. Das wollte ich noch mal ergänzen. Nicht, dass ihr jetzt denkt ja gut, "Schulradeln" ist nichts für mich. "Stadtradeln" ist was für alle.

Stefanie Ja, klasse. Genau. Wie gesagt, ich verlinke das dann auch alles. Und dann? Dann geht's los! Ja, dann danke ich Dir, Andrea, für den Einblick, den du uns gegeben hast. Und ich hoffe natürlich, dass es viele Hörer·innen gibt, die jetzt motiviert sind an dem "Stadtradeln" oder am "Schulradeln" oder vielleicht nennen wir es Betriebsradeln oder Privatradeln teilzunehmen. Und sich von deinem Projekt inspirieren lassen.

Andrea Ja, das würde mich sehr freuen. Vielen, vielen Dank auch, dass ich das heute mit euch teilen konnte. Und ja, viel Spaß dabei.

Stefanie Genau dann würde ich sagen Tschüss und bis bald.

Andrea Ja, Mach's gut, ne? Schönen Dank.

Stefanie Das war das Interview mit Andrea, die ein Mitglied im Experimentarium ist, meiner kostenlosen Online Community. Und ich freue mich wirklich sehr, wenn du auch Mitglied wirst und wir immer mehr werden und uns immer mehr dort austauschen können und gegenseitig inspirieren, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Den Link findest du natürlich unter der Folge oder in den Shownotes. Und dann sage ich Tschüss und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

Folge 257 - Blick in eine vegane Zukunft mit Steffi Köhler und Marc Pierschel

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Folge 257 - Blick in eine vegane Zukunft mit Steffi Köhler und Marc Pierschel

In dieser Folge habe ich noch einmal Steffi Köhler und Marc Pierschel zu Gast. Denn ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen und sie bitten, einen Blick in eine vegane Zukunft zu werfen und ich freue mich wirklich sehr, dass die beiden noch Zeit hatten, mit mir darüber zu sprechen.

Falls du die vorangegangene Folge nicht gehört hast, wo es um ihren ersten neuen Spielfilm „Matilda“ geht, dann hole das gerne noch nach. Steffi Köhler und Marc Pierschel stellen sich da auch vor, sie sind Filmschaffende und du kennst sie schon von dem Film „Butenland“, ihrem ersten gemeinsamen Dokumentarfilm.

Und Marc Pierschel hat davor schon einige andere Filme gemacht und ist schon länger aktiv. Beide leben schon lange vegan und sind sehr engagierte Tierrechtsaktivist·innen. In dieser Folge sprechen wir explizit über ihre Vision einer veganen Zukunft und versuchen uns da so ein bisschen anzunähern.

Und noch einmal der Hinweis auf die Kickstarter Kampagne: Wenn du diese Folge vor dem 7. Mai hörst, bis zum 6. Mai 2022 läuft die Kickstarter Kampagne noch, wenn du also diese Folge vor dem 7. Mai hörst, dann schau doch nochmal bei der Kickstarter Kampagne vorbei und guck mal ob du noch mithelfen kannst, den Film Matilda zu finanzieren. Wir wollen alle der Film ins Kino kommt, dass wir ihn auf DVD sehen können, also sich verbreitet und du hast jetzt diese einmalige Gelegenheit diesen Film zu unterstützen. Der Link zur Kickstarter Kampagne ist natürlich wieder in den Shownotes oder hier unter der Folge und jetzt wünsche ich dir erstmal viel Spaß mit dieser Folge und dem Blick in eine vegane Zukunft.

 

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge habe ich noch einmal Steffi Köhler und Marc Pierschel zu Gast, denn ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen und sie bitten, einen Blick in eine vegane Zukunft zu werfen. Und ich freue mich wirklich sehr, dass die beiden noch Zeit hatten, mit mir darüber zu sprechen. Falls du die vorangegangene Folge nicht gehört hast, wo es um ihren ersten neuen Spielfilm „Matilda“ geht, dann hol das gerne noch nach. Steffi Köhler und Marc Pierschel stellen sich da auch vor, sie sind Filmschaffende und du kennst sie schon von dem Film „Butenland“. Das ist ihr erster gemeinsamer Dokumentarfilm gewesen. Und Marc Pierschel hat davor schon einige andere Filme gemacht und ist schon länger aktiv. Beide leben schon lange vegan und sind sehr engagierte Tierrechtsaktivist·innen. Und in dieser Folge sprechen wir explizit über ihre Vision einer veganen Zukunft und versuchen uns da so ein bisschen anzunähern.

Marc Also ich habe ja für meinen Film „The End of Meat“, da ging es ja um die Vision einer Zukunft, in der wir keine Tierprodukte mehr konsumieren, wie das aussehen könnte, habe ich sehr viel recherchiert, habe da auch ein bisschen mehr recherchiert, als ich dann im Endeffekt für den Film gebraucht habe, weil ich mich dann im Film eher auf unsere Beziehung zu den sogenannten Nutztieren konzentriert habe. Mein Anstoß war quasi das Buch „Zoopolis“ von Sue Donaldson und Will Kymlicka. Und da geht es im Wesentlichen darum, wie wir in Zukunft unser Verhältnis zu verschiedenen Mitlebewesen gestalten können, ob es jetzt Wildtiere sind, ob es Tiere sind, die irgendwie in den Städten mit uns leben oder ob es Haustiere sind oder die domestizierten Tiere.

Und im Zuge dessen bin ich auch auf Jennifer Wolch gestoßen. Das ist eine Philosophin und Städteplanerin, die in San Francisco an der Universität arbeitet. Und die war beteiligt an Harmony. Harmony ist so eine Gemeinschaft in Florida, die wurde, glaube ich, 2003 gegründet und es war eine ehemalige Ranch mit 4500 Hektar. Und die Idee war, eine Gemeinschaft zu kreieren, wo es eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Tieren gibt. Und ich fand das sehr, sehr spannend, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Es gibt dazu verschiedene Paper von Jennifer Wolch und auch von anderen Menschen und da wird so ein bisschen der Planungsprozess beschrieben. Es ist sehr spannend und ich hatte dann das Glück, dass ich bei den Dreharbeiten von „The End of Meat“ zwei Tage in Harmony verbringen durfte. Ich kann das mal ein bisschen beschreiben.

Also wie gesagt, 4500 Hektar. Es gibt einen Hundepark, es gibt einen großen Gemeinschaftsgarten, es wird darauf geachtet, dass es keine Lichtverschmutzung gibt, also dass man quasi immer noch den Sternenhimmel sehen kann. Es gibt eine Leinenpflicht für Hunde und Katzen. Die ganzen Häuser haben verschiedene Nachhaltigkeitskriterien. Es gibt zwei große Seen, aber es ist nicht erlaubt, direkt Häuser an den See zu bauen oder war es nicht. Und auf dem See selbst dürfen zum Beispiel nur Elektroboote fahren. Es gibt einen kleinen Lebenshof, wo gerettete Pferde untergebracht waren und noch ein paar andere Tiere. Es darf nicht gejagt werden und es gibt Vorschriften, welche Pflanzen in den Gärten angebaut werden dürfen, also nur heimische Pflanzen, keine Steingärten angelegt werden oder keine anderen Pflanzen angepflanzt werden. Ja, das war so die Vision und wir haben da mit verschiedenen Menschen gesprochen, die da leben und auch die das ganze Konzept mitentwickelt haben. Und das war sehr spannend, das zu sehen.

Es gab natürlich auch Probleme, weil das zum einen alles Eigenheim war, wo die Preise sehr hoch waren für ein Haus an sich und die Grundstücke. Es war sehr weit abgelegen, das heißt, die meisten Menschen mussten dann immer pendeln mit dem Auto zur Arbeit. Es gab Wildkonflikte mit Wildtieren - in Florida gibt es viele Alligatoren, zum Beispiel und andere Tiere und wenn die gefüttert werden, dann kommen die gefährlich nah an die Menschen dran. Und ich habe mich natürlich auch gefragt, wie ist es mit Veganismus? Ich habe dann recherchiert und ich habe tatsächlich nur einen Menschen gefunden, der selbst vegan lebt und der meinte, dass es leider keine sehr vegan freundlich Community geworden ist.

Also man muss dazu sagen, das war jetzt 2016, wo wir gedreht haben und 2003 ist diese Community entstanden und so wie ich es mitbekommen habe, war es am Anfang noch irgendwie eine andere Gemeinschaft von Menschen. Dann wurde aber diese Unternehmergesellschaft, die das Ganze gegründet hat, verkauft und es wurden dann Sparmaßnahmen eingeleitet. Das heißt verschiedene Jobs wurden gestrichen und das hat sich anscheinend auch auf die Menschen ausgewirkt, die da jetzt leben. Ja, und es war aber dennoch immerhin noch sehr, sehr, sehr inspirierend zu sehen, dass diese Vision versucht wurde zu verwirklichen. Und es war auch sehr spannend, mit den Menschen zu sprechen, die daran involviert waren. Und ja, das war so mein Beispiel.

Stefanie Und wenn du dir jetzt vorstellen würdest, dass das doch irgendwie geklappt hätte, dass alle vegan leben oder das Mensch-Tier-Verhältnis sich dahingehend verändert hat - was zum Beispiel mit eurem Film Matilda, wir gehen jetzt davon aus, der ist produziert, die Menschen sind begeistert und sie haben ihr Verhältnis zu den sogenannten Nutztieren überdacht und dieser Wandel wurde von euch eingeleitet durch diesen Film und Filme, die danach kamen – hast Du da eine Vorstellung, wie das dann vor deiner Haustüre, vielleicht auch in Münster dann aussehen würde?

Marc Dazu habe ich auch ein bisschen recherchiert. Also es ist auch wieder für meinen Film „The End of Meat“ wie Städte aussehen können, wenn sie den Tieren gerechter würden. Und das fängt schon bei Kleinigkeiten an: wie gestalten wir unsere Straßen, dass keine Tiere überfahren werden oder wie schaffen wir mehr Räume für Tiere, die in den Städten leben? Also ob es jetzt Vögel sind oder Kaninchen oder Füchse. Oder wie vermindern wir Konflikte? Es ist alles sehr, sehr komplex, wie ich gemerkt habe, bei der Recherche und was ich schön fand, war so dieses Konzept - ich war auf vielen Lebenshöfen - des Miteinander, also dass man mit ehemaligen sogenannten Nutztieren zusammenlebt und dass man einfach diese Interaktion fördert. Also es gibt ja auch zum Beispiel das Konzept von Micro Sanctuary, dass es Menschen gibt, die kleine Lebenshöfe in ihren Hinterhöfen anlegen, wenn man keinen Garten hat. Dass man da zum Beispiel geretteten Legehennen einen Platz bietet. Oder ich lebe zum Beispiel mit zwei geretteten Kaninchen zusammen. Und dass man einfach auf diese Weise zum einen Menschen sensibilisiert für das Schicksal von sogenannten Nutztieren oder allgemein die Kommunikation mit Tieren fördert und den Kontakt, weil ich glaube es ist einer der wichtigsten Punkte, dass man einfach den Opfern der Ausbeutung begegnet und denen versucht, ein neues Leben zu geben. Ist glaube ich für viele Aktivist·innen ein sehr schönes Gegenbeispiel zu dem ganzen Leid, dem man alltäglich in den Nachrichten begegnet.

Steffi Weil die Frage ja kam, wie wir jetzt die Utopie denken, wie würde mein Alltag aussehen? Also, es gibt ja da immer so dieses Szenario, dass ich arbeite oder ich habe frei und unternehme was oder treffe auch andere Menschen. Also grundsätzlich wäre es für mich eigentlich so, was Marc gesagt hat, ich glaube, da denken wir beide ähnliche. Auf jeden Fall, dass Tiere einfach natürlich leben dürfen, sich bewegen können, wie sie möchten und vor allem ihr Leben genießen können und nicht dazu leben, um von uns gegessen zu werden oder so. Ich finde, das klingt auch schon so falsch in meinen Ohren. Und dass wir einfach grundsätzlich viel achtsamer mit der Natur und mit dem Klima umgehen. Ich meine, es ist ja eigentlich schon total bewiesen, dass vegane Ernährung dazu beiträgt das Klima und die Umwelt zu schützen.

Also wenn ich daran denke, ich wache morgens auf und wie ich mich zu Hause bewege, da würde sich gar nicht viel verändern. Also mein Zuhause oder so wie ich mich ernähre oder auch von meinem Partner, ist komplett vegan. Das heißt, da wird sich nichts ändern. Aber schon der Blick aus dem Fenster morgens, wenn ich dann irgendwie meine Blumen gieße oder so, dann stehen dann da nicht 50 Autos vor der Tür, sondern dann sind dort vielleicht gar keine Autos oder bissl weniger. Es ist viel, viel grüner, vielleicht bewegen sich da auch Tiere draußen oder die Menschen sind auch mit den Fahrrädern unterwegs. Das heißt die Straßen gehören nicht den Autos, sondern den Menschen und es gehört dazu, das zu genießen. Vielleicht gibt es auch weniger Häuser usw. Das sind so kleine Szenarien, die ich irgendwie schon in meinem Kopf so ausgemalt habe, bis hin, dass ich, wenn ich auf einer Fahrradtour bin oder so, keine Transporter mehr sehe, wo Tiere transportiert werden, die zum Schlachthof gebracht werden oder wie auch immer. Oder wenn wir jetzt an unsere Filmproduktionen denken, dass dann einfach klar ist, dass es komplett vegan ist. Und das sind so Kleinigkeiten, glaube ich, die sich in meinem Kopf da jetzt so ein bisschen ausgemalt haben.

Also wenn ich jetzt nicht in so Statistiken denk oder so, sondern in meinem eigenem Umfeld mich so bewege oder auch, dass wenn ich meine Familie besuche, nicht mehr dieses, so extra mäßig gesagt wird „Ja, guck mal, wir haben dir jetzt auch was besorgt, guck mal, hier gibt's was Veganes zu essen.“ wo man dann denkt: Ja natürlich, toll, es ist jetzt seit über 20 Jahren, dass ich mich so ernähre. Das muss man ja nicht mehr irgendwie immer nach oben halten, sondern das ist klar. Und dass dann vielleicht auch einfach klar ist, dass es dann bei allen so ist und dass es da nicht mehr „Guck mal, es gibt für dich jetzt den extra Grill.“ So nach dem Motto. Und dass ich mich, wenn ich am Tisch sitze und da gegessen wird, dann so wohlfühle und nicht vor ner Schüssel voller gebratenem Fleisch sitze oder so was. Also das sind so Kleinigkeiten, dass das einfach klar ist.

Und wie Marc sagt, ist, glaube ich vor allem, dass den Menschen bewusst wird, was sie eigentlich anderen Lebewesen für ein Leid zufügen, wenn sie sich die ganze Zeit die Sachen in den Mund stopfen und wie Marc schon sagt, das Zusammenleben einfach, das spürbar machen. So also dass diese emotionale Verbindung klar wird. Und ganz viel im Kopf.

Stefanie Ja, das ist total super. Genau das meinte ich auch. Würde sich die Art und Weise, wie du arbeitest, auch ändern?

Marc Wahrscheinlich. Also im Idealfall wäre das natürlich ein anderes Thema, was ich dann in meinen Film behandeln würde. Dann ginge es allerdings nicht mehr um die Ausbeutung oder Nutzung von Tieren, sondern es ging dann vielleicht um die Kommunikation, wie wir besser mit ehemaligen sogenannten Nutztieren kommunizieren, wie wir ihren Ansprüchen gerecht werden und wie wir vielleicht wieder das versuchen gutzumachen, was wir ihnen angetan haben oder wie wir unsere Beziehung mit Wildtieren grundlegend ändern und wie wir jetzt vielleicht auch wieder Flächen renaturieren oder wieder neue Lebensräume schaffen, die wir vorher zerstört haben. Also dass man da vielleicht auch neue Arbeitsplätze schafft und dass man wieder mehr in Kontakt mit Tieren oder anderen Lebewesen kommt.

Steffi Ich glaube, dass sich einfach dann grundsätzlich ganz viel an unseren ganzen Strukturen verändert, also dass es dieses territoriale Denken grundsätzlich in der Welt, dieses ganze Thema Eigentum usw. und so fort, wo der Mensch eigentlich nur in diesem Leistungsdenken drin steckt, was zu produzieren, was zu machen, nicht mehr geben wird. Und einfach so die wichtigen Dinge für mich, die für mich wichtig sind, wo ich auch selber natürlich in diesem konsumhaltigen Alltag zusehen muss, dass das weiterhin bestehen bleibt und immer wieder meine Momente habe, wo ich da ganz viel rein spüre und mir das einfach bewusst wird, was mir eigentlich wirklich wichtig ist und die Dinge nicht vergesse. Also es wird glaube ich jetzt nicht passieren, aber so stelle ich mir das bei Menschen vor, wo ich immer das Gefühl habe: ‚wie kann man so naiv durch die Welt gehen?‘ Und da wünsche ich mir einfach, dass sich da die die Denke der Menschen, diese Sozialisation und die Menschen sich entwickeln und groß werden, sich schon verändert, dass man in einer viel behutsameren Welt einfach groß wird, in der klar ist, dass wir mit Tieren zusammenleben und dass es das Schönste ist, was wir haben können, draußen in der Natur zu sein und das zu respektieren und die Wälder zu respektieren und die Lebewesen. Also auch wenn jetzt vielleicht viele Leute denken: „Hä? Was? Wie kann die Denke so sein?“ Aber für mich ist es total wichtig und selbstverständlich, dass das eigentlich so sein sollte. Und das tut manchmal so weh, wie die Menschen nicht so denken können, muss ich so sagen.

Stefanie Ich weiß nicht, ob ihr das Buch „Geflochtene Süßgras“ gelesen habt, von Robin Wall Kimmerer. Robin Wall Kimmerer ist eine indigene Autorin aus den USA. Und das, was sie da schreibt, ist eigentlich genau das, was du, Steffi, grade sagtest, dass wir eigentlich die Verbindung zu unserer Mitwelt verloren haben und es darum geht die Verbindung auch wieder zu heilen. Und sie meinte, wenn sie gefragt wird, wie das gehen kann - sie ist auch Botanik Professorin - und sie empfiehlt dann einen Garten anzulegen oder die Hände in die Erde zu stecken und wirklich wieder mit der Erde in Verbindung zu gehen. Und ich denke auch, ich sehe es auch irgendwie in eurem Film „Matilda“ und auch generell, dass diese Verbindung, die wir verloren haben, was ja auch Melanie Joy mit dem Kannismus beschreibt, dass es total wichtig ist, dass wir die wiederfinden, dass wir das heilen, dass wir so separat voneinander leben. Also das Essen gibt es im Supermarkt und wo es herkommt, ist egal, quasi so. Also von daher, ja, ich denke, dass das gerade ganz wichtig ist, dass wir da wieder die Verbindung finden.

Und in meiner Zukunft wird das dann auch so sein. Also was ich jetzt von vielen Hörer·innen und bei euch auch so ein bisschen herausgehört habe, ist, dass es bei den Kindern auch schon anfangen sollte, in den Schulen. Bildung sollte dann auch anders aufgebaut sein, dass wir von klein auf da wieder das anders lernen sollten. Und das ist ja auch total schade, dass wir die Verbindung verloren haben, dass es früher da war, aber heute nicht mehr. Also ich glaube auch, das ist nichts Komisches, sondern etwas ganz Wesentliches und etwas, was wir wirklich tun sollten. Und ich glaube, auch meine Hörer·innen werden das nicht komisch finden. Steffi, bei dir hatte ich gelesen, dass du ja auch Bildungsarbeit machst, auch mit Kindern und Jugendlichen arbeitest. Wenn du jetzt in eine Zukunft schaust, wenn wir in die Utopie schauen, wie würde sich das verändern? Hast du da Gedanken zu?

Steffi Ich habe da immer so verschiedene Workshopformate gemacht. Also ich bin jetzt auch gar nicht von Haus aus Pädagogin oder so, sondern es hat sich vor ein paar Jahren ergeben, dass ich mehr medienpädagogisch gearbeitet habe, auch in der offenen Jugendarbeit. Da habe ich vor allem viel gelernt. Ich habe so einmal wöchentlich für zwei, drei Stunden so eine Jugendfilm AG geleitet, wo es darum ging, einfach auch zu zeigen, wie toll eigentlich Film als Ausdrucksmedium ist, um zu zeigen, aber auch bewusst zu machen, wo beginnt Manipulation, also um sozusagen das Sehverhältnis von Kindern und Jugendlichen fürs Fernsehen oder auch für den Film zu sensibilisieren, auch was bei YouTube passiert usw.. Das nun mal so grundsätzlich. Was Kinder und Jugendliche angeht, versuche ich auf Augenhöhe zu sein und bin da ganz ehrlich, wie ich denke und was ich fühle. Ich habe jetzt nicht, wie in der Schule als Lehrer·in den Fokus, dass ich nicht darüber reden darf, was ich denke, politisch auch gesehen. Also versuche ich da auch ganz offen und ehrlich zu sein, aber auch denen zu zeigen: versucht eure eigene Sicht der Dinge zu entwickeln und hinterfragt die Dinge. Das finde ich ganz wichtig.

Und da habe ich viel gemerkt, dass, als ich davon erzählt habe, dass ich vegan lebe und dass das für mich eigentlich grundsätzlich ist und dass es nicht nur in der Ernährung stattfindet, eine vegane Lebensweise, sondern sich in allen Lebensbereichen eigentlich durchzieht. Ob das jetzt bei der Kosmetik ist, bei den Klamotten usw. und so fort. Und das ist eigentlich immer mit vielen anderen sozialen Fragen auch mit Hand in Hand geht, dass die Kids das alles wissen, die kennen die Begrifflichkeiten, die haben das alles schon gehört und dann eigentlich auch voll interessiert waren. Und ich glaube, am einfachsten war es immer, wenn ich veganes Essen dabei hatte, was ich dann immer gerne gemacht habe und immer so: Oh toll, ja, cool. Nun ja, spannend. Und da auch schon so erste Kids dann gesagt haben: ich leb jetzt auch vegetarisch. Ich glaube, wenn man denen vorzeigt, dass man total locker und offen ist und dass es was Gutes ist und viele eigentlich auch sogar Haustiere haben und dann das auch anfangen zu hinterfragen, dass es funktioniert. Also es ist, glaube ich, ganz viel in der Sozialisation, die Menschen wissen das alle und denen ist es auch bewusst, aber die machen gerne die Augen zu.

Ob es in der Schulkantine zum Beispiel einfach ist, dass es da einfach ein veganes Angebot gibt und dass es einfach klar ist, dass das so funktioniert und auch man mit den Kindern viel offener darüber spricht, also die früh einzubeziehen. Da frage ich mich immer: „Denken die immer, dass die Kids doof sind?“ Nee, die raffen das alles, sie kriegen das früh mit, mit denen kann man ganz offen und ehrlich darüber sprechen. Also ich habe zum Beispiel mit der Tochter meiner Cousine schon angefangen, immer ganz früh so Bücher zu schenken, worin es entweder coole Role Models gibt, also irgendwie starke Mädchen, die den Mund nicht zumachen, sondern einfach das sagen, was sie denken und machen, was sie wollen. Und jetzt ja auch ein Buch geschenkt habe, wo es darum geht, wie schützen wir unsere Tiere usw. und so fort. Also ich glaube da fängt es schon an, dass man da Dinge auch verändern kann.

So, also du merkst schon wieder, in meinem Kopf rattert es... Es gibt ganz viel wo man gerade im Bildungsbereich anfangen muss und ich glaube da fängt es an. Also ich sehe es ja bei mir selber, wie ich groß geworden bin, wie hat sich bei mir das entwickelt, so ein bisschen. Und ich meine, da sieht man es ja. Also das, was ich anderen vorlebe oder was ich zeige, also vor allem positiv zeige, um zu motivieren und zu ermuntern, das sind die Dinge und nicht mit erhobenen Zeigefinger da zu stehen und zu sagen das ist falsch und das ist falsch. Sondern auf die guten Dinge zu gucken, wie du das jetzt auch machst, dass wir sagen, wir reden jetzt über Utopien, weil die motivieren und bringen uns dahin, Dinge bei uns zu verändern, aber auch bei anderen vielleicht.

Stefanie Ja. Was würdest du denn den Kindern und Jugendlichen erzählen? Als positive Zukunftsvision? Ich meine, letztlich wäre das ja auch noch eine Idee zu überlegen. Ich meine, klar, natürlich. Kinder und Tiere retten und so. Das ist alles interessant und motiviert sie auf jeden Fall. Ich merke einfach immer wogegen kämpfen ist einfacher zu definieren als wofür. Hast du da auch Ideen? Sprudelt da auch noch was?

Steffi Also für Kinder glaube ich jetzt grundsätzlich die Vision, dass sie wissen, was es zu essen eigentlich gibt an Gemüse und Obst. Also was wächst bei uns in der Region und was ist saisonal? Also dass das noch mal irgendwie klar wird, dass es einfach selbstverständlich ist, so dass man vielleicht auch raus in den Garten geht und das eigene Gemüse reinholt und dass man vielleicht, also wenn die Kids auf dem Bauernhof sind, dass da nicht Nutztiere sind, sondern dass es einfach eine vegane Landwirtschaft vielleicht gibt, dass sie da irgendwie ein Gespür dafür kriegen, wie cool das eigentlich ist, so in den Garten zu gehen. Ich mache mir hier mal ein Apfel ab, okay, alles klar, cool. Und ich glaube auch, eine Utopie ist auf jeden Fall eine Entspannung. Also das ist, glaube ich, das, was wir alle brauchen in unserer getriebenen Gesellschaft, würde ich sagen. Und ansonsten wünsche ich mir da eigentlich auch für Kinder und Jugendliche, dass sie merken, dass vegane Ernährung etwas ganz Tolles ist und das es was Selbstverständliches einfach wird, das gar nicht mehr hinterfragt wird und nicht immer auf diesem Silbertablett „du bist was ganz besonderes“, sondern dass das genauso klar ist, wie eine Gleichberechtigung von allen Menschen.

Marc Ja, wenn ich selber zurückdenke, habe ich gerade versucht, an meine Kindheit, wie mir da der Umgang mit Tieren vorgelebt wurde, dann würde ich mir natürlich auch wünschen, dass irgendwie ein anderes Verhältnis kommuniziert wird, also ein wesentlich friedvolleres Verhältnis mit den sogenannten Nutztieren als damals. Dass man ehrlich ist zu den Kindern und ihnen keine Lügen oder Märchen erzählt, was mit den Tieren passiert, die auf den Tellern landen und dass man vielleicht auch versucht, die Kommunikation ein bisschen zu zu schulen, also dass man mal auf den Lebenshof fährt und nicht in den Zoo, sondern dass man wirklich den heimischen Tieren begegnet oder den sogenannten Nutztieren. Und da auf diese Weise sensibilisiert, also dass man einfach die Tiere kennenlernt und das würde ich mir vielleicht wünschen.

Stefanie Habt ihr noch was, was ihr da zum Schluss noch ergänzen möchtet? Irgendwie etwas, was ihr noch den Hörer·innen mitgeben möchtet oder irgendwie ein Gefühl, was so eine positive Zukunft beschreibt oder irgendetwas in der Richtung?

Marc In letzter Zeit gebe ich anscheinend immer Filmtipps, wenn mich jemand das fragt. Und ich habe auch jetzt wieder einen Film im Kopf, der ganz gut zu dem Thema passt: "Carnage" von Simon Amstell. Das ist so eine Zukunftsvision einer veganen Zukunft und es ist sehr amüsant und ich weiß nicht, wo es den Film gerade gibt, weil er eigentlich von der BBC produziert wurde. Und fürs Fernsehen. Ich weiß nicht, ob man den hier sehen kann, aber ich glaube, er könnte vielleicht noch auf YouTube sein oder da gibt es zumindest Ausschnitte. "Carnage" von Simon Amstell - sehr zu empfehlen.

Stefanie Ja, den habe ich auch gesehen. Den kann man noch über archive.org anschauen, quasi. Das ist ja diese Zeitmaschine, sozusagen, für Internetseiten, die nicht mehr da sind. Und das verlinke ich dann auf jeden Fall hier unter der Folge auch. Ja, den habe ich auch gesehen. Genau der ist natürlich aber dann mit Triggerwarnung, würde ich sagen. Also sind auch unschöne Szenen drin, von daher das noch dazu gesagt. Man muss sich schon emotional stabil fühlen, um sich den anzugucken.

Steffi Ansonsten fand ich das, was du gesagt hast, eigentlich was Schönes, dass man einfach sagt, dass man die Entspannung mitnimmt in der Hinsicht, auch weiter motiviert zu bleiben. Dass sich Dinge auch verändern. Also, dass Sachen im Kleinen passieren, also auch kleine Dinge irgendwie schon total viel ausmachen, denke ich. Ja.

Stefanie Ja, dann danke ich euch, dass ihr mit mir diesen Ausflug in eine vegane Zukunft gewagt habt und wir da so ein bisschen diese Zukunft aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten konnten. Und danke euch für eure Zeit und dass ihr da wart. Also herzlichen Dank insgesamt.

Marc Und vielen Dank für die Einladung.

Steffi Danke für die Einladung. Hat mir sehr viel Spaß gemacht, jetzt mal ein bisschen in so Utopiewelten einzutauchen. Und ja, motiviert für den Tag.

Links zur Folge

Kickstarterkampagne für "MATILDA"
https://www.kickstarter.com/projects/matildathefilm/matilda

MATILDA auf Instagram
https://www.instagram.com/matildathefilm/

MATILDA auf Facebook
https://www.facebook.com/matildathefilm

Webseite von ANTIMAE Film
https://antimaefilm.com/

Buch "Zoopolis" von Will Kymlicka und Sue Donaldson
z.B. beim Verlag

Film "Carnage" von Simon Amstell
https://archive.org/details/SimonAmstellCarnageP04sh6zgIplayer#

Jennifer Wolch zu Harmony in Florida:
https://www.taylorfrancis.com/chapters/edit/10.4324/9781315256351-14/zo%C3%B6polis-jennifer-wolch

Das Konzept der Microsanctuaries:
https://microsanctuary.org/

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Folge 256 - Ein Spielfilm über die Rettung einer entlaufenen Kuh

Ein Beitrag

Folge 256 - Ein Spielfilm über die Rettung einer entlaufenen Kuh

In dieser Folge spreche ich mit Steffi Köhler und Marc Pierschel über ihren neuen Spielfilm "Matilda".

"Matilda" befindet sich noch in der Finanzierungsphase und braucht deshalb Deine Unterstützung. Dazu gibt es eine Kickstarterkampagne, die noch bis zum 6.05.2022 läuft.

Wenn Dir eine finanzielle Unterstützung gerade nicht möglich ist, freuen sich Marc und Steffi auch darüber, wenn Du die Kampagne teilst und möglichst viele Menschen darauf aufmerksam machst.

Die beiden Filmschaffenden schreiben auf ihrer Webseite über den Spielfilm: "MATILDA ist ein bewegender Blick auf unsere Beziehung zu Tieren, die Wucht des Mitgefühls und die Werte, die unser Leben bestimmen."

Ich denke, dass dieser Film unbedingt produziert werden muss und freue mich schon sehr darauf ihn dann im Kino schauen zu können.

Links zur Folge

Kickstarterkampagne für "MATILDA"
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Das ist Ella - die Hauptdarstellerin des Films "MATILDA"
https://www.instagram.com/p/Cc-glPTq31C/

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Film "Carnage" von Simon Amstell
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Jennifer Wolch zu Harmony in Florida:
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Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge spreche ich mit Steffi Köhler und Marc Pierschel über ihren ersten Spielfilm namens „Matilda“ und „Matilda“ ist jetzt gerade erst in der Finanzierungsphase und wird erst so in circa zwei Jahren erscheinen. Aber damit dieser Film erscheinen kann, ist es sehr wichtig, dass wir ihn finanziell unterstützen. Das heißt, es gibt eine Kickstarter Kampagne zu diesem Film, die läuft noch bis zum 6. Mai 2022 und bis dahin hast du noch die Möglichkeit, diesen Film finanziell zu unterstützen. Und es gibt natürlich wie bei allen Kickstarter Kampagnen wieder jede Menge Goodies, die du dir da aussuchen kannst.

Und ich spreche jetzt in dieser Folge mit Steffi und Marc darüber, was denn jetzt überhaupt der Inhalt des Films ist, wie sie auf die Idee gekommen sind und wie du, wenn du vielleicht nicht die Möglichkeit hast, diesen Film finanziell zu unterstützen, ihn auf andere Art und Weise unterstützen kannst. Viel Spaß mit dem Interview.

Steffi Hallo, mein Name ist Steffi Köhler, bin Filmschaffende aus Münster und bin jetzt Produzentin bei unserem Debütspielfilm „Matilda“. Und im letzten Jahr haben Marc Pierschel und ich unsere Produktionsfirma Antimaefilm gegründet und für unser Filmprojekt sind wir gerade in der Finanzierungsphase.

Marc Ja, hallo, mein Name ist Marc Pierschel. Ich bin Autor und Filmemacher aus Münster, habe bisher Dokumentarfilme gemacht, unter anderem „Live and let live“, „The End of Meat“, „104“ und „Butenland“ und habe vor zwei Jahren begonnen, mein erstes Drehbuch zu schreiben für den Film „Mathilda“, den wir jetzt zusammen mit Antimaefilm produzieren.

Stefanie Und da ist direkt meine erste Frage: „Antimaefilm“ - wie seid ihr auf den Namen gekommen und was steckt hinter diesem Label?

Steffi Da kann man glaube ich dazu sagen, dass wir schon, als wir gesagt haben, wir wollen eine Produktionsfirma gründen, damit das alles auf sicheren Beinen steht, eine GbR gegründet haben, wenn wir in die Spielfilmproduktion gehen, um dann Schauspielerinnen usw auch anzustellen. Deswegen haben wir gesagt, wir brauchen eine Firma, eine GbR, womit das sicher läuft. Und dann ging der kreative Prozess los, die Namensfindung. Also da hatten wir verschiedene Namen und dann hatten wir eigentlich auch schon andere Namen, die aber dann alle schon vergeben waren. Und dann haben wir angefangen, so mit Wörtern rumzuschieben. Und dann ist Marc irgendwann auf die Idee gekommen, dass Antimae Film eigentlich die Abkürzung ist für „Authentic narrative that inspire move and empower“, dass wir im Prinzip Geschichten erzählen wollen, die, wie gesagt, authentisch sind. Die vor allem die Menschen inspirieren, bewegen und ermutigen. So ist der Name entstanden. Den hat Marc durch Wörter schieben sich quasi ausgedacht und wir haben dann beide gesagt: Ja, das klingt ganz gut.

Stefanie Ja, das ist super. Ich habe nämlich natürlich jetzt am Anfang direkt an Anti-mae gedacht. Deswegen hatte ich überlegt, was es bedeuten mag, aber das erschließt sich mir jetzt auf jeden Fall. Ich hatte natürlich vorab mal so ein bisschen auf der Internetseite gelesen und finde das auch sehr spannend, dass es hier nicht nur um Veganismus geht, sondern auch um Diversität und auch Nachhaltigkeit. Wobei Nachhaltigkeit ja bei Veganismus eigentlich mit drin sein sollte, aber auch vor allem der Aspekt der Diversität. Das fand ich wirklich auch herausragend, denn das ist ja bei vielen einfach noch nicht gegeben. War das euch von Anfang an auch schon so klar, dass das einfach Grundsätze sind, die ihr gemeinsam leben wollt mit dieser Firma?

Steffi Ich glaube, wenn du jetzt speziell auf die Diversität ansprichst, ist das für mich ein Faktor, auf den ich, wenn ich eine Firma habe oder ein Projekt mache, Wert lege. Also für mich steht das außer Frage, weil ich vorher mich auch schon viel mit dieser Thematik auseinandergesetzt habe, auch viel Veranstaltungen gemacht habe, auch aktiv war in dem Bereich und mich eigentlich auch dafür einsetze, gerade auch in der Filmbranche oder eigentlich in allen Branchen grundsätzlich, da einfach noch Ungleichheiten existieren. Leider. Und dass wir aus diesem Grund glaube ich auch Mechanismen verwenden müssen, um im Prinzip diese Schieflage ins Gleichgewicht zu bringen. Leider brauchen wir sie immer noch. Ich hoffe, dass wir sie irgendwann nicht mehr brauchen und wir haben dann auch allgemein über Produktionsleitlinien gesprochen. Also wir haben dann noch neben der Diversität noch einige andere Dinge, worauf wir in der Produktion, wenn wir dann drehen oder gemeinsam arbeiten, Wert legen wollen. Das ist natürlich immer eine Budgetfrage, aber einige der Dinge, da brauchen wir kein Geld und das kann auch so funktionieren. Ich weiß nicht, ob Marc noch mal Lust hat, da noch mal ein bisschen ausführlicher noch was dazu zu sagen.

Marc Nein, das hast du schon super zusammengefasst. Also mir war es ebenso wichtig und in Bezug auf die anderen Punkte, also Nachhaltigkeit, Veganismus und faire Bezahlung ist Diversität auf jeden Fall ein sehr wichtiger Punkt. Gerade am Set. Also der Drehzeitraum oder die Drehphase ist ja immer sehr intensiv und hektisch und da ist es für mich auch wichtig, auf jeden Fall ein Team zu haben, das gut funktioniert und wo sich alle wohlfühlen und dass es einfach einen sicheren Raum darbietet für alle. Dass man zusammen gerne und gerecht kreativ ist.

Stefanie Wenn wir jetzt das Thema faire Bezahlung noch mal auffassen: Ihr habt ja jetzt die Kickstarter Kampagne zu dem Film „Matilda“ gestartet und ich denke ja, dass faire Bezahlung auch ein Grund ist, warum es die Kickstarter Kampagne gibt. Habt ihr da sonst noch andere Fördertöpfe? Also was passiert jetzt, wenn die Kickstarter Kampagne nicht erfolgreich ist?

Steffi Ja, das ist eine gute Frage, über die wir uns auch schon viele Gedanken gemacht haben. Ja, wir hoffen einfach, dass wir die 50.000 € erreichen. Wir haben ja jetzt auch noch diesen private Sponsor, der im Prinzip das Geld dann auch noch verdoppelt. Das heißt, wir brauchen jetzt aktuell noch ungefähr 15.000 € und dann sind wir eigentlich auf der sicheren Seite, dass wir die 50.000 für die Vorproduktion sozusagen eingenommen haben, falls das natürlich nicht klappen sollte, worauf wir einfach nicht hoffen, müssen wir auf jeden Fall weitere Fördertöpfe anzapfen. Also es ist für uns eigentlich der Startschuss in der Finanzierungsphase.

Normalerweise kann man bei Filmförderung auch Produktionsvorbereitungsförderungen beantragen. Also es gibt sozusagen die drei Förderungen, die man in der großen Filmförderlandschaft beantragen kann für ein Projekt, weil ja allein schon die Vorproduktion eigentlich, so wie jetzt auch die Finanzierungsphase, unfassbar viel Zeit, also Ressourcen personell, finanziell sowie zeitlich auch frisst. Das heißt, in der Vorproduktion kommen ja auch Mitarbeiter·innen mit an Bord, die dann Dinge mit uns gemeinsam vorbereiten und - die Preproduction grundsätzlich nach der Förderungsphase geht eigentlich nur so zehn Wochen, bis der Dreh beginnt - auch diese Finanzierungsphase und Vorproduktion, wie gesagt, länger dauert.

Wir wollen danach dann bei der Filmförderung Geld beantragen, auf Landesebene, in NRW und in Bayern, weil wir auch in den beiden Bundesländern drehen möchten. Und dann hoffen wir auch noch, vielleicht auf einige Bundesgelder, dass wir da noch was versuchen. Aber das ist alles ohne Gewähr. Da wissen wir natürlich nicht, ob wir diese bekommen. Marc hat natürlich zum Beispiel auch schon mal Filmförderung in NRW bekommen von der Film und Medienstiftung, was schon mal total gut ist. Das heißt, sie kennen seinen Namen, er hat schon einige gute Projekte. „Butenland“ hat ja auch auf den Hofer Filmtagen gewonnen, was immer super ist.

Aber mit der Crowdfunding Kampagne wollen wir einfach auch zeigen, dass Interesse an dem Film und an der Botschaft besteht. Das die Leute merken okay, das ist ein Thema oder auch eine Geschichte, die funktioniert. Das ist leider ganz wichtig, weil da geht es wirklich einfach bei den Filmförderung vor allem um Wirtschaftlichkeit. So schwer wie das ist und deswegen hat man da wirklich Struggle, diese Gelder auch einzunehmen. Und deswegen sage ich mal, kämpfen wir auch dafür, dass wir das alles zusammenkriegen, um dann diesen Film zu machen und um einfach auch Filme mit einer guten Förderung vorbildmäßig zu sein und einer der ersten Filme in diese Richtung zu sein. Oder einer von vielen. Und wir wollen zusätzlich auch noch versuchen, eine Senderbeteiligung vielleicht zu bekommen, obwohl das natürlich auch immer alles sehr schwierig ist. Also wir haben einen tollen Herstellungsleiter, mit dem wir dann aus Köln zusammenarbeiten werden. Der wird mit uns jetzt im Mai, wenn wir wissen, was das Crowdfunding ergeben hat, mit uns dann noch mal eine neue Kalkulation erstellen und dann macht man wirklich so ein Best Case Szenario und so ein Worst Case Szenario, um zu gucken, was brauchen wir mindestens, damit alle Beteiligten am Set genug Geld bekommen. Und dann muss man mit den Menschen sprechen, falls sie nicht die das Best Case Szenario erreichen.

Das ist eigentlich eine sehr spannende, aber auch sehr kräftezehrende Phase. Und Marc und ich leiden, glaube ich, beide immer gerade mit und sitzen immer vorm Rechner. Und was ist passiert in der Crowdfunding Kampagne und sind immer ganz aufgeregt. Und dann sieht man so morgens beim Kaffee, wenn man sich Guten Morgen sagt, na, wie ist die Stimmung? Und wenn dann wieder irgendwas richtig gut ist, sieht man so bei Marc wieder so ein fettes Grinsen. Das ist super. Also du merkst richtig, wie wir total mitfiebern gerade. Das ist eine super spannende Zeit, aber auch kräftezehrend und wir hoffen einfach, dass wir unser Herzprojekt umsetzen können.

Stefanie Ja, damit auch die Hörer·innen sich überhaupt ein Bild machen können, warum sie euch jetzt unterstützen sollen, müssen wir jetzt noch mal erzählen, worum es überhaupt geht in dem Spielfilm?

Marc Ja klar, gerne. Also es geht um Anna. Anna ist 16 Jahre alt und die ist eigentlich in der Nähe von London aufgewachsen, aber ist vor ein paar Monaten zusammen mit ihrem Vater Robert zurück nach Deutschland gezogen und sie wohnen in einem Reihenhaus in einer beliebigen deutschen Großstadt. Im Haus der neuen Frau des Vaters. Sandra heißt sie, und Anna möchte gerne Köchin werden. Das ist ihr größter Wunsch. Und sie arbeitet als Küchenhilfe in einem Restaurant eines ehemaligen Starkochs und findet sich gerade so zurecht in das Leben in Deutschland. Hat dann aber eines Tages eine unerwartete Begegnung mit einer entlaufenen Kuh im Wald.

Und das stellt so ein bisschen das Leben von Anna auf den Kopf. Denn die Kuh hinterlässt bei Anna einen bleibenden Eindruck, weil sie noch nie einer Kuh begegnet ist. Und sie stellt sich jetzt viele Fragen. Sie hat auch ein Pflegepferd gehabt, das der Kuh sehr ähnlich sieht und es hat so ein Prozess angestoßen bei Anna und sie beginnt dann auch, den Umgang mit Kühen zu hinterfragen, was wiederum zu Spannungen mit ihrem Vater führt, weil der im Schlachthof arbeitet, aus dem die Kuh entkommen ist. Und dann trifft Anna auf zwei Tierrechtler·innen, Kevin und Nina, und steht den Ansichten von den beiden erst ein bisschen skeptisch gegenüber, weil deren Methoden ihr so ein bisschen radikal erscheinen. Aber dennoch bietet sie an, den beiden zu helfen, weil sie sonst keine anderen Verbündeten kennt oder sie sonst nicht weiß, wie sie Matilda helfen kann.

Dann wird aber ihr Vater dazu beordert, das Einfangen der Kuh zu koordinieren, und Anna gerät dann immer stärker in Konflikt mit ihrem Vater, weil sie immer mehr hinterfragt, was er macht und mit ihm argumentiert, dass er doch bitte Matilda, die Kuh, retten soll. Naja, und je länger es Matilda gelingt, sich im Wald zu verstecken, desto größer wird natürlich auch das Medieninteresse und der Druck auf ihren Vater und den Konzern oder den Schlachthof steigt und Anna und den Aktivist·innen läuft die Zeit davon und am Ende kommt es dann zum Showdown zwischen Vater und Tochter. Und Anna muss eine Entscheidung treffen, die ihr Leben für immer verändern wird.

Stefanie Ich habe mir das ja auch durchgelesen und angeschaut, was ihr bei der Kickstarter Kampagne über „Matilda“ geschrieben habt. Und ich habe mir die Frage gestellt, warum ihr gerade diesen Plot gewählt habt, warum ihr denkt oder du Marc, denkst, dass das jetzt wirklich das ist, was viele Menschen vielleicht zum Nachdenken anregt.

Marc Ja, das waren so zwei Punkte, die zusammen gekommen sind. Also zum einen war das meine Arbeit an „Butenland“, da ging es ja um Jan Gerdes und Karin Mück, die den Lebenshof Hof Butenland gegründet haben. Und da war ich immer sehr fasziniert von diesem Transformationsprozess bei Jan. Also jemand, der selbst Milchbauer war und seine ganze Existenz um diesen Hof aufgebaut und eine große Familie hatte und der dann eines Tages gesagt hat, er kann nicht mehr, er kann das nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren, die Kühe zum Schlachthof zu schicken und den Kühen die Kälber wegzunehmen. Und dann hat er aufgehört und daraus Butenland gemacht.

Das fand ich super spannend und wollte einfach diesen Transformationsprozess versuchen greifbar zu machen. Und da das im Dokumentarfilm sehr schwierig war, habe ich dann angefangen, das Drehbuch zu schreiben und zum anderen war ich sehr fasziniert von diesen Geschichten, von Kühen, die aus Schlachthöfen oder aus Milchbetrieben ausbrechen und sich dann längere Zeit verstecken. Und was das einmal für ein Medienecho auslöst und welche Kommentare es da gab, die ich so recherchiert habe bei diesen Geschichten, dass dann Menschen mit der Kuh mitfiebern und sogar fordern, dass sie dann verschont bleibt oder nicht mehr geschlachtet wird. Und das war dann die Idee, das mit der anderen Geschichte zu kombinieren und daraus den Film zu machen.

Stefanie Das heißt, wer wäre dann die Zielgruppe für diesen Film?

Marc Natürlich erstmal alle Menschen, die an diesem Narrativ der ausgebrochenen oder geflohenen Kühe interessiert sind. Wir haben es versucht ein bisschen einzugrenzen zwischen 15 bis 35 oder so ungefähr. Also es ist natürlich immer schwierig zu sagen, wem genau der Film gefällt. Also bei „Butenland“ war glaube ich, die Zielgruppe ein bisschen älter. Hier sehen wir die Schnittmenge so ein bisschen beim jüngeren Publikum, zumal auch natürlich eine junge Hauptfigur ist und eine Coming of Age Geschichte und dann natürlich auch noch ein paar andere Themen wie Feminismus, Empowerment und so mit reinspielen.

Stefanie Ich habe jetzt überlegt, natürlich habe ich „Butenland“ den Film auch gesehen und den hatte ich auch hier im Podcast schon mal besprochen und viele meiner Hörer·innen werden den Film auch gesehen haben. Und ich habe das Gefühl, dass bei den Dokumentarfilmen, die in diese Richtung gehen, meist auch Menschen die schauen, die schon vegan leben. Seht ihr die Gefahr bei diesem Film auch?

Marc Also ich, ich würde es jetzt nicht als Gefahr bezeichnen. Das ist tatsächlich eine Frage, die mir sehr häufig gestellt wird. Von Veganer·innen, die dann fragen: na ja, wahrscheinlich erreicht dann der Film sowieso nur die Zielgruppe der Menschen, die den Film eigentlich gar nicht mehr sehen müssen, weil sie schon vegan leben. Aber ich glaube, die Zielgruppe ist dennoch wichtig, um einfach diesen Film populär zu machen, so dass dann Menschen sich den Film anschauen und dann anderen Menschen davon erzählen oder andere Menschen dazu bewegen, sich den Film anzuschauen. Also quasi als Gruppe der Multiplikator·innen, sind Veganer·innen oder Aktivist·innen eine sehr wichtige Zielgruppe.

Steffi Ja, das sehe ich ähnlich. Ich glaube jetzt gerade durch diesen Spielfilm, den wir machen und dass es kein Dokumentarfilm ist, dass wir vielleicht sogar noch einfacher Menschen erreichen, weil es einfach eine fiktive Geschichte ist. Viele andere Themenkomplexe aufgegriffen werden auch noch - es geht ja auch ganz klar um die Geschichte eines jungen Mädchens, die groß wird, die sich gegen ihren Vater und viele anderen emanzipiert, womit im Prinzip diese andere Geschichte dann auch einhergeht. Also ich glaube, dass das die Stärke auch ganz klar noch mal ist, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Was wir auch ganz klar zeigen wollen, dass es kein Film ist mit einem erhobenen Zeigefinger oder sowas, sondern es geht dabei auch um die Sichtbarmachung des Lebewesens der Kuh.

Und wie Marc schon sagt, ich glaube gerade Multiplikator·innen sind genau das was, was es braucht, um sozusagen aus unserer Bubble herauszukommen. Wir kennen das aus vielen anderen Themen. Das ist aber, glaube ich, immer, wenn man, egal was man macht und wo man ist, dass man sich in seinen Bubblen bewegt. Und es ist total schön, wenn man da rauskommt. Deswegen ist es, glaube ich, auch für Menschen spannend, dann von dem Film zu berichten und den dann auch zu sehen.

Stefanie Was ich mir noch so überlegt habe: Die Figur des Vaters, der ja im Schlachthof arbeitet. Wenn ich jetzt aus meiner Perspektive, die ich ja vegan lebe, schaue, sehe ich irgendwie so ein bisschen die - jetzt wieder das Wort – Gefahr, dass das jetzt eher so der Böse ist, weil er im Schlachthof arbeitet. Also besteht die Gefahr tatsächlich oder bekommt man da noch mehr Einsichten dann im Film in die Arbeit auf einem Schlachthof oder dürft ihr jetzt einfach noch nicht zu viel verraten?

Marc Also man muss dazu sagen, dass Robert jetzt nicht am Schlachtprozess selbst beteiligt ist, sondern er hat eher so einen Bürojob. Er ist in der Führungsetage beschäftigt und er ist jemand, der natürlich zum einen die Arbeit vor sich selbst rechtfertigen muss und das merkt man dann auch in der Argumentation mit seiner Tochter, dass er immer wieder Argumente bringt, um sich nicht selbst mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen und er ist natürlich schon der klassische Antagonist, aber er ist jetzt nicht zu eindimensional - hoffe ich zumindest.

Also ich feile noch so ein bisschen am Charakter und an verschiedenen Stellen im Drehbuch und es ist immer noch ein Work in progress sozusagen. Aber es wäre natürlich auch viel zu schwierig im Schlachthof drehen zu wollen. Ich habe das Drehbuch natürlich auch so geschrieben, dass es zum einen natürlich vom Budget her klappt und dann, dass wir das auch umsetzen können, also ich meine für eine vegane Produktion im Schlachthof zu drehen, das wäre, glaube ich, ethisch auch sehr, sehr fragwürdig.

Stefanie Das stimmt ja, das stimmt auf jeden Fall. Was können meine Hörer·innen tun, um euch zu unterstützen? Also klar, die Kickstarter Kampagne sollten sie auf jeden Fall unterstützen. Was können sie noch tun?

Steffi Was können sie noch tun für uns? Wenn Menschen nicht die finanziellen Mittel haben uns zu supporten, ist es auch total toll, einfach anderen Menschen davon zu erzählen. Das zu teilen. Das ist ja für uns auch ganz, ganz, ganz viel wert, dass einfach viel mehr Menschen von „Matilda“ und von der Kickstarter Kampagne erfahren. Auf der anderen Seite haben wir auch Schauspieler·innen aufgerufen, sich bei uns zu melden. Wir haben jetzt auch den Aufruf gemacht für Cast und Crew und haben auch schon ganz, ganz viele spannende und tolle Emails und Bewerbungen bekommen. Also wie gesagt, für Cast und Crew freuen wir uns auch immer über Menschen, die sich mit der Geschichte und dem Film identifizieren. Genau. Also ich glaube das sind so die die Schritte, wie man uns aktuell noch unterstützen kann in der Kampagne.

Stefanie Und kannst du das noch mal sagen? Du hattest gesagt, dass da ein Mensch ist, der, glaube ich, die Spenden verdoppelt. Bis zu einem gewissen Punkt. Könntest du das noch mal sagen?

Marc Ja, das war ein Mensch aus den USA, der sich gemeldet hat und so ein bisschen die Kampagne supporten möchte. Und der hat jetzt angeboten, alle Spenden oder Geldeingänge zu verdoppeln, die reinkommen bis 25.000 $. Das wären dann 23.000 €.

Stefanie Also bis es insgesamt dann jetzt die Kickstarter Kampagne da ist nicht von dem jetzigen Zeitpunkt an plus 23.000, sondern wenn sie insgesamt dann bei 23.000 € steht. Genau das ist vielleicht noch ganz interessant für Menschen, die jetzt sagen okay, dann spende ich jetzt noch mal was, auch wenn ich vielleicht schon mal gespendet habe, dann verdoppelt sich das. Und was ist so euer Wunsch, was diesen Film angeht, so eure kühnste Vision, was ihr damit erreichen wollt mit diesem Film, wenn alles möglich ist und ihr einfach träumen dürft?

Marc Also für mich wäre es natürlich, dass sich natürlich sehr, sehr viele Menschen diesen Film anschauen, weil er einfach das Leben aus einer Perspektive beschreibt und die Sicht auf das Mensch Tier Verhältnis aus einer Perspektive beschreibt, die neu ist und wo man so eintaucht in diesen Prozess, die Welt mit anderen Augen zu sehen und vielleicht bei den Menschen ein Umdenken bewirkt.

Steffi Genau, das würde ich auch unterschreiben. Und ein Szenario, was noch ein bisschen näher ist, hoffe ich einfach, dass wir es schaffen ein gutes Budget zusammenzubekommen, so dass wir den Film produzieren können, ohne dass Bauchschmerzen entstehen, dass ein entspanntes Produzieren möglich ist. Genau das wünsche ich mir auch. Und zusätzlich, wie gesagt, dass ganz, ganz viele Menschen den Film dann sehen können.

Stefanie Und der Film soll wann erscheinen?

Steffi Ja, wir haben einen Herstellungsplan gemacht und hoffen eigentlich, dass wir der Film im ersten Quartal oder zweiten Quartal 2024 fertig ist und dass wir dann sozusagen in die Distribution gehen können.

Marc Ich würde vielleicht noch mal kurz unsere Hauptdarstellerin erwähnen, die sehr, sehr charmante Ella. Ella ist ein junges Kalb, das auf dem Erdlingshof lebt und wir haben sie vor ein paar Tagen per Video vorgestellt. Das heißt, Johannes Jung hat das gemacht für uns vom Erdlingshof und Ella wurde selber gerettet vom Erdlingshof. Und die Geschichte wird in dem kleinen Video erzählt und ich freue mich sehr, mit Ella drehen zu dürfen.

Stefanie Ja, das Video kann ich ja dann auch verlinken. Also dann können sich alle Ella auf jeden Fall anschauen. Und dann bedanke ich mich herzlich bei euch, dass ihr hier dabei wart. Und ich wünsche euch natürlich ganz viel Erfolg und rufe auch noch mal alle Hörer·innen dazu auf, wirklich sich an der Kickstarter Kampagne zu beteiligen. Und falls das finanziell momentan nicht möglich sein sollte, doch die Kampagne auf jeden Fall zu teilen.

Marc Ja, vielen Dank für die Einladung und die Fragen und die Zeit.

Steffi Ja, danke, dass wir da sein durften und deinem Interesse an an „Matilda“ und an unserem Projekt.

Stefanie Das war das Interview mit Steffi Köhler und Marc Pierschel zu ihrem neuen Spielfilm „Matilda“. Und wie immer findest du alle Links in den Shownotes oder direkt hier unter der Folge. Und es wäre natürlich genial, wenn die Kickstarterkampagne erfolgreich wäre und wir es schaffen können, die 50.000 € zu knacken. Jeder Euro zählt. Also wenn es dir möglich ist, unterstütze die Kickstarter Kampagne. Ich sag jetzt tschüss und ich freue mich, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei.

Im Gespräch mit Hartmut Kiewert über eine vegane Zukunft

Ein Beitrag

Folge 255 - Im Gespräch mit Hartmut Kiewert über eine vegane Zukunft

In dieser Folge spreche ich mit dem Künstler und Aktivisten Hartmut Kiewert über seine Vision einer veganen Zukunft.

Hartmut malt unter dem Titel "Animal Utopia" wunderbare Bilder von einer Zukunft, in der sich das Mensch-Tier-Verhältnis verändert hat. Die Tiere sind hier keine reinen Objekte mehr, sondern Subjekte. Seine Bilder zeigen einen möglichen Zwischenschritt hin zu einer veganen Zukunft.

Wir sprechen in dieser Folge auch darüber, warum es nicht möglich ist, ein allzu genaues Bild einer klima- und sozialgerechten, veganen Zukunft zu malen. Und welche Rahmenbedingungen sich verändern müssen, um ein gutes Leben für alle Lebewesen zu gewährleisten.

Da das Thema sehr komplex ist, können wir vieles nur anreißen, anderes bleibt unvollständig.

Und doch versuchen wir uns daran zumindest Bausteine dieser erstrebenswerten Zukunft zu beschreiben.

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Podcastfolge habe ich einen Gast. Und zwar freue ich mich sehr mit Hartmut Kiewert über eine vegane Zukunft sprechen zu können. Dieses Gespräch soll der Auftakt sein für eine lose Reihe an Gesprächen über vegane Zukünfte, also verschiedenste Versionen und Geschichten. Und ich habe schon ein paar Menschen auf meinem Zettel stehen, die ich ansprechen möchte, ob sie mit mir hier in diesem Podcast über eine vegane Zukunft sprechen wollen. Und wenn dir noch Menschen einfallen, mit denen ich sprechen sollte, dann gib mir gerne Bescheid. Schreib mir eine Email an, post [at] vonherzenvegan.de. Und dann darf natürlich noch ein Dank nicht fehlen. An meine treuen Steady Unterstützer·innen, ohne die es diesen Podcast hier und diese Podcastfolge auch gar nicht gäbe. Denn sie sorgen treu dafür, dass ich die Hostinggebühren für die Folgen aller Podcasts, sei es den Von Herzen Vegan Podcast, den Milchgeschichten Podcast, den Wir Konsumkinder Podcast oder auch diesen Podcast hier, den Mehr als Vegan Podcast bezahlen kann. Und solltest du das Gefühl haben, dass dieser Podcast oder die anderen kostenlosen Angebote dir etwas geben und du gerne etwas zurückgeben möchtest, dann freue ich mich sehr, wenn du dich den Steady Unterstützer·innen anschließt und du findest auch den Link zu den Unterstützungsmöglichkeiten immer hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und jetzt wünsche ich dir ganz viel Spaß mit dem Gespräch mit Hartmut Kiewert.

Hartmut Kiewert Mein Name ist Hartmut Kiewert. Ich bin freischaffender Künstler, Maler, wohne in Leipzig und beschäftige mich seit ungefähr 14 Jahren mit dem gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnis, auch in meinen Bildern, die ich male und bin auch in der Tier-Befreiungsbewegung aktiv und auch in anderen sozialen Bewegungen.

Stefanie Okay, super, Dankeschön. Ich habe mich riesig gefreut, dass du dich bereit erklärt hast, jetzt mit mir hier zu sprechen, dass ich dich als Gast für den Podcast gewinnen konnte. Und ich habe ja jetzt in letzter Zeit viel über Zukünfte nachgedacht, vegane, klimagerechte, sozialgerechte Zukünfte. Und was mir aufgefallen ist, ist, dass uns die veganen Zukünfte fehlen. Und deswegen freue ich mich umso mehr, jetzt mit dir darüber sprechen zu können, weil du ja auch schon Bilder malst, die zumindest einen Blick in Richtung Zukunft werfen. Und ja, wir hatten jetzt vorhin schon im Vorgespräch so ein bisschen drüber gesprochen, dass wir aus unserer heutigen Perspektive nicht sagen können, wie eine wirklich - Du sagtest „befreite Zukunft“ - aussehen kann, weil wir einfach immer noch in diesen kapitalistischen Strukturen feststecken. Das ist richtig so, oder, Hartmut?

Hartmut Kiewert Ja, das ist das Problem, da zu sehr ins Detail zu gehen in einer Beschreibung von einer befreiten Gesellschaft, von einer Zukunft, in der Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse überwunden sind, weil ich ja auch in einer patriarchalen, kapitalistischen Gesellschaft sozialisiert bin und damit natürlich auch Dinge erst mal zunächst infrage stellen muss und über eine bestimmte Negation oder eher über die Kritik am Bestehenden darauf verweisen kann, wie es denn besser sein könnte. Und ich denke, dass in der Bewegung hin zu einer emanzipativen, befreiten Zukunft, in der es dann keine Tierausbeutung mehr gibt, würden sich, glaube ich, auch einfach die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und auch die Möglichkeiten noch mal verändern, die wir von heute vielleicht gar nicht antizipieren können. Und da wäre die Schwierigkeit da durch eine zu genaue Beschreibung wie es denn sein könnte oder sein sollte, da auch wieder Möglichkeiten vielleicht zu verstellen.

Es ist natürlich trotzdem total wichtig, neben diesen ganzen Dystopien, die es gibt, so dass die Leute sich irgendwie eher das Ende der Welt vorstellen können, aber nicht das Ende des Kapitalismus, dass da trotzdem Gegenbilder, Gegenerzählungen, die auf eine positive Zukunft verweisen, entwickelt werden müssen. Das ist so ein Spannungsfeld, in dem sich im Endeffekt natürlich auch das, was ich künstlerisch mache, so bewegt und wo dann auch noch natürlich viel aus dem heutigen Alltag in den Bildräumen ist, zum Beispiel und so eine Transformation noch nicht komplett zu Ende gedacht ist. Genau. Also das ist so so ein Spannungsfeld. Einerseits die Schwierigkeit, detaillierte Aussagen zu machen und andererseits trotzdem die Notwendigkeit, da in diese Richtung Denkräume und Unmöglichkeiten aufzustoßen und zu schauen, wo sind vielleicht auch schon Ansätze im Heute, die so was vorscheinen lassen, wie zum Beispiel die Commonsbewegung oder solidarische Landwirtschaft usw., Also solidarische, bio vegane Landwirtschaft natürlich und solche Sachen. Genau.

Stefanie Und du hast es ja gesagt: Wir könnten auf jeden Fall über die Rahmenbedingungen für ein herrschaftsfreies Zusammenleben sprechen. Da hattest du gerade schon mal kleinere Beispiele angesprochen. Ich denke auch, dass der Begriff „herrschaftsfrei“ sich dann nicht nur auf das Mensch-Tier-Verhältnis bezieht, sondern einen viel weiteren Kontext hat. Kannst du dazu noch etwas sagen?

Hartmut Kiewert Ja. Du hast ja vegane, sozial- und klimagerechte Zukunft angesprochen. Dass Du da so drüber nachdenkst. Und das gehört natürlich zusammen. Also unser Verhältnis zu Natur und nichtmenschlichen Tieren radikal zu verändern, auch, wie wir Menschen uns untereinander organisieren. Das ist, glaube ich, einfach miteinander konstitutiv verschränkt, also auch die Legitimationsideologien, die Herrschaft innerhalb von menschlichen Gesellschaften legitimieren und soziale Hierarchien zu konstruieren oder vielmehr die Legitimation für die sozialen Hierarchien liefern, die hängen ja ganz stark mit diesem Dualismus von Trennung gegenüber Natur und anderen Tieren usw. zusammen. Wie das wahrscheinlich als erste im deutschsprachigen Raum Birgit Mütherich analysiert hat, auch und genau, also das muss mensch zusammen denken. Und ich denke, dass ein herrschaftsfreier Anspruch andere Tiere mit berücksichtigen und die mitdenken muss und umgekehrt. Eine vegane Bewegung oder Bewegung zur Befreiung der Tiere muss auch die Herrschaftsverhältnisse zwischen Menschen mit reflektieren und darauf hinarbeiten die zu überwinden.

Stefanie Und Deine Bilder sind jetzt erstmal so ein Zwischenschritt, weil wir ja aufgrund unserer jetzigen Situation einfach noch nicht in die Zukunft sehen können?

Hartmut Kiewert Die knüpfen an einer Alltagswelt, wie wir sie heute auch viel haben, an, so wie urbane Räume auch heute gestaltet sind. Ich arbeite da vor allen Dingen erst mal mit so einem Irritationsmoment, wenn dann Schweine oder Puten auf einmal in der Innenstadt rumstehen oder an einer Bushaltestelle. Das sehen wir ja heute so nicht im Alltag und da wird erst mal eine Irritation hervorgerufen und ein anderer Blick auf diese Tiere, die heute objektifiziert und als Nahrungsquelle angesehen werden - was natürlich gar nicht geht und vollkommen falsch ist - und um da ein anderes Verständnis vor allen Dingen und eine andere Perspektive auf diese Tiere hervorzurufen und zum Nachdenken anzuregen, sind diese Verschränkungen dieser Art, meinetwegen auch collageartigen oder collageartig wirkenden Bildräume, dann der erste Aufhänger, was ich damit bewirken will.

Darüber hinaus, gerade so in den letzten zwei, drei Jahren habe ich dann auch noch mal versucht, genauer in die Bildräume das Thema Verkehrswende, Mobilitätswende oder auch so Fragen wie ist der Raum im urbanen Bereich vor allen Dingen gestaltet und wie könnte das eigentlich anders sein? Also wenn sich dann Kühe und Menschen und Nebelkrähen so den Straßenraum aneignen, dann ist es zwar erstmal noch so, dass das eine Asphaltfläche ist, aber das verweist natürlich auch darauf, dass sich das auch noch verändern müsste, um dann auch einen guten Lebensraum für diese Lebewesen zu bieten, also nicht zuletzt auch für die Menschen zu bieten. Also Autos zum Beispiel, um jetzt ein bisschen konkreter zu werden, wenn ich mir jetzt eine vegane oder sozial gerechtere Zukunft vorstelle, dann ist diese Form von individueller Automobilisierung irgendwie, das muss natürlich weg. So, das ist völliger Irrsinn. Und da könnte mensch dann anstelle dessen viel mehr Grün in die Städte reinpflanzen oder auch Nahrungsmittel in den Städten zum Beispiel angebaut werden usw. Das verweist, ohne das auszuformulieren, also diese Art von Bildern dann auch so ein bisschen in so eine Transformationsrichtung.

Stefanie Wenn wir da mal dabei bleiben, ich habe jetzt gerade gedacht, letztlich sind deine Bilder ja vielleicht ein Zwischenschritt zwischen dem, was wir jetzt haben und dem, was dann noch kommen kann. Also wie es dann noch immer besser wird, also hin zu dieser wirklich klima – und sozialgerechten Zukunft. Und letztlich genau das, was du sagst, was ist die Grundvoraussetzung oder was heißt Grundvoraussetzung? Was sind Voraussetzungen, damit die Tiere da überhaupt auf der Straße leben können oder einfach sein können? Ist ja genau das, was du sagtest, dass Mobilität anders gelebt werden muss. Das heißt, es verschränkt sich ja alles irgendwie miteinander. Hast du da noch mehr? Vielleicht Details, wenn wir uns das jetzt so vorstellen, vielleicht letztlich, wenn wir jetzt sagen okay, wir sind jetzt genau da in deinen Bildern, was müsste sich noch alles verändert haben?

Hartmut Kiewert Vielleicht noch, um einen so ganz, ganz einfachen, konkreten Vorschlag zu machen: Was ich ja auch schon angedeutet habe, wäre, dass wenn Mobilität irgendwie sinnvoller organisiert wird, was dann auch noch mal die Frage aufmacht, natürlich, nach der gesamten Reproduktion von Gesellschaft und und in Produktionsverhältnissen und auch so etwas wie Arbeit usw., also wie da Mobilität teilweise vollkommen sinnfrei organisiert ist, einfach weil es nicht an den Bedürfnissen der Menschen und anderer Tiere orientiert ist, sondern an Profitmaximierung und dann Leute für Bullshitjobs oder für Produkte, die auch wieder schnell kaputt gehen oder so, dann morgens aufstehen müssen, zur Arbeit fahren müssen usw.. Also das würde natürlich auch dann alles überwunden sein und und bedürfte dann auch viel weniger Mobilität.

Und so könnten dann zum Beispiel das, was wir jetzt überall in den Städten sehen, dass die Straßen zugeparkt sind und ganz viel Asphalt und ganz viele Parkplätze etc. an automobile Infrastruktur da ist, da könnten dann Alleen oder, was ich meinte, auch Gemüse angebaut werden oder so auf diesen Flächen und die Mobilität auch von der Geschwindigkeit runtergeschraubt werden auf so eine Fahrrad- und Fußgänger Geschwindigkeit. Das wäre die Maßgabe und nicht diese Hetze und Geschwindigkeit, die ja auch mit diesem ganzen Arbeitswahn und und dieser Geschwindigkeit von unseren heutigen Erträgen zusammenhängt. Das wäre ein konkret vorstellbarer Punkt. Erst mal denkt man das ist ja normal, überall stehen diese Blechkarossen rum und so, aber wenn die erst mal nicht mehr da sind, würden sich natürlich auch unglaubliche Möglichkeitsräume auftun. Und dann auch wiederum so etwas wie, dass es angenehmer ist, sich auf der Straße aufzuhalten, weil da keine Autos mehr fahren. Und dann würde auch der soziale Austausch wahrscheinlich viel besser, direkter funktionieren usw..

Also auch wenn wir jetzt dann diesen Arbeitszwang überwunden haben, es gibt da so Berechnungen aus den 90er von einem Anarchisten, der da mal ausgerechnet hat, dass eine fünf Stunden Woche komplett ausreichen würde, um den zivilisatorischen Standard zu halten - wo man natürlich auch drüber reden kann, was ist da jetzt eigentlich wichtig um Bedürfnisse zu befriedigen und so, ist natürlich auch ein Aushandlungsprozess - aber das, was notwendig wäre, um ein gutes Leben zu ermöglichen, hat er in den Neunzigern schon so kalkuliert auf fünf Stunden und jetzt mit einer noch höheren Produktivität in der Zwischenzeit kann das ja auch nicht mehr Zeit geworden sein. Und da ist natürlich auch dann ein Riesenpotenzial vorhanden für Muße und solche Dinge.

Stefanie Ja, das ist auch das, was ich in deinen Bildern eigentlich so gesehen habe, dass es da alles sehr entspannt zugeht. Also das ist auch irgendwie so meine Vorstellung davon, von einem guten Leben für alle, dass es alles irgendwie entspannter ist und wir nicht mehr von A nach B hetzen. Und auch dieses Lohnarbeit / Erwerbsarbeit, dass das alles was anderes ist. Also ich meine, jetzt ich als Frau sehe dann auch immer noch die Sache mit der Care Arbeit und den ganzen Dingen, da tut sich dann noch einiges auf, aber letztlich ja, Entspannung sehe ich irgendwie auch in der Zukunft, dass wir nicht mehr für diesen ganzen uns erstrebenswert erscheinenden Lebensstandard arbeiten müssen.

Hartmut Kiewert Genau, wir nehmen das was du ansprichst, mit Care Arbeit oder in diesem reproduktiven Bereich auf der Ebene. Das ist natürlich auch das, was im Kapitalismus quasi abgespalten oder ausgelagert ist, so als unbezahlte Tätigkeiten oder auch nicht gesehene Tätigkeiten, die das Fundament bieten und wo dann natürlich Frauen oder als Frauen gelesene Menschen noch mal doppelt ausgebeutet werden im Kapitalismus und das ist natürlich eine total wichtige Frage. Wenn die Rahmen sich verschieben und wenn dann die Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, wird sich das auch ganz anders organisieren lassen und bis hin auch zu Lebensmittelproduktion zum Beispiel, wo das ja heute auch auf einem völlig wahnsinnigen Niveau passiert, immer natürlich auch ganz stark zusammenhängt mit der Tierindustrie und der Produktion von Fleisch, Milch, Eiern usw., also wo natürlich auch eine unglaubliche Ressourcenverschwendung mit einhergeht, aber wo auch dann die Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten, trotzdem kaum davon leben können. Es zeigt ja irgendwie auch noch mal ganz klar - ganz allgemein gesprochen natürlich, das Tierhaltung abgeschafft gehört, ist sowieso klar - aber wie diese Bereiche auch innerhalb von Kapitalismus schlecht wegkommen. Es ist auch bezeichnend, dass die wirklich wichtigen Sachen, die die Bedürfnisse befriedigen, einfach so einen marginalen Stellenwert nur haben. Und das muss sich natürlich komplett ändern.

Stefanie Und auf deinen Bildern sind ja die Tiere dann mitten unter uns. Und was ich immer wieder beobachte und denke, ist, dass wir vor allem die Verbindung zur Natur verloren haben, dass wir eher so neben der Natur her leben und auch neben den meisten Tieren her. Was denkst du, wie muss sich unser Verhalten und unsere Verbindung, die Art und Weise, wie wir mit den Tieren umgehen, was muss sich da in uns verändern, damit wir alle Tiere als lebenswert ansehen und damit es quasi eine befreite Gesellschaft geben kann?

Hartmut Kiewert Mir fällt da ein Melanie Joy, Sozialpsychologin, die da ja auch ganz viel zu macht, auch zur Empathie und auch zu Interspezies Empathie. Und die sagt ja, dass es erst mal eine antrainierte Blockade geben muss oder die erst mal erlernt werden muss in einer speziesistischen Sozialisierung um bestimmte Tiere als Objekte und als Waren zu sehen und um die Empathie Dingen gegenüber abzuschneiden. Also im Grunde wäre ja der Weg einfach diese Empathie wieder zuzulassen und das ist auch der Ansatz in meinen Bildern das aufzumachen, zu zeigen, dass Schweine und Kühe Individuen sind und Subjekte ihres eigenen Lebens und Akteur·innen und nicht, dass sie dafür da sind, um irgendwas für Menschen zu machen oder zu Waren verwurstet zu werden oder irgendwie dergleichen. Es braucht da mit verschiedensten Mitteln Strategien, um einfach diese Mauer einzureißen, weil grundsätzlich die Empathie eigentlich ja vorhanden ist, nur durch diese ideologische Rechtfertigung der Ausbeutung dann aufgebaut wird, in der Sozialisation, die ich ja auch durchgemacht habe.

Ich habe auch Fleisch gegessen, bis ich 20 war und dann aber als Kind irgendwie auch schon, als ich rausgefunden habe, das sind Tiere, gesagt habe, ich will nicht, dass Tiere sterben, ich mag Tiere und so, also da kam dann aber ganz stark dieses ideologische Argument auch wieder, was Melanie Joy geprägt hat, dieses „normal, natürlich und notwendig“ und so, und das ist ja auch absolut wissenschaftlich überhaupt nicht mehr haltbar. Das war damals so das Argument, ja, wenn ich kein Fleisch mehr essen würde, dann würde ich krank werden, dann würden mir Sachen fehlen und so Mangelernährung und das ist ja inzwischen mehr als widerlegt. Und genau da müssen wir auf den verschiedenen Ebenen versuchen, die Leute zu erreichen und diese Perspektive anders formulieren und dann auch die Praxis versuchen zu verändern. Ich kann mir auch vorstellen, dass sogenannte Nutztiere, dann auch frei leben können, in einer dann anders gestalteten Umwelt, wo Mobilität dann keine tödliche Gefahr mehr in dem Maße darstellt, wie das heute der Fall ist usw. und wo das auch kein ökologisches Problem würde oder so. Also das ist natürlich alles ein bisschen schwierig, aber ich seh auch neben dieser sukzessiven einfach Perspektive, dass die Menschen hoffentlich sukzessive auf Tierausbeutung verzichten und dann natürlich auch die Anzahl der Tiere, die gefangen gehalten wird, langsam sinkt und denen, die am Ende noch übrig bleiben, dann auch noch eine Option zu geben, sich zu domestizieren.

Und da kann dann vielleicht auch so ein Konzept von Lebenshof funktionieren, was es ja heute auch schon gibt. Wenn wir in einer Welt leben, wo Autos keine riesen Gefahr darstellen und wo das auch akzeptiert wird, wenn mal ein Waschbär oder so in der Stadt ist oder wo das zumindest kein Problem ist - einige finden das gut, andere nicht - aber wo dann auch ein ganz anderes Verhältnis zu den anderen Tieren, die mit uns sich den Raum teilen, den wir auch bewohnen, dann ein ganz anderes Verhältnis zu denen entstehen kann, also auch auch zum Beispiel gegenüber Tieren, die heute gejagt werden, wie zum Beispiel Rehen oder so, dass die dann irgendwie, wenn die merken, sie werden nicht mehr verfolgt und erschossen, dass sie dann auch die Angst verlieren vor den Menschen und sich da irgendwie auch Optionen auftun würden ganz anders auch in Kontakt mit diesen Tieren zu kommen und dann auch anhand von deren Bedürfnissen oder das, was wir vielleicht versuchen können zu verstehen, was die Bedürfnisse sind. Und da gibt es ja dann sehr naheliegende Dinge bei vielen Spezies, die wir dann nachvollziehen können und dann entsprechend auch in die Planung von Architektur, von Mobilität, von Landwirtschaft oder Gemüsebau usw., mit einbeziehen können.

Stefanie Ja, das finde ich total spannend, das ist total gut. Ich habe gerade so dran gedacht, Ich habe zwei Jahre lang neben einem großen Wald gewohnt und war da jeden Tag in dem Wald unterwegs und bin da zwischendurch auch Wildschweinen und Rehen begegnet. Und dann, wenn ich da mit anderen drüber gesprochen habe, haben die immer gesagt „Oh, hast du keine Angst gehabt vor den Wildschweinen?“ und ehrlich gesagt haben mir die Wildschweine nie was getan. Ich habe denen ja auch nichts getan. Wir haben uns nur kurz angeguckt. Aber auch dieser Vergleich, dass im Wald alle Tiere vor dir flüchten, aber an so einem Teich oder so die Enten auf dich zugerast kommen, weil sie denken, du fütterst sie. Das sind ja alles Dinge, die wir näher betrachten sollten, was ja auch wieder das Mensch-Tier-Verhältnis ist. Deswegen finde ich das total spannend, deinen Ansatz, also was du gerade sagtest, dass es viel um Bedürfnisse geht und dass wir da drüber nachdenken sollten, wie dann die Zukunft gestaltet wird, unsere Städte, der Raum generell. Ja.

Hartmut Kiewert Also da gibt es ja auch von Marc Pierschel den Film „Future Imperative“ wo er auch so ein bisschen der Frage nachgeht und dann Ansätze zeigt wie zum Beispiel das Problem von Glasfassaden, wo unglaublich viele Vögel sterben, weil sie gegen Fenster fliegen. Und wo dann, gerade in nordamerikanischen Großstädten, wo es viel solche riesigen Hochhäuser gibt mit sehr großen Glasfassaden, einfach unglaublich viele Vögel sterben und wie die Architektur geändert werden kann. Also also ob man jetzt solche Büro Wolkenkratzer überhaupt noch braucht in so einer Zukunft, die ja jenseits von so einem Arbeitswahnsinn und so stattfindet, ist natürlich auch nochmal eine andere Frage, aber das betrifft ja nicht nur Hochhäuser, es betrifft ja auch generell flachere Bauten, so dass das so ein ganz konkretes Beispiel ist. Oder eher Fassadenbegrünung oderals Dachbegrünung und auch in Bezug auf den Klimawandel und Wasserspeicher und auch besseres Klima in den Siedlungen und den Städten durch mehr Grün, das reguliert ja auch die Temperatur ganz stark und und und...

Diese Überlegungen gehen glaube ich einfach sehr sehr gut zusammen. Also die Idee von einer Tierbefreiung und einer klimagerechten, sozial gerechten Zukunft, da gibt es ganz viele Überschneidungspunkte oder Synergieeffekte, wenn wir das zusammendenken, dass sich dann Möglichkeiten, vielleicht auch neue Ideen dann auftun und da ist es dann auch ganz zentral zu schauen, was haben die anderen Spezies für Bedürfnisse. Also weil wir schlussendlich ja nicht als Menschheit irgendwie allein auf dem Planeten sind und wir können uns irgendwie von - keine Ahnung - irgendwelchen künstlichen Dingen ernähren oder von Erdöl oder was auch immer, was wir dann extrahieren, sondern wir sind ja von den anderen Spezies - Stichwort Insekten und Insektensterben usw. - ganz stark auch abhängig. Und auch das mitzudenken, diese Idee einer merkwürdigen liberalistischen kapitalistischen Ideologie denkenden Sichtweise über Bord zu werfen und auch zu sehen, dass wir verletzlich und abhängig sind und gar nicht anders können, eigentlich um zukunftsfähig zu sein, als ein komplett anderes Verhältnis zu anderen Tieren und zur Natur zu entwickeln.

Stefanie Wir gehören ja auch irgendwie alle zur Natur dazu. Ich hatte letztens noch so einen Gärtnerbetriebswagen da gesehen, also die Menschen, die hier die Grünanlagen pflegen. Da stand drauf: „Mach dir die Natur untertan, arbeite bei uns!“ Das ist ja irgendwie dieser Ansatz: wir müssen die Natur so herrichten, dass sie zu uns passt und nicht andersrum. Und ich denke, das ist ja auch das, was sich ändern muss.

Hartmut Kiewert Ja, ja, ja. Also auf der einen Seite ist natürlich, was so die Produktivitätsleistung von industrieller Landwirtschaft angeht, es eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, was da an Mengen auch produziert wird usw. so aber in größeren Zeitskalen oder auch auf eine Zukunft projiziert, kann das so nicht funktionieren. Die Böden werden degradiert und es gibt Artensterben durch diese Formen und es ist natürlich auch alles wieder sozial komplett falsch. Also das ist wahrscheinlich das eigentliche Grundproblem, die Form der hierarchischen Organisierung von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Stichwort „Ernährungssouveränität“ und dass die Menschen vor Ort entscheiden können, wie sie Landwirtschaft betreiben wollen und nicht irgendwelche Konzerne irgendwie Landgrabbing betreiben und da dann einfach wieder nicht die Bedürfnisse der Menschen im Blick haben, sondern die Profitmaximierung des Unternehmens im Blick ist. Und das ist einfach überhaupt nicht zukunftsfähig. Und genau deswegen müssen wir da unbedingt andere Wege finden, wie die Menschen wieder selbstbestimmt über ihre eigene Lebenswelt entscheiden können und nicht einfach nur als Anhängsel von dieser Megamaschine ihre Arbeit irgendwo verrichten sollen. Oder wenn sie nicht gebraucht werden, dann haben sie Pech gehabt.

Stefanie Wenn wir uns vorstellen, es hätte jetzt so eine Entwicklung stattgefunden, hin zu einem guten Leben für alle Lebewesen und es müsste sich ja dann das Verhältnis der Menschen zu den Tieren geändert haben. Könntest du das beschreiben, wie sich das ausdrückt?

Hartmut Kiewert Ja, also vielleicht am ehesten dadurch: es gibt so Erhebungen, dass in Berlin zum Beispiel mehr Füchse leben als drum herum, im ländlichen Raum, in Brandenburg oder so. Und dass wir vielleicht diese Tiere dann vermehrt sehen, weil sie merken, die Menschen sind keine Gefahr. Es gibt auch, abgesehen vielleicht von Ausnahmen wie für größere logistische Sachen, für größere Transporte, kaum noch große Fahrzeuge oder schnelle Fahrzeuge, die eine Gefahr sind. Ich glaube, die werden einfach ähnlich sichtbar wie vielleicht heute Spatzen oder Tauben oder so. Und auch da natürlich, dann werden auch die Architekturen, wenn wir jetzt gerade an Bahnhöfe denken, wo ja auch meistens sich viele Tauben aufhalten würden, dann nicht mehr überall diese Stacheln sein, sondern, dass das dann so gestaltet ist, dass es auch angenehm für die Tauben ist. Ja, ich glaube, wir würden dann noch viel mehr andere Spezies so direkt auch tagsüber vielleicht zu Gesicht bekommen, die wir heute, vielleicht nur nachts sehen.

Und das Verhältnis von von Menschen zu vormals domestizierten Tieren wieder auf freiwillige Basis zu stellen. Das beträfe natürlich auch zum Beispiel sogenannte Haustiere und so, dass es da dann auch die Möglichkeit gibt für diese Tiere, sich ihre Bezugsmenschen, wenn sie welche haben wollen, selbst auszusuchen. Umgekehrt natürlich auch dadurch, dass Menschen sich vorher domestiziert haben, haben wir natürlich auch eine Verpflichtung, uns um diese Tiere zu kümmern. Aber das muss dann auf freiwilliger Basis irgendwann passieren können, so dass sich auch Hunde und Katzen oder so, frei sich bewegen können und frei sich auch ihre Bezugsmenschen oder andere - Bezugspersonen müssen ja nicht unbedingt Menschen sein - aussuchen können. Und das wäre noch ein ganz wichtiger Punkt.

Das wäre vielleicht auch in Bezug auf, was ich vorhin auch schon kurz angerissen habe, auf Lebenshöfe, die ja heute in so einer Welt, wo das einfach nicht akzeptiert würde, wenn da auf einmal irgendwie ein Schwein in der Stadt rumlaufen würde, wo dann die Polizei käme - Polizei gibt es natürlich auch nicht mehr eine herrschaftsfreien Welt - also dass da einfach dann auch ganz andere Möglichkeiten sich auftun, mit den vormals domestizierten Tieren auch umzugehen. Also nicht nur mit sogenannten Wildtieren oder Grenzgängertieren, so wie das Sue Donaldson und Will Kymlicka in „Zoopolis“ formuliert haben, also welche, die schon in den Städten oder mit den Menschen zusammenleben, aber sich selbstständig organisieren. Also dass das auch den vormals domestizierten Tieren irgendwie ermöglicht wird und das dann auch eine Akzeptanz findet, weil es dann normal ist, dass dann auch andere Tiere in der Stadt rumlaufen, wo heute gesagt wird, so nee, das geht so nicht, die gehören da nicht hin und so.

Stefanie Was würdest du sagen, was gewinne ich, wenn ich in einer befreiten Gesellschaft bzw. in einer herrschaftsfreien Gesellschaft lebe? Also wenn sich das Mensch-Tier-Verhältnis dahingehend verändert?

Hartmut Kiewert Also ich habe natürlich viel reichere Beziehungsmöglichkeiten auch gegenüber anderen Tieren, wenn denen auch der Raum gelassen wird und die nicht mehr bedroht werden. Und der natürlich erst mal ganz entscheidende Punkt, wenn wir uns von diesen verrückten Verhältnissen befreien, in denen die Leute sich irgendwie gezwungen sehen, sich über Arbeit und Geldverdienen ihr Leben zu organisieren, entsteht einfach unglaublich viel freie Zeit, so disposible time. Und was ich vorhin auch schon meinte, ist, ganz viel der Arbeiten, die so erbracht werden, am Ende irgendwelche Schrottprodukte, die kaputtgehen hervorbringen oder Dinge, die grundsätzlich zerstörerisch sind. Beispiel Rüstungsindustrie oder Repressionen, der ganze Repressionsapparat mit Gefängnissen usw., wo es ja auch soziologisch klar ist, dass das kompletter Unsinn ist und einfach nur die Leben ruiniert von den Menschen. Und da muss auch ein ganz anderer Umgang mit gefunden werden.

Es würde einfach unglaublich viel Arbeit wegfallen oder das, was dann soziale Tätigkeit, Reproduktionstätigkeit wäre - auch die Frage, ob wir das dann noch „Arbeit“ nennen würden oder ob diese Form von Arbeit und Freizeit, so wie das ja in der Moderne auch getrennt ist, so wie auch Kultur und Natur oder so, ob das dann irgendwie auf einer anderen Ebene auch aufgehoben ist und so in freier Kooperation sich das auch vielleicht noch mal ganz anders erlebbar wäre. So auch dann die Sinnhaftigkeit von der Tätigkeit zu haben und unmittelbares Feedback vielleicht, als wenn jetzt irgendwer in einer Fabrik steht und irgend welche Dinge zusammenschraubt oder für irgendein Unternehmen irgendwas macht als Dienstleistung und gar nicht das Feedback hat, was hat das jetzt eigentlich irgendwie in der Gesellschaft bewirkt?

Wir können da eigentlich nur gewinnen, auch ganz egoistisch gedacht, in einer Welt zu leben, wo es einfach viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten für mich als Individuum gibt und viel mehr Zeit für Müßiggang oder so und - das jetzt wieder auf heute bezogen – das wäre worum immanent gekämpft werden müsste, um eine radikale Verkürzung der Arbeitszeit und auch zu überlegen, was ist überhaupt sinnvoll zu produzieren? Weil im Moment ist es ja so, dass zum Beispiel die Treibhausgasemissionen runtergehen, wenn es eine Wirtschaftskrise gibt und das ist die Herausforderung. Also das jetzt weniger dann wieder für die Zukunft gedacht, sondern wo der Weg wäre. Also wäre es wichtig sich von Dingen wie Standortdenken oder auch so das nationalistische und in Staaten organisierte und konkurrenzmäßig organisierte, das zu überwinden.

Mir fällt noch ein wichtiges Stichwort ein: diese Konkurrenz, die dann ja auch aufgehoben wäre und wenn die Rahmenbedingungen der Gesellschaft so wären, dass es darum geht, zu kooperieren, ohne Zeitdruck und so. Also das sind, glaube ich, so im Grunde ganz einfache Dinge, aber natürlich in der Weise, wie die Herrschaftsverhältnisse heute wirken und wie den Menschen nahegelegt wird zu agieren, ist das natürlich ein unglaublicher Widerstand, gegen den da angekämpft werden muss. Und aber wie gesagt, die Option auf eine offene Welt, in der nicht die - und da sind wir ja tatsächlich an der Stelle, der Weltklimarat, mit jedem Bericht der rauskommt, wird es immer klarer, dass wir uns einfach selbst absägen, den Ast auf dem wir sitzen und es gibt eigentlich keine Option für eine zukunftsfähige Welt, in der nicht genau diese Dinge überwunden werden und in der auch dann eine ganz andere Beziehung zu anderen Tieren sich dann etabliert. Also aus diesem Selbstzerstörungsmodus müssen wir einfach rauskommen.

Stefanie Und ganz konkret noch mal: Was würdest du sagen, was gewinne ich, wenn ich vegan lebe?

Hartmut Kiewert Für mich persönlich? Als ich dann aufgehört habe Fleisch zu essen und dann komplett auf tierische Produkte verzichtet habe, fühlte sich das einfach richtig an. Wenn wir diese Empathie gegenüber den anderen Tieren zulassen und uns dagegen nicht mehr versperren, gegenüber dem Leid, was angerichtet wird unter den heutigen Verhältnissen. Das stellt auch das eigene persönliche Verhältnis gegenüber anderen Tieren auf ganz andere Ebene. Und also, was ich vorhin auch schon meinte, wie wir dann anderen Tieren begegnen, dass wir das als bereichernd empfinden. Ich freue mich immer sehr, wenn ich nachts mit dem Fahrrad unterwegs bin und dann ist da ein Fuchs oder so und irgendwie, dass solche Begegnungen, also einfach als Begegnung für sich und vielleicht wer weiß, wie gesagt, was sich da in einer Gesellschaft, wo diese Tiere dann nicht mehr bedroht sind von Menschen, was sich dann da an Beziehungen aufbaut? Ich glaube, dass eine viel viel reichhaltigere Beziehungsebene gegenüber anderen Tieren möglich ist und sie sind einfach viel sichtbarer und präsenter dann in der Alltagswelt.

Stefanie Was machst du oder wie schaffst du das dranzubleiben, also nicht die Hoffnung zu verlieren, nicht aufzugeben. Also was gibt dir Hoffnung?

Hartmut Kiewert Ja, ich glaube einfach, es gibt so unglaublich viele Menschen, die sich auch auf den Weg machen und sehen, dass es so nicht weitergehen kann und tolle Sachen, tolle Projekte machen, gute Bücher schreiben, tolle Vorträge halten, tolle Aktionen machen und so. Wir sind nicht alleine oder ich bin ja nicht alleine, bin ja auch in verschiedenen Bewegungskontexten unterwegs und das gibt mir dann auch Hoffnung und Energie weiterzumachen. Also weil ich auch dann sehe, dass sich Sachen auch verändern können, so langsam, auch wenn es natürlich viel, viel zu langsam geht. Aber „the future is unwritten“ - wir wissen nicht genau, was kommt und wir müssen versuchen, dass es in eine emanzipative, positive Richtung geht und nicht in so eine autoritäre, dystopische Richtung. Und das ist unentschieden. Und ja, die Hoffnung ist da und die Potentiale sind da. Und ich versuche dann mit meinen Möglichkeiten daran auch teilzunehmen oder da irgendwie auch was zu bewegen.

Stefanie Und du hast doch bestimmt auch so Momente, wo du einfach das Ganze nicht mehr sehen kannst, das Tierleid und all dieses Schreckliche, was in der Welt passiert. Und das, wenn dich das so runterzieht, was hilft dir dann da wieder rauszukommen?

Hartmut Kiewert Hm, ja, also das ist natürlich gerade jetzt mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine zum Beispiel, das ist dermaßen furchtbar auch so, da auch so eine Hilflosigkeit auch erst mal zu spüren, wie auch bei vielen anderen Themen, wo wir drüber gesprochen haben und was, glaube ich, hilft, ist dann miteinander drüber zu sprechen oder auf eine Demo zu gehen gegen den Krieg. Und ja, also auch wenn das natürlich alles unzulängliche und unzureichende Dinge zunächst mal sind, in dem ich dann mich mit anderen austausche oder aktiv werde oder Aktionen mache oder jetzt in Bezug zum Mensch-Tier-Verhältnis auch mit den Bildern versuche da was zu bewegen. Das sind die Ansätze, aus dieser Hilflosigkeit herauszukommen. Es kann nie ausreichend sein, was wir als Einzelne machen können. Also das ist auch klar. Wir kommen da jetzt nicht alleine raus oder können das alleine ändern. Aber wie gesagt, wir können uns an der Bewegung oder in Bewegungen beteiligen, die genau diese Gewalt überwinden kann und überwinden will, die heute leider in diesen unglaublichen Ausmaßen existiert.

Und diese Grausamkeiten passieren, was, glaube ich, wichtig ist, um es noch mal in anderen Worten zu formulieren: Also diese Idee, dass zum Beispiel ja reine Konsumentscheidungen oder so etwas schon eine Veränderung bezwecken, das alleine reicht nicht aus. Es ist ein wichtiger Schritt und notwendiger Schritt , wenn ich sage, ich möchte Tierausbeutung abschaffen, dass ich dann natürlich auch selber nicht mehr diese Tierausbeutung finanziere und vegan lebe. Um aber gesellschaftlich was zu bewirken, muss es gesellschaftliche Bewegungen geben. Dann muss ich aktiv werden, muss ich mich darüber hinaus engagieren, also auf welchem Weg auch immer, so ob jetzt einfach drüber zu reden oder ob es Aktionen gibt gegen die Tierindustrie oder ob es in künstlerischer Form ist oder als Social Media, was auch immer. Wir sind da alle gefragt. Und dieses Bild, dass wir das über die Art, wie wir konsumieren, den Stimmzettel an der Kasse, allein entscheiden, das funktioniert meines Erachtens nicht. Wir müssen da drüber hinaus versuchen, wirksam zu werden, auch anhand der kurzen Zeit, die, die uns noch bleibt, zu einer zukunftsfähigen Form von Wirtschaft und gesellschaftlicher Organisierung zu kommen, brauchen wir jede und jeden und alle.

Stefanie Hast du Vorbilder, die dich inspiriert haben zu dem, was du tust?

Hartmut Kiewert Vor einigen Jahren, in den Nullerjahren noch, bin ich zum Aktionsklettern gekommen und zu Sachen wie Rebel Clown Army, Straßentheater oder auch Aktionstrommeln, die in der Form des Aktivismus noch mal – entweder, was das Bewegen an Strukturen oder den Bäumen angeht - was anderes ermöglichen, als nur sich auf der Straße oder so aufzuhalten oder was so die Ausdrucksweise angeht, auch musische Sachen reinzubringen in Aktivismus. Das mache ich auch, also was gerade so diese musikalische Sachen angeht, Trommeln und so. Und das ist auch was, was ja noch mal irgendwie auch etwas empowerndes hat, so zu schauen, was gibt es für verschiedene kreative Möglichkeiten auch sich da politisch auszudrücken und es gibt ja unglaublich viele. Was ich auch super finde, sind solche Kommunikationsguerilla Geschichten, wie „Deutschland fährt umsonst“, so was finde ich total inspirierend und spannend.

Stefanie Bei dir persönlich jetzt so als Künstler. Wie geht es da bei dir weiter? Du machst ja viele Ausstellungen, die man besuchen kann. Kannst du da noch ein bisschen was zu erzählen und wo man dich so im Internet findet?

Hartmut Kiewert Also aktuell läuft in Döbeln in einer kleinen Galerie im Stadtmuseum in Rathaus Döbeln eine Ausstellung „Animal Utopia“ noch bis zum 20. Mai 2022 und im Rahmen von der Ausstellung gibt es auch ein Rahmenprogramm. Da war jetzt letzten Freitag Hilal Sezgin, die einen Vortrag zu einem einführenden Vortrag zur Tierethik gegeben hat. Sehr großartig. Und am 29. April 2022 wird es im Rahmen der Ausstellung einen Vortrag von Daniel Hausmann, ein bioveganer Landwirt aus Rochlitz, geben, der zu den Möglichkeiten von rein pflanzlicher bio veganer Landwirtschaft einen Vortrag halten wird und dann am 20. Mai 2022 zur Vernissage wird Tom Zimmermann vom Tierbefreiungsarchiv dort auch noch mal einen Vortrag halten zur Geschichte der Tierbewegung. Das ist das, was in Döbeln jetzt stattfindet. Und die Ausstellung ist natürlich zu den Öffnungszeiten zu sehen und zu besuchen. Dann gibt es Ende April, am 23. April 2022 wird eine Ausstellung in Erlangen, im Klimaschaufenster eröffnen. Auch eine Einzelausstellung, die mit dem Titel „No cars go“, also nach einem Bild, was ich gemalt habe, was ich „No cars go“ betitelt habe, wo es auch um Verkehrswende geht, aber auch um die Verbindung von Verkehrswende und Tierbefreiung und die läuft dann in den Juni hinein bis zum 11. Juni 2022. Genau das sind so die beiden Einzelausstellungen, die laufen oder dann demnächst laufen. Und weitere Infos auch zu Ausstellungsbeteiligungen und so findet ihr auf meiner Webseite hartmutkiewert.de und auch auf den Social Media Kanälen Facebook, Instagram, Twitter, Mastodon. Da einfach auch nach Hartmut Kiewert suchen und bzw. auf meiner Webseite ist das auch verlinkt. Und da gibt es dann immer aktuelle Informationen und ansonsten gerne auch meinen Newsletter abonnieren.

Stefanie Okay, dann kommen wir jetzt tatsächlich zum Schluss dieses sehr spannenden und interessanten Gesprächs und ich danke dir sehr herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast, Hartmut und heute mit dabei warst.

Hartmut Kiewert Ja, liebe Stefanie, auch ganz herzlichen Dank für die Einladung zum Podcast. Und ja, ich fand es auch ein sehr spannendes und inspirierendes Gespräch und ich glaube, es hat mich auch noch mal dazu gebracht, Dinge noch mal ein bisschen weiterzudenken.

Stefanie Super, das freut mich natürlich. Also gut, normalerweise bin ich ja mit meinem Mann Carsten zusammen im Podcast und wir machen das Ende dann zusammen, so dass wir dann sagen, in Hamburg sagt man Tschüss. Aber da wir jetzt ja in Hamburg und in Leipzig sitzen, gibt es da irgendwie eine spezielle Abschiedsformel in Leipzig, so wie in Hamburg?

Hartmut Kiewert Keine Ahnung, aber ja, ich sag was auch Tschüß oder Ciao oder so etwas. Es gibt da glaube ich jetzt nichts, was jetzt so ganz regionalspezifisch wäre.

Stefanie Okay, gut, dann würde ich sagen Auf Wiederhören.

Hartmut Kiewert Tschüss.

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Folge 254 - Buchbesprechung: Die Weisheit der Pflanzen

Ein Beitrag

Folge 254 - Buchbesprechung: Die Weisheit der Pflanzen

Transkript (nur grob Korrektur gelesen)

Stefanie: Bevor wir jetzt mit dieser Folge starten, möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei allen Steady-Unterstützer·innen bedanken.

Carsten: Ja, vielen Dank.

Stefanie: Genau, finanzielle Unterstützung ist tatsächlich sehr wichtig für diesen Podcast und auch für alle anderen kostenlosen Angebote, die ich so für dich bereitstelle und deswegen ist natürlich auch das, was die Unterstützer·innen teilweise schon seit Jahren zahlen eine sehr, sehr wichtige und sinnstiftende Art und Weise, etwas zurückzugeben, denn diese Angebote sind tatsächlich nur für dich kostenlos und nicht für mich.

Ich hab immer noch laufende Kosten, die mir entstehen und dabei handelt es sich auch wirklich rein, nur um die laufenden Kosten und nicht darum, dass die Zeit die all das hier in Anspruch nimmt, irgendwie in Rechnung gestellt wird. Das berechne ich schon gar nicht, sondern wirklich nur diese laufenden Kosten und dadurch, dass es Menschen gibt, wie Andrea S., Corinna, Johannes L., Hans Jürgen, Martin H., Kathrin A., Andrea B., Mareike, Mara, Julia H., Birgit G., Jennifer, Ricke und Saskia, die diesen Podcast und auch die anderen kostenlosen Projekte teilweise schon seit bald 5 Jahren unterstützen, kann ich all das, was ich bisher kostenlos angeboten habe, auch weiterhin kostenlos anbieten.

Nun ist es natürlich verständlich, dass mich all diese Personen nicht ihr Leben lang unterstützen werden, denn das ist ja jetzt kein keine Verpflichtung auf Lebenszeit. So sind in den vergangenen Jahren auch durchaus immer mal wieder Menschen dabei gewesen, die dann ihre Unterstützung beendet haben. Was völlig verständlich ist und auch da bin ich wirklich total dankbar, dass sie mich überhaupt finanziell unterstützt haben. Die Kosten entstehen natürlich weiterhin das sind halt laufende, monatliche Kosten und deswegen wäre es super, wenn du das Gefühl hast ja, das gibt mir was dieser Podcast oder all die anderen kostenlosen Angebote, die ich für dich bereitstelle, sei es in der Vergangenheit vielleicht, der von Herzen Vegan Clan oder jetzt in der Gegenwart das Experimentarium oder eben die verschiedenen Podcasts und kostenlosen Kurse, die ich so zur Verfügung stelle. Wenn du das Gefühl hast, das gibt dir was und das inspiriert dich und du hast im Moment die Möglichkeit, finanziell etwas zurückzugeben, dann würde ich mich riesig darüber freuen, wenn du dich dazu entscheidest. Du findest den Link zur Steadyseite immer hier unter der Folge oder in den Show Notes oder wenn du auf die Webseite gehst, vonherzenvegan.de gibt es einen Button unterstützen und auch dort kommst du zur Steadyseite.

also nochmal der Aufruf es wäre wunderbar, wenn du dich dazu entscheiden könntest, mich und meine Angebote finanziell zu unterstützen, denn das ist ja alles werbefrei und ich halte es auch weiterhin werbefrei. Ich habe Kosten, die entstehen und trotzdem ist es so, dass es weiterhin kostenlos für dich zur Verfügung gestellt wird. Und du kannst schon anfangen, mit 2,50€ im Monat und da kannst du natürlich auch mehr zahlen und kannst auch für ein Jahr Dich verpflichten, aber es ist auch möglich, einfach nur zu sagen ich zahle einmal 2,50€ und das war's. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und wenn du Fragen dazu hast oder irgendwas unklar ist, dann schreib mir immer gerne an post@vonherzenvegan.de. Soweit zum organisatorischen.

Jetzt zu der Buchrezension und ich habe lange darauf gewartet, dass wir sie endlich aufnehmen können und ich musste auf Carsten warten.

Carsten: Ja, du bist mir quasi vorausgeeilt, doppelten Schrittes, also doppelt so schnell wie ich, würde ich sagen. Du hast das Buch nicht nur gelesen, sondern auch noch gehört.

Stefanie: Genau, ich hab auch die Möglichkeit gehabt, das noch als Hörbuch zu hören und dachte halt, ich höre das jetzt nochmal damit das präsent ist, aber so schnell ging das bei Carsten nicht, das Buch zu lesen. Ja um welches Buch geht es denn?

Carsten: Also es geht um das Buch „Geflochtenes Süßgras - die Weisheit der Pflanzen“ von Robin Wall Kimmerer.

Stefanie: Ich kann noch ergänzen, dass Robin Wall Kimmerer, Mitglied der Citizen Potawatomi Nation ist und das ist deswegen so wichtig nochmal zu erwähnen, weil sie zwar in den USA aufgewachsen ist, also us-amerikanisch geprägt, aber eben einen indigenen Hintergrund hat und in ihrem Buch das indigene Wissen, was sie in sich trägt und sich auch wieder neu angeeignet hat mit ihrem us-amerikanischen, wissenschaftliche Wissen verwebt, also das, was sie an der Universität gelernt hat.

Carsten: Genau, und das ist, finde ich, ganz wichtig, weil wenn man jetzt wirklich nur so den reinen Titel hört, „die Weisheit der Pflanzen“, dann denkt man so an Kräuterkunde oder so was und darum geht es wirklich nicht, also es geht hier tatsächlich wie du schon sagtest, um die Art und Weise, wie indigene Nationen den Umgang mit der Natur pflegen und das auf eine sehr anekdotenreiche Art und Weise also und das macht das Buch wirklich zu etwas ganz Besonderem.

Stefanie: Ich wage es schon gar nicht zu fragen, denn das ist so eine offensichtliche Überleitung, nachdem du das gerade schon gesagt hast „ganz besonders“ - wie hat dir das Buch denn gefallen, so allgemein?

Carsten: Ich habe tatsächlich verschiedenste Gefühle empfunden, als ich dieses Buch gelesen habe. Prinzipiell und grundsätzlich ist es tatsächlich auch eines von den Büchern, wo ich sage, es ist extrem wichtig. Vielleicht sogar eines der wichtigsten Bücher, was ich jetzt empfehlen kann? Was für mich sehr überraschend war: es hat meinen Blick auf die Welt doch nochmal gehörig geändert, ähnlich wie es damals bei mir war, als ich so in diese vegane Sichtweise reingekommen bin, wie das Hinterfragen des Mensch-Tier-Verhältnisses so ähnlich vielleicht. Nicht so destruktiv, aber so ähnlich fundamentalistisch bin ich mir beim Lesen dieses Buches vorgekommen, weil sehr viele Facetten auf einmal drin waren, die ich garantiert schon 1000 mal irgendwo gesehen und gehört habe, aber hier ist es wirklich sitzen geblieben und hängen geblieben, weil ich hier tatsächlich eine indigene Person aus ihrer eigenen Erfahrung aus ihrem eigenen Kulturkreis spricht und nicht irgendwie diese typischen „I*******“ - Geschichten, die man so im Fernsehen sieht oder irgendwo mitbekommt in diesen westlichen Geschichten.

Das Buch hat mich tatsächlich berührt, auf eine Art und Weise berührt, wie wenige andere Bücher das gemacht haben. Auch auf einer emotionalen Art und Weise hat mich auch durchaus im Zwiespalt gelassen, dann kommen wir vielleicht nachher nochmal drauf zurück und es ist halt sehr vielschichtig dadurch, dass sehr viel Wissen enthalten ist, was gar nicht ausschließlich so wissenschaftlich ist, sondern vielmehr was ich gerade schon sagte, so aus Anekdoten heraus fließt, wo dieses Verständnis klar wird, wie eine, ich mag es nicht sagen, wir eine alternative Sichtweise auf die Welt aussehen kann also, alternativ ist sie ja höchstens insofern, als dass sie schon tradiert ist. Sie ist ja historisch in indigenen Kulturen ja eigentlich schon verwurzelt. Und für mich trotzdem noch sehr fremd gewesen. Ja, also das ist, du merkst das schon, aus meiner Schilderung, ich kann dir keine einfache Antwort geben, ne also das einzige was ich sagen kann ist nur unbedingt die Lebens-, nein Leseempfehlung - Freudscher Versprecher.

Stefanie: Aber das passt doch – das Buch vermittelt auch eine Lebenseinstellung. Ja, also ich kann mich da auf jeden Fall natürlich anschließen, dass das von mir auch eine absolute Leseempfehlung ist und auch eine Lebensempfehlung insofern, als dass dieses Buch ja, wir hatten eigentlich ja schon zu dem Buch von Annette Kehnel gesagt, dass das so das Buch des Jahres ist. Das Jahr ist noch jung, denn dieses Buch hier ist es vielleicht dann noch eher, wobei ich denke, dass es sich eigentlich ganz gut ergänzt, weil das Buch von Annette Kehnel ja die europäische Sichtweise widerspiegelt und die jetzt von Robin Wall Kimmerer eben nicht, also vor allem historisch nicht widergespiegelt werden kann, schon durch die Kolonialisierung, das schon das waren ja eben Europäer innen aber nicht, wie das in Europa passiert ist, sondern ihr Buch bezieht sich auf indigene Weisheit, die es auf dem Kontinent Amerika gab und noch natürlich immer noch gibt.

Ich möchte noch dazu sagen, das dass Buch von Robin Wall Kimmerer schon 2013 erschienen ist. Ich bin aber wirklich erst in diesem Jahr darauf aufmerksam geworden, fast 9 Jahre später bin ich erst darauf aufmerksam geworden und das was sie schreibt, finde ich, ist heute noch genauso aktuell wie vor 9 Jahren und ich muss ja sagen, dass es erschreckend ist wie aktuell das eben damals schon war und wir haben ungefähr nichts getan.

Wir hatten schon mal in den vorangegangenen Folgen eine Filmreihe empfohlen, auf Arte, wo auch nochmal gezeigt wurde, wie indigene Völker auf dem Kontinent Amerika gelebt haben, in einem historischen Abriss und daran hat mich das teilweise ein bisschen erinnert, was hier beschrieben wurde, weil es da schon um ähnliche Aspekte ging, was ja auch irgendwie logisch ist, weil das ja die gleiche Geschichte beschreibt, solltest du also diese Dokumentation gesehen haben, dann wirst du da auf jeden Fall Parallelen erkennen.

Carsten: Im Vergleich zu dieser Dokumentation kam mir das Lesen des Buches tatsächlich intimer vor, nicht weil detaillierter auf die einzelnen Aspekte eingegangen wurde, sondern dieses Buch hat mich emotional viel stärker berührt, also eine Dokumentation anzuschauen und zu erfahren, wie tatsächlich indigene Völker in Amerika verwurzelt sind, waren also von der Historie bis in die Gegenwart das ist lehrreich. Das war informativ, das hat neue Perspektiven und meine Sichtweise nochmal geändert, aber dieses Buch, das ist noch durchaus fundamentaler angelegt.

Stefanie: Ich habe gerade überlegt, wir haben noch überhaupt nicht gesagt, worum es da so wirklich geht in dem Buch. Was würdest du denn sagen, was ist so die Kernbotschaft?

Carsten: Demut. Ein demütiges Verhältnis zwischen dem Mensch und der nicht-menschlichen Welt, den nicht-menschlichen Lebewesen, das ist etwas, was ich hier tatsächlich rausgenommen habe und das hat mich umgehauen, weil das in einer Klarheit und in einer auch ja emotionalen Art und Weise zumindest mir gegenüber vermittelt wurde, die ich sonst so nicht kenne also egal, was ich vorher gelesen, gehört oder gesehen habe. So stark berührt hat mich vorher noch nichts und Robin Wall Kimmerer bringt es auch tatsächlich mit diesem Begriff Demut öfters zum anklingen. Sie sagt wir brauchen eine ein demütiges Verhältnis. Wir brauchen generell Demut, ja also auch da, wo wir vielleicht aufgrund unserer, Ich nenne es jetzt mal westlich kulturellen Prägung glauben wir sind die Herren der Welt die Herren der Schöpfung. Wir können mit Gentechnik neues Leben erzeugen, was vielleicht vorher in der Natur gar nicht existierte. Wir können die Natur ausbeuten. Die Natur ist für uns Rohstoff Lieferant Wissens Lieferant. Sie dient uns Menschen, all das sind Sachen, da geht sie drauf ein und kommt auf den Punkt wir brauchen mehr Demut. Und was mich wirklich geflasht hat war, dass sie die Perspektive komplett ändert. Also das, was ich gerade beschrieben habe, dieses der Mensch steht über allem das dreht sie um basierend auf ich nenne es jetzt mal diesen indigenen Kontext. Dass sie sagt oder einfach klarstellt, das ist nicht meine Aussage, sondern eine Klarstellung, dass wir von den Pflanzen lernen müssen, die Pflanzen sind unsere Lehrmeister, die sind viel länger da, die sind viel älter. Die wissen viel mehr, aber wir erkennen dieses Wissen nicht an. Wir maßen uns an, das also ist schon wirklich eine Anmaßung, dass wir Menschen aufgrund unserer Intelligenz, aufgrund unseres Intellekts, glauben das Wissen nur bei uns existieren kann. Dieses Negieren und absprechen von Wissen bei anderen Lebewesen, das spricht sie ganz klar an. Und das ist mir so wie gesagt, in dieser Klarheit vorher gar nicht bewusst gewesen, das hat mich wirklich komplett geflasht.

Und was was mich auch wirklich bestürzt hat, war je mehr ich gelesen habe, desto mehr hatte ich das Bedürfnis, wirklich in direkten Kontakt, den Austausch zu gehen. Sie spricht immer von Reziprozität zwischen uns und den anderen nicht menschlichen Lebewesen, dass ich diese diese Verbindung wieder haben möchte. Und ich bin dabei komplett innerlich zerrissen, weil ich das im Alltag gar nicht integrieren kann. Ich sitze morgens in der Bahn, fahre zum Büro, sitze im Büro, sitzt anschließend wieder in der Bahn und bin zu Hause. So dieser Kontakt, dieser auch heilende Kontakt zur Natur, zum Mittel zur Umwelt, der ist mir im Alltag fast komplett verwehrt und die 2-3 Bäume, die ich da am Straßenrand an einer vierspurigen Fahrbahn sehe, das ist für mich kein Kontakt zur Natur, das ist ein optisches Aufhübschen einer betonierten Umwelt. So sauber, die auch daherkommen mag, aber das ist nicht das, was die Qualität des Lebens ausmacht. Und da habe ich tatsächlich eine innere Sehnsucht entwickelt, die ich vielleicht vorher so ganz vage gespürt habe. Jetzt ist es tatsächlich so ein bisschen herzzerreißend geworden, also im ersten Sinne des Wortes, ne, da sind wir wieder bei dieser emotionalen Komponente, die das Buch in mir ausgelöst hat.

Stefanie: Es ist total spannend. Carsten und ich haben uns bewusst vorher nicht wirklich viel ausgetauscht über das Buch. Aber einmal hatten wir schon über einen Teilaspekt, von dem gesprochen, was du gerade gesagt hast und ich hab das anders empfunden. Und dann hatten wir kurz darüber gesprochen, dann habe ich aber gemerkt, dass es besser ist, wir machen das, wenn das Mikro läuft, um nicht alles schon vorwegzunehmen. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich noch kurz ergänzen, dass die Autorin ja mit der Schöpfungsgeschichte startet, dem Vergleich zwischen der indigenen Schöpfungsgeschichte ihres Stammes, ihres Volkes (da gibt es ja eben auch ganz viele verschiedene Schöpfungsgeschichten.) und der christlichen Schöpfungsgeschichte. Einmal, dass in der indigenen Schöpfungsgeschichte ihres Stammes, die menschliche Mutter aller als Gast auf diese Erde kommt, als ich glaube, sie sagte auch als Migrantin. Dass sie aber herzlich willkommen geheißen wird, von all den Tieren und Lebewesen, den nicht menschlichen Wesen, die es dort schon gibt und im Austausch mit Geschenken und mit denen zusammen dann eine Erde schafft und neues Leben und Robin Wall Kimmerer beschreibt eben auch, dass die Menschen immer als kleine Brüder aller nicht menschlichen Wesen dort bezeichnet werden. Also genau das, was Carsten, was du gerade meintest, dass wir in Demut lernen sollen und auch dort flechtet sie immer wieder Geschichten mit ein, indigene Geschichten, Weisheit, was dort eben erzählt wurde. Wie die ersten Menschen halb göttlich, halb menschlich dort über die Erde gewandelt sind und was sie vom Schöpfer lernen sollten. Und das ist, wie Carsten sagte, schon in erster Linie Demut und auch etwas, was mich dann wieder, was ich schon mal in einer vorangegangenen Folge eben auch erzählt habe, da hatte ich ja diese Schöpfungsgeschichte schon vorgelesen, also ein Teil davon, diese Verbindung mit der Schöpfung mit der Natur, mit dem was uns umgibt, also die Namen zu lernen und das benennen zu lernen das ist also etwas, wovon sie spricht und wovon sie schreibt.

Bei diesen Büchern, wo es darum geht, wie retten wir jetzt die Welt? gibt es dann am Ende so ein kleines Kapitel, wo steht „Okay, das können wir jetzt bewirken“ und das ist jetzt hier in dem Buch nicht so aufgebaut. Das sind eigentlich teilweise so in sich abgeschlossene Essays, die aneinandergereiht sind, aber es ist alles, hat einen großen Spannungsbogen sozusagen, also es ist alles wunderbar stimmig. Und zum Ende hin spricht sie eben auch darüber, wie wir dieser Gier nach mehr mehr mehr begegnen können, dieser Konsumgier und, ja, auch der Gier des weißen Mannes, in dem Sinne. Und da spricht sie zum einen von Demut, aber auch davon, dass Fülle quasi das Mittel gegen die Gier ist und dass Fülle aus Dankbarkeit entsteht.

und da habe ich gedacht, ich bin auf dem richtigen Weg, denn Dankbarkeit ist auch für mich ein Schlüssel wirklich zu Erfüllung und auch mit dieser Welt halt zurecht zu kommen und deswegen habe ich ja auch angefangen habe ich diese Aktion gestartet #FülleStattVerzicht und versuche auch jetzt diese Geschichten zu schreiben. Deswegen biete ich auch diese Möglichkeit an, dass du mit mir in eine Klimagerechte Zukunft reist und deswegen gibt es auch das Experimentarium.

also es fügt sich alles so eins ins andere und während Du, Carsten, sagst, dass vieles für dich vielleicht neu war, war es für mich eher so sehr viel Bestätigung. Dass ich gedacht habe ja ja endlich endlich versteht mich mal jemand, endlich gibt es da mal eine Person, die genau das schreibt, was ich die ganze Zeit schon fühle, aber ich fühl mich eigentlich immer falsch. Denn ich will da gleich nochmal eine Passage zitieren, denn sie hat genau dieses Problem, dass sie versucht, ihre indigene Weisheit, ihr indigenes Wissen mit dem westlichen Wissen zu vereinen und dass indigenes Wissen immer negiert wird: das sind Gefühle, das geht nicht. Das passt dann nicht rein, oder das ist nur das Wissen von alten Frauen. Das kann nicht wissenschaftlich sein.

Das ist ja auch was, was Vandana Shiva schon sehr häufig und immer wieder sagt, dass auch dort in Indien es eben sehr viele alte Frauen gibt, die sehr viel Wissen über die Natur und über alles, was sie umso umgibt, in sich tragen. Die werden aber eben nicht als Wissensquelle, als validierbare Wissensquelle angesehen, weil sie kein Diplom haben oder irgendeinen wissenschaftlichen Abschluss. Und nur wenn du einen wissenschaftlich westlichen Abschluss hast, dann wirst du auch anerkannt. Robin Wall Kimmerer ist studierte Botanikerin. Sie ist auch Professorin, also unterrichtet auch an einer Uni im Bundesstaat New York und sie beschreibt hier zu Beginn des Buches, wie sie studierte Botanikerin wurde. Sie wurde beim Einschreiben in das Fach gefragt, warum sie denn jetzt Botanik gewählt hat und dort dann überlegte wie konnte sie ihm jetzt erklären, dass sie eine geborene Botanikerin war, weil sie halt ganze Schuh Kartons voller Samen und stapelweise gepresste Blätter unter ihrem Bett hat, dass sie am Straßenrand vom Fahrrad sprang, um eine neue Art zu bestimmen, dass die Pflanzen ihre Träume bunt machen und dass die Pflanzen sie erwählt hatten, und sie wusste irgendwie nicht so genau, wie sie es sagen sollte und hat ihm dann gesagt, sie hätte sich für Botanik entschieden, weil sie lernen wollte, warum Astern und Goldrute zusammen so schön aussahen und sie schreibt dann hier weiter

„Bestimmt lächelte ich in meinem roten Flanellhemd. Er dagegen lächelte nicht. Er legte den Stift nieder, als bräuchte man das, was ich gesagt hatte, gar nicht erst festzuhalten. 'Miss Wall', sagte er und fixierte mich mit einem gequälten Lächeln. 'Ich muss Ihnen sagen, dass das keine Wissenschaft ist, damit befassen sich Botaniker nun wirklich nicht.' Doch er versprach, mich eines besseren zu belehren ich schreibe sie in allgemeiner Botanik ein, dann können Sie lernen, worum es da geht und so fing alles an.“

Sie beschreibt dann weiter, was sie sich alles dabei gedacht hat und welche Euphorie da in ihr hoch gekocht war. Und letztlich beschreibt sie eben dann auch, dass es tatsächlich doch wissenschaftlich bewiesen ist, dass eben Astern und Gold gut aufgrund ihrer Färbung sich gegenseitig visuell verstärken und dadurch mehr Bienen anlocken und dadurch eben dann wiederum sich stärker vermehren. Also es tatsächlich eine wissenschaftliche Begründung gibt, warum Astern und Goldrute gemeinsam so schön aussehen und sie schreibt hier weiter

„'Unwissenschaftlich', sagte er und er sollte das schließlich wissen, wie er da in seinem Labor saß. Ein gestandener Professor, der Botanik. 'Und wenn Sie die Schönheit studieren wollen, sollten Sie an die Kunsthochschule gehen.' Das erinnerte mich an meinen Schwanken bei der Wahl eines Colleges, denn ich hatte zwischen einer Ausbildung zur Botanikerin oder zur Dichterin gezögert, da jeder mir sagte beides ginge nicht, hatte ich mich für die Pflanzen entschieden und jetzt gab er mir zu verstehen in der Wissenschaft geht es nicht um Schönheit, nicht um die Umarmung von Pflanzen und Menschen. Ich wusste keine Antwort, ich habe einen Fehler gemacht, ich empfand kein Aufbegehren, war nur betreten wegen meines Fehlers. Mir fehlten die Worte zum Widerstand. Er schrieb mich in meine Kurse ein und ich wurde entlassen, um mich für die Einschreibung fotografieren zu lassen. Damals dachte ich nicht darüber nach. Aber es war eine Wiederholung. Ein Echo des ersten Schultags meines Großvaters, als ihm befohlen wurde alles – Sprache, Kultur, Familie - hinter sich zu lassen. Der Professor ließ mich an meiner Herkunft zweifeln, an meinem Wissen und behauptete, seine Denkweise sei die einzig wahre, nur die Haare hat er mir nicht abgeschnitten. Bei meinem Schritt von der Kindheit in den Wäldern an die Universität war ich, ohne es zu merken, von einer Weltsicht zu einer anderen gewechselt. Von einer Naturgeschichte der Erfahrung, in der die Pflanzen meine Lehrer und Gefährten waren, denen ich in wechselseitiger Verantwortung verbunden war, ins Reich der Wissenschaft. Die Fragen, die die Wissenschaftler stellten, lauteten nicht ‚Wer bist du?‘, sondern ‚Was ist das?‘. Niemand fragte die Pflanzen ‚Was habt ihr uns zu sagen?‘ Die wichtigste Frage hieß ‚Wie funktioniert das?‘ Die Botanik, die man mir beibrachte, war reduktionistisch, mechanistisch und strikt objektiv. Pflanzen wurden auf Gegenstände reduziert, sie waren keine Subjekte. Die Methode, nach der die Botanik konzipiert und unterrichtet wurde, bot offenbar nicht viel Raum für jemanden, der dachte wie ich. Die einzige Erklärung, die ich dafür finden konnte, brachte mich zu dem Schluss, dass das, was ich seit jeher von den Pflanzen gedacht hatte, falsch sein musste.“

Und weiter später schreibt sie noch

„Der indigene Professor Greg Cajete schreibt, dass wir einen Gegenstand erst dann verstehen, wenn wir ihn mit allen 4 Aspekten unseres Seins wahrnehmen: Verstand, Körper, Emotion und Geist. Als ich meine akademische Ausbildung begann, bekam ich ziemlich deutlich zu spüren, dass die Naturwissenschaft nur eine oder vielleicht zwei dieser Wesensformen akzeptiert: Verstand und Körper.“

Eigentlich müsste ich das ganze Buch vorlesen. Weil wirklich alles so zitierungswürdig ist und ich empfehle dir auch wirklich und Carsten sagt das ja auch dieses Buch zu lesen. Es ist ein großer Schatz an Wissen und selbst wenn du am Anfang eines Kapitels vielleicht das Gefühl hast, wohin will sie denn jetzt? Also ist das denn relevant? wirst du merken, dass im Laufe des Kapitels alles relevant ist, was sie sagt. Ist Dir das auch so ergangen?

Carsten: Ja, es ist mir auch so gegangen und ich kann dir beipflichten. Also ich hab irgendwann mal drüber nachgedacht mitzuschreiben und die Passagen raus zu schreiben, wie ich das vielleicht bei anderen Büchern mache, wo ich merke ok, das ist wichtig für mich. Aber bei diesem Buch hätte ich fast das komplette Buch irgendwie aufschreiben können, also es ist es Wahnsinn, wie gefüllt dieses Buch mit wirklich ganz wichtigen Aspekten ist und trotzdem ist es anekdotenhaft geschrieben.

Stefanie: Ja, es ist sehr leicht zu lesen.

Carsten: Stimmt. Und ja, es hat für mich eine komplett neue Weltsicht nochmal tiefer erschlossen. Eine von der ich vielleicht im Vorfeld wusste, was ich vorhin schon sagte, aber wo ich jetzt von der Tiefe des Verständnisses sehr auf eine ganz andere Ebene gekommen bin durch das Lesen.

Stefanie: Und ich möchte noch mal eingehen auf die Zitate, die ich gerade genannt habe. Das ist jetzt nur ein kurzer Auszug von dem, wo ich dachte ja, so fühl ich mich auch, ich fühle mich auch schon seit Jahren irgendwie zerrissen zwischen diesem Anspruch wissenschaftliche Fakten immer nur Fakten, Fakten alles andere ist esoterisch, Du musst dich an Fakten halten, Gefühle haben hier nichts zu suchen. Diese Erfahrungen die sie gemacht hat, das Gefühl, dass einfach mehr Dimensionen eigentlich da sind, wenn es um die Verbindung zwischen der nicht-menschlichen und der menschlichen Welt geht, als das, was die westliche Wissenschaft hergibt. Vielleicht kann ich das so sagen.

Und dann auch nochmal das, was Carsten meinte, dass es für ihn teilweise neue Offenbarungen waren, da hatte ich eben das Gefühl , dass das vielleicht ein, auch wenn es natürlich mehr als 2 Geschlechter gibt, männlich, weiblich, Ding ist. Ich hatte jetzt das Gefühl, dass dadurch, dass ich mich als Frau sehe und ja, eben viel aus dieser Perspektive schon erlebt habe und auch viel gelesen habe, dass das etwas ist, was ich automatisch fühle und was für mich irgendwie klar ist. Auch dieses sich kümmern um die Welt. Vandana Shiva sagt, schützen, bewahren, erneuern, das ist quasi eine Aufgabe der Frauen oder der Menschen, die sich als Frauen sehen, und das ist etwas was, das ist irgendwie so in mir drin, ich fühl das so und jetzt will ich natürlich hier keinen Kampf der Geschlechter oder irgendwie sowas herausfordern, sondern das sind jetzt wieder Gefühle ja, ich habe irgendwie das Gefühl, dass das Menschen, die sich als Frauen definieren, näher liegt.

Carsten: Wird mit Sicherheit auch tatsächlich so sein, Ich kann es aus meiner Perspektive sagen, dass ich mich tatsächlich distanzierter zur Natur fühle und mein bisheriges Naturverständnis war stärker rational geprägt als emotional. Das heißt also wenn ich eine Naturliebe hatte, dann war sie entweder mit dem Hintergrund, dass wir die Natur hüten müssen, aufbauen müssen, jetzt im Kontext des Klimawandels, um tatsächlich das schlimmste und das Schlimmere zu verhindern oder um meinen eigenen Nutzen irgendwo wieder stärker rauszubringen dass ich in die Natur gehe, Natur genieße und selber was davon habe und so in diesem Kontext bin ich aufgewachsen, so hab ich das bisher immer empfunden und dieses Buch das hat wirklich für mich nochmal eine ganz andere Perspektive mit reingebracht, dass ich da eine ganz andere Nähe jetzt auch kennengelernt habe.

Weil wir vorhin jetzt bei Zitaten waren und jetzt auch über diese Sichtweisen gerade sprechen: Ein Aspekt, der für mich, als ich es gelesen habe, im ersten Moment richtig fremd war, so total strange, wie man immer so schön sagt, dass sie klarstellte im indigenen Kontext, ich weiß jetzt nicht, ob das allgemein indigen ist, oder in diesem Kulturkreis, in dem sie aufgewachsen ist oder was ihre Historie begründet gelten Bäume als Menschen. Das fand ich im ersten Moment so ja. Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe kann ich damit was anfangen. Ich habs verinnerlicht, ich kann es immer noch nicht wirklich erklären, dass es rational nicht begründbar, also zumindest für mich im Moment nicht, aber ich spüre diese Nähe nicht, dass ich jetzt Bäume aktiv anspreche wie Hey Partner, wie geht es dir heute? Oder so. also das ist jetzt noch ein gradueller Unterschied zwischen einem Menschen wie mich und einem Baum, aber ich glaub durch eine solche Sicht und auch Haltungsweise wird dann ganz andere Respekt zu diesen Lebewesen deutlich.

das ist auch noch ein anderer Faden, der dort da in dem Buch sehr gut eingesponnen und eingewoben ist, dass wir es mit Lebewesen zu tun haben. mit Leben ist nicht einfach so die Natur dieses Ökosystem, der Ökosystem Dienstleister und so ja. Der Berg, in dem jetzt irgendwie eher zu einer Kohle drin steckt, wo ich einfach nur mit Maschine reingehe und jetzt irgendwo die die Metalle daraus extra ihre sondern. All das sind Lebewesen, all das ist leben, all das ist ja wir, wir nehmen uns als Umwelt wahr. aber ich finde, es macht noch einen gehörigen Unterschied, ob ich jetzt von Umwelt spreche oder von Leben.

Stefanie: Oder von Mitwelt?

Carsten: Mitwelt ist nochmal ein anderer Begriff, der für mich nicht ganz so kalt wie Umwelt ist. Umwelt ist irgendwie nur einfach so ein Begriff. Mitwelt finde ich schon so ein bisschen besser. Aber bei Leben, dann empfinde ich da viel schneller, viel einfacher Demut und ich habe auch, wie gesagt, einen ganz anderen Respekt. Ich würde jetzt bei Bäumen wo ich vorhin so dieses Beispiel mit einem Baum Mensch mit reingebracht habe, ganz anders mit einem Baum umgehen. Ich würde jetzt nicht sagen ein Baum ist im Grunde genommen Holz. ja, wenn er dann irgendwie gefällt wird, dann habe ich Brennholz oder kann irgendwelche Sachen raus bauen oder so. Sondern ich habe jetzt auch durch das Lesen des Buches verstanden warum indigene Menschen mit entsprechenden Dankbarkeitsritualen an die, ich nenne es jetzt mal „Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse“ herangehen.

die gehen nicht einfach in den Wald und hacken einen Baum ab und flechten aus den Baumfasern einen Korb. Sondern da gibt es Rituale um den Baum erst mal tatsächlich zu fragen: „Darf ich dich fällen, darf ich dich zu einem Korb machen?“ und dann, wenn es da auf einer emotionalen ebene Widerstände gibt, dann akzeptieren sie das und dann gehen sie nicht hin und fällen den Baum trotzdem, weil es ja ein Baum ist und dafür sind Bäume ja da um gefällt zu werden. so das ist ja diese Sichtweise, die hier bei uns im im Kulturkreis vorherrscht, sondern dann wird halt der nächste Baum genommen und das gleiche Ritual durchgeführt, so lange bis dann irgendwo klar wird: ok jetzt habe ich einen gefunden und wenn sie halt den ganzen Tag durch die Gegend marschieren müssen, um tatsächlich auf die Suche zu gehen und einen Baum zu finden. Aber ich glaube das erzeugt ja auch nicht nur Demut, sondern auch einen Abstand zum eigenen Verhalten. Ich geh nicht so Rüpelhaft mit dem um, was mich umgibt, sondern ich achte es als Leben. Und da spricht Robin Wall Kimmerer über die ehrenhafte Ernte, das finde ich ein ganz tolles Konzept.

Stefanie: Ja, da müssen wir nochmal drüber sprechen. Ehrenhafte Ernte, das ist definitiv noch was, was wir natürlich aus der veganen Sichtweise nochmal beleuchten müssen, weil ehrenhafte Ernte auch durchaus umfasst, dass ich Tiere töte, Tiere esse und das ist aus meiner westlichen, europäischen Sicht das, was Menschen unter - jetzt doch das i Wort - unter „indianischer Lebensweise“ sehen. Würde ich jetzt so sagen, das ist mit Respekt vor dem Leben und so weiter und sofort. Letztlich ist das ja eine Herangehensweise, die sicherlich genauso wie du es gerade besprochen hast, bei ja Bäumen würde ich sagen ok, aber sie spricht teilweise auch über einen Pelzjäger, der das auch ehrenhaft betreibt. Ich weiß nicht, wie geht es dir damit?

Carsten: Ich habs schwierig gefunden, ich hab immer versucht so ein gedanklichen Weg zu finden zwischen ok, das ist indigene Kultur, die darf ich jetzt erstmal vielleicht auch aus diesem Aspekt nicht grundsätzlich kritisieren oder denen das Recht irgendwie absprechen, aber auf der anderen Seite denke ich mittlerweile ja aufgrund meiner veganen Historie ganz anders über einen Mensch-Tier Verhältnis und das egal wie stark ich das jetzt mit dieser ehrenhaften Ernte verbinde. Also ich komm da nicht drüber weg, dass dieses Mensch-Tier-Verhältnis noch anders gedacht werden muss. Also ich könnte es nicht, also ist jetzt nicht nur, weil es den indigenen Kontext hat, ist es auf einmal für mich vertretbar, sondern ich mach da schon noch einen graduellen Unterschied zwischen leidensfähigen Tieren und Pflanzen und Bäumen. Ja.

Stefanie: Ich also, für mich, ich hab da auch schon früher drüber nachgedacht, weil letztlich durch indigene Praktiken, ja eben das rituell teilweise eben dazugehört, Tiere zu töten auf eine gewisse Art und Weise. So dass das ja auch wieder ja zum einen Kolonialismus ist und eben ich als weiße westliche Frau sage indigenen Menschen sie dürfen jetzt keine Tiere mehr töten, also das geht natürlich nicht. Wenn ich jetzt aber indigene Weisheit auf mich und mein Leben übertrage und mich daran orientiere, würde ich sagen, dass für mich das funktionieren kann, ehrenhaft zu handeln, ohne Tiere zu töten.

Carsten: Ja, wobei hättest du das jetzt nicht angesprochen, bei mir ist es tatsächlich wieder so ein bisschen verdrängt worden, weil das für mich kein Thema ist, steht für mich völlig außer Frage, dass ich keine Tiere töten.

Stefanie: Ja, ich dachte nur, dass es halt wichtig ist, weil es ein ganzes Kapitel ist, das aus unserer veganen Sicht nochmal anzusprechen. Wir können ja sowieso nicht hier aus unserer westlichen europäischen Perspektive erzählen, wie die ganze Welt handeln soll, weil das nicht funktionieren kann. Wir können jetzt nur hier für uns sprechen, wie wir in Europa oder vielleicht im deutschsprachigen Raum uns anders verhalten können und ich denke, da sind wir mittlerweile so weit, dass wir ganz ohne Tiere zu essen oder tierliche Produkte zu essen überleben können und nicht nur überleben, sondern auch völlig ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden und natürlich, wenn ich jetzt die Wahl habe, ein Tier wird jetzt einfach in der Massentierhaltung geschlachtet oder ein Tier wird nach diesen Regeln der ehrenhaften Ernte geschlachtet, dann ist das durchaus klar, dass ich das besser finde. Die ehrenhafte Ernte funktioniert ja auch überhaupt gar nicht mit der industrialisierter Art und Weise zu wirtschaften. Weder Landwirtschaft im Sinne von Getreide oder sonst irgendwas, noch Tiere also, das heißt, das eine schließt das andere indirekt aus. Aber dann könnte man halt wieder sagen ja, aber Bio, bio ist so wie ehrenhafte Ernte. Das stimmt natürlich auch wieder nicht. Carsten schüttelt schon den Kopf...

So wahrscheinlich ist es am besten du liest das Kapitel und machst dir selbst ein Bild. Ich denke nur es ist wichtig, dass wir es hier einmal erwähnen und das, wenn du vegan lebst, dass du weißt, das wird in diesem Buch auch darum gehen. Und für mich kommt das so sehr nah an diese Verherrlichung dieser Lebensweise ran, also das halt Menschen hier im Westen im globalen Norden halt sagen, aber guck mal, so wie das die First Nations in den USA gemacht haben oder teilweise vielleicht immer noch machen, das ist das Ideal, um Tiere zu essen, um Tiere zu töten und ich denke, das ist es eben nicht. Das Ideal wäre keine Tiere essen, keine Tiere töten.

Carsten: Und wenn ich jetzt noch mal so auf diesen Aspekt eingehe: Ich glaub der Begriff „ehrenhafte Ernte“ ist ja auch nicht wirklich so hundertprozentig abgesteckt, es gibt viele Facetten und historisch gesehen, meine ich auch gelesen zu haben, dass wenn du unterschiedliche Personen fragst, fügt jeder einzelne neue Aspekte hinzu, also es ergibt sich wohl irgendwo ein Gesamtbild, aber es ist jetzt kein stringent festgeschriebenes Regelwerk, was in jeder indigenen Kultur immer identisch ist. Ja, was mich aber fasziniert hat war dieser Aspekt „Nimm nicht das erste, was du findest. Das könnte nämlich das letzte sein. Und nimmt nur die Hälfte von dem, was du brauchst oder was du vorfindest.“

Ja, das fand ich schon sehr, sehr sehr interessant, weil aus dem ersten Aspekt „Nimm nicht das erste“ hervorgeht, Du weißt ja gar nicht wieviel noch insgesamt da ist. Wenn du eine Pflanze findest, die du jetzt eigentlich suchst und du stellst fest ok hier wächst sie, könnte es ja durchaus so sein das es woanders keine dieser Pflanzen mehr gibt und damit würdest du sie quasi ausrotten. Und nimm nur die Hälfte, das ist ja auch wieder zum einen Demut, zum anderen aber auch der Aspekt, dass andere auch bedürftig sind. Wenn ich jetzt in so einer Situation bin und hab Hunger und möchte eine bestimmte Pflanze essen, dann muss ich eben auch berücksichtigen, dass vielleicht andere Menschen in der gleichen Situation sind und auch was essen möchten und nicht jetzt quasi alles nehmen muss, was ich jetzt gerade vorfinde. Dann nehme ich anderen was weg und das ist so eine Denkensweise, die gibts hier ja gar nicht. ja also wen interessiert das, wenn ich alles aus dem Regal rausräume, was ich im Supermarkt vorfinde?

Stefanie: Ja, das ist jetzt gleich aber sehr passend für die Situation seit 2 Jahren ja.

Carsten: Mhm, dann geht es ja hier in der Kultur erstmal nur darum, dass es mir gut geht. Ich, ich, ich. Ich brauch jetzt von allem mehr und ich brauche jetzt alles Tonnen Papier und ich brauche jetzt erstmal alles Pflanzenöl. Und irgendjemand wird schon dafür sorgen, dass dann wieder Nachschub kommt, ja, nicht meine Verantwortung so und da ist dieses mit der ehrenhaften Ernte eine ganz andere Kultur.

Stefanie: wobei Robin Wall Kimmerer ja auch schreibt, dass sie versucht hat, irgendwie im Supermarkt nach den Prinzipien der ehrenhaften Ernte einzukaufen und da irgendwie keine Verbindung herstellen konnte, das heißt, da fehlt uns ja einfach dadurch, dass alles nur noch im Supermarkt ist, die Verbindung. Wenn wir das jetzt selber herstellen würden oder eben zum Beispiel bei einer solidarischen Landwirtschaft oder so beziehen würden, also wenn wir wieder einen Bezug, einen direkten Bezug herstellen könnten, dann denke ich, können wir da auch viel eher nach dem Prinzip der ehrenhaften Ernte wirklich handeln. Nur es ist genau das, was ich jetzt schon seit vielen Folgen immer wieder mantraartig wiederhole und jetzt auch hier wieder: Es geht nicht darum mich und das individuelle Glück in den Vordergrund zu stellen, sondern die Gemeinschaft und da dann zu schauen, dass für die Gemeinschaft ausreichend da ist und dass ich innerhalb dieser Grenzen dann für mich Sorge und nicht „Unterm Strich zähl ich“ und da kommen wir aber wieder auf diesen Punkt. Wie gesagt, ich hatte das in einer der vorangegangenen Folgen nochmal vorgelesen, aber diese Schöpfungsgeschichte, wovon Robin Wall Kimmerer spricht, zitiere ich nochmal einmal hier

„Auf der einen Seite der Erde war die Beziehung der Menschen zur lebendigen Welt von der Himmelsfrau geprägt, die einen Garten für das Wohlergehen aller Lebewesen geschaffen hatte. Auf der anderen Seite gab es eine andere Frau mit einem Garten und einem Baum. Doch da sie von dessen Frucht gekostet hatte, wurde sie aus diesem Garten vertrieben. Das Tor fiel krachend hinter ihr ins Schloss. Diese Mutter der Menschheit war dazu bestimmt, durch die Wildnis zu wandern und sich ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts zu verdienen. Nicht indem sie ihren Mund mit den süßen, saftigen Früchten füllte, unter denen sich die Äste bogen. Sie wurde angewiesen, an dass sie sich für ihr Essen, die Wildnis in die sie verbannt worden war, untertan machen sollte.“

Und Robin Wall Kimmerer schreibt dann hier weiter

„Eine Frau ist unsere Gärtnerahnin. Eine Mitschöpferin der guten grünen Welt, die ihren Nachkommen zur Heimat werden sollte. Die andere war eine Exilanten, die sich einen mühseligen Weg durch eine ihre fremde Welt bahnte, um zur wahren Heimat im Himmel zu gelangen.“

also genau das, was Robin Wall Kimmerer sagt hier, ist ja das, was unser, also jetzt aus westlicher Sicht, unser Verhältnis zur Schöpfung prägt. Diese Erzählung, diese Geschichte, dass wir in dieser christlich geprägten Gesellschaft aus dem Paradies verstoßen wurden und uns mitgegeben wurde, mach dir die Erde untertan. Und du bist auch nur zeitweise auf dieser Erde, und das ist eine Reise hin in ein schönes Paradies also du hast gar nicht diesen Auftrag dafür zu sorgen, dass es der Erde gut geht, sondern es ist halt nur so ein Zwischenschritt zwischen dem Paradies, was du hattest, dann wurdest du vertrieben und dem Paradies, was dann im Himmel kommen wird und das sorgt ja einfach dann auch für eine ganz andere Grundeinstellung, als wenn ich eine Gärtnerahnin habe und dafür sorge, dass der Planet, die Erde, das alles, was mich umgibt gedeiht und das es ihm gut geht. Für mich war gerade das ziemlich einleuchtend und hat mir auch nochmal gezeigt: ja klar, wir sind einfach christlich geprägt, ob wir jetzt an Gott glauben oder nicht. Unsere Kultur, unsere Gesellschaft hier, wo Carsten und ich uns gerade befinden, ist christlich geprägt und das hinterlässt Spuren und all diese Geschichten, die wir uns erzählen. Unser Leben besteht aus Geschichten, die wir uns erzählen, Geschichten von Glück - das ist ja dieses was, Robin wollte ich jetzt auch schon sagen, Rob Hopkins, der Robin Hopkins, was er aber sagte: „Dieser Lippenstift wird mein Liebesleben verbessern“ oder so, also das sind Werbeversprechen, aber es sind auch Geschichten und genau so ist auch die Schöpfungsgeschichte eine Geschichte diese und da ja unser Leben aus diesen Geschichten gewebt ist, führt uns das dazu, dass wir die Verbindung verloren haben.

Carsten: Genau, dieses Buch, das hilft mir zumindest also mir jetzt persönlich wieder stärker in Verbindung gehen zu können zumindest jetzt erstmal so vom vom Gefühl und auch vom Verstand her, es hat mich schon viel viel näher an diese Verbindung gebracht. Also als kleines Beispiel: ich habe jetzt festgestellt, nachdem ich das Buch gelesen habe, dass ich sehr viel aufmerksamer oder achtsamer durch die Natur gehe. Auch auf dem Arbeitsweg. so ein ganz kleines Stück da, wo ich dann tatsächlich nochmal ein paar Bäume habe oder sowas, die nehme ich jetzt ganz anders wahr also schon in der Hinsicht, dass das mir auf einmal die Blüte der Bäume aufgefallen ist, Kirschblüte jetzt in dem Fall, das sind so Sachen da wär ich sonst immer dran vorbeigelaufen und ich hab ja nie eine richtige Verbindung dazu gehabt. Also Natur war für mich, dann machst du am Wochenende irgendwie mal ein Spaziergang draußen im Park oder fährst du einen Wald oder ein See? Das war so Natur, aber dass ich ja im Alltag auch Kontakt zur Natur habe. Das ist jetzt durch dieses Buch nochmal viel stärker in den Vordergrund gerutscht und für mich auch viel greifbarer und ja wie gesagt, ich habe so eine Achtsamkeit mitbekommen und es schmerzt mich jetzt auch zu sehen, wie verschmutzt die Natur ist. ja die anderen Lebewesen, also verschmutzt in der Hinsicht, dass auch überall Müll rumliegt, ne achtlos, was wir jetzt in Städten ja wahrscheinlich nochmal ausgeprägter feststellen als Menschen, die auf dem Lande wohnen, aber das sind so Sachen, die habe ich, bevor ich das Buch gelesen habe, ja vielleicht auch mit einer anderen Gleichgültigkeit ertragen können und jetzt merke ich schon es schmerzt, weil ich einfach denke boah, was passiert da jetzt eigentlich?

Stefanie: Ja, bei mir hat das halt das ausgelöst, dass ich gedacht hab okay, wir müssen jetzt die Namen der Wesen lernen, die uns umgeben, das hatte ich schon in einer vorangegangenen Podcastfolge erzählt und ich denke, dass das tatsächlich auch ein erster Schritt sein kann, dass du dich vertraut machst mit dem, was dich umgibt. Die meisten von uns wissen doch eigentlich gar nicht, was sie da umgibt. Also wir nehmen es vielleicht noch wahr, aber wie die Bäume heißen, wie die Pflanzen heißen, wie die Vögel heißen, die Tiere, die da so rumlaufen, was da so wächst, das wissen wir doch alles nicht. Wir betonieren das tun, das war's oder es wird halt abgeschnitten oder so oder weggemäht und ich denke, das kann halt ein erster Schritt auf jeden Fall sein. Und ich merk das eben auch bei mir selbst aber das, wie gesagt, hatte ich schon in einer vorangegangenen Folge alles erwähnt, deswegen will ich diese Folge nicht damit sprengen, das zu wiederholen. Mhm. Leider ist es auch so, dass das Buch so reich ist, dass wir jetzt hier eigentlich mehrere Stunden darüber sprechen müßten, um uns diesem Buch würdig zu zeigen.

Das heißt also nochmal eine klare Leseempfehlung: du solltest das Buch unbedingt lesen. Du kannst das auch hören, also es gibt es auch als Hörbuch. Aber eben auch zu lesen, je nachdem was dir besser liegt. und etwas, was mir das Buch auf jeden Fall nochmal mitgegeben hat, ist tatsächlich die Kraft der Geschichten. Also es hat mich in vielem bestärkt, aber auch wieder darin, wie wichtig es ist, Geschichten zu erzählen und dazu möchte ich jetzt noch eine Stelle zitieren aus dem Buch das ist aus dem Kapitel, wo sie über Licht und Mais Menschen schreibt.

„Sprache ist unsere Gabe und Aufgabe. Ich bin zu dem Schluss gelangt, dass Schreiben ein Akt des Gebens und Nehmens gegenüber dem lebendigen Land ist. Mit Worten können wir an alte Geschichten erinnern und neue erzählen, Geschichten, die Wissenschaft und Geist wieder in Einklang bringen und uns dabei helfen, Menschen aus Mais zu werden.“

Und dazu noch kurz die Anmerkung von mir, warum das so erstrebenswert ist, Menschen aus Mais zu werden. Tatsächlich ist das diese Maya Erzählung, die Legende der Maya, dass sie Menschen aus verschiedenen Stoffen geschaffen haben und immer wieder ausprobiert haben und Maismenschen begegneten der Welt, die sie ernährte mit Achtung und Dankbarkeit. Und den anderen Menschen, die teilweise aus Licht oder Lehm erschaffen wurden, fehlte immer etwas entweder Demut und den Lehmmenschen, glaube ich, die Intelligenz. Von daher allen anderen fehlte immer etwas und das sind quasi die idealen Menschen und damit schließt sich jetzt der Kreis. Ich hatte Carsten zu Beginn gefragt, was so seine Essenz des Buches ist und er sprach von Demut und ich hatte noch gesagt, dass Dankbarkeit und Fülle quasi das ist was gegen diese Gier und das weiter wie bisher wirkt also Demut und Dankbarkeit führen zu Fülle und Fülle bekämpft wiederum diese Gier, diese unersättliche Gier. Denn wenn ich Fülle habe, dann sättigt das ja meine Gier und das führt mich jetzt wieder zu den Geschichten, denn ich habe ja diesen Wunsch in mir Geschichten aus einer Klimagerechten Zukunft zu erzählen und ich denke, dass wir nur handeln, wenn wir Geschichten anhören, die uns erzählen, wie reich und voller Fülle dieser Alltag sein wird, in einer klimagerechten Zukunft und dass das eben ein Weg sein kann, sowie Robin Wall Kimmerer halt auch schrieb in dem letzten Zitat, dass Geschichten unsere Gabe sind, die Möglichkeit, etwas zu erzählen und dann eben auch die Möglichkeit von der Zukunft zu erzählen und das positiv also von daher: Wenn du dich angesprochen fühlst, hab ich da dieses Projekt, diesen Wunsch und natürlich bist du immer herzlich willkommen im Experimentarium, wo du jede Woche die Möglichkeit hast, mit mir in eine klimagerechte Zukunft zu reisen und dich darüber auszutauschen und Geschichten zu schreiben und mit Gleichgesinnten zusammen diese Gabe zu nutzen, die dir als Maismensch gegeben ist. Den Link zum Experimentarium findest du immer hier unter der Folge oder in den Shownotes.

Links zur Folge

Buch "Geflochtenes Süßgras - die Weisheit der Pflanzen" von Robin Wall Kimmerer
https://www.aufbau-verlage.de/aufbau/geflochtenes-sussgras/978-3-351-03873-1

Buchbesprechung "Wir konnten auch anders" von Annette Kehnel
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-247-wir-konnten-auch-anders-von-annette-kehnel

Möglichkeiten mich zu unterstützen:
https://stefanie-rueckert.de/unterstützen

Einladung zum Schreibclub über eine gerechte Zukunft

Ein Beitrag

Einladung: Lass uns gemeinsam aus einer klimagerechten Zukunft berichten.

Transkript (nur grob Korrektur gelesen)

In dieser Folge bin ich wieder allein und das ist auch tatsächlich hier nur eine kurze Frage an dich als Podcast-Hörer·in.

Du weißt ja, dass ich im Experimentarium schon länger anbiete mit mir in eine klimagerechte Zukunft zu reisen, sonntags immer für eine Viertelstunde und dir damit die Möglichkeit biete, quasi meditativ dir vorzustellen, wie es in einer klimagerechten Zukunft aussehen würde oder könnte und zwar dann nicht in irgendeiner klimagerechten Zukunft, sondern deiner klimagerechten Zukunft, in der ein gutes Leben für alle Lebewesen möglich ist.

Und seit ich das mache und eben auch immer mehr Folgen von Rob Hopkins Podcast „From what if to what next“ höre, ist in mir dieser Wunsch entstanden eine Art Schreibclub zu gründen, in dem wir uns gegenseitig Geschichten aus einer klimagerechten Zukunft erzählen, in dem wir Geschichten aufschreiben, Fragmente, uns untereinander austauschen und durch dieses Aufschreiben und Austauschen miteinander quasi eine klimagerechte Zukunft auf dem Papier zumindest erschaffen.

Dieser Wunsch schwelt schon länger in mir und ich wollte schon längst mal nachfragen, auch auf Mastodon und generell mal im Experimentarium, aber da bisher die Resonanz noch nicht so groß war auf all meine Versuche, dich dazu zu bewegen, mir deine Vision einer klimagerechten, einer veganen Zukunft zu erzählen, war ich jetzt einfach unsicher, ob das überhaupt etwas wird.

Aber ich dachte mir jetzt egal, dieser Wunsch wird in mir immer stärker und vielleicht finden sich ja tatsächlich Menschen, die mit mir zusammen schreiben wollen, die daran Freude haben und sich gerne mit mir darüber austauschen wollen. Ich denke, dass das was ganz Großes werden kann, was ganz Tolles, denn wir brauchen einfach eine Zukunftsvision, die in uns das Verlangen und die Sehnsucht entfacht genau dorthin gehen zu wollen, also für diese Zukunft zu kämpfen und aufzustehen und vielleicht auch Dinge zu verändern.

Als ich jetzt am Wochenende morgens wie immer meine Runde um den See gelaufen bin, da halte ich immer am See dann zum Ende hin noch einmal an, um ein bisschen ja so Dehnübungen zu machen und auch ein bisschen zu meditieren. und das ging jetzt beide Tage überhaupt nicht, weil dort alles zugemüllt war, also nicht komplett, aber es lag ziemlich viel Müll dort herum und viele Menschen hatten anscheinend am Abend vorher viel Spaß dort, haben aber ihren Müll nicht weggeräumt. Es lag Müll im See und eben daneben und dann musste ich erstmal aufräumen und habe mich dabei natürlich geärgert.

Du kennst das bestimmt also „Muss ich jetzt hinter denen her räumen“ und vor allem ich als Frau „bin ich jetzt hier wieder die Putzfrau für alle, sind wir Frauen, die Putzfrauen, die die Erde aufräumen“ - um das mal etwas weiter zu fassen. Aber jedenfalls solche Gedanken gingen mir durch den Kopf, aber ich wollte einfach auch, dass es für mich soweit ertragbar sauber ist, dass ich eben dort auch die Ruhe genießen kann und einfach am See sein kann.

und diejenigen, die dort gelagert hatten und den Müll hinterlassen haben, die konnte ich ja sowieso nicht mehr erreichen und wusste auch nicht, wer das war. Die habe ich nicht in flagranti ertappt. Und deswegen blieb mir ja auch einfach gar nichts anderes übrig, entweder den Müll liegen zu lassen oder ihn einzusammeln.

und am Sonntag habe ich dann überlegt, dass diesen Menschen offensichtlich die Verbindung zu ihrer Mitwelt fehlt, denn Menschen, die respektvoll mit ihrer Mitwelt umgehen würden, würden einfach keinen Müll hinterlassen oder den einfach so in den See schmeißen. Also da fehlen ganz offensichtlich Werte, die wir erst wieder lernen müssen, die meisten von uns und offensichtlich indigene Weisheit, die Menschen, die lange, lange, lange vor uns gelebt haben, alle intuitiv beherrscht haben, die wir jetzt uns wieder aneignen sollten.

und ich dachte für mich, damit es mir besser geht und ich mich nicht ständig aufrege über solche Menschen und mir an den Kopf fasse, ist es besser, wenn ich von dieser klimagerechten, sozialgerechten und auch veganen Zukunft schreibe und davon schreibe, wie es sein wird oder wie es dann da ist und aussieht und welche Werte dort gelebt werden.

Zum Beispiel existiert in meiner klimagerechten Zukunft gar kein Müll mehr, weil wir, so wie wir's im Mittelalter schon gemacht haben, dort tatsächlich wieder gelernt haben, Ressourcen wertzuschätzen und Müll an sich ist eben so gut wie gar nicht existent, weil wir uns auch dadrauf wieder zurückbesonnen haben, wie wertvoll das um uns herum ist, was uns umgibt, unser Planet, die Erde, unser Lebensraum und wir das, was früher vor allem für indigene Völker selbstverständlich war, wieder erlernt haben.

Und da habe ich für mich wieder gemerkt, ja ich würde so gerne mit anderen Menschen gemeinsam diese klimagerechte Welt auf dem Papier zumindest schaffen und mit dir, wenn du dich angesprochen fühlst, mich austauschen und immer mal wieder vielleicht einmal die Woche, vielleicht auch zeitunabhängig immer mal wieder eintauchen in diese wunderbare klimagerechte, sozial gerechte, vegane Zukunft in der ein gutes Leben für alle Lebewesen möglich ist.

Wenn Du Dich angesprochen fühlst, schreib mir gerne eine E-Mail an post@vonherzenvegan.de

Links zur Folge

Die neue Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Folge 253 - Maria rettet Hühner aus der Massentierhaltung

Ein Beitrag

Folge 253 - Maria rettet Hühner aus der Massentierhaltung

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Ich darf dich in dieser Folge herzlich willkommen heißen zur neuen Serie Mitglieder Portrait. Und zwar stelle ich im Experimentarium in dieser Serie in loser Folge Mitglieder aus dem Experimentarium vor. Und diese Interviews erscheinen erst im Experimentarium und dann ungefähr 4 Wochen später ungefähr wirklich nur hier im Podcast. Das heißt, wenn du gerne diese Interviews zuerst hören möchtest, dann werd doch Mitglied im Experimentarium. Ich lade dich ganz herzlich ein den Link findest du hier unter der Folge oder in den Show Notes. Es ist kostenlos, schau gerne vorbei.

Ich habe diese Serie ins Leben gerufen, weil ich dir damit zeigen möchte, was Einzelpersonen wie du und ich für tolle Dinge bewegen können. Den Anfang macht jetzt Maria, die ihren Traum verwirklicht und begonnen hat, einen eigenen Lebens Hof aufzubauen.

Maria erzählt in diesem Interview,

  • wie sie auf die Idee mit dem Lebens Hof gekommen ist
  • wie sie mit der Rettung von Legehennen angefangen hat und welche Tiere noch hinzugekommen sind
  • welche Widerstände es gegen das Projekt gab und wie sie es geschafft hat, trotzdem weiterzumachen
  • worauf du achten solltest, wenn du auch den Wunsch hast, Tiere zu retten und oder ein Lebens Hof zu starten.

Und jetzt wünsche ich Dir viel Spaß mit dem Interview mit Maria:

Maria, schön, dass du dir Zeit genommen hast. Und vielleicht stellst du dich einmal kurz vor. Wer bist du und wie sieht dein Alltag so aus, damit wir uns ein bisschen was darunter vorstellen können, wer jetzt da spricht?

Maria Ja, na klar, gerne. Also, ich bin Maria. Ich bin 32 Jahre jung oder alt, wie man mag. Mama von drei, fast vier Kindern. Und wir haben vor einem Jahr unseren Lebenshof „Zwei Welten, eine Familie“ gegründet. Einige kennen mich vielleicht von Instagram, da bin ich unter @maria.liebt sehr viel unterwegs und aktiv zum Thema Veganismus und Aktivismus. Und ich unterstütze Tierrechtsbewegungen und teile auch Einblicke von unserem Hof und von den Hühnerrettungen. Und ja, das war so die Kurzfassung. Also im Allgemeinen kann man schon sagen, dass wir unser Leben nach den Tieren richten, mit ihnen zusammenleben. Und das sind ja auch die Werte, die wir unseren Kindern vermitteln, dass die Tiere mit uns hier sind und nicht für uns. Und ja, das ist schön. Deswegen auch „Zwei Welten, eine Familie“.

Stefanie Ja, das klingt auch total schön. Dann erzähl doch direkt noch ein bisschen mehr über diesen Lebenshof, wie wir uns das genau vorstellen können.

Maria Also die Hühnerrettungen, das sind im Grunde genommen Rettungen von Hühnern aus der Massentierhaltung, also dieser sogenannten „Nutztierhaltung“. Das sind zum einen die Hennen aus dieser klassischen Eierproduktion, aber auch Elterntierrettung, das heißt, das sind Hennen und Hähne, die Eltern von den Masthähnchen. Die Masthähnchen kennt, glaube ich, jede·r, die an diesen schlimmen Hähnchenwagen verkauft werden. Und das sind dann die Eltern, die werden auch gerettet, weil die normalerweise nach 12 bis 15 Monaten zum Schlachthof gebracht werden. Und wir haben dann die Möglichkeit, die zu retten, aufzunehmen, auf unserem Lebenshof dann aufzupäppeln und zu versorgen und einfach leben zu lassen, dass die sich erholen. Und diese Tiere sind, wenn die ankommen nackt, die sind verletzt, die sind in einem erbärmlichen Zustand.

Also man muss sich mal vorstellen, das sind ja tausende Hühner, 30 bis 80.000 Tiere in so einer Anlage. Das ist eigentlich Folter. Das hat nichts mit Tierwohl zu tun. Und die Möglichkeit, dass wir die retten, das kommt daher, dass wir mit dem Verein „Stark für Tiere“ diese Tiere retten. Der Verein organisiert diese ganzen Rettungen und hat in ganz Deutschland verteilt Teams mit ganz vielen Helfer·innen, dass auch in so vielen Bereichen in Deutschland wie möglich Helfer·innen sind, Fahrer·innen sind, Retter·innen sind, dass man ganz viele Menschen erreichen kann, die Hühner aufnehmen. Und wenn es nur zwei Hühner sind, dann sind es schon zwei Leben. Dann ist ja auch schon viel geholfen und wir sind ein Lebenshof davon und nehmen Hühner auf. Wir retten die und nehmen die auch auf und behalten die, dass die bei uns leben können.

Stefanie Das ist total wunderbar. Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?

Maria Ja, auf die Idee bin ich eigentlich ganz einfach gekommen. Mein Lebenstraum war immer, einen Lebenshof zu haben und Tiere zu retten, die Hilfe brauchen und die zu versorgen und denen ein schönes Leben zu ermöglichen. Also eigentlich seitdem ich denken kann. Und dann kam das so 2020, im Sommer vor anderthalb Jahren sind wir hier in unser Haus gezogen und das war eigentlich Zufall, direkt daneben ist ein verlassenes Grundstück gewesen. Und dann habe ich mich schon gefragt: Was ist denn das für ein Grundstück, wem gehört denn das? Und habe mir das dann schon so vorgestellt, wie schön das wäre, wenn neben unserem Haus dann die Möglichkeit ist, so einen Lebenshof aufzubauen.

Und dann habe mich erkundigt bei der Gemeinde, wem das gehört und das gehört der Gemeinde. Es gehört niemandem, also der Gemeinde und es sind 1,2 Hektar meine ich, genau 1,13 Hektar irgendwie. Also über ein Hektar. Und lange Rede, kurzer Sinn: wir konnten das dann pachten, auf unbestimmte Zeit, so lange wie wir möchten. Ja, und so bin ich dann auf die Idee gekommen und zeitgleich über Instagram hatte ich dann einen Aufruf gesehen von „Stark für Tiere“, dass Hühner zu retten sind und dass die Adoptanten suchen. Und dann war klar: So, jetzt geht es los. Dann haben wir angefangen Ställe zu bauen, also Gehege und alles was Hühner so brauchen. Und dann ging das so Schlag auf Schlag, ungefähr genau im Frühling vor einem Jahr.

Stefanie Und was hat dir geholfen, dabei zu bleiben? Das ist ja jetzt nicht so einfach, auch sich immer diesem Tierleid zu stellen und diese Tiere zu versorgen. Also woher hast du zum einen auch das Wissen, um diese Tiere zu versorgen und zum anderen auch was hat dir geholfen dabei zu bleiben?

Maria Ja, also geholfen dabei zu bleiben hat mir einfach meine Motivation. Also dieses Warum. Weil wenn man für etwas brennt, dann macht man es einfach. Man muss es auch machen. Also das war ganz klar. Wenn ich die Möglichkeit habe, dann mache ich das. Wenn die Tiere hier ankommen. Ich wusste ja auch, auf was ich mich einlasse. Wenn man die rettet, wie die aussehen, wie verletzt sie sind usw und das ist auch echt schlimm. Die verkörpern ja dieses Leid und damit habe ich echt sehr doll zu kämpfen. Aber man macht es, weil man hilft denen ja damit und wenn die dann genesen und wenn es ihnen dann besser geht, dann ist das einfach, das kann man gar nicht beschreiben. Wenn man dafür so brennt, dann ist das das Schönste von der Welt, diesen Tieren zu helfen.

Und dann muss ich da durch, dass ich das selber ganz schrecklich finde, wenn es was bewirkt. Und für jedes einzelne Huhn ist es ja die Welt und das ist eigentlich mein Warum, meine Motivation, dass ich das liebe, was ich tue mit den Tieren und für die Tiere auch. Ja, und ich finde, es ist auch ganz wichtig, dass so nach außen zu transportieren, weil beispielsweise ein Ei ist ja nichts Dramatisches, wenn man jetzt hört ein Ei so. Aber was das eigentlich Grausames bedeutet, die Eierproduktion und dieses ganze Drumherum, was mit den Tieren geschieht, das gehört auch so zu der Arbeit dazu, dass man aufklärt, irgendwie guckt mal hier, das sind die Hühner, die für die Eierproduktion gehalten werden. Und ja, dass sich was ändert, das ist auch meine Motivation.

Stefanie Und das Wissen darum, wie du mit Hühnern umgehen kannst und so, wie bist du da dran gekommen?

Maria Also, wir hatten schon vorher Kaninchen, Katzen, Hund, also wir haben noch andere Tiere und ich habe mich dann erkundigt, belesen. Ich habe mich mit den anderen Helfer·innen im Verein ausgetauscht. Die haben mir gesagt wie viel Platz die Hühner haben müssen und das habe ich mir selbst angeeignet. So, wenn man sich für irgendwas interessiert, dann, dann kriegt man das auch hin.

Stefanie Also würdest du anderen, die jetzt so was vielleicht auch starten würden, auch sagen, es gibt diese Quellen und es ist relativ einfach?

Maria Total. Wenn man sich für irgendwas interessiert, dann liest man sich ja auch Wissen an und erkundigt sich und so. Jetzt bei Hühnern zum Beispiel, so schwer ist das gar gar nicht, Hühner zu halten. Jede Tierart braucht ja ihren Rahmen, was sie für Bedürfnisse haben, was sie brauchen, um gut zu leben. Und das kann man sich sehr gut selbst aneignen. Also und man lernt natürlich auch aus der Praxis. Wir haben jetzt hier Fälle gehabt, da waren die Hühner verletzt oder dann hatten wir ein Mobbing Opfer Huhn, was macht man da? Oder wenn die sich gegenseitig die Federn rauspicken, was einige nach wie vor noch ganz akut machen, weil die haben ja alle ihre Geschichte und einige haben auch Verhaltensauffälligkeiten teilweise und da wächst man daran, indem man sich gegenseitig austauscht mit anderen Menschen, die Hühner haben und diese ganzen Probleme schon durch haben und das ja, wenn man das nach gutem Wissen und Gewissen macht, dann glaube ich, macht man das schon ganz gut.

Stefanie Und gab es da auch irgendwie Widerstand, als du das umsetzen wolltest?

Maria Also Widerstände zu der Hühnerrettung selbst nicht. Aber als wir angefangen haben, hier den Hof oder erstmal das Grundstück zu bekommen, da gab es tatsächlich Widerstände. Und zwar wir hatten das ja beantragt bei der Gemeinde mit der Begründung für unser Vorhaben, was wir vorhaben mit Lebenshof und so und dann hieß es erst: Nein, keine Tiere, die stören nur mit ihrem Gestank oder Geräuschen die anderen Dorfbewohner. Das ist natürlich Quatsch. Wir haben ja nicht mal Nachbarn. So, und dann sind wir hartnäckig und dran geblieben. Und das würde ich auch allen Menschen raten, egal was man verfolgt, immer dran zu bleiben, wofür man kämpft. Ja, und dann hat es sich letztendlich gelohnt. Aber wir dürfen keine Großtiere halten wie Kühe oder Schweine. Und dann dachte ich erst, weil ich wollte ja Lebenshof mit allen Tieren haben, dass ich jetzt den Kopf in den Sand stecken kann und das alles hinschmeißen kann. Aber dann haben wir gesagt Hühner ist ein riesengroßes Thema. Dass wir uns dann auf Hühner und auch auf Schafe, also Lämmerrettungen, Osterlamm usw, also das ist auch eine Industrie, konzentrieren. Also wird unser Lebenshof hauptsächlich für Kaninchen, Hühner und Schafe sein.

Stefanie Und im Moment sind es aber erst Hühner. Oder sind die anderen Tiere auch schon da?

Maria Jetzt sind es gerade Kaninchen und Hühner und im Mai / Juni ist noch mal eine Elterntierrettung, da hatte ich auch schon von erzählt. Da bauen wir aktuell wieder neue Ställe, neue Gehege. Also es ist immer irgendwas zu tun. Also wir nehmen aktuell immer wieder fortlaufend Tiere auf. Ja genau.

Stefanie Und in der Nachbarschaft so drumherum, gibt es da irgendwie Widerstand oder wie sieht das aus?

Maria Wir haben ja gar keine Nachbarn. Man sieht schon andere Häuser, aber in weiter Ferne. Aber da gab es überhaupt gar keinen Widerstand. Die freuen sich eher, wenn die hier spazieren gehen und dann oh, guck mal da, Tiere oder Hühner oder die Hasen. Also es ist eher positiv, die machen ja auch keinen Gestank oder der Hahn kräht, da freuen die sich meistens drüber.

Stefanie Okay, also jetzt kein Gegenwind aus der unmittelbaren Umgebung.

Maria Im Gegenteil, die meisten Menschen finden das eigentlich toll, wenn man jetzt Tiere rettet. Das ist immer toll. Aber warum? Wir müssten diese Tiere ja gar nicht retten, wenn es das alles nicht geben würde.

Stefanie Klärst du da auch schon irgendwie auf, also so im Sinne von pädagogischen Führungen oder irgendetwas? Oder liegt jetzt erstmal das Augenmerk auf der Tierrettung?

Maria Ja, also jetzt so, dass wir irgendwie so Führungen machen, noch nicht. Aber ich denke mal, wir fangen jetzt an, das wird alles noch mehr. Wir haben da auch Vorstellungen, mit Aufklärung, das ist ja so wichtig, wenn jetzt zum Beispiel Leute aus dem Dorf hier vorbeigehen und wir sind dann gerade da und die bleiben stehen. Und wenn die dann da fragen, warum die Hühner so schlecht aussehen am Anfang, weil nach der Rettung sind ja wirklich ganz schlimm aus, dann kommt man so ins Gespräch und ich will denen ja auch sagen, warum das so ist und dass die da eine Verbindung haben. Wenn jetzt Menschen hier vorbeigehen, die nicht vegan leben, dass die auch verstehen, wenn die das kaufen, ist man irgendwo daran beteiligt, ob jetzt unsere Hühner hier oder allgemein die Hühner, dass die leiden und dass da diese Verknüpfung entsteht. Ja, das mache ich auf jeden Fall. Aber ich versuche es nicht vorwurfsvoll, sondern so, ja, ihr wisst das gar nicht, manche wissen das einfach nicht. Wusste ich ja vorher auch nicht. Und dann kommen wir schon ins Gespräch.

Stefanie Und wie sieht es mit deiner eigenen Familie aus? Hast du da Rückhalt oder gibt es da auch Widerstände?

Maria Nö, gar nicht. Also ich mache das ja mit meinem Mann zusammen. Die Idee und der Drang danach quasi kam ja von mir. Aber mein Mann ist da, handwerklich, er baut ja auch alles und die Kinder helfen mit. Es ist eigentlich gemeinsam. Wir leben ja mit den Tieren zusammen, wir alle, also nicht nur ich, sondern die Kinder und mein Mann. Es ist unser Hof.

Stefanie Und hast du das Gefühl, dass deine Kinder davon profitieren?

Maria Ja, auf jeden Fall. Total. Weil wenn man so sieht, wenn kleine Kinder mit Tieren zusammen aufwachsen und jetzt ist schlechtes Wetter, aber im Sommer, wenn wir dann viel draußen sind und dann wird vor dem Hühnergehege gepicknickt oder bei den Hasen. Wir gucken den Tieren dann zu. Und wenn die dann ankommen, dann fragen wir uns, was wollen die wohl? Haben die Hunger? Oder Guck mal, jetzt machen die das. Also das die so feinfühlig sind, dass Tiere Bedürfnisse haben und Empfindungen das ist einfach so schön, das ist so bereichernd auch und es ist ja auch das was die Kinder von uns zu Hause mitnehmen, weil die das ja automatisch mitbekommen.

Und wenn die jetzt in der Schule sind, im Kindergarten, der Kleine, der ist da, der versteht das alles so langsam. Aber die Großen dann auch. Wenn die dann zum Beispiel sehen, dass andere Kinder Hühner oder Eier essen, dann ist das natürlich wirklich schwierig, weil unsere Kinder dann mich fragen: warum machen die anderen Kinder das oder dass die einfach auch den anderen Kindern sagen: Möchtest du gequält und getötet werden oder so, da kommen dann auch Konflikte tatsächlich. Aber an sich das Leben an sich mit den Tieren ist total bereichernd, richtig toll.

Stefanie Und wenn jetzt andere, die hier zuhören, das auch machen wollen, was würdest du denen raten? Worauf sollten sie achten?

Maria Ja, also es kommt darauf an, was man möchte, wenn man jetzt auch ein Lebenshof haben möchte - man muss ja nicht gleich einen ganzen Lebenshof haben - aber so Tiere halten möchte, dann braucht man Platz. Das ist ja ganz logisch. Ohne einen Garten und ein bisschen Platz ist das schwierig. Und wenn man das nicht hat, dann kann man aber auch zum Beispiel auf anderen Lebenshöfen nachfragen, ob man da helfen kann. Füttern, saubermachen, streicheln oder kümmern. Allgemein, das zu tun, gibt es ja immer und die meisten Höfe freuen sich, wenn man Hilfe anbietet. Also das wäre zum Beispiel eine Möglichkeit. Oder wenn es um die Rettungen geht, da kann man sich auf jeden Fall engagieren, egal wo man wohnt und wie man wohnt, das kann man immer, weil Helfer·innen gerade in den Vereinen immer gesucht werden, um Fahrten zu übernehmen, um bei den Rettungen zu helfen. Also das kann man sich ja vorstellen, dass da jede helfende Hand oder jedes Auto, was fährt, Gold wert ist, weil umso mehr Tiere gerettet werden können und jedes einzelne Huhn, was zusätzlich gerettet wird, ist ja für das Huhn die Welt.

Stefanie Wenn wir uns jetzt vorstellen, Zuhörer·innen hätten jetzt genug Platz, was wären so die ersten Dinge? Was würdest du raten? Was sollten sie tun?

Maria Ja, also es ist natürlich alles vorausgesetzt, ein schlachtfreies Zuhause. Also dass man es gut meint mit den Tieren, davon gehe ich jetzt mal aus, die hier zuhören, da gibt es ja dann auch einen Schutzvertrag. Ja, und dann wäre so das Prozedere, dass man sich wie im Beispiel jetzt bei uns bei dem Verein „Stark für Tiere“, aber es gibt ja noch so viele Tierrettungsvereine, wenn man da sich mal erkundigt oder schlau macht, dann meldet man sich bei dem Verein und dann sagen die einem, wie das weitergeht, wann Rettungen sind, wo an wen man sich wenden kann und dann ist der Kontakt auch total einfach. Dann gibt es meistens E Mail Verkehr mit den jeweiligen Zuständigen und dann sagen die einem schon, wann wo was ist. Und dann kann man also Hühner aufnehmen. Ist nicht schwer, also da ran zu kommen, sag ich jetzt mal, die Möglichkeit zu haben.

Stefanie Und was bereite ich dann zu Hause sozusagen schon mal alles vor?

Maria Also genau zu Hause für Hühner jetzt speziell. Da braucht man dann einen Stall, wo die Hühner, sobald es dämmert, abends selbstständig reingehen können. Da muss man den Stall Fuchs und Marder sicher machen, dass da keine Raubtiere kommen. Und morgens kommen die wieder raus und man sagt pro Huhn zehn Quadratmeter Platz kann man sich dann ungefähr ausrechnen, wie viel Zaun man abstecken muss, dass die Hühner dann da eine Wiese haben, wo die dann scharren können und dann braucht man Futter. Da gibt es auch so spezielle Körnermischungen, gibt es alles im Internet, kann man alles bestellen oder die Hühner sind ja Allesfresser. Hühner satt zu kriegen, das ist gar kein Problem. Ja, eigentlich braucht man nur einen Stall, den man fest zumachen kann und Platz, also zehn Quadratmeter pro Huhn. So kann man sich dann ja ausrechnen, wenn man fünf oder zehn Hühner hat in einer Gruppe, dann braucht man dementsprechend den Platz.

Stefanie Und was kommen da so für Kosten auf einen zu? Wenn ich das jetzt machen würde, so ungefähr.

Maria Ja, ich habe das noch nicht ausgerechnet. Also ich bestelle einmal im Monat ein, zwei Säcke Futter und die Hühner kriegen ja auch ab und zu so Essensreste wie Nudeln oder Reis oder Kartoffeln oder Gurke. Und bisschen Stroh für den Stall. Wenn ich jetzt den Sack im Monat für 25 € habe, ich sage mal vielleicht 30 € im Monat für alles ungefähr ohne Tierarztkosten. Das muss man auch bedenken, wenn ein Huhn krank ist, dann können zusätzliche Tierarztkosten dazu kommen. Aber jetzt Futter und Unterkunft würde ich jetzt sagen, wenn man jetzt zehn Hühner hat, ungefähr 20 - 25 € pro Gruppe. Pro Huhn kann man das gar nicht ausrechnen. Aber man hat ja meistens sowieso eine Gruppe, weil man Hühner nicht alleine hält. Und dann ist das eigentlich überschaubar.

Stefanie Ja, aber man muss schon bedenken, dass Tierarztkosten noch dazukommen können, gerade bei diesen Hühnern.

Maria Und natürlich die erste Anschaffung, wenn man jetzt einen Stall baut. Wir haben jetzt für so ein Häuschen, was wir gebaut hatten, so 300 € gezahlt. Und dann brauchten wir mehrere davon. Die erste Anschaffung, das kostet schon. Man muss das investieren oder man baut es selber, aber auch Zäune oder Holz, wenn man alles selber macht, muss man irgendwo kaufen, auch wenn man es gebraucht kauft. Das wäre das. Aber die monatlichen Kosten sind überschaubar und Tierarztkosten, das ist wahr, wenn die verletzten Hühner kommen, das kann man dann noch nicht so kalkulieren, was wird da anfallen? Wir haben jetzt keine riesigen Tierarztkosten, wir hatten auch keine Operation oder so, wir hatten ein verletztes Bein, da hatten wir Schmerzmittel bekommen.

Stefanie Also es ist etwas, womit ich quasi gut einsteigen könnte, sozusagen in einen Lebenshof.

Maria Auf jeden Fall. Ich finde Hühner jetzt so im Vergleich zu - jedes Tier hat ja seine Bedürfnisse und auch wenn man Hühner halten möchte, das einzige was in dem Sinne ist, man ist gebunden, man muss immer da sein, morgens und abends, um die rauszulassen und auch natürlich um die zu füttern und so. Wenn man nicht Nachbarn hat oder irgendjemanden, der es übernehmen könnte. Aber es muss immer jemand da sein. Also das ist ja bei den meisten Tieren so, man kann ja nicht einfach gehen. Hühner sind einfach total einfache Tiere, die haben ihr Glück auf der Wiese und scharren und suchen Würmer und picken umher und was ein Huhn so macht. Also das ist keine Schwierigkeit, aus meiner Sicht finde ich.

Stefanie Und noch eine Frage ist mir gerade eingefallen Was macht ihr denn mit den Eiern?

Maria Ja, die Frage höre ich total oft auf Instagram. Ganz, ganz viel. Also ich persönlich, ich spreche aus meiner Sicht. Für mich würde das jetzt nicht in Frage kommen, das zu essen, auch wenn es leidfrei ist. Ja, leidfrei könnten wir theoretisch essen, aber für mich würde es nicht in Frage kommen. Das ist eine Ausscheidung von einem Tier und ich möchte es nicht essen. Aber deswegen verfüttern wir die tatsächlich. Die legen die Eier ja trotzdem und dann schlagen wir die da auf und dann liegen die auf dem Boden und die stürzen sich darauf, die lieben Eier oder auch mal unsere Katzen bekommen die oder der Hund. Also das ist im Grunde Tierfutter. Ja, praktisch.

Stefanie Okay, ich bin auch schon mal gefragt worden, was da auf Lebenshöfen passiert mit diesen Eiern, ob sie dann verfaulen oder so. Deswegen war es jetzt mal interessant zu hören, wie das in der Praxis gehandhabt wird.

Maria Viele Menschen denken, die Hühner essen diese Eier gar nicht. Von alleine gehen die da auch nicht bei. Wenn ich komme und diese Eier in die Hand nehmen, dann kommt eine große Traube um mich herum und die lassen mich nicht mehr los, weil die genau wissen, die wollen die auch haben. Aber erst, wenn ich ihnen die Eier gebe.

Stefanie Was ist denn deine Vision so für diesen Lebenshof? Für die Hühnerrettung? Wie soll es da weitergehen? Wie soll die Zukunft aussehen?

Maria Das wird alles noch weiter ausgebaut und wir haben ja jetzt vor einem Jahr erst angefangen und es soll noch viel größer werden, noch viel mehr Tiere nach und nach werden. Im Frühling bauen wir den nächsten Stall, das nächste Gehege, dann werden die nächsten Hühner gerettet. Dann kommt erstmal unser Menschenbaby auf die Welt. Wahrscheinlich im Juli. Dann vielleicht noch ein Gehege und dann wollen wir aber Schafe retten. Also dann wollen wir Lämmerrettungen machen. Ich weiß jetzt noch nicht, ob das nächstes Jahr im Frühling schon passiert wegen Corona. Es ist auch schon ein bisschen eingeschlafen gewesen. Man muss ja mit den Betreibern von diesen Anlagen immer kooperieren, dass man diese Tiere, anstatt dass sie zum Schlachter gehen, dass man die retten kann. Aber unser Hof soll schon bunt gefüllt werden.

Stefanie Und ist das denn so, dass man euch dann auch mit Patenschaften so unterstützen kann?

Maria Ja, wir sind noch kein eingetragener Verein, aber das soll alles noch kommen. Jetzt haben wir das erstmal alles gegründet, aufgebaut und so alles peu a peu. Aber das soll schon noch kommen. Ja, je mehr Tiere es werden, je mehr Ställe man baut, das sind Kosten, das ist ja ganz, ganz normal. Und auch wenn die Schafe kommen, das stelle ich mir schon vor, dass auch großes Interesse da ist. Ich sehe das ja auch auf Instagram, das macht mir auch sehr viel Spaß da den Leuten diesen Einblick zu geben. Und vegan lebende Menschen eine Freude zu machen, wenn die sehen, dass man Tiere rettet. Ich sehe das ja auch bei anderen gerne und Patenschaften dann sehr gerne. Aber alles nach und nach. Soweit sind wir gerade noch nicht. Aber wer weiß, was in einem Jahr ist. Wer weiß, wie weit wir da schon sind dann. Ja, das soll auf jeden Fall kommen.

Stefanie Super. Ja, vielleicht noch so abschließend die Frage, ob du den Hörer·innen noch etwas mitgeben möchtest.

Maria Ja, also es kommt drauf an, ich denke mal, dass hier viele schon vegan lebende Menschen zuhören. Ansonsten wer noch nicht vegan ist natürlich das wichtigste, dieses Warum. Wie gesagt, dass man bitte, bitte, bitte Eier oder Masthähnchen oder irgendwas vom Huhn bitte nicht kauft, denn dadurch gibt es ja dieses Leid erst. Wir haben ja heute alles, was wir brauchen. Wir sind keine Urmenschen, wir sind nicht darauf angewiesen. Und ansonsten? Ja, wer sich dafür interessiert: dranbleiben. Auch wenn man einen Garten hat und nur einen kleine Gruppe von vier Hühnern halten kann, ist das Gold wert Leben zu retten und total einfach in der Haltung. Also muss man gar keine Angst vor haben, man muss bloß da sein und für die Versorgung garantieren.

Stefanie Ja dann danke ich dir Maria, für deinen Einblick und ich denke, dass das viele Menschen auch inspiriert, wenn sie in diese Richtung gehen möchten, dann auch die ersten Schritte zu machen. Und ich danke dir für deine Zeit und genau alle Links, alles was du so erwähnt hast, werden wir auf jeden Fall hier unter der Folge dann auch noch zur Verfügung stellen.

Maria Danke fürs Zuhören und ja, vielleicht hören oder sehen wir uns irgendwie über den Verein, über die Rettungen oder wenn Fragen da sind, wenn Kontakt gewünscht ist, einfach anschreiben. Ich freue mich über jede·n, der·die sich meldet um was Gutes zu tun. Ja genau. Also immer gerne melden.

Stefanie Das war das Interview mit Maria. Du findest alle Links zu Maria und zu dem, worüber wir gesprochen haben, unter der Folge und in den Shownotes. Und Maria hatte nachträglich noch hinzugefügt, dass sie empfiehlt, ein Netz über dem Hühnergehege anzubringen, um die Hühner vor Raubtierangriffen aus der Luft, zum Beispiel einem Adlerangriff, zu schützen. Das war etwas, was sie während des Interviews noch vergessen hatte zu sagen und mich gebeten hat, das noch mal zu ergänzen.

Wenn du wie Maria auch Mitglied im Experimentarium werden möchtest, dann findest du den Link dazu auch hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und wie gesagt, es ist kostenlos und unverbindlich. Du wirst nicht gezwungen, dich zu beteiligen, wenn du es nicht möchtest. Und ich würde mich riesig freuen, wenn du dabei bist. Dann bleibt mir nur noch zu sagen: In diesem Sinne. In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

Wirklich nachhaltig leben funktioniert nur in Gemeinschaft

Ein Beitrag

Folge 252 - Wirklich nachhaltig leben funktioniert nur in Gemeinschaft

Transkript (nur grob Korrektur gelesen)

In dieser Folge bin ich wieder alleine, weil Carsten nämlich einen neuen Job angefangen hat und da ziemlich beschäftigt ist, jetzt auch nicht mehr im Homeoffice arbeitet und dadurch fallen natürlich wieder die Anfahrtszeiten an, die wir vorher für andere Dinge nutzen konnten, zum Beispiel Podcastfolgen aufnehmen. Außerdem hat er die Chance bekommen, hier im Stadtteil im Bürgerhaus seine Fotos ausstellen zu können und das heißt auch an den Wochenenden ist er schwer beschäftigt, weil er seine Fotos ja analog ausarbeitet und das dauert ein bisschen, das alles zu machen und deswegen hörst du mich heute wieder hier ganz allein.

Ich möchte jetzt zu Beginn noch mal einmal auf die Fülle statt Verzicht-Aktion hinweisen. Also wenn du Lust hast, ich hatte in der letzten Folge davon gesprochen, wenn du Lust hast mitzumachen, bist du herzlich eingeladen, den Hashtag #FülleStattVerzicht zu nutzen und da drunter Tipps zu posten, was du gewinnst, wenn du nachhaltig lebst. Dazu gehört ja auch Vegan Leben, regional leben, saisonal, wenig Lebensmittel, bzw. keine Lebensmittel verschwenden.und dann auch alles, was noch weitergeht, nämlich Mobilität autofrei leben, zum Beispiel oder oder oder und wenn du da mitmachen würdest, freue ich mich sehr, denn ich bin ja nur auf Mastodon unterwegs. Ich verlinke noch mal meinen Account hier unter der Folge, damit du da auch schauen kannst und ich verlinke da auch nochmal die Aktionen. ich poste alles unter einem Thread, so dass du das dann da verfolgen kannst, was ich schon gepostet habe und natürlich bist du auch herzlich eingeladen an dich im Experimentarium mit mir und allen Mitgliedern auszutauschen zu diesem Thema, denn das ist unser neues Monatsthema, diese und da können wir eben auch Argumente sammeln in Gesprächen mit anderen. Wenn wir ihnen erzählen, wie toll das ist, nachhaltig zu leben, wie gesagt, dazu gehört Vegan-Leben dazu.

Den Link zum Experimentarium findest du auch hier unter der Folge oder in den Shownotes und für alle, die auch so ein bisschen Datenschutz nerdig sind wie ich, ich habe ja dieses diese Plattform extra gewählt, weil es eben nicht Facebook ist und auch gar nichts damit zu tun hat und es liegt zwar in den USA die Plattform, aber die Daten werden für nichts anderes genutzt als für das Experimentarium, denn ich zahle monatlich Geld dafür und damit verdient die Firma, die diese Plattform bereitstellt, ihr Geld, nicht mit Werbung oder Profilen, die von dir erstellt werden, so wie das bei Facebook oder Twitter, Instagram et cetera der Fall ist, sondern die Firma verdient damit Geld, indem ich sie bezahle, also von daher gehören die Daten quasi mir und du bekommst von mir mein großes Ehrenwort und das ist eben auch rechtlich abgesichert, dass ich deine Daten auf keinen Fall weiterverkaufe.

Ich weiß, dass es keine absolute Sicherheit gibt im Internet. Also wenn du etwas im Internet veröffentlichst, solltest du immer darüber nachdenken, ob du das wirklich publik machen möchtest, denn 100 Prozent der Sicherheit dass etwas, was du ins Internet gestellt hast, niemals irgendwie von anderen Menschen verwendet wird, obwohl du das gar nicht möchtest, gibt es einfach nicht. Also wenn du hundertprozentige Sicherheit haben möchtest, solltest du dich nicht im Internet bewegen und deswegen kann eben auch ich dir keine hundertprozentige Sicherheit geben und auch, dass die Daten eben in den USA liegen ist natürlich für mich etwas, was ich eigentlich auch nicht gerne so hätte, aber diese Plattform ist einfach der bestmögliche Kompromiss, den es gibt für mich zwischen Nutzbarkeit und Datenschutz. Also es ist nicht Facebook, Google et cetera, aber es liegt in den USA dafür, ist es leicht nutzbar und überall auf allen Plattformen verfügbar: Du kannst das Experimentarium im Browser nutzen, aber du kannst auch eine App installieren auf deinem Smartphone, Android und iOS, so dass du da auch dann flexibel unterwegs sein kannst oder auf deinem Tablet und kannst eben mobil Teil des Experimentariums sein, aber eben auch ganz einfach im Browser. Also das nur noch mal vorabfalls du deswegen noch nicht Mitglied geworden sein solltest, dann kann ich dir diese Angst auf jeden Fall nehmen und du kannst auch mir immer gerne schreiben, wenn du irgendwelche Bedenken haben solltest, dann können wir darüber sprechen oder wenn irgendetwas dich noch davon abhält, du eigentlich Mitglied werden wolltest, aber du irgendwelche Bedenken noch hast, dann schreib mir einfach und wir finden einen Weg.

Nun zum eigentlichen Thema dieser Folge. Ich hatte schon mal vor einiger Zeit in Folge 180 in diesem Podcast da drüber gesprochen, wenn selber machen zum Burn-out führt und habe seitdem natürlich auch immer wieder dadrüber nachgedacht was eine Lösung sein könnte und wahrscheinlich kennst du das auch, wenn du einfach als Einzelperson oder vielleicht auch als Familie versuchst, möglichst nachhaltig zu leben, dann stößt du immer wieder an Grenzen.Also ich merke das halt immer wieder, wenn ich dann stundenlang in der Küche stehe, um Dinge vorzubereiten, selber zu machen, einzukochen, was auch immer. Dann der ganze Abwasch, der anfällt und restlich ist irgendwie so das Gefühl, dass du dann eigentlich nur noch abwäscht, kochst abwäscht, kochst und zwischendurch irgendwie Amok läufst. Du weißt ja, dass ich mittlerweile diese Reisen in eine klimagerechte Zukunft anbiete, immer sonntags. Momentan immer sonntags um 9 Uhr im Experimentarium. Du bist herzlich eingeladen und es gibt auch immer eine Aufzeichnung und unter die Aufzeichnung im Experimentarium schreibe ich was ich gesehen habe während ich dort war in dieser klimagerechten Zukunft, also während dieser Übung und wie ich mir das vorstelle und ich habe jetzt in letzter Zeit diese Übung ja logischerweise öfter gemacht und habe dadurch meine Vorstellungskraft trainiert und immer wieder darüber nachgedacht, wie sich das, was jetzt eben zum Burn-out führen kann, dann verändern würde und das Schlüsselwort ist tatsächlich Gemeinschaft.

Ich stelle mir das so vor, dass wir wenn wir in einer klimagerechten Zukunft leben, dann miteinander mehr machen, als wir es jetzt tun, also wenn ich mir vorstelle, ich dann jetzt in eine Zeitkapsel steigen und in einer klimagerechten Zukunft wieder auskommen, genau hier, wo ich jetzt bin, in der Wohnung, in der wir grade leben. Dann hätte er sich vieles radikal geändert, nämlich als allererstes, dass ich meinen Nachbar innen viel besser kennen würde und wir eine Gemeinschaft wären. Und es wahrscheinlich immer noch Wohnungen in dem Sinne gäbe, aber Dinge wie zum Beispiel eine Waschmaschine, nicht mehr in jedem Haushalt stehen würde, sondern es ein Gemeinschaftswaschraum geben würde, wo wir uns dann auch immer abwechseln in der Betreuung und wo dann viel effizienter was die Nachhaltigkeit angeht dann gewaschen werden kann und dann auch, wenn wir uns noch mal auf dieses Thema selber machen konzentrieren wäre es so, dass es eine Gemeinschaftsküche gäbe und vielleicht eine Gemeinschaftsküche blockweise quasi, also dass wir, wenn wir jetzt zum Beispiel an den Verein Neustadt, Schweiz, an dieses Modell zurückdenken hatte ich ja auch schon Podcast-Folgen zu gemacht wo es dann um diese Nachbarschaften geht, wo 500 Menschen in ein so einem großen Komplex gemeinsam wohnen dann wohnen die da ja nicht WG-artig und teilen sich eine Küche 500 Menschen und streiten sich dann dadrum, wer da sauber macht. Sondern jede Einheit, jede Wohneinheit hat eben die Möglichkeit,da auch in so einer kleinen Pantryküche sich mal was warm zu machen, aber weil das eben viel effizienter ist, eine Großküche zu haben, gibt es eben auch einen größeren Bereich, wo Menschen zusammen kochen.

Und auch da bei diesem Gedanken, wenn ich 500 Menschen habe, die dann in verschiedenen Arten zusammenwohnen, kann es ja auch Etagenweise dort dann größere Gemeinschaftsküche geben und dann nochmal für den ganzen Komplex eine Kantine, wo dann eben gekocht wird. Und wenn ich mir jetzt hier vorstelle, wir sind sieben Einheiten hier pro Hauseingang und dann ist das auch so ein größerer Komplex. dann könnte ich mir auch vorstellen, dass wir pro Hauseingang irgendwie eine Küche haben, eine Gemeinschaftsküche wo wir vielleicht zusammen kochen oder tatsächlich irgendwie alle drei Hauseingänge oder so ein eine Gemeinschaftsküche und die Keller bräuchten wir gar nicht mehr, weil wir gar nicht mehr so viel Privatbesitz haben, weil vieles eben gemeinschaftsgut geworden ist, weil wir das einfach nicht mehr als Eigentum brauchen. Also wir müssen's nicht mehr besitzen. Das muss einfach nur da sein, dass wir es nutzen können wenn wir es denn mal benötigen und dann könnten nämlich diese Kellerräume als Vorratsräume genutzt werden und dann wäre das auch frei zugänglich für alle Menschen, die eben hier wohnen und wir könnten durch eben eine Gemeinschaftsumlage, dass wir sagen, so, wir geben Zeit jeden Monat, also zwei, vier Stunden im Monat oder so und arbeiten dann da zum Beispiel in der in der Wäscherei oder in der Gemeinschaftsküche dass wir dadurch eben uns das erkaufen, dass wir auch die Vorräte nutzen können und so könnte nämlich dann die Arbeitslast die im Einzelnen anfällt, die mich dann letztlich zu diesem Burn-out-Kreislauf führt, wenn ich das alles alleine machen muss oder meinetwegen auch zu zweit. würde dadurch ja völlig ausgebremst oder beziehungsweise dann gäbe es das einfach gar nicht mehr, weil die Last einfach auf viele viele Schultern verteilt wird und wir uns da ablösen können und wir da gemeinschaftlich dran arbeiten können und austauschen können und es kann dann da viel Größeres noch daraus entstehen. Und das kann natürlich nur möglich sein, wenn ich nicht mehr an 40 Stunden Lohnarbeit pro Woche gebunden bin, sondern dann eben mir überlege, dass ich vielleicht nur noch 20 Stunden Lohnarbeit habe pro Woche oder oder oder. Da gibt es ja einige Konzepte, etwas, was du zum Beispiel jetzt auch gerne weiterspenden kannst.

Ich möchte noch mal so ein bisschen auf diesem Fokus des Selbermachens verweilen. Gerade wenn du in Gemeinschaft, also mit mehreren zusammenZum Beispiel in der Küche stehst und lachst und plauderst und dich austauschst, machst du das doch auch viel mehr Spaß. Als wenn ich das alles alleine mache. Klar, ich kann dabei, wenn ich das alles alleine mache, dann Hörbücher hören oder zum Beispiel Podcasts, ja? Ich denke, dass wir das in einer klimagerechten Zukunft gar nicht mehr so brauchen, dass wir dabei etwas hören, sondern dass es angenehmer ist, wenn wir dann mit anderen zusammen sind und du musst ja dann gar nicht die ganze Zeit reden. Natürlich ist das ja eben auch nicht etwas, was du jetzt dann von morgens bis abends wirklich fünf Tage die Woche machst, sondern das ist ja dann was, was wir als Gemeinschaft hier dann ja bewerkstelligen würden und wo wir uns ablösen und wo jeder Mensch dann einfach für eine gewisse Zeit eingeteilt ist und dann kann natürlich überlegt werden, ob diese Zeitkontingente vielleicht untereinander getauscht werden oder dass du quasi von anderen dafür bezahlt wirst, dass sie dass dass du das Zeitkontingent Zeitkontingent ja von ihnen übernimmst und so was geht ja alles, das kann ja alles funktionieren.

Ich finde dieses Bild von der Gemeinschaft, von dem das Gemeinsam machen, das macht alles so viel leichter. Also bei mir löst dieser Gedanke und diese Vorstellung, dass wir da zusammen entspannt etwas schaffen, das löst bei mir ganz viel Leichtigkeit aus und nimmt an diesem ja Bild, ich versuche als Einzelperson so nachhaltig wie möglich zu leben, ganz viel Druck so dass ich auch wirklich denke, der Schlüssel zur Nachhaltigkeit ist Gemeinschaft und dass wir das zusammen angehen, denn es ist ja auch nachhaltiger, wenn viele Menschen auf einem Fleck wohnen und wir nicht so viel Land versiegeln, sodass auch da wieder Gemeinschaft der Schlüssel ist und das ist also etwas, was wir wieder lernen müssen. Wir haben das meiner Meinung nach jetzt seit der Industrialisierung verlernt. Und wir konnten das früher schon mal, das mit der Gemeinschaft, aber jetzt hier, wenn ich wir sage, dann meine ich jetzt vor allem uns hier in dieser westlichen Kultur und vor allem vielleicht auch in Deutschland Europa ich würde sagen vor allem Deutschland denn wir haben ja alle unterschiedliche kulturelle Entwicklung so in den USA ist das ja auch nochmal anders und auch in anderen Teilen der Welt, deswegen wenn ich von wir spreche, kann ich in erster Linie ja nur von mir sprechen, auf meinem Wissenshintergrund, mein und der bezieht sich eben jetzt hier erst mal auf Deutschland. Und ich denke, dass es eine Schlüsseleigenschaft ist für eine klimagerechte Zukunft, dass wir lernen, wie wir in Gemeinschaft leben können.

Und wie gesagt, ich meine damit nicht wohnen, Gemeinschaft wie Geh und Studenten, Innenwohnheimen und abgeranzte Küchen und alles ist dreckig und dasKlo stinkt oder so, hm sondern wirklich Gemeinschaft. Ich denke da zum Beispiel an eine Burg im Mittelalter, ja? Diese Burg war ja quasi auch eine Gemeinschaft, natürlich keine Demokratie und so weiter und so fort. Das ist mir schon alles klar. Ja, nur um dieses Bild zu haben, dass es da eben auch eine Küche gibt, eine Großküche, wo gekocht wird und nicht jede und jede Person da irgendwie eine Einzelküche hatte oder im gemeinsam gewirtschaftet wird oder wenn wir zum Beispiel das Buch von Annette Kehnel noch mal heranziehen und da gab es ja auch schon in der Vergangenheit immer wieder Höhe für die gemeinsamen gewirtschaftet haben, auch diese Klöster, die gemeinsam gewirtschaftet haben.

Die Kraft und die Nachhaltigkeit liegt in diesem gemeinsamen Wirtschaften und damit ist eben auch nicht Wirtschaftswachstum höher, schneller, weiter oder so gemeint sondern schlicht diese Tatsache, wenn wir solche Dinge wie die Grundversorgung gemeinschaftlich teilen, dann ist das viel nachhaltiger. Auch wenn wir zum Beispiel auf die Care-Arbeit gucken. Wenn das auf viele Schultern verteilt ist und auch vor allem nicht weiblich gelesene Schultern, dann trägt es enorm zur allgemeinen Entspannung bei und wir leben viel nachhaltiger. ich denke, dass wir es als Einzelperson nicht schaffen werden, nachhaltiger zu leben, sondern nur, wenn wir uns mit anderen zusammenschließen, nur als Gemeinschaft kann uns das gelingen. also weg von „Unterm Strich zähl ich“ hin zu gemeinsam können wir das schaffen und das ist eben auch der Grund, warum ich das Experimentarium gegründet habe, diese Online-Community.

Ja, ich möchte auch gerne wieder vor Ort Gruppen anbieten oder mich vor Ort treffen. Nur ist das aufgrund der Pandemie noch nicht so wirklich möglich, wird natürlich jetzt bald wieder möglich sein. aber es hat auch noch einen Haken, wenn ich jetzt nur hier in Hamburg Gruppen anbiete, dann sind all die Menschen, die ja bis in den Süden Deutschlands verstreut sind, sich in Österreich oder der Schweizbefinden oder vielleicht sogar in Dänemark, wobei Dänemark ner dran ist, ne. Also von daher sagen wir mal in Österreich und der Schweiz und in den weiten Deutschlands , all die werden daran auch nicht teilnehmen können. Eine Online-Community hat insofern eben auch Vorteile und das wir Gemeinschaft üben sollten und gemeinsam es nur schaffen können, wirklich nachhaltig zu leben und in eine klimagerechte Zukunft zu gehen.

Das ist eben der Grund für das Experimentarium und ich lade dich nochmal ganz herzlich und ausdrücklich ein ins Experimentarium zu kommen, wenn du auch diesen Wunsch hast gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft zu gehen wenn du auch nachhaltiger leben möchtest und als Einzelperson häufig daran verzweifelst, dass du einfach nicht so nachhaltig leben kannst, wie du es gerne möchtestAlso wenn du auch immer wieder die in diesen Kreislauf gerätst, dass du zum Beispiel in der Küche stehst und das Gefühl hast, du würdest nur noch in dieser Küche sein und abspülen und kochen und abspülen und kochen dann bist du auch herzlich eingeladen im Experimentarium neue Wege zu finden, wie Gemeinschaft für dich funktionieren kann.

Links zur Folge

Die neue Onlinecommunity: "Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft"
https://experimentarium.stefanie-rueckert.de/

Mach mit bei der Aktion #FülleStattVerzicht
https://digitalcourage.social/@stefanierueckert/107885985505786464

Folge 180: Wenn Selbermachen zum Burnout führt
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-180-wenn-selbermachen-zum-burnout-fuehrt

Von Herzen Vegan unterstützen
Vier Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Folge 251 - Erneuere die Verbindung zu Deiner Mitwelt

Ein Beitrag

Folge 251 - Erneuere die Verbindung zu Deiner Mitwelt

Für eine klimagerechte Zukunft müssen wir lernen uns wieder mit unserer Mitwelt zu verbinden.

Wir müssen lernen nicht nur auf und von dieser Erde zu leben, sondern auch mit ihr und das beginnt damit, dass wir die Namen unserer nicht-menschlichen Nachbar·innen kennenlernen.

Ich zitiere in dieser Folge einige Passagen aus dem Buch "Geflochtenes Süßgras" von Robin Wall Kimmerer - das gesamte Buch werde ich noch in einer extra Folge besprechen.

In dieser Folge geht es zunächst darum, wie es dazu kam, dass wir die Verbindung zu unserer Mitwelt verloren haben und was der erste Schritt sein könnte, um sie zu erneuern.

Transkript (nur grob Korrektur gelesen)

Bevor wir jetzt mit dieser Folge hier beginnen, möchte ich noch auf eine Aktion hinweisen. Wenn du die Folge am Mittwoch, an dem sie erscheint, hörst, ist das ja Aschermittwoch und da beginnt im Christentum die Fastenzeit.

Nun sind Carsten und ich nicht so religiös, aber die Fastenzeit wird ja mittlerweile auch zum Anlass genommen, um auf verschiedenste Dinge zu verzichten, sei es Autofasten, Plastikfasten oder manche leben dann vegan und finden das eben auch als Verzicht und genau das sehe ich irgendwie so ein bisschen als Problem auch an oder nicht nur ein bisschen, sondern ich sehe es generell als Problem an, dass wir das alles mit diesem Verzichtsgedanken verbinden und ich denke, damit etwas nachhaltig ist, sollten wir nicht den Fokus auf den Verzicht legen, sondern den Fokus auf das, was wir gewinnen und deswegen hatte ich die Idee jetzt wrend der Fastenzeit jeden Tag ein Tipp, ein Impuls zu posten, also eigentlich zu tröten auf Mastodon auf der einzigen Social Media Plattform auf der du mich finden wirst, zu dem Thema, was du gewinnen kannst, wenn du nachhaltig lebst. Die Aktion habe ich Fülle statt Verzicht genannt und du bist herzlich eingeladen mitzumachen im Experimentarium sammeln wir dazu Ideen jetzt die nächsten 40 Tage und posten das dann und tröten und tweeten und was auch immer, auf welchem Netzwerk du dich auch befindest, um nach außen in die Welt zu geben, was du alles gewinnen kannst, wenn du zum Beispiel vegan lebst wenn du Auto frei lebst, wenn du erdgebunden reist, wenn du Dinge reparierst statt sie wegzuwerfen und so weiter und so fort und wenn du da mitmachen möchtest, bist du herzlich willkommen im Experimentarium. Du kannst natürlich auch einfach so mitmachen, nutze den Hashtag #FülleStattVerzicht und dann kannst du einfach mitmachen, aber wenn du in einer Gemeinschaft mitmachen möchtest, dich austauschen willst und auch die ganzen Tipps, die wir da sammeln und die ganzen Impulse dann sehen möchtest, dann komm ins Experimentarium. Du findest den Link unter dieser Folge oder in den Shownotes und die Mitgliedschaft ist kostenlos und ich freue mich sehr auf dich.

Nun aber zur eigentlichen Folge. Wie gut kennst du die Natur, die dich umgibt? Kannst du all die Bäume, Pflanzen, Lebewesen, Wesen, Tiere, alles was da lebt, was dich umgibt mit Namen benennen, weißt du, was da wächst und kreucht und fleucht? Ich kann das nicht.

Ich habe festgestellt, dass mein Horizont da sehr begrenzt ist. Dass ich die Umgebung tatsächlich eigentlich als Kind das letzte Mal so richtig wahrgenommen habe und vielleicht auch in der Schule was da drüber gelernt habe aber irgendwie war das alles gar nicht so wichtig. Also es war teilweise eben Schulstoff, den ich lernen musste, aber das ist irgendwie für meinen Alltag, für mein Selbstverständnis wichtig gewesen wäre, auf keinen Fall, würde ich sagen. Also die Natur, ich meine, wenn ich das so beobachte, was wir hier machen, was uns umgibt, da kommen Gärtnerinnen, die halt die Natur so zurückschneiden, also die Bäume, die Sträucher und alles so in ihre Grenzen schneiden, dass es zu uns dem Menschen passt und das ist wirklich ja, etwas, was ich immer wieder beobachte und was ja eigentlich auch ganz normal ist, zumindest so in unserem Kreisen und und erst so in den letzten Jahren ja noch nicht mal Jahren, also nicht vielen Jahren, sondern eher Monaten bis Jahren, habe ich angefangen, das in Frage zu stellen. diese Grundeinstellung, dass wir als Menschen diejenigen sind, die der Natur sagen, wo's langgeht. So einen Slogan habe ich auch an einem Auto gesehen von einem Gärtnereibetrieb, die da gesagt haben, okay, werde Gärtnerin und zeig der Natur, wo es langgeht. Eine klare Aussage, was die Beziehung oder den Beziehungsstatus angeht, wer hier das Sagen hat.

Und jetzt erst vor Kurzem, als ich das Buch geflochtenes Süßgras gelesen habe, habe ich gemerkt, dass das in unserer Kultur tatsächlich begründet liegt, dass wir so mit der Natur umgehen. Es ist nicht so, dass weltweit alle Menschen genauso denken wie ich denke also in dieser Beziehung zur Natur und ich würde jetzt mal behaupten, wie es so im westlichen Denken allgemein so ist, sondern es gibt viele indigene Völker vor allem, die eine ganz andere Beziehung zur Natur haben und ich möchte dir jetzt hier einmal ein paar Ausschnitte aus dem Buch geflochtenes Süßgras von Robin Wall Kimmerer vorlesen. Ich werde das Buch auch nochmal gesondert zu rezensieren und mit Carsten zusammen besprechen. dazu muss Carsten es erst gelesen haben und da das jetzt noch bisschen dauert nehme ich jetzt erst mal einen Bezug auf einen kleinen Teil aus diesem Buch. Und die Autorin Robin Wall Kimmerer ist Mitglied der Citizen Potawatomi Nation und lebt in den USA und sie ist Botanikerin und das macht das ganze Buch so charmant, weil sie das westliche Wissen mit dem indigenen Wissen verbindet und für mich schon mal so Spoiler alert vorab war das wirklich eine Offenbarung und auch das Gefühl endlich anzukommen und verstanden zu werden weil ich immer wieder mit diesem westlichen naturwissenschaftlichen Denken anecke und da dann auch gleich das Gefühl habe abgewertet zu werden, dass wenn ich nicht rein faktisch, sondern ein bisschen mit Gefühl das Ganze bewerte, gleich negativ in eine Schwurbelecke gedrängt zu werden. Und jetzt kommt Robin Wall Kimmerer, die das Buch schon 2013 veröffentlicht hat und ich hab's jetzt erst gelesen, wirklich fast schon zehn Jahre später, also neun Jahre später habe ich's gelesen.und es ist ein Wahnsinnsbuch. Es ist eine unbedingte Leseempfehlung und wie gesagt, ich werde es auch noch mal ausführlich besprechen in einer extra Podcast-Folge.

Jetzt möchte ich einfach nur einen kleinen Aspekt herausgreifen und zwar beschreibt Robin Wall Kimmerer zu Beginn den Schöpfungsmythos ihres indigenen Volkes und der besagt unter anderem, dass da eine Frau, die Himmelsfrau, aus dem Himmel auf die Erde hinabgestürzt ist und dort gab es schon Tiere, die sehe ich um sie gekümmert haben und durch ihre Hilfe konnte die Himmelsfrau dann die Erde erschaffen und mit den Tieren, den Lebewesen, die dort waren, gemeinsam eine Welt erschaffen, in der sie leben konnte. Wenn das jetzt nur ganz verkürzt dargestellt, das ist eine ganz schöne Geschichte und wie gesagt, ich empfehle dir auch das Buch zu lesen.

Der Grundgedanke ist, dass die Welt in der die Himmelsfrau lebt auf Dankbarkeit beruht und dem Miteinander aller Lebewesen. Und Robin Wall Kimmerer schreibt weiter: „Auf der einen Seite der Erde war die Beziehung der Menschen zur lebendigen Welt von der Himmelsfrau geprägt, die einen Garten für das Wohlergehen aller Lebewesen geschaffen hatte. Auf der anderen Seite gab es eine andere Frau mit einem Garten und einem Baum. Doch da sie von dessen Frucht gekostet hatte, wurde sie aus diesem Garten vertrieben. Das Tor fiel krachend hinter ihr ins Schloss.diese Mutter der Menschheit war dazu bestimmt, durch die Wildnis zu wandern und sich ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts zu verdienen. Nicht indem sie ihren Mund mit den süßen, saftigen Früchten füllte unter denen sich die Äste boomen.Sie wurde angewiesen, dass sie sich für ihr Essen die Wildnis in diese verbannt worden war, Untertan machen sollte. Dieselbe Art, dieselbe Erde, verschiedene Geschichten. Wie jede Schöpfungsgeschichte sind solche Kosmologien ein Quell für Identität und Orientierung gegenüber der Welt. Sie sagen uns, wer wir sind. Zwangsläufig sind wir von ihnen geprägt, egal wie wenig präsent sie in unserem Bewusstsein sein mögen.Die eine Geschichte führt zu großzügigen Umarmungen der lebendigen Welt. Die andere zur Verbannung. Eine Frau ist unsere Gärtnerahnin, eine Mitschöpferin der guten grünen Welt, die ihren Nachkommen zur Heimat werden sollte. die andere war eine Exilantin, die sich einen mühseligen Weg durch eine ihr fremde Welt bahnte, um zur wahren Heimat im Himmel zu gelangen. Und dann begegneten sie sich. Die nachkommende Himmelsfrau und die Kinder Evers.und das Land um uns trägt die Narben dieser Begegnung, unsere Geschichte sind ihr Echo. Man sagt, die Hölle kennt keinen schlimmeren Zorn als den einer verhöhnten Frau.und so wird das Gespräch zwischen Eva und der Himmelsfrau wohl abgelaufen sein. ‚Schwester, du hast nun mal das kürzere Ende gezogen.‘“

und Robin Wall Kimmerer schreibt weiter: „Sehen wir uns das Erbe Evas an, der Ärmsten, die aus dem Garten Eden vertrieben wurde. Das Land trägt die Wunden einer Missbrauchsbeziehung und zerbrochen ist dabei nicht nur das Land selbst, sondern vor allem auch unsere Beziehung zu ihm. Gary Nabhan schrieb einmal, wir können keinen sinnvollen Heilungsprozess keine Restoration erwirken, wenn wir nicht mit der ‚Re-story-ation’ anfangen, der Rückvergeschichtung. Das heißt, unsere Beziehung zum Land kann nicht gesunden, solange wir uns nicht seine Geschichten anhören. Aber wer soll sie uns erzählen? In der westlichen Tradition gibt es eine anerkannte Hierarchie der Lebewesen und natürlich steht ganz oben der Mensch. Die Krone der Evolution, der Liebling der Schöpfung und die Pflanzen ganz unten. In der indigenen Weisheit dagegen werden die Menschen oft als kleine Brüder der Schöpfung bezeichnet. Wir sagen die Menschen haben am wenigsten Erfahrungen mit dem Leben und müssen daher am meisten lernen. Wir müssen uns nach den Lehrern, unter den anderen Lebewesen umsehen und uns von ihnen leiten lassen. Ihre Weisheit zeigt sich in der Art, wie sie leben.durch ihr Beispiel lernen wir. Sie sind schon länger auf der Erde als wir. Sie hatten schon Zeit zu verstehen. Sie leben über und unter dem Erdboden verbinden die Himmelswelt mit der Erde.Die Pflanzen wissen, wie man aus Licht und Wasser Nahrung und Medizin macht und dann geben sie sie weiter. Ich stelle mir gerne vor, dass die Himmelsfrau beim Ausstreuen ihre Handvoll Samen auf der Schildkröteninsel Nahrung für den Körper aussäte, aber auch für Vernunft, Gefühl und Geist. Sie hinterließ uns Lehrer, die Pflanzen können uns die Geschichte der Himmelsfrau erzählen. Wir müssen lernen ihnen zuzuhören.“

Als ich diese Erzählung von der Vertreibung von Eva aus dem Paradies gelesen habe im Vergleich zur der Schöpfungsgeschichte mit der Himmelsfrau habe ich gedacht, ja klar, natürlich das so zu sehen ergibt sehr viel Sinn. Denn tatsächlich ist das die Geschichte, die die letzten 2000 Jahre wieder und wieder erzählt worden ist in der westlichen Welt, in der Welt, in der diese Geschichte eben wichtig war. Und was wäre, wenn wir mit der Geschichte aufgewachsen wären, die von der Himmelsfrau erzählt und wir von Beginn an diesen Respekt und diese Achtung vor dem Wesen, die uns umgeben und der Erde, auf der wir leben gelernt hätten. Was wäre dann?

Ich stelle mir vor, dass die Welt dann nicht gerade im Krieg sich befinden würde und wir uns nicht so hochgeschaukelt hätten, es jetzt nicht nötig wäre, den Klimawandel aufzuhalten. Leider ist es alles im Moment nicht so. Ich denke, wir können es schaffen, diese Beziehung zu unserer Mitwelt wieder herzustellen, in dem wir zuhören und ein erster Schritt könnte eben sein den Namen der Wesen zu lernen, die uns umgeben. Robin Wall Kimmerer schreibt in ihrem Buch dazu, „Die meisten Menschen kennen die Namen dieser Verwandten gar nicht. Ja, sie nehmen sie sogar kaum wahr. Namen sind die Brücke, über die wir Menschen Beziehungen aufbauen. Nicht nur Beziehungen untereinander, sondern auch Beziehungen zur Natur. Ich versuche mir wie es wäre durchs Leben zu gehen und den Namen der Pflanzen und Tiere rund um mich nicht zu kennen. Eigentlich kann ich mir das mit meiner Identität und meinem Beruf gar nicht vorstellen, aber ich vermute, es wäre doch beängstigend und verwirrend als hätte man sich in einer fremden Stadt verlaufen, in der man nicht einmal die Straßenschilder entziffern kann. Philosophen bezeichnen diesen Zustand von Isolation und Beziehungslosigkeit als species loneliness, also Arteneinsamkeit, eine tiefe Traurigkeit die ihre Wurzeln in der Entfremdung vom Rest der Schöpfung hat. Im Verlust der Beziehung. Mit zunehmender menschlicher Dominanz über die Welt werden wir immer stärker isoliert, immer einsamer, denn wir können nicht mehr unseren Nachbarn zu Hilfe rufen.“ und Robin Wall Kimmerer beschreibt da weiter, dass der erste Mensch, an der den es laut der indigenen Schöpfungsgeschichte gab vom Schöpfer den Auftrag bekam, den Namen aller Lebewesen auf der Erde zu lernen und eine Beziehung zu diesen herzustellen und nicht nur einfach zu benennen, sondern erst zuzuhören und herauszufinden, welcher Name zu diesen einzelnen Wesen passt.

Und ich denke, dass das tatsächlich ein erster Schritt sein kann für mich die Beziehung zu unserer Mitwelt wieder herzustellen. Die wahren Namen kennenzulernen und deswegen habe ich jetzt ganz konkret beschlossen mit Carsten und dem Kind zusammen hier in der näheren Umgebung an Touren teilzunehmen, die uns die nähere Umgebung erläutern und da drüber sprechen, welche Tiere hier wohnen,es hier gibt also tatsächlich meine nicht menschlichen Nachbarn kennenzulernen, NachbarInnen. Also das werde ich jetzt ganz konkret machen.und ich bin schon gespannt da drauf, denn momentan habe ich wirklich das Gefühl, da hm meinen Bildungsauftrag meinem Kind gegenüber auch vernachlässigt zu haben und das es überhaupt nicht weiß, was es darum gibt und ich denke, das kann ein erster Schritt sein und vielleicht hast du ja auch die Möglichkeit,an solchen Touren teilzunehmen. Vielleicht machst du das auch schon und vielleicht weißt du halt auch schon ganz viel da drüber. Aber vielleicht geht es dir auch so wie mir, dass du bisher das noch nicht so als Notwendigkeit gesehen hast oder keine Zeit dafür hattest und jetzt vielleicht durch das, was ich mit dir geteilt habe, dich inspiriert fühlst, auch den Namen deiner Mitwelt deiner Nachbarinnen, der nicht menschlichen Nachbarinnen zu lernen.

Und wenn du noch auf der Suche nach Gleichgesinnten bist, mit denen du dich austauschen möchtest, dann bist du natürlich herzlich eingeladen in meine kostenlose Community zu kommen und das Experimentarium. Du findest den Link dazu hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und das war's schon für heute. Tatsächlich war Carsten heute nicht dabei, wie du vielleicht überhaupt gar nicht mitgekriegt hast. So und deswegen sage ich jetzt ganz alleine: In diesem Sinne in Hamburg sagt man tschüss und auf Wiederhören.

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Folge 250 - Trainiere Deine Vorstellungskraft

Ein Beitrag

Folge 250 - Trainiere Deine Vorstellungskraft

Jeden Sonntag lade ich Dich im Experimentarium ein mit mir für eine Viertelstunde in eine klimagerechte Zukunft zu reisen.

Das trainiert Deine Vorstellungskraft und hilft Dir mutig und zielgerichtet zu handeln. Uns fällt es allzu leicht uns in Dystopien zu verlieren und die Zukunft immer schwärzer zu malen.

Mir geht es ja auch nicht anders - der Schrecken ist real und die Auswirkungen des Klimawandels sind überall zu sehen.

Wir können gegen alles Mögliche demonstrieren, doch zu selten stellen wir uns die Frage für was wir da eigentlich demonstrieren - wie sähe eine klimagerechte Zukunft aus? Eine sozialgerechte, eine vegane, eine feministische, eine Zukunft, in der ein gutes Leben für alle Wesen möglich ist?

Da es uns viel leichter fällt, uns die Schreckenszenarien auszumalen, ist es umso wichtiger, uns regelmäßig vorzustellen, was wir alles gewinnen können, statt uns auf das zu fokussieren, was wir verlieren werden.

Regelmäßige Fantasiereisen können dabei helfen.

Diese Folge beinhaltet die Aufzeichnung meiner ersten Fantasiereise im Experimentarium, damit austesten kannst, ob es etwas für Dich ist.

Ich freue mich, Dich im Experimentarium begrüßen zu dürfen. Es ist kostenlos und macht riesig viel Spaß! :-)

 

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Wie die reichen 1% das Wohl unseres Planeten beeinflussen

Ein Beitrag

Folge 248 - Wie die reichen 1% das Wohl unseres Planeten beeinflussen

Das Buch "Eine Erde für alle! - Einssein versus das 1%" von Vandana Shiva hat Carsten schwer beeindruckt. Den kritischen Ausführungen über Bill Gates und dem im Buch immer wieder genannten "1%" ist Carsten durch das Lesen des Oxfam-Berichts "An Economy For the 1% - How privilege and power in the economy drive extreme inequality and how this can be stopped" und dem Bericht "Gated Development - Is the Gates Foundation always a force for good?" von Global Justice Now nachgegangen.

Aus beiden Berichten, sowie Vandana Shivas Buch geht sehr einprägsam hervor, welche Machtstrukturen sich in den Händen verhältnismäßig weniger Menschen befinden. Und am Beispiel der Bill und Melinda Gates Stiftung werden zwei Dinge ersichtlich: erstens wie unkritisch deren globaler Einfluss und deren Handeln hingenommen wird und zweitens wie philanthropische Handlungen zur Verfestigung wirtschaftlicher und politischer Machtstrukturen des "1%" beitragen.

Links zur Folge

Buch "Eine Erde für alle! - Einssein versus das 1 %" von Vandana Shiva
z.B. bei buch7.de

Podcastfolge 243 - Wie Bill Gates die Welt retten will

Studie "An Economy For the 1%" [EN]
https://www.oxfam.org/en/research/economy-1

Studie "Gated Development Is the Gates Foundation always a force for good?" [EN]
https://www.globaljustice.org.uk/sites/default/files/files/resources/gjn_gates_report_june_2016_web_final_version_2.pdf

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Vollständiges Transkript

Carsten Diese Folge ist ausnahmsweise mal eine Solofolge und sie ist angeregt durch ein Thema, was ich bei Vandana Shiva in ihrem aktuellen Buch gelesen habe. Das Buch lautet „Eine Erde für alle, Einssein versus das 1 %“. Und genau um dieses 1 % geht es hier in dieser Folge.

Und zwar ist mit diesem einen Prozent quasi der geringe Anteil der Menschen gemeint, die ein extrem hohes Vermögen haben und aufgrund ihres Vermögens eine sehr große politische und wirtschaftliche Einflussnahme ausüben können oder auch machen. Und das hatte mich angeregt, ein bisschen tiefer reinzuschauen. Und gleichzeitig war ich aber auch so ein bisschen schockiert über die Art und Weise, wie Vandana Shiva auch gerade auf die Person von Bill Gates geschaut hat in ihrem Buch. Sie geht da sehr, sehr kritisch mit Bill Gates um und das hatte mich auch noch mal so ein bisschen getriggert, wo ich gedacht habe, okay, dem muss ich mal ein bisschen nachgehen. Wo kommt eigentlich diese Wut her, die ich da herausgelesen habe? Das war wirklich so, dass Vandana Shiva eine sehr starke, auch vielleicht sogar persönliche Abneigung gegenüber der Person Bill Gates hat. Und da musste ich auch ein bisschen tiefer eintauchen.

Bill Gates ist jetzt kein unbeschriebenes Blatt. Wir haben unlängst in der Folge 243 über ihn gesprochen. Er hat vor kurzem ein Buch zum Thema Klimawandel veröffentlicht und wir wollten einfach mal schauen, was stand da in dem Buch drin und wie würde Bill Gates jetzt tatsächlich versuchen, die Welt zu retten? Du kannst ja gerne in die Podcastfolge 243 noch mal reinhören. Die ist aber von der grundlegenden Kritik oder von den grundlegenden Aspekten, die ich jetzt in dieser Folge bespreche, eigentlich eher losgekoppelt. Trotzdem aber als Ergänzungsmaterial. Wie denkt eigentlich die Person Bill Gates über die Welt? Wie versucht er Probleme zu lösen? Ist doch vielleicht ein bisschen hilfreich, das zu verstehen.

Es geht also auch von dem, was Vandana Shiva in ihrem Buch geschrieben hat zum einen um dieses 1 % der Menschheit, die eine extreme Machtposition besitzen. Und konkret um Bill Gates bzw die Bill und Melinda Gates Stiftung oder Foundation, wie sie im Englischen heißt. Und zu beiden Aspekten gibt es noch ein bisschen weiterführendes Material, was ich mir auch in den vergangenen Wochen durchgelesen habe. Da gibt es zum einen von Oxfam einen Bericht oder Report, der die Wirtschaft des 1 % skizziert und zeigt, was steckt eigentlich dahinter? Was ist dieses ominöse 1 %? Da geht es tatsächlich darum, dass diese wirtschaftliche Machtkonzentration ein bisschen plastischer dargestellt wird, also bei wie wenig Menschen tatsächlich das meiste Geld, das meiste Vermögen vorhanden ist.

Und die Zahlen sind jetzt nicht ganz aktuell, aber zu dem Zeitpunkt der Drucklegung dieses Berichts von Oxfam war es so, dass tatsächlich acht Menschen auf dieser Welt genauso viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit. Das heißt konkret acht Menschen - und das sind Männer, muss man dazu sagen - acht Männer besitzen genauso viel wie ungefähr 4 Milliarden Menschen. Das ist eine extreme Konzentration an Vermögen. Das ist jetzt nicht das 1 %. Klar, rechnerisch gesehen reden wir beim 1 % von einer noch größeren Menge an Menschen. Aber das ist ein sehr erschreckendes Zeichen, wie weit diese soziale Schere eigentlich bereits auseinanderklafft. Und die Konzentration wird größer. Also es gibt Tendenzen, dass irgendwann mal nur noch zwei Personen dieses irrsinnige Vermögen besitzen.

Und wenn jetzt schon acht Personen oder in naher Zukunft nur zwei Personen, schon über derartige Vermögenswerte verfügen, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wenn wir jetzt das 1 % der reichsten Menschen ausrechnen, dann sind das ja ungefähr so 80 Millionen Menschen, so PI mal Daumen. Also ungefähr so viel wie in Deutschland leben. Und diese 80 Millionen Menschen beeinflussen das komplette Wirtschaftssystem - mit beeinflussen meine ich tatsächlich beeinflussen. Das heißt also die Machtstellung dieser Menschen ist so ausgereift, dass sie Zugang zu wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsträgern und Ebnen haben, um das Wirtschafts und auch das Gesellschaftssystem in dem Sinne zu prägen und auch weiter fortzuentwickeln, dass sie selbst den größtmöglichen Profit daraus schlagen. Und das ist in diesem Oxfambericht sehr schön und plastisch dargestellt und ist aber eine sehr beängstigendes Realität. Es zeigt einfach auf, wo wir Stand heute stehen.

So, was hat das Ganze jetzt mit Bill Gates zu tun? Wie gesagt, Vandana Shiva bezieht sich in ihrem Buch sehr stark auf die Person Bill Gates. Weil Bill Gates aus dieser Menge des 1% sehr stark hervorsticht. Also er ist sehr prominent. Und um da so ein bisschen mehr Hintergrundinformationen zu bekommen, wo jetzt eigentlich vielleicht auch diese, ich mag schon fast Aversion sagen, die Bill Gates gegenüber erbracht wird, herkommt, hilft tatsächlich ein Bericht von der Initiative Global Justice Now. Die hat einen Bericht erstellt, wo kritisch auf die Bill und Melinda Gates Stiftung geschaut wird. Und Bill und Melinda Gates haben mit ihrer Stiftung ein sowohl wirtschaftliches als auch politisches Schwergewicht geschaffen, was in einer völlig eigenen Liga spielt.

Dazu musst du wissen, dass diese Stiftung privatwirtschaftlich organisiert ist. Das heißt also, es gibt im Grunde genommen nur zwei, vielleicht drei Personen im Hintergrund, die irgendwo Verantwortung für diese Stiftung haben, wirklich nach oben hin betrachtet von der Hierarchie haben. Und zwar stehen da tatsächlich Bill Gates und Melinda Gates. Und ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, Warren Buffett ist zum einen mit Bill Gates befreundet, er ist aber auch in einer der beiden Institutionen drin. Wenn ich jetzt beide Institutionen sage, heißt das, es gibt sowohl die Stiftung als auch einen entsprechenden Trust zu dieser Stiftung. Ich weiß jetzt nicht ganz genau, was der korrekte deutsche Begriff für Trust wäre.

Von der Konstellation ist es so, dass die Stiftung, so wie wir sie jetzt kennen und wahrnehmen, tatsächlich diejenige ist, die „gemeinwohlorientiert“ agiert. Und im Hintergrund bekommt sie die Finanzierung durch diesen Trust. Der Trust ist tatsächlich, ich sage das mal ein bisschen freibleibend, so eine Art Hedge Fonds, wo große Gelder, die Bill Gates aus seinem Privatvermögen zur Verfügung gestellt hat, investiert werden. Und durch die Investments werden Gewinne und Profite realisiert und die dienen dann anschließend der Stiftung oder werden an die an die Stiftung übergeben, womit dann die Stiftung quasi ihr Werk finanziert und alle ihre Initiativen und Programme dann damit auch abdeckt.

So, und ich glaube, im Trust ist Warren Buffett mit drin. Ich bin mir nicht sicher, ob er auch in der reinen Bill und Melinda Gates Stiftung mit drin ist. Aber egal wie man es dreht und wendet, es gibt am Ende des Tages so drei Personen, die in irgendeiner Art und Weise das ganze Konstrukt in letzter Instanz zu verantworten haben. Und da hört dann aber auch die tatsächliche Verantwortungsnahme mehr oder weniger auf. Das heißt, es ist keine NGO, die in irgendeiner Art und Weise nach außen hin eine große Verantwortung zu tragen hat. Es ist auch keine staatliche oder interstaatliche Institution, die auch da hinsichtlich der Bürger·innen bzw der Staaten irgendeine Rechenschaft pflichtig ist, sondern das ganze Konzept und Konstrukt ist tatsächlich rein privatorientiert.

Und das ist einer der ganz großen Knackpunkte, der auch von Global Justice Now und von vielen anderen Organisationen angesprochen wird, dass sich diese Rechenschaftspflicht so minimal auswirkt. Im Grunde genommen kann die Stiftung tun und machen, was sie möchte. Sie hat ein irrsinniges Stiftungskapital, ist damit, glaube ich, auch die größte Stiftung weltweit und kein Mensch, bis auf die drei genannten Personen, kann wirklich von oben herab beeinflussen: was soll eigentlich mit diesem riesigen Stiftungskapital gemacht werden? Wir sind also darauf angewiesen, dass sowohl Bill Gates als auch Melinda Gates im Sinne der Allgemeinheit handeln.

Leider wird es genau an der Stelle ziemlich dünn, da es keine wirkliche kritische Auseinandersetzung mit der Stiftung und mit den Aktivitäten der Stiftung gibt, was daran liegt, dass die Stiftung wirklich überall ihre Finger im Spiel hat. Das heißt also, sowohl auf der obersten internationalen und globalen Wirtschafts- und Politebene spielen die mit. Bill Gates ist auch persönlich sehr stark präsent und und tritt auf Foren auf, wo man normalerweise denkt, das ist eigentlich den hohen Politiker·innen eigentlich vorbehalten. Aber gleichzeitig finanziert die Stiftung an sich über Forschungsgelder, über Spenden bis runter zu konkreten wissenschaftlichen Projekten, Wissenschaftler·innen und erkauft sich damit aus meiner Sicht - das ist jetzt meine persönliche Konnotation - natürlich auch bestimmte Stimmen.

Das heißt also viele Personen, die eigentlich in der Lage wären, einen kritischen Blick auf das Geschehen zu werfen, sind nicht mehr unbefangen, sondern sind in irgendeiner Art und Weise auf das Wohlwollen dieser Stiftung angewiesen, weil bestimmte Institutionen, mit denen man zusammenarbeitet, mehr oder weniger direkt oder indirekt vom Wohlwollen dieser Stiftung abhängen durch Spendengelder, durch andere Zuwendungen. Und das Ganze macht eine kritische Reflexion stand heute quasi völlig unmöglich. Also es gibt eigentlich kaum jemand, der sich traut, kritisch neutral auf dieses ganze Geschehen drauf zu schauen und dementsprechend auch Gehör zu finden.

Der Bericht von Global Justice Now ist an der Stelle tatsächlich eine rühmliche Ausnahme. Allerdings kratzt er auch wirklich nur an der Oberfläche und es bedarf eigentlich weiterer kritischer Betrachtung und Berichte, die einfach schauen, was macht diese Stiftung, wie macht sie es? Was ist tatsächlich nachher der Outcome bis hin zu einer Bewertung? Ist das, was ursprünglich gewollt wurde, eigentlich auch das Resultat? Und entspricht das Resultat eigentlich auch dem, was langfristig dort, wo es jetzt umgesetzt wurde, auch wirklich benötigt wird?

Mit umgesetzt meine ich, dass die Bill und Melinda Gates Stiftung zwei Kernbereiche besitzt. Das eine ist der Bereich der Landwirtschaft, das andere ist der pharmazeutische Bereich, also quasi auf Medikamenten, Impfstoffe etc. konzentriert. In beiden Bereichen ist die Bill und Melinda Gates Stiftung wirklich unangefochten, weltweit eine der einflussreichsten oder vielleicht sogar die einflussreichste Größe, was das Ganze auch wieder sehr gefährlich macht, weil da, wo die Bill und Melinda Gates Stiftung bestimmte Aktivitäten im Agrarbereich oder auch im Pharmabereich tätigt, schafft sie bestimmte Strukturen. Und diese Strukturen, das sind nicht einfach irgendwie kleinere Initiativen, die irgendwann im Laufe der Zeit mal etwas größer werden, sondern das sind teilweise sehr fundamentale Entscheidungen, die getroffen werden und die sehr schwierig sind, zu revidieren.

Im pharmazeutischen Bereich ist die Bill und Melinda Gates Stiftung sehr präsent, was Impfungen betrifft. Da hat sie auch sehr viel schon erreicht, auch sehr, sehr viel Positives erreicht. Sie ist tatsächlich eine treibende Kraft, was jetzt das Voranbringen von bestimmten Impfstoffen, im globalen Süden betrifft, da hat sie sehr viele Menschenleben schon gerettet und auch dafür gesorgt, dass entsprechende Medikamente und Impfstoffe vor Ort verfügbar sind. Gleichzeitig stecken aber in diesem Bereich auch die massivsten Kritikpunkte und die hängen damit zusammen, mit wem die Bill und Melinda Gates Stiftung zusammenarbeitet. Bzw auch wo bekommt die Bill und Melinda Gates Stiftung eigentlich ihre Gelder her, am Ende des Tages?

Ja und da schließt sich oftmals der Kreis. Das hängt damit zusammen, dass der Trust, der im Hintergrund quasi die Profite generiert, mit denen die Stiftung nachher ihr Werk tätigt, dieser Trust investiert in Industrien, in Unternehmen, die häufig sehr fragwürdig sind. Da fallen jetzt generell Unternehmen rein, die im Bereich der fossilen Industrie unterwegs sind. Im Pharmabereich wird sehr viel investiert, Biotechnologie wird viel investiert, aber auch Bergbau und teilweise sogar in der Fast Food Branche. Das sind leider alles Branchen, die eher problematisch zu bewerten sind und dementsprechend muss man natürlich dann auch im zweiten Schritt gucken: Mit was für Unternehmen arbeitet nachher die Stiftung zusammen?

Und Wunder, oh Wunder, es sind häufig genau die Unternehmen, in die der Trust vorher investiert hat oder zumindest die Branchen, wo eine Investition stattfindet. Und da schließt sich der vorhin genannte Kreis. Das heißt also, die Stiftung an sich unterstützt Unternehmen oder auch Initiativen von Verbänden, wo sich die Unternehmen mit ihren Interessen dann zusammengefunden haben und profitiert aber indirekt dadurch, dass genau diese Initiativen und Unternehmen vor Ort im globalen Süden stärker Marktmacht erringen und dort dann auch Profite erwirtschaften können. Und diese Profite landen dann indirekt natürlich wieder in der Ausschüttung, die dem Trust zur Verfügung gestellt werden. Und der finanziert damit natürlich dann wieder das weitere Vorgehen der Stiftung.

Die Stiftung versucht sich natürlich insofern freizusprechen, als dass sie sagt, dass die Entscheidung über die Investitionen im Trust liegen und der Trust völlig eigenständig agiert. Das heißt also, es gibt keine rechtliche direkte Verbindung zwischen der Stiftung und dem Trust. Aber da beides im Besitz von Bill und Melinda Gates ist - ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das Ganze völlig unbefangen läuft. Also anders ausgesprochen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bill Gates über seinen Trust in Branchen investiert und anschließend über seine Stiftung Initiativen unterstützt, die gegen diese Branchen agieren.

Und ich möchte jetzt an der Stelle auf zwei Kritikpunkte eingehen, die gerade für diesen pharmazeutischen Bereich, in dem sich die Bill und Melinda Gates Stiftung aufhält, geäußert wurden. Beides findet sich auch in dem Bericht von Global Justice Now. Das eine ist die Frage, ob tatsächlich Impfstoffe und Medikamente wirklich jedes Mal der beste Lösungsansatz ist. Da geht es darum, dass häufig Krankheiten auf soziale und und auch hygienische Umstände zurückzuführen sind. Und da muss man sich dann grundlegend schon die Frage stellen: Ist es eigentlich jetzt sinnvoller, vielleicht die Umstände zu beseitigen, die zur Krankheit führen, statt für Medikamente zu sorgen, die zwar die entstehende Krankheit nachher lindern bzw heilen können, aber letztendlich das Grundübel ja gar nicht beseitigen?

Da darf man natürlich noch ein bisschen tiefer schauen, wenn ich weiß, dass tatsächlich die Pharmaindustrie davon profitiert, dass ich Medikamente vor Ort verkaufen kann und ich die Ursachen nicht beseitige, dann ist es natürlich ein Geschäft auf lange Zeit hinweg. Gleichzeitig profitiert aber auch der Bill und Melinda Gates Foundation Trust von dieser Pharmaindustrie, die dort vor Ort jetzt neue Profite erwirtschaftet. Und diese Profite werden dann über diesen Weg des Trusts auch wieder der Foundation zugute getan, die dann weiterhin ihr Werk tätigen kann. Also da sehe ich schon einen großen Interessenkonflikt. Und dieser Interessenkonflikt, der hat dann zur Folge, dass vielleicht gar nicht ein Interesse existiert, die Ursachen von diesen Krankheiten zu beseitigen.

Und auch der Agrarbereich der Bill und Melinda Gates Stiftung ist nicht ganz ohne. Das ist tatsächlich etwas, wo du sehr viel Informationen von Vandana Shiva bekommst und erklärt auch tatsächlich aus meiner Sicht, warum Vandana Shiva so sehr schlecht über Bill Gates als Person denkt. Dazu musst du verstehen, dass in diesem Agrarbereich versucht wird, die industrielle Landwirtschaft im globalen Süden zu etablieren. Bill Gates ist ein Fürsprecher der Genmanipulation bei Pflanzen, sieht dort großes Potenzial, um auch die Welthungerfrage zu lösen und hat tatsächlich diese sehr technokratische, wie ich finde, Sichtweise, dass wir genmanipulierte Pflanzensorten brauchen, die in der Lage sind, auf Böden kultiviert zu werden, die auch in Extremwetterlagen funktionieren.

Teilweise soll über Genmanipulation dann auch der Nährstoffgehalt der entsprechenden Pflanzen angereichert werden, mitunter durch das Einbringen von Genen, die die Pflanze befähigen, bestimmte Vitamine zu bilden. Und der Hintergrundgedanke ist, diese Pflanzen dort einzusetzen, wo bestimmte Vitaminmangelkrankheiten existieren. Also breitflächig in der Bevölkerung. Ich will auf dieses ganze Konstrukt und Konzept und Vorgehen gar nicht so im Detail eingehen. Da findest du, wie gesagt, bei Vandana Shiva extrem viel Material. Sie ist Verfechterin der Agroökologie, also des komplett konträren Ansatzes, der sagt, wir brauchen kleine landwirtschaftliche Betriebe, die im ökologischen Sinne wirtschaften, die gar nicht abhängig sind von diesen genmanipulierten Sorten, die frei von der Entscheidung sind, was für ein Saatgut bringe ich aus?

All das wäre ja nicht gegeben, wenn wir diesem Pfad der industriellen Landwirtschaft folgen, die ja auf eine sehr begrenzte Anzahl an Saatgut ausgelegt ist. Dieses Saatgut funktioniert auch nur in Kombination mit entsprechenden Düngern und Pestiziden, Insektiziden etc. und treibt die Bäuerinnen und Bauern in eine sehr starke, auch finanzielle Abhängigkeit. Und all das kritisiert Vandana Shiva sehr fundamental, sehr ausführlich. Und wie gesagt, sie spricht sich aus für eine ökologische, kleinteilige Landwirtschaft. Sie hat ja hervorragende Konzepte schon ausgearbeitet und umgesetzt und ist da gerade im indischen Bereich, aber jetzt auch stärker im afrikanischen Bereich unterwegs. Sie unterstützt dort Kleinbäuer·innen und baut dort lokale Strukturen auf, die nachhaltig langfristig auch wirtschaftlich funktionsfähig sind und auch durchaus weit über eine reine Subsistenzwirtschaft hinausgehen, aber komplett gegenteilig ausgerichtet sind, zu dem, was diese industrielle Landwirtschaft beabsichtigt und dementsprechend auch konträr zu dem, was die Bill und Melinda Gates Stiftung tatsächlich vor Ort antreibt.

Die Stiftung ist dort eine sehr große treibende Kraft, mitunter, was jetzt afrikanische Staaten betrifft, die größte Kraft überhaupt. Die kann dort aufgrund ihrer wirtschaftlichen und politischen Einflussnahme und natürlich mit ihrem riesigen Vermögen Strukturen schaffen, die nur sehr schwer zu überwinden sind. Und diese Strukturen gehen tatsächlich in einen nicht wirklich ökologisch nachhaltigen Bereich. Und wirtschaftlich muss man es auch als sehr fragwürdig betrachten, weil diese intensive industrielle Landwirtschaft ja mittel und langfristig dafür sorgt, dass Böden eher erodieren und ausgelaugt werden und wirklich nur unter Zuhilfenahme von fossilen Energieträgern funktionieren. Ja, ich rede jetzt nicht nur vom Sprit für die Traktoren, sondern tatsächlich auch von den ganzen Düngemitteln und den Insektiziden und Pestiziden.

Und aus diese Abhängigkeit sollten Bäuer·innen eigentlich eher befreit werden bzw dort nicht hinein gedrängt werden. Und das ist also auch ein wirklich fundamentaler Kritikpunkt gegen die Bill und Melinda Gates Stiftung, die dort einen sehr, sehr fraglichen und aus meiner Sicht auch langfristig überhaupt gar nicht funktionierenden Weg beschreitet, und den aber massiv durchboxt. Weil - das ist jetzt meine persönliche Sichtweise und die resultiert aus dem, was ich jetzt hier aus diesen Reports gelesen habe, dass diese wirtschaftliche Verflechtung existiert - es werden Branchen und Unternehmen gefördert, in die der Trust voll investiert hat. Also auch da ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Gleichzeitig muss ich aber sagen, unabhängig von diesen wirtschaftlichen Interessen nehme ich wahr aus der Berichterstattung, die ich bisher so gelesen habe, dass die Stiftung und auch die Person Bill Gates sehr stark technokratisch denkt. Das heißt also, Lösungen für Probleme werden in erster Linie im technologischen Sektor gesucht und auch gefunden. Wir haben ein Problem mit Krankheiten wie Aids, also brauchen wir Medikamente oder einen Impfstoff. Wir haben ein Problem mit der Ernährung, also brauchen wir eine Technologie, die in der Lage ist, bessere, ertragreicherer Pflanzen herzustellen. Wir haben ein Problem mit der Energie, also müssen wir jetzt zusehen, dass wir in Technologien investieren, die energieeffizienter arbeiten, die energieschonender laufen. Wir haben ein Problem mit CO2 Ausstoß, also müssen wir in Technologien investieren, die CO2 minimieren sind.

Das sind alles sehr starke Denkrichtungen, die Fortschrittsbehaftet sind, die einfach aus meiner Sicht ignorieren, dass wir tatsächlich planetare Grenzen haben. Dieses Spiel können wir nicht unendlich lange mitspielen. Wir müssen in vielen Bereichen tatsächlich auch technologisch besser werden. Aber wir müssen gucken, was für Alternativansätze können wir eigentlich verwenden, ohne sie großartig erst noch irgendwo entwickeln zu müssen, sondern sie liegen ja heute schon vor. Sie werden ja in weiten Bereichen der Bevölkerung schon gelebt und im Bereich der Landwirtschaft, das wird hier aus meiner Sicht in den „entwickelten Ländern“ zu wenig betrachtet und zu wenig erkannt, dass 80 % der Welternährung eigentlich in kleinbäuerlich strukturierten Betrieben erwirtschaftet wird. Also es sind gar nicht diese extrem großen Landflächen, die wir immer verbinden mit Landwirtschaft, sondern es sind tatsächlich kleinere, familiäre Strukturen, die die Weltbevölkerung ernähren. Und da liegt ein riesiges Potenzial zu sehen, was haben wir heute eigentlich schon und wie können wir das eigentlich befördern? Also nicht nur weiter ausbringen von der reinen Anzahl her, sondern auch inhaltlich nach vorne bringen, dass das auch ökologischer und nachhaltiger wird. Wie können wir dort Ertragssteigerungen mit reinbringen?

Und auch da bin ich wieder bei Vandana Shiva, die in ihrer Arbeit dort, was den ökologischen Landbau gerade auch konzentriert in Indien betrifft, sehr viel Wissen schon tatsächlich auch an den Mann gebracht hat und da wirklich eine sehr prominente und auch eine Schlüsselrolle einnimmt. Wenn du dich also bisher noch nicht mit ihrer Person auseinandergesetzt hast, empfehle ich dir auf alle Fälle mal zu schauen, was für Bücher sie geschrieben hat und mindestens mal in ein oder zwei Bücher reinzulesen, reinzuschnuppern. Da kommt sehr viel an Erfahrungswissen raus, was tatsächlich die Probleme vor Ort betrifft.

Und das ist jetzt wieder ein Punkt, wo ich Vandana Shiva besser verstehe in der emotionalen Haltung, in der sie das Buch geschrieben hat. Sie schreibt sehr echauffiert und ich habe das oftmals gar nicht verstanden. Habe gedacht okay, warum? Warum regt sie sich jetzt da an der Stelle so auf? Jetzt im Nachgang ist mir das alles völlig klar geworden. Also ich kenne jetzt inhaltlich viel mehr Kritikpunkte, die gegen die Vorgehensweise und gegen das Denken von Bill Gates als Person sprechen, aber auch die gegen das Vorgehen und die Handlungsweise der Stiftung sprechen. Und ich habe verstanden, dass sie aus Sicht der Betroffenen argumentiert, also nicht aus einer privilegierten westlichen Sichtweise, die versucht, schablonenhaft irgendwelche Lösungsansätze global auszubringen und zu sagen das, was hier funktioniert, funktioniert auch da. Ihr müsst nur das und das und das machen, so dieses von oben herab. Ich erzähle euch mal, wie die Welt funktioniert, sondern sie ist ja wirklich betroffen.

Sie arbeitet mit Menschen zusammen, die genau diese Strukturen erleben und auch erleiden müssen, die einfach sieht, was passiert dort, wenn dort eine Industrie in ein Land gebracht wird, die jetzt in ihrem Fall, die industrielle Landwirtschaft so stark forciert, dass Menschen in die wirtschaftliche Abhängigkeit gedrängt werden und mittlerweile über 300.000 Bäuer·innen in den Suizid gehen, weil sie aus dieser wirtschaftlichen Abhängigkeit nicht mehr rauskommen und hoch verschuldet sind und einfach nicht mehr wussten, wie sie damit umzugehen haben. Und aus dieser Erfahrung und Sichtweise sind ihre Emotionen und und dieses echauffierte Schreiben absolut verständlich und auch absolut notwendig.

Das macht es auch so wichtig, sich mit diesen Strukturen und diesen Machtverhältnissen auseinanderzusetzen. Wir brauchen da wirklich eine einen kritischen Diskurs über das, was auch gerade mit solchen großen Stiftungen passiert. Was machen die eigentlich? Ist es wirklich das, was die lokale Bevölkerung, die dort unten unterstützt werden soll, auch tatsächlich benötigt und auch selber einfordert? Oder wird dort von oben herab einfach eine Schablone drüber gestülpt und mit einer Denkweise, die eher unserer westlichen Industriesphäre entspricht, ein Problem versucht zu lösen?

Und so prominent und einflussreich Bill Gates an seiner Stelle auch ist. Er ist ja leider, leider nicht die einzige Person, die in diese Richtung drängt und auch viele Dinge befürwortet, wo wir mittlerweile kritischer gegenüberstehen, sondern er schafft ja auch Strukturen innerhalb seiner eigenen Stiftung. Da wird ja nicht nur hinsichtlich der Aktivitäten sehr stark mit Industrie und und konkreten Unternehmen zusammengearbeitet, sondern auch innerhalb der eigenen Führungsstrukturen ist es so, dass die häufig mit Personen besetzt werden, die direkt vorher aus dem wirtschaftlichen Umfeld stammen und häufig auch aus den Unternehmen, die nachher davon profitieren, was die Bill und Melinda Gates Stiftung macht. Also der Drehtüreffekt, den wir sonst so zwischen Unternehmen und Politik kennen, der findet auch dort in der Stiftung statt.

Und das ganze Szenario dieser Drehtüreffekt, diese Einflussnahme, dieses Strukturen schaffen, um in eine bestimmte Richtung zu gehen und dass es so eine technokratische, fortschrittsgläubige neoliberale Richtung ist, die mit den planetaren Grenzen überhaupt nicht mehr im Einvernehmen ist, das findet ja nicht nur in dieser Stiftung statt, nicht nur bei Bill Gates, sondern ist tatsächlich etwas, was ja auch - und da sind wir jetzt wieder - bei dem 1 % stattfindet, wo Strukturen verfestigt werden, sich immer wieder neu konstruieren, da wo Strukturen noch fehlen und neu geschaffen werden, die aber nach dem herkömmlichen Schema erstellt werden.

All das trägt jetzt letztendlich dazu bei, dass wir tatsächlich eine Wirtschaft haben, die in erster Linie diesem 1 % der Menschheit zugutekommt und sowohl deren Wohlstand als auch deren Machtposition weiter ausbaut und zementiert.

Du merkst jetzt mit Sicherheit, dass mich das Thema jetzt innerlich sehr stark beschäftigt hat in letzter Zeit. Es hat mich in vielerlei Hinsicht auch schockiert, weil das Ausmaß des Problems, mit dem wir es hier zu tun haben, jetzt nicht gerade klein und trivial ist. Gleichzeitig hat es mich aber auch motiviert und motiviert, für alternative Gesellschaftsmodelle, alternative Wirtschaftsmodelle einzutreten, sei es jetzt einfach über den Tellerrand zu schauen und wahrzunehmen, was gibt es dort überhaupt?

Vandana Shiva ist wirklich eine hervorragende Quelle, um überhaupt erstmal wahrzunehmen, was es tatsächlich heute schon gibt, wo auch Probleme mit den Strukturen existieren, die wir hier vor Ort vorfinden und versuchen sie aber in andere regionale oder globale Bereiche zu übertragen.

Und gleichzeitig ist es aber auch eine Motivation hier für mich im Alltag zu versuchen, mich weniger abhängig von diesen Machtstrukturen zu machen und nicht nur im intellektuellen, sondern auch im konkreten Sinne stärker an Alternativen zu arbeiten.

Und ich möchte dich jetzt mit diesen Gedanken, mit diesem Input erstmal eine Zeit lang allein lassen. Ich hoffe, dass auch du daraus Kraft und Ideen schöpfen wirst, um dich für Alternativen zu interessieren und vielleicht sogar daran mitzuarbeiten.

Und sage in diesem Sinne. In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

Folge 247 - Wir konnten auch anders von Annette Kehnel

Ein Beitrag

Folge 247 - Wir konnten auch anders von Annette Kehnel

Wir reisen in die Vergangenheit und lassen uns in dieser Folge inspirieren von dem Buch "Wir konnten auch anders - Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit" von Annette Kehnel. Das Buch gibt uns zu verstehen, dass die Vergangenheit gar nicht so dunkel war, wie allgemein angenommen. Und das wir aus der Vergangenheit viele überraschende Lösungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Zukunft übernehmen können.

Wir laden Dich ein auf eine Reise in die Vormoderne, bei der Dir Themen wie Sharing, Recycling, Mikrokredite und Minimalismus begegnen werden. Themen und Konzepte, von denen wir bisher annahmen, es handele sich um neue, moderne, ja innovative Konzepte. Bei denen wir durch dieses Buch dann aber gelernt haben, dass sie eine teilweise jahrhundertealte Tradition besitzen.

Nicht umsonst ist "Wir konnten auch anders" unser Buch des Jahres.

Aus der Vergangenheit werfen wir am Ende der Folge noch einen Blick in die sehr nahe Zukunft. Stefanie erzählt Dir, was es mit ihrer neuen Community auf sich hat, in der wir gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft gehen.

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge rezensieren wir wieder ein Buch. Wir bleiben uns also treu. Wie wir im letzten Jahr aufgehört haben, fangen wir in diesem Jahr wieder an. Wenn wir jetzt unsere Rückblicke und Ausblicks Folge mal außen vor lassen. Und ich wage tatsächlich eine steile These: Dieses Buch wird dieses Jahr bestimmen.

Carsten Ja, die ist echt steil, die These. Wie kommst du denn darauf?

Stefanie Als ich dieses Buch angefangen habe zu lesen, dachte ich, das ist es. Auf das Buch habe ich jetzt schon seit Ewigkeiten gewartet. Das Buch verändert alles.

Carsten Ach, und du meinst, dadurch wird sich auch dieses Jahr oder in diesem Jahr alles verändern?

Stefanie Das ist quasi so ein „Leitsatz“ kann man ja nicht sagen, da es ein ganzes Buch ist, ein Leitbuch für dieses Jahr. Und damit du jetzt auch weißt, über was wir hier sprechen nennt Carsten mal kurz den Titel.

Carsten Der Titel des Buches lautet „Wir konnten auch anders. Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit“. Und zwar geschrieben von Annette Kehnel.

Stefanie Und ich hatte dieses Buch schon länger auf meiner Vormerkliste. Allerdings hat es dann gedauert, bis es tatsächlich da war und jetzt hatte ich die Chance, das zu lesen. Und Carsten auch. Ich war ein bisschen schneller fertig mit dem Buch. Carsten hat, glaube ich auch später angefangen zu lesen.

Carsten Ja, daran lag es nicht. Es war nicht meine Lesegeschwindigkeit.

Stefanie Doch, Carsten liest immer so im Schneckentempo und ich sitze da und habe schon 20 Bücher gelesen in der Zeit in der er eins liest. Genau. Nein. Jedenfalls ist Carsten vorgestern fertig geworden. Also gesehen von dem Zeitpunkt, wo wir jetzt diese Folge aufnehmen. Ich habe in der Zwischenzeit schon, ich glaube, vier andere Bücher gelesen. Deswegen musste ich mich jetzt gerade erst mal wieder ein wenig einlesen in das Buch. Carsten ist aber ganz frisch drin und wird jetzt erst mal dich durch das Inhaltsverzeichnis führen.

Carsten Gut, steigen wir mal ein. Also ganz prominent: die Einleitung. Nein, natürlich gibt es die, aber interessant ist natürlich dann wirklich der Kerninhalt, aufgeteilt in sechs Kapiteln. Das sind relativ umfangreiche Kapitel und ich gehe jetzt erst mal nur so in das grobe Thema rein. Also das Buch fängt tatsächlich an mit einer sehr spannenden Frage. Und zwar wird gefragt, ob wir vor der Erfindung des Kapitalismus eigentlich alle wirklich arm waren. Finde ich total spannend, weil das ist ja so das Bild, was wir haben, Leute im Mittelalter sind arm wie die Kirchenmaus.

Stefanie Genau da will ich nachher auch noch mal was dazu vorlesen, aber ich denke, wir gucken jetzt erst mal weiter.

Carsten Genau einmal Schnelldurchlauf durch die Themen. Nachdem wir diese Frage beantwortet haben, geht es dann weiter in einen Bereich, der so, wenn man in die Historie reinschaut, irgendwie sehr komisch anmutet. Da geht es mich um Sharing.

Stefanie Ja, sie nennt halt diese ganzen modernen Begriffe, sag ich mal, nur das Konzept war halt früher auch schon da.

Carsten Genau. Und dann, nachdem wir Sharing gehabt haben, geht es um Recycling. Und jetzt wird es noch ein bisschen kurioser: um Mikrokredite. Ja, eine Erfindung der Neuzeit, ist ja klar. Da gab es ja auch einen Nobelpreis für. Also von daher, das ist ja total neu. Dann wird es ein bisschen gesitteter. Da geht es um Spenden und Stiften oder Stiftungen, also nicht der Schreibstift und das letzte thematische oder inhaltliche Kapitel geht dann in den Bereich des Minimalismus. So und dann schließt das Buch mit einem siebten letzten Kapitel, wo einfach die Schlussfolgerung noch mal gezogen wird. Aber das sind eigentlich so die Themen, die Hauptpunkte, um die es geht. Und wie gesagt, wir konnten das auch damals schon alles anders.

Stefanie Genau. Und ich hatte gerade aufgrund dieses Titels, „Wir konnten auch anders“ und generell dieser historischen Betrachtungsweise mich sehr auf dieses Buch gefreut und ich kann auch schon mal spoilern: Ich bin nicht enttäuscht worden. Es gibt zwei Punkte aus meiner Sicht, die nicht so gut sind. Carsten hat auch Punkte gefunden. Wir verraten noch nicht wie viele, aber jedenfalls auch Punkte gefunden. Und wir werden also auch auf die Kritik noch eingehen. Jetzt so vorab schon mal, würde ich sagen, lies dieses Buch.

Carsten Ja also vorab auch von meiner Seite aus eine absolute Leseempfehlung, weil es sehr erhellend ist.

Stefanie Und alle, die meinen Milchgeschichten Podcast schon gehört haben, wissen, dass ich so was total toll finde, in die Geschichte, die Historie von Dingen einzutauchen. Und hier muss ich aber auch noch dazu sagen: das ist jetzt die Historie von Europa. Das ist auch gleich einer der Kritikpunkte. Ich würde sagen, die Autorin ist sehr sattelfest, was die Historie von Europa angeht. Aber darüber hinaus möchte ich jetzt einfach mal behaupten, dass sie da nicht so tief drin ist und dann in Klischees reinfällt und auch in Vorurteilen verhaftet ist, die weitestgehend existieren. Da werden wir nachher noch mal einmal kurz was zu sagen. Aber ich würde sagen, wie es bei mir halt die Historie der Kuhmilch in Deutschland war und ist, ist es hier dann eher die Historie in Europa und nicht darüber hinaus. Allerdings bezieht sie sich jetzt eher auf die sogenannte Vormoderne. Das heißt, sie ist im Mittelalter verhaftet und um die 1000 bis 1500 Jahre davor, würde ich sagen. Und dann ein bisschen noch danach. Bis es zur sogenannten Moderne kam.

Carsten Und auch wenn der Passus bzw. der Abschnitt, den sie über die Moderne verfasst hat, relativ kurz ist im Vergleich zum restlichen Buch, ist das für mich aber auch einer der ganz, ganz, ganz wichtigen Punkte, weil das war zumindest mir persönlich vorher nicht klar, dass sie zum einen ja die Moderne eben auf so 200 - 250 Jahre zusammenfasst und auch ganz klar darstellt. Und das ist der Punkt, der für mich wirklich wichtig war. So modern ist das heute gar nicht mehr. Also da, wo wir denken, das ist ja, wir leben in der Moderne, es ist halt modern, war es tatsächlich wichtig für mich zu verstehen, dass die Antriebsmomente, die wir momentan noch haben, 200 Jahre alt sind. Die haben vor 200 Jahren gut funktioniert, aber mittlerweile halt nicht mehr so gut, weil wir jetzt an die Grenzen stoßen, an die ökologischen Grenzen, weil wir jetzt auch feststellen, dass wir ethische, moralische Grenzen einfach ignoriert haben. Und das war damals, als diese Moderne anfing, ja noch nicht das große Thema. Teilweise wurde es nicht thematisiert, teilweise war es nicht ersichtlich. Aber dieser ganze Fortschrittsglaube, das ist ja auch das, was uns heute noch treibt. Wir müssen halt mehr Fortschritt haben, wir müssen Technologien entwickeln und dann wird alles gut. Das ist ja tatsächlich nichts Neues, ist 200 Jahre alt und sehr schön fand ich dann auch so die Anekdote, dass damals, als der erste Benzinmotor erfunden wurde, es ein totales Highlight war und wir sind seitdem auch nicht weiter gekommen. Also wir versuchen den Benzinmotor weiter zu basteln, aber wir sträuben uns davor, einfach irgendwie wirklich innovativ zu sein und was komplett Neues zu machen, sondern wir verharren da tatsächlich in diesem „Modernen“, also quasi im Alten.

Stefanie Ja, die Autorin schreibt dazu auch: „Das bedeutet, wir wollen die Herausforderungen des frühen 21. Jahrhunderts mit Konzepten lösen, die im späten 18. und 19. Jahrhundert entwickelt wurden. Konzepte, die den Aufstieg in die sogenannte Moderne ermöglichten. Die Zauberformel damals hieß Fortschritt, Wachstum und Wohlstand.“ Und sie schreibt dann weiter, dass wir eben in den Konzepten des 19. Jahrhunderts stecken geblieben sind, so wie Carsten es gerade beschrieben hat. Und weiter schreibt sie dann vom Homo oeconomicus und dessen Entwicklung, aber dann auch von unserer Angst vor der Veränderung. Und da möchte ich noch mal einmal etwas zitieren:

“Vergleichen wir die Situation mit der eines Künstlers oder einer Künstlerin. In den vergangenen 200 Jahren hat die Menschheit mit großem Fleiß, in bewundernswerter Konzentration und unter Aufbringung ganz erheblicher Opfer an der Moderne gearbeitet. Nun ist es Zeit, endlich einmal wieder aufzuschauen, zurückzutreten, den Blick auf das Gesamtkunstwerk, das da entstehen soll, freizugeben. Erst dann sieht die Künstlerin, in unserem Fall also die Menschheit, wie sich die vielen einzelnen Details zu einem Ganzen zusammenfügen. Auch sieht sie, wo der Pinsel neu angesetzt werden kann. Wenn es uns gelingt, eine Vorstellung von unserer Zukunft zu entwickeln, wissen wir, wie wir jetzt handeln sollten. Die Lust zum Weitermalen kommt zurück. Abstand gewinnen. Zurücktreten. Sich trennen. Den Pinsel mal aus der Hand legen. Eine neue Perspektive wählen. All das sind notwendige Voraussetzungen zur Entwicklung neuer und zukunftsfähiger Konzepte für das 21. Jahrhundert.“

Und dieser Ansatz gefällt mir wirklich gut. Dass wir zum einen steckengeblieben sind in dieser Vorstellung von vor 200 Jahren, was Fortschritt bedeutet und wie unsere Welt funktionieren sollte, wie wir uns dessen bewusst werden sollten und einfach mal zurücktreten und anerkennen, dass es jetzt Zeit ist, neu zu denken. Dass wir die Probleme, die wir jetzt haben, nicht mit dem Konzept lösen können, durch das die Probleme entstanden sind, sondern dass wir neue Ideen und neue Lösungen brauchen. Und da gibt es eben nicht die eine Lösung, sondern es gibt ganz viele verschiedene Lösungen. Und die Autorin stellt hier in ihrem Buch da ganz viele Konzepte vor, die früher schon funktioniert haben. Und bei dem Punkt früher muss ich auch noch mal einmal was zitieren:

“Was fällt uns ein, wenn wir darüber nachdenken, wie die Menschen früher im Lauf der Geschichte gelebt haben? Sofort entsteht das Bild vom Aufstieg der Menschheit aus der Steinzeithöhle in den Renaissancepalast und von dort direkt in unsere komfortablen Eigenheime mit Badewanne und Internetanschluss.“

Die Autorin räumt hier sehr vehement mit dem Vorurteil auf, dass die Vergangenheit immer schlechter sein muss. Wir hatten da in vorangegangenen Podcastfolgen auch schon mal darüber gesprochen, dass alles, was früher war, immer so als dunkel und düster und schlecht und eben nicht fortschrittlich beschrieben wird. Und sie sagt „Um die Gegenwart umso heller erstrahlen zu lassen, musste die Vergangenheit um so dunkler gezeichnet werden.“ Und beschreibt, dass früher, also vor der sogenannten Moderne, dass da das Leben eben nicht auf den Fortschritt ausgerichtet war, das allgemeine Leben, sondern dass vieles zyklisch war und es gar nicht darum ging, immer mehr und immer mehr anzuhäufen, sondern eben mehr im Einklang auch mit den Ressourcen und der Natur zu leben. Sie spricht von dieser allgemeinen Erzählung, dass früher vor der Moderne alles düster gewesen sein muss, dass das Mittelalter ganz schrecklich gewesen sein muss als ein kollektives Narrativ, dem wir verfallen sind. Quasi eine Meistererzählung, die wir uns immer und immer wieder erzählen und die einfach in unserer Menschheit, zumindest hier in unserer europäischen Menschheit vorherrscht und unser Bild prägt, deswegen uns auch daran hindert, zurückzuschauen, was es denn schon alles gab, also was wir alles schon für Kulturtechniken gelernt hatten oder was für Möglichkeiten es alles schon gab, bevor die Moderne kam.

Carsten Ja, weil du gerade schon mal Bezug genommen hattest auf dieses Zyklische, dieses Naturverbundene, dass die Menschen damals mehr im Einklang mit der Natur gelebt haben. Damit da jetzt kein falscher Eindruck entsteht: Es war jetzt nicht eine Romantisierung der Natur, die die Menschen haben, damals, jetzt nicht aus reiner Naturliebe irgendwie versucht, naturnah zu leben, sondern das war reiner Überlebenswille. Die mussten halt in einer zyklischen Kreislaufwirtschaft leben, weil die Ressourcen derart beengt waren, dass, wenn sie ähnlichen Raubbau betrieben hätten wie wir heute, sie gar nicht hätten überleben können. Also zumindest hätten die nachfolgenden Generationen keine Lebensgrundlage mehr gehabt. Und die Menschen waren sich dessen bewusst und deswegen haben sie sich halt sehr naturnah orientiert mit ihrer Wirtschaftsweise.

Stefanie Und dass wir nicht zyklisch leben und nicht auf unsere Ressourcen achten, funktioniert ja auch nur, weil wir auf Kosten anderer leben. Ich möchte noch ein Zitat hinzufügen und zwar ist das nicht von der Autorin, sondern die Autorin zitiert hier Deirdre McCloskey, eine US Ökonomin an der University of Illinois in Chicago: “Es war einmal vor langer Zeit, da waren wir alle arm. Dann kam der Kapitalismus und jetzt sind wir alle reich.“ Und das ist so diese Erzählung, der wir irgendwie anhängen. Wir müssen das Wirtschaftswachstum ankurbeln, nur so kann es funktionieren. Und Annette Kehnel lädt uns jetzt mit diesem Buch ein, aus dieser Erzählung herauszutreten und zurückzuschauen, was vorher war, vor dem Kapitalismus und vor der Moderne. Und zu schauen, ob es da nicht Möglichkeiten gibt, wir uns Fertigkeiten anschauen können oder Modelle, die schon gut funktioniert haben und die wir für unsere jetzige Gegenwart und auch unsere Zukunft adaptieren können.

Natürlich sollen wir nicht alle wieder leben wie im Mittelalter, das schreibt sie auch selbst. Darum geht es überhaupt gar nicht. Um eine Verherrlichung der Vergangenheit oder dass früher alles besser war oder so, sondern einfach nur einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und zu schauen, was gab es da alles schon? Und was davon könnten wir vielleicht auch mit in die Zukunft nehmen. Und deswegen auch noch mal hier die Empfehlung: Lies dir dieses Buch durch. Es ist wirklich ein ganz tolles Buch mit ganz vielen inspirierenden Beispielen. Ich bin jetzt quasi von der Einleitung auch schon direkt ins erste Kapitel gerutscht mit den Zitaten und dem, was ich so vorgelesen und erzählt habe und will das noch eben abrunden.

Im ersten Kapitel geht es dann um die Geschichte vom Fortschritt, eben das, was ich gerade erzählt habe, die moderne Meistererzählung und ihre Fallstricke. Und dann auch um die Frage: Mussten unsere Vorfahr·innen von morgens bis abends schuften? Und Europa im Hoch- und Spätmittelalter: ein paar Daten und Zahlen, das ist alles im ersten Kapitel zu finden.

Und dann kommen wir zum zweiten Kapitel „Sharing“. Aber bevor wir da jetzt anfangen, muss ich tatsächlich einen Kritikpunkt direkt mal loswerden, den ich vorhin bei meinen zwei Kritikpunkten gar nicht mitgerechnet habe. Ich bin tatsächlich mittlerweile genervt davon, wenn nicht gegendert wird und das war's auch. Mittlerweile habe ich mich so daran gewöhnt zu gendern, dass ich die ganze Zeit in dem Buch darüber stolpere, dass nicht gegendert wird, wobei andere immer darüber stolpern, wenn gegendert wird. Aber irgendwie hat mich das jetzt gestört, weil ich auch gedacht habe, das ist ja ein sehr neues Buch. Also von 2021. Und irgendwie finde ich, das sollte schon so sein.

Carsten Zumal die Autorin ja wirklich Beispiele von Berufsbildern aus dem Mittelalter zitiert und dort auch klarstellt, dass es nicht nur eine unglaubliche Vielzahl an Berufen gab, die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können, sondern dass es diese Berufe sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Form gab. Und, das war für mich ganz erhellend, dass Frauen völlig selbstverständlich gleichberechtigt im Wirtschaftsleben aktiv waren. Also nicht so dieses klassische Bild: die waren damals schon Hausfrauen, haben sich nur um Haushalt und Kinder gekümmert. Das ist ja tatsächlich auch eher eine moderne Erzählung, sondern das war damals tatsächlich anders. Und dementsprechend hätte sie das gendern eigentlich so leicht mitdenken können, wenn sie inhaltlich schon genau auf diese Facetten eingeht.

Stefanie Wobei ja das jetzt auch wieder binär ist: Entweder Mann oder Frau und sie würde dann ja eben auch die Menschen nicht mitdenken, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zuordnen oder vielleicht beiden oder wie auch immer. Was nicht eins oder null ist, sag ich jetzt mal oder null oder eins - ich bin hier nicht so die Informatikerin - null oder eins gedacht. Aber das war wirklich was, wo ich gedacht habe, da fehlt mir irgendwie so ein bisschen die Sensibilität der Autorin für dieses Thema und sie hätte da mehr draus machen können. Du, liebe·r Hörer·in, kannst das für dich selbst einordnen. Es ist jetzt nicht etwas, wo ich sagen würde, deswegen solltest du es nicht lesen. Wir haben ja schon zu Beginn gesagt und ich gerade noch mal: lies dieses Buch! Nur das war was, was mir halt aufgefallen ist.

Carsten Damit verlassen wir dann auch quasi schon mal so das erste Kapitel plus einer grundsätzlichen Kritik und gehen dann in das zweite Kapitel des Sharings ein. Und dieses Kapitel gliedert sich in drei Punkte. Der erste Punkt nennt sich „Teilen macht reich - die Wirtschaft der Klöster“ und der zweite Punkt geht dann auf die Commons ein und die Kunst Externalitäten zu internalisieren und schließt dann mit dem dritten Punkt „Beginenhöfe, Frauen-WGs und Urban Gardening“. So, und zum Ersten Punkt also „Die Wirtschaft der Klöster“, da möchte ich nochmal ganz kurz was zu anfügen, was für mich dann auch wieder eigentlich eine neue Information war. Mir war wohl bekannt, dass die Kirche im Mittelalter sehr mächtig war und mächtig auch in finanzieller Hinsicht, dass sehr viel der Kirche auch gehörte an Ländereien. Dass aber einzelne Klöster autark waren, das habe ich jetzt bisher noch nicht so extrem wahrgenommen. Aber in diesem Buch ist es noch mal sehr schön dargestellt worden, dass Klöster ja häufig so Bettelorden waren oder eher so Besitzlose. Also das war schon so angelegt.

Stefanie Nicht die Klöster, sondern die Menschen, die da gelebt haben. Aber die Klöster an sich eben nicht. Das ist ja gerade der Punkt.

Carsten Richtig, also der Einzelne, der Mönch in diesem Kloster, der war besitzlos. Das, was er an Gegenständen genutzt hat, von Kleidung über Nutzgegenstände, gehörte nicht ihm, sonder gehörte der Gemeinschaft, gehörte dem Kloster. Aber das Kloster an sich durfte wirtschaftlich erfolgreich sein und die waren extrem wirtschaftlich erfolgreich, weil das eben auch tatsächlich Wirtschafts- und Wissenschaftszentren waren. Also viel von dem, was tatsächlich so als wissenschaftliche Fortschritte damals im Mittelalter erarbeitet wurden, aber auch was wirtschaftlich geleistet wurde, fand in Klöstern statt. Und Klöster waren ja jetzt nicht einfach nur ein einzelnes Gebäude, wo die Mönche dann geschlafen und gebetet haben, sondern es waren ja größere Einrichtungen, wo ja teilweise auch Brauereien und Handwerksbetriebe dazu gehörten. Und Ländereien, also ein großer Komplex und dementsprechend waren das tatsächlich Wirtschaftsmächte und das war mir bisher noch nicht so geläufig.

Und dieses Zusammenspiel, dass ich quasi Teil einer Gemeinschaft sein kann und als Teil dieser Gemeinschaft eigentlich besitzlos bin und trotzdem als Gemeinschaft wirtschaftlich erfolgreich bin oder auch Reichtum habe. Und das ist mir heute bewusst geworden, weil das, wenn zumindest ich mir einen mittelalterlichen Mönch vorstelle, dann habe ich so diese typische Bruder Tuck Figur aus Robin Hood, also diesen beleibten, behäbig wirkenden Mönch vor Augen. Das ist dieses Wohlstandsbäuchlein, diese Kugel, die man vor sich herschiebt, dieser Mönch, der immer schön mit Bier anstößt und so. Das sind so die Bilder, die kommen mir durch den Kopf. Und klar, die passen natürlich jetzt in dieses Schema, wenn ich weiß, dass diese Klöster wirtschaftlich erfolgreich waren. Die haben ihren Wohlstand untereinander geteilt, jeder hat davon partizipiert und war unterm Strich aber trotzdem arm, hat nichts besessen.

Stefanie Ja, was ich total spannend finde, durch das ganze Buch hinweg, aber auch gerade hier bei den Klöstern, ist, dass die Autorin moderne Begriffe nutzt für alte Dinge, wie hier zum Beispiel „Kleiderkreisel“ und das macht das irgendwie noch viel greifbarer, finde ich. Und auch übersetzbarer. Kleiderkreisel im Kloster, weil die Mönche, wie Carsten gerade sagte, keinen Privatbesitz hatten. Deswegen wurde die Kleidung geteilt und getauscht, wurde repariert, da wurde upgecyclet und alles und das sind so Dinge, ja, die machen das für mich alles so greifbar. Und in mir persönlich geht da immer so ein Leuchten an, dass ich dann denke: okay, cool, das ist ja total toll, das haben die auch schon alles gemacht und das inspiriert mich tatsächlich.

Carsten Und jetzt kommen wir zu einem schwerwiegenden Thema, einer Tragödie: die Tragödie der Allmende. Alle, die irgendwo up to date sind, wissen ja Gemeingüter oder Commons, wie sie heute heißen, können nicht funktionieren. Weil da diese Tragödie mit verbunden ist. Spaß beiseite. Also in diesem Buch wird auch noch mal klar, dem ist ja gar nicht so. Also nicht, dass das generell schon enthoben ist. Und dann gibt es ja genügend Stoff, mit dem man sich auseinandersetzen kann. Aber auch hier wird nochmal darauf verwiesen, wie tatsächlich in der Vormoderne die Menschen mit diesen Gemeingütern, mit den Allmenden sehr gut haushalten konnten. Jetzt nicht in dem Sinne, dass jeder wirklich reich geworden ist. Also es gab damals noch nicht diesen Jeff Bezos, er hieß damals Jakob Fugger, aber das ist noch eine andere Geschichte. Aber der Bereich der Allmenden selber, der wird hier nochmal sehr plastisch und sehr schön dargestellt. Und auch, dass dieses Konzept sehr, sehr lange, sehr erfolgreich funktionierte. Sie geht also auf mehrere Themen ein und zwei Beispiele sind mir noch so ein bisschen plastisch im Kopf geblieben.

Das eine hat sie anhand von Wanderhirten festgemacht, dass Weiden, die sich, ich sage mal im südeuropäischen Bereich über heutige Ländergrenzen hin erstrecken, als Allmende bewirtschaftet wurden über ganz lange Zeit und das auch funktioniert hat. Da gab es also nicht diese klaren Grenzen zwischen Ländereien. Das ist mein Grund, das ist dein Grund und da darfst du nicht hin, sondern das wurde gemeinschaftlich bewirtschaftet mit Berufsbildern, die es heute schon gar nicht mehr gibt. Also diesen Wanderherden zum Beispiel. Und was ich sehr interessant fand, war die Thematisierung des Bodensees, der über Jahrhunderte hinweg auch als Allmende verwaltet und bewirtschaftet wurde, weil der Bodensee und das ist ja auch heute noch so, keine wirklich klaren Grenzen hat. Der liegt halt so an einem Eck, wo mehrere Länder irgendwo an den See angrenzen und wo jetzt genau das eine Land aufhört und das andere beginnt ist auch heute noch nicht so wirklich geklärt.

Und damals in der Vormoderne - ich muss immer versuchen, das Wort Mittelalter auszusparen, sondern ich sag jetzt mal bewusst Vormoderne - war ja das Problem, wenn ich jetzt Fischer habe, die sich untereinander vielleicht nicht unbedingt komplett abstimmen konnten von Fangquoten und vom Vorgehen her, wie konnte ich denn gewährleisten, dass diese Fischer den Bodensee nicht komplett überfischten? So, und es war ja nicht nur so, dass sie Suffizienz-Wirtschaft betrieben haben, also sprich Suffizienz in der Hinsicht, die haben nur für sich selbst gefischt und ihren eigenen Lebensunterhalt damit gesichert, sondern die haben ja auch Städte und Dörfer mit den gefangenen Fischen dann beliefert und da hingen ganze Wirtschaften dran. Lokale und regionale Wirtschaften und dementsprechend mussten Regelmechanismen erlassen werden, die sicherstellen, dass auch in der nächsten Generation noch genügend Fische vorhanden waren.

Und dieses Zusammenspiel dieser Dynamik, die dann entstand, um tatsächlich im Rahmen dieser vorhandenen Bodensee Allmende die Absicherung für jetziges Wohl aber auch für zukünftiges Wohl sicherzustellen, das beschreibt die Autorin sehr schön in diesem Buch und es ist ein hervorragendes Beispiel, wie gut und wie lange überhaupt dieses Thema der Allmende und Gemeingüter funktionieren konnte.

Stefanie Ja, und da geht es eben in erster Linie um Regeln. Diese „Tragödie der Allmende“ umfasst die Idee dieser Dorfweide, wo dann einfach alle ihre Kühe drauf weiden lassen oder ihre Schafe und dann nicht für den Schaden aufkommen, wenn dann die Weide total zerstört ist, sondern nur den Profit daraus ziehen und dann eben sagen okay, nach mir die Sintflut. Stattdessen bedeutet Allmende eigentlich, dass es Regeln gibt, dass sowohl die Verluste, als auch die Gewinne geteilt werden und dass es klare Regelungen gibt, wie das gemacht wird. Jetzt gerade beim Bodensee gibt es Regeln zur Befischung mit den Fangquoten, aber es gibt auch Menschen, die das überwachen, so dass das einfach alles klar geregelt ist. Ohne Regeln geht es nicht.

Und das hat mich auch wieder daran erinnert, dass jetzt zum Beispiel unser Kind ja auf die freie Schule geht. Das ist eine demokratische Schule, die auch soziokratische Regeln hat. Und die meisten, die das hören, die können sich nichts darunter vorstellen. Und wir konnten uns früher auch nichts darunter vorstellen. Und die einzige Vorstellung, die vielleicht herrscht, ist ach, die dürfen da alles, die können machen, was sie wollen. Aber eigentlich gibt es da fast schon mehr Regeln als an einer Regelschule. Man verzeihe mir das Wortspiel. Jedenfalls sind Regeln wichtig für ein gutes Miteinander. Und es ist wichtig, dass es auch Menschen gibt, die darauf achten, dass diese Regeln eingehalten werden. Und so ist das eben auch mit der Allmende passiert.

Und was ich auch noch wichtig finde, ist der Gedanke, dass die Fischer·innen am Bodensee damals das alles nicht gemacht haben, weil sie so im Einklang mit dem Bodensee waren und sich eine schöne Natur gewünscht haben, sondern einfach schlicht und ergreifend deswegen: wenn sie jetzt den Bodensee überfischt hätten, hätten sie ihre eigene Existenzgrundlage zerstört. Und das heißt, sie haben gar nicht auf Nachhaltigkeit in dem Sinne geguckt, dass das ökologisch gut ist, sondern sie haben auf Nachhaltigkeit geguckt, dass es halt ihnen und ihrer Familie gut geht und dann vielleicht noch zukünftigen Generationen. Aber es ging eigentlich ums Überleben und nicht um ein ausgeglichenes Wesen oder so, und das finde ich noch wichtig. Dass das so gut funktioniert hat, lag eben auch daran.

Carsten Und wahrscheinlich auch, das erwähnt die Autorin jetzt nicht in dem Buch, sondern das schlussfolgere ich oder ergänze ich jetzt mal so, dass diese Regionalität klar im Vordergrund stehen muss. Weil heute, in der globalen Gesellschaft, wenn ich tatsächlich so diesen Auftrag habe, für mich selber als Fischer für meine eigene Familie zu sorgen und gleichzeitig aber auch irgendwo eine Wirtschaft unterstützen muss, indem ich halt Fischlieferungen anbiete, da habe ich natürlich andere Hebel. Also ich kann mir dann keine Ahnung aus der südlichen Hemisphäre irgendwelche exotischen Fische liefern lassen und stelle das dann alles sicher und könnte dann unter Umständen auch sagen „Komm, scheiß drauf! Wenn der Bodensee leer ist, dann kaufe ich den Fisch halt woanders.“ Das wird ja heute in dieser globalisierten Welt, in diesem Extremfall sogar irgendwie noch funktionieren können. Das waren damals ja gar keine Optionen. Die Fischer vor Ort mussten auch vor Ort wirtschaften und diese regionale Begrenztheit hatte eben auch zu dieser Umsicht geführt. Und unabhängig davon, dass wir heute diese globalisierten Strukturen vorfinden, tun wir aus meiner Sicht gut, auch regionaler zu denken und nicht immer zu glauben, dass die Grenzen, die wir hier vorfinden, deswegen nicht gelten, weil wir uns über diese Grenzen hinwegsetzen können, indem wir Ressourcen von woanders her bekommen.

Stefanie Dann springen wir mal zum dritten Unterkapitel des zweiten Kapitels „Beginenhöfe“. Und da hat mich natürlich sofort fasziniert „Frauen-WGs und Urban Gardening“. Und ich habe gedacht, das muss ich unbedingt lesen. Ich spring ja öfters in Büchern, aber ich habe das Buch stringent der Reihe nach gelesen bis dahin, aber ich habe mich drauf gefreut auf das Kapitel.

Carsten Okay.

Stefanie Ja, ich bin ein bisschen enttäuscht worden, weil mit Urban Gardening hat es jetzt so erst mal nicht wirklich was zu tun. Es wurde nur so ein kleines Beispiel genannt und ich dachte: Wow, das sind jetzt die Pionier·innen des Urban Gardening. Und da gibt es jetzt ganz tolle Projekte, die man heute noch angucken kann.

Carsten Palettensofas und so.

Stefanie Ne, aber leider war das dann nicht so. Aber was ich spannend fand, diese Frauen-WGs und die sogenannten Beginenhöfe (Beginen nach den Frauen, die dort gelebt haben, die quasi etwas religiöser waren als so die Durchschnittschristin damals aber keinem Orden angehört haben, also so in der Mitte dazwischen standen und die dort Zuflucht gefunden haben.) waren wirklich eine reine Frauengemeinschaft, ein Hof ähnlich wie ein Kloster, vielleicht nicht ganz so groß, aber auch mit einer Kapelle oder einer Kirche in der Mitte und dann durchaus auch mit landwirtschaftlichen Flächen, so dass sie sich teilweise auch selbst versorgen konnten. Sie waren da geschützt vor Menschen, die übergriffig werden wollten – vor allem Männern - und hatten da die Möglichkeit, dann gemeinsam auch in einer Art Gemeinschaft wie im Kloster zu leben. Aber bei den Beginen war es nicht so, dass sie ihren kompletten Besitz abgegeben haben, sondern sie durften ihren Besitz auch behalten, konnten zwar auch teilen und miteinander in Austausch gehen, aber es gab auch einfach arme Beginen und reiche Beginen. Also wichtig war nur, dass sie für ihren Unterhalt selbst sorgen konnten. Das heißt, die meisten haben eben auf irgendeine Art und Weise gearbeitet oder von ihrem Vermögen gelebt. Diese Höfe gab es in ganz Europa und ich fand es auch spannend, dass es auch hier in Hamburg ein Haus gab, keinen richtigen Hof, aber einen Beginenhaus in der Steinstraße. Und ich habe jetzt noch nicht rausgefunden, ob es da irgendwie noch ein Überbleibsel von gibt.

Carsten Ich habe es auch versäumt zu schauen. Als ich das gelesen habe war mein Impuls: Oh, gucken, gucken, gibt es das noch? Aber jetzt bin ich drüber weggekommen.

Stefanie Also ich hatte im Internet nachgeschaut und da ist nur das Historische einfach, es wird darüber gesprochen, dass es das gab. Aber ob da jetzt tatsächlich irgendwas von übrig ist, das weiß ich jetzt im Moment nicht. Es ist auf jeden Fall eben auch eine Wohnform, ein gemeinschaftliches Wohnen, ein Zusammenleben auf eine andere Art und Weise als im Kloster, aber eben auch ein gemeinschaftliches Wohnen. Und die Autorin schreibt über die Beginenhöfe:

“Die Beginenhöfe sind vielleicht eines der schönsten historischen Beispiele dafür, wie geteiltes Leben individuelle Freiheiten erweitern kann, wie Sharing Communities im besten Fall als Ermöglichungsgemeinschaften bisher Undenkbares Wirklichkeit werden lassen.“

Da nämlich die Frauen, die als Beginen da zusammen in den Höfen gelebt haben, als Einzelpersonen gar nicht so weit gekommen wären, wie sie als Gemeinschaft kommen konnten und durch den Rückenwind mit diesem Beginenhof und als Teil dieser Gemeinschaft Dinge bewegen konnten, die ihnen vorher vielleicht auch gar nicht erlaubt waren.

Damit kommen wir jetzt zu dem dritten Kapitel „Recycling“. Und wir streifen jetzt die einzelnen Kapitel nur so, sonst wird diese Folge wahrscheinlich drei Stunden lang sein oder so. Wir versuchen jetzt, uns wirklich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und noch einmal: lies am besten das komplette Buch, dann wirst du auf jeden Fall auch tiefer einsteigen können. Beim Thema Recycling hat die Autorin eine kleine Einleitung geschrieben und auch geschaut: Das Wort Abfall, wo kommt das denn eigentlich her und was hat das früher bedeutet? Und seit wann bedeutet Abfall tatsächlich Müll? Und das fand ich eigentlich ganz spannend, weil sie schreibt, dass bis ins frühe 20. Jahrhundert Abfall im heute geläufigen Sinn als „nicht weiter verwertbarer Rest“ in den Wörterbüchern gar nicht auftaucht. Und dass Abfall zum Beispiel früher als Treuebruch definiert wurde oder als Abfall vom Glauben.

Das ist eben dieses Spannende, dass Müll ja bis ins frühe 20. Jahrhundert gar nicht existiert hat. „Und erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erklären die Wörterbücher den Abfall in Haushalten, Büros und bei Produktionsvorgängen als ‚geringwertigen Rest‘. Jetzt zählen auch die bisher viel zu kostbaren Kunststoffe zu den Abfällen. Überdies kommt der radioaktive Atommüll dazu. Ungehemmte Abfallproduktion geht einher mit radikaler Entsorgungswut.“ Und die Autorin schreibt hier weiter: „Anders gesagt: Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben die Menschen in den westlichen Industrienationen im großen Stil verlernt, wie Wieder- und Weiterverwertung geht. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren Rohstoffe die wertvollste Ressource in den Produktionsprozessen.“ Und sie nennt hier als Grund dafür auch das billige Öl. Ein „Christian Pfister, Professor für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte an der Universität Bern, hat für diese Zeit den Begriff des 50er-Jahre-Syndroms geprägt“ und erklärt die „Ölschwemme“ so, dass durch die Förderung des billigen Öls die Preise generell von Rohstoffen fielen. „Und wenn Rohstoffe nichts mehr kosten, dann sind die Produkte, zu denen sie verarbeitet werden, auch nichts mehr wert. Sie werden zu ‚Wegwerfprodukten‘.“ Und die Autorin schreibt weiter, dass wir tatsächlich aufgrund dessen alte Kulturtechniken verlernt haben. Und auf diese alten Kulturtechniken geht sie jetzt im Folgenden noch weiter ein.

Carsten Und damit sind wir direkt bei dem ersten Punkt des dritten Kapitels. Und zwar geht es dort um Reparaturberufe und Second Hand Märkte. Wie wir am Anfang schon mal gesagt haben, bestand in der Vormoderne ja eigentlich eine Kreislaufwirtschaft. Das impliziert ja tatsächlich, dass viel repariert wird. Was für mich jetzt so erstaunlich war, war die riesige Bandbreite an Reparaturberufen. Also ich musste so feststellen, dass dieses Repaircafe, was ja total hipp ist, eigentlich eine jahrhundertealte Historie hat, also auf ganz, ganz, ganz viel Erfahrung zurückblicken kann, obwohl sich das eigentlich keiner mehr irgendwie vergegenwärtigt. Aber damals, in der Vormoderne, gab es wirklich einen ganz, ganz großen Blumenstrauß an den unterschiedlichsten Berufsbildern, die sich teilweise auf einzelne Facetten von einer Reparatur konzentriert haben. Also ich habe jetzt die Berufsbezeichnungen nicht mehr im Kopf, aber ich weiß, dass zum Beispiel für die Schuhreparatur irgendwie gleich mehrere Berufe da waren und jeder hatte sich nur ein Teil des Schuhs angenommen und war da dann der·die Spezialist·in. Und das fand ich total spannend. Einfach mal zu erkennen, dass es jetzt nicht nur darum ging zu sagen, wir haben jetzt irgendwo Reparaturbedarf, sondern dass das gesamte damalige Wirtschaftsmodell eben auf dieser Vielfalt der Reparaturberufe fußte.

Und nach den Reparaturberufen geht das Buch auf das Thema Papier ein, Papierrecycling etc. Das ist ja jetzt erst mal nichts, was für uns völlig unbekannt ist. Was mich tatsächlich vom Hocker gehauen hat, ist diese Tatsache, dass damals diese Vorstellung, dass man Papier aus Holzfasern macht, als abwegig und teilweise sogar als unmöglich gehalten wurde. Papier wurde und das habe ich da tatsächlich in diesem Buch gelernt, teilweise aus Pergament erstellt, aus Tierhäuten, was jetzt ja aus unserer heutigen und gerade veganen Perspektive, nicht unbedingt so das tollste Produkt dann ist. Oder, und das war richtig überraschend für mich, aus Stoffresten, aus Lumpen. Und da gab es wirklich so, ich will nicht sagen, Kriege, aber schon sehr krasse Lumpenengpässe und Konflikte, wo versucht wurde, sich Lumpen anzueignen, um daraus Papier herzustellen. Was ja auch gerade durch den Buchdruck noch so ein bisschen forciert wurde, weil dann ja auch die Umschlagshäufigkeit des Papiers gesteigert wurde. Aber allein die Tatsache, dass du aus Lumpen Papier machst, da hab ich erst gedacht: Was ist das denn? Wie kann man das denn machen? Aber die haben genauso ungläubig anscheinend damals über den Gedanken gedacht, dass du Papier aus Holzfasern machen kannst.

Nach dem Papier schließt das Kapitel mit dem Bereich „Bricolage und Assemblage. Die Wiederverwertung der Antike im Mittelalter“. Konkret ist damit gemeint, dass damals auch Baustoffe sehr schwierig und aufwendig zu bekommen waren, auch teuer waren und man hatte sich einfach der Historie bedient. Teilweise auch über Ländergrenzen hinweg, so dass, ich sag jetzt mal so als Beispiel, Rom auch durchaus mal nach außen verkauft wurde. So römische Bauten wurden auseinandergenommen und die einzelnen Bauteile von Stelen über Marmorplatten über keine Ahnung was, wurden dann anderweitig verarbeitet in Gesamteuropa.

Stefanie Vom Thema Recycling, Upcycling usw., Baustoffverwertung geht es dann jetzt weiter zum vierten Kapitel „Mikrokredite“, und das ist gegliedert in die drei Unterkapitel „Mikrokreditbanken in den italienischen Städten – Monti di Pietà“ und dann als zweites Unterkapitel „Peer to Peer Lending in mittelalterlichen Städten“. Und als drittes Kapitel „Stadtnahe Landwirtschaft, ‚Rent a cow‘ im Mittelalter“. Das hat mich natürlich neugierig gemacht, das ‚Rent a cow‘. Aber es war dann irgendwie gar nicht mehr so faszinierend. Was hast du denn über dieses Kapitel gedacht?

Carsten Ja, also Mikrokredite. Das geht ganz klar in die Finanzwirtschaft. Also es gab für mich so zwei Informationen. Das erste, dass das Thema Mikrokredite tatsächlich in der Vormoderne schon existierte. Und auch, das stellt die Autorin klar, sehr stark von der Wissenschaft irgendwie unterbelichtet behandelt wurde. Also man hat sich dem Thema sehr spät und sehr ungenügend angenommen und deswegen ist auch nie wirklich bewusst geworden in der Breite, dass Mikrokredite jetzt wirklich keine neue Erfindung sind. Auch wenn Mikrokredite jetzt vor gar nicht so langer Zeit als neue Entwicklung mit einem Nobelpreis versehen wurden, was dem Ganzen ja auch wieder diesen Anschein von einer Innovation verliehen hat. Aber schon in Italien der Vormoderne gab es Systeme, die eigentlich identisch waren. Die werden hier in starker Ausführlichkeit, muss ich sagen, dargestellt. Das war tatsächlich eins von den Kapiteln, das für mich so ein bisschen schleppend zu lesen war. Also es war, ich will nicht sagen anstrengend, aber diese Details - es gab spannendere Phasen in diesem Buch.

Stefanie Ja, so ging es mir tatsächlich auch. Wobei ich das Problem auch mit dem nächsten Kapitel hatte, dem großen Kapitel, nicht Unterkapitel, nämlich „Spenden und Stiften“. Da geht es im ersten Unterkapitel um „Spenden für Gemeinschaftsprojekte – Pont Saint-Bénézet in in Avignon“, also die Brücke. Und im zweiten Kapitel um „Nachhaltigkeit in Kultur und Soziales - Ohne Ablass kein Michelangelo“. Und bei beiden Kapiteln hatte das für mich irgendwie Längen. Ich weiß nicht, wie war das für dich?

Carsten Ja, habe ich auch so empfunden. Also interessant war schon zu sehen, dass in Avignon an dem Beispiel der Brückenbau tatsächlich als Crowdfundingkampagne durchgeführt wurde. Und genau dieser Aspekt ein Einzelner kann etwas bewegen, weil es wirklich eine einzelne Person war, ein sehr junger Mann, der sich einfach hingesetzt und gesagt hat: Wir bauen jetzt eine Brücke! Obwohl Jahre und Jahrhunderte vorher eigentlich genau dieser Bedarf schon existiert, aber sich niemand da hingestellt hat und gesagt hat wir fangen jetzt mal an. Und da hebt die Autorin genau das nochmal hervor zu sagen, ja, ein Einzelner macht den Unterschied, hat er immer schon gemacht und das ist ein schönes Beispiel die Brücke in Avignon plus eben diese Crowdfunding Aktion, wie das ganze finanziert wurde.

Stefanie Und eben dadurch, dass dieser junge Mann, der irgendwie ich weiß auch nicht, das wirkte so teilweise als wäre es noch ein Junge gewesen.

Carsten Er muss zwölf gewesen sein, laut der Rechnung, die da im Buch präsentiert wird.

Stefanie Da wissen wir nicht so ganz genau, ob das stimmt. Aber jedenfalls ein junger Mann, der dann tatsächlich hin und her gelaufen ist zwischen den ganzen Parteien und vermittelt hat und Spenden eingetrieben und das alles initiiert hat. Und dann hat sich eine Gruppe um ihn gebildet, die ihn unterstützt hat. Aber die Initiative kam von dieser Einzelperson.

Carsten Genau das war so das, was interessant war. Aber die Fakten, die da nachher präsentiert wurden, die fand ich dann auch ähnlich langatmig wie in dem vorherigen Kapitel zu den Mikrokrediten und das Thema des Ablasshandels. Es war natürlich schon interessant zu sehen, wie über den Ablasshandel tatsächlich Gelder akquiriert wurden, aber das war jetzt für mich nichts wirklich sonderlich Neues. Da ich mich mit der Kirchengeschichte und dem Ablasshandel so ein bisschen vorher, in meiner Jugend wollte ich gerade schon sagen, schon mal auseinandergesetzt habe, kam das jetzt nicht überraschend. Auch dass dann der überzogene Ablasshandel zur Reformation geführt hat, war für mich nicht so das bahnbrechende Erlebnis. All diese Facetten, die damit einhergehen, werden dann im Buch auch sehr, sehr ausführlich beschrieben. Ein bisschen griffiger wurde es für mich dann tatsächlich in dem dritten Unterpunkt dieses Kapitels, dem sozialen Wohnungsbau in Augsburg als Beispiel. Und zwar die Fuggerei, Jakob Fugger, der Jeff Bezos der Vormoderne, das war tatsächlich etwas, wo ich viel mitnehmen konnte, zumal dieses Beispiel auch heute ja noch greifbar ist.

Stefanie Ja, das fand ich auch total spannend. Auch generell, weil mir immer beim Thema Wohnen, bei meinen Bildungsurlauben so viel Gegenwind entgegenschlägt und ich jetzt beim nächsten Bildungsurlaub dieses Beispiel auf jeden Fall auch anbringen werde. Denn ständig kommen diese Bedenken, wenn es um gemeinschaftliches Wohnen geht, dass es dann so ist wie in so einer Student·innenWG und niemand putzt das Klo und die Küche ist immer dreckig und andere essen meine Vorräte auf oder so. Solche Dinge schweben anscheinend die ganze Zeit durch den Raum. Traumata, die nicht aufgearbeitet wurden und so was. Und letztlich wünsche ich mir einfach nur die Köpfe ein wenig zu öffnen für Möglichkeiten des gemeinschaftlichen Wohnens. Und da ist dieses Buch hier tatsächlich sehr reich von solchen Beispielen und dieses Kapitel ganz besonders.

Und wenn du die Fuggerei noch nicht kennst, ich verlinke den Link zur Fuggerei auf jeden Fall hier unter der Folge, solltest du da auf jeden Fall mal vorbeischauen, denn das Konzept ist tatsächlich schon 500 Jahre alt, also eigentlich mehr als 500 Jahre alt. Und es funktioniert immer noch. Und das Spannende fand ich, dass es immer noch die gleichen Bedingungen gibt, unter denen Menschen dort einziehen können. Und zwar war es damals so, dass es bedürftige Menschen sein mussten, katholische Menschen und sie haben einen Gulden Miete pro Jahr gezahlt, mussten aber für alle Reparaturen selbst aufkommen und zu der Miete kamen noch drei Gebete pro Tag für das Seelenheil der Stiftungsfamilie. Und das mit dem Seelenheil ist ja auch nochmal so ein Punkt. Ich greife den jetzt mal vor. Sie sagt das zwar später noch mal zum Abschluss des Buchs in der Zusammenfassung. Aber generell ist tatsächlich das Seelenheil ein Motor, warum Menschen für nachfolgende Generationen positiv handeln, also warum sie sich Gedanken darüber machen, auch Gutes zu tun und auch sozial zu handeln. Und leider ist quasi durch die Reformation dieser Glaube an das Seelenheil abhanden gekommen. Und laut der Autorin ist das auch so ihre These, dass dadurch, weil wir uns von diesem Glauben an das Seelenheil verabschiedet haben, wir uns immer weiter in Richtung „Vernunft“ bewegt haben und jedenfalls auch immer asozialer geworden sind.

Carsten Also brauchen wir ein Fegefeuer.

Stefanie Genau.

Carsten Das ist doch mal eine Ansage. Okay, da sind wir dabei.

Stefanie Und damit du andere zum Handeln bringen kannst, sollte das Fegefeuer wieder existent sein. Genau. Nein. Also das jetzt mal kurz so, nur nebenbei. Zurück zur Fuggerei. Das reimt sich sogar. Jetzt nicht mehr. Jedenfalls, das finde ich total spannend. Also, wie gesagt, das war damals vor 500 Jahren so und heute ist es immer noch so, dass Menschen, die dort zur Miete wohnen, bedürftig sein müssen, katholisch und sie zahlen 0,88 € Miete pro Jahr. Das ist der umgerechnet ungefähr eine Gulden pro Jahr und müssen auch dreimal am Tag beten für das Seelenheil der Stiftungsfamilie. Hinzu kommen aber mittlerweile 85 € Nebenkosten pro Monat.

Carsten Wobei ich ja sagen muss, also diese 0,88 € pro Jahr, die sind jetzt nicht pro Quadratmeter.

Stefanie Nein, nein.

Carsten Sondern die sind generell für die gesamte Wohnung.

Stefanie Genau, nicht pro Quadratmeter, sondern einfach generell, du zahlst pro Jahr diese 0,88 € und jeden Monat 85 €. Und du kannst dir das online anschauen, wie die Wohnungen aussehen, wie sie heute aussehen, wie sie damals ausgesehen haben, wie die ganze Fuggerei aussieht und so. Da gibt es ganz, ganz viel Material und es ist total hochspannend, wie das alles funktioniert. Und was ich sehr, sehr bewundernswert finde, ist, dass sich dieses Modell 500 Jahre lang über Generationen hinweg gehalten hat. Und klar, es wurde modernisiert, das musste ja sein. Leider wurde auch die Fuggerei im zweiten Weltkrieg zerbombt und wieder neu aufgebaut. Aber es ist halt immer wieder neu aufgebaut worden. Also immer wieder, wenn irgendwas zerstört worden ist, ist es neu aufgebaut worden und dann ist nicht gesagt worden: Ja, okay, jetzt machen wir mal daraus ein rentables Projekt, wo wir dann auch endlich mal richtig Geld mit verdienen, sondern es ist diesem Grundgedanken von dem vormodernen Jeff Bezos, von Jakob Fugger, dem Reichen - er hatte diesen Beinamen - treu geblieben und das ist total genial. Also es ist ein sehr inspirierendes Beispiel.

Carsten Ja, gerade weil diese Wiederaufbauphasen tatsächlich so eine Brisanz mitbringen, weil die Fuggerei tatsächlich in Augsburger bester Wohnlage gebaut wurde oder zumindest heute besteht. Das ist also jetzt nicht irgendwie weit ab vom Schuss, wo kein Mensch hin möchte, sondern das wäre eigentlich so der ideale Platz, um irgendwelche Luxuswohnungen aufzubauen. Und dass man sich dann trotz dieser Wiederaufbauten und dieser Wohnlage entschieden hat: Nein, wir halten an diesem Projekt fest über diese 500 Jahre ist nach wie vor unvorstellbar.

Stefanie Dazu möchte ich hier noch mal abschließend etwas zitieren. Also abschließend zu dem Thema Fuggerei und dem Kapitel: „Würde einer es wagen, den Regenwald in Brasilien abholzen zu lassen, wenn er wüsste, dass sein Wohlbefinden nicht von Wählerstimmen, sondern vom Wohlwollen der zukünftigen Generationen abhängt? Der Gedanke, dass man im Gedächtnis von Menschen fortlebt, die jetzt noch gar nicht geboren sind, macht zurückhaltend. Man wird sich hüten, deren Lebensgrundlage zu zerstören. Natürlich ist das kein Plädoyer für die Wiedereinführung des Fegefeuers oder der Gebete für die Toten. Stattdessen wäre es Zeit, dem ‚Nach uns die Sintflut‘- Denken der Moderne ein ‚Vor uns die Zukunft‘ im 21. Jahrhundert entgegenzusetzen. Eine Rückkehr zu generativem Denken und Handeln ist dringend angesagt.“ Das ist natürlich sehr enttäuschend für dich. Kein Fegefeuer.

Carsten Ja, ich hab mich so drauf gefreut.

Stefanie Die Autorin sagt: Nein, kein Fegefeuer.

Carsten Gut, lasse ich das.

Stefanie Okay, also nächstes Kapitel „Minimalismus“.

Carsten Ja, genau. Unterteilt sich auch wieder in drei Bereiche. Der erste Bereich ist „Reichtum ist die Kotze des Glücks“.

Stefanie Ja, da habe ich mich auch darüber gefreut. Das ist quasi ein Zitat von Diogenes von Sinope. Das ist der junge Mann, wollte ich schon gerade sagen…

Carsten Im Fass.

Stefanie Im Fass, genau. Den kennst du bestimmt.

Carsten Dann kommt das nächste Kapitel „Geld ist Mist - Franz von Assisi.“ Und dann „Minimalismus und Wirtschaftstheorie – Petrus Johannis Olivi“. Ich kann zu diesem Kapitel relativ wenig sagen. Bis auf, dass die Überschriften sehr prägnant sind, gerade mit „Kotze des Glücks“ oder „Geld ist Mist“. Aber es handelt sich ja tatsächlich um Minimalismus. Was ich mitgenommen habe, war, dass es auch damals in der Vormoderne zum einen möglich war, ohne Geld zu leben, tatsächlich in einem sehr minimalistischen Rahmen sein Leben zu leben und dass das auch gar nicht mal so wenige Personen waren. Vornehmlich habe ich das aber jetzt so mitgenommen, waren es eher Mönche, die sich dort teilweise als Bettelorden auch durch Europa bewegt haben. Also war eine sehr große Reisetätigkeit teilweise mit verbunden. So habe ich es mitgenommen. Und dass eben dieser Minimalismus Charakter da sehr stark im Vordergrund stand, also dieses Besitzlose. Das war teilweise auch eine Zugangsvoraussetzung, um sich diesen Gruppen anschließen zu können. Ich muss sagen, so das Thema mit der Wirtschaftstheorie, das war auch für mich so ein bisschen zu hart. Das habe ich dann zwar durchgelesen, aber da konnte ich relativ wenig von mitnehmen.

Stefanie Ich dachte gerade, das ist jetzt, du so als BWLer.

Carsten Dass ich dann von dem Herrn Johannis Olivi stark profitiere. Ja, weiß ich jetzt immer noch nicht, auch nach dem Lesen was, was ich mir da irgendwie hätte von rausnehmen können oder was mir das gesagt oder gebracht hätte. Das lasse ich mal so offen stehen. Es mag andere Leser·innen geben, die da mehr mit anfangen können.

Stefanie Etwas, das mich stark gestört hat bei dem Kapitel um Franz von Assisi ist ein Bezug auf nordamerikanische Ureinwohner·innen bzw. First Nations, Ersteinwohner·innen, wo die Autorin für mich zumindest klar gezeigt hat, dass sie da nicht so viel Ahnung von hat und da eher alten Vorurteilen aufsitzt, da sie auch das „I-Wort“ benutzt für First Nations. Und ich denke, das dürfte einfach nicht mehr vorkommen. Vor allem nicht heute und auch nicht in so einem aufgeklärten Buch. Eigentlich. Also was wirklich ja allein durch die Sprache sehr präsent ist und auch dafür wirbt, eben in der Zukunft anzukommen, sozusagen in der Gegenwart und sich nicht mehr an die vor 200 Jahren entstandenen Gedanken zu klammern und auch durchaus kritisch über Kolonialismus schreibt, sollte das I-Wort nicht mehr vorkommen. Und was mich jetzt konkret gestört hat, lese ich mal kurz vor:

„Auch der magische Nebel um naturverbundene Mutter-Erde-Kulte hat sich gelüftet. Die Vorstellung etwa, dass sich die nordamerikanischen I******* einvernehmlich mit ihren Gottheiten dem pfleglichen Umgang mit der Natur verschrieben hätten, hält dem Faktencheck nicht stand. Es genügt, sich die Beziehung zwischen Müttern und Kindern in der Wirklichkeit vorzustellen. Biologisch gesprochen funktioniert Reproduktion fast ausnahmslos auf Kosten des Organismus eines Muttertiers. Mütter, das hat die Natur so vorgesehen, werden per Definition ausgebeutet. Die Metapher von Mutter Erde bzw. deren Verknüpfung mit Harmonie zwischen Mensch und Natur hinkt also gewaltig. Und wenn man dann noch bedenkt, wie konfliktreich sich Mutter-Kind-Beziehungen gestalten und dass sie im besten Fall nur positiv verlaufen können, wenn sich die Kinder erfolgreich von den Müttern lösen, dann wird der Mythos von Mutter Erde zu einer sehr wackeligen Hilfskonstruktion im Kampf um den Schutz der Natur.“

Also daran hat mich zum einen irritiert, dass hier gesagt wird: Ja, okay, ich nehme jetzt einmal kurz Bezug auf alle First Nations, die je in Nordamerika gelebt haben, wobei das halt verschiedenste Kulturen und Völker waren. Das ist ja nicht ein Volk, die eine Kultur irgendwie hatten, sondern es sind einfach viele, viele verschiedene Menschen und Völker und Kulturen. Und zum anderen irritiert mich doch zunehmend diese Definition einer Mutter-Kind-Beziehung. Also ich bin ja selber Mutter und ich bin selber Kind. Also ja, ich kann das nachempfinden, dass eine Mutter-Kind-Beziehung nicht immer schön ist. Aus meiner Perspektive als Kind kann ich das definitiv nachempfinden, aber aus meiner Perspektive als Mutter möchte ich doch sagen, dass das nicht sein muss und dass ich mich jetzt als Mutter nicht ausgebeutet fühle. Und ich finde, das wirkt so, als sollte das noch mal psychoanalytisch in Hinblick auf die Autorin analysiert werden. Also es wirkt auf mich schon sehr merkwürdig. Wie war das für dich?

Carsten Ja, ich tue mich mit dem Begriff Ausbeutung schwer. Ausbeutung heißt für mich schon mutwillige Akt, schon Gewalt mit verbunden. Dass die ausgebeutete Partei gar nicht die Möglichkeit hat, sich dem zu entziehen und auch nicht die Möglichkeit hat, da also ich sage jetzt mal noch nicht mal ihr Einverständnis geben muss, das ist Ausbeutung, da kann man jetzt ein bisschen darüber philosophieren, aber für mich ist so diese Mutter-Kind-Konstellation auch tatsächlich auch auf einen Akt der Freiwilligkeit angewiesen. Also ich als Mutter...

Stefanie Ich stellen uns mal vor, Du als Mutter...

Carsten Genau. Aber als Vater kann ich mich aus dieser Rolle ja auch nicht rausnehmen. Ich sage jetzt mal, ich als Elternteil habe ja auch ein gewisses Maß an Freiwilligkeit in das hineingesteckt und stecke es ja auch weiterhin hinein. Und ich achte ja auch auf mich. So ein bisschen Altruismus ist auch mit drin. Also ich glaube, da spielt viel, viel mehr mit rein als dieses „Du wirst ausgebeutet“.

Stefanie Ich glaube hier geht es tatsächlich um Mutter und Kind im Sinne von körperlicher Ausbeutung, würde ich sagen, weil ja das Kind aus der Mutter herauskommt und sich von der Mutter ernährt. Ich glaube, es ist so in diesem Kontext zu verstehen. Ich finde aber generell das alles viel zu kurz gegriffen, also per se irgendwie zu sagen, na ja, sie bezieht sich da auf ein Buch oder eine Studie, die da jemand veröffentlicht hat. Und von dieser einen Studie oder diesen einem Buch leitet sie jetzt das ab, dass es einfach nicht funktionieren kann. Das ist halt so, weil halt alle First Nations in Nordamerika falschliegen müssen. Das kann einfach nicht sein. Und das hat mir ehrlich gesagt so ein bisschen den Glauben an dieses Buch dann auch wieder genommen, wo ich kurz gezweifelt habe: stimmt denn das alles so, was sie sonst geschrieben hat?

Aber ich habe mir das jetzt letztendlich so erklärt, ich bleibe dabei: lies dieses Buch, dass sie einfach nur für Europa wirklich eine Expertin ist, aber darüber hinaus nicht. Und ich will das aber wirklich ganz klar und deutlich hier erwähnen, damit du weißt, es gibt auch Kritikpunkte und das ist eben einer davon, dass sie hier einfach alles über einen Kamm schert und sagt: das kann gar nicht sein, dass zum Beispiel Naturreligionen nicht funktionieren können, weil diese Verehrung von beseelten heiligen Bäumen und Hainen quasi nur deswegen existiert, weil es da nur noch einzelne Bäume oder Haine gibt und quasi sie deswegen verehrt werden, weil sie noch übrig sind. Und der Rest ist halt alles schon abgeholzt und genutzt und so und der Baum wird quasi heiliggesprochen, weil er der einzige ist, der noch übrig ist. Und das finde ich wirklich extrem zu kurz gegriffen.

Carsten Und wo wir jetzt schon bei Kritik sind, auch in diesem Kapitel habe ich noch eine Anmerkung, mit der ich überhaupt nicht einverstanden bin. Sie bezieht sich dort auf Mönche. Unter anderem wird dort als Beispiel der Mönch Dominikus, also der Gründer der Dominikaner, behandelt, der sich damals geweigert hat, Bücher zu lesen, weil die aus Pergament, also aus Tierhäuten hergestellt wurden. Und der hat dann bei dem Gedanken, wie viele Tiere denn für diese ganzen Bücher sterben mussten, das Gefühl, dass ihm das einfach zuwider ist. Und das scheint also eine Aversion gegen diese Misshandlung und und Ausbeutung und Verwertung der Tiere gewesen zu sein, die er hatte. Und er hat auch Kleidung und Schuhe aus Leder abgelehnt und tat sich auch bei dem Anblick von Menschen schwer, die Felle toter Tiere trugen und das war ihm einfach unerträglich. Und sie schreibt da in einem direkt nachfolgenden Satz: “Doch ging all diese Luxusfeindlichkeit nie auf Kosten der Geselligkeit.“

Mir fällt es schwer, diesen Begriff der Luxusfeindlichkeit einfach so stehen zu lassen, das klingt so, als ob dieser ethische Hintergrund, der da ja auch schon beim Dominikus vorhanden sein muss, eigentlich eine Luxusfeindlichkeit ist. Das würde ja für uns jetzt persönlich, wir als vegan lebende Menschen, genau das Gleiche bedeuten. Also es geht mir gar nicht darum, jetzt irgendwie das Tierwohl oder was auch immer damit zusammenhängt, aus ethischer Sicht irgendwie in den Vordergrund zu stellen, sondern das wäre ja Luxus und das will ich ja gar nicht. Und ich glaube, das ist auch wieder so ein Punkt, der einfach total unreflektiert ist.

Stefanie Ja, ich glaube, jetzt, wo du das wieder vorliest, ich habe das ja auch gelesen, dass sie einfach aus ihrer karnistischen Perspektive wieder argumentiert und ich glaube, das spielt wieder hier rein, dass sie das nicht verstehen kann, weil das in ihrem Glaubenssystem quasi nicht vorkommt und so wahrscheinlich auch das Gleiche, was sie über First Nations schreibt. Das kann nicht sein, weil das eben in ihrem Weltbild nicht existiert und deswegen kann es einfach nicht sein, dass es Kulturen gibt, Menschen gibt, die ein anderes Verhältnis haben mit der Natur, die anders leben, die nicht auf Kosten anderer leben und und ich glaube, das ist das Problem.

Carsten Es kann durchaus sein, ja. Gehen wir jetzt mal zum letzten Kapitel Schlussfolgerungen. Und zwar geht sie dort hin und zieht Schlussfolgerungen aus der Vergangenheit für die Zukunft und gliedert dieses Kapitel auch wieder in drei Punkte. Die da wären.

  1. Was würden sie uns raten, unsere Vorfahren?
  2. Raus aus dem Käfig der Alternativlosigkeit.
  3. Gut gegen Zukunftsangst - Rückenwind aus der Vergangenheit.

Und das ist nochmal so eine Art Wrap up, fällt mir gerade so als Begriff ein. Also sie holt dann noch mal all das vorher Präsentierte in Kurzform hervor, bringt das nochmal in Kontext und zeigt einfach, was man aus der Vergangenheit mitnehmen kann. Dass es sehr lohnenswert ist, einmal nicht nur darüber Bescheid zu wissen, sondern auch darüber nachzudenken, sich zu vergegenwärtigen, dass wir viele Kulturpraktiken ja schon hatten und jetzt wieder einpflegen und aufleben müssen. Das gibt da nochmal Kraft zum Schluss, so einen Motivationsschub.

Nichtsdestotrotz habe ich auch da so ein paar Punkte, wo ich nicht d'accord bin, wo ich sagen muss, na, da müssen wir mal kurz drüber sprechen bzw. möchte ich noch eine kurze Anmerkung machen. Und zwar sind das auch so Sachen, wo ich glaube, dass sie viele Dinge auch einfach wieder nicht wirklich reflektiert oder ungenügend reflektiert hat.

Also ein Beispiel ist, sie geht da ein bisschen auf das zukünftige Konsumverhalten, Reiseverhalten etc. ein. Und da gibt es einen Absatz, wo sie schreibt, einmal fliegen ist ja nicht so schlimm, man kauft ja das ganze Jahr über im Bioladen ein und ist auch sonst recht sparsam mit Autofahren und so.. Das hat sie bewusst ironisch gemeint. Was mich aber an dem Satz stört, ist, dass sie das einfach so in dieser Relation stehen lässt. Also ich hätte mir gewünscht, dass wenn sie schon versucht, so auf die Zukunft einzugehen, dass sie klarstellt: Moment, das ist aber tatsächlich nicht so, weil wenn ich dann nur diesen einen Satz lese oder diesen Absatz, dann ergibt sich dadurch tatsächlich für mich der Eindruck: Mensch, fliegen ist doch tatsächlich nicht so schlimm. Ich kann's ja irgendwie durch durch andere Verhaltensweisen wieder ausgleichen. Und da hätte ich mir schon mal gewünscht, dass sie da klar Stellung zu nimmt. Ist nur eine Kleinigkeit, Aber das ist mir tatsächlich so aufgestoßen, weil ich denke, wenn wir gerade darüber nachdenken, wie wir in Zukunft besser vorgehen können, dann müsste ich da an der Stelle auch präziser mit meinen Forderungen sein.

Stefanie Mein zweiter Kritikpunkt ist tatsächlich, wenn wir jetzt vom Gendern absehen, was ja vorher nicht mitgezählt hat, sonst wäre es jetzt der dritte Kritikpunkt, dass sie negativ über das bedingungslose Grundeinkommen spricht. Also das ist schon in der Einleitung, da gibt sie eine Vorausschau auf die kommenden Kapitel und da schreibt sie auch schon, dass es vielleicht Gründe geben könnte gegen das bedingungslose Grundeinkommen. Und auch hier jetzt im Schlusskapitel schreibt sie das wieder und ich zitiere mal den Satz dazu bzw. ich fasse mal zusammen, was vor dem Satz kommt. Und zwar geht es da wieder um diese Mikrokredite und diese Banken fürs Volk quasi, die sich damals gegründet hatten und auch dann die Grundidee, dass diese Mikrokredite Teilhabe am Markt ermöglichen sollen. Und nur wenn du Teil hast am Markt, dass du dich dann auch dafür interessierst und einsetzt und Wohlbefinden in die Gesellschaft einbringst und auch für dich selbst, kannst du einer gewissen Lethargie entgegenwirken. Und sie schreibt dann weiter:

„Daraus ergibt sich möglicherweise auch ein Einwand gegen das bedingungslose Grundeinkommen. Besteht nicht die Gefahr, die Menschen auf die Rolle als Konsumenten zu beschränken? Sollte nicht vielmehr die Partizipation am Marktgeschehen durch eine Erweiterung der Chancen gefördert werden?“

Und ich denke gerade, ich beschäftige mich ja jetzt auch schon ein bisschen länger mit dem bedingungslosen Grundeinkommen und habe viele Berichte darüber gelesen und auch das Buch dazu von dem Experiment Bedingungsloses Grundeinkommen gelesen und alles, was ich darüber gelesen habe und generell alles Wissen, was ich bisher dazu gesammelt habe, spricht völlig dagegen. Also ich denke, ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ein Universal Basic Income, wie es im Englischen immer genannt wird, wäre tatsächlich etwas, was uns Freiheit verschafft und auch die Freiheit überhaupt zu partizipieren und Sicherheit und hat einfach so viele positive Aspekte, wo ich nie denken würde, dass sie uns zu Konsument·innen degradieren würden, sondern tatsächlich eigentlich erst es uns ermöglicht zu Bürger·innen zu werden und zu handeln, weil wir eben diese Sicherheit haben, dass wir uns nicht immer um unseren Lebensunterhalt sorgen müssen.

Carsten Ja, interessanterweise haben wir genau die gleiche Stelle im Buch markiert, weil auch mir die aufgestoßen ist. Und ich sehe das genauso wie du. Für mich wäre das bedingungslose Grundeinkommen einfach ein Mittel, um Druck aus dem ganzen System zu nehmen. Da, wo heute gerade Menschen in prekären Arbeits- und Lebenssituation ihr Dasein fristen müssen, die ja erst mal nur ums Überleben kämpfen oder bzw. fürs Überleben arbeiten müssen und darüber hinaus eigentlich gar nicht mehr die Energie haben, in irgendeiner Art und Weise sich gesellschaftlich einzubinden oder einzubringen. Gerade diese Menschen werden von einem bedingungslosen Grundeinkommen ja sehr stark profitieren. Dass dieser Druck nicht mehr da ist, dass sie sich keine Gedanken mehr machen müssen, was passiert morgen? Wie komme ich nächsten Monat über die Runden, sondern habe erst mal auch die Absicherung. Alles ist gut und alles bleibt auch erst mal gut und ich kann darauf aufbauen und diese Freiheitsgrade, die sich damit ergeben. Ich glaube, die finden sich zumindest in dem, was sie jetzt in diesem Buch geschrieben hat, ja gedanklich überhaupt gar nicht wieder und sind aber für mich das große Potenzial. Ich kann keine Veränderung erwirken, wenn ich nicht die Ressourcen dazu habe, mich mit diesen Veränderungen zu beschäftigen oder überhaupt an Veränderung mitzuarbeiten. Und ja, ich glaube wirklich, dieses Druck aus dem Kessel nehmen würde dafür sorgen, diese Ressourcen zu schaffen.

Stefanie Und ich möchte dazu noch ergänzen, dass wir, wenn wir diese ganzen Kulturtechniken wiederbeleben wollen und auch generell mehr in Gemeinschaft leben wollen, auch mehr Zeit brauchen. Das kostet uns alles Zeit. Und ein bedingungsloses Grundeinkommen würde uns das ermöglichen. Wir hätten mehr Zeit für solche Dinge und müssten weniger arbeiten, in Lohn und Brot stehen, sozusagen, um unseren Lebensunterhalt zu sichern und könnten uns mehr in die Gemeinschaft einbringen. Und das ist eben etwas eigentlich, was so klar ist. Ich sehe das so klar, aber offensichtlich die Autorin nicht. Aber mit dieser Kritik will ich jetzt natürlich nicht enden. Wie gesagt, generell ist es ein sehr lesenswertes Buch. Es gibt eben einige kleine Kritikpunkte, aber insgesamt ist es lesenswert. Du würdest es auch empfehlen, Carsten, oder?

Carsten Ja, bedingungslos sogar empfehlen. Nee, diese Kritikpunkte haben wir jetzt ja geäußert. Das heißt, wenn du jetzt aufgrund unserer Empfehlung das Buch liest, weißt du, dass wir nicht mit jedem einzelnen Satz konform gehen. Aber das Gros des Buches ist extrem gut recherchiert und sehr facettenreich, was man ja auch nachher an der Literaturliste feststellt. Die Autorin hat sich da sehr intensiv mit beschäftigt und wirklich ganz, ganz wichtige Dinge in diesem Buch verfasst. Das ist für mich eines der wirklich wichtigen Bücher.

Stefanie Genau. Und deswegen ja auch unser Buch fürs Jahr. Sozusagen. Wenn du dieses Jahr nur ein Buch lesen möchtest, dann lies dieses hier. Und ich möchte mich auf diesem Weg auch noch mal bei allen treuen Steady-Unterstützer·innen bedanken, die hier monatlich Geld zahlen, damit dieser Podcast möglich sein kann.

Carsten Vielen Dank!

Stefanie Und es wäre natürlich toll, wenn du das Gefühl hast, dass dieser Podcast dir etwas gibt oder auch generell die ganzen anderen kostenlosen Angebote, die ich habe und du das Gefühl hast, du möchtest etwas zurückgeben, wenn du dich diesen Steady-Unterstützer·innen anschließen würdest. Das wäre genial und ich würde mich sehr darüber freuen, denn die Kosten bleiben natürlich weiterhin bestehen, die ich für diese kostenlosen Dinge, die für dich kostenlos sind, habe. Also deswegen ist es super, wenn du da Geld zurückgeben möchtest. Die Stunden, die wir verbringen, um das alles herzustellen, gar nicht mit eingerechnet. Also das sind jetzt erst mal nur die banalen Kosten der Bereitstellung, den Link zu der Steady Seite und wie du mich und meine Arbeit unterstützen kannst, findest du immer hier unter der Folge oder in den Shownotes oder auf meiner Webseite. Also du wirst einen Weg finden und ich würde mich sehr darüber freuen. Und nun bleibt uns nur noch zu sagen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und bis zum nächsten Mal.

Links zur Folge

Buch: "Wir konnten auch anders" von Annette Kehnel
z.B. bei buch7.de

Die Fuggerei in Augsburg
https://www.fugger.de/fuggerei

Folge 246 - Das war 2021 und das erwartet Dich 2022

Ein Beitrag

Folge 246 - Das war 2021 und das erwartet Dich 2022

Frohes Neues Jahr!

2022 - wir sind gespannt, was kommen wird und hoffen natürlich auf ein neues Post-Pandemie-Normal, in dem wir uns auch endlich wieder mehr vor Ort mit Menschen treffen können.

In dieser Folge blicken wir zurück auf ein turbulentes Jahr 2021, das natürlich ganz anders verlaufen ist, als wir es geplant hatten. Wir haben viele Bücher rezensiert und auch ein paar Interviews und Filmrezensionen waren dabei.

Privat ist auch einiges passiert, was uns viele Ressourcen gekostet hat.

2022 kann also nur besser werden - zumindest habe ich viel geplant und werde in den nächsten Wochen einige Neuerungen verkündigen.

Worum genau es geht und was sonst noch los war, das erfährst Du in dieser Folge.

Links zur Folge

Stefanie im Interview mit Carsten von Gans normal vegan
https://youtu.be/IhNzklryxt8

Wir Konsumkinder Podcast
https://stefanie-rueckert.de/podcast

Für den Newsletter anmelden und über den Start der neuen Community informiert werden:
https://stefanie-rueckert.de/#footer

Sigrid Drage: "Permakultur – Dein Garten. Deine Revolution."
https://www.loewenzahn.at/produkt/2650/permakultur-dein-garten-deine-revolution/

Ajahn Brahm: "Der Elefant, der das Glück vergaß"
z.B. bei buch7.de

Von Herzen Vegan unterstützen
Vier Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Frohes neues Jahr. Das ist die erste Folge im Jahr 2022.

Carsten Glückliches Neues Jahr.

Stefanie 2022. 2222 werden wir ja nicht mehr erleben.

Carsten Also mehr zweien werden wir nicht mehr erleben. Also das stimmt schon.

Stefanie Stimmt ja, da habe ich noch gar nicht so drüber nachgedacht. 2022. Ja gut. Also ja, dies ist die erste Folge im Jahr 2022. Wir sind ein bisschen spät dran. Haben wir auch gemerkt. Das führt uns gleich zum Rückblick auf das Jahr 2021. Also wir wollen jetzt in dieser Folge so ein bisschen erzählen, wie es so um den Podcast steht und auch um uns, um Carsten und mich. Nicht als Paar, sondern einfach als Projekt wollte ich schon sagen, das hört sich komisch an. Nein, jedenfalls wollen wir jetzt nicht unser Seelenleben hier darlegen, sondern du verstehst schon, was wir meinen.

Die Unterstützer·innen haben natürlich den Rückblick schon längst hören können und da möchte ich mich an dieser Stelle auch noch mal ganz herzlich bei Dir bedanken, wenn du uns über Steady unterstützt. Das ist eine große Hilfe und es gibt viele treue Steady Unterstützer·innen wie zum Beispiel Andrea, Corinna und Johannes, die unseren Podcast und meine Arbeit ich muss das jetzt so differenzieren ja schon seit Mitte bis Ende 2017 unterstützen. Das ist wirklich der Wahnsinn. Also seit mehr als vier Jahren schon teilweise. Johannes seit Ende 2017, das ist ja knapp. Also jetzt ist es auf jeden Fall schon mehr als vier Jahre, also total krass. Ja, also das ist wirklich.

Carsten Das ist Treue.

Stefanie Das ist Treue. Genau. Und da wirklich von Herzen Dank. Und ja, warum ist es sinnvoll, diesen Podcast und auch meine Arbeit über Steady zu unterstützen? Wie du gemerkt hast, ist dieser Podcast hier werbefrei. Also ich gehe keinerlei bezahlte Kooperation mit irgendwelchen Firmen ein. So sind auch die anderen drei Podcasts alle werbefrei und auch generell meine kostenlosen E Mail Kurse sind werbefrei und kostenlos. Die Podcasts sind werbefrei und kostenlos und auch der Von Herzen Vegan Clan, die Community ist kostenlos und werbefrei.

Und so sind viele Dinge in den vergangenen Jahren seit Ende 2015 entstanden, die dich keinerlei Geld gekostet haben, mich aber schon einiges an Arbeit und auch Geld. Denn zum Beispiel bei der Community ist es so, dass ich da einen monatlichen Betrag zahle, damit diese Community nicht bei Facebook oder irgendwelchen anderen Social Media Plattformen liegt, die ja alle kostenfrei sind, was Geld angeht. Aber wo wir mit unseren Daten zahlen und damit du nicht mit deinen Daten zahlen musst, zahle ich das Geld. Also ich gehe bei all den kostenlosen Angeboten in Vorleistung, sowohl was Arbeitszeit angeht, als auch was Hostinggebühren angeht oder sonstige Gebühren. Und da ist es wunderbar, wenn es Menschen wie Andrea, Corinna und Johannes gibt, die sagen das ist mir tatsächlich was wert, was du da machst und was vielleicht auch Carsten macht.

Carsten Hoffe ich doch.

Stefanie Also was Carsten und ich machen und ich möchte da gerne etwas zurückgeben und zum Beispiel hier bei diesem Podcast beim Einfach Vegan Podcast, der ja nun auch schon bald seit sechs Jahren existiert. Dort könnte es sein, dass du sagst, ich habe jetzt in diesen vergangenen sechs Jahren, vielleicht jetzt nicht von Anfang an zugehört, aber da sind viele Folgen zusammengekommen und ich habe so viel gelernt und so viel mitgenommen und ich bin so inspiriert durch und durch. Ich möchte jetzt auch gerne mal was zurückgeben und dann kannst du dich gerne Andrea, Corinna, Johannes und all den anderen Steady Unterstützer·innen anschließen und ein Paket auswählen, mit dem du diesen Podcast unterstützen möchtest. Denn ich habe jetzt bei Steady einiges umgewandelt und zwar kannst du jetzt themenbezogen unterstützen.

Es gibt für diesen Podcast drei Pakete, einmal mit 2,50 € im Monat, einmal mit 5 € im Monat und einmal mit 10 € im Monat. Da kannst du auswählen, wie groß du deine Dankbarkeit bemessen möchtest. Ist sie so am Anfang, ist sie mittel oder sehr besonders groß und dann kannst du das auswählen. Du kannst auch überlegen, ob du ein Jahrespaket nimmst. Da zahlst du dann einmal im Jahr diesen Satz, sozusagen. Bei 2,50 € wären das 30 € im Jahr, bei 5 € sind es 60 € im Jahr und bei 10 € sind es 120 € im Jahr. Und du kannst natürlich auch sagen okay, ich möchte jetzt das sozusagen wie so eine Einmalzahlung machen, dann schließt du dieses Jahresabo ab und sagst zum Beispiel: ich möchte jetzt einmal 120 € zahlen und ihr habt mir so viel gegeben, das ist es mir jetzt wert. Und dann kündigst du einfach direkt danach und dann hast du einmal die 120 € gezahlt und das wird sowieso jetzt nicht dann, ohne dass du benachrichtigt wirst, verlängert. Also das heißt, das ist alles sehr offen.

Du wirst auf jeden Fall die Möglichkeit haben, auch noch rechtzeitig vor Verlängerung so eines Abos kündigen zu können. Und wenn du zum Beispiel sagst die Milchgeschichten, das ist was total Geniales, da bin ich im letzten Jahr ja auch zu interviewt worden noch mal und da gab es den anderen Carsten, der von „Gans normal vegan“, der so fasziniert war von meinen Milchgeschichten, von dem Podcast, dass er gesagt hat, er möchte mich unbedingt interviewen. Und wenn du so fasziniert bist wie er und auch viele Student·innen, die mir auch schon geschrieben haben und auch zu diesem Thema weiterforschen wollen und gerne meine Aufzeichnungen sehen wollen und gerne Literaturangaben und Informationen von mir, wenn du zu den Menschen gehörst, die sagen Milchgeschichten total genial, da möchte ich jetzt tatsächlich explizit dafür was zurückgeben, dann findest du bei Steady auch so ein Paket, wo du entweder monatlich zahlen kannst oder zum Beispiel wie gerade erklärt, ein Jahrespaket abschließen und musst es dann also nicht über PayPal machen, sondern könntest sagen ja, ich möchte jetzt einmal zahlen und dann mache ich das mit diesem Jahrespaket und kündige das dann sofort.

Oder wenn du jetzt sagst Nee, das Jahrespaket, das ist mir zu viel Geld, ich möchte eigentlich nur 5 € geben, dann machst du zwei Monate und kündigst danach zum Beispiel. Und so gibt es dann auch noch ein Paket für den Von Herzen Vegan Podcast. Und dann gibt es noch ein Paket, denn Carsten und ich sind ja letztes Jahr, genau vor einem Jahr, mit einem vierten Podcast gestartet, dem „Wir Konsumkinder“ Podcast. Und auch da kannst du dir überlegen, wenn dich unsere Geschichte inspiriert oder inspiriert hat, die wir da auch aufgesprochen haben und die uns auch einiges an Mut gekostet hat, nicht wahr?

Carsten Ja, es ist schon so eine Offenlegung, sehr intim und persönlich.

Stefanie Genau. Also wo wir auch wirklich ehrlich auf unsere Geschichte zurückblicken und sie mit dir teilen, wenn du da sagst: Ja, ich fühle mich inspiriert, ich möchte da etwas zurückgeben, ich möchte das unterstützen, dann kannst du gerne dieses Paket wählen. Und wenn du das Gefühl hast, dir fehlt da noch ein Paket. Du möchtest eigentlich irgendwie thematisch was ganz anderes unterstützen oder alles zusammen? Dann schreibt gerne an, post@vonherzenvegan.de oder melde dich im Clan. Soweit also jetzt erstmal zu den Steady Paketen. Es gibt noch eine weitere Neuerung, da komme ich nachher im Ausblick noch zu. Das ist jetzt hier so ein bisschen vermischt. Eigentlich wollten wir ja nur mit dem Rückblick starten und dann mit dem Ausblick. Aber so ganz chronologisch kriege ich das gerade nicht hin. Und wo ich gerade klar gesagt habe, auch da wird noch was passieren. Aber wir blicken jetzt erst noch mal zurück.

Also ich hatte mir die Podcastfolgen noch mal angeschaut von 2021 und wir haben tatsächlich im letzten Jahr in erster Linie Bücher und Filme rezensiert und teilweise Interviews dazu geführt oder Interviews so geführt. Dass sich die Buchrezension zum Ende des Jahres so gehäuft haben, ist tatsächlich einem Glücksfall zu verdanken, dass ich beim Löwenzahn Verlag in Österreich angefragt habe, ob ich das neue Buch von Rob Hopkins haben kann als Rezensionsexemplar und ich dann quasi freie Hand bekommen habe, mir immer und immer wieder Bücher auszusuchen, die ich rezensieren darf. Und ich muss ja zugeben, die Versuchung ist echt groß, sich da einfach zu bedienen und diese Bücher dann sich neu zuschicken zu lassen. Und dann musste ich jetzt letztens feststellen, dass Carsten einen Teil der Bücher auch in der Bücherhalle gefunden hat, zum Beispiel zum Thema Permakultur.

Carsten Ja, genau. Übrigens ein sehr, sehr schönes Buch. Ich habe mich ja im Laufe der letzten Monate auch noch mal hin und wieder mit dem Thema Permakultur auseinandergesetzt. Versuche mich da auch weiterzubilden in dem Thema, also tatsächlich auch so hinsichtlich Ausbildung und so. Und ja, unsere Bücherhallen hier in Hamburg sind echt gut sortiert, so dass das ein oder andere Buch, wo wir gar nicht damit gerechnet hätten, auch tatsächlich verfügbar ist und wir es vielleicht auch gar nicht hätten über den Verlag anfordern müssen, sondern in den Bücherhallen ausleihen können.

Stefanie Wobei das Permakulturbuch, von dem wir jetzt gerade sprechen, nicht das ist, was wir rezensiert haben, sondern das ist ein anderes.

Carsten Das ist ein anderes. Das, was ich jetzt gerade gelesen habe und was wir da an Büchern doch noch mal ausleihen konnten, das nennt sich „Permakultur. Dein Garten. Deine Revolution“ ist auch sehr, sehr empfehlenswert. Bzw überhaupt eines der empfehlenswertesten Permakultur Bücher generell, weil es einfach unglaublich schön gestaltet ist, wie ist es eigentlich bei allen Büchern dieses Löwenzahnverlags der Fall ist. Also die, die wir bisher in die Hände bekommen haben, haben uns sowohl vom optischen, haptischen, aber auch vom Inhalt her total überrascht im Positiven und sind absolut liebevoll gestaltet, total schön bebildert. Also es ist einfach so vom Optischen her schon ein ganz toller Eindruck, der dort erweckt wird und das ganze zieht sich inhaltlich dann so hin.

Also ich weiß nicht, ich finde das echt eine ganz tolle Geschichte, die uns da quasi über den Weg gelaufen ist, dass wir die Möglichkeit hatten, da die die entsprechenden Bücher kennenzulernen. Sei es jetzt durch die Rezensionserstellung oder auch durch das, was wir jetzt in den Bücherhallen vorgefunden haben. Und ja, wie das bei uns so ja eigentlich schon Standard ist, wenn wir Bücher übergeben bekommen, die uns dann ja auch eine Zeit lang gehören, sagen wir mal so, verlosen wir, die hier in den Buchfolgen. Das heißt also guck gerne mal in die entsprechenden Folgen, die noch kommen werden, wenn das ein oder andere Rezensionsexemplar dann zur Verfügung steht, greif zu. Also es sind immer schöne Gelegenheiten, tatsächlich kostenlos an tolle Bücher zu kommen.

Stefanie Ja, genau, denn wir wollen uns ja daran nicht bereichern und wollen auch nicht unser Bücherregal jetzt wieder aufbauen müssen oder so, weil wir so viele tolle Bücher bekommen, sondern wir wollen sie eigentlich mit dir teilen. Und gerade bei diesem Permakulturbuch, das wir letztes Jahr rezensiert haben, gab es einige Anfragen und ich hatte natürlich nur das eine Exemplar. Würdest du jetzt sagen, das Permakulturbuch, was du jetzt gerade gelesen hast, ist für die Menschen, die damals leer ausgegangen sind, auf jeden Fall auch etwas, was sie sich angucken sollten?

Carsten Ja, beide Bücher sind was. Das, was wir ursprünglich rezensiert hatten in der Folge geht mehr so auf den Charakter ein: Wie kann ich Permakultur in unterschiedlichen Größenordnungen umsetzen? So dieses Verständnis, dass Permakultur etwas ist, was ich sag mal skaliert so vom Balkon bis hin zu großen landwirtschaftlichen Flächen, dass auch ein Landwirt mit großen Nutzflächen das Ganze als Permakultur gestalten kann. Und der Weg dorthin ist dort geschildert. Und das Buch, was ich jetzt gerade, ja eigentlich gestern noch in den Händen hatte, ist tatsächlich eher so auf Garteninhaber·innen gemünzt und beschreibt aber auch deutlicher die Permakultur vom Inhalt her, also sprich die ethischen Gestaltungsrichtlinien, gespickt mit ganz vielen Erfahrungswerten und auch kleinen Exkursen. Also geht so mehr auf den inhaltlichen Aspekt der eigentlichen Gestaltung ein. Während das erste Buch tatsächlich so die praktische Umsetzung im Feld ist und im wahrsten Sinne des Wortes im Feld.

Stefanie Ja okay, das heißt, ich packe natürlich den Titel und die Autorin des Buches auch noch mal in die Shownotes, dass du nachlesen und nachschauen kannst. Da es das bei uns auch schon in der Bücherhalle gibt, gibt es das vielleicht auch schon bei dir, in deiner Bibliothek. Solltest du in Hamburg wohnen: Carsten hat es gerade noch ausgeliehen, aber er gibt es auch wieder zurück. Ich weiß nicht wie viele Exemplare davon verfügbar sind. Aber jedenfalls ist das Potenzial da, dass du es auch einfach ausleihen kannst. Wir haben das jetzt allerdings, wie gesagt, nicht als Rezensionsexemplar, sondern ausgeliehen und deswegen können wir es jetzt hier nicht verlosen. Aber nur noch mal so als Tipp, weil ich das Gefühl hatte, dass viele Hörer·innen doch auch Permakultur interessiert sind, dass du da auch noch mal in die Richtung schauen kannst.

Wir hatten uns eigentlich so als Richtlinie gesetzt, dass wir mindestens zwei Podcastfolgen im Monat machen. Das konnten wir im letzten Jahr einfach nicht einhalten. Das hatte verschiedene Gründe. Privat war es auf jeden Fall auch ein sehr anstrengendes Jahr. Das Jahr 2021. Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen auf diesem Planeten momentan so aufgrund der Pandemie, dass das alles etwas anstrengender geworden ist. Bei uns kam neben der Pandemie noch ein paar Dinge dazu. Wir hatten in der vorangegangenen Wohnung - wir sind jetzt Mitte des Jahres umgezogen - Anfang des Jahres einen Wasserschaden. Dann musste groß mit solchen Trocknungsanlagen das ganze Kinderzimmer getrocknet werden. Und ja, das sind einfach so Dinge, die auch so ein bisschen an die Nerven gehen.

Wir hatten schon länger Probleme mit unserer Vermieterin. Ein Jahr lang auf jeden Fall, da die andere Vorstellungen vom Leben hat als wir, was dann dazu geführt hat, dass wir unsere Wohnungssuche auch etwas beschleunigt haben und das auch wirklich eher so der Fokus war und wir dann den Einfach Vegan Podcast nicht mehr so priorisieren konnten. Verschiedene Dinge, Umzug mit Kind und so ist natürlich immer etwas aufwendiger, als wenn man jetzt irgendwie als kinderloses Single umzieht. Würde ich jetzt behaupten, zumindest aus meiner Erfahrung von früher. Und so war die Mitte des Jahres, sage ich mal, auf jeden Fall davon geprägt und auch Anfang des Jahres schon von verschiedensten Herausforderungen. Dazu kam, dass wir dann auch immer mal wieder krank geworden sind und Gott sei Dank toi, toi, toi nicht an Corona erkrankt sind bisher. Das ist wirklich ein großer Glücksfall, weil die Einschläge schon näher gekommen sind in letzter Zeit.

Wir haben uns nach dem zwei Mal Impfen auch jetzt kurz vor Weihnachten Boostern lassen. Also von daher haben wir alles gemacht, was wir tun können, um uns und das Kind zu schützen. Aber natürlich wissen wir nicht. Kann ja alles noch passieren. Aber das zumindest haben wir gemacht. Und dazu kann ich vielleicht - ja, es vermischt sich jetzt automatisch alles so ein bisschen. Ich hatte mir das so stringent aufgeschrieben. Carsten guckt mich auch die ganze Zeit strafend von der Seite an, nicht wahr? Aber das siehst du ja nicht, denn glücklicherweise ist das hier ja ein Podcast und kein Vodcast - Und was ich sagen wollte ist, dass wir ja Mitte des Jahres gesagt haben, dass wir uns haben impfen lassen. Und ich habe tatsächlich das Gefühl, dass seitdem uns einige Hörer·innen verlassen haben.

Also ich bin mir immer noch nicht sicher mit den ganzen Statistiken. Irgendwie habe ich das Gefühl, der Anbieter, bei dem wir diesen Podcast hosten, ändert immer mal wieder seine Statistiken, wie die dargestellt werden. Aber es wirkt schon so, als hätten wir, ich weiß nicht, sogar die Hälfte unserer Hörer·innen verloren seit diesem Punkt, als wir gesagt haben, dass wir uns haben impfen lassen, was jetzt so verschiedenste Gedankenspiele offen lässt und ich lasse die jetzt auch mal so offen, denn ja, kann natürlich auch irgendwie gar nichts damit zu tun haben. Und dass Menschen jetzt andere Podcasts gefunden haben, die ihnen besser gefallen oder sie einfach keine Zeit mehr haben, diesen Podcast zu hören oder so, könnte sein. Und das kann natürlich auch sein, dass die Statistiken einfach nicht richtig sind, aber zumindest hatte ich diesen Eindruck.

Also zurück zum Rückblick. Wobei, das gehört ja auch zum Rückblick. Wir sind auf jeden Fall an unsere Grenzen gekommen. Wir haben wieder mehr über unsere eigenen Grenzen gelernt, über uns und das, was uns wichtig ist. Und natürlich frisst diese Pandemiesituation an uns. Die Planung wird immer und immer wieder über den Haufen geworfen. Ja, alles was so längerfristig geplant wird, ist nur so eine Hoffnung. Aber wirklich, dass es so umgesetzt werden kann, das ja ist nicht sicher, das ist was, was wir jetzt im letzten Jahr auch noch mal ganz klar gemerkt haben und das durch diese verschiedenen Faktoren, die du selber in deinem Alltag bemerkst, aber auch durch Krankheitssymptome oder einfach, dass ich persönlich bei mir zumindest merke, dass mein Körper irgendwann streikt, also da dann Bedürfnisse hat, die erfüllt werden wollen und die vielleicht nicht dem Leistungsbild der Gesellschaft entsprechen.

Und dementsprechend gibt es da dann Zeiten, in denen ich einfach nichts machen kann und es gibt dann wieder Zeiten, wo ich mehr Energie habe und etwas machen kann. Und das muss ich irgendwie alles austarieren. Es sind einfach momentan herausfordernde Zeiten. Das alles irgendwie unter einen Hut zu bringen, ist nicht so leicht. Wir haben jetzt auch gerade aktuell, wo wir jetzt diese Podcastfolge aufnehmen, sehr laute Nachbar·innen. Also wir wissen jetzt nicht genau, ob du das auch hörst oder ob wir das rausfiltern können. Und das ist jetzt hier bei der neuen Wohnung so ein bisschen schwieriger. Wo wir bei der anderen Wohnung nur das Vermieterpaar unter uns hatten. Wobei er auch gerne mal laut Orgel gespielt hat, aber das war zumindest was - gut, das war auch nicht berechenbar, aber jedenfalls waren dann nur zwei Personen. Hier sind um uns rum viele Personen und je nachdem wie laut die sind, hört man das alles auch.

Das sind alles so Faktoren, die einfach, ja unberechenbar sind. Wir haben auch nicht den ganzen Tag Zeit und können dann uns danach richten, wann die Nachbarn ruhig sind, sondern es gibt einfach bedingt dadurch, dass Carsten Vollzeit arbeitet, bedingt dadurch, dass wir ein Kind haben, dass je nachdem wie die Pandemiesituation das will, auch zu Hause ist oder nicht zu Hause ist oder auch mal Freund·innen mit hier in der Wohnung hat und auch mal laut spielt. Also bedingt durch all diese Faktoren ist es nicht so einfach, einen Punkt zu finden, um Podcastfolgen aufzunehmen. Ich denke, Texte schreiben ist wahrscheinlich einfacher als Audios oder sogar Videos aufzunehmen. Also gut, Videos fände ich jetzt noch schlimmer, weil ich mich ja dann immer herrichten müsste. Das Licht müsste toll sein usw. Da ist das Audio doch der schönere Kompromiss, zumindest für mich persönlich. Und das Schneiden finde ich auch einfacher. Aber gut, das jetzt nur nebenbei, aber es ist einfach, ja, es sind einfach viele, viele Faktoren, die da so zusammenkommen und die beeinflusst haben, auf welche Art und Weise wir uns dem Einfach Vegan Podcast im letzten Jahr widmen konnten.

Carsten Ja, genau. Und wenn wir noch mal auf die thematischen Ausprägungen des Podcasts eingehen: ich hatte mir ursprünglich, ich sag jetzt mal so vor ungefähr einem Jahr, das ja auch anders vorgestellt, auch inhaltlich anders vorgestellt. Ich hatte damals schon den für mich persönlich so den Eindruck gewonnen, dass ich jetzt sehr viel Informationen schon gesammelt habe. Für uns steht ja immer so die Frage im Raum: Wie können wir unsere Zukunft, wie können wir die gemeinsame Zukunft anders gestalten? Und da haben wir schon sehr viel Informationen gesammelt, schon sehr viel Input gehabt, viele Ideen gesponnen und irgendwie hatte ich so den Eindruck: so langsam muss das raus. So langsam muss das auch in die Praxis überführt werden. Jetzt ein bisschen irgendwas umsetzen, Projekte stemmen, sich mit anderen Leuten zu vernetzen, in Aktivität übergehen, das ist ja komplett anders gelaufen. Also die Pandemie hat uns ja völlig ausgebremst, was das betrifft. Und ich weiß noch, dass so zur Jahresmitte war eine ganz spannende Aktion, wo ich auch lange Zeit überlegt habe, mache ich da mit oder mache ich da nicht mit? Das war ein Protestcamp von dem Bündnis „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“. Und dieses Protestcamp, das war in meiner Heimatgegend, da, wo ich aufgewachsen bin. Ich kannte die Region und das war wirklich unweit von dem Ort, wo ich aufgewachsen bin.

Stefanie Du hättest sogar bei deinen Eltern übernachten können.

Carsten Ja genau.

Stefanie Wärst Du mit dem E Bike da hinfahren.

Carsten Also wenn eine Aktion oder irgendwie sowas mal naheliegend gewesen ist, dann war das diese.

Stefanie Du hattest einen persönlichen Bezug dazu.

Carsten Persönlich und auch thematisch und ich hatte auch für das Thema gebrannt und ich habe mich einfach ja ausgebremst gefühlt, weil das wirklich zu einer Situation gekommen ist, wo ich ganz vorsichtig war, was jetzt mit dieser ganzen Coronasituation da war. Da habe ich einfach vermieden, große Reisen zu machen, zu viel Außenkontakt zu haben, auch, weil wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht geimpft waren. Unsere Impfungen kamen später erst. Wir haben uns sehr, sehr bewusst auch zurückgehalten. Genau das war es. Und ich würde es heute auch genauso machen. Also es ist jetzt nicht so, dass ich sage: Mensch, falsch verhalten oder so, aber es schmerzt trotzdem. Es tut in der Seele weh, dass solche Gelegenheiten vorbeigehen.

Und ja, dass ich da an der Stelle zum Beispiel konkret nicht in Aktivität übergehen konnte, aber auch in anderen Punkten, also das generelle Vernetzen oder oder Themen anstoßen. Wo ich jetzt tatsächlich sehe, Mensch, ich müsste mich mit Menschen draußen treffen. Ich möchte auch neue Kontakte knüpfen, um Sachen anzufangen oder sowas. Das fällt im Moment komplett außen vor und zwingt auch so ein bisschen weiterhin auf der rein theoretischen Ebene mit den ganzen Themen irgendwie eine Auseinandersetzung zu suchen, da weiter zu machen. Bei mir ist es Permakultur oder jetzt praktisch dadurch, dass wir umgezogen sind und hier jetzt einen Balkon haben. Ich habe zumindest einen Bereich, in dem ich mich ausleben kann. Das war ja auch ein Konfliktherd in der vorherigen Wohnsituation.

Stefanie Auf den wir jetzt nicht mehr eingehen werden, denn auch das haben wir alles losgelassen. Dazu erzähle ich gleich noch was, wenn Carsten fertig ist.

Carsten Aber das sind so praktische Sachen, da versuche ich jetzt zumindest für mich persönlich in eine gewisse Umsetzung zu gehen. Aber darüber hinaus muss ich sagen, ist auch wirklich so, ja, die Sehnsucht da, dass irgendwann mal wieder eine Art Normalzustand kommt, wo man auch wirklich dann nach außen hingehen kann. Und ja tatsächlich aktiv werden darf und kann.

Stefanie Ja, ich würde das mit dem Loslassen noch mal hinzufügen, und zwar vielleicht - bestimmt haben wir es schon mal erwähnt - hilft dir das auch noch mal. Wir haben dieses Loslassritual von Ajahn Brahm übernommen, einem buddhistischen Mönch in Australien, der tolle Bücher geschrieben hat und die ich auch als Hörbücher habe und immer mal wieder anhöre, weil die Geschichten jedes Mal mit meiner Erfahrung wachsen sozusagen. Also ich interpretiere sie jedes Mal anders und sie geben mir immer was und eine Geschichte davon heißt „Die Löschtaste drücken“. Und da geht es darum, dass er erzählt hat, dass er Teilnehmer·innen oder seinen Mönchen - ich bin mir nicht ganz sicher, aber das kann auch Laien gewesen sein. Aber ich glaube, er hat einfach Menschen empfohlen, wenn sie Sorgen haben, sollen sie es auf ein Papier schreiben, das um einen Stock wickeln und dann mit dem Stock in den Wald gehen und diesen Stock von sich schmeißen. Und das muss auch wirklich diese Handlung sein. Also das nicht nur theoretisch zu machen, sondern dann das aufzuschreiben, das um den Stock zu wickeln und den Stock wegzuschmeißen.

So, und dann meinte er, kamen die Klagen, er würde den Wald verschmutzen und so und deswegen ist er dann zu einer fortgeschritteneren Idee gekommen. Und zwar die Idee, diese Gedanken, also das, was dich belastet, das, was du loslassen möchtest, auf Toilettenpapier zu schreiben und das dann rituell das Klo runter zu spülen. Und wir haben genau das gemacht. Wir haben bei der Umzugssituation, als wir hier in die neue Wohnung umgezogen sind, uns zu dritt, also das Kind, Carsten und ich, zusammengesetzt und haben aufgeschrieben was war schlecht? Also was belastet uns, was möchten wir loslassen? Und haben das dann jede·r für sich rituell die Toilette runtergespült, damit jede·r einmal die Löschtaste drücken durfte, also einmal die Klospülung betätigen, um das loszulassen. Und ich muss sagen, rückblickend hat mir das wirklich geholfen, weil ich nicht mehr daran festhalte. Es verschwimmt langsam und klar, ab und zu kommt dann noch mal was hoch und so, aber dann kann ich das relativ einfach loslassen.

Carsten Ja, dem stimme ich zu. Wir haben am Jahresende neben unserem persönlichen Rückblick und unseren Ritualen ja auch noch mal genau das gemacht, dass wir mal geguckt haben, was war toll im Jahr, aber auch was war schlecht. Und ich musste wirklich überlegen, was war denn jetzt eigentlich noch schlecht, was hat mich noch belastet?

Stefanie Du hattest es da schon losgelassen.

Carsten Ja, das war schon gar nicht mehr präsent. Also ich musste wirklich noch mal so ein bisschen in. Historie nachstöbern, so meinen kleinen grauen Zellen, den wenigen, die da noch rumfleuchen, um überhaupt noch mal dahinter zu kommen. Und das war einfach ein schönes Zeichen, dass das wirklich funktioniert, dass ich loslassen konnte und dann - ich weiß nicht, ob das wirklich unmittelbar nach dem Betätigen der Klospülung kam - aber im Grunde genommen halten die Gedanken dann nicht mehr dran fest. Und in der Folgezeit konnte ich mich wirklich komplett anderen Dingen widmen.

Wohingegen in der konkreten Situation, während wir noch nicht wirklich komplett aus der alten Wohnung raus waren, war es ja immer ein latentes Unwohlsein, alleine vom Mentalen her zu wissen: Wir stecken noch in dieser Situation. Das allein, das war schon belastend, musste noch nicht mal irgendeine Konfrontation geben und dementsprechend ist das wirklich ein ganz tolles Ritual und super zu empfehlen. Also falls du auch jemand bist, der noch ganz viel Toilettenpapier hat - jetzt so im zweiten Coronajahr ist das noch mal ein bisschen was anderes - nutz die Chance und spendier dir mal eine Rolle.

Stefanie Eine Rolle. Also so viel haben wir nicht gebraucht. Und genau. Apropos, wenn du dich jetzt wunderst, warum haben die denn Toilettenpapier? Die behaupten doch, sie würden gar keins nutzen. Wir besitzen tatsächlich Toilettenpapier für Gäste, denn wir lassen unseren Gästen - was jetzt eigentlich momentan innerhalb der letzten zwei Jahre, also seit Corona sehr, sehr wenig Menschen sind, eigentlich nur Freund·innen vom Kind - die Wahl, ob sie denn jetzt unsere schönen Polappen benutzen wollen, die Wiederverwendbaren oder das Toilettenpapier. Und deswegen haben wir immer Toilettenpapier vorrätig. Und für solche Aktionen wie mal die Löschtaste drücken, ist es auch geeignet.

Was wir aber auch gemacht haben. Also wir haben uns nicht nur auf die negativen Sachen fokussiert, sondern wir haben, als wir die alte Wohnung gemeinschaftlich loslassen wollten, auch darüber gesprochen, was schön war. Das haben wir untereinander besprochen und haben uns das gegenseitig erzählt, so wie wir uns ja jeden Abend auch erzählen, wofür sind wir dankbar und wofür können wir uns auf die Schulter klopfen? Was ist gut gelungen, worauf sind wir stolz? Und so haben wir uns das auch erzählt. Was war schön? Was sind tolle Erinnerungen? Denn es war ja nicht alles schlecht. Aber das, was uns gestört hat, das haben wir still aufgeschrieben, um das nicht noch mal hoch zu bringen und zu bewerten, sondern einfach loslassen zu können. Und ich finde, jetzt, über ein halbes Jahr später, hat es wirklich gut funktioniert. Und genauso haben wir das mit dem Jahr auch gemacht, dass wir uns an Silvester zusammengesetzt haben, hier nur zu dritt, allein, ähm, zu dritt, allein, genau zu dritt allein...

Carsten Zusammen ist man weniger allein.

Stefanie Genau. Also zu dritt. Allein. Also nur hier. So als Kernfamilie haben wir uns zusammengesetzt und dieses Ritual gemacht, dass wir zurückgeschaut haben und auch still aufgeschrieben haben, was nicht so toll war. Wobei, wie Carsten gerade sagte, wir uns dann doch noch mal unterhalten mussten, weil wir nicht mehr so genau wussten, was jetzt schlecht war. Also von daher: es funktioniert, das ist auch noch mal etwas, falls du das mal ausprobieren möchtest, ist es von uns auf jeden Fall eine Empfehlung.

Und aus dem Rückblick auf das Jahr 2021 ergibt sich eigentlich auch der Ausblick auf den Einfach Vegan Podcast im Jahr 2022. Denn eins haben wir gelernt während der Pandemie, Jetzt gerade in dieser Zeit, in der wir stecken, ist irgendwie nichts wirklich planbar und deswegen haben wir jetzt auch für den Einfach Vegan Podcast nicht wirklich was geplant. Also es wird auf jeden Fall weiterhin Buchrezensionen geben, weil wir noch einige Bücher haben, die wir noch lesen müssen oder die wir gerade lesen oder die wir lesen wollen und die gelesen werden wollen und so und wenn die gut sind, dann werden wir die auch rezensieren.

Es gibt auch Filme noch, die wir uns anschauen wollen und rezensieren und ich denke, es wird sich vieles so aus dem Alltag ergeben, was wir dann, wenn wir es als wichtig erachten, auf jeden Fall auch mitteilen werden. Und so bleibt der Podcast weiterhin eine Forschungsreise. Genau das, was er von Anfang an war: Eine Dokumentation unserer Reise von dem, was uns so bewegt.

Carsten Ja, das einzige Thema, was mir jetzt gerade so konkret einfällt, ist das Thema Verkehrswende. Weil wir da auch ein Buchprojekt per Crowdfunding unterstützt hatten und das jetzt verlegt worden ist oder aufgelegt oder publiziert werden konnte. Und da sind uns zumindest im Moment zwei Bücher noch in den Regalen verblieben, wo wir noch mal reinschnuppern wollen. Finde ich ein ganz spannendes Thema. Ich meine, dass wir jetzt autofrei leben, haben wir ja schon genannt. Also von daher ist das Thema Verkehrswende für uns auch sehr greifbar.

Stefanie Mobilitätswende.

Carsten Mobilitätswende, richtig.

Stefanie Es kommt ja auch von Katja Diehl noch das Buch „Autokorrektur“. Also werden wir das auf jeden Fall auch noch rezensieren. Vielleicht mit Katja zusammen hier im Podcast sprechen? Mal schauen.

Carsten Genau. Und alles andere ist tatsächlich offen. Ich habe jetzt auch gar keine Idee, in welche Richtung konkret das Ganze laufen könnte.

Stefanie Also wenn du, liebe·r Hörer·in Themenwünsche oder das Gefühl hast, das sollte doch mal über XY gesprochen werden, dann schreib immer gerne hier an post@vonherzenvegan.de oder melde dich im Clan. Oder wenn du Steady Unterstützer·in bist, dann kannst du natürlich auch über diesen Weg etwas schreiben. Du bist immer herzlich willkommen, Themenvorschläge an uns zu schicken. Wenn du das Gefühl hast, interview doch mal diese Person oder jene Person. Wir gucken dann, ob das zu uns passt, ob das thematisch in Ordnung ist, ob wir uns damit identifizieren können oder nicht. Also wir können dir nicht versprechen, dass es auch wirklich umgesetzt wird, aber wenn es passt, dann werden wir das gerne machen.

Damit ist jetzt aber der Ausblick noch nicht beendet, denn ich arbeite die ganze Zeit schon so hinter den Kulissen an einem größeren Projekt. Das sollte eigentlich schon Ende 2021 fertig sein. Aber wie du jetzt im Rückblick gemerkt hast, ist mal wieder einiges anders gewesen als geplant und so wird es jetzt noch ein, zwei Monate dauern, bis das Projekt fertig ist. Aber ich bin da sehr zuversichtlich. Ich habe nämlich letztes Jahr im Dezember doch noch relativ viel geschafft und das Projekt ist tatsächlich eine neue - habe ich zweimal tatsächlich gesagt? Ja, ich glaube schon.

Carsten Tatsächlich?

Stefanie Tatsächlich. Ich habe tatsächlich gesagt.

Carsten Ich habe tatsächlich gar nicht mitgezählt.

Stefanie Du hast gar nicht zugehört. Tatsächlich hast du abgeschaltet. Standby schon. Zähle die „tatsächlich“.

Carsten Unter allen Einsendungen verlosen wir...

Stefanie Einen Audiofile mit allen „Tatsächlich“ geschnitten von Carsten.

Carsten Wirklich?

Stefanie So gut. Also Spaß beiseite. Ich bin gerade dabei, eine neue Community aufzubauen, denn ich habe gemerkt, dass mir im von Herzen Vegan Clan der Platz quasi zu eng wird in den vergangenen Jahren seit. Anfang 2015, seit wir uns hier auf den Weg gemacht haben und vegan geworden sind, hat sich einiges getan. Es sind so viele Themen dazugekommen und vegan war nur der Anfang, der Einstieg. Und ich habe jetzt mittlerweile auch noch den Nachhaltigkeitsschwerpunkt, so dass ich ja für die VHS Hamburg in erster Linie und jetzt auch - Clara, vielen Dank - für die VHS Grafing und auch vielleicht noch für andere Volkshochschulen in Deutschland, Kurse gebe. Und da geht es immer um „Aktiv fürs Klima“ in verschiedensten Ausprägungen. Im Moment vor allem Bildungsurlaube. Und da gehört vegan natürlich dazu, denn Ernährung ist politisch und ist jetzt keine persönliche Entscheidung und ist aber auch nur ein Teil der Lösung.

Das ist etwas, was mir jetzt einfach in den vergangenen Jahren immer bewusster geworden ist, dass ich mich da nicht festlegen will auf nur vegan, sondern dass ich mich wohler fühle in einem breiteren Feld und der Von Herzen Vegan Clan bildet dieses breitere Feld nicht mehr ab. Also deswegen bin ich gerade dabei, eine größere Community nicht im Sinne von es sollen viele Millionen Menschen darin sein, sondern thematisch größer gefasst, ein größeres Zelt quasi für meine Arbeit zu bauen aufzubauen. In dieser Community gehen wir dann gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft und vegan ist dann ein Teil davon, das heißt der Von Herzen Vegan Clan zieht um in die neue Community. Das ist dann auch wieder ein Mighty Network, so dass du dich da dann auch schon auskennst, wenn du Mitglied im Von Herzen Vegan Clan bist und der Von Herzen Vegan Clan wird dann eine Gruppe in dem neuen Mighty Network, also in der neuen Community eine Untergruppe, eine Gruppe von mehreren Gruppen quasi so.

Und in der neuen Community, deren Namen ich jetzt noch nicht lüften werde, weil ich mich immer noch nicht traue, diesen Namen jetzt schon sofort auszusprechen, wird es dann auch noch Kurse geben. Zum einen die beiden kostenlosen Kurse, die es jetzt als E Mail Kurse schon gibt: „Gelassen vegan leben“ und „Grüner leben. Schritt für Schritt“ und auch einen kostenpflichtigen Kurs. Zumindest jetzt zum Anfang einen. Im Laufe des Jahres werden noch andere Angebote folgen, wo ich jetzt nämlich im letzten Monat hart dran gearbeitet habe, meine Bildungsurlaube in einen Onlinekurs umzuwandeln. Und das heißt, das ist dann ein Kurs nach dem Schema „Aktiv fürs Klima - Das kann ich tun.“ Ich werde mir da noch mal einen anderen Namen für überlegen, damit das nicht alles den gleichen Namen hat. Aber letztlich ist es genau das „Aktiv fürs Klima. Das kann ich tun“ als Onlinekurs, also für Menschen, die da einsteigen möchten.

Und dazu wird es dann auch noch eine Gruppe geben, die auch kostenpflichtig sein wird. Denn ich habe gemerkt, zum Beispiel bei den Bildungsurlauben, wenn wir da fünf Tage jeden Tag zusammensitzen und ganz viel Inhalte bekommen, dann ist das so viel, was in den kommenden Wochen, Monaten, teilweise auch Jahren umgesetzt werden kann, dass die Gefahr sehr hoch ist, dass die Teilnehmenden das nicht umsetzen, wenn sie nicht begleitet werden. Also viele haben gesagt, sie hätten irgendwie gerne noch weiterführende Unterstützung in den kommenden Monaten auf verschiedenste Art und Weise, einfach um dran zu bleiben, um sich auch noch weiter auszutauschen und dann auch vielleicht noch mal in verschiedenste Themen tiefer einzusteigen. Und genau das will ich jetzt auch in der neuen Community abbilden. Mit der kostenpflichtigen Gruppe, die dann entweder begleitend zu dem Onlinekurs, was ein Selbstlernkurs sein wird, also einen Kurs, den du alleine ohne meine Begleitung machst, in deinem Tempo oder alleine, wenn du sagst, Diesen Anfängerkurs, den brauche ich nicht, das weiß ich alles schon, aber ich wünsche mir dann doch noch Begleitung im Folgenden im Alltag. Dann kannst du natürlich auch so in die Gruppe kommen. Aber für diese beiden Zielgruppen ist dann diese Gruppe gedacht.

Und Näheres dazu, was du jetzt genau in der Gruppe, dem Onlinekurs und der Community erwarten kannst, was dich da erwartet, das erfährst du auf jeden Fall noch von mir. Ich werde dich informieren. Genau. Ich brauche auf jeden Fall noch den Januar und vielleicht noch den halben Februar, um alles fein zu schleifen und alles vorzubereiten. Quasi die Innenausstattung der Community schön zu machen und wohnlich, damit du dich dann da auch wohlfühlen kannst.

Die nächste Neuigkeit ist: ich werde über Steady einen Newsletter anbieten und dafür dann alle anderen Newsletter, die ich bisher ins Leben gerufen habe und alle Verteiler, die bisher existieren, löschen. Da wirst du aber, solltest du dich dort noch befinden, irgendwo in einem meiner Verteiler auch von mir noch eine Email bekommen, wo ich dich über die Löschung informieren werde. Und natürlich auch die Möglichkeit, wie du dann weiterhin mit mir in Kontakt bleiben kannst. Und damit schließt sich nämlich jetzt der Kreis. Ich habe ja quasi mit Steady angefangen, deswegen höre ich jetzt auch wieder mit Steady auf. Steady bietet seit neuestem - für mich zumindest, ich habe da nicht so drauf geachtet, aber ich glaube, im letzten Jahr haben sie damit angefangen, die Möglichkeit anzubieten, einen Newsletter anzubieten, da anzubieten - die Möglichkeit, einen Newsletter anzubieten.

Und das finde ich ganz praktisch, weil es dann für mich einfach nur noch zwei Plattformen gibt, einmal Steady und einmal das Mighty Network, so dass du dich auch nicht überall nochmal neu anmelden musst, für die verschiedensten Sachen, sondern für alle kostenlosen Kurse, die ich anbiete, aber auch alle kostenpflichtigen Kurse, für alle Gruppen und die ganze Community gibt es eine Plattform und einen Zugang, wo du dann natürlich, wenn du einen neuen Kurs dazu buchst, da schon noch einmal klicken musst und so, aber es ist immer die gleiche Plattform. Und wenn du mich unterstützen möchtest, finanziell für die ganzen kostenlosen Dinge, dann ist es über Steady und der Newsletter verbindet einfach alles: Von Herzen Vegan, was ja auf jeden Fall bestehen bleibt, wo es auch mein Buch gibt und wo alles was mit vegan zu tun hat, seine Heimat hat.

Und dann noch stefanie-rueckert.de, meinen Nachhaltigkeitsschwerpunkt, wo ich dann in erster Linie Kurse und alles, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat, anbiete und die neue Community „Gemeinsam in eine klimagerechte Zukunft“ wird natürlich auch alles verbinden, Denn wie gesagt, der Von Herzen Vegan Clan zieht dorthin und wird ein Teil davon sein. Und das wird einfach nur noch mehr ein Experimentierfeld, ein Tüftelfeld. Die Möglichkeit rauszufinden, wie wir gemeinsam es schaffen können, eine klimagerechte Zukunft zu schaffen. Welche Rolle du dabei spielen wirst und wie wir gemeinsam rausfinden können, was dein Schwerpunkt sein kann und auch der Weg dorthin.

Und es muss ja auch nicht jetzt für immer das sein, dass du dich jetzt dafür entscheidest und sagst so wie Carsten zum Beispiel, der für sich rausgefunden hat, Permakultur ist das, was er gerne jetzt erstmal machen möchte, heißt es ja nicht, dass Carsten für den Rest seines Lebens mit Permakultur beschäftigt sein muss. Kann er natürlich. Also ist es kein Problem, wenn Carsten jetzt für den Rest seines Lebens mit Permakultur beschäftigt ist. Aber das heißt ja nicht, dass du dich jetzt einmal festlegst und dann darfst du nie wieder was anderes machen, sondern einfach rauszufinden, okay, jetzt im Moment ist das das, wofür ich brenne und das, wofür ich mich begeistern kann. Und das ist jetzt mein Einstieg und mal schauen, was kommt. Also auch wirklich das offen zu lassen und das Experimentieren zuzulassen und zu tüfteln, zu schauen und auch mal zu scheitern, das gehört ja auch dazu. Also zu sehen, okay, das funktioniert nicht. Ja gut, dann mache ich es nicht. Aber ich habe es ausprobiert und diese Schleife in meinem Leben, die war vielleicht dann doch was wert. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe.

So zum Beispiel ist es bei mir jetzt so, dass ich das, was ich jetzt dieses Jahr anfange, eigentlich schon vor einem Jahr anfangen wollte. Ich habe im letzten Jahr eine Extraschleife gedreht, weil ich mich habe beeinflussen lassen von einer Person, die mir sehr nahe stand - nicht Carsten - die mir wichtig war. Und ich habe mich von dieser Person beeinflussen lassen. Und diese Person hatte mir davon abgeraten, das umzusetzen, was ich jetzt umsetzen werde. Und wenn ich diese Schleife nicht gedreht hätte, dann könnte ich das, was ich jetzt umsetzen werde, gar nicht auf diese Art und Weise umsetzen, wie ich es jetzt umsetzen werde. Ich hoffe, das ist jetzt irgendwie verständlich. Was sagst du? Logikschleife. Carsten macht gerade die Logikkontrolle.

Also, was ich damit sagen will, ist, wenn du gerade in der Schleife drin steckst, vielleicht nicht immer schön. Und ich habe schon viele Schleifen gedreht und viel erlebt und bin oft gescheitert und wir haben ja den Wir Konsumkinder Podcast aufgenommen, da kannst du auch einiges nachhören. Carsten und ich sind auch schon gemeinsam oft gescheitert. Also vieles merkst du erst im Nachhinein, dass es dich bereichert. Auf jeden Fall. Und gut schlecht, wer weiß das schon, das habe ich mir hier an die Wand gepinselt, damit ich immer daran denke. Gut, schlecht, wer weiß das schon.

Die neue Community soll einen sicheren Raum bieten für all das, für das Scheitern genauso, wie für das glückliche Austüfteln, das Experimentieren, die Freude, das Träumen, das gemeinsam möglich machen. Gemeinsam diese neue Zukunft entdecken. Denn wir sind ja momentan in dieser Situation, dass wir einfach an einer neuen Zukunft basteln sollten und dass wir gemerkt haben, dieses Modell, was wir die letzten 200 Jahre hier aufgebaut haben, das Wirtschaftsmodell, aber auch generell, diese Gesellschaft, dieses Modell, in dem wir leben, das funktioniert so nicht. Es geht einfach nicht. Und es müssen jetzt neue Modelle her und da wird es nicht das eine Modell geben, sondern wir brauchen einfach viele, viele, viele Ideen und viele Möglichkeiten und viele Wege. Und es ist alles schon da. Das hatten wir jetzt schon öfter erzählt. Also es ist alles schon da und es war auch alles schon und das finde ich total spannend. Ich lese gerade ein total tolles Buch. Das werden wir auf jeden Fall noch rezensieren. Das ist super genial. Spoiler, Spoiler, Spoiler.

Dieses Gefühl und diese Möglichkeiten, das alles zu erhalten, das soll die neue Community bieten. Diesen sicheren Raum, in dem wir uns ausprobieren können, in dem wir tüfteln können, in dem wir träumen dürfen, das Träumen zulassen können und in dem wir dieses ganze Gefühl des Bremsens bitte vor der Tür lassen. Natürlich, wie gesagt, wir werden auch scheitern. Und es wird auch einfach Phasen geben, in denen wir nicht so voller Energie sind und sprühen und sagen jetzt nach vorn, sondern es wird einfach auch Phasen geben, in denen wir einfach nichts tun können oder in denen es uns nicht gut geht und in denen wir einfach nicht aktiv sein können. Und das gehört alles dazu. Es ist das Leben. Und das heißt, du brauchst keine Angst zu haben, dass du in dieser Community ständig aktiv sein musst und immer nach vorne gehen musst, sondern du darfst den Weg natürlich in deinem Tempo gehen und da gehören Pausen auf jeden Fall dazu.

So weit jetzt also erstmal der Ausblick für 2022. Du darfst also gespannt sein. Es wird bald weitergehen. Also spätestens Mitte Februar wirst du etwas von mir hören. Alle Clanmitglieder hören wahrscheinlich schon Ende Januar von mir und Steady Mitglieder sowieso als allererstes. Die Mitglieder erfahren immer als allererstes was Neues passiert. Also von daher darfst du gespannt sein.

Carsten Ja, und damit beschließen wir die allererste Folge im Jahre 2022. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Wie wir leben könnten - autark, unabhängig und gemeinsam

Ein Beitrag

Folge 245 - Wie wir leben könnten - autark, unabhängig und gemeinsam

Ich durfte mir wieder ein Buch beim Löwenzahn-Verlag aussuchen und habe mich dieses Mal für "Wie wir leben könnten" von Theresa Mai entschieden.

Ich hatte mir ein Buch erhofft, das mir zeigt, wie eine nachhaltige Zukunft aussehen kann, das ganz praktische Beispiele bringt und Projekte vorstellt, die damit schon angefangen haben.

Während der Lektüre musste ich dann feststellen, dass mein Wunsch nicht nur in Erfüllung ging, sondern mehr als übertroffen wurde - Theresa Mai gibt hier derart praxisbezogene Anleitungen, wie z.B. zur autarken Energie- und Wasserversorgung, dass ich mir eingestehen musste, dass ich (noch) nicht die passende Zielgruppe für dieses Buch bin.

Als ich das Buch ausgewählt habe, waren quasi die Augen größer als der Magen - oder so ähnlich, jedenfalls ist mein Handlungsspielraum derzeit schlicht zu begrenzt, als dass ich vollumfänglich von den vielen Tipps der Autorin profitieren könnte.

Darum möchte ich auch dieses Buch weitergeben - ob es etwas für Dich ist und wie Du an mein Rezensionsexemplar gelangst, erfährst Du in dieser Folge.

Links zur Folge

Buch "Wie wir leben könnten - Autark wohnen, Unabhängigkeit spüren, Gemeinschaft entdecken" von Theresa Mai
https://www.loewenzahn.at/produkt/2684/wie-wir-leben-koennten/

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge stellen wir mal wieder ein Buch vor. Ich habe beim Löwenzahn Verlag einige tolle Bücher entdeckt und musste mich sehr zusammenreißen, nicht alle Bücher als Rezensionsexemplare anzufordern. Und neben den beiden Büchern „Letzter Ausweg Permakultur“ von Jonas Gampe und „Stell dir vor“ von Rob Hopkins hatte ich noch das Buch „Wie wir leben könnten“ von Theresa Mai mir zuschicken lassen. Auch dieses Buch wurde uns also dankenswerterweise kostenlos vom Löwenzahn Verlag zur Verfügung gestellt und du kannst es dann auch wieder gewinnen. Das heißt, wir verlosen es unter allen Menschen, die es gerne haben wollen. Schreibt dazu eine Email an post@vonherzenvegan.de oder kommentiere unter dem entsprechenden Post im Von Herzen Vegan Clan. Und Carsten hat dafür ein besonderes Datum ausgesucht. Bis wann du das bitte tun sollst und zwar.

Carsten Die Heiligen drei Könige sind mir so ins Auge gestochen. Also der 6. Januar 2022.

Stefanie Genau. Also bis dahin hast du die Möglichkeit, dich zu melden. Und am 7. Januar 2022 werde ich mich dann bei dir melden und dir mitteilen, ob du das Buch gewonnen hast oder nicht. Und schicke wie gesagt, bitte erst dann, wenn ich dir sage, Du hast es gewonnen, deine Adresse. Denn aus Datenschutzgründen brauche ich sie wirklich vorher nicht, sondern erst, wenn du gewonnen hast. Und natürlich besteht auch weiterhin die Möglichkeit, sich anonym unter einer Brücke hier in der Nähe zu treffen. Du kannst also eine E Mail Adresse nehmen, wo kein Rückschluss auf deine Person erfolgt und wir machen einen Treffpunkt aus hier in der Nähe und du kannst völlig vermummt erscheinen. Ich übergebe nur das Buch und das war's. Also das geht auch. Ich will keine Daten von dir, sondern ich möchte einfach nur das Buch in gute Hände geben. Und damit du jetzt entscheiden kannst, ob du dieses Buch denn überhaupt haben möchtest, erzähle ich dir ein wenig von dem Buch. Diesmal bin ich diejenige, die das Buch gelesen hat und Carsten hat ein bisschen reingeblättert, oder?

Carsten Ja, ich habe mir gerade noch mal das Inhaltsverzeichnis angeschaut, weil ich ja eigentlich darauf gehofft habe, dass du mir jetzt erzählen wirst, was mich denn erwarten würde, wenn ich dieses Buch jetzt lese. Ich muss aber sagen, dass der Titel des Buches schon sehr, sehr aussagekräftig ist: „Wie wir leben könnten“ und dann darunter „Autark wohnen, Unabhängigkeit spüren und Gemeinschaft entdecken“. Also da lässt sich ja schon einiges raushören. Wie autark sind wir denn, wenn wir das Buch gelesen haben?

Stefanie Also die Frage lässt sich jetzt nicht so einfach beantworten, denn es kommt auch darauf an, wie du Autarkie denn dann definierst. Denn es geht tatsächlich nicht darum, dass du als Einsiedler·in irgendwo ganz alleine autark lebst, sondern in diesem Buch werden Möglichkeiten gezeigt, wie du Energie-autark oder Wasser-autark leben kannst, dich also möglichst aus dieser Abhängigkeit entkoppeln kannst, in der die meisten Menschen, zumindest hier im globalen Norden, derzeit leben.

Und ich muss jetzt noch mal kurz einwerfen, dass ich das Buch auch nicht komplett gelesen habe, denn dieses Buch ist in erster Linie ein Praxisbuch und es werden ganz, ganz viele Praxisbeispiele angeführt und Berechnungen gezeigt, wie du denn jetzt zum Beispiel EnergieAutark leben kannst oder WasserAutark. Und dort wird die Komposttoilette vorgestellt und es wird noch mal genau erklärt, wie das mit der Photovoltaikanlage funktioniert. Das heißt, ich habe beim Lesen des Buches gemerkt, dass ich im Moment nicht die Zielgruppe des Buches bin und ich hatte mich von dem Titel und dem, was hinten auf dem Buch draufsteht, so verführen lassen, zu sagen: Ja, das Buch brauche ich.

Und es ist auch super interessant. Aber in meiner jetzigen Lebenssituation, an der ich einfach nicht so viel an meiner Wohnsituation verändern kann, ist dieses Buch einfach nicht das Richtige für mich. Und jetzt wollen wir hier gemeinsam herausfinden, für wen das Buch denn genau das Richtige ist. Und wenn du dann feststellst ja, ich bin es, dann wie gesagt, schreib gerne eine Email oder kommentiere unter dem Post.

Carsten Ja, ich glaube, vielleicht lese ich vorher noch mal ein bisschen vor, was auf dem Klappentext des Buches steht, um einen besseren Eindruck von zu bekommen, was auch die Inhalte des Buches betrifft. Und zwar steht hinten: „Auf der Suche nach Lösungen – gestalte deine autarke Zukunft. Den selbstangebauten, knackfrischen Salat aus dem Beet, die Photovoltaikanlage auf dem Dach, eine Bio Toilette im wuchernden Garten, der Duft von Holz, gesunder Naturbaustoff aus der Region, der sich überall in deinem Zuhause ausbreitet oder der erste laue Sommerabend auf der Terrasse deines Tiny House - das alles bedeutet Autarkie und vor allem auch Unabhängigkeit. Sehnst du dich nach Selbstbestimmung, nach konkreten Lösungen für ein gutes Leben, dann bist du hier richtig. Theresa Mai nimmt dich mit auf den Weg in die Autarkie. Schritt für Schritt erfährst du alles über Kreisläufe, natürliche Baustoffe, lustvolle Reduktion, Gemeinschaft und vieles mehr. Kurz wie du Autarkie einfach mit kleinen oder großen Modellen in deinem Leben integrieren kannst. Ganz genau so, wie du es möchtest.“

Stefanie Soweit der Klappentext und wir wollen jetzt mal einen Blick ins Inhaltsverzeichnis werfen, damit du dann noch einen tiefergehenden Eindruck bekommst von dem Buch und auch für dich überlegen kannst, ist es was für dich? Ich muss mir wirklich eingestehen. Der Klappentext hatte mich dazu verführt zu sagen: Ja, das ist ein Buch, unbedingt für mich. Aber wir haben im Moment einfach nicht die Möglichkeiten, da was zu tun. Und deswegen ist es tatsächlich ehrlicher für mich, das Buch weiter zu geben.

Und das Inhaltsverzeichnis startet mit der Frage „Bereit für das Abenteuer Autarkie? Bitte einmal hier entlang.“ Und als erstes Kapitel steht „Hier gestalten wir unsere Zukunft selbstbestimmt und frei.“ Und die erste Frage, die in dem Buch gestellt wird, ist auch eine sehr wichtige Frage, nämlich „Was brauchst du für ein gutes Leben?“ Und Theresa Mai erzählt da am Anfang auch ihre Geschichte, wie sie zur Autarkie gekommen ist.

Dazu muss ich auch noch erwähnen, dass Theresa Mai relativ jung ist. Wenn ich das richtig errechnet habe, dann müsste sie jetzt ungefähr 30 Jahre alt sein und ihre Geschichte liest sich wie eine Anreihung von Glücksfällen, wo es zwar zwischendurch auch Hürden gab, aber letztlich sich immer irgendwie was gefunden hat, so dass sie weitermachen konnte. Da musste ich tatsächlich erstmal ein bisschen mit mir selbst kämpfen, weil ich ähnliche Momente hatte in meinem Leben, aber dann den Weg des Scheiterns gegangen bin, oder die im Nachhinein falsche Optionen gewählt habe. Und sie hatte einfach das Glück, immer die richtige Option zu wählen und dadurch kann sie jetzt auch schon mit ihren 30 Jahren auf eine Historie zurückblicken von Erfolgen und von Möglichkeiten und von Dingen, die sie geschafft hat und ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Da ich jetzt einfach eine andere Historie habe und aber teilweise ähnliche Situationen erlebt habe, kann ich sagen, dass es wirklich einfach Glück ist, was sie hatte und dass ein Leben nicht unbedingt so aussehen muss wie das von Theresa Mai. Das einmal vorab als Einordnung und ich habe mich wirklich sehr bemüht meine persönlichen Ansichten außen vor zu lassen, als ich das Buch gelesen habe. Aber ich musste es dann für eine Zeit lang beiseitelegen, weil ich einfach gemerkt habe, wie da noch alte Wunden in mir arbeiten und ich immer wieder gedacht habe: Boah, der fällt das alles in den Schoss. Und wie war das bei mir? Und ja, das werde ich jetzt einmal beiseiteschieben und einfach nur nüchtern auf den Inhalt gucken, was sie alles anbietet an Möglichkeiten zur Autarkie.

Wenn wir nämlich nur darauf schauen, was alles möglich und machbar ist, dann bietet das Buch eine Fülle an Informationen, an Praxistipps. Wie gesagt, es ist in erster Linie ein Praxisbuch und weniger ein theoretisches Buch, wo es nur darum geht zu überlegen, was könnte machbar sein, sondern wirklich etwas, wenn du dich in der Umsetzung befindest und zum Beispiel dir überlegst der nächste Schritt könnte ein Tiny House sein oder du überlegst dir ein, du möchtest gerne in nächster Zeit umziehen oder dich irgendwie verändern: Dann ist dieses Buch gerade richtig für dich und wir gehen jetzt mal im Inhaltsverzeichnis weiter.

Carsten Im zweiten Kapitel geht es um vier Prinzipien, die sie vorstellt. Es ist ein relativ kurzes Kapitel und die vier Prinzipien sind „Autarkie, das Denken in Kreisläufen“. Dann „mit der Natur leben“ und da schreibt sie „spüren, was uns gut tut“. Dann hat sie das Prinzip „Reduktion auf das Wesentliche“. Und das vierte Prinzip ist „Gemeinschaft“, das mit „Verbundenheit auf Augenhöhe“ einher geht. Und das ist das, was du anfangs schon sagtest. Es geht nicht darum, sich als Einsiedler·in irgendwo zurückzuziehen, sondern Autarkie anders zu denken.

Stefanie Genau. Und im dritten Kapitel habe ich die Permakultur wiederentdeckt. Das fand ich ganz spannend. Und das Kapitel Nummer drei titelt mit „Klein anfangen und große Wellen schlagen - Lösungen zum Start in ein autarkes Leben“. Und da orientiert sie sich an den Prinzipien der Permakultur. Und ich fand es interessant, dass hier die Permakultur eher auf die menschliche Entwicklung auch angewandt wird, was ja, wie mir Carsten auch erklärt hat und wie du in den ganzen Podcastfolgen, die Carsten schon zum Thema Permakultur gemacht hat, auch hören kannst, eigentlich ganz natürlich ist. Gärtnern ist nur ein kleiner Teil von der Theorie der Permakultur. Und hier geht es darum, dass wir in Kreisen denken und der erste Kreis sind quasi wir selbst. Das habe ich richtig so gesagt, oder?

Carsten Ja, das kann man so sehen. Genau. Also das Zonensystem der Permakultur. Zone Null bist du.

Stefanie Ja, genau. Und wenn wir das also jetzt nicht auf den Garten anwenden, sondern auf uns selbst, würde ich bei Zone null bei mir selbst anfangen. Sei die Veränderung, die du dir wünschst. Also Gandhi mäßig ist das dann etwas, dass du erstmal bei dir schaust: Was kannst du tun? Die Prinzipien der Permakultur werden in diesem Buch aber auch wirklich nur ganz kurz grob angerissen. Der Fokus liegt dann hier auf der Autarkie und auf der Anwendbarkeit dieser Prinzipien auf den Alltag. Und sie beginnt auch damit, dass es am einfachsten ist zu gucken beim Thema Ernährung, was kann ich da verändern?

Sie selbst lebt „nur“ vegetarisch und denkt da leider nicht über den Tellerrand hinaus, muss ich jetzt als Einschränkung sagen. Und wenn du schon vegan lebst, dann wirst du hier nicht viel Neues finden. Also hier geht es dann auch noch um regional, saisonal, bio und sie stellt da das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft vor und den Gemüsekisten. Und in diesem Kapitel findest du auch ein Interview mit einem Gemüsebauern, der mit den Prinzipien der Agroforstwirtschaft und der Permakultur arbeitet und der aus seinem Alltag berichtet, so dass du auch da einen Einblick bekommst: wie könnte das sein? Also das wäre ja auch etwas, was du tun könntest, um möglichst autark zu leben. Und sie springt dann zwischen Rezepten, die sie gut findet, dem Thema Wildkräuter, auch dem Thema Mode hin und her.

Und es geht dann auch um finanzielle Freiheit, denn auch Geld gehört zur Autarkie dazu, ganz klar, und zeigt da Konzepte, wie es gehen kann und endet dann in dem Kapitel mit einem Selbsttest: Welcher Autarkie Typ bist du? Und ich liebe ja Selbsttests, solche Tests, total spannend. Hier geht es dann um die Themen Wohnen, Energie, Essen und Wasser und da bekommst du dann für die einzelnen Themen wieder kleinere Tipps, wie du loslegen kannst, je nachdem, wo du auf der AutarkieSkala stehst.

Carsten Das geht von „Nicht so weit“ über die zweite Stufe „schon ein Stück weiter“ bis hin zu „ich gebe Gas“.

Stefanie Genau. Und da gibt es wie gesagt verschiedene Tipps. Und am Ende noch die Frage: „Du brauchst noch einen Motivationsschub zum Loslegen? Wie wäre es mit...“ Und dann kommen noch weiterführende Anregungen. Auch der Film Tomorrow wird hier genannt. Das finde ich ja schon gut, von daher. Soweit also erstmal das dritte Kapitel. Dann kommt als viertes Kapitel.

Carsten „In Kreisläufen denken, autark versorgt mit Strom, Wasser und Wärme.“ Und wenn ich das jetzt richtig lese, das schreibt sie auch schon so „Physikunterricht 2.0, Technik für den Autarkie Alltag.“ Also das ist wirklich so Praxis, wo mit Rechenbeispielen und anderen praktischen Anleitungen auf das Thema Stromversorgung, Wärmeversorgung, die Komposttoilette, Versorgung mit Wasser, aber auch Umgang mit Abwasser und so eingegangen wird.

Stefanie Und zwei Punkte möchte ich da jetzt einmal herausgreifen, neben dem, was Carsten sagte. Das ist genau das, was ich nicht so genau durchgelesen habe, weil es da sehr viel um Berechnungen geht. Und wie gesagt. Wenn du jetzt gerade genau an diesem Punkt stehst, wo du dir überlegst: Ja, wie genau kann ich das denn jetzt machen und wie genau muss ich das ausrechnen, damit ich EnergieAutark bin? Dann ist es genau das richtige Buch für dich. Und was jetzt für alle anderen dann noch hilfreich war, auch für uns, sind die Stromspartipps für unser Zuhause. Die funktionieren natürlich auch, wenn du autark leben möchtest, dafür ist es ja gedacht. Aber auch, wenn du noch nicht so viel machen kannst.

Und da gibt es so ein paar Ideen wie die stromlose Espressomaschine oder das Waschmaschinen Vorschaltgerät. Wobei dieses Vorschaltgerät ist jetzt eher tatsächlich für deinen Energieautarkes zu Hause. Und dann wird hier noch das WLAN mit Zeitschaltuhr genannt. Wobei ich denke, naja, wir drücken einfach den Ausschalter beim Mehrfachstecker, aber auch hier, das finde ich so spannend: in jedem Stromspartipps Buch finde ich diesen Tipp, dass du dein WLAN ausschalten solltest, wenn du es gerade nicht brauchst. Und wir schalten einfach komplett unser ganzes Telefon und Router und alles über Nacht aus, weil wir das dann nicht brauchen und das spart tatsächlich Strom. Also das kannst du jetzt, egal ob du das Buch haben willst oder nicht, noch mal mitnehmen. Es spart Strom, stell deinen Router über Nacht aus oder nur das WLAN. Sogar das würde gehen.

In dem Kapitel findest du auch einen AutarkieFragebogen zum Thema Strom und Wärme und du kannst dann da modular überlegen, über eine Art Schaltdiagramm was du brauchst und was für dich wichtig ist. Was jetzt für uns hier, die wir nicht wirklich was ändern können, eher uninteressant ist. Aber wie gesagt, wenn du da gerade an so einem Punkt stehst und viele Möglichkeiten auch hast, ist das wiederum sehr interessant.

Und wie Carsten schon sagte, gibt es einen ausführlichen Exkurs über Komposttoiletten in diesem Buch. Das fand ich auch sehr spannend, da mal zu schauen, okay, was ist alles möglich Und was mir vorher gar nicht bewusst war, ist, dass Hamburg tatsächlich eine Vorreiter·innenrolle hat durch den Hamburg Water Cycle - Kreislauforientierte Abwasserwirtschaft. Das hatte ich mir jetzt auch tatsächlich dann mal online angeguckt. Und zwar gibt es in einem Stadtteil in Hamburg, in Wandsbek, schon ein Quartier von Mehrfamilienhäusern, wo das Abwasser auf verschiedenste Art und Weise recycelt wird. Und weil ich das jetzt überhaupt nicht so toll zusammenfassen könnte, wie es hier steht, wird Carsten den Abschnitt über den Hamburg Water Cycle jetzt einmal vorlesen.

Carsten So, ich steige mal ein. Hier steht: „Wie vorhin schon gehört, läuft das Wasser, egal wo wir es hinschütten, in der lokalen Kläranlage zusammen. Nicht aber so in Hamburg. Hier wurde ein Konzept zur ganzheitlichen Abwasser- und Energieversorgung ins Leben gerufen. Das Abwasser wird hier getrennt erfasst und behandelt. Im Stadtteil Jenfeld wurden zum Beispiel über 800 Wohneinheiten an das Projekt angeschlossen. Der Schlüssel ist hier die Trennung der Wasserströme Regenwasser, Grauwasser und Schwarzwasser. Das Schwarzwasser wird in einer nahegelegenen Biogasanlage vergoren und zur Biogaserzeugung genutzt, mit dem die Häuser auch wiederum geheizt werden können. Die Toilette wird zur Energiequelle. Medikamentenrückstände werden über diesen Weg ebenfalls so behandelt, dass sie nicht in unseren Flüssen landen. Die Rohstoffe aus der Schwarzwasservergärung enthalten noch viel Stickstoff und Phosphor, die in Hamburg Water Cycle ebenfalls als Dünger zurückgewonnen und in den Kreislauf zurückgeführt werden. Das übrige Grauwasser wird über eine separate Leitung energieeffizient aufbereitet und kann entweder als Brauchwasser genutzt, also für die Waschmaschine oder zum Gießen oder in die Flüsse zurückgeführt werden. Regenwasser wird, wo es nicht versickern kann, in Rückhalteteichen und Mulden gesammelt und langsam verdunstet. Dadurch wird bei Starkregenereignissen sichergestellt, dass die Kanalisation nicht überlastet wird und das lokale Mikroklima wird unterstützt. Und das in der Großstadt. Ein absolut großartiges und zukunftsweisendes Projekt.“

Stefanie Das also als Beispiel, das wussten Carsten und ich vorher auch nicht, bevor ich das Buch gelesen habe, dass Hamburg da so eine Vorreiter·innenrolle spielt. Das Prinzip des Hamburg Water Cycle kannst du auch auf dem Gut Karlshöhe in Hamburg anschauen. Da ist das noch mal in klein abgebildet, so dass du nicht bei den Bewohner·innen in Jenfeld in Wandsbek klingeln musst, um zu fragen: Wie sieht das denn aus? Also wenn du in Hamburg oder Umgebung wohnst und dich das interessiert, dann gibt es auf dem Gelände des Gut Karlshöhe die Möglichkeit, sich das anzuschauen.

Und so geht es dann weiter in dem Kapitel. Da geht es viel auch um Abwasser und Wasser und generell Möglichkeiten, was da gewonnen werden kann. Terra Preta ist auch wieder dabei und so geht es dann weiter mit den Möglichkeiten, wenn du jetzt ein Eigenheim hast, ein Tiny House oder in einem Mehrfamilienprojekt mitbestimmen kannst, was du alles für Möglichkeiten hättest, auch mit deinem Urin Pflanzen zu düngen oder verschiedenste Möglichkeiten mehr.

Das fünfte Kapitel widmet sich dann verschiedensten natürlichen oder nachhaltigen Baustoffen und nennt sich „Alles Natur pur. Komm mit auf eine kleine Baustofftour.“ Und was mir da gleich zu Beginn sauer aufgestoßen ist, ist die Schafwolle, die hier so verherrlicht wird. Also für Menschen wie mich, die aus ethischen Gründen vegan leben, ist Schafwolle jetzt nicht so die Option. Kommt natürlich drauf an, wenn es upgecycelte Schafwolle ist, die sowieso schon irgendwo angefallen ist, dann können wir da vielleicht noch mal drüber reden. Aber es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten, dass da mit Lehm gebaut wird. Oder verschiedene Arten zu dämmen, wie zum Beispiel Stroh oder Hanf.

Und Theresa Mai schreibt hier auch sehr viel darüber, wie sie die verschiedenen Baustoffe in ihrem eigenen Projekt nutzen, also in ihrem Wohnwaggon, dem mobilen Tiny House, wie sie da experimentiert haben, womit sie experimentiert haben, was es letztlich geworden ist und berichtet da sehr viel aus eigener Erfahrung, aus der Praxis.

Im sechsten Kapitel, das relativ kurz ist, geht es um Reduktion auf das Wesentliche. Und auch dieses Problem, dass Einfamilienhäuser meist, wenn Familien darin wohnen, dann gefüllt sind, aber es auch sein kann, dass der Platz gar nicht komplett genutzt wird, weil eigentlich nur irgendwie ein Wohnraum von allen viel genutzt wird. Und es gibt Räume, die gar nicht so viel genutzt werden. Aber was ist, wenn die Kinder ausziehen? Dann wohnt da vielleicht noch ein Elternteil oder zwei Elternteile und das riesige Haus ist viel zu groß für diese zwei oder ein Personen.

Und darum geht es jetzt in diesem Kapitel. Die Reduktion auf das Wesentliche: Was brauche ich wirklich? Brauchen wir als Familie wirklich dieses große Eigenheim, in dem Theresa Mai jetzt zum Beispiel aufgewachsen ist? Natürlich sind wir nicht alle in großen Eigenheimen aufgewachsen, sondern bestimmt gibt es auch Menschen, die in Drei Zimmer Wohnungen aufgewachsen sind oder noch kleineren. Aber in diesem Kapitel geht es jetzt tatsächlich darum, was, wenn ich jetzt auf großem Fuß lebe, sozusagen, also wohne, wie könnte ich das reduzieren?

Und sie gibt da Tipps, dass ich, wenn ich jetzt ein Eigenheim habe oder meinetwegen auch zur Miete wohne, in einem größeren Haus und ich nutze gar nicht alles, dass ich quasi in dem Haus daraus ein Tiny House machen kann, in dem ich bei einigen Räumen einfach die Türen zuschließe und mal für eine Zeit nur mit einem oder zwei Räumen oder so lebe, um mal zu testen: funktioniert das auch? Oder sie schlägt vor, mal Urlaub in einem Tiny House zu machen, um mal zu testen, wie das so ist oder generell mal aufzuräumen, zu entrümpeln und zu schauen: habe ich wirklich so wenig Platz oder habe ich eigentlich ganz viel Platz und der ist nur ziemlich vollgestellt?

Und dann gibt sie hier noch Inspirationen und Denkanstöße zum Thema andere Wohnformen und das Wohnen neu denken. Da ist ein großes Projekt, auf jeden Fall auch das Wohnen mobiler zu denken. Das ist Ihrer Firma, dem Wohnwaggon geschuldet, weil sie da mobile Tiny Houses baut. Und da gibt es hier in dem Buch auch viele Erfahrungsberichte von Menschen, die zum einen schon länger in so einem Tiny House leben und auch in einem von ihrer Firma gebauten Tiny House. Aber auch Menschen, die in anderen Tiny Houses leben oder in ähnlichen Wohnformen. Und dabei geht sie auch auf die Frage ein: Ich will ein Tiny House, aber wo stelle ich das hin? In Deutschland ist es sehr, sehr schwer, dafür einen Stellplatz zu bekommen. Theresa Mai stammt aus Österreich und lebt in Österreich. Da scheint es nicht so schwierig zu sein. Trotzdem gibt es Möglichkeiten und diese beschreibt sie dann auch in diesem Buch.

Carsten Da ich jetzt gerade auch das Buch intensiver zum ersten Mal auch inhaltlich sehe, ist mir da gerade ein Begriff ins Auge gesprungen, den ich total spannend finde. „Lebensabschnitt- Zuhause“ nennt sie dort. Also da habe ich vorher auch noch nie so wirklich drüber nachgedacht. Aber der Gedanke alleine, dass man für einzelne Lebensabschnitte ganz andere Arten des Zuhauses definieren kann, das bricht ja auch tatsächlich so mit dieser typischen Tradition, was du gerade schon sagtest, meistens ist es ja so, Einfamilienhäuser werden gebaut und dann bleibt man da so lange wohnen, bis man vielleicht aus Altersgründen in eine Seniorenresidenz oder wie auch immer dann überwechselt.

Aber dass man wirklich lebensabschnittsbezogen tatsächlich überlegt, was brauche ich in dieser Lebensphase? Wenn ich jetzt Kinder habe, brauche ich was anderes, als wenn ich nachher die Kinder aus dem Haus habe und wirklich nur als kleines Pärchen unterwegs bin. Brauche ich auch wirklich den Wohnraum? Muss ich auch wirklich vor Ort dort bleiben, wo ich jetzt gerade aufgewachsen bin? Oder kann ich mobiler werden? Diese Wohnwaggon Geschichte erinnert ja auch so ein bisschen an einen Wohnwagen, nur stationärer, dass man für längere Zeit wirklich an einem Punkt bleibt. Ich finde das Konzept total spannend. Also „Lebensabschnitt- Zuhause“.

Stefanie Ja, und auch den Abschnitt, den wir jetzt gar nicht nennen zwischen: Ich ziehe von zu Hause aus und ich werde ein Elternteil, also quasi den Abschnitt gibt es ja auch noch da dann einfach zu überlegen - vielleicht wirst du auch nie ein Elternteil, es gibt ja viele Möglichkeiten zu leben. Vielleicht wirst du auch kein Teil eines Paares usw. - in die Richtung zu denken finde ich auch sehr spannend.

Ja, im siebten Kapitel spricht Theresa Mai dann über ihre Erfahrungen als Gemeinschaft in einem Dorf zu leben, weil sie nämlich dann letztlich in ein Dorf gezogen ist. Das Kapitel heißt „Abenteuer Dorfgemeinschaft - Leben, Wissen, teilen, zusammen lernen.“ Und da wird dieser Gedanke das Autarkie nicht bedeutet, ganz allein zu leben noch mal sehr deutlich. Denn Autarkie bedeutet hier, dass die Menschen in der Gemeinschaft dann autark leben können, was Energie betrifft oder Wasser betrifft und auch was die Versorgung mit Gemüse zum Beispiel betrifft.

Weil da nämlich in dem Dorf alles so zusammenkommt, wovon sie in den vorigen Kapiteln gesprochen hat. Und hier erzählt sie noch einmal, wie sie da gelandet sind in diesem Dorf, wie sie sich das aufgebaut haben und wie das alles so ineinander greift, was sie miteinander ausprobieren und wie diese Gemeinschaft wächst. Dazu gehört es auch, wieder in Kreisläufen zu denken, in Wirtschaftskreisläufen, dass alles im Dorf eigentlich bleibt und dort zirkuliert, aber auch wieder darüber nachzudenken: Was brauche ich wirklich, was brauchen wir in welchem Lebensabschnitt und wie können wir als Gemeinschaft möglichst autark leben?

Und es wäre kein Praxisbuch, wenn es dort nicht auch wieder ganz, ganz viele praktische Tipps gäbe. Auch wie du sowas finanzieren kannst, so ein Dorf. Welche Möglichkeiten es gibt, denn meist musst du da ja einen großen Geldanteil mit einbringen und das gibt es auch noch andere Möglichkeiten. Das wird alles hier noch mal vorgestellt und was auch vorgestellt wird - bei Gemeinschaft gibt es auch schnell immer Konflikte – ist, wie Konflikte gelöst werden können. Und da möchte ich jetzt noch mal einmal drauf eingehen.

Zum einen bietet sie hier eine Werkzeugkiste für ein gutes Miteinander an und die Frage Wie organisieren wir uns? Wer darf eine Entscheidung treffen und wer nicht? Und da geht sie vor allem auf die Soziokratie ein. Diese Methode haben wir, Carsten und ich, bei uns an der Schule kennengelernt. Denn auch dort werden auf soziokratischer Ebene Entscheidungen gefällt und das ist erstmal gewöhnungsbedürftig, da es doch viel Zeit in Anspruch nimmt. Also Du verbringst schon einige Zeit in solchen Kreisen. Andererseits ist es aber doch etwas, womit dann Entscheidungen gefällt werden können und letztlich nicht alles totdiskutiert wird.

Denn, so ein Beispiel bringt Theresa Mai am Anfang dieses Kapitels, dass sie da, weil alle zu höflich waren und versucht haben, irgendwie jedes Befinden mit aufzunehmen und zu integrieren in eine Entscheidungsrunde, in der sie sich befunden hat, sie stundenlang diskutiert haben, aber nie zu einer Entscheidung gekommen sind. Und die Soziokratie oder dieses Modell beugt da vor, in dem feste Rollen zugewiesen werden und es auch Menschen gibt, die entscheiden können.

Außerdem stellt Theresa Mai hier noch die gewaltfreie Kommunikation vor und spricht von sogenannten Kreisen. Also bei der soziokratischen Methode gibt es auch Kreise. Und hier diese Kreise, die sie meint, sind Kreise, um Konflikte einfach zu benennen, quasi so etwas wie Vertrauenskreise. Und wir kennen das, wie gesagt, alles schon von der Schule, auf die unser Kind geht. Dort wird auch viel mit diesen Kreisen gearbeitet, mit Gemeinschaftskreisen, Vertrauenskreisen und Morgenkreisen, also so, dass dort in diesem Kreis sich ausgetauscht wird auf eine bestimmte Art und Weise.

Es gibt auch Regeln und Menschen, die entscheiden können. Aber du kannst teilweise auch ein Veto einlegen. Das Wichtige ist, dass jeder Einwand gehört wird und dann entschieden wird. Es geht nicht darum, dass die Mehrheit dort etwas entscheidet in einem soziokratischen Verfahren, sondern dass alle die Möglichkeit hatten, Einwände, die sie haben, zu benennen und dass dann im Abschluss ein Konsent gefunden wird. Also auch wenn ich vielleicht nicht alles unbedingt so toll finde, ich aber denke okay, ich kann das mittragen, ich stimme dem jetzt nicht 100 % zu, aber ich lege auch kein Veto ein, also ich sage nichts dagegen, dann kann ein Konsent entstehen, wo dann gesagt wird okay, diese Entscheidung tragen wir jetzt alle zusammen.

Und so findest du in diesem Buch nicht nur praktische Tipps, wie du jetzt EnergieAutark oder Wasser autark leben kannst, sondern auch, wie du gut in einer Gemeinschaft leben und mit Konflikten umgehen kannst. Das Buch schließt dann mit Projekten, die dich inspirieren sollen. Da hatte ich vorhin schon von gesprochen. Also Menschen, die schon in Tiny Houses oder in diesem speziellen Tiny House, dem Wohnwaggon, oder die in verschiedenen Gemeinschaftsprojekten schon leben. Und da gibt es Interviews mit diesen Menschen. Und es gibt aber auch noch mal Hinweise auf größere Projekte, die es schon gibt.

Carsten Du hattest ja am Anfang gesagt, dass wir mal gucken wollen, für wen dieses Buch eigentlich ist, wer die Zielgruppe ist, dass du das so ein bisschen herausarbeitest. Für mich hört sich das jetzt so an, als ob das primär auf Personen, auf Menschen abzielt, die auch tatsächlich mehr oder weniger in der Lage sind, ihre Wohn- und Lebenssituation vielleicht sogar grundlegend zu verändern. Was wir jetzt in unserer aktuellen Lebenssituation selber gar nicht machen können. Also ich glaube, Personen und Menschen, die zur Miete wohnen, sind ja so ein bisschen abhängig davon, was das Mietobjekt hergibt. Ich kann jetzt ja nicht irgendwie eine Komposttoilette auf dem Balkon aufbauen oder eine Photovoltaikanlage aufs Dach pflanzen. Da habe ich ja ganz andere Hürden. Bin dann nicht ganz so autark, wie ich es gerne sein möchte, Auch von der Entscheidungsfindung her nicht. Also klingt das eher so: vielleicht Eigenheimbesitzer·innen oder Personen, die vielleicht auch gedanklich mit Eigenheim liebäugeln, sich aber noch nicht so wirklich festgelegt haben und vielleicht auch für solche Konzepte offen sind, oder?

Stefanie Ja, wobei du ja auch wenn du zur Miete wohnst, sagen kannst, ich wohne jetzt nicht mehr zur Miete, sondern mach was anderes. Ich denke wirklich, dieses Buch ist für Menschen, die jetzt grundlegend was an ihrer Wohnsituation ändern können, also die diese Möglichkeiten haben und auch wollen, natürlich. Also wenn du Spaß daran hast oder wenn du genau danach gesucht hast, dass du dieses Gefühl hast, ich möchte ganz anders wohnen und leben und ich möchte dafür auch was Neues ausprobieren. Oder ich möchte mich vielleicht einem Projekt anschließen und möchte mit einer Gemeinschaft, vielleicht nicht alleine, sondern mit anderen zusammen jetzt was aufbauen. Für diese Menschen ist das Buch sehr gut geeignet.

Wie gesagt, in erster Linie ist es ein Praxisbuch. Die Beispiele inspirieren zwar, aber es frustriert mich tatsächlich auch so ein bisschen, dass ich, sagen wir mal so 70 % oder so ungefähr des Buchs gar nicht nutzen kann, weil das Praxisbeispiele sind. Also es ist zwar in der Theorie ganz interessant, das alles durchzulesen, aber in meiner jetzigen Lebensphase nicht anwendbar. Das heißt, du solltest dich in einer Lebensphase befinden, wo du entweder in absehbarer Zeit mit dem Gedanken spielst, etwas zu verändern oder gerade dabei bist etwas zu verändern und konkrete Tipps und Maßnahmen brauchst.

Carsten Ja dann haben wir die Hoffnung, dass wir mit dieser Podcastfolge auch genau diese Menschen erreichen, die dazu in der Lage sind, auch großes Interesse an diesem Buch haben. Und wenn Du, liebe·r Hörer·in dieses Buch tatsächlich kostenlos gewinnen möchtest...

Stefanie Gewinnen ist immer kostenlos.

Carsten Dann hast du bis zum 6. Januar 2022 die Möglichkeit dazu. Wie wir am Anfang schon gesagt haben schreib uns entweder eine Email an post@vonjerzenvegan.de oder kommentiere unter dem Post im Von Herzen Vegan Clan. Und unter allen Einsendungen verlosen wir dann am 7. Januar 2022 dieses schöne Buch.

Stefanie Und bevor wir uns jetzt noch ganz verabschieden, ein herzliches Dankeschön an alle Menschen, die uns finanziell unterstützen, sei es über Steady oder über PayPal.

Carsten Yeah, Dankeschön! Dann haben wir es für dieses Mal. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 244 - Letzter Ausweg: Permakultur!

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Folge 244 - Letzter Ausweg: Permakultur!

Letzter Ausweg: Permakultur. So der Titel des aktuellen Buches von Jonas Gampe, welches wir in dieser Folge besprechen. Das Buch wurde uns freundlicherweise als Rezensionsexemplar vom Löwenzahn Verlag zur Verfügung gestellt und dieses Exemplar wird jetzt im Anschluss an diese Folge unter allen interessierten Zuhörer*Innen verlost. Mehr dazu findest Du unten.

Carsten war ganz hin und weg, als er von diesem Buch erfahren hat und musste es unbedingt lesen. Gerade auch, weil der Untertitel sehr verheißungsvoll ist: „So krempeln wir unsere Landwirtschaft um und sichern unser Überleben. Konzepte, Pläne, Hintergrundwissen“.

Jonas Gampe verspricht mit „Letzter Ausweg: Permakultur“ nicht zu wenig. Er brennt für das Thema Permakultur und zeigt anhand griffiger und leicht verständlicher Praxisbeispiele, wie Permakultur sowohl als Alternative zur industriellen Landwirtschaft auf großen Flächen, als auch auf kleineren Flächen (eigener Garten) nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich ertragsbringend eingesetzt werden kann.

Jonas Gampe geht sogar soweit, dass seiner Meinung nach durch Permakultur die gesamte Menschheit in nur wenigen Jahren klimaneutral sein kann. Was genau hinter dieser These steht und was sich hieraus für uns Klimaaktivisten ableiten lässt, erfährst Du in unserer Podcastfolge.

VERLOSUNG!!! Du möchtest gerne das von uns rezensierte Buchexemplar von „Letzter Ausweg: Permakultur.“ gewinnen? Dann schreibe uns eine E-Mail an post@vonherzenvegan.de oder schreibe einen Kommentar im Von-Herzen-Vegan-Clan unter dem Post zu dieser Podcastfolge. Unter allen Einsendungen verlosen wir unser Exemplar. Teilnahmeschluss ist Montag, 20.12.2021. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Links zur Folge

Folge 243 - Wie Bill Gates die Welt retten will

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Folge 243 - Wie Bill Gates die Welt retten will

Bill Gates gehört zu den prominentesten Gesichtern auf diesem Planeten. Wenn er ein Buch über den Klimawandel schreibt, ist ihm überdurchschnittliche Aufmerksamkeit sicher. Carsten ist in den Hamburger Bücherhallen auf Bill Gates neuestes Buch „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern – Welche Lösungen es gibt und welche Fortschritte nötig sind“ gestoßen und hat es nach anfänglichem Zögern gelesen.

In dieser Folge sprechen wir weniger über das Buch als solches, sondern viel mehr über die grundlegenden Beschränkungen, die Bill Gates Weltsicht besitzt und mitunter gefährlich macht. Innerhalb unserer Betrachtung ist die Person „Bill Gates“ lediglich einer der bekanntesten und einflussreichsten Vertreter derer, die auf technische Innovationen und technologischen Fortschritt als einzig verfügbares Lösungsportfolio hinsichtlich der Klimakatastrophe setzen.

Am Beispiel einzelner Argumente und Aspekte aus dem Buch, versuchen wir zu verdeutlichen, wie eingeengt, teilweise obskur und naiv diese Gedankenwelten sind.

Links zur Folge

Meine neue Webseite zum Schwerpunkt Nachhaltigkeit
https://stefanie-rueckert.de

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Folge 242 - Eine Ode an die Vorstellungskraft

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Folge 242 - Eine Ode an die Vorstellungskraft

In dieser Folge stellen wir das uneingeschränkt lesenswerte Buch "Stell Dir vor - mit Mut und Fantasie die Welt verändern" von Rob Hopkins, erschienen im Löwenzahn Verlag, vor.

Rob Hokpins ist der Begründer von Transition Network und ein sehr charismatischer Visionär, der sich schon seit vielen Jahren für eine sozial gerechte und nachhaltige Welt einsetzt.

In seinem neuen Buch, das schon 2019 im Original erschienen ist, aber erst im Herbst 2021 auf Deutsch, plädiert Rob Hopkins dafür unsere Vorstellungskraft zu kultivieren und zu nutzen, um den Klimawandel aufzuhalten.

Das gesamte Buch ist eine fulminante Ode an die Vorstellungskraft, voller Vorschläge, Ideen und praktischer Beispiele, die zeigen, dass wir es schaffen können, unseren Planeten zu retten: gemeinsam, wenn wir all unseren Mut zusammennehmen und fantasievoll handeln.

Carsten und ich lesen einige Passagen aus dem Buch vor und gehen auf ausgewählte Beispiele näher ein.

Du hast die Möglichkeit das Rezensionsexemplar, das uns freundlicherweise kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde, in einer Verlosung zu gewinnen - mehr dazu hörst Du in dieser Folge.

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge stellen wir ein sehr wichtiges Buch vor. Und zwar „Stell dir vor...“ von Rob Hopkins mit dem Untertitel „Mit Mut und Phantasie die Welt verändern.“ Dieses Buch haben wir kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Das ist der Löwenzahn Verlag aus Österreich und wir werden dieses Buch im Anschluss an die Folge auch unter allen verlosen, die's gerne haben möchten. Und es wäre natürlich toll, wenn das Buch dann weiterhin im Kreislauf bleibt, sozusagen. Also wenn du es dann bekommen und ausgelesen hast, dann weitergibst an den)die Nächsten, sei es in deinem Bekannten-/ Verwandtenkreis oder dann zum Beispiel wieder im Clan, falls du so niemanden hast, an den oder die du das weitergeben kannst. Aber das bleibt natürlich dir überlassen. Du wirst von uns nicht dazu gezwungen. Es wäre nur schön, wenn du das machen würdest. Tatsächlich ist das bei diesen Löwenzahnbüchern, also bei den Büchern von diesem Verlag so, dass der Verlag da sehr viel Wert auf das Cradle to Cradle Prinzip legt und das Buch ist kompostierbar, also bis auf den Buchdeckel/ Buchrücken. Also der Inhalt des Buches ist kompostierbar und das finde ich auch ein ganz tolles Prinzip.

Carsten Und essbar, so wie der Verlag das in seiner Broschüre wiedergibt. Wobei ich glaube, der Hinweis ist nicht ganz ernst zu nehmen, oder?

Stefanie Ja, ja, genau.

Carsten Ein bisschen spaßig.

Stefanie So ein bisschen angebissen die Broschüre. Genau das wäre auch eine Idee. Aber jedenfalls ist es ein sehr nachhaltiges Buch, sowohl vom Inhalt her, also von den Worten, die da drin stehen, als auch vom Inhalt, nämlich der Inhalt zwischen dem Buchdeckel, in dem Papier, was da drin ist, in den Farben und auf die Art und Weise, wie es gedruckt wurde.

Bevor wir jetzt mit dem Inhalt starten, noch kurz zum Autor des Buchs: Rob Hopkins hat dieses Buch 2019 schon geschrieben, auf Englisch. Im Deutschen ist es erst dieses Jahr erschienen, also 2021 und auch jetzt gerade erst im Oktober. So dass es mir jetzt eben auch dann erst zur Verfügung gestellt wurde. Vielleicht hast du schon die englische Version angehört oder gelesen. Wir stellen jetzt hier die deutsche Übersetzung vor. Und Rob Hopkins kennst du schon als Begründer von Transition Network. Und wenn du ihn noch nicht kennst, solltest du auf jeden Fall schleunigst das nachholen, ihn kennenzulernen. Da gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Unter anderem hat er auch eine Internetseite: robhopkins.net. Und auch einen Podcast zu dem Buch, der „From What If to What Next“ heißt. Ist allerdings alles Englisch, ist aber sehr lohnenswert, denn da sind ganz viele tolle Folgen zu verschiedensten What if - Fragen. Und ich habe das auch schon in vorangegangenen Podcastfolgen erwähnt, das ist auf jeden Fall sehr, sehr hörenswert. Wenn Englisch für dich keine Hürde ist. Sollte Englisch für dich eine Hürde sein, dann kannst du jetzt hier auf jeden Fall die Ohren spitzen und zuhören, wie wir das Buch vorstellen.

Ich muss dazu sagen, Carsten und ich haben das Buch beide gelesen. Erst habe ich es gelesen und Carsten jetzt gerade ganz aktuell. Hat gestern die letzten Zeilen gelesen, nicht wahr?

Carsten Ganz frisch, genau.

Stefanie Bei mir ist es dadurch, dass Carsten ewig gebraucht, schon länger her und ich habe vorhin noch mal versucht, das alles so ein bisschen aufzufrischen und so. Genau. Nein, Scherz beiseite, Wir starten jetzt mal hier mit dem Inhaltsverzeichnis, damit du weißt, was da eigentlich an Inhalten strukturiert drin ist in diesem Buch. Und wir lesen das jetzt einfach mal so abwechselnd vor. Die Einleitung heißt „Was, wenn sich alles zum Guten wendet?“ Und die werde ich nachher auch noch mal vorlesen. Wie heißt denn das erste Kapitel?

Carsten Also das erste der neun Kapitel nennt sich „Was, wenn wir das Spielen ernst nehmen?“

Stefanie Und das zweite heißt „Was, wenn wir die Fantasie als grundlegend für unsere Gesundheit erachten?“

Carsten Im dritten Kapitel geht es um die Frage „Was, wenn wir dem Beispiel der Natur folgen?“

Stefanie Und im vierten Kapitel um die Frage „Was, wenn wir darum kämpfen, unsere Aufmerksamkeit wiederzugewinnen?“

Carsten Das sechste Kapitel stellt die Frage „Was, wenn wir bessere Geschichtenerzähler·innen werden?“

Stefanie Und Carsten hat das fünfte Kapitel vergessen: „Was, wenn die Schule die Vorstellungskraft junger Menschen fördert?“

Carsten Dann mache ich jetzt mal so weiter mit dem siebten Kapitel und der Frage „Was, wenn wir bessere Fragen stellen?“

Stefanie Und das achte Kapitel stellt oder behandelt die Frage „Was, wenn unsere Anführerinnen auf eine Kultur der Fantasie setzen?“

Carsten Im neunten Kapitel wird alles noch mal zusammengebracht, und zwar unter der Frage „Was, wenn all dies eintrifft?“

Stefanie Und bevor wir jetzt in die einzelnen Kapitel reinschauen, erst mal vorab so die Frage: Carsten, wie hat dir denn das Buch gefallen?

Carsten Für mich ist es tatsächlich eins der inspirierensten und auch wichtigsten Bücher. Also wenn du mich jetzt wirklich fragen solltest, was so meine Top Five an Büchern sind, wäre dieses hier ganz oben, weil ich sehr, sehr wenige Bücher kennengelernt habe, die tatsächlich so eine positive Energie in mir entfacht haben. Es ist tatsächlich beim Lesen so, dass ich gedacht habe: Wow, also jetzt richtig. Also es gibt ja das andere Buch „Jetzt. Einfach. Machen.“ Also dieses hier regt tatsächlich zum Handeln an, weil es den gedanklichen Fokus auf das Positive, auf das Mögliche setzt. Und das ist etwas, das finde ich bei vielen anderen Büchern nicht. Und dementsprechend habe ich das wirklich genossen, dieses Buch jetzt zu lesen, weil es für mich auch sehr viel Inspiration gegeben hat. Der eine oder andere Schalter wurde bei mir umgelegt, das hast du selber gemerkt. Da kommen wir gleich vielleicht noch mal drauf zurück. Aber auch, und das muss ich auch dazu sagen, haben wir vorhin ganz grob angerissen, so das Haptische, also mir gefällt einfach die Aufmachung des Buches. Es ist einfach super, super schön, dieses Buch zu lesen, es in der Hand zu haben, weil die Aufmachung einfach so, so unglaublich toll ist. Also es ist auf jeder Art ein Erlebnis.

Stefanie Ja, es ist wirklich ein sehr schönes Buch, aber ich muss jetzt mal einmal kurz nachfragen, bevor ich dann auch es schön finde. Top Five von was also aktuell oder der Sachbücher oder überhaupt je gelesene Bücher oder wie? Welche Top Five sind das?

Carsten Also die genauen Top Five könnte ich dir gar nicht nennen.

Stefanie Nein, ich meine nicht, welche dann noch folgen, sondern denn welches Buch je in deinem Leben gelesen oder aktuell jetzt gerade für dich? Also das meine ich, um das einzuordnen. Was meinst du damit?

Carsten Schon in der Kategorie, die ich jemals gelesen habe, die mich beeinflusst haben, wo ich sage, das sind Bücher, wo ich sehr viel rausgenommen habe und die mich persönlich sehr stark geprägt haben und auch vielleicht die Art und Weise, wie ich mich verhalte oder wie ich denke, vielleicht grundlegend beeinflusst haben oder zumindest in einer sehr, sehr wichtigen Art und Weise beeinflusst haben. In dieser Kategorie gehört dieses Buch auf alle Fälle mit in die Top Five.

Stefanie Okay, gut, das wollte ich nur noch mal klar haben. Ich wollte wissen, welche Top Five sind das denn? Es gibt ja immer so Ordnung zwischen verschiedenen Themenbereichen und so was, wenn wir so auf Bestseller·innen Listen gucken und da wollte ich einfach nur mal wissen, wie es bei dir aussieht. Und ich kann mich da nur anschließen. Ich mag ja schön gestaltete Bücher und da ist dieses hier wirklich ein ganz toll gestaltetes Buch, was du auch ja eigentlich gerne behalten möchtest. Aber wie ich schon eingangs sagte, es ist besser, nachhaltiger, wenn du es weitergibst.

Carsten Also das Buch will gelesen werden von möglichst vielen.

Stefanie Genau das sagt es immer wieder. Lies mich, Gib mich weiter. Genau. Genau. Nein, natürlich ist es für den Verlag besser, je mehr Bücher verkauft werden. Aber sicherlich möchte der Verlag ja auch, dass alles besonders nachhaltig ist. Deswegen so die Empfehlung: Gib es weiter, wenn du es denn bekommen hast. Und ja, mir geht es auch so, es ist wirklich ein Buch, was mich immer wieder bestärkt hat und mir teilweise dann auch neue Welten wieder eröffnet hat und bestärkt insofern, als dass ich gedacht habe, gerade bei dieser Frage, WWas, wenn wir das Spielen ernst nehmen?“, diesen spielerischen Ansatz, den ich schon seit längerem verfolge, der mir sehr viel Spaß macht, wo ich aber immer wieder gemerkt habe, dass ich da an Grenzen stoße, weil Menschen sich das nicht so vorstellen können, habe ich gemerkt, dass genau das tatsächlich etwas ist, was eine Superkraft ist, die wir entwickeln sollten.

Und insofern habe ich mich da immer wieder bestärkt gefühlt, auch bei dem Thema „Was, wenn die Schule die Vorstellungskraft junger Menschen fördert?“ und da die die einzelnen Aspekte wirklich die da genannt werden, Fantasie und Mut, Vorstellungskraft, alles, worauf wir gleich auch nochmal ein bisschen mehr eingehen. Das sind Dinge, die eigentlich zu mir gehören, aber die uns durch unsere Gesellschaft doch immer wieder abtrainiert werden. Und da war dieses Buch doch etwas, was mir sehr geholfen hat, wieder mehr mich zu zentrieren und zu fokussieren. Von meiner Seite aus eine absolute Leseempfehlung. Wie ist es für dich?

Carsten Kann ich mich nur anschließen. Absolut genau.

Stefanie Also hast du auch keine Einschränkungen, an wen sich das richten würde? Das Buch ist schon eigentlich für alle.

Carsten Es ist für alle. Vornehmlich auch für die Personen, die sich mit dem Gesamtkontext Klimawandel auseinandersetzen, auch wenn das jetzt vom Titel her gar nicht da zu erkennen ist. Aber darum geht es ja. Wie kann ich mir eine bessere Welt, eine schönere Welt vorstellen? Ein gutes Leben für alle. Und hier bekommt man wirklich viel Input, um tatsächlich so das Positive zu sehen. Also weg von dem, was tatsächlich alles schief und schlecht läuft und vielleicht auch in Zukunft als Dystopie irgendwie enden könnte, sondern jetzt tatsächlich mal die Blickrichtung in Bereiche gelenkt des Möglichen, des teilweise auch Utopischen, aber immer im positiven Sinne, dass die Welt, die vor uns liegt, auch von der Zukunft her tatsächlich sehr viel positive Anreize beinhaltet. Und auf die schaut dieses Buch.

Stefanie Genauso weg vom Verzichtsgedanken, wie du so schön sagtest, diesen Dystopien. Ich hatte jetzt gerade aktuell einen Bildungsurlaub hinter mir, da zeige ich immer einen Teil von dem Film „Tomorrow“ auch. Und da sagt Rob Hopkins ja auch, dass wir immer denken, wenn wir jetzt fossilfree oder generell nachhaltig leben, dass wir dann in kalten Höhlen sitzen und verrottete Kartoffeln essen und so. Und das es alles ganz schrecklich ist und so. Und dabei könnte es wunderbar werden. Also richtig fantastisch. Wir müssen da einfach den Fokus drehen, weg von diesen Dystopien, die uns leicht fallen, die es überall um uns herum gibt. In Filmen, in Büchern, in allen möglichen Erzählungen fällt es uns superleicht, extrem leicht, Negativbeispiele zu finden oder eben verschiedenste Möglichkeiten, die Welt zu zerstören, die Menschheit auszurotten oder generell in einen Abgrund zu stürzen und davon uns zu lösen und umzuerziehen hin in die Richtung: Wie könnte es schön sein und wie könnten wir alle, also wirklich alle Lebewesen auf diesem Planeten ein gutes Leben führen? Und das sieht, da haben wir schon öfter drüber gesprochen, kulturell bedingt auf verschiedenen Teilen dieser Erde anders aus. Und wir können erst mal nur von uns aus immer schauen und das ist auch gut so, dass wir dann von uns aus schauen. Aber es ist möglich.

Und wir starten jetzt in den Inhalt des Buchs, in dem ich die Einleitung vorlese, einen Teil der Einleitung, der die Zukunftsvisionen von Rob Hopkins abbildet:

„Gut ausgeruht erwache ich in der Wohnung mit Wänden aus Strohballen, die meine Familie und ich unser Zuhause nennen. Der dreigeschossige Apartmentkomplex, vor 15 Jahren als Teil einer unsere ganze Stadt umfassenden Initiative für nachhaltiges Bauen errichtet, verursacht praktisch keine Heizkosten. Im Kellergeschoss sind Kompostieranlagen für sämtliche Toiletten des Gebäudes untergebracht und die Solarpanele auf dem Dach erzeugen den gesamten Strombedarf. Ich wecke meine Kinder, ziehe sie an, mache ihnen Frühstück und bringe sie zur Schule. Eine Strecke, die uns durch Gemeinschaftsgärten mit einer großen Vielfalt an Obst und Gemüsesorten führt. Darunter auch der junge rote Mangold, dessen weinrote Blätter an der hellen Sonne dieses fortgeschrittenen Frühlingsmorgens wie Buntglas leuchten.

Da nur wenig motorisierter Verkehr herrscht, sind die Straßen ruhig. An ihren Rändern stehen frisch erblühte Obst- und Nussbäume. Die Luft riecht nach Frühling. Alle Bushaltestellen, an denen wir vorbeikommen, sind an drei Seiten von einem Garten umgeben. Sie sind Teil des essbaren Bushaltestellen Netzwerks, das nun fast in ganz Großbritannien anzutreffen ist. Beim Warten auf den Bus darf man sich nach Herzenslust bedienen.

In unserer Gemeinde haben die Kinder offenbar völlig andere Gefühle für die Schule als noch vor zehn Jahren. Die Entscheidung des Bildungsministeriums, Prüfungen abzuschaffen, dem unstrukturierten Spielen viel Raum zu lassen und den Schüler·innen Möglichkeiten zu bieten, für die Gemeinschaft sinnvolle Fertigkeiten zu erlernen, die es ihnen ermöglichen, ein aus ihrer Sicht glückliches und gesundes Leben zu führen, bedeutet, dass die meisten Kinder hier überaus gerne zur Schule gehen. Mein Sohn zum Beispiel hat erst kürzlich seine Kochkünste aufgebessert, indem er eine Woche in einem hiesigen Restaurant verbracht hat. Meine Kinder und ich kommen vor der Schule durch biointensive Gemüsegärten, die von den Schülerinnen gepflanzt und gepflegt werden. Und wenn wir das Gebäude betreten, werden wir von dem Duft frisch gebackenen Brotes und im Stimmenwirrwarr fröhlicher Unterhaltungen begrüßt.

Nachdem wir uns verabschiedet haben, nehme ich ein öffentliches Fahrrad und radle auf einem unserer Radschnellwege in die Stadt. Da auf den Straßen mehr Fahrräder und weniger Autos unterwegs sind, hat sich auch die Qualität der Luft verbessert und mit ihr das allgemeine Wohlbefinden. Ich gehe in meine Lieblingsbäckerei und kaufe Brot. Die Mission der Bäckerei, die vor 15 Jahren unter dem Motto „Backen ist das neue Prozac“ eröffnet hat, besteht darin, Leuten ohne Dach über dem Kopf und ohne regelmäßige Arbeit oder solchen, die Probleme mit ihrer psychischen Gesundheit haben, sinnvolle Arbeitsmöglichkeiten zu bieten. Die Bäckerei setzt vorzugsweise auf lokale Erzeugnisse, betreibt einen üppigen Dachgarten und liefert in der ganzen Stadt mit Fahrrädern aus. Mit Unterstützung des Betriebs konnten zahlreiche Angestellte weitere erfolgreiche Geschäftsideen im Stadtgebiet umsetzen.

Ich fahre an einem der ehemaligen Supermärkte des Stadtteils vorbei. Die meisten Geschäfte dieser Art mussten vor etwa zehn Jahren schließen. Das explosionsartige Wachstum der Nahrungsmittelproduktion in der Gemeinde und die rasche Verlagerung der Gemeindeinvestitionen führte dazu, dass die Versorgung über die Supermärkte zurückging. Was das System der Nahrungsmittelindustrie innerhalb weniger Jahre zusammenbrechen ließ. Das Gebäude wurde einem neuen Zweck zugeführt und dient heute verschiedenen lokalen Lebensmittelherstellern, Kleinbetrieben und einem an die örtlichen Schulen angeschlossenen Ausbildungszentrum als Unterkunft. Es ist ein betriebsamer Ort. Unser ehemaliger Supermarkt beherbergt eine Mühle, die Getreide aus dem Umland vermahlt, sowie eine Sägemühle, die Holz aus den nahegelegenen Wäldern verarbeitet. Was einmal großflächige Parkplätze waren, sind heute biointensive Gemüsegärten, angelegt nach dem Vorbild jener Gärtnereien, die vor 100 Jahren Paris umgaben, die ihre Produkte auf den örtlichen Märkten anbieten.

Ich gehe am Bahnhof vorbei und kaufe Tickets für einen Ausflug am kommenden Wochenende. Als vor zwölf Jahren die Eisenbahn an die öffentliche Hand übergeben wurde, endeten auch die Tage, an denen alle Bahnhöfe gleich aussahen und überall mit den gleichen Cafés, Imbiss- und Ladenketten ausgestattet waren. Heute sind die Bahnhöfe Visitenkarten der örtlichen Wirtschaft, ihrer Pionier·innen, ihrer einzigartigen Aromen und Geschmäcker. In unserem sind mittlerweile doppelt so viele Ladengeschäfte untergebracht als zuvor und alle zusammen spiegeln die kulturelle Vielfalt unserer Gemeinde wider. Der Bahnhof beherbergt sogar eine Brauerei. Während man auf den Zug wartet, kann man sich umgeben von den Braukesseln, ein Bier genehmigen. Und ja, die Züge fahren pünktlich. Die vielen Menschen aus aller Welt, die hier in den Zeiten der großen Migration ankamen, sind längst integriert. Und heute kann man sich diese Gemeinde gar nicht mehr ohne sie vorstellen. Obwohl die Zeiten des Übergangs nicht einfach waren, haben die Kultur, die Bereicherung und der Unternehmergeist, die sie mit sich gebracht haben, uns alle sehr viel reicher gemacht.

Ich gehe zur Arbeit. Heute arbeite ich im Rahmen meiner Drei Tage Arbeitswoche einen halben Tag. Zusammen mit der Einführung eines universellen Grundeinkommens hat die vor zehn Jahren auf nationaler Ebene übernommene Drei Tage Woche dazu geführt, dass in allen Einkommensklassen der Angst und Stresslevel messbar nachgelassen hat. Die Menschen arbeiten in ihrer Freizeit an Gemeinschaftsprojekten und genießen ihr Leben. Einige meiner Kolleg·innen arbeiten heute außer Haus. Erst kürzlich wurde ein Programm ins Leben gerufen, bei dem zu jeder Zeit 10 % der Beschäftigten einer Firma in die Arbeit der örtlichen Gemeinde eingebunden werden und ihre Fachkenntnisse in Verwaltung und Marketing, bei Finanzplanung und Projektmanagement jenen Organisationen anbieten, die den Einwohner·innen auf verschiedenste Weise Unterstützung zukommen lassen und dem Gemeindeleben zu größerer Stabilität verhelfen.

Ich hole meine Kinder von der Schule ab und wir spazieren durch Straßen nach Hause, in denen zahlreiche Häuser mit ins Auge springenden Fassadenmalereien, Mosaiken versehen sind. Auf der Straße spielen viele Kinder. Ein Phänomen, das sich von selbst einstellte, als die Zahl der Autos nachließ, was die Anwohner·innen dazu ermutigte, die Straßen zu bestimmten Zeiten ganz für den Autoverkehr zu sperren, damit die Kinder draußen spielen können. Die Nachbar·innen schauen gemeinsam nach ihnen, was möglich ist, seit die Erwachsenen mehr Zeit zu Hause verbringen können, statt an weit entfernte Arbeitsplätze pendeln zu müssen.

Nach dem Mittagessen gehe ich zu einer Nachbarschaftsversammlung. Vor ein paar Jahren wurde eine Gruppe von Anwohner·innen, die keiner politischen Partei angehörten, als Stadtregierung gewählt. Sie modifizierten das Regierungssystem der Stadt mit dem Ziel, Initiativen auf Nachbarschaftsebene zu ermöglichen und zu fördern und Hindernisse aus dem Weg zu schaffen. Sie schufen sogar ein Stadtbüro für Bürger·innenideen, um die Ideen der örtlichen Gemeinde besser inspirieren und unterstützen zu können und ihnen dabei zu helfen, ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Etwa 70 Leute sind heute auf dem Treffen und wir diskutieren die Zukunft der Energie in unserer Nachbarschaft und einige andere drängende Fragen. Der politische Entscheidungsprozess hat sich enorm verbessert. Dank des 2021 gegründeten und im Besitz der Gemeinde befindlichen Energieunternehmen wird nun ein Großteil der städtischen Energie lokal generiert, wobei die meisten Bürger·innen finanziell an dem Unternehmen beteiligt sind. Die Rendite ist bei weitem höher als bei den Banken.

Zu Hause angekommen, treffe ich einige meiner Nachbar·innen, die draußen sitzen und reden. Wir hören eine Eule und bekommen die Fledermäuse mit, die über uns hinweg huschen. Der Schritt, unsere Stadt zu einer Nationalparkstadt zu erklären, bremste den Niedergang der biologischen Vielfalt so weit ab, dass sie sich wieder erholt, da zuvor zersplitterte Wildtierkorridore, Grünflächen und Wälder miteinander verbunden wurden. Nun fallen mir regelmäßig neue Insekten auf und auch der Vogelgesang ist lauter und vielfältiger geworden. Mit so vielen Bewegungen und Veränderungen und so üppigem Gedeihen um mich herum lege ich mich mit dem Gefühl schlafen, dass die Zukunft voller Möglichkeiten steckt.“

Und darunter hat Rob Hopkins auch geschrieben: „Das klingt alles erfunden, oder nicht?“ Und belegt aber in Fußnoten, dass es vieles von dem, was er da vorgestellt hat, auch schon heute gibt. Viele Initiativen gibt es über die Welt verteilt schon. In dieser Anhäufung, so wie er das jetzt geschildert hat, gibt es das noch nicht. Aber es ist eben eine mögliche Zukunft.

Carsten Wobei diese mögliche Zukunft aus verfügbaren Gegenwarten besteht, muss man dazu sagen, weil das ist ja tatsächlich ein Potpourri. Das ist mir im Nachgang so klar geworden, jetzt, wo du es noch mal vorgelesen hast, dass das ja wirklich so alles Einzelbeispiele sind, die wirklich ausführlich in seinem Buch in den einzelnen Kapiteln noch mal vorgestellt werden. Wobei ich, als ich das das erste Mal gelesen habe, tatsächlich ganz lange Zeit so ein bisschen Zweifel hatte: Ist das jetzt tatsächlich bei ihm schon so? Ist das wirklich sein tatsächlicher Alltag oder was davon ist jetzt Fiktion? Also es ist mir am Anfang wirklich schwer gefallen, das zu differenzieren, weil wir ja mittlerweile über ihn und seine Person schon so ein bisschen was wissen. Und einige von diesen Initiativen sind uns ja auch schon so ein bisschen bekannt, oder? Man hat ja in Dokumentationen schon Bilder gesehen und dieses Zusammenweben dieses möglichen Alltags, das ist aus meiner Sicht auch erzählerisch so dicht, dass es nicht nur plausibel klingt, sondern auch für mich schon so greifbar ist, dass es tatsächlich irgendwo schon so sein könnte. Also das fand ich sehr faszinierend. Und wie gesagt, das ist ja tatsächlich etwas, was allein ein Zusammenspiel dessen ist, was es heute auf der Welt schon gibt und nicht irgendwie in noch zu schaffenden Möglichkeitsräumen erarbeitet werden muss.

Das ist ja auch ein Unterschied zu zu vielen anderen, sehr stark auf Technologie aufbauende Zukunftsvisionen, wo dann gesagt wird okay, unsere Probleme, die wir jetzt auch hinsichtlich des Klimawandels haben, die können wir lösen, wenn wir noch genügend Innovationen und so haben. Das sind ja alles so Leerräume, wo im Grunde genommen derjenige, der versucht so zu argumentieren, eingestehen muss, dass er noch gar keine richtige Lösung hat, sondern die dann irgendwo noch erfunden werden muss, nach dem Motto: Wir brauchen viele Grüne Daniel Düsentriebs. Und da ist Rob Hopkins tatsächlich mehr im Hier und Jetzt und zeigt das auch in seinem Buch. Und deswegen finde ich gerade so diese Einleitung als Geschichte unglaublich wichtig, um zu verstehen zu geben: Wir haben eigentlich alles. Unser Lösungsportfolio besteht schon und wir können es uns auch vor Ort anschauen. Zwar in unterschiedlichen Orten, aber bereits heute.

Stefanie Ja, es ist alles schon da. Das hatten wir ja schon bei Harald Welzer mit seinen Legos. Waren das irgendwie 17 Legos?

Carsten Die Bausteine.

Stefanie Die Bausteine für die Zukunft. Das ist alles schon da. Und so wie Rob Hopkins das jetzt hier beschrieben hat, gibt es eben die meisten der Initiativen schon. Aber es gibt natürlich noch kein universelles Grundeinkommen. Das Universal Basic Income quasi. Das gibt es noch nicht. Es wäre natürlich total cool, wenn es das geben würde. Aber es gibt natürlich Initiativen, die in diese Richtung schon gehen und es gibt ja schon Feldversuche, Studien usw. und so fort. Das heißt, es ist alles in Bewegung und das ist nicht nur in Rob Hopkins Kopf, quasi.

Während natürlich das komplette Buch lesenswert ist und ich dir das wirklich ans Herz lege, das von vorne bis hinten durchzulesen, springen wir jetzt zu einzelnen Stellen in dem Buch, die ich mir vorab markiert hatte und gehen so dann nicht auf jedes Kapitel einzeln ein, sondern nur auf bestimmte Segmente, die dann aber wiederum für mich einfach bemerkenswert waren oder auch sind und diskutieren da vielleicht ein bisschen drüber. Die erste Stelle, die ich mir markiert hatte, war in dem Kapitel - kannst du das mal kurz vorlesen?

Carsten Das ist das Kapitel „Was, wenn wir die Fantasie als grundlegend für unsere Gesundheit erachten?“

Stefanie Genau. Und was ich mir da markiert hatte, war: „Vieles spricht dafür, dass die neoliberale Wirtschaft und ein wachstumsorientierter Kapitalismus in ihrem Kern Fantasieverhinderungsmaschinen sind. Der Soziologe Richard Sennett stellt fest: ‚Der moderne Kapitalismus funktioniert so, dass er die Fantasie der Menschen, ihren Möglichkeitssinn kolonisiert.‘ Thomas Piketty hat dargelegt, dass das kapitalistische Modell bis hinein in seine DNA auf die Erzeugung von Ungleichheit angewiesen ist. Das kapitalistische Modell lebt davon, dass es sich den Menschen als vereinzelten Konsumenten imaginiert, der ein Verlangen nach eigentlich nicht benötigten Dingen, sowie ein Gefühl der Unzulänglichkeit kultiviert, wenn er sie nicht bekommen kann. Dabei verbreitet er den Mythos, der Weg zum Glück läge in der Anhäufung von ‚Sachen‘. Dies zusammengenommen mag dazu führen, den Kapitalismus als ‚System‘ zu bezeichnen, das ‚geisteskrank macht‘. Aber das Gefühl, dass wir uns, was den Niedergang der Phantasie anbelangt, wie Frösche im Kochtopf verhalten, reicht tiefer. Während ich dies schreibe, liegen die weltweiten CO2 Emissionen bei etwa 410 Teilchen pro eine Million (ppm); als ich 1968 geboren wurde, lagen sie bei 321 ppm. Mitte des 21. Jahrhunderts werden sie 550 ppm erreichen und 1000 ppm im Jahr 2100.

Die Forschung geht davon aus, dass Konzentrationen um die 1000 ppm die kognitiven Fähigkeiten des Menschen um 21 % schmälern. Selbst die im Pariser Klimaabkommen festgelegten 660 ppm würden noch in einem Abfall dieser Fähigkeiten um 15 % resultieren. Falls es uns gelingen sollte, die schlimmsten Vorhersagen zu vermeiden und auf eine entschieden kreative Weise zu reagieren, das heißt die Welt und wie sie momentan funktioniert, in der Mehrheit ihrer Grundzüge neu zu denken, wie es Paul Hawken in seinem Buch ‚Drawdown‘ unternimmt, dann, weil wir unsere Vorstellungskraft erfolgreich mobilisiert haben. Und falls nicht, falls wir dazu bestimmt sind, in einen unvermeidlichen Klimazusammenbruch hineinzutaumeln, werden wir unsere Vorstellungskraft mehr denn je benötigen, um uns so gut wie möglich an eine sich rapide verändernde Welt anzupassen. Und nur fürs Protokoll es gibt keine dritte Option für ‚grünes Wachstum‘, einfach so weitermachen wie bisher und ‚nur ein paar Solarzellen aufstellen und alles wird gut‘ - dafür ist es jetzt zu spät.“

Und das hatte ich mir zum einen deswegen gemerkt, weil hier noch einmal gezeigt wird, wie sehr unser bestehendes Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, darauf aus ist, uns nur als Einzelpersonen und eben als Konsument·innen zu sehen und dazu darauf zu konditionieren, wie das ja auch in der Schule schon so beigebracht bekommen, dass es ein Wettbewerb gibt zwischen anderen durch das Notensystem usw. und so fort, und wir darauf hin konditioniert werden, dass wir halt nur glücklich sind, wenn wir bestimmte Dinge kaufen. Das hatten wir hier im Podcast ja schon öfter gesagt, aber ich fand es hier noch mal einfach gut, dass es noch mal gesagt wurde. Und zum anderen finde ich es halt auch interessant, dass eben die hohe CO2 Konzentration in der Luft unsere Fähigkeit zur Vorstellungskraft tatsächlich mindert. Also das fand ich super spannend.

Carsten Ja, weil er vorher auch schon diesen Begriff „geisteskrank machen“ so in Anführungszeichen reingesetzt hat. Und das habe ich im ersten Moment ja tatsächlich so auf diesen Irrsinn zurückgeführt, der mit dem Kapitalismus da daherkommt und aber hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen, dass eben auch die kognitive Leistungsfähigkeit abnimmt durch diese hohe Schadstoffbelastung, das verleiht dem Begriff „geisteskrank machen“ natürlich nochmal eine ganz andere Dimension. Die hatte ich vorher auch gar nicht so gekannt, war für mich halt neu.

Stefanie Also eine weitere gesundheitliche Dimension eigentlich, die auch zu beachten gilt. Also nicht nur, dass es irgendwie auf die Lungen schlägt oder generell, sondern dass wir auch in unserer Vorstellungskraft beeinträchtigt werden durch immer mehr CO2 in der Atmosphäre. Springen wir zur nächsten Markierung in dem Buch im Kapitel:

Carsten „Was, wenn wir dem Beispiel der Natur folgen?“

Stefanie Und da wird der Nationalpark London vorgestellt. Das fand ich total charmant, dass da eben London, die Stadt London zum Nationalpark erklärt wurde. Und das ist auf jeden Fall etwas, was du dir angucken solltest. Das ist eine spannende Idee für Großstädte zu sagen: So, das ist jetzt Nationalpark und wir schützen damit eben die ganze Stadt und legen auch Grünflächen zusammen oder verbinden vereinzelte Stücke und legen den Fokus darauf. Und Rob Hopkins schreibt, dass bei dieser Geschichte, dieser Erzählung von London als Nationalpark, dass im Mittelpunkt steht, was wir gemeinsam erreichen können oder was wir gewinnen können, was die Gemeinsamkeit ist, also saubere Luft, Schmetterlinge, Insekten, die herumfliegen, nette Spaziergänge und so etwas. Auch wieder etwas, was die Vorstellungskraft belebt und was Menschen dann motiviert und mobilisiert, sich für so etwas einzusetzen. Und dazu möchte ich auch einen kurzen Abschnitt wieder zitieren:

“Daniels Ratschlag, wie man so etwas auf die Beine stellen kann? ‚Holt das Ganze so schnell wie möglich aus den Umweltbewegungen heraus.‘ Sein Argument lautet, dass die Leute, die versuchen, Umweltveränderungen voranzutreiben, nicht unbedingt Kulturschaffende seien, die in der Lage sind, ein breites Publikum zu inspirieren, und dass es die Kultur und die Menschen sind, die den Wandel vorantreiben werden. Nicht, dass die Menschen nicht wüssten, wo die Probleme lägen, sei das Problem, sondern dass die Probleme so groß seien, dass sie sich überfordert fühlten, was wiederum die Vorstellungskraft lähmt. Im Juli 2019 wurde London offiziell zur Nationalparkstadt erklärt, mit Hunderten von Eröffnungen im ganzen Stadtgebiet und einer Charta, die andere Städte dabei unterstützen soll, etwas Ähnliches in die Wege zu leiten. Auf der Webseite heißt es: ‚Wir wollen mehr Vogelgesang, ultimatives Frisbee, Hangpurzeln, Baumklettern, Radfahren, Igel, Freiwilligenarbeit, Sharing, Spielen im Freien, Kajakfahren, saubere Luft, Otter, grünere Straßen, Lernen im Freien, Ballspiele, Kunst im Freien und Tanzen auf Hügeln in der Stadt. Warum auch nicht?‘“

Carsten Was mir in diesem Kapitel auch mit diesem Beispiel National Park London sehr gut gefallen hat, war dieses Zeichnen von diesem positiven. Also es wird auch beschrieben, dass die eine Stadtkarte erstellt haben, wo die Grünflächen in den Vordergrund gerückt sind. Wenn man normalerweise ja so Stadtkarten anschaut, geht es ja eigentlich eher um Verkehrswege, die Verkehrsinfrastruktur und hier wird genau das rausgelassen aus der Karte und der Fokus lag auf Grünflächen von Parks hin bis zu Gärten hinter den Gebäuden, so dass im Grunde genommen zu sehen war, wie grün die Stadt eigentlich schon ist und welche Flächen sich miteinander verbinden lassen und wie man das Ganze noch weiter ausbauen kann. Und das ist natürlich ein ganz anderer Blick auf das Geschehen einer Großstadt und und genauso was inspiriert, weil es ja weg von Boah, alles Verkehrslastig, überall hast du irgendwie drei-, vierspurige Bahnen und Verkehr ohne Ende. Und wie willst denn da überhaupt irgendwie Grünfläche schaffen? Hin zu Wir haben schon so viel und lass uns das doch besser machen und der Fokus ist einfach ganz anders.

Und das ist eins von den ganz vielen tollen Beispielen, um einfach mal zu sehen, zum einen was passiert heute schon, also nicht ins fiktive Zukunftsbild reingeschaut, sondern was passiert heute schon? Wie machen die Menschen das heute schon? So eine Initiativen gründen, wie gehen die da vor anhand von praktischen Beispielen, aber gleichzeitig eben auch den Fokus auf das positive Bild: was können wir eigentlich erreichen? Wo wollen wir hin? Auch gerade Gemeinschaft stärken, dass das da Menschen wieder zusammengeführt werden und das Interesse der lokalen Gemeinschaft stärker in den Vordergrund gerückt wird. Also Frisbee spielen, Kajakfahren etc. das sind ja alles Aktivitäten, wo Menschen sich begegnen und Menschen was gemeinsam unternehmen und nicht jeder auch...

Stefanie Hangpurzeln. (lacht)

Carsten Hangpurzeln. Ja, genau. (lacht)

Stefanie (lacht) Das ist mein Favorit. Hangpurzeln, ja...

Carsten Und nicht jeder was für sich unternimmt, sondern tatsächlich diese Gemeinschaftsaktivitäten mit rein. Und das sind total tolle Beispiele.

Stefanie Springen wir zu meiner nächsten Markierung in dem Kapitel:

Carsten „Was, wenn wir darum kämpfen, unsere Aufmerksamkeit wieder zu gewinnen?“

Stefanie Und da hat Carsten ja schon so ein bisschen gespoilert, dass wir da noch mal über etwas Besonderes sprechen und das ist tatsächlich in diesem Kapitel der Fall. Hier geht es zum einen um Digital Detox, also quasi zu schauen, ob das Smartphone tatsächlich das ultimative Gerät der Wahl ist oder ob ich vielleicht durch diese ständige Erreichbarkeit und das getriggert werden, dass ich da irgendwie die ganze Zeit drauf gucken muss und in den sozialen Netzwerken bin und überall vor Ort immer erreichbar bin, über Email, über Apps, über was auch immer, ob das tatsächlich so sinnvoll ist? Ja, und das ist auch ein Punkt, wo ich meine Aufmerksamkeit abgebe, wo ich quasi von Dingen bestimmen lasse, wie aufmerksam ich bin. Und Rob Hopkins schreibt auch, ob wir nicht vielleicht doch einfach kein Smartphone mehr haben und dann eine Digitalkamera und das wieder aufdröseln. Also was ja eigentlich vorher das Praktische war, dass du in einem Gerät verschiedene Dinge vereinst, sagt er, dass es eben nicht so gesund ist, eigentlich das zu haben.

Und einen Punkt muss ich jetzt mal einmal zitieren, nämlich zum Thema Multitasking: „Menschen, die Multitasking betreiben, in dem sie häufig ihre Mails abrufen, erleiden eine Intelligenzeinbuße, die mit jener bei Erschöpfung oder beim Rauchen von Marihuana vergleichbar ist. Wenn wir Multitasking betreiben, überlasten wir das Gehirn und die Verarbeitung verlagert sich vom Hippocampus, der es uns ermöglicht, uns zu erinnern und uns etwas vorzustellen zum Striatum, das für Routineaufgaben zuständig ist. Das macht es uns schwerer, uns etwas anzueignen oder uns nach einer Zeit des Multitaskings überhaupt daran zu erinnern, was wir getan haben. Eine Studie der Universität Loughborough fand heraus, dass Menschen nach dem Lesen einer Email, das in etwa zwei Minuten dauerte, im Durchschnitt 68 Sekunden brauchten, um sich wieder ihrer Arbeit zuzuwenden und sich daran zu erinnern, woran sie gerade saßen. Laut Schätzungen nehmen unnötige Unterbrechungen und die Zeit, die wir brauchen, um unser Gehirn, nachdem wir von unserer ursprünglichen Aufgabe abgelenkt wurden, wieder auf den richtigen Weg zu bringen, durchschnittlich 28 % unseres Arbeitstages in Anspruch. Diese Loslösung vom Hippocampus und die Unfähigkeit, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren, mindert unsere Fähigkeit, auf konzentrierte Weise fantasievoll zu sein. Die Forschung zeigt auch, dass es anstrengender ist, von einer Aufgabe zur nächsten zu springen, als sich nur auf eine Sache zu konzentrieren. Sich auf eine Sache zu konzentrieren, zum Beispiel eine Stunde lang intensiv zu lesen, ist weit weniger anstrengend und erfordert weniger geistige Energie als der Versuch, Multitasking zu betreiben.“

Und diese Erkenntnis hatte ich schon öfter mit Carsten geteilt. Auch das Handy nicht die ganze Zeit mitzunehmen und Emails zu checken usw. und so fort. Aber da es von mir kam, wurde es irgendwie nicht angenommen. Und dann las Carsten dieses Buch und diese Stelle und auf einmal war sein Handy ausgeschaltet...

Carsten Ja, okay, ich muss zugeben, es hat Klick gemacht in zweierlei Hinsicht. Einmal bei mir im Kopf und einmal am Handy. Ähm, ja. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass ich bestimmte Dinge oder Sachverhalte einfach mal öfters hören oder verinnerlichen muss...

Stefanie Ich glaube, um das mal kurz noch zu unterbrechen und zu ergänzen, dass es ein klassischer Fall ist von - das hat ja nicht nur damit zu tun, der Inhalt ist ja eigentlich egal – aber, von Menschen, die dir nahestehen, nimmst du manche Dinge einfach nicht so gerne an, wie von Menschen, die du vielleicht gar nicht kennst oder die dir halt nicht so nahestehen. Oder von Expert·innen. Dann glaubst du halt Expert·innen eher als deiner Partnerin, deinem Partner zum Beispiel. Und ich glaube, das ist so ein klassischer Fall davon.

Carsten So ein Prophet im eigenen Land Thema ja, kann, will ich nicht absprechen, will ich nicht absprechen. Ich muss aber dazu sagen, dass das, was mir beim Lesen wirklich so in den Vordergrund gerutscht ist und auch da bin ich mir nicht sicher, wahrscheinlich habe ich das schon vielfach gehört, aber diesmal ist es wirklich so hängen geblieben, ist das Thema mit der Aufmerksamkeit. Auch Aufmerksamkeitsökonomie wird häufig als Begriff genannt, dass wir so sorglos mit unserer Aufmerksamkeit umgehen. Als ob das jetzt irgendwie keine Ahnung, wie mit so einer Gießkanne verteilen wir unsere Aufmerksamkeit auf alles, was in irgendeiner Art und Weise elektronisch daherkommt. Social Media generell. Dann die Tatsache mit dem Smartphone, dass wir an allen Ecken und Kanten quasi always on sind und auch immer dieses Gefühl haben: Wenn wir das jetzt nicht machen, würden wir irgendwas Wichtiges verpassen.

Stefanie Fear of missing out.

Carsten Fear of missing out. Genau. Und das ist mir wirklich jetzt klar geworden, wie wichtig oder wie kostbar meine Aufmerksamkeit eigentlich ist und dass ich sie eigentlich viel zu sorglos verteilt oder verschenkt habe, Dingen gewidmet habe, die mir im Grunde eigentlich gar nichts bedeuten, wo ich nicht viel von mitbekomme und dass ich da in Zukunft viel, viel konzentrierter mit umgehen muss. Also wirklich bedachter überlegen, wo investiere ich meine Aufmerksamkeit? Das ist mir beim Lesen klar geworden. Und in diesem Kapitel selber wurde auch noch mal genannt, dass es in der Vergangenheit auch bestimmte Bereiche oder Personen oder Berufe gab, wo ein always on dieses ständig sich einem Thema zu widmen, seine Aufmerksamkeit auf viele Dinge zu konzentrieren erfordert ist und das sind z.B. Fluglotsen. Aber diese Fluglotsen arbeiten halt nur 2 bis 3 Stunden am Stück, weil dann ihre Aufmerksamkeitsfähigkeit nachlässt. Und gerade weil das ja so Bereiche sind, wo es um lebenswichtige Entscheidungen geht, muss man dann auch entsprechende Pausen einkalkulieren und auch eingestehen, dass dieses Always on tatsächlich sehr viele Ressourcen frisst.

Und das, was wir heute an tatsächlich Alltagsstatus erreicht haben, ist ja, dass wir alle always on sind, dass durch dieses Jahr fear of missing out unser Handy immer greifbar haben und immer die aktuellsten Nachrichten haben, mit Freunden chatten und keine Ahnung was. Also das, was da so im Alltag passiert ist ja nichts anderes als dieses always on und das frisst Ressourcen. Und das ist mir beim Lesen wirklich so klar geworden. Und vielleicht hat mich das auch dazu verleitet, tatsächlich wirklich im Nachgang, als ich das gelesen habe, zu meinem Handy zu gehen und das mal komplett auszustellen.

Stefanie Ja, ich fand das nur total lustig, weil ich gedacht habe, ich rede mir den Mund fusselig. Ich erzähle das so häufig, ich sage „Nimm das Handy nicht mit aufs Klo.“ Also solche Geschichten. Ja, sei achtsam, immer nur eins zurzeit usw. Aber das ist so, so ein Rauschen. (lacht)

Carsten Ohne Rob hätte ich das nicht hinbekommen. (lacht)

Stefanie Genau. Ja, und deswegen das noch mal auch so als Beispiel. Wir sprechen jetzt so offen darüber, weil ich denke, dass es wichtig ist für dich, vielleicht auch für deinen Alltag, wenn du das Gefühl hast, du redest dir den Mund fusselig bei Menschen, die dir nahestehen, dann kann das eben tatsächlich daran liegen, dass sie dir nahestehen. Und dann, wenn du ihnen eine Person präsentierst, die das auch macht, die vielleicht etwas weiter entfernt steht oder eben ein Buch oder einen Film oder so, dann kann das sein, dass das den Ausschlag gibt. Kann aber auch sein, dass eben diese Person das noch ein paar Mal öfter von verschiedenen anderen Quellen hören muss, bis dann irgendwann der Punkt kommt, an dem er oder sie sagt: Ja, okay, ich ändere jetzt was. Das ist ja auch das mit dem Planting Seeds immer wieder, dass wir sagen okay, du hast jetzt diesen Impuls gesetzt, diesen Samen gepflanzt. Wann der tatsächlich dann anfängt zu wachsen, das kannst du nicht beeinflussen. Aber du hast es zumindest gemacht. Und dann, irgendwann wird sich vielleicht etwas tun. Vielleicht auch nicht. Vielleicht verkümmert der Samen auch wieder. Aber letztlich ist das eben eine Möglichkeit, auch damit umzugehen, die Frustration loszulassen, wenn die dir nahestehende Person nicht das tut, nicht dieser Empfehlung folgt, die du aussprichst. Das ist wohl etwas, was wir alle lernen sollten. Ich habe das zumindest gelernt, sage ich jetzt mal.

Carsten Du bist halt kein elektronisches Universum, keine Social Media. Du kannst mich einfach nicht steuern.

Stefanie Ich glaube, ich programmier so eine App, wo ich dann die ganze Zeit irgendwie auftauche, immer „Hallo, Hallo“ irgendwie so. Na ja, gut, also jedenfalls das noch mal so als kleiner Exkurs. Ich denke, das ist wichtig für dich, auch für deinen - liebe Hörer·innen, für dich, du bist gemeint - für deinen Seelenfrieden, denn bei dir nahestehenden Personen kann es immer sein, dass sie einfach nicht auf dich hören und dass es dann auf einem anderen Weg passiert. Wie gesagt, ich hatte das bei meinen Touren - damals, als ich noch die Touren gegeben habe - oft gemerkt, dass ich so als neutrale Plattform genutzt wurde von Menschen, die schon vegan leben, die dann Menschen, die noch nicht vegan leben, mitgebracht haben und quasi mich haben erzählen lassen und dadurch eine Brücke gebaut haben von deren Lebensweise zu den Menschen, die noch nicht vegan leben. Weil ich einfach als neutrale Basis fungiert habe. Und wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, so etwas zu finden, was dir als neutrale Basis fungiert, dann nutz das oder lass los. Also ich denke das es immer eine gute Möglichkeit: Lass los, lass es los. Vertraue. Hab Vertrauen, dass es irgendwann wirkt. Hier hat es auch irgendwann gewirkt. Springen wir zum nächsten Kapitel bzw. zu meiner nächsten Anmerkung in dem Kapitel:

Carsten „Was, wenn wir bessere Geschichtenerzähler·innen werden?“

Stefanie Warum ich diesen Punkt in dem Kapitel markiert habe, war tatsächlich, weil es da auch um Visionen geht und um einen Künstler, der versucht, keine Dystopien darzustellen, wie die Zukunft aussieht, sondern er nimmt Orte, die bereits existieren und zeichnet dort quasi Möglichkeiten, wie diese in Zukunft aussehen könnten. Und das hat mich ganz stark an Hartmut Kiefert erinnert, der ja auch diese Visionen von Orten zeichnete, die im Moment noch Tierfabriken darstellen oder teilweise eben auch nicht, weil teilweise malt er ja auch öffentliche Plätze oder so, wie das aussehen könnte und zeigt, wie die dann in einer idealen Zukunft, sag ich jetzt mal so in einer veganen Zukunft, einer Zukunft voller Empathie und Mitgefühl denn aussehen könnten. Und daran hat mich das total erinnert, weil es auch finde ich, immer sehr positive Bilder sind.

Carsten Ja, definitiv. Wir haben ja auch eins von seinen Bildern gekauft. Nicht das das Gemalte, sondern einen Druck davon. Das hatte mich insofern inspiriert, als dass es einen Wiesenhof Betrieb zeigt, der schon marodiert ist, wo dann die Hühner direkt vorne auf der „Parkleitplanke“ wollte ich gerade schon sagen. Wie heißt das Ding?

Stefanie Fehlt mir gerade auch das Wort. Keine Ahnung. Also jedenfalls das Ding, was, die Schranke!

Carsten Die Schranke, genau. Die sitzen auf der Schranke und führen da ein gutes Leben. Und das fand ich sehr inspirierend, weil ich aus einem Umfeld komme, wo Wiesenhof allgegenwärtig ist. Also ich komme tatsächlich aus einem der Landkreise, wo eine sehr starke, intensive Tierhaltung existiert. Und der Ort, wo ich lange Zeit gewohnt habe, hat auch ein Wiesenhofwerk und ich fand das einfach vom Bild her, dass das passt. Das war einfach so mit meiner eigenen Biografie so ein bisschen verbandelt und da zu sehen, wie so eine Zukunft aussehen könnte, auch eine greifbare Zukunft, da wo es den Tieren gut geht, da musste ich einfach dieses Bild kaufen.

Stefanie Und genau darum geht's eigentlich ja auch, dass das quasi Alltag geworden ist, was wir eigentlich sehen wollen. Dass also unser Wunsch, unsere Zukunftsvisionen, dass wir sie so darstellen, dass sie ganz alltäglich geworden sind. Ich habe ja noch einen Zitat:

„Für Rowland müssen die Geschichten, die wir über die Zukunft erzählen, die Dinge, die wir dort sehen wollen, alltäglich und unscheinbar machen. ‚Die Fantasy-Bücher, die ich geschrieben habe, existieren alle in einer Welt, in der queere Menschen einfach akzeptiert sind, weil das die Welt ist, die ich mir wünsche. Ich möchte, dass die Menschen das Leben leben können, das sie wollen und dass sie lieben können, wen sie sich ausgesucht haben und dabei Abenteuer erleben.‘“

Und in dem Kapitel „Wie wir jetzt bessere Geschichtenerzähler·innen werden können“ geht es sehr viel darum, wie wir jetzt solche Geschichten von der Zukunft erzählen können, welche Kniffe es dort gibt quasi und was auch schon gemacht wird. Also es ist auf jeden Fall, natürlich wie das ganze Buch sehr lesenswert. Springen wir nun zur nächsten Markierung im Kapitel.

Carsten „Was, wenn unsere Anführer·innen auf eine Kultur der Fantasie setzen?“

Stefanie In dem Kapitel geht es um den Unterschied zwischen Kreativität und Fantasie und dass die Kreativität quasi von der Globalisierung und auch vom Kapitalismus annektiert oder okkupiert wurde.

Carsten Das spielt sich ja quasi in den Marketingabteilungen der Firmen ab oder in den Marketingagenturen und dient ja letztendlich nur noch dazu, um Produkte und Dienstleistungen noch gewinnbringender zu verkaufen.

Stefanie Und warum ich mir diese eine Stelle hier extra markiert hatte, war, weil es hier darum geht, dass wir ein völlig neues Denken brauchen. Und das können wir mit Kreativität alleine einfach nicht mehr leisten, sondern wir brauchen unsere Vorstellungskraft, wir brauchen unsere Phantasie. Und dazu möchte ich noch mal einmal etwas zitieren:

“Wie also gehen wir vor? Nun, um die kommunale Vorstellungskraft neu zu entfachen, steht unseren Städten und Gemeinden zunächst einmal ein mächtiges Instrument zur Verfügung, denn sie können beeinflussen, wie die Geldströme in ihre Kommunen fließen. Judy Wicks, Gründerin von BALLE (Business Alliance for Local Living Economies), einer Organisation, die in den USA ein wachsendes Netzwerk von Unternehmer·innen und Aktivist·innen der lokalen Wirtschaft unterstützt, merkt an, die Globalisierung habe uns ‚die Phantasie geraubt, weil es nur noch um Vervielfältigung geht, nur noch darum, seine Marke weltweit zu verbreiten. Um das zu erreichen, muss man den gemeinsamen Nenner finden. Man muss auf Routinen setzen und die Dinge gleich machen. Das ist das Gegenteil von Fantasie.‘ Lokale Ökonomien, so sagt sie, sind von Natur aus einfallsreicher, da sie viel stärker eingebunden sind und wissen, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird. Momentan fließt Geld, sei es aus staatlichen Mitteln, Zuschüssen, Renten, Gehältern usw. in den Ort, an dem man lebt. Aber das meiste davon fließt direkt wieder hinaus. Doch überall dort, wo das Geld weg sickert, (also an jedem Loch im ‚undichten Eimer‘, wie es die New Economics Foundation ausdrückt), könnte ein Auskommen, ein Arbeitsplatz, ein neues Unternehmen, eine neue Möglichkeit entstehen. Sein Potenzial auch dauerhaft zu bleiben und Dinge zu verwirklichen, hängt eng mit der Phantasie des betreffenden Ortes zusammen.“

Was bei mir das Ganze bewirkt hat, war tatsächlich, dass ich gedacht habe: Ja, es geht wieder darum, alles zu lokalisieren und mehr darauf zu schauen, was kann ich hier vor Ort tun? Ich hatte das irgendwo mal gelesen, also bestimmt ist es völlig ein bekanntes Zitat oder so, dass wenn Nationen versagen, dass dann Städte auf den Plan treten und das ist generell tatsächlich darum geht, dass wir eher von unten nach oben schauen, als dass wir direkt gucken, okay, Deutschland soll jetzt dies und das machen, dass wir dann eher in den Städten und Gemeinden schauen, noch nicht mal die Bundesländer, sondern wirklich in kleineren Segmenten gucken, was kann da passieren? Und dann, natürlich kannst du auch noch kleiner werden, so dass du sagst okay, was kann ich tun in meinem Haushalt, was kann ich in meiner Nachbarschaft machen usw. und so fort. Also du kannst von allen Richtungen, das verkleinern oder vergrößern, aber letztlich, dass der Gedanke eher ist, dass wir uns darauf konzentrieren, was vor Ort regional passieren kann. Denn darum geht es ja schließlich auch, dass das alles, die Kreisläufe viel regionaler werden. Und da dachte ich nämlich, das ist ein guter Punkt hier, dass die Globalisierung und auch das vorherrschende System, in dem wir leben, eben nur befeuert, dass wir uns immer weiter ausbreiten, dass wir globaler werden, dass wir dann expandieren, also letztlich, dass es immer darum geht, mehr, mehr, mehr.

Und ich bin ja jetzt schon länger selbstständig und habe einige Business Coachings mitgemacht. Und letztlich war auch das immer in den Coachings dieser Gedanke so, wie kannst du größer werden, wie kannst du wachsen, noch mehr Geld verdienen, noch mehr Geld verdienen? Und wie kannst du dein Business so auslegen, dass es halt möglichst groß ist? Und möglichst viel Geld und nicht zu gucken, was brauche ich eigentlich? Und ist es überhaupt sinnvoll, das so zu machen? Sondern immer eher so in diese Richtung zu gehen. Meine Marke bekannt machen, groß werden, groß werden, groß werden. Und mittlerweile weiß ich jetzt auch auch unter anderem durch das Buch, warum mich das immer so ein bisschen gestört hat und warum ich damit nicht klar gekommen bin. Weil uns das eben nicht weiterbringt. Das ist ja auch wieder etwas mit diesem grenzenlosen Wachstum. Es wird halt einfach nicht funktionieren. Und das Nachhaltigere ist tatsächlich, wenn ich eher auf regionaler Ebene gucke und das es auch nicht schlimm ist, wenn ich halt nicht weltweit bekannt bin und alle Welt meinen Namen kennt, sondern dass das auch völlig okay ist, wenn ich nur in meiner Gemeinde oder meiner Stadt oder in meiner Nachbarschaft bekannt bin. Vorausgesetzt, dass ich damit halt gut leben kann, also dass mein Lebensunterhalt gesichert ist. Und wozu muss ich dann weltweit bekannt sein? Natürlich. Ja, das können wir jetzt immer weiterspinnen, aber letztlich denke ich, dass es ein wichtiger Punkt ist, dass regional betrachtet, also Gemeinden und Städte da viel agiler sind als Bundesländer und ganze Länder generell. Dass das da alles viel langsamer abläuft und wir, wenn wir von unten schauen, okay, was können wir in unserer Nachbarschaft machen, was können wir in unserem Stadtteil machen, was können wir in der Stadt machen, je nachdem, wie groß die ist? Hamburg ist ja jetzt schon relativ groß, also würde ich da eher auf Stadtteilebene gucken, dass wir da dann viel mehr bewirken können.

Carsten Ja, was du gerade schon sagtest, die Geschwindigkeit ist eine andere. Wir sind viel unmittelbarer im Geschehen, wir haben einen kleineren Beteiligtenkreis. Wir können viel schneller ins Handeln und ans Umsetzen kommen und schaffen uns damit ja auch Blaupausen, wie man das Ganze vielleicht größer aufbauen kann. Dass das, was in der Nachbarschaft funktioniert, vielleicht auf den Stadtteil übertragen werden kann, vielleicht auch nicht. Aber das, was übertragen werden kann, ist dann ja tatsächlich schon die Blaupause, die dann auch in einer größeren Ebene auf der Stadt funktioniert. Und so befruchtet sich das Ganze und das funktioniert definitiv schneller, als wenn ich jetzt darauf warte, dass auf Bundesebene irgendwo die entsprechenden beteiligten politischen Instanzen Entscheidungen treffen, die nach unten dann durchbringen und das Ganze erstmal nach unten sickern muss, sodass es dann bei mir ankommt. Der Prozess ist einfach zu langsam, da können wir aus meiner Sicht auch gar nicht drauf warten, sondern wir müssen lokal, wir müssen regional anfangen, das was es aufzubauen gibt oder was man aufbauen kann, aufbauen und eben auch die entsprechenden Kreisläufe stärken. Und da schließe ich jetzt wieder an das Buch an, auch die Fantasie wieder aufleben lassen.

Stefanie Ja, und was wir dafür brauchen, sind sichere Räume. Räume, Möglichkeiten, in denen wir uns öffnen können und in denen wir auch unsere Vorstellungskraft, unsere Phantasie pflegen können. In denen wir den Mut aufbringen können, phantasievoll zu sein und wirklich reale, haptische Räume quasi. Das wird auch in dem Buch erläutert haben. Diese Idee und auch Möglichkeiten, die es schon gibt, Räume, die von Gemeinden, Stadtteilen usw. zur Verfügung gestellt werden, wo wir einen sicheren Rahmen haben, in dem wir zusammenkommen können, in denen wir einfach loslassen können und einfach träumen können, Vorstellungswelten kreieren. Und da fand ich ganz besonders toll diese Aktionen. Da gab es verschiedene Aktionen, die genannt wurden, aber wo dann zum Beispiel ein Platz, eine Buswende Haltestelle, so ein Bus Wendehammer quasi über Nacht umgestaltet wurde in eine mögliche Zukunftsvision, wo ein ganzes Fest darauf abgehalten wurde und gezeigt wurde, wie könnte dieser Platz aussehen? Und das finde ich total bestechend, diese Möglichkeit zu sagen, okay, ja, ich kann ja für Demonstrationen auch zehntausende von Menschen organisieren und mobilisieren tatsächlich auch, dass sie dahin kommen. Dann kann ich doch auch Menschen mobilisieren, die mit mir über Nacht einmal so einen Platz umgestalten und die da mitmachen. Das müssen ja dann gar nicht so viele sein.

Und das können wir ja auch bei Gartenschauen oder hier in Hamburg, in Klein Flottbek, da bei den Pferderennen zum Beispiel uns anschauen. Da wird über Nacht oder vielleicht auch über zwei, drei Tage, der ganze Platz umgestaltet und alles wird irgendwie schick gemacht. Und das ist ja alles möglich. Also es ist möglich, so was in ganz kurzer Zeit da entstehen zu lassen und dann auch wieder wegzuräumen, als wäre nichts passiert. Und diese Optionen, die fand ich total toll. Also die Beispiele, die da auch genannt wurden, dass teilweise ganze Straßenzüge, dass da gezeigt wurde, okay, so könnte die Straße aussehen, wenn wir das alles in Zukunft umsetzen. Und jetzt bekommt ihr schon mal einen Vorgeschmack davon, dass da Pop up Stores entstehen, dass da Pop up Radwege gezeichnet werden, dass da dann Foodtrucks stehen, dass es da Spielplätze gibt, Möglichkeiten, sich auszutauschen und einfach eine ganz neue Nachbarschaft zu beleben. Und das eben nur für einen begrenzten Zeitraum, um das sichtbar zu machen und den Menschen halt zu zeigen: Ja, wir reden nicht nur darüber, sondern wir machen auch und es ist möglich. Es ist möglich, das zu machen. Wenn wir jetzt alle zusammen anpacken, dann schaffen wir das und wir können nicht mehr sagen ja, nee, das ist alles zu kompliziert und das würden wir nie schaffen, sondern es ist dann in diesem Akt einmal gemacht worden.

Carsten Ja, und eben diese Vorstellungswelten aufzubauen, das neu zu schaffen und neu zu beleben, das ist tatsächlich auch die fundamentale Quintessenz, die ich hier aus diesem Buch so mitnehme. Wir reden ja Richtung Klimawandel auch häufig vom Verlust an Biodiversität. Was mir vor dem Lesen dieses Buches gar nicht klar war, war, dass es auch ein Verlust an Vorstellungswelten gibt. Diese, ja, ich muss sagen anerzogene Einengung auf ganz bestimmte Denkmuster, die lässt uns so viel Fantasie verlieren, die wir jetzt wieder aufleben lassen müssen. Einfach so, diese fantastische Vorstellungskraft, mit der wir das Mögliche neu denken. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor. Und das war etwas, was ich hier aus diesem Buch mitnehme. Und deswegen ist dieses Buch für mich auch tatsächlich so in diese Top Five gerutscht.

Stefanie Und Stichwort aberzogen. Es gibt ja auch das Kapitel „Was, wenn die Schule die Vorstellungskraft junger Menschen fördert?“ Unser Kind geht ja auf eine freie, demokratische Schule, deswegen ist das für uns schon quasi selbstverständlich geworden. Aber nicht so, dass wir nicht jeden Tag dankbar dafür sind, dass unser Kind da hingehen darf. Eine Schule, in der die Schüler·innen frei entscheiden dürfen, was sie wann wie lernen wollen und in denen freies Spiel ganz viel Raum hat. Sie können auch einfach den ganzen Tag spielen, aber haben schon die Möglichkeit, mit Erwachsenen darüber zu sprechen, wenn sie etwas lernen wollen und haben auch die Möglichkeit, verschiedene Räumlichkeiten aufzusuchen. Und da erleben wir, Carsten und ich eigentlich täglich, dass das freie Spiel die Vorstellungskraft extrem fördert. Und wenn wir vergleichen, wie das bei uns in der Schule war und generell, wenn ich mit Menschen über Schule spreche, wie die Schulerfahrung war, sagen 90 % bestimmt, dass die Schule schrecklich war. Ich habe da beim Bildungsurlaub auch kurz mit einer Teilnehmerin darüber gesprochen, wo ich so vorsichtig erklärt habe, was das für eine Schule ist, wo unser Kind hingeht. Und habe sie dann auch gefragt: Ich weiß jetzt nicht, wie es bei dir ist mit der Schulerfahrung und sie meinte, die Schule war so schrecklich, dass sie deswegen früher abgegangen ist.

Also all diese Bücher, all diese Filme, die es zum Thema Schule gibt, sind meistens mit der Erzählung, mit diesem Narrativ, dass Schule schrecklich ist, irgendwas, was man irgendwie aushalten muss. Und Mobbing findet statt. Da sind schreckliche Lehrer·innen. Was natürlich nicht heißt, dass, solltest du Lehrer·in sein, du schrecklich bist, sondern in den Erzählungen ist es meistens so, das meinte ich damit, dass es das gibt. Natürlich gibt es auch tolle Lehrer·innen, sowohl real als auch in Erzählungen. Und das will ich hier jetzt auch gar nicht irgendwie infrage stellen, sondern es geht tatsächlich darum, dass dieses Modell der Schule, wir hatten ja auch schon über Bildung gesprochen, das Modell einfach den Kindern keinen Raum für die Vorstellungskraft lässt. Und wir, Carsten und ich gemerkt haben, durch das, wie wir aufgewachsen sind in dem Schulsystem, dass wir uns erst mal das wieder mühsam erarbeiten mussten bzw. ich kann jetzt erst mal nur für mich sprechen, ich gemerkt habe, dass die Vorstellungskraft mir tatsächlich in meiner Kindheit und Jugend und generell in meinem Leben geholfen hat auch zu überleben, in der Schule und auch in meinem Alltag generell.

Und das ist was - wir haben jetzt letztens wieder „Anne with an E“ geschaut, (also die Netflix Serie, die es jetzt auch auf DVD gibt. Wir haben sie auf DVD geguckt, ausgeliehen natürlich aus der Bücherhalle), in der das Buch „Anne auf Green Gables“, Carsten hat das Buch gelesen, ich habe das nie gelesen, verfilmt wurde. Wobei das halt wirklich eine eine sehr weitläufige Adaption des Buchs ist. Und in der Serie wird auch immer wieder gezeigt, dass die Vorstellungskraft Anne hilft zu überleben. Sie steht als Waise in der Welt, ihre Eltern sind gestorben, als sie noch ein kleines Baby war und sie musste dann ins Waisenhaus und immer wieder zu Pflegefamilien und hatte eine sehr, sehr, sehr belastende Kindheit. Ihr hat ihre Vorstellungskraft geholfen, damit klar zu kommen, weil sie damit immer phantasievoll in andere Welten entschwinden konnte. Und nur das hat ihr letztlich geholfen, daran nicht komplett zu zerbrechen. Und das ist eben auch so ein Punkt, wenn wir in die Richtung schauen, dass unsere Vorstellungskraft uns hilft, gesund zu bleiben. Auch in solchen extremen Situationen, wenn wir Traumata erleben und traumatische Situationen und das ist eben nicht zu unterschätzen. Und wenn Anne das in diesem Beispiel nicht gehabt hätte, wäre sie unter Garantie an all dem zerbrochen. Und die ganze Geschichte, also der ganze Film, alle drei Staffeln handeln einfach von der Vorstellungskraft, der Macht der Phantasie und wie sie dadurch auch Konventionen sprengt, aber eben freudvoll leben kann. Und so ist auch das Buch hier. Es passt zusammen, beides, das Buch und die Serie, die passen zusammen als ja, als Feuerwerk der Vorstellungskraft, der Phantasie und der Möglichkeiten. Sie zeigen, was wir für ein tolles Leben führen können, wenn wir unserer Vorstellungskraft Raum geben und wenn wir den Mut haben, phantasievoll zu sein. Und genau darum geht es ja eben, dass wir jetzt einfach keine Zeit mehr haben für Hoffnung, sondern dass die Welt jetzt mutige Menschen braucht und die eben auch phantasievoll agieren. Und da ist dieses Buch wirklich ein großer, großer Schatz.

Carsten Ja, du merkst, dieses Buch hat unglaublich viel Potenzial und dementsprechend ist uns auch daran gelegen, dass viele Menschen dieses Buch lesen können. Und wenn du dieses Buch jetzt haben möchtest, was wir am Anfang der Folge schon angesprochen haben, kannst du es jetzt hier gewinnen und wir verlosen es und zwar bis zum 26. November 2021.

Stefanie Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

Carsten Und wir sind auch nicht bestechlich.

Stefanie Wir sind nicht bestechlich. Genau. Und natürlich steht es dir auch immer offen, das Buch zu kaufen. Wenn du das machst, dann machs bitte bei deinem regionalen Buchhändler, deiner regionalen Buchhändlerin. Wenn du es online bestellen musst, dann bestell es doch bitte nicht beim großen A, sondern direkt beim Verlag. Du findest den Link auf jeden Fall in den Shownotes. Noch einmal Dankeschön an den Verlag, der uns das Buch hier kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Und wie gesagt, wir behalten es natürlich nicht, sondern geben es weiter.

Carsten Es wurde schon das Dankewort genannt. Wir wollen uns natürlich auch weiterhin herzlich bedanken bei allen Menschen, die uns so zahlreich und auch über so langen Zeitraum über Steady unterstützen.

Stefanie Genau die uns finanziell unterstützen, muß ich jetzt noch mal dazu sagen. Also ganz, ganz herzlichen Dank an alle Steady Unterstützer·innen.

Carsten Total toll.

Stefanie Und da würde ich jetzt einfach sagen in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Buch "Stell Dir vor... mit Mut und Fantasie die Welt verändern" von Rob Hopkins
https://www.loewenzahn.at/produkt/2698/stell-dir-vor/

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Folge 241 - Lasst uns einen neuen Alltag erproben!

Ein Beitrag

Folge 241 - Lasst uns einen neuen Alltag erproben!

In dieser Folge möchten wir Dich einladen trotz der Tatsache, dass wir mit Veränderungen in unserem Privathaushalt die großen Probleme nicht aus der Welt schaffen können, Deinen Alltag neu zu gestalten.

Wir befinden uns mitten in einem gesellschaftlichen Wandel und wir müssen unser Verhalten verändern - ob wir wollen, oder nicht.

Ist es da nicht besser, wenn wir die Veränderungen selbst in die Hand nehmen und eigene Entscheidungen für unsere Zukunft treffen - soweit es uns möglich ist?

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Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge wollen wir noch mal die Wichtigkeit des Handelns des jetzigen sofortigen Handelns betonen und dich dazu einladen, dir zu überlegen, was dein erster Schritt oder vielleicht auch dein nächster Schritt sein könnte. Denn wir leben in einer Zeit, in der uns große gesellschaftliche Veränderungen bevorstehen. Wir sind schon mittendrin und der Klimawandel und auch alle anderen Aspekte, die davon betroffen sind, wie zum Beispiel das Artensterben, aber auch das Streben nach sozialer Gerechtigkeit, sind Dinge, die unseren Alltag und auch unsere Gesellschaft ziemlich durchwirbeln werden und das auch schon tun.

Carsten Also über allem hängt ja auch so ein bisschen die Erkenntnis, dass wir uns verändern müssen und auch die Frage, warum denn nicht jetzt schon damit anfangen? Weil der Ausspruch Change by design or change by desaster ist ja vielleicht Dir, liebe·r Hörer·in, auch schon mal über den Weg gelaufen. Und darum geht es ja. Wenn wir uns verändern, ist es ja deutlich einfacher, wenn wir es freiwillig machen, wenn wir auch noch Veränderungsspielraum selber schöpfen oder gestalten können, weil ab einem Zeitpunkt - der jetzt ja auch nicht in allzu weiter Zukunft liegen wird, den ich aber leider Gottes ja mangels Glaskugel auch gar nicht genauer bestimmen kann, aber Tipping Points werden das ganze Thema ja noch ein bisschen beschleunigen und noch schwerer greifbar machen vom Zeitpunkt her - Aber ab diesem Zeitpunkt haben wir keine Wahl mehr, sondern müssen einfach irgendwie reagieren. Und da kann es je nachdem, wo wir gerade unterwegs sind, auch ums nackte Überleben gehen. Und da sind dann unsere Gestaltungsspielräume nicht mehr ganz so mannigfaltig gesät wie jetzt, wo wir noch hier, ja im eigenen Wohnzimmer, im eigenem Arbeitszimmer sitzen und noch relativ autark bestimmen können, wie wir uns verändern wollen.

Stefanie Ja, die Veränderungen finden schon statt. Jetzt aktuell steigen die Gaspreise, Heizen wird teurer, der Strom wird teilweise teurer. Das sind alles Dinge, die uns wirklich dann auch betreffen, uns hier in Deutschland. Überschwemmungen haben stattgefunden, Hochwasseralarm. Dann diese Wetterextreme, die auftreten. Dann wird es jetzt bald schon wieder ganz warm auf einmal, dann wird es wieder ganz kalt. Dinge, die jetzt einfach in letzter Zeit gehäuft auftreten und die uns zeigen, dass das ganze Problem nicht einfach abgetan werden kann mit „das lösen wir schon mit toller Technik oder irgendwas, was uns irgendwann in Zukunft passieren wird“, sondern es ist etwas, was jetzt passiert und etwas, dem wir auch jetzt begegnen müssen.

Und wir nehmen jetzt diese Folge hier auf, weil wir in der Folge 239, als wir darüber gesprochen haben, dass es schon etwas bewirkt, wenn wir alle vegan leben, auch darüber gesprochen haben, dass gesagt wird okay, es wird nichts bringen, aus Nachhaltigkeitsaspekten, wenn jetzt der gesamte globale Norden vegan lebt, weil da dann noch andere Aspekte mit reinspielen. Im Umkehrschluss könnte das bedeuten, dass ich tun und lassen kann, was ich will. Es hat ja doch keinen Sinn und es wird ja doch nichts bewirken. Und deswegen mache ich einfach so weiter wie bisher. Und dem wollen wir hier mit dieser Folge etwas entgegensetzen.

Denn ich bin der Meinung, dass wir hier schon etwas tun sollten, denn wir müssen uns ja verändern. Es steht ein globaler Wandel bevor. Wir befinden uns mittendrin und wir müssen unser Leben, unseren Alltag anders aufbauen, unsere Gesellschaft anders aufbauen, um zu überleben. Und warum fangen wir nicht jetzt schon damit an? Warum sollen wir dann warten, bis andere es tun? Also wir sollten aufhören mit dem Finger auf andere Staaten, andere Länder und vielleicht auch andere Menschen zu zeigen, die viel mehr verursachen als wir und viel mehr Probleme verursachen. Und dann zu sagen: Na, wenn die handeln, dann handele ich, Aber vorher mache ich gar nichts, Die müssen zuerst handeln.

Carsten Ja, vor allen Dingen wann ist eigentlich der Zeitpunkt da? Also wenn ich jetzt wirklich in so einer abwartenden Haltung bin, worauf warte ich eigentlich? Da ist ja keine Ampel, die mir irgendwann ein grünes Signal gibt, was für mich einen eindeutigen Startpunkt signalisiert, sondern was ist dann genau dieser Zeitpunkt, dieser Faktor, der mich dann ins Handeln bringt? Ich meine, an Motivation kann es da dann nicht liegen. Entweder habe ich die heute schon oder ich werde sie auch in Zukunft nicht haben. Wenn ich jetzt noch abwarte, muss irgendwo ein äußerer Zwang sein, der mir einen Arschtritt verpasst, um mich dann tatsächlich in Bewegung zu versetzen. Also das fällt mir sehr schwer, tatsächlich zu greifen, wie denn dann dieses Ereignis aussehen muss, was dann zum Handeln führt.

Stefanie Es kann natürlich auch sein, das du nie handeln wirst, weil du immer wieder eine neue Bedingung daran knüpfst. Erst wenn das passiert, dann werde ich handeln. Und wenn das passiert ist, sagst du: Ach nein, erst wenn das passiert. Das kann natürlich sein. Und letztlich das, was ja wahrscheinlich eintreten wird, ist, dass du einfach zum Handeln gezwungen sein wirst, weil sich die Welt so weit verändert, dass die Lebensgrundlage einfach nicht mehr vorhanden ist, in dieser Art und Weise, wie wir jetzt leben, weiter zu leben.

Carsten Ich meine, wir reden ja auch über die Art und Weise, wie unsere Energieversorgung, also jetzt nicht nur Energie in Form von Strom und und Heizung, sondern auch die Art und Weise, wie wir Mobilität leben können, ist abhängig von fossilen Energieträgern. Und die werden uns in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen dürfen, unabhängig davon, dass wir wahrscheinlich durch irgendwelche Technologien in der Lage sind, dieses Thema Peak Oil immer weiter irgendwo vor uns her zu schieben. Wir haben einfach nicht mehr genügend CO2 Speicherkapazitäten auf diesem runden Planeten Erde, um all das, was wir an Energie verpulvern, auch tatsächlich irgendwo so aufzufangen, dass das dann klimaneutral passiert. Sondern wir sagen unabhängig davon, wie viel Erdöl uns in Zukunft noch zur Verfügung steht, wir können das gar nicht alles verfeuern, ohne unsere Lebensgrundlage nachhaltig komplett zu zerstören. Das heißt also, früher oder später muss ich mir überlegen, wie ich zum Beispiel meine Mobilität ganz anders gestalte.

Und ich bin da heute tatsächlich an einen Punkt gekommen, wo ich bei diesem nasskalten Wetter selber noch unterwegs war, habe meinen Einkauf erledigt und stand dann da vor dem Geschäft und habe auf mein Fahrrad geguckt, mit den zwei Satteltaschen, so ein bisschen alles Nieselregen besprengt war und habe gedacht: Ja, so what? Na ja, gut, es regnet, ich fahre einkaufen, ich fahre mit Fahrrad. Wo ist das Problem? Worauf will ich warten? Also will ich darauf warten, dass mein Nachbar in Zukunft mit dem Fahrrad fährt, weil ich mich an meinem Nachbar orientiere? Ja, hallo, ich bin der Nachbar, also nee, also von daher fang schon mal an!

Und auf der anderen Seite möchte ich auch gar nicht darauf warten, dass irgendwo auf Stadt, Land oder Bundesebene das Mobilitätskonzept so grundlegend geändert wird, dass ich mehr zum Fahrradfahren veranlasst werde, weil das kann ich ja heute schon. Also die Radwege sind schon da, die Entfernung zu den Läden ist auch schon da. Ja, also ich, ich kann mit den gegebenen Umständen schon arbeiten. Ich gebe zu, je nachdem, wo ich gerade wohne, ist es vielleicht nicht unbedingt der komfortabelste Weg, jetzt tatsächlich in diesem Straßenverkehr mit dem Fahrrad zu fahren.

Aber nichtsdestotrotz: je mehr Menschen genau diesen Weg gehen, desto unschädlicher wird ja der KFZ betriebene Verkehr für uns, da wo wir ja Angst vor haben. Wir trauen uns ja schon nicht mehr auf die Straße, weil alle anderen mit ihren Autos unterwegs sind. Also wenn wir da auch schon umshiften und sich alle an Nachbar Carsten orientieren und dann Fahrrad fahren, hat sich die Sachlage sowieso schon entspannt. Also will sagen: ich kann heute schon anfangen damit und muss mich nicht davon aufhalten lassen mit hätte, könnte, wollte und erstmal muss die Politik oder keine Ahnung wer reagieren.

Stefanie Ja, mir geht es auch gar nicht so sehr darum, dass wir anfangen können, sondern dass es wichtig ist, anzufangen - nicht nur zu können, sondern das auch zu sollen. Denn es geht ja darum, dass wir neue Lebensentwürfe schaffen, einen neuen Alltag schaffen, der zukunftsfähig ist und der nicht unseren Planeten zerstört, unsere Lebensgrundlage zerstört. Und vielleicht bist du, was Mobilität angeht, gerade so ein bisschen in Rage geraten.

Carsten Ich weiß, ich bin immer ein bisschen in Rage, wenn ich tatsächlich Teilnehmer des Straßenverkehrs werde.

Stefanie Aber das ist ja dann auch nichts Schönes. Also sollte ja eigentlich auch nicht so sein, dass du dann automatisch in Rage gerätst. Aber ich muss das jetzt erstmal so ein bisschen niederdrücken, weil wir ja nicht der Mobilitätspodcast sind, sondern eigentlich haben wir den Schwerpunkt Veganismus, also können wir auch davon Beispiele nehmen. Aber im Grunde ist es ja so, dass wir darüber diskutieren, dass Einzelpersonen nicht die Welt retten können und dass auch nicht die ganze Schuld auf den Schultern der Einzelpersonen lasten sollte. Und das denke ich auch, dass es nicht die Einzelpersonen sind, die Privatpersonen, die jetzt da dann diejenigen sind, denen man quasi die Schuld in die Schuhe schieben kann.

Und es werden auch die Privatpersonen nicht sein, die in ihrem Privathaushalt - darum geht es ja tatsächlich, nicht um politisches Engagement der Privatpersonen, sondern um das Engagement im eigenen Haushalt - dass sie damit jetzt die Welt verändern werden und unsere Lebensgrundlage retten. Aber wir werden uns ja alle verändern müssen. Und deswegen die Frage: Warum fangen wir nicht einfach damit an? Lass uns doch nicht davon abhalten, dass wir tatsächlich privat als Privathaushalte nicht den riesigen Einfluss haben. Wir müssen ja unser Verhalten ändern. Und deswegen ist es doch total sinnvoll, wenn wir unsere Kraft und Energie und auch unsere Vorstellungskraft dann in dieses Vorhaben investieren und uns da dann überlegen, uns zusammentun und überlegen, wie kann das anders gehen?

Carsten und ich machen das ja jetzt schon seit bald sieben Jahren. Ja, eigentlich schon seit sieben Jahren. Wir haben ja, bevor wir entschieden haben, vegan zu leben, schon damit angefangen. Und natürlich ist es ein Weg. Es ist immer ein Weg. Aber was wir in den vergangenen sieben Jahren gemerkt haben, ist, dass ganz viele Menschen mit uns auf diesem Weg unterwegs sind und dass, wenn wir in die richtige Richtung gucken und uns mit den richtigen Menschen vernetzen, wir da schon ganz viele tolle Dinge sehen können, die schon passieren, wo Alternativen schon entwickelt wurden und wo Menschen schon in diesen Alternativen leben.

Und dass es nicht darum geht, unter einer kalten Brücke zu sitzen und an rohen Kartoffeln zu nagen, wie Rob Hopkins es so schön gesagt hatte, sondern dass es durchaus mit einem gewissen Komfort daherkommen kann, alternativ zu leben und dass es auch kein Rückschritt ist, im Sinne von negativ, dass du zurückgehst und dass es negativ konnotiert, sondern dass, wenn du überlegst, wie wurde das früher gemacht, zum Beispiel, wie haben deine Großeltern Gemüse und Obst und so eingelegt, eingemacht, diese verschiedensten Techniken, die uns verloren gegangen sind jetzt über die vergangenen Jahrzehnte, dass die Rückbesinnung auf diese alten Techniken nichts im Sinne von Rückschritt negativ hat.

Rückschritt wird ja immer als etwas Negatives erzählt, muss es aber überhaupt gar nicht sein. Es wird nur deswegen als etwas Negatives erzählt, um den Fortschritt als etwas Positives dastehen zu lassen. Denn es braucht ja immer diese beiden Gegenpole. Das heißt, es ist eine große Geschichte. Es ist etwas, was wir uns erzählen. Zurückschreiten ist generell etwas Negatives und das ist auch etwas, was wir uns erzählen können. Also eigentlich geht es viel um Erzählung. Es geht viel darum, dass wir es schaffen, Geschichten zu erzählen von einer Zukunft, die lebenswert ist für alle Lebewesen auf diesem Planeten. Und es geht darum, dass wir Dinge ausprobieren und dass es experimentell ist.

Und dass es gar nicht darum geht, dass wir von Anfang an genau wissen, wie es geht, was genau richtig ist und es geht überhaupt nicht darum, keine Fehler zu machen, sondern einfach auszuprobieren. Also die Lust am Ausprobieren wieder zu erlangen, das Experimentieren, das Erkunden, das Erforschen und die Freude daran, auch wieder zu erwecken.

Das ist genau das, was ich auch mit meinen Touren gemacht habe. Damals, als ich angefangen habe, vegan zu leben und dann die Touren entwickelt habe, war der grundlegende Motor des Ganzen die Lust am Entdecken, am Erforschen und am Ausprobieren. Und ich habe nie mir irgendwie als Ziel gesetzt, alles zu wissen und da irgendwie den heiligen Gral zu entdecken, die grundlegende Wahrheit, sondern es ist ja auch kulturell unterschiedlich, was für uns funktioniert. Und nur weil es bei uns hier jetzt funktioniert, muss es dann vielleicht nicht in Thailand funktionieren, oder muss es nicht in Bangladesch funktionieren oder wo auch immer. in Alaska oder keine Ahnung. Also es ist ja wirklich kulturell total unterschiedlich und ich denke diese Freude am Experimentellen, diese Neugier, dieser Forschungsdrang, das ist etwas, was wir wieder kultivieren und dem wir nachgehen sollten.

Carsten Du hattest gerade gesagt dieses Zurückschreiten, was häufig negativ als Rückschritt interpretiert wird, da sind mir einige Gedanken gerade durch den Kopf geschossen. Im Beruflichen gibt es das ja schon. Da heißt es aber nicht Rückschritt oder Zurückschreiten, sondern Downshifting. Also dieses ganz bewusste beruflich runterfahren, um Freiräume zu bekommen, also weniger arbeiten. Natürlich aus einer privilegierten Sichtweise. Ich rede jetzt nicht von Menschen, die in prekären Jobs unterwegs sein müssen, um den Lebensunterhalt irgendwie zu realisieren, sondern eigentlich gucke ich da tatsächlich eher so von einer privilegierten Sichtweise, die es erlaubt, durch das Zurückfahren des beruflichen Engagements wirklich Freiräume zu generieren, ohne jetzt die finanzielle Basis komplett irgendwie zu gefährden, um mit diesen Freiräumen dann ganz andere kreative Energien auszuleben.

Und das ist es ja tatsächlich auch, was, was jetzt bei dieser Veränderung, bei diesem Wandel stattfindet. Dieses sich zurücknehmen, sage ich jetzt mal so, dieses bewusste Zurücknehmen aus diesem Fortschritt, ja also auch tatsächlich Fortschrittstechnologien gar nicht so exzessiv auszuleben, weil die sind Raumnehmend, sondern da einfach diese Rücknahme, dieses sich selbst zurücknehmen, um Freiräume zu generieren, um Tätigkeiten auszuüben, die ich ansonsten nicht getan hätte oder tun könnte, wenn ich mich jetzt den ganzen Tag nur diesen fortschrittlichen Themen zuwende. Technologie ist ja schon raumgreifend, wer ein Smartphone hat, wird das bestätigen können, dass das ein sehr zeitraubende Tätigkeit ist - ich will jetzt nicht sagen Hobby, sondern es ist ein Alltagsgegenstand geworden, der irgendwie so in unseren Alltag sich eingenistet hat, dass er schon gar nicht mehr wegzudenken ist.

Aber dieses ganz bewusste Zurücknehmen und dadurch die Freiräume zu generieren, hilft ja auch, eine ganz andere Perspektive auf die Welt aufzubauen oder überhaupt erst mal eine Vorstellung aufbauen zu können: Wie könnte es denn anders sein? Selbstwirksamkeit ist da etwas, was ich ja in der Vergangenheit immer wieder irgendwie betont habe, aber es geht ja nicht nur um die reine Selbstwirksamkeit, die man dann durch das eigene Handeln wieder entdeckt und auch stärken kann, sondern es geht dann ja auch tatsächlich darum, dass neue Vorstellungswelten eröffnet werden dadurch, dass ich mich dann auch mit mit anderen Gedankengängen beschäftigen kann.

Rob Hopkins zum Beispiel wäre uns wahrscheinlich nicht über den Weg gelaufen, wenn wir nicht irgendwie bereit gewesen wären, uns mit solchen Themen auseinanderzusetzen. Transition Towns das ist ja im Grunde genommen schon ein gelebter Wandel. Das ist ja die praktikable Lösung, um unser Wohlstandsmodell auf eine Ebene zu bringen, wo wir vielleicht im ersten Moment schon irgendwo bewusst auf bestimmte Vorlieben verzichten, die dann aber perspektivisch eigentlich eher getauscht haben gegen andere Vorlieben. Und gleichzeitig, wenn wir dann früh genug diesen Shift hinbekommen, erlaubt es uns ja ein gewisses Maß an Wohlstand - oder ich weiß gar nicht was, was du vorhin für einen Begriff genommen hast, aber ich bleibe jetzt mal bei Wohlstand - den aufrecht zu erhalten.

Also es wird uns dann nicht nicht fehlen oder an nichts mangeln. Wir finden es dann nur in anderen Quellen, in anderen Umgebungen, in einem anderen sozialen Umfeld, vielleicht in einem solidarischeren sozialen Umfeld wieder. Aber wir müssen nichts entbehren. Wir können es so gestalten, dass es noch komfortabel ist. Dafür müssen wir aber heute anfangen, müssen bereit sein, diesen Weg zu gehen und Veränderungen zu machen. Denn später, wenn wir gezwungen sind, sei es jetzt durch Naturkatastrophen, die uns ereilen, sei es durch politische Entscheidungen, die einfach nur noch entschieden werden müssen, weil uns sonst die Lebensgrundlage wegfällt. Da wird wahrscheinlich der Komfort als erstes drunter leiden. Da wird dann eigentlich die Notwendigkeit im Vordergrund stehen. Und wenn wir es noch einigermaßen komfortabel haben wollen, diese Veränderung, dann müssen wir jetzt anfangen.

Stefanie Ja, du sagtest ja gerade Transition. Das ist auch genau das, was ich empfehlen würde, dass du schaust in deiner Umgebung, ob es da vielleicht schon eine Transition Gruppe gibt und da dann dich vielleicht vernetzt und in diese Richtung gehst. Du kannst natürlich ja auch in deiner Nachbarschaft selber etwas gründen und vielleicht bist du ja auch schon vernetzt mit Menschen in deiner Umgebung. Also was ich ganz spannend fand, war, dass Rob Hopkins erzählte, dass sie da in den verschiedenen Städten Initiativen gestartet haben, wo dann Haushalte zusammengekommen sind, in kleineren Gruppen und sich sieben Mal getroffen haben, um sich auszutauschen zu Tipps, wie man Strom und Wasser sparen kann und generell nachhaltiger im Haushalt leben kann und dadurch dann auch neue Freundschaften entstanden sind.

Und dass alle eigentlich grundlegend immer gesagt haben: Das Tolle war eigentlich gar nicht, irgendwelche tollen Stromsparen Tipps bekommen zu haben, sondern dass sie jetzt in der Nachbarschaft sich besser kennengelernt haben und dass das tatsächlich ja auch das ist, was wir brauchen. Wir brauchen die Gemeinschaft. Wir sind in den letzten 20, 30 Jahren so stark in die Richtung gedrängt worden, dass wir als Individualist·innen in der Welt bestehen sollen und dass es immer mehr in Richtung Spaltung hinausläuft und wir ohne andere Menschen glücklich sein sollen.

Aber im Grunde unserer menschlichen Natur sind wir eigentlich Gruppenwesen. Also wir brauchen diese sozialen Strukturen eigentlich. Ich hatte damals während des Studiums mal ein Buch von Robin Dunbar gelesen, der darin schreibt, dass damals bei den Menschenaffen oder generell bei unseren äffischen Vorgänger·innen, sage ich jetzt mal, das Kraulen quasi das war, was die Affen damals verbunden hat und dass Klatsch und Tratsch zwischen den Menschen quasi das verbale Kraulen ist. Und das wir das brauchen, diese Verbindung. Und natürlich soll es nicht boshaft werden, was es natürlich schnell wird, je nachdem, in welche Richtung man das drängt - dazu ein anderes Mal noch, das würde jetzt zu weit ausufern - aber jedenfalls diese Verbundenheit von Gemeinschaft, dass wir die eigentlich brauchen.

Auch wenn ich jetzt immer wieder erlebe, sobald ich dann in meinen Kursen und Bildungsurlauben erzähle, was es für Möglichkeiten gäbe, gemeinschaftlich zu wohnen, dass 90 %, meiner Teilnehmenden sagen, dass sie gerne ihre Privatsphäre haben und sich sehr gerne zurückziehen und keinen Wert darauf legen, mit anderen Menschen zusammen zu wohnen. Und um ehrlich zu sein, war ich bisher auch immer so, Du auch, oder?

Carsten Ja.

Stefanie Aber mittlerweile könnte ich mir schon vorstellen, in bestimmten Konstellationen mit anderen Menschen zusammen zu wohnen. Letztlich wohnen wir ja hier in dem Mehrfamilienhaus auch mit anderen zusammen und wir könnten uns hier jetzt mehr vernetzen und dann wäre es ja ungefähr so, was das Zusammenleben betrifft. Ein Zusammenleben muss ja nicht gleich eine WG bedeuten, wo wir uns alle dann die Küchen und Badezimmer teilen.

Carsten Kein Verlust der Privatsphäre.

Stefanie Ja, genau. Also es gibt ja noch viel mehr Möglichkeiten zwischen dem alleinstehenden Einfamilienhaus, das die nächsten Nachbar·innen in zehn Kilometer Entfernung hat und der WG, wo alle nur jeweils ein Zimmer haben und der Rest wird geteilt. Also da gibt es ja noch viel mehr Spielraum dazwischen. Was ich damit sagen will ist, dass für mich der Schlüssel tatsächlich in der Gemeinschaft steckt, dass wir als Einzelne sicherlich einiges erreichen können. Aber das ist einfach zu wenig ist. Auf die Politik warten dauert zu lange. Aber als Gemeinschaft, also als Gruppe, es muss ja keine Riesengruppe sein, können wir schon noch etwas bewegen. Und das ist auch das Motto der Transition Gruppen, des Transition Network. Das ist genau das, was die sich sagen. Und das ist etwas, was ich denke, was wirklich sehr schlüssig ist, dass es wichtig ist, dass wir uns hier Menschen suchen, Gleichgesinnte suchen, mit denen wir lokal vor Ort etwas bewegen können.

Carsten Ja, das mit dem Thema „auf die Politik warten“, da habe ich jetzt auch noch mal so den Gedanken gehabt, dass, wenn du als politisch motivierte Person vielleicht auch das Gespräch mit Politiker·innen suchst, die Möglichkeit steht ja jedem·r zur Verfügung, jetzt zum Abgeordnetenhaus zu gehen und dann mit deinem·r Politiker·in deiner Wahl zu sprechen. Dann macht es natürlich schon einen großen Unterschied, wie weit du persönlich schon mit dem Thema Veränderung unterwegs bist. Weil je nachdem, wo du gerade deinen Erkenntnishorizont ansiedelst, wird sich da im Gespräch mit entsprechenden Volksvertreter·innen ja auch eine ganz andere Gesprächsatmosphäre und Perspektive ergeben. Also will sagen, wenn du von vornherein schon weißt, was es mit Transition Towns auf sich hat, wenn du dir gewahr darüber bist, dass ein gesellschaftlicher und auch ein Wirtschaftswandel notwendig ist, wirst du ganz andere Gespräche mit politischen Vertreter·innen führen können, als wenn dir das alles nicht geläufig ist.

Und genau darum geht es ja in der politischen Perspektive zumindest aus meiner Sicht, dass auf der politischen Bühne genau diese Perspektive auch irgendwo greifbar und vielleicht sogar überhaupt erstmal bekannt wird, weil das, was ich so mitbekomme, zeigt jetzt nicht unbedingt vom Verständnis, dass auf der politischen Landes- oder Bundesebene sehr viele Personen unterwegs sind, die diesen Erkenntnishorizont schon teilen. Also ich habe zumindest was sowas betrifft, bisher auch gerade jetzt im Wahlkampf überhaupt noch nichts von Themen wie Transition Towns wahrgenommen. Das Maximum dessen, was dort irgendwo thematisiert wurde, war: Wir müssen uns dem Klimawandel stellen.

Und alle großen Volksparteien, das wissen wir ja selber, haben in ihren Wahlprogrammen jetzt nichts Bahnbrechendes vorlegen können, was in irgendeiner Art und Weise mit dem Pariser Klimaziel der 1,5 Grad Grenze irgendwo kompatibel wäre. Das ist natürlich schon sehr, sehr erschreckend. Und ich kann mir vorstellen, dass, wenn in der breiten Bevölkerung viel, viel mehr Menschen sich bewusst werden, dass hier eine grundlegende Veränderung stattfinden muss und diese breite Mehrheit auch forciert das Gespräch mit politischen Vertreter·innen sucht, dass da dann auch die politische Bühne sich inhaltlich verändert, wenn auch der Druck von der Straße, nenne ich ihn jetzt mal, spürbar wird und nicht ausschließlich über Freitagsdemonstrationen, sondern auch über immer wieder durchgeführte und zielgerichtete Thematisierung mit entsprechenden Volksvertreter·innen.

Stefanie Ja, und ich denke auch, dass da ganz viel passieren kann, wenn du hier durch kleinere Initiativen oder meinetwegen auch größere Initiativen schon Dinge umsetzt. Also wenn du einfach zeigst, dass es geht, dass es Möglichkeiten gibt, etwas zu tun, also wie zum Beispiel jetzt hier bei uns Transition Town Bergedorf, die relativ klein sind, aber es geschafft haben, ein kleineres Kontingent an kostenlosen Lastenräder zur Verfügung zu stellen, was jetzt vielleicht winzig klingt als Projekt, aber was ich als ein sehr bemerkenswertes Projekt sehe, denn da haben sicherlich viele dagegen gesagt, dass das doch nichts bringt, denn Stadtrad, was hier in Hamburg auch stark vertreten ist, stellt auch Lastenräder zur Verfügung, die aber nicht kostenlos sind - muss man ja dazu sagen. Und bestimmt gab es ganz viel Gegenwind, bis dieses Projekt dann tatsächlich starten konnte. Und ich finde es bemerkenswert, dass so eine kleine Gruppe so etwas umsetzen kann und das Projekt auch immer weiter ausbaut. Es kommen immer wieder neue Lastenräder dazu.

Wir nutzen das Angebot ja auch und ich denke, das ist auch etwas, was den sozialen Aspekt dann noch berücksichtigt. Denn hier ist die Barriere relativ gering um dieses Lastenrad auszuleihen und du musst nichts dafür zahlen. Du musst einfach nur deinen Personalausweis vorzeigen und das war es . Das ist die einzige Sicherheit. Also du musst dich online anmelden. Das setzt dann natürlich schon voraus, dass du die Möglichkeit hast, dich irgendwie online anzumelden. Insofern ist es schon eine kleinere Hürde aus meiner Sicht. Aber letztlich sind es, aus meiner Sicht, genau diese Projekte, die jetzt Veränderungen anstoßen. Es sind kleine Projekte und davon ganz viele.

Und wenn du dich umschaust in deiner Umgebung, wirst du sicherlich auch viele kleine Projekte finden. Und das ist genau das, dass du als Einzelperson doch die Kraft hast, da etwas anzustoßen. Wenn es dann gehaltvoll sein soll und immer noch etwas mehr bewirken soll, dann braucht es die Gruppe. Denn du musst ja auch gut auf dich achten und das kann auch gut sein, dass du dich so sehr reinhängst, dass du dann ausbrennst und das ist nicht Sinn der Sache. Und da ist es wichtig, dass du Menschen hast, die dann für dich übernehmen und du dich da auch austauschen kannst und nicht all deine Energie da verbrennst. Aber es sind letztlich Einzelpersonen, Privatpersonen, sei es in Gruppe oder allein, die da etwas bewirken können. Und das will ich jetzt einfach noch mal sagen. Also als Klammer um das, was wir jetzt gesagt haben.

Der Wandel ist da, wir müssen uns verändern, wir müssen unsere Gesellschaft verändern, wir müssen unseren Alltag verändern. Und wir können nur da etwas bewirken, wo wir auch Einfluss haben. Und das ist die Frage: Wo hast du Einfluss, wo kannst du etwas bewirken? Was ist dein Gebiet? Was kannst du tun? Wenn du das Gefühl hast, du kannst auf politischer Ebene nichts bewirken, dann hast du vielleicht woanders eine Möglichkeit. Die meisten Menschen können auf jeden Fall was in ihrem eigenen Haushalt bewirken und deswegen fangen die meisten dort an und das ist auch wichtig zu überlegen, wie können wir in Zukunft leben, wie können wir das alles anders denken und gemeinsam lässt es sich da einfach leichter denken.

Und gemeinsam lassen sich da leichter Fantasien entwickeln und auch in die Tat umsetzen und ausprobieren. Wie gesagt, es geht auch ums Ausprobieren, nicht darum, die ideale Lösung zu finden. Vielleicht probierst du etwas aus und wirst herausfinden, dass es nicht funktioniert und nicht praktikabel ist oder nur für einen kleinen Zeitraum. Und das ist dann völlig okay. Das ist völlig in Ordnung. Dann machst du was anderes. Aber letztlich wenigstens den Schritt zu gehen, das auszuprobieren und nicht zu sagen, na ja, es wird eh nichts und erstmal müssen die großen Energieriesen ran und dann kann ich was ändern.

Die müssen auch was tun. Auf jeden Fall. Das ist ja nicht entweder oder, sondern das ist ein und. Es ist ein großer, gewaltiger Akt. Und letztlich wird sich dein Leben ändern, egal ob du jetzt was tust oder nicht. Dein Leben wird sich in den nächsten 10, 20, 30 Jahren radikal ändern. Und du hast es jetzt noch in der Hand, selber die Richtung so ein bisschen mitzubestimmen und selber so ein paar Vorkehrungen zu treffen zu überlegen. Möchtest du eher in die Richtung gehen oder in die Richtung?

Wirst du dir ein Floß bauen oder wirst du einfach darauf hoffen, dass irgendetwas vorbei geschwommen kommt, an dem du dich festhalten kannst? Jetzt bildlich gesprochen gesprochen - ich gehe nicht davon aus, dass wir alle untergehen und es eine große Überschwemmung gibt. Und dann kommt die Arche oder so. Das ist jetzt nicht meine Zukunftsphantasie, sondern das sollte ein Bild sein, um zu überlegen, was wirst du tun? Wirst du aktiv handeln oder passiv abwarten? Und ich bin eher so der Mensch, der aktiv handelt und deswegen die Einladung, phantasievoll zu sein und aktiv zu werden.

Carsten Mit dem Gedanken, das Ganze irgendwie auch spielerisch anzugehen oder als Experiment hattest du gesagt. Das zu begreifen finde ich extrem extrem extrem wichtig, weil ich glaube, dass genau darin eine Schlüsselkomponente liegt bei allen Menschen, die bisher noch nicht in die Veränderung gehen wollen. Für mich ist es eine Trägheit, die dazu führt, dass die Leute jetzt nur abwarten. Und ich glaube, diese Trägheit und dieses Abwarten kommt daher, weil man noch immer irgendwo die Hoffnung hat, da kommt irgendjemand auf der politischen oder auf der wirtschaftlichen Ebene und präsentiert die Lösung so ein bisschen wie: Ich hoffe jetzt auf den Messias. So klingt das vielleicht...

Stefanie Ich muss da mal kurz eingrätschen und was ergänzen, denn also nur als Beispiel - behalte deinen Gedanken im Kopf, ja? - Das hatte ich in irgendeiner Sendung gesehen. Ich gucke mir viele Sachen an, um da rauszufiltern, ob ich was für meine Kurse brauchen kann. Eine ReisebüroLeiterin, die sagte, sie verzichtet nicht aufs Fliegen, weil sie davon ausgeht, dass die Technik schon was erfinden wird, womit das Fliegen nachhaltig wird.

Carsten Genau. Genau. Ich will einfach sagen Vorsicht! Ich bin da der festen Überzeugung und ich schließe mich dort auch Harald Welzer an, den wir öfters schon in diesem Podcast zitiert haben, dass es gar nicht DIE Lösung gibt. Wir wissen nicht, wie wir dieses grundlegende Problem, vor dem wir als Menschheit stehen, lösen können. Und deswegen ist es wichtig, unterschiedlichste Lösungen auszuprobieren. Wir haben gar keine andere Wahl als zu experimentieren. Und Experimente haben durchaus den Charakter, dass sie auch scheitern können. Aber es geht hier gar nicht um die Experimente, die irgendwie scheitern können. Es geht um die Experimente, aus denen wir genügend positive Energie oder auch Erfahrung generieren können und natürlich auch die Experimente, die gelingen. Und wir müssen es vielfältig angehen. Es gibt nicht die eine oder die zwei oder die zehn Lösungen.

Es muss divers sein, denn das, was bei uns jetzt hier in Hamburg funktioniert, wird vielleicht schon in Berlin nicht funktionieren, wird vielleicht auf dem Land nicht funktionieren und wird schon gar nicht irgendwo im globalen Süden im Amazonasgebiet funktionieren können, sondern es gilt einfach die unterschiedlichsten Experimente durchzuführen. Und auch da wieder Harald Welzer, den ich da wieder zitiere, das, was wir im Moment machen, die Art und Weise, wie wir im Moment Wirtschaft und Gesellschaft betreiben, ist auch ein Experiment, allerdings ein Experiment, dessen Ergebnis schon feststeht. Und dieses Ergebnis wird negativ sein.

Also wir müssen zwangsläufig scheitern, weil das Experiment, was wir im Moment erfahren, in einer endlichen Welt unendliches Wirtschaftswachstum zu forcieren, wird einfach vom Mathematischen her, vom Stofflichen her nicht funktionieren. Da ist einfach Physik davor und Physik kann ich nicht wegdebattieren. Also Physik lässt sich politisch nicht lösen, da kann ich noch so viel keine Ahnung was für Parteien wählen, aber es ist Physik. Und dementsprechend, wenn wir schon experimentieren müssen, dann würde ich doch vielleicht zu Experimenten anregen, wo ich weiß, ja, die können gelingen, die können aber auch scheitern und nicht an einem Experiment festhalten, von dem ich von vornherein weiß, das ist zum Scheitern verurteilt.

Stefanie Und wenn du jetzt die ganze Zeit Harald Welzer zitierst, muss ich jetzt einmal noch mal Rob Hopkins zitieren. Ich lese gerade sein aktuelles Buch „Stell dir vor“. Das heißt im Englischen eigentlich „What if“ oder „From what if to what next“. Und die deutsche Übersetzung hat den Titel gewählt: „Stell dir vor, mit Mut und Phantasie die Welt verändern.“ Und letztlich ist es genau das, was wir brauchen. Wir brauchen mutige Menschen, die fantasievoll sich etwas vorstellen, wie wir aus dieser Misere hier noch rauskommen und wie wir anders leben könnten. Das ist jetzt nicht mehr die Zeit der Hoffnung, darauf zu hoffen, dass irgendwer irgendwo schon eine Lösung finden wird, sondern es ist jetzt Zeit zu handeln. Es ist Zeit, mutig zu sein. Und das ist etwas, wozu ich dich auch einladen möchte, mutig zu sein.

Ich weiß, dass wir alle unterschiedlich sind und unterschiedliche Temperamente und Charaktere haben und dass wir durchaus auch introvertierte Zuhörer·innen haben. Vielleicht auch Menschen, die einfach nicht so gern unter Menschen sind. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle mutig sein können. Und Mut, das kennen wir ja von Brené Brown, Mut setzt immer Angst voraus. Ohne Angst kein Mut. Und da ist es ganz natürlich, wenn du ein mulmiges Gefühl erstmal hast, bevor du dann deinen Mut zusammenkratzt und etwas tust, was du dir vorher vielleicht gar nicht vorstellen konntest. Und vielleicht findest du ja für dich einen Weg, wie du mutig sein kannst und wie du auch mit anderen Menschen zusammen dir vorstellen kannst, wie eine andere Welt machbar sein kann und dass dann im Kleinen schon angefangen in deinem Alltag.

Wie könnte dein Alltag nachhaltiger sein? Wie könntest du in deiner Nachbarschaft Nachhaltigkeit etablieren? Wie könnten wir, wie könntest du, wie könnte deine Gemeinschaft anders leben? Wie würde das Leben aussehen? Was könntet ihr tun? Und da geht es, wie gesagt, nicht darum, darauf zu hoffen, dass irgendwie eine Technik das schon alles richten wird, sondern mutig zu sein und fantasievoll darauf zu vertrauen, dass die Vorstellungskraft, das, was dich beflügeln kann, auch zu den Ideen führen kann, die ein Leben gestalten, einen neuen Alltag gestalten, der nicht unseren Planeten zerstört.

Das neue Buch von Rob Hopkins werde ich auch bald rezensieren. Ich habe das noch nicht ganz durchgelesen. Ich habe das kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen vom Verlag zu Rezensionszwecken. Und nachdem Carsten es dann auch noch gelesen hat, werde ich es auf jeden Fall auch wieder verlosen. Wie genau, werde ich dir noch erzählen. Ist auf jeden Fall ein sehr lesenswertes Buch. Kann ich also wirklich jetzt schon nur empfehlen. Und auch den Podcast von Rob Hopkins, der allerdings auf Englisch ist, „From what if to what next“, der quasi das Buch begleitet, den kann ich auch sehr empfehlen. Hatte ich jetzt ja schon öfter mal angesprochen. Falls du da noch nicht reingehört hast und Englisch für dich kein Problem ist: Es ist wirklich eine ganz, ganz klare Hörempfehlung, denn da wird auch deine Fantasie wieder mehr beflügelt.

Also zusammenfassend: auch wenn wir als Privathaushalte nur einen kleinen Anteil an dem ganzen Problem haben, ist es trotzdem sinnvoll anzufangen und schon mal zu überlegen, wie wir denn anders leben können, nachhaltiger leben können und das auch schon durchzuführen und zu erproben, so weit es geht, soweit es uns möglich ist, um neue Verhaltensweisen einzuüben und das fantasievoll experimentell auszuprobieren und das Ganze spielerisch anzugehen.

Wenn du magst, teile da deine Erfahrungen gerne mit uns im Clan oder schreib eine Email an post@vonherzenvegan.de. Und bevor Carsten jetzt auch mal wieder zu Wort kommt, möchte ich mich auch noch ganz herzlich bei allen Steady Unterstützer·innen bedanken für die finanzielle Unterstützung. Ganz herzlichen Dank.

Carsten Ich auch, Danke! In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 240 - Ich könnte niemals auf ... verzichten!

Ein Beitrag

Folge 240 - Ich könnte niemals auf ... verzichten!

Verzicht hat viele Facetten. Und gerade hinsichtlich der aktuellen politischen Diskussionen in Bezug auf den Umgang mit der Klimakrise wird gerne mal die Verzichtsthematik ins Spiel gebracht. Und nicht zuletzt: Welche(r) Veganer/in kennt sie nicht, die Argumente a la "Ich könnte ja nie auf Fleisch/Eier/Milch/etc. verzichten"?

Doch was den meisten von uns gar nicht bewusst ist: Wir leben bereits in einer Verzichtsgesellschaft. Stefanie und ich sprechen in dieser Folge über all die Dinge, auf welche wir bereits heute als Individuum, aber vor allem als Gesellschaft stillschweigend und bereitwillig verzichten.

Links zur Folge

Das Interview mit Carsten von "Gans normal vegan"
https://youtu.be/IhNzklryxt8

Buch "Ökofeminismus" von Vandana Shiva und Maria Mies
https://www.buch7.de/produkt/oekofeminismus-maria-mies/1028209001?ean=9783945959152

Meine neue Webseite zum Schwerpunkt Nachhaltigkeit
https://stefanie-rueckert.de

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Stefanie Bevor wir jetzt mit dieser Folge starten, möchte ich darauf hinweisen, dass ich von Carsten interviewt wurde.

Carsten Nicht von mir.

Stefanie Oh, mein Gott. Nicht von (lacht) Er wird aber auch mit C geschrieben.

Carsten Ich auch.

Stefanie (lacht) Darum habe ich wohl „auch“ gesagt. Also von Carsten mit seinem YouTube Channel „Gans normal vegan“, Gans wie die schnatternde Gans, und nicht ganz mit Z. Also Gans mit S. Und Carsten, nicht der, der neben mir sitzt, sondern der Carsten, der mich interviewt hat, ist auf mich aufmerksam geworden über die Milchgeschichten, was ich ja sehr schön fand, denn ich meine, ich habe das vor, ja, 2018, das ist jetzt schon ein paar Jahre her, habe ich das Projekt, den Podcast abgeschlossen, und ich finde es einfach schön, dass er immer noch immer wieder gehört wird und so eine Begeisterung ausgelöst hat, dass Carsten von Gans normal vegan da mich interviewt hat. Und dieses Interview ist dann auch gleich mal anderthalb Stunden lang geworden (lacht). Also wenn du Lust hast, hör doch mal rein, und ich verlinke das natürlich hier unter der Folge. Und Carsten, also nicht dieser Carsten neben mir, sondern der andere Carsten hat auch ganz viele tolle andere Menschen schon interviewt. Das Interview vor mir ist zum Beispiel von Hartmut Kiefert, und da sind ganz viele spannende, inspirierende Gespräche auf diesem YouTube Channel. Also hör da auf jeden Fall mal rein, und wenn du Lust hast, hör dir natürlich auch gerne das Interview mit mir an. Und jetzt geht es los mit dieser Folge. Jingle, Jingle, Jingle. Jede Veganerin und jeder Veganer kennt wahrscheinlich diesen Ausspruch, diese Aussage „Ich könnte niemals auf XY füge Lebensmittel ein verzichten“ also auf Käse oder auf Fleisch oder auf irgendetwas Tierliches. Und das hast du bestimmt, wenn du vegan lebst oder wenn du gerade dabei bist, vegan zu leben in diese Richtung gehst, auch schon öfter gehört. Und natürlich ist es am Anfang auch so, ich hatte das ja auch, ich habe auch gedacht Oh Gott, ich kann niemals auf Käse verzichten. Dass du diese Gedanken hast. Und es ist auf jeden Fall auch eine Umstellung. Das kann man nicht schönreden. Auf jeden Fall musst du erst mal deine Ernährung einmal komplett umstellen und dir überlegen, was es für Alternativen gibt. Und deswegen fühlt es sich halt an wie Verzicht.

Carsten Ja, ich konnte mir auch lange Zeit überhaupt nicht vorstellen, auf Käse und Käseprodukte zu verzichten, weil das damals, bevor ich tatsächlich vegan geworden bin, meine primäre Proteinquelle war. Und ich war noch sehr fitnessaffin und wollte unbedingt irgendwie Muskelmasse erhalten. Und das ging halt meiner Einschätzung nach tatsächlich nur über den Konsum von irrsinnigen Mengen an Milchprodukten.

Stefanie Ja, wobei das bei dir ja nicht um den Geschmack ging, weil den meisten geht es ja um den Geschmack, und dir ist ja Geschmack egal, deswegen (lacht)

Carsten War das egal. Es ging nur um die Menge.

Stefanie Ja, bei dir geht es ja um die Gesundheit. Aber bei vielen oder sag ich mal den meisten, die jetzt sagen, ich könnte niemals auf XY verzichten, geht es darum, dass es halt so gut schmeckt und dass ein Ersatz dafür zu finden halt schwierig ist. Und ja, wir leben ja jetzt bald schon sieben Jahre vegan, und deswegen ist es für uns halt nicht mehr so die Hürde, sage ich mal, dass wir das Gefühl haben, wir müssen jetzt den einen Geschmack durch einen anderen ersetzen, sondern dass sich einfach da ein neues Universum eröffnet hat von Geschmäckern und Möglichkeiten, was für uns schon selbstverständlich geworden ist.

Carsten Das war eigentlich eine sehr schöne Ablenkung, um es mal so zu sagen. Also ja, das war tatsächlich so, so der erste Eindruck, tatsächlich im Reformhaus festzustellen, also bei uns waren es konkret Brotaufstriche, die Frage, was kommt denn dann alternativ aufs Brot? Da festzustellen“ Oh Gott, es gibt so gefühlt unendliche Varianten an Brotaufstrichen“, die waren natürlich auch ein bisschen teuer. Mittlerweile machen wir sie selbst. Aber damals in der Umstellungsphase hat uns allein so diese Erfahrung maßgeblich auch geholfen, da rein zu kommen und auch andere Geschmäcker kennenzulernen. Und dann war es tatsächlich irgendwie nicht mehr so der geschmackliche Verzicht, sondern eigentlich mehr das Eintreten in eine neue kulinarische Welt.

Stefanie Ja, es ist auf jeden Fall eine Umstellungsphase und das geht wahrscheinlich den meisten Veganer:innen so, dass sie am Anfang einige Wochen, Monate, vielleicht sogar teilweise Jahre darauf verwenden, für sich eine neue Ernährungsweise zusammenzustellen und die passenden Lebensmittel zu finden, die geschmacklich eben auch passen. Es kann ja nicht jeder so sein wie Carsten und sagen: Es ist egal, ob es schmeckt, Hauptsache es ist gesund.

Carsten Hauptsache gesund, genau.

Stefanie (lacht) Und deswegen denke ich, spreche ich für die Mehrheit der Menschen, die nicht so denkt.

Carsten Die nicht so einen Spleen haben, meinst du?

Stefanie Dass es da vielleicht ein bisschen länger dauern kann. Und ich empfehle da auch wirklich noch mal tief durchzuatmen und da nicht perfekt sein zu wollen, sondern dann langsam im eigenen Tempo diesen Weg zu gehen. Vielleicht schaffst du das, sofort alles umzustellen und alles passt. Aber vielleicht hast du eben auch andere Umstände in deinem Leben und die sind dann einfach so, dass du das eben nicht sofort schaffst. Und da dann geduldig mit dir selbst zu sein, liebevoll und nachsichtig, das ist auf jeden Fall ein Weg, wie du da vorangehen kannst. Allerdings ist der Punkt, wenn du diesen Schritt schon gemacht hast, vegan zu leben, also dich entschieden hast, vegan zu leben, dann eher schon überschritten, dass du nicht mehr so sehr darüber nachdenkst, auf was du alles verzichten musst. Denn meist ist ja dieser Gedanke „Ah, ich könnte niemals auf XY verzichten“ das, was dich davon abhält, letztlich vegan zu leben.

Und wir, Carsten und ich, haben einfach die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich gar nicht so sehr darum geht, über diesen Verzicht zu reden, weil es einen halt davon abhält, sondern über das zu sprechen, was wir gewinnen können und was dann an Positiven da auf uns wartet. Und das war zum einen eben diese neue kulinarische Welt, was wir alles neu entdeckt haben. Zum anderen sind das aber auch noch einige Punkte, die viel tiefer gehen und die uns vielleicht gar nicht so bewusst sind, weil wir damit aufgewachsen sind, auf was wir eigentlich, wenn wir eben nicht vegan leben, schon alles verzichten. Und letztlich ist es so wie bei so vielem, was Carsten und mir jetzt so in den letzten Jahren passiert ist, dass wir immer und immer wieder neue Dinge entdecken und eben auch neue Sichtweisen. Und dadurch, wenn du ja in einer Kultur aufwächst, in einer Gesellschaft aufwächst und das alles nicht in Frage stellst, was da passiert, ist es für dich ja dein Normal dann, deine Realität, dein Normalnull hätte ich jetzt schon fast gesagt, aber jedenfalls deine Normalität. Und da mal dahinter zu schauen und sich nicht so davon irritieren zu lassen, dass Menschen, die vielleicht auch nicht vegan leben wollen oder die sich das eben nicht vorstellen können, vegan zu leben, dass diese Menschen freiwillig auch schon auf so viele Dinge verzichten, die eigentlich gut für uns wären und die unser Leben so viel lebenswerter machen würden. Dass diese Menschen von Verzicht sprechen, wenn es um vegane Lebensweise geht, obwohl sie selbst halt schon auf so viele Dinge verzichten. Und über diese Dinge, auf die sie so schon verzichten und wir natürlich auch verzichtet haben und teilweise auch immer noch verzichten, zwangsläufig durch die Gesellschaft geschuldet, darüber wollen wir jetzt sprechen.

Carsten und ich haben da im Vorfeld einige Dinge zusammengetragen, Stichpunkte, worüber wir sprechen wollen. Und wir versuchen das jetzt so ein bisschen zu strukturieren. Und ich möchte zu Beginn eine ganz kleine Passage aus dem Buch „Ökofeminismus“ von Maria Mies und Vandana Shiva vorlesen. Das ist ein Buch aus dem Jahr 1993, also schon ein bisschen älter, aber immer noch hochaktuell. Ich habe das immer noch nicht ausgelesen. Es ist also sehr akademisch geschrieben, sage ich jetzt mal, nicht so wie die neueren Bücher von Vandana Shiva. Da finde ich, schreibt sie das ja so, dass ich das besser lesen kann. Jedenfalls, das hier liest sich halt so wie ein Studientext, was es ja auch sein soll. Hier steht auch „Beiträge zur Praxis und Theorie“. Also von daher ja, Maria Mies und Vandana Shiva haben jeweils abwechselnd Beiträge geschrieben. Und ich lese jetzt hier einen kleinen Teil davon vor. Also das Buch strotzt so von Dingen. Eigentlich müsste ich das ganze Buch vorlesen, weil das alles sehr sinnvoll ist, sich das durchzulesen. Und wenn ich das Buch komplett gelesen habe, werde ich es auch noch mal rezensieren. Aber das hier, finde ich, ist eine ganz gute Einleitung, um, damit wir jetzt gleich einmal diskutieren können.

Zitat Anfang: „Bisher habe ich nur von den sozialen und psychischen Kosten gesprochen, die die Menschen in den Industrieländern für ihren Wohlstand zu zahlen haben. Über diese Kosten ist auch früher schon viel geschrieben worden. Man sprach von psychisch-sozialem Elend inmitten von materiellem Reichtum. Die Industriekatastrophen, Seveso, Tschernobyl, die Rheinvergiftungen, das Waldsterben, das Ozonloch, der Sommersmog lehren uns aber, dass es nicht nur immaterielle Kosten sind, die die Menschen für den stets steigenden Lebensstandard zu zahlen haben, sondern auch ganz materielle. Was der Natur angetan wird, fällt nun auch auf die Menschen in den Industrieländern zurück. Und plötzlich stellen wir fest, wir leben nicht nur in einem Zustand zunehmend psychisch-sozialer Verelendung, sondern auch in einem Zustand des akuten materiellen Mangels. Wir haben buchstäblich Mangel am Lebensnotwendigen, an guter Luft, sauberem Wasser unverdorbener Nahrung, Ruhe, einen Raum für Kinder und für uns selbst. Damit ist aber auch die Lebenslüge, dass stets steigender Wohlstand gutes Leben bedeutet, an ihr Ende gekommen. Wer dauerndes Wachstum und stets steigenden Lebensstandard will, bezahlt dafür buchstäblich mit seinem eigenen Leben. Wie Trainer nachweist, gibt es in den USA inzwischen einen umgekehrten Zusammenhang zwischen wachsendem Bruttosozialprodukt und der Lebensqualität. Nach Untersuchungen in den USA ist die Lebensqualität heute schlechter als 1970. Man könnte sogar sagen: Je höher das Bruttosozialprodukt, umso geringer die Lebensqualität. Es ist nicht mehr möglich, auch nicht durch Externalisierung der Kosten, den Kuchen gleichzeitig zu essen und zu behalten. Wem dies klar geworden ist, kann getrost jene Lebenslüge aufgeben, nicht nur aus Solidarität mit der Dritten Welt, nicht nur aus Verantwortungsgefühl für die Natur, die Kinder und die zukünftigen Generationen, sondern auch aus Liebe zu sich selbst und zum Leben.“ Zitat Ende.

Und das ist eben jetzt 1993. Es ist nicht jetzt, 2021, sondern tatsächlich vor fast 30 Jahren geschrieben worden. Und es hat sich seitdem eigentlich nur verschlechtert und nicht verbessert.

Carsten Ja, und vor allen Dingen wiederholt sich ja das, was dort ja schon von Maria Mies gesagt oder geschrieben wurde. Also wenn das Thema jetzt Ruhe und also, dass Spielfläche für Kinder oder so was, Harald Welzer hat so was ja vor gar nicht allzu langer Zeit ja auch noch mal klargestellt, dass wir heute aufgrund unseres Mobilitätsdranges ja auch auf so einiges verzichten. Wir als Individuum, aber auch wir als Gesellschaft. Und zwar genau auf diese Themen. Also Ruhe, Ruhe in den Städten, Ruhe auf den Wegen, dass wir, wenn wir heute nach draußen gehen, eigentlich schon gar nicht mehr immer in der Lage sind, die Vögel, die Natur zu hören, sondern vornehmlich erst mal den Verkehr. Und dass wir auch darauf verzichten, saubere Luft in den Städten zu haben durch die Abgasbelastung, dass wir darauf verzichten, sichere Wege zu haben. Also, es ist in Städten völlig undenkbar, die Kinder nach draußen zum Spielen zu schicken.

Stefanie Oder auch nur mit dem Fahrrad.

Carsten Es sei denn, es sind eingepferchte Habitate, wo die Kinder sich aufhalten können. Also ich verzichte auf einen Großteil an Sicherheit, und das machen wir ja freiwillig aufgrund unserer Bequemlichkeit. Es kommt uns nur nicht als Verzicht vor, aber es ist tatsächlich, dass wir verzichten.

Stefanie Und das Auto war ja eben auch nicht schon immer da, wenn wir jetzt mal eben beim Auto bleiben, weil du damit angefangen hast. Du hast damit angefangen (lacht), aber weil du damit begonnen hast, na egal. Egal wie ich es sage, es hört sich immer wie so ein Vorwurf an, du hast es aber. Also wenn wir dabei bleiben, ist das Auto ja erst seit, sagen wir mal 100 Jahren in unseren öffentlichen Raum getreten und dominiert auch seitdem erst den öffentlichen Raum und hat die Menschen von den Straßen verdrängt, die Fußgänger:innen und dann spielende Kinder und Fahrradfahrer:innen. Und das ist ja eben etwas, wo auch viele immer wieder sagen, also ich merke es halt wieder und wieder in meinen Kursen, die ich gebe und in den Bildungsurlauben usw., dass, wenn wir da über das Thema Mobilität sprechen, dass das Auto Gesetz ist. Also so wie, wie kann ich denn anders mich fortbewegen als mit dem Auto. Das kann doch gar nicht gehen, das ist doch total unbequem usw. Aber das ist das gleiche wie mit dem Milch trinken und dem Essen und alles was du, immer wieder und immer wieder kommen wir an den Punkt, dass es Menschen gibt, die sagen, das haben wir schon immer so getan und deswegen ist es okay, das weiterhin zu tun. Und ich finde, gerade beim Auto siehst du halt: Nein, 100 Jahre ist nicht schon immer so, das war einfach nicht schon immer so, sondern das ist halt etwas, was uns anerzogen wurde, und da dann auch wieder durch Werbung und durch mächtige Menschen, also jetzt beim Auto, die dann den öffentlichen Nahverkehr da zerstört haben zugunsten des Autos. Und das ist, das ist das eine.

Aber worüber wir ja jetzt sprechen wollen, ist ja tatsächlich dieser Verzichtsgedanke, denn das ist auch was, worüber ich vorher, bevor ich da mit der Nase drauf gestoßen wurde, auch nicht nachgedacht habe, dass wir ja automatisch auf gute Luft verzichten. Und bei der Luft habe ich hier noch so ein paar Zahlen herausgesucht. Und zwar war 2019 verschmutzte Luft weltweit schätzungsweise für fast 12 % aller Todesfälle verantwortlich. Das finde ich schon ziemlich krass. Das ist halt auch wieder etwas, worüber wir nicht nachdenken. Und ich habe hier noch so ein paar Fakten von Feinstaub, also wie Feinstaub sich auf unseren Körper auswirkt, die ich jetzt einfach mal kurz vorlesen würde. Und zwar aufs Gehirn insofern, als dass Langzeitexposition gegenüber Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid zum Abbau kognitiver Fähigkeiten führen kann und das Risiko für Alzheimer erhöht. Beim Nervensystem ist es so, dass Luftverschmutzung mit neurologischen Entwicklungsstörungen und Todesfällen durch Parkinson in Verbindung gebracht wird. Außerdem erhöhen Luftschadstoffe das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall und Blutgerinseln zu sterben. Verschmutzte Luft kann die Atemwege reizen und Kurzatmigkeit, Husten, Asthma und Lungenkrebs hervorrufen. Zudem erhöht sie das Risiko für die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD. Feinstaub greift in das Hormonsystem ein und trägt zur Entwicklung von Stoffwechselerkrankungen wie Fettleibigkeit und Diabetes bei. Langzeitbelastung mit Feinstaub geht mit einer größeren Wahrscheinlichkeit von chronischen Nierenerkrankungen einher. Luftverschmutzung steht in Zusammenhang mit verminderter Fruchtbarkeit, pränataler Exposition, kann Frühgeburten, geringes Geburtsgewicht und Atemwegserkrankungen zur Folge haben. Und das sind für mich zumindest alles Dinge, über die ich vorher nie nachgedacht habe. Für mich war das halt selbstverständlich, Autos fahren hier herum, das ist ganz normal. Aber was die da an Schmutz in die Luft entlassen, und wie der Schmutz sich auf meinen Körper auswirken kann, darüber habe ich nie nachgedacht.

Carsten Nein, auf die Auswirkungen habe ich auch nie geschaut. Das war mir auch nicht so bewusst. So latent dreckige Luft ist halt per se schlecht, will ich nicht. Dass ich davon krank werde, war mir auch schon bewusst. Und dass das natürlich dann in Städten aufgrund der geballten Autodichte noch mal so im Vordergrund steht oder da vor allem zum Tragen kommt, das war mir schon bewusst. Was ich aber bei dieser Betrachtung wirklich mit Erstaunen und Erschrecken wahrgenommen habe, war die Verteilung, dass die Schadstoffbelastung sich tatsächlich in so einem reich-arm Gefälle widerspiegelt. Das heißt also, die tatsächlich höchsten Schadstoffbelastungen in der Luft liegen in den ärmeren Ländern, und interessanterweise auch in den Ländern, die für uns quasi die verlängerte Werkbank machen, also Asien, da, wo ja teilweise so Olympische Spiele oder irgendwelche Sportveranstaltungen gefährdet waren, weil die Luftverschmutzung zu hoch war und der chinesische Staat dann ganze Regionen einfach mal abgeschaltet hat, damit keine Luftverschmutzung mehr aufkommt. Das ist ja vor einigen Jahren auch massiv in den Medien gewesen. Das habe ich damals nie so wahrgenommen. Aber das passiert ja deswegen, weil wir hier in den reichen Industrieländern bestimmte Produkte abfragen oder abfordern. Die sollen billig sein, und die werden in Asien gefertigt. Das fängt da bei Textilien an bis hin zu komplexer Elektronik. Es ist die komplette Lieferkette, die mittlerweile davon abhängig ist, dass wir im internationalen Bereich einfach unsere Produktionsstätten ausgelagert haben. Und dementsprechend verlagern wir ja auch die entsprechende Schadstoffbelastung hin. Und das finde ich einfach erschreckend, und das müssten wir uns einfach vergegenwärtigen, dass unser Konsum ja nicht nur unsere eigene Gesundheit gefährdet, sondern in zunehmendem Maße ja heute auch schon die Gesundheit von all den Millionen und Milliarden Menschen, die für uns arbeiten dürfen, müssen.

Stefanie Ja, und da, gerade wie du das jetzt sagtest, geht es halt nicht nur um Kfz, also nicht nur um den Verkehr, der diesen Feinstaub verursacht, sondern auch um Waldbrände, dass Regenwälder abgebrannt werden, oder generell vielleicht eben durch die Dürre Brände entstehen, aber auch, dass Müll verbrannt wird. Das ist ja gerade in Bangladesch zum Beispiel ein Problem. Wir hatten ja diesen Film geguckt mit den vier Mädchen, die da in verschiedenen Ländern auf verschiedenen Kontinenten versuchen, gegen den Klimawandel anzugehen. Und ich meine, das eine Mädchen war auch aus Bangladesch, die da gerade sagte, dass sie hier den Müll, also da ging es glaube ich nicht um Müllverbrennung, sondern um Müll generell, aber letztlich halt, dass unterschiedlichste Dinge verbrannt werden und deswegen eben Feinstaubpartikel in der Luft landen. Und da eben auch wieder diese Ungerechtigkeit zwischen Nord und Süd, globaler Norden, globaler Süden.

Carsten, Das ist ja nicht deren persönlicher Müll, der dort verbrannt wird, sondern ganz einfach der verschiffte Müll, den wir in den Industriestaaten einfach mal verkaufen.

Stefanie Ja genau, genau. Also da aber jetzt noch mal, weil wir jetzt gerade beim Thema Verzicht sind, also sicherlich ist das etwas, worüber wir natürlich lange diskutieren können noch und uns auch aufregen, ist das aber eben ein Punkt von vielen Punkten. Worauf wir halt freiwillig verzichten, nämlich saubere Luft und einen gesunden Körper eben, in dem Fall auf saubere Luft. Und was Carsten gerade sagte, auch auf Ruhe. Die Lärmbelastung ist nämlich auch ziemlich hoch. Und da vielleicht noch mal eine Zahl. In 2017 fühlten sich 10,89 Millionen Menschen in Deutschland in ihrer Nachtruhe gestört durch Verkehrslärm. Wir können das ja sehr gut nachvollziehen. Dadurch, dass wir umgezogen sind und wir das so ziemlich unterschätzt haben hier mit der Straße, wie anstrengend Verkehrslärm sein kann. Hier fahren Busse durch, und Autos, und hier ist ein Zubringer zur Autobahn. Nicht direkt, also ist noch ein Stückchen bis zur Autobahn. Aber es gibt halt anscheinend hier doch einige Menschen, die hier von der Autobahn kommen oder zur Autobahn hinfahren. Und wie anstrengend das überhaupt ist, die ganze Zeit diesem Lärm ausgesetzt zu sein. Die Fenster sind einigermaßen gut isoliert, deswegen hörst du jetzt nicht alles so, aber wir schlafen eigentlich immer mit offenem Fenster, und das geht hier gar nicht. Also Lärmbelastung ist tatsächlich etwas, was dich ja auch psychisch halt stark belastet, was eben aber auch Gesundheit wieder bedeutet. Also wir verzichten freiwillig dann auf unsere Gesundheit, dadurch, dass wir so weitermachen wie bisher und der Verkehr einfach weiter fließt.

Carsten Ja, und darüber hinaus verzichten wir auch auf Grünanteil, Also gerade hier in Städten, wo ja sehr viel Asphaltfläche aufgebracht werden muss, um Mobilität leben zu können. Das sind natürlich alles Flächen, Straße, Parkplätze, Parkhäuser etc. pp. Die kann man natürlich auch irgendwie zumindest mal im Geiste anders umgestalten und viel grüner gestalten. Also wenn man sich dann vorstellt, dass man vielleicht in Zukunft keine PKWs mehr in den Städten haben möchte oder benötigt, kann man einen nicht beträchtlichen oder einen nicht unbeträchtlichen Teil dieser ganzen Fläche auch durchaus in Grünfläche wieder verwandeln, und dementsprechend ja auch einen Zugewinn an Ruhe, an Lebensqualität zu bekommen. Und Biodiversität, Artenvielfalt, das ist ja auch etwas, was, was uns jetzt auch im Sommer oder im Frühjahr aufgefallen ist, uns persönlich. Wir haben es hier relativ grün, und ab und an kommt dann auch mal ein Schmetterling vorbei, wo ich dann mal gedacht habe: Mensch, als Kind war es doch gefühlt ein bisschen mehr. Da gehörte der Schmetterling eigentlich zum Alltag, und nicht nur der eine Zitronenfalter, sondern das waren dann halt schon, keine Ahnung wie viele verschiedene Sorten. Also es ist schon in meiner persönlichen kurzen Lebensspanne ein massiver, massiver Verlust an Schmetterlingsvielfalt geworden. Und das sind ja gerade mal so Tiere, die ich gerade noch so bewusst wahrnehme. Und ich will nicht wissen, wie hoch der Anteil der kleineren Tiere ist, die ich noch nie so wirklich wahrgenommen habe. Und das ist tatsächlich etwas, da verzichten wir auch drauf.

Stefanie Auf Artenvielfalt, Biodiversität. Und ich möchte noch eine Sache sagen zum Thema Verkehr, wo ich dann halt auch immer wieder drüber diskutiere, ist, dass sich Menschen auf dem Fahrrad in unserem aktuellen Verkehr, sag ich mal, in der aktuellen Situation in der Stadt einfach unsicher fühlen. Also dass Menschen Angst haben, mit dem Fahrrad auf der Straße zu fahren oder auf dem Fahrradweg, weil unsere Städte einfach so gebaut sind, dass sie für das Auto gebaut werden. Nicht für den Menschen, sondern für das Auto. Und das ist ja dann auch was, worauf ich verzichte, nämlich auf Sicherheit. Und ich verzichte da drauf, dann auch entspannt von A nach B zu kommen. Denn wenn (lacht) wir beide mit dem Fahrrad unterwegs sind, also als wir noch in der vorigen Wohnung gewohnt haben und Carsten mit dem Fahrrad gependelt ist, hatte er regelmäßig mir von Aggressivitätsmomenten erzählt. Und das ist ja auch nicht lustig, wenn du mal vom LKW übersehen wirst. Und es ist auch nicht lustig, wenn dir ein Auto die Vorfahrt nimmt und alles. Und da bauen sich regelmäßig so Aggressivitätsmomente auf. Und das ist ja eben wie gesagt auch was, worauf wir verzichten, dass wir einfach entspannt Wege gehen oder fahren können.

Ja, Carsten hat jetzt gerade über Artenvielfalt und Biodiversität gesprochen und da gehört für mich auch der Boden dazu. Und auch, dass wir eben darauf verzichten, gesunde Lebensmittel aus gesunden Böden, die eben, also Lebensmittel, die nicht gentechnisch verändert sind, zu beziehen. Also gerade dadurch, dass wir quasi das industrielle, die industrielle Landwirtschaft als die konventionelle Landwirtschaft sehen, ist Bio ja zu etwas geworden, was sich nur eine Elite leisten kann. Dabei war das ja auch nicht schon immer so, das ist ja auch, wie gesagt, das ist für mich so was, was sich wiederholt und wiederholt und wiederholt. Und gerade dadurch, dass ich halt jetzt viel von Vandana Shiva lese. Das ist auch was, was dann mir immer und immer wieder so wie Schuppen von den Augen fällt. Quasi, dass ich denke, ja, konventionelle Landwirtschaft als konventionell zu bezeichnen, obwohl sie industrielle Landwirtschaft ist, ist überhaupt nicht in Ordnung. Wir sollten halt eigentlich die biologische Landwirtschaft als konventionelle Landwirtschaft ansehen, denn die industrielle Landwirtschaft kam ja erst mit der industriellen Revolution. Und dann mit den ganzen Industrieprodukten, die da mit dem Dünger und dem modifizierten Saatgut einfach in diesem Komplettpaket und den Chemikalien einfach so den Pestiziden und allem Drum und Dran zusammen, kam das ja erst zu uns und eben auch, als wir uns davon abgewandt haben, nur für uns zu wirtschaften und dann im großen Stil halt zu wirtschaften. Und wir verzichten ja tatsächlich dann da drauf, diese biologisch hergestellten Lebensmittel zu kaufen, weil wir einfach nicht das Geld dafür haben, weil wir, wenn wir in diesem Wirtschaftssystem verhaftet bleiben, nur die industrielle Landwirtschaft subventionieren und diese industrielle Landwirtschaft fördern und dadurch eben den Verlust an Bodengüte, den Verlust an Artenvielfalt usw. und so fort. Und dazu möchte ich noch mal einen Absatz aus dem Buch Ökofeminismus von Vandana Shiva und Maria Mies vorlesen. Diesmal ist es ein Text von Vandana Shiva und sie sagt,

Zitat: „In einem Buch über Hochertragssorten steht: Pflanzen sind die primäre landwirtschaftliche Fabrik, in der Samen die Maschinen und Düngemittel und Wasser der Brennstoff sind. Herbizide, Pestizide, Geräte, Kredite und technisches Know-how sind die Triebmittel, die den Output des Unternehmens vergrößern. Der Output der Pflanzenindustrie hängt direkt vom genetischen Potential der Samen ab, die Cash-Inputs sowie die Nicht-Cash-Inputs zu nutzen.“ Zitat Ende.

Quasi, weil Vandana Shiva zitiert eben hier aus diesem Buch über Hochertragssorten. Und sie schreibt dann weiter dazu, Zitat: „Moderne Pflanzenzucht ist in erster Linie der Versuch, das biologische Hindernis zu einem Saatgutmarkt aus dem Weg zu räumen, nämlich die dem Saatgut eigene Fähigkeit zur Fortpflanzung und Vermehrung. Saatgut, das sich selbst vermehrt, bleibt frei, eine allgemein zugängliche Ressource und nur unter der Kontrolle der Bäuerinnen und Bauern. Das Saatgut einer Firma hingegen kostet und wird von der Industrie oder von Agrarforschungseinrichtungen kontrolliert. Die Umwandlung eines kostenlosen Allgemeingutes in eine Handelsware, einer erneuerungsfähigen Ressource in ein bloßes Input ändert die Natur des Saatguts und der Landwirtschaft an und für sich. Kleinbauern und -bäuerinnen werden durch die neue Technologie ihrer Mittel zum Lebensunterhalt beraubt. Diese Technologie wird somit zum Instrument von Armut und Unterentwicklung. Die Aufteilung des Samens in eine Ressource und Getreidenahrung verändert auch dessen Status. Der Samen wird vom vollständigen, sich selbst erneuernden Produkt zum bloßen Rohmaterial für die Produktion einer Handelsware. Der Zyklus der Regeneration und Artenvielfalt wird ersetzt durch einen geradlinigen Strom von kostenlosem Keimplasma, von Feldern und Wäldern in die Laboratorien und Forschungsstationen und durch einen Strom von veränderten identischen Produkten als Waren mit einem Preis von den Firmen zu den Bäuerinnen und Bauern. Die mögliche Vielfalt wird aufgehoben, indem sie zu bloßem Rohmaterial für die auf Normierung beruhende industrielle Produktion umgewandelt wird. Dies verdrängt notwendigerweise auch die Vielfalt lokaler Landwirtschaftspraktiken. Claude Alvares meint dazu: Zum ersten Mal hat die menschliche Rasse Samen produziert, der nicht alleine lebensfähig ist, sondern für Wachstum und Output in eine künstliche Umgebung hineingesetzt werden muss. Diese Veränderungen in der Natur des Samens wird mit der Schaffung eines Werte- und Bedeutungssystem gerechtfertigt, dass sich selbst erneuerndes Saatgut als primitiv und als rohes Keimplasma behandelt, während Saatgut, das ohne Zugaben leblos und nicht reproduzierbar ist, als fortschrittlich oder verbessert gilt. Das Ganze wird zu einem Teil und das Teil zu einem Ganzen. Zum Rohstoff gemachtes Saatgut ist ökologisch zweifach verkrüppelt. Erstens, es regeneriert sich nicht von selbst, obwohl Samen per definitionem eine regenerative Ressource ist. Genetische Ressourcen transformieren also durch technische Manipulation eine erneuerbare in eine nicht erneuerbare Quelle. Zweitens, es kann nicht aus sich heraus produzieren, sondern braucht dazu künstlich hergestellte Zusätze. Da Saatgut und Chemiekonzerne sich zusammenschließen, wird die Abhängigkeit von den Zusätzen steigen. Eine Chemikalie, ob extern oder intern angewandt, bleibt ein Zusatz von außen in den ökologischen Fortpflanzungszyklus des Samens.“ Zitat Ende.

Es geht hier noch weiter, aber ich denke, das wird jetzt zu viel. Wie gesagt (lacht), ich könnte das ganze Buch vorlesen, und ich denke, was jetzt klar geworden ist, noch mal wie gesagt, 1993 geschrieben, oder veröffentlicht, geschrieben halt wahrscheinlich vorher. Also zusammenfassend gesagt, wir verzichten auf kostenloses, samenfestes Saatgut, was wir untereinander tauschen könnten.

Carsten Ja, und neben dem Saatgut führt natürlich diese industrielle Landwirtschaft dazu, dass wir eben auch auf sich regenerierende Böden verzichten. Wir haben einen enormen Verlust an fruchtbarer Erdoberfläche, an Humusschichten. Allein dadurch, dass wir sie industriell bewirtschaften, Brachfläche vom Wind her entsprechend, die fruchtbaren oberen Erdbereiche abgetragen werden. Verdichtung durch die dicken, fetten Maschinen, mit denen wir die Felder bestellen. Also so ein Mähdrescher wiegt ja jetzt auch mal ein paar Kilo, wenn der da über das entsprechende Feld drüberfegt und sein Tageswerk verrichtet. Das führt zu Bodenverdichtung, und Bodenverdichtung hat dann leider den Nebeneffekt, dass in diesen sehr stark verdichteten Erdschichten eigentlich kaum mehr Wurzeln und auch kein Regenwasser mehr eindringen kann bzw. sich wirklich aufhalten kann. Also gerade Regenwasser wird dann ja irgendwo an der Oberfläche wieder abgeschwemmt, und dann bilden sich halt kleine Seen, das kann halt vom Boden nicht mehr aufgenommen werden. Die ganzen Mikroorganismen werden zerstört. Also es fängt an bei Regenwürmern, die sind jetzt keine Mikroorganismen. Aber dieses ganze filigrane Zusammenspiel dessen, was dort in der Erde passiert, von Pilzgeflechten über eben diese Mikroorganismen, Regenwürmer, Wurzelgeflecht, das ist ja letztendlich lebendige Erde, das ist ja Humus. Und das ist ja etwas, das finden wir in der industriellen Landwirtschaft gar nicht mehr, durch die Art und Weise der Bestellung. Und da, wo wir es tatsächlich noch vorfinden, im biologischen oder ökologischen Landbau, ist das ja wieder etwas, wo eigentlich nur eine privilegierte, finanziell stark gestellte Elite davon profitieren kann. Und der große Rest muss halt verzichten. Das ist kein freiwilliger Verzicht. Wir als Gesellschaft, kann man schon sagen, als Gesellschaft würde ich vielleicht sogar schon behaupten, wir verzichten freiwillig darauf, dass in dem Maße, dass wir uns als Gesellschaft darauf committed haben, tatsächlich die industrielle Landwirtschaft zu fördern und zu subventionieren. Aber ich als Individuum habe ja gar nicht die Chance, mich jetzt bewusst zu entscheiden und zu sagen ich verzichte jetzt darauf, das ist mir egal, sondern ich bin ja häufig aufgrund von wirtschaftlichen Faktoren einfach gezwungen, nicht Bio zu kaufen.

Stefanie. Genau. Und wenn sich jetzt nichts ändert und wir nicht gemeinsam versuchen, da dieses komplette System zu erneuern, das ganze System zu sprengen und da ein neues System zu schaffen, dann verzichten wir eben auch weiterhin. Dann bleibt es bei dieser Spanne. Ich habe jetzt hier noch so ein paar Punkte: Brachliegende Flächen sind der Erosion ausgesetzt. Beim Boden, beim Pflügen nehmen Regenwürmer großen Schaden, Pilzgeflechte und Wurzelwerk werden zerschnitten, CO2 wird freigesetzt. Und das sind ja alles Dinge, die die ganze Zeit über passieren. Aber eben auch nicht schon immer. Und das ist halt gerade das, wenn wir einfach darüber nachdenken, das ist nicht schon immer. Das ist jetzt in den letzten 100, 100 bis 150 Jahren ist das so passiert, vielleicht auch in den letzten 200 Jahren, aber jedenfalls diese ja, das ganze Konstrukt. Es war nicht schon immer, sondern davor, bevor wir diese Idee hatten, „Wir müssen jetzt alle dringend ganz reich werden“, davor war alles ökologisch.

Carsten Da gab es halt nichts anderes.

Stefanie Da war das normal und deswegen hat das keiner so genannt. Und deswegen ist auch Bio nichts neues und Hippes. Und Öko ist auch nichts neues und Hippes, sondern das ist einfach das was, was der Erde gut tut, was der Natur gut tut und wo wir wieder hin müssen, und was halt wieder normal werden sollte. Aber darauf verzichten wir heute. Und das, das ist eben auch ein Teil wieder, worauf Menschen verzichten, wenn sie nichts ändern wollen. Also der Verzicht, wir machen gleich noch weiter, aber ich möchte gerade eben noch mal dazwischen sagen, der Verzicht besteht nicht darin, dass ich auf Fleisch verzichte, auf Milch verzichte, sondern der Verzicht besteht tatsächlich in all den Dingen, die wir jetzt gerade schon gesagt haben, dass wir auf saubere Luft und gesundes Essen verzichten, auf dann die Lärmbelastung, also dass wir auf Ruhe verzichten, auf Entspannung, auf ein gutes Leben für alle. Wir verzichten auf ein gutes Leben für alle. Ein gutes Leben für alle wäre möglich, es ist alles da. Es ist alles da. Es ist genug für alle da. Es ist nur super ungerecht verteilt, und wir haben schon so viel kaputt gemacht. Das heißt, der Verzicht ist eigentlich heute da.

Carsten Wir sind schon die Verzichtsgesellschaft, da, wo vielleicht im Wahlkampf ja die Leute sich so ein bisschen angeeckt haben. Wir wollen nicht verzichten, bloß keine Verzichtsgesellschaft, bloß keine Verbote etc.. Wir leben schon aktuell in der Verzichtsgesellschaft, und perspektivisch verzichtet diese Gesellschaft auf eine brauchbare Lebensgrundlage für Enkel, Urenkel und ja, weiß nicht, gibts dann noch Generationen da hinterher oder?

Stefanie Das ist halt die Frage, aber es ist halt auch das, was Maria Mies da vor 30 Jahren schon geschrieben hat, dass wir auch auf unsere psychische Gesundheit verzichten, und das auch damals schon vor 30 Jahren klar war, mehr Wohlstand führt nicht zu mehr Wohlbefinden. Also so was ist einfach eine Gleichung, die nicht aufgeht. Und auch etwas mit dem ganzen Wachstum, Wachstum, Wachstum, das war halt in der Nachkriegsgesellschaft nur deswegen möglich, weil hier so viel zerstört war. Deswegen konnte viel wachsen, weil einfach sehr, sehr viel zu Bruch gegangen ist. Und in vielerlei Dimensionen möchte ich jetzt sagen, und deswegen konnten wir wachsen. Aber schon in den 70er Jahren hat es ja aufgehört. 20 Jahre ungefähr ging das mit dem Wachstum, aber dann war es halt genug gewachsen, und dann klafft es wieder auseinander. Und jetzt, wenn wir uns nur umschauen, ist es auch, es ist nicht nur der globale Süden, der darunter leidet, sondern es gibt auch in Deutschland viele, viele Menschen, die eben nicht an diesem Wohlstand teilhaben können. Und da verzichten wir eben auf Gleichberechtigung, da verzichten wir auf ein gutes Miteinander. Ich habe ja für meine Bildungsurlaube einige Informationen gesammelt und habe da einige Artikel zu verschiedensten Dingen rausgesucht. Und ich hatte hier einen Punkt zum Thema Müll, auch Plastikmüll, dass 24 % allen Klärschlammes in Deutschland als Dünger auf den Feldern enden. Mit ihm auch Plastik, denn die Kläranlagen filtern nicht das gesamte Mikroplastik heraus. Und außerdem werden dem Schlamm im Klärwerk synthetische Polymere als Flockungsmittel zugesetzt und auch Ackerfolien, unter denen Obst und Gemüse wachsen, bleiben im Boden zurück, und weil sie leicht zerreißen, werden sie oft mit untergepflügt. Das heißt, wir nehmen auch über Obst und Gemüse, Plastik, Mikroplastik auf. Das heißt niemand von uns, höchstwahrscheinlich, gehe ich jetzt mal davon aus, niemand von uns ist frei von Mikroplastik im Körper und wir wissen nicht, was das mit unserem Körper alles macht. Also da verzichten wir auch wieder auf Gesundheit, beim Müll.

Carsten Und wir verzichten auch auf Wasser, sauberes Wasser, und das auch durchaus im globalen Maßstab. Und die Tatsache, dass es Wasserkriege geben wird, wird ja in vielfältigen Medien schon so beschrieben. Das sind ja auch alles Aspekte des Klimawandels oder der Klimakrisen, denen wir uns in Zukunft stellen müssen, und betrifft da natürlich auch dieses Nord-Süd-Gefälle. Aber das ist ja jetzt nicht einfach nur, dass da jetzt auf einmal weniger Wasser da ist, sondern wenn man jetzt die Wasserqualität an sich und auch die Wasserquantität nochmal betrachtet, auf die wir ja quasi verzichten als globale Gesellschaft, dann haben wir damit Effekte, dass wir einhergehend auch auf einmal stark ansteigende Lebensmittelpreise haben. Es ist logisch, da, wo ich wenig Wasser habe, kann ich schlecht Lebensmittel anbauen, und um Lebensmittel anzubauen, muss ich sie entweder von woanders teuer einkaufen, oder ich muss halt irrsinnige Mengen an Wasser auf die Felder bringen, die ich dann, und dieses Wasser, das ist ja nicht kostenlos, sondern muss ich dann dementsprechend auch bezahlen, also Lebensmittelpreise, die dann auf einmal stark ansteigen. Und dieser Wasserbedarf führt ja nicht nur bei Lebensmitteln dann zu steigenden Preisen, sondern generell bei allen Gütern, weil bei allen Gütern wird irgendwo früher oder später Wasser benötigt, sodass ich dann global gesehen die die komplette Produktion irgendwo verteuern muss, wenn Wasserqualität oder bzw. auch der Wasservorrat nicht mehr verfügbar ist. Und da, wo vor Ort in den, ich nenne es jetzt mal ganz bewusst, in der südlichen Hemisphäre, dass das Wasser dann knapp wird und dementsprechend auch die Menschen von der Landwirtschaft eigentlich leben müssten, gibt es dann nicht mehr die Möglichkeit, so viel für den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen oder zu erwirtschaften, sodass dann dementsprechend auch dort die finanziellen Möglichkeiten in den Familien geringer werden, um die Familie zu ernähren. Das Ganze führt natürlich dann zu entsprechenden Konflikten. Also die Menschen versuchen dann ja auch irgendwo, aus dieser Misere auszubrechen. Das kann mit militärischer, brutaler Gewalt dann einhergehen. Das kann aber auch die Fluchtursachen wieder verstärken, dass halt Migrationsströme entstehen von Menschen, die in ihrer angestammten Heimat eigentlich gar keine Lebensgrundlage mehr haben, weil dort das Wasser einfach nicht mehr ausreicht. Und die ziehen dann in die Weltregion, wo noch mal ein erhofftes anständiges Leben möglich ist. Und das sind alles so Perspektiven, die werden in Zukunft auf uns zukommen, und wir verzichten da auf ganz viel, auf sozialen Frieden, auf eine gleichberechtigte, solidarische Lebensgemeinschaft.

Stefanie Und natürlich auch wieder auf unsere Gesundheit. Denn, wie jetzt vorher noch mal mit dem Mikroplastik, was da alles im Wasser landet, das ist ja eben auch, was in unserem Trinkwasser letztlich landet, ist auch das wieder etwas, was wir bedenken müssen, dass wir da durch unseren Lebensstil, dadurch, dass wir sagen ich will aber nicht verzichten auf das, was ich da so tue, und ich kann mir nicht vorstellen, meinen Lebenswandel zu ändern, dass wir damit dann eben auch auf gesundes Wasser verzichten und auf Gesundheit verzichten.

Carsten Also bei all dem, was wir jetzt gerade so diskutiert haben, vom Auto, über die Landwirtschaft etc., das sind ja alles nur Bruchstücke. Im Grunde genommen ist der Verzicht, den wir als Individuum oder auch als Gesellschaft haben, ja noch viel, viel größer. Und liebe Hörerin, lieber Hörer, fühl dich eingeladen, da wirklich mal selber drüber nachzudenken, was fällt dir ein, worauf wir tatsächlich heute in unserer Verzichtsgesellschaft, in der wir uns eigentlich schon befinden, tatsächlich schon verzichten, was uns aber gar nicht so als Verzicht, oder was wir als Verzicht gar nicht so wahrnehmen, weil es für uns eigentlich gängige Praxis ist, so der default Modus, in der unsere Gesellschaft, in der unserer Wirtschaft operiert. Aber tatsächlich handelt es sich um Verzicht. Und ja, der Katalog dessen, worauf wir verzichten, ist ja riesig. Also wirklich.

Stefanie Ja, und letztlich ist uns das ja in den letzten sieben Jahren immer wieder so ergangen, dass wir gedacht haben, etwas ist ganz normal oder natürlich oder notwendig oder nett (lacht). Und dann festgestellt haben: Ups, da hängt ganz viel Leid dran. Das ist eigentlich gar nicht so. Und wir sollten das infrage stellen und wir sollten es anders machen. Und ja, unser Eintrittspunkt war eben das vegane Leben, dass wir da gemerkt haben, Nein, es ist nicht normal, natürlich notwendig und vor allem auch nicht nett, tierliche Produkte, sag ich jetzt mal zu konsumieren. Das mit dem Fleisch war ja schon länger klar, aber wie gesagt, der Rest, der war nicht so ganz klar. Und dann ging es ja einfach Schlag auf Schlag. Immer wieder und immer wieder und immer wieder. Und wie gesagt, mittlerweile die Diskussion um Verzicht, oder dieser Gedanke „Ja, aber ich will nicht auf XY verzichten“. Das umzukehren und zu sagen: Aber du verzichtest doch schon auf AB. Also nicht nur, wenn du auf XY nicht verzichten willst, dann guck doch mal, worauf du eigentlich schon alles verzichtest. Und wenn du jetzt aber auf XY verzichtest, dann gewinnst du A, B, C, D, F, G usw., also, und vielleicht noch ein anderes Alphabet, also eins, von dem du noch nicht wusstest, dass es das gibt oder so. Und diesen Gedanken, den Kopf aufzumachen, die Geschichte weiter zu fassen, das, ja Dimensionen, neue Welten zuzulassen. Es gibt ja die Theorie von den Multiversen, also dass wir da, dass es ganz viele Universen gibt, die parallel existieren, und warum nicht? Könnte das nicht auch in unserem Kopf sein? Könnten wir nicht auch neue Geschichten erfinden? Und letztlich da drüber nachzudenken und diesem „Ich könnte niemals auf XY verzichten“ das entgegenzusetzen, neue Geschichten zu erzählen und sich auch dessen bewusst zu werden, worauf wir schon verzichten, das ist etwas, Carsten sagte das schon, wozu wir dich einladen möchten, und wozu wir mit dieser Folge auch inspirieren wollen.

Carsten Ja, und mit diesem gewichtigen Schlusswort möchte ich mich noch bei allen Menschen da draußen bedanken, die nicht darauf verzichten, uns finanziell zu unterstützen und dazu beizutragen, dass unsere laufenden Kosten gedeckt werden. Vielen Dank!

Stefanie Ganz, ganz lieben Dank auch von mir.

Carsten Dann würde ich sagen, das war's. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Da musstest du aber noch kurz überlegen.

Stefanie (lacht) Ich war schon wieder bei Metropolregion, das ist ja fürchterlich.

Carsten Und auf Wiederhören

Stefanie. Tschüss.



Stefanie Jetzt schunkeln.

Stefanie und Carsten (singen) Da, da, da, da, da, da, da, da, da, da (lachen)

Stefanie Tschüs! Was kommt jetzt dahinter? Okay. Yeah. Martin wird sich freuen. Er hat gesagt, wir sollen nicht mehr singen. Ist so (lacht).

Warum es doch etwas bewirkt, wenn alle vegan leben.

Ein Beitrag

Folge 239 - Warum es doch etwas bewirkt, wenn alle vegan leben.

Immer mal wieder begegnet mir die These, dass vegan zu leben nicht die Welt retten wird.

Aktuell in dem Buch "Globaler Klimanotstand" von Graeme Maxton - ein lesenswertes Buch mit vielen wichtigen Informationen.

Graeme Maxton schreibt "Ich weise aber ausdrücklich darauf hin, dass wir den fortschreitenden Klimawandel nicht verhindern werden, indem wir in der westlichen Welt plötzlich alle vegan leben oder nicht mehr fliegen." und etwas später im Buch "Den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wir nicht, indem der Rest von uns vegan zu leben beginnt."

Und in der Tat ist das auch vollkommen korrekt. Um den Klimawandel zu stoppen, müssen wir weitaus mehr tun - wir brauchen ein neues Gesellschafts- und Wirtschaftssystem und die tatsächlich Verantwortlichen müssen sich radikal ändern.

Was ich aber nicht denke, ist, dass es sinnlos ist, vegan zu leben, nur weil wir damit nicht den Klimawandel aufhalten können. Denn durch das Vegan leben stoppen wir ein anderes Extrem: das unsägliche Tierleid in unserer Welt.

Und dafür lohnt es sich allemal vegan zu leben - darüber diskutiere ich mit Carsten in dieser Folge.

Links zur Folge

Meine neue Webseite zum Schwerpunkt Nachhaltigkeit
https://stefanie-rueckert.de

Buch: "Globaler Klimanotstand" von Graeme Maxton
z.B. bei buch7.de

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Vollständiges Transkript

Stefanie Diese Folge ist quasi wieder ein Statement. Wir beziehen Position, denn ich lese gerade das Buch „Globaler Klimanotstand“ von Graeme Maxton. Und in dem Buch enthalten sind auch noch Essays von Prof. Dr. Maren Urner und Felix Austen. Ich habe das Buch noch nicht komplett gelesen. Ich habe es erst mal so kreuz und quer immer mal wieder drin gelesen. Carsten missbilligt so ein Verhalten. Carsten liest von Anfang bis Ende. Ich lese im Moment manche Bücher querbeet. Also bei Romanen mache ich das auch nicht, aber bei Sachbüchern lese ich öfter mal querbeet. Und warum wir jetzt diesen Podcast aufnehmen, ist nicht, um das Buch zu rezensieren, denn ich habe es ja noch gar nicht ganz gelesen, sondern weil Graeme Maxton eine These vertritt, die von vielen Menschen in diesem Bereich vertreten wird, nämlich dass vegan zu leben die Welt nicht retten wird. Das reicht einfach nicht aus. Und es macht auch gar keinen Sinn, dass wir alle vegan leben. Das ist seine These. Und ich möchte das einmal kurz vorlesen, um es in seinen eigenen Worten sagen zu können.

“Ich weise aber ausdrücklich darauf hin, dass wir den fortschreitenden Klimawandel nicht verhindern werden, indem wir in der westlichen Welt plötzlich alle vegan leben oder nicht mehr fliegen.“

Und etwas später im Buch schreibt er noch „Man beachte: Die große Mehrheit der Menschen, die das Problem [des Klimawandels] verursachen, lebt in der reichen Welt. Den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wir nicht, indem der Rest von uns vegan zu leben beginnt. Gewinnen können wir ihn nur, wenn die Mehrheit der Menschen weltweit dafür sorgt, dass das entsetzlich zerstörerische Verhalten dieser kleinen Minderheit aufhört. Sie und ich müssen wieder die demokratische Kontrolle in die Hand nehmen und für ein ordentlich funktionierendes Staatswesen sorgen, damit das Wirtschaftssystem nicht unsere Zukunft zerstört. Dies ist kein Kampf zwischen 99 Prozent und 1 Prozent der Menschheit. Es ist ein Kampf zwischen 99,995 Prozent und 0,005 Prozent der Menschheit.“

Graeme Maxton vertritt also auch diese Ansicht, dass es nicht gut ist, perfide und schlimm vor allem, ein Irrweg, wenn die Verantwortung für den Klimawandel auf die Einzelpersonen abgewälzt wird. Dem stimme ich auch soweit zu. Es wird sicherlich nicht den Klimawandel aufhalten, wenn nur wir als Einzelpersonen etwas tun. Dennoch denke ich, wir können durchaus anfangen etwas zu tun und letztlich müssen wir dann gemeinschaftlich handeln als Gruppe und können so dann etwas bewirken. In dieser Folge möchte ich jetzt auf diese Aussage eingehen, dass Graeme Maxton sagt, dass es nichts bringt, wenn die westliche Welt vegan lebt. Und ich möchte dem gegenüberstellen: doch es bringt etwas.

Carsten Das haben wir ja auch schon in vorherigen Folgen immer mal wieder anklingen lassen, dass wir da der festen Überzeugung sind. Und Stefanie und ich haben uns gerade im Vorfeld so ganz kurz mal über dieses Thema abgestimmt und unterhalten, um ein paar Gedanken auszutauschen. Wir haben so den Eindruck, dass Personen, die diese Äußerung tätigen, damit die Rolle des Veganismus vielleicht auch bewusst runterspielen oder ungewollt - keine Ahnung. Auf jeden Fall ist es aus meiner Sicht ein Runterspielen. Die betrachten nur den Einfluss der veganen Ernährung auf das Klima, auf das Weltklima. Der Veganismus umfasst ja noch deutlich mehr. Der ist ja auch viel grundsätzlicher, oder mein neues Lieblingswort radikaler, so an der Wurzel anpackend. Also wirklich grundlegender Natur. Und das sind so Aspekte, die aus meiner Sicht in einer solchen Kritik überhaupt nicht berücksichtigt werden.

Stefanie Ja, was ich sofort denke ist, es mag vielleicht jetzt nicht den Klimawandel stoppen, wenn die westliche Welt vegan lebt, aber es stoppt definitiv das Tierleid. Und darum geht es uns ja auch, dass wir dieses unsägliche Tierleid, das auf unserem Planeten existiert, beenden. Und deswegen ist es auf jeden Fall eine Lösung, vegan zu leben, auch wenn es vielleicht den Klimawandel nicht stoppt. Und auch wenn es nicht das einzige sein sollte, was wir tun, um den Klimawandel soweit aufzuhalten. Ich denke, dass Graeme Maxton - ich weiß jetzt nicht, ob er vegan lebt oder nicht. Der Aussage nach zu urteilen würde ich sagen nicht - aus dem karnistischen System heraus argumentiert und einfach nur sieht: Aha. Ja, wenn wir jetzt weniger Fleisch essen oder kein Fleisch essen und letztlich dann auch auf Milchprodukte und Eier verzichten - Da sind wir wieder beim Verzicht - Also wenn wir uns dagegen entscheiden, das zu essen, dann bewirkt das nicht so viel fürs Klima, wie wenn jetzt die großen Unternehmen, die eigentlich da ja die Probleme verursachen, sich ändern oder abgeschafft werden.

Und natürlich so rein aus dieser Argumentation heraus kann ich das auch total verstehen. Aber wie gesagt, für mich überwiegt einfach der Aspekt des Tierleid. Und natürlich das, was Carsten vorhin gesagt hat, dass es ganz darüber hinausgeht. Denn ich möchte jetzt mal diese gewagte These aufstellen, dass wenn Menschen nicht nur so Lifestyle Veganer·innen sind und es denen nicht nur um Ernährung geht, sondern sie ganz eintauchen in eine Lebensweise, die auf Mitgefühl basiert und auf soziale Gerechtigkeit und auch wirklich mit der Natur leben und einen viel weiteren ganzheitlichen Ansatz verfolgen, dass wir damit auch unsere Gesellschaft revolutionieren können und damit das auch schaffen, den Klimawandel aufzuhalten, aber auf eine andere Art und Weise. Vegan nur auf den Aspekt der Ernährung zu reduzieren, sehe ich hier als zu kurz gegriffen.

Carsten Ja, ich baue auch darauf, dass wenn sich Menschen tatsächlich mit dem Veganismus intensiver beschäftigen, dass das dann auch einen radikalen Sinneswandel ergibt. Ich behaupte einfach mal, dass Stefanie und ich da jetzt nicht die einzigen Personen sind, die gemerkt haben: Ups, die Welt ist dann doch irgendwie in Nuancen etwas anders als das, was wir jahrzehntelang geglaubt haben, wie sie sein sollte. Bei uns hat das Nachdenken über den Status quo, über unsere Lebensweise ja auch durch die Entscheidung vegan zu leben, angefangen. Da sind Steine ins Rollen gekommen und ich baue wirklich darauf, dass das auch andere Menschen betrifft und und auch zutrifft auf diese anderen Menschen.

Das ist für mich ein ganz, ganz wesentlicher Aspekt, dieses kritische Hinterfragen von bestehenden Konventionen, Ernährungskonventionen oder Verhaltenskonventionen, was den Veganismus betrifft und dass daraus dann auch eine andere, eine offenere, vielleicht auch eine kritischere Haltung gegenüber weiteren Tätigkeiten, die wir so in unserem Leben durchführen, entstehen kann.

Eine andere Sache, die mir so bei diesem Argument Mensch, Veganismus löst jetzt nicht das Klimaproblem, durch den Kopf geht ist: Stefanie, Du hattest gesagt, dass in diesem Buch auch viel Wirtschaftskritik drinsteckt, dass er von der Argumentation sagt: Im Grunde genommen ist die Art und Weise unseres Wirtschaftens hauptverantwortlich für diesen Klimanotstand, den wir jetzt erleben und erleiden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das für ihn genau der zentrale Aspekt ist, dass er sagt, wenn ich jetzt vegan lebe und aufhöre zu fliegen, dann bin ich ja quasi - ich übertreibe das jetzt mal und versuche es in meinen eigenen einfachen Worten zusammenzufassen - jemand, der in seiner Freizeit versucht, das Klima zu retten, während er hauptberuflich daran arbeitet, den Kapitalismus zu retten. Das wird natürlich nicht funktionieren.

Ich muss auf beiden Ebenen irgendwo versuchen, das Klima zu retten und nicht nur in der Zeit, wo man mich dann in meine Freizeit entlässt. Da stimme ich dieser These durchaus zu. Also es darf sich nicht rein auf das Private, auf das Freizeitverhalten konzentrieren. Nichtsdestotrotz glaube ich aber, dass wir eine breite Masse derer brauchen, die schon begriffen haben, dass wir handeln müssen. Und da muss ich ins Umdenken kommen. Und den Weg in den Veganismus zu gehen, ist für mich ein ein ganz maßgeblicher Schritt, dieses Umdenken vielleicht auch anzufangen oder zumindest weiterzutreiben.

Stefanie Ja, und ich denke, wie gesagt, ich muss das einfach noch mal hervorheben dass es ja wirklich auch darum geht, das Tierleid zu beenden. Und das schaffe ich, indem ich vegan lebe. Also das ist ja selbst wenn ich mich nur vegan ernähre kann und nicht weiter denke, beende ich zumindest damit in meinem Fall das Tierleid und trage meinen Teil dazu bei, das zu beenden. Allerdings, das wissen wir ja auch sehr gut, es ist auch da ein weiterer Schritt erforderlich, nämlich, dass wir auf die Straße gehen, dass wir kollektiv auftreten und sagen, es muss sich etwas ändern. Aber wenn wir jetzt diese These verfolgen, dass die gesamte westliche Welt vegan lebt, dann hat sich ja da auch schon was geändert. Und dann ist quasi aus Tiersicht schon ganz viel passiert. So. Und natürlich dürfen wir da nicht stehen bleiben. Natürlich müssen wir weitergehen. Aber gerade dieser Aspekt, ich meine, wie großartig wäre das, wenn die gesamte westliche Welt vegan leben würde, für die Tiere?

Carsten Ich stell mal die andere Frage. Ich glaube, es ist einfacher, sich vorzustellen, dass wir alle vegan leben, als dass wir uns vorstellen, dass wir den Kapitalismus irgendwie abschaffen. Also ich glaube, den Kapitalismus abschaffen ist noch mal eine Nummer größer. Und wenn ich schon daran scheitere, mir vorzustellen, dass wir alle vegan leben, dann wird es wirklich schwer, darüber hinaus noch weitere größere Utopien zu erstellen und und denen auch nachzueifern.

Stefanie Ja, und ich denke aber, dass es sein kann, genau wie bei uns, dass das der erste Schritt ist. Und dann stellst du immer mehr in Frage, denn dadurch, dass du vegan lebst und dann vielleicht auch über den Tellerrand hinaus schaust und nicht nur die Ernährung anschaust, dadurch öffnest du ja weitere Türen und du stellst immer mehr in Frage. So war es ja bei Carsten und bei mir, dass wir immer mehr in Frage gestellt haben und es passiert immer noch. Es passiert ständig, dass wir Dinge infrage stellen. Wir lernen ständig dazu und da ist noch so viel, was sich ändern muss und es ist so viel Schlimmes passiert und das geheilt werden muss. Und es ist einfach ein ganz, ganz großes Feld, wo wir alle irgendwie, die wir auf diesem Planeten leben, zusammenkommen müssen. Und es gibt so viele Gruppen, denen Leid angetan wurde und die Tiere sind eine Gruppe davon. Und wenn wir jetzt sagen, wir sind alle Tiere, dann sind die nichtmenschlichen Tiere eine Gruppe davon, denen Leid angetan wurde. Und das muss einfach auch gesehen werden. Und ja, deswegen sage ich, dass es doch etwas bewirkt, wenn wir jetzt alle vegan leben. Und selbst wenn es den Klimawandel in diesem Moment, dann, in dem wir alle vegan leben, noch nicht aufhält. Es wird auf jeden Fall das Tierleid beenden in dieser Dimension. Und es wird ja auch die Landwirtschaft revolutionieren.

Carsten Und ein anderer Punkt, der mir jetzt gerade so durch den Kopf geht: Wir haben ja immer diese unsägliche Verzichtsthematik. Oh, wir dürfen den Leuten kein Verzicht zumuten. Und es geht hier nicht um Verzichtsdebatten und wir wollen den Leuten nichts wegnehmen und keine Ahnung, was da immer so hoch kommt. Wenn man über diese ökologischen Themen spricht und über die Konsequenzen, die in ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Klimanotstand eigentlich erzwingt. Wenn wir alle vegan leben und ich denke, jetzt tatsächlich so in dieser Utopie, dann haben wir ja auch alle gemeinsam diese Erfahrung gemacht, dass es gar kein Verzicht ist, den wir durchleben oder gar erleiden müssen. Es ist einfach nur ein Umstellen auf eine andere Art der Ernährung, andere Art der Materialbeschaffung. Und es fehlt uns ja an nichts, noch nicht mal an Nährstoffen. Auch das ist ja schon mal eine Erkenntnis. Und dementsprechend werden sich wahrscheinlich auch weitere, darüber hinaus zu führende Diskussionen ja noch ganz anders darstellen als heute.

Also wenn ich mir überlege, was wir tatsächlich machen müssten, um dem Klimanotstand auch nur ansatzweise was entgegenzusetzen, was diesem Entgegensetzen gerecht wäre, dann kommen wir zwangsläufig an Punkte, wo wir sagen, wir müssen bestimmte Verhaltensweisen, die wir internalisiert haben, wo wir heute gar nicht drüber nachdenken, dass die falsch sind, die müssen wir ändern. Nicht nur ändern, wir müssen teilweise grundlegend drauf verzichten, tatsächlich verzichten, aber etwas anderes dafür haben. Und wie gesagt, wenn ich schon mal vegan lebe, dann weiß ich, dass alles, was vorher irgendwie mit „Oh, du verzichtest ja und du darfst dies nicht und das nicht.“ das kennt ein·e Veganer·in ja nur verbal von irgendwelchen Diskussionen, aber hat das eigentlich wahrscheinlich nie wirklich erlebt, weil er·sie das nie als Verzicht erlebt hat.

Und dementsprechend wird sich jetzt zum Beispiel so eine Frage „Oh, dann muss ich aufs Auto verzichten.“ ändern. Nein, ich verzichte nicht aufs Auto, ich mache meine Mobilität nur ein bisschen anders. Und das ist kein Verzicht, das ist nur etwas anders machen, vielleicht auch besser machen, weil ich kein Geld mehr verdienen muss, um mir ein kostspieliges Auto zu kaufen. Weil ich vielleicht nicht abends noch mal eine Viertelstunde um den Block fahren muss, um mir einen Parkplatz zu suchen, weil ich nicht alle 14 Tage mit dem Auto in die Waschanlage fahren muss, zweimal im Jahr Reifenwechsel machen muss. Also all das, was dann jetzt konkret heute von uns erzwungen wird, um überhaupt in der Lage zu sein im Auto zur Arbeit zu fahren. All das fällt ja weg.

Das gibt ja wieder Freiheiten und sei es einfach nur finanzieller Natur. Und es kann ja auch durchaus angenehmer sein zu sagen, ich habe jetzt diese Last nicht. So empfinde ich es jetzt. Sechs Jahre autofrei ist für mich tatsächlich nach wie vor eine Befreiung. Und ja, wir haben diesen Schritt damals auch gemacht und ich bereue ihn nicht. Ich würde jetzt auch an dem Beispiel nie wieder irgendwie auf dem Auto als Fahrzeug bestehen, sondern find das eigentlich ganz cool, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, mit Fahrrad oder zu Fuß meine Mobilität auszuleben.

Stefanie Es ist ja schon mehr als sechs Jahre her. Es sind bald schon sieben Jahre.

Carsten Sieben Jahre. Guck mal, es kommt mir gar nicht so lange vor.

Stefanie Ich hatte gerade so einen genialen Gedanken, aber ich musste erst Carsten aussprechen lassen. Ich habe die ganze Zeit dran festgehalten, überhaupt nicht gehört, was gesagt wird. Nein, ich dachte, vielleicht ist ja vegan leben auch so eine Art Kipppunkt. Ich kenne ja die Kipppunkte im ökologischen Sinne, aber vielleicht ist das auch ein Kipppunkt im positiven, sozialen Sinne. Also dass, wenn du dich entscheidest, vegan zu leben, dass das ja Folgen haben kann, die gar nicht absehbar sind.

Carsten Ja, das ist cool. Kipppunkt auch in der Hinsicht, dass es dann eigentlich keinen Punkt der Umkehr gibt, ein point of no return.

Stefanie Genau das auch. Ja, genau, da hab ich noch gar nicht dran gedacht, ich habe so festgehalten an diesem genialen Gedanken, dass ich noch nicht weitergedacht habe. Aber ja, genau das auch. Also dass wenn du dich einmal dazu entschieden hast, dass du dann auch nicht mehr zurückgehst, wenn du dich aus ethischen Gründen entscheidest. Und es ist ja mittlerweile so einfach, vegan zu leben. Das war damals schon einfach, als wir vor fast sieben Jahren angefangen haben und heute wird es immer einfacher. Es gibt ja selbst die Hafermilch im Pfandglas, also von daher, alles ist schön. Also jedenfalls, es ist total einfach. Das heißt also auch ein point of no return.

Und dass dieser Kipppunkt auch so einen Dominoeffekt haben kann, dass es ganz viele andere verschiedene Sachen auslösen kann, die ein Graeme Maxton jetzt vielleicht nicht sieht, weil er einfach das nur als Ernährung sieht und durch diese karnistische Brille schaut. Ich habe nichts gegen Graeme Maxton. Ich habe ihn schon mal in einer Live Interview Podiumsdiskussion mit Vandana Shiva gesehen. Was er sagt hat sicherlich Hand und Fuß. Ich denke nur, solange wir durch ein bestimmtes System schauen, wie das karnistische System, sind wir auch in diesem System verhaftet. Und Carsten und ich versuchen ja gerade aus diesem System rauszukommen und auch all das, was wir gelernt haben, immer wieder zu hinterfragen. Es ist nicht leicht.

Carsten Es ist nicht leicht, aber das karnistische System ist ja und das ist jetzt etwas, wo ich mich ein bisschen schwer tue - Wir wissen ja nicht, ob Graeme Maxton an der Stelle tatsächlich vegan lebt oder nicht. Wir vermuten ja auf seine Argumentation, dass er es nicht macht. Aber wenn ich jetzt diese Ausbeutungsstruktur hinter diesem karnistischen System anschaue, ist die ja vergleichbar mit anderen Ausbeutungsstrukturen. Kolonialismus, Sklaverei, vielleicht heute die Art und Weise, wie multinationale Konzerne Rohstoffsourcing betreiben. Da gibt es ja durchaus Parallelen und ich glaube, es tut einfach gut, irgendwann im Leben genau an diesem Punkt anzukommen, das zu erkennen und zu realisieren, was für Strukturen dahinter sind. Und dann, wenn ich natürlich die Möglichkeit habe zu sagen: Hey, ich entziehe mich dieser Struktur und ich mache das nicht mehr mit, weil Veganismus, ich verzichte jetzt auf entsprechend tierische Produkte, dann fällt es mir auch unendlich viel leichter, diesen Schritt zu machen, weil ich weiß, wofür ich es mache oder warum ich es nicht mehr machen möchte.

Und damit ist das auch wieder dieser Kipppunkt, denn wenn ich das erst einmal erkannt habe, dann geht es ja automatisch weiter. In kleinen Schritten komme ich dann wieder an andere Punkte, wo ich dann Parallelen feststelle. Nicht umsonst heißt es ja in der Tierbefreiungs- / Tierrechtsbewegung immer „total Liberation, Animal Liberation, total liberation.“ Also das ist ja im Grunde genommen diese Erkenntnis zu sehen, dass diese ich nenne sie jetzt Ausbeutungsstrukturen in vielerlei Hinsicht in unserer Gesellschaft, auch in unserer Wirtschaft stecken. Und ja, du, liebe·r Hörer·in wirst es ja in anderen Podcastfolgen von uns auch schon mitbekommen haben, dass wir auch über Themen stolpern, die vielleicht originär mit Veganismus nichts zu tun haben. Ich sag jetzt mal Feminismus haben wir ja angesprochen. Dem hätte ich mich wahrscheinlich nie genähert, diesem Thema, wenn ich nicht damals diesen Kipppunkt zum Veganismus gehabt hätte, der das alles irgendwo mit ins Rollen gebracht hat.

Stefanie Ja, ich denke, dass wir unseren Standpunkt oder ich meinen, klar gemacht habe. Und natürlich, wenn du eine Meinung dazu hast, äußere sie gerne, kannst gerne per Email schreiben an post @ vonherzenvegan.de. Ich habe jetzt übrigens meinen Nachhaltigkeitsschwerpunkt ausgelagert auf eine eigene Internetseite. Also wenn du magst, schau da mal vorbei. Das ist einfach stefanie-rueckert.de Dort hast du auch die Möglichkeit, dich bei einem Newsletter einzutragen, wenn du auf dem Laufenden bleiben willst für neue Termine und alles, was generell so bei mir passiert. Und bevor wir jetzt wirklich zum Schluss kommen, möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei allen Steady Unterstützer·innen bedanken. Es ist total klasse, dass es da Menschen gibt, die mich mit einem Jahresabo unterstützen. Und natürlich sind auch Monatsabos herzlich willkommen. Also ganz, ganz herzlichen Dank von mir.

Carsten Von mir auch. Vielen, vielen Dank!

Stefanie Und jetzt sage ich einfach mal ganz frech in diesem Sinne, ganz radikal.

Carsten Ja, in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und bis zum nächsten Mal.

Folge 238 - Rettet unser Saatgut!

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Folge 238 - Rettet unser Saatgut!

In dieser Folge sprechen Carsten und ich über den Film "Unser Saatgut - wir ernten, was wir sähen" und erneut über die Arbeit von Vandana Shiva.

Der Film ist schon 2016 erschienen und Du solltest ihn auf jeden Fall anschauen, da er einen tieferen Einblick in die aktuellen Missstände rund um unser Wirtschaftssystem gibt.

Oder wie Vandana Shiva es sagt: "If you control seed, you control life on earth." - darum ist es umso wichtiger den Handel und die Manipulation mit Saatgut zu stoppen und die Vielfalt des Saatguts zu erhalten.

Wir müssen der industriellen Landwirtschaft den Rücken kehren und uns wieder der ökologischen Landwirtschaft zuwenden. Eine Form der Landwirtschaft die keineswegs nur für Hippies gedacht ist, sondern vor der Einführung der industriellen Landwirtschaft weltweit praktiziert wurde.

Eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen die Natur.

Unser Saatgut zu schützen ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit.

Links zur Folge

Film "Unser Saatgut - wir ernten, was wir sähen"
https://utopia.de/ratgeber/kino-tipp-unser-saatgut-wir-ernten-was-wir-saeen/

Buch "Eine andere Welt ist möglich - Aufforderung zum zivilen Ungehorsam"
z.B. auf buch7.de

Saatguttresor Svalbard
https://de.wikipedia.org/wiki/Svalbard_Global_Seed_Vault

Buch "Anarchistische Welten" von Ilija Trojanow
https://edition-nautilus.de/programm/anarchistische-welten/

ARTE Dokumentation "Native America"
https://www.arte.tv/de/videos/RC-021274/native-america/

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Folge 237 - Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie

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Folge 237 - Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie

In dieser Folge spricht Carsten mit Franziska über das Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie und über das Protestcamp in Niedersachsen, das im Juli 2021 stattgefunden hat.

Franziska berichtet unter anderem darüber

  • wie das Bündnis entstanden und wer ein Teil davon ist,
  • wie die Organisation des Protestcamps abgelaufen ist,
  • welche bürokratischen Steine ihnen im Vorfeld in den Weg gelegt wurden und
  • welche Reaktionen das Protestcamp bei den Anwohnenden hervorgerufen hat.

Links zur Folge

Gemeinsam gegen die Tierindustrie
https://gemeinsam-gegen-die-tierindustrie.org/

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Folge 236 - Das Reisen neu denken - wie geht das enkeltauglich?

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Folge 236 - Das Reisen neu denken - wie geht das enkeltauglich?

Wenn wir noch nachhaltiger leben wollen, ist es notwendig unsere Art zu Reisen zu überdenken, denn gerade dieser "wirklich nur eine Flug" im Jahr sorgt für einen enormen Anstieg Deines ökologischen Fußabdrucks.

Da hilft dann auch kein Abwägen - ich mach doch schon so viel, da kann ich mir diesen einen Flug doch gönnen - mit dem Flugzeug reisen bleibt extrem klimaschädlich.

Wir verändern mit unserem Handeln die Welt - ob wir es wollen oder nicht und ebenso auch zum Guten oder nicht...

Ich denke, dass wir uns momentan in einer Epoche befinden, in der wir es uns nicht mehr leisten können, die Folgen unserers Handelns für unsere Mitwelt nicht mitzudenken.

Leider ist Nachhaltigkeit noch nicht normal und dadurch teilweise sehr unbequem. Doch ich sehe uns als Pionier·innen, die in dieser wichtigen Zeit mutig neue Wege gehen und zeigen, was alles möglich ist.

Links zur Folge

Podcastfolge 216: Klimafreundliche Mobilität - geht das?

Podcastfolge 174: Slow Travel - die Kunst des Reisens

Fact Sheet: Wie stark wirkt sich der Flugverkehr tatsächlich aufs Klima aus?
Fact Sheet als PDF herunterladen [EN]

Sehr hörenswerte Podcastfolge [EN] von Rob Hopkins, in der die Frage erörtert wird "What if we all stopped flying?":
https://www.robhopkins.net/2021/05/28/from-what-if-to-what-next-episode-twenty-seven/

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Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge wollen wir noch mal über das Thema Reisen sprechen. Das kommt natürlich jetzt gerade im Sommer ziemlich oft zur Sprache. Und ich denke, gerade jetzt in der Pandemiesituation ist es für viele irgendwie so ein Stück Freiheit, dass sie endlich wieder reisen wollen und auch, was mich sehr schockiert hat - oder was heißt schockiert? Also ich meine, leider war es wohl zu erwarten - ist, dass die Flugzahlen wieder zugenommen haben. Also die Menschen, die mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, sind wieder mehr geworden.

Und das Thema Reisen ist auch in meinen Bildungsurlauben und generell, wenn ich zum Beispiel für die Volkshochschule zum Thema Nachhaltigkeit Kurse gebe, immer ein Thema. Und ich habe jetzt schon mehrere Bildungsurlaube gehalten und auch damit mehrere Diskussionen zum Thema Reisen geführt und die verschiedensten Argumente gehört. Und wir haben im Juni auch im Clan Plus über das Thema Reisen gesprochen und ich dachte, Carsten und ich könnten jetzt auch noch mal hier im Einfach Vegan Podcast ein wenig über das Thema Reisen plaudern.

Und wir haben ja auch schon die Folge 174 zum Thema Slow Travel gemacht, also langsam reisen, das ist immer noch aktuell und ich kann dir die Folge auch immer noch empfehlen, denn das Buch, was ich damals vorgestellt habe von Dan Kieran ist immer noch sehr lesenswert und inspirierend. Aber genauso ist natürlich auch die Folge 216 zur Mobilität noch wichtig anzuhören. Da haben wir auch über das Thema Fliegen gesprochen und das natürlich vor allem mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit.

Und ich finde es immer wieder spannend, wenn ich da im Bildungsurlaub mit meinen Teilnehmenden spreche und und wir am Anfang den ökologischen Fußabdruck berechnen und dann da herauskommt, okay der eine Flug im Jahr, den ich da hin und zurück natürlich habe, der macht doch sehr viel aus und der reisst meistens dann auch den Fußabdruck in Höhen, wo du denkst okay, ich lebe also doch gar nicht so nachhaltig. Und gerade das Fliegen, diese Fortbewegungsmöglichkeit beim Reisen, ist so klimaschädlich, dass der Gedanke ich flieg doch nur einmal im Jahr in Urlaub schon in die Irre führt.

Carsten hatte damals die Initiative „Staygrounded“ rausgesucht und vorgestellt und da gibt es einige gute Grafiken, wo dann auch noch mal der Vergleich gezeigt wird: Was ist, wenn ich ohne Auto lebe? Was ist, wenn ich vegan lebe? Was bedeutet es, wenn ich Lebensmittelverschwendung vermeide zum Beispiel? Oder vegetarisch lebe im Vergleich zu so einem Langstreckenflug? Und da hilft auch kein Abwägen: Ich mache doch schon so viel, da kann ich mir diesen einen Flug doch gönnen.

Mit dem Flugzeug reisen bleibt einfach extrem klimaschädlich und ich empfehle dir da auch wirklich noch mal bei der „Staygrounded“ Initiative nachzulesen. Ich verlinke die auch noch mal, hör dir auch gerne noch mal die Podcastfolge zu dem Thema Mobilität an, die ich schon genannt habe. Das sind Fakten. Das Fliegen ist nicht nur klimaschädlich, sondern auch sozial schädlich.

Carsten Und es ist ein Privileg.

Stefanie Ja, genau.

Carsten Ja, ich Ich möchte da vielleicht noch mal darauf anknüpfen, diese grafischen Aufstellung, um zu zeigen, wie wie schädlich ist eigentlich welches Verhalten auf das Klima beim Autofahren im Vergleich zu Langstreckenflügen oder auch die die vegane Lebensweise? Was man da jetzt, wenn man vegan lebt, jetzt tatsächlich an CO2 Emissionen einspart. Und diese ganzen Gegenüberstellungen oder Aufstellungen dienen ja nicht dazu um Kompensation zu betreiben. Also es geht jetzt nicht darum zu überlegen Mensch, ich möchte aber trotzdem irgendwie einmal im Jahr in den Urlaub fliegen, damit ich das in Zukunft machen kann, fange ich jetzt an vegan zu leben oder weniger Auto zu fahren und kann mir dann aber quasi - und das ist ja der klassische Reboundeffekt - einmal mehr einen Flug gönnen. So ist das nicht gedacht.

Es geht einfach nur darum, die Größenverhältnisse klar zu machen, einfach zu zeigen okay, da gibt es Maßnahmen oder Aktivitäten, Verhaltensweisen, die haben einen eher negativen Einfluss auf das Klima. Und da brechen Langstreckenflüge, diese klassischen Urlaubsflüge komplett nach oben hin aus. Also es gibt fast nichts, was noch irgendwie schlimmer ist. Es sei denn, du hast zu Hause irgendeinen Braunkohlebagger stehen im Garten und und betreibst da Kohleabbau. Das geht letztendlich um diese Größenverhältnisse.

Und das, was ich gerade noch sagte mit den Privilegien, das ist ja ein ein wichtiger Fakt, den man im Hinterkopf behalten muss, dass tatsächlich nur ein Bruchteil der Menschheit überhaupt das Privileg hat, fliegen zu können und zu dürfen. Nicht nur vom Finanziellen her. Auch hier in Deutschland oder in den reichen Industrieländern ist nicht jede·r finanziell in der Lage zu fliegen oder Langstreckenflüge zu machen. Es geht einfach auch schon um die Tatsache wo werde ich geboren.

Stefanie Welchen Pass habe ich.

Carsten Genau, welchen Pass habe ich, das entscheidet darüber: darf ich überhaupt fliegen oder nicht? Erlaubt mein Herkunftsland, mein Vaterland überhaupt die Ausreise oder die Einreise in andere Länder. Diese Freizügigkeit, die hat ja wirklich nur ein Bruchteil der Menschheit überhaupt und wenn man das hier so in Deutschland verfolgt, die ganzen Diskussionen, also wir glauben, dass es ein Geburtsrecht sei, dass ich fliegen darf...

Stefanie Ja, und da habe ich auch noch ein interessante Arte Dokumentation gesehen, wo zwei Menschen auch darüber diskutiert haben: Wie kann das Reisen jetzt nach der Pandemie aussehen? Und auch erwähnt wurde, dass es sein kann, dass Europa zum Beispiel sagt, dass nur noch Menschen, die geimpft sind, in Europa einreisen dürfen. Und das diskriminiert natürlich wieder alle, die überhaupt keinen Impfstoff zur Verfügung haben und lässt da dann auch wieder Barrieren entstehen. Und das sind ja alles Dinge - Also ich meine, die USA macht das jetzt auch schon oder denkt es an, dass sie nur noch geimpfte Menschen ins Land lässt - die wir auch im Hinterkopf behalten müssen, dass es da nicht nur ums Klima geht, sondern dass mit dem Flugzeug fliegen - mir wurde einmal gesagt „Ja, wir können ja alle nicht fliegen, hihihi.“ Also von daher muss ich immer dazu sagen, mit dem Flugzeug fliegen - in vielen Dimensionen schädlich ist.

Auch was jetzt Landraub zum Beispiel angeht oder Zerstörung der Umwelt, einfach durch Bau von Flughäfen, Verdrängung von Menschen, die da wohnen, Luftverschmutzung etc. etc.. Und wenn du da, wie gesagt, noch mal tiefer einsteigen möchtest, hör dir gerne die beiden anderen Podcastfolgen an, geh noch mal auf die Seite von „Staygrounded“, da ist wirklich alles detailliert aufgeführt und ich kann dir auch noch sehr empfehlen, eine Podcastfolge von Rob Hopkins, dem Begründer der Transition Bewegung, anzuhören. Die ist allerdings auf Englisch. Wenn dich das nicht stört, hör sie dir sehr gerne an, dort wird die Frage erörtert „What if we all stopped flying?“ Und das ist jetzt von Mai 2021 die Folge.

Und Rob Hopkins hat 2020 aufgrund der Pandemie mit diesem Podcast angefangen „From what if to what next.“ Das basiert so ein bisschen auf seinem neuen Buch, das leider noch nicht auf Deutsch erschienen ist, aber sobald das auf Deutsch erschienen ist, werde ich es rezensieren. Auf jeden Fall. Ich habe schon ein Rezensionsexemplar angefordert und ich kann den Podcast total empfehlen. Also wie gesagt, wenn Englisch für dich keine Hürde ist, solltest du da auf jeden Fall mal reinhören, denn da werden sehr viele What if Fragen erörtert und diese passt sehr sehr gut zum Thema Reisen und zum Thema Fliegen. Es spricht also sehr, sehr viel dafür, dass wir über eine alternative Reiseform nachdenken, das Fliegen links liegen lassen sozusagen, und uns überlegen, wie könnten wir denn das Reisen anders denken, ohne mit dem Flugzeug zu reisen? Ich denke, Kreuzfahrten, da sind wir uns wohl einig, kommen nicht in Frage.

Carsten Ist kein adäquater Ersatz.

Stefanie Wenn du da noch Fragen hast oder dich fragst, warum ist das so, werde ich dir auf jeden Fall auch noch mal einen Link in die Shownotes packen, dass du da nochmal nachschauen kannst.

Carsten Und ich hatte gelesen, Venedig hat jetzt auch ein Verbot für Kreuzfahrtschiffe ausgesprochen, weil die ja im Grunde genommen dazu beitragen, dass die Stadtstruktur auch zerstört wird.

Stefanie Ja, die haben ja gut, also wir brauchen das gar nicht, jetzt alles zu thematisieren. Es kann auch sein, dass wir das schon mal thematisiert hatten, aber jedenfalls ja, Kreuzfahrtschiffe sind kein Ersatz und ich habe in den Bildungsurlauben, wie gesagt, schon mit meinen Teilnehmenden viel diskutiert und auch darüber nachgedacht: Warum wollen wir überhaupt reisen? Welche Bedürfnisse sollen da erfüllt werden und was steckt dahinter? Denn viel ist es ja auch, dass da das Argument hochkommt okay, ich habe nur vielleicht drei Wochen Urlaub im Jahr und die will ich gut nutzen. Und wenn ich da jetzt irgendwie mit dem Zug die Anreise mache, dann gehen da schon wieder einige Tage drauf und ich kann dann an meinem Urlaubsziel Ort nur ein paar Tage verbringen. Oder ich schaffe es gar nicht bis dahin, weil das zu weit weg ist und nicht mit dem Zug erreichbar. Und deswegen muss ich fliegen, weil ich das sonst gar nicht in meine knappe Urlaubszeit bekomme.

Und wir haben da tatsächlich so auch drüber diskutiert, was sind denn so Sehnsüchte, die da befriedigt werden wollen? Denn einigen geht es auch darum, dass sie neue Länder bereisen wollen, neue Landschaften sehen, neue Kulturen kennenlernen. Und was ich sehr spannend fand und immer noch finde, ist, dass in den Diskussionen dann oft die Erkenntnis reift, dass diese drei Wochen eigentlich gar nicht ausreichen, um eine neue Kultur oder eine andere Kultur kennenzulernen oder ein Land wirklich kennenzulernen. Und dass man sich da eigentlich viel mehr Zeit für nehmen sollte. Und im letzten Bildungsurlaub hatte ich dann auch tatsächlich drei Teilnehmer·innen, die auch schon ein Sabbatical eingelegt hatten. Teilweise nur für drei Monate, teilweise für ein halbes Jahr und die dann aufgrund dieser Erfahrungen, die sie gemacht haben, dass das geht, dass du auch mal drei Monate frei hast oder sechs Monate oder ein ganzes Jahr, sich überlegt haben ja, eigentlich muss ich mir ein Jahr frei nehmen oder auch ein halbes, um dann ganz in Ruhe das Land zu bereisen, was ich kennenlernen will, um auch die Möglichkeit zu haben, das Land wirklich kennenzulernen und die Menschen dort wirklich kennenzulernen. Und dann muss ich ja auch gar nicht mehr fliegen, weil dann ist der Weg ein Teil der Reise.

Carsten Genau dann hast du ja durchaus die Möglichkeit, keine Ahnung, du fährst nach Asien, dann nimmst du diesen schönen Orient Express. Nee, ähm, man kann ja durchaus über Zugreisen jetzt auch verstärkt mit den wieder aufkommenden Nachtzügen nachdenken, die einem ja auch die Möglichkeit bieten, wirklich hervorragend längere Strecken zurückzulegen, ohne dass du es merkst. Also wirklich im Schlaf. Nee, wie fantastisch. Und gleichzeitig geben sich dann ja auch so Möglichkeiten. Ich sage mal selbst wenn du jetzt Seeweg hinter dich bringen möchtest, vielleicht gibt es ja die Möglichkeit mit einem Segelboot zu fahren. Es tun sich da ja mittlerweile immer mehr Möglichkeiten auf, weil auch gerade dieses Thema der klimafreundlichen oder klimaneutralen Fortbewegung ja stärker jetzt in den Vordergrund rutscht. Das kannst du dann ja nutzen.

Und ja, wie Stefanie gerade schon sagte, es ist Teil der Reise. Du genießt schon von dem Zeitpunkt, wo du, ich sage jetzt mal die Haustür zu Hause verlässt, beginnt eigentlich deine Reise, weil nichts anderes ist es ja. Es ist ja kein Strandurlaub, wo du dich jetzt irgendwo den ganzen Tag in der Sonne räkeln möchtest, sondern du trittst ja aktiv deine Reise an, um tatsächlich was Neues kennenzulernen. Und da ist die Erfahrung des Reisewegs natürlich dann auch etwas, was dazu gehört und durchaus etwas, was schön sein kann.

Stefanie Ja, was ich auch immer noch als Argument sehe, ist, dass wenn es dir nur darum geht, andere Kulturen kennenzulernen, dass du das teilweise auch direkt in der Nachbarschaft machen kannst. Denn Deutschland ist mittlerweile ein Land mit Menschen, die verschiedensten Kulturen angehören und da gibt es, wenn es dir nur darum geht, durchaus die Möglichkeit auch in der Nachbarschaft oder generell, wenn du dich vielleicht in deinem Stadtteil, in deiner Stadt, in deinem Dorf oder wo auch immer du lebst, engagierst, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und sie so kennenzulernen. Auch das geht, ohne dass du großartig reisen musst.

Als ich das Argument das letzte Mal gebracht habe, hieß es dann: Aber ich will ja auch die Landschaft sehen, es geht mir ja um die Landschaft. Also das heißt, da wären wir dann wieder bei dem, was ich vorhin gesagt habe, wenn es dir darum geht, denke ich, dass es wirklich viel sinnvoller ist, sich da Zeit für zu nehmen. Und da sind wir dann wieder bei dem, was wir schon in früheren Folgen besprochen haben. Gerade zum Thema Arbeit, dass es eher um Zeitwohlstand geht, als um Geld, dass wir finanziell reich sind und es gibt ja auch die Möglichkeit zu reisen und zu arbeiten. Work and Travel. Solche Möglichkeiten können sich ja durchaus auch auftun. Das kommt ja ganz darauf an, in was für Verhältnissen du lebst, wie deine Lebensrealität aussieht.

Mir war es jetzt wichtig, diese Folge noch mal aufzunehmen zum Thema Reisen, um zum einen Impulse noch mal zu geben: Was können wir tun, um Reisen anders zu denken? Aber auch, weil ich denke, dass wir mittlerweile an einem Punkt stehen, wo wir einfach nicht mehr die Wahl haben. Also wir wollen eine enkeltaugliche Welt, wir wollen eine enkeltaugliche Zukunft haben und da steht Fliegen einfach nicht mehr zur Diskussion. Also es ist keine Option mehr.

Carsten Genau, es ist eigentlich ein Widerspruch. Also ich kann nicht versuchen, jetzt irgendwie gegen die Klimakrise irgendwas zu unternehmen und gleichzeitig aber noch akzeptieren, dass ich auch noch irgendwo in Urlaub fliege oder generell fliege. Geschäftsreisen muss man natürlich genauso kritisch betrachten. Die Coronakrise hat gezeigt, dass doch viel Kontakt vornehmlich auch virtuell stattfinden kann. Ja, es hat eine komplett andere Qualität, das kann ich nicht nicht in Abrede stellen, trotzdem ist natürlich dann auch die Tatsache zu betrachten, dass vieles von dem, was ursprünglich einfach ad hoc auch auf aufgrund der gefühlt kurzen Entfernungen, schnellen Anreisezeiten und auch billigen Flugtickets, wo man einfach gesagt hat Mensch, ich flieg da mal hin für ein Meeting oder für einen Tag, dass das auch heute virtuell machbar ist, funktioniert und auch innerdeutsch diese Reisewege durchaus mit der Bahn zurückgelegt werden können.

Ich finde es durchaus viel angenehmer, meine Geschäftsreisen, die ich da gemacht habe, mit der Bahn zurückzulegen, als mich ins Flugzeug zu setzen oder so. Da bin ich vielleicht irgendwie abends mal angereist und abends dann ins Hotel rein, anstatt morgens schnell in den Flieger. Das fand ich eigentlich viel, viel angenehmer. Ja, also von daher, das ist auch machbar und es muss beides überdacht werden. Also sowohl der Faktor der Geschäftsreisen, die ja häufig innerdeutsch sind und durch diese Kurzstreckenflüge auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Klimaemissionen haben, aber auch das eigene Verhalten hinsichtlich der Urlaubssituation und der Urlaubsreise und der Urlaubsplanung.

Stefanie Ja, und ich meine, da ist es ja wirklich auch die Sache, wenn ich jetzt da zu irgendeinem tollen Hotspot geflogen bin, den ich auf Instagram gesehen habe, ist es vielleicht total voll da und alle versuchen genau das gleiche Foto zu machen, was du auf Instagram gesehen hast. Und alle versuchen diesen einen Maya Tempel zu sehen oder so und sich davor zu fotografieren. Und das ist alles stressig und alles voll und gehetzt. Es ist alles nicht so schön am Flughafen, das ist auch stressig. Diese ganzen Sicherheitsabfertigungen und was du da alles machen musst. Dann musst du früher anreisen und so und diesen ganzen Stress, willst du den wirklich?

Also das ist ja auch die Frage: Ist es das? Was ist es, das du willst? Nochmal so einen Schritt zurück zu gehen und dir zu überlegen was willst du eigentlich mit dem Reisen, mit dem Urlaub erreichen? Was für ein Bedürfnis soll gestillt werden? Und geht das nicht vielleicht auch irgendwie klimafreundlicher? Und wenn du jetzt sagst okay, ich habe ein Wohnmobil, das habe ich mir jetzt zum Beispiel während der Pandemie angeschafft oder ich hatte es schon vorher und nutze es jetzt, weil ich damit viel unabhängiger bin. Gibt es ja auch da die Möglichkeit zu sagen, ich teile das vielleicht mit anderen. Also da gibt es mittlerweile auch Plattformen, wo du vielleicht gar kein eigenes Wohnmobil brauchst, sondern dir eins leihen kannst oder dein Wohnmobil mit anderen teilen.

Und da habe ich auch schon von einigen Wohnmobilbesitzer·innen gehört, dass die da gute Erfahrungen mit gemacht haben. Dass es auch eine Möglichkeit ist, dass wir weggehen von diesem besitzen und individuell, ich allein bin wichtig, hin zu dem Gedanken okay, mein Handeln hat eine Auswirkung auf diese Welt, global betrachtet, auch wenn ich jetzt hier nur für mich irgendwas tue. Und wie kann ich möglichst enkeltauglich leben und muss ich wirklich alles besitzen? Das sind ja alles Dinge, die wir so überlegen sollten. Natürlich ist das immer noch unbequem, weil das einfach neue Wege sind, die wir da gehen.

Aber ich sehe uns als Pionier·innen, die in dieser wichtigen Zeit mutig neue Wege gehen und zeigen, was alles möglich ist. Und so denke ich, dass auch du die Möglichkeit hast, zu überdenken, wenn du bisher noch mit dem Flugzeug fliegen solltest. Und es ist ja durchaus auch aufregend und spannend, sich mal zu überlegen: Wie kann das anders gehen? Das ist ja irgendwie auch eine spielerische Herausforderung. Ich finde sowas eigentlich total spannend, mal zu überlegen okay, also ich habe es bisher so gemacht und jetzt tüftele ich mal eine Lösung aus, wie ich das anders machen kann. Wie kann ich dieses Bedürfnis auf eine andere Art erfüllen und kann vielleicht auch andere Wege finden? Für mich ist das total aufregend, mal zu überlegen, neue Wege aussuchen, Abenteuer und einfach das Reisen neu zu denken, anders zu denken.

Und das ist es, wozu ich dich mit dieser Folge einladen möchte: Das Reisen neu zu denken, anders zu denken, dem nachhaltigen Reisen eine Chance zu geben. Und sicherlich haben wir das jetzt hier nicht allumfassend besprochen und sicherlich gibt es noch ganz viele Möglichkeiten, was du dir noch so überlegen kannst. Aber diesen ersten Impuls zu setzen und zu sagen ja, ich überlege mir jetzt mal, wie ich anders reisen kann. Und ein Flugzeug ist für mich keine Option. Eine Kreuzfahrt ist für mich keine Option. Das Auto ist vielleicht für mich auch keine Option, das Wohnmobil vielleicht auch nicht. Das heißt, wie kann ich mit dem Zug reisen? Wie kann ich vielleicht zu Fuß, mit dem Fahrrad reisen?

Es gibt ja viele Möglichkeiten und du kannst trotzdem mal schauen, wenn du sagst okay, ich bin einfach auf das Auto angewiesen. Vielleicht bist du auf einen Rollstuhl angewiesen und da ist es erwiesenermaßen immer noch total schwierig, mit der Bahn zu fahren und unangenehm - ich kann da nicht aus eigener Erfahrung sprechen, habe aber schon von einigen gehört, dass es so ist - Das heißt wie gesagt, gleiche es mit deiner Lebensrealität ab und schau, wie kannst du enkeltauglich reisen, quasi also für eine enkeltaugliche Zukunft sorgen? Und was könnte dein erster Schritt sein?

Carsten Dann wünschen wir dir eine wunderschöne Urlaubszeit und sagen in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Über Querdenken, Impfen und Gewalt im Pferdesport

Ein Beitrag

Folge 235 - Über Querdenken, Impfen und Gewalt im Pferdesport

Wir nehmen in dieser Folge Stellung zu dem Begriff "Querdenken", Impfungen gegen Covid-19 und dem aktuellen Vorfall im Springreiten bei Olympia in Tokio.

Meiner Meinung nach ist Gewalt gegenüber den Tieren im Pferdesport keine Ausnahme, sondern die Regel - das ist zumindest die Erfahrung, die ich in den 11 Jahren gemacht habe, als ich den größten Teil meiner Freizeit in Reitställen und mit Pferden verbracht habe.

Ich denke, dass hier auch wieder die Karnismus-Theorie greift, durch die wir unser Pferd gleichzeitig lieben und mit der Gerte schlagen können.

Links zur Folge

Stop Finning - rettet das Ökosystem Meer

Ein Beitrag

Folge 234 - Stop Finning - rettet das Ökosystem Meer

Diese Folge ist dem Thema Haischutz gewidmet. Carsten unterhält sich hierüber mit Nils Kluger, dem Vorstand von StopFinning EU e.V. Wir sprechen darüber, was Finning bedeutet, welche Rolle Haie für ein gesundes maritimes Ökosystem spielen und warum der Schutz der Haie gerade uns hier in Europa etwas angeht und dringend benötigt wird.

Bis zum 31.01.2021 läuft auf EU-Ebene die Bürgerinitiative um den Handel mit Haiflossen aus Europa zu stoppen. Bisher sind europaweit bereits mehr als 260.000 Unterschriften gesammelt worden. Ziel ist das Knacken der 1 Millionen-Unterschriften-Grenze.

Links zur Folge

Intitiative "Stop Finning"
www.stop-finning-eu.org

Der Link zum Welcome-Webinar:
https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZMldemurz8uHN1FIzvvSeXfAyYukO9_W9Ve

Der Link zur EU-Seite der Initiative "Stop Finning":
https://eci.ec.europa.eu/012/public/#/screen/home

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Folge 233 - Deine vegane Vision von 2030

Ein Beitrag

Folge 233 - Deine vegane Vision von 2030

Wenn du schon länger zuhörst, weißt du, dass ich für die Volkshochschule auch Bildungsurlaube gebe zum Thema aktiv fürs Klima und ich lese auch sehr viel zu diesem Thema und möchte wirklich unsere Zukunft aktiv mitgestalten.

Ich habe letztens angefangen, ein Buch zu lesen, über Menschen, die sich Gedanken machen, wie unsere Welt 2030 aussehen kann und leider fehlt da immer in all diesen Zukunftsvisionen das Mensch-Tierverhältnis und es wird fast durchgängig aus der karnistischen Sichtweise heraus erklärt, interpretiert und die Visionen erfolgen aus dieser Sichtweise heraus.

Und deswegen ist in mir der Wunsch aufgekommen alle Menschen, die schon vegan leben, zu befragen nach ihrer Vision "Wie wird unsere Welt 2030 aussehen? Und wie kann ein gutes Leben für für alle Lebewesen, also nicht nur für die Menschen auf dieser Welt, auf diesem Planeten aussehen?"

Ich möchte dich mit dieser Folge dazu einladen, deine Vision von einer klimagerechten Welt und einem guten Leben für alle Lebewesen zu erträumen.

Denn was wir brauchen sind diese Geschichten, diese positiven Geschichten, diese Geschichten davon wie diese Welt auch anders funktionieren kann. Bei der Art und Weise, wie wir es schaffen solche Geschichten zu erträumen, war mir jetzt Rob Hopkins, der Begründer von Transition Network auch wieder eine große Hilfe, denn er hat ein neues Buch geschrieben, was erst im Oktober auf Deutsch erscheint, aber der englische Titel ist what if und gerade diese Frage und diese Erlaubnis uns zu erträumen, was wäre wenn, was könnte alles möglich sein und dabei auch wegzulassen, "aber das geht nicht, weil oder das haben wir schon immer so gemacht und ach, das wird nie klappen, weil" diese ganzen begrenzenden, limitierenden Gedanken wegzulassen, das finde ich so bestechend an diesem Gedanken.

Und weil mich das eben so nervt, dass wir hier immer nur Visionen haben von Menschen, die gefangen sind in diesem karnistischen Weltbild und alles aus dieser karnistischen Sichtweise heraus argumentieren würde ich mich riesig darüber freuen, wenn wir eine Welle schaffen, eine Welle an Veganerinnen, die Geschichten erzählen, darüber, wie unsere Welt klimagerecht aussehen kann und wie ein gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten aussehen kann.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Johanna H.)

Stefanie Kurz einmal vorab für alle, die sich vielleicht irgendwie wundern, wenn nicht genug Podcastfolgen hier in diesem Podcast erscheinen oder generell vielleicht es etwas stiller um uns und auch um mich mit „Von Herzen Vegan“ ist: Wir sind gerade dabei umzuziehen und das kostet dann doch viel Zeit und Kraft. Und ja, wir haben es endlich geschafft, eine neue Wohnung zu finden. Und haben auch die Hoffnung, uns da noch stärker in die Gemeinschaft einzubringen oder einbringen zu können. Und wer weiß, was sich daraus so alles entwickeln wird. Auf jeden Fall ziehen wir wieder nach Hamburg zurück, so dass wir nicht mehr „in der Metropolregion Hamburg“ sagen müssen, sondern wieder...

Carsten ...direkt „Hamburg“.

Stefanie Direkt „Hamburg“. Also ist natürlich für Menschen, die in Hamburg leben, dann vielleicht nicht direkt Hamburg, aber rein vom Geografischen her ist es Hamburg. Und deswegen also nochmal als Erklärung, warum es vielleicht manchmal länger dauert, bis eine Podcastfolge erscheint oder wir die Möglichkeit haben, etwas aufzunehmen, liegt es tatsächlich daran.

Carsten Ja, und wir sind natürlich bestrebt - also heute ist ein gutes Beispiel - wir verlassen durchaus unsere Komfortzone. Ich habe mein Frühstück pausieren lassen, um diese Folge aufzunehmen. Also wir reißen uns hier richtig am Riemen!

Stefanie Und das machen wir deswegen, weil diese Folge tatsächlich sehr wichtig ist. Wenn du schon länger zuhörst, weißt du, dass ich für die Volkshochschule auch Bildungsurlaube gebe zum Thema „Aktiv fürs Klima“. Und ich lese auch sehr viel und zu diesem Thema und möchte wirklich unsere Zukunft aktiv mitgestalten.

Und ich habe jetzt letztens angefangen, ein Buch zu lesen über Menschen, die sich Gedanken machen, wie unsere Welt 2030 aussehen kann. Und leider fehlt da immer in all diesen Zukunftsvisionen das Mensch-Tier-Verhältnis und das merke ich in allen Dimensionen. Also bei der Transition-Bewegung wird das nicht mitgedacht, bei den verschiedensten Ideen, die mittlerweile kursieren. Und da gibt es wirklich viel. Wenn wir hinschauen, gibt es da tatsächlich sehr, sehr viel, was da existiert. Wie viele Menschen eigentlich auch schon unterwegs sind und sich da Gedanken machen, aber das Mensch-Tier-Verhältnis wird immer vernachlässigt und es wird fast durchgängig aus der karnistischen Sichtweise heraus erklärt, interpretiert und die Visionen erfolgen aus dieser Sichtweise heraus.

Und deswegen ist in mir der Wunsch aufgekommen, doch alle Menschen, die schon vegan leben, zu befragen nach ihrer Vision. Wie wird unsere Welt 2030 aussehen und wie kann ein gutes Leben für alle Lebewesen, also nicht nur für die Menschen auf dieser Welt, auf diesem Planeten aussehen?

Und ich möchte dich mit dieser Folge dazu einladen, deine Vision von einer klimagerechten Welt und einem guten Leben für alle Lebewesen zu erträumen. Denn was wir brauchen, sind diese Geschichten, diese positiven Geschichten, diese Geschichten davon, wie diese Welt auch anders funktionieren kann. Bei der Art und Weise, wie wir das schaffen, wie wir es schaffen, solche Geschichten zu erträumen, war mir jetzt Rob Hopkins, der Begründer von Transition Network, auch wieder eine große Hilfe, denn er hat ein neues Buch geschrieben, was jetzt erst im Oktober auf Deutsch erscheint. Aber der englische Titel ist „What If“. Und gerade diese Frage „what if?“ und diese Erlaubnis, uns zu erträumen „was wäre wenn?“, „was könnte alles möglich sein?“ und dabei auch wegzulassen „aber das geht nicht, weil...“ oder „das haben wir schon immer so gemacht“ und „ach, das wird nie klappen, weil...“ - diese ganzen begrenzenden, limitierenden Gedanken wegzulassen, das finde ich so bestechend an diesem Gedanken. Und das finde ich auch so wichtig, denn es gab immer diese Momente, in denen wir gedacht haben, dass die Welt so ist.

Du kennst das selbst als Veganer·in, dieses „normal, natürlich und notwendig“, teilweise noch „nett“ dazu - die drei bis vier Ns, die auch den Fleischkonsum, den Karnismus beschreiben und die die Sklaverei beschrieben haben zum Beispiel, die für uns zumindest eigentlich - wir können da natürlich weitergehen mit digitaler oder neuer Sklaverei oder moderner Sklaverei, also klar, natürlich - aber die Sklaverei, wie wir sie damals kannten, die ist für uns jetzt nicht mehr normal.

Oder auch das Frauenwahlrecht, dass Frauen einfach nicht wählen dürfen, das ist etwas, was ja noch gar nicht so lange wirklich der Fall ist und was aber vor 100 Jahren oder auch - doch, vor 100 Jahren und vor, sagen wir mal 120 Jahren - noch gang und gäbe war, dass Frauen überhaupt gar nicht wählen durften in den meisten Ländern und wo es total normal war, natürlich und für Männer auch notwendig, dass Frauen nichts zu sagen hatten. Und ich als Frau kann mir das heute einfach nicht mehr vorstellen.

Natürlich gibt es immer noch Länder auf dieser Welt, wo das immer noch so ist, wo das Patriarchat regiert und auch hier ist immer noch nicht alles so im grünen Bereich, sag ich mal, aber wir haben uns fortbewegt und wir haben immer und immer wieder in unserer Geschichte bewiesen, dass wir das, was uns gerade normal, natürlich und notwendig erscheint, dass wir das in Frage stellen können und dass wir das auch loslassen und überwinden können.

Und ich denke, das ist wichtig, dass wir uns da in so ein Gefühl, in so eine Lage hineinversetzen, in der wir das können, in der wir das zulassen und in unserem Kopf einen Raum öffnen, in dem wir denken können und dürfen, was wir wollen und es uns erlauben zu träumen.

Und weil mich das so nervt, dass wir hier immer nur so Zukunftsvisionen haben von Menschen, die gefangen sind in diesem karnistischen Weltbild und alles aus dieser karnistischen Sichtweise heraus argumentieren, würde ich mich riesig darüber freuen, wenn wir eine Welle schaffen, eine Welle an Veganer·innen, die Geschichten erzählen darüber, wie unsere Welt klimagerecht aussehen kann und wie ein gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten aussehen kann - zum Beispiel, wenn wir das jetzt einfach mal als Datum nehmen, im Jahr 2030.

Und wenn du magst, schließ jetzt gerne einmal deine Augen und atme mal tief ein und wieder aus. Lass den Atem mal so tief fließen und lass das mal in deinem Kopf entstehen, dieses Bild. Was wäre, wenn wir nach der Pandemie nicht weitermachen wie bisher, sondern beginnen, klimaneutral zu leben? Was wäre, wenn wir es schaffen, bis 2030 eine klimagerechte Welt zu schaffen? Ein gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten. Wie würde diese Welt aussehen? Lass diese Gedanken einfach einmal wirken und kreisen. Atme weiter und stell dir eine Welt vor. Wie könnte ein gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten aussehen? Wie würdest du arbeiten? Wo würdest du leben? Wie würden wir mit unseren Mitlebewesen umgehen? Wie würden wir mit unserer Mitwelt umgehen? Was würdest du hören? Was würdest du sehen? Was würdest du riechen? Was würdest du schmecken? Was würdest du fühlen?

Wenn du dir vorstellst, du wachst jetzt auf an einem Tag im Jahr 2030. Wie würde dein Tag aussehen? Was würdest du nach dem Aufstehen machen? Wo würdest du vielleicht auch aufwachen? Wer wäre bei dir? Oder wärst du vielleicht auch allein? Was siehst du, wenn du aufwachst? Was hörst du? Was riechst du? Was ertastest du? Vielleicht auch: Was schmeckst du? Wie würde dein Tag verlaufen? Wo würdest du sein? Was würdest du tun? Was würdest du erleben? Mit wem verbringst du deinen Tag? Und wie bewegst du dich fort? Und wenn du Kinder hast: Wie wird deren Tag vielleicht auch aussehen? Werden sie noch genauso zur Schule gehen wie heute? Oder sieht Schule vielleicht dann ganz anders aus? Wie wird das Leben sein?

Und all diese Gedanken, die jetzt hochkommen, bei denen du denkst „ja, aber...“, „das geht nicht deswegen...“ und all das Einschränkende - „das kann nicht funktionieren, weil...“ - lass das alles ziehen. Stell dir vor, du hast die Macht, alles so zu verändern, dass ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten möglich ist. Und damit sind dann nicht nur die Menschen gemeint, sondern alle Lebewesen. Wie sieht diese Welt im Jahr 2030 aus? Wie sieht dein Tag im Jahr 2030 aus? Erlaube es dir, zu träumen. Lass all diese begrenzenden Gedanken ziehen. Auch wenn es dir unrealistisch erscheint, erlaube es dir, zu träumen.

Und wenn du jetzt dieses Bild in deinem Kopf hast entstehen lassen, dann schreibe es nieder, male es auf – so, wie du das Gefühl hast, dass es dir entspricht. Mach ein Video, nimm ein Audio auf, was du für ein Gefühl hast, wie du diese gerechte, diese klimagerechte, sozial gerechte Welt am besten für dich präsentieren kannst. Es gab schon so viele Momente in der Geschichte unserer Menschheit, in denen wir dachten, dass ein Wandel nicht möglich ist. Und dann haben wir es doch geschafft. Also wird auch diesmal ein Wandel möglich sein und er muss auch möglich sein, damit wir unsere Lebensgrundlage, unseren Planeten retten können.

Und du als Veganerin oder Veganer spielst da eine Schlüsselrolle. Denn du denkst das Mensch-Tier-Verhältnis mit und du bist die Stimme für die Tiere, für all diese Lebewesen, die nicht in einer menschlichen Sprache sprechen können, deren Sprache wir nicht verstehen und für die du dich einsetzen kannst, weil du ihre Bedürfnisse und ihr Leid zumindest ansatzweise verstehst.

Wir alle tragen dieses Potenzial in uns, die Welt zu verändern und auch die Welt neu zu denken und neu zu erträumen. Und auch du trägst dieses Potenzial in dir. Und wir verändern die Welt ja auch schon, egal, ob wir es wollen oder nicht. Zum Guten wie zum Schlechten. Und wenn wir uns jetzt ganz bewusst dazu entscheiden, die Welt gut neu zu erträumen, dann haben wir auch diese Macht in uns. Und jetzt geht es zunächst einmal wirklich nur ums Erträumen. Lass es zu. Stell dir die Frage: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn? Und bring deine Gedanken zu Papier oder in eine andere Form.

Und dann freue ich mich natürlich, wenn du mir diese Gedanken zugänglich machst, deine Geschichte, und sie entweder per E-Mail an mich schickst an post@vonherzenvegan.de - „von Herzen vegan“ in einem Wort ohne Bindestriche - oder im Von-Herzen-Vegan-Clan teilst. Den Link zu der Community findest du immer unter der Folge oder in den Shownotes. Und so einfach neue Geschichten in die Welt bringst. Neue Möglichkeiten. Denn dadurch, dass wir anfangen, diese Möglichkeiten zu denken und diese Geschichten zu teilen, können sie auch wahr werden. Denn dadurch machen wir den ersten Schritt dorthin.

Und nach allem, was ich jetzt so gesehen, gelesen und gehört habe, brauchen wir unbedingt diese Geschichten. Die Welt braucht diese Geschichten, in denen das Mensch-Tier-Verhältnis mitgedacht wird. Und wenn du so eine Geschichte in dir trägst, wenn du diese Geschichte teilen möchtest, dann tu es bitte sehr gerne. Das hier ist ein Aufruf an dich. Aktiviere diese Geschichte in dir, schreib sie auf, nimm sie auf als Audio, mach einen Film daraus oder male ein Bild. Was auch immer du am liebsten machst, tu das und teile es. Und am liebsten teile es natürlich mit mir. Aber natürlich kannst du es auch gerne mit anderen teilen.

Und mein Wunsch wäre tatsächlich, dass wir diese ganzen Geschichten vielleicht in einem Buch bündeln oder in einem Podcastformat oder einem eigenen Podcast oder was auch immer wir uns vorstellen, aber dass wir diese Kraft der Geschichten bündeln und der Welt zeigen: Es geht auch anders. Es kann auch funktionieren, indem wir das Mensch-Tier-Verhältnis mitdenken und rausgehen aus dieser karnistischen Sichtweise. Und die Kraft, die besonders große Kraft läge tatsächlich darin, dass wir unsere Geschichten bündeln. Und da würde ich mich einfach sehr freuen, wenn du mir erstmal deine Geschichten zuschickst und wir dann gemeinsam schauen können, wie es weitergeht.

Carsten Ja, wir möchten da wirklich was starten, weil ich glaube, es ist wichtig, Geschichten zu schreiben, damit wir irgendwann - das mag jetzt pathetisch klingen - vielleicht auch Geschichte schreiben können. Geschichten eröffnen Vorstellungswelten.

Und wie Stefanie vorhin schon sagte, wir haben im Vorfeld Bücher gelesen bzw. auch Filme geguckt über Zukunftsvisionen, denen dieses Mensch-Tier-Verhältnis, ja, entweder fehlte oder immer noch aus der karnistischen Perspektive dann diese Sichtweise erzählt wurde und das empfinden wir als absolut ungenügend und eigentlich auch nicht mehr zukunftsfähig. Und wir brauchen dort einen anderen Erzählrahmen.

Also so sehr Geschichten auch einengen können, das merken wir daran, wenn du beim Durchspinnen deiner - ich sage jetzt ganz bewusst „spinnen“, weil man damit ja auch so ein bisschen in die Utopie reingeht - also wirklich mal zu überlegen, wie deine Zukunft im Jahre 2030 aussehen wird, dieses ganze „ja, aber...“ und diese ganzen Begrenzungen, die aufkommen, die entstehen eigentlich aufgrund der Geschichten, die wir bisher erzählt und gehört haben. Und das zu durchbrechen, können wir auch nur durch neue Geschichten erreichen. Und genau das ist wichtig. Schreib Geschichten, schreibt Geschichte.

Stefanie Ja, und was wir jetzt brauchen, ist eigentlich nicht mehr Hoffnung, sondern Mut. Wir brauchen mutige Menschen, die mutige Gedanken haben und große Visionen und mutige Visionen erzählen und große Geschichten.

Und ich habe jetzt in dem Bildungsurlaub wieder von dem Film „Tomorrow“ einige Szenen gezeigt und Rob Hopkins sagt in diesem Film, dass wir großartig darin sind, uns Geschichten zu erzählen über den Weltuntergang - dass wir von irgendwelchen Aliens angegriffen werden, die Welt, die Erde, der Planet wird in Schutt und Asche gelegt, wir werden irgendwie versklavt, alles Mögliche passiert. Aber wir sind ganz schlecht darin, uns Geschichten zu erzählen, wie schön alles werden könnte, wenn es anders wird. Wenn wir in einer Welt leben, die gerecht ist und wo ein gutes Leben für alle Lebewesen möglich ist. Und mein Lieblingsbild ist, was er dann immer beschreibt, dass wir dann denken: „Oh, wenn wir jetzt auf all das verzichten müssen“. Das ist ja auch gerade immer dieses Problem, dass das nächste Bild, das hochkommt, Verzicht ist. Dabei ist es total wichtig, dass wir den Fokus wegnehmen von dem Verzicht hin zu dem, was wir gewinnen, hin zu dem, was alles schön sein könnte, dass dann dieses Bild hochkommt, dass wir dann in kalten Höhlen sitzen und an verrotteten, kalten, rohen Kartoffeln nagen und so, und dass es das Ende der Welt ist, wenn sich jetzt etwas ändert, aber es könnte fantastisch sein.

Und viele, viele Menschen auf diesem Planeten leben das ja auch schon vor. Gerade die Transition-Bewegung macht schon so viel vor. Aber was mir fehlt, ist das Mitdenken des Mensch-Tier-Verhältnisses und da bist du die Schlüsselperson. Du als Veganer oder Veganerin hast da totales Potenzial, diese Geschichten und diese Bausteine, die es auch alle schon gibt, so weit auszudehnen, dass ein gutes Leben für alle Lebewesen, für alle Lebewesen, nicht nur den Menschen, auf diesem Planeten möglich ist. Ein sozial gerechtes, ein klimagerechtes Leben.

Und ich denke, es wäre fantastisch und großartig, wenn wir das schaffen könnten, Unmengen dieser Geschichten zusammenzuführen und daraus einfach eine große, riesige Vision zu spinnen, die anderen Menschen, die immer noch in ihrem karnistischen Weltbild gefangen sind, zeigen können und auch zeigen kann, dass so ein Leben fantastisch sein kann.

Carsten Ja, also zück jetzt deinen Stift, schwing die Tastatur, wollte ich gerade schon sagen. Fang an zu tippen, zu schreiben, aufzunehmen. Bring das zu Papier oder ins Audio oder vielleicht auch das Video, was Stefanie vorhin schon ansprach - je nachdem, welches Format dir am besten geeignet erscheint, um genau diese Vision irgendwo festzuhalten. Und wir würden uns wirklich tierisch freuen, wenn du diese Vision mit uns teilst und daraus dann etwas Großes passieren kann.

Stefanie Ich sage nochmal, an die E-Mail-Adresse post@vonherzenvegan.de, „von Herzen vegan“ in einem Wort ohne Bindestriche oder teil deine Vision im Clan, im Von-Herzen-Vegan-Clan. Da bist du immer herzlich willkommen, wenn du von Herzen vegan lebst und in eine Community von Gleichgesinnten eintauchen möchtest.

Je nachdem, auf welchem Weg, teil sehr gerne deine Vision mit uns und dann schaffen wir es bestimmt auch wirklich, diese großartigen Visionen dann in die Welt hinauszutragen und andere zum Mitträumen und vor allem zum Handeln anzustiften.

Und teil natürlich auch sehr gerne diese Podcastfolge und die Idee, den Aufruf mit anderen Veganer·innen, damit sich unendlich viele Geschichten sammeln können und wir beweisen können, dass so etwas nicht nur gedacht, sondern auch gemacht werden kann.

Und bevor wir uns jetzt hier verabschieden, möchte ich mich auf jeden Fall noch bei allen bedanken, die diesen Podcast und auch alle anderen kostenlosen Inhalte, die ich so zur Verfügung stelle, finanziell über Steady oder über Einmalzahlungen bei PayPal unterstützen. Ganz herzlichen Dank!

Carsten Vielen, vielen Dank auch von mir.

Stefanie Und natürlich auch bei allen, die mir und Carsten freundliche E-Mails schreiben, Rezensionen bei iTunes hinterlassen oder auf anderem Wege Werbung machen für diesen Podcast und auch die anderen Podcasts und kostenlosen Inhalte.

Carsten Und vielleicht zum letzten oder vorletzten Mal - wir wissen es noch nicht - in diesem Sinne: In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüs.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Filmrezension: The seeds of Vandana Shiva

Ein Beitrag

Folge 232 - Filmrezension: The seeds of Vandana Shiva

Ich muss mich in dieser Folge einmal outen: ich bin ein sehr großer Fan von Vandana Shiva und ich habe ihr Wirken erst in den letzten Monaten bewusster wahrgenommen.

Dabei muss ich zu meiner Schande gestehen, dass Vandana Shiva schon vor meiner Geburt eine bekannte Umweltaktivistin war und auch heute natürlich immer noch ist.

Du kennst Vandana Shiva bestimmt schon aus verschiedenen Dokumentationen zum Thema Klimagerechtigkeit oder Welternährung, denn ihr Hauptthema ist vor allem der Kampf für Saatgutsouveränität und gegen Monsanto.

Nun gibt es einen Film über Vandana Shivas Leben und Wirken als Wissenschaftlerin und Aktivistin und ich hatte die Chance diesen Film online über ein Festival anzuschauen.

Den Film gibt es derzeit (Mai 2021) nur auf englisch ohne Untertitel und auch noch nicht offiziell zu kaufen.

Melde Dich am besten auf der Filmwebseite für den Newsletter an, dann bekommst Du eine Nachricht, wenn es die Möglichkeit gibt, den Film "The seeds of Vandana Shiva" anzuschauen.

Es lohnt sich uneingeschränkt, denn Vandana Shiva ist eine durch und durch inspirierende Persönlichkeit. Sie beweist einmal mehr, dass es schon immer Einzelpersonen und kleine Gruppen waren, die in unserer Historie etwas bewirkt haben.

Links zur Folge

Der Film "The seeds of Vandana Shiva"
https://mindjazz-pictures.de/filme/vandana-shiva/

Video: "Oneness vs. the 1%" [EN]
https://www.youtube.com/watch?v=f9lq-uBdxg8

Podiumsdiskussion "SystemChange - Gegen den BurnOut des Planeten"
https://www.youtube.com/watch?v=QshcBL_QQXM

Von Herzen Vegan Podcast
https://von-herzen-vegan.de/von-herzen-vegan-podcast

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Und wir nehmen diese Folge jetzt ganz frisch direkt auf, nachdem wir einen Film zusammen angeschaut haben. Denn wir haben jetzt tatsächlich den Luxus, dass wir noch ein bisschen Zeit haben für uns. Und wir haben gedacht, ehe wir den Film so ohne Mikrofon besprechen, nehmen wir das doch gleich einfach mal sofort auf. Und es geht um den Film „The Seeds of Vandana Shiva“, der jetzt gerade auf Festivals gezeigt wird. Und ich habe durch einen Glücksfall ein Ticket dafür bekommen. Also das habe ich natürlich selbst bezahlt. Es ist jetzt nicht geschenkt worden oder so oder irgendwie gesponsert, aber ich musste feststellen, dass das bei diesem Filmfestival zum einen erstmal möglich war, das zu kaufen und da stand dann als Restricted Areas eigentlich nur Australien.

Und als wir gestern Abend uns den angucken wollten, stand auf einmal Europe auch dabei. Und dann mussten wir erstmal mit dem Support chatten und fragen, was das denn jetzt soll und jetzt wurde allen, die schon vorher, bevor Europa auch als Restricted Area gekennzeichnet wurde, die Erlaubnis erteilt, sich den Film anzuschauen. Deswegen weiß ich jetzt nicht, ob das für dich möglich sein wird, den Film vorab anzuschauen. Musst du dann mal gucken. Ich verlinke dir auf jeden Fall mal die Möglichkeiten, wo du ihn sehen kannst. Und Carsten hat, nachdem wir jetzt den Film angeschaut haben, auch gleich eine Vermutung, warum da jetzt auf einmal Europa auch als Restricted Area angezeigt wurde.

Carsten Ja, es geht schon so ein bisschen in Richtung Aluhut Philosophie, aber für mich war der Film wirklich bewegend und er hat mich auch tatsächlich angespornt und so mein erster Impuls nach dem Film war - also neben dem Wegwischen der Tränen, die einem doch in die Augen treten bei dem Film. Nicht weil er traurig ist, sondern weil er einfach so bewegend und und berührend ist - darüber hinaus hatte ich tatsächlich so diesen diesen massiven Impuls: Ich schnapp mir jetzt irgendein Demonstrationsschild und geh raus auf die Straße und demonstriere. Ich wusste zwar jetzt nicht wofür, aber dieser Impuls war einfach da.

Stefanie Wogegen schon, nämlich vor allem gegen Monsanto. Vandana Shiva, falls du sie nicht kennst, wird auch als Monsantos schlimmster Albtraum bezeichnet. Und Carsten hat eine Philosophie...

Carsten Sagen meine Theorie, nicht meine Philosophie.

Stefanie Eine Theorie.

Carsten Ja genau. Also diese Schwurbel Theorie würde ich schon fast sagen, könnte ich mir natürlich vorstellen, da Monsanto jetzt mittlerweile zu Bayer gehört und Bayer ein europäischer Konzern ist. Dass vielleicht das eine mit der Geoblocking Thematik für Europa jetzt schon zusammenhängt, ist aber nur eine Vermutung. Es ist tatsächlich so: der Film ist ein klares Statement für nachhaltige, kleinteilige, ökologische Landwirtschaft. Und ein ebenso klares Statement gegen die industrielle Landwirtschaft, wie sie auch ja gerade von Großindustrie und Konzernen forciert wird.

Stefanie Ja, und der Film ist eigentlich die Lebensgeschichte von Vandana Shiva, die ja schon tatsächlich seit mehr als 50 Jahren aktiv ist und sich als Aktivistin engagiert. Man sieht es ihr nicht an, dass sie schon einige Jährchen älter ist und ich fand den Film einfach total bewegend. Und Vandana Shiva ist für mich zu einem Vorbild geworden. Jetzt in den letzten Monaten tatsächlich erst so, weil ich sie jetzt immer näher kennengelernt habe. Nicht persönlich, sondern durch viele Dokumentationen, die ich angeschaut habe.

Auch als sie da bei dem „Lesen ohne Atomstrom“ Festival mitgemacht hat, war das für mich einfach eine totale Bereicherung und Inspiration diese Frau zu sehen. Und jedes Mal wenn ich Vandana Shiva sehe, fühle ich mich wirklich motiviert und habe das Gefühl, dass diese Frau einfach so viel Kraft hat und Energie, dass sie ein riesengroßes Vorbild ist. Und für mich ein ganz, ganz tolles Beispiel dafür, was Einzelpersonen bewirken können. Und deswegen wollte ich unbedingt diesen Film sehen, der ihr Lebenswerk zeigt und die verschiedenen Stationen, die sie schon in ihrem Leben als Aktivistin und generell als Frau gegangen ist. Und natürlich auch den Gegenwind, den sie bekommen hat.

Aber es ist so bewegend, dass sie ja schon lange bevor Carsten und ich geboren wurden, aktiv war und so viel getan hat und einfach gesehen hat, was da alles schief läuft in unserer Welt und in so vielen verschiedenen Bewegungen schon mitgemacht hat. Und mich hat auch besonders berührt, dass auch sie natürlich nicht als Aktivistin geboren wurde, sondern am Anfang als Atomphysikerin gearbeitet hat. Und erst dadurch, dass ihre Schwester, die als Ärztin gearbeitet hat - ich weiß nicht, ob sie das immer noch macht, aber jedenfalls damals als Ärztin gearbeitet hat, ihr die Augen geöffnet hat für die Nachteile der Atomphysik, die Atomreaktoren und alles was Nuklearenergie, sag ich jetzt mal, mit sich bringt, also dieses unglaubliche Leid auch, was da entsteht. Atombomben, Atomreaktorunfälle, alles, was schon passiert ist.

Carsten Also die Strahlung an sich. Das hatte Vandana Shiva da in der Dokumentation ja auch noch mal gesagt, dass ihr in ihrer Ausbildung zur Atomphysikerin im Grunde genommen ja nur so Kettenreaktion und so dieses sehr abstrakte Wissen über diese ganze physikalische Ebene vermittelt wurde, aber gar nicht auf diese Strahlungsebene, was das für gesundheitliche Auswirkungen hat. Und da hat man dann festgestellt, dass die Wissenschaft an der Stelle einseitig ist, also so nur mit einem Auge schaut. Und sie hat für sich beschlossen, dass sie den ganzheitlichen Blick auf die ganze Thematik haben möchte und nicht immer nur einseitig. Und das war für sie so der zündende Funke zu sagen: dann dann bin ich falsch in diesem Metier, was ich mir gerade beruflich ausgesucht habe.

Stefanie Und das beleuchtet der Film. Das wird da alles thematisiert und ihr Lebensweg wird da gezeigt, die verschiedenen Stationen und wie sie dann auch zum Aktivismus gekommen ist, zur Galionsfigur quasi auch der ökologischen Landwirtschaft und gegen Monsanto und alle, die diese gentechnisch veränderten Saaten da wirklich verbreiten wollen. Und auch die Erkenntnisse, wie sie die gewonnen hat und über die Jahre einfach auch durch ganz, ganz viel Selbststudium sich angeeignet hat und sich da hingesetzt hat und das alles durchgearbeitet hat und auch ihre Fähigkeiten einfach genutzt hat. Dadurch, dass sie Englisch konnte, hat sie dann auch übersetzt zwischendurch.

Und was ich total wichtig fand, war die Aussage, dass sie sagte: Wenn dein Leben von Geld diktiert wird, dann bist du nicht frei. Dann kannst du nicht frei entscheiden Und das merken wir beide ja auch total. Also ich meine, wenn du den Wir Konsumkinder Podcast gehört hast, dann weißt du, dass wir immer noch Schulden haben und abhängig sind, diese Schulden zu bezahlen. Und so lange sind wir gebunden. Carsten ist auch gebunden an seinen Job, der eigentlich gar nicht mehr dem entspricht, was er von seiner Entwicklung her machen möchte. Seiner ideellen Entwicklung sag ich jetzt mal und hier hat das noch mal viel stärkere Ausmaße natürlich angenommen.

Carsten Genau, der Kontext in dem Film war tatsächlich so der Forschungsbereich, dass Vandana Shiva als Forscherin aufgetreten ist und festgestellt hat, sie kann eigentlich nicht unabhängig forschen, wenn ihre Forschungen von irgendwelchen anderen Geldern abhängen, sei es jetzt irgendwo im kommerziellen Bereich oder auch im normal wissenschaftlichen Betrieb, der ja durchaus mittlerweile, wenn man sich auch gerade hier in Deutschland das anschaut, immer mehr von Unternehmen mitfinanziert wird. Und das war ihr ganz, ganz wichtig, völlig unabhängig unterwegs zu sein. Und sie hat tatsächlich dann auf ganz kleiner Flamme angefangen und das, was sie mit der Forschung betrieben hat und was aus meiner Sicht auch etwas ist, was sie als Person extrem stark hervorhebt, ist, dass sie auf allen Ebenen unterwegs ist. Sie hat nie den Kontakt zur, ich sag jetzt mal, Landbevölkerung verloren.

Der direkte, persönliche und intensive Kontakt zu auch den kleinen Bauern, zu den kleinen Dörfern, also jetzt in diesem Kontext in Indien vornehmlich, aber auch je nachdem, wo sie jetzt gerade unterwegs war, auch durchaus zum Beispiel in Afrika. Da ging es um den Baumwollanbau und da hatte eine Person im Film auch eine Begebenheit erzählt: Vandana Shiva hätte sich dann kurz nach ihrem Gespräch ins Taxi gesetzt und wäre ein paar Minuten später dann bei CNN im Fernsehen aufgetreten und hätte da bestimmte Dinge erklärt, die extrem groß dimensioniert waren.

Und das ist tatsächlich, sie tanzt auf allen Ebenen und sie sagt das ganz zum Schluss des Films auch sehr passend: Für sie ist es eigentlich gleichwertig. Ob sie jetzt bei einer Großdemo wie zum Beispiel den World Climate March in Kopenhagen spricht oder zu Hause auf dem Feld irgendwie Saatgut aufbewahrt, das ist für sie gleichwertig und und es ist ja sinnbildlich dafür, dass sie es wirklich versteht, auf allen Ebenen unterwegs zu sein. Und das verleiht ihr eine unglaubliche Authentizität. Da ist sie wirklich eine absolut natürliche Person. Mir fällt kein Vergleich ein, aber die Ausstrahlung von Vandana Shiva ist unglaublich.

Stefanie Ja. Dazu passt auch, dass sie gesagt hat, dass viele sagen „Okay, nee, ich alleine kann ja nichts verändern. Das System muss sich erstmal verändern.“ Und sie sagt: Wenn du merkst, dass du nicht alleine bist, dann merkst du auch, dass du selbst eine Kraft hast, dass du was bewegen kannst, dass du das System verändern kannst. Einfach nur dadurch, dass du dir deiner selbst und deiner Kraft bewusst wirst. Und jede·r von uns hat bestimmte Fähigkeiten, die uns dann dazu befähigen, dieses System zu verändern. Und das finde ich super kraftvoll und sehr inspirierend.

Wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, diesen Film anzuschauen, kann ich dir das nur empfehlen. Aber es muss nicht unbedingt dieser Film sein. Es gibt so viele Dokumentationen, von denen sie Teil ist und so viele Bücher, die sie schon jetzt geschrieben hat. Und verschiedenste Videos auch auf ihrer Internetseite, wo du dir verschiedenste Theorien angucken kannst. All das ist total inspirierend. Und natürlich muss ich jetzt hier noch mal einmal wieder diesen Einschub, diesen Disclaimer machen, dass es nicht darum geht, 24/7 aktiv zu sein und dann wirklich immer immer aktiv zu seien, komme was wolle. Sondern natürlich geht es darum, dass du aktiv bist im Rahmen deiner Möglichkeiten. Und wenn du nicht so eine starke Energie hast wie Vandana Shiva - da wurde im Film auch gesagt, dass sie irgendwie die Energie von fast 20 Menschen haben muss.

Carsten 20 bis 30 Menschen oder so.

Stefanie Weil sie bei so vielen Veranstaltungen dabei ist und so viele Dinge macht. Wenn du das nicht hast, ist das auch kein Problem. Es ist nur wichtig, dass du nicht die Hoffnung verlierst und nicht an dir selbst zweifelst, sondern verstehst, dass du genauso, wie wir alle eine Kraft in dir trägst, die dich dazu befähigt, hier diesen Systemwandel, den wir brauchen, einzuläuten und auch als Vorbild voranzugehen, sobald es dir möglich ist.

Carsten Da ist Vandana Shiva wirklich ein lebendes Beispiel dafür, dass du als Einzelperson was bewegen kannst und nicht nur im Kleinen, also jetzt gerade bei ihr als Beispiel. Der Film ist ja eigentlich eine Biografie gewesen. Also es ist mir gar nicht im Vorfeld bewusst geworden, was sie alles schon erreicht hat und sie ist an ganz vielen Fronten aktiv gewesen und teilweise die erste Person gewesen, die da was reißt. Mir war auch nicht klar, dass sie damals - sie kommt aus Indien und hatte zu dem damaligen Zeitpunkt noch einen kleinen Sohn. Der Sohn ist mittlerweile schon erwachsen. Zu dem Zeitpunkt, wo sie Mutter geworden ist bzw. geheiratet hat, war das Recht in Indien noch stark gefärbt von dem britischen Kolonialrecht und da galten Frauen und Kinder als Besitz der Männer.

Und sie ist die, ich behaupte jetzt mal, die erste Frau - ich bin mir nicht hundertProzentig sicher - aber sie ist bis vors oberste Gericht und hat für die Frauenrechte eingestanden und die auch erkämpft und hat sich damit auch unter anderem in jungen Jahren einen unglaublichen Bekanntheitsgrad gerade bei der weiblichen Bevölkerung in Indien aufgebaut. Und das, das sind so Sachen, die kannte ich im Vorfeld gar nicht. Ich habe sie vorher nie so wahrgenommen. Was mich total wundert, ist, warum eine Person, die auf der einen Seite so eine Energie und Ausstrahlung hat, auf der anderen Seite solche großen Dinge bewegt, weil sie es einfach nur macht. Also jetzt einfach machen. Warum sowas nicht stärker publik ist, das ist schon ja - ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Da bin ich wieder bei meiner Schwurbeltheorie mit Geoblocking.

Stefanie Wobei, ich glaube nicht nur, dass es daran liegt, sondern wir haben ja auch schon thematisiert, dass Frauen in der Geschichte, in der Historie kommen sie

Carsten nicht vor, ja.

Stefanie Es wird gerne verschwiegen, was Frauen geschafft haben. Und da Vandana Shiva eine Frau ist, kann das auch gut sein. Und sie ist nicht weiß in diesem privilegierten Sinne. Eine nichtweiße Frau wird gern verschwiegen.

Carsten Gerade wenn sie unbequem ist gegenüber Machtstrukturen.

Stefanie Ich glaube, dass es viel auch damit zu tun hat, dass wir hier als weiße Europäer·innen da deswegen auch nicht so viel davon mitbekommen.

Carsten Ja, mit Sicherheit. Aber ein Grund mehr, sich mit dieser Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Und sie ist wirklich ein lebender Mythos. Also anders kann ich das so nicht sagen.

Stefanie Ja, ein sehr, sehr großes Vorbild und für dich auch eine sehr, sehr große Empfehlung, dich da schlau zu machen. Und da wie gesagt, wenn möglich, schau dir den Film an, ich verlinke dir alles, was ich finden kann, schau in die Shownotes, dann kannst du gucken, ob du dich auch von diesem Film inspirieren lassen kannst. Sicherlich wird dieser Film auch irgendwann so käuflich erwerbbar sein, dass man ihn dann irgendwie als DVD oder so bekommen kann. Momentan ist er nur auf Englisch erhältlich, das heißt, wenn du da nicht so sicher bist, sage ich mal, dann ist es besser, du wartest, bis es zumindest Untertitel gibt. Aber wenn du dich im Englischen sicher fühlst, dann ist auf jeden Fall die Empfehlung da, diesen Film der anzuschauen.

Und sonst? Wenn du dich von Vandana Shiva noch so ein bisschen inspirieren lassen willst, kann ich dann noch mal die eine Podiumsdiskussion bei der Vandana Shiva Teil war, von „Lesen ohne Atomstrom“ auf jeden Fall empfehlen, weil sie auch da schon super inspirierend war. Und ich finde jedes Mal, wenn sie spricht, wenn sie irgendwo in einer Dokumentation, einer Podiumsdiskussion oder sonst irgendwo vorkommt, ist sie einfach total inspirierend.

Carsten Ja, und auch authentisch. Also sie steht ganz klar für ihre Werte ein und da merkt man die Energie. Es ist auch ein gutes Power-Up.

Stefanie Ja, das stimmt. Wobei ich dadurch, dass ich so gerührt war und teilweise natürlich auch erschreckende und traurige Dinge thematisiert wurden, viel geweint habe, jetzt, als ich den Film gesehen habe. Es ist trotzdem etwas, wo ich zu Carsten gesagt habe, wir nehmen jetzt sofort die Folge auf, um diese Energie auch mit dir teilen zu können, die da in uns freigesetzt wurde. Und von mir ist es auf jeden Fall eine uneingeschränkte Anschauempfehlung.

Carsten Ja, kann ich mich nur anschließen.

Stefanie Und bevor wir uns jetzt hier noch wiederholen und die ganze Zeit sagen, wie toll wir das alles finden, möchten wir noch was anderes tolles teilen, nämlich einen ganz tollen Kommentar oder ein Feedback über iTunes, das uns erreicht hat von Astrid, die geschrieben hat:

“Emotionen, Scham und Essen. Hauptthemen für vegan Lebende. Großartige Folge zum Thema dick und vegan und auch dem emotionalen Essen. Besten Dank für eure offenen Worte. Ihr sprecht mir aus dem Herzen. Dicksein, Übergewicht und figürliche Abweichungen jeglicher Art sind leider immer noch mit Stigmatisierung, Abwertung, Ausgrenzung und Scham behaftet. Unglaublich, dass einer großartigen, sensiblen, intelligenten und beherzten Fürsprecherin des veganen Lebens wegen des Körpergewichts ihre Expertise und Vorbildfunktion in der veganen Bewegung abgesprochen werden sollte. Völliger Unsinn. Wir brauchen starke, feinfühlige und vor allem mutige Menschen wie euch, die zum Glück nicht jedes fadenscheinige Klischee bedienen. Das macht euch so sympathisch und zu etwas Besonderem. Bleibt dran! 1000 Dank für eure wichtige Arbeit.“

Und ich gebe diesen 1000 Dank natürlich zurück. Also ich gehe davon aus, dass ich gemeint bin als Fürsprecherin und nicht Carsten. Das hat mich auch sehr berührt. Das passt also jetzt zu dieser Folge. Und ich bin super dankbar für dieses total nette Feedback und fühle mich natürlich auch bestärkt, weiterzumachen.

Carsten Ja, natürlich, so was beflügelt ja auch. Also ganz ohne Worte. Das weiß ich nicht, das ist so, das flasht einen.

Stefanie Ja, also wenn du auch noch mehr Flash in unser Leben bringen willst, kannst du gerne ebensolche Kommentare über iTunes veröffentlichen oder Lobgesang per Email schicken. Ich freue mich da jedes Mal drüber. Also von daher herzlich willkommen! Emailadresse ist post@vonherzenvegan.de, das nur so nebenbei.

Carsten Im Betreff einfach Lob schreiben.

Stefanie Genau. Lobpreisung… Genau. Ja, gut, also genug gelacht. Ganz herzlichen Dank, Astrid. Das war wirklich ganz, ganz toll, als Carsten mir das gezeigt hat. Ich gucke immer nicht so sehr bei den iTunes Kommentaren, aber Carsten guckt ab und zu und es war wirklich...

Carsten Stündlich, stündlich quasi.

Stefanie Carsten wartet darauf und wird leider regelmäßig enttäuscht, weil so selten Rezensionen reinkommen. Genau. Und natürlich auch ein ganz, ganz herzliches Dankeschön an alle, die uns und mich finanziell über Steady unterstützen. Das ist auch eine ganz tolle Art und Weise, Dankeschön zu sagen über eine finanzielle Unterstützung und was auch noch eine Möglichkeit ist, die finanzielle Unterstützung über PayPal als Einmalzahlung. Die habe ich auf HörerinnenWunsch eingerichtet und da kam jetzt letztens auch eine Zahlung rein mit dem speziellen Hinweis darauf, dass diese Zahlung für den hervorragend recherchierten Milchgeschichten Podcast sei.

Und das hat mich natürlich total gefreut, da mein Milchgeschichten Podcast jetzt schon so lange online ist, noch mal entsprechend gewürdigt wurde. Da freue ich mich natürlich auch drüber über solche Würdigungen, also ob in schriftlicher oder monetärer Form. Ich freue mich auf jeden Fall und wenn du dich da anschließen möchtest. Wie gesagt, den Link dazu, zu den Möglichkeiten, Carsten und mich und meine Arbeit zu unterstützen, findest du immer hier unter der Folge in den Shownotes oder auf meiner Webseite vonherzenvegan.de. Ich nenne sie jetzt noch mal, weil das ja durchaus tatsächlich schon mal vorgekommen ist, dass es Hörer·innen gab, die nicht wussten, dass ich eine Webseite habe. Es gibt diese Webseite und sie heißt vonherzenvegan.de.

Dort findest du auch noch einige andere Informationen. Es gibt nicht nur diesen Podcast und das ist jetzt eigentlich noch mal ein ganz gutes Stichwort, denn im Von Herzen Vegan Podcast führe ich gerade einige Interviews und zwar mit Dr. Tamara Pfeiler, einer veganen Psychologin. Und ich habe auch noch ein Interview mit Katinka Ehret geführt zum Thema veganer Weltschmerz. Und auch bei Dr. Tamara Pfeiler ging es um diese psychologische Herangehensweise, die Auseinandersetzung mit den Problemen, die wir als Veganer·innen in unserem Alltag haben, den sozialen Problemen, den psychischen Herausforderungen. Und wenn du da Tipps haben möchtest, hör doch gerne im Von Herzen Vegan Podcast rein. Das sind jetzt die letzten drei Folgen im Von Herzen Vegan Podcast gewesen und ich verlinke dir das natürlich hier, sonst guck einfach in dem Podcastprogramm deiner Wahl nach Von Herzen Vegan Podcast, dann findest du es auch. So jetzt haben wir, glaube ich, auch erstmal alles so erzählt.

Carsten Hoffentlich haben wir die Motivation übertragen, dich angesteckt.

Stefanie Genau. Also schau, wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, dir diesen Film an. Alle Links findest du unter der Folge in den Shownotes und dann bleibt uns nur noch zu sagen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg, bald wieder in Hamburg, sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Food Revolte: Im Gespräch mit Anna-Lena Klapp

Ein Beitrag

Folge 231 - Food Revolte: Im Gespräch mit Anna-Lena Klapp

In dieser Folge spreche ich mit Anna-Lena Klapp über ihr Buch "Food Revolte - ein vegan-feministisches Manifest", das 2020 im GrünerSinn Verlag erschienen ist.

Das Buch wurde mir freundlicherweise auf Anfrage als Rezensionsexemplar vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ich verlose es im Rahmen dieses Interviews unter den Mitgliedern des Von Herzen Vegan Clans.

Nachdem ich über eine Diskussion zum Thema "Toxische Männlichkeit in der veganen Bewegung" auf das Buch von Anna-Lena Klapp aufmerksam geworden bin, habe ich mich sehr auf die Lektüre gefreut und bin nicht enttäuscht worden.

Anna-Lena Klapp hat ein ungemein wichtiges Buch zur aktuellen Debatte in unserer Gesellschaft geschrieben. Wir müssen den Blick unbedingt weiten und nicht nur die (ebenfalls sehr wichtigen) Tierrechte im Fokus behalten, sondern den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang, in dem wir leben.

Und da finden wir Ungerechtigkeit auf allen Ebenen, das Mensch-Tier-Verhältnis ist nur ein Teil davon.

Ann-Lena Klapp spricht in ihrem Buch "Food Revolte" über toxische Männlichkeit und die Macht des Patriarchats, über Rassismus und Eurozentrismus und auch über Körperformen - denn die Norm in der veganen Bewegung ist auch hier der weiße, sportlich-schlanke, junge Mann. Diesem folgt die weiße, sportlich-schlanke, junge Frau. Und alle, die in dieses Bild nicht hineinpassen, sind ungern in repräsentativen Rollen, wie als Referent·innen auf Bühnen oder als Gäste in Podcasts und anderen Shows gesehen.

Eine Ausnahme ist vielleicht noch der weiße ältere Mann, der in seiner Rolle als Experte auftreten darf.

In dieser Folge spreche ich mit Anna-Lena Klapp über einige Fragen, die ich zu ihrem Buch hatte und darüber, wie es überhaupt dazu kam, dass sie das Buch geschrieben hat.

 

Links zur Folge

Der Film "The seeds of Vandana Shiva" [EN]
https://vandanashivamovie.com/

Video: "Oneness vs. the 1%" [EN]
https://www.youtube.com/watch?v=f9lq-uBdxg8

Podiumsdiskussion "SystemChange - Gegen den BurnOut des Planeten"
https://www.youtube.com/watch?v=QshcBL_QQXM

Von Herzen Vegan Podcast
https://von-herzen-vegan.de/von-herzen-vegan-podcast

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Fühlst Du Dich als Teil der veganen Bewegung?

Ein Beitrag

Folge 230 - Fühlst Du Dich als Teil der veganen Bewegung?

In dieser Folge gehen wir der Frage nach, wann wir uns als Teil der veganen Bewegung fühlen.

Inspiriert dazu hat mich das Buch "Food Revolte" von Anna-Lena Klapp, da sie die vegane Bewegung darin immer wieder thematisiert und ich mich gefragt habe: gibt es DIE vegane Bewegung überhaupt?

Um ein breiteres Meinungsbild zu bekommen, habe ich diese Frage auch in den Von Herzen Vegan Clan gegeben, meine kostenlose Community und dort mit meinen Mitgliedern darüber diskutiert.

Tatsächlich ist das Empfinden sehr unterschiedlich. Von einem klaren Zugehörigkeitsgefühl, bis hin zu dem Gefühl, erst dazuzugehören zu können, wenn mensch selbst einem bestimmten Ideal entspricht oder vegan genug ist, ist alles dabei.

Ich selbst fremdele auch immer wieder mit der veganen Bewegung - zumindest mit der Bewegung, mit der ich bisher in Kontakt gekommen bin.

Als dicke Veganerin entspreche ich nicht dem Ideal der schlanken, sportlichen und damit gesund scheinenden Veganerin, die ich eigentlich sein sollte. Und als solche habe ich auch zu hören bekommen, dass ich mich nicht öffentlich als vegan outen sollte, weil ich sonst der Bewegung schade.

Schadet es nicht viel mehr der Bewegung sich derart exklusiv zu verhalten und sich Diversität zu verschließen?

Links zur Folge

Seaspiracy - ist nachhaltiger Fischfang möglich?

Ein Beitrag

Folge 229 - Seaspiracy - ist nachhaltiger Fischfang möglich?

Wir haben uns die brandneue, kinotaugliche Dokumentation Seaspiracy angeschaut und sprechen in dieser Folge über unsere Eindrücke.

Wenn Du bereits die Dokumentationen "Cowspiracy" und/oder "What the health" gesehen hast, kennst Du bereits den Aufbau dieser Art von Dokumentation. Jedoch tritt als Protagonist in diesem Fall nicht Kip Anderson vor die Kamera, sondern diese Rolle wird von Ali Tabrizi übernommen. Kip Anderson gehört allerdings als Executive Producer zur Seaspiracy-Crew.

Bei Seaspiracy geht es um unser Verhältnis zu den Lebewesen der Ozeane, deren systematische Ausbeutung und welche gravierenden Folgen sich für unseren Planeten, die Ökosysteme und letztendlich auch für uns Menschen daraus ergeben. Die Dokumentation mischt dabei viele wertvolle Fakten mit einem gut ausgebauten Storytelling, gewürzt mit einer Prise Investigativjournalismus.

Wenn Du mehr zum Inhalt hören möchtest, sowie was wir aus der Dokumentation mitgenommen haben und ob, bzw. für wen wir die Dokumentation empfehlen, dann höre einfach rein in diese Podcastfolge.

Links zur Folge

Alles zum Film Seaspiracy
https://www.seaspiracy.org/

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Stefanie Wir haben uns für dich die neue Dokumentation „Seaspiracy“ angeschaut. Das ist von dem gleichen Regisseur wie Cowspiracy, was man vielleicht auch am Namen erkennen kann, von Kip Andersen. Und diese Dokumentation ist halt relativ frisch rausgekommen und war jetzt Ende März am Start. Quasi kann man so sagen ja.

Carsten Ja, kann man so sagen.

Stefanie Am Start nur bei Netflix. Was uns dazu genötigt hat, da nochmal so ein Abo abzuschließen, damit wir diese Doku halt für dich anschauen können. Und vorab muss ich sagen, ich habe dazu Rezensionen schon gelesen. Da hieß es, dass diese Dokumentation ohne verstörende Bilder auskommen würde. Und ja, nun. Die Dokumentation ist ab 16, so dass wir sie auch nicht mit unserem Kind zusammen geguckt haben. Erst, weil es nämlich hieß, es kommt ohne verstörende Bilder aus, dachte ich, wir gucken das mit unserem fast neunjährigen Kind zusammen, da dann da ab 16 stand, habe ich davon Abstand genommen, und das war auch ganz gut so.

Carsten Ja, die verstörenden Bildern, ich weiß nicht, doch es kommen welche vor, ganz klar ja, also was heißt ganz klar, aber das hat mich schon ein bisschen überrascht, weil eben genau diese Rezension sich dagegen ausgesprochen hat, ich weiß nicht was damit gemeint war. Verstörende Bilder, also es sind jetzt keine Landtiere, die dahin gemetzelt werden, sondern die verstörenden Bilder kommen eben ja.

Stefanie Von den Meerestieren

Carsten Durch Meerestiere, ja.

Stefanie die dahingemetzelt werden, und gerade zum Ende hin wird nochmal Walfang thematisiert, und ein Blutbad und Massaker, wo ich gedacht habe Okay? keine verstörenden Bilder, okay (lacht), also von daher das vorab schon mal. Wir sind der Meinung, ich vor allem, da sind verstörende Bilder drin, und wenn du dich momentan emotional nicht dazu in der Lage siehst, dir sowas anzuschauen, schau es dir bitte auch einfach nicht an. Denn du weißt alles schon, wir erzählen dir hier jetzt auch nochmal, worum es jetzt genau geht, was thematisiert wird, und was wir jetzt darüber denken und lies dir vielleicht sonst andere Rezensionen noch durch als Ergänzung, aber schau dir die Dokumentation nicht an, denn du wirst schon alles wissen, wenn du, wenn dich das emotional trifft. Wenn es dich emotional nicht trifft, dann weißt du noch nicht alles, und dann solltest du es dir anschauen, damit das dich emotional trifft. Aber wenn du eben sensibel bist und generell solche Videos im Internet - du kennst sie alle - dich verstören, dann lass es, dann guck es dir jetzt nicht an.

Carsten Wobei dieses Video tatsächlich gefühlt auf den letzten Metern diese Bilder nochmal provoziert durch diese Wahl, ja auch dieses Abschlachten. Zwischendurch sind immer noch so ein paar Szenen mit drinnen, die ich nicht ganz so krass fand wie das, was so in den letzten paar Minuten muss man schon sagen, so Viertelstunde, halbe Stunde oder so was gezeigt wurde. Und das ist auch keine klassische Tierrechtsdoku, sondern es ist vom Konzept her und vom Narrativ ja eigentlich schon fast eine Kopie von Cowspiracy.

Stefanie Genau ja, also das hat mich auch daran erinnert, auch dass da wieder ein junger weißer Mann unterwegs ist, der dann da sich auf die Suche macht, der sich eine Frage stellt nach nachhaltiger Fischerei und überhaupt eine Geschichte erzielt. Und es ist keine schlechte Geschichte, keinesfalls also ich finde den Film jetzt nicht schlecht. Wie gehts dir damit?

Carsten Nein, schlecht war er überhaupt nicht. Ich wusste auch wohl, dass dieses Narrativ ist, für mich also quasi so die Art des Storytellings, dieses Spannungsbogens, das hatte ich schon vorher geahnt, weil ich ja einmal wusste Okay Seaspiracy, Cowspiracy, also Namensähnlichkeit, Kip Andersen ist in beiden Fällen der Produzent. Wo ich ehrlich gesagt schon ein bisschen mitgerechnet habe, dass Kip Andersen auch wieder hier die Hauptrolle in Seaspiracy übernimmt. Das hat er glücklicherweise muss ich sagen ja nicht gemacht, sondern ein für mich unbekannten Akteur, da quasi die Recherche Arbeit durchführen lassen oder zumindest vor der Kamera sich präsentieren lassen, weil ich schon im Vorfeld so gedacht habe Okay, kommt der jetzt zum dritten Mal so auf den Trichter „Esst keine Tiere“, oder weil, er hat ja, bei Cowspiracy ging ja letztendlich so die letzte Empfehlung daher na, um das Problem zu lösen, sollten wir aufhören tierliche Produkte zu essen. Bei „What The HEalth“ kam ja das Gleiche, wo ich dann gedacht habe He Moment aber die Ansicht hast du doch schon bei Cowspiracy gehabt, und wenn er das Ding jetzt ein drittes Mal gebracht hätte, wäre schon so ein bisschen Hm…

Stefanie Ja also du hörst das schon Spoiler, Spoiler, Spoiler Alert, der Film endet eben auch damit, mit der Message „Esst keine Tiere“, in diesem Fall vor allem keine Meerestiere. Nachhaltige Fischerei gibt es nicht, und um nochmal auf dieses Narrativ zurückzukommen, auch hier gibt es wieder dieses Bedrohungsszenario. Und dadurch, dass eben Behörden und auch große Firmen nicht wollen, dass das aufgedeckt wird, so dass das immer so ein bisschen da mitklingt. Und ja, da der Film ja ins Kino gekommen ist, sozusagen wollte ich schon sagen, also nicht direkt ins Kino (lacht), sondern da der Film ja nun mal produziert wurde, wissen wir, es gibt zumindest für den Moderator sag ich jetzt mal für den Mann, der uns dadurch führt, den Filmemacher gibt es ein Happy End, also von daher wissen wir, diese Bedrohungsszenarien, die sind jetzt erstmal der Spannung geschuldet, also das heißt, wenn Du Cowspiracy kennst, dann weißt du, wie Seaspiracy aufgebaut ist. Und für mich war da jetzt auch nicht viel Neues dabei.

Carsten Es waren Fakten, die letztendlich gezählt haben. Ich meine, wer im Vorfeld schon vegan lebt, der wird sich mit vielen grundlegenden Themen ja schon auseinandergesetzt haben, vielleicht mal mehr, mal weniger in der Tiefe, aber für den Menschen ist halt klar, ja Verzehr von tierlichen Produkten kommt halt nicht in Frage, egal ob es jetzt Landtiere sind, Säugetiere oder eben auch Meeresbewohner. Dementsprechend ist die die Quintessenz dessen, was jetzt auch Seaspiracy dann als Lösungsportfolio anbietet, nicht wirklich überraschend. Was mir tatsächlich geholfen hat, war noch mal eine gewisse Schärfe in dem einen oder anderen Bereich also, es wurde zum Schluss auch Sklaverei angesprochen, da sind Betroffene, die als Sklaven auf Fischereischiffen und Crawlern unterwegs waren und jahrelang dort ihren Sklavendienst verrichten mussten, zu Wort gekommen. Allerdings ja anonymisiert, also man hat halt die Persönlichkeitsrechte dieser Personen gewahrt und hat sie trotzdem zu Wort kommen lassen, um ihre Erlebnisse zu schildern. Das war in der Tragweite für mich nochmal, ja hat mir schon so ein bisschen zugesetzt also ich, ich habe da schon davon gehört. Aber jetzt wirklich mal so im Rahmen einer Dokumentation Betroffene wirklich zu sehen, das war schon mal noch eine andere Hausnummer also, das fand ich schon sehr einprägsam und auch so, die Dimensionen auch auf, die Auswirkungen dessen, was wir als Menschheit dort ja den Ozeanen antun, das nochmal so kompakt und auch visualisiert und dann an bestimmten Größenordnungen dargestellt. Ja zu sehen, das fand ich auch noch mal sehr beeindruckend. Also ja, es bringt mich jetzt von meiner Entscheidung, mich weiterhin vegan zu ernähren und zu leben jetzt nicht wirklich weiter nach vorne, aber es unterfüttert nochmal die Relevanz dessen, was wir hier eigentlich tun.

Stefanie Das kann ich nur unterstreichen, also es waren sehr viele Fakten, nochmal auch, dass mit der Sklaverei war für mich etwas, was ja dem Ganzen dann nochmal ein anderes Bild gegeben hat, ein anderes Gesicht vielleicht auch. Stellenweise dachte ich halt, das erinnert mich auch stark an „Die grüne Lüge“ mit Kathrin Hartmann und Werner Boote, wo die beiden halt da ja in Richtung Palmöl unterwegs sind, so ist auch hier der Erzähler auf einer Messe unterwegs für Menschen, die also für Insider der Fischereiindustrie. Also er meldet sich dann mit einem fiktiven, ja mit einer fiktiven Fischfabrik meine ich da an und geht dann auf der Messe herum und versucht, kritische Fragen zu stellen. Allerdings ist er dann noch weniger erfolgreich als Kathrin Hartmann und Werner Boote, also von daher da, da gibt es schon so Parallelen, also wenn du Die grüne Lüge kennst, wenn du Cowspiracy kennst, dann merkst du, es ist vieles ähnlich, und dass das System, was dahinter steckt bei der Milch, beim Fleisch, bei den Eiern, bei Palmöl, also generell bei Dingen, die nachhaltig zertifiziert werden, auch. Dass das immer gleich ist, also auch hier, das Nachhaltigkeitssiegel für Fischffang ist eigentlich ein ziemlich leeres Versprechen. Und weil es einfach überhaupt nicht nachvollzogen werden kann. Und das ist auch, auch Delphinfreundlich-gefangener Thunfisch, dass es sowas einfach gar nicht geben kann, dass das nicht kontrolliert werden kann, das wurde halt auch deutlich. Das heißt, diese ganzen Mechanismen, die Lobbyarbeit und dass auch die ganzen Organisationen, die sich eigentlich für den Schutz des Ozeans, den Schutz der Meere einsetzen, dass auch die einfach nur gekauft sind von Fischereiunternehmen, der Wirtschaft, sag ich jetzt mal so im großen Ganzen, das wird auch deutlich, so dass da eigentlich diese Irreführung wieder stattfindet, dass gesagt wird, zum einen zum Beispiel, ja was du tun kannst, iss halt nachhaltigen Fisch, obwohl halt nachhaltig nicht definiert ist. Das ist genauso wie dann kauf halt nachhaltiges Palmöl, das geht halt auch nicht. Das kann auch nicht nachvollzogen werden. Oder diese Masche von wegen, was ich jetzt letztens wieder zum Thema Milch als Doku gesehen habe, dass dann am Ende rauskommt, ja Bio. Bio ist dasjenige welche. Und keins von diesen ganzen Siegeln und Ideen löst unser Problem.

Carsten Genau, das wird ja quasi ja minutiös demontiert, ne das ist auch wie bei Cowspiracy, dass eben auch bei diesen Umweltorganisationen, die irgendetwas bescheinigen oder gegen etwas eigentlich agieren sollten, hier doch jeweils Seaspiracy einfach ganz klar gezeigt, dass die gar nicht in der Lage sind, dieses Problem noch nicht mal zu benennen, ne, da fängt es ja schon an, dass die ähnlich wie bei Cowspiracy eben die Auswirkungen dessen was, was wir dort mit der Fischerei, den Weltmeeren antun und letztendlich, ja, den Ast absägen, auf dem wir als Menschen selber sitzen, auch das wird da in dieser Dokumentation sehr stark nochmal in den Vordergrund gestellt, dass da diese ganzen Umweltorganisationen das überhaupt nicht aufgreifen und sich stattdessen auf irgendwelche, ich will nicht sagen kann da hat doch schon fast Randerscheinungen dann konzentrieren, ne also im Rahmen dieses ganzen Erzählstranges hat da auch der, der berühmt-berüchtigte Plastikstrohhalm wieder so seinen Stellenwert. Und da wird aber auch dargestellt, dass und auch klargestellt, dass dieser riesige Plastikstrudel, dieser schon fast Kontinent da im Pazifischen Ozean zu fast der Hälfte aus Treibnetzen, aus Fischereinnetzen, aus Fischereiabfällen besteht und dementsprechend ja, so eine Konzentration auf „Wir vermeiden jetzt Plastiktüten und Plastikstrohhalme“ ja eigentlich komplett am Ziel vorbeiläuft. Also die Lösung von diesem Problem ist einfach dafür zu sorgen, dass eben keine Fischerei mehr betrieben wird, die eben diese ganzen Abfälle ins Meer entsorgt und damit ja tödlichste, ja Waffen muss man ja schon fast sagen, Netze sind ja an der Stelle nichts anderes, da einfach rum treiben lassen, und damit ja nicht nur der Vermüllung nochmal einen obendrauf setzen, sondern ja auch noch Leben vernichten, aktiv vernichten, weil diese treibende Netze ja auch dann noch Fische fangen, wenn selbst kein Fischfang mehr aktiv betrieben wird

Stefanie Oder sich halt diese Netze und der Müll dann in den Mägen der entsprechenden Tiere wiederfindet und ich meine, dass er da auch die Zahl von unter einem Prozent genannt hat, was der Anteil dieser Plastikstrohhalme ist.

Carsten Das waren 0,001 oder sowas.

Stefanie Also unter einem Prozent

Carsten Deutlich.

Stefanie Genau, also es gibt einen gewissen Anteil, aber er ist halt sehr gering. Im Vergleich zu über 50% der Fischereinetze und generell des Abfalls, und eigentlich ist es von Anfang an klar, also ernähre dich einfach rein pflanzlich und dann ist das Problem quasi sozusagen gelöst, und dieser Erkenntnis wird aber eigentlich auch nur so die letzte Viertelstunde gewidmet mein ich, also so vielleicht, oder die letzten 10 Minuten. Ich weiß es nicht, also, und auch dem ethischen Aspekt also, dass es da tatsächlich, dass diese Tiere, die Meerestiere auch fühlen können und so, das ist höchstens eine Viertelstunde vom Film, die diesem Aspekt gewidmet wird. Das meiste ist eben diese Story von wegen Hey, ich, dieser Müllstrudel beunruhigt mich. Deswegen versuche ich jetzt halt Plastikfrei zu leben, aber irgendwie tut sich nix sonst, also anscheinend bewege ich damit nicht genug, also begebe ich mich auf eine Reise und gucke, woran liegt es denn wirklich? Womit kann ich mehr bewirken? Da gibt es verschiedene Stationen. Und am Ende stelle ich fest ok, eigentlich sollte ich keine Meerestiere mehr essen. Damit kann ich am meisten bewirken.

Carsten Ich glaube, dass dieser Handlungsstrang und diese Erzählweise auch ganz klar dem geschuldet ist, dass der Produzent und auch der Erzähler Menschen erreichen möchte, die sich mit diesem Thema bisher noch gar nicht beschäftigt haben. Der kommt dann natürlich erstmal so mit seiner eigenen, schon fast so einer Grundnaivität ne, also ähnlich wie Kip Andersen in den anderen Dokumentationen also. Erstmal glauben, dass die Welt heile ist, aber irgendwie schon feststellen na ja, an der einen oder anderen Stelle ist dann doch ein Problem, ne, Kip Andersen hat er damals angefangen mit seinem „Ich dusche jetzt nur noch kurz“ und keine Ahnung was, also so ganz ja, und also dieses kurz Duschen ist jetzt bei Seaspiracy eben der Plastikstrohhalm, und darüber wird dann halt der Handlungsbogen so ein bisschen aufgebaut, um klarzustellen: Moment, das sind so kleinere Maßnahmen, die sind im Grunde genommen komplett nichtig. Wir haben es wirklich mit ganz, ganz großen Problemen zu tun, und denen nähert sich der Erzähler quasi an, klärt darüber auf, dass es da wirklich grundlegende Probleme gibt, und ich habe auch den Eindruck, dass das gerade so die, für uns als vegan lebenden Menschen, die so ganz wichtigen ethischen Themen ganz bewusst relativ kurz und auch relativ weit hinten behandelt werden, um überhaupt erst mal Menschen, die sich bisher überhaupt gar nicht mit dem Thema beschäftigt zu haben da, ich sag jetzt mal mit dem Vorschlaghammer einfach die Realität jetzt klarzumachen, und pass mal auf, wir haben hier wirklich ein massives Problem und wir müssen handeln, so und das ist, das ist das Hauptargument überhaupt, so und dass aber den Tieren dort unendliches Leid passiert, das ja weiß ich nicht, aus meiner Sicht ist es auch definitiv zu kurz gegriffen, aber ich glaub das ist einfach dem geschuldet, dass einfach dieses Hauptmotiv anders gewichtet ist.

Stefanie Ja was denkst du denn, für wen ist diese Doku was, wem würdest du dir empfehlen?

Carsten Ja, im Grunde genommen allen Menschen, die sich bisher mit einer veganen Lebensweise noch nicht auseinandergesetzt haben. Also ich glaub jeder, der irgendwie schon sich mit vegan beschäftigt hat oder generell schon den Entschluss getroffen hat, dem wird das nicht wirklich viel Neues bringen. Also mir hat es jetzt keinen Auftrieb gegeben, also es ist jetzt nicht so, dass ich sage woah super ne, aus dem Grund bin ich jetzt vegan geworden. Sondern das ist einfach nur mal so ein Vertiefen von Informationen oder Vervollständigung von Informationen, die ich bisher eh schon irgendwo hatte. Oder glaube, gehabt zu haben.

Stefanie Mich hat es eigentlich eher runtergezogen, also ich hab mich auch gezwungen, mir das anzuschauen, damit wir dir halt hier die Folge aufnehmen können, weil ich schon wusste, dass das einfach was ist, was mich emotional betrifft. Und ja, natürlich wusste ich das nicht alles so in der Tiefe, was da gezeigt wurde. Aber ich bin auch der Meinung, dass ich das nicht unbedingt alles wissen muss, um aktiv zu werden. Also natürlich ist es gut, viel zu wissen, nur es macht bei mir jetzt nicht den Unterschied aus zwischen passiv und aktiv, und ich denke, dass der Film tatsächlich auch für Menschen ist, die sich gegen Plastik engagieren. Also ich glaube, dass das ein guter Ansatzpunkt, weil das nämlich genau diese Story halt ist von wegen Hey, ich habe gemerkt, das ist dieser Plastikstrudel, und ich sollte Plastikfrei leben, und davon gibt es ja wirklich viele Menschen habe ich ja feststellen können jetzt, durch meine Tätigkeit bei der VHS, dass da großer Bedarf besteht, dass Menschen gerne wissen wollen, wie man Plastik frei lebt. Und das heißt, wenn du in deinem Bekannten-, Verwandtenkreis Menschen hast, die dafür sensibilisiert sind, Plastikfrei zu leben, aber noch nicht vegan leben, dann ist das was für sie. Das denke ich schon.

Carsten Also das stimmt, da hatte ich jetzt gar nicht darüber nachgedacht, ich habe das jetzt tatsächlich so aus dieser ethisch-veganen Brille gesehen, aber klar, das ist ja genau der Aufhänger. Damit fängt der Film an und ja, er ist natürlich dann, von der Dramatik her schlägt das schnell um, weil Plastik eigentlich nachher im weiteren Verlauf des Films eigentlich überhaupt gar nicht mehr relevant wird, ne, aber ich glaub.

Stefanie Ja, aber das ist ja genau das.

Carsten Du hast das Publikum herangeführt an das richtige Problem genau.

Stefanie Ja, also deswegen denke ich, dass, da kannst du das Menschen empfehlen wirklich, die noch nicht vegan leben, weil Menschen, die schon vegan leben, die brauchen sich das nicht dringend nochmal anzugucken. Wenn du natürlich Interesse daran hast, du lebst vegan und willst es dir gerne angucken, fühlst du dich emotional stabil, warum nicht. Also klar, wie gesagt, mehr wissen schadet jetzt in diesem Fall nicht, auf keinen Fall, aber wenn du halt generell so wie ich eher sensibler bist was solche Bilder angeht, dann brauchst du dir das wirklich nicht anzuschauen, aber wenn du das Gefühl hast, du möchtest etwas tun, und es gibt Menschen in deinem Umfeld, die so auf dieses Plastikthema fixiert sind, dann empfiehlt ihnen diesen Film.

Carsten Ja, zumal tatsächlich, wenn man das so nochmal, oder wenn ich das nochmal so durch denke, kommst du ja quasi von diesen Plastikthema ins eigentliche Problem, und es werden hier nachher auch so die letzten Gegenargumente nochmal so ein bisschen genommen, ne, also einmal dieser ethische Aspekte, so nach dem Motto Fische fühlen ja nichts, ne, die empfinden ja keinen Schmerz, das wird quasi debunkt. Und auch so dieses Argument ja aber Fisch ist ja wichtig aufgrund der Omega 3 Fettsäuren, ne, auch das wird zum Schluss nochmal behandelt, da kamen dann auch so aus der veganen Szene würde ich gerade schon sagen, wieder bekanntere Gesichter zu Wort. Unter anderem Doktor Michael Greger kommt da nochmal zum Wort, stellt an der Stelle nochmal klar, dass Fisch ein hoch belastetes Lebensmittel ist, wenn man das denn als Lebensmittel bezeichnet, ja so in Anführungszeichen, also ihm wird halt die Frage gestellt, auf was man denn verzichtet, was für Nährstoffe oder was fehlt einem, was fehlt einem, wenn man keinen Fisch isst sondern, und dann fängt er an, die Litanei der Schadstoffe, die sich da im Fisch dann anreichern, zu zitieren, und gleichzeitig wird aber auch nochmal dargelegt, dass das genau der Grund, weswegen die meisten Menschen glauben, ich muss jetzt Fisch essen, ja so diese Omega 3 Fettsäuren, diese speziellen Omega 3 Fettsäuren, dass die eigentlich gar nicht nativ im Fisch vorkommen, sondern ursprünglich eigentlich in Algen vorkommen, und der Fisch quasi über die Nahrungskette nur diese Anreicherung dieser Fettsäuren dann ja konsumiert. Und das ist ja ähnlich wie beim Thema B 12. Ich kann das auch den Tieren zum Fraß vorwerfen, und dann anschließend die Tiere essen und behaupten, ich muss Fleisch essen, weil sonst kriege ich keinen B 12 und so, das ist jetzt hier auch mit diesen Fettsäuren dargestellt worden, um einfach klarzustellen: Pass mal auf, du kannst auch am Anfang der Nahrungskette anfangen, du musst nicht am Ende, also einem relativ späten Teil.

Stefanie Du musst diesen Umweg über den

Carsten Fisch nicht gehen, genau, sondern du kannst es direkt aus Algen oder Algenöl auch gewinnen.

Stefanie So also zusammenfassend schon eine gute Dokumentation, viele Fakten präsentiert, gängige Story was du schon aus Cowspiracy kennst und vielleicht auch von der grünen Lüge. So ne Mischung bisschen daraus, wobei bei Cowspiracy war es ja auch so, dass sie da auf verschiedenen Messen glaube ich sogar waren und so ne also.

Carsten Auf jeden Fall Kino tauglich, Kino tauglich Format, ja.

Stefanie Dann war's das jetzt erstmal zu dieser Dokumentation, und ich möchte mich jetzt noch bei allen treuen Steady Unterstützer:innen bedanken, vor allem auch denen, die jetzt ihr Jahrespaket verlängert haben. Das ist jedes Mal ein Glücksmoment für mich, weil ich dann weiß ok, du unterstützt mich für ein weiteres Jahr, und das ist wirklich schön. Und wenn du auch das Gefühl hast, hier der Podcast bringt dir was, und die anderen Podcasts, der kostenlose „Von Herzen vegan Clan“ und auch die Emailkurse, die ich kostenlos anbiete, und du möchtest gerne etwas zurückgeben, dann schließ dich gerne den Steady Unterstützer:innen an. Ich freue mich darüber, und den Link dafür findest du hier unter der Folge oder in den Shownotes.

Carsten Dann sage ich mal, in diesem Sinne

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüs

Carsten Und auf Wiederhören

Folge 228 - Rassismus steckt in uns allen

Ein Beitrag

Folge 228 - Rassismus steckt in uns allen

Am 21.3.1966 wurde von den Vereinten Nationen zum ersten Mal der internationale Tag gegen Rassismus begangen. Seither wird dieser Tag in manchem Teilen der Welt mehr und in anderen Teilen weniger gewürdigt.

Deutschlandweit finden derzeit noch bis zum 28.3.2021 die internationalen Aktionswochen gegen Rassismus statt und um in diesem Rahmen ein Zeichen zu setzen, haben Carsten und ich diese Podcastfolge aufgenommen.

Als weiße Biodeutsche sind wir natürlich extrem priviligiert und kommen mit dem allgegenwärtigen Rassismus, den alltäglichen Diskriminierungen und den eigenen Vorurteilen nur partiell in Kontakt.

Uns geht es in dieser Folge also nicht darum aufzuklären, auf welche Art Rassismus und Diskriminierung in unserer Gesellschaft stattfindet, sondern darum Dich einzuladen, Dich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Denn egal, für wie aufgeklärt und tolerant Du Dich hältst: Rassismus steckt in uns allen.

Ich habe Dir hier Literatur und Dokumentationen verlinkt, mit denen Du starten kannst und meine Bitte ist: bleib sensibel und lernbereit.

Links zur Folge

Erneuerbare Lesetage - Lesen ohne Atomstrom
https://lesen-ohne-atomstrom.de/

Buch "Deutschland schafft mich" von Michel Abdollahi
z.B. bei buch7.de anschauen

Stiftung gegen Rassismus
https://stiftung-gegen-rassismus.de/iwgr

Buch "Unsichtbare Frauen" von Caroline Criado-Perez
z.B. bei buch7.de anschauen

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

5 Jahre Einfach Vegan - der Forscherpodcast

Ein Beitrag

Folge 226 - 5 Jahre Einfach Vegan - der Forscherpodcast

Seit ziemlich genau fünf Jahren gibt es nun unseren Podcast. Das ist eine gute Gelegenheit diese fünf Jahre in einem persönlichen Rückblick Revue passieren zu lassen. Höre rein und feiere mit uns eine unglaublich spannende Zeitspanne, in der wir vielen unterschiedlichen Themen begegnet sind und in der wir viele inspirierende Menschen kennen gelernt haben.

Schon vor fünf Jahren, mit den ersten Podcastfolgen stand für uns fest: Vegan ist erst der Anfang, und ein neues Wohlstandsmodell muss her! Diese Mottos leiten uns noch heute und haben in den vergangenen Jahren durchaus zu dem einen oder anderen weiteren Projekt geführt.

Ganz besonders freuen wir uns über all jene Menschen, die uns im Laufe der Jahre durch Einmalzahlungen oder ein finanzielles Unterstützer-Abo per Steady die Übernahme der laufenden Kosten für den Podcast und alle weiteren Projekte erleichtern.

Herzlichen Glückwunsch "Einfach Vegan - der Forscherpodcast" !!!

Links zur Folge

Arte Doku: "Ausgemolken - Bauern steigen aus der Nutztierhaltung aus" (verfügbar bis 26.5.2021)
https://www.arte.tv/de/videos/092186-005-A/re-ausgemolken/

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Folge 225 - Müssen wir überhaupt arbeiten?

Ein Beitrag

Folge 225 - Müssen wir überhaupt arbeiten?

Auf der Suche nach Antworten auf die Frage, wie Arbeit der/in Zukunft aussehen kann, sind wir auf zwei Bücher gestossen: "Unfuck the Economy - Eine neu Wirtschaft und ein besseres Leben für alle" von Waldemar Zeiler, einem der "Einhorn"-Firmengründer und auf das Buch "After Work - Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit: Sinnvoll tätig sein statt sinnlos zu schuften" von Tobi Rosswog.

Beide Bücher haben unser Verständnis von "Arbeit" erweitert und geben neue, gewinnbringende Impulse für eine Debatte, wie unsere Gesellschaft Arbeit zukünftig gestalten sollte.

Während Waldemar Zeiler sehr ausführliche und aufschlussreiche Einblicke in alternative Unternehmenskulturen und -konzepte anhand seines eigenen Unternehmens Einhorn zeigt, sowie Forderungen und Überlegungen gegenüber Wirtschaft, Gesellschaft und Politik für ein besseres, nachhaltigeres, gleichberechtigtes Miteinander zeigt, geht Tobi Rosswog in seinem Buch deutlich weiter und plädoyiert letztendlich für eine Welt "ohne Arbeit".

Zumindest ohne Arbeit in dem Sinne, wie wir als Gesellschaft Arbeit definieren und leben. Sein Buch zeigt die Historie und Hintergründe, warum Arbeit so ist, wie sie ist und stellt sehr schön klar: Es war nicht immer so. Und es muss nicht immer so bleiben.

Beide Bücher empfinden wir als wichtige und unschätzbare Bereicherung in der Debatte um und über Arbeit, die bisher viel zu einseitig im Rahmen von "Erwerbs-/Lohnarbeit" und maximal noch als erstrebenswerte Selbstverwirklichungspraxis dargestellt wird. Es ist an der Zeit, das Konzept Arbeit neu zu denken. Gerade auch hin Hinblick auf die globalen Herausforderungen zur Sicherung unserer aller Lebensgrundlage, die durch die Klimakrise gefährdet ist.

Ob und in wiefern wir (Carsten und Stefanie) aus den beiden Büchern umsetzbare Antworten für unser eigenes, individuelles Verhältnis zum Thema Arbeit und dessen möglicher Umgestaltung erhalten haben, wirst Du in dieser Podcastfolge erfahren.

Links zur Folge

Buch: "Unfuck the economy" von Waldemar Zeiler
z.B. bei buch7.de bestellen

Buch: "After work" von Tobi Rosswog
http://after-work-buch.de/

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Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

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http://clan.vonherzenvegan.de

Folge 224 - So wurde ich vegan | Teil 3

Ein Beitrag

Folge 224 - So wurde ich vegan | Teil 3

In dieser Folge lese ich zum dritten Mal Geschichten vor, in denen Clan-Mitglieder erzählen, wie sie vegan wurden.

Von gesundheitlichen, über nachhaltige, bis hin zu ethischen Gründen ist alles dabei und ich finde es immer wieder inspirierend, zu hören oder zu lesen, welcher Umstände letztlich dazu geführt haben, sich für ein veganes Leben zu entscheiden.

Es zeigt mir auch immer wieder wie vielfältig wir sind - wir leben alle vegan und doch bleiben wir Individuen.

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu dieser Folge, die heute ohne Carsten stattfindet. Ich werde in dieser Folge jetzt vier Geschichten vorlesen von Clanmitgliedern, die erzählt haben, wie sie vegan geworden sind. Wir sammeln im Clan diese Geschichten einfach als Inspiration. Und wenn ich die Erlaubnis bekomme, dann teile ich sie auch hier im Podcast.

Vorab noch einmal ganz lieben Dank an alle Steady-Unterstützer·innen. Ich finde das total toll, wie treu ihr mir zur Seite steht und mich weiterhin unterstützt. Und auch ein herzliches Dankeschön an alle, die ihre Jahresmitgliedschaft verlängert haben. Wieder um ein Jahr. Das ist super hilfreich, weil es mich natürlich bei meiner Planung unterstützt. Ich kann mich dann darauf verlassen, dass zumindest die Hostingkosten für all das, was ich hier kostenlos anbiete, gedeckt sind.

Dann starte ich gleich mit der ersten Geschichte, die ist von Sibylle und Sibylle erzählt: „Meine, unsere vegane Geschichte ist nicht sonderlich spektakulär. Ich habe mich einige Jahre bevor ich vegan wurde, mit vegetarisch versucht. Das war nicht das Richtige für mich, weil es mir zu viele Hintertüren offen ließ. Ich kam wieder zurück zur omnivoren Ernährung. Grundsätzlich fand ich vegane Ernährung interessant, hatte aber keine Ahnung, wie man es zubereitet. Für mich war vegan der Inbegriff von Tofu. Ich würde mich sofort so ernähren, wenn es mir jemand kocht, war mein Motto. Auf der Suche nach einem Restaurant bei TripAdvisor stolperte ich über ein veganes Lokal in Leipzig, das zum damaligen Zeitpunkt Brunch anbot. Neugierig auf das, was da kommen mag, bestellten wir einen Tisch und probierten uns durch all die Köstlichkeiten. Ausliegende Flyer gaben uns zudem einen ersten Eindruck darüber, was Kuhmilch mit uns anstellt. Noch in diesem Restaurant trafen wir den Entschluss, uns in Zukunft von allem Tierischen zu verabschieden. Wir machten uns im Internet über pflanzliche Rezepte schlau und kamen schnell zu der Erkenntnis, dass es überhaupt nicht schwierig ist, vegane Gerichte zu kochen und dass Tofu eine untergeordnete Rolle spielt. Ja, so war das. Unsere Umstellung vollzog sich buchstäblich über Nacht und ohne Entzugserscheinungen.“

Die nächste Geschichte stammt von Astrid. Astrid schreibt: „Ich war schon immer ein Tierfreund. Als Kind hatte ich alle möglichen Haustiere und habe sie alle geliebt und auch damals schon darauf geachtet, dass sie es gut hatten. Ab dem Alter von circa zehn Jahren war ich auch komplett für unsere Hunde zuständig. Vor der Schule und nach der Schule Gassi gehen usw. Aber die Verbindung zu den sogenannten Nutztieren habe ich damals nicht gezogen. Fleisch, Wurst und Käse gehörten ganz normal dazu. Später, als ich dann eine eigene Familie hatte, war es auch nicht anders. Bis unsere mittlere Tochter, die wir innerhalb unserer Familie auch gerne unser Gewissen nennen, so im Alter von 15, 16 Jahren, dann vegetarisch und kurz danach auch vegan wurde. Und da ich mit dem Vegetarismus schon länger geliebäugelt hatte, war das der willkommene Anlass für mich, auch vegetarisch zu werden. Ich habe dann eine kurze Weile für unsere Tochter extra vegan gekocht. Irgendwann habe ich dann auch vegan mitgegessen und mich näher mit dem Thema beschäftigt. Dann kamen noch unsere beiden anderen Töchter hinzu und auch mein Mann gibt sich inzwischen Mühe, möglichst wenig tierische Produkte zu essen. So ganz kommt er allerdings nicht davon weg und kocht sich ab und zu dann was extra. So lebe ich jetzt seit circa sieben Jahren schon vegan und kann mir auch nichts anderes mehr vorstellen.“

Die nächste Geschichte stammt von Saskia. Saskia schreibt: „Ich dachte immer, dass ich mich sehr gesundheitsbewusst ernähre und war der Meinung, dass tierische Eiweiße total wichtig sind für meine Ernährung. Fleisch mochte ich noch nie wirklich, hab's aus Anstand manchmal gegessen, habe aber immer selbst Joghurt gemacht und viel Käse gegessen, weil ich dachte, mein Körper braucht das. Ich habe immer wieder mit Entzündungen in meinem Körper zu kämpfen. Es ging los mit Kalkschulter, vom Klettern und Querflöte spielen. Dann kam der Fersensporn dazu vom Wandern, dann der Tennisarm vom zu vielen Arbeiten mit der Maus, schätze ich. Dann eine echt schlimme Entzündung am Trochanter, Schmerzen an der Hüfte, die ich über viele, viele Monate nicht los wurde und sehr eingeschränkt war. Dann habe ich mit einer sehr weitläufigen Bekannten gesprochen, die ein Studium mit dem Schwerpunkt Ernährung abgeschlossen hat und mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Entzündungen von tierischen Eiweißen kommen könnten. Ich war erst ziemlich irritiert, habe dann ein wenig gesurft und dann habe ich das Experiment gemacht, vier Wochen zu testen, ob ich das schaffe. Mein Mann hat da prompt mitgemacht. Klar, versuchen wir das, wenn es dir hilft. Wir fanden das Essen dann so toll und fühlten uns so gut und haben dann beschlossen, das Experiment nie wieder zu beenden. Mein Vater hatte in dieser Zeit noch einen schweren Schlaganfall mit echt schlimmen Schäden, was mich dann bewogen hat, das Buch „How not to die“ zu lesen. Mit dem Lesen dieses Buches ist mir dann echt einiges klar geworden, so dass ich beschlossen habe, nie wieder tierische Eiweiße zu essen. Und wisst ihr, was das Tollste ist? Ich erzähle meine Geschichte vielen Menschen und nun habe ich es schon geschafft, dass drei weitere Familien vegan leben. Ich finde das mega.“

Und liebe Saskia, du hattest es geschrieben, dass ich das teilen darf, du aber erschrecken würdest, wenn du dann hier auftauchst. Ich hoffe der Schrecken hält sich in Grenzen. Ich denke nämlich, dass deine und auch die anderen Geschichten auf jeden Fall auch viele andere Menschen inspirieren können.

Und die letzte Geschichte für diese Folge stammt von Andreas. Andreas schreibt: „Ich bin vor etwa zwei Jahren vegan geworden, nachdem ich mit meinen Oberstufenschüler·innen über die Bewegung Fridays for Future diskutiert hatte. Im Laufe dieser Diskussion ist mir klar geworden, dass wir als Menschheit alle Werkzeuge in der Hand haben, um den Klimawandel aufzuhalten, aber einfach nicht in der Lage sind, ins Handeln zu kommen und unser Wissen anzuwenden. Da ich mich damals schon seit langer Zeit mit dem Bevegt Podcast beschäftigt hatte, wegen meiner sehr ausgeprägten Laufleidenschaft, bin ich schon intensiv mit dem Thema Veganismus in Kontakt gekommen und wusste theoretisch schon, worauf ich achten muss und wie man sich vegan ernähren könnte. Als ich dann an besagtem historischen Tag aus der Schule nach Hause kam, hatte ich mich entschlossen, von nun an vegan zu leben. Das habe ich auch genauso durchgezogen. Meine Frau war davon zunächst irritiert, da wir keine Veganer im Bekanntenkreis haben und Veganer damals für sie Extremisten waren. Ich weiß noch, dass wir an diesem Abend bestimmt anderthalb Stunden über mein Warum sehr angeregt diskutiert hatten und sie meine Gründe letztendlich nachvollziehen konnte. Mittlerweile geht es ganz gut und da ich jeden Tag lecker für meine Familie koche und das natürlich ausschließlich vegan, haben alle gemerkt, dass vegan auch lecker sein kann und man neben Gras und Steinen viele interessante Möglichkeiten hat, sich gesund zu ernähren.“

Also noch mal vielen Dank an Sibylle, Astrid, Saskia und Andreas, die im Clan ihre Geschichten geteilt haben und mir gesagt haben, dass ich sie auch hier veröffentlichen darf. Und wenn du auch deine Geschichte wie du vegan geworden bist im Podcast veröffentlichen möchtest, kannst du sie mir auch gerne per Email schicken. Das inspiriert definitiv andere Menschen, denn wir wissen nie, welcher Teil unserer Geschichte andere Menschen berühren kann und berühren wird. Und wovon wir vielleicht denken, es ist nur ein unbedeutendes Detail, ist es für andere vielleicht genau das, was ihnen hilft, sich dann doch für eine vegane Lebensweise zu entscheiden oder sich bestärkt fühlen oder, oder, oder. Und dann danke ich dir fürs Zuhören. Das war jetzt eine relativ kurze Folge und ich denke aber, dass sie dich trotzdem inspirieren konnte.

Arbeit neu denken - ein subjektiver Diskurs

Ein Beitrag

Folge 223 - Arbeit neu denken - ein subjektiver Diskurs

Unser Begriff von Arbeit entsprach bis vor Kurzem noch der allgemeinen gesellschaftlichen Bedeutung, die uns seit Kindheitsbeinen, durch unseren Schul- und Ausbildungsweg begleitet. Und weites gehend unhinterfragt blieb, sowie zudem alternativlos erschien. Schließlich müssen wir arbeiten, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Mittlerweile sehen wir das Thema Arbeit immer differenzierter, sprechen konkreter von Erwerbs- oder Lohnarbeit. Auch für uns war lange Zeit klar, dass wir gerade darin unsere Lebenserfüllung suchen und finden – zumindest einen beträchtlichen Teil. Dabei entfällt der größte Teil der geleisteten Arbeit auf Nicht-Lohnarbeit. Care-Arbeit, aber auch allgemein die Organisation des eigenen Haushalts und die Unterstützung der eigenen Kinder nehmen viel mehr Zeit in Anspruch, als das, was wir normalerweise mit „Arbeit“ beschreiben.

Wir verstehen mittlerweile, dass unser Bild von Arbeit anerzogen ist und durch unsere gesellschaftlichen Strukturen aufrecht erhalten bleibt. In dieser Auftaktfolge sprechen wir über unsere ganz persönliche Sichtweise auf „Arbeit“, was Arbeit für uns bisher bedeutete und was wir heute darüber denken.

Links zur Folge

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Permakultur - Jetzt einfach machen

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Folge 222 - Permakultur - Jetzt einfach machen

In dieser Folge hat Carsten einen Gesprächsgast. Gemeinsam mit Wolfgang Reuter, Mitbegründer des Hamburger Start-ups PermaStart, unterhält er sich über Permakultur. Neben den Besonderheiten der Permakultur geht er u.a. auch der Frage nach, wie sich Permakultur von konventioneller und bio-Landwirtschaft unterscheidet. Und ob Permakultur in erster Linie etwas für die eigene Gartengestaltung ist oder auch auf landwirtschaftliche Betriebe übertragen werden kann.

Links zur Folge

Website von PermaStart
https://permastart.de

Folge 195 - Ein Einstieg in die Permakultur
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-195-ein-einstieg-in-die-permakultur

Folge 201 - "Der Große weg hat kein Tor - von Masanobu Fukuoka"
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-201-der-grosse-weg-hat-kein-tor-von-masanobu-fukuoka

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Act now: wir müssen jetzt handeln!

Ein Beitrag

Folge 221 - Act now: wir müssen jetzt handeln!

Es ist die Aufgabe unserer Zeit unsere Lebensgrundlage zu retten und gleichzeitig ist es unsere Lebensaufgabe uns gut um uns zu kümmern.

Wir werden unsere Lebensgrundlage nicht durch Kleinigkeiten retten, doch wir können jetzt mit kleinen Schritten anfangen.

Ich weigere mich darauf zu warten, dass Großes passiert. Ich will zumindest bei mir schon anfangen und Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen.

Wir stecken mitten in einem gesellschaftlichen Umbruch - lasst uns handeln, lasst uns für ein gutes Leben für alle Lebewesen kämpfen!

In dieser Folge stellen wir Dir das Buch "Act now - Reflexionen in existenziellen Zeiten" des Festival "Lesen ohne Atomstrom" vor und weisen auf die Veranstaltung der 9. Erneuerbare Lesetage vom 8.2.-14.2.2021 hin.

Links zur Folge

Festival "Lesen ohne Atomstrom"
https://lesen-ohne-atomstrom.de

Buch: "Act now - Reflexionen in existenziellen Zeiten"
https://lesen-ohne-atomstrom.de/das-buch

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Der Wir Konsumkinder Podcast ist da!

Ein Beitrag

Der Wir Konsumkinder Podcast ist da!

Was lange währt...

Die Idee zum Konsumkinder Podcast ist schon mehr als zwei Jahre alt und doch haben wir es erst jetzt geschafft, sie umzusetzen.

In einem Mammutakt haben wir innerhalb von zwei Wochen sämtliche Folgen aufgenommen, geschnitten und zur Veröffentlichung vorbereitet. Texte geschrieben, Bilder erstellt, ein Cover entworfen und nun in einem letzten Schritt den Prolog veröffentlicht und den Podcast damit bei den gängigen Podcastplattformen angemeldet.

Der "Wir Konsumkinder" Podcast ist ein in sich abgeschlossenes Projekt mit 3 Staffeln und 14 Folgen, die in den nächsten 13 Wochen immer montags veröffentlicht werden.

Wir erzählen Dir unsere Geschichte, wie wir von unmündigen Konsumkindern zu mündigen Bürger·innen wurden und wollen Dich inspirieren, Dich ebenfalls aus dem Konsumzwang zu lösen.

Wenn Du keine Lust hast zu warten und alle Folgen sofort hören möchtest, kannst Du das Projekt und uns finanziell unterstützen, indem Du den gesamten Podcast als mp3 zum Download hier für 10 Euro kaufst >>

Links zur Folge

Der Konsumkinder Podcast
https://stefanie-rueckert.de/podcast

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Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute haben wir Neuigkeiten zu verkünden.

Carsten Du darfst gespannt sein.

Stefanie Stammhörer·innen wissen: Wir reden schon länger über ein Podcastprojekt, das wir schon länger und länger vor uns herschieben.

Carsten Ja, der Gedanke ist da schon ein Jahr alt.

Stefanie Der Gedanke ist schon über zwei Jahre alt.

Carsten Schon über Zwei Jahre alt. Okay.

Stefanie Also der Gedanke ist schon alt.

Carsten Jetzt folgen die Taten.

Stefanie Genau. Wir, Carsten und ich, haben uns zwischen den Jahren hingesetzt und in einer Mammutaktion dieses Podcastprojekt gestemmt. Wir haben 14 Folgen aufgenommen, die wir in drei Staffeln eingeteilt haben. Und das ganze haben wir...

Carsten ...gefühlt in fünf Tagen und Nächten direkt hintereinander weg aufgenommen, kein Schlaf gehabt, aufs Essen verzichtet, nur um diese Mammutaufgabe zu bearbeiten.

Stefanie Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass du sagst, wie wir das Projekt getauft haben.

Carsten Ja, okay, der Name ist mir entfallen aufgrund des Schlafanzugs, den dieses Projekt bereitet hat. Wir haben dieses Projekt „Wir Konsumkinder“ genannt.

Stefanie Wie wir in vorangegangenen Folgen schon angedeutet haben und wie vielleicht auch der Name verheißt, geht es in diesem Podcast um Konsum. Und ganz speziell geht es um Carsten und mein Verhältnis zu Konsum. Um unsere Geschichte. Und wir reden in diesem Podcast ganz offen über unser Scheitern in Bezug auf Finanzen, auf Geld, über Konsumzwänge. Und wir erzählen dir quasi unsere Lebensgeschichte von unserer Kindheit an, in welche Verhältnisse wir geboren wurden. Über unsere Jugend, wie wir aufgewachsen sind, wie wir sozialisiert wurden, hin zu den frühen Erwachsenenjahren, bis Carsten und ich uns getroffen haben und wie dann unsere gemeinsame Geschichte weiterging. Carsten hat gesagt, das ist eine Geschichte des Scheiterns mit Aussicht auf ein Happy End.

Carsten Genau. Aussicht auf ein Happy End muss man auch tatsächlich sagen. So, das richtige Happy End haben wir ja noch nicht. Aber wir haben das Gefühl, dass wir uns langsam aus diesem Zwang, der uns damals so wirklich in die Misere getrieben hat, die wir da dokumentieren, dass wir aus diesem Zwang herauskommen. Und das ist immer besser läuft. Und ich bin persönlich auch davon überzeugt, dass wir früher oder später dann auch ein Happy End haben. Wobei Happy End klingt immer so nach Endpunkt. Ich glaube, es gibt gar nicht den Punkt, wo ich dann rückblickend sage: Hey, jetzt ist es soweit, jetzt haben wir es geschafft, sondern das ist ja ein Prozess. Aber nichtsdestotrotz Also Happy End ist eigentlich so eine Vorstellung. Alles wird gut.

Stefanie Alles ist happily ever after.

Carsten Ja, richtig, genau. Ja.

Stefanie Und so lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende. Und was glücklich für uns bedeutet, definieren wir dann auch in dem Podcast. Und es geht uns da jetzt nicht um irgendwelche Coachingtipps und wir haben auch keine geheime Erfolgsformel entwickelt. Auch nicht irgendwie zehn Schritte, wie du aus dem Konsumzwang raus kommst, sondern wir erzählen tatsächlich einfach unsere Geschichte, welche Fehler wir gemacht haben und wie wir es dann geschafft haben, auch in den letzten sechs Jahren uns da rauszuziehen. Schritt für Schritt. Und wenn du ein·e treue·r Zuhörer·in dieses Podcasts bist, dann kennst du natürlich die einzelnen Schritte auch schon. Tipps findest du auf jeden Fall hier in diesem Podcast. In den vergangenen fünf Jahren haben wir da ja jede Menge Tipps angehäuft und wir haben einfach in dem neuen Podcast „Wir Konsumkinder“ den Fokus auf unsere Geldgeschichte und unsere Konsumgeschichte gelegt.

Carsten Was dieses Projekt hervorhebt, ist tatsächlich so diese Offenheit, mit der wir über unser persönliches finanzielles Scheitern sprechen, das ist so etwas, wo wir auch ganz bewusst uns entschieden haben, dieses Projekt durchzuführen und auch zu veröffentlichen, weil wir uns ja auch in einer gewissen Art und Weise nackig machen. Und das passt eigentlich nicht so wirklich zu dem, was man so in den sozialen Medien heute vorfindet. Also dieses typische Glamourbild, was auch auch auf Fotos bei Instagram und Pinterest immer so gezeigt wird, das immer so Erfolge in den Vordergrund gestellt werden und man beim Betrachten von diesen Geschichten und von Fotos immer so einen Eindruck bekommt, dass die Menschen, die dahinter stehen, eigentlich immer nur zufrieden sind, immer nur erfolgreich sind, immer nur alles schaffen, was sie sich tatsächlich vornehmen. Und so einen Heiligenschein Status schon erreichen.

Da wollten wir ganz klar noch mal mit unserem Podcast dagegen wirken und sagen: Na ja, es gibt auch ganz, ganz, ganz viele Geschichten des Scheiterns und lasst uns darüber sprechen. Also wir müssen einfach wegkommen davon in dieser glorifizierten „Alles ist erfolgreich und toll und so was“ - Blase zu bleiben. Wir müssen einfach, offen und ehrlich auch anerkennen, dass wahrscheinlich viel mehr Geschichten des Scheiterns existieren, als diese Erfolgsgeschichten. Und es wäre nicht authentisch, wenn immer nur über Erfolge berichtet wird. Und deswegen ist dieses Projekt „Wir Konsumkinder“ auch ein Tabubruch und auch ganz bewusst so offen gestaltet. Auch um anzuregen, dass wir generell in unserer Gesellschaft, im Miteinander, im Persönlichen, im Verwandtschaftsverhältnis offener über unsere finanziellen Situationen sprechen.

Häufig ist es so, dass wir den Eindruck haben, die anderen Leute können das alles irgendwie, die können sich das leisten, die kaufen dies, die fahren da hin, die machen jenes, ohne dass wir uns überhaupt die Frage stellen: Wie machen die das überhaupt? Wo haben die das ganze Geld her? Machen die das auf Pump oder verdienen die so irrsinnig gut, haben die eine riesige Erbschaft? Wir stellen das gar nicht in Frage. Wir sehen einfach nur, was dort konsumiert wird und eifern dem eigentlich auch nach. Wir versuchen das irgendwie, wollen da nicht zurückstehen, wollen da jetzt nicht irgendwie außen stehen und uns eingestehen das können wir so nicht, sondern wir versuchen es auf Biegen und Brechen - also so, wie wir es damals auch so gemacht haben - auch zu leben. Und das war eigentlich so unser Verhängnis. Und mit dieser Offenheit haben wir dieses Projekt dann dementsprechend umgesetzt und und geben es jetzt in die Welt.

Stefanie Gleichzeitig leben wir ja auch in einer Konsumgesellschaft, die uns dazu verführt, nicht über unseren Kontostand nachzudenken, sondern alles sofort haben zu wollen. Es ist super einfach an Kredite zu kommen oder auf Raten zu zahlen. Und ja, gerade in Zeiten, wo alles innerhalb von 24 Stunden geliefert werden kann - jetzt mal überspitzt gesagt - ist es schon herausfordernd, dann länger auf Dinge zu warten oder darauf zu sparen, bis wir dann das Geld haben, um uns diese Dinge leisten zu können. Und so stellen wir auch viel seltener die Frage, ob wir das wirklich brauchen, weil wir sofort unserem Impuls nachgeben können, diesen Gegenstand oder was auch immer zu kaufen. Also der Kaufreiz. Wir können dem sofort erliegen, weil es uns so einfach gemacht wird, es zu bezahlen. Wir müssen das Geld nicht auf dem Konto haben, sondern wir können einfach zahlen, ohne das Geld zu haben.

Carsten Genau. Du hast einen Dispo, du hast vielleicht einen Kredit, du hast Ratenzahlung. Du hast eine Kreditkarte. Alles so Möglichkeiten, die dir das sofortige Habenwollen ermöglichen, ohne dass du jetzt, in diesem Moment auch wirklich über die finanziellen Mittel verfügst. Und das ist natürlich sehr verführerisch.

Stefanie Darüber reden wir ganz offen, wie wir das in der Vergangenheit gehandhabt haben, welche Fehler wir gemacht haben, wie wir wirklich groß gescheitert sind, im großen Stil uns mehrfach auf die Nase gelegt haben, immer wieder Verführungen erlegen sind. Und es geht jetzt nicht darum, dass wir unser Scheitern zelebrieren wollen. Das könnte ja jetzt auch noch sein. Wie Carsten gerade gesagt hat, dass auf Instagram alles so zelebriert wird. Warum nicht auch das Scheitern zelebrieren? Wir wollen es nicht glorifizieren, sondern einfach ganz klar unsere Geschichte erzählen, um dich zu inspirieren, dass wir alle Menschen sind.

Menschen menscheln, Menschen machen Fehler und es ist in Ordnung, Fehler zu machen, weil wir einfach nur durch Fehler lernen. Und manchmal ist die Lernkurve nicht so steil. Manchmal dauert es, so wie bei uns und letztlich haben wir es aber ja dann doch geschafft, uns da rauszuziehen. Schritt für Schritt. Verführungen lauern immer wieder am Wegesrand. Wir sind davon auch nicht befreit. Und genau um dich zu inspirieren und zu sagen: Hey, wir sind ganz normale Menschen. Wir sind in dieser Konsumgesellschaft sozialisiert worden. Wir müssen ja auch noch dazu sagen, dass wir in Westdeutschland aufgewachsen sind, was ja durchaus auch einen Einfluss darauf hat, zumindest in unserem Alter für unsere Jahrgänge, wie wir sozialisiert wurden.

Und wir wollen jetzt natürlich nicht unserer Sozialisierung die Schuld geben, sondern einfach nur dir zeigen, dass wir als ganz normal in der Konsumgesellschaft verhaftete Menschen es auch geschafft haben, dahinter zu gucken, uns mehr Möglichkeiten aufzutun und uns da rauszuziehen. Also wir wollen dir auch zeigen, dass wir nicht schon immer an diesem Punkt waren, wo wir jetzt stehen. Dass wir nicht schon immer reflektiert über unser Konsumverhalten nachgedacht haben und immer auf der Jagd nach Alternativen sind, sondern dass das ein ganzes Stückchen Weg war, das wir zurückgelegt haben.

Carsten Und damit auch einen Weg hin zur Eigenverantwortung, da, wo wir vorher vielleicht eher verantwortungslos agiert haben, in der Hoffnung, irgendjemand anderes nimmt uns diese Verantwortung für unsere Entscheidung ab, sind wir dann im Laufe unserer ganzen Erfahrungen, die wir machen mussten und machen konnten, durften, wie man das auch immer bezeichnen möchte, zu dem Punkt gekommen, wo wir heute sind, dass wir zunehmend unserer eigenen Verantwortung bewusst werden und die auch ganz klar mit einsetzen. Sämtliche Entscheidungen, die wir haben. Du hast es gerade schon angesprochen. Wir werden immer noch so ein bisschen verführt. Das sind noch so Relikte aus der Vergangenheit, aber nichtsdestotrotz sind wir an der Stelle schon deutlich reflektierter und können, ich sage jetzt mal, verantwortungsbewusster agieren.

Stefanie Ja, deswegen haben wir den Podcast ja auch „Wir Konsumkinder“ getauft, weil wir einfach wie unmündige Kinder agiert haben. Und wir haben uns jetzt mittlerweile von diesen unmündigen Kindern hin zu mündigen Bürger·innen entwickelt und es war ein Weg und wir freuen uns, wenn du dir den Podcast anhörst. Die erste Folge, der Prolog, ist jetzt schon online und es wird immer montags eine neue Folge geben.

Wie gesagt, insgesamt 14 Folgen, den Prolog mitgerechnet, so dass du die nächsten 13 Wochen auf jeden Fall jeden Montag dich auf eine Folge freuen kannst. Und wenn du keine Lust hast zu warten und uns finanziell unterstützen möchtest, dann haben wir uns überlegt, dass du dir alle Folgen als MP3 zum Download schon für 10 € kaufen kannst. Das gibt es so als Paket zum Runterladen. Da findest du den Link hier unter der Folge oder in den Shownotes. Das ist aber nur optional, wenn du Lust hast, alles auf einmal sofort zu hören und oder uns unterstützen möchtest. Der Podcast wird trotzdem frei verfügbar innerhalb der nächsten 14 Wochen jeden Montag eine Folge erscheinen und bleibt danach dann auch erstmal einfach so bestehen, damit möglichst viele Menschen diesen Podcast hören können.

Ich möchte mich noch ganz herzlich bei Andrea bedanken, die mir zum Anfang des Jahres Geld über PayPal überwiesen hat, mit dem Hinweis, dass sie in ihrer Familie ein Ritual haben, bei dem jedes Jahr zu Anfang des Jahres jedes Familienmitglied einen bestimmten Geldbetrag an ihr oder sein Herzensprojekt spendet. Und Andrea hat mir geschrieben, dass Von Herzen Vegan ihr Herzensprojekt ist und sie deswegen ihren Anteil an mich bzw auch natürlich an Carsten spendet. Denn ihr geht es auch um den Einfach Vegan Podcast, aber auch um den Clan und alle anderen Projekte, die ich unter Von Herzen Vegan vereine. Und ich bin echt total dankbar für diese nette Geste. Also vielen Dank Andrea.

Carsten Vielen Dank von mir.

Stefanie Und natürlich auch herzlichen Dank an alle, die mich treu über Steady unterstützen. Andrea unterstützt uns auch über Steady zusätzlich noch. Ich bin echt super dankbar für alle, die mir treu bleiben und mich weiterhin finanziell unterstützen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg.

Carsten Sag Tschüss und auf Wiedersehen.

Mit Suffizienz zu mehr Nachhaltigkeit

Ein Beitrag

Folge 220 - Mit Suffizienz zu mehr Nachhaltigkeit

Wir starten das Jahr 2021 mit einem wichtigen Thema und einem Kernelement, um „ein gutes Leben für Alle“ zu erreichen: Suffizienz.

Carsten ist in der Vergangenheit bereits mehrmals über diesen doch sehr sperrigen Begriff gestolpert und erläutert in dieser Folge, was es damit auf sich hat.

Dabei wird klar, warum Suffizienz wirklich ein Schlüsselelement für gesellschaftlichen und ökologischen Wandel darstellt und welche Konsequenzen sich daraus für unser persönliches Leben ergeben.

Links zur Folge

Buch "All you need is less" von Manfred Folkers und Niko Paech
Direkt beim Verlag bestellen >>

Mehr Informationen zum Clan PLUS - gemeinsam nachhaltiger leben:
https://von-herzen-vegan.de/clan-plus

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Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Stefanie So, bevor wir jetzt überhaupt starten, erst mal frohes neues Jahr!

Carsten Frohes neues Jahr!

Stefanie Wir hoffen, du bist gut reingekommen dieses Jahr. Bei uns war es irgendwie, ich dachte, es ist Böllerverbot, keine Ahnung, man darf keine Böller kaufen. Und gefühlt, wirklich gefühlt war es mehr als letztes Jahr.

Carsten Das war Protestböllern, was hier stattfand.

Stefanie Verrückt. Also, wir haben gerade jetzt, bevor wir jetzt hier diese Folge aufnehmen, unsere letzte Folge für unseren neuen Podcast aufgenommen, und der, wo es um Konsum geht, und haben gerade darüber gesprochen, dass wir unmündig waren. Und ja, so fühlt sich das auch an, wie unmündige Kinder, die hier Protestböllern. Verrückt.

Carsten Ja, genau, Hauptsache sowas lassen wir uns nicht verbieten irgendwie. So eine Haltung scheint da gewesen zu sein

Stefanie So als wenn es irgendwie so ein Menschenrecht auf Böllern gäbe. Also so und so sinnlos. Es tut mir leid, wenn du, vielleicht Böllerst du gerne und du liebst Feuerwerk und alles. Ich mag den Krach nicht. Also für mich ist das irgendwie nichts. Und wenn ich jetzt das aus Nachhaltigkeitsaspekten betrachte, ist es auch nicht prall, wenn wir dann so Feinstaub und so. Ja, ich finde es auch ganz schön, wenn da so ein leuchtendes Feuerwerk ist und so, aber dieser Krach ist nix für mich. Aber irgendwie sorry, aber. Ja, also beim Böllern kommen wir dann nicht zusammen, wenn du es gut findest. Tut mir leid.

Carsten Aber das Böllern ist ja heute gar nicht unser Thema. Es wird trotzdem.

Stefanie Wir böllern in die Folge rein (lachen).

Carsten Wir böllern in die Folge rein, genau.

Stefanie Nein, Carsten hat mich mit einem Begriff überrascht, da, ich weiß nicht, ob ich das schon mal als… Natürlich, irgendwie kam mir der Begriff schon so bekannt vor. Also es ist nicht so, dass ich gedacht habe „Hä? Hürxel Pürxel? was ist das denn oder so?“ Also es war nicht so ein Begriff, den ich noch nie gehört hatte, aber ich habe bisher noch nichts damit verbinden können. Und ich habe, damit ich hier weiterhin auch glaubhaft nichts damit verbinden kann, tatsächlich nichts darüber gelesen bisher, damit Carsten mir das alles erklärt. Carsten, was ist Suffizienz?

Carsten Suffizienz ist der Schlüssel zum Erfolg. Nein, nein.

Stefanie Carsten hat jetzt seine neue Coachingausbildung.

Carsten Die neue Coachingausbildung. Genau. Nennt mich Mr. Wikipedia. Nein, ich habe nicht bei Wikipedia gespeakt. Der Begriff Suffizienz ist tatsächlich ziemlich

Stefanie Gespeakt?

Carsten Gespeakt.

Stefanie Gespickt

Carsten Gespickt.



Stefanie Speakt ist

Carsten Also Hochdeutsch. Ich dachte nämlich der spitze Stein.

Stefanie Ach so! Und ich dachte so wie Speaker.

Carsten Ach so, nein, nein, nein, nein. Der spitze Stein hier.

Stefanie Ja, ja, ich hab's verstanden.

Carsten Im Nordischen

Stefanie Dann sag mal, was ist denn Suffizienz? Suffizienz?

Carsten Ja, wie gesagt, das ist ein sehr sperriger Begriff. Und im Grunde genommen verbirgt sich dahinter eigentlich nur eine Verhaltensweise. Mit einfach nur ist es aber auch nicht unbedingt getan. Also es ist tatsächlich so das Schlüsselelement, um das zu erreichen, was wir mit unserem Podcast hier die ganzen letzten Jahre schon aufgegriffen haben. Dieses weiter wie bisher geht es nicht. Das lässt sich mit dem Begriff Suffizienz sehr, sehr gut zusammenfassen.

Stefanie Habe ich immer noch nicht verstanden

Carsten Warum nicht?

Stefanie Sorry, musst du noch besser erklären.

Carsten Ach Mann

Stefanie Es war irgendwie wie so eine Worthülle, was du da gerade gemacht hast. Ja bitte.

Carsten Ich weiß. Gut, also. Vielleicht erkläre ich mal, was Suffizienz nicht ist. Also wenn wir jetzt so in der Medienlandschaft mal schauen und stellen irgendwie Begriffe wie Green New Deal in den Raum oder Kapitalismuskritik, es muss ein neues Wirtschaftssystem geben, dann haben wir immer irgendwo den Bedarf, dass Veränderungen auf einer übergeordneten Ebene stattfinden. Und Suffizienz bringt das ganze Thema der Verantwortung auf die persönliche Ebene zurück. Also ich habe mich da so ein bisschen leiten lassen von den Begrifflichkeiten, die Niko Paech verwendet. Der spricht jetzt bei Personen, die jetzt hinsichtlich von, ja Green New Deal ist so ein Synonym um mit Technologien die ökologischen Probleme, die wir jetzt bisher in der Vergangenheit erzeugt haben, in Zukunft dann irgendwie zu lösen. Die Personen, die so denken, bezeichnet er als Technikklempner. Und Personen, die sagen: Ja, das System ist schuld, wir haben ein wachstumsbasiertes System, das ist Kapitalismus und wir müssen die Systemfrage stellen und erstmal muss das System und bla bla bla. Die nennt er Systemklempner. Also das sind alles schöne Schrauben. Es funktioniert auch auf der einen oder anderen Ebene, mal mehr, mal weniger gut, um damit Lösungsansätze zu bekommen. Aber letztendlich entfernt es die Verantwortungsebene von uns persönlich. Und Suffizienz ist etwas, es gibt zu diesem Begriff „Eine Kultur des Genug“. Suffizienz ist etwas, was das Gegenteil von Konsum ist. Also wo ich jetzt zum Beispiel beim Green New Deal einen ökologisch-nachhaltigen, vielleicht auch ethisch und moralisch optimierten Konsum pflegen kann, also ich nutze halt Techniken, aber bleib letztlich auf einem hohen Wohlstandsniveau, hohes Technikniveau, da geht es bei Suffizienz darum, einfach zu sagen „Nein, ich brauche das nicht“. Also ein plastisches Beispiel ist: Wir Menschen neigen ja, ich sag jetzt mal nicht wir persönlich beide, aber so als Gesellschaft häufig dazu, bestimmte schädliche Verhaltensweisen nur dann zu unterlassen oder zu minimieren, wenn wir ein besseres Äquivalent haben. Etwas, wo wir sagen: Okay, das erfüllt eigentlich dieses Grundbedürfnis, aber ökologisch besser. Und sobald dieses Äquivalent oder diese Alternative zur Verfügung steht, dann lasse ich von meinem schädlichen Verhalten ab. Aber erst dann.

Stefanie Okay, also vielleicht wie das Elektroauto.

Carsten Genau richtig. Das ist das plastischste Beispiel.

Stefanie So dass ich sage, ich tausche eins zu eins. Also ich verändere nicht mein Verhalten, mein Mobilitätsverhalten, sondern ich kaufe mir jetzt einfach nur das nachhaltigere Auto.

Carsten Genau. Und das hat natürlich, da haben wir ja auch schon drüber gesprochen, aber ich versuche es noch mal so ganz grob zusammenzufassen, das löst ja nicht das Problem. Ich fahre an der Stelle ökologischer. Jetzt kann man sich drüber streiten, wo kommt jetzt der Strom her etc., da will ich gar nicht genau darauf hinaus. Es geht einfach nur darum: Ich habe das Mobilitätsproblem an sich noch nicht gelöst, und den Ressourcenbedarf damit immer noch nicht gelöst. Ich addiere im schlimmsten Fall sogar die Probleme. Also ich habe ein extrem schädliches Verhalten, wenn ich vorher Benziner und Dieselfahrzeuge habe und pack obendrauf noch mal die Elektrofahrzeuge, dann wird es ja im Endeffekt nicht besser. Für mich als Einzelkonsument, der jetzt innerhalb dieser Schiene wechselt Ja, aber als Gesamtvolumen der gesellschaftlichen Anstrengungen wird es ja eigentlich eher noch schlimmer. Und Suffizienz ist eigentlich so die Haltungsweise zu sagen Nein, ich verzichte dann komplett aufs Auto, weil ich entweder mein Mobilitätsverhalten minimiere. Ich fahr halt weniger häufig in Urlaub, ich fahr halt keine Ahnung mehr mit Fahrrad oder wie auch immer.

Stefanie Ich wohne halt so zentralisierter, dass ich halt alles zu Fuß erledigen kann, zum Beispiel. So, dann, ich habe jetzt gerade gedacht, ist es auch so, wie wenn ich eine Sucht gegen die andere ersetze, dass ich sage ich hör jetzt auf zu rauchen, dafür esse ich aber mehr oder halt so, weil ich ändere ja das Kernproblem nicht, also ich ersetze dann halt nur das, aber ich habe halt, das scheint dann gesünder zu sein zum Beispiel. Aber es ist halt letztlich immer noch ein Suchtverhalten.

Carsten Ja, genau so ein Reboundeffekt. Aber ich bleib halt in einer Konsumschiene drin. Ich höre halt nicht auf zu konsumieren, ich konsumiere halt nur anders. Ja, und je nachdem, was für eine Kaufkraft ich habe und was für ökologische Alternativen mir zur Verfügung stehen, glaube ich ja auch optimaler zu konsumieren, also optimaler im ökologischen Sinn.

Stefanie Also geht es eigentlich bei Suffizienz darum, weniger zu machen?

Carsten Genau.

Stefanie Dass nicht nur Grün, das gleiche in grün, sondern zwar schon grün, aber auch wenig.

Carsten Genau, also auch in verschiedenen Abstufungen. Also es fängt an bei Selbstbegrenzung, das was ich gerade schon sagte, ich fahr halt weniger Auto. Ähm bzw. ich versuche im Grunde genommen gar nicht mehr, Selbstbegrenzung habe ich gerade falsch definiert. Also Selbstbegrenzung wäre, ich versuche mal mein Verhalten auf dem Niveau zu halten, wo ich heute bin. Also ich kaufe mir kein zweites Auto oder vielleicht kein drittes. Ich fahre jetzt pro Jahr nicht mehr Kilometer, sondern versuche so auf dem Niveau zu bleiben, was ich heute habe, oder mir ein anderes Niveau selbst zu definieren und zu sagen, das ist jetzt für mich so die Oberlinie. Reduktion ist eine andere Möglichkeit der Suffizienz. Zu sagen: Ich versuche halt deutlich weniger zu fahren, nicht mehr so häufig in Urlaub zu fahren oder solche Beispiele. Und die, ich sag jetzt mal maximale Ausprägung von Suffizienz ist halt die vollständige Entsagung. Zu sagen, ich verzichte jetzt komplett. Also ich brauche es einfach nicht, weil ich die Möglichkeit habe, mein Mobilitätsbedürfnis auf andere Art und Weise zu decken. Entweder wohne ich halt, was du gerade schon sagtest, zentral, kann alles fußläufig erreichen, oder ich nehme halt in Kauf, dass ich auch etwas längere Strecken, vielleicht mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln dann zurücklege. Aber das ist tatsächlich so ein suffizienter Ansatz, nicht darauf zu warten, dass sich irgendwie die Infrastruktur, das System verändert oder jetzt irgendwelche neuen Technologien entwickelt werden, die mein schädliches Verhalten in irgendeiner Art und Weise kompensieren können, sondern dass ich selber meine Verantwortung als Konsument, als Bürger, wir haben ja auch schon die Differenz zwischen Konsum, Konsument und Bürger mal definiert oder besprochen, ich werde halt meiner Verantwortung gerecht.

Stefanie Wie bist du denn eigentlich auf das Thema Suffizienz gekommen?

Carsten Ja, warum gerade jetzt nochmal? Also irgendwie ist mir letztes Jahr ein Buch in die Hand gefallen, das war ein Gespräch mit Niko Paech und Manfred Folkers. Letzterer sagte mir bis dato nichts, aber die beiden standen für dieses Buch im Dialog und haben aber auch im Buch jeder für sich dann nochmal einen Essay eingesetzt. Der Manfred Folkers ist Buddhist und hat aus der buddhistischen Sichtweise geschrieben, was für Veränderungen persönlich und auch auf der Gemeinschaftsebene notwendig sind, um eben diesem „Weiter wie bisher geht's nicht“ zu begegnen. Und Niko Paech eben aus ökonomischer Sicht. Niko Paech ist ja auch bekannt aus diesem Bereich der Postwachstumsökonomie, und das hat das ganze Thema noch mal in den Vordergrund gestellt, weil Suffizienz dort gerade bei Niko Paech sehr stark im Vordergrund steht. Und ich bin in der Vergangenheit schon mal über diesen Begriff gestolpert, weil ich mich mit dem Degrowth-Thema beschäftigt habe. Und im Rahmen der Degrowth-Thematik gab es da auch schon mal, ich glaube ein Handbuch oder so was. Da habe ich auch so ein paar Kapitel mal, für.

Stefanie Ein paar? Du hast die meisten Kapitel in diesem Handbuch eingesprochen (lacht)

Carsten Ich habe ein paar Kapitel eingesprochen. Das Ganze ist frei zugänglich, und die Kapitel selber, das ist eigentlich nichts anderes als so ein Lexikon für Begriffe, die im Kontext.

Stefanie Und da war auch Suffizienz dabei?

Carsten Suffizienz war auch dabei, genau.

Stefanie Hast du das auch eingesprochen?

Carsten Ich bin mir nicht sicher, ich weiß es gar nicht mehr, was ich alles eingesprochen habe. Ich hab's zumindest gelesen. Ich habe das Buch zweimal gelesen, das zweite Mal eben um das Vorsprechen und das Einsprechen dann so ein bisschen vorzubereiten. Aber im Rahmen dessen ist mir der Begriff schon mal über den Weg gelaufen. Er klang aber damals zu sperrig. So, und vielleicht war ich auch noch nicht so bereit. Mich so intensiv mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen. Aber jetzt durch dieses Buch von Niko Paech und Manfred Folkers, was auch den Titel trägt „All you need is less“.

Stefanie Genau, das ist, da muss ich ja dazu sagen, ich habe da ganz kurz reingelesen in das Buch, und der Titel ist inspiriert von dem Beatlessong „All You Need is Love“. Also musst du halt All You Need is Less (beide singen) machen (beide lachen), das ist genau der Soundtrack dieses Buches.

Carsten Ja, genau. Ja, und das hat mich durchaus inspiriert, weil da wirklich griffig formuliert wurde. Was hat es mit Suffizienz auf sich? Und auch die Relevanz. Und da ist mir so, ganz, ganz viele Sätze, ich habe ganz viel notiert, aber ich habe mich ganz bewusst entschieden, das Buch jetzt nicht ausführlich zu rezensieren. Ich will es jetzt einfach nur nennen als.

Stefanie Kannst es denn empfehlen?

Carsten Ich kann es unbedingt empfehlen.

Stefanie Das gibt es übrigens auch als eBook. Ich hatte mir das als eBook ausgeliehen, aber dann habe ich es doch nicht gelesen. Und aufgrund des Lockdowns mussten wir die Bücher nicht fristgerecht zurückgeben. Deswegen haben wir das Buch ja auch noch liegen und ich wollte es eigentlich die ganze Zeit lesen.

Carsten Also es ist spannend, weil eben der Beginn mit einem Gespräch startet, da wo die beiden Autoren oder Essayisten dann im Dialog stehen, und dann geht es drüber in die einzelnen Essays. Zuerst das buddhistische, was ich sehr inspirierend fand, weil es eben auch buddhistisch war. Ich bin eigentlich was, was diese Postwachstumsthematik betrifft ja, sehr, ich sag jetzt mal so von der wissenschaftlichen Literatur.

Stefanie Nüchtern

Carsten Nüchtern, faktenbasiert. Und hier geht es dann sehr auf die, ich sage jetzt mal auf die Gefühlsebene, also ich kann.

Stefanie Schrecklich.

Carsten Schrecklich.

Stefanie Gefühle (lacht).

Carsten Habe ich ja gar nicht. Und später im zweiten Teil kommt Niko Paech dann mit seinem Essay, der, ja man merkt, dass er für dieses Thema brennt. Also da kommt so eine richtige, will ich nicht sagen Wut raus, aber er echauffiert sich.

Stefanie Du hast auch gesagt, dass er so frustriert klingt.

Carsten Ähm, ja, ich weiß nicht, ob frustriert. Also mit Sicherheit spricht ein ganz gehöriges Maß Frustration aus ihm heraus, das lese ich zumindest so aus seiner Wortwahl. Aber ob er tatsächlich persönlich frustriert ist, das wage ich jetzt nicht zu beantworten. Das kann natürlich ganz anders aussehen. Aber er versucht natürlich noch mal so ein bisschen aufzurütteln. Also im Grunde genommen ist sein Essay nichts Anderes als „Ich konfrontiere irgendwelche Menschen, packt die an die Schultern und rüttelt die jetzt wach. So nach dem Motto: Wenn du es jetzt noch nicht verstanden hast, dann weiß ich auch noch nicht“. Und das führt aber dazu, dass ganz viele Sätze und Äußerungen und auch Begrifflichkeiten wirklich Punktlandungen sind. Also die machen einfach Spaß zu lesen. Und ein Satz, der da noch in Erinnerung geblieben ist, war, dass die Suffizienz, die er dort beschreibt bzw. als er über Suffizienz schreibt, die verneint nicht nur die Rechtmäßigkeit, sondern auch den Sinn einer schleichenden Explosion von Mobilitätskonsum und Bequemlichkeitsansprüchen. Also genau dieses „alles immer“, was Harald Welzer ja schon einmal beschrieben hat, das wird durch die suffiziente Lebenshaltung eigentlich negiert. Also man, jemand, der Suffizienz lebt, der sagt: Du hast eigentlich kein Recht auf diese Bequemlichkeitsansprüche.

Stefanie Ja, Privilegien. Also sind wir wieder bei Privilegien. Ja, also das ist es ja auch tatsächlich. Aber es ist ja, es wirkt ja tatsächlich so in unserer Gesellschaft, als hätten wir ein Anrecht darauf, dass wir es bequem haben und dass es uns gut geht. So, das begegnet mir ja auch in meinen Kursen, meinen Teilnehmer:innen, dass sie dann sagen: Ah ja, aber ich will darauf nicht verzichten. Oder dass sie davon berichten, dass meistens ältere Familienmitglieder sagen „Ja, aber ich habe mir das doch so erarbeitet, ich habe das doch verdient“.

Carsten Also ja, das. Das ist etwas, wo suffiziente Lebenshaltung auch ganz klar als Widerpart oder als Gegensichtweise sich positioniert und nicht nur an die eigene Verantwortung appelliert, auch die eigene ökologische Verantwortung oder auch ethische Verantwortung, wenn man es jetzt in dem veganen Kontext hinsichtlich der Mensch-Tier-Beziehung sieht, sondern auch ganz klar die Legitimität der bisherigen Ansprüche und Anspruchsweisen einfach in Frage stellt und sagt: Wir haben keine Legitimität mehr, dieses Konsumverhalten, dieses Mobil- und Bequemlichkeitsverhalten auszuleben, weil genau das Argument „Das haben wir uns doch verdient, das haben wir uns erarbeitet“. Nein, haben wir nicht! Das haben wir einfach nur dadurch erreicht, oder es resultiert daraus, dass wir, ähm, ja, ich zitiere jetzt nochmal Niko Paech. Er schreibt: „Das resultiert aus einer räumlichen, physischen und zeitlichen Entgrenzung unserer Ansprüche.“

Stefanie Was heißt es genau?

Carsten Wir leben auf Kosten anderer! Andere sorgen für unseren Wohlstand.

Stefanie Es lag mir die ganze Zeit auf der Zunge. Aber ich wollte deinen Monolog nicht unterbrechen, damit er eloquent daher fließt.

Carsten Ist er es denn?

Stefanie Fast (lacht)

Carsten Ich lass das jetzt mal so stehen.

Stefanie Ja, natürlich. Wir haben uns auch so besonders lieb. Ja, also. Ja. Genau. Wir leben auf Kosten anderer. Ja.

Carsten Ja. Fühlt sich gut an. Ja. Ja. Zumindest für uns. Die davon als Privileg.

Stefanie Ja, die davon.

Carsten Nutzen ziehen können. Genau.

Stefanie Genau. Ja. Wie geht's denn noch weiter? Du hast da noch ein paar Punkte auf deinem Zettel. Sehe ich hier. Und ich schiele da so rüber. Aber ich kann's nicht lesen.

Carsten Ja, es geht, wir sind jetzt eigentlich schon bei der Notwendigkeit. Warum ist suffizientes Verhalten, suffiziente Lebensweise eigentlich notwendig? Das, was ich gerade schon sagte, ist eigentlich nicht mehr legitim, so zu leben wie vorher auch. Ja, weil wir es uns nicht selber erarbeitet haben. Wir tragen eine ökologische Verantwortung, ob wir es wollen oder nicht. Wir können uns dieser Verantwortung stellen oder wir können sie auch weiterhin ignorieren.

Stefanie Dann fliegt es uns aber um die Ohren.

Carsten Es fliegt uns um die Ohren, und wir können diese Verantwortung auch nicht abgeben. Also dieses Denken: Ja, aber der Händler, der Produzent, die Politik, das System, keine Ahnung was. Ja, überall steckt Verantwortung drin. Aber wir selber tragen, ich sag jetzt mal, zumindest für unsere eigenen Entscheidungen die Hauptverantwortung. Die nimmt uns keiner ab. Also, es zwingt uns keiner. Es steht ja keiner mit der Peitsche da, oder hält uns die Pistole vors Gesicht und zwingt uns jetzt zu einer bestimmten Konsumentscheidung. Also da tragen wir die Verantwortung. Und dann ist es ja noch wichtig, dass wir, das merken wir ja jetzt im oder in den Gesprächen und Berichterstattungen über die Klimakrise, die Klimakatastrophe, die jetzt so langsam einschleicht, dass wir ökologische Krisen haben. Wir werden wirtschaftliche Krisen weiterhin erleben, und wir werden ja auch soziale Krisen in Kauf nehmen müssen und dass, die können wir nicht auflösen, wenn wir jetzt weiterhin versuchen, irgendwie über Green New Deals, über Technologien etc. das schädliche Verhalten ökologisch optimaler zu gestalten. Und wir werden es auch nicht schaffen, indem wir jetzt versuchen, irgendwie den Kapitalismus abzuschaffen. Weil den Kapitalismus an sich, also wenn man über den Begriff Kapitalismus spricht, dann verschiebt man auch wieder die Antwort, die Verantwortung auf das System, auf die Politik, auf die Wirtschaftsakteure. Der Kapitalismus funktioniert ja nur, weil wir die Nachfrage sind.

Stefanie Ja.

Carsten Wir kaufen das, was dieses System herstellt. Wenn wir das nicht mehr machen, dann hat's der Kapitalismus schwer. Also wir können uns aus diesem Kapitalismus nicht rausziehen. Und die einzige Möglichkeit, da so eine Art Resilienz herzustellen, um diese sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Krisen irgendwie abzuschwächen oder in Zukunft vielleicht gänzlich zu vermeiden, besteht einfach nur darin, suffizienter zu leben, also zu verzichten, zu sagen: Ich brauche das alles nicht mehr, ich reduziere mein Wohlstandsniveau auf ein Niveau, mit dem ich genug habe. Die Kultur des Genug. Mir geht's damit auch gut. Ich muss jetzt nicht leiden, aber ich verursache nicht in dem Übermaß Schäden, dass ich auf Kosten anderer lebe. Und natürlich muss man jetzt auch noch mal die Sinnhaftigkeit des vorherigen oder des normalen Handelns irgendwie benennen. Ähm, ja, in dem Moment, wo ich quasi Mitglied, wollte ich gerade schon sagen, also Bestandteil dieser Konsumgesellschaft bin, definiere ich die Sinnhaftigkeit meines Lebens ja über den Konsum, über Spaß, über keine Ahnung, Shoppingerlebnisse, über was auch immer. Aber ich verliere natürlich Selbstwirksamkeit. Ich werde vielleicht irgendwie ein toller Bediener von Bedienoberflächen, die alle irgendwie gleich aussehen. Ähm, ich meine, denken wir mal so diese Smart Home-Thematik weiter. Irgendwann verlieren wir auch die Kompetenzen, selber eine Jalousie runter zu lassen, weil das alles irgendwie zeitgesteuert durch Computer geht. Und das einzige, was ich machen muss, ist nur irgendwie ein grünes oder ein gelbes Icon anzuklicken. Wir reduzieren unsere eigene Sinnhaftigkeit und unsere eigene Selbstwirksamkeit darauf, nur noch Bedienelemente zu betätigen. Aber die Kompetenz, wirklich etwas Notwendiges herzustellen, selber Brot zu backen, selber seine Lebensmittel herzustellen bzw. zu kochen, zu nähen etc. Also diese handwerklichen Fähigkeiten, mit denen ich wirklich was Sinnvolles anstelle, die gehen verloren, die delegieren wir ja quasi. Und dementsprechend ist ja diese Tendenz, immer mehr in diese Konsumgesellschaft hinzugehen, auch mit einem Verlust an Sinnhaftigkeit verloren.

Stefanie Das ist ja auch sehr schön, was dann immer in den Urban Gardening-Bewegungen gezeigt wird, also in den verschiedensten Dokumentationen, die ich darüber jetzt schon gelesen, gesehen, gehört habe oder wo ich selber mit dabei war. Deswegen zieht es ja auch so, weil ich da selbst was mit meinen Händen machen kann, weil ich da selber mithelfen kann. Und ich kann selber sehen, dass das, was ich tue, etwas bewirkt, und das gibt mir dann wieder einen Sinn. Was Rob Hopkins sagt, dass ich meine in dem Voices of Transition, dass er noch nie jemanden getroffen hat, der da irgendwie bei Urban Gardening mitmacht, bei solchen Aktionen, und sich danach schlechter fühlt, weil das einfach was ist, du machst was und du hast sofort eine Reaktion auf das, was du machst, und du bist in Gemeinschaft und an der frischen Luft und es ist einfach ein unglaubliches Gefühl. Während das, was du beschreibst mit Bedienoberflächen und so sicherlich sehr bequem ist, aber eben kein Gefühl, dass ich irgendwas Bedeutsames geschafft habe, auslöst.

Carsten Ja, im Zweifelsfall hast du im Grunde genommen nur noch gesagt „Alexa, schick mir bitte irgendwie den nächsten Obstkorb“. Ja, ich weiß nicht, ob das dann eine tolle Qualifikation ist, die man da irgendwie aufbauen muss. Aber ja, genau das sind ja die Richtungen, in die diese Konsumwelt tendiert.

Stefanie Lassen wir mal die ganzen Abhängigkeiten außen vor, und die Datenschutzproblematik, und was da alles draus entstehen könnte.

Carsten Aber das, da ist doch die Verantwortung bei anderen. Dafür haben wir ja Datenschutzbeauftragte.

Stefanie (lacht) Jetzt hör mal auf. Ganz genau. Okay, also Suffizienz.

Carsten Genau. Also das, was du gerade mit den Urban Gardening-Themen, oder auch eingebettet der Transition Towns, das ist ja nichts Anderes als gelebte Suffizienz, weg von den bisherigen Verhaltensmustern, wie schädlich sie auch immer irgendwie waren, hin zu einer Lebensgestaltung, die mit weniger zufrieden ist, die aber mehr Sinnhaftigkeit mit sich bringt. Und da, wo ich auch tatsächlich mich selbst mit stärker verwirklichen kann, also diese Selbstwirksamkeit stärker in den Vordergrund rutscht. So, und ich fand einfach den, vielleicht den Begriff Suffizienz nach wie vor sperrig, ich kann ihn jetzt aber zumindest für mich, und ich hoffe jetzt auch für dich, liebe Hörerin, lieber Hörer, ein bisschen besser mit Leben füllen. Und ich finde ihn als, er ist eigentlich die Alternative, es ist das, wo wir hin müssen. Und deswegen war es mir auch wichtig. Und das finde auch schön, dass das jetzt die erste Folge in diesem neuen Jahr ist. Das ist ja vielleicht auch ein schöner Vorsatz für das kommende Jahr, stärker in diese Thematik hineinzuleben.

Stefanie Wenn du nicht alleine diesen Vorsatz umsetzen möchtest, suffizienter zu leben, dann bist du natürlich auch immer herzlich willkommen im Clan plus, dem neuen Teil des von Herzen veganen Clans. Kostenpflichtig mit 10 € im Monat, in dem wir gemeinsam uns auf den Weg machen, noch nachhaltiger zu leben. Denn bei den Kursen und den ganzen Erfahrungen, die ich im letzten Jahr mit meinen Teilnehmerinnen gemacht habe, kam immer dieser Wunsch nach Begleitung auf. Und auch dieser Wunsch, dann im Alltag immer mal wieder daran erinnert zu werden, wie ich noch nachhaltiger leben kann. Denn im Alltag geht es doch so schnell unter. Dann mach ich mal so einen Wochenendkurs oder einfach nur einen Tag oder vielleicht auch eine Woche. Aber dann, wenn der Alltag kommt, dann ist es wieder weg. Oder ich schaue mir eine Dokumentation an, und das ist alles sehr gut, also es macht alles Sinn. Ja, auf jeden Fall. Aber letztlich geht es dann doch wieder irgendwann unter. Dann falle ich wieder in diesen Trott. Und deswegen gibt es den Plan plus, damit wir gemeinsam uns auf den Weg machen können in ein noch nachhaltigeres Leben. Und wir starten jetzt im Januar damit, dass wir unseren ökologischen Fußabdruck berechnen und auch das System Ökologischer Fußabdruck noch mal ein bisschen kritisch beleuchten und da ein bisschen Hintergrundwissen auf zubauen. Du kannst jederzeit dazukommen. Ich habe die zwölf Jahresthemen auf der Infoseite, die du hier unter der Folge verlinkt findest, dort noch mal aufgelistet. Und diese Inhalte, die stehen dir die ganze Mitgliedschaft über zur Verfügung. Das heißt, auch, wenn du später dazu kommst, wirst du auf die alten Inhalte zugreifen können, so dass es kein Problem ist, wenn du dir überlegst, erst Ende Januar dazu zu kommen oder im Februar oder wann auch immer im Jahr. Und ich freue mich sehr, dich als neues Clan plus Mitglied begrüßen zu dürfen.

Carsten Ja, das ist jetzt ein sehr guter Zeitpunkt, um uns bei allen Menschen zu bedanken, die uns bisher finanziell und als Hörerinnen und Hörer die Stange gehalten haben. Vielen, vielen Dank für Eure Unterstützung.

Stefanie Ein herzliches Dankeschön natürlich auch von meiner Seite. Und es bleibt mir eigentlich ja nichts Anderes mehr zu sagen als: In diesem Sinne.

Carsten Und eine der noch verbleibenden Folgen, wo wir sagen müssen: In der Metropolregion Hamburg sagt man

Stefanie Tschüss, ne (lacht)

Carsten Tschüss, ne. Tschüss und auf Wiederhören.

Das haben wir 2020 gelernt und erlebt

Ein Beitrag

Folge 219 - Das haben wir 2020 gelernt und erlebt

In dieser Folge blicken Carsten und ich zurück auf das Jahr 2020 und unsere To-Do-Liste, die wir Anfang des Jahres vorgestellt haben.

Wie die meisten Menschen hat auch uns die Corona-Pandemie stark beeinflusst und unser Leben durcheinandergewirbelt, was sich ebenfalls auf den Einfach Vegan Podcast ausgewirkt hat.

Wir hatten Anfang des Jahres viel vor und nur einen Bruchteil davon im Laufe des Jahres umgesetzt.

Dafür sind viele Aspekte nach oben gespült worden, die uns ebenfalls wichtig sind. Auf einmal stand z.B. das marode Gesundheitssystem im Scheinwerferlicht und damit auch die fehlende Anerkennung der CARE-Arbeit.

Das bedingungslose Grundeinkommen hat ordentlich Fahrt aufgenommen und es bis in den Bundestag geschafft.

Und auch auf die Zustände in den Schlachthöfen und damit verbunden ebenfalls auf das Thema Zoonosen wurde das Scheinwerferlicht gerichtet.

2020 ist viel passiert - wir sind gespannt auf das neue Jahr 2021.

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Ist ein gutes Leben für alle möglich?

Ein Beitrag

Folge 218 - Ist ein gutes Leben für alle tatsächlich möglich?

In dieser Folge sprechen Carsten und ich darüber, ob ein gutes Leben für alle Lebewesen tatsächlich möglich ist.

Die Phrase "Ein gutes Leben für alle" ist mir das erste Mal bei der Wandelwoche in Hamburg 2017 begegnet. Damals war es für mich noch etwas abstrakt. Ich hatte zwar eine vage Ahnung, was es bedeuten sollte, aber so richtig verstanden hatte ich es noch nicht.

Seitdem ist mir "das gute Leben für alle" immer wieder begegnet, im "Buen vivir" sogar als Verfassungsanspruch und mittlerweile habe ich die Dringlichkeit dieser Phrase verstanden.

In einem meiner Bildungsurlaube sagte eine Teilnehmerin, dass sie aber ihr Wohlbefinden nicht hinter dem anderer zurückstellen könne, nur damit diese ein gutes Leben hätten und tatsächlich ist das genau nicht damit gemeint.

Ein gutes Leben für alle, soll ja genau das sein: ein gutes Leben für ALLE, also auch für die Teilnehmerin und wenn sie dabei schmerzhaft zurückstecken muss, ist es kein gutes Leben.

Ein gutes Leben für alle (Lebewesen, nicht nur Menschen), kann nur gelingen, wenn wir als Angehörige der Wohlstandsländer, unseren Lebensstil ändern. Wenn wir unsere Privilegien loslassen zugunsten derer, auf deren Kosten wir diese Privilegien erworben haben.

Es ist genug für alle da, es ist nur ungerecht verteilt.

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Veganer·innen in Romanen

Ein Beitrag

Folge 217 - Veganer·innen in Romanen

Ich habe vor einigen Monaten angefangen Episoden aus Romanen zu sammeln, die Veganer·innen bzw. Veganismus beschreiben.

Mich hat interessiert, wie diese in der allgemeinen Unterhaltungsliteratur von nicht-veganen Autor·innen dargestellt werden.

In dieser Folge stelle ich meine Ergebnisse vor und ziehe ein Zwischenfazit.

Natürlich ist es keine wissenschaftlich repräsentative Untersuchung, sondern rein subjektiv.

Clanmitglieder finden alle genannten Episoden im kostenlosen Von Herzen Vegan Clan.

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Klimafreundliche Mobilität - geht das?

Ein Beitrag

Folge 216 - Wie funktioniert klimafreundliche Mobilität?

Diese Folge widmen wir dem Thema Mobilität und vereinen folgende Unterthemen:

  • wir besprechen die Dokuserie "Eine Welt ohne" der ARD
  • wir sprechen über unsere Erfahrung seit 6 Jahren ohne Auto zu leben (und natürlich nicht zu fliegen)
  • Carsten stellt neue Fakten zum Flugverkehr vor
  • ich steuere Erfahrungen aus meinen beiden Bildungsurlauben bei

Es gibt Themen, die wir neu denken müssen, um unseren Planeten zu erhalten. Mobilität gehört dazu. Wenn wir versuchen hier so weiterzumachen wie bisher oder vielleicht dasgleiche in grün, wird uns das nicht weiterbringen.

Daher stellen wir in dieser Folge einige Fakten und Ideen vor, die Dich inspirieren sollen, auch Deine Mobilität zu überdenken.

Links zur Folge

"Eine Welt ohne..." in der ARD Mediathek
Filme in der ARD Mediathek anschauen >>

Autofreie Siedlung in Köln
https://www.nachbarn60.de/home.html

Fact Sheet: Wie stark wirkt sich der Flugverkehr tatsächlich aufs Klima aus?
Fact Sheet als PDF herunterladen [EN]

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Ich bin Greta - der Film über Greta Thunberg

Ein Beitrag

Folge 215 - Ich bin Greta - der Film über Greta Thunberg

In dieser Folge sprechen wir über die Dokumentation über Greta Thunberg "Ich bin Greta", die Du noch bis 2030 in der ARD Mediathek anschauen kannst.

Der Film ist ein unaufgeregtes Porträt einer jungen Aktivistin, die alles gibt für den Umweltschutz und dafür immer wieder über ihre persönlichen Grenzen geht.

Teilweise denke ich, dass der Film sehr intime Momente zeigt, die ich persönlich über mich nicht hätte zeigen wollen - es ist ein sehr offener Film, der viel über die Person Greta Thunberg offenbart.

Ein sehenswerter Film über eine Heldin unserer Zeit.

Links zur Folge

Ich bin Greta - Film in der ARD Mediathek
Film in der ARD Mediathek anschauen >>

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Folge 214 - Die grüne Lüge - der Film

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Folge 214 - Die grüne Lüge - der Film

Das Buch zum Film "Die grüne Lüge" habe ich schon in Folge 128 mit Svenja Sgodda besprochen.

Den Film habe ich aber erst vor kurzem mit Carsten zusammen gesehen - sogar zwei mal und wir besprechen ihn für Dich in dieser Folge, weil er einfach sehenswert ist.

Kathrin Hartmann und Werner Boote hatten eindeutig sehr viel Spaß beim Dreh, schon allein das macht den Film zu einem unterhaltsamen Abendprogramm.

Aber natürlich ist das Thema ernst und so wird Schritt für Schritt gezeigt, wie uns große Firmen hinters Licht führen und uns mit grünen Versprechen blenden.

Die Botschaft des Films ist relativ simpel: wir müssen aufwachen und für ein gerechtes und gutes Leben für alle Lebewesen auf diesem Planeten kämpfen.

Links zur Folge

Die grüne Lüge - Filmwebseite
http://www.thegreenlie.at/

Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

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Vollständiges Transkript

Stefanie Die letzte Folge ist jetzt schon etwas länger her.

Carsten Ja, wir sind wieder da.

Stefanie Gemeinsam wieder da. Die letzte Folge hab ich ja alleine aufgenommen, weil Carsten gerade im neuen Job angefangen hat und viel zu tun hat, nicht wahr?

Carsten Es waren bewegte Wochen.

Stefanie Ja, genau. Und ich habe jetzt die letzten zwei Wochen damit zugebracht, zwei Bildungsurlaube für die VHS zu geben zum Thema „Aktiv fürs Klima“. Und das war Vollzeit, so dass ich am Wochenende eigentlich nicht wirklich die Möglichkeit hatte, mich mit Carsten zusammenzusetzen, weil natürlich alles liegengeblieben ist, was ich sonst so unter der Woche mache und wir das am Wochenende erledigen mussten. Die ganzen Hausarbeiten und Vorkochen und Energieriegeln machen, Wraps vorbereiten, also die Tortillafladen und was auch immer.

Carsten Eigentlich ist unser Familienleben auf das Wochenende kondensiert.

Stefanie Das, haben wir gemerkt, funktioniert bei uns nicht so gut. Aber das ist jetzt einfach etwas, wo ich auch noch mal überlegen werde, was Arbeit für mich bedeutet und Carsten für sich jetzt erstmal in den neuen Job hineinfindet. Und jetzt haben wir aber die Zeit gefunden, tatsächlich wieder eine Podcastfolge aufzunehmen. Und wir haben uns den Film „Die grüne Lüge“ angeschaut. Das Buch hatte ich ja schon rezensiert, da habe ich damals mit Svenja mich ausgetauscht, nicht mit Carsten. Und den Film, den gibt es jetzt auf Filmfriend. Das ist ja das Portal von den Bibliotheken, also ein kostenlos nutzbares Streamingportal mit Filmen, die nicht so ganz Mainstream sind.

Carsten Immer teilweise ein sehr atypisches Sortiment, muss man ja so sagen.

Stefanie Aber nichtsdestotrotz viele Dokumentationen und jetzt auch „Die grüne Lüge“ und wir haben gedacht, wir gucken uns das mal an, das haben wir schon letzte Woche gemacht, das ist jetzt tatsächlich schon ein bisschen her. Und dann haben wir ihn gestern noch mal geguckt, um das aufzufrischen.

Carsten Alles frisch.

Stefanie Weil es fast zwei Wochen her war, dass wir den angeguckt hatten und irgendwie ist da einfach in diesen zwei Wochen so viel passiert. Ich habe während der Bildungsurlaube zweimal die gleichen Filme immer wieder gesehen. Und dadurch ist irgendwie alles so ein bisschen vermengt worden. Und jetzt war es ganz gut, dass wir den Film nochmal angeschaut haben. Und bevor wir jetzt in die Filmbesprechung einsteigen, möchte ich mich noch ganz herzlich bei Rieke und Astrid bedanken, die diesen Podcast und alles andere, was ich so kostenlos anbiete, meine Arbeit unter Von Herzen Vegan jetzt finanziell über Steady unterstützen und ein Dankeschön an Rieke und ein ganz herzliches Dankeschön an Astrid, so gestaffelt nach dem Betrag.

Carsten Wie, du wertest?

Stefanie Ja, ich werte. Boah, ist das fies, nicht wahr? Aber irgendwie muss es ja einen Unterschied geben zwischen den Beträgen, die gezahlt werden. Also generell immer ein Dankeschön, weil jeder Betrag zählt und das Dankeschön wird immer praller, je höher der Betrag.

Carsten Ja, aber von mir gibt es auch noch mal ein herzliches Dankeschön an beide.

Stefanie Wir nähern uns jetzt tatsächlich der 100 € Grenze. Im Moment sind wir bei 93 €, was ja dann quasi auch 93 % sind.

Carsten Das ist einfach zu rechnen.

Stefanie Also das heißt, es würde jetzt zum Beispiel noch einmal 5 € und einmal 2 € fehlen oder dreimal 2 €, dann fehlt ja noch 1 €, also vier mal 2 € oder einmal 10 €, dann sind wir schon drüber.

Carsten Also passt schon, wir kriegen das hin.

Stefanie Ja, also 1 bis 4 Leute brauchen wir noch, die diesen Podcast und all die anderen kostenlosen Dinge, die ich so anbiete, unterstützen. Und dann hätte ich tatsächlich alle laufenden Kosten raus. Das wäre genial.

Carsten Ja, ist ja bald Weihnachten.

Stefanie Ist bald Weihnachten. Genau. Wünsch dir das einfach zu Weihnachten, eine finanzielle Unterstützung hier von Von Herzen Vegan, von diesem Podcast und den anderen beiden Podcasts, dem Clan.

Carsten Und den Link, damit dein Wunsch in Erfüllung geht, findest du unter dieser Podcastfolge in den Shownotes.

Stefanie Sowohl als auch. Sowohl als auch. Das ist nicht eins, sondern unter dieser Podcastfolge und in den Shownotes. Und wenn du auf die Webseite gehst, gibt es oben rechts auch einen Button unterstützen.

Carsten Also du kannst gar nicht vorbei klicken.

Stefanie Genau, Du kannst gar nicht vorbei klicken. Und ebenfalls noch ein herzliches Dankeschön an alle, die mein Buch kaufen. Ich freue mich ja, dass ich das jetzt nach Österreich und Dänemark und natürlich innerhalb Deutschlands verschicken darf. Und den Link zum Buch findest du natürlich auch hier unter der Folge oder in den Shownotes.

Carsten Und damit zum Film.

Stefanie Ich dachte schon: „Und damit beenden wir das jetzt.“

Carsten Hätten wir auch machen können. Nein, nein, nein. Wir wollen ja noch über den Film sprechen. Genau. „The Green Lie - die grüne Lüge“.

Stefanie Von Werner Boote und Kathrin Hartmann müssen wir ja dazu sagen.

Carsten Ja, nicht nur von, sondern auch mit.

Stefanie Von und mit. Genau.

Carsten Ja, es gibt so zwei Schauspielende. Und das sind die beiden.

Stefanie Ja. Was heißt Schauspielende?

Carsten Ja, so ein bisschen gescriptet werden sie es machen, damit auch die Gags funktionieren.

Stefanie Ja, sie werden bestimmt sich ein Skript geschrieben haben. Ja. Werner Boote kennen wir ja schon von dem Film „Plastic Planet“ und er hat natürlich noch ein paar mehr Dokumentarfilme gedreht. Und über diesen Film haben sich die beiden auch kennengelernt. Und Kathrin Hartmann kennen wir schon von verschiedenen Büchern. Zuletzt haben wir „Grüner wird's nicht“ von ihr rezensiert. Und ich kann jetzt schon mal vorab sagen: wir empfehlen diesen Film, absolut sehenswert.

Carsten Ja, sehr sehenswert.

Stefanie Wir haben viel gelacht. Ja.

Carsten Und bevor wir jetzt aber auf den Inhalt kommen, muss ich noch mal einmal kurz eingrenzen, was dieser Film nicht ist. „Die grüne Lüge.“ Wer weder das Buch noch den Film im Vorfeld schon mal so in die Hand bekommen hat, könnte wahrscheinlich denken, es geht hier um Bio. In den Medien wird ja häufig immer irgendwie verbreitet, dass Bio auch irgendwie gelogen ist oder nicht alles so ist, wie man sich das eigentlich in der schönen, heilen Welt dann wünscht und vorstellt. Hier geht es nicht um Bio, hier geht es um Greenwashing.

Stefanie Genau, Greenwashing hatten wir ja schon öfter drüber gesprochen und hatten auch diesen einen Roman mal ganz am Anfang vorgestellt. „Greenwash, Inc.“.

Carsten Ja, stimmt.

Stefanie Wenn du Kathrin Hartmanns Bücher schon gelesen hast und von Werner Boote schon mal einen Film geschaut hast, dann weißt du, wie ungefähr der Tenor ist. Und ich habe zu Carsten auch gesagt, beide Male, die hatten ganz viel Spaß beim Dreh.

Carsten Ja, definitiv. Ja, geht so ein bisschen in Richtung „Good cop, bad cop.“ Der eine ist so ein bisschen unbedarft, naiv.

Stefanie Das ist Werner Boote.

Carsten Und Kathrin Hartmann ist die Person, die an der Stelle den Bad Cop gibt und Fakten zitiert und einfach mal klarstellt: Hey, so schön, wie du dir das jetzt gerade mit deinem Feenstaub in deinen Augen vorstellst, ist es nicht. Und diese Mischung, die ist tatsächlich den kompletten Film über, ja, süffisant. Also es ist so ein teilweise auch unterschwelliger Humor. Also jetzt nicht so ein Kalauer Humor, aber genau das macht den Film ja so sehenswert.

Stefanie Vielleicht können wir auch nur darüber lachen, weil wir das alles schon wissen, was da passiert. Also ich meine, wir kennen ja die Hintergründe schon und es sind einfach zwischendurch so Sachen, wo sie dann zum Beispiel... Sagen wir doch mal einfach so worum geht es jetzt? Es geht viel um Palmöl. Dass es kein nachhaltiges Palmöl gibt. Es geht ja darum, wie große Firmen ihr Image grün waschen und reinwaschen auf verschiedenste Art und Weise. Und eigentlich ist der Tenor wie in dem Buch „Grüner wird's nicht“, dass wir auf die Straße gehen und unser Recht erkämpfen müssen. Und dass wir tatsächlich dafür kämpfen müssen, dass die Politik endlich etwas tut.

Carsten Ja, und es werden auch mit so ein paar Mythen aufgeräumt. Zum einen, dass wir unser Kaufverhalten gezielt einsetzen können, um die Welt zu verändern, zu verbessern. Das ist nicht der Fall. Warum das nicht der Fall ist, wird in dem Film relativ schön gezeigt. Es wird auch gezeigt, dass da, wo Firmen vielleicht nach außen hin zeigen Mensch, wir sind grüner als je zuvor - RWE wird dort genannt als einer der größten Umweltverschmutzer in Europa, also CO2 Emittent - da wird eine Vorstandssitzung bzw eine Aktiensitzung gezeigt, wo der Vorstandschef das sagt: „Wir waren nie grüner als jetzt!“

Stefanie Was ja sein mag. Das heißt aber nicht, dass sie grün sind.

Carsten Ja, also ja, an der Stelle weiß ich nicht, sind sie schwarz, sind so braun. Also Braunkohle wurde gezeigt, also naja, okay, gut, also grün. Ja, muss man schon ein bisschen farbenblind sein, um das behaupten zu können. Aber egal. Damit wurde ein bisschen aufgeräumt und sehr interessant fand ich dann auch die Klarstellung, dass selbst Firmen, die sich ja untereinander in diesem Greenwashing versuchen zu überbieten – da wurde so eine Veranstaltung gezeigt, wo sich dann weltweit die großen Firmenchefs hingesetzt und dann sich selber zelebriert haben: „Oh, wie toll sind wir doch im Reich der Nachhaltigkeit.“ - dass da auch eine Klarstellung kam: Es sind eigentlich Firmen, die für den Profit arbeiten und nichts anderes.

Und Werner Boote hat das dann da auch noch mal als Off Sprecher betont: Alle Aktiengesellschaften, alle Konzerne sind For-Profit Unternehmen, die müssen Profit erwirtschaften. Das ist auch deren Ziel. Also egal wie grün die sich geben, egal wie nachhaltig die sich geben, die müssen in erster Linie auf Profit arbeiten. Und das ist vielleicht vom Marktwirtschaftlichen her logisch, aber es beißt sich komplett mit dem Nachhaltigkeitsanspruch. Du kannst entweder nachhaltig oder nur auf Profit aus, aber beides gleichzeitig? Du wirst immer Konflikte haben und diese Konflikte werden im Zweifelsfall immer für den Profit ausgefochten. Müssen sie, weil das der Sinn eines Konzerns, einer Aktiengesellschaft ist

Stefanie Ja, es werden einige Firmen vorgestellt, wie BP zum Beispiel. Was ich auch so lustig fand: Werner Boote wird da in der ersten Einstellung gezeigt, wie er am Strand sitzt in so einem Liegestuhl mit Sonnenschirm. Und dann liest er die Zeitung. Und als er sich so ein bisschen vorbeugt, sieht man, dass da so ein Logo von BP auf dem Sonnenliegestuhl ist. Die haben einfach sehr schöne Gags mit eingebaut.

Carsten Das ist aber an dem Strandabschnitt, wo damals aus der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Water Horizon, also BP, immense Umweltschäden produziert hat. Und das Öl wurde damals nicht abgefischt, sondern man hat es mit Chemikalien besprüht, teilweise auch in einer Nacht und Nebel Aktion. Deshalb werden im Film betroffene Fischer interviewt, die auch noch mal klarstellen, dass auch Menschen da besprüht wurden.

Stefanie Die dann sagen: „Wir wurden besprüht wie Insekten.“, also dass sie dann mit Flugzeugen gekommen sind und einfach komplett...

Carsten …alles komplett eingesprüht haben. Das sind diese Chemikalien, die das Öl gebunden haben, so dass das Öl auf den Meeresboden gesunken ist. Und das ist natürlich insofern katastrophal, als dass der Meeresboden eigentlich Quell jeglichen Lebens ist. Und wenn da jetzt so eine zentimeterdicke, verdickte Ölschicht drauf liegt, dann ist das genau das Gegenteil von einer nachhaltigen Aktion, um das Meer zu säubern. Und diese Ölbrocken, die werden nach wie vor an diesem Strand angespült. Und der Hauptverursacher von dieser Katastrophe ist BP. Und deswegen ist das so ein bisschen süffisant gewesen, dass Werner Boote sich da so ein bisschen naiv in so einem Sonnenstuhl mit dem BP Logo, ne?

Stefanie Genau. Werner Boote spielt die ganze Zeit den Naiven. Er ist eigentlich immer derjenige, der keine Lust hat, sich zu verändern und der glaubt, was ihm gesagt wird und der auch an die ganzen Nachhaltigkeits- und Fair Trade Siegel glaubt und so. Also es wird viel klargestellt, dass das alles eine schöne heile grüne Lügenwelt ist und dass wir eigentlich an dem System etwas ändern müssen. Also solange wir an diesem kranken System herumdoktern und uns zum Beispiel - Tesla war auch ein Teil davon - den Fahrspaß nicht verbieten wollen, also quasi nur eins zu eins von Verbrennungsmotoren auf Elektromotoren umsteigen, sich auch nichts ändern wird. Also damit retten wir einfach nicht die Welt. Und ich denke, das ist dir, liebe·r Hörer·in, schon klar, wenn du uns schon länger zuhörst. Das ist einfach nicht die Lösung eins zu eins einen Ersatz zu finden, sondern es geht wirklich darum, das System zu verändern. Die Mobilität muss ganz anders aussehen.

Und Kathrin Hartmann sagt das in dem Film auch so ein bisschen entnervt, dass wir alle immer auf so grüne Daniel Düsentriebs warten, die dann mit so einer super Idee um die Ecke kommen, damit wir genau so weiterleben können wie bisher und ja nichts ändern müssen an unserer Art zu leben. Aber eigentlich geht es darum, dass wir einige Privilegien abgeben müssen. Und das ist eigentlich der Grundtenor. Durch diese ganzen grünen Lügen uns suggeriert wird, wir könnten uns Nachhaltigkeit erkaufen. Wenn wir nur dieses Produkt kaufen oder jenes Produkt kaufen, dann machen wir was fürs Klima, gegen den Klimawandel und sind besonders nachhaltig und gut. Es ist also gut für unser Gewissen. Wir können uns unser Gewissen rein kaufen. Aber darum geht es nicht.

Das ist ja das, wo ich eigentlich auch bei Kathrin Hartmanns Buch „Grüner wird's nicht“ so ein bisschen mit mir selbst zu kämpfen hatte, dass sie das auch immer und immer und immer wieder sagt, dass wir nicht über unseren Kassenzettel abstimmen können und dass es nicht ums Kaufen geht. Ich meine jetzt, durch den Film habe ich endlich verstanden, was sie eigentlich sagen will. Nämlich dass ihre Grundthese ist, dass sich das System ändern muss. Und da stimme ich natürlich mit ihr überein. Und ihr Gedanke ist: Wir müssen aufstehen, uns erheben und kämpfen, wir müssen auf die Straße gehen, wir müssen laut werden, wir müssen den Betrieb stören.

Was aber nicht heißt - die Diskussion hatte ich auch in einer meinen Bildungsurlaubsgruppen - das so zu machen, dass wir dann wie Extinction Rebellion den Verkehr stören - das hatte Kathrin Hartmann ja auch schon in ihrem „Grüner wird's nicht“ thematisiert - und damit alles lahmlegen, damit eigentlich die Falschen erreichen. Das sind ja nicht die Entscheider ˜innen, sondern das sind die, die es letztlich ausbaden müssen.

Carsten Ich glaube das prominenteste Beispiel, wo sie ein bisschen fehlgeleitet waren, war, dass diese Aktivist·innen das U Bahn System in London stillgelegt haben. Das ist ja genau die Infrastruktur, die es gilt, in Zukunft weiter auszubauen. Und da ist es dann durchaus kontraproduktiv, da jetzt ein Nadelstich rein zu setzen und genau da dann dafür zu sorgen, dass die Leute damit nicht fahren können.

Stefanie Da hatte ich aber eine Teilnehmerin, die genau das befürwortet hat und gesagt hat, eigentlich müsste man mal sowas machen, wo ich dann gesagt habe, nein, es trifft dann die Falschen. Also das ist nicht der Ansatz, das würde ich jetzt auch nicht befürworten, sondern klar auf die Straße gehen. Es wird auch am Ende gezeigt, wie Werner Boote, der am Anfang sagt „Ich war nie so der, der Krawall gemacht hat.“ am Ende dann doch mal bei der Demonstration mitgelaufen ist. Klar, die werden ein Skript gehabt haben, das ist schon klar. Aber letztlich war für mich die Botschaft des Films: Geh auf die Straße, kämpfe für dein Recht.

Carsten Genau das ist auch tatsächlich das, was aus dem Film auch für mich deutlich geworden ist. Das ist mir persönlich noch ein bisschen zu dünn, muss ich sagen. Ich glaube nicht, dass wir die Welt verändern können, wenn wir auf die Straße gehen. Also ausschließlich.

Stefanie Es ist ein Teil davon. Das auf die Straße gehen ist schon wichtig, finde ich.

Carsten Es ist wichtig, es ist ein Politisierungsprozess und wir müssen politischer werden. Als Einzelpersonen müssen wir uns mit mit anderen politisch engagieren. Wir müssen eine kritische Masse bilden, also kritisch in der Hinsicht, dass wir einmal kritisch reflektiert mit unserer Umwelt umgehen, aber auch eine kritische Masse hinsichtlich, dass wir genug werden, um damit tatsächlich etwas zu verändern. Aber dieses Auf die Straße Gehen impliziert immer noch, dass wir Entscheider·innen umstimmen können. Und ich glaube, da überschätzen wir unsere Hebelwirkung.

Stefanie Wobei, ich habe ja den Film Tomorrow gleich zweimal geguckt, in den letzten zwei Wochen, weil ich den im Bildungsurlaub immer am Ende gezeigt habe, weil ich damit motivieren wollte, dass die wirklich jetzt mal was anpacken und ändern. Und ein Teil des Films ist Demokratie. Und da wird ja auch gezeigt, wie in Island die Regierung gestürzt wurde. Allein dadurch, dass die Menschen auf die Straße gegangen sind und Wochen- und Monatelang gefordert haben, dass die Regierung zurücktritt und die ist auf Druck dieser Demonstrationen zurückgetreten.

Carsten Gut, ja, da muss ich aber sagen Andere Länder, andere Sitten. Ich glaube, da sind wir Deutschen tatsächlich noch so ein bisschen zu sehr genügsam und nicht politisiert. Frankreich ist ja auch ein positives Beispiel, wo die Menschen auch stärker für ihre Rechte auf die Straße gehen und dann auch die Regierung damit beeinflussen können. Aber das ist meine persönliche Meinung. Ich will einfach nur sagen, dass ich glaube, dass es nicht da aufhören soll. Also selbst wenn jetzt die Quintessenz von dem Film ist „Geht mehr auf die Straße“ würde ich persönlich sagen: ja, erster Schritt, fangt da an, aber dann müsst ihr noch ein paar weitere Schritte gehen. Also ihr müsst auch bereit sein, an Alternativstrukturen aktiv mitzuarbeiten und nicht hoffen, dass andere das für euch übernehmen.

Stefanie Ja, das wurde ja auch so ein bisschen zumindest am Ende da gezeigt in Brasilien, dass die Indigenen dort dann auch sich auflehnen gegen Herrschaftsstrukturen, die dort gegeben sind.

Carsten Die Landnahme für Weiderinder und so, dass die da eigentlich den Indigenen auch tatsächlich rechtlich gehörende Ländereien einfach sich aneignen und dann mit paramilitärischer und auch mit Militärpolizeigewalt verteidigen. Also dass dann die Indigenen da auch gar nicht mehr die Möglichkeit haben, physisch das Land wieder in Anspruch zu nehmen.

Stefanie Genau. Und da war ja für mich die Quintessenz, also die Botschaft eigentlich dahinter: Wir müssen immer weiter kämpfen, wir dürfen nicht aufhören zu kämpfen, wir müssen für unsere Rechte einstehen und es gibt gar keine Option aufzuhören. Also, und das war für dich auch so?

Carsten Das habe ich genauso empfunden. Da wird ein gutes Beispiel gezeigt.

Stefanie Ich denke aber, was ich jetzt auch gemerkt habe - tut mir leid, falls eine·r von meinen Teilnehmer·innen dieses Bildungsurlaubs jetzt zuhört, aber vielleicht bist du persönlich nicht gemeint - aber was ich einfach gemerkt habe ist, dass wir da doch sehr bequem sind und es uns so schwerfällt, unsere Privilegien loszulassen. Und wir sind ja jetzt nicht direkt betroffen. Also die Indigenen sind da ja direkt betroffen und gehen auf die Straße oder wehren sich auf verschiedene Art und Weise, weil sie in ihren Rechten massivst beschnitten werden und das so stark, dass sie eigentlich nicht wirklich überleben können. Wir hier merken ja vom Klimawandel noch nicht so wirklich viel. Wir merken ihn schon, aber nicht so stark, dass er uns jetzt übermäßig einschränkt.

Carsten Oder reden es sogar noch schön: „Hach, hatten wir einen sonnigen Sommer.“

Stefanie Genau. Oder „Ich muss dann nicht mehr weiter reisen. Und deswegen ist es so schön hier.“ Und so wie bei dem Vortrag von Will Steffen, ein australischer Klimaforscher ist das, dessen Vortrag habe ich zu Beginn des Bildungsurlaubs gezeigt und der sagte, wenn er das in Australien einem Regierungsmitglied erzählt, dann sagen die ja, dann wird es vier Grad wärmer, dann stelle ich die Klimaanlage hoch. Also das Bewusstsein dafür muss ja geschärft werden. Ja, aber die Bereitschaft, die ist irgendwie noch nicht so wirklich da. Also du musst ja weiter denken als nur für dich, für deinen Komfort. Du musst ja wirklich dann global denken und sehen Hey die Erde steht in Flammen quasi. Also unsere Lebensgrundlage. Das geht nicht mehr lange gut. Auch in dem Vortrag von Will Steffen, der ja schon Mitte 2018 gefilmt wurde, sagt Will Steffen, dass wir bis 2020 die Kehrtwende haben müssen. Wenn wir das nicht schaffen, driften wir auf ein Vier Grad Ziel zu. Er zeigt dass dieses Szenario auch immense Auswirkungen hat.

Und am Ende kann es sein, dass auf unserer Erde nur noch Platz ist für 1 Milliarde Menschen. Und im Moment sind wir 7,5 Milliarden ungefähr. Also von daher. Hey, also das Problem erledigt sich von alleine automatisch, wenn wir jetzt nicht lernen, unsere Privilegien zurückzuschrauben. Und es sind Privilegien. Wir haben es richtig gut hier. Ja, natürlich nicht flächendeckend. Ja, es gibt Obdachlose, die natürlich keinesfalls ähnliche Privilegien haben wie Carsten und ich zum Beispiel und sicherlich auch Menschen, die in prekäreren Lagen sind als wir. Aber im Großen und Ganzen geht es uns in Deutschland sehr gut.

Carsten Und Privilegien oder Bequemlichkeit, das finde ich ganz gut, dass der Film so was indirekt auch thematisiert. Die spielen dort schon so mit bestimmten Themen, wo wir glauben, mit einer nachhaltigeren Entscheidung haben wir eigentlich die Kuh vom Eis geholt.

Stefanie Wenn ich nur das nachhaltigere Spülmittel kaufe, dann...

Carsten Beim Palmöl fand ich das gut. Kathrin Hartmann verbinde ich tatsächlich mit Palmöl, dadurch, dass sie auch damals in dem Buch „Aus ökologischem Raubbau“ das sehr stark thematisiert hat, das war ja auch für uns ein Augenöffner. Dieses Buch und diese Thematik findet sich dann - ich muss sagen, in so einem schon abgeschwächter Form, aber trotzdem noch eindringlich genug - auch in diesem Film wieder.

Und da gibt es eine Szene, wo Werner Boote und Kathrin Hartmann in einem relativ großen Supermarkt dann einfach so durch flanieren. Werner Boote mit dem Einkaufswagen und packt ständig Sachen in den Einkaufswagen. Und dann kommen die beiden in den Dialog, weil Kathrin Hartmann wissen möchte: Was packst du denn da eigentlich alles rein? Und dann meinte sie: Guck mal hier, da ist Regenwald drin und dann wird dann so ein bisschen persifliert Ja, aber das ist ja nachhaltig, da steht ja hier keine Ahnung, da ist aus nachhaltigem Anbau und Kathrin Hartmann - ich weiß nicht mehr genau, hat sie gesagt: „Ja, glaubst du, dass das da der Regenwald nieder gekuschelt wird?“ oder irgendwie so?

Stefanie So ein bisschen wie das Niederstreicheln und Kuscheln der Tiere, die bio gehalten werden, die werden nicht geschlachtet, sondern die werden niedergekuschelt.

Carsten Totgekuschelt.

Stefanie Totgekuschelt, genau.

Carsten Die haben es dann bis zum Schluss noch kuschelig. Genau. Ja und ich kann vorweggreifen: Katrin Hartmann und Werner Boote schauen sich dann auch tatsächlich vor Ort die Gegebenheiten an und das ist schon so ein bisschen erschreckend. Wirklich so eine abgebrannte, will nicht sagen Wüste, aber totale Einöde. Und ich glaube 600 Hektar oder sowas. Oder waren es Quadratmeter?

Stefanie Das war schon heftig.

Carsten Ja, ich glaube Hektar waren es, die da abgebrannt wurden. Die wurden nicht für diese Szene abgebrannt. Aber diese Szene spielt auf diesem Land und das war dann auch tatsächlich ein Areal, was einer Palmölfirma gehört, deren Mutterkonzern ein paar Minuten vorher in dieser Dokumentation beteuert hat: Ja, bei uns passiert sowas nicht. Wir sind nachhaltig. Wir bezahlen nur nachhaltig oder wir bauen nur nachhaltig an und so.

Stefanie Das war illegal abgebrannt.

Carsten Illegal.

Stefanie Weil nicht legal abgebrannt, sondern illegal. Und auch generell wurde ja immer behauptet nachhaltiges Palmöl, da wird nichts für abgebrannt.

Carsten Genau so und das wird hier widerlegt und und das ist das Schöne an diesem Film, die beiden treten direkt mit den Firmen in den Dialog an der Stelle, was das Palmöl betrifft, auf der weltgrößten Messe für Palmölproduzenten.

Stefanie Auf Bali.

Carsten Da werden die beiden noch vorher gebeten, bei der Akkreditierung, bitte keine kritischen Fragen zu stellen, aber die Dialoge machen sie trotzdem. Das finde ich total gut. Und ja, so ist der gesamte Film aufgebaut, dass sie auch versuchen, mit diesen Vertreterinnen da in einen Dialog zu gehen und kritische Fragen zu stellen und die dann so indirekt auch so ein bisschen bloßzustellen, aber bzw auch mal den den Schleier von den Augen zu ziehen und zu denken okay, klar, nach außen hin betreiben die massives Greenwashing und man könnte den Eindruck bekommen, die tun richtig was fürs Klima. Aber im Endeffekt ist das alles nur hohles Gewäsch um die eigenen Produkte ein bisschen grüner zu färben und damit dann die Umsätze zu sichern.

Stefanie Also für mich war jetzt nicht viel Neues dabei, für dich?

Carsten Nee, inhaltlich war es eigentlich das, was wir schon kannten. Nur die Aufarbeitung dieses Ganzen, die fand ich gut.

Stefanie Also es war relativ kurzweilig, aber ich befürchte irgendwie, dass wir dadurch, dass wir schon so tief drin stecken im Thema, deswegen uns so amüsiert haben darüber, weil das diese gängigen Vorurteile waren, die immer wieder ausgespielt wurden.

Carsten Ja, ich glaube Werner Boote ist ja auch wirklich betont naiv, darum ist das schon so überspitzt gewesen aus meiner Sicht, dass das einfach so eine gewisse...

Stefanie Er spielt den·die Durchschnittskonsument·in.

Carsten Aber das wirkt wie eine Persiflage auf den Durchschnitt. Ich empfand es als lustig.

Stefanie Ja und ich frage mich, ob wir das lustig finden, weil wir nicht mehr - wir waren ja auch mal so. Also wir können uns nicht freisprechen von Schuld - diesem·r Durchschnittskonsument·in entsprechen, sondern uns emanzipiert haben zu Bürger·innen. Also von daher könnte ich mir vorstellen, dass Menschen, die noch genauso denken wie Werner Boote - ich hoffe, er tut nur so, als würde er so denken, aber sonst hätte er ja nicht den Film gemacht - dass die sich vielleicht ein bisschen bloßgestellt fühlen können.

Carsten Ja, bleibt nichts anderes übrig. Wir müssen auf Feedback warten. Wenn du dir den Film anschaust, wie empfindest du das denn?

Stefanie Also ich gehe davon aus, dass unsere Hörer·innen so sind wie wir und auch, da sie uns ja meistens schon länger begleiten.

Carsten Vielleicht das auch schon so genau so sehen.

Stefanie Also gehen wir jetzt mal davon aus, dass du das auch lustig finden wirst, aber wenn du das jetzt anderen zeigst, die noch nicht so weit sind, könnte es sein, dass die das nicht lustig finden.

Carsten Dann musst du denen das in zwei, 3, 4, 5 Jahren noch mal zeigen.

Stefanie Also ja, vielleicht hast du ja Erfahrung damit, dass Menschen zu zeigen, die bisher noch in ihrer heilen Konsumwelt verweilen und nicht bereit sind, irgendwelche Privilegien aufzugeben, dann freuen wir uns natürlich darauf, wenn du deine Erfahrungen mit uns teilst. Das kannst du im Clan machen. Im Von Herzen Vegan Clan, der ist kostenlos und da tauschen wir uns mit einer Community aus, die aus Menschen besteht, die alle von Herzen vegan, also ethisch motiviert vegan leben und unseren Podcast hören, wahrscheinlich auch die anderen Podcasts und auch generell einfach miteinander in Austausch kommen wollen. Oder du schreibst mir eine Email an post@vonherzenvegan.de.

Carsten Also um an den Anfang anzuknüpfen: Ein kurzweiliger Kinoabend oder Fernsehabend - es kommt jetzt nicht mehr im Kino - aber Streaming DVD, wie auch immer.

Stefanie Ja, aber Streaming - muss ich jetzt ja dadurch, dass ich zwei Wochen lang Menschen in Nachhaltigkeit geschult habe, sagen - Streaming ist böse, nicht sehr nachhaltig. Also wenn du das unbedingt streamen musst, am besten ist es, wenn du es runterlädst, wenn es öfter angeguckt wird. Aber besser ist es, sich eine DVD zu besorgen.

Carsten Ja genau.

Stefanie Auszuleihen, also nicht zu kaufen. Wenn du sie kaufst - Du kannst auch dir noch mal die Folge „Wie nachhaltig ist das Internet anhören?“ Da habe ich das auch schon gesagt. - wenn du sie kaufst, fahr nicht mit dem Auto dahin, sondern geh zu Fuß oder fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln, weil das mit dem Auto dahin fahren, um einen DVD neu zu kaufen tatsächlich das gleichwertig macht mit dem Streamen.

Carsten Ich kann sogar mit Zug zur Zentralbibliothek fahren.

Stefanie Ja, das ist sehr schön, ziemlich cool. Du kannst auch mit dem Fahrrad einfach zur nächsten Bücherhalle fahren.

Carsten Das ist uncool.

Stefanie Also jedenfalls bedenke: Streaming ist zwar bequem, aber es ist nicht nachhaltig.

Carsten Genau so der mahnende Finger ganz zum Schluss. Trotzdem ist der Film gut. Guck ihn dir an.

Stefanie Wir kontrollieren dich auch nicht. Habe ich meinen Teilnehmer·innen auch gesagt: Ich komme ja jetzt nicht zu euch nach Hause und überprüfe, ob ihr das wirklich alles umsetzt, was ich euch jetzt hier mitgegeben habe. Also ihr dürft euch jetzt Dinge aufschreiben und sie dann auch nicht umsetzen, auch wenn ich das natürlich blöd finde, aber ich kann es ja nicht überprüfen. Also keine falsche Scheu.

Carsten Ich dachte das gibt so ein Agreement, dass die drei Monate Zeit haben und dann irgendwie einen schriftlichen Nachweis geben müssen und ansonsten wird deren Teilnahmebescheinigung wieder eingezogen.

Stefanie Also die erste Gruppe hat sich das tatsächlich auch so ein bisschen gewünscht, in der Art, so ein bisschen zumindest, dass wir uns wieder treffen. Aber wir haben auch so ein bisschen darüber gewitzelt, dass ich nach Hause komme und überprüfe, wie das so ist bei denen.

Carsten Kannst du das jetzt zur Weihnachtszeit machen? Also Knecht Ruprecht Nee. Was ist die weibliche Form von Knecht Ruprecht?

Stefanie Nikolaus - also nicht die weibliche Form.

Carsten Ach, der Nikolaus ist die weibliche Form vom Knecht Ruprecht?

Stefanie Ja, okay. Also der Knecht Ruprecht gehörte zum Nikolaus, wollte ich sagen, aber der ist ja ausgestorben irgendwie. Den gibt es ja schon ganz lange nicht mehr.

Carsten Das ist schwarze Pädagogik, ja.

Stefanie Aber der ist irgendwie ausgestorben. Als wir noch klein waren, gab's den noch.

Carsten Aber ich weiß, ich habe den damals auch noch mal gesehen.

Stefanie Ich war ja später klein als du.

Carsten Ich war früher groß als du. Meine Güte. Okay, wir neigen uns dem Ende zu. In vielerlei Hinsicht. Also. Ja. Frohe Weihnachten wollte ich schon wünschen.

Stefanie Wir können die Folge auch erst... Tut mir leid. Es hat sehr lange gedauert. Wir konnten die jetzt erst senden, weil Carsten frohe Weihnachten gesagt hat.

Carsten Ja, stimmt das. Ist das Nikolaus Bashing? Okay, bevor das noch weiter abdriftet und

Stefanie wir ganz viele schlechte 1-Sterne Bewertungen bei iTunes bekommen, weil wir auch mal gelacht haben.

Carsten Da kommt der Knecht Ruprecht.

Stefanie Verabschieden wir uns hiermit. In diesem Sinne.

Carsten Horrido! Und in - wo wohnen wir noch? In der Zentrale, der Zentralregion?

Stefanie Das war jetzt zu lustig. Also jetzt wieder ganz ernst. In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Nachhaltige Nachbar­schaften Teil 2

Ein Beitrag

Folge 213 - Nachhaltige Nachbarschaften Teil 2

Für die Vorbereitung des Bildungsurlaubs, den ich für die VHS Hamburg gebe, habe ich mir die beiden Bücher "Nach Hause kommen" (in der neuen, überarbeiteten Auflage) und "Zusammen haushalten" gekauft.

Durch die Lektüre der beiden Bücher hatte ich das Bedürfnis eine weitere Folge zum Thema "Nachhaltig wohnen" aufzunehmen und meine Erkenntnisse, die ich aus den beiden Büchern gewonnen habe, mit Dir zu teilen.

Diese Folge schließt an die vorangegangene Folge an und beantwortet einige Fragen, die vorher noch offen blieben.

So spreche ich darüber, wie das Konzept der Nachbarschaften mit unliebsamen Arbeiten, wie z.B. Putzen, umgeht und wie der Wunsch nach Privatsphäre berücksichtigt wird.

Für mich ist das Konzept der Nachbarschaften, vorgestellt durch den Verein Neustart Schweiz und in der Schweiz auch schon in einigen Projekten gelebt, richtungsweisend für die Zukunft.

Wirklich nachhaltig können wir nur in Gemeinschaft leben - in unseren Einzelhaushalten kommen wir sonst zu schnell an unsere Grenzen.

Links zur Folge

Buch "Nach Hause kommen - Mit Nachbarschaften der Klimakrise begegnen"
Das Buch über den Verein Neustart kaufen

Buch "Zusammen haushalten - Warum es vorteilhaft ist, in Nachbarschaften zu leben
Das Buch über den Verein Neustart kaufen

Verein Neustart Schweiz
https://www.neustartschweiz.ch/

Gemeinschaft und Privatsphäre in Nachbarschaften
https://neustartschweiz.ch/wuenscht-du-dir-gemeinschaft-und-zugleich-privatsphaere/articles/gemeinschaft-und-privatsphaere/

Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

Rezension vom tierbefreiungsarchiv zum Reisebuch
http://tierbefreiungsarchiv.de/fachbibliothek/rezensionen/gelassen-vegan-leben-eine-reisefuehrerin-der-anderen-art/

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Mit Nachbarschaften durch die Klimakrise

Ein Beitrag

Folge 212 - Mit Nachbarschaften der Klimakrise begegnen

Diese Podcastfolge ist der Rückblick auf das Monatsthema "Wohnen in Gemeinschaft als nachhaltigste Wohnform der Zukunft" im Von Herzen Vegan Clan und auch eine Buchrezension des Buchs "Nach Hause kommen - Nachbarschaften als Commons".

Wir haben schon in Folge 207 über "Anders wohnen fürs Klima" gesprochen, doch diese Folge geht tiefer.

Während wir damals nur an der Oberfläche gekratzt haben, haben wir uns nun einen Monat diesem Thema gewidmet und sprechen in dieser Folge nicht nur über die Gedanken der Clanmitglieder, sondern auch über das Konzept der Nachbarschaften, das vom Verein Neustart Schweiz entwickelt wurde.

Ich zitiere dabei einige Passagen aus dem Buch, damit Du einen Eindruck bekommst, was genau mit Nachbarschaften gemeint ist und wir diskutieren auch wieder über Privilegien, die uns in diesem Fall davon abhalten unsere Wohnfläche einzuschränken.

Links zur Folge

Buch "Nach Hause kommen - Nachbarschaften als Commons"
online als pdf

Verein Neustart Schweiz
https://www.neustartschweiz.ch/

Podcastfolge zum Wohnprojekt "Kalkbreite" (noch bis zum 3.11.2020 online)
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Herz-gut-alles-gut-Folge-6-180-Grad,audio577388.html

Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

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Folge 211 - No logo von Naomi Klein

Ein Beitrag

Folge 211 - No logo von Naomi Klein

In dieser Folge spricht Carsten über das Buch "No Logo!" von Naomi Klein. Auch wenn das Buch bereits vor 20 Jahren erschienen ist, kann es noch mit vielen wichtigen Fakten und Zusammenhängen zur Wirtschaftsweise von Marken-Konzernen überzeugen.

"No Logo!" beschreibt, wie Ende der 1990'er Jahre viele weltweit bekannte Firmen den Umschwung vom Produkt- zum Marken-Unternehmen durchgeführt haben. Dieser Umschwung blieb nicht ohne soziale Folgen, kostete tausende Arbeitsplätze unterfütterte die Existenz und den Ausbau von Sweatshops, in denen ArbeitseiterInnen zu unhaltbaren Arbeitsverhältnissen gezwungen und ausgenutzt werden.

Gleichzeitig verbergen die Markenfirmen diese Schattenseiten hinter einer massiven Wand aus Marketingmaßnahmen, mit denen es Ihnen gelang die eigene Marke zu glorifizierten und global begehrten Symbolen aufzuladen.

Naomi Klein kann durch ihre investigative journalistische Arbeitsweise die durch Markenfirmen provozierten negativen Auswirkungen auf die Ausbeutung von Arbeitskräften, Verringerung der Produkt- und Markenvielfalt, bis hin zum Demokratieverlust nachzeichnen.

Links zur Folge

Buch "No logo!" von Naomi Klein
z.B. bei buch7.de

Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

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Ist eine vegane Welt realistisch?

Ein Beitrag

Folge 210 - Ist eine vegane Welt realistisch?

Inspiriert durch Andrea, die im Von Herzen Vegan Clan von einem 21 Jahre zurückliegenden Erlebnis in Georgien erzählte, gehen wir in dieser Folge der Frage nach: "Gibt es Situationen/ Lebensumstände, die Tierhaltung/-nutzung rechtfertigen?"

Oder anders gefragt: Dürfen wir eine vegane Welt fordern? Haben wir das Recht dazu anderen Menschen zu sagen, wie sie zu leben haben?

Zu Beginn meines veganen Lebens hätte ich noch geantwortet, dass Tiere auch Rechte haben und es nicht in Ordnung ist sie zu nutzen - egal unter welchen Umständen.

Mittlerweile denke ich anders: ich denke, dass wir im globalen Norden, in den reichen Staaten, wo es uns leicht fällt vegan zu leben, auch vegan leben sollten. Unsere Lebensweise verursacht schließlich die wirtschaftlich schlechtere Lage in Ländern wie Georgien und ich bin der Meinung, dass wenn wir vegan leben und auch in anderen Bereichen auf Nachhaltigkeit setzen, sich das auf die momentan benachteiligten Länder so positiv auswirkt, dass ein gutes Leben für alle möglich ist. Und das sollte dann wiederum vegan sein.

Eine vegane Welt ist also meiner Meinung nach nur möglich, wenn global soziale Gerechtigkeit herrscht.

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Vollständiges Transkript

Stefanie Diese Folge ist inspiriert durch Clanmitglied Andrea. Also herzlichen Dank Andrea, dass du - wahrscheinlich unbeabsichtigt - uns inspiriert hast. Jedenfalls hat Andrea eine Frage aufgeworfen, der wir jetzt in dieser Folge nachgehen wollen, nämlich der Frage nach der veganen Welt. Und ich möchte dazu Andreas Kommentar bzw auch ihre Frage einmal vorlesen. Ich fasse den Anfang jetzt einmal kurz zusammen. Und zwar hat Andrea geschrieben, dass sie vor längerer Zeit in Georgien war und sie dort das Land und vor allem die Menschen kennen und lieben gelernt hat. Und sie hat, seit sie vegan lebt, öfter mal an Georgien gedacht, vor allem was die Tierhaltung dort anbelangt. Und so schreibt sie;

“Als ich dort war, lag Georgien wirtschaftlich in Schutt und Asche. Kaum jemand wurde für seine Arbeit bezahlt, auch nicht Lehrer·innen, Ärzt·innen usw. Die Menschen lebten von ihrem Garten. Wenn sie in der Stadt wohnten, dann wurden sie von Verwandten, die auf dem Land lebten, versorgt und von ihrer Kuh. Fast jede Familie besaß eine Kuh, um Milch vor allem zu Joghurt und Käseherstellung zu gewinnen. Die Kuh war jeder Familie im wahrsten Sinne des Wortes heilig. Lebensmittel kaufen konnten die meisten Menschen nur in sehr begrenztem Umfang, zum Beispiel Brot. Ansonsten ging das Geld, das man zum Beispiel von Verwandten aus dem Ausland bekam, für andere Dinge wie Kleidung, Benzin, Strom, Wasser usw drauf.

Die Kühe wurden tagsüber auf Allmende Weiden grasen gelassen, meist begleitet durch Hirten, also auf den Wiesen, Weiden, Wäldern rund um die Dörfer. Diese Wirtschaftsform hat sich quasi von allein entwickelt als Antwort auf die katastrophale Versorgungssituation. Ob dies heute noch so praktiziert wird, weiß ich nicht. Hier komme ich so ein bisschen in einen Gewissenskonflikt mit meiner Forderung nach einer veganen Welt. Ich lebe in einer super organisierten Welt. Ich kann alles kaufen, was ich zum Leben brauche, sei es vegan oder nicht. Aber stellt euch vor, ihr habt nur euren Garten und sollt damit euer Kleinkind ernähren. Aufwendiger Ackerbau ist euch nicht möglich. Es mangelt an Geld für Geräte und ihr habt ja schließlich noch einen Job, zum Beispiel als Ärzt·innen oder Lehrer·innen, den ihr nicht aufgeben wollt, weil ihr euch gesellschaftlich verantwortlich fühlt. Eine Kuh auf der Dorfweide oder das Huhn im Garten scheinen da eine gute Lösung zu sein. Zumindest war es das für viele Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Wie seht ihr das? Gibt es Situationen, Lebensumstände, die Tierhaltung oder Nutzung rechtfertigen?“

Als ich diesen Kommentar von Andrea gelesen habe, habe ich natürlich über diese Frage nachgedacht und ich habe mir diese Frage auch schon öfter gestellt. Und zu Beginn meines veganen Lebens hätte ich die noch ganz anders beantwortet, als ich das jetzt tun werde. Und ich habe Carsten gebeten, dass wir eine Folge dazu aufnehmen, weil ich einfach denke, dass diese Frage wichtig ist und wir im Laufe unseres veganen Lebens sie uns wohl auch immer wieder stellen. Und wir laden dich ganz herzlich ein, mitzudiskutieren. Gerne im von Herzen Vegan Clan. Du kannst aber auch gerne deine Meinung per Email schicken an post@vonherzenvegan.de. Wir nehmen diese Folge relativ zeitnah nach dem Kommentar auf. Es kann sein, dass sich daraus eine Diskussion ergeben hat. Bis jetzt war das noch nicht so. Falls du also schon mitdiskutiert hast, herzlichen Dank. Diese Diskussionsbeiträge fließen jetzt logischerweise nicht mit ein, weil wir nicht in die Zukunft blicken können usw und so fort.

Carsten Du hast keine Glaskugel.

Stefanie Na ja, doch, habe ich.

Carsten Schon, aber da steht nichts drin.

Stefanie Genau, die funktioniert irgendwie nicht in diesem Bereich. Ja, genau. Zu Beginn meines veganen Lebens hätte ich anders geantwortet, nämlich, dass es keinesfalls okay ist, Tiere zu nutzen. Überhaupt gar nicht und es keine Umstände der Welt rechtfertigen können, Tiere zu nutzen, nicht vegan zu leben. Und mittlerweile habe ich meine Meinung geändert. Nicht komplett natürlich. Also ich sage jetzt nicht das Gegenteil, sondern meine Meinung ist etwas differenzierter geworden. Einfach durch das Wissen, was Carsten und ich uns jetzt im Laufe der Jahre angeeignet haben. Vor allem im Bereich herrschaftskritisches Denken und so was alles, dass Carsten mir durch seine linke Literatur nähergebracht hat.

Carsten Progressiv denken.

Stefanie Genau. Meine Meinung ist jetzt, dass Menschen in Ländern, in denen es einfach nicht möglich ist, vegan zu leben, deswegen nicht vegan leben können, weil wir in den Ländern durch unser Konsumverhalten, durch unseren großen riesigen ökologischen Fußabdruck und das Nicht-vegan-Leben dafür verantwortlich sind, dass sie nicht vegan leben können. Also dass sie darauf angewiesen sind auf diese Strukturen, die dazu führen, dass sie Tiere nutzen müssen, also dass sie gar keine andere Wahl haben, als Tiere zu nutzen. Und ich denke, dass wir erst mal vor unserer eigenen Haustür kehren sollten, bevor wir anfangen, in Ländern Menschen vorzuschreiben, vegan zu leben, in denen das infrastrukturell gar nicht möglich ist.

Carsten Ja, ich schließe mich da an, ich bin genau dieser Meinung. Wenn diese Frage „Ist hier Nutzung erlaubt? Ja / nein.“ so, ich sag jetzt mal, binär gefragt wird, würde ich ganz klar sagen: kategorisch Nein, das ist nicht zulässig. Aber und da kommt jetzt dieses große Aber: Ich muss natürlich immer die Lebenswirklichkeit im Hinterkopf behalten und muss dazu auch sagen, dass das, was dort eingangs geschildert wurde, diese Lebensumstände in Georgien, die sind jetzt etwas mehr als 20 Jahre alt. Wir wissen also nicht, ob das heute noch zutrifft. Aber unabhängig davon ist es natürlich ein schönes Beispiel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass vergleichbare Umstände vielleicht nicht in Georgien heute, sondern auf dem afrikanischen Kontinent oder mindestens bei manchen indigenen Völkern noch zu finden sind.

Und ich muss natürlich tatsächlich überlegen, wem kann ich jetzt mit einer Forderung „Leb bitte vegan“ gegenübertreten. Das ist aus meiner Sicht nicht immer zulässig, auch vom moralischen Standpunkt her. Unabhängig davon, dass wir jetzt auch über Tierethik und moralisches Verhalten gegenüber der Tiere sprechen, sondern ich muss natürlich tatsächlich gucken, ist das auch wirklich realistisch umsetzbar, wenn ich mir zum Beispiel so Inuit, wie ich sie mir jetzt so vorstelle, vorstelle, dann fällt es mir wirklich schwer, als privilegierter, weißer, männlicher Europäer einem Inuit gegenüber zu treten und zu sagen: Du müsstest jetzt eigentlich aus ökologischen, aus ethischen, aus gesundheitlichen Gründen vegan leben.

Stefanie Und das ist genau das, was ich meine. Wir sollten erstmal bei uns anfangen und das würde schon so viel bewirken, wenn wir erst mal in den reichen Ländern, in denen es möglich ist - es ist uns ja möglich, vegan zu leben, wir tun es nur aus Bequemlichkeit nicht. Und es geht ja auch nicht nur ums vegan leben, sondern vor allem auch um Nachhaltigkeit, wovon vegan leben ein Teil ist, was dann dazu führen kann, dass ein gutes Leben für alle möglich ist. Und ich bin der Meinung, es ist erst eine vegane Welt möglich, wenn ein gutes Leben für alle möglich ist.

Carsten Gutes Leben tatsächlich in Hinsicht auf gutes Leben und nicht besseres Leben. Wir leben jetzt hier in unserer Gesellschaftsform einfach immer ein besseres Leben. Wir wollen es ja immer besser haben. Die Kinder sollen es besser haben, wir wollen größere Autos haben, größere Häuser etc. bessere Jobs, mehr Geld. Darum geht es gar nicht.

Stefanie Nein, wir müssen das ausgleichen. Genau. Es gibt einfach so viele Menschen, die es viel schlechter haben als wir. Und deswegen müssen wir unseren Lebensstandard runterschrauben, damit der andere Lebensstandard angehoben werden kann und wir uns dann in einer Mitte treffen können, in der wir nicht unsere Lebensgrundlage zerstören, sondern alle global betrachtet gemeinschaftlich ein gutes Leben führen können. Also es geht wirklich nicht um ein gutes Leben nur für reiche Menschen. Ich zähle uns zu reichen Menschen, weil wir in reichen Ländern leben. Das variiert natürlich, das ist mir ganz klar. Auch ich kenne HartzIV Empfänger·innen und auch ich kenne Obdachlose usw und so fort. Das ist mir alles ganz klar. Ich rede jetzt von uns als Gesellschaft und im Vergleich zu anderen Gesellschaften, die es nicht so gut haben.

Carsten Kollektiv betrachtet. Und ich kann natürlich jetzt schlecht hingehen und einer indigenen Gemeinschaft gegenüber diese Forderung äußern: Lebe vegan. Was ich machen kann, ist, ich kann diese Forderung durchaus einem Mitmenschen hier im deutschsprachigen Raum gegenüber äußern und ich bin mir ziemlich sicher, dass egal auf was für eine Einkommensstufe er jetzt gerade unterwegs ist, er wird die Möglichkeiten haben, vegan zu leben, weil er.

Stefanie Oder sie.

Carsten Oder sie ja genau, der Mensch, die Menschen, das ist auf alle Fälle etwas. Diese Forderung halte ich in diesem Kontext hier in diesen Industrieländern für durchaus berechtigt. Aber ich muss immer im Hinterkopf behalten, dass die anderen Menschen auf dieser Welt durchaus andere Lebensrealitäten haben, die durchaus härter sind. Als krasses Beispiel: Ich brauche einem Menschen, der gerade in einem ausgebombten Kriegsgebiet versucht sein Überleben abzusichern, nicht mit dieser Forderung gegenübertreten. Und das ist es tatsächlich, dass wir versuchen, das gute Leben für alle sicherzustellen, es zu ermöglichen, vielleicht auch als Inspirationsquelle. Also unser Wohlstandsmodell dient ja nach wie vor mit seiner perfiden Sogwirkung als Nordstern, dem alle irgendwie entgegen drängen.

Alle wollen genau den gleichen Reichtum, den gleichen Wohlstand wie wir. Wenn wir die Art und Weise, wie wir unseren Wohlstand leben, anders definieren. In einer vegan lebende Wohlstandsdefinition, dann hat das natürlich einen Inspirations- und Leitcharakter. Wobei Leitcharakter Entschuldigung, den Begriff muss ich schon wieder zurückziehen. Das ist natürlich sehr heikel. Also wir dürfen natürlich nicht so arrogant sein und versuchen unser Wohlstandsdenken auf andere einfach zu übertragen. Nichtsdestotrotz passiert das ja automatisch, dass Menschen, die weniger haben, versuchen zu gucken, was haben die Menschen, die mehr haben. Und das möchte ich auch haben. Und in dem Sinne habe ich natürlich diesen Übertragungscharakter.

Stefanie Deswegen ich komme da immer wieder darauf zurück. Es ist so wichtig, dieses gute Leben für alle. Wir haben - ein kleiner Schwenk, ein kleiner Einschub - damals vor längerer Zeit, 2017 haben wir uns das erste Mal für die Wandelwoche engagiert und da ging es auch immer um ein gutes Leben für alle und da habe ich am Anfang das alles noch nicht so verstanden, was da wirklich hinter steckt, hinter dem guten Leben für alle. Und wir stellen auch noch ein Buch vor, das das Buen Vivir beschreibt. Aber wenn du uns schon länger zuhörst, dann wird dir das gute Leben für alle ja schon mal begegnet sein.

Und auch die Idee dahinter, nämlich dass es global betrachtet wichtig ist und dass es tatsächlich nicht um Wirtschaftswachstum, weiter, weiter, und wir wollen unser jetziges momentanes Modell in die Welt hinausbringen geht, sondern wirklich ein globales Leben, was für den Planeten gut ist. Und das weißt du genau wie wir, dass unser jetziger Fußabdruck, was ja im Durchschnitt momentan zwölf Tonnen CO2 pro Mensch pro Jahr in Deutschland sind und klimaverträglich – ich hätte jetzt schon fast sozialverträglich gesagt, eigentlich ist es auch sozialverträglich - sind zwei Tonnen. Also wir müssen zehn Tonnen abspecken und das können wir nicht verlangen und das weißt du, wie gesagt, genau wie wir, wenn du dich schon länger mit Nachhaltigkeit beschäftigst.

Es ist wichtig, dass wir unseren CO2 Abdruck, unseren Fußabdruck verringern, damit andere Menschen ihren quasi erhöhen können, weil sie nämlich ihren Fußabdruck ja so gering halten, nicht weil sie das wollen oder weil sie so besonders nachhaltig leben, sondern weil sie keine Möglichkeit dazu haben. Und wenn jetzt Menschen infrastrukturell dazu gezwungen sind, Tiere zu nutzen, dann bringt ja diese Tiernutzung auch noch mal einen gewissen CO2 Ausstoß. Und wenn sie infrastrukturell die Möglichkeit haben, die Tiere nicht mehr zu nutzen, könnten sie diesen CO2 Ausstoß dann gegen sinnvollere Dinge, die sie benötigen, die sie brauchen, dann eintauschen und dann ein viel besseres Leben auch führen in Harmonie mit dem Gedanken einer veganen Welt.

Carsten Ja, und so lapidar das klingt, das Wissen wie lebe ich denn vegan, auch das muss erst mal vorhanden sein. Also ich kann mir schon vorstellen, dass es in großen Teilen, wo diese Nutzung von Tieren noch als völlig legitim, als lebensnotwendig noch vorherrscht, dass das Wissen tatsächlich fehlt: Wie kann ich mich denn abseits dieser Tiernutzung überhaupt so ernähren, dass ich davon auch ein gutes Leben bestreiten kann? Also ein gesundheitlich gutes Leben? Das ist ja wahrscheinlich auch nie irgendwie ein Gedanke gewesen in diesen Strukturen, wo die Menschen leben, sondern denen geht es wahrscheinlich im Großteil erstmal darum, das eigene Überleben zu sichern.

Ich muss tatsächlich erstmal eine gewisse Stufe an Wohlstand, an Absicherung, an sozialer und an finanzieller Absicherung erreicht haben., dass ich mir dann darüber Gedanken machen kann, wie kann ich das anders gestalten. Und es ist vom historischen Kontext leider so, dass wir über Jahrtausende hinweg immer irgendwo Tiernutzung betrieben haben und das hat sich so verfestigt, dass alles, was irgendwo rechts und links als Alternative existiert, nicht unbedingt überall präsent ist. Wir als vegan lebende Menschen wissen das jetzt, dass es doch relativ einfach ist. Aber man merkt das ja schon durchaus an Diskussionen mit eigenen Bekannten, Verwandten etc. Selbst da bei Menschen, die es eigentlich von der Infrastruktur her problemlos leisten könnten, fehlt häufig auch das Wissen und das wird natürlich dann, gerade wenn man jetzt in die Welt hinaus guckt, immer wieder der Fall sein.

Stefanie Genau, um das noch mal zusammenzufassen: Ich denke, dieser Gedanke einer veganen Welt ist definitiv etwas, was ein Ziel sein sollte. Aber kein Ziel, was von jetzt auf gleich erreicht wird in einem Schritt, sondern was ein Prozess ist. Also eine vegane Welt ist ein Prozess, ein Weg, der erreicht wird, in dem wir den ersten Schritt gehen und dann andere anstiften und möglichst erstmal in den Ländern die Bewohner·innen dazu bringen, dass sie vegan leben, so dass das dann eine Auswirkung, eine globale Auswirkung hat und den Menschen, die das momentan einfach nicht können - nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil sie es nicht können - dann auch ermöglichen, diesen Schritt zu tun, aber ohne es ihnen irgendwie aufzuzwingen, sondern einfach nur diese Möglichkeit darzulegen, in dem wir es ihnen vorleben.

Carsten Und im Rahmen dieses Prozesses ist es natürlich auch so, dass es keine scharfe Linie gibt, wo ich sage, ab diesem Punkt kann ich jetzt von jemand anderen verlangen, dass er vegan lebt, sondern das müssen wir als Gesellschaft, als vielleicht auch treibende Kräfte in einer Gesellschaft immer wieder ausfechten und auch reflektieren und durchaus überlegen: Wem gegenüber kann ich jetzt diese Forderung schon aussprechen? Von wem kann ich das jetzt tatsächlich einfordern? Wer ist dazu in der Lage? Und da gibt es keine einfachen Antworten zu.

Stefanie Da müssen wir Gespräche führen, da müssen wir erstmal hier in den reichen Ländern beginnen und dann mit denen, die das vielleicht nicht wollen. Das kann ja auch sein, dass es Menschen gibt, die das, wenn du von Inuit oder indigenen Völkern sprichst, die das traditionell verwurzelt haben, dass es da dann vielleicht Kommunikationsbedarf gibt, dass wir zusammenkommen und sprechen darüber: Was bedeutet denn Tierethik überhaupt? Was bedeutet das überhaupt, wenn Tiere Rechte haben? Es ist ja sehr kolonialistisch von uns, wenn wir uns von außen aufdrängen und anderen Völkern sagen wollen, wie die zu leben haben.

Carsten Genau. Genau. Das ist ein sehr schwieriger Aspekt. Und den gibt es ja im Rahmen des guten Lebens als Thema per se nur hinsichtlich dessen, dass wir ihn aufarbeiten müssen, weil wir unsere kolonialen Strukturen damals geschaffen haben, aber bisher eigentlich immer weiter ausnutzen. Also wir profitieren immer noch von dieser kolonialen Struktur und das ist natürlich ein sehr schwieriges Terrain. Letztendlich ist es aber auch so: Ich bin persönlich der Meinung, dass wir hier in Europa oder in den reichen Industrienationen problemlos ein veganes Leben führen können. Und deswegen würde ich das schon als Forderung ansehen. Da sehe ich auch keinen Grund, warum man das hier nicht leisten kann. Und alles andere - ich will nicht sagen, dass das dann Kür ist - aber das ist dann tatsächlich erstmal ein Prozess.

Da würde ich erstmal versuchen, bei den Leuten, die das jetzt eigentlich schon stemmen können, das erstmal einzufordern und als Gesellschaft einzufordern und dann überträgt sich das vielleicht schon automatisch in andere Gesellschaften. Und ja, wenn es dann tatsächlich eines Tages irgendwann noch mal Widerstände gibt, die es zu überwinden gibt, da muss man mal schauen, gehe ich da im Dialog mit rein oder wie auch immer. Ja, also ich glaube mal, da bin ich Realist, wenn ich sage, ich werde in meinem noch verbleibenden Lebenshorizont jetzt keine völlig vegane Welt irgendwie vorfinden. Aber ich hoffe, dass wir schon mal einen gewaltigen Schritt in diese Richtung gehen können.

Stefanie Ja, wo du das gerade noch mal mit dem guten Leben für alle gesagt hast, was ja auch in dem Buen Vivir Buch vorkommt, dass jedes Volk, jede Gesellschaft für sich herausfinden muss, was ein gutes Leben für sie oder ihn bedeutet. Also ich sage jetzt mal sie als Gesellschaft und das ist aber schon wichtig ist, dass es Menschenrechte gibt und insofern auch Tierrechte oder Naturrechte.

Carsten Und das ist auch verankert in diesem Buen Vivir Gedanken. So viel kann ich ja schon mal vorgreifen, auch wenn wir das Thema mit dem Buch vielleicht später noch mal irgendwann besprechen werden. Aber es geht da tatsächlich darum, der Natur einen Wert an sich zuzuordnen. Das impliziert natürlich auch, dass Tiere ein Recht haben und das ist ein grundsätzlich komplett anderes Rechtsverständnis als das, was wir heute hier in den für uns gefühlten und arrogant titulierten „entwickelten Ländern“ so interpretieren und denken. Insofern muss ich mir, wenn ich das Gute Leben oder eigentlich sind es ja muss man Plural die guten Leben als Grundlage nehme und sage sobald das realisiert ist, muss ich mir eigentlich relativ wenig Gedanken darüber machen, dass die Tiere nicht als Rechtsbesitzer gesehen werden, sondern das ist dann automatisch schon so.

Stefanie Uns interessiert jetzt natürlich auch deine Meinung dazu. Wie gesagt, du kannst gerne im Clan mitdiskutieren oder schreib eine Email an post@vonherzenvegan.de. Den Link zum Clan findest du immer hier unter der Folge oder in den Shownotes. Was denkst du: gibt es Umstände, unter denen es in Ordnung ist, Tiere zu nutzen oder sie zu essen? Und was denkst du über eine vegane Welt? Also schreib uns per Email oder diskutiere im Clan. Wir freuen uns darüber.

Carsten Genau, ein schwieriges Thema. Wir könnten noch stundenlang darüber referieren, aber wir überlassen jetzt dir erstmal das Wort gesprochen oder abgetippt und möchten uns natürlich auch in dieser Folge für all die fabelhaften Menschen dort draußen bedanken, die uns über Steady unterstützen. Ein ganz großes Dankeschön!

Stefanie Ganz herzlichen Dank! Deine finanzielle Unterstützung hilft es mir hier meine laufenden Kosten zu decken und wir haben schon fast den Betrag erreicht, den ich brauche, um wirklich alle laufenden Kosten zu decken. Wenn du das Gefühl hast, du möchtest etwas zurückgeben und du unterstützt mich noch nicht über Steady und dir gefällt dieser Podcast und auch die anderen beiden Podcasts und der von Herzen Vegan Clan, der kostenlose E Mail Kurs und alles was ich sonst noch so kostenlos mache, dann freue ich mich sehr darüber, wenn du dich entscheidest ein Steady Mitglied zu werden oder gerne auch eine Einmalzahlung per PayPal. Den Link dazu findest du auch hier unter der Folge oder in den Shownotes.

Carsten Ja, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sagen in diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und bis zum nächsten Mal.

Gelassen vegan leben mit dem Reisebuch

Ein Beitrag

Gelassen vegan leben mit dem Reisebuch

In dieser Folge stelle ich Dir mein neues Buch vor: Das Reisebuch für ein Leben in einer nicht-veganen Welt.

Ich freue mich sehr, dass es nun endlich so weit ist und ich das Buch in Händen halte. Viele Jahre habe ich nach dem richtigen Format gesucht, um Dich in Deinem Alltag zu unterstützen.

Ich glaube, es mit diesem Buch gefunden zu haben.

Meine Intention ist, dass Du das Reisebuch immer bei Dir tragen und im Zweifel zu Rate ziehen kannst. Es soll Dir helfen Deinen Weg in dieser nicht-veganen Welt zu finden. Deine Art vegan zu leben.

Ich schreibe Dir Deinen Weg nicht vor, sondern stelle Dir mit dem Buch die Ausrüstung zur Verfügung, die Dich dabei unterstützen wird Deine Reise gut vorbereitet anzutreten.

Alle Informationen zum Buch findest Du hier >>

Vollständiges Transkript

Carsten Wir leben gelassen vegan und dieses hier ist unser Forscherpodcast mit Carsten und Stefanie.

Stefanie Wir stellen dir mein neues Buch vor.

Carsten Eines ist klar.

Stefanie Ohne

Carsten Geht es nicht. Ja, du wirst jetzt in Nuancen schon festgestellt haben, dass wir das Intro heute ein bisschen anders gestaltet haben. Ich wollte Stefanie so ein bisschen überraschen, indem ich gesagt habe gelassen vegan, dass sie das indirekt zurückspielt und mich herausfordert, das war mir jetzt nicht so ganz klar, aber egal... Ja, in dieser heutigen Folge geht es tatsächlich darum, das neue Buch vorzustellen, was Stefanie erstellt hat. Und in diesem Buch geht es tatsächlich darum, dass du gelassen vegan lebst. Und es ist mir eine Freude, heute tatsächlich mal eine Expertin, also Stefanie, interviewen zu können. Mal schauen, wo dieses Gespräch hinläuft.

Stefanie Weil du ja sonst auch nie Experten oder Expertinnen interviewt hast.

Carsten Nein, absolut nicht. So, und wie es in einem schönen Interview der Fall ist. Hallo Stefanie.

Stefanie Hallo Carsten. Na, wie geht's denn heute so?

Carsten Ja, gelassen. Gelassen, Gelassen.

Stefanie Ja, es ist ja schönes Wetter.

Carsten Das weiß ich nicht. Ich sitze hier in so einem abgehängten Kabuff. Keine Ahnung, habe kein Fenster.

Stefanie Rede nicht schlecht über das kleine Tonstudio hier.

Carsten Und ich sitze hier in einem kleinen Tonstudio. Und kein Fenster da draußen. Genau.

Stefanie Aber du hast vorhin mal durch ein Fenster gucken.

Carsten Man munkelt, dass die Sonne scheint.

Stefanie Zumindest während der Aufnahme.

Carsten Richtig. Genau. Genießen wir das schöne Wetter draußen, dem wir nicht teilhaben werden und gönnen uns jetzt ein kleines Interview bezüglich deines Buches. Du hast dein Buch ja als Reisebuch tituliert für das Leben in einer nicht veganen Welt.

Stefanie Musstest du jetzt hart ablesen, den Titel.

Carsten Ich wollte jetzt nicht noch irgendwelche Wörter vertauschen oder sowas, sondern es sollte schon exakt sein.

Stefanie Ja, ja, genau. Also ich nehme jetzt hier auch die Position der Befragten ein. Wir tun so, als würden wir uns nicht kennen. Ja, Carsten, das habe ich gemacht. Ich habe es Reisebuch genannt, weil ich der Meinung bin, dass, wenn wir uns entscheiden, vegan zu leben, wir den ersten Schritt auf einem Weg machen, der uns dann in eine neue Welt quasi führt. Und diese neue Welt ist die nicht-vegane Welt. Das ist eigentlich die gleiche Welt, in der wir vorher gelebt haben. Aber dadurch, dass wir uns entschieden haben, vegan zu leben, sehen wir die Welt auf einmal in einem ganz anderen Licht oder aus einem anderen Fokus. Auf jeden Fall werden uns auf einmal Dinge bewusst, die uns vorher nicht bewusst waren. Und dadurch ist es eigentlich so etwas wie eine Erkundung, eine Reise durch eine neue Welt. Und deswegen ist das jetzt das Reisebuch, das dich bei deinem Weg, bei der Erkundung deines Weges, bei deiner Reise durch diese nicht-vegane Welt, die nun deinen Alltag ausmachen wird, begleitet.

Carsten Jetzt heißt es ja Reisen bildet. Das hier ist jetzt ja kein Reisetagebuch in der Form, dass du keine Ahnung, irgendwelche tollen Fotos und und Eindrücke sammelst, sondern, das hattest du gerade schon gesagt: wir sind unterwegs in einer nicht-veganen Welt, oder wir nehmen sie jetzt als nicht-vegane Welt wahr, obwohl sich ja die Welt um uns herum jetzt nicht grundlegend verändert hat. Aber unser Blickwinkel darauf. Das heißt, wir setzen uns mit anderen Problemen auseinander, wir nehmen Probleme mehr wahr und im Grunde genommen ist diese Reise ja etwas, wo wir immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert werden. Magst du da noch mal ein bisschen was dazu sagen, was diese Herausforderung mit dieser Reise zu tun haben, wie du da jetzt mit umgehst?

Stefanie Also Herausforderungen kennen wir ja alle, wenn wir beschließen, vegan zu leben. Das fängt an mit blöden Sprüchen, mit denen wir so im Alltag konfrontiert werden. Aber letztlich hat jede·r von uns dann individuelle Herausforderungen. Und für manche sind es Gerüche, zum Beispiel. Oder vielleicht auch das Vorbeigehen an der Fleischabteilung, im Supermarkt oder so, und das ist für andere vielleicht gar nicht schlimm, aber für manche ist das schlimm. Das heißt, letztlich ist es dann doch relativ individuell welche Herausforderung für dich wirklich eine Herausforderung ist und auch in welcher Abstufung was wie schlimm ist. Und das Buch soll dir dabei helfen. Es gibt dir die Ausrüstung mit. Du packst quasi deinen Rucksack für deine Reise mit diesem Buch und es soll dir dann dabei helfen, dass du diese Herausforderungen immer besser meistern kannst. Und das heißt, zu Beginn füllst du das Buch erst mal aus. Also es ist kein Lesebuch, sondern es ist so was wie ein Survivalkit. Also es ist etwas, was dir helfen soll, in dieser Welt zu überleben und nicht nur einfach ganz schnöde zu überleben, sondern gelassen und glücklich und souverän in dieser Welt zu leben.

Carsten Also, es ist ein Arbeitsbuch.

Stefanie Arbeit klingt immer so negativ, deswegen habe ich es bisher noch nicht so betitelt, weil das klingt immer so nach anstrengend und ich muss das machen usw.. Ich wüsste aber auch kein anderes Wort für dieses Buch.

Carsten Also es ist nicht passiv, Du konsumierst es nicht passiv, so als als Geschichte oder so. Das ist kein Roman, sondern es ist ein Aktivbuch. Du bringst dich ein.

Stefanie Genau. Also den Roman, den schreibst du quasi selbst, weil das dein Leben ist. Ich habe mich da stark an diesen Abenteuerspiele Büchern orientiert. Wer mich schon länger kennt, hat mich da auch schon öfter drüber reden hören. Und ich habe auch schon früher andere Angebote auf dieser Basis entwickelt und hatte auch ein Angebot für Menschen, die noch nicht vegan leben, die dann ins vegane Leben kommen, wo ich das wirklich sehr spielerisch aufgebaut habe. Und dieses Buch ist jetzt so aufgebaut, dass du am Anfang deine Ausrüstung erst einmal zusammenstellst und dann wie bei einem Spiel erst mal dir die Spielregeln durchliest, dir überlegst, was brauchst du alles? Weil wir uns bei einem Brettspiel das ja auch so vorstellen können, wenn wir das jetzt neu kaufen oder es uns geschenkt wird - nicht gebraucht, sondern neu muss es dann sein - dann müssen wir ja meistens auch erst mal die Figuren rauslösen oder so alles zusammenbauen und uns auch vertraut machen mit den Spielregeln. Wir müssen das alles durchlesen und überlegen: Wie geht das? Und genauso ist es bei dem Buch auch. Du musst erst einmal zu Beginn dir überlegen: Was brauchst du alles? Und da nehme ich dich halt mit dem Buch an die Hand und du wirst dann Schritt für Schritt durchgeführt, bis du dann am Ende deine Ausrüstung zusammen hast. Und die steht dann in dem Buch. Meine Intention mit diesem Buch war, dass du dieses Buch immer mit dir herumtragen kannst, so dass du deine Ausrüstung stets griffbereit hast. Und da, wo bei einem Abenteuer Spielebuch dann die Geschichte beginnen würde - für alle, die Abenteuerspiele Bücher nicht kennen, mache ich noch mal kurz so eine Klammer. Ich halte gerade meine Hände so.

Carsten Ich kann sie auch weiter hochhalten. Dann kannst du reden. Genau. Dann hast du den Mund frei und...

Stefanie Ich kann auch mit den Händen hoch reden. Abenteuerspielbücher sind so aufgebaut, dass du ein Buch hast. Ein ganz normales Buch. Aber du kannst es nicht Seite für Seite durchlesen, sondern du wirst am Anfang erst mal eine Vorgeschichte haben, wo dir erklärt wird, worum es geht. Dann stellst du auch da deine Ausrüstung zusammen. Meistens erwürfelst du dir verschiedene Stärken und dann geht es los. Du hast da immer so kleine Abschnitte, wo z.B. steht „Wenn du diese Tür öffnen willst, geh weiter bei 115. Wenn du diesen Gegenstand aufheben willst, gehe weiter bei 105. Wenn du gar nichts machen willst, dann bei 130“ oder so. Und dann wählst du eine Aktion aus und gehst dann da weiter. Und so spielst du dich quasi durchs Buch. Und wenn du das in chronologischer Reihenfolge durchlesen würdest, würde das gar keinen Sinn ergeben. Und das ist eben ein Abenteuer Spielebuch. Und ich fand dieses Format immer schon sehr faszinierend und habe Teile davon jetzt hier einfließen lassen. Nur dass eben das Spiel an sich nicht in dem Buch ist, weil das dein Leben ist.

Carsten Also du gehst quasi mit diesem spielerischen Charakter an diese ganzen Herausforderungen ran, nimmst dem ein bisschen den Ernst, der eigentlich mit dieser Situation einhergeht und auch das Bedrückende. Nicht jede Herausforderung ist ja immer emotional sehr gut auszuhalten, sondern es gibt ja auch welche, die sehr, sehr tiefgehend sind und vielleicht auch so eine Schockwirkung mit sich bringen. Und auch das versuchst du durch diesen spielerischen Ansatz noch aufzugreifen und ja, langfristig als begleitendes Element damit umzugehen, dass du immer besser wirst. Und wenn ich das richtig interpretiere über das, was ich jetzt da rausgelesen habe - ich habe es natürlich auch in der Hand gehabt und kenne ja auch deine Gedanken - versuchst du darüber ja über kurz oder lang, dass derjenige oder diejenige, der·die das Buch verwendet, eben auch tatsächlich gelassen vegan leben kann?

Stefanie Genau das ist die Intention. Und das ist etwas, was ich jetzt über die letzten Jahre, die ich vegan lebe, immer und immer wieder mitbekommen habe. Durch die Arbeit mit verschiedenen Kund·innen. Oder auch generell im Gespräch mit Veganer·innen, dass sie alle eint, dass sie gelassen vegan leben wollen. Das heißt nicht im Umkehrschluss, dass alle Veganer·innen gelassen vegan leben wollen. Sondern ich richte mich tatsächlich an die Veganer·innen, die diese Intention in sich tragen. Deswegen bestimmst du am Anfang des Buches auch, was gelassen vegan für dich bedeutet. Jede·r füllt diesen Begriff anders.

Carsten Und wenn ich mir jetzt überlege, wie damals, als wir vegan geworden sind, so die ersten Schritte, war natürlich erst mal Rezepte pauken, erst mal zu gucken, was kann ich denn eigentlich essen? Wie viele Rezepte finde ich denn jetzt in deinem Buch?

Stefanie Das war alles voll subtil und so - in dem Buch findest du gar keine Rezepte, also zumindest keine Kochrezepte. Sagen wir mal so. Das Buch ist natürlich ein Rezept, wie du gelassen vegan leben kannst. Aber es ist keine Einführung in das vegane Leben, sondern es hilft dir dabei, deinen Alltag zu meistern. Aber auf der sozial-emotionalen Ebene und nicht auf der Rezepteebene.

Carsten Genau. Also Kochbücher gibt es genug. Die Frage „Was kann ich da noch essen?“ müssen wir eigentlich gar nicht mehr beantworten. Das wirst du auch hier im Podcast schon festgestellt haben, dass wir diese Frage vielleicht auch ganz bewusst nicht beantworten, weil es da einfach eine riesige Schwemme gibt, da muss man nicht noch irgendwie was obendrauf setzen.

Stefanie Wir zumindest nicht. Wir haben einfach einen anderen Fokus hier im Podcast und mein Buch richtet sich an Menschen, die schon vegan leben. Oder wenn du dich auf dem Weg ins vegane Leben befindest, dann solltest du schon zumindest so weit sein - wir neigen ja dazu, dass wir uns dann irgendwie nicht als 100 % vegan bezeichnen, wenn wir noch nicht XY erledigt haben, aber eigentlich schon vegan sind und nur Angst davor haben, dass andere Veganer·innen uns irgendwie denunzieren könnten - und du wirst also den Moment, in dem das Buch für dich hilfreich ist, selber herausfinden. Denn wenn du gedanklich noch damit beschäftigt bist, welches Rezept für dich das Beste ist oder wie du was kochen solltest, was ersetzen usw. und dich diese sozialen Herausforderungen noch überhaupt nicht triggern. Oder du merkst sie gar nicht. Also wenn du dich jetzt beim Hören fragst: Hä? Wozu braucht denn jemand dieses Buch? Dann ist es auch für dich noch nichts. Das Buch ist dann was für dich, wenn du genau weißt, wovon ich rede.

Carsten Gut, so, jetzt haben wir über das Buch gesprochen. Ich halte es jetzt mal in der Hand. Ich bin ja auch total fasziniert, weil du ja, das muss ich jetzt mal so sagen, auch vom Haptischen her was ganz Tolles da drucken lassen hast, geschaffen hast, dass es auch auf Graspapier gedruckt ist - ich weiß nicht, ich mag es einfach ganz gerne halten. Das fühlt sich jetzt auch schon so vom Haptischen hervorragend an und ich kann mir vorstellen, dass es tatsächlich ein dauerhafter Begleiter ist, den man gerne mit sich herumträgt.

Stefanie Ja, Clanmitglieder wissen, es war eine schwere Geburt mit dem Buch. Und dass diesem Buch schon zwei Versionen vorausgegangen sind, die nicht auf Graspapier waren und eine glückliche Fügung – danke, Henry hat mich zu dieser Druckerei gebracht, die tatsächlich die Möglichkeit bietet, dass ich da mein Buch auf Graspapier, mit veganem Leim, veganen Farben, klimaneutral, mineralölfreie Farben muss ich ja auch noch dazu sagen, drucken und binden lassen konnte, so dass es jetzt eigentlich viel besser ist als die Version, die ich vorher hatte.

Carsten Lass uns doch mal nicht über das Buch, sondern in das Buch schauen. Also nicht über das Buch reden, sondern in das Buch schauen.

Stefanie Wir schauen über es hinweg.

Carsten Über es hinweg. Ja, was jetzt hier so in unserem Tonstudio nicht so die große Perspektive bietet. Nein, aber Spaß beiseite, erzähl doch mal ein bisschen was zur inhaltlichen Struktur. Was kann ich mir denn jetzt als Hörer·in drunter vorstellen? Wie beginnt diese Reise, wie geht sie weiter und was sind so die einzelnen Bestandteile dessen, was mich auf dieser Reise dann unterstützen wird?

Stefanie Das Buch beginnt erst mal natürlich mit einer Einleitung, damit du so in die Stimmung kommst und weißt, was ich eigentlich meinte. Dann beginnst du mit einer Standortbestimmung, damit du weißt, von wo du startest. Das ist ja bei jedem·r wie gesagt unterschiedlich. Und es geht jetzt nicht darum, dass ich dir irgendwie einen Weg vorzeichne, den du dann am besten gehen solltest, sondern ich möchte dich mit diesem Buch dabei unterstützen, dass du deinen Weg findest, deinen ganz individuellen Weg in deinem ganz individuellen Tempo. Denn das ist ja auch etwas, was wir uns häufig als Veganer·innen vorwerfen dass es nicht schnell genug geht. Wir sind nicht vegan genug. Also wenn wir jetzt unterwegs sind, haben wir vielleicht doch noch mal eine Ausnahme gemacht oder mit den Kindern, das ist irgendwie noch nicht so ganz vegan, weil der Partner da querschlägt oder die Schwiegermutter oder sonst irgendwer. Und jetzt haben die auch noch so Ausnahmen. Und das sind ja alles Dinge, die wir uns so vorwerfen. Aber das ist deine Realität, deine Wirklichkeit. Und du wirst deine Gründe haben, warum du den Weg in diesem Tempo gehst. Und das Buch soll dich dabei begleiten, dass du die bestmöglichste Ausrüstung hast, die dich dabei unterstützt, deinen Weg zu finden, dass du auch zufrieden bist und dass du mit diesem großen Ziel, gelassen durch diese nicht-vegane Welt gehen kannst. Und deswegen zu Beginn diese Standortbestimmung, die habe ich mithilfe der Übung des Lebensrads, das kennst du vielleicht schon, gemacht. Ich habe es jetzt Fortschrittsrad genannt. Carsten hat mich da so ein bisschen beraten. Jetzt sind wir ganz oft beim Rat, aber dieses Rad mit d. Gecoacht hat er mich dann...

Carsten Ich kann nicht viel, aber coachen kann ich manchmal.

Stefanie ...bei dieser Begriffsfindung. Also es nennt sich jetzt Fortschrittsrad und dieses Fortschrittsrad findest du am Ende des Buches dann auch noch mal viermal, damit du auch im Laufe deiner Reise immer mal schauen kannst, wo stehe ich denn jetzt gerade? Das war ein Wunsch, den Carsten hatte. Er meinte Standortbestimmung nicht nur am Anfang, sondern auch zwischendurch. Fortschrittsbalkenmäßig.

Carsten Genau. Ich will da wissen, wie gut bin ich geworden, oder?

Stefanie Darum geht es jetzt nicht, dass du besonders gut bist oder so, sondern das Ziel deiner Reise, ist ja gelassen vegan zu leben. Und dieses „gelassen vegan“ füllt sich durch das, was du dann im nächsten Schritt machst. Du erträumst dir erst mal, wie soll denn das aussehen, deine vegane Zukunft? Und letztlich lässt sich das festhalten in diesen acht Bereichen, die das Fortschrittsrad dann ausmachen. Und du kannst schauen, wie du diese Bereiche schon ausfüllst. Und je nachdem, wie das am Anfang aussieht und zwischendurch, ob das besser wird oder schlechter, quasi ob du sie mehr oder weniger ausfüllst, kannst du dann auch gegensteuern. Also das steht dann auch im Buch und dann geht es halt weiter, dass du deine Werte bestimmst, deine geheime Identität aufbaust. Da geht es um deine Superkräfte, die du besitzt. Und dann darum, deine Herausforderungen zu bestimmen. Was ist das, worüber du immer wieder stolperst? Was sind die Frustrationen in deinem veganen Leben? Es geht darum eine Liste mit Power ups zu erstellen. Power ups in diesem spielerischen Kontext. Also wie gesagt, ich beziehe mich da auf die Abenteuer Spielebücher, aber eben auch auf Gamification, was stark von Jane McGonigal geprägt ist. Ich habe da viel zu gelesen und mich mit beschäftigt und das alles ist da reingeflossen. Und Power ups sind quasi Ressourcenübungen, um dich zu stärken, um dich zu festigen in deinem Alltag und als Grundlage dafür, um dir die Kraft zu geben, einfach deinen Alltag zu meistern. Dann geht es noch darum, deine Verbündeten zu finden, die dich auf deinem Weg begleiten und dann hast du eigentlich deine Ausrüstung auch schon zusammengestellt.

Carsten Ich finde das sehr spannend, weil du ja mit mit dieser geheimen Identität - ich stelle mir immer so vor, keine Ahnung, Zorro oder so was, ich möchte wie Zorro sein oder wer auch immer. Und dann du über diese Bösewichte und Power ups, das erinnert mich so sehr stark an damals, als ich noch - als ich noch klein war, wollte ich gerade schon sagen - als ich noch jung war, kamen so die ersten Rollenspiele auf Computerbasis raus. Da war alles noch irgendwo so in so einem historischen Kontext eingebettet, wo man dann auch so Energie Punkte sammeln musste oder so ein Charakter, den man da ja gesteuert hat. Das war ja quasi so die eigene, vielleicht nicht geheime, aber so eine virtuelle Identität. Also daran erinnert mich das Ganze und finde ich total interessant und ich sage jetzt mal auch cool, jetzt im Nachgang dann nochmal diesen spielerischen Aspekt wirklich in ein konkretes, ich sag jetzt mal „Erwachsenen Szenario“ - etwas, was uns ja durchaus auch emotional belasten kann, diese Konfrontation mit dieser nicht-veganen Welt - dass das da eingebettet werden kann und so eine große Unterstützung bietet. Damals habe ich immer gedacht, okay, das ist ein Spiel, als Zeitvertreib, macht halt Spaß, ist vielleicht auch irgendwo durchaus mal intellektuell herausfordernd oder so, aber es war halt immer irgendwie virtuell ein Spiel. Gegebenenfalls die Personen unter uns, die das Ganze vielleicht auch als Brettspielvariante kennen, aber auch da war es mehr so im spielerischen Kontext. Und du nimmst quasi diese Bestandteile und baust sie so auf, dass sie tatsächlich im realen Alltag von Nutzen sind und tatsächlich dazu führen, dass, wenn man das wirklich langfristig macht, kontinuierlich, dass man diese Gelassenheit entwickelt.

Stefanie Genau da ist, wie gesagt, Jane McGonigal die Ideengeberin. Das hat sie als erstes gemacht und hat das in ihr Buch „Gamify your life“ übertragen und hat auch dieses Spiel „Super Better“ entwickelt. Und daran ist es tatsächlich angelehnt. Wobei „super better“, da geht es darum, dass du superbesser wirst. Also immer besser, besser, besser. Und darum geht es mir in diesem Buch nicht. Und es ist mir auch wichtig zu sagen: Es geht nicht darum, dass du jemand anders wirst oder irgendwie besser, Higher Self mäßig.

Carsten Nicht der Superveganer, die Superveganerin.

Stefanie Genau darum geht es überhaupt gar nicht. Sondern das Buch soll eine Hilfestellung sein für deinen Alltag. Es geht darum, deinen Weg zu finden. Und du bist immer gut so, wie du bist. Es geht nicht darum, dich besser zu machen, sondern es geht darum, deinen Alltag zu erleichtern. Denn es ist ja automatisch so, dass in unserem Alltag als Veganer·innen wir immer und immer wieder getriggert werden. Also ich gehe jetzt immer davon aus, dass wir ethisch motivierte Veganer·innen sind. Darüber spreche ich. Menschen, die sich einfach nur rein pflanzlich ernähren, werden vielleicht nicht getriggert. Aber wenn du ethisch motiviert bist bist, dann wirst du immer und immer wieder getriggert und da brauchst du Unterstützung. Du brauchst eine Unterstützungsstruktur in deinem Alltag, die dir hilft, mit diesem ständigen getriggert werden umzugehen und auch dieses Trauma aufzuarbeiten, was du erlitten hast, als du beschlossen hast, vegan zu leben, als du erkannt hast, wie es wirklich ist, also wie die Wahrheit aussieht. Da bin ich ja immer gerne mit meinem Matrixbeispiel dabei. Ich muss da immer wieder dran denken, dass der Film die Matrix jetzt schon 21 Jahre alt ist. Das ist total krass - ich komm mir gar nicht so alt vor, aber anscheinend bin ich echt uralt. Also gut, Carsten...

Carsten Gefühltes Alter.

Stefanie Carsten ist gefühlt viel jünger als ich.

Carsten Also habe ich den Film auch noch nicht gesehen. Genau.

Stefanie Also wenn du den Film tatsächlich nicht gesehen haben solltest, die Matrix - guck ihn dir an! Jedenfalls kommt es mir immer so vor wie Keanu Reeves, wie er aufwacht und sich umschaut und das erste Mal sieht, was Sache ist, wie seine Wirklichkeit tatsächlich aussieht, also wo er lebt und dass das alles nur eben in der Matrix passiert, was er vorher dachte, was seine Wirklichkeit ist. Und genau so geht es uns ja nun mal auch, wenn wir erwachen und vegan werden und feststellen, wie die Welt wirklich ist. Und es wird ja nicht besser. Das ist ja das Problem. Es wird einfach nicht besser, denn sobald wir diesen Blick dafür haben, was da alles schief läuft, dann kommt ja nur noch mehr dazu, weil wir dann immer sehen. Am Anfang haben wir uns vielleicht auf bestimmte Tiere konzentriert, vielleicht haben wir uns auch aufs Essen konzentriert, aber dann sehen wir auf einmal Bekleidung, dann sehen wir Pharmaindustrie, dann sehen wir Zoos usw. und so fort. Ich muss dir das gar nicht alles aufzählen. Du weißt ganz genau, was ich meine und da nicht verrückt zu werden, da nicht dran zu zerbrechen ist halt total wichtig. Es geht um dich. Und deswegen habe ich die Jahre jetzt genutzt, diese Methode immer weiterzuentwickeln. Und ich habe sie schon in verschiedenen Formaten bereitgestellt, um dich zu unterstützen. Aber ich hatte das Gefühl, bisher nicht das richtige Format gefunden zu haben, weil da einfach die Resonanz noch nicht so groß war bei der Community, beim Onlinekurs. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass das Buch tatsächlich das richtige Medium ist, weil es mir darum geht, dich im Alltag zu unterstützen und du das Buch immer bei dir tragen kannst. Du kannst es in deine Tasche stecken, du kannst es immer bei dir haben. Ich habe mich bewusst gegen ein eBook entschieden, weil ich es schöner finde, ein richtiges Buch in der Hand zu haben und da reinschreiben zu können und es zu meinem Buch zu machen und zu etwas, was ich immer anfassen und bei mir haben kann. Es ist quasi auch wie ein Anker.

Carsten Du hast gerade den Begriff „Medium“ verwendet. So ganz undigital kommt dieses Buch ja nicht daher.

Stefanie Das stimmt. Ich bin ja ein großer Fan davon, Analoges mit Digitalem zu verbinden. Ich finde das total spannend, da so crossmedial unterwegs zu sein. Und es gibt auch eine geschützte Webseite zum Buch und dort findest du dann noch mal alle Arbeitsblätter, auch als PDF. Wenn du dir die noch mal runterladen oder meinetwegen auch ausdrucken möchtest, was auch immer du damit tun willst. Es gibt auch die ganzen Arbeitsschritte noch mal aufgelistet und noch diverse Audios. Denn ich hatte auch schon Meditationen und Fantasiereisen kreiert, die dich unterstützen sollen im Alltag, einfach um Kraft zu schöpfen. Und es gibt auch noch Beispiele und eine Vorgeschichte gibt es auch noch. Damit du, wenn du in diesem ganzen spielerischen Modus bist und alles durchgearbeitet hast und jetzt starten willst, dann noch mal in dieses Gefühl reinkommst, dieses Spiel, was dein Leben ist, jetzt zu starten.

Carsten Ganz zum Schluss dann doch nochmal ein bisschen Wehmut. Ich hatte vorhin bei Amazon geguckt, wie teuer denn das Buch ist und was für Lieferzeiten du hast. Bin da jetzt aber gar nicht fündig geworden. Das war ja so ein bisschen, hmm, schade, würde ich mal so sagen. Also wie komme ich denn jetzt an dieses Buch? Okay, blöde Frage. Ich meine, das liegt unten. Ich kann mich jetzt selbst bedienen, aber ich stell mich jetzt mal auf die Position von potenziellen Interessent innen...

Stefanie Hast bei Amazon geguckt. Soso. Da ich das Buch selbst produziert habe, quasi im Eigenverlag, also im Ich-selbst-Verlag, liegt das Buch bei mir zu Hause und du kannst es über die Webseite, die ich verlinkt habe, kaufen. Im Moment kannst du es online per Kreditkarte, Überweisung oder Lastschrift kaufen. Ich weiß noch nicht, wie es in Zukunft aussehen wird. Vielleicht hat ja ein Verlag Interesse, wer weiß das schon? Das kommt ganz drauf an. Aber jetzt für diesen Moment kannst du über den Link, den du hier unter der Folge findest kaufen. Ein herzliches Dankeschön schon mal an alle, die das Buch schon gekauft haben und an die, die mit mir zusammen dem entgegen gehibbelt haben. Also die Clanmitglieder wissen, dass es wirklich länger gedauert hat und einen wirklich dickes Dankeschön an alle, die schon lange gewartet haben, bis sie endlich ihr Exemplar in Händen halten konnten und ich hoffe doch, dass es euch gefällt. Ich bin sehr gespannt.

Carsten Natürlich muss ich mich auch bedanken und zwar bei dir für dieses tolle Interview, was wir gerade geführt haben und dann bleibt mir in dem Sinne nichts anderes übrig zu sagen als: Kauf das Buch.

Stefanie Ein Exemplar wartet auf Dich.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederlesen.

Links zur Folge

Gelassen vegan leben - Dein Reisebuch für das Leben in einer nicht-veganen Welt
https://von-herzen-vegan.de/gelassen-vegan-leben-dein-reisebuch

Wie nachhaltig ist das Internet?

Ein Beitrag

Folge 209 - Wie nachhaltig ist das Internet?

Im August 2020 haben wir im Von Herzen Vegan Clan darüber gesprochen, wie wir unseren digitalen Fußabdruck senken können.

Dieses Thema beschäftigt mich schon lange und ich wollte immer schon eine Podcastfolge zu der Frage "Wie nachhaltig ist das Internet?" machen, bin bisher aber nie dazu gekommen.

Also freut es mich umso mehr, dass wir in diesem Monat darüber diskutiert haben.

Nach der Schätzung dieses Artikels verbrauchen wir 0,85 Tonnen CO2 pro Mensch und Jahr in Deutschland für unseren digitalen Lebensstil.

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Verbrauch von 2 Tonnen CO2 pro Mensch und Jahr klimaverträglich wären, ist das eine ganze Menge.

Natürlich ist der Wert nur eine Schätzung und kann nicht genau ermittelt werden. Mir hilft diese Grafik zum Einstieg in das Thema, um zu erkennen, welche Bereiche den meisten Einfluss auf den Fußabdruck haben.

Nach dieser Statistik verursacht die Herstellung von Laptops, Fernsehern, Smartphones und Sprachassistenen den größten Teil der Treibhausgasemissionen - hier können wir demnach schon einmal ansetzen und möglichst langlebige und/oder gebrauchte Geräte kaufen oder erst gar keine besitzen...

Links zur Folge

Ebook vs. gedrucktes Buch
https://www.oeko.de/oekodoc/1179/2011-037-de.pdf
https://www.quarks.de/umwelt/sind-e-book-reader-umweltfreundlicher-als-buecher/
https://www.studibuch.de/magazin/digital-vs-gedruckt-wie-oekologisch-sind-ebook-reader/
https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-e-book-reader-energieverbrauch-klimakrise-1.4701354
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/oekobilanz-e-books-und-buecher

DVD, CD vs. Streaming
https://www.nachhaltiger-warenkorb.de/streaming_vs_dvd/
https://klimareporter.in/nachhaltig-filme-schauen-streamen-dvds-und-alternativen/

Der CO2-Fußabdruck unseres digitalen Lebensstils
http://blog.oeko.de/digitaler-co2-fussabdruck/
https://reset.org/knowledge/der-digitale-fussabdruck
https://www.klimareporter.de/technik/digitale-klimakiller
https://www.sustainable-digitalization.net/

So verkleinerst Du Deinen digitalen Fußabdruck
https://reset.org/act/so-verkleinerst-du-deinen-digitalen-fussabdruck-08162019

Wie viel Energie kosten meine Suchanfragen im Internet?
https://www.swr.de/odysso/oekobilanz-des-internets/-/id=1046894/did=21791748/nid=1046894/1jsu4be/index.html
https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20170110_greenpeacestudie_gruener_klicken_zusammenfassung.pdf

Welche Dienste arbeiten z.B. mit Ökostrom  oder nutzen die Abwärme ihrer Server?
https://www.reuseheat.eu/
https://reset.org/blog/cloudheat-verwandelt-die-waerme-aus-servern-warmes-wasser-08162017
https://www.erneuerbareenergien.de/archiv/google-bezieht-100-prozent-strom-aus-erneuerbaren-energien-150-437-99570.html

Mobiltelefone und Nachhaltigkeit
https://wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/Mobiltelefone_Factsheets.pdf

Buch: "Bits und Bäume"
https://www.oekom.de/buch/was-bits-und-baeume-verbindet-9783962381493

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Kapitalismus vs Klima von Naomi Klein

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Folge 208 - Kapitalismus vs Klima von Naomi Klein

Welchen Herausforderungen unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns müssen wir uns aufgrund der Klimakrise stellen?

Carsten hat sich im Rahmen dieser Frage mit dem Buch "Klima vs. Kapitalismus" der Bestsellerautorin Naomi Klein auseinander gesetzt.

Der auf der deutschen Buchausgabe sehr prägnante Satz "Dieses Buch ändert Alles" lässt erahnen, dass es nicht mit dem Umstieg auf Elektrofahrzeuge und dem Kauf "grüner" Produkte getan ist.

Wir müssen tiefer schauen und fundamentalere Strukturen hinter uns lassen.

Links zur Folge

Das Buch "Kapitalismus vs. Klima" von Naomi Klein
z.B. bei buch7.de

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Folge 207 - Anders wohnen fürs Klima

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Folge 207 - Anders wohnen fürs Klima

Im Bereich Wohnen können wir als Einzelpersonen am ehesten etwas fürs Klima tun, wenn wir unsere Wohnfläche reduzieren und weniger heizen.

Die nachhaltigste Wohnform ist daher das Wohnen in Gemeinschaft, was auch allen entgegenkommt, die viel selbst herstellen, wie z.B. Wasch- und Putzmittel und natürlich Lebensmittel.

Wenn Du das alles tagein - tagaus alleine tun musst, kann es Dir schnell zu viel werden. In einer Gemeinschaft würden diese Aufgaben auf vielen Schultern geteilt werden.

Und nicht nur die Aufgaben, Du könntest auch Gegenstände teilen, gemeinsam z.B. ein Lastenrad anschaffen und einen Gemeinschaftsgarten anlegen.

Wohnen in Gemeinschaft hat viele Vorteile - wir sprechen in dieser Folge auch über die Nachteile und freuen uns, wenn Du im Clan mit uns darüber diskutierst.

Links zur Folge

Brücken bauen für mehr Verständnis

Ein Beitrag

Folge 206 - Brücken bauen für mehr Verständnis

Kennst Du diese Momente, in denen Du Dich wunderst, was Nicht-Veganer·innen alles mit Vegan-Leben verbinden?

Wenn Du gefragt wirst, ob in Deinem veganen Kuchen denn auch Zucker sei oder überlegt wird, ob Du überhaupt Plastikspielzeug besitzt oder ausschließlich Holzspielzeug, weil Du vegan lebst. Oder Dir hartnäckig Fisch oder Huhn angeboten wird, in der Annahme, das sei doch vegan...

Und auch wenn Du versuchst immer nachhaltiger zu leben, wirst Du immer wieder schräge Blicke und mehr oder weniger vorsichtige Fragen ernten, was das denn sei, was man da hätte/mache.

Einfach, weil wir uns schon so viele Schritte aus der Vorstellungswelt des "Normalen" und "Allgemein anerkannten" entfernt haben. Und dann ist es sinnvoll Brücken zu bauen - wenn Dir daran gelegen ist, dass Dein Gegenüber Dich versteht.

Über unsere Erfahrungen damit und unsere Gedanken dazu sprechen wir in dieser Folge.

Links zur Folge

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"Wir sind das Klima!" von Jonathan S. Foer

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Folge 205 - "Wir sind das Klima!" von Jonathan Safran Foer

Wir besprechen das Buch "Wir sind das Klima" von Jonathan Safran Foer.

Das Buch trägt den Untertitel: "Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können" und wird im Klappentext unter anderem mit dieser Passage beschrieben: "Foer zeigt einen Lösungsansatz auf, der niemanden viel abverlangt, aber extrem wirkungsvoll ist: tierische Produkte nur einmal täglich zur Hauptmahlzeit."

Im Grunde erklärt Jonathan Safran Foer in seinem Buch, dass eine rein pflanzliche Ernährung die wirkungsvollste Methode für Einzelpersonen ist, unseren Planeten zu retten. Da er sich selbst dazu aber nicht durchringen kann, schlägt er die im Klappentext genannte Lösung vor: vegan bis zum Abendessen und zu dieser einen Mahlzeit dann nicht-vegan.

Als Zwischenschritt hin zu einer rein pflanzlichen Ernährung mag das fürs erste genügen - aber es kann einfach nicht die endgültige Lösung sein. Vor allem nicht, wenn wir den ethischen Aspekt hinzuziehen.

Dieses Buch ist keine Leseempfehlung - warum erfährst Du in der Podcastfolge.

Links zur Folge

Das Buch "Wir sind das Klima" von Jonathan Safran Foer
z.B. bei buch7.de

Carstens Artikel zur 14,5% / 51% Thematik
Blogartikel >>

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Kommen Rührgeräte in den Himmel?

Ein Beitrag

Folge 204 - Kommen Rührgeräte in den Himmel?

In dieser Folge sprechen wir über den Dokumentarfilm "Kommen Rührgeräte in den Himmel?" von Reinhard Günzler.

Ich war schon allein aufgrund des Titels sehr gespannt auf diesen Film und wurde nicht enttäuscht. Denn dieser Film hat mir noch einmal eine ganz andere Seite der Nachhaltigkeit offenbart, über die ich zuvor nicht nachgedacht hatte.

Der Film hinterfragt die Art und Weise, wie wir mit Dingen umgehen. Die Protagonistin Carmen macht sich auf eine Forschungsreise über die Herkunft ihres neuen/alten Rührgeräts.

Dabei trifft sie viele interessante Personen, denen sie meist auch die Frage stellt, welche Beziehung wir zu unseren Dingen und ob Dinge vielleicht auch eine Seele haben.

In jedem Fall ein sehr sehenswerter Film, Du solltest aber offen für philosophische und spirituelle Gedanken sein.

Links zur Folge

Mehr zum Film "Kommen Rührgeräte in den Himmel?"
http://www.rg28.de/

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Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Stefanie Wir haben einen Film geschaut.

Carsten Ja, mal wieder einen ganz tollen.

Stefanie Das ist nämlich jetzt die Frage. Wir haben ihn gestern angeschaut, und wir haben nicht darüber gesprochen, damit wir jetzt hier live quasi für dich miteinander über diesen Film sprechen können, und wir vorher uns nicht gegenseitig irgendwie beeinflussen mit unserer Meinung. Ich wusste nämlich nicht, dass du ihn ganz toll findest. Also du fandest ihn ganz toll.

Carsten Ach so, habe ich echt schon gespoilert. Okay, das wollte ich ja noch gar nicht verraten. Das wollte ich jetzt so ganz langsam sukzessive herausarbeiten. Aber vielleicht fangen wir mal am Anfang an. Wie heißt denn überhaupt dieser Film, diese Dokumentation?

Stefanie Jetzt hast du die DVD umgedreht? Jetzt weiß ich grad nicht mehr, oh ja.

Carsten Ich helfe dir mal. Ich habe sie jetzt wieder zurückgedreht.

Stefanie Dankeschön. Kommen Rührgeräte in den Himmel? heißt der Film.

Carsten Kommen Rührgeräte in den Himmel? Eine sehr interessante Frage. Ich wollte Sie noch mal wiederholen, weil ich ja aufgrund dieses Titels tatsächlich aufmerksam auf den Film geworden bin. Weil es ja, ich sage jetzt mal recht.

Stefanie Wie bist du eigentlich darauf gekommen, auf den Film?

Carsten? Degrowth ist mal wieder schuld. Also degrowth, also das Thema degrowth, was mich ja jetzt schon seit Monaten beschäftigt. Aufmerksam geworden bin ich über die diesjährige degrowth- Onlinekonferenz, in Wien, aus Wien, keine Ahnung. Sollte eigentlich in Wien stattfinden. War ja online, dementsprechend weltweit, und in irgendeinem, doch, es ging um das Thema Design, Produktdesign, wie kann ein Produkt so vom Design gestaltet werden, dass es langlebig ist? Da sind von meinem Empfinden viele tatsächlich Studenten, Designstudenten angesprochen worden, die für mich den Eindruck ergeben haben oder die mir den Eindruck vermittelt haben, die wollen gerne tatsächlich Produkte designen, die eben langlebig sind, scheitern dann aber nachher in der Umsetzung, weil sie im beruflichen Umfeld genau das nicht leisten sollen, also.

Stefanie Okay, jetzt, dann verstehe ich das auch, dann passt es auch sehr gut (lacht). Also weil ich nämlich, ich habe mich auch schon gewundert dann, Carsten hatte auf einmal diesen Film auf seiner Merkliste, der Bücherhallenmerkliste, und dann hat er ihn auf einmal aus der Zentralbibliothek mitgebracht. Und ich habe dann natürlich auch gelesen, was hinten draufsteht, und das passt auch alles super hier dazu. Dann erzähl doch noch mal, worum es geht.

Carsten Ja, es geht um die zentrale Frage, ob Rührgeräte tatsächlich in den Himmel kommen (lachen).

Stefanie Ja, natürlich. Um die Seele der Dinge.

Carsten Um die Seele der Dinge. Ja, um das Thema Nachhaltigkeit bei Produkten. Und zwar gibt es in diesem Film zwei Hauptdarsteller. Das eine ist, jetzt muss ich selber schauen, sie heißt Carmen, und der andere Hauptdarsteller ist tatsächlich ein Rührgerät.

Stefanie Namens RG 28

Carsten Und ich habe ganz zum Schluss des Films dann endlich realisiert, dass RG für Rührgerät steht.

Stefanie Ja, das muss man ja auch nicht sofort realisieren. Das ist ja auch einfach nur.

Carsten Ich brauche einen kleinen Tacken länger, genau.

Stefanie Das RG 28 ist nämlich in dem Fall schon 30 oder 40 Jahre alt. Das weiß, wissen wir nicht, weil die eine Hauptdarstellerin, die andere Hauptdarstellerin (lacht), auf dem Flohmarkt ergattert. Die Rahmenhandlung ist also, dass die Protagonistin, sagen wir mal die menschliche Protagonistin.

Carsten Carmen nennen wir sie.

Stefanie Carmen, nennen wir sie Carmen, einen Kuchen backen will, und sich ein Rührgerät in einem Supermarkt oder einem Multimedia Markt kauft. Und dieses Gerät geht sofort kaputt, und sie kann es nicht reparieren, weil sie es nicht öffnen kann. Und dann ist sie auf dem Weg durch die Stadt und ich meine, dass sie eigentlich das kaputte Rührgerät hinten hat, auf dem Fahrrad dabei hat. Aber dann nachher ist es auf einmal weg.

Carsten Hat sie wahrscheinlich getauscht. Wie auch immer.

Stefanie Nein, nachher wirft sie das, später wirft sie das noch weg. Ganz später im Film wirft sie das noch in die Verbrennungsanlage.

Carsten Dann hat der Kameramann das wahrscheinlich.

Stefanie Ich befürchte, das ist etwas, also was bei der Produktion, na ja, gut, sagen wir mal so, also es ist eine deutsche Produktion, dieser Film, und jedenfalls, also die Rahmenhandlung: Sie will ein Rührgerät, Rührgerät geht kaputt, sie macht sich auf den Weg. Wahrscheinlich will sie es eigentlich reklamieren, wir gehen mal davon aus, fährt mit ihrem Fahrrad an einem Flohmarkt vorbei und findet dann das orangene RG 28, das Rührgerät, und kauft das. Und das ist einfach perfekt und super. Und das ist dann der Auslöser dafür, dass sie rausfinden will, wie ist das überhaupt entstanden, wo kommt es her, das RG 28, und warum funktioniert es jetzt überhaupt noch? Also nach so vielen Jahren? Und warum sind denn jetzt Dinge, die wir heute kaufen, so wie ihr Vorgängerrührgerät, nicht eben auf Langlebigkeit ausgelegt, und auch generell, ob Dinge tatsächlich eine Seele haben können, und ob wir eine bestimmte Beziehung zu Dingen haben. Und ich finde, es ist ein sehr philosophisch-spiritueller Film.

Carsten Ja, mir kam er sehr ruhig, tiefsinnig vor. Also es ist wirklich ein sehr, sehr ruhiger Film ohne Effekthascherei, aber auch eben mit Tiefgang, weil genau diese Fragestellung, es geht Philosophie ja vielleicht auch so, ein bisschen Weltanschauung, ja, Spiritualität so gerade so in diesen Fragen haben Dinge eine Seele oder bzw., weisen wir ihnen eine Seele, einen inneren Wert zu? Bauen wir eine Beziehung zu Dingen auf?

Stefanie Übertragen wir vielleicht auch Gefühle, Gedanken und alles Mögliche auf sie?

Carsten Genau. Und in der Hinsicht finde ich den Film wirklich echt gut. Also da hat er mir sehr, sehr gut gefallen. Es sind auch so Themen angesprochen worden oder Sätze gefallen, wo ich einfach nur wirklich zustimmen konnte. Also das ist ja im Grunde genommen komplett meine Sichtweise, die da vertreten wird, und dementsprechend, ja, mich hat er komplett überzeugt. Bis… Stefanie Ich habe nur mich, ich muss da noch mal eben kurz einhaken, weil das hat mich nämlich interessiert. Wir haben ja extra nicht drüber gesprochen, aber ich habe gedacht, du bist ja sonst auch eher so faktenorientiert. Und ich kenne ja viele, auch Veganer:innen, die gerade dafür kämpfen, dass alles so faktenbasiert ist und Fakten, Fakten, Fakten, und bloß nichts Spirituelles und so. Und deswegen hatte ich eher so den Eindruck gewonnen, und bin jetzt halt mal gespannt, ob du mir zustimmst, dass, wenn du so wirklich rein faktenorientiert bist, dass dich der Film vielleicht an manchen Stellen irritieren kann.

Carsten Ähm, habe ich ehrlich gesagt beim Schauen des Films gar nicht drüber nachgedacht. Ich fand, weil er sehr emotional ist. Also einmal die Hauptdarstellerin, geht ja auch gerade so in diesen Traumsequenzen, die da gezeigt werden, lässt sich ja erahnen oder nicht nur erahnen, wird ja dargestellt, dass sie irgendwo eine Beziehung zu diesem Rührgerät aufbaut, und was dann ja eben auch zu dieser Recherchearbeit führt. Und der Film geht halt emotional weiter in der Hinsicht, dass ja gerade mit den Personen gesprochen wird, die an der Entstehung dieses Produktes mitgearbeitet haben.

Stefanie Ja, nur ich dachte, dass wenn du wirklich rein wissenschaftlich faktisch orientiert bist, du dich vielleicht nicht darauf einlassen kannst.

Carsten Nee, war für mich gar kein Problem. Ich habe auch gar keine Fakten erwartet.

Stefanie Ich meinte jetzt nicht dich persönlich, sondern generell. Weil du ein Mensch bist, der eher faktenbasiert ist und du bist da jetzt, du glaubst ja jetzt zum Beispiel auch nicht an Gott. Also von daher, und du hast auch so dein Problem mit dem Universum. Also von daher ist das halt, glaube ich, also ich hatte so das Gefühl, dass du schon so ein bisschen offen sein musst für spirituelle Sichtweisen und dich, also zumindest Offenheit, du musst ja nicht wirklich an irgendetwas glauben, aber zumindest offen dafür sein, damit du nicht den Film quasi ausmachst und sagst: Nee, das ist mir jetzt zu verschwurbelt.

Carsten Ja klar. Ja, doch. Gut, in der Hinsicht kann ich's mir vorstellen. Wenn du wirklich ein Menschentypus bist, der sagt: Ich brauche tatsächlich harte Fakten mit Zahlen, Daten, Grafiken und so. Einfach, um zu gucken, wie verhält sich das Thema Nachhaltigkeit und Ökologie gerade im, ja, hier geht es ja konkret um Produktdesign, Produktnutzung, Langlebigkeit. Dann ist das vielleicht doch nicht der Film. Also wie gesagt, mich hat der Film deswegen gefangen genommen, weil eben genau diese emotionale Seite mit reingekommen ist. Dadurch, dass eben die einzelnen, ja ehemaligen Werksangehörigen aus diesem, was war das, ein Elektronikwerk, die haben ja nicht nur dieses Rührgerät, sondern auch andere Sachen da hergestellt. Die sind zu Wort gekommen, es wurde die Historie nochmal rekapituliert. Es wird darüber gesprochen, warum damals, da muss man mal einlenken, das war ja ein Betrieb in der ehemaligen DDR, wo noch mal andere Prämissen galten. Da war ja Ziel, tatsächlich Produkte mit einem, wie haben sie das genannt, einem Nutzwert herzustellen. Und die eben auch tatsächlich auf Langlebigkeit ausgelegt waren, auf Reparaturmöglichkeiten. Also die Geräte wurden auch vom Zusammenbau her so konzipiert, dass sie innerhalb recht kurzer Zeit und mit wenigen Handgriffen dann repariert werden können und trotzdem langlebig sind durch hochwertige Materialien, was ja in Westdeutschland ja auch schon damals nichts, ich sag jetzt mal von der Grundphilosophie anderes ist als das, was wir heute haben, also Kurzlebigkeit, verhältnismäßig Kurzlebigkeit. Es gab so einige Marken, die sich über Qualität definiert haben, aber letztendlich ging es ja darum, Stückzahlen zu verkaufen. Das kannst du ja nicht realisieren, wenn du ja, ich sag jetzt mal zehntausend verkaufst, und dann halten die ein ganzes Leben und keiner kauft nach. Das war damals in der DDR ein anderes Setting. So, und entsprechend hat man, ich glaube, in Suhl war das, der Ort ist Suhl, da war dieses Werk. Da spielt halt eine große Episode und das fand ich spannend, weil natürlich auch darüber gesprochen wurde, wie denken die Menschen über das, was sie damals erlebt haben, Was hat die Arbeit ihnen damals bedeutet, weil sie ja wussten, sie, das war ihnen bewusst: wir arbeiten, wir produzieren hier langlebige Produkte. Und wie sehen sie es heute? Wie gehen sie selber mit dem Konsum um? Und auch schön zu sehen, dass Sie selber diese Geräte noch nutzen. Also gerade dieses Rührgerät schien ja zumindest so im Kontext des Films mit den beteiligten Personen so eine Art Star zu sein. Jeder kannte es irgendwie, und viele nutzen es auch heute noch. Oder zumindest zu dem Zeitpunkt, wo der Film gedreht wurde und haben auch betont, dass gerade dieses Gerät eben locker mal eben 30, 40 Jahre alt werden konnte. Und das war für die überhaupt nichts Ungewöhnliches.

Stefanie Und die Rührgeräte, die jetzt noch existieren, die müssen ja auch 30, 40 Jahre alt sein, weil das Werk ja mit der Wende geschlossen wurde.

Carsten Genau, das stimmt, ja.

Stefanie Und dann wurden ja keine neuen mehr produziert. Also von daher ist das ja jetzt auch schon 31 Jahre her oder vielleicht auch 30 Jahre, das heißt, die sind mindestens 30 Jahre alt, die Rührgeräte, und teilweise eben viel älter.

Carsten Ja, und die Personen haben ja auch durchaus eine persönliche Beziehung zu diesem Utensil aufgebaut, was man sich ja so eigentlich nicht vorstellen kann. Ich meine, wenn du jemanden fragen solltest, hast du irgendwie eine bestimmte Beziehung zu deinem Rührgerät, dann, ich glaube, dann braucht man nicht so viele Fragen stellen, dann wird man erst mal schräg angeguckt. Aber aus den Gesprächen ging hervor, dass die Leute schon traurig waren, wenn das Gerät dann tatsächlich mal kaputtgegangen ist und sie sich jetzt irgendwie mit minderwertigen Produkten neue Geräte kaufen mussten. Also die hatten einfach nicht mehr den Stellenwert. Also neue Geräte, die wurden einfach gekauft und ja, weil du halt mixen musstest, und das andere, das war halt irgendwie so eine, so eine Alltagsbegleitung. Eine erzählte dann, dass sie das Geräusch irgendwie wiedererkennt und so. Das fand ich, das lässt ja schon irgendwo erkennen, dass die Leute dann über diese lange Nutzungsdauer eben tatsächlich eine Beziehung zu solchen Produkten aufbauen und ich glaube, das Rührgerät war da ja einfach nur stellvertretend für generell Produkte.

Stefanie Ja, na klar. Was hast du denn gelernt aus dem Film?

Carsten Ja leider lässt er die Antwort ja offen, ob Rührgeräte wirklich in den Himmel kommen (lachen). Ja, was habe ich gelernt?

Stefanie Also, ich meine, das mit dem Himmel, das wurde, zwischendurch wurde eben auch gesagt, dass es halt früher ja Grabbeigaben gab, ja, in dem Sinne kann man das so in diese Richtung ja auch deuten, dass einem das Hörgerät beigelegt wird sozusagen dann, wenn du dann beerdigt wirst, so kommt es dann mit in den Himmel. Also insofern könnte man die Frage schon beantworten (lacht).

Carsten Ja. Ja, okay.

Stefanie Gaber es ging ja auch da drum, dass eben Dingen eine Seele zugewiesen wird.

Carsten Genau, genau, ein Eigenwert an sich. Ja, was habe ich gelernt? Ich habe noch mal, für mich wurde das Thema Wertschätzung an Produkten noch mal so ein bisschen gehighlightet. Ich habe mich so ein bisschen… stolz, weiß ich nicht, aber ich habe mich nochmal bestärkt darin gefühlt, auch tatsächlich mit einem technisch veralteten Handy, Smartphone durch die Gegend zu laufen, aber zu sagen okay, gut... ich muss zugeben, anfangs, als ich das Gerät genutzt hatte, oder auch das Vorgängermodell, da war ich ja auch schon so technisch auf einem sehr veralteten Stand. Da gab es eine Situation, da habe ich mich schon verglichen. Ich habe dann gemerkt, so in meinem Umfeld, gerade im beruflichen Kontext, die hatten immer so das neueste Modell, den neuesten Schnickschnack, und ich komme da mit so einem alten Schinken daher. Mittlerweile finde ich das cool. Also, ich weiß nicht, ich finde das mittlerweile so absonderlich, wenn die dann ihr, keine Ahnung, iPhone zehn oder elf zücken und ich dann mit meinem alten Knochen daherkomme. Knochen ist es ja jetzt nicht, aber.

Stefanie Deins ist noch jünger als meins, wollte ich nur mal so anmerken (lacht)

Carsten Ja, richtig, Ja, aber der Film hat mich da noch bestärkt, weil ich denke, es ist total, total richtig, was ich da mache. Also solange nutzen, bis das Ding irgendwie auseinanderfällt. Gut, es ist letztens auseinander gefallen, dann hab ich nochmal repariert, was ja auch noch ging.

Stefanie Aber es ist nicht von alleine auseinander gefallen (lacht).

Carsten Ja, aber ich hab's repariert.

Stefanie Das war nicht eigen, durch das Gerät verschuldet.

Carsten Nee. Aber das sind, ja klar, das sind aber auch so Situationen, wo in dem Film ja auch gefragt wird: Was machst du eigentlich, wenn Geräte kaputt gehen?

Stefanie Ja, aber da musst du dazu sagen, das ist das älteste iPhone, was noch repariert werden konnte. Für meins gibt es keine Reparatur, also gibt es keine Ersatzteile mehr. Also ich könnte meins jetzt nicht mehr reparieren, selber reparieren, bei deinem ging das noch, weil das noch neuer ist als meins, aber bei meinem geht es halt nicht mehr. Und jetzt auch zum Beispiel bei meinem MacBook. Das ist jetzt ja auch schon zehn Jahre alt und ich muss leider demnächst, also wir versuchen es noch mal mit einer neuen Festplatte, ob es dann besser wird. Aber es funktioniert dann auch einfach nicht mehr so richtig. Und das ist ja gerade das Problem. Ich würde es ja gerne ganz lange nutzen, aber leider wird alles so hergestellt, zumindest im Jetzt und Hier, dass es eben schnell kaputt geht. Ja, das ist ja genau das. Das ist ja auch dieses Beispiel mit der Glühbirne und so, dass die ursprünglich so konzipiert waren, dass die ewig halten, aber jetzt so, dass also dieser eingebaute Verschleiß einfach.

Carsten Ja wobei der jetzt nicht explizit thematisiert wurde, also es ist kein Film über diesen eingebauten Verschleiß, sondern es geht wirklich so in diesen philosophischen Kontext rein. Das fand ich wie gesagt eben spannend, das rauszuhören. Und ich habe einen Satz, ich weiß nicht mehr. Das kam, glaube ich, von einer Psychologin ganz zum Schluss des Films. Da hatte sie noch mal darauf hingewiesen, dass wir ja eine gewisse Arbeitsleistung erbringen müssen, um Geld zu verdienen, um uns diese Dinge zu kaufen. Und das, was sie dort sagte, ich weiß nicht mehr exakt, wie sie es ausformulierte, aber ich versuche es mal sinngemäß wiederzugeben, weil es mich so beeindruckt hat, war: In dem Moment, wo wir dann Sachen kaufen und kurz danach wieder wegschmeißen, weil wir uns wieder was Neues kaufen, dann schmeißen wir ja auch ein Teil von uns weg oder.

Stefanie Unsere Arbeitsleistung.

Carsten Unsere Arbeitsleistung.

Stefanie Das, was wir gegeben haben.

Carsten Genau. Genau das ist einfach keine Wertschätzung unserer eigenen Leistung entsprechend. Also habe ich noch nie so wirklich drüber nachgedacht. Aber ja, ist so, ich reiss mir irgendwie den A. auf, um mir so was leisten zu können, nur um es dann ja mit der nächsten Modewelle wieder.

Stefanie Ja, ja, das stimmt. Ja, ist auch. Ich habe jetzt während des Films auch immer wieder gedacht, das ist eigentlich ein guter Auftakt für unseren Podcast, den also extra neuen.

Carsten Unser neues Projekt.

Stefanie Neues Projekt, neu in Anführungsstrichen, weil es ja jetzt auch schon ein paar Jahre uns begleitet, was wir ja noch umsetzen wollen zum Thema Konsum. Das passt eigentlich sehr gut dazu, weil es wirklich die Art und Weise, wie wir mit Dingen umgehen, hinterfragt, dieser Film. Und ich fand es auch noch interessant, zum einen, da wurde auch noch gezeigt, ein Recyclinghof quasi gezeigt, wie die einzelnen Sachen recycelt werden. Und ich hatte das Gefühl, dass die beiden Besitzer, das Ehepaar, Besitzerehepaar, da von diesem Recyclinghof ein bisschen unterdrückte Wut hatten, während sie gesprochen haben. So nach dem Motto „Wow Leute, warum kapiert ihr das eigentlich nicht?“ Die eben dann auch ganz klar gesagt haben: Auch Recycling kostet unheimlich viele Ressourcen. Da ist es halt schön, dass gesagt wird okay, es kann ganz viel recycelt werden, aber auch das ist anstrengend, und Menschen müssen hart arbeiten. Das ist eine Ressource, und dann müssen halt verschiedenste Zwischenschritte passieren, damit etwas recycelt werden kann. Und das verbraucht eben auch unheimlich viel Energie. Und das ist halt auch wieder was, wo ich gedacht habe Ja, das habe ich auch schon von gehört, auf jeden Fall, aber das noch mal so zu sehen, das war schon gut. Und das andere, der andere Aspekt, der mich noch so fasziniert hat, war, es spielt ja viel dann auch eben in der ehemaligen DDR, dass da dann einiges halt eben gezeigt wurde auf den Spuren des RG 28, unter anderem auch eine Art Museum, wo ein passionierter Sammler da alle möglichen Dinge, Geräte, Gerätschaften gesammelt hat, die eben in der ehemaligen DDR noch hergestellt wurden und die alle eigentlich noch funktionieren. Und er erzählte eben, dass nach der Wende die Menschen alles einfach auf die Straße gestellt haben, zum Sperrmüll gegeben haben, um damit abzuschließen, obwohl es noch funktioniert hat, weil es ja eben auf diese lange Nutzungsdauer ausgelegt war. Und ja, ich kann das verstehen, wenn, dass du alles abgeben, alles loswerden möchtest, was dich an die alte Zeit erinnert. Aber im Hinblick tatsächlich jetzt so auf die Langlebigkeit ist es ja tatsächlich auch wieder so ein Schritt, dass wir denken Okay, ach ja, ich brauche mal wieder was Neues. Ich, also auch wenn das Alte noch funktioniert, aber es ist halt alt und deswegen brauche ich jetzt mal was Neues.“ Und da war es natürlich auch ein Akt der Befreiung zu sagen: Okay, jetzt die Wende, jetzt alles neu, jetzt alles gut usw. und so fort. Und eben nicht in diesem Nachhaltigkeitsbewusstsein zu sein.

Carsten Ja, die hatten ja auch einen Designprofessor noch mal zu Wort kommen lassen, und der hatte ja auch noch mal betont, dass gerade so dieser Unterschied zwischen den Designansätzen oder dem Produktdesign der ehemaligen DDR und den Produkten, die in Westdeutschland gefertigt wurden, da war es so, dass die Produkte in der DDR eher still und ruhig und zurückhaltend daherkamen. Also die waren, wie hat er es gesagt, gesellig oder irgendwie so was, die konnte man halt irgendwo dazwischen stellen, und die passten sich irgendwo ein. Und die Produkte, auch so wie wir es heute kennen, die sind eher so.

Stefanie Du meinst jetzt die Produkte aus Westdeutschland bzw..

Carsten Was wir heute so kaufen, dass sie ja so prominent sind, so raumfüllend. Hier bin ich und und.

Stefanie Ja, er hatte gesagt zu den Produkten aus der ehemaligen DDR, dass die wohl eher, wenn sie eine Botschaft hätten, sagen „vertrau mir“, und die aus Westdeutschland bzw. dann eben aus der konsumorientierten Welt, aus dem Kapitalismus.

Carsten Aus dem Hyperkonsum.

Stefanie Aus dem Hyperkonsum?

Carsten Sag ich jetzt mal, Hyperkonsum, kam jetzt im Film nicht vor, aber.

Stefanie Okay ist jedenfalls, dass die Produkte dann eher äh schreien und auch dieses „Ich bin alleine der einzige, ich bin der oder die einzig Wahre“ und so, also dieses „Hier, nimm mich“ (lacht) und so

Carsten Also dieses marktschreierische, genau. Allein vom Design her, da muss man die Werbung nicht mal bemühen, sondern das Aussehen zählt da halt und nicht die wirklichen, tatsächlich inneren Werte, die innere Wertigkeit. Ja, das war total spannend. Also deswegen allein für solche Klarstellungen oder für solche Betrachtungen halte ich den Film für extrem empfehlenswert.

Stefanie Was fandest du denn am besten? Was war so dein Lieblingsmoment?

Carsten Hm... schwer zu sagen. Ich glaube, ich habe gar keinen Lieblingsmoment gehabt. Also ich finde den Film generell von der Machart her einfach ganz gut, weil er eben nicht so eine übliche Dokumentation ist, wie wir sie aus anderen Bereichen kennen.

Stefanie Ja, es ist ganz anders. Ja, es ist keine typische Dokumentation, es ist halt eingebettet in eine Geschichte, die teilweise auch ein bisschen lustig ist. Ja, die einfach auch so ein bisschen spirituell, finde ich, und philosophisch hinterfragt, aber überhaupt nicht wertet.

Carsten Ja, genau das stimmt. Das Wertende steht da, also kommt eigentlich gar nicht vor. Also es wird durch das Hinterfragen merkst du schon, du kommst beim Betrachten als Zuschauer schon in die Bewertung, so ging es mir. Aber der Film, der verurteilt halt nicht. Der stellt halt Fragen. Und ja, das reicht aber auch, um zum Nachdenken anzuregen.

Stefanie Ja, also ich finde, du musst dich darauf einlassen können. Also wenn du eben, wie gesagt, sehr faktenbasiert und orientiert bist und überhaupt Spirituelles oder Philosophisches nicht ertragen kannst, dann ist der Film nichts für dich. Ich finde, du musst dich darauf einlassen können auf die Geschichte und dann ist es wirklich gut.

Carsten Ja, genau. Da würde ich genauso sagen. Ja, und natürlich, schön wäre es gewesen, wenn eben diese Antwort gekommen wäre.

Stefanie (lacht) Wer soll denn so was beantworten?

Carsten Ja, wer hier schon mal so eine Frage stellt.

Stefanie Es war einfach ein schöner Titel.

Carsten Naja, oder ich kann ja mal sagen, die kommen nicht in den Himmel, waren auf dem Weg dorthin.

Stefanie Die kommen in die Hölle, oder?

Carsten Nee, nee, nee. Es gab ja einige Filmsequenzen. Das sieht man ja auch auf dem Titelbild, wo dieses Rührgerät quasi in den Himmel geworfen wurde.

Stefanie Ja, aber ist der Himmel denn immer oben? Das ist ja auch die Frage. Welcher Himmel ist denn gemeint?

Carsten Es ist halt ein bildhafter Vergleich, aber man hat gemerkt, das fällt wieder runter. Von daher das mal als Antwort auf die Frage.

Stefanie (lacht) Ja, aber die Seele des Rührgeräts könnten wir ja wahrscheinlich gar nicht sehen. Also von daher.

Carsten Du meinst, die war da nach oben geflogen?

Stefanie Genau, also das Materielle, der Körper ist runtergefallen. Asche zu Asche, du weißt schon. Und die Seele ist in den Himmel gestiegen.

Carsten Ja, lassen wir das mal so stehen.

Stefanie (lacht) Ja. Wem empfiehlst du diesen Film?

Carsten Oh, Gott. Darf ich die Frage mal umdrehen? Wem würdest du das denn empfehlen?

Stefanie Wie drehst du die denn um? Das war nicht umgedreht. Das war an mich zurückgegeben.

Carsten Ja, ist egal. Hauptsache, Hauptsache, ich muss da jetzt keine Antwort finden.

Stefanie (lacht) Also ich empfehle diesen Film tatsächlich jedem und jeder, der oder die in Richtung Minimalismus unterwegs ist. Und Zero Waste, also jedem und jeder, der oder die seinen oder ihren Konsum überdenken möchte. Also das finde ich, ist ein super Anstoß mal darüber nachzudenken und zu philosophieren. Was bedeuten Dinge überhaupt für mich? Besonders schön ist es natürlich, wenn du noch am Anfang stehst und das Gefühl hast: Okay, ich kann aber nicht auf X, Y, Z verzichten. Du hast vielleicht einen 3 Meter langen Kleiderschrank, und der ist 3 Meter tief oder so. Also da stehst da, du hast ganz viel Zeug und du kannst dich nicht davon trennen. Dann finde ich, ist der Film sehr gut. Aber eben, auch wenn du schon auf dem Weg bist, dann bestärkt es dich und es eröffnet dir vielleicht auch noch ein paar neue Aspekte.

Carsten Ja, finde ich auch.

Stefanie (lacht) Genau.

Carsten Also hätte ich nicht besser sagen können.

Stefanie Genau. Ja, ja, ich weiß. Wir sind ein Gehirn.

Carsten Absolut. Pinky and the Brain.

Stefanie Genau. Also, ich bin auf jeden Fall dankbar, dass du diesen Film gefunden und ausgeliehen hast. Wer auch immer ihn dir empfohlen hat. Herzlichen Dank, unbekannterweise. Ich bin echt froh, weil mir das noch mal eine ganz andere Perspektive eröffnet hat. Einen ganz anderen Blick auf die Nachhaltigkeit. Oft sind solche Dokumentationen ja dann sehr, sehr schwer, auch weil immer und immer wieder gezeigt wird, wie schrecklich alles ist, was ja auch so ist.

Carsten Ja, die wollen irgendwie massiv überzeugen. Die wollen auf einen Missstand hinweisen.

Stefanie Ja, aber es ist ja auch wichtig. Also ich will das nicht in Misskredit bringen, aber es ist auch nicht, also der Film ist auch nicht so wie Tomorrow, der ja auch sehr, also der hat mich irgendwie total beschwingt und inspiriert zurückgelassen, da bin ich aus dem Kino raus und Yeah! und so. So war es nicht nach dem Film. Das war eher so ein, dass es mich irgendwie berührt hat. Also es hat noch mal, hat irgendwie noch eine ganz andere Seite in mir zum Schwingen gebracht.

Carsten Ja, er gibt ja jetzt auch keine positive Vision oder irgendein Lösungsszenario, sondern er stellt einfach Fragen und lässt dann die Antworten in einem nachklingen. Und ich glaube, das ist es, was diesen Film dann so auszeichnet, dass da noch was nachwirkt, ohne dass er jetzt tatsächlich konkret irgendwie Bilder projizieren muss, an denen man sich dann festhalten kann, die einen motivieren.

Stefanie Ich denke, du kannst den Film auch sehr gut irgendwie mit deiner Familie gucken. Also ich meine jetzt mit deiner Herkunftsfamilie, sicherlich auch mit Kindern, denn es ist jetzt nichts, der ist ab null. Also mit Kindern, die schon was verstehen von Nachhaltigkeit.

Carsten Das stimmt, das finde ich sogar eine gute Idee, gerade weil vielleicht ältere Jahrgänge noch einen anderen Bezug zu Produkten hatten. Vielleicht erkennen sie das eine oder andere ja noch mal wieder oder werden so, ich will jetzt nicht sagen Kindheitserinnerungen oder so was, aber ich kann mir vorstellen, dass dann aufgrund dieses Films dann entsprechende Gespräche stattfinden.

Stefanie Genau, das war auch mein Hintergedanke, dass ich gedacht habe, das ist ein guter, eine gute Grundlage, um über Konsum generell zu diskutieren. Wenn in deinem Umfeld, also wäre auf jeden Fall etwas, was auch ein schöner Film ist für irgendwie einen Popcornabend oder so. Also einfach um gemeinsam dann darüber auch weiter zu diskutieren. Also es kann natürlich sein, unser Kind hat jetzt nicht mit geguckt, dass es für jüngere Kinder noch zu langweilig ist. Das ist ja oft der Fall. Aber ich denke, so ab zehn sind die bestimmt schon aufgeschlossen, so was sich auch anzugucken und finden das dann auch lustig und interessant.

Carsten Ich kann mir auch vorstellen, genau.

Stefanie Und ich möchte diese Folge natürlich nicht beenden, ohne mich bei unseren tollen treuen Steadyunterstützern und Unterstützerinnen (nuschelt) zu bedanken. Herzlichen Dank, ihr Lieben! Ich habe auch nichts getrunken, aber, ich übergebe an Carsten (lacht).

Carsten Ja. Jetzt. Jetzt! Jetzt pass auf hier. (singt) Danke für deine Unterstützung!

Stefanie (lacht) Ist das wegen des Himmels?

Carsten Ich weiß nicht. Irgendwie kam ich jetzt gerade drauf. Ich will euch aber nicht, also ist es wirklich ein herzliches Dankeschön. Ich wollte euch da jetzt nicht mit quälen. Also kommt von Herzen. Ja, glaub mir.

Stefanie (lacht) Dazu fällt mir gerade irgendwie nichts ein. Ohne Worte. Ja, genau. Also herzlichen Dank. Und wenn auch du von uns und unserm tollen Gesang profitierst und von all den anderen Dingen, die ich kostenlos über „Von Herzen vegan“ anbiete, dann freue ich mich natürlich riesig, wenn du Carstens Gesang und all meine Projekte über Steady unterstützt oder wenn du magst, auch über eine Einmalzahlung über PayPal. Also wäre es super, wenn du das Gefühl hast, du möchtest etwas zurückgeben, dass du das jetzt sofort machst. Du findest den Link hier unter der Folge, Klick auf den Link und wähle entweder, ich muss es immer lauter schreien, weil es gerade ganz heftig regnet, wähle.

Carsten Du schaffst es.

Stefanie Wähle eine Unterstützung deiner Wahl aus. Jetzt sofort. Damit ich endlich wirklich alle laufenden Kosten gedeckt habe und es nur noch in Anführungsstrichen, denn das ist natürlich der viel größere Teil, um die Kosten für meine Arbeit geht, also meine Arbeitszeit. Genau damit.

Carsten Ich werde jetzt aber nicht in jeder Folge singen.

Stefanie Nicht?

Carsten Nein.

Stefanie Also, das ist wahrscheinlich, also wenn du möchtest, dass Carsten in der Folge singt, schreib das in dein Unterstützungs… was auch immer.

Carsten Du kannst auch reinschreiben, wenn ich nicht singen soll.

Stefanie Du kannst auch dafür bezahlen, dass Carsten nicht singt. Genau. Also, wie auch immer, wenn du die Möglichkeit hast, wähle jetzt eine finanzielle Unterstützung deiner Wahl über den Link hier unter der Folge. Und dann bleibt uns nur noch zu sagen.

Carsten Es war nettes Gespräch. In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg regnets.

Carsten Und wir sagen trotzdem Tschüss.

Stefanie Und auf Wiedersehen. Ach nein, hören, hören.

Carsten Hören. Du musst nicht winken.

Stefanie (lacht) Es ist heute besonders lustig.

Carsten Ja. Ist der Kaffee

Stefanie Stimmt, ja. Das musstest du jetzt verraten.

Carsten Oh, mein Gott. Unser Geheimnis ist aufgeflogen.

Stefanie Dass wir Kaffee getrunken haben vor dieser Folge. Also es tut uns leid, das besonders quietschige kam vom Kaffee in dieser Folge. Da ist Kaffee in der Folge. Okay?

Carsten Ja. Tschüss. Ja.

Stefanie Bis zum nächsten Mal. Ohne Kaffee.

Folge 203 - So wurde ich vegan - Teil 2

Ein Beitrag

Folge 203 - So wurde ich vegan - Teil 2

In dieser Folge lese ich drei Geschichten vor, in denen Clanmitglieder erzählen, wie sie vegan geworden sind.

Denn es sind die wahren Geschichten, die uns berühren und inspirieren.

Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich die Wege sind, die zu einem veganen Leben führen.

Alex war lange Zeit Vegetarierin, bevor sie vegan wurde. Sie hat aus gesundheitlichen Gründen angefangen nach pflanzlichen Alternativen zu Milchprodukten zu suchen und ist so auf vegane Webseiten und letztlich eine Broschüre gestoßen, die dann den Stein ins Rollen gebracht hat.

Auch Nanine wurde zunächst Vegetarierin und hat sich dann über die Nachhaltigkeit dem veganen Leben genähert.

Und Julia hat sich entschlossen vegan zu leben, nachdem sie über ihren eigenen Garten wieder einen Zugang zur Natur gefunden und später auch an den Fridays for Future Protesten teilgenommen hat.

Es gibt unendlich viele Wege, die in ein veganes Leben münden - wie sieht Dein Weg aus? Teile gerne Deine Geschichte mit uns im Clan oder schick mir die Geschichte per E-Mail an post at vonherzenvegan punkt de.

Vollständiges Transkript

Wir leben einfach vegan und dies ist unser forscher Podcast heute nur mit Stefanie. Wir bauen uns ein neues Wohlstandsmodell. Denn eines ist uns klar geworden: Weiter wie bisher geht es nicht.

Wie du schon gehört hast, habe ich das Intro ganz allein gesprochen. Ich dachte, ich mach das heute einfach mal. Denn Carsten ist in letzter Zeit aufgrund dieser Mehrwertsteuerumstellung ganz stark in seinem Job beschäftigt. Und auch, weil sich jobmäßig einiges bei ihm sonst noch umstellt und es irgendwie ziemlich stressig war. Deswegen habe ich beschlossen, dass ich jetzt eine Solo Folge hier im Einfach Vegan Podcast aufnehme. Damit du nicht so lange auf uns verzichten musst, du zumindest einen Teil von und hier hörst.

Und ich möchte in dieser Folge drei Geschichten vorlesen, wie Clanmitglieder vegan geworden sind. Das habe ich schon mal gemacht in einer Folge und ich denke, es kann nicht genug Folgen mit Geschichten geben, wie Menschen vegan geworden sind, weil es immer andere Aspekte sind, die uns inspirieren. Es ist total individuell, was uns inspiriert. Tatsächlich kann eine Geschichte, die für mich ganz normal sein kann oder einfach kein Echo in mir erzeugt, vielleicht bei jemand anderem einen Widerhall erzeugen, der ihn oder sie dann dazu bringt, etwas am eigenen Leben zu ändern. Denn es sind die wahren Geschichten, die uns berühren und inspirieren.

Alex schreibt: „Mein erstes ‚Tiere sind Freunde‘- Erlebnis hatte ich mit circa vier Jahren, als ich beim Essen fragte, was das ist und es hieß, das ist Hasenbraten. Da war klar, dass ich das nicht essen kann, denn ich hatte einen Hasen, Schnuffi, und ich wollte nicht, dass der gegessen wird. Ich habe nie wieder Hase gegessen, aber den Zusammenhang mit anderen Tieren habe ich damals noch nicht herstellen können. Mit 13 wurde ich dann Vegetarierin, da ich Fleisch bis auf wenige Ausnahmen sowieso nicht mochte und mir von Geruch und Geschmack häufig übel wurde. Der ethische Aspekt kam dann in der Pubertät dazu. Es gab ständig Kämpfe, da meine Mutter nicht extra gekocht hat und ich immer ewig gebraucht habe, um alles Fleisch aus meinem Essen zu entfernen unter dem Gemecker meiner Mutter. Dann habe ich lange Zeit nicht mehr über das Thema nachgedacht. Ich wurde damals auch schon gerne mal gefragt, was ich denn dann noch essen könnte. Und es gab genug Restaurants, in denen es nichts für mich gab, außer vielleicht Pommes und grünen Salat.

Mit etwa 28 oder 30 habe ich zum ersten Mal gehört, dass jemand vegan lebt und meine Reaktion war: Das ist mir zu krass. Dann, Jahre später, bin ich krank geworden, Fibromyalgie. Und ich habe ewig gebraucht, bis ich rausgefunden habe, was mit mir los ist. Die erste, die mir geholfen hat, war eine Osteopathin, die mir geraten hat, Milchprodukte wegzulassen. Sie hat zwar auch empfohlen, dass ich Eier und rotes Fleisch essen soll wegen Omega drei, aber Fleisch war eh klar und Eier mochte ich auch noch nie. Also habe ich angefangen, nach pflanzlichen Alternativen für Omega drei zu suchen und Rezepte ohne Milchprodukte. Dabei bin ich im Internet auf vegane Seiten gestoßen und war absolut schockiert. Ich dachte immer, ich bin eine von den Guten. Eine, die keine Tiere töten lässt, wobei ich ja sogar Lederschuhe getragen habe. Das menschliche Gehirn ist ein eigenartiges Ding. Jedenfalls fing es so an. Das war 2009.

Ein Jahr lang hat die Umstellung gedauert. Ich habe zu Hause vegan gegessen und außerhalb, wenn es nicht anders ging, vegetarisch. Am Anfang habe ich das auch noch als Ausrede benutzt, um an Käse ranzukommen. Mein Mann und mein Bruder waren bis dahin auch noch Omnivore, wobei es bei uns zu Hause nie Fleisch, Wurst oder ähnliches gab. Dann habe ich ein Heft in die Hände bekommen, da war ein grüner Apfel drauf und darüber stand groß vegan. Ich dachte, da wären Rezepte drin. Ich fing abends an zu lesen und danach war ich nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Es ging ums Kükenschreddern und -vergasen. Und es war ein Bericht von einer Tierärztin drin, die über den Teil ihrer Ausbildung im Schlachthof berichtete. Das war so schlimm und mir hat es so was von die Augen geöffnet und ich habe mich geschämt, dass ich so lange dazu gebraucht habe. Ich habe die halbe Nacht geheult.

Ab da wurde es erst mal sehr anstrengend für alle in meiner Umgebung, da ich dachte, ich müsste den anderen genauso die Augen öffnen. Naja, bei meinem Bruder und meinem Mann ist mir das gelungen. Bei meinen Eltern war es ein längerer Prozess, der noch anhält, aber sie essen kein Fleisch mehr. Meine Mutter hat inzwischen sogar eine Barista Hafermilch. Sie hat auf ihren Kaffee mit Milchschaum bestanden. Käse und Eier sind noch übrig, aber auch das wird weniger. Ich habe mich damals voller Feuereifer aufs Kochen gestürzt, als mir klar wurde, dass gutes veganes Essen das beste Argument ist für hartnäckige Fälle. Davor war ich eine sehr halbherzige Köchin. Ein sehr schönes Erlebnis war auch mein erstes veganes Restaurant. Es war ein Gutschein für ein Candle Light Dinner. Als ich angerufen habe, um vorzubestellen, wurde ich gefragt, ob es was gibt, was ich nicht essen könnte. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich sagen: Ich kann alles essen, was ihr da habt.“

Und Nanine schreibt: „Meine vegane Geschichte. Angefangen hat alles mit einer Doku Reihe über Masthühner. Danach wurde ich Vegetarierin. Bei den tierischen Produkten achtete ich darauf, dass es Bio war. Ich dachte, dass das okay ist. Ich schätze so fünf Jahre später, aber so genau weiß ich das nicht, habe ich mich mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Damals beschäftigten mich Fragen wie: Ist der tierische Joghurt im Pfandglas besser als ein Sojajoghurt im Plastikbecher? Ich ersetzte danach ein paar Sachen. Ich schaute immer mehr Dokus zu den Themen. Dadurch kam ein schleichender Prozess in Gang. Und irgendwann war der Punkt da, an dem ich dachte, dass es nicht sein darf, wie wir mit Tieren umgehen. Danach war klar, dass es nur einen Weg gibt. Seitdem habe ich mich viel mit Ernährung und Nährstoffen auseinandergesetzt und viele tolle Lebensmittel entdeckt. Ich arbeite kontinuierlich daran, draußen zurechtzukommen und mit meiner Traurigkeit und Wut umzugehen.“

Julia schreibt: „Ich wuchs auf einem Hof auf. Meine Eltern waren Selbstversorger. Wir hatten auch Hühner, Schweine und eine Milchkuh. Wir haben auch Fische gefangen und ich habe diese sogar ausgenommen. Ich kannte die Prozesse von Leben und Tod und hielt das alles für einen natürlichen Kreislauf. Und ich glaube, dass es zu dieser Zeit und an diesem Ort auch so gewesen sein mag. Als wir nach Deutschland kamen, war ich zehn Jahre alt. Überwältigt von dieser Konsumgesellschaft haben wir auch angefangen, viel zu konsumieren. Durch die geänderten Wohnverhältnisse habe ich den Bezug zur Natur total verloren. Diesen Bezug habe ich erst durch den eigenen Garten vor drei Jahren zurückerlangen können. So fing ich an, wieder die Jahreszeiten zu spüren und die im Garten lebenden Tiere zu schätzen, um mich für die Pflanzenwelt zu interessieren. Ich hatte die Herausforderung angenommen, aus der ehemals 20 Jahre brachliegenden, überwucherten Fläche einen vielfältigen Garten zu machen. Ich glaube, dass dieser Moment in meinem Leben erst die Tür geöffnet hat für das, wie wir heute leben.

Eine Freundin und Arbeitskollegin, die ich mittlerweile seit sieben Jahren kenne, war anfangs Vegetarierin und ist seit Neujahr 2019 Veganerin. Ihre Umstellung war nicht sonderlich vorbereitet, sondern quasi ein Neujahrsvorsatz und oftmals hat sie nur ein trockenes Brötchen zum Mittagessen gegessen. Ich konnte nicht verstehen, wie man sich so einschränken kann. Ansonsten kannte ich tatsächlich keine Veganer. Da ich mit den oben genannten Eindrücken aufgewachsen bin, habe ich lange Zeit den Konsum tierischer Lebensmittel auch gegenüber besagter Freundin damit gerechtfertigt, dass ich weiß, woher das Fleisch kommt und wie ein Tier stirbt. Natürlich stimmte das so nicht, denn zwei Schweine und ein Massenbetrieb sind schwerlich miteinander vergleichbar. Und es war auch für mich selbst eine Ausrede, um mich mit dem Thema nicht auseinandersetzen zu müssen. Ich habe das Elend einfach rausgefiltert aus meiner Realität.

Erst durch die Fridays for Future Bewegung wurde ich so richtig wach. Ich ging demonstrieren und dann habe ich mit meinem Mann darüber diskutiert, was wir selbst machen können. Wir haben dann keine Fleischprodukte mehr gekauft und später auch keine Milchprodukte. Innerhalb weniger Wochen habe ich Podcasts und Bücher verschlungen zu allen möglichen Themen: Klima, Umwelt, Zero Waste. Und wir haben uns sehr viele Dokus angesehen. Erst in diesem Prozess kam der ethische Aspekt hinzu. Im Nachhinein verstehe ich nicht, warum ich erst so spät begriffen habe, wie einfühlsam Tiere sind und was für wunderbare Geschöpfe sie sind. Es war ein krasser Prozess, den wir da durchlebt haben. Für mich war er auch mit viel Schmerz verbunden, so lange weggeschaut zu haben. Mir fiel der Umstieg insgesamt deutlich leichter als meinem Mann. Der Verzicht auf Käse war für ihn am Anfang noch richtig schmerzhaft.

Weihnachten 2019 haben wir bei uns dann aber tatsächlich ein veganes Dinner veranstaltet und meine Eltern sind damit gut klargekommen. Mein Bruder hat bei uns sogar eine Woche gelebt und sich mit vegan ernährt. In ihrem gewohnten Umfeld sind meine Eltern jedoch richtige Fleischesser und werden sich auch nicht mehr ändern. Mein Bruder ist jetzt bewusster und das freut mich sehr. Ich bin sehr dankbar für den Prozess, den wir da durchlebt haben. Und ich bin auch sehr froh, dass mein Mann so bereitwillig alles probiert und wir den Weg zusammen gehen. Wir fühlen uns gut mit dieser Entscheidung. Wir fühlen uns übrigens auch fitter und ausgeglichener und das können wir auch nach draußen tragen. Dezent Impulse geben, ohne zu missionieren. Mit unserem Gemüsegarten fällt uns das Kochen eh einfacher. Man schaut einfach, was gerade da ist. Derzeit informiere ich mich über vegane Schwangerschaft und Stillzeit. Mir ist klar, dass ich niemals wieder zurück möchte.“

Soweit die Geschichte von Julia. Und ich finde alle drei Geschichten total inspirierend. Und ich bin sehr dankbar, dass die drei ihre Geschichte mit uns geteilt haben. Und wenn du auch deine Geschichte mit uns hier im Podcast teilen möchtest, dann kannst du sie mir gerne per Email zuschicken an post [at] vonherzenvegan.de. Wenn du möchtest, lese ich sie dann auch vor in einer neuen Folge, wenn ich wieder ausreichend Geschichten gesammelt habe, um eine Folge zu füllen. Ich bin mir sehr sicher, dass du damit andere Menschen wieder inspirieren wirst, weiter ihren veganen Weg zu gehen oder vielleicht vegan zu werden.

Und ich möchte diese Folge schließen, in dem ich mich noch einmal ganz herzlich bei allen Steady- Unterstützer·innen bedanke, die diesen Podcast und alle anderen Dinge, die ich mit Von Herzen Vegan in die Welt bringe, so treu finanziell unterstützen und mir so etwas für meine Arbeit zurückgeben. Ganz herzlichen Dank, wirklich von Herzen Dank! Das bedeutet mir sehr viel und es fehlen immer noch 20 € im Monat, um diese 50 € Grenze zu erreichen, damit ich zumindest die laufenden Kosten decken kann. Wenn du das Gefühl hast, du kannst finanziell etwas zurückgeben für das, was du hier von mir bekommst, dann freue ich mich sehr, wenn du Steady Mitglied wirst oder mir über PayPal eine einmal Überweisung zukommen lässt. Und dann würde ich sagen in diesem Sinne. In der Metropolregion Hamburg sagt man tschüss und bis zum nächsten Mal.

Folge 202 - Degrowth in Bewegung(en)

Ein Beitrag

Folge 202 - Degrowth in Bewegung(en)

Das Thema Degrowth beschäftigt Carsten bereits seit einiger Zeit. Ungefähr zeitgleich mit der diesjährigen Degrowth- Online-Konferenz in Wien hat er mit der Lektüre des Buches „Degrowth in Bewegung(en) – 32 alternative Wege zur sozial-ökologischen Transformation“ begonnen. Dieses Buch hat ihn so inspiriert, dass wir ihm eine eigene Folge gönnen.

Hinter dem Begriff Degrowth versteht sich eine Wirtschaftsweise und Gesellschaftsform, die das Wohlergehen aller zum Ziel hat und die ökologischen Lebensgrundlagen erhält. Dafür ist eine grundlegende Veränderung unserer Lebenswelt und ein umfassender kultureller Wandel notwendig. In diesem Sinne entspricht der Begriff unserer eigenen Suche nach einem neuen Wohlstandmodell.

Das Buch stellt in 32 eigenständigen Essays einzelne gesellschaftliche transformative Bewegungen vor und geht der Fragen nach, wie Degrowth im Verhältnis zu diesen sozialen Bewegungen steht und was die Bewegungen voneinander lernen können.

Auch wenn Carsten sich nicht als aktives Mitglied der Degrowth-Bewegung versteht, hat ihn die inhaltliche Behandlung der vielfältigen sozialen Bewegungen stark beeindruckt und motiviert. Es gibt Viele, die einen grundlegenden Wandel wollen.

Links zur Folge

Buch: "Degrowth in Bewegung (en)"
https://www.degrowth.info/de/dib/degrowth-in-bewegungen/

Degrowth Konferenz in Wien - online
https://www.degrowthvienna2020.org/

Übersicht über vergangene Konferenzen
https://www.degrowth.info/de/konferenzen/

Video-Material zum Buch-Projekt
https://vimeo.com/marcmenningmann

Was ist Degrowth?
https://www.degrowth.info/de/was-ist-degrowth/

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge sprechen wir mal wieder über ein Buch, das Carsten gelesen hat, und zwar über „Degrowth in Bewegung(en)“.

Carsten Ja, entweder ist degrowth selbst in Bewegung oder Teil von Bewegungen.

Stefanie Und bevor wir jetzt einsteigen, möchte ich noch kurz sagen, dass das Buch aus der letzten Folge „Der große Weg hat kein Tor“ schon eine neue Besitzerin gefunden hat. Eine neue Leserin. Und wenn du immer noch interessiert bist an dem Buch, kannst du uns natürlich auch immer noch schreiben und wir könnten dann den Kontakt vermitteln, wenn du das möchtest. Aber nun zurück zum gegenwärtigen Buch „Degrowth in Bewegung(en)“.

Carsten Genau, mit dem schönen Untertitel „32 Alternative Wege zur sozial ökologischen Transformation“.

Stefanie Das klingt irgendwie für mich sehr sperrig. Was heißt es denn?

Carsten Ja, habe ich auch gerade gedacht. Beim Vorlesen. Was heißt das? Also ich muss einen kleinen Einschub machen. Dieses Buch, was ich jetzt hier aus der Zentralbibliothek in Hamburg ausgeliehen habe, ist noch aus dem Jahr 2017. Auf der diesjährigen Degrowth Konferenz in Wien, die aufgrund der Corona Pandemie das erste Mal rein online stattfand, wurde kundgetan, dass es mittlerweile eine Neuauflage von diesem Buch gibt. Deswegen weiß ich nicht, ob in der Neuauflage immer noch von 32 Alternativen Wegen oder von mehr gesprochen wird. Die Ausgabe, die ich jetzt vorliegen habe, skizziert quasi 32 soziale Bewegungen, die in Abgrenzung oder in Überschneidung mit der Degrowth Bewegung interviewt werden.

Stefanie Und was heißt denn jetzt eigentlich Degrowth?

Carsten Ja, das ist tatsächlich die große Frage: Was ist Degrowth? Was verbirgt sich dahinter? Ich hatte, bevor ich dieses Buch gelesen hatte, immer für mich so gedacht: Es gibt irgendwo das Ziel einer Postwachstumsgesellschaft und Degrowth wäre jetzt der Weg dorthin. Das ist nicht ganz richtig. Ich kann es jetzt mit eigenen Worten schlecht wiedergeben, was sich tatsächlich hinter Degrowth verbirgt. Versuche jetzt aber mal ein hoffentlich nicht ganz so sperrige Beschreibung aus dem Buch zu zitieren. Und dazu lese ich jetzt mal vor.

“Degrowth steht für einen Transformationspfad hin zu Formen des Wirtschaftens und der gesellschaftlichen Selbstorganisation, in denen das Wohlergehen aller im Zentrum steht und die ökologischen Lebensgrundlagen erhalten werden. Dies schließt eine grundlegende Veränderung der alltäglichen Praxis im Umgang miteinander und einen umfassenden kulturellen Wandel ebenso ein wie eine Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise mit ihren Wachstums-, Wettbewerbs- und Profitzwängen.

Degrowth ist kein geschlossenes Alternativmodell, kein fertiger Plan, der sich am Reißbrett entwerfen lässt. Vielmehr geht es darum, zentrale Bereiche des Wirtschaftens und Lebens zu repolitisieren, um gemeinsam Alternativen zu erdenken, auszuprobieren und zu erkämpfen. Die gemeinsamen Werte der gewünschten Transformation sind Achtsamkeit, Solidarität und Kooperation. Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben in Würde für alle. Und damit das möglich wird, müssen gesellschaftliche Praktiken und Formen entwickelt werden, in denen sich Menschen als Teil des planetarischen Ökosystems begreifen und dementsprechend leben können.“

So, das ist jetzt ein Zitat aus dem Buch von den Autor·innen und Herausgeber·innen selbst. Die sind also in einem Kapitel selber aktiv gewesen und haben versucht, den Begriff des Degrowth zu beschreiben. Nicht ganz ohne Hintergrund, weil im Dialog mit den 32 anderen sozialen Bewegungen ist immer mal wieder die Frage hochgekommen: Was ist eigentlich Degrowth? Das heißt also, die Wahrnehmung und auch die Interpretation dieses Begriffes oder dieser Bewegung ist nicht ganz homogen, sondern sehr durch eigene Interpretationen irgendwo hinterlegt. Und dementsprechend wollten die Autor·innen da jetzt durch diesen gerade zitierten Absatz so eine Art Richtungsweisung geben, um inhaltlich zu zeigen: Was ist das jetzt eigentlich?

Ich hatte mich im Vorfeld zu diesem Buch auch schon mit dem Thema Degrowth beschäftigt und habe auch an dieser besagten Online Konferenz teilgenommen. Allerdings nur an einigen wenigen Vorträgen mich zugeschaltet und zugeschaut, einfach aus Zeitmangel und fand eigentlich die Thematik Degrowth bisher sehr interessant und werde es auch weiter verfolgen. Und wenn ich sage, bisher, heißt es nicht, dass es jetzt anders ist, sondern ich finde es weiterhin sehr, sehr anregend und habe hier bei diesem Buch vorher eigentlich gedacht, okay, das ist so eine Art Nachschlagewerk und ich hatte vor Urzeiten auch mal ein anderes Buch zum Thema Degrowth. Das war mehr oder weniger so eine Art Lexikon, wo Begrifflichkeiten erklärt wurden.

Dieses Buch, was ich jetzt hier vorliegen habe „Degrowth in Bewegung(en)“ ist eher eine Sammlung von Interviews mit diesen 32 verschiedenen sozialen Bewegungen, um einmal zu reflektieren, was zeichnet diese sozialen Bewegungen eigentlich aus und wo gibt es vielleicht Schnittmengen zu dem, was die Degrowth Bewegung für sich in Anspruch nimmt oder machen möchte? Wo gibt es Abgrenzungen, wo gibt es vielleicht auch Kritik an der Degrowth Bewegung? Und dadurch erfährt man sehr viel über die die Bewegungen an sich. Das fand ich unglaublich bereichernd. Ich habe in letzter Zeit selten ein Buch in der Hand gehabt, wo ich so viel Informationen rausnehmen konnte. Also ich habe ganz viel mitgeschrieben, ganz viel an Zitaten, ganz viel an Quellennachweisen, viele Internetverweise. Meine Bücherliste ist explodiert.

An der Stelle, falls jemand von der Hamburger Bücherhalle zuhört: Es wäre ganz nett, die App so zu programmieren, dass sie auch mit umfangreichen Bücherlisten von über 150 Büchern Plus klarkommt. Das Ladeverhalten ist da mittlerweile wirklich kaum noch zu ertragen.

Stefanie Vielleicht liegt es an deinem alten Handy?

Carsten Vielleicht liegt es auch an meinem alten Handy. Mag ich nicht ausschließen, aber ich bin da so ein bisschen nostalgisch veranlagt. Ja, also es war ein sehr, sehr bereicherndes Buch.

Stefanie Also es sind quasi Erfahrungsberichte.

Carsten Ja, es ist eigentlich so eine Art Kurzporträt, was mir gezeigt hat, wie viele soziale Alternativen und Bewegungen auch heute aktiv daran arbeiten, ein neues Wohlstandsmodell zu schaffen.

Stefanie Also ist es für dich sehr inspirierend gewesen? Also ähnlich vielleicht wie der Film „Tomorrow“?

Carsten Ja, genau, der Film ist in der Hinsicht natürlich ein bisschen intensiver, als dass du zum einen natürlich keine Bilder bekommen hast oder doch? Es gibt natürlich fotografische Abbildung, aber ein Film wirkt natürlich anders. Hier habe ich die Möglichkeit, mich wirklich im Detail, in meiner Geschwindigkeit mit den Themen auseinanderzusetzen, gegebenenfalls nochmal zwischen zu recherchieren oder einfach einen Moment Pause zu machen und und das Ganze wirken zu lassen. Das hat das Buch für mich noch inspirierender gemacht als Filme wie „Tomorrow“.

Stefanie Oder „Voices of Transition“. Das war auch ein sehr guter Film, der eigentlich ähnlich Erfahrungsberichte in filmischer Art und Weise aufarbeitet.

Carsten Ja, wobei, wenn ich mich an die Filme erinnere: der Querschnitt der dort vorgestellten Bewegungen war noch ein bisschen eingeschränkter. Also ich glaube, das Buch selber geht viel weiter. Also es finden sich, ich kann ja gleich mal vorlesen.

Stefanie Ja, genau, wir können auch abwechselnd lesen, aber wir fangen mal an, lies mal einfach vor, was für Bewegungen da vorkommen.

Carsten Die erste Bewegung, die skizziert wird, ist eine aus Spanien stammende Bewegung, die „15 M“, also ich spreche sie jetzt mal deutsch aus. Ich weiß nicht, inwiefern es da jetzt eine spanische Bezeichnung gibt oder Konnotation. Das ist eine Bewegung, die sagte mir vorher gar nichts, die ist aber sehr, sehr groß und auch nicht, wie nennt man es so schön „kohärent“, sondern es gibt ganz viele verschiedene Strömungen da drinnen. Es ist im Grunde genommen eine Volksbewegung mit unterschiedlichsten inhaltlichen Ausprägungen, die aber alle versuchen eher Strategien und Systemkritik zu äußern, um autonome Räume zu schaffen.

Die nächste Bewegung, die vorgestellt wird, ist die Anti Kohle Bewegung, die ja jetzt gerade mit mit Ende Gelände und generell dem Klimawandel und Fridays for Future nochmal so ein bisschen in den Fokus gerückt ist. Dann eine Kunstform, die nennt sich „Artivism“, wo Kunst mit Aktivismus verschmolzen wird. Fand ich ganz spannend. Natürlich darf in einer Aufzählung von Transformationsgruppen oder Bewegungen „Attac“ nicht fehlen. Die wird hier behandelt. Das Prinzip des „Buen Vivir“ wird behandelt, was im südamerikanischen Raum, in Ecuador und Bolivien auch in die Verfassung aufgenommen wurde.

Stefanie Das hast du schon mal erzählt in einer Folge.

Carsten Ja, das ist etwas, da werde ich mich noch mal intensiver mit beschäftigen. Das finde ich wirklich, also zumindest von dem, was ich bisher so mitbekommen habe, ganz spannend, weil es auch ein gesellschaftlicher Gegenentwurf zu unserer kapitalistischen Wirtschaftsweise darstellt, wo eigentlich der Mensch und die Natur im Zentrum stehen und nicht das Wirtschaften und der Profit. In einem weiteren Kapitel wird dann „Care Revolution“ vorgestellt, also Care Arbeit, Hausarbeit, Emanzipation, Feminismus etc. läuft dort mit rein.

Die Commonsbewegung wird portraitiert, dann schließt sich die Degrowthgesellschaft oder Bewegung selbst mit rein in Form der Herausgebenden und Autor·innen dieses Buches. Es wird in einem weiteren Kapitel über die Demonitarisierung gesprochen. Also sprich, wie kann ich wirtschaften ohne Geld? Und da werden Beispiele und Bewegungen gezeigt, die ganz bewusst auf Geld verzichten, vom klassischen Tauschhandel bis hin zu Gesellschaften, die auch das negieren. Auch ganz spannend. Das Thema Ernährungssouveränität und auch die dort verbundenen Bewegungen werden dort mit skizziert.

Stefanie Flucht und migrationspolitische Bewegungen, vom Kampf um gleiche Rechte zur Kritik an wachstumsbezogenen Ursachen von Flucht und Migration ist ein Thema. Für Freie Software Bewegung, Dezentralisierung des Internets und beispielhafte Entwicklung neuer Besitzverhältnisse und Commons. Dann wird auch Futur zwei genannt. Gelebte Geschichten einer anderen Wirklichkeit. Das ist von Harald Welzer. Die Gemeinwohlökonomie wird genannt, das Modell einer ethischen Wirtschaftsordnung. Über Gewerkschaften wird gesprochen. Wer kann es sich leisten, zu verzichten? Dann wird auch die Grundeinkommensbewegung vorgestellt. Keine nachhaltige ökologische Transformation ohne bedingungslose soziale Sicherung aller Menschen.

Das ist ja jetzt auch eigentlich ganz interessant, dass durch die Coronakrise das Grundeinkommen noch mal einen ganz anderen Stellenwert bekommen hat und auch viel mehr Aufmerksamkeit. Das finde ich sehr gut. Die Jugendumweltbewegung wird vorgestellt, die sozial ökologische Transformation mit Begeisterung vorleben. Dann geht es auch um Klimagerechtigkeit, globaler Widerstand gegen den fossilen Kapitalismus. Es geht um offene Werkstätten, Infrastrukturen teilen, gemeinsam nutzen und zusammen selbermachen. Es geht um die Ökodorfbewegung - Degrowth als gelebte Realität ist das dann.

Carsten Das Ökodorf Sieben Linden wird dort konkret vorgestellt. Die Autorin, die dort schreibt, wohnt auch selber im Dorf oder wohnte zum Zeitpunkt des Schreibens dort.

Stefanie Friederike Habermann schreibt über Peoples Global Action, Widerstand wirklich global und wirklich von unten. Dann geht es um plurale Ökonomik als wesentliche Voraussetzung für die wirtschaftswissenschaftliche Bearbeitung von Degrowth.

Carsten Ja, und Plurale Ökonomik klingt erst mal wie ein sperriger Begriff, aber darunter versteht man die Logik, dass wenn heute Personen an die Unis gehen oder Hochschulen und Volkswirtschaftslehre oder Wirtschaftslehre lernen, dann gibt es nur eine Wirtschaftslehre. Du findest im Lehrplan immer nur die gleiche Wirtschaftslehre. Es wird auch gar nicht hinterfragt und es käme wahrscheinlich auch von den Student·innen niemand auf die Idee, dass es auch Alternativen gibt. Und diese plurale Ökonomik tritt dort gegenüber, kommt aus dem akademischen Umfeld.

Das sind Professor·innen und Student·innen, die einfach drauf hinweisen und sagen, es gibt auch andere Modelle, wie Wirtschaft beschrieben werden kann. Und das müssen wir quasi mit berücksichtigen. Wir dürfen den Student·innen nicht immer nur das gleiche Verständnis von Volkswirtschaftslehre mitgeben, wo die krassen Negativseiten, durch die Klimakrise, Fluchtbewegungen etc. auftauchen, sondern wir brauchen auch ein Ökonomieverständnis, wo Natur, Mensch, Solidarität etc. also so diese Fakten, die sich nicht in Profitstreben wiederfinden, auch die dort mit berücksichtigt werden.

Finde ich ein ganz spannendes Thema, weil ich selber durch meinen Werdegang auch mal nebenberuflich Volkswirtschaft studiert habe und da genau in dieses Raster reingekommen bin. Und jetzt im Nachgang zu erfahren, es gibt noch ganz, ganz, ganz viele alternative Ökonomietheorien, da werde ich auf alle Fälle nochmal ein bisschen einsteigen in das Thema. So, damit ist aber der Umfang des Buches noch nicht ganz zu Ende. Es geht also noch weiter.

Es gibt dort noch mal ein Kapitel über das Thema Post Development mit dem Untertitel Beim globalen Umgang mit der mit dem kolonialen Erbe geht es um mehr als Wachstumskritik. Dann geht es im nächsten Kapitel um den Postextraktivismus, international und herrschaftskritisch gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und für ein gutes Leben. Das Kapitel ist geschrieben worden von Ulrich Brand und Ulrich Brand ist durch den Begriff imperialen Lebensweise bekannt geworden. Fand ich ganz spannend, dass er sich hier so für den Bereich Postextraktivismus stark macht und dort im Grunde genommen auch sehr aktiv ist, was ich so bisher noch nicht wusste.

Dann, im nächsten Kapitel, geht es um die queerfeministische Ökonomiekritik. Dieses Kapitel geht mit dem Untertitel weiter: Ohne geht es nicht. Radikalität, Kapitalismuskritik und ein feministischer Grundkonsens. Dann gibt es noch ein Kapitel über die radikale ökologische Demokratie Betrachtung über Degrowth aus dem Süden. Dann wird auch das Thema Recht auf Stadt, Degrowth in Boomtowns oder das gute Leben in der Stadt für alle behandelt. Es gibt ein Kapitel über die solidarische Ökonomie, Initiativen, Ketten und Vernetzungen zur Transformation. Und dann, das war spannend, die Tierrechtsbewegung gegen die Ausbeutung von Tieren im Namen des Wachstums. Hatte ich ehrlich gesagt vorher gar nicht mit gerechnet, dass das dort mit rein kommt. Fand ich wie gesagt ganz spannend.

Stefanie Und was genau wurde da jetzt gesagt? Das interessiert mich jetzt natürlich. Und unsere Hörer und Hörerinnen wahrscheinlich auch.

Carsten Also im Ersten kann ich dazu sagen, dass meine Erwartungshaltung bei diesem Buch gar nicht war, jetzt ein veganes Thema zu finden. Deswegen war ich überrascht, dass überhaupt die Tierrechtsbewegung mit reingekommen ist. Die Tierrechtsbewegung hat den Anspruch, erstmal ist sie auch transformativ, da sie gesellschaftliche Praktiken hinterfragt und das auch auf einer sehr stringenten Art und Weise. Ich versuche jetzt gerade, den Begriff radikal zu vermeiden in der Hinsicht, dass natürlich Wirtschaftswachstum über Ausbeutung passiert und das wird in den anderen Dialogen oder Kapiteln auch sehr stark thematisiert, dass unser Wirtschaftswachstum, unser Wohlstand ausschließlich auf Ausbeutung basiert, sei es jetzt historischer Natur durch koloniale Strukturen, die sich ja heute wirtschaftlich verfestigt haben. Also nur dadurch, dass wir damals mal Kolonialmächte waren, heißt das noch lange nicht, dass wir heute keine Nutznießer von diesen Strukturen sind, sondern, die haben sich nie wirklich verflüchtigt. Sei es aber auch in der Jetztzeit durch das Ausbeuten von Mensch und Natur.

Da hören die anderen Kapitel aber auf und die Tierrechtsbewegung geht dann natürlich logischerweise, sonst wäre es nicht die Tierrechtsbewegung, den Schritt weiter und sagt nee, wir müssen noch die Tiere mit inkludieren. Du kannst nicht versuchen, ein Wirtschaftsmodell aufzubauen, was allen gerecht ist und gleichzeitig aber die Ausbeutung der Tiere noch weiter zu betreiben. Das wird sehr, sehr stark klargemacht, dass das ein wichtiger Faktor ist, der jetzt natürlich auch hinsichtlich der Klimakapazitäten des Planeten auch ein ganz wichtiger Einflussfaktor ist. Stichwort CO2 Fußabdruck tierlicher Lebensmittel, aber auch Landnahme. Also diese Klarstellung nochmal, dass ein Großteil der Landfläche, die zum Anbau von Nahrungsmitteln überhaupt auf dem Planeten existiert, ein Großteil davon wird zur Produktion der Tierfutter verwendet.

Nicht nur das klassische Soja, was mit Regenwald zusammenhängt, sondern auch die großen Weizenfelder etc. All das ist zu einem extrem hohen Anteil notwendig, um Tierfutter herzustellen. Und auf diese ganzen Themen wird eingegangen, aber immer mit dem Fokus, dass dieses Mensch Tier Verhältnis auch konkret hinterfragt wird. Und was ich sehr gut fand, ich habe das so wahrgenommen, dass die degrowth Bewegung an der Stelle sehr offen ist. Ich meine mich zu erinnern und man mag mich korrigieren, aber ich glaube, es gab im Jahre 2014 mal eine Degrowth Konferenz in Leipzig, wo das Essen vegan war. Jetzt auf der aktuellen Degrowth Konferenz in Wien, die ja online stattfand, weiß ich nicht. Wahrscheinlich werden auch Beteiligte vor Ort da gewesen sein, aber ich glaube, da ist schon ein extrem hohes Bewusstsein für eine vegane Ernährungsweise und dementsprechend ist das für mich ein wichtiger Bestandteil im Rahmen dieser Degrowth Bewegung.

Wobei ich muss sagen, dass die Tierrechtsbewegung sich natürlich extrem abgrenzt. Also sie ist an der Stelle im Vergleich zu anderen Bewegungen sehr monothematisch unterwegs, konzentriert sich wirklich auf das Thema Tiere, während andere Bewegungen mehr Aspekte mit berücksichtigen. Ja, das ist jetzt nur eine Anmerkung, keine Kritik. Also ich bin schon der Meinung, es ist notwendig aufgrund der Thematik, dass dieses karnistische Weltbild auch über, sag ich jetzt mal, gesellschaftliche Bewegungen hinweg noch existiert. Nur weil ich jetzt nach einer solidarischen Lebensweise schaue, heißt es noch lange nicht, dass ich auch dieses Mensch Tier Verhältnis angemessen reflektiere. Dementsprechend muss es auch so Bewegungen wie die Tierrechtsbewegung geben, die schwerpunktartig auf dieses eine Thema schauen und das dann entsprechend artikulieren.

Stefanie Du kannst auch konsequent sagen anstelle von radikal.

Carsten Genau. Okay. So, dann geht's im Buch noch ein bisschen weiter. Es gibt noch drei weitere Kapitel. Die „Transition Initiative“ wird hier vorgestellt vom Träumen, Planen, Machen und Feiern des Wandels, den wir selbst gestalten. Da wird auch Rob Hopkins als Beispiel genannt mit den Transition Towns. Und das ist auch inhaltlich etwas, das in diesen ganzen Filmen, die wir auch schon rezensiert haben, dann auch gezeigt wurde. Im nächsten Kapitel geht es um die Umweltbewegung mit dem Untertitel „Winning the campaign but losing the Planet“. Stärken und Schwächen der Umweltbewegung auf dem Weg in eine Erwachsenengesellschaft. Da ist in der Umweltbewegung die Erkenntnis gekommen Ja, wir sind sehr stark, um mit Kampagnen nach außen zu treten und und haben da auch gute Erfolge. Deswegen auch dieses winning the campaign but losing the planet heißt also trotzdem verlieren wir, weil wir es einfach nicht schaffen, diesen großen Wandel irgendwie hinzubekommen.

Und last but not least: die Urban Gardening Bewegung wird auch noch mal porträtiert, auf der Suche nach einem neuen Naturkulturverhältnis. So, jetzt habe ich gerade porträtiert gesagt, das stimmt nicht so ganz, weil das, was ich anfangs schon erwähnte, in diesen Kapiteln geht es gar nicht darum, einzelne Initiativen vorzustellen. Das ist kein Steckbrief von Hallo, wir sind die und die und machen das und das, sondern es geht dort konkret um Fragen: Was macht diese Bewegung, wo kommt sie eigentlich her? Wer versteht sich als Teil dieser Bewegung? Manche Bewegungen sind ja auch gar nicht so abgeschlossen, dass man von einer einzelnen Bewegung sprechen kann, sondern die ist offen und fließend. Und es geht um die Frage: Wo gibt es dort Anknüpfungspunkte zu dieser Wachstumskritik, die von der Degrowth Bewegung geäußert wird?

Und da kommt natürlich auch der Begriff des Degrowth. Ursprünglich war es tatsächlich so, dass die Anfänge der Bewegung hier in Deutschland noch mit dem Begriff Postwachstum sich benannt hatten. Der Begriff ist aber auch sehr sperrig und man hatte sich dann international auf den Begriff „Degrowth“ vor einigen Jahren verständigt, weil er erst mal englischsprachig ist und dementsprechend einem größeren Publikum zugänglich ist und zweitens nicht so leicht zu vereinnahmen ist. Er negiert, er sagt quasi Degrowth, also nicht wachsen, sondern das Gegenteil von Wachstum. Da lässt sich schon diese Wachstumskritik ablesen. Und gleichzeitig lässt er sich aber auch inhaltlich mit anderen Werten füllen, die aber letztendlich alle darauf hinausgehen, dass man Wachstum begrenzen soll, Wachstum zurückführen soll, um langfristig für alle Menschen ein gutes Leben, eine solidarische Gemeinschaft zu bekommen. Und das wird quasi in den einzelnen Bewegungen reflektiert und auch kritisch hinterfragt.

Hinterfragt in der Hinsicht, dass einige Akteure aus dem globalen Süden sagen: Na ja, also ich bin nicht gegen Wachstum. Wachstum muss in der richtigen Situation, in der richtigen Konstellation stattfinden. Wachstumsrückgang im globalen Norden bei den Eliten. Ja, es ist absolut notwendig. Aber du kannst einer am Existenzminimum lebenden Bevölkerung im globalen Süden nicht das Wachstum versagen. Du musst auch dort in der Lage sein, ein gewisses Wachstum hervorzurufen, dass sie aus ihrer prekären Lage herauskommen. Andere Akteure weisen darauf hin, dass auch hier im globalen Norden Wachstum notwendig ist, aber nicht in der normalen Wirtschaft, sondern zum Beispiel im solidarischen Miteinander in der Care Arbeit. Dass dort die Bereiche, die im Moment im Hintergrund sind, die aber für eine solidarische Lebensweise notwendig sind, dass die wachsen in der Hinsicht, dass sie bekannter werden, dass sie stärker gelebt werden und die Bereiche, die eigentlich nur zur Profitmehrung, zum Geldverdienen notwendig sind, dass die schrumpfen.

Also da gibt es ganz vielfältige Kritiken, die ich sehr, sehr spannend finde, wie da die unterschiedlichen Ansichten sind. Und ich finde es unglaublich beeindruckend, dass dieses Zusammentragen dieser Kritik und dieser Umgang damit von der Degrowth Bewegung kommt. Die sind ja an die Akteure herangegangen und haben gesagt: okay, jetzt schreibt mal was, was haltet ihr eigentlich davon? Und die gehen da ganz konkret mit um, die reflektieren sich selbst. Das ist keine kleine Gruppe an Menschen, die irgendwie total arrogant da stehen und sagen hier, wir haben Patentrezepte. Sondern die sagen wir wollen eine globale Transformation. Wir sind uns aber unserer Privilegien auch bewusst.

Thema Privilegien: die US Gesellschaft ist eigentlich geprägt durch gut gebildete, vorwiegend akademische, weiße Männer. Es gibt natürlich auch Ausnahmen von der Regel, da gibt es auch viele Frauen aber so dieses vorherrschende Bild, also da ist noch ganz klar eine Schlagseite in diese Richtung zu sehen und dementsprechend sind die sich bewusst über ihre Privilegien bewusst in der Hinsicht, dass sie diese Konzepte, die sie bisher erarbeitet haben, nicht auf alles und jeden ausweiten können, sondern und da finde ich jetzt zum Beispiel auch wieder so den Zusammenhang mit dem Buen Vivir wieder ganz spannend zu sagen: Hey, das ist ein Konzept, das funktioniert im globalen Süden hervorragend, weil es aus der Bevölkerung heraus getragen wird. Es funktioniert in der Theorie. In der Praxis scheitert es leider immer noch an bestimmten Punkten, aber man versucht schon, die einzelnen Akteure in eine Selbstbemächtigungsposition zu bringen. Diese konkrete Hinterfragung von kolonialen Wissensstrukturen und mentalen Strukturen etc., das wird dort sehr stark gelebt und das ist für mich sehr beeindruckend, was was da in dieser Degrowth-Bewegung stattfindet.

Stefanie Und du hast ja jetzt da an der Konferenz teilgenommen, die ja diesmal online stattgefunden hat. Hattest du das Gefühl, dass da viele Menschen sind, die daran teilnehmen? Konntest du das irgendwie merken?

Carsten Ja, insgesamt waren es viele. Mir fehlt jetzt der Vergleich zu den vorherigen Konferenzen. Ich hatte vorhin die Konferenz in Leipzig erwähnt. Es gibt wohl regelmäßig Konferenzen, wo sich die Bewegung dann vor Ort trifft. Dieses Mal waren es, glaube ich, 3000 Personen, die sich dort online eingefunden hatten. Die waren aber nicht alle in den Vorträgen. Also die Vorträge, die ich besucht hatte, waren meistens so zwischen 100 und 300 Beteiligte. Das klingt jetzt erst mal im Vergleich relativ wenig, hat aber den Hintergrund, dass parallel viele Vorträge und Workshops stattfanden. Also es war ein sehr breites Programm. Was mich tatsächlich vor persönlich so eine Zeitherausforderung gesetzt hat, weil ich nicht wusste, welche Teile sind für mich jetzt wirklich so interessant, dass ich daran teilnehmen kann? Und wie gehe ich mit diesen Konflikten um? Weil eigentlich, ich sage jetzt mal 70 - 80 % des Vortragsprogrammes war für mich hochinteressant und ich konnte wirklich nur einen Bruchteil davon wahrnehmen. Und das, was ich wahrnehmen konnte, stand in Zeiten mit anderen Vorträgen. Also es hat sich quasi stark aufgeteilt auf die einzelnen Vorträge.

Stefanie Ja, aber worauf ich hinaus wollte mit meiner Suggestivfrage war, dass ich das Gefühl habe, wenn du jetzt davon erzählst, von dem Buch auch und von der Konferenz, dass es viele Menschen gibt auf diesem Planeten, die sich für diese Degrowth Bewegung einsetzen oder diesen Gedanken verfolgen oder bereit sind, tatsächlich dafür etwas zu tun, also auch Dinge vielleicht loszulassen und ihre Privilegien abzutreten, um etwas zu verändern und dass ich irgendwie das Gefühl bekomme, da sind noch viele andere. Wir haben ja oft das Gefühl, wir sind so allein, gerade wir als Veganer·innen, dass wir so allein sind und dass die meisten Menschen auf der Welt ja doch nichts ändern wollen. Aber das gibt mir jetzt wieder das Gefühl: doch da sind Menschen und auch noch aus ganz vielen verschiedenen Gebieten, also jetzt nicht geografisch, sondern thematischen Gebieten, die auch alle dieses Ziel verfolgen.

Carsten Ja, das Gefühl hatte ich auch. Also das Buch hat mich mitgerissen. Ich hatte tatsächlich den Eindruck, mein Gott, wir sind sogar die Mehrheit. Also dieser Eindruck ist gekommen, dass ein Großteil der Weltbevölkerung eigentlich aktiv auch an einer Veränderung arbeitet. Also das Gefühl wird natürlich trügen, aber das ist so das Gefühl, was bei mir entstanden ist, also eine ganz, ganz große Sogwirkung. Aber es sind nicht alles nur die große Bewegungsteilnehmer, sondern Degrowth selber versucht Schnittmengen darzustellen. Weiß noch nicht mal, ob die einzelnen Degrowth Akteure den Anspruch haben, jetzt die Bewegung der Bewegungen zu sein, so als übergeordnete Bewegung. Ich glaube, es geht da eher mehr um das Finden von Schnittmengen. Zu sagen: Hey, es gibt ganz viele transformative Bewegungen, also in der Hinsicht, dass das Bewegung auf unterschiedlichen Ebenen eine grundlegende Veränderung der Gesellschaftsstruktur erwirken wollen und dass es punktuell und situativ notwendig ist, an einem Strang zu ziehen.

Eine Bewegung wie die Tierrechtsbewegung, die kann für sich alleine stehen, aber an bestimmten Punkten wird sie, ich sage jetzt mal wirkmächtiger, wenn sie sich mit anderen Akteuren für bestimmte Themen oder für ein Thema zusammenschließt. Und dieser Zusammenschluss selber, das empfinde ich so, versucht diese Degrowth Bewegung zu bilden, auch hinsichtlich dieser Spannbreite von rein akademischen Diskursen. Da ist jetzt eigentlich so das Gros der Degrowth Themen angesiedelt. Das ist sehr stark nur in den Unis und Fachhochschulen. Viel Theorie bis hin zu praktischen Ausprägungen wie Transition Towns und Urban Gardening, die offenen Werkstätten etc., dass man versucht, dieses alles irgendwo miteinander in Verbindung zu bringen und zu sagen eigentlich arbeiten wir alle an dem gleichen Ziel. Ihr seid praktisch, wir sind theoretisch. Ihr seid vielleicht stark im Aktivismus, ihr leistet vielleicht vornehmlich zivilen Ungehorsam während wir in den Hörsälen versuchen, den Student·innen klarzumachen, dass es unterschiedliche Wirtschaftslehren gibt und und das sind ja alles Bausteine, die, werden sie für sich betrachtet werden, erst mal nichts miteinander zu tun haben.

Und da spannt Degrowth jetzt einfach dieses große Dach drüber und sagt doch, wir wollen alle eine Transformation auf grundlegender Ebene. Ob die in jeder Facette immer in die gleiche Richtung gehen, spielt erst mal keine Rolle. Also es wird zwischendurch immer irgendwo Konkurrenzsituation geben oder unterschiedliche Verständniswelten. Das ist aber auch notwendig, weil wir in einer Gesellschaft oder in Gesellschaften sind. Also Gesellschaften ticken ja immer unterschiedlich. Es wäre vermessen zu hoffen, dass wir, alle 8 Milliarden Menschen gleich ticken würden. Kannst du vielleicht in einer Diktatur mit Unterdrückung, aber ich will jetzt keine Dystopie hier aufbauen, aber genauso diese Heterogenität in den Vorgängen, das versucht die Degrowth Bewegung da aufzubauen und das einfach mal so in diesem Buch mitzubekommen, wie viele verschiedene Menschen sich jetzt auf der gesellschaftlichen Ebene bereits engagieren und sich den Arsch aufreißen mit den unterschiedlichsten Aktivitäten. Das ist echt berauschend gewesen.

Stefanie Also ist es auf jeden Fall ein Tipp, wenn du gerade das Gefühl hast, du bist der·die Einzige auf diesem Planeten, der·die irgendetwas tut und es nützt ja gar nichts, dass du etwas tust, dieses Buch zu lesen.

Carsten Ja. Es ist aber kein Feel Good Buch. Also es ist nicht so, dass es wie bei einem Roman ein Happy End gibt. Das Happy End müssen wir selber schaffen. Du bekommst einfach nur mit, dass es unterschiedlichste Akteure gibt und die sind sehr zahlreich und weltweit. Also du bist nicht allein.

Stefanie Genau. Also es geht mir darum, wenn du dieses Gefühl brauchst, du bist nicht allein, dann ist dieses Buch also empfehlenswert?

Carsten Ja, für mich persönlich ist es eines der wichtigsten Bücher. Also es gibt ganz wenige Bücher, wo ich das sage, wie zum Beispiel bei Harald Welzer, Der hat das eine oder andere Buch geschrieben, was mich sehr stark beeinflusst hat. Dieses Buch hat für mich ganz viele Perspektiven geöffnet, auch von Bewegungen, die ich vorher noch nicht so entweder gar nicht wahrgenommen habe oder nur facettenweise, dass ich da jetzt einen anderen Zugang zu habe und ja in Zukunft ganz viel Material noch weiter ausarbeiten kann.

Stefanie Also eine uneingeschränkte Leseempfehlung von dir.

Carsten Ja mit Klammern. Es ist ein bisschen schwieriger zu lesen. Das braucht Zeit. Also dadurch, dass es so voll mit Fakten ist, muss man sich da wirklich ein bisschen mit auseinandersetzen. Und es sind 400 Seiten. Ich habe da aber auch, glaube ich, so zwei, drei Wochen dran gearbeitet. Man muss schon so ein bisschen Zeit aufbringen und es ist auch keine leichte Lektüre.

Stefanie Das klingt jetzt aber wieder so, als würde es einen deprimieren und runterziehen, wenn du sagst, es ist keine leichte Lektüre.

Carsten Ja, das will ich damit gar nicht sagen. Nein, es hat mich total inspiriert. Aber es ist komplex. Ich wollte jetzt gerade so einen Vergleich mit Filmen wie „Tomorrow“ anstellen. Das ist natürlich eine andere beschwingende Wirkung, aber dieses Buch ist inhaltlich sehr komplex.

Stefanie Okay, also es ist komplex, aber trotzdem inspirierend. Und wenn du dir die Zeit nehmen kannst, das zu lesen, wird es dich inspirieren. Und es wird dich nicht runterziehen und fertigmachen.

Carsten Nein, überhaupt nicht.

Stefanie Gut. Also das wollte ich nur noch mal klarstellen. Hier, am Ende. Damit du weißt, worauf du dich einlässt, wenn du dieses Buch liest. „Degrowth in Bewegung(en)“.

Carsten Es ist ein Augenöffner. Ja.

Stefanie Was auch ein Augenöffner war, war, dass Julia uns Geld über PayPal geschickt hat, als Geburtstagsgeschenk zu unserer zwei hundertste Folge. Das war total superklasse und ich habe mich so riesig gefreut.

Carsten Das war kein Augenöffner, das war eine Augenweide.

Stefanie Eine Augenweide. Genau. Als die Email kam. „Julia hat dir Geld überwiesen.“ Ja, das war super. Herzlichen Dank, Julia. Das ist eine große Unterstützung für all das, was wir hier tun. Wir haben ja immer noch nicht diese 100 € im Monat erreicht, um die laufenden Kosten zu decken. Und alles, was ich so an Geld über PayPal ansammele, das sammelt sich quasi. Und ich weiß ja nicht, ob jetzt die Steady Unterstützer·innen weiterhin so treu bleiben oder ob welche mal abspringen. Das weiß ich ja nie, deswegen kann ich das jetzt nicht so sagen. Okay, für immer 80 € und das Geld, was über PayPal kommt, das kann ich quasi im Monat so dazu packen und dann kann ich so und so rechnen. So funktioniert es ja leider nicht. Wobei ich sehr dankbar bin, dass es einige Steady Unterstützer·innen gibt, die die Jahresmitgliedschaft gewählt haben und dadurch sicher auf jeden Fall ein Jahr unterstützen, so dass ich damit rechnen kann. Und ich bin einfach natürlich dankbar.

Herzlichen Dank auch an alle Steady Unterstützerinnen, dass ihr weiterhin monatlich meine Projekte unterstützt, wovon dieser Podcast eines ist, das ist sehr, sehr wertvoll und sehr sehr hilfreich. Und wenn du es Julia gleichtun möchtest und einen Einmalbetrag über PayPal überweisen möchtest, findest du den Link dazu hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und du kannst dich natürlich auch dazu entschließen, dich über Steady finanziell zu beteiligen. Das heißt, dass du einen monatlichen oder einen Jahresbeitrag abschließt und so zum Beispiel den Einfach Vegan Podcast mit Carsten und mir unterstützt. Oder die anderen beiden Podcasts, den Von Herzen Vegan Clan oder den kostenlosen E Mail Kurs zum Beispiel. Also all die kostenlosen Dinge, die ich so die ganze Zeit anbiete und schon angeboten habe, wofür ich in Vorleistung gegangen bin. Das ist alles wunderbar. Wenn du das Gefühl hast, etwas zurückgeben zu wollen, dann kannst du das gerne auf diese Art und Weise tun.

Carsten Und auch ich möchte mich bei euch allen für eure Unterstützung bedanken. Vielen Dank!

Stefanie Und da bleibt mir nur noch zu sagen: In diesem Sinne...

Carsten In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

"Der große Weg hat kein Tor" von Fukuoka

Ein Beitrag

Folge 201 - "Der große Weg hat kein Tor" von Masanobu Fukuoka

In dieser Folge widmen wir uns einem der Bausteine für ein neues Wohlstandsmodell: dem Thema Landwirtschaft. Konkret der Nichts-Tun-Landwirtschaft die durch Masanobu Fukuoka entwickelt und bekannt wurde.

Wir besprechen dazu sein Buch „Der Große Weg hat kein  Tor“, erklären, was die Nichts-Tun-Landwirtschaft eigentlich ist und geben natürlich auch die Antwort auf die Frage, was denn mit dem Großen Weg gemeint ist.

Fukuokas Art Landwirtschaft zu betreiben steht im krassen Kontrast zur globalen industriellen Landwirtschaft und ist doch so zukunftsweisend. Die Einfachheit seiner Methode ist bestechend und überzeugend zugleich. Fukuokas Wirken war so wichtig, dass seine Erfahrungen und Erkenntnisse unbedingt in der Diskussion über landwirtschaftliche Alternativen mitgedacht werden müssen.

Links zur Folge

Buch: "Der große Weg hat kein Tor" von Masanobu Fukuoka
z.B. auf buch7.de

YouTube-Doku: Permakultur – Fukuoka: Der Große Weg hat kein Tor
https://www.youtube.com/watch?v=mkuEbf8MWak

YouTube-Doku: Masanobu Fukuoka – In Zukunft: Der Bauer ohne Pflug und Dünger
https://www.youtube.com/watch?v=6fk1o7qlj_8

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Lustvoll die Welt retten - ohne Verzicht

Ein Beitrag

Folge 200 - Lustvoll und ohne Verzicht die Welt retten

Yeah - die 200. Folge des Einfach Vegan Podcasts ist online.

In dieser Folge feiern wir uns ein bisschen selbst und echauffieren uns dann über das Verhalten unserer Mitmenschen, die immer nur möglichst lustvoll und ohne Verzicht die Welt retten wollen.

Wer sich vegetarisch ernährt ist schon radikal, einmal die Woche auf Fleisch und Milchprodukte verzichten ist revolutionär und manche Länder kann mensch einfach nur authentisch bereisen, wenn er·sie das Flugzeug nutzt. Willkommen im Jahr 2020.

Ich habe in letzter Zeit viele Bücher zum Thema ökologischen Fußabdruck senken gelesen und auch einige Kurse zu diesem Thema für die VHS konzipiert - der Tenor war immer gleich: lustvoll muss es sein, es darf nichts mit Verzicht zu tun haben und am besten sollte mensch so weiter machen können wie bisher, nur halt grüner.

Diese Erfahrungen haben mich zu der Erkenntnis gebracht: wir müssen noch einmal über Privilegien sprechen!

Links zur Folge

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Johanna H.)

Stefanie Und wie Carsten schon so ganz dezent angemerkt hast hat hats hats...

Carsten Hats er, hat er. Hat er.

Stefanie Hats er.

Carsten Hat er.

Stefanie …hat, ist das hier unsere 200. Folge - die offizielle 200. Folge, denn mit der Pilotfolge zusammen wäre das ja jetzt schon die 201. und ich glaube, wir hatten zwischendurch auch noch Folgen, so Sonderfolgen. Also von daher die offizielle 200. Folge. Wuhuuuuuuh!

Carsten Wuhuuuuh! Cool.

Stefanie Das klang jetzt noch nicht so…

Carsten …enthusiastisch?

Stefanie Nee, wir müssen noch mehr.

Stefanie und Carsten WUHUUUUUUUUUUUUUUUUUUH!

Stefanie Entschuldigung, das hat in den Ohren weh getan. So muss es sein. So klingt das.

Carsten Ja. Dürfen wir uns jetzt wirklich auf die Schulter klopfen. Haben wir gut gemacht.

[Schulterklopfen]

Stefanie Genau, ja. Och, ooooooh.

Carsten Tut gut. Endlich mal Anerkennung.

Stefanie Genau. Und wenn das nicht nur dabei bleiben soll, diese Anerkennung, dass wir uns gegenseitig auf die Schulter geklopft haben. Wir haben uns auch nicht nur uns selbst - so kannst du es ja nicht sehen - sondern wir haben uns gegenseitig auch gerade auf die Schulter geklopft.

Carsten Wenn schon, denn schon.

Stefanie Ja, wir stolpern auch über Worte. Dann hast du die Möglichkeit, das schönste Geschenk uns zu machen überhaupt, nämlich uns finanziell zu unterstützen. Und das kannst du zum Beispiel machen wie unsere 19 treuen Steady-Unterstützer·innen, die uns teilweise schon fast von Anfang an finanziell unterstützt haben. Also eigentlich seit dem Zeitpunkt, seit das ging - also teilweise, da wir nicht mit Start des Podcasts gleich gesagt haben, unterstütze uns, sondern erst ein, zwei Jahre später. Ich bin mir nicht ganz sicher, wann wir überhaupt angefangen haben, ich glaub so...

Carsten: Keine Ahnung, weiß ich nicht.

Stefanie: …ein Jahr später meine ich, ich meine 2017 und jedenfalls die teilweise eben schon von Anfang an dabei waren. Oder wie die vielzähligen Unterstützungen, die als Einmalüberweisung über PayPal jetzt mittlerweile bei uns eintrudeln in Von-Bis-Summen. Also da ist alles möglich natürlich. Also alles ist möglich.

Carsten Nach oben sind dort keine Grenzen gesetzt, um es mal so zu formulieren.

Stefanie Du kannst deine Anerkennung in verschiedensten Kategorien ausdrücken und du findest den Link zu den Möglichkeiten, wie du uns unterstützen kannst, wie immer hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und es wäre ein ganz, ganz tolles Geburtstagsgeschenk sozusagen für uns, für diesen Podcast, für die 200. Folge, wenn du uns auf diesem Wege Anerkennung zollen würdest für die 200 Folgen, die wir für dich jetzt schon kreiert haben.

Carsten Oder für die nächsten 200 Folgen, die noch kommen werden. Zwar nicht dieses Jahr, aber…

Stefanie Genau. Wir haben ja jetzt für die 200 Folgen vier Jahre und drei Monate gebraucht. Einfach dadurch, dass wir das nicht geschafft haben, wöchentlich immer eine Folge zu senden. Sonst wären wir natürlich schon schneller bei der 200. Folge gelandet. Jetzt gibt es ja auch schon seit einiger Zeit den „Von Herzen Vegan“-Podcast, wo ich wöchentlich sende. Also ist das quasi, wenn du das zusammennimmst, schon mehr als einmal die Woche, was du da an Podcastfolgen bekommst.

Und wir können auch schon mal ein bisschen spoilern. Wir tragen schon seit längerer Zeit, ich glaub seit fast zwei Jahren, ein Podcastprojekt in uns herum, mit uns herum, in unseren Köpfen und Herzen, das wir jetzt dieses Jahr angehen werden. Aufgrund der Coronakrise sind wir da ein bisschen zurückgeworfen worden, aber wir wollten es eigentlich in den Osterferien angehen und jetzt werden wir es in den Sommerferien angehen. Und wir sind ja immer davon abhängig, wie unser Kind betreut ist. Und jetzt durch die Lockerungen hoffen wir darauf, dass es in den Sommerferien Urlaub bei Oma und Opa machen darf. Und wenn das dann der Fall ist… Es wird nicht sechs Wochen Urlaub bei Oma und Opa machen. Das würde, glaube ich, weder das Kind noch Oma und Opa sonderlich glücklich machen.

Carsten Das wär der absolute Elterntraum, oder?

Stefanie Der Elterntraum wäre es, ja. Aber wir müssen ja irgendwie auch auf die Bedürfnisse von Großeltern und Enkel achten. Also von daher. Ähm, ja, also jedenfalls werden wir die Möglichkeit haben, wahrscheinlich, wenn jetzt nicht wieder irgendwas dazwischenkommt, vor allem coronamäßig, dann unser Podcastprojekt umzusetzen. Und ich will jetzt auch noch nicht verraten, wie das heißt, aber es wird auf jeden Fall um Konsum gehen und wir haben schon alles Mögliche geplant. Und wie gesagt, wir tragen diese Idee schon seit langer Zeit mit uns herum und wollten das schon immer umsetzen, aber uns fehlte halt immer die Zeit. Es wird ein in sich abgeschlossenes Podcastprojekt sein und du darfst gespannt sein.

Carsten Genau. Also es wird auf alle Fälle ein ehrlicher Podcast, das sei auch schon mal gespoilert.

Stefanie Ist das hier ein unehrlicher Podcast?

Carsten Nein, aber ich... Ja, es wird kein, kein… kein fiktiver Podcast.

Stefanie Ach so, ja, wir erzählen zwar Geschichten, aber es sind wahre Geschichten. Und wenn du sagst, das wird ein ehrlicher Podcast, muss ich immer an diesen Verhörer denken, wenn jemand Axel Hacke kennt. Ein unehrliches Kind, das eigentlich ein uneheliches Kind war. Da muss ich immer dran denken, dass es ein uneheliches Kind war und dass das Kind, das das belauscht hatte, dann die ganze Zeit über dachte, das Kind, das wird unehrlich geboren und deswegen kann man dem nicht trauen.

Carsten Das ist schwarze Pädagogik, ja.

Stefanie Ja, genau. Also jedenfalls, da darfst du gespannt sein. Es dreht sich alles um das Thema Konsum und es wird ein in sich abgeschlossenes Podcastprojekt sein mit… Bisher haben wir drei Staffeln geplant und die erste Staffel wird voraussichtlich fünf Folgen haben. Wir haben aber bis jetzt noch nichts aufnehmen können. Deswegen ist das jetzt noch eben die grobe Planung, die wir so haben und dann mal schauen, wie das dann sich tatsächlich in der Umsetzung gestalten wird. Auf jeden Fall ist das dann ein Podcast, den wir von vorne bis hinten quasi durchgeplant haben, ein Projekt, was wir dann als Ganzes umsetzen werden. Und auch da kannst du uns dann natürlich unterstützen. Wir werden da eine gesonderte Unterstützer·innenseite einrichten, aber das wird alles später kommen. Da wirst du nochmal gesondert von uns erfahren.

Heute geht es wirklich darum, dass wir den „Einfach Vegan“-Podcast feiern. 200 Folgen in vier Jahren, drei Monaten. Wir sind schon richtig lange dabei und...

Carsten Ich mach das nochmal, heeeeeey!

Stefanie Wuhuuuuuuuuu!

Carsten War das so gut? Ja.

Stefanie Genau. Erfolge sollen gefeiert werden und es ist total wichtig, dass wir das immer und immer wieder machen. Wir machen das ja auch jeden Abend, dass wir da in der Runde zwischen unserem Kind, Carsten und mir uns erzählen, was wir alles geschafft haben am Tag und worauf wir stolz sind. Wir finden zwar nicht immer Sachen, worauf wir stolz sind, aber wir finden immer was, was wir geschafft haben.

Carsten Und dankbar.

Stefanie Und dankbar, das sowieso. Aber ich dachte, jetzt ging es ja gerade um Erfolge.

Carsten Ja, genau. Genau. So. Aber mit 200 Folgen soll es nicht zu Ende sein. Wir haben natürlich Themen, wir haben ganz, ganz, ganz viel Futter. Wahrscheinlich wird das Futter auch dazu reichen, noch weitere 200 Folgen zu füllen. Eine kleine Roadmap hatten wir am Anfang des Jahres schon mal zusammengestellt mit Themen und Bausteinen für unser neues Wohlstandsmodell. Wie wir uns die Zukunft denken, das wird uns langfristig noch weiter nicht verfolgen, sondern wir verfolgen diese Punkte.

Stefanie Vielleicht verfolgt es auch uns?

Carsten Vielleicht verfolgt es auch uns. Also da ist auf alle Fälle noch ganz viel Potenzial für weitere Folgen.

Stefanie Und ich möchte an dieser Stelle jetzt auch dir als Hörerin oder Hörer sehr, sehr herzlich danken, dass du uns schon so lange begleitest. Vielleicht begleitest du uns erst recht kurz, aber dass du uns auf jeden Fall zuhörst und die Chance gibst, dass wir dein Leben bereichern können.

Carsten Und vielen herzlichen Dank auch von mir an dich.

Stefanie In der letzten Folge haben wir das Buch „Grüner wird‘s nicht“ von Kathrin Hartmann rezensiert und wir werden auch noch viele weitere Bücher rezensieren. Wie das halt so ist: Carsten liest sehr viel, ich lese auch was, aber es kommt immer ganz drauf an. Also wie gesagt, bei uns liegt es eher an der Zeit, wenn wir das nicht schaffen, viele Podcastfolgen zu veröffentlichen, als an den Themen und du bist auch immer herzlich eingeladen, wenn du Themenwünsche hast, uns einfach zu schreiben. Schreib eine E-Mail an post@vonherzenvegan.de – „von Herzen vegan“ in einem Wort ohne Bindestriche oder schreib einfach im Clan. Schreib mich direkt an, was du dir für Themen wünschst, das ist immer möglich. Themenwünsche sind immer willkommen.

Wir orientieren jetzt uns so ein bisschen an unserer Roadmap, wie Carsten das genannt hat, und an den Themen, über die wir so im täglichen Leben stolpern. Also der „Einfach Vegan“-Podcast ist und bleibt eine Forschungsreise und wir dokumentieren ein bisschen unseren Alltag, aber eben auch zielgerichtet hin auf dieses neue Wohlstandsmodell, was für Bausteine wir brauchen, um aus diesem „immer weiter“, „immer mehr“, wachstumsorientierten System auszusteigen. Carsten brüllt jetzt gleich: „Nieder mit dem Kapitalismus!“ Und dann…

Carsten Nein, ich brülle nicht. Dieses „alles immer“ kam mir jetzt gerade noch in den Sinn.

Stefanie Genau. Und wir engagieren uns ja auch schon viel so für‘s Klima und machen einiges. Ich bin jetzt für die VHS in Hamburg aktiv und gebe da Webinare im Moment. Habe auch einen Bildungsurlaub, der jetzt im Mai nicht stattfinden konnte aufgrund von Corona und hoffentlich im November stattfinden wird zu diesem Thema, also aktiv für‘s Klima werden. Wie kann ich als Einzelperson aktiv werden?

Und ich habe da jetzt auch schon viele Bücher zu gelesen, viele Projekte mir angeschaut und bin jetzt aufgrund meiner neuen Entdeckung der Onleihe auch immer mal wieder über neue Bücher gestolpert, weil ich ja momentan einfach nicht so schnell in die Bücherhalle komme.

Und eine Erfahrung, die ich einfach jetzt während dieser Webinare gemacht habe und auch, als ich mir die Bücher und Projekte angeschaut habe, ist, dass immer wieder diese Anforderungen gestellt werden, dass die Menschen möglichst lustvoll an das Thema herangeführt werden sollten. Es sollte auf keinen Fall irgendwie über Verzicht gesprochen werden.

Und ich möchte ein Beispiel mal rausgreifen und einen Klappentext zitieren zu dem Buch „Warum Meerschweinchen das Klima retten“ von Christof Drexel, das ich mir einfach mal so ausgeliehen hatte über die Onleihe und da stand: „Klimaexperte Christof Drexel macht ohne Dogmen und schlechtes Gewissen Mut, die eigene CO2-Bilanz zu verkleinern, indem er so detailreich wie übersichtlich alle relevanten privaten Lebensbereiche mit den jeweiligen Einsparpotenzialen aufführt und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.“ Besonders schön: „Niemand wird gezwungen, in allen Bereichen seinen CO2-Ausstoß auf ein Minimum zu reduzieren. Wer beispielsweise gerne Fleisch isst, kann das dadurch verursachte CO2 an anderer Stelle einsparen. So wird Resignation zu Motivation und Klimaschutz zu einem Ziel, das jeder verfolgen kann.“

Und in dem Buch schreibt der Autor zum Thema Ernährung gleich vorneweg: „Man muss kein Vegetarier sein, um eine klimaverträgliche CO2-Bilanz zu erreichen. Es ist hilfreich, geht aber auch mit maßvollem oder durchschnittlichem Fleischkonsum. Vegetarier per se als Weltretter darzustellen, ist zu kurz gegriffen. Wie so oft führt eine Maßnahme alleine, auch wenn sie noch so radikal umgesetzt wird, nicht zum Erfolg. Würde sich ab morgen die gesamte Menschheit fleischlos ernähren, wären die CO2-Emissionen vielleicht um 5 % geringer. Das ist beträchtlich, aber dennoch vollkommen unzureichend. Lieber auf Radikalität verzichten und dafür eine Vielzahl von sinn- und lustvollen Veränderungen vornehmen. Die Palette an Möglichkeiten ist breit gefächert.“ Zitatende. Das zum einen.

Das ist jetzt ein Beispiel, was mich echauffiert hat und das andere ist einfach die Erfahrung, die ich gemacht habe, als ich angefangen habe, Kurse für die VHS in Hamburg zu konzipieren, dass mir immer wieder gesagt wurde zum einen: der Text im Text. Ich muss ja immer so kurze Texte schreiben, die das Webinar, den Workshop, das Seminar beschreiben. Muss irgendwie was drinstehen. Ich hatte einmal was geschrieben, von wegen „jetzt Schluss mit den ewigen Diskussionen, lasst uns endlich handeln, wir packen‘s jetzt an“ und dann wurde mir gesagt, nee, also ich darf den Menschen nicht das Diskutieren verbieten. Das würde total abschreckend wirken, das wäre nicht lustvoll genug.

Und das andere ist, dass anscheinend Kurse besonders gut gehen, in denen jetzt zum Beispiel gezeigt wird, wie man Zahnpasta selber macht oder Deo oder sowas. Und dass ich jetzt dazu gebracht wurde, dass ich in einem meiner Workshops so eine kurze Showeinlage bieten muss, in der ich dann zeige, wie man Zahnpasta selber macht, damit sich Menschen für diesen Workshop anmelden, in dem ich eigentlich zeigen wollte, wie wir in allen Bereichen in unserem Haushalt in unserem Leben als Einzelperson unseren CO2-Fußabdruck, unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren können. Und wo es mir eben nicht darum geht, dieses Minidetail von „ich mache jetzt mal eine Zahnpasta selbst“ zu zeigen, sondern ganzheitlich in allen Bereichen zu schauen, okay, wo ist die größte Problemzone, wo kann ich ansetzen, um wirklich einen größeren Hebel zu bewirken.

Und das alles, diese ganzen Erfahrungen, die ich gemacht habe jetzt - das sind eben jetzt nur Spitzen dieses Eisbergs - haben mich dazu bewogen, zu sagen, wir müssen nochmal über Privilegien reden, Carsten. Wir müssen eine Folge machen, und ich habe gedacht, die mache ich jetzt zur 200. Folge. Wir haben schon mal eine Folge gemacht zum Thema Privilegien, aber wir müssen jetzt einfach nochmal drüber reden. Es geht einfach so nicht weiter. Was, was geht in den Köpfen der Menschen vor?

Carsten Wenn ich solche Klappentexte, wie du sie gerade vorgelesen hast, höre, dann geht bei mir sofort das Bullshitradar an. Also das ist so etwas, wo ich dann denke, da hat jemand eigentlich den Sachverhalt nicht wirklich verstanden. Ähm, ja, klar geht er auf den Bereich CO2-Einsparung ein. Das ist momentan das große Thema: Klimaschutz, wie kann ich CO2 und Äquivalente reduzieren. Aber das Thema ist noch lange nicht alles, was wir tatsächlich irgendwie betrachten müssen. Also wir müssen im Grunde genommen den gesamten Bereich Nachhaltigkeit betrachten. Da fällt ein bisschen mehr rein als einfach nur: Wie spare ich jetzt CO2 ein?

Und ich habe da gestern in einem anderen Workshop eine ganz spannende Folie gesehen, die vom WWF stammt. Die machen das wohl regelmäßig im jährlichen oder mehrjährigen Turnus, dass die schauen, wie ist der Entwicklungszustand in bestimmten Staaten und wie hoch ist der CO2-Ausstoß, um dann eine Ableitung davon zu erhalten, welche Staaten leben eigentlich, ich sag jetzt mal vom ökologischen Fußabdruck, der ja noch ein bisschen mehr als nur CO2 beinhaltet, also vom ökologischen Fußabdruck her betrachtet nachhaltig und welche Staaten haben eigentlich einen großen Wohlstand.

Und auffällig daran war: Es gibt keine Staaten, die in einem guten Wohlstandsgefilde unterwegs sind und gleichzeitig nachhaltig sind. Die Staaten, die nachhaltig unterwegs sind vom ökologischen Fußabdruck, das sind die Staaten, denen es wirklich schlecht geht, denen es ökonomisch schlecht geht, wo die Menschen wirklich Probleme haben, ums Überleben zu kämpfen.

Die Staaten, denen es gut geht, wo es den Leuten wirklich sehr, sehr gut geht, die sind bei weitem, also ganz mit Abstand nicht nachhaltig, die sind Faktor fünf, sechs oder sowas zu hoch angesiedelt, was den ökologischen Fußabdruck betrifft. Und gerade in diesen Staaten dann zu hören, dass es ja eigentlich gar nicht darum geht, komplett auf Fleisch zu verzichten, sondern dass man auch nicht in allen Bereichen seinen CO2-Fußabdruck minimieren muss und dass das Ganze irgendwie lustvoll und schön stattfinden kann, das ist einfach nur blanker Zynismus oder - ja - Bullshit.

Stefanie Genau. Bullshit. Bullshit. Haben wir ein paarmal Bullshit gesagt?

Carsten Ja.

Stefanie Im Grunde schließen wir uns da ja jetzt dem Buch von Kathrin Hartmann an, die gesagt hat, dass es eben nicht darum geht, den Klimawandel oder die Klimakrise als Generationenfrage oder die Auslöschung der Menschheit oder so zu bezeichnen, sondern dass es um globale Gerechtigkeit geht.

Und das ist ja genau das, was wir uns vor Augen führen sollten, dass wir eben super privilegiert sind. Wir sind hier als Deutsche, ich weiß, es hören auch Österreicher·innen und Schweizer·innen zu und auf jeden Fall eine Dänin. Also, das heißt, hier in Europa, vielleicht nicht überall in Europa, aber ich sage jetzt mal im deutschsprachigen und dänischen Raum - ich nehme dich mal mit rein - sind wir super privilegiert. Also erstmal sind wir in diese Privilegien hineingeboren. Sind wir Männer, sind wir noch privilegierter. Als Mann haben wir noch mehr Privilegien eben als Frau.

Und dann sind wir noch mit verschiedensten Privilegien ausgestattet wie zum Beispiel, dass wir die Möglichkeit haben zu entscheiden, ich esse jetzt jeden Tag ganz viel Fleisch, was, global betrachtet, eben die meisten Menschen gar nicht können, sich so entscheiden. Das heißt, so wie Carsten es eben gerade sagte, die leben nachhaltig, aber nicht, weil sie das frei entschieden haben, sondern, weil sie gar keine Wahl haben. Und genau so ist es eben auch zum Beispiel mit dem Thema Fliegen.

Ich hatte da noch so ein anderes Buch, das hieß „Eine-Welt-Verbrauch“. Das ist von einem Förster geschrieben worden und ich habe das nur überflogen, weil ich jedes Mal, wenn ich das gelesen habe, immer gedacht habe: „Oohr, iiihr, hoor!“ Ich hatte das im E-Book und dann habe ich das so durchgezappt und habe dann immer nur so Passagen gelesen und dachte so, nee.

Er hat auch das Jagen so legitimiert, dass er irgendwie erzählt hat, okay, ja, die Wildschweine, die laufen ja aus dem Wald raus und fressen da Trauben leer. Also der wohnt in Rheinland-Pfalz und da ist es halt mit den Reben und dem Wein und den Trauben alles so wichtig. Und da meinte er, dass die Wildschweine da auch so irgendwie die Reben leergefressen haben. Und da der Mensch ja nun mal da sei und diesen Platz bräuchte, müssten die Wildschweine halt weichen und deswegen muss man die abschießen. Also so in der Art, also so verkürzt hat er es dargestellt. Das ist die Legitimation zum Jagen, dass der Mensch eben da ist. Und der Mensch braucht es halt und der Mensch braucht Raum zum Leben und deswegen müssen die Tiere weichen.

Und dann hat er eben auch versucht, das Fliegen zu legitimieren, indem er gesagt hat, ja, also bestimmte Länder, da kann man ja so viel drüber lesen und sich Filme anschauen und so, aber letztlich erfährt man nur, wie es da ist, wenn man da auch wirklich tatsächlich ist. Und das geht nur, wenn ich da hinfliege.

Und dann habe ich jetzt nochmal extra nachgeguckt, weil Kathrin Hartmann in ihrem Buch diese Zahl genannt hatte, dass nur 5 % der Menschen auf dieser Erde, auf diesem Planeten die Möglichkeit haben, tatsächlich zu fliegen. Sie hatte geschrieben: 95 % der Menschen, die auf diesem Planeten leben, haben noch nie ein Flugzeug bestiegen. Also reden wir von einer ganz, ganz kleinen Minderheit von 5 %, die fliegen können. Vielleicht sind von diesen 95 % auch noch welche dabei, die das eigentlich könnten, aber nicht tun, so wie wir zum Beispiel. Aber jedenfalls geht es um eine ganz, ganz kleine Minderheit, die jetzt auf diesem Privileg beharren will, als sei es ein Menschenrecht, zu fliegen.

Und das ist etwas, was mich total stört. Und deswegen ist das hier echt so eine Echauffier-Folge, weil ich da dann nochmal… Wirklich, wir müssen uns mal zusammenreißen und uns das anschauen. Wir sind total privilegiert. Wir haben diese super vielen Privilegien und ja, es gibt immer noch ein Klaffen zwischen Arm und Reich. Auch das hat Kathrin Hartmann beschrieben. Aber hier, die wir jetzt hier sitzen, also Carsten und ich, sind super privilegiert und ich denke, die meisten von denen, die uns zuhören, auch. Wir haben so viele Möglichkeiten. Auch ein Auto zu besitzen, ist ein Privileg.

Carsten Gerade, wo du das mit dem Auto ansprichst: Wir hatten mal in einer vorherigen Folge, wo es um die imperiale Lebensweise oder Leben auf Kosten anderer ging, hatten wir auch schonmal das Thema Automobil und die Art und Weise, wie diese Weltsicht hier gerade auch in Deutschland - Deutschland als Autonation - so betrachtet wird. Für uns ist das ein völlig normales Bild. Also jemand bei uns in Deutschland, der bewusst auf ein Auto verzichtet, der ist irgendwie meschugge. Also da werde ich wahrscheinlich als totaler Spinnerter betrachtet, wenn ich mich so outen würde und das mache ich ja.

Stefanie Ich wollte gerade sagen, wir outen uns doch.

Carsten Aber dieses Normalbild, wirklich auf der Straße nur Autos zu sehen, also ein paar Fahrräder mal so ein bisschen ausgeklammert, aber der Normalzustand ist ja im Grunde genommen: Individualverkehr ist gleich Auto.

Stefanie Mhm.

Carsten So, und sich da einfach mal zu vergegenwärtigen, dass alleine hier in Deutschland, in der Bundesrepublik Deutschland mehr Autos existieren als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. So, und jetzt guck mal bitte auf den Globus oder in die Weltkarte und versuch mal so das Größenverhältnis zwischen der Bundesrepublik und dem gesamten afrikanischen Kontinent einzuschätzen. Das ist einfach haarsträubend, zu glauben, dass die Art und Weise, wie wir Autos nutzen oder, anders gesagt, Individualverkehr nutzen, dass das ein Menschenrecht ist. Also da sträuben sich mir wirklich die Nackenhaare.

Wir unterhalten uns immer noch - im Jahre 2020 - über Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn. Also ganz ehrlich, wenn ich eine solche Diskussion verfolge, dann wird mir ganz flau, wenn ich überlege, wie soll eine solche, über Privilegien erhabene Gesellschaft überhaupt in der Lage sein, diesem Klimawandel auch nur annähernd gerecht zu werden? Also das… das ist… das ist Bullshit. Ich kann mich da wirklich nur wiederholen, sorry.

Stefanie Carstens Lieblingswort für diese Folge wird „Bullshit“ sein, ich seh das schon.

Carsten Wollen wir sie auch so nennen?

Stefanie Nein, wir nennen sie nicht so. Ich habe schon einen Titel in meinem Kopf.

Carsten Gut.

Stefanie Wenn wir uns jetzt hier so echauffieren, dann ist das ja tatsächlich auch ein Ergebnis eines Prozesses. Das wird auch Teil unseres neuen Podcastprojekts sein, was also parallel zum „Einfach Vegan“-Podcast und allen anderen Dingen laufen wird. Das wird es nicht ersetzen, sondern das ist einfach ein extra Projekt, das nochmal hier vorsichtshalber gesagt. Nicht, dass jetzt hier Ängste entstehen.

Es ist ein Teil eines Prozesses, dass wir uns erstmal dessen bewusst werden mussten. Und ich bin der Meinung und will das jetzt hier auch in dieser Folge nochmal klarstellen, dass es wichtig ist, dass wir uns dessen bewusst werden, dass wir lauter Privilegien haben, von Privilegien umgeben sind und schon mit vielen Privilegien geboren wurden, die den meisten anderen Menschen auf diesem Planeten nicht zugänglich sind.

Und dass diese Privilegien eben Privilegien sind und keine Menschenrechte. Dass ein Smartphone besitzen, ein Laptop besitzen, dass es kein Grundbedürfnis oder ein Menschenrecht ist, so wie immer genug zu trinken und zu essen haben, sondern dass es ein Privileg ist. Und wir sollten uns dessen bewusst werden. Das ist das, was ich dir sagen möchte, was ich mit dir teilen möchte, was meine Erkenntnis auch ist, was superwichtig ist.

Und dann ist es nämlich auch kein Verzicht mehr und Verlust und alles ganz schrecklich und negativ, wenn ich das dann nicht mehr mache, sondern ich würde dann eben einfach diese Privilegien loslassen und zugunsten auch des ganzen Planeten und der Menschen, die diese Privilegien eben nicht haben. Das ist dann ein Luxus, den ich habe, wenn ich diese Privilegien nutze. Und ich würde weniger luxuriös einfach leben, wenn ich sie nicht nutze.

Carsten Ja, wobei, das klingt jetzt auch schon fast wieder verzichtsmäßig und da kann ich jetzt nur für mich sprechen. Ich weiß nicht, ob du dem zustimmst, aber ich empfinde dieses Aufgeben von gewissen Privilegien gar nicht als Verzicht, sondern als Freiheit. Ich habe auf einmal eine Wahlfreiheit. Und diese Wahlfreiheit ergibt sich erst dadurch, dass ich mir dieser Privilegien bewusst werde.

Stefanie Mhm.

Carsten Dieser Verzicht aufs Auto, das ist eine neue Wahlfreiheit. Die hatte ich so lange nicht, wie ich ein Auto hatte und wie es für mich völlig normal war, ins Auto zu steigen und zum Bäcker zu fahren. Da gab es keine Option B, sondern das war ein völlig automatisierter Ablauf, mich ins Auto zu setzen und auch Kleinstrecken zurückzufahren, egal, ob ich auf dem Land oder in der Stadt war. Da gab es nichts nebenher als Alternative. Erst der bewusste Verzicht auf dieses Privileg Auto hat mir eigentlich eine Wahlfreiheit eingeräumt.

Heute ist die Wahlfreiheit nochmal ein bisschen anders geartet. Wir hatten eine Zeit lang, wo wir noch ein Auto hatten, wo wir aber auch schon angefangen haben, das Auto nicht in jeder Situation zu nutzen. Heute könnte ich mir immer noch irgendwie einen Mietwagen nehmen oder beim Nachbarn nachfragen - auch das Angebot ist existent. Ich nutze es halt nicht.

Aber diese Wahlfreiheit selber ist für mich eigentlich nochmal eine Erweiterung meines Handlungsspektrums, den ich vorher so nicht gesehen hatte. Und das kann ich auf allen anderen Ebenen, wo ich auch über Privilegien gestolpert bin und auch bewusst darauf verzichte, genauso empfinden.

Stefanie Ja, das ist ja eigentlich das, was wir generell mit der veganen Ernährung, dem Start ins vegane Leben dann auch gemerkt haben, dass dieses erste Gefühl, oh Gott, ich muss jetzt, was kann ich da noch essen? Ich verzichte jetzt auf alles Mögliche. So wie wir vor fünfeinhalb Jahren gestartet sind, ist ja genau so eben in allen Bereichen tatsächlich dieser Gedanke: Oh, ich verzichte jetzt auf was, es wird mir etwas weggenommen. Dabei kommt ganz viel hinzu.

Carsten Genau. Und an der Stelle möchte ich nochmal betonen oder einen kleinen Appell oder einen großen Appell sogar einreichen. Ich bin der Meinung, dass wenn es darum geht, Maßnahmen zu ergreifen, um den CO2- oder im Idealfall den ökologischen Fußabdruck zu minimieren: Bitte, bitte orientiert euch nicht an dem Möglichen, sondern an dem Notwendigen. Das Mögliche wird schon von vornherein eingegrenzt durch den Vorstellungsraum, in dem wir uns befinden und hier maßgeblich durch die Privilegien. Das führt dann genau zu solchen absurden Diskussionen wie: „Aber so ein bisschen fliegen im Jahr einmal ist doch okay, wenn ich gleichzeitig dann hier was einspare.“ Oder: „Eigentlich muss ich nicht auf Fleisch verzichten.“ Und: „Na ja, auf der Autobahn sind ja sowieso nicht so viele Leute, die wirklich mehr als 130 fahren.“ und so. Also diese ganzen Bullshitdiskussionen fallen weg, wenn wir uns an dem Notwendigen orientieren.

Stefanie Ja, und wenn wir uns einfach mal klarmachen, dass das alles Privilegien sind, die die meisten Menschen auf diesem Planeten nicht haben. Denn es geht ja jetzt nicht nur um uns. Ich meine, wir sind damit aufgewachsen, dass wir nicht wirklich über unseren Horizont hinweggeschaut haben, sondern nur auf unsere Nachbarn vielleicht noch geguckt haben und dann uns irgendwie innerhalb dieses kleinen Minikosmos verglichen haben.

Jetzt ist es aber total wichtig. Jetzt brennt die Erde, es brennt, wir müssen jetzt handeln. Wir können einfach nicht mehr so mit klein, klein, klein weitermachen, sondern wir müssen einfach jetzt uns mal zusammenreißen und handeln. Jetzt ist es wichtig, das alles global zu betrachten. Und über das Internet ist es ja nun mal auch möglich, Kontakt aufzunehmen global, so dass sich dann die Welt ein wenig erweitert hat, auf jeden Fall, auch der Horizont sich erweitern kann und es wichtig ist, dass wir jetzt größere Schritte machen.

Ich weiß, ich plädiere immer für kleine Schritte, ja, also auch das ist wichtig. Aber dass wir einen großen Schritt im Blick haben und den in kleinen Schritten vielleicht gehen. Aber Hauptsache, wir gehen.

Carsten Genau. Und nicht erst den kleinen Schritt in den Fokus fassen und sich dann irgendwie zurücklehnen und sagen, boah, das habe ich jetzt geschafft, einmal am Tag irgendwie auf Fleisch zu verzichten, also um dieses Beispiel nochmal zu nennen, sondern wirklich in diesen großen Dimensionen denken und sich auch nicht davon abhalten lassen, was andere Menschen im eigenen Umfeld irgendwie als möglich empfinden.

Und eine weitere Anmerkung, falls der Gedanke gerade hochgekommen sein sollte: Es geht hier nicht darum, anderen Personen die Möglichkeit zu geben, die gleichen Privilegien zu erhalten, wie wir sie im Moment intus haben. Dafür haben wir einfach zu wenig Planet Erde, um das zu erreichen, sondern wir müssen von unseren Privilegien, so leid uns das tut, einfach Abstand nehmen, um eine ausgewogene, ökologische und nachhaltige Gerechtigkeit auf globaler Ebene zu erreichen.

Stefanie Ja, genau das ist es eben. Und genau das nervt mich eben so an diesen Büchern und regt mich so auf, dass da immer so getan wird, als sei das okay, als sollten wir trotzdem weiter so leben wie bisher. Wenn wir nur ein bisschen unsere Zahnpasta selbst machen und unsere Coffee-to-go-Becher dann nicht mehr als Einmalbecher, sondern als Mehrwegbecher, Mehrfach-Auffüllbecher nutzen. Dass es jetzt darum geht, wirklich größere Projekte in Angriff zu nehmen.

Und wie gesagt, das, was ich einfach auch in den Workshops und überhaupt generell erzähle, zielt ja genau darauf ab: Wo hast du den größten Wirkhebel? Und das muss überhaupt gar kein großer Schritt sein. Denn wenn du zum Beispiel im Bereich Wohnen überlegst, dass du weniger heizt, dass du statt immer schön mollig warm dann mal erst die Heizung einschaltest, wenn es wirklich kalt ist und du vorher schon drei Pullover angezogen hast oder so. Jetzt mal so als Extrembeispiel. Aber wenn du da die Heizung auf generell irgendwie nur 18 Grad runterstellst, hast du schon einen großen Effekt erzielt. Und das ist ja was, was überhaupt kein Riesenschritt ist, sondern es ist halt ein Komfortfaktor. Und das ist halt was, wo du auf Komfort „verzichtest“ in Anführungsstrichen, aber du tust eben etwas für andere.

Carsten Und ich denke, in unserem Podcast hast du ja schon einige Anregungen bekommen, weil - wie Stefanie vorhin schon sagte - das ist ja quasi so die Dokumentation unseres Weges von diesem Bewusstwerden hin genau diese einzelnen Schritte zu gehen, dann aber nicht Halt zu machen, sondern einfach immer weiter zu gehen und zu gucken, was kommt da noch. Und es kommt immer noch irgendetwas.

Stefanie Ja, es kommt definitiv immer noch irgendwas. Und ich denke, wichtig ist, dass wir dieses Bewusstsein erstmal haben und sagen, okay, das sind Privilegien, das sind vor allem Privilegien, die wir jetzt reduzieren sollten auf ein Minimum, damit es auch allen anderen Menschen auf diesem Planeten möglich ist, ein würdevolles Leben zu leben. Ein gutes Leben für alle auf diesem Planeten sollte möglich sein. Und deswegen geht es eben um globale Gerechtigkeit. Und das sollte das Ziel sein. Das sollte der Fokus sein. Und was dein Handeln bestimmt.

Und dann kannst du natürlich sagen, okay, ich gehe jetzt Schritt für Schritt und mach kleine Schritte, damit ich nicht umkippe, wenn ich große Schritte mache. Aber dein Leitstern sollte diese globale Gerechtigkeit sein, die dir zeigt, wo du deine Privilegien loslassen kannst. Denn vieles, was wir - das ist eben auch ein Teil unseres Podcastprojekts, was wir dann jetzt demnächst dann veröffentlichen werden - vieles ist ja etwas, was wir einfach im Laufe unseres Lebens festgehalten haben und was wir alles an uns ranziehen, was uns anerzogen wurde und was wir durch dieses Leben in dieser Konsumwelt, das ja vor allem die letzten 30 Jahre so hochgedreht ist, uns beigebracht haben.

Und wenn wir das loslassen, kann so viel Neues entstehen. Dann gibt es neuen Raum für einfach neue Dinge. Und das ist ja nun auch eine Grundidee von Minimalismus, dass wenn du weniger hast, was dich umgibt, dass du dann viel mehr in deinem Leben hast. Und bei diesem Meerschweinchenbuch, ja, dass die Meerschweinchen das Klima retten, sagt der Autor tatsächlich was ganz Ähnliches. Also es ist nicht alles schlecht, was in dem Buch steht.

Also mich hat einfach nur genervt, dass er da hier die Vegetarier, noch nicht mal die Veganer, die Vegetarier·innen gleich als Radikalinskis darstellt und alle anderen möglichen Ausprägungen, wenn jemand sich quasi mehr für Energie interessiert und hat da ja verschiedenste Personen charakterisiert und vorgestellt. Da ist einer, der ein Passivenergiehaus sich gebaut hat und der wird dann liebevoll als Energiefreak dargestellt, der sich da so reingearbeitet hat. Aber Vegetarier·innen sind die Radikalinskis. Also das ist halt so, das ist immer noch dieses: „Ja, es ist mein Privileg, ist mein Menschenrecht, dass ich Tiere esse. Das ist total wichtig.“

Also da sieht man, oder sehen wir bei diesen Büchern einfach auch die karnistische Sichtweise, aus der die geschrieben wurden und das blinkt und blitzt halt überall durch. Das ist halt wie die eine Bekannte, die mir dann gesagt hat ja, Veganer, da kannte ich diesen einen und der war immer so wenig lustvoll. Und deswegen habe ich gedacht, Veganer·innen sind alle so und so. Ja, aber es geht halt nicht immer um lustvoll, sondern jetzt haben wir einfach keine Zeit mehr. 30 Jahre lang hat sich das hochgeschaukelt, alle haben die Augen zugemacht und nix getan. Wir müssen jetzt einfach handeln.

Also das Ziel sollte jetzt sein, unsere Privilegien in Angriff zu nehmen und sie loszulassen. Schritt für Schritt. Du musst nicht alles auf einmal loslassen und in eine Hütte im Wald ziehen und als Einsiedler oder Einsiedlerin leben und nur noch dein Gemüse und Obst selbst anbauen und vielleicht dich auch nur von Wurzeln ernähren oder so, sondern wirklich nur dieses Ziel haben. Das ist das, worum ich dich bitte, dieses Ziel zu haben: Globale Gerechtigkeit. Deine Privilegien Schritt für Schritt überdenken und so etwas für unseren Planeten tun.

Carsten Und ich habe durchaus einen Wunsch für unsere 400. Folge. Dass wir dann, wenn wir die 400. Folge aufnehmen, in ungefähr einem halben Jahr, wenn wir uns ranhalten - Spaß beiseite - dass wir dann an der Stelle nicht ähnliche Appelle wieder kundtun müssen, die dann ja zum Hintergrund hätten, dass sich irgendwie noch nicht so wirklich viel bewegt hätte. Das wäre schon sehr erschreckend, wenn dem so sei, sondern ich habe wirklich den Wunsch, dass wir uns dann gemeinsam auch mit dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, auf die Schulter klopfen können und sagen, okay, wir haben da schon echt was erreicht. Wir brauchen nicht mehr über diese Privilegienthematik sprechen, sondern in den Köpfen der Menschen hat tatsächlich das notwendige Umdenken stattgefunden und wir sind auf dem richtigen Weg und idealerweise auch schon ein paar Schritte in die richtige Richtung gegangen.

Stefanie Ja, wenn man das jetzt mal so überschlägt, dann könnte das ja in vier Jahren oder in viereinhalb Jahren soweit sein. Dann wären wir ja bei Ende 2024 oder vielleicht Anfang 2025, also wenn wir das uns jetzt mal so als realistisches Ziel setzen, in vier, fünf Jahren, fände ich das ziemlich cool, die Idee, wenn dann wir, liebe Hörerinnen und Hörer und Carsten und ich, wir alle gemeinsam uns jetzt das Ziel setzen, dass wir dann bei der 400. Folge uns darüber austauschen, was wir alles schon geschafft haben, was für tolle Projekte wir umgesetzt haben, wie wir diesem Ziel von einer globalen Gerechtigkeit näher gekommen sind.

Carsten Aber auch, wie sich die Gesellschaft in die Richtung verändert hat.

Stefanie Ja, wie wir gemeinsam, also wie gesagt, wir machen das nicht alleine. Carsten und ich sind ja auch nicht alleine, weil wir zu zweit sind, logischerweise. Aber wir sind ja auch irgendwie eine große Gemeinschaft hier. Also mit dem Podcast und im „Von Herzen Vegan“-Clan und alle, dass wir alle gemeinsam diese Schritte gehen, denn alleine ist es oft sehr schwer. Das stimmt auf jeden Fall. Gemeinsam macht es dann doch viel mehr Spaß auch und gemeinsam können wir uns besser motivieren, weiter zu machen. Und das finde ich eine schöne Idee.

Eine Anmerkung habe ich jetzt noch. Natürlich können wir als Einzelpersonen, als Bürger·innen nicht alles alleine schaffen. Also es gibt noch einige Probleme, sag ich mal. Also wir können unseren persönlichen ökologischen Fußabdruck nicht so weit senken, dass wir nur eine Erde verbrauchen. Dazu muss die Politik eben auch handeln. Das heißt, wir müssen gleichzeitig unseren ökologischen Handabdruck, so wird es da genannt, erhöhen, dass wir auch politisch aktiv werden. Und das ist eben genau das, was Kathrin Hartmann meinte, dass wir auf die Straße gehen, dass wir laut werden, dass wir für globale Gerechtigkeit eintreten und die Politik so von unten bewegen, dass sie handeln. Und da kann tatsächlich nur die Politik dann etwas tun.

Aber wir können eben auch schon einen Großteil selbst machen. Soweit erstmal genug echauffiert. Ich hoffe, die Botschaft ist angekommen und du kannst sie in die Welt hinaustragen und dich uns anschließen, den noch radikaleren Veganer·innen als den schon radikalen Vegetarier·innen. Ja, also das war jetzt unsere 200. Folge und wir nehmen natürlich Geburtstagsgeschenke an, also…

Carsten Auch gerne mit Schleifchen!

Stefanie Mit Schleifchen, virtuellem Schleifchen. Also du machst uns die größte Freude damit, wenn du uns finanziell unterstützt über Steady oder über PayPal. Und du findest den Link mit allen Informationen hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und natürlich kannst du uns auch schreiben und wir freuen uns, wenn du uns weiterempfiehlst oder wenn du in den Clan kommst und uns da feierst oder was auch immer dir so einfällt. Das freut uns natürlich sehr. Und ja, 200 Folgen, Carsten.

Carsten Ja, Wahnsinn.

Stefanie Wir haben‘s geschafft.

Carsten Wir haben‘s geschafft.

Stefanie Jetzt können wir abtreten.

Carsten Nee, nee. Also die 200. haben wir jetzt geschafft. Genau.

Stefanie Genau. Ja, 200 Folgen. Ja, danke, dass du uns auf diesem Weg bisher begleitet hast. Und wir freuen uns natürlich darüber, wenn du uns auch weiterhin begleitest.

Carsten Ja, und in diesem Sinne bleibt mir nichts anderes zu sagen als: Packen wir‘s an.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüs.

Carsten Und auf Wiederhören.

"Grüner wird's nicht" von Kathrin Hartmann

Ein Beitrag

Folge 199 - Grüner wirds nicht von Kathrin Hartmann

Kathrin Hartmann spricht mir mit ihrem neuen Buch "Grüner wird's nicht" aus der Seele.

Mit kleinen Schritten mal hier mal da kommen wir nicht weiter, wir müssen die Systemfrage stellen. Dabei geht es hier nicht darum Klimaschutz gegen Arbeitsplätze auszuspielen und nachhaltigen Konsum nur für Besserverdienende zu ermöglichen, sondern ein System zu schaffen, in dem es ein gutes Leben für alle gibt: global betrachtet.

Denn wir im globalen Norden leben schon lange auf Kosten der Menschen im globalen Süden. Dank unserer Privilegien haben wir uns in den letzten 30 Jahren ein derart bequemes Leben aufgebaut, dass wir es nun nicht mehr darauf verzichten wollen.

Und dieses bequeme Leben gibt es dann auch nicht für alle Menschen im globalen Norden, sondern auch dort klafft eine immer größer werdende Lücke zwischen Arm und Reich.

Kathrin Hartmann schreibt:

"Die Gewalt, die dem Klimawandel eingeschrieben ist, war nie nur ein Verbrechen gegen die Natur, sondern immer auch gegen Menschen. Daher ist es wichtig, den Klimaschutz nicht isoliert zu betrachten, nicht als >Generationenfrage: Auslöschung der Menschheit< sondern als Frage der globalen Gerechtigkeit heute hier und jetzt. Dafür müssen wir die soziale Machtfragen miteinander verbinden."

Links zur Folge

"Grüner wirds nicht" von Kathrin Hartmann
z.B. bei buch7.de kaufen

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Vollständiges Transkript

Stefanie Auch in dieser Folge wollen wir ein Buch vorstellen. Ich bin durch Zufall daran geraten, als ich in der Onleihe herumgescrollt habe, sozusagen. Ich weiß gar nicht mehr, wonach ich gesucht habe. Aber jedenfalls habe ich da das neue Buch von Kathrin Hartmann gefunden. „Grüner wird's nicht. Warum wir mit der ökologischen Krise völlig falsch umgehen.“ Und ich dachte, das muss ich jetzt mal lesen und habe das dann an einem Tag sofort in einem Rutsch durchgelesen. Und dann habe ich zu Carsten gesagt, er muss das jetzt auch lesen. Und dann hat Carsten das an einem Tag in einem Rutsch sofort durchgelesen.

Carsten Am nächsten Tag.

Stefanie Am nächsten Tag? Genau. Weil, als ich es durchgelesen hatte, war es Abend und da habe ich Carsten nicht dazu nötigen wollte, dann

Carsten die Nachtschicht einzulegen,

Stefanie damit wir am nächsten Tag sofort frisch, ganz frisch auch, vor allem wenn Carsten die Nacht durchgelesen hat, dann die Folge aufnehmen können, durfte Carsten bis zum nächsten Tag warten und hat da dann bis zum Abend das Buch durchgelesen und hat sich dann geweigert, mit mir die Podcastfolge aufzunehmen. Ich habe gesagt komm, wir sind jetzt so frisch drin, los, lass es uns tun jetzt. Und dann hat Carsten gesagt: Nee, ich gehe jetzt erstmal ins Bett. Und jetzt ist also wieder eine Nacht vergangen, seit das Buch komplett durchgelesen wurde und nun sind wir einigermaßen frisch hier zusammen gekommen und wollen jetzt über das Buch reden.

Wir haben gestern schon so ein bisschen angefangen, weil wir unterschiedliche Eindrücke von dem Buch gewonnen haben und ich hatte, während ich das Buch gelesen habe, Carsten gesagt, wie ich mich gerade fühle dabei, was das Buch in mir auslöst und wollte von ihm vor allem wissen, ob er das auch so sieht. Denn ich hatte, während ich das Buch gelesen habe, gleich so ein Gefühl, dass alles total schrecklich ist. Die Menschen sind alle blöd, die Menschheit ist furchtbar und eigentlich sollten wir es machen wie die Ärzte die singen: „Los komm, wir sterben endlich aus.“ weil es ja doch.

Carsten Die Band.

Stefanie Ja, genau die Band. Für mich ist das klar.

Carsten Ja, in der Krise sind im Moment andere Ärzte in den Medien.

Stefanie Jedenfalls wie die Band Die Ärzte. Die beste Band der Welt. Ähm. Carsten guckt schon wieder komisch. Das kann man ja hier Gott sei Dank nicht sehen, dass Carsten komisch guckt. Also jedenfalls. „Los, komm, sterben endlich aus!“ Dieses Gefühl hatte ich, dass es eigentlich überhaupt keine Lösung gibt für das Problem und dass ein Gesamt-Exitus der kompletten Menschheit die Lösung für diesen Planeten wäre. Und es hat mich sehr depressiv gestimmt. Und Carsten hat gesagt: Lies doch mal weiter, vielleicht gibt es ein Happy End. Lies bis zum Happy End und dann habe ich bis zum Ende durchgelesen. Und ja, ich für mich war das jetzt kein richtiges Happy End. Kathrin Hartmann bietet da zwar so ganz zaghafte Lösungsansätze aus meiner Sicht. Carsten wird gleich auch noch was dazu sagen, aber so ein richtiges Happy End war das jetzt nicht.

Und was noch dazu kam, war, dass ich mich zwischendurch immer angegriffen gefühlt habe. Sie schreibt über Menschen, die versuchen plastikfrei zu leben und die versuchen irgendwie im Unverpacktladen einzukaufen und solche Sachen und dass der Einzelne oder die Einzelne eigentlich nichts bewirken kann. Und dass das mit dem Kassenbon abstimmen nichts bringt und dass das sowieso alles ein Irrglaube ist. Und ich habe die ganze Zeit gedacht aber, aber, aber, aber, aber ich mach doch schon so viel und ich bin mir ziemlich sicher, dass das was bringt. Und natürlich muss die Politik handeln. Aber auch wir können ja schon was tun, denn wir können ja unseren eigenen ökologischen Fußabdruck schon senken, indem wir einiges ändern. Und das war auch ein Punkt, über den ich mit Carsten gesprochen hatte und ihn auch gebeten hatte, das wirklich klar zu lesen. Ob das nur in meinem Kopf so ist, dass ich mich angegriffen fühle? Ob das was mit mir persönlich zu tun hat oder ob Kathrin Hartmann tatsächlich dieser Meinung ist.

Und deswegen ist Carsten quasi mit einem klaren Auftrag ins Lesen des Buches gestartet. Also dass er für mich rausfinden sollte, ob das nur alles meiner Vorstellung entspringt oder ob das tatsächlich alles so im Buch steht. Denn du kennst das vielleicht auch, dass du die Welt anders wahrnimmst als andere manchmal. Also dass es ganz viel mit dir selbst zu tun hat, wie du die Welt wahrnimmst. Und deswegen lasse ich jetzt mal Carsten zu Wort kommen. Carsten, wie hast du das Buch empfunden?

Carsten Ich habe es ganz anders empfunden. Ich habe mich nicht angegriffen gefühlt, um es mal so zu formulieren. Ich merke schon, dass Kathrin Hartmann immer mal wieder Spitzen ablässt auf bestimmte Personengruppen und das, was aus meiner Sicht dazu geführt hat, dass du dich angegriffen gefühlt hast, waren Äußerungen, die von Kathrin Hartmann in Richtung dieser LOHAS geht, also diesem Lebensstil, Lifestyle, wo gut betuchte Mittelständler·innen ihr ökologisches und ethisches Gewissen durch entsprechende Konsumhandlungen beschwichtigen wollen oder so. Ja, dass sie da natürlich jetzt, ich sag jetzt mal so, so Trendthemen wie plastikfrei und unverpackt aufgreift, liegt einfach daran, dass das so Punkte sind, wo sie sagt okay, die Leute machen das.

Aber sie scheint das wirklich eher so zu forcieren, um zu sagen, dass das einfach mehr eine Gewissensberuhigung, anstatt dass da tatsächlich irgendwie Substanz dahinter sitzt. Weil das schreibt sie ja auch, dass gerade die Personen ja, weil sie gut verdienen, ihr gut verdientes Geld in den Branchen und in Unternehmen verdienen, die im Hintergrund eigentlich genau die Zerstörung dieser Welt dann mit zu verantworten haben. Also im Grunde genommen so diese Doppelmoral. Auf der einen Seite versuche ich durch mein Konsumverhalten irgendwo ethisch und ökologisch in einem Bereich zu sein, den man als okay empfindet. Oder vielleicht auch zu denken ich mache schon das, was man machen kann, aber gleichzeitig beruflich seine Arbeitskraft dort investiert, ja, wo eigentlich genau dieser Schindluder getrieben wird, den Kathrin Hartmann da anprangert.

Inhaltlich muss ich sagen, fand ich das Buch wenig überraschend. Also es hat mir jetzt einige neue Details gegeben, aber nicht so diesen großen Durchbruch. Das war jetzt nicht so wie bei Harald Welzer. Harald Welzer hat mir immer noch neue Perspektiven mit mit reingegeben, die ich vorher noch nicht so gesehen hatte oder die mir unbekannt waren. Ich empfinde dieses Buch eher als Statement von vielen Informationen, die zumindest ich persönlich vorher schon mal aus anderen Quellen irgendwie konsumiert hatte. Und dementsprechend ist das jetzt ein Buch, was für mich eher so als Statement nach außen, als Aufschrei oder als Empörung gesehen werden kann.

Sie nimmt einfach einen Standpunkt ein, der in einer Deutlichkeit formuliert ist, wie ich es noch nicht in ihren vorherigen Büchern so wahrgenommen habe. Das ist das Gute an diesem Buch. Aber wer z.B. Niko Paech, Harald Welzer etc., die Leute, die sich jetzt mit Veränderungen in der Welt schon irgendwo auseinandersetzen, schon gelesen hat, der wird da in diesem Buch relativ wenig Neues finden.

Stefanie Okay, also dir hat es nicht so gefallen.

Carsten Doch mir hat es gefallen. Ich finde, das, was Kathrin Hartmann generell schreibt, wirklich hervorragend und bin da an der Stelle auch ein Fan von ihr. Wir wären ja auch ohne Kathrin Hartmann wahrscheinlich in unserer persönlichen Entwicklung gar nicht so weit gekommen, weil sie ja auch viele aufrüttelnde Themen schon in ihren Büchern beschrieben hat, die bei uns nachdrücklichen Eindruck hinterlassen haben. Nur dieses Buch ist anders.

Also wenn ich mir jetzt überlege, „Aus kontrolliertem Raubbau“, dieses Buch, was wir ja schon am Anfang mal unserer Veränderungslaufbahn, unserer Forschung durchgelesen haben, das war wirklich so, das war ein Schlag vor den Kopf. Das war für mich ein richtiger Erkenntnisgewinn. So: Ach du Scheiße, was geht hier eigentlich ab? Das war für mich so einer von diesen Momenten, wo sich mehrere Türen geöffnet haben und ich hinter die Kulissen gucken konnte, musste, sollte, durfte wie auch immer. Und habe mit Erschrecken festgestellt, dass das nicht alles so schön ist, wie man sich das so im Leben vorstellt.

So, und dieses Buch ist vom Schriftstil, vom Erzählerischen her eigentlich genauso wie die Vorgängerbücher auch. Also sehr anekdotenhaft. Sie schildert aus persönlichen Erlebnissen. Sie ist ja auch häufig in Situationen zugegen oder vor Ort und und schreibt das dann auch so, das ist ganz nett zu lesen. Aber wie gesagt, so dieser Erkenntnisgewinn, dass da jetzt wirklich was bahnbrechend Neues mit reinkommt, das war jetzt hier so nicht der Fall.

Stefanie Also für mich war es jetzt so, dass es mir auch so ein bisschen aus der Seele gesprochen hat. Was jetzt so diese Direktheit angeht, dass wir nicht irgendwie mit so kleinen Dingen „okay, ich verzichte jetzt auf Einweg Coffee to go Becher und damit rette ich jetzt gerade mal die Welt, obwohl ich sonst nichts ändere.“ Dass wir damit nichts erreichen können. Dass sie das noch mal ganz klar auch gesagt hat. Das finde ich gut, dass sie wirklich darauf auch hinweist, weil das auch was für mich ist, was ich jetzt in letzter Zeit immer und immer wieder erfahre, dass die Menschen nur auf diese ganzen Kleinigkeiten gucken.

Dass es ihnen wichtig ist: Wie stelle ich jetzt die Zahnpasta her? Das ist wichtiger, als auf das große Ganze zu gucken und zu schauen okay, womit kann ich denn am meisten bewirken? Und das ist, wie gesagt, beim ökologischen Fußabdruck, dem persönlichen, individuellen die Ernährung. Und in dem Fall kannst du mit einer veganen Ernährung am meisten bewirken und nicht, indem du deine Zahnpasta selber machst. Die Zahnpasta selber zu machen oder generell unverpackt zu leben, auf Müll zu verzichten, Richtung Zero Waste, Minimalismus usw zu gehen sollte ein Teil sein, also ein Bestandteil des Ganzen. Und es sollte da nicht aufhören, wir sollten uns nicht in diesen Details verlieren, sondern in der großen Adlerperspektive quasi, also im Makro anfangen und uns dann in den Mikrokosmos quasi weiterarbeiten. Und das hat sie sehr direkt da auch geschrieben.

Und was für mich aber noch mal eine neue Perspektive aufgemacht hat, ist dieses, dass der Klimaschutz immer gegen Soziales ausgespielt wird. Soziales, in diesem Sinne von Arbeitsplätzen, dass immer wieder gesagt wird: okay, wenn wir jetzt auf die Kohle verzichten, dann wird es vielleicht fürs Klima gut sein, aber viele Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze. Oder wenn jetzt keine Autos mehr gebaut werden, dann verlieren viele Menschen ihre Arbeitsplätze. Und da zeigt sie auch noch mal ganz klar, dass das auf Rechnungen basiert, die überhaupt nicht stimmen.

Carsten Ja, das finde ich gut. Das ist tatsächlich einer von diesen Aspekten im Buch, die mir sehr gut gefallen hat, weil sie genau darlegt, was für Gespenster werden da von der Politik und von der Wirtschaft eigentlich ins Leben gerufen. Dieser Verzicht oder dieses „da gehen Arbeitsplätze verloren“, dann denkt man ja immer gut, Deutschland ist eine Autonation, das müssen ja horrend viele Stellen sein. Und die Zahlen, die von der Politik und der Wirtschaft präsentiert werden, sind auch horrend hoch. Aber da wird Gott und die Welt eingerechnet da. Also das, was sie dort klarstellt, was ich sehr erschütternd, aber auch lustig fand.

Lustig in der Hinsicht, dass es wirklich schon ja so eine Karikatur von echten Zahlen darstellt, dass wenn die Autoindustrie hochrechnet, wie viele Arbeitsplätze hängen jetzt eigentlich von der Autoindustrie ab, dann werden da auch Busfahrer und Taxifahrer und solche Personen mit eingerechnet, wo man denkt okay, also ja, das ist nicht die direkte Branche, wo man eigentlich denkt, okay, das sind die Autohersteller und die Zulieferer und dann vielleicht noch so ein bisschen Geklüngel drumherum, sondern die rechnen wirklich alles rein, was irgendwie vier Räder hat und bedienen werden muss. Und die Leute, die dann da diese Fahrzeuge bedienen, die werden dann in diese Rechnung mit eingerechnet. Und dann habe ich auf einmal exorbitant hohe Angestelltenzahlen.

Stefanie Es hieß, jeder siebte Arbeitsplatz (sagte Angela Merkel 2014) hängt davon ab. Dabei ist es eigentlich jeder 55. wenn wir nur auf die Autoindustrie und ihre Zulieferer schauen. Jeder 35., wenn auch die Reparaturwerkstätten dazu gerechnet werden. Es sind einfach viel, viel weniger Menschen, die davon abhängen. Und ich merke an diesem Buch auch, dass auch Kathrin Hartmann genervt ist von dieser ewigen Diskussion. Und sie ist besonders davon genervt, dass dieses Soziale, also dass die große Lücke, die zwischen Arm und Reich auch in Deutschland klafft, dass das gegeneinander ausgespielt wird.

Sie erzählt auch, dass sie bei einer Lesereise von einem ihrer Bücher, immer wieder Stimmen aufkamen, die gesagt haben „Aber die Hartz IV Empfänger, die kaufen ja bei Kik und die kaufen ja nur billig Sachen und die sind doch dann schuld, die müssen doch was machen.“ Und da war einmal ein Hartz IV Empfänger dabei, bei dieser Leserunde und der hat dann gesagt, er würde ja gerne, aber er sein Geld reicht nicht, um woanders sein zu kaufen. Und das ist es ja gerade. Es geht überhaupt gar nicht darum, die Schuld jetzt wieder an irgendwelche Gruppen abzuwälzen, sondern das System zu ändern. Das sagt sie ja auch ganz klar. Und das war ja schon immer ihre These, dass das System schlecht ist und es nicht darum geht, jetzt irgendwie an diesem System herumzudoktern und dann wie gesagt unverpackt einzukaufen, aber trotzdem weiter als Aktionär irgendwo zu arbeiten und ein Unternehmen voranzubringen, das der Welt schadet. Also so ein „Ich bin Privatperson, da mache ich das und so“, sondern grundlegende Veränderungen zu schaffen, ein neues System zu schaffen, in dem nicht arm gegen Reich ausgespielt wird und auch nicht Nachhaltigkeit gegen Arbeitsplätze.

Carsten Ja, und das ist das, was mir an diesem Buch besonders gut gefällt. Also das ist wirklich der vordringliche Aspekt, dass sie hier die Systemfrage anspricht, dass sie auch ganz klar darstellt: Leute, wenn wir die Klimakrise so weit wie möglich abwenden wollen, geht das nur, wenn wir auch den Kapitalismus hinterfragen. Solange wir in diesem System agieren - und das ist ja genau das, was sie mit diesem Konsumverhalten meint. Also ich kann mich natürlich ethisch und ökologisch im Konsum verhalten. Aber ich befinde mich in diesem System und das System ist zerstörerisch und ich muss quasi im System erkennen, dass ich da raus muss, um Alternativen zu schaffen. Und die führt sie jetzt nicht so episch ausführlich an, aber da gibt es ja auch andere Literatur.

Es ist, glaube ich, auch nicht Ihr Auftrag, das jetzt in diesem Buch so weit anzuführen. Aber sie rüttelt an der Stelle schon wach und sagt: Es kann nicht angehen, dass wir weiter auf eine imperiale Lebensweise setzen, die uns vielleicht ermöglicht, wenn wir gut verdienen, diesen ethischen und ökologischen Konsum zu frönen und uns keine weiteren Gedanken zu machen. Diese Gewissensbetäubung, die damit einhergeht. Und gleichzeitig verursachen wir aber Ausbeutung bei Mensch und Natur auch in anderen Ländern. Also dieses Leben auf Kosten anderer. Und das war etwas, das fand ich ganz interessant, dass sie tatsächlich dann auch von dieser imperialen Lebensweise geschrieben hat und dann auch auf Ulrich Brand verweist. Das sind so Aspekte, wo sie jetzt anfängt, Themen zusammen zu weben, die auch zusammengehören.

Wo ich aber im Vorfeld, also jetzt rede ich jetzt von mir persönlich, auf anderen Wegen schon die Information bekommen habe und das ist, was ich vorhin meinte. Für mich persönlich hat es jetzt wenig Neues gebracht. Es war diese Erkenntnis selber, die hatte ich im Vorfeld schon mir selbst erarbeitet. Finde ich aber gut und wichtig, dass Kathrin Hartmann das tatsächlich hier in Buchform noch mal zusammenfasst und dann klar und deutlich benennt.

Stefanie Was ist denn für dich jetzt die Lösung, die sie nennt? Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, während ich das Buch gelesen habe. Okay, was kann da jetzt für eine tolle Lösung kommen? Ich habe ja schon viele Bücher von ihr gelesen und auch ähnliche Bücher. Es geht mir ja so wie dir, nur dass du mehr in Richtung Marxismus gelesen hast als ich. Und ich habe gedacht okay, jetzt, welche Lösung nennt sie denn, wenn das nicht okay ist, dass ich jetzt hier individuell etwas ändere, was ist es denn dann? Und für mich war das dann eher so nicht so ganz klar am Ende: was ist jetzt die Lösung? Was hast du denn daraus gelesen?

Carsten Es geht hier nicht um Marxismus. Auch wenn ich vorhin mal diese Systemfrage angesprochen habe. Für das, was Kathrin Hartmann dort beschreibt, geht es in den Bereich Stärkung der Demokratie unsere demokratischen Rechte. Sie beschreibt auch, dass beim Kapitalismus wichtig ist zu verstehen, dass es sich nicht um ein reines Wirtschaftssystem handelt, sondern um ein Herrschaftssystem. Wenn man das erkennt, dann kann man auch basisdemokratisch dementsprechend darangehen, das Problem zu lösen und auch diese Systemfrage zu stellen. Die muss ja nicht zwangsläufig in den Sozialismus oder Marxismus führen. Es gibt da noch ganz, ganz, ganz viele andere Alternativen. Und darin, meine ich auch erkannt zu haben, sieht Kathrin Hartmann ihren Lösungsansatz.

Das, was jetzt tatsächlich passiert oder vor der Krise noch stärker passiert ist: Fridays for Future. Ende Gelände, Hambacher Forst. Dass basisdemokratische Strukturen entstehen, die politischen Druck ausüben und sich durchaus ergänzen oder je nach Fragestellung oder Problemstellung auch zusammenschließen. Da sind ja unterschiedliche Akteure, die dann auch bei den „Wir haben es satt!“ Demonstrationen dabei waren. Und diese Strukturen gilt es aufzubauen und zu stärken, um in der Politik Gehör zu finden, um Druck zu machen, um da wirklich eine Bewegung reinzubringen oder bzw ja eigentlich was komplett neues aufzubauen.

Also ich habe schon herausgelesen, dass sie wenig von der jetzigen politischen Riege hält. Also da steckt sie wenig bis gar kein Vertrauen hinter, weil sie einfach weiß, dass die Politik auf das reagiert, was aus der Wirtschaft irgendwo mehr oder weniger diktiert wird. Lobbyismus spielt dort eine Rolle. Die Politik selber ist einfach zu schwach und auch vom Verständnishorizont einfach nicht in der Lage, das Problem wirklich so an den Wurzeln anzugehen, wie es eigentlich angegangen werden müsste, um es wirklich zu lösen, sondern ergeht sich quasi in irgendwelchen Scheinthemen wie dieser Green New Deal oder grünes Wachstum etc. und und versucht dort irgendwie.

Stefanie Oder dem Klimapaket...

Carsten Oder dem Klimapaket, was dann ja so das Maximale ist, was machbar ist, aber trotzdem irgendwie absolut lächerlich ist, im Gegensatz zu dem, was gemacht werden müsste. Also will sagen, Kathrin Hartmann sieht den richtigen Weg darin, dass wir auf die Straße gehen, dass wir uns zusammentun, dass wir politischen Druck ausüben, also auf die Straße gehen, auch im übertragenen Sinne. Es geht jetzt nicht ausschließlich darum, wirklich physisch auf die Straße zu gehen, sondern eigentlich die Bürger·innen, die eine Veränderung als notwendig erachten, zusammenzubringen und dann politischen Druck auszuüben.

Stefanie Ein besonderer Lösungsansatz, den Kathrin Hartmann am Ende beschreibt, ist eine Gruppe von Gewerkschafter·innen, die sich für den Klimaschutz einsetzen, die also das verbinden, das Soziale, die Arbeitsplätze und den Klimaschutz. Und dass es da tatsächlich Menschen gibt, die in der Stahlindustrie arbeiten, die für den Klimaschutz sind und beides verbinden wollen, indem sie sagen okay, wir wollen raus aus der Kohle, aber wir wollen auch Arbeitsplätze erhalten und das dann zum Beispiel durch Umschulung, also in andere Bereiche, was erneuerbare Energien zum Beispiel sein können und dass das möglich ist. Und dass es Menschen gibt, die dafür streiten, dass die Gruppe vielleicht noch nicht riesig ist, aber dass sie schon bekannt ist und deutschlandweit agiert. Und das ist für sie so ein Leuchtturm der Beispiele sozusagen, dem wir folgen sollten. Und ich denke einfach: Ja, es ist total wichtig, dass wir für das, für das wir stehen, auf die Straße gehen, dass wir uns dafür stark machen usw. Ich finde es aber genauso wichtig, dass wir auch gucken, was wir individuell machen können. Und letztlich sind das ja auch immer Individuen, Einzelpersonen, die so was anfangen. Das können auch kleine Gruppen sein, die werden dann zu größeren Gruppen. Aber letztlich ist es immer ein Kern aus ein bis keine Ahnung vier, fünf Leuten, die sich da zusammenschließen und etwas Großes bewirken.

Carsten Ja, und das ist auch tatsächlich etwas, was Kathrin Hartmann nicht so ausführt. Ich weiß auch nicht, ob sie so empfindet, aber mir fehlt da so der Aspekt des Individuums, also die Möglichkeit, als Individuum wirklich an dieses Thema heranzugehen. Das, was ich mit den LOHAS und ihrer Kritik meinte, ist berechtigt. Es gibt natürlich auch viele Menschen, die sich genauso verhalten, aber die wahrscheinlich überhaupt nicht dieser Gruppe, dieser lifestyleorientierten LOHAS angehören und ganz andere Beweggründe haben, warum sie unverpackt einkaufen, warum sie plastikfrei leben etc.. So, und ich bin davon überzeugt, dass ist wichtig, dass wir auf individueller Ebene tatsächlich Änderungen in unserem Lebensstil durchführen. Auf der einen Seite, weil ich schon glaube, dass das einen großen Effekt hat, auch wenn ich damit das System an sich nicht verändern kann, weil ich mich weiterhin im System befinde. Befinden muss. Aber ich muss irgendwo auch eine politische Bereitschaft schaffen.

Anders gesagt: Wenn ich persönlich nicht bereit wäre, Veränderungen in meinem Leben zu akzeptieren, dann wird es auch keine politische Mehrheit geben, die genau das umsetzt. Irgendwo muss die Politik ja ihre Impulse herbekommen. Und das kriegt sie entweder aus der Wirtschaft oder von der Bevölkerung. Und wenn die Bevölkerung weiter stoisch auf dem beharrt, was sie im Grunde genommen jetzt schon aufgebaut hat und auch nicht bereit ist, davon irgendwie Abstand zu nehmen, dann wird sich da an der Stelle auch nichts tun. Dann wird die Politik da jetzt auch nicht handeln. Aber wenn ich immer mehr Menschen davon überzeugen kann oder dahin bringe, auch Veränderungen in ihrem Lebensstil einzunehmen, mehr im Bereich nachhaltig, mehr im Bereich ethisch, auch wenn das an Grenzen stößt, weil ich mich immer in diesem System bewege. Aber erst dadurch habe ich dann die Möglichkeit, überhaupt eine Mehrheit zu finden, die politischen Druck aufbauen kann.

Stefanie Das ist ja jetzt eigentlich massiv auch mit Fridays for Future passiert und das beschreibt sie auch so, also das unterstützt sie auch und findet das gut. Und eigentlich sollte es noch mehr in diese Richtung gehen, dass wir als Bürger·innen auf die Straße gehen, sowohl virtuell als auch wirklich und für unsere Rechte eintreten. Und einen Aspekt haben wir jetzt noch nicht genannt, der im Buch noch eine Rolle spielt. Das ist auf jeden Fall Ökofaschismus. „Das Schreckgespenst Ökodiktatur“ nennt sie das.

Carsten Der Begriff der Ökodiktatur oder dieser Vorwurf wird ja immer dann geäußert, wenn man anfängt, über Verbesserungen oder Veränderungen nachzudenken. Und das ist ja eigentlich ein Totschlagargument, was impliziert, dass auf einmal von der Politik diktatorisch Befehle geäußert werden, die ausschließlich auf ökologische Ziele hindeuten, also dass Vorschriften erlassen werden. Und damit wird eigentlich eine Angst geschürt. Aber de facto gibt es ja gar keine Ökodiktatur.

Stefanie Es ist dieses „Nimm mir meine Privilegien nicht weg.“

Carsten Genau.

Stefanie Also du darfst mir nicht verbieten, mein Fleisch zu essen. Auf der Autobahn so schnell zu fahren wie ich will. Ein dickes Auto zu fahren oder keine Ahnung was, zu fliegen. Also solche Sachen. Das ist ja etwas, was dahinter steckt. Diese Empörung, dass mir da was verboten wird.

Carsten Wobei ja noch nie irgendwas verboten wurde. Es ist ja jetzt nicht so, dass wir tatsächlich irgendwie mal eine Diktatur hatten, im Laufe der letzten Jahre, weder im Ökobereich noch generell. Also von daher ist das irgendwie schon sehr obskur, dass da jetzt genau so ein Schreckgespenst gemalt wird.

Stefanie Ja, aber das ist sofort diese Handlung, dass du sagst okay, nee, ich will nicht, dass mir meine Privilegien genommen werden. Obwohl das natürlich nicht als Privilegien gesehen wird, sondern als Menschenrecht, dass ich fliegen kann usw und so fort. Und dann gleich zu sagen: okay, ich will auf nichts verzichten und deswegen ist das, was du sagst Ökodiktatur.

Carsten Ja genau. Das ist, wie gesagt, ein Totschlagargument. Wenn du das ausrufst, dann beendest du quasi jegliche konstruktive Debatte.

Stefanie Und das andere ist die Gefahr des Ökofaschismus. Das fand ich noch ganz wichtig, dass sie das nennt. Sie hatte da als Untertitel geschrieben: „Wie die Rechten den Klimaschutz als Abschottungsargument etablieren.“ Das fand ich auch noch super, dass es viel auch darum geht, dass gesagt wird, dass es zu viele Menschen gibt auf der Welt. Und wenn es weniger gäbe, dann wäre das gut fürs Klima. Und weniger heißt, dass alle die, die eine gewisse Hautfarbe nicht haben, also die nicht weiß sind, davon kann es ruhig weniger geben. Und das mit diesem Argument „zu viel Bevölkerung ist schlecht fürs Klima, schlecht für den Planeten“ auch die Grenzen zugemacht werden. Also dass kein Platz ist für die Klimaflüchtenden bei uns in Europa und dass deswegen das abgeschottet werden muss.

Carsten Genau das Argument finde ich perfide und ich kann da immer nur noch den Kopf schütteln, weil es ja auch nicht nur zynisch ist, sondern auch eigentlich sich selbst widerspricht. Aber das, was sie dort ausgeführt hatte, war ja so das Argument: Ein in Deutschland lebender Bürger hat einen - ich sag jetzt mal - zehnfach höheren ökologischen Fußabdruck als ein afrikanischstämmige Bürger. Und wenn die jetzt hierhin migrieren, hat er auf einmal auch zehnmal mehr und das würde die Kapazitäten der Erde dann irgendwann sprengen.

Kathrin Hartmann hat da ein bisschen entgegnet, was ich sehr gut finde, dass sie gesagt hat: Naja, nur weil er die Grenze überschreitet, hat er ja nicht von jetzt auf gleich auf einmal einen zehnfach höheren Fußabdruck, sondern unser zehnfach höherer Fußabdruck kommt daher, dass wir SUVs fahren, dreimal im Jahr in Urlaub fliegen, also all diese Privilegien genießen. Die hat ein Migrant erst mal gar nicht. Der hat ja erstmal ganz andere Sorgen. Der will erst mal sein Leben absichern und erst mal so die grundsozialen Annehmlichkeiten für sich. Der will einfach nur leben.

Stefanie Ja, und letztlich können wir ja auch nur einen so großen Fußabdruck haben, auf Kosten derer, die jetzt zu uns fliehen.

Carsten Genau. Anstatt daran zu drehen, dass unser zehnfach höherer Fußabdruck geringer wird, finde ich es wirklich perfide zu sagen: Nee, wir lassen weniger Leute rein und versuchen auf der Basis dann den gesamten ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten.

Stefanie Also deswegen ist das auch definitiv ein sehr lesenswertes Kapitel. Das ganze Buch finde ich jetzt wiederum lesenswert. Ich finde das auch sehr gefährlich, auf sowas zu hören und so zu argumentieren. Also da müssen wir wirklich vorsichtig sein. Insgesamt hat mir das Buch sehr aus der Seele gesprochen und es gab noch ein paar Aspekte, die für mich in dieser Deutlichkeit noch mal neu waren. Und es gab so ein paar Puzzleteilchen, die jetzt zusammengekommen sind, durch die mein Gesamtbild noch mal so ein bisschen verfeinert wurde. So dass ich auf jeden Fall das Gefühl hatte, okay, ja, es geht anderen auch so wie mir, dass sie quasi angepisst sind von der Art, wie die meisten Menschen im globalen Norden reagieren. Und dass wir etwas tun müssen, ist eigentlich allen klar. Eigentlich. Aber irgendwie dann auch wieder nicht. Und deswegen von mir auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung, wenn du die Möglichkeit hast, an das Buch zu kommen. Also bei uns gibt es das in der Onleihe zum Beispiel und dann natürlich auch in der Bücherhalle. Dann schnapp dir das Buch und lies es einmal durch. Wie gesagt, Carsten und ich haben das innerhalb weniger Stunden geschafft, an einem Tag durchzulesen. Es ist nicht so dick. Wobei man das beim eBook immer nicht so sagen kann. Ich habe da im Moment noch kein Gefühl dafür entwickelt, wie dick Bücher sind, wenn ich die als eBook lese. Also von daher von mir eine Leseempfehlung. Was sagst du?

Carsten Ja, von mir eine bedingte Leseempfehlung. Also ich stimme dir zu, es gibt viele Puzzleteile, die interessant sind. Gepaart durch diesen anekdotenhaften Erzählstil ist es wirklich sehr schnell und flüssig zu lesen. Es macht Spaß zu lesen. Es ist jetzt nicht so das, wo ich wirklich lange dran rumkauen muss, weil einfach nur Fakten auf den Tisch gehauen werden, sondern das liest sich schon sehr süffisant. Das ist etwas, ich sag jetzt mal, wenn man die anderen Bücher gut gefunden hat, dann ist das ja auf alle Fälle ein guter Griff. Was mir so ein bisschen gefehlt hat, war tatsächlich so dieses große Neue. Vielleicht gibt es das auch gar nicht.

Stefanie Ich wollte gerade sagen: Vielleicht gibt es das einfach nicht. Wir wissen einfach, was Sache ist und wir müssen jetzt einfach mal machen und vielleicht gibt es das wirklich nicht. Und wir können noch so viele Bücher lesen, wie wir wollen, und es wird sich nichts daran ändern, dass wir schon wissen, was wir tun müssen.

Carsten Das kann durchaus sein, ja. Wobei dadurch, dass ich es jetzt ja geäußert habe, hörst du schon, ich habe stillschweigend immer noch so diese Hoffnung, da wirklich auf grundlegende neue Aspekte zu stoßen. Das blieb hier aus, weil wie gesagt, durch andere Bücher, durch andere Informationsquellen für mich eigentlich ein Großteil des Wissens im Vorfeld schon irgendwo mal greifbar war. Vielleicht nicht so im Detail. Was noch hinzugekommen ist, war das, was wir gerade zum Schluss noch genannt hatten. Diese Ökodiktatur und Ökofaschismus.

Stefanie Also vor allem Ökofaschismus. Ökodiktatur war mir schon klar, aber Faschismus? Dass das also da wirklich von rechter Seite gefährlich werden kann.

Carsten Da hatte ich bisher noch nicht so wirklich hingeschaut und mich auch noch nicht informiert. Das ist tatsächlich jetzt im Rahmen dieses Buches das erste Mal gewesen und das war wirklich ein neuer Aspekt, der, ich weiß nicht, ob er mich besorgt? Also irgendwie glaube ich, dass ich die Rechten auch so ein bisschen unterschätze. Also ich merke schon, dass es eine Erstarkung gibt, aber das sind für mich alle irgendwie noch spinnerte Randfiguren, wo ich mich immer kopfschüttelnd frage: Warum finden die noch so viel Gehör? Irgendwo scheint da ein Verstandesverlust in der Gesamtbevölkerung zu geben, dass den Leuten so viel Raum eingeräumt wird. Aber ich denke, das ist auf alle Fälle schon sehr wichtig, tatsächlich mal zu lesen und im Hinterkopf zu behalten.

Stefanie Und klar Stellung zu beziehen.

Carsten Klar Stellung zu beziehen. Ja, genau.

Stefanie Das ist ja schon immer das Wichtige gegen Rechts Stellung zu beziehen und hier auch ganz klar zu machen, dass es überhaupt gar nicht darum geht, die Grenzen dicht zu machen und Überbevölkerung als Grund zu nehmen für den Klimawandel, sondern ganz klar Stellung zu beziehen, dass es darum geht, ein gutes Leben für alle global auf dem Planeten zu finden und nicht nur für eine Handvoll Europäer.

Carsten Die alten weißen Männer, wie sie manchmal genannt werden.

Stefanie Und mit diesem Schlusswort kommen wir jetzt quasi auch zum Ende und ich möchte mich jetzt erst noch mal bedanken bei all unseren treuen Steady Unterstützern und Unterstützerinnen. Ganz, ganz herzlichen Dank, das ist total klasse, was ihr da jeden Monat leistet.

Carsten Danke, danke, danke.

Stefanie Und auch an alle, die über PayPal mir bis jetzt eine Einmalüberweisung haben zukommen lassen. Das ist auch wunderbar und unterstützt mich mit meinen monatlichen Ausgaben sehr. Und wenn du das auch machen möchtest und etwas zurückgeben möchtest, so wie alle Steady Unterstützer·innen und die PayPal EinmalZahler·innen, dann freue ich mich natürlich sehr, wenn du das machst. Das wäre sehr hilfreich und du findest den Link dazu, wie du das machen kannst hier unter der Folge oder in den Shownotes.

Carsten Und dann bleibt mir auch diesmal nichts anderes zu sagen als in diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und bis zum nächsten Mal.

Stefanie Bleib gesund.

Carsten Das natürlich auch.

Stefanie Okay, Gut. Also. Tschö. Jetzt fangen wir nicht wieder an zu singen. Heute nicht.

Carsten Heute nicht. Okay. Tschüss. Tschüss.

Folge 198 - Feuerfieber von Hilal Sezgin

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Folge 198 - Feuerfieber von Hilal Sezgin

Hilal Sezgin hat einen Tierrechtsroman geschrieben und Du kannst ihn als Dankeschön für ihre Crowdfundingkampagne als ebook oder in gedruckter Form erwerben.

Mit der Crowdfundingkampagne, die noch bis zum 30.06.2020 läuft, sammelt Hilal Sezgin Geld für ihre alten Schafe und Ziegen. Die Kosten für deren Unterhalt sind in den letzten Jahren exponenziell zum Alter der Tiere gestiegen und so braucht Hilal Sezgin nun unsere Unterstützung.

Ich hätte ihr auch ohne Gegenleistung Geld für ihre Schafe und Ziegen gegeben, aber die Gelegenheit diesen Tierrechtsroman zu erwerben, wollte ich mir nicht entgehen lassen und so habe ich unter anderem das Ebook zum Sofortlesen als Unterstützung gewählt.

Damit ich das Buch möglichst schnell rezensieren konnte, war ich zwei Tage quasi nicht ansprechbar und habe mich in den Roman zurückgezogen - eine Leseerlebnis, das ich nicht bereut habe und von dem ich in dieser Folge berichten möchte.

*Noch eine kleine Korrektur:*
Während der Folge sage ich, dass von den 15 Euro für das Ebook zum Sofortlesen 1 Euro für Hilals Extraaufwand uns das Ebook bereitzustellen abgeht. Das ist so nicht korrekt. Der eine Euro geht für die Gebühren an Startnext ab. Hilal berechnet ihren Extraaufwand nicht, sondern investiert das komplette Geld, das ihr abzüglich der Gebühren bleibt in die Versorgung der Schafe und Ziegen.

Links zur Folge

Crowdfundingkampagne von Hilal Sezgin (Hier bekommst Du das Buch "Feuerfieber" bis zum 30.06.2020)
https://www.startnext.com/weisse-schnuten

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Sinnvolle + nach­hal­tige Vorratshaltung

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Folge 197 - Sinnvolle und nachhaltige Vorratshaltung

Im Von Herzen Vegan Clan haben wir im März über das Thema "Vegane und nachhaltige Vorratshaltung" gesprochen. Gerade in der Zeit von Hamsterkäufen ist eine sinnvolle Vorratshaltung sehr wichtig.

Im Laufe des Monats haben wir über folgende Punkte gesprochen:

Organisatorisches

  • Was gehört in den veganen Vorratsschrank?
  • Welche Nahrungsmittel sollte mensch als Veganer·in immer im Haus haben, um auch spontan etwas Feines zu essen zaubern zu können?
  • Erfahrungen mit einem Wochenspeiseplan
  • Wie organisiere ich meinen Vorrat so, dass ich nicht ständig spontan einkaufen muss?

Haltbarmachen

  • Erfahrungen zum Einfrieren, Einkochen und Fermentieren
  • Lagerung von frischem Obst und Gemüse

Außerdem habe ich noch zwei Kochbücher vorgestellt, die sich mit Vorratshaltung beschäftigen.

Links zur Folge

"La Veganista - Mein selbst gemachter Power-Vorrat" von Nicole Just
Z.B. gebraucht kaufen bei medimpos

"Vegane Vorratskammer" von Miyoko Schinner
Z.B. gebraucht kaufen bei medimops

Biogewinner Versand
https://biogewinner.de/

Unverpackt Versand
https://unverpackt-versand.de/

fair gehandelte Cashews
https://www.fairfood.bio/

Von Herzen Vegan unterstützen
Drei Möglichkeiten meine Arbeit zu unterstützen

Von Herzen Vegan Clan
http://clan.vonherzenvegan.de

Folge 196 - Werde Klimabotschafter·in

Ein Beitrag

Folge 196 - Werde Klimabotschafter·in

Momentan spreche ich in verschiedenen Online-Formaten für die VHS Hamburg darüber, wie Du jetzt aktiv fürs Klima werden kannst.

Nach einer dieser Veranstaltungen habe ich über eine Begebenheit im Von Herzen Vegan Clan berichtet und daraufhin entbrannte eine Diskussion um die Annahme, dass die Rolle einer veganen Ernährung für den Klimaschutz in der Öffentlichkeit eigentlich überhaupt nicht thematisiert wird.

In meiner Wahrnehmung war das bisher nicht so, doch Carsten hat die Annahme bestätigt und so haben wir diese Folge aufgenommen, um Dich darin zu unterstützen ein·e Botschafter·in für das Klima zu werden.

Statistiken bestätigen: der Bereich Ernährung macht einen Drittel des ökologischen Fußabdrucks aus und eine vegane Ernährung senkt diesen Teil um mehr als die Hälfte. Wenn Du Dich dann noch bio, regional und saisonal ernährst, kannst Du Deinen ökologischen Fußabdruck schon wesentlich senken.

Wenn irgend möglich, bitte ich Dich dieses Wissen mit Deinen Mitmenschen zu teilen und ihnen vorzuleben, wie einfach es ist, vegan zu leben. Klimaschutz hat momentan höchste Priorität und eine vegane Ernährung leistet einen großen Beitrag dazu.

Links zur Folge

Zusammensetzung des ökologischen Fußabdrucks
https://www.fussabdruck.de/oekologischer-fussabdruck/ueber-den-oekologischen-fussabdruck/

Statistik zu "Wie sich eine Ernährungsumstellung auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirkt"
https://www.flickr.com/photos/oekoinstitut/49742282366/in/dateposted/

Ein guter Tag - Fußabdruckrechner
https://eingutertag.org/de/app.html

Tipps zum Energiesparen zu Hause
https://www.klima-sucht-schutz.de/

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Carsten In dieser Folge geht es um Elefanten und Schuhgrößen. Oder um genauer zu sein um Fußabdrücke und den Elefanten im Raum, den alle sehen, aber keiner wahrhaben möchte.

Stefanie Ich habe mich gerade schon gefragt, wo der Elefant denn jetzt herkommt (lacht). Ja, Carsten wollte unbedingt die Einleitung sprechen, deswegen darfst du jetzt rätseln. Diese Folge ist ein inneres Anliegen von mir, da ich gerade für die VHS Hamburg einige Kurse gebe und Webinare, also Onlinekurse zum Thema „Nachhaltigkeit, und was du jetzt aktiv fürs Klima tun kannst“. Und nach dem ersten Webinar habe ich dann im „Von Herzen Vegan Clan“ ein wenig diskutiert, weil ein Teilnehmer dann gleich gefragt hat „Ja, aber was ist denn mit Menschen, die hart arbeiten? Die brauchen doch Fleisch. Und ja, wie soll das denn überhaupt gehen, und so?“ Und ich habe da drüber dann einfach noch mal gesprochen im Clan also, bzw. ich habe das geschrieben, habe das da geteilt, dieses Erlebnis, dass mir so was eben auch passiert, dass Sprüche kommen, die du, wo du denkst okay, nein, es ist nicht so. Und ja, natürlich, jetzt noch mal vorab: Kann das eine ernsthafte Befürchtung von diesem Menschen sein, dass er denkt, hart arbeitende Menschen brauchen so viele Kalorien, die nur über Fleisch gewährleistet werden können? Also natürlich sollte ich seine Ängste ernst nehmen. Doch in dem Moment war ich ehrlich gesagt erst mal genervt. Also weil ich gedacht habe: Ach nee, ach komm, jetzt müssen wir doch nicht über so was diskutieren. In dem Moment habe ich das dann auch so umschifft, indem ich ihm gesagt habe, dass ich das nicht so sehe und dass ich ihm im Anschluss an das Webinar gerne einige Links zukommen lasse, die meine Ansicht unterstreichen, dass aber jetzt gerade einfach nicht der Platz ist, um da drüber weiter zu diskutieren. Dem haben dann auch einige zugestimmt. Dann, weil er dann wohl noch mal gesagt hat, warum denn nicht und so, und da haben dann einige von den anderen Teilnehmer:innen gesagt: Okay, das hier ist nicht der Platz für eine Grundsatzdiskussion. Und wir haben uns dann wieder dem eigentlichen Thema gewidmet. Und ich wollte dieses Erlebnis einfach mit meinen Clanmitgliedern teilen, um zu zeigen okay, so bin ich damit umgegangen. Und so habe ich intuitiv erst mal reagiert, und daraus ist quasi eine Diskussion entstanden mit einem Clanmitglied, die mir gesagt hat, dass ich in ihrem Empfinden die Einzige sei, die das so klar thematisieren würde, dass vegan zu leben ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz ist, und dass im Bereich Ernährung das quasi der größte Wirkhebel ist. Und ich habe das bisher nicht so empfunden, und habe das dann mit Carsten besprochen. Und Carsten sagte:

Carsten Also ich kann dem Clanmitglied zustimmen. Auch in meiner Wahrnehmung,. wenn ich da jetzt mehr auf die Massenmedien schaue, stelle ich auch fest, dass der Einfluss einer veganen Ernährung auf den ökologischen Fußabdruck dort ich sage jetzt mal so ein bisschen unterthematisiert wird. Ab und an finde ich dann doch noch mal irgendwelche Kommentare oder eine Berichterstattung, die genau das anspricht oder in die Richtung geht. Aber grundlegend nehme ich wahr, dass der Fokus auf andere Themen gelegt wird. Ich habe ja jetzt hier im Rahmen der Friday For Futures Streikaktion auch mal die Möglichkeit, bei der einen oder anderen Demo dabei gewesen zu sein, jetzt während der Coronakrise findet das ja eher online statt, aber auf der Straße selber ist auch häufig das Thema Kohleenergie das Thema Nummer eins. Da laufen zwar doch einige Personen mit veganen Botschaften herum, so dass man sieht okay, auch dort ist vegan ein Thema, aber es wird halt von der offiziellen Organisation so nicht artikuliert bzw. auch nicht thematisiert. Da dreht sich aus meiner Sicht oder bzw. aus meiner Wahrnehmung auch viel auf dem Bereich der Energiegewinnung, also sprich Kohleenergie, Abschaltung von Kohlekraftwerken. Und dementsprechend ist auch meine Wahrnehmung eher so, dass dieser ökologische Fußabdruck der veganen Ernährung eigentlich in den Medien, ja, wenn dann halt nur so am Rande existiert.

Stefanie Ja, mein Eindruck war eben dadurch, dass ich ja eine Zeit lang aktiv war in der Ortsgruppe der Albert Schweitzer Stiftung und auf der Veggieworld vortrage …vortrage. Genau, ja ich trage vor, aber ich halte Vorträge. Vorträge halte, auf der Vegginale Vorträge halte, dass das Thema ganz stark thematisiert wird, also dass es da viele andere Referenten und Referentinnen gibt, die dieses Thema auch als Vortragsthema haben. Dass die Albert Schweitzer Stiftung eine ganze Kampagne hat mit „Klimaschutz fängt auf dem Teller an“, die wir auch immer und immer wieder dann an diesen Ständen thematisiert haben und da bereitgestellt haben, dass wir da mit der Ortsgruppe auch immer Teil der Klimawoche waren, und auch jetzt, klar, also ich bin jetzt in den letzten ein, zwei Jahren nicht mehr so aktiv gewesen dort, weil sich halt einfach meine Aktivität mehr online verlagert hat. Und da bin ich aber trotzdem noch in Kontakt, und da war auch immer und immer wieder bei den ganzen Demonstrationen und den ganzen Aktionen, die Albert Schweitzer Stiftung mit dabei hat Veranstaltungen ins Leben gerufen, und da wurde Cowspiracy auch gezeigt. Das ist für mich irgendwie auch noch so was eigentlich, das ist ja ein Film, der welt… vielleicht nicht weltweit, aber zumindest doch in mehreren Sprachen und mehreren Ländern gezeigt wurde und für mich ganz klar den Zusammenhang zwischen Ernährung und Nachhaltigkeit darstellt. Und deswegen war das für mich eben die ganze Zeit über so, dass, ich bin halt eine von Vielen, die dieses Thema anspricht. Und deswegen hat mich das so überrascht, als das Clanmitglied sagte okay, du, das spricht sonst niemand an, und in ihrem Empfinden sei ich eben die Einzige.

Carsten Ja, also ich glaube schon, dass es tatsächlich so ein bisschen das Phänomen der veganen Blase ist. Also innerhalb der veganen Blase ist es ein Thema. Uns allen, die wir mindestens seit längerer Zeit schon vegan leben, werden wir damit ja nichts Neues erzählen, wenn wir sagen, dass die vegane Ernährung eben einen großen Einfluss hat. Also es ist eine der Maßnahmen oder die Maßnahme mit dem geringsten Veränderungsaufwand, aber dem größten Wirkpotenzial. Aber außerhalb der veganen Blase scheint das Thema immer noch irgendwie weggedrückt zu werden. Und das erstaunt mich persönlich auch so ein bisschen, weil wir haben ja eigentlich so diese ethische, die ökologische und auch die gesundheitliche Dimension einer veganen Lebensweise oder Ernährung. Und beim Thema Gesundheit merke ich noch eine Kontroverse, also da gibt es ja so Grabenkämpfe Für und Wider. Beim Thema Ethik, das ist ein ganz schwieriges Thema. Da habe ich eher so den Eindruck, das wird ganz selten so thematisiert, weil das einfach vielleicht auch schwer ist. Thema Ökologie wird irgendwie komplett verschwiegen, und ich sehe den Grund dort nicht. Also jetzt nicht so, dass es kontrovers diskutiert wird. Also ich sehe dort auch keine Gegenstimmen, die sagen „Hey ihr vegan lebenden Menschen, ihr irrt euch dort“, sondern sämtliche Zahlen, Fakten und Studien, die in der Hinsicht veröffentlicht werden, sprechen eine ganz eindeutige Sprache, aber es wird halt nicht thematisiert.

Stefanie Ja und wie gesagt, ich erlebe das halt irgendwie ganz anders (lacht). Das ist halt, liegt wahrscheinlich daran, dass Carsten und ich so verschiedene Medien konsumieren und ich einfach nicht die Tageszeitungen lese oder fernsehe. Carsten schaut jetzt auch nicht fern, aber er schaut ganz viel online bei der Tagesschau, und da schaue ich jetzt wegen Corona halt rein, aber sonst schaue ich da normalerweise nicht vorbei. Und für mich ist es dadurch, als ich mich halt vorbereitet habe auf die Vorträge jetzt und vielleicht auch den Bildungsurlaub, den ich jetzt halten werde, das ist wegen Corona in der Schwebe, ob ich den online durchführen kann. Aber jedenfalls habe ich noch andere Formate, die ich alle bei der VHS halt platziert habe. Da war irgendwie in jedem, ja bei jedem Medium, was ich jetzt irgendwie gefunden habe, sei es Fußabdrucksrechner, also ökologischer Fußabdruck oder Bildungsunterlagen für Jugendliche oder junge Erwachsene oder generell Erwachsene. Überall war halt ganz klar: Okay, vegane Ernährung ist genau das, was halt wirklich den Fußabdruck senkt, und deswegen fand ich das halt, hat mich das so irritierte einfach.

Carsten Ja, und wir wollen heute eigentlich die Lanze brechen, also vielleicht so ein bisschen auch die vegane Blase aufplatzen lassen und sagen, eigentlich muss dieses Thema vielleicht noch stärker artikuliert werden nach außen. Also da, wo wir in der Blase feststellen, es ist eigentlich schon ein latentes Thema, da müssen wir gemeinsam als die, die diese Information haben, eben auch eine Außenpräsenz aufbauen, damit auch die Personen, die sich jetzt mit einer veganen Ernährungs- und Lebensweise noch nicht so intensiv beschäftigt haben, da mindestens mal drauf aufmerksam werden, und einfach Bescheid wissen, dass genau das die Stellschraube ist mit einem der größten Wirkpotentiale.

Stefanie Ja, und ich wollte dich, liebe Hörerin, lieber Hörer, um Hilfe bitten, dass ich nicht mehr die einzige quasi in der Wahrnehmung jetzt von einem Clanmitglied bin, aber vielleicht auch jetzt eine von wenigen bin, die das artikuliert, sondern dass wir alle gemeinsam das artikulieren. Wenn, natürlich immer mit diesem Zusatz, wenn du dich bereit dafür fühlst, wenn das etwas ist, was dir liegt. Das kann natürlich von bis gehen, dass du einfach nur deinen Umkreis, dein Umfeld informierst. Kann natürlich auch sein, die ganzen Bildungseinrichtungen suchen händeringend nach Menschen, die online versiert sind und Kurse anbieten können. Und gerade zum Thema Nachhaltigkeit, das ist sehr nachgefragt. Wenn du also zum Beispiel eine Volkshochschule in deiner Nähe hast, wo du gerne Kurse anbieten möchtest, kannst du dich mit diesem Thema da ohne Probleme bewerben. Und dann gibt es ja auch noch viele andere Bildungseinrichtungen, wo du das machen kannst oder eben alles dazwischen, dass du je nachdem vielleicht Blogartikel schreibst oder dich irgendwie anders online engagierst, um zu zeigen: Hey, guck mal, du hast wirklich den größtmöglichen Hebel, wenn du dich vegan ernährst, was dann die Reduzierung deines ökologischen Fußabdruckes angeht. Also es geht wirklich nicht darum, ausschließlich jetzt auf Coffee to go Becher zu verzichten, was auch wichtig ist. Eine viel größere Wirkhebelwirkung, ich bin hier immer (lacht), mir fehlt das passende Wort, aber du weißt, was ich meine, Impact hast du tatsächlich mit der veganen Ernährung. Und ich möchte dir jetzt in dieser Folge noch mal ein paar Fakten an die Hand geben, die du so weitergeben kannst. Und ich verlink natürlich für dich auch die Quellen, damit du das so weitergeben kannst, also wissenschaftlich fundiert. Und zwar habe ich mich ja wie gesagt jetzt sehr stark vorbereitet für die einzelnen Kurse, und ich baue das immer so ein bisschen auf diesen Fußabdrucksrechner auf. Da gibt es ganz, ganz viele verschiedene. Momentan nutze ich am liebsten den Fußabdrucksrechner von „Brot für die Welt“. Der ist so recht kompakt aufgebaut, da gibt es nur 13 Fragen, die du beantwortest, und dann hast du am Ende einfach so ein Ergebnis, was so deinen Fußabdruck im Vergleich zum Durchschnitt ist in Deutschland. Und letztlich ist es natürlich so, was wir immer dazu sagen müssen, dass du den Fußabdruck nie auf ein nachhaltiges, also wirklich nachhaltiges Maß senken kannst, weil dazu dann auch noch die komplette Infrastruktur in Deutschland geändert werden muss. Das ist ja auch der Grund, warum wir auf die Straße gehen, also jetzt halt virtuell auf die Straße. Aber das ist der Grund, warum die Menschen sagen Kohle, Kohle, Kohle, also Kraftwerke.

Carsten Abschalten.

Stefanie Abschalten, nicht money, money, money. Und das ist natürlich alles auch legitim. Das ist ja wichtig, auch das zu machen. Nur haben, Du kannst ja als Einzelperson schon ganz viel Vorarbeit leisten, so dass dann letztlich der Teil, der übrig bleibt, dann gemeinschaftlich geschafft werden kann. Aber alles, was wir reduzieren können, ist ja immer schon super. Und so teilt sich dieser Fußabdruck, der ökologische Fußabdruck quasi in so vier grobe Teile ein. Das ist Ernährung, Wohnen, Konsum und Mobilität. Und Ernährung ist tatsächlich der größte Teil, das ist fast 1/3 oder mehr als 1/3, das sind 35 % des Fußabdruckes, das macht die Ernährung aus. Wohnen ist da nur mit 25 % dabei. Mobilität 22 %, und Konsum 18 %. Das entstammt jetzt einer Statistik von 2007. Das heißt, es kann sich durchaus jetzt noch ein bisschen verschoben haben. Aber definitiv ist Ernährung halt ein großer Teil und immer noch der größte Teil. Und das ist eigentlich perfekt, weil wir das super leicht beeinflussen können. Denn den größten Hebel, den du bei der Ernährung hast, ist tatsächlich, dich vegan zu ernähren. Und da habe ich noch eine zweite Statistik, die ich dann auch verlinke. Die ist von dem Ökoinstitut, und das Ökoinstitut hat so einige schöne Grafiken veröffentlicht, also Statistiken. Und in dieser Statistik ist es so, dass da Ernährungsstile verglichen wurden. Und mit 0 %, ausgehend quasi von einer durchschnittlichen Ernährung, 2000 Kilo Kalorien pro Person pro Tag, 47 Kilo Fleisch pro Jahr, sparst du dann mit einer veganen Ernährung 53,2 % an Emissionen von Treibhausgasen ein. Im Vergleich dazu sparst du mit einer vegetarischen Ernährung nur 23,9 %, also im Vergleich zu 53,2 % mit veganer Ernährung ein. Wie gesagt, ausgehend von diesen 47 Kilo Fleisch pro Jahr. Wobei ich der Meinung bin, dass es eigentlich eher mehr ist, dass der Durchschnittsdeutsche mehr Fleisch pro Jahr ist, so dass du dann ja noch mehr einsparen würdest mit einer veganen Ernährung. Und wie gesagt, ich verlinke diese Statistiken so, dass du die auch zur Hand hast und die dann weitergeben kannst. Mit einer veganen Ernährung hast du wirklich den größten Einfluss auf deinen Bereich Ernährung in deinem ökologischen Fußabdruck. Dazu kommt dann noch, das sollte bio sein, möglichst regional und saisonal. Also wenn du das schaffst, dich vegan, bio, regional und saisonal zu ernähren, dann senkst du deinen ökologischen Fußabdruck im Bereich Ernährung auf ein Minimum. Das wäre wirklich klasse, und das ist das Optimum, was du da erreichen kannst. Dann natürlich auch möglichst keine Lebensmittel verschwenden. Das ist der Bereich Ernährung. Ergänzend dazu im Bereich Wohnen ist der größte Hebel tatsächlich das Heizen. Das hat mich auch so ein bisschen überrascht, dass das so simpel ist. Also es reicht tatsächlich schon, dass du die Temperatur deiner Heizung ein wenig runterregelst, also sagen wir auf 18 Grad, und weniger heizt, oder du heizt halt gar nicht. Also es geht tatsächlich darum, dass du möglichst dann dich wärmer anziehst, wenn dir kalt ist und erst, wenn du wirklich frierst, die Heizung aufdrehst. In Kombination dazu steht dann die Wohnfläche. Je kleiner die Wohnung oder die Wohnfläche, desto weniger Energie verbrauchst Du ja beim Heizen, weil du weniger Fläche heizen musst. Und Mehrfamilienhäuser sind da auf jeden Fall Einfamilienhäusern vorzuziehen. Meistens hast du ja, wenn das kein Eigentum ist, was du da vorzuweisen hast, keinen Einfluss jetzt auf Dämmung, oder wie jetzt das Gebäude saniert wurde. Das heißt, du hast dann keinen größeren Hebel mehr. Wenn du da drauf Einfluss hast, verlinke ich dir noch mal ein paar Tipps, was du da tun kannst. Da gibt es wirklich ganz schön viel, wie du das Gebäude dann wirklich energiegerecht nachhaltig dämmen kannst und überhaupt alles so in Schuss bringen kannst, dass du möglichst energieeffizient arbeitest. Im Bereich Mobilität ist es auf jeden Fall halt nicht fliegen, und aufs Auto verzichten, es ist eigentlich ganz simpel. Also die Mobilität ein bisschen überdenken. Viele von uns können ja nicht aufs Auto verzichten, da dann vielleicht darüber nachdenken, ob Carsharing eine Möglichkeit ist, oder vielleicht weniger mit dem Auto unterwegs…oder ob du vielleicht weniger mit dem Auto unterwegs sein kannst, dass du also deine Strecken anders planst. Wenn es dir möglich ist, so wie bei uns zum Beispiel, dass wir tatsächlich mit unseren Fahrrädern auskommen oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dann plane doch deine Lebensumgebung so, dass du sie wirklich auch so erreichen kannst. Wir sind extra so umgezogen, dass wir wussten okay, wir können die Schule unseres Kindes mit dem Fahrrad erreichen, das sind vier Kilometer, die schafft er allein hin und zurück, je vier Kilometer. Und wir kriegen auch das hin, mit dem Fahrrad zu den Einkaufsmöglichkeiten zu fahren oder halt in den nächstgrößeren Ort. Und Carsten kann halt ohne Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Das ist natürlich jetzt während Corona anders, weil Carsten dann nur die Treppe hochgeht, um zu arbeiten. Aber letztlich ist es tatsächlich von uns wirklich so bedacht gewesen, dass wir geguckt haben, wir richten uns danach, dass wir dahin ziehen, wo wir mit unseren Möglichkeiten, also den Fahrrädern, am besten klar kommen. Im Bereich Konsum ist es nicht so ganz eindeutig, also da gibt es nicht diesen einen großen Hebel, es sei denn, wir gehen in Richtung Minimalismus. Das heißt, dass du wirklich möglichst deinen Konsum einfach generell reduzierst. Zu Konsum gehört dann auch Müll, also, dass du da schaust, dass du Richtung Zero Waste gehst. Aber auch dann generell zum Beispiel bei der Kleidung, da eher gebraucht kaufen oder tauschen oder überhaupt überlegen: Brauche ich das wirklich? Bei Konsum ist ja die erste Frage, die du dir immer stellen solltest: Brauche ich das wirklich? Ist es wirklich, wirklich notwendig? Und vielleicht dann auch noch mal ein paar Gedankenschleifen mehr drehen, bis du das dann wirklich kaufst. Und muss ich es überhaupt kaufen? Kann ich es mir vielleicht ausleihen? Oder kann ich es dann, wenn ich es wirklich kaufen muss, weil ich es besitzen muss, gebraucht kaufen oder irgendwo ertauschen? Also dass es alternative Möglichkeiten gibt, das da Ressourcen für dich nicht nochmal genutzt werden müssen, sondern dass, wie jetzt zum Beispiel bei gebrauchter Kleidung, es etwas ist, was schon mal hergestellt worden ist und wofür jetzt keine neuen Ressourcen genutzt werden müssen. Auch bei Spielzeug immer wieder die Überlegung da zu schauen, okay, brauche ich das jetzt wirklich, das ist immer so eine Diskussionssache, aber wenn das jetzt wirklich dringend notwendig ist, dann zu gucken, kriege ich das gebraucht? Bei den gängigen Plastikspielzeugsachen ist es ja nun mal so, dass sie sehr langlebig sind und unproblematisch auch gebraucht besorgt werden können. Die sehen trotzdem noch aus wie neu, und das ist dann auch noch eine Kostenersparnis. Oder auch eben, wie wir das gemacht haben, Bücher leihen, also eher in die Bibliothek oder die Bücherhalle gehen, im Moment halt in die e-Bücherhalle und dann da auszuleihen und nicht alles zu besitzen. Und wenn es jetzt dringend notwendig ist, dann das eben versuchen gebraucht zu kaufen. Also wirklich immer mit diesem Hintergedanken, wie kann ich möglichst wenig Ressourcen verschwenden, was ja auch vor allem bei Elektrogeräten viel der Fall ist. Brauche ich wirklich jetzt schon ein neues Smartphone? Brauche ich überhaupt ein Smartphone? Brauche ich wirklich jetzt schon einen neuen Laptop? Wie gesagt, mein Laptop ist jetzt mittlerweile zehn Jahre alt, und ich befürchte, ich brauche bald ein neueres Gerät, was ich mir aber definitiv auch gebraucht kaufen werde. Und ja, mein Smartphone ist auch nur ein Jahr jünger. Und ja, also wie gesagt, das sind halt alles so Überlegungen. Da ist die Nutzungsdauer dann aber ja auch schon recht lang. Und im Vergleich dazu, wenn alle zwei Jahre was neues, ein Smartphone oder alle vier, fünf Jahre ein neuer Laptop gekauft wird, ist es dann schon vertretbarer. Da gibt es übrigens noch eine Webseite, die heißt „Ein guter Tag“, die ist, ich meine aus Österreich. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber dazu gibt es auch eine App. Nur, ich konnte mich bei der App irgendwie nicht anmelden. Vielleicht hast du da mehr Glück, aber auf der Webseite ist es auch noch mal ganz interessant alles dargestellt. Das ist so quasi in Punkte umgerechnet. Das heißt, ein guter Tag hat 100 Punkte, da kannst du deinen Tagesbedarf quasi eingeben, was du gegessen hast, wo du hingefahren bist, ob du dein Handy benutzt hast usw. und so fort, was du auch alles besitzt. Und das wird dann umgerechnet auf die Nutzungsdauer quasi und wird dann mit soundsoviel Punkten pro Tag angerechnet. Das ist nochmal ganz interessant, wenn du es detailliert wissen willst. Wie gesagt, ich verlinkt das alles, schau da auf jeden Fall mal rein. Wenn du da noch mehr in die Tiefe gehen willst oder vielleicht noch dieses Vortragsmaterial haben möchtest, was ich zusammengestellt habe, dann sprich mich einfach an, schreibt mir eine Email an post@vonherzenvegan.de, und dann können wir uns da abstimmen. Dann kann ich dir noch Tipps geben, was du da alles machen kannst, wenn du das möchtest, natürlich nur. Also ich könnte jetzt hier natürlich noch ewig reden mit den ganzen Details, aber wie gesagt, es wäre toll, wenn du dich berufen fühlen würdest, jetzt quasi als Klimabotschafter oder Klimabotschafterin aufzutreten und diesen großen Nutzen einer veganen Ernährung für die Umwelt, für das Klima dann nach außen zu tragen.

Carsten Und ich möchte nochmal den Aspekt aufgreifen, den du vorhin genannt hattest. Also egal wie wir uns in diesen vier Sektoren, also Ernährung, Konsum, Mobilität und Wohnen anstrengen, wir werden ja leider Gottes nie auf einen Level kommen, wo wir feststellen, wir kommen exakt mit dem einen Planeten Erde aus, der uns zur Verfügung steht, sondern selbst unter optimalsten Bedingungen werden wir, zumindest jetzt mal auf den Bereich Deutschland bezogen, immer mehr als nur einen Planeten Erde benötigen. Der Aspekt selber ist zum einen natürlich traurig, zum anderen zeigt er aber auch das, was du vorhin schon gesagt hat, dass hier jetzt die Politik ins Handeln kommen muss. So, und ich persönlich bin der Meinung, wir dürfen nicht darauf warten, dass die Politik in Wallung kommt, sondern wir müssen vom persönlichen Standpunkt aus schon mal die ersten Schritte durchführen, weil erst dann wird sich auch eine politische Legitimität für deren Handeln entwickeln. Ich kann nicht von Politikern, die noch im Gestern verharren, erwarten, dass sie eine Zukunftsbasis erarbeiten, die meinen Werten entspricht und meinem Handeln entspricht, wenn ich selber nicht gewillt bin, all diese Schritte schon mal zu gehen. Anders herum, je mehr Leute diese Schritte mit mir gehen, desto breiter ist natürlich nachher auch die Bereitschaft, in der Bevölkerung all das mitzutragen, was politisch tatsächlich umgesetzt werden muss. Und da möchte ich auch keinen Feenstaub in den Augen belassen. Also das, was dann tatsächlich ja infrastrukturmäßig geändert werden muss, und mit Infrastruktur meine ich jetzt nicht einfach nur irgendwie Straßenbau und Verkehrswege, all das wird im Vergleich zu der heute erlebten Bequemlichkeit schon ein großer Umschwung oder Einschnitt sein, und vielleicht auch nicht unbedingt auf allen Ebenen Wohlwollen erzeugen, sagen wir es mal so. Und dementsprechend hier nochmal ein persönlicher Appell: Wir müssen persönlich die Bereitschaft, auf breiter Basis die Bereitschaft besitzen, all diese Schritte und Wege schon mal zu gehen, um das letzte Quäntchen, was dann auf großer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Basis noch zu tragen ist, auch noch mitzugehen. Und an der Stelle glaube ich, dass wir nicht nur so eine Art Leuchtturmcharakter oder bzw. Vorbild darstellen, sondern als die, ich nenne uns jetzt mal die Informierten, auch eine gewisse Verpflichtung haben, all diese Informationen schon mal so in die Breite zu transportieren, egal über was für ein Medium.

Stefanie Jetzt weiß ich natürlich, dass wir auch immer viel Gegenwind erfahren, wenn wir so etwas sagen, weil gerade uns nahestehende Menschen das nicht immer wohlwollend aufnehmen, wenn wir ihren Lebensstil kritisieren. Also es ist natürlich klar, dass wir dich jetzt nicht dazu auffordern wollen, all deine Mitmenschen gegen dich aufzubringen im Namen des Klimaschutzes, sondern wenn es dir möglich ist, wirklich immer mit diesem Zusatz wenn es dir möglich ist, dann versuche doch als Klimabotschafter oder Klimabotschafterin aktiv zu werden. Wenn du das Gefühl hast, in deinem Umfeld ist es da eher mau, dann hilft das auch schon, wenn du einfach still das vorlebst. Denn dadurch, dass du diesen Weg gehst, hinterlässt du Spuren und dadurch, dass du dazu stehst, dass das wichtig ist und dass du auch für Nachfragen bereit stehst, bist du schon ein Vorbild.

Carsten Und Spuren hinterlassen natürlich auch all die Menschen, die uns bisher und vielleicht auch in Zukunft so ganz toll unterstützen bei Steady. Über PayPal mittlerweile immer mehr, aber auch durch die Teilnahme bei uns im kostenlosen „Von Herzen Vegan-Clan“. All diese Menschen hinterlassen insofern positive Spuren, als dass wir weiterhin motiviert die Forschungsreise fortsetzen, die wir mit diesem Podcast begonnen haben.

Stefanie Und all diesen Menschen sagen wir von Herzen Dank dafür, dass sie Spuren hinterlassen. Und ganz besonders auch Hanna, die mich jetzt mit einer Einmalzahlung über PayPal unterstützt hat. Hanna, ich habe mich sehr gefreut. Ganz herzlichen Dank!

Carsten Ganz herzlichen Dank auch von mir.

Stefanie Wenn auch du von unseren Podcastfolgen, in diesem Fall unseren, vom „Einfach vegan“ Podcast profitierst und von meinen Podcastfolgen beim „Von Herzen vegan“ Podcast und der Möglichkeit im Von Herzen Vegan Clan dich auszutauschen, um Mitglied zu sein und auch all die anderen kostenlosen Angebote zu nutzen, und du etwas zurückgeben willst, so wie Hanna und all die anderen Unterstützer und Unterstützerinnen, dann freue ich mich wirklich sehr. Du kannst das über Steady machen mit einer monatlichen oder jährlichen Beteiligung, oder du machst es mit einer Einmalzahlung über PayPal. Und den Link dazu findest du auf der Unterstützenseite auf meiner Webseite, oder hier unter der Folge.

Carsten In diesem Sinne, bleibt gesund.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Ein Einstieg in die Permakultur

Ein Beitrag

Folge 195 - Ein Einstieg in die Permakultur

In dieser Folge fasst Carsten seine ersten Rechercheergebnisse zum Thema Permakultur zusammen.

Permakultur ist ökologische Lebensraumgestaltung im weitesten Sinne. Das grundlegendeste Prinzipt von Permakultur ist, nützliche Verbidnungen zwischen verschiedenen Elementen eines Systems herzustellen, damit möglichst viele Bedürfnisse aus dem System selbst heraus gedeckt werden können.

Neben der weitgehenden Selbstversorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln ist ein weiteres Ziel auch die sparsame, effektive Nutzung der immer knapper werdenden Ressourcen.

Permakultur ist ein Prozess: Das Ganze zu betrachten, die Verbindungen unter den Elementen zu sehen und abzuwägen, wie diese Verbindungen verändert werden können, damit alles harmonischer zusammenarbeitet.

Links zur Folge

Warum wollen Veganer missionieren?

Ein Beitrag

Folge 194 - Warum wollen Veganer·innen andere missionieren?

Angeregt durch das Buch "Sprache und Sein", das wir in der vorangegangenen Folge besprochen haben, diskutieren wir in dieser Folge darüber, warum wir Veganer·innen den Wunsch haben, dass alle Menschen vegan leben.

Wir gehen von der These aus, dass Veganer·innen die einzige Gruppe von Benannten sind, die diesen Drang zu Missionieren haben, da sie nicht nur für sich sprechen, sondern als Stellvertreter·innen aller Lebewesen.

Letztlich geht es um Werte, darum eine Welt zu schaffen, in der wir alle Lebewesen und natürlich auch die Umwelt in unsere Überlegungen, unser Selbstverständnis und unser Wertesystem miteinbeziehen.

Tiere haben Rechte - genau wie wir. Letztlich sind wir doch auch Tiere - das sehen wir nicht zuletzt an dem Coronavirus, der von einem nicht-menschlichen Lebewesen auf uns übertragen wurde.

Wir teilen uns diesen Planeten und wir tun gut daran darüber nachzudenken, wie wir friedlich zusammenleben können.

Sprache und Sein im Veganismus

Ein Beitrag

Folge 193 - Sprache und Sein im Veganismus

In dieser Folge besprechen wir das Buch "Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay.

Das Buch hat Carsten und mir sehr viel gegeben und mein Selbstverständnis als Veganerin noch einmal auf eine ganz neue Stufe gehoben.

Die Lektüre hat mir gezeigt, wie wichtig es für uns Veganer·innen ist, uns nicht in unsere Rolle als Stellvertreter·innen des Veganismus zwingen zu lassen, sondern dafür einzustehen, als Individuen wahrgenommen zu werden.

Mir ist auch noch einmal die Macht der Sprache bewusst geworden und wie stark sich doch auch die unterschiedlichen gesprochenen Sprachen voneinander unterscheiden.

Es ist so wichtig, dass wir erkennen, welche Muster im Alltag ablaufen und uns dazu drängen, uns wieder und wieder zu erklären, obwohl wir es gar nicht wollen.

Wollen wir aus dem Käfig ausbrechen, in das uns die gesellschaftliche Norm zwängt, gilt es zum einen erst einmal den Käfig zu erkennen und dann Geschichten zu erzählen. Unendlich viele, unendlich diverse Geschichten von Veganer·innen, über Veganer·innen und für Veganer·innen.

Wir müssen damit aufhören uns immer nur an Nicht-Veganer·innen zu richten, nur so können wir uns befreien und weiterentwickeln.

Vollständiges Transkript

Stefanie Vorab ein kurzer Disclaimer: Du hast es in den letzten beiden Folgen des Einfach Vegan Podcasts gehört: Es gibt wieder dieses fulminante Ticken nach einiger Zeit und wir sind jetzt auf der Suche, woran es liegt, am Mikrofon oder am Laptop. Und im Moment vermute ich, dass es tatsächlich eher am Laptop liegt, weil mein Laptop jetzt schon bald stolze zehn Jahre alt ist. Und Carsten hat gesagt, wenn es wirklich ein Laptop wäre, ein PC, dann hätte der so lange gar nicht gehalten. Aber da es ein angebissener Apfel ist, hält der noch. Der hält noch, aber er tickt anscheinend. Also wir haben uns jetzt einen neueren Rechner geliehen und wir schauen jetzt mal, ob diese Folge ohne Ticken auskommt.

Wenn es mit dem neueren Rechner dann auch nicht funktioniert und es auch tickt, dann liegt es wohl am Mikrofon und ich habe mich da schlau gemacht bei meinen Podcaster-Kolleg·innen, was die so benutzen und es ist schon eine stolze Summe, die ich da anlegen muss. Also wir sind da schon bei 600 - 700 € für die Ausstattung, wenn nicht mehr, also weniger ist es da irgendwie nicht. Die meisten nutzen da schon High End Equipment. Respekt. Ja, das ist halt eine Summe, die ich nicht mal so eben aus dem Ärmel schütteln kann. Natürlich auch eine Summe für einen neuen Laptop. Also von daher, das ist halt alles so die Frage. Wobei ich den Laptop ja für mehr als nur Podcastfolgen aufzeichnen nutze. Und zehn Jahre hat er mir ja schon gut gedient. Also von daher, mal schauen. Genau. Also das jetzt nur als Disclaimer. Also solltest du rein zufällig im Besitz eines Zoom H5 oder H6 sein und mir das mitsamt Mikrofonen und Kabeln und usw. und so fort kostenlos zur Verfügung stellen wollen, dann freue ich mich natürlich sehr darüber. Die Adresse findest du in meinem Impressum. Kannst du direkt hinschicken. Also wäre wirklich fantastisch. Und Sachspenden nehme ich auch entgegen. Da würde ich mich sehr darüber freuen. Solange das jetzt nicht der Fall ist, müssen wir erst mal so experimentieren, ob das jetzt momentan mit diesem Laptop besser funktioniert und ob ich eher in den neuen Rechner investiere oder in das Mikrofon. Was sagt der Fachmenschn dazu?

Carsten Ja, es ist tatsächlich ein nostalgischer Rechner. Ein antikes Stück.

Stefanie Funktioniert aber noch bis auf das Ticken. Genau. Also das nur als Disclaimer vorab. Wir schauen jetzt mal, wir können das nicht sehen, wir wissen das einfach nicht, ob es jetzt anfängt zu ticken oder nicht. Und deswegen müssen wir das jetzt auf uns zukommen lassen.

In dieser Folge wollen wir über das Buch „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüşay sprechen. Ich muss ja sagen, vevor ich sie im Planet B Podcast sprechen hören habe, habe ich vorher von ihr noch nie gehört. Du?

Carsten Nee, war mir völlig unbekannt. Aber ich habe festgestellt, jetzt auch durch den Podcast und auch durch das Buch: sie ist ja sehr präsent.

Stefanie Ja, sie ist wirklich sehr medienpräsent, aber irgendwie nicht in unserer Filterblase aufgetaucht. Also sagt ja dann auch einiges wieder über uns aus. Sie war lange Zeit immer in Talkshows auch zu Gast. Das beschreibt sie auch in der Podcastfolge im Planet B, die verlinken wir natürlich auch, wie sie mit dieser Rolle zurecht gekommen ist und sie schreibt darüber auch in dem Buch. Ich glaube, ich habe mir noch nie so eine Polit-Talkshow angeguckt und ich befürchte, dadurch, dass wir ja jetzt schon ganz lange keinen Fernseher mehr haben, ist das halt wirklich deswegen auch an mir vorbeigegangen.

Carsten Ja, ich habe aber damals, als wir noch die Möglichkeit hatten, so was zu sehen, auch gar nicht das Interesse gehabt, weil mir das einfach ein bisschen zu polarisierend war. Also die sind ja auf eine bestimmte Gesprächsdramatik ausgelegt und die Gäste sind ja meistens auch so gewählt, dass mensch klar weiß, da gibt es halt Provokation und das ist halt sehr viel Mediengeheische. Also ich würde mal so attestieren, es gibt ganz, ganz wenig bis gar keine wirklich ernst zu nehmende Talkrunde, die nicht irgendwie doch auf Quote achten muss und wo es dann wirklich um die Sachdiskussion geht. Deswegen war das ganze Thema für mich auch damals nicht interessant, als wir das noch gucken konnten.

Stefanie Und wir wollen jetzt über das Buch nicht als direkte Rezension sprechen, sondern den Inhalt auf unseren Alltag als Veganer·innen schon direkt anwenden, weil wir beide das Buch eigentlich in dieser Richtung direkt gelesen haben, oder? Das ging dir auch so?

Carsten Ja, vielleicht müssen wir vorausschicken, dass das Buch einen ganz anderen Hintergrund hat. Also diese Rezeption auf unser veganes Leben und unsere vegane Denkweise findet sich so originär gar nicht in diesem Buch wieder. Und der Hintergrund ist also auch ein ganz anderer von diesem Buch. Kübra Gümüşay geht da sehr stark auf das Thema des Alltagsrassismus hinaus. Das ist eigentlich so das was, was mir beim Lesen stark in die vordergründige Wahrnehmung gerutscht ist, dass sie sehr viele Facetten aufzählt und zeigt, wie wir tatsächlich in unserer Gesellschaft Alltagsrassismus leben, wahrnehmen, artikulieren, also auch in Nuancen, die mir so bisher noch nicht bekannt waren. Und das, was wir jetzt hier in dieser Podcastfolge machen, ist die Weiterführung dieses Themas. Ich will jetzt nicht sagen komplett weg von diesem Alltagsrassismus, aber es lässt sich sehr leicht und sehr gut übertragen auf das, was wir vegan lebenden Menschen hier durchmachen. Und vielleicht müssen wir da nochmal so ein bisschen in den Kern dieses Buches einsteigen.

Stefanie Klar, es geht ja um Sprache und Sein und ich habe über das Buch und die Podcastfolge das Interview mit Kübra Gümüşay auch schon in einer Folge des Von Herzen Vegan Podcasts gesprochen. Und wie der Titel eben sagt, geht es um Sprache und wie wir Sprache in unserem Alltag verwenden und wie Sprache aus Menschen teilweise Benannte und Unbenannte macht. Also der Kern ist quasi ihre Theorie von einem Museum der Sprache, in dem es verschiedene Ausstellungsstücke in Form von Benannten gibt, also wie Käfige, in denen dann zum Beispiel Muslim·innen sitzen. Jetzt so rein theoretisch ja, im übertragenen Sinne oder in unserem Fall eben auch Veganer·innen, also alles Menschen, die einem Kollektiv oder einer Gruppe angehören, die nicht der allgemeingültigen Norm entsprechen. Und die Unbenannten, das sind die Menschen, die der allgemeingültigen Norm entsprechen. Und die teilen eben auch die Benannten in diese Gruppen ein und schicken sie in diese Käfige, in diese Ausstellungsstücke.

Carsten Genau. Es gibt eben eine Mehrheit, die die gesellschaftliche Norm prägt. Und solange mensch sich in dieser gesellschaftlichen Norm, wie auch immer die geartet ist, aufhält, braucht mensch eigentlich keine Erklärung. Mensch wird nicht benannt. mensch ist halt Teil dieser Unbenannten, weil sie sich nicht erklären müssen. Und in dem Moment, wo mensch von dieser Norm abweicht, sei es jetzt, weil mensch eben einer bestimmten Religion angehört oder weil mensch vielleicht schwul oder lesbisch ist oder vegan lebt oder irgendetwas aus dieser Norm atypisches als Verhalten oder als Merkmal besitzt, bekommt mensch automatisch einen Stempel auf. Oder wie Kübra es in diesem Buch beschreibt wird mensch in diesem Museum als Ausstellungsstück in eine Vitrine, in einen Käfig eingesperrt und sie verwendet diese Metapher von diesem Käfig auch tatsächlich als eine Art des gefangen seins.

Also in dem Moment, wo ich als benannte Gruppierung als Veganer·in in diesem Käfig bin, dann kann ich mich auch, weil ich in diesem Käfig bin, nur in den Grenzen dieses Käfigs bewegen. Und ich kann diese Grenze vielleicht so ein bisschen verschieben. Ich kann quasi im übertragenen Sinne an dieser Käfigwand oder an der Käfigtür rütteln und versuchen, den Raum, der mir zur Verfügung steht, so ein bisschen zu erweitern. Aber ich komme dort nicht raus. Ich bleibe Teil dieser benannten Gruppierung der Veganer·innen und alles was ich mache, wird immer auf diese Gruppierung zurückgedeutet und insofern finde ich das wirklich eine hervorragende Metapher, um überhaupt erst mal klar zu machen, was passiert in unserer Gesellschaft. Also wie stark ist diese sprachliche Sicht, die Art und Weise, wie wir Sprache verwenden, wirklich beeinflussend für die Wahrnehmung unseres Seins, so wie wir uns fühlen, so wie wir uns geben und so wie wir auch Gesellschaft empfinden.

Stefanie Das merken wir ja vor allem bei dem mitgemeinten Maskulinum. Das ist ja wirklich etwas, was uns alle dann direkt schon betrifft und woran wir das sehr gut festmachen können. Carsten sagt die ganze Zeit „man“, ich sage auch immer noch „man“, ich versuche das zu ändern, dass ich anstatt „man“ „mensch“ sage. Das ist aber so ungewohnt, dass ich immer wieder in dieses „man“ zurückfalle. Und wir versuchen jetzt ja auch schon immer zu gendern, dass wir nicht der Veganer, sondern der·die Veganer·in sagen. Nur merken wir dadurch, wie tief verankert das in der Sprache ist, dass das Maskulinum immer genannt wird.

Und ich muss jetzt einmal was einschieben, weil mir das, seit ich darüber gelesen habe und seit ich da mich mehr mit beschäftige, immer wieder durch den Kopf geht. Vor Jahren, das ist schon sehr lange her, ich weiß nicht mehr, wann es war, habe ich mich mal mit einem Vater unterhalten, der über seine Tochter sprach und meinte, dass sie Feuerwehrmann werden wollte. Und dann meinte ich aber sie will doch bestimmt Feuerwehrfrau werden und nicht Feuerwehrmann. Und darauf meinte er so ungefähr - ich kriege das jetzt nicht mehr ganz genau zusammen, aber vom Sinn her meinte er - dass es am tolerantesten und aufgeklärtesten wäre, wenn seine Tochter eben nicht Feuerwehrfrau, sondern Feuerwehrmann werden könnte, wenn das sie mit einschließen würde. Und damals habe ich darauf wirklich gar nichts mehr antworten können, weil ich gedacht habe, er hat einen besonders intelligenten Zirkelschluss geschlossen, also dass er irgendwie noch eine Stufe höher gedacht hat, als ich das irgendwie überhaupt begreifen konnte. Jetzt, so im Nachhinein, denke ich aber eben: nein, es ist genau andersrum. Es wäre am tolerantesten dann, wenn alle Feuerwehrmänner kein Problem damit hätten, Feuerwehrfrau genannt zu werden. Und das meinte er aber definitiv damals nicht. Und darüber muss ich die ganze Zeit nachdenken.

Du kannst das ja ganz schnell als Experiment ausprobieren, ob du dich mitgemeint fühlst, wenn du ein Mann bist und dann in der weiblichen Variante deines Berufs zum Beispiel angesprochen wirst. Also, dass du eben zum Beispiel als Feuerwehrfrau angesprochen wirst. Ja, was ich damit sagen will, was die Sprache mit uns macht - gar nicht so sehr, welche Berufe das jetzt sind - sondern wie normal das ist, dass Frauen mitgemeint sind, wenn die männliche Form genannt wird, aber Männer eben nicht mitgemeint sind, wenn die weibliche Form genannt sind wird. Und das ist ein Beispiel dafür, was die Sprache im Alltag mit uns macht. Und das ist auch eine Form von Alltagsrassismus. Dass wir nur den Mann sehen, den weißen Mann, den weißen, wohlhabenden Mann.

Carsten Zugespitzt hat sie, glaube ich, auch in dem Buch gesagt, dass alte, weiße Männer wahrscheinlich die einzige Gruppe sind, die sich nicht so erklären müssen, weil sie von unserer westlichen Denke so dem Normbegriff entsprechen.

Stefanie Ja, aber als „alte weiße Männer“ als Kategorisierung, als Benennung dann genannt wurden, haben sich alte weiße Männer sehr darüber echauffiert, weil sie auf einmal in einen Käfig gesteckt wurden. Genauso wie beim Thema „Gutmenschen“. Dass da dann ganz viele Menschen auf einmal in einen Käfig gesteckt wurden und sie sich dagegen wehren wollten. Jetzt können wir natürlich sagen, dass es ja auch okay ist zu kategorisieren und wir Menschen brauchen das auch. Das spricht Kübra uns auch nicht ab, dass wir Kategorisierungen brauchen. Das Gehirn muss einfach kategorisieren, sonst können wir die Welt nicht erfassen. Aber sie möchte darauf aufmerksam machen, dass es auch zu Problemen kommen kann, wenn wir in diese Käfige gesperrt werden und dann nur noch als Stellvertreter·innen dieses Kollektivs gesehen werden. Und ich möchte einmal einen Ausschnitt aus dem Buch vorlesen, der dieses Problem meiner Meinung nach sehr gut illustriert:

„Ich war nicht mehr nur ich, Kübra, ich war auch eine Muslimin und hatte damit jede Frage zu beantworten, die nicht-muslimischen Menschen zum Thema Islam einfiel über die Kriege im Irak und in Afghanistan, über Terrorismus, über Zitate aus dem Koran. Zu all dem sollte ich Stellung beziehen. Immer mehr ließ ich mich meiner Individualität berauben, beantwortete bereitwillig jede Frage, recherchierte, machte es mir zur Aufgabe, informiert zu sein. In einer meiner ersten Erinnerungen an diesen Druck bin ich 13 Jahre alt. Es war kurz nach dem 11. September 2001. Ich saß mit meiner jüngeren Schwester in der U-Bahn, als sich eine Frau mittleren Alters zu uns setzte. Nach langem Mustern fragte sie mich, ob ich mein Kopftuch freiwillig trage. Ja, natürlich, antwortete ich. Nein, erwiderte sie. Dann hielt sie uns einen Vortrag darüber, wie unterdrückt wir seien und befragte mich zu politischen Situationen im Iran, Irak, in Saudi Arabien und anderswo. Länder, die ich nie besucht hatte, die ich nicht kannte. Damit habe ich nichts zu tun, rief ich, während sie auf mich einredete. Das ist nicht mein Islam, sagte ich.

Unter ihrem Geschrei stiegen meine Schwester und ich an der nächsten Station in einen anderen Wagen um. Mein Herz klopfte wild. Ich glaubte, ich hätte versagt. Warum war ich nicht ausreichend über die Situation in diesen Ländern informiert? Scheinbar musste ich das als Muslimin sein, sonst hätte sie mich dazu nicht befragt. Es war, als hätte ich nicht ausreichend für eine Prüfung gelernt, die ich hätte meistern müssen. Jede Frage, die mir fortan gestellt wurde, verstand ich als einen Auftrag. Iran, Irak, Afghanistan. Ich ließ mir von wildfremden Menschen vorschreiben, worüber ich informiert zu sein, was ich zu wissen hatte. Nur aufgrund eines Stücks Stoff auf meinem Kopf, nur aufgrund meines Glaubens. Die Fragen der anderen prägten, was ich über meine eigene Religion lernte. Sie drängten meine eigenen Fragen, meine eigenen Interessen, meinen ureigenen Wissensdurst in den Hintergrund. Ich eignete mir Wissen darüber an, weshalb das Morden und Treiben dieser Unmenschen im Namen meines Glaubens keine Grundlage in meinem Glauben findet, um mich verteidigen zu können. Statt mich mit den Fragen der Religion zu beschäftigen, die eigentlich für mich als Individuum wichtig gewesen wären. Charakterbildung und Herzensbildung. Themen, die mich nicht zwangsläufig zu einer besseren Verteidigerin oder Pressesprecherin meiner Religion machen würden, aber zu einem besseren Menschen mit einem gesunden Herzen.“

Carsten Das ist doch ein hervorragendes Beispiel, an dem mensch auch diese Übertragung auf den Veganismus sehen kann. Kübra selber ist in der Situation, die sie dort schildert, eine Benannte. Sie wird automatisch in diesen Käfig der Muslim·innen gesperrt und wird nur noch als Muslima wahrgenommen, nicht mehr als Individuum und muss sich dementsprechend auch in einer Art und Weise rechtfertigen, die weit über das hinausgeht, was sie als Individuum eigentlich leisten kann, leisten möchte. Wir vegan lebenden Menschen kennen ja genau diese Situation, dass wir uns rechtfertigen müssen und dass uns Fragen gestellt werden, die gar nicht uns persönlich betreffen, sondern auf den Veganismus an sich abzielen. Und wir sind ja quasi schon, wenn wir dem standhalten wollen, gezwungen, uns eine Wissensressource aufzubauen, die weit über das hinausgeht, was ich normalerweise als Einzelperson lesen oder irgendwo lernen würde, nur um eben diese Fragen beantworten zu können. Weil ich in der Funktion eben als benannte Person, als der Veganer oder die Veganerin jetzt nicht mehr nur mich persönlich rechtfertigen muss, sondern ich bin ja Stellvertreter·in für den Veganismus und muss, wenn ich diese Stellvertreter·innenrolle einnehme, gut abschneiden. Also ich muss einen guten Eindruck hinterlassen. Ich darf an der Stelle im Zweifel vielleicht noch nicht mal versagen, weil das ja nicht nur mein persönliches Versagen wäre, sondern ich repräsentiere den Veganismus nach draußen. Und der würde mit mir in dieser Situation ja mit versagen, wenn ich nicht das richtige Argument hätte.

Stefanie Genau, genau das ist es halt. Genau, ich finde, das, was ich vorgelesen habe, können wir wirklich eins zu eins analog übernehmen. Außer halt die inhaltlichen Themen wechseln mit veganen Themen. Und genau das, dieses Gefühl versagt zu haben, haben so viele von uns, nach einem Gespräch nicht das richtige Argument parat gehabt zu haben. Nicht die richtige Antwort auf die Frage gewusst zu haben, vielleicht irgendwie auf einmal einen Blackout gehabt zu haben. Die richtige Antwort fällt dir dann erst viel später ein. Und das sind ja auch alles Dinge, die ich im Von Herzen Vegan Podcast bespreche. Also wenn du da Hilfe brauchst und Unterstützung benötigst, hör dir den Podcast an, da bespreche ich das in aller epischer Breite.

Das Buch hat mir so viel gegeben. Sie schreibt nicht einmal etwas über Veganismus und das ist auch überhaupt kein Problem für mich, weil das, was sie da über Sprache und Sein und darüber, was wir als diese Benannte empfinden und durchmachen und wie wir den Alltag erleben, das ist einfach etwas, was mir die Augen geöffnet hat. Noch mal auch auf diesen Aspekt hin, dass manche Menschen sagen, sie wollen einfach nicht mehr als vegan benannt werden. Und das ist natürlich ein Vorteil, den wir als Veganer·innen haben, weil wir ja kein offensichtliches Merkmal haben, es sei denn, wir laufen mit einem T-shirt rum, auf dem vegan draufsteht, sieht mensch uns das auf den ersten Blick erstmal nicht an, ob wir vegan leben oder nicht. Da hat jemensch es mit einem Kopftuch natürlich schwerer oder mit einer bestimmten Hautfarbe oder mit einer Brille oder einem Hörgerät oder wie auch immer geartet. Da sind wir da natürlich im Vorteil, dass wir einfach sagen können okay, ich oute mich nicht mehr als vegan, um dem zu entgehen, um diese Last des Stellvertreter·innen-Daseins nicht mehr tragen zu müssen.

Kübra beschreibt da auch mehrere Situationen und zwei sind mir jetzt im Kopf geblieben. Zum einen haben Freundinnen von ihr ihr Kopftuch abgelegt, weil sie das nicht mehr ertragen konnten, dass sie immer nur als Stellvertreter·innen ihres Glaubens wahrgenommen wurden und sie diese Verbundenheit mit der Spiritualität, weswegen sie überhaupt glauben, nicht mehr leben konnten. Und sie wollen nicht immer wieder ihren Glauben erklären müssen und erklären müssen, wo sie vielleicht herkommen oder warum sie das Kopftuch tragen. Und genauso war da eine Situation, in der Kübra von einer Frau erzählt hat, die wohl in Amerika lebte, die auch ihr Kopftuch abgelegt hat und dann meinte, dass es wie eine Befreiung war. Sie konnte auf einmal einfach gemein oder schlecht gelaunt sein und das wurde nicht auf den Glauben gemünzt. „Alle Muslim·innen sind so“. Sondern einfach als Individuum war sie grad mal schlecht gelaunt.

Und das ist ja genau das Problem, was wir haben, diese Last, dass, sobald wir benannt werden und wir in diese Stellvertreter·innen-Rolle gezwungen werden, dass wir dann diese Last auf den Schultern tragen, dass alles was wir tun und so wie Carsten es gerade schon sagte, auf den Veganismus zurückgeführt wird. Wenn ein·e Veganer·in von Lichtnahrung spricht und sagt, dass das durchaus praktikabel ist, dann sind alle Veganer·innen davon überzeugt, dass Lichtnahrung durchaus praktikabel ist. Das ist die Gleichung dann quasi. Und das heißt, wir sind keine Individuen mehr. Ein unbenanntes Individuum, ein Mensch in unserer Gesellschaft, der der gesellschaftlichen Norm entspricht, der jetzt von Lichtnahrung reden würde, den würden wir als Spinner abtun. Aber ein·e Veganer·in, der oder die von Lichtnahrung spricht, gefährdet das ganze Kollektiv. Und das ist eben dieses Problem, dass wir immer und immer und immer in diese Rolle gezwungen werden, als Stellvertreter·innen zu agieren. Und deswegen - jetzt verstehe ich das nämlich endlich - sagen manche Veganer·innen: ich oute mich nicht mehr als vegan, ich will nicht mehr als vegan benannt werden, um diese Last nicht mehr tragen zu müssen und um endlich, endlich, endlich wieder als Individuum gesehen zu werden.

Carsten Ja, weil du aus diesem Käfig ja nicht mehr rauskommst. In dem Moment, wo du dich einmal als vegan lebender Mensch in der Öffentlichkeit outest, bist du halt tatsächlich immer zu einem großen Teil dieser vegan lebende Mensch und dementsprechend in dieser Stellvertreter·innenfunktion. Und alles was du machst und tust, das spielt gar keine Rolle, wie du das persönlich siehst. Es wird immer auf das Kollektiv gemünzt und du kommst aus dieser Rolle auch gar nicht mehr raus. Dieser Käfig existiert. Und was ich vorhin schon sagte: Du kannst an diesen Käfigstäben und -türen rütteln und versuchen, den Käfig ein bisschen zu verschieben. Aber du bleibst einfach drin, weil du benannt bist.

Stefanie Genau. Sobald wir uns also entscheiden, vegan zu leben und uns dann eben auch als vegan outen, treten wir damit aus der Masse der Unbenannten heraus und werden dann zu Benannten. Und das ist für manche einfacher zu ertragen, die sowieso schon benannt waren aufgrund verschiedenster Eigenschaften. Für andere, die vorher aber unbenannt waren, ist es eine ganz harte Erfahrung. Und dieses Leben als Benannte und als Stellvertreter·innen dieses Kollektivs macht ja auch ganz viel mit uns, mit unserer Berufswahl teilweise auch und mit dem, was wir überlegen zu tun, was wir in unserem Leben bewegen wollen. Und Kübra hatte das glaube ich in dem Interview gesagt oder in dem Podcast Interview, ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Sie sagt, dass sie immer wieder junge Menschen erlebt, die sagen, sie möchten den und den Beruf ergreifen und nicht, weil sie den Beruf so gerne ausüben würden, sondern weil sie zeigen wollen, dass Menschen mit ihren Merkmalen auch diesen Beruf ausüben können.

Und das ist das Gleiche, was ich immer und immer wieder von Veganer·innen, vor allem von Sportler·innen erlebe, die sagen: Okay, ich will zeigen, ich laufe jetzt zum Beispiel diesen Marathon oder ich mach diesen Kraftsport oder was auch immer - es gibt noch mehr Sport als Kraftsport und Laufen, ich weiß, das ist jetzt das, was mir gerade so einfällt - ich mache das nicht, weil ich das gerne mache, sondern um zu beweisen, dass Veganer·innen das auch können. Hier wieder bitte einmal der Disclaimer: Wenn du das gerne machst und gerne läufst und gerne Kraftsport machst usw. und so fort, dann ist das natürlich überhaupt gar kein Problem, wenn du es weiterhin machst und einfach quasi on the fly zeigst, dass Veganer·innen das auch können. Also einfach nur, weil du jetzt halt vegan lebst und dich geoutet hast. Ich möchte nur einmal noch anmerken, dass es eben diese Gefahr besteht, dass wir als Veganer·innen etwas nur tun, um zu beweisen, dass Veganer·innen das auch können.

Carsten Du darfst den Druck hinter dieser Sache rausnehmen. Du bist nicht verpflichtet, nur weil du vegan lebst, als - keine Ahnung - veganes Idol nach draußen zu treten, eine tolle Leistung zu bringen, sondern du kannst auch sportlich vielleicht schlechter abschneiden, hinter deinen persönlichen Zielen zurückliegen. Wie auch immer, es hat erst mal nichts mit deinem Vegansein zu tun, das dürfte ja klar sein. Aber du bist nicht verpflichtet Repräsentant·in dieser vegan Benannten, eingepferchten Gruppe zu sein. Sondern es geht darum, dass du den Druck aus dieser ganzen Sache rausnimmst und auch scheitern darfst, auch wenn du vegan bist.

Stefanie Genau, Denn du bist ein Individuum. Du bist nicht der oder die Stellvertreter·in des veganen Kollektivs Veganismus. Sondern du bist ein Individuum.

Carsten Und damit haben wir jetzt im Grunde genommen schon dieses Ausstiegsszenario angesprochen. Denn die Frage ist ja, wenn wir automatisch zu den Benannten gehören und das ist ja keine Position, die wir uns per se aussuchen, sondern die wird uns ja aufgedrückt und wir stecken in diesen Käfigen, ob wir wollen oder nicht, die Frage ist, wie kommen wir da raus? Und ja, dieses Ausstiegsszenario selber liegt nicht darin, möglichst gut in dieser Rolle des Stellvertreters oder der Stellvertreterin zu agieren, um der Außenwelt zu zeigen Mensch, wir sind einfach gut, wir können das und keine Ahnung, was wir sind. Vielleicht auch auf allen Ebenen eloquent und wissend und was auch immer zu sein, nicht perfekt in dieser Rolle sein, sondern der Ausweg ist, von dieser Rolle oder aus dieser Rolle zurückzutreten und du zu sein. Du als Individuum.

Stefanie Genau mit all deinen Stärken und Schwächen, deinen Charaktereigenschaften und deinen Möglichkeiten. Und das ist etwas, was ich jetzt schon in einer Folge des Von Herzen Vegan Podcast beschrieben habe, was ich deswegen hier nur kurz anreiße. Es geht um „The Danger of the Single Story“, also darum, dass eine Geschichte zur einzigen Geschichte wird und damit auch zur einzigen Wahrheit. Und das ist auch nochmal was, was ich gerade gemerkt habe, was wir vergessen haben vor dem Ausstiegsszenario noch zu nennen: nämlich die Gefahr, dass wir als Veganer·innen uns auch selbst zensieren, damit wir den Erwartungen der Gesellschaft entsprechen und uns möglichst so präsentieren und anbiedern, dass die Benannten uns gut finden und uns tätscheln und sagen: Ja, ist in Ordnung, dass ihr da seid. So wie ihr euch jetzt präsentiert, ist das okay. Und ich möchte dazu noch einen kleinen Ausschnitt aus dem Buch vorlesen.

“Der afroamerikanische Schriftsteller James Baldwin besuchte im Jahr 1951 ein kleines Dorf in den Schweizer Alpen und beschrieb, wie die Menschen auf ihnen den ersten schwarzen Mann, den sie sahen, reagierten. Weil, wie er schreibt, schwarze Menschen in den USA dazu erzogen wurden, sich beliebt zu machen, lächelte er. Doch das Lächeln wirkte nicht. ‚Man kann schließlich für niemanden Sympathien entwickeln, dessen menschliches Dasein und Sosein nicht anerkannt werden kann oder nicht anerkannt worden ist. Mein Lächeln war einfach ein neues, noch nie da gewesenes Phänomen die anderen meine Zähne sehen zu lassen. Mein Lächeln sahen sie gar nicht und ich begann zu glauben, dass niemand einen Unterschied bemerken würde, wenn ich, statt zu lächeln zu knurren anfinge.‘ Ihr Unvermögen, einen Menschen in ihm zu erkennen, versperrte den Bewohnerinnen des Dorfes den Blick für die universelle Sprache des Lächelns.“

Dieses Zitat, dieser Ausschnitt beschreibt für mich sehr gut dieses, dass schwarze Menschen in den USA dazu erzogen wurden freundlich zu sein. Also dass ihnen gesagt wurde, wie sie sich verhalten sollten um irgendwie in der Gesellschaft mit den Unbenannten nicht anzuecken. Und das finde ich, ist auch wieder eine Gefahr für uns Veganer·innen, dass wir uns zensieren innerhalb des Kollektivs und sagen: okay, wir müssen dieser einen Norm entsprechen. Was in meinen Augen die Norm dieses schlanken, sportlichen, eloquenten Veganers oder der schlanken, sportlichen, eloquenten Veganerin ist. Eloquent ist für mich gleichbedeutend mit wissend. Ich muss gut informiert sein. Ich muss aus dem Stegreif am besten alle Nährstoffe wissen und wo sie herkommen, wie sie zusammengesetzt werden, wie mein Körper sie verarbeitet usw. und so fort. Ich sollte möglichst dir auf alle gesundheitlichen Fragen eine Antwort geben können und dabei sollte ich sportlich sein und schlank sein.

Carsten Und natürlich ein wandelndes Rezeptelexikon.

Stefanie Ja, das ist natürlich auch nicht zu vergessen. Also das Problem ist dann auch immer noch, dass Veganismus auf Ernährung reduziert wird. Und das ist auch wieder etwas, was ich zum Beispiel bei den veganen Messen beobachte, dass tiefergehende Themen dort eigentlich nicht vorkommen. Es geht darum, wie mache ich Veganismus sexy? Wie kann ich das irgendwie so machen, dass es ein Lifestyle ist, dass möglichst viele Menschen das toll finden, dass sie eben schlank und sportlich und einer gesundheitlichen Norm entsprechen können, die allgemein anerkannt ist?

Carsten Dass das vegane Leben überzeugend wird für die Leute, die eben noch nicht vegan leben. Und ich möchte an dieser Stelle noch mal kurz ausführen: Wir haben jetzt quasi als Beispiel einmal den schwarzen afroamerikanischen Menschen und auch die vegan lebenden Menschen genannt. Diese Eigenheit oder diese Eigenschaft, dass wir uns anbiedern müssen, dass wir einfach eine Art und Weise entwickeln müssen, um von außen anerkannt zu werden, das hat jetzt nichts damit zu tun, dass wir vegan sind oder dass jemensch mit einer schwarzen Hautfarbe geboren wurde, sondern das liegt tatsächlich in der Sache, das wir als Benannte in diese Käfige gesteckt werden und uns dort auch nicht vor schützen können, sondern dass die große Norm gegen eine Mehrheit irgendetwas Atypisches attestiert und uns quasi in diese Rolle drängt. Und damit besteht eben diese Gefahr, um von dieser normgebenden Mehrheit anerkannt zu werden, dass wir uns ja, ich nenne jetzt mal den Begriff anbiedern, dass wir uns anbiedern müssen.

Stefanie Genau, dass wir uns immer wieder erklären müssen. Wir müssen immer und immer wieder uns erklären und möglichst so, dass die Norm das versteht, dass die Unbenannten das verstehen. Das ist eben auch das, was Kübra als Muslimin erfahren hat dass sie immer und immer wieder ihren Glauben versucht hat zu erklären, zu verteidigen und dafür einzustehen. Und wovon sie jetzt einfach auch die Nase voll hat. Was ich total verstehen kann, was sie im Buch auch noch mal ganz ausführlich beschreibt. Also generell eine Leseempfehlung an dich, das Buch auch zu lesen und das mal so nebenbei. Das ist ein sehr, sehr augenöffnendes Buch für mich gewesen. Für dich?

Carsten Absolut, ja.

Stefanie Und es hat mein Verständnis von der Situation und mein Selbstverständnis als Veganerin noch mal auf eine neue Stufe gehoben. Definitiv. Und ich sehe eben eine Gefahr darin, dass wir auch aufgrund der Messen und der ganzen Lifestyle Magazine usw. uns nicht an Veganer·innen im eigentlichen Sinne richten, also an Menschen, die verstehen, warum ich vegan lebe, an unseresgleichen quasi, sondern die ganze Zeit an die Unbenannten und versuchen Themen zu finden, mit denen die Unbenannten etwas anfangen können. Was uns fehlt, ist quasi das voraussetzungsreiche Sprechen. Und voraussetzungsreiches Sprechen ist etwas, was Kübra in ihrem Buch erwähnt, und sie hat da ein bestimmtes Beispiel. Aber ich würde es jetzt direkt mal auf den Veganismus übertragen, nämlich dass wir uns nicht mehr erklären müssen, sondern dass wir untereinander einfach als Veganer·innen miteinander sprechen und diskutieren können über die verschiedensten Themen, die halt nicht unbedingt immer den Veganismus betreffen.

Das ist übrigens genau das, was wir im Von Herzen Vegan Clan machen, dass wir da halt verschiedenste Monatsthemen haben, die jetzt nicht direkt den Veganismus betreffen. Aber es ist auf jeden Fall eben eine Umgebung, in der du dich als Veganer·in nicht erklären musst. Wir haben da sehr viele unterschiedliche individuelle Veganer}innen. Manche sind spirituell, manche überhaupt nicht, andere sind sehr gesundheitsbewusst, manche überhaupt nicht. Und dann gibt es alles da so dazwischen. Also es gibt einfach ein buntes Spektrum an Veganer·innen, die auf verschiedenste Art und Weise den Veganismus leben. Und wir teilen diese Werte, aber wir haben einfach ganz unterschiedliche Leben und können deswegen sehr divers auch diskutieren.

Carsten Genau, und darum geht es halt, dass ist auch der Schlüssel, wie du aus diesem Käfig rauskommst, in dem du einfach du selbst bist und dich auch nicht jedes Mal erklären musst, sondern auch gerne mal nach außen gehen kannst und sagst: Also das ist die Grundvoraussetzung, um mich zu verstehen. Du als Unbenannter musst jetzt vielleicht auch mal ne kleine Hürde überwinden und dir ein gewisses Wissen aneignen, gewisses Verständnis aneignen und nicht andersherum, dass ich als benannte Person dir jetzt irgendwie so anbiedernd entgegenkommen und versuchen muss, mit den Themen zu kokettieren, die für dich gerade noch angenehm sind und alles, was dann über diesen - jetzt mal so ein bisschen pointiert - Lifestylecharakter hinausgeht, dann sofort wieder als schwerfällig und und als nicht zumutbar empfunden wird.

Stefanie Es geht um Sprechen um zu sein und nicht, um uns begreiflich zu machen, sondern einfach, um da sein zu können. Und es geht darum, dass verschiedenste Perspektiven auf diese Welt gleichberechtigt nebeneinander stehen dürfen und dass es eben nicht immer nur eine Wiedererzählung dieser einen einzigen Geschichte gibt, sondern dass es ganz viele verschiedene, diverse bunte Geschichten gibt, die alle existieren dürfen. Und nicht, dass es nur die eine Möglichkeit gibt. Es ist die beständige Vielzahl der Perspektiven, die den Unterschied ausmacht. Ich habe das in der Podcastfolge, die ich im Von Herzen Vegan Podcast zu „The Danger of the Single Story“ aufgenommen habe, auch noch mal erzählt. Dieses Beispiel, was die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, die den Ted Talk gehalten hat, auf den ich mich da beziehe, benannt hat, nämlich dass in ihrem Fall zum Beispiel von Afrikaner·innen relativ wenig Literatur existiert, so dass wir wenig Einblicke in das Leben auf dem afrikanischen Kontinent haben und so auch uns überhaupt kein Bild vom Facettenreichtum gemacht haben bisher. Aber im Vergleich dazu haben wir sehr viele Möglichkeiten, den weißen amerikanischen Mann zu verstehen, weil es aus dieser Perspektive unendlich Geschichten gibt, die in den verschiedensten Medien erzählt werden. Und deswegen ist es halt relativ einfach, US-Amerikaner·innen als Individuum zu sehen und ihr Verhalten nicht zu verallgemeinern, aber relativ schwer aufgrund dem Mangel der Geschichten, dann zum Beispiel vom Kontinent Afrika stammende Menschen als Individuen zu sehen. Oder wenn wir das jetzt wieder auf uns als Veganer·innen übertragen, Veganer·innen als Individuen zu sehen und dann eben sagen okay, Veganer·innen sind immer so. Das ist so wie „die Russen“ oder so was halt. „Männer sind immer so“, „Frauen sind immer so“, also generell dieses: wir sperren sie in einen Käfig, wir benennen sie und dann ist sie oder er ein·e Stellvertreter·in dieses Kollektivs.

Carsten Ja, und da finde ich diesen Ansatz oder diese Erklärung des voraussetzungsreichen Sprechens wirklich hervorragend geeignet, um das zu verdeutlichen. Wenn ich mir jetzt so diese Medienlandschaft anschaue, Social Media etc. und mal die Akteure herauspicken, die vegan leben. Da habe ich immer den Eindruck, die versuchen den Veganismus immer noch zu erklären. Auch bei Medienschaffenden, die das schon längere Zeit machen, kommen immer wieder dieses Facetten in den Vordergrund, dass sie versuchen, den Veganismus zu erklären. Und mir fehlt das tatsächlich in der gesamten Medienlandschaft. Das muss jetzt noch nicht mal irgendwie auf YouTube sich abspielen oder bei Instagram. Das können auch irgendwie literarische Geschichten, Romane etc. sein. Da fehlt mir tatsächlich so dieses Voraussetzungsreiche, dass mensch einfach Storys mitbekommt oder wahrnimmt, wo die Akteure einfach vegan leben und das gar nicht erklären müssen, sondern das integraler Bestandteil ist und darauf aufbauend dann eben die Erzählung aufsetzt. Und das fehlt mir momentan und deswegen finde ich das ganz wichtig, da wirklich so dieses voraussetzungsreiche Sprechen stärker in die Medienlandschaft zu tragen. Denn erst wenn das anerkannt ist, dass wir vegan lebenden Menschen uns nicht mehr erklären müssen, sondern dass das als gelebte Norm einfach akzeptiert wird, erst dann haben wir auch die Möglichkeit, uns da zu befreien aus diesem Benannten Käfig und und völlig ungezwungen zu verhalten und als Individuum auch wirklich wahrgenommen zu werden als facettenreiche Gesellschaft und nicht als „das sind die Veganer·innen“.

Stefanie Es geht um eine Welt, in der die Menschlichkeit aller Menschen Anerkennung findet. Und es geht um eine bunte Welt, in der wir alle nebeneinander existieren können als Individuen und nicht als Stellvertreter·innen eines Kollektivs. Für uns als Veganer·innen ganz speziell geht es darum, uns von diesem Bild, dieser einen einzigen Geschichte zu lösen von der Reduzierung des Veganismus auf Ernährung. Und uns zu öffnen für die Vielfalt der verschiedensten Geschichten, der verschiedensten Individuen. Und dass diese Geschichten eben nebeneinander bestehen dürfen. Es muss möglich sein, dass es auch Veganer·innen gibt, die spirituell sind und das auch leben und davon erzählen gleich neben Veganer·innen, die eben nicht spirituell sind und immer nur auf die Wissenschaft schauen, also faktenbasiert sind. Es muss möglich sein, dass es einfach verschiedene Geschichten nebeneinander gibt und dass sie nicht automatisch dann auf das Kollektiv Veganismus zurückfallen, sondern dass ein Mensch als Individuum Fehler machen darf.

Dass ein Mensch als Individuum Sachen sagen darf, die so nicht in Ordnung sind und wir ihn·sie als Individuum dann korrigieren dürfen. Aber was nicht dann gleichbedeutend ist mit, so wie es in den Medien zum Beispiel häufig ist: „Eine vegane Familie hat das Kind mangelernährt und deswegen ernähren alle veganen Familien ihre Kinder mangelmäßig.“ sondern individuell zu schauen: Was haben die denn da gemacht? Haben die dem Kind zum Beispiel gar nichts zu essen gegeben oder so? Oder hatte das überhaupt was mit dem Veganismus zu tun? Und dann sich individuell wirklich um diese Familie zu kümmern und nicht gleich wieder zu schreien: Die schlimmen Veganistis! Und das schaffen wir eben nur, wenn es ganz, ganz, ganz viele verschiedene Geschichten gibt. Von Veganer·innen. Für Veganer·innen. Über Veganer·innen. Über unsere verschiedensten Weltsichten. Wenn die alle nebeneinander existieren dürfen.

Und falls du dich jetzt fragst, ob du wirklich dann alles tolerieren musst, was da so gesagt wird, dann möchte ich dazu noch einmal eine Passage aus dem Buch „Sprache und Sein“ zitieren: „Doch sollte dabei beim gemeinsamen Denken die Toleranz für die Perspektive unseres diskursiven Gegenübers grenzenlos sein? Der afroamerikanische Autor Robert Jones junior formulierte eine so einfache wie klare Regel: ‚Wir können verschiedener Meinung sein und uns dennoch lieben‘, schrieb er. ‚Es sei denn, dein Dissens wurzelt in meiner Unterdrückung und in deiner Weigerung, meine Menschlichkeit und meine Daseinsberechtigung anzuerkennen. Das ist der Tisch, an den wir uns niemals setzen sollten.‘ Damit wir gemeinsam laut denken können brauchen wir also auch Regeln und Grenzen. Denn ja, im Grunde kann jede Frage gestellt werden, doch muss auch jede Frage in jedem Kontext von allen beantwortet werden. Ein Beispiel: Menschen stellen manchmal die absurdesten Fragen, etwa ob ich mit Kopftuch dusche. Ob eine solche Frage in einem privaten Gespräch beantwortet werden könnte ist das eine. Aber sie gehört definitiv nicht in eine Talkshow vor einem Millionenpublikum. Warum? Weil sie mich und andere kopftuchtragende Frauen in eine Objektposition drängt und letztlich dazu führt, uns lächerlich zu machen. Müssen wir tatsächlich alle darüber diskutieren, ob schwarze Menschen gute Nachbarn sein können? Das Kriterium sollte sein: ist eine Frage von wirklicher gesellschaftlicher Relevanz. Ist sie konstruktiv? Bringt sie uns irgendwie weiter? Oder will sie lediglich Angst und Ohnmacht verbreiten?“

Und wenn wir uns daran halten und das so als unseren Richtwert, Leitstern, Polarstern, Nordstern, wie auch immer du das nennen möchtest nehmen, dann können wir uns aus diesen Käfigen befreien und wirklich als Individuen wahrgenommen werden.

Carsten Und jetzt sind wir am Ende unserer Folge angelangt. Und da bleiben noch zwei Dinge, das eine: Wir haben es vorhin indirekt oder auch mehrfach schon benannt. Dieses Buch ist wirklich lesenswert. „Sprache und Sein“. Also du tust den großen Gefallen damit, wenn du dieses Buch im Nachgang nochmal liest. Das ist das eine und das andere: diese Folge darf natürlich nicht schließen, ohne dass wir uns bei unseren ganz tollen Steady-Unterstützer·innen bedanken für die ja teilweise jahrelange Unterstützung, die uns jetzt mittlerweile zuteil gekommen ist.

Stefanie Und da möchte ich mich in dieser Folge ganz herzlich bei Mara bedanken, die jetzt neu als finanzielle Unterstützerin hinzugekommen ist. Und ich freue mich wirklich sehr über diese Wertschätzung meiner Arbeit. Und ich sage jetzt immer ich und Carstens quasi mitgemeint.

Carsten Ich bin mitgemeint. Okay, kontextuell mitgegriffen.

Stefanie Sehr schön. Also in einem Bruchteil meiner Arbeit ist auch Carsten mit drin.

Carsten Ich bin also deine Arbeit, okay?

Stefanie Teil meiner Arbeit. Teil meiner Arbeit ist auch Carsten. Also herzlichen Dank, Mara, das ist wirklich wunderbar und ich freue mich sehr. Wir kommen jetzt ganz nah an den Betrag heran, den ich brauche, um monatlich meine Kosten zu decken, und zwar für die ganzen kostenlosen Dinge, also, die für dich kostenlos sind. Die sind für mich gar nicht kostenlos, sondern ich zahle da jeden Monat Gebühren für Hosting und verschiedenste Programme. Und natürlich ist meine Arbeitszeit da jetzt nicht mitgerechnet. Wenn wir die jetzt noch mit einrechnen würden, dann wäre es unbezahlbar.

Carsten Ist es ja sowieso schon.

Stefanie Ja, also du hilfst auf jeden Fall mit deiner finanziellen Unterstützung bei Steady mit, dass zumindest diese Ausgaben, die ich jeden Monat habe, gedeckt sind.

Carsten Also vielen Dank für die Unterstützung und für das Vertrauen.

Stefanie Und das gilt natürlich auch für alle anderen Steady-Unterstützer·innen. Und wenn du das Gefühl hast meine kostenlosen Angebote geben dir ganz viel und du möchtest etwas zurückgeben, dann freue ich mich sehr, wenn du auch Mitglied bei Steady wirst und mich mit einem kleinen monatlichen Betrag unterstützt.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt mensch tschüss.

Carsten Und bleibt gesund.

Links zur Folge

Tierrechtsaktivismus in Zeiten von Corona

Ein Beitrag

Folge 192 - Tierrechtsaktivismus in Zeiten von Corona

Wir leben gerade in einem Ausnahmezustand und das Thema "Coronavirus" dominiert die Medien.

Mittlerweile ist der beste Schutz für alle, zuhause zu bleiben und soziale Kontakte möglichst zu meiden.

Alle Veranstaltungen wurden abgesagt, niemand weiß, wann die Krise überstanden sein wird.

Viele Tierrechtsaktivist·innen sorgen sich, dass das Thema Tierrechte nun zu sehr in den Hintergrund gerät. Denn die Tiere leiden weiter- auch wenn wir aufgrund der Pandemie in unseren Wohnungen bleiben.

In dieser Folge zeigen wir einige Möglichkeiten auf, wie Du trotz Krise aktiv für die Tiere werden kannst - egal wieviel Zeit Du momentan hast.

Vollständiges Transkript

Stefanie Dies ist eine Sonderfolge aufgrund des Coronavirus, der uns alle teilweise schwächt und teilweise ins Homeoffice und nach Hause in unsere Wohnung zwingt. Und mehrere Meldungen haben mich erreicht von besorgten Veganer·innen, die sagen ja, jetzt sprechen alle nur noch über das Coronavirus, was natürlich wichtig ist. Aber die Tiere leiden ja trotzdem und wir haben uns entschlossen, jetzt kurzfristig diese Folge aufzunehmen, um darüber zu sprechen, was du in Zeiten des Coronavirus für die Tiere tun kannst.

Carsten Also mein erster Impuls, als wir vorhin über dieses Thema gesprochen haben, war im Moment haben wir eh keine Stimme, also sprich, das mediale Echo, was wir als Tierrechtsaktivist·innen verbreiten können, wird jetzt wahrscheinlich irgendwo untergehen im Rahmen der gesamten Berichterstattung über diese Pandemie. Und das fühlt sich im ersten Moment ja schon ein bisschen beklemmend an Ohnmächtig. Ja, das ist kein schönes Gefühl, wenn man weiß, was für eine laute Stimme wir teilweise bei bestimmten Aktionen und Aktivitäten als Bewegung schon erreichen konnten. Und jetzt auf einmal so sehr ins Hintertreffen zu geraten, das ist schon sehr befremdlich.

Stefanie Ja, und es geht uns jetzt in dieser Folge nicht darum, irgendwie das klein zu reden über das Coronavirus und zu sagen okay, es gibt kein Anrecht darauf, dass die Berichterstattung so breitflächig ist, sondern das ist natürlich total wichtig, dass wir alle informiert werden und dass wir jetzt auch alle zu Hause bleiben und uns nicht mit anderen Menschen treffen, nicht auf die Straße gehen. Auch wenn es wichtig wäre zu zeigen, wie die Tiere leiden, dass die Tiere leiden und warum die Tiere leiden. Aber es ist wichtig, jetzt erst einmal zu Hause zu bleiben und von zu Hause aus zu agieren. Und du hast einige Möglichkeiten, auch von zu Hause aus für die Tiere einzustehen. Und es ist ja auch nicht nur, dass die Tiere weiter leiden, der Klimawandel findet trotzdem weiterhin statt. Wobei ich mir auch schon Gedanken darüber gemacht habe, jetzt wo es quasi so eine Art Reiseverbot gibt, ob dann vielleicht tatsächlich die CO2 Emissionen sinken werden?

Carsten Ja, werden sie mit Sicherheit. Also die ersten Berichterstattungen aus China lassen Rückschlüsse zu, dass aufgrund der geringeren Wirtschaftsaktivität, die da stattfindet, auch der CO2 Ausstoß drastisch geringer wird. Aber ich sehe das jetzt nicht irgendwie als super positives Zeichen, was dann Bestand hat, sondern wenn die Wirtschaft dann wieder in Fahrt kommt - das System ist ja das gleiche geblieben. Das heißt also, wir werden auch früher oder später ein Level erreichen, wo man sagt, da dürften wir eigentlich gar nicht wieder hinkommen. Also von daher, die Klimakrise wird nicht vorbei sein. Sie wird vielleicht von ihren akuten Ausmaßen, wie wir sie in unseren Breitengraden jetzt so wahrnehmen, vielleicht ein bisschen später wieder einsetzen. Andere Breitengrade bleiben ja weiterhin massiv davon attackiert. Es ist ja nicht so, dass das aufhört mit all den schlimmen Sachen, die heute schon aufgrund der klimatischen Veränderungen stattfinden. Also es kommt und bleibt. Und genauso wird auch wieder das Mensch Tier Verhältnis stärker in den Fokus rücken und in den Vordergrund gerückt werden können. Nur, was ich gerade schon sagte, im Moment ist die mediale Berichterstattung vom Fokus her auf ein ganz anderes Thema gemünzt.

Stefanie Und vielleicht gibt es weniger CO2 Emissionen, dadurch, dass die Wirtschaft jetzt brachliegt und wir weniger reisen. Aber die Tiere, die leiden ja trotzdem. Die Haltung der Tiere, die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen wird, das ändert sich ja jetzt nicht dadurch, dass wir jetzt zu Hause bleiben, sondern die Tiere sind ja weiterhin da vor Ort. Und deswegen ist es sehr wichtig, dass wir weiterhin für die Tiere einstehen. Und du kannst es auch von zu Hause aus machen. In erster Linie kannst du jetzt, wenn du sagst okay, ich habe keine Zeit, jetzt irgendwas auf die Beine zu stellen und mich online irgendwie zu engagieren, zum Beispiel auch dann weiterhin Lebenshöfe mit Patenschaften unterstützen. Die brauchen das Geld, die brauchen das immer. Die kümmern sich ja weiterhin um ihre Tiere und nehmen weiterhin neue Tiere auf. Und da ist es natürlich sehr wichtig, dass sie unterstützt werden, vor allem finanziell.

Finanziell Unterstützen kannst du natürlich alle Aktivist·innen, egal ob sie jetzt online tätig sind, so wie ich zum Beispiel mit diesem Podcast und den anderen Podcasts und all den anderen kostenlosen Dingen, die ich für dich bereit stelle, wie vor allem auch den Clan, sondern es geht natürlich auch, dass du weiterhin Tierrechtsorganisationen unterstützt. Diese Möglichkeit finanziell jetzt zu unterstützen ist definitiv etwas, was du tun kannst, damit weiterhin auf das Tierleid aufmerksam gemacht wird, damit weiterhin sich Menschen dafür einsetzen.

Was du auch tun kannst, ist zum Beispiel vegane Restaurants unterstützen, indem du, wenn sie noch geöffnet haben, bei ihnen was zu essen bestellst. Wenn das denn etwas ist, was du sonst auch tun würdest. Ich würde jetzt nicht dazu tendieren, übermäßig zu konsumieren, nur um jetzt diese Restaurants oder Geschäfte zu unterstützen, wenn ich das nicht sonst auch tun würde. Also was jetzt nicht heißt, dass ich jetzt oder du generell übermäßig konsumiere, sondern also wenn du jetzt sonst immer in dieses Restaurant gegangen bist, um dort zu essen, könntest du es dann unterstützen, indem du dir dort von dort etwas liefern lässt. Wenn sie jetzt gar nicht mehr geöffnet haben, was ja die meisten Restaurants dann jetzt auch nicht mehr haben, kannst du auch bei vielen Gutscheine kaufen und die dann später einlösen. Das ist auch eine super Möglichkeit, dein Lieblingsrestaurant zu unterstützen. Wenn du weißt, du gehst da sowieso gerne essen und wenn die dann im Mai oder im Juni oder wann auch immer wieder aufmachen, dann kannst du sie jetzt unterstützen und Gutscheine kaufen und dann später davon dort essen gehen.

Carsten Vielleicht wirst du im Moment ja auch zur Ruhe gezwungen dadurch, dass du deine Berufstätigkeit nicht wie andere im Homeoffice erledigen kannst, sondern jetzt erst mal, ja vielleicht auch so eine Art Leerlauf hast. Das ist natürlich dann auch eine gute Möglichkeit, um vielleicht auch kreativ so ein bisschen zu überlegen, was möchtest du eigentlich in Zukunft machen? Es kann ja durchaus sein, dass du das eine oder andere Projekt Mensch Tier Verhältnis schon immer im Hinterkopf mit dir herumgetragen hast und aufgrund von Alltagsgeschehen eigentlich nie in die Lage der Umsetzung gekommen bist, dann ist das jetzt im Grunde genommen eine sehr schöne Chance, in dieser erzwungenen Ruhephase dich damit auseinanderzusetzen und einfach mal zu schauen, was kannst du aus diesen Ideen noch generieren?

Stefanie Genau. Du könntest also jetzt alleine ein Projekt beginnen oder dich online vernetzen. Also jetzt ist sozusagen die Zeit, um dich online zu vernetzen, um ganz vieles online zu machen und du könntest jetzt in Ruhe diese Aktion vorbereiten, alleine oder mit anderen und dann sie später umzusetzen, wenn die Zeit reif ist. Du kannst dich natürlich auch weiterhin online irgendwie in Foren rumtreiben und in Gruppen usw und so fort und dort Veganer·innen, die vielleicht noch am Anfang sind, unterstützen. Und auf diese Art und Weise für dich dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit weiterhin zu fühlen, dass du merkst, du tust etwas für die Tiere, Du bist da, du machst etwas, was deinen Möglichkeiten entspricht.

Vielleicht willst du auch gerne einen Podcast anfangen oder du möchtest einen Blog schreiben oder, oder oder. Es gibt ja ganz viele Möglichkeiten, auch online sich für die Tiere einzusetzen. Und vielleicht gibt es ja auch Gruppen, die dankbar wären, wenn du zum Beispiel ihnen jetzt hier die Internetseite programmierst oder für sie dann im Hintergrund irgendwelche Datensätze einpflegst oder, oder oder. Da gibt es ja ganz viele Arbeiten, die immer gemacht werden müssen.

Und wenn du jetzt irgendwie Leerlauf hast und das Gefühl hast, okay, mir fällt die Decke zu Hause auf den Kopf und die Tiere leiden und das macht mich total fertig und ich will aber was tun. Dann gibt es sicherlich ganz viele Möglichkeiten sich da einzusetzen. Da kannst du bestimmt in den sozialen Medien mal rumfragen, wer da Hilfe braucht oder wen du da unterstützen kannst. Und natürlich sind die gängigen Tierrechtsorganisationen auch immer eine gute Anlaufstelle dafür.

Und wenn du dich momentan allein fühlst, weil du alleine lebst, vielleicht und als Veganer·in alleine bist oder weil du als Veganer·in in deiner Familie die oder der einzige bist und jetzt ja nicht raus kannst, weil wir ja unser Zuhause nicht verlassen sollten, dann bist du auch immer herzlich willkommen im von Herzen Vegan Clan der kostenlosen Community. Wenn du magst, kannst du da gerne Mitglied werden und dich mit anderen Gleichgesinnten austauschen. Den Link findest du wie immer hier unter der Folge oder in den Shownotes.

Und wenn es dir wie mir geht und du jetzt mit Mann und Kind bzw Kindern oder Frau und Kind bzw Kindern oder Partner·innen, wie auch immer du das nennen möchtest, zu Hause sitzt und genug zu tun und gar keine freie Zeit hast, weil du von zu Hause aus arbeitest. Der·die Partner·in arbeiten auch von zu Hause aus. Das Kind will irgendwie bespaßt werden oder es ist sogar jemand krank, hat Grippe oder vielleicht sogar tatsächlich Corona, dann sollte das auch völlig in Ordnung sein, dass du jetzt einfach nichts für die Tiere tun kannst, dass da keine Zeit ist, die übrig bleibt, um etwas zu tun.

Du kannst wie gesagt, immer wenn du die finanzielle Möglichkeit dazu hast, Organisationen, Lebenshöfe, Aktivist·innen finanziell unterstützen. Das kostet keine Zeit, nur Geld und das wäre eine Möglichkeit. Aber wenn dir das auch nicht möglich ist und du einfach gerade gar keine Möglichkeiten hast, keine Kapazitäten, dann ist auch das in Ordnung. Es ist völlig in Ordnung. Wir leben gerade in einem Ausnahmezustand. Wir müssen gerade irgendwie unser Leben neu organisieren und da ist es natürlich super schade, dass der Blick nur auf diesen Ausnahmezustand gerichtet ist und nicht mehr auf das Leiden der Tiere. Aber es ist sehr verständlich, denn es berührt ja nun mal unser direktes Leben. Und wenn wir nicht überleben, können wir uns auch nicht für die Tiere einsetzen.

Also ganz wichtig: Sicherheit geht momentan vor, bleib zu Hause, kümmer dich um deine Kernfamilie, deine Familie, die du um dich herum hast, besuche keine Verwandten, keine Bekannten, keine Freund·innen, sondern bleib zu Hause und sorg gut für dich. Und wenn dir dabei die Decke auf den Kopf fällt und du nicht mehr genau weißt, was du tun sollst: Du bist, wie gesagt, immer herzlich willkommen im Von Herzen Vegan Clan, dich mit uns dort auszutauschen.

Jetzt ist auch die Zeit zum Beispiel verschiedene Resilienzübungen auszuprobieren, miteinander zu spielen, was eine super Strategie ist, die verschiedensten Spiele auszuprobieren. Und es gibt so viele Aktionen jetzt auch schon im Internet von Menschen, zum Beispiel Illustrator·innen, die kostenlose Malvorlagen und Mandalas anbieten für Kinder, damit die Kinder jetzt nicht fünf Wochen lang vor dem Fernseher sitzen müssen, sondern auch noch was anderes tun können. Das kannst du da zum Beispiel ausdrucken. Du kannst dich fortbilden und online verschiedenste Kurse belegen oder verschiedenste Videos anschauen zu verschiedensten Themen. Es gibt auch noch andere Streamingdienste anstatt Netflix. Es gibt zum Beispiel noch Filmfriend, wo du über deine Bibliothek kostenlos Filme streamen kannst und es gibt einfach jetzt die verschiedensten Möglichkeiten.

Also wenn du wirklich freie Zeit hast und dich jetzt nicht die ganze Zeit um deinen Job, deine Familie und vielleicht noch um dich selbst, wenn du gerade krank bist oder wenn es dir nicht so gut geht, kümmern musst, dann gibt es da wirklich die verschiedensten Onlineangebote, die du auch nutzen kannst. Also wenn du noch Anregungen für Resilienzübungen brauchst, hör dir gerne den von Herzen Vegan Podcast an, da teile ich sehr viele und die kannst du meistens auch von zu Hause aus machen. Einige sind natürlich dabei, die du auch außerhalb von zu Hause machen kannst, aber da sind viele auch dabei, die du von zu Hause aus machen kannst.

Carsten Und wenn du noch irgendwelche Ideen und Anregungen hast, wie man trotz dieser Pandemie für Tierrechte und für das Mensch Tier Verhältnis eintreten kann, dann lass uns das gerne wissen. Du kannst uns eine Email schreiben an post@vonherzenvegan.de.

Stefanie Genau. Also das kannst du gerne machen, oder Du schreibst einfach im Clan, wenn du Clanmitglied bist, kannst du das auch gerne machen.

Carsten Genau. Und dann hoffen wir, dass du diese Zeit gesund überstehst.

Stefanie Ja, wir. Also ich habe gemerkt, dass sich bei uns jetzt der Minimalismus ein wenig rächt. Dadurch, dass wir gar keine Bücher mehr haben und wir den Zeitpunkt verpasst haben, noch schnell in den Bücherhallen uns Bücher auszuleihen und wir auch kein Medium haben, mit dem wir eBooks lesen könnten. Und so sind wir jetzt so ein bisschen aufgeschmissen, was das angeht und müssen jetzt mal überlegen, wie wir da weiter vorgehen. Und ja, auch wie gesagt, wie wir uns uns weiter beschäftigen. Wir haben noch zwei Puzzle, die wir immer wieder puzzeln können, so ein paar Kartenspiele. Und ja, also wir werden auf jeden Fall mit unserer Kreativität neue Höhenflüge erleben...

Carsten Ja, uns wird nicht langweilig.

Stefanie Nein, nein. Und jetzt zum Abschluss möchte ich noch Mareike feiern, die jetzt eine Jahresmitgliedschaft über Steady abgeschlossen hat und also jetzt Von Herzen Vegan, sprich alle Podcasts, den Clan, den kostenlosen E Mail Kurs und alles was es sonst noch, was ich sonst noch so produziere, an kostenlosen Inhalten mit einem Jahresbeitrag unterstützt. Und das ist super super wertvoll, weil es zum einen zeigt, dass Mareike mir und meiner Arbeit vertraut und außerdem bleibt bei so einer Jahresmitgliedschaft tatsächlich am meisten hängen, weil da nur einmal diese Transaktionsgebühren bezahlt werden müssen. Und Steady zahlt mir das zwar monatlich aus, aber du zahlst einmal diesen Betrag und deswegen wird diese Transaktionsgebühr dann nur einmal anfallen.

Also das ist super, super, super, ganz ganz herzlichen Dank Mareike. Ich habe mich riesig darüber gefreut und mit Mareikes Beitrag haben wir jetzt die monatlichen Gebühren, die ich zahle - für die kostenlosen Projekte fallen ja immer Hostinggebühren an usw. Diese monatlichen Gebühren haben wir fast erreicht und es fehlen jetzt noch 35 € im Monat. Und wenn du jetzt die Chance nutzen möchtest, um mich und meine Projekte - ja der Esel nennt sich immer zuerst - mich und meine Projekte, mich und meine Arbeit finanziell zu unterstützen, dann freue ich mich wirklich sehr. Den Link zu Steady findest du auch hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und jetzt bleibt uns tatsächlich nur noch zu sagen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und gesund bleiben.

Folge 191 - Veganismus als Religion

Ein Beitrag

Folge 191 - Veganismus als Religion

Im Februar 2020 haben wir über das Thema "Veganismus als Religion" gesprochen.

Inspiriert wurde das Thema durch ein Gerichtsurteil in Großbritannien, das Veganismus als Weltanschauung anerkannt hatte.

Ein Clanmitglied hat uns ein sehr gutes Video empfohlen, das sehr viel zur Begriffsklärung und den Hintergründen, warum es wichtig ist, Veganismus als Weltanschauung anzuerkennen, beigetragen hat.

Zum Anfang des Monats habe ich gefragt welche Aspekte die Clanmitglieder im Bezug auf das Thema am meisten interessieren.

Daraus habe ich dann einige Fragen abgeleitet, die ich über den Monat verteilt habe.

So sehen zum Beispiel 55% der Clanmitglieder, die sich an dieser Umfrage beteiligt haben, den Veganismus als Weltanschauung, 15% als ethische Glaubensrichtung, 0% als Religion und 30% wählten "keines davon".

In unserem Live-Chat Mitte des Monats, kam der Gedanke auf, dass wir eine allgemeine Weltanschauungsgemeinschaft brauchen könnten, um uns zugehörig zu fühlen.

Bei einer Umfrage im Clan hierzu, stimmten die meisten Clanmitglieder gegen eine solche Gemeinschaft.

Solange der Veganismus keine religiösen Züge annimmt...

Schließlich haben wir uns auch der Frage gewidmet, was es bedeutet, wenn der Veganismus religiöse Züge annimmt und wovor sich Menschen fürchten, die so etwas äußern.

Außerdem haben wir darüber diskutiert, was denn "Esogschwurbel" im Zusammenhang mit Veganismus bedeutet.

Außerdem gab es auch noch etwas zum Lesen.

Zum einen hat Carsten sehr religionskritische Artikel aus dem Tierbefreiungsmagazin geteilt.

Und dann habe ich noch einen Artikel aus der Kochen ohne Knochen geteilt, den ich persönlich sehr enttäuschend fand.

Zu guter Letzt habe ich gefragt, was Du für Dich bisher an Erkenntnissen über das Monatsthema "Veganismus als Religion" mitgenommen hast.

Links zur Folge

Mitarbeiter·innen in Schlachthöfen

Ein Beitrag

Folge 190 - Mitarbeiter·innen in Schlachthöfen

In dieser Folge gehen wir dem Themenwunsch unserer Hörerin Sabrina nach:

"Mich würde auch mal das Thema "Mitarbeiter in Schlachthäusern" interessieren. Dort arbeiten ja auch keine Monster, sondern nach meines Wissensstand hauptsächlich Leiharbeiter aus dem Ausland. Viele sollen an bereits Depressionen oder posttraumatischen Störungen leiden usw.   Vielleicht habt ihr da ja bereits mehr Informationen an der Hand oder konntet mal mit Betroffenen sprechen?"

Carsten hat zu diesem Thema einen Vortrag besucht und eine Dokumentation angesehen, wir haben beide das Buch "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" von Melanie Joy gelesen und auch sprechen nun über die Schlüsse, die wir aus diesen Medien ziehen.

Links zur Folge

Melanie Joy: "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen"
https://www.buch7.de/produkt/warum-wir-hunde-lieben-schweine-essen-und-kuehe-anziehen-melanie-joy/1020905310?ean=9783981462173

Doku "Personaleingang" auf ARTE
https://www.arte.tv/de/videos/073085-000-A/personaleingang/

Dossier "Tiere, Fleisch und ich" von der Heinrich Böll Stiftung
https://www.boell.de/de/isswas

Komplex Tier Vortragsreihe
https://www.facebook.com/komplextier/

Neue Doku: "REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT" von Yulia Lokshina
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-hff-film-schlachthof-leiharbeit-1.4783714
Gespräch mit der Regisseurin (7 Minuten Video)

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Johanna H.)

Stefanie Diese Folge ist eigentlich kein Baustein für ein neues Wohlstandsmodell, sondern ist die Antwort auf einen Themenwunsch von Sabrina, die sich gewünscht hat, dass wir mal über das Thema „Mitarbeiter in Schlachthäusern“ sprechen. Und sie hat geschrieben: „Dort arbeiten ja auch keine Monster, sondern nach meinem Wissensstand hauptsächlich Leiharbeiter aus dem Ausland. Viele sollen bereits an Depressionen oder posttraumatischen Störungen leiden usw. Vielleicht habt ihr ja bereits mehr Informationen an der Hand oder konntet mal mit Betroffenen sprechen.“

Carsten Wir haben das Thema aufgegriffen, obwohl wir eigentlich keine direkten Betroffenen sprechen konnten. Ich habe auch den Eindruck, dass das schwierig ist, an solche Personen heranzutreten, aus unterschiedlichen Gründen. Wir haben aber trotzdem so ein bisschen Hintergrundmaterial mal angeguckt oder angehört und sind der Meinung, dass wir da zumindest mal - und wenn es auch nur eine kurze Folge wird - aber das einmal thematisieren, weil, ich schließe mich da Sabrina an: Das ist ein sehr wichtiges Thema, ein sehr interessantes Thema und ja, man ist immer sehr verleitet zu glauben, das sind alles Mörder, die da in diesen Schlachthäusern und Schlachthöfen arbeiten. Das ist nicht der Fall. Und das mal ein wenig zu relativieren und ja, ich will nicht sagen ins rechte Licht zu rücken, sondern einfach nur mal darzustellen oder mit dem Wissensstand darzustellen, wie es denn wahrscheinlich eher zutrifft, halte ich schon für sehr, sehr wichtig.

Stefanie Ich glaube, ich habe das erste Mal so bewusst über Schlachthofmitarbeiter gelesen in dem Buch von Melanie Joy über Karnismus, also das „Warum wir Hunde streicheln, Kühe anziehen und Schweine essen“, nee, wie? Ja, irgendwie so. Du weißt, was ich meine. Oder andersrum: „Schweine essen, Kühe anziehen“. Du weißt, welches Buch ich meine. Da ist es, finde ich, sehr drastisch dargestellt, da will ich auch überhaupt gar nicht mehr dran denken, was die Mitarbeiter·innen da teilweise erzählt haben, was sie mit den Tieren angestellt haben und so. Das hat mich in dem Moment ganz, ganz stark schockiert und mitgenommen. Und ja, auch da wurde schon gesagt, dass die Mitarbeiter·innen teilweise oder meist halt gar nicht wirklich freiwillig da arbeiten.

Dann hat Carsten einen Vortrag zu dem Thema besucht, also Mitarbeiter·innen in Schlachthöfen. Carsten hat eine Doku angesehen, von der er meint, dass wir die schon mal angesehen haben, aber ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Und wir haben noch einen kleinen Ausschnitt aus dem Buch, also dieses Dossier von der Heinrich-Böll-Stiftung „Tiere, Fleisch & Ich“, da ist das auch ein Teil davon, also ein ganz kleiner Teil. Eine Doppelseite bezieht sich auch auf die Schlachthofmitarbeiter·innen.

Carsten Ja, und ein bisschen Autobiografie kommt auch noch mit hinzu, wobei das relativ indirekt ist. Ich bin damals aufgewachsen in einem Umkreis, in einem Landkreis, der heute mit zu dem Schweinegürtel in Deutschland gehört. Schweinegürtel, das sind so zwei, drei Landkreise im nördlichen Deutschland, wo sehr intensiv Massentierhaltung betrieben wird. Und im Alter von 14 habe ich meinen ersten Ferienjob aufgenommen. Da war ich stolz wie Hulle, dass ich arbeiten gehen durfte und mir ein paar D-Mark damals noch dazu verdienen konnte.

Und das war in einer Putenzerlegerei. Da sind die Tiere aber schon geschlachtet angeliefert worden und wurden nur noch zerlegt. Wobei man da natürlich trotzdem noch mit dem toten Tier in Kontakt gekommen ist. Und das war damals so eine Phase, wo ich auch über diese ganzen Themen nicht drüber nachgedacht habe, sondern mir ging es da wirklich einfach nur darum, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Also so ein bisschen das Autobiografische kann ich da vielleicht auch nochmal ein bisschen beisteuern.

Stefanie Das heißt, wir können ja direkt damit starten: Das hat dich überhaupt nicht berührt?

Carsten Nein, überhaupt nicht. Das hängt aber auch damit zusammen: Meine Sozialisation war in diesem Umfeld oder fand in diesem Umfeld statt. Ich thematisiere das mittlerweile auch in einem Fotoprojekt, was sehr, sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, weil ich immer nur so sporadisch dazu komme. Aber ich möchte es thematisieren. Dieses Fotoprojekt nennt sich dann auch „Die Banalität der Tierfabriken“ und ich kann das jetzt nur aus meiner persönlichen Perspektive schildern. Es ist omnipräsent.

Also dieses Tierleid wird an sich nicht mehr bewusst wahrgenommen, weil ich an jeder Ecke und Kante, also wirklich räumlich gesehen an sehr vielen Stellen im Dorf, um den Ortskern herum, in den ländlichen Flächen diese Tierfabriken habe. Das ist so omnipräsent, dass man da wirklich, wenn man dort aufwächst, als Kind und Jugendlicher gar keinen Gedanken daran verschwendet. Das ist die gelebte Normalität und entsprechend ist dort auch die Massentierhaltung und auch von der Zerlegung etc. sehr präsent.

Ich weiß, dass mein Großvater damals in einem Lager für ein - ich weiß gar nicht - das war ein Schlachtbetrieb und ein Zerlegebetrieb und er hat irgendwo in diesem Lagerbereich gearbeitet und dann dort die Tierprodukte eingelagert. Meine Mutter war in einem Bürokomplex als Reinigungsfachkraft angestellt, hat dann auch eine Zeit lang für den Geschäftsführer einer dieser beiden Firmen als private Haushaltsreinigungshilfe noch gearbeitet für längere Zeit, also es war immer so dieser Bezug zu dieser Branche da. Und der Landkreis, in dem ich aufgewachsen bin, der ist auch geprägt von den großen Namen dieser Tierhaltungsindustrie, also Wiesenhof oder die PHW-Gruppe ist sehr präsent.

Ich habe mit einem der heutigen Firmenchefs damals meine Berufsschulklasse gehabt, also der war in meiner Klasse. Es war halt so präsent, dass man sich, wie gesagt, keinen Kopf darüber gemacht hat. Und für mich war es einfach tatsächlich ein Ferienjob. Gerade mit 14 das allererste Mal auch rechtlich in der Lage, da mal ein bisschen was dazuzuverdienen und für ein paar Wochen dann wirklich in einem Betrieb zu arbeiten. Und ich habe jetzt natürlich nicht diese schweren körperlichen Arbeiten machen dürfen wie jetzt das Zerlegen, was damals ja auch schon Akkord war und auch eine sehr gefährliche Arbeit. Also die haben Schutzausrüstung gehabt, um sich vor Schnitten dieser scharfen Messer und dieser schnellen Bewegung zu schützen.

Meine Tätigkeit bestand letztendlich darin, Behälter von A nach B zu karren oder vielleicht mal den Fleischwolf zu bedienen und die, ich will nicht sagen die Schlachtabfälle, aber alles das, was nicht mehr als Putenbrust oder Schnitzel oder so was vermarktet werden kann, einfach durch diesen Tumbler oder Fleischwolf durchzuschieben und dann diese Brätmasse da rauszubekommen. Und ja, es waren so Aushilfstätigkeiten, die ich gemacht habe.

Und es verliert sich dann ab einer bestimmten Stufe dann auch in so ein abstraktes Gut. Also man sieht das Tier nicht mehr. Das ist einfach nur noch ein Stück Fleisch, wo man eigentlich gar nicht mehr wirklich erahnen kann: Was für ein Tier stand da eigentlich mal dahinter oder zu welchem Tier gehörte es einfach? Und man, man packt es einfach in so eine Maschine und dann anschließend kommt so eine gequetschte Masse da raus und was mit der dann passiert - ich weiß es tatsächlich bis heute nicht, will es mittlerweile auch gar nicht mehr wissen.

Aber das war alles so eine Arbeitsteilung, eine Taktung, die einfach dazu geführt hat, dass man sich gar nicht Gedanken darüber machen kann. Also dieses moralische Reflektieren, was mach ich da eigentlich, wofür gebe ich meine Arbeitskraft her, das fand damals bei mir überhaupt nicht statt.

Stefanie Nach dem, was wir ja sonst so wissen, ist es ja mittlerweile so, dass es meistens osteuropäische Leiharbeiter sind bei uns jetzt hier in Deutschland und ich meine, ich hatte in irgendwelchen Dokus, vielleicht bei „Food, Inc.“ oder so kann das gewesen sein, da waren das ja die amerikanischen Standards, da kamen dann die Menschen aus Mexiko oder so. Also meistens ja vielleicht, also als Carsten meinte, ich kenne das schon, habe ich mich an irgendwas erinnert, aber ich glaube, das war bei „Food, Inc.“. Da war das auch irgendwie thematisiert mit den Menschen, die da mit den Mitarbeiter·innen, die illegal teilweise auch da arbeiten, aber da arbeiten müssen, weil sie sonst kein Geld verdienen. Das hattest du ja jetzt so nicht.

Und in dem Dossier „Tiere, Fleisch & Ich“ ist es auch nochmal so aufgelistet, was denn da jetzt eigentlich alles so die negativen Bedingungen sind, unter denen ein Schlachter oder Schlachthofmitarbeiter, Mitarbeiterin, Schlachterin dann auch steht. Also ich fange jetzt einfach mal - das ist hier so kreisförmig angeordnet - ich fange jetzt einfach mal oben an. Also die Kälte im Schlachthaus, das ist ja jetzt, also das ist aufs Schlachthaus bezogen. Ich weiß es nicht, war es jetzt auch beim Zerlegen so kalt? Kannst du das irgendwie...

Carsten Du hast immer eine gewisse gekühlte Temperatur und musst dich ein bisschen wärmer anziehen. Also klar. Das hat aber auch mit hygienischen Bedingungen zu tun logischerweise.

Stefanie Ja, okay, und dann Verletzungsgefahr durch Messer. Das hast du ja jetzt auch schon gesagt. Hohes Infektionsrisiko durch multiresistente Keime ist ja auch noch was, worüber man gar nicht so nachdenkt. Schlechte Arbeitsbedingungen und Löhne. Maschinelle Monotonie und eintönige Handgriffe, auch kaum soziale Anerkennung für den Job, schlechte Unterkünfte, wenig Rückhalt, eigene Rechte einzuklagen und seelisch belastende Arbeit. Und hier steht auch nochmal: „Früher war Schlachter ein angesehener Handwerksberuf, heute will kaum jemand in einem Schlachthof arbeiten. Schätzungsweise ein Drittel der Angestellten, die bei uns am Schlachtband stehen, kommen aus Osteuropa. Viele bleiben nicht lange in Deutschland und sind bei Arbeitsfragen im Alltag oft allein auf sich gestellt.“

Carsten Ja, das ist auch ungefähr das, was ich bisher so aus anderen Recherchen mitbekommen habe. Stefanie hat ja gerade schon angesprochen, dass ich mir nochmal eine Dokumentation angeschaut habe. Die läuft auf Arte. Die Dokumentation trägt den sehr unscheinbaren Titel „Personaleingang“. Ich weiß jetzt nicht ganz genau, warum man ausgerechnet diesen Begriff gewählt hat. Es handelt sich dort wirklich um eine Begleitung von Schlachthofmitarbeitern, um deren Arbeitswelt und deren Arbeit an sich auch nochmal ein bisschen präsenter zu gestalten oder zu zeigen. Das ist eine sehr ruhige Doku. Sie ist ausschließlich auf Französisch, aber mit deutschen Untertiteln und spielt ausschließlich in einem französischen Schlachthof. Also man hat sich wirklich darauf konzentriert, eine Firma zu nehmen. Ich weiß nicht, ob sich das alles so auf Deutschland übertragen lässt.

Ich habe da jetzt zumindest in dieser Dokumentation nicht wahrgenommen, wie viele der Angestellten, die dort porträtiert wurden, jetzt aus Osteuropa kommen und wie viele französische Einwohner sind, also, die auch in Frankreich dann quasi geboren wurden. Ich hatte eher den Eindruck, dass es sich um Personen handelte, die in der Gegend schon immer gewohnt haben und dort aber mit dem Umstand konfrontiert waren, dass der Schlachthof der einzige wirklich ernst zu nehmende Arbeitgeber war und dementsprechend auch eine wirtschaftliche Abhängigkeit existiert. Also wenn du Geld verdienen wolltest in diesem Umfeld, hattest du einfach nur die Möglichkeit, in diesen Schlachthof zu gehen oder du warst halt arbeitslos bzw. musstest wegziehen.

Und das, was in dieser Dokumentation tatsächlich in den Vordergrund gerückt ist, ist diese Monotonie, die dort in diesen Schlachthöfen stattfindet. Also es ist da auch von mindestens einer der porträtierten Personen mal benannt worden, dass in dem Moment, wo du morgens dort an einem Spind dich umkleidest, schaltest du quasi oben den Kopf aus und der Kopf wird erst dann wieder eingeschaltet, wenn du das Werksgelände wieder verlässt. Also du bist im Grunde genommen eine Maschine. Du wirst degradiert zu einer Maschine.

Bedingt dadurch, dass die Arbeitstaktung in diesem Betrieb und ich glaube, das ist nicht nur in diesem Betrieb, sondern generell in der Branche üblich - da, wo es um große Schlachthäuser geht, also jetzt nicht der kleine Familienbetrieb, sondern die industriellen Verfertiger - dass dort ein so immenser Kostendruck existiert, dass den Firmen tatsächlich wirtschaftlich nichts anderes übrig bleibt, als das über Produktionsmengen noch irgendwo zu kompensieren. Also die müssen zu einem sehr minimalen Preis anbieten, weil der Markt das irgendwie verlangt. Und das kann man im wirtschaftlichen Sinne nur dadurch realisieren, dass ich die Maschine schnell laufen lasse und der Mensch muss sich diesem Takt dann fügen. Und das ist dann auch von anderen Personen bestätigt worden.

Da gab es einen Meister, der - wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe - dann auch irgendwann mal aus dem Unternehmen rausgemobbt wurde. Der war jahrelang eigentlich mit so einer Intuition unterwegs: Ich möchte mich jetzt nach oben arbeiten, möchte ein besseres Gehalt haben, damit ich mir dann anschließend ein Haus finanzieren kann. Also dieses typische Bild Haus, Familie etc. So ein festes Einkommen und dann bis zur Rente durcharbeiten. Und dementsprechend hat er sich versucht, da in diesem Betrieb hochzuarbeiten und musste dementsprechend auch diese Taktung dieser Maschinen dann im Laufe der Jahre und Jahrzehnte, die er in dieser Branche gearbeitet hat, dann auch über sich ergehen lassen.

Und er sagte, es ist immer schneller geworden. Es ist so abartig schnell geworden, dass eigentlich gar keine Freiräume mehr da sind. Also mit Freiraum ist auch durchaus mal gemeint, einfach mal einen kleinen Moment stehen zu bleiben, innezuhalten oder auch mentale Freiräume. Und das hat man da in dieser Dokumentation sehr eindrücklich gesehen. Das waren Taktungen, die sind, ja, im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich. Da werden Handgriffe schon intuitiv ausgeübt, die müssen intuitiv ausgeübt werden, weil sonst, wenn man drüber nachdenken würde, kriegt man das in dieser Schnelligkeit nicht mehr hin. Und ich muss ja präzise arbeiten - gerade da, wo ich jetzt auch mit Messern irgendwo bestimmte Schnitte durchführen muss und Zerlegetätigkeiten durchführen muss, habe ich ein hohes Verletzungsrisiko. Und wenn ich mich da irgendwie zu sehr ablenken lasse, dann bin ich nicht lange da in der Firma und es gab viele Fälle, die auch längere Zeit dann ausgefallen sind aufgrund von Krankheit oder Unfällen.

Wobei, da fällt mir ein, also Krankheit heißt jetzt nicht ausschließlich, ich habe mich jetzt irgendwie aktiv verletzt, sondern durch diese monotone Arbeit sind oftmals auch Gelenke betroffen gewesen. Dass da einige Arbeiter dann Verschleiß in den Gelenken hatten, Entzündungen, auch, keine Ahnung, der eine hatte einen Mittelhandknochen gebrochen, konnte längere Zeit nicht arbeiten, weil er die ganze Zeit am Tag irgendwo, keine Ahnung, einen Gegenstand, ein Messer oder was auch immer festhalten musste, was dann extrem anstrengend ist. Und also das stand in dieser Dokumentation quasi im Vordergrund, dass die Menschen wirtschaftlich genötigt sind, diese Tätigkeit aufzunehmen, aber im Grunde genommen in eigentlich unmenschlichen Situationen arbeiten müssen.

Stefanie Also, was mich jetzt interessiert, ist: Ich hatte ja gesagt, ich weiß nicht, ob ich mich traue, die Dokumentation anzuschauen. Carsten ist der Meinung, ich hätte die schon gesehen. Ich weiß es jetzt wie gesagt nicht. Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe sie offensichtlich erfolgreich verdrängt. Ist das jetzt was, wenn ich sensibel bin, kann ich die trotzdem angucken oder verstört die mich?

Carsten Ja, eher verstörend. Also es wird im Vorfeld auch ein kleiner Disclaimer eingeblendet, dass Personen, die sensibel reagieren, vielleicht schockierende Bilder vorfinden.

Stefanie Okay.

Carsten Es ist jetzt aber keine Tierrechtsdoku in der Hinsicht, dass man jetzt wirklich, ich sage jetzt mal, den Akt der Schlachtung sieht, sondern genau die Produktion, dieser Produktionsprozess, ich nenne es jetzt mal ein bisschen abstrakt, ist nicht dokumentiert, wahrscheinlich wohl wissentlich. Es wird dokumentiert über die Verpackung, Zerlegung, ja, fängt vom Produktionsschritt in der Fabrik nach der Schlachtung an, da wo die Tiere wirklich ganz grob zerlegt werden. Also man sieht Schweine und Kühe. Also es scheint auch ein Schlachthof gewesen zu sein, wo eigentlich fast jede Sorte Tier irgendwo verarbeitet wurde.

Also man hat Kühe gesehen, man hat Geflügel gesehen, Schweine sind dort gezeigt worden, die wurden direkt nach der Tötung gezeigt, wo die mit den großen Messern dann zerlegt wurden und also in Hälften geschnitten wurden, die Kühe und Schweine. Und relativ weit zum Schluss hat man dann nochmal gezeigt, wie Schweine in den Betrieb reingetrieben wurden und auch das ist eine sehr monotone Tätigkeit, so hat man das empfunden. Und es wurde auch gezeigt, dass die Leute, die tatsächlich mit Treibern und Elektroschockgeräten die Schweine in den Betrieb reingetrieben haben, ja, eigentlich nur noch völlig automatisch reagiert haben. Also man hatte auch den Eindruck, dass viele von den Personen eigentlich sehr apathisch gearbeitet haben.

Stefanie Als Schutzfunktion.

Carsten Schutzfunktion, ja. Also es klingt vielleicht abfällig, aber ich glaube, viel mentale Tätigkeit hat da in den Köpfen der Menschen tagsüber nicht stattfinden können, weil ich mich irgendwie absondern musste. Was aber ganz häufig genannt wurde und auch zum Schluss stark thematisiert wurde, war, dass wenn man dort arbeitet, man nimmt das mit nach Hause, man kann nicht abschalten. Und es sind auch Personen interviewt worden, die teilweise auch schon seit zwei Jahren in Rente waren, erstmal in ein Loch gefallen sind, weil sie über Jahre hinweg in dieser extremen Taktung agieren mussten und jetzt auf einmal gar nichts mehr hatten.

Wo man erstmal denkt: Hey, freu dich, jetzt bist du raus aus diesem... Aber wenn ich über Jahre hinweg diesem Druck standhalten konnte und musste und da jetzt rausgerissen werde, ist das eine extreme Belastung gewesen für die. Die mussten das irgendwie anders füllen und die haben darüber berichtet, dass die auch über die Jahre hinweg nach wie vor Alpträume haben. Und Alpträume tatsächlich in der Art und Weise: Der eine sagte, ich habe keine Nacht, wo mich nicht irgendwo ein lebendes Tier verfolgt. Also er wusste jetzt nicht genau, warum ausgerechnet lebende Tiere, weil er in seinem Produktionsumfeld mit lebenden Tieren gar nicht konfrontiert wurde, aber scheinbar...

Stefanie Es hat ja mal gelebt.

Carsten Es hat gelebt und das scheint ihm auch durchaus bewusst zu sein. Zumindest insofern, dass es dann nächtens in seinen Träumen dann ins Bewusstsein rückt und er sich - keine Ahnung, das ist meine persönliche Interpretation - vielleicht da jetzt moralisch noch rechtfertigen muss. Aber man merkt einfach: Ja, auch das sind Menschen, denen das irgendwo nahegeht und die müssen sich, um diesen Job auszuüben, abspalten, um überhaupt funktionieren zu können. Darum geht es. Du musst funktionieren.

Stefanie Und hast du ergänzend aus dem Vortrag noch irgendwelche anderen Erkenntnisse? Weil im Grunde ist es ja tatsächlich auf jeden Fall das, was wir vorhin schon gesagt haben, was in dem Dossier steht. Und diese Faktoren, die sehr belastend sind - was bei einer veganen Gesellschaft ja dann entfallen würde, es würde viele Menschen auch befreien - wurde da in dem Vortrag noch irgendwas genannt, was wir ergänzen können?

Carsten Ja, also der Vortrag selber, muss ich nochmal kurz umreißen, fand statt im Rahmen der Vortragsreihe „Komplex Tier“, die hier in Hamburg von und teilweise auch an der Uni angeboten wird. Das ist eine Vortragsreihe, die versucht, alle zwei Monate Expertengespräche, Expertenvorträge zum Thema Mensch-Tier-Verhältnis zu platzieren und hat wirklich hervorragende Vorträge. Wir verlinken das auch nochmal in den Shownotes. Guck da gerne mal rein. Gerade wenn du hier in Hamburg bist, lohnt es sich, da tatsächlich mal so die ein, anderthalb Stunden dann vor Ort zu sein und sich das anzuhören. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Vorträge als aufgezeichnete Version nachher im Internet dann nochmal anzusehen sind.

Den Vortrag, den ich angehört habe, der bezieht sich auf eine Forschungsarbeit, auf eine Doktorarbeit, wo Schlachthofmitarbeiter interviewt wurden. Das klingt total spannend, war es inhaltlich auch. Was ich erst abends dann, als ich dort saß, mitbekommen habe, war, dass das Volumen, das hatte ich mir ein bisschen größer vorgestellt. Also es waren letztendlich 13 Interviews, 13 sehr ausführliche Interviews, die dort geführt wurden mit Schlachthofmitarbeitern und es waren relativ - ich mag dem jetzt Unrecht tun - aber aus meiner Sicht relativ wenig Betriebe, die interviewt werden konnten. Man muss dazu sagen, es war jemand, der seine Doktorarbeit geschrieben hat, der hat das persönlich gemacht. Der hat sich also wirklich dort hingesetzt, hat sich dann versucht, mit den Betrieben in Verbindung zu setzen, um Personen zu identifizieren, die bereit sind für solche Gespräche und hat dann die Gespräche selbst durchgeführt.

Er selbst ist vegan, auch kein unbekanntes Blatt in der Szene. Aber er hat das aus Eigenleistung gebracht. Deswegen ist das eine wirklich sehr anerkennenswerte Leistung, die er da erbracht hat. Ich hatte aber im Vorfeld tatsächlich so den Gedanken: Oh, große Studie, keine Ahnung wie viele 100 Mitarbeiter. Wenn man da einfach nur sieht, okay, es geht um eine Studie, Interviews oder Schlachthofmitarbeiter, dann denkt man, das ist ein ganz großes Ding, was da gedreht wird. Tatsächlich glaube ich, wird es gar nicht möglich sein, so ein riesiges Thema oder eine riesige Umfrage daraus zu machen, weil die Branche natürlich sehr zurückhaltend ist. Also derjenige musste schon sehr lange arbeiten und sehr viele Kontakte aufbauen und auch über längere Zeit versuchen, da eine Vertrauensbasis herzustellen, dass er überhaupt so weit gekommen ist, um Leute in diesen Betrieben genannt zu bekommen, mit denen er sich unterhalten konnte.

Und er hatte so eine Durchmischung gehabt, dass er insgesamt sechs Schlachthöfe hatte. Von denen waren vier Stück aus dem industriellen Umfeld, also große, teilweise sehr große Schlachthöfe und zwei Familienbetriebe, um einfach auch so ein bisschen diese Mischung zu haben: Wie verhält sich das eigentlich? Was sind das für Leute in den Familienbetrieben? Unterscheiden die sich von den Leuten, die in diesen industriellen Betrieben arbeiten? Und er hat dann in den Interviews herausgearbeitet: Was für eine Persönlichkeit muss man unter anderem mitbringen? Also das war so eine Quintessenz, um mal zu gucken, die Leute, die wirklich so diese Schlachtarbeiten durchgeführt haben und darum ging es eigentlich, die auch durchaus als Schlachtermeister ihren Beruf gelernt haben, das sind Personen, die eigentlich von der Sozialisierung her schon so aufgewachsen sind, dass sie zu frühkindlichen, nicht frühkindlichen, aber in Kindheitstagen schon mit dem Schlachten konfrontiert wurden, die das im Elternhaus teilweise schon mitbekommen haben, wo vielleicht am Anfang noch so eine massive Schranke da war.

So dieses Entsetzen: Um Gottes Willen, jetzt wird ein Tier getötet. Aber dieses immer wieder Wiederholen und dadurch, dass das auch direkt in der Herkunftsfamilie stattfand, hat dann zu einer ich nenne es jetzt mal Abstumpfung geführt, was dann auch irgendwo ja notwendig war, dass man sich überhaupt für einen Beruf wie Schlachter entscheidet. So kam es jetzt zumindest so im Rahmen dieser Interviews heraus. Und was so in diesen Interviews für mich extrem spannend war und das hätte ich nie so eingeschätzt: Die Personen selber haben sich unisono als tierlieb empfunden.

Stefanie Ja.

Carsten Das sind auch Personen, die zu Hause eigene Haustiere haben, die wirklich noch diese Differenzierung haben: Haustier - Nutztier. Und die haben ihre Tätigkeit auch nicht als Tierquälerei erachtet. Die fanden das nicht schlimm. Die haben sich zurückgezogen auf das Argument: Es kann keine Tierquälerei sein, weil wir ja im gesetzlichen Rahmen arbeiten. Es gibt das Tierschutzgesetz und wir achten auf das Tierschutzgesetz und wir machen alles das, was im Tierschutzgesetz drinsteht, also ist es keine Tierquälerei. So dieser Zirkelschluss, diese Argumentation. Die versuchten, sich moralisch insofern zu legitimieren oder ich nenne es jetzt mal reinzuwaschen, als dass sie sich auf eine rechtliche Grundlage berufen und damit natürlich dann auch nach außen hin erstmal, ja, vielleicht nicht direkt angreifbar sind oder zumindest so eine Verteidigungslinie hatten.

So, und das finde ich ganz interessant und das zeigt ja auch durchaus die Relevanz des Tierschutzgesetzes. Je mehr Spielraum wir dort ermöglichen, desto mehr Tierleid findet ja gerade in solchen Situationen statt, was dann aber nicht mehr als Tierleid wahrgenommen wird, weil es sich ja im rechtlichen Rahmen dann aufhält, wenn man dieser Argumentation folgt. Also das fand ich wirklich einen ganz spannenden Aspekt und ich hätte jetzt auch nicht gedacht, dass die Personen sich per se als Tierfreunde oder tierlieb erachten, sondern ich hätte eher gedacht, so tendenziell sind denen Tiere eher egal.

Stefanie Ja, aber das ist ja das Typische bei Karnismus. Quasi: Du kannst ja die Wurst essen und trotzdem - die nicht vegane Wurst - und trotzdem den Hund streicheln. Also ich meine, gut, es ist nochmal ein Schritt, das Tier zu schlachten und dann den Hund zu streicheln. Aber ja, da ist das dann ganz tief.

Carsten Ja, es ist tief und ich glaube, in einem Interview wurde auch nachher nochmal genannt, dass es durchaus noch so Situationen gibt, die den Personen auch noch nahegehen. Also einer hatte berichtet, dass er mal ein Kalb schlachten musste und da hat er sich schwer mit getan. Also erwachsene Tiere, das war für ihn völlig, ich sage jetzt mal ein Prozess, den hat er durchgelaufen, das war sein Job und da jetzt auf einmal so ein Kalb töten zu müssen, was ihn mit diesen Glupschaugen anschaut und diesem Niedlichkeitsaspekt, das hat ihn berührt und da hat er wirklich dran zu knabbern gehabt. Also die sind nicht komplett abgestumpft, die spalten sich ab.

Stefanie Also das „die und wir“, das finde ich ein bisschen schwierig, weil jeder von uns könnte ja eventuell, wenn die Umstände anders gewesen wären... Du warst auch „die“, also du hast ja auch schon zerlegt und so, also wir sind ja alles Menschen, nur das, wie wir handeln, ist unterschiedlich. Und das, also die Handlung zu verurteilen, finde ich okay. Aber den Menschen an sich ist schwierig. Also ich finde es nicht so gut, das in „wir und die“ zu unterteilen. Das macht es schwer, zueinander zu finden.

Carsten Ja, ich stimme dir voll zu. Also dieses „die und wir“, diese Differenzierung kann man gar nicht so treffen. Ich hatte das „die“ jetzt eigentlich auf die Interviewpartner, diese 13 [bezogen].

Stefanie Ja, ich wollte es nur sagen. Ich habe aber bei Ajahn Brahm in dem Buch „Die Kuh, die weinte“ - das ist ja genau die titelgebende Geschichte - auch genau diese Geschichte gelesen von dem Häftling, der gesagt hat, er wird Vegetarier, obwohl er voll der harte Brocken war, also der da schlachten wollte und der davor ganz viele Tiere geschlachtet hat. Und dann hat er eine Kuh gesehen, der Tränen aus den Augen liefen und dann konnte er die nicht schlachten. Er konnte es einfach nicht, ist dann da weggerannt und hat gesagt: „Ich kann das nicht. Ich kann die Kuh nicht schlachten und ich werde nie wieder schlachten.“ Und nach diesem Erlebnis ist er Vegetarier geworden.

Und es gibt Möglichkeiten. Es gibt Erlebnisse, die dann das aufbrechen lassen. Aber es zeigt mir immer wieder und wieder, dass da der Karnismus am Werk ist und dass wir eigentlich tief in uns drin dieses Mitgefühl haben, dass wir Gefühle haben, ja, aber dass die Gesellschaft, in der wir leben, diese nicht vegane Gesellschaft, die doch so stark von Gewalt geprägt ist, gewaltvoll schon auch in der Erziehung früher, jetzt, heute, nicht mehr so stark, aber immer noch, aber Gewalt überall um uns herum stattfindet - Krieg und Kriegsspiele, Polizeigewalt, überall Gewalt, Schule, Schulgewalt, also jetzt nicht im Sinne von Rohrstock, sondern wirklich Disziplinierung und Disziplinarmaßnahmen - dass das alles, diese Gesellschaft auch, uns dazu bringt, so zu handeln. Und wenn wir das in Frage stellen und wenn es Momente gibt und wenn es die Möglichkeit gibt, dass wir diese Verkrustungen irgendwie lösen können, dann machen wir das auch.

Carsten Ja, genau. Und was in dieser Studie da aufgefallen ist, dass es gewisse Mechanismen gibt, um sich stärker abzuschotten, um das nicht so an sich herankommen zu lassen. Das ist einmal, was ich gerade aus der Doku schon versucht habe zu transportieren, diese Taktung. Je schneller du machst, je abstrakter wird der Arbeitsschritt und je weniger mentale Kapazität hast du, um das reflektieren zu können. Aber auch so diese Gruppenzugehörigkeit. Und das ist so in dieser Interviewstudie herausgekommen, die ich bei diesem „Komplex Tier“-Vortrag gehört habe, das ist ja ein Berufszweig. Und die Leute, die halten untereinander zusammen, die haben ein Berufsethos und die berufen sich so ein bisschen auch oder ab und an darauf, die Konsumenten wollen ja Fleisch und irgendjemand muss den Job ja machen und wir sind das, die diesen Job übernehmen.

Stefanie Das ist auch Handwerk.

Carsten Es ist Handwerk. Genau. Also so ein bisschen dieser Ethos und dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. Das sind natürlich alles so Mechanismen, die dann dazu führen, dass man diese moralische Perspektive vielleicht nicht so häufig oder vielleicht auch gar nicht mehr einnimmt. Also ich kann das ganz schlecht beurteilen. Aber da muss man natürlich auch ein bisschen drauf achten, dass man, ich sag jetzt mal einen Schlachtermeister vielleicht nicht direkt bei der Arbeit versucht zu konfrontieren mit solchen Themen, sondern man muss da die unterschiedlichsten Zugänge suchen und andere Personen mögen vielleicht viel... schwerfälliger fällt mir gerade so ein, das ist ein falscher Begriff, aber brauchen vielleicht einen anderen Anspruch oder müssen häufiger mit dem Thema konfrontiert werden als Personen, die ein bisschen feinfühliger sind.

Stefanie Ja, es ist definitiv ein Prozess und jeder und jede von uns, die ja jetzt vegan geworden ist, hatte ja so eine Art Erweckungsmoment. Und das kann ja auch für Schlachthofmitarbeiter·innen der Fall sein, dass auch sie einen Erweckungsmoment haben. Und Sabrina hatte ja in ihrer Frage, in ihrem Wunsch auch gesagt, dass es ja meistens osteuropäische Menschen sind, die prekär bezahlt werden, in einer prekären Lage auch sind, und davon war aber jetzt bei den Interviewpartnern nicht die Rede, oder?

Carsten Nein. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass die Interviewpartner vornehmlich Deutsch sprechende Personen sind. Ob es jetzt wirklich, ich sage jetzt mal Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit sind oder hier aufgewachsene, weiß ich jetzt nicht, ob er das genannt hat, ich kann mich aber daran erinnern, dass er meinte, er hätte eigentlich noch einen Interviewpartner extra gehabt, den konnte er aber gar nicht verstehen.

Stefanie Okay.

Carsten Also der Betrieb oder die Betriebe haben schon drauf geachtet, Personen in die Interviews zu bringen, die der deutschen Sprache mächtig sind. Dass da jetzt natürlich einer genannt wurde, der vom Sprachlichen her gar nicht in der Lage gewesen ist, das Gespräch zu führen, ist jetzt vielleicht ein Indiz dafür, dass da doch osteuropäische sind. Es ist ja jetzt keine Vermutung, sondern das kann man ja an vielen Stellen nachlesen, dass das so ist, aber dass jetzt gerade dieser Fakt in der Studie nicht betrachtet werden konnte, weil notwendigerweise deutsch- oder vielleicht sogar englischsprachige Personen benötigt wurden.

Stefanie Ja, kann ja auch sein, dass gerade weil sie illegal sind und vielleicht auch überhaupt nicht verstanden haben, worum es geht, weil sie der Sprache nicht mächtig waren, dass sie deswegen nicht genannt wurden oder weil die Betriebe nicht darauf aufmerksam machen wollten, dass es so viele schlecht bezahlte Mitarbeiter·innen gibt.

Carsten Richtig, das kann natürlich auch ein Indiz sein. Also Betriebe in der Branche sind natürlich schon alleine dadurch angreifbar, dass prekäre Arbeitsverhältnisse existieren. Und die muss ich natürlich dann - und sei es jetzt auch in einer Doktorarbeit - nicht unbedingt nach außen so präsentieren. Es ist aber insgesamt ein extrem spannendes Thema und die paar Fragmente, die wir jetzt so zusammentragen konnten, die fand ich inhaltlich schon sehr bewegend und könnte mir vorstellen, da in Zukunft immer mal wieder reinzustochern. Und liebe Hörerin, lieber Hörer, wenn du da irgendwie noch mehr zu weißt, Quellen hast oder vielleicht sogar Personen kennst, die gerne darüber sprechen wollen oder so was, bist immer herzlich willkommen. Schreib uns an, melde dich. Also wie gesagt, das Interesse bei mir zumindest ist extrem groß, da in Zukunft nochmal ein bisschen mehr zu erfahren, gerade aufgrund meiner Biografie, die ich ja am Anfang schon präsentierte.

Stefanie Genau. Wir wollten in dieser Folge einfach nur aufmerksam machen auf dieses Thema nochmal, dass es wichtig ist, sich auch damit auseinanderzusetzen und nicht zu sagen, die bösen Schlachthofmitarbeiter·innen, sondern zu sehen: Das sind auch nur Menschen und teilweise sind es Menschen, die keine Wahl haben und deswegen diesen Job ausüben müssen. Und wir wollen natürlich diese Folge nicht beenden, ohne uns zu bedanken.

Carsten Und zwar bei den Leuten, die uns sponsoren.

Stefanie Bei unseren Steady-Unterstützern und -Unterstützerinnen. Ganz, ganz herzlichen Dank!

Carsten Ganz herzlichen Dank! Vielen, vielen Dank!

Stefanie Und wenn auch du von unseren Podcastfolgen und allem, was ich so kostenlos mit „Von Herzen vegan“ anbiete, bisher profitiert hast und es gut findest, dann freue ich mich, wenn du auch Steady-Unterstützer oder -Unterstützerin wirst und einen finanziellen Beitrag monatlich leistest. Du findest den Link zu der Steady-Seite immer hier unter der Folge oder in den Shownotes und ich freue mich sehr, wenn du vorbeischaust.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüs.

Carsten Und auf Wiederhören.

Das bedingungslose Grundeinkommen

Ein Beitrag

Folge 189 - Das bedingungslose Grundeinkommen

In dieser Folge sprechen wir über einen wichtigen Baustein für ein neues Wohlstandsmodell: Das bedingungslose Grundeinkommen.

Wir sprechen über das Experiment "Mein Grundeinkommen", bei dem monatlich bedingungslos 12000 Euro Grundeinkommen verlost werden - für 12 Monate 1000 Euro pro Monat.

Wir sprechen über das Buch, das der Gründer von "Mein Grundeinkommen", Michael Bohmeyer gemeinsam mit Claudia Cornelsen geschrieben hat und über den dazu gehörenden Podcast.

Außerdem sprechen wir noch über die "Expedition Grundeinkommen" - eine Volksinitiative, die gerade dabei ist Stimmen in Norddeutschland für einen Modellversuch zu sammeln. 10.000 Menschen werden Grundeinkommen ausprobieren, wissenschaftlich begleitet, 3 Jahre lang.

Und wir fragen Dich: Was würdest Du mit einem bedingungslosen Grundeinkommen machen? Wie würde sich Dein Leben verändern?

Links zur Folge

Mein Grundeinkommen
https://www.mein-grundeinkommen.de/

Buch: "Was würdest Du tun?" von Michael Bohmeyer und Claudia Cornelsen
https://www.buch7.de/produkt/was-wuerdest-du-tun-michael-bohmeyer/1035432376?ean=9783430210072

Podcast "Wir hatten ja keine Ahnung"
https://www.mein-grundeinkommen.de/magazin/podcast-folge01

Planet B: Bedingungsloses Grundeinkommen – Michael Bohmeyer
https://viertausendhertz.de/plb08/

Volksinitiative: Bedingungsloses Grundeinkommen in Norddeutschland
https://expedition-grundeinkommen.de/

Vollständiges Transkript

Stefanie Wir sprechen jetzt mal über das bedingungslose Grundeinkommen. Ich habe ein Buch gelesen dazu.

Carsten Und bist mir damit voraus.

Stefanie Das Buch gibt es auch kostenlos als Podcast. Das Buch heißt „Was würdest du tun? Wie uns das bedingungslose Grundeinkommen verändert. Antworten aus der Praxis“ von Michael Bohmeyer und Claudia Cornelsen. Und Michael Bohmeyer ist der Gründer von mein-grundeinkommen.de, wo du dich einfach so bedingungslos anmelden kannst, um ein Jahr Grundeinkommen zu gewinnen. Und da kannst du bedingungslos dabei sein, immer in diesen Lostopf kommen und da werden jeden Monat Grundeinkommen verlost. Ich weiß jetzt gerade nicht, wie viele. Das variiert, denn es gibt Menschen, die Geld spenden jeden Monat. Und wann immer genug Geld zusammengekommen ist, nämlich 12.000 €, dann wird das als ein Grundeinkommen für eine Person verlost. Und diese 12.000 €, die werden dann in einem Jahr, also in zwölf Monaten, jeden Monat 1.000 € ausgezahlt, bedingungslos. Es ist also keine Bedingung daran geknüpft, was du mit diesem Geld machen kannst, willst, tust. Du bekommst es einfach ein Jahr lang. Und das ist ein Experiment, das Michael Bohmeyer gestartet hat.

Carsten Und mittlerweile ist das Experiment sehr erfolgreich. Es gibt schon eine ganze ganze Menge an Unterstützer·innen, die monatlich entsprechend Geld spenden, um das dann als Grundeinkommen anderen Menschen zur Verfügung zu stellen.

Stefanie Das Geld ist einfach von Menschen wie du und ich zusammengekommen. Das kann ich jetzt auch so sagen, weil Carsten und ich auch spenden, also wie du und ich einfach. Menschen, die das gut finden, die spenden einen kleinen Teil an den Verein, damit sie diese Arbeit tun können und ein Teil kommt in den Lostopf. Und du kannst selbst wählen, wie viel du gibst. Du kannst ganz wenig spenden, Du kannst ganz viel spenden, was auch immer du möchtest, aber du musst nichts spenden, um teilzunehmen, sondern du kannst einfach teilnehmen, ohne zu spenden.

Und der Initiator Michael Bohmeyer hat mit Claudia Cornelsen jetzt ein Buch darüber geschrieben. Die haben nämlich eine Reise durch Deutschland gemacht und haben mit 24 Menschen gesprochen, die das Grundeinkommen gewonnen haben. Und das waren ganz unterschiedliche Menschen. Und daraus ist jetzt dieses Buch entstanden. Sie wollten einfach wissen: Wie verändert die Menschen dieses Grundeinkommen?

Carsten Ja, und wie du gerade schon gesagt hattest, das Buch gibt es auch als kostenlosen Podcast. Der ist im Moment [im Februar 2020] noch nicht vollständig, oder? Bzw. Das Buch ist als Podcast noch nicht vollständig zu hören. Es wird immer wöchentlich mit einem neuen Kapitel veröffentlicht und kann aber auch als ganz normales Hörbuch käuflich erworben werden. Du hast eigentlich mehrere Möglichkeiten. Entweder du besorgst dir dieses Buch und liest es in einem Rutsch durch, du besorgst dir dieses Hörbuch und hörst es durch oder du bist geduldiger und hörst es etappenweise Woche für Woche. Bis dann irgendwann, ich glaube nach 18 Folgen, auch das komplette Buch als Podcast veröffentlicht wurde.

Stefanie Genau. Und das Buch habe ich mir jetzt aus der Bücherei ausgeliehen und habe es durchgelesen, weil ich einfach angefangen hatte im Podcast zu hören und da waren erst zwei Folgen raus und dann wollte ich wissen, wie es weitergeht. Und das Buch liest sich auch ganz flüssig. Die Folge ist jetzt Teil auch Buchrezension und Teil über das bedingungslose Grundeinkommen sprechen. Also erstmal zum Buch. Es liest sich wie gesagt sehr flüssig und es ist auch mehr so experimentell, weil es den Autor·innen darum geht, dass es so eine Art Reisebericht ist. Quasi ein Roadtrip.

Ein Reisebericht über diese verschiedenen Menschen, die die beiden Autor·innen getroffen haben und warum sie jetzt dieses Buch geschrieben haben ist tatsächlich, um herauszufinden, was denn jetzt überhaupt dieses Grundeinkommen mit den Menschen macht. Das ist ja auch Ziel dieses Experiments, einfach mal den Menschen 1.000 € im Monat in die Hand zu geben, bedingungslos und zu schauen, was passiert dann? Da gibt es ja so Standardängste, die dann geäußert werden von Gegner·innen des Grundeinkommens. Was mich stark immer daran erinnert, was wir als Veganer·innen so erfahren im Alltag, wo so Standardfloskeln geäußert werden.

Carsten Das geht doch gar nicht.

Stefanie Was kannst du denn da noch essen und so? Also jetzt bei vegan. Ja und du kennst das natürlich alles selbst und das hat mich auch so daran erinnert. Und das erste, was da wohl immer so hochkommt, ist „Ja, dann arbeitet doch niemand mehr!“ Das kannst du dann sofort widerlegen, weil 1.000 € im Monat einfach nicht reicht, um dein Leben zu sichern. Und klar, also jetzt noch mal so als Disclaimer vorab wenn du nur für ein Jahr Grundeinkommen bekommst, dann kann das natürlich nicht genauso sein, wie wenn du wirklich dein Leben lang bedingungslos ein Grundeinkommen hast. Das sind einfach unterschiedliche Bedingungen.

Carsten Und du bist jetzt quasi Feuer und Flamme fürs Grundeinkommen durch dieses Buch. Was hast du denn jetzt gelernt, als du das Buch gelesen hast?

Stefanie Ja, ich bin schon vorher für das Grundeinkommen gewesen, habe aber dann jetzt noch mal durch das Buch mehr Sicherheit gewonnen in der Argumentation quasi. Und es hat mir auch noch mal gezeigt, wie wichtig das auch tatsächlich ist, weil es Existenzängste nimmt. Wir können uns das so vorstellen: die Idee ist, dass jede·r von uns von Geburt an quasi zum Beispiel 1.000 € im Monat bedingungslos bekommt. Und wenn wir dieses Geld hätten, dann müssten wir uns keine Sorgen machen, dass wir irgendwie abrutschen in weniger. Also du kannst dann so viel dazu verdienen, wie du möchtest, aber du wirst nie weniger als 1.000 € im Monat haben und das macht was mit den Menschen, das macht was mit dir.

Das kannst du auch selber mal überlegen. Einfach darüber nachdenken, wie würde sich dein Leben ändern, wenn du wüsstest, Du hast ganz sicher immer diese 1.000 € im Monat? Das befreit dich einfach. Also es gibt dir zum einen Sicherheit und zum anderen befreit es dich, weil du, wie in dem Buch zum Beispiel auch gesagt wurde, nicht jeden Job annehmen musst. Du kannst dann wählen oder du kannst dir überlegen, wenn du gerade einen Job machst, den du total blöd findest, ob du den weiter machst oder nicht. Und wenn du vielleicht die ganze Zeit gedacht hast doch, der ist so doof und ich habe keinen Bock auf den Job, dann verändert sich vielleicht dein Blick jetzt darauf, weil du die Wahl hast, ob du gehst oder nicht. Und vielleicht bleibst du dann, weil du merkst: Ach, ich könnte jetzt gehen, aber ich gehe vielleicht doch nicht. Vielleicht ist es doch okay.

Und du hast einfach mehr Sicherheit und mehr Wahlmöglichkeiten. Und das, finde ich, ist ein super Konzept. Einfach um auch aus diesen Existenzängsten rauszukommen. Es macht dich auch handlungsfähiger, wenn du einfach durch diese Sicherheit nicht mehr die ganze Zeit dabei bist zu überlegen okay, wie kriege ich jetzt das Geld für ein paar Schuhe zusammen? Woher bekomme ich das Geld für das Essen? Wie kann ich jetzt, wenn mein Fahrrad kaputt geht, das reparieren oder noch irgendwie schlimmere Sachen? Oder meine Regensachen sind hinüber oder was auch immer. Das Kind braucht mal wieder was Neues anzuziehen. Es ist gewachsen oder es braucht neue Schuhe. Ich finde, Schuhe sind immer so das teuerste.

Also so solche Sachen, die sonst vielleicht reingeschnitten hätten, da hast du das Problem jetzt einfach nicht mehr, weil du weißt, okay, du hast immer diese 1.000 € und gerade als Familie - wir sind ja jetzt nur zu dritt, wir hätten ja dann 3.000 € im Monat und wir wüssten okay, wir haben immer diese 3.000 € und dann können wir schauen, okay, wie viel verdienen wir noch dazu, um uns ein Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten? Das heißt ja nicht, dass wir nur jetzt von diesen 1.000 € leben sollen, sondern wir können dann frei entscheiden, wie wir unser Leben gestalten. Und es hat jede·r ähnliche Chancen.

Carsten Ich muss sagen, ich habe im Vorfeld schon öfters über dieses Thema bedingungsloses Grundeinkommen nachgedacht, aber noch nie so wirklich intensiviert. Jetzt durch das Buch bin ich ja quasi so ein bisschen angefixt, obwohl ich mich im Moment noch ein bisschen weigere, das Buch durchzulesen, weil ich das immer ganz spannend finde, so die nächsten Podcastfolgen zu diesem Buch abzuwarten. Da bin ich dann doch eher der geduldige Mensch, der jetzt so die 18 Wochen oder wie lange das dann ist, ausharrt, um den komplett Umfang mitzubekommen. Und was mich an diesem bedingungslosen Grundeinkommen reizt, ist einfach - ich nenne es jetzt mal diesen „disruptiven Charakter“, den ein solches Konzept mit sich bringt.

Ich glaube, es gibt ganz, ganz wenig vergleichbare Konzepte, die in der Lage sind, die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft funktioniert, so gehörig auf den Kopf zu stellen. Also da sind ganz viele Facetten, die da mit reinspielen, die ich sonst nicht realisieren könnte, wenn ich dieses bedingungslose Grundeinkommen nicht hätte. Und deswegen ist das für mich ein ganz zentraler Baustein, wenn wir in eine solidarischere Gesellschaft wollen. Ich will nicht sagen, dass es ohne bedingungsloses Grundeinkommen nicht geht, aber ich glaube, das hier ist ein Schlüsselelement, was uns den Weg ganz deutlich vereinfachen wird.

Stefanie Ja, für mich ist es definitiv auch ein Baustein für ein neues Wohlstandsmodell. Also das bedingungslose Grundeinkommen ist auf jeden Fall etwas, was wir ausprobieren sollten. Es gibt einfach keine flächendeckenden Experimente dazu. Es hat noch keiner so ausprobiert und deswegen kann auch noch keiner sagen, ob es funktioniert.

Carsten Und deswegen ist das was der Michael Bohmeyer gestartet hat für mich so unglaublich inspirierend. Der sagt: Mensch, ich muss nicht darauf warten, dass jetzt irgendwie politische Strukturen sich organisieren und beschließen, jetzt mal so was einzuführen, sondern wir machen das jetzt einfach mal und gründen dann eventuell einen Verein, sammeln Geld und gucken mal, wie weit wir kommen und es funktioniert ja. Also es ist ja so, am Anfang wurde er, glaube ich, ausgelacht, so nach dem Motto Was willst du denn? Du glaubst doch wohl wirklich nicht, dass Leute freiwillig Geld spenden für andere, damit die ihr Grundeinkommen bekommen. Und tatsächlich war es am Anfang, ich glaube irgendwo am Anfang des Buches wurde es genannt, dass er in der Anfangsphase mindestens mehr Leute hatte, die gespendet haben, als Leute, die an der Verlosung teilgenommen haben. Also ganz, ganz interessantes Phänomen, was da stattfand, weil die Leute einfach, ich sag jetzt mal, heiß drauf waren, mal zu gucken, was passiert da eigentlich mit diesem Konzept Grundeinkommen?

Stefanie Ja er hat einen Kommentar auch benannt, dass jemand was gespendet hat, also Geld gespendet hat und geschrieben hat „Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere was spenden.“ Das ist ja okay, aber du hast gerade selber gespendet. Also jetzt hat es sich natürlich umgedreht. Jetzt sind mehr Leute dabei, die im Lostopf landen als die, die spenden. Aber trotzdem gibt es immer noch genug Geld, was da verlost wird. Und wie gesagt, die Geschichten, die sind total interessant. Wenn du die Möglichkeit hast, das Buch schon mal zu lesen, als Hörbuch anzuhören, mach das auf jeden Fall. Und wie gesagt gibt es auch kostenlos als Podcast. Das verlinke ich auf jeden Fall auch.

Und ich habe zu Mein Grundeinkommen, zu dem Experiment auch noch ein Interview mit Michael Bohmeyer gehört. Auch wieder Planet B, das ist im Moment mein Referenzwert. Das fand ich auch sehr interessant, was er da alles erzählt hat. Wenn du also ein gutes Gefühl bekommen möchtest, was das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet, dann hör dir das auch auf jeden Fall noch mal an! Ich stimme nicht mit allem überein, was der Michael Bohmeyer da sagt, weil er auch die ganze Zeit von Wirtschaftswachstum, Wirtschaftswachstum, Wirtschaftswachstum spricht. Das sehe ich überhaupt nicht so, ich finde nicht, dass wir ein Wirtschaftswachstum brauchen. Das ist ja genau das „Weiter wie bisher geht es nicht.“ Und so weiter und so fort. Also du hörst uns ja schon wahrscheinlich länger zu, dann weißt du, wovon wir sprechen. Aber generell, um so eine Idee davon zu bekommen, was steckt dahinter, ist es interessant, sich das nochmal anzuhören.

Und wie gesagt, ich denke, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen Sicherheit gibt und einfach die Möglichkeit ganz anders zu agieren. Also dass du nicht mehr mit deiner Grundsicherung beschäftigt bist, sondern viel entspannter und freier leben kannst. Und was dann ja noch kommt, ist immer die Frage ja, wie kann man das denn finanzieren? Und Michael Bohmeyer nennt da auch verschiedene Ideen, wie man das finanzieren könnte. Das ginge bei ihm einmal über eine Art Steuer, so dass dann die Reichen quasi etwas mehr zahlen würden. Die würden dann am Ende unterm Strich ein bisschen weniger Geld in der Tasche haben. Wenn du so im mittleren Bereich bist, geht es wahrscheinlich irgendwie so auf Null raus und wenn du nicht so viel Geld hast, dann würdest du etwas mehr haben als heute quasi. Aber du hast diese Sicherheit, dass du nie unter diese 1.000 € fallen wirst. Und das fand ich ganz interessant.

Und dann bin ich jetzt gerade noch mal auf eine Initiative gestoßen, die jetzt hier im Norden Deutschland gestartet ist, und zwar in Schleswig Holstein und dann nach Brandenburg über geht, nach Hamburg, Berlin und Bremen. Die Unterschriften sammeln für eine Volksinitiative, um das bedingungslose Grundeinkommen in diesen fünf Bundesländern einzuführen. Da geht es dann um 1.100 € im Monat und darum, auch verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten zu testen. Und das finde ich auch total spannend, wenn du im Norden Deutschlands wohnst. Ich verlinke das natürlich alles in den Shownotes. Guck mal, dass du Unterschriften sammeln kannst. Wir machen das auch jetzt hier vor Ort in unserem Minidorf. Also wir gucken mal, was wir hinkriegen. Das ist jetzt gerade gestartet in Schleswig Holstein und Brandenburg. Hamburg kommt als nächstes dazu und es steht alles auf der Internetseite. Je nachdem wann du jetzt die Folge hier hörst, kann das schon gestartet sein.

Das ist total spannend, weil es jetzt hier darum geht okay, alle reden darüber, wie kann das denn funktionieren? Und so weiter und so fort. Mit mein-grundeinkommen.de ist es natürlich schon gestartet, aber jetzt wäre das wirklich eine Möglichkeit, so einen flächendeckenden Versuch zu starten, der dann staatlich gesteuert ist und da dann auch verschiedene Finanzierungsmodelle auszuprobieren und zu gucken, wie kann das denn funktionieren? Also wirklich als Experiment gedacht und das finde ich sehr spannend.

Carsten Ja, und mir sind bei dieser ganzen Thematik so mehrere Gedanken gekommen. Also was ich häufig wahrnehme, ist ja immer diese Finanzierungsfrage. Ich meine, das ist ja tatsächlich so ein Thema, wo sich dann die Geister scheiden. Die Leute, die gegen das Grundeinkommen argumentieren, die können irgendwie mathematisch erklären, warum es nicht finanzierbar ist. Und die Befürworter·innen können auf unterschiedliche Art und Weise dann auch wieder argumentieren, wie es denn finanzierbar ist. Also es ist ein kontroverses Thema. Ich persönlich glaube daran, dass es finanzierbar ist, weil ich denke, dieses bedingungslose Grundeinkommen hat ja eine Ausstrahlung oder? Es strahlt über mich als Individuum hinaus. In Gesellschaftsbereiche, wo wir das Ausmaß vielleicht auch von einer finanziellen Auswirkung überhaupt noch nicht wirklich greifen können.

Und zwei Aspekte, die mir heute so ein bisschen durch den Kopf geschossen sind, war immer so die Frage. Wenn wir flächendeckend ein bedingungsloses Grundeinkommen hätten, was für eine Auswirkung hätte das denn auf die Kriminalitätsrate? Also ich könnte mir jetzt mit meiner naiven Vorstellung tatsächlich so ein Szenario denken, wo die Beschaffungskriminalität massiv zurückgeht. Warum sollte ich jetzt, keine Ahnung eine Bank überfallen? Wenn ich wüsste, mein Grundeinkommen wäre eigentlich gesichert. Also solche Aspekte, das hat dann natürlich auch auf den staatlichen, vielleicht auch Polizeiapparat eine Auswirkung, dass wir vielleicht gar nicht mehr so ein massives Polizeiaufgebot benötigen, was dann natürlich auch, ich sage jetzt mal auf Finanzebene Länder und Bund Finanzen natürlich eine Auswirkung hat, die ganz schwer greifbar ist.

Und zweiter Aspekt, der mir so durch den Kopf geschossen ist: Vielleicht ist das die Möglichkeit, um Obdachlosigkeit zu beseitigen, mal vorausgesetzt, dass das Problem der Obdachlosigkeit eher darin besteht, dass die Menschen, die auf der Straße wohnen, kein Geld haben. Wahrscheinlich gibt es auch noch andere Einflussfaktoren, dass es keinen Wohnraum gibt in der Größenordnung, aber da auch mal vielleicht zusammen gesponnen, könnten sich ja Obdachlose als WG zusammenfinden, oder? Es bietet irgendwie Substanz, um darüber nachzudenken.

Und das sind so Sachen, da wird mir klar, dass es weit mehr als nur die individuelle Absicherung ist, über die dieses bedingungslose Grundeinkommen dann darüber gestülpt wird, sondern das hat wirklich ganz weitreichende Facetten, die schwer greifbar sind und das wirklich mal so in einem Modellversuch durchzutesten, da habe ich echt Bock drauf und deswegen auch von meiner Seite aus die Bitte: guck dir mal diese Initiative zum Unterschriften sammeln an und und sei es einfach nur deine eigene Unterschrift, die du beisteuert. Du musst jetzt noch nicht mal aktiv durch die Lande ziehen und dann Leute animieren mit zu unterschreiben, sondern das ist ja schon mal ein erster Schritt zu sagen Mensch, ich persönlich stehe dahinter, ich reiche jetzt meine eigene Unterschrift ein.

Stefanie Du kannst ja auch, wenn du im Bekanntenkreis, im Verwandtenkreis alle, die bei dir in der Nähe wohnen, die in diesen Bundesländern wohnen - das ist jetzt natürlich nicht sinnvoll, Menschen, die in anderen Bundesländern wohnen, dann zu fragen, ob sie unterschreiben. Das ist klar. - wenn du jetzt tatsächlich Bekannte, Verwandte, Freund·innen, wie auch immer in einem Bundesland hast, das betroffen ist, dann ist es ja möglich, dass du einfach denen davon erzählst, vom bedingungslosen Grundeinkommen und sie fragst, ob sie unterschreiben, denn es schadet ja auch keinem.

Carsten Es kostet ja auch nichts. Es ist einfach nur: Wir wollen jetzt mit dieser Volksinitiative oder eine Volksinitiative starten, um dieses Ganze als Modellversuch erstmal aufzubauen, um zu experimentieren. Und erst dann in dieser Phase würden sich dann ja auch die Fragen stellen: Wie muss es finanziert werden? Und da hattest du das ja auch gerade schon angesprochen, dass es da um das Austesten verschiedener Finanzierungsmodelle geht. Also dieses grundlegende Vorwegargument Mensch, das kann doch keiner finanzieren, das stellt sich in dieser Phase noch gar nicht. Erst mal hinkommen, um aktiv darüber nachzudenken und nicht dieses per se Veto erstmal abzuwarten.

Stefanie Ja und was mich jetzt noch so interessieren würde oder wozu ich dich jetzt einladen würde quasi wäre mal darüber nachzudenken: Was würde sich denn in deinem Leben verändern, wenn du jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen hättest? Also wenn 1.000 € im Monat bei dir immer sicher wären und du wüsstest, egal ob ich arbeite oder nicht, ob ich krank bin oder gesund, egal wie es mir geht, ich habe auf jeden Fall immer 1.000 € auf dem Konto. Was würdest du tun? Wie würde es dir da gehen? Was würde sich in deinem Leben ändern? Würde sich überhaupt etwas ändern?

Da finde ich natürlich die Geschichten auch in dem Buch ganz interessant, weil es wirklich sehr individuelle Geschichten sind, was die Menschen dann mit dem Geld gemacht haben. Aber ich habe jetzt auch schon öfter darüber nachgedacht. Erst habe ich gedacht, na ja, die anderen, die brauchen die 1.000 € viel mehr als ich. Und Carsten hatte auch mal gesagt, wenn ich das gewinne, dann spende ich das und so, also das sind natürlich alles Möglichkeiten, nur hier geht es ja jetzt darum zu überlegen okay, ich habe quasi von Geburt an diese 1.000 €. Das ist einfach was, eine Staatssicherung sozusagen, die dir zur Verfügung gestellt wird. Und wenn ich jetzt überlege, okay, die würde ab morgen starten und ich hätte ab morgen immer sicher 1.000 €, dann wäre wirklich die Frage: Was, was tue ich dann? Wie verändert sich mein Leben? Und das da, darüber mal nachzudenken, da würde ich dich gerne dazu einladen.

Und wenn du magst, kannst du das sehr, sehr gerne mit Carsten und mir auch im Von Herzen Vegan Clan, der kostenlosen Community diskutieren. Wir haben da einen Extrazirkel, also eine Untergruppe aufgemacht, wo wir über diese Themen, diese Bausteine für ein neues Wohlstandsmodell sprechen. Und da bist du ganz herzlich eingeladen. Den Link findest du wie immer hier unter der Folge oder in den Shownotes. Da einfach mal Mitglied zu werden und mit uns zu sprechen. Also das würde mich total interessieren. Wie würde sich dein Leben verändern? Was würdest du tun und du kannst natürlich auch immer eine Email schreiben an post@vonherzenvegan.de und uns so deine Ideen, Gedanken mitteilen. Das geht natürlich auch. Aber wenn du Lust hast richtig zu diskutieren mit anderen auch, dann komm gerne in den Clan.

Carsten Ja und wenn wir schon beim Thema bedingungslos sind, vielleicht nicht Grundeinkommen, aber bedingungslos. Noch mal ein kleiner Hinweis und ein großes Dankeschön an alle Personen, die uns per Steady unterstützen. Ihr macht es möglich, dass wir diesen Podcast und auch die anderen Angebote bedingungslos kostenlos anbieten können.

Stefanie Ja, das stimmt. Bedingungslos. Genau. Nur das Medium. Du musst irgendwie ein Medium haben, womit du das konsumieren kannst. Aber es ist bedingungslos. Wir wollen nichts von dir, wir wollen überhaupt nichts von dir.

Carsten Also doch, deine Aufmerksamkeit.

Stefanie Das ist von dir also doch eine Bedingung. Ja, es ist immer die Frage: Was heißt denn bedingungslos? Ja, und noch mal der Hinweis, wo Carsten jetzt die Steady Unterstützer·innen angesprochen hat. Du hast es sicherlich auch schon gemerkt, dieser Podcast und auch die anderen Podcasts und auch alles was ich so mache, ist werbefrei. Das heißt, ich finanziere das alles selbst. Ich habe ja Hostinggebühren für alles und verschiedenste andere Gebühren, um das alles zu produzieren. Das finanziere ich alles aus eigener Tasche und einen Teil geben mir die Steady Unterstützer·innen jeden Monat dafür zurück. Und ich würde mich riesig freuen, wenn du auch Steady Unterstützer·in wirst, weil ich so ein sicheres Grundeinkommen quasi habe für meine ganzen kostenlosen Angebote. Und das ermöglicht natürlich auch allen, die einfach kein Geld haben, dann weiterhin einen Zugriff auf diese Angebote zu haben.

Carsten Und in diesem Sinne sagen wir jetzt mal bedingungslos.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss

Carsten und bis zum nächsten Mal.

Dokumentarfilm "Butenland"

Ein Beitrag

Folge 188 - Dokumentarfilm Butenland

Der Dokumentarfilm "Butenland" von Marc Pierschel ist ein sehr ruhiger, nachdenklich stimmender Film, der das gängige Mensch-Tier-Verhältnis in Frage stellt.

Als ich ins Kino ging, um mir den Film anzuschauen, hatte ich eine reine Doku über Hof Butenland erwartet.

Der Film ist aber so viel mehr. Er erzählt die Geschichte der beiden Gründer·innen Jan Gerdes und Karin Mück, die Geschichte des Hofes und ihrer Bewohner·innen und zeigt darüber hinaus ganz ruhig und sachlich die Realtität, in der wir uns derzeit befinden.

Ein Projekt wie das Kuhaltersheim ist in unserem gegenwärtigen System nicht vorgesehen und so zeigt der Film auch die Schwierigkeiten mit denen Jan Gerdes und Karin Mück in ihrem Alltag zu kömpfen haben.

Ein ganz toller Film, den Du unbedingt gesehen haben solltest.

Links zur Folge

Film "Butenland" von Marc Pierschel
http://butenland-film.de

Folge 187 - (Un-) Vegane Medikamente

Ein Beitrag

Folge 187 - (Un-) Vegane Medikamente

Diese Folge ist ein Rückblick auf das Monatsthema "(Un-) Vegane Medikamente" im Von Herzen Vegan Clan.

Ich hatte zunächst gesammelt, was für Fragen im Clan zu diesem Thema existieren und mich dann bemüht diese im Laufe des Monats zu beantworten oder zumindest zur Diskussion zur stellen.

Vorab habe ich gefragt, ob die Clanmitglieder bei Medikamenten darauf achten, ob sie vegan sind. Von 16 Clanmitgliedern, die bei der Umfrage mitgemacht haben, tendieren die meisten eher zu nein.

Ich kann mich da nicht ausnehmen- ich habe bisher immer höchstens auf die Inhaltsstoffe geachtet, mich aber sonst nicht weiter mit dem Thema beschäftigt.

Als Hintergrundinformation habe ich einen Artikel zum Thema "Der·die vegane Patient·in - rechtliche Hintergründe" geschrieben.

Da das Thema Medikamente eng mit dem Thema Tierversuche verknüpft ist, habe ich außerdem noch einen Artikel zum Thema "Das kannst Du gegen Tierversuche tun" geteilt.

Außerdem hatte ich noch gefragt: Wenn Du darauf achtest, ob ein Medikament vegan ist - wie gehst Du vor? Woran erkennst Du, ob es vegan ist?

Hier schrieb ein Clanmitglied, dass sie sowohl auf die Inhaltsstoffe, als auch auf Generika achten und zusätzlich bei Unklarheit den·die Apotheker·in fragen wolle.

Ich habe als Ergänzung noch eine App zum Bestimmen der Inhaltsstoffe in Medikamenten gefunden. Sie ist kostenpflichtig und Clanmitglied Martje hat einen sehr ausführlichen Testbericht zu der App verfasst, den ich in der Folge vorlese - herzlichen Dank, Martje! :-)

Zum Abschluss habe ich gefragt: Wie gehst Du damit um, wenn Du ein Medikament nehmen musst, für das es keine vegane Alternative gibt?

Auf diese Frage haben Annemarie und Mara geantwortet und sie sind sich einig:

Ich denke es hat etwas mit der Erkrankung zu tun. Hier entscheide ich ob es eine lebensbedrohliche Erkrankung ist, oder einfach nur ein "Schnupfen'. Bei lebensbedrohlichen oder Krankheiten, die es werden könnten, ist mir wichtig, dass unverzüglich geholfen werden kann. Hier würde ich auf keinen Fall diskutieren. In allen anderen Fällen ist keine Gefahr im Verzug und oft geht es auch "nur' um Wohlbefinden. Hier gibt es oft auch mehrere Wege, die zum Ziel führen - z. B. Zeit, Ruhe, Physiotherapie,  Wickel, ....Natürlich brauchen diese Methoden oft mehr Geduld, was wir verlernt haben

Links zur Folge

Vegan im Recht: "Der vegane Patient"
https://veganes-recht.de/der-vegane-patient

Vegan im Recht: "Vegan im Krankenhaus"
https://veganes-recht.de/vegan-im-krankenhaus

"Das kannst Du gegen Tierversuche tun"
https://www.kosmetik-vegan.de/erbse/das-kannst-du-gegen-tierversuche-tun/

Übersicht der Generika-Firmen
https://www.progenerika.de/

Ärzte gegen Tierversuche - so kannst Du helfen
https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/helfen/aktiv-werden

App "Whats in my meds?" (Gutscheincode: blog-5gEr)
https://www.whatsinmymeds.de/

Wir bauen ein neues Wohlstandsmodell

Ein Beitrag

Folge 186 - Bausteine für ein neues Wohlstandsmodell

In dieser Folge stellen wir unser Vorhaben für das Jahr 2020 vor.

Wir werden voraussichtlich über das Jahr verteilt über folgende Bausteine sprechen:

    • Bildung
    • Landwirtschaft
      • Solawi
      • Bio zyklisch vegane Landwirtschaft
      • Permakultur
        • Grundlagen / Prinzip / Philosophie
        • Projekte
        • Permakultur-Designer
    • Transition Town / Initiativen
    • Lokalwährung
    • Mobilität
      • Stadtplanung
      • Individualverkehr der Zukunft
    • Energie
      • Dezentrale Strukturen
      • Selbstversorgung
      • Welche nachhaltigen Energiequellen gibt es?
    • Mensch-Tier-Verhältnis
      • Tierethik
        • Historischer Abriss
        • Positionen
        • Akteure
      • Tierrechte
        • Historischer Abriss
        • Positionen
        • Akteure
        • Interviews mit Gruppen/Initiativen/Akteuren
    • Care-Arbeit
    • Wirtschaft
      • Grundeinkommen / Finanzen
      • Arbeit (Wie sieht Arbeit der Zukunft aus)
      • Postwachstumsgesellschaft
      • Steady-State-Economie
      • Gemeinwohl-Ökonomie
      • Regionale (Kreislauf) Wirtschaft

Im Von Herzen Vegan Clan wird es eine Untergruppe geben, in der wir unsere Recherchen mit Dir teilen und Du herzlich eingeladen bist mitzudiskutieren.

Links zur Folge

Podcastfolge zum Buch "Alles könnte anders sein"
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-183-alles-koennte-anders-sein-harald-welzer

Podcast "Plan B - Ideen für den Neuanfang"
https://viertausendhertz.de/planetb/

Der vegane und nachhaltige Haushalt

Ein Beitrag

Folge 185 - Der vegane und nachhaltige Haushalt

Diese Folge ist ein Rückblick auf das Monatsthema "Der vegane und nachhaltige Haushalt" im Von Herzen Vegan Clan, meiner kostenlosen Community für alle Veganer·innen, die von Herzen vegan leben.

Wir haben zu diesem Thema über folgende Unterthemen gesprochen:

  • Grundsätzliches zum Thema Haushaltsreiniger & Putzen
  • Haushaltsreiniger: Spülen
  • Haushaltsreiniger: Waschen
  • Körperpflege und -hygiene
  • Monatshygiene, Windeln, Taschentücher
  • Extrathema: Kompostieren im Haushalt

und bis auf das Extrathema stelle ich alle in dieser Folge vor. Für das Thema "Kompostieren im Haushalt" wird es noch einmal eine Sonderfolge geben.

Ich habe nicht alle Tipps und Beiträge der Clanmitglieder vortragen können- Du hast aber immer die Möglichkeit sie im Clan nachzulesen.

Links zur Folge

Buch "Zero Waste - Weniger Müll ist das neue Grün" von Shia Su
z.B. bei buch7.de kaufen

Blog "Wastelandrebel" von Shia Su

Informationen über tierversuchsfreie, vegane Kosmetik
https://www.kosmetik-vegan.de/

Vegane, palmölfreie Olivenölkernseife im Versandhandel
https://www.gruene-bude.de/diy-bausteine/kernseife-und-olivenseifen/

Erfahrungsbericht zum Thema "freie Menstruation"
https://experimentselbstversorgung.net/freie-menstruation/

Rezept für selbstgemachtes Deo
https://plastikfreier-leben.de/plastikfrei-a-z/deo-selbst-machen/

Rezept für selbstgemachte Zahnpasta
https://plastikfreier-leben.de/plastikfrei-a-z/zahnpasta-selber-machen/

Rügener Heilkreide im 25kg Sack
z.B. hier kaufen

Carsten über unsere Haarwaschexperimente
https://von-herzen-vegan.de/blogartikel/haarseife-statt-shampoo

Rezept für Leinsaatgel für lockiges Haar
https://natuerlich-lockig.de/leinsamengel/

Rezept für Waschpulver
https://einbisschengruener.com/2016/03/27/plastikfreies-diy-waschpulver/

Danke und das war unser 2019

Ein Beitrag

Folge 184 - Danke und das war unser 2019

In dieser Folge bedanken wir uns in erster Linie bei unseren treuen Steadyunterstützer·innen, die teilweise seit Jahren schon dabei sind.

Außerdem lassen wir das Jahr Revue passieren und ich berichte, in welchen Podcasts und Publikationen ich zu Gast war- Du findest die Links in den Shownotes.

Wir wünschen Dir eine möglichst entspannte Auszeit zwischen den Jahren und guten Start ins neue Jahr 2020. Mögen all Deine Wünsche und Träume in Erfüllung gehen.

Links zur Folge

Stefanie im Interview mit bevegt
https://www.bevegt.de/stefanie-rueckert-podcast/

Stefanie als Teil einer Interviewrunde bei beautiful commitment
https://beautiful-commitment-podcast.podigee.io/18-live-podcast-special-aktivismus-hat-viele-gesichter

Ein Beitrag von Stefanie zur Podcastfolge "Vegan in Westafrika" im Radikal Unterwegs Podcast
https://radikalunterwegs.podbean.com/e/vegan-in-westafrika/

Interview mit dem Graslutscher
https://von-herzen-vegan.de/folgen/folge-060-souveraen-debattieren-mit-dem-graslutscher

Stefanie im Experteninterview zum Thema Milch in einem Artikel auf bento
https://www.bento.de/essen/ist-milch-gesund-oder-ungesund-die-suche-nach-antworten-a-ed13045f-b785-40e1-8a44-f2140a396c1b

Alles könnte anders sein - Harald Welzer

Ein Beitrag

Folge 183 - Alles könnte anders sein - Harald Welzer

In dieser Folge besprechen wir Harald Welzers Buch "Alles könnte anders sein".

Dieses Buch beschreibt nicht die Gegenwart, sondern Möglichkeiten, wie wir die Klimakrise lösen können. Es ist alles schon da, wir müssen es nur anders anordnen.

In seiner etwas flapsigen Art stellt Harald Welzer 17 Bausteine vor, aus denen wir uns eine moderne Gesellschaft bauen können, in der ein gutes Leben für alle Menschen auf dieser Erde möglich ist.

Carsten und ich haben das Buch beide gelesen und tauschen uns darüber aus, was uns gefällt, was uns fehlt und wo uns Harald Welzer nicht weit genug geht.

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge sprechen wir über das neue Buch von Harald Welzer „Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen.“

Carsten Und im Gegensatz zu anderen Büchern ist es jetzt tatsächlich mal so, dass sowohl Stefanie als auch ich dieses Buch gelesen haben.

Stefanie Genau. Und wir wollen uns heute darüber unterhalten, wie wir das Buch denn so fanden und was uns wichtig erscheint, weiterzugeben.

Carsten Ja, und wir mussten wirklich an uns halten, dass wir uns nicht im Vorfeld schon untereinander unterhalten, um das Ganze irgendwie, ja loszulassen, sondern wir haben wirklich jetzt erst mal abgewartet, bis wir hier in diesem Podcast Gespräch sind.

Stefanie Genau. Ich dachte schon, hier in diesem Studio.

Carsten In diesem Studio. Genau.

Stefanie Genau. Also, Carsten, wie fandest du das Buch?

Carsten Gut. Toll. Ja.

Stefanie Gut. Und mit diesen Worten geben wir zurück ins Studio.

Carsten Statt ins Hauptstadtstudio.

Stefanie Genau. Ähm, ja. Also. Du fandest...

Carsten Du willst das ein bisschen differenzierter?

Stefanie Ich möchte wissen: Fandest du es wirklich rundum gut? Würdest du es uneingeschränkt empfehlen?

Carsten Prinzipiell ja. Ich würde es uneingeschränkt empfehlen. Ich muss sagen, Harald Welzer hat für mich sehr viel Inspiration. Und auch in diesem Buch - das war schon in den anderen Büchern, die wir von ihm gelesen haben, der Fall, dass ich von der Art und Weise, wie er Sachen beschreibt und wie er sie auf den Punkt bringt, schon sehr viel mitnehmen kann. Und das führt sich in diesem Buch fort. Es gibt so ein paar Einschränkungen, also mir fehlen so ein paar Sachen, die werden wir aber im Laufe des Gesprächs dann wahrscheinlich erörtern. Aber prinzipiell würde ich sagen, Personen, die eine Veränderung in der Gesellschaft haben möchten und gerade auch hinsichtlich des Klimawandels, weil darum geht es ja heutzutage immer stärker, denke ich, werden gut daran tun, dieses Buch zu lesen.

Stefanie Ja, also mir ging es teilweise nicht weit genug. Er stellt einige Sachen in Frage, aber andere nimmt er einfach so hin. Und das fand ich nicht okay. Da habe ich das Gefühl, dass er da irgendwie noch in dem System verhaftet ist und der Meinung ist, dass sich da nichts ändern muss. Und da würde ich auch gerne später noch drauf eingehen.

Carsten Ja.

Stefanie Also generell halte ich es auch für ein gutes Buch, aber mit Einschränkungen. Und ich kann es nicht uneingeschränkt empfehlen, so wie du.

Carsten Okay.

Stefanie Ich habe mir gewünscht, dass es dann doch noch ein bisschen weitergeht.

Carsten Okay, weiter in Form von konkret oder…?

Stefanie Vom Denken her. Also wirklich das System komplett in Frage zu stellen. Weil jetzt zum Beispiel - sollen wir jetzt direkt einsteigen?

Carsten Wir können direkt einsteigen.

Stefanie Zum Beispiel beim Thema Bildung fand ich, dass er da doch immer noch in diesem Bildungssystem, was derzeit en vogue ist, verhaftet ist und dass er das nicht weit genug infrage stellt. Er sagt zwar na ja, man könnte die Schüler·innen irgendwie ein bisschen lockerer unterrichten und so, aber er bleibt immer noch in diesem „Man muss sie unterrichten“ Modell drin. Und das hat mich dann doch gestört.

Carsten Na, ich glaube, das weiteste, was er so benannt oder vielleicht auch für sich gedacht hat, war dieser Montessori Ansatz. Also den hat er zumindest namentlich genannt. Und was ich gut finde ist, dass er das Thema generell anspricht. Also das trifft man ja relativ selten in dieser ganzen gesellschaftskritischen Thematik, es sei denn, man schaut jetzt sehr speziell hin. Mir persönlich ist es ja erst aufgefallen dadurch, dass wir unser eigenes Kind zur Schule bringen, aber ansonsten habe ich das so nicht wahrgenommen und deswegen fand ich das schon sehr cool, dass Harald Welzer das jetzt in seinem Buch auch mit thematisiert und sagt: Wir brauchen eigentlich eine neue Bildung.

Stefanie Ja, also das schon. Nur geht er in anderen Punkten so weit, dass er sagt, dass das alles ja, wenn man in der Historie zurückgeht, noch gar nicht so lange in unserer Gesellschaft Standard ist. Und das ist ja mit dem Bildungssystem genauso und deswegen hätte ich mir gewünscht - andere Themen stellt er in Frage, aufgrund dessen - dass er genau mit dieser Beweisführung sagt, dass es das noch erst vielleicht seit der Industrialisierung gibt, zum Beispiel. Und wir haben so und so viele 1000, 10.000, zigtausende Jahre ohne gelebt und da hat der Mensch wunderbar funktioniert. Aber seit der Industrialisierung ist es so und so und deswegen können wir das jetzt auch wieder umdenken, so diese Struktur, die führt er nicht für die Bildung an.

Carsten Ja, das stimmt. Also da reflektiert er tatsächlich nicht die Wurzeln des Bildungssystems. Was ich aber schon sehr schön fand, war, dass - er versucht das immer sehr pointiert und teilweise auch mit einer gewissen zynischen Ader dann zu formulieren - er sagte, das Bildungssystem oder die Art und Weise, wie wir Bildung heute leben und erleben, funktioniert ja schon allein deswegen nicht, das sieht man ja an den heutigen Politiker·innen, die genau dieses Bildungssystem durchlaufen haben und schon obwohl sie nach unserer Meinung ja eine gute Bildung mitgenommen haben, eigentlich nicht in der Lage sind, die heutigen Probleme zu lösen. Er spielt da ganz klar auf die Klimakrise an. Und das ist für ihn so schon ein Aspekt, wo er sagt wir müssen Bildung neu denken.

Stefanie Ja, ich würde jetzt trotzdem gerne noch mal so einen Rahmen um dieses Gespräch hier bauen, damit wir jetzt nicht über Details reden und alle sich fragen: Was, worüber reden die eigentlich?

Carsten Vor allen Dingen ist Bildung ja nur ein Baustein von dem Buch und noch nicht mal der der größte.

Stefanie Ja. Ich würde dazu vielleicht einmal ins Inhaltsverzeichnis schauen und kurz vorlesen, was da steht.

Carsten Genau. Genau.

Stefanie Also er hat es eingeteilt in das erste Kapitel „Wieder gut machen.“ Und schreibt dann dadrüber: „Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus. Gelebte Illusionen, Gesellschaften für freie Menschen sind widersprüchlich. Die Moderne, wie wir sie kannten, die Zukunft, Produktivkräfte des guten Lebens und von Zukünftigkeit. Mythen. Quellen eines Realismus des guten Lebens und Zeit für Wirklichkeit.“ Und dann ist das zweite Kapitel „Alles könnte anders sein.“ Und da arbeitet er mit Legosteinen.

Carsten Ich finde die Parallele ganz cool. Vor allen Dingen, weil er die in zwei Arten reflektiert. Aber lies doch erst mal vor.

Stefanie Ja, ich fand das aber auch gut. Ich kenne es jetzt aktuell mit unserem Kind auch so, dass es diese vorgefertigten Kisten zu kaufen gibt. Also nicht einfach nur Steine, sondern Sets in denen die Polizeiwache drin ist oder das Flugzeug drin ist oder was auch immer, das schon vorgegeben ist, was die Kinder damit bauen. Und er meint , dass Lego früher im ursprünglichen Sinne einfach nur Steine waren, mit denen man alles bauen konnte, wo nichts vorgegeben war. Und das ist der Grundgedanke, weswegen er auf Lego kommt. Und jetzt muss ich mal wieder dahin blättern.

Und er nennt 17 Legosteine, aus denen wir uns quasi jetzt unsere neue Gesellschaft zusammenpuzzeln können.

  • Das erste Lego ist die Wirtschaft.
  • Das Zweite Autonomie. Selbst sein können und wollen
  • Das Dritte Fähigkeiten, persönliche Möglichkeiten und Bedürfnisse.
  • Das vierte: Warum eigentlich immer arbeiten?
  • Das fünfte. Nachhaltigkeit ist von gestern. Wirtschaften in der Zeit ist von morgen.
  • Sechstens Gerechtigkeit, woran alle Menschen glauben möchten.
  • Der siebte Legostein ist Gemeinwohl
  • Der achte Solidarität
  • Der neunte Mobilität
  • Der zehnte Boden. Pässe. Grenzen. Antimodernes aus der Moderne.
  • Der elfte. Beziehungen. Kommunikation. Liebe. Die menschliche Welt ist zwischenmenschlich.
  • Der zwölfte Legostein: Freundlichkeit
  • Der dreizehnte ist Zeit
  • Der vierzehnte Institutionen
  • Der fünfzehnte Infrastrukturen
  • Der sechzehnte Legostein lautet Verschiedenheit und Erfahrung
  • und der siebzehnte Legostein Sinn.

Und dann kommt er zum Dritten Kapitel „Der Neue Realismus.“ Da geht es um „Sinn - realistisch, Migration - realistisch, Solidarität - realistisch, Wirtschaft - realistisch, Stadt - realistisch, die analoge Stadt, Arbeit - realistisch, das bedingungslose Grundeinkommen, Zeit - realistisch, Digitalisierung - realistisch, Bildung - realistisch und wieder gut machen - realistisch und Zukunftsbilder - realistisch.“ Und dann hat er noch seine elf Merksätze zum Neuen Realismus. Die können wir nachher vielleicht zum Schluss vorlesen.

Carsten Ja, genau. Jetzt würde ich aber ganz gern noch was anführen, weil du gerade aus dem dritten Teil immer dieses realistisch benannt hast. Er spricht deswegen explizit von Realismus oder von einer realistischen Thematik, weil er das aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftssystem als Illusion betrachtet. Wir glauben, dass das, was wir heute kennen, zum einen alternativlos ist, was eine Illusion ist. Zum Zweiten das Beste ist, was es gibt, was auch eine Illusion ist. Und zum Dritten, dass es funktioniert, was auch eine Illusion ist, weil allein dadurch, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage verbrauchen, zerstören wir uns oder unsere Lebensgrundlage selbst und werden damit einfach nicht weiter vorankommen. Vielleicht noch ein paar Generationen und ein paar privilegierte Schichten, aber insgesamt, als Gesellschaft werden wir es nicht schaffen mit der Art und Weise, wie wir heute wirtschaften und leben wirklich zukunftsweisend nach vorne zu kommen. Und das bezeichnet er klassisch als Illusion. Und dem entgegen spricht er von Realismus und versucht mit realistischen Annahmen das Ganze auf eine Ebene zu führen, wo man sagt okay, das ist jetzt auch tatsächlich zukunftsweisend, nachhaltig, wie auch immer, also hat Bestand und läuft nicht gegen die Wand wie das, was wir jetzt gerade machen.

Stefanie Das sind seine Vorstellungen von der Zukunft, er schreibt auch immer „Ich stelle mir vor, Stadt realistisch, wie das aussehen könnte.“ Das heißt, es ist jetzt nicht unbedingt alles belegt, sondern es ist seine Idee, sein Vorschlag.

Carsten Ja, richtig, genau.

Stefanie Und was ich noch hinzufügen wollte: Harald Welzer sagt auch, dass alles schon da ist und wir es nur anders zusammensetzen müssen. Und das ist eigentlich auch das, was wir jetzt auch schon in den letzten Jahren einfach gemerkt haben. Wir müssen nichts Neues erfinden, damit wir überleben oder unsere Lebensgrundlage retten können, sondern es ist alles schon da. Wir müssen es einfach nur anders zusammensetzen. Und deswegen hat Harald Welzer einfach dieses Bild von den Legosteinen genommen, was ja auch ganz sinnig ist, dass du dann die Legosteine nimmst und sie anders zusammensetzt und etwas anderes daraus baust und wir jetzt, wie gesagt, nichts Neues hinzupacken müssen. Das finde ich noch wichtig zu sagen, das ist alles schon da, wir müssen es nur anders zusammenbauen.

Carsten Genau. Und vielleicht in dem Zusammenhang, er spricht auch von einem Experiment und was er darunter versteht und was sich dahinter verbirgt, das ergibt sich dann aus dem Buch. Und ich glaube, diesen Abschnitt, den lesen wir jetzt einmal kurz vor.

Stefanie Diesem Abschnitt geht ein Exkurs über Entscheidungsträger voran. Und wenn er jetzt über „solche Leute“ spricht, dann meint er damit die Entscheidungsträger: „Unter Federführung solcher Leute findet gegenwärtig ein globales Experiment statt. Da wird in allen Daseinsbereichen ausprobiert, ob man klar definierte Grenzen der Nutzung naturaler Gegebenheiten überschreiten kann, ob man, einfacher gesagt, in einer endlichen Welt unendlich wachsen kann. Das ist der weltweite Versuchsaufbau. Und obwohl diese Grenzen mit zunehmender Übernutzung immer deutlicher zutage treten, entscheiden sich täglich weltweit mehr Menschen dafür, an diesem Experiment teilzunehmen, obwohl sein Ergebnis, nämlich Kollaps, klar absehbar ist, gibt es keine Mehrheit, die für einen Abbruch stimmen würde. Alle Vernunft und alles Wissen sprechen für einen Abbruch und für das Experimentieren mit Alternativen. Aber nirgendwo findet sich eine Mehrheit, die von ihrer Vernunft und ihrem Wissen Gebrauch machen würde. Ganz im Gegenteil. Diejenigen, die andere Formen des Wirtschaftens und Lebens ausprobieren, müssen sich ständig dafür rechtfertigen, da das alles ja nie funktionieren könne. Seltsam. Das Experiment mit dem absehbaren negativen Ergebnis steht nie unter Rechtfertigungsdruck. Aber die, die andere Wege ausprobieren, müssen sich ständig dafür rechtfertigen. Warum? Weil sie als lebendige Beispiele dafür, dass die Sache mit der Alternativlosigkeit nicht stimmt, kleine, aber lästige Systemstörungen darstellen.“

Carsten Ja, und er spricht im weiteren Verlauf davon, dass es viele kleine Experimente geben muss, die in der Lage sind, die Zukunft anders zu gestalten. Und diese kleinen Experimente können durchaus scheitern, aber sie können auch gelingen. Und dieses ganz große Experiment ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Und deswegen animiert er dazu, kleinere Experimente zu starten. Und das sind diese Lego Bausteine. Er will damit auch skizzieren, dass es nicht die eine Lösung gibt, sondern dass man sich an diese Lösung herantasten muss und dass es da dementsprechend auch die Wahrscheinlichkeit gibt, dass man mit dem Lösungsversuch auch scheitern kann. Was aber nicht davon abhalten soll, weiter an Lösungen zu arbeiten.

Stefanie Ich finde es auch ganz lustig, dass er die gegenwärtige Situation, also die Realität, Gegenwart, wie auch immer man es nennen soll, als Experiment bezeichnet, weil es das Ganze dann nicht als Tatsache hinstellt, sondern einfach nur als eine Möglichkeit von vielen. Also es ist nicht alternativlos, es ist ein Experiment und zieht das Ganze natürlich auch irgendwie ein bisschen ins Lächerliche. Und ich finde auch, sein ganzes Buch ist so ein bisschen flapsig geschrieben. Also es ist definitiv keine harte wissenschaftliche Veröffentlichung, sondern so geschrieben, als würde er sich nett mit einem Freund oder einer Freundin unterhalten, oder?

Carsten Ja, ja klar, gerade wo er sich über bestimmte Sachen echauffiert. Also das sind so seine typischen Beispiele mit SUVs, der Stadtgeländewagen, Thema Kabul. Da, wo er immer darauf hinweist, dass hier diese Geländewagen ja nie im Leben Gelände sehen werden und die aber so gepanzert sind, als ob man in Kabul einmarschieren wollen würde. Das kennt man aus anderen Büchern oder Äußerungen von ihm. Das findet man auch hier wieder. Und das sind so Bonmots oder Spitzen, die er wieder mit reinbringt, die, wenn man ihn mag, eigentlich dazu führen, dass man immer mal wieder so ein kleines Grinsen auf die Lippen bekommt. Also mir gefällt es, sagen wir mal so, weil er Sachen wirklich teilweise überspitzt darstellt und dann auch durchaus meinen Humor trifft. Sonst einige Sachen, die ich da aus diesem Buch mit rausgenommen habe, die mir eigentlich auch von der Darstellung her wirklich gut gefallen sind so Zitate wie „Die Verbesserung der Welt kann man nicht delegieren, die muss man selbst machen. Im Unterschied zum Kauf einer Ware bekommt man für Weltverbesserungsversuche keine Quittung. Man kann sie nicht zurückgeben, wenn sie nicht funktioniert haben.“ Oder auch sehr schön: „Mehrheiten gehen immer mit dem Wind, sie schließen sich an, wenn das Richtige überzeugend vorgeführt werden kann. Um das Richtige überzeugend vorführen zu können, muss man es überzeugend vorführen können.“

Stefanie Und das, was Carsten gerade zitiert hat, das nennt Harald Welzer die vier Gesetze der modularen Revolution. Und mit modularer Revolution meint er was?

Carsten Ja, er spricht inhaltlich von Revolution, aber er meint damit nicht die große ganze Revolution, sondern viele kleinere Revolutionen, die man aber so kombinieren kann. Und da sind wir wieder bei den Lego Bausteinen, dass sie modular wirken und jeder für sich in ihrem eigenem Aspekt eine kleine Revolution auslösen und im Endeffekt dann das große Ganze anders gestalten.

Stefanie Ja, und ich finde es wie gesagt eigentlich ganz gut, was er alles da anführt. Wir haben das ja jetzt auch eingangs vorgelesen, was das für Lego Bausteine sind. Nur wie gesagt finde ich, dass er bei manchen Lego Bausteinen, wie bei der Bildung, einfach nicht weit genug geht und da immer noch im alten System verhaftet ist. Es gibt also noch Platz für mehr und er spricht ja auch von Heterotopien. Viele Orte, viele Geschichten, sagt er dazu. Er meint damit, dass es nicht nur eine Utopie gibt, sondern viele, viele, ganz viele verschiedene. Und dass wir Geschichten erzählen. Und sobald wir Geschichten erzählen, ist das in den Köpfen der Menschen und kann es Wirklichkeit werden. Es muss nicht, aber es kann. Das heißt, dass es wichtig ist, dass wir Geschichten erzählen.

Carsten Und da kommt wieder so ein Aspekt, dass er Begriffe verwendet, die für mich sehr hilfreich sind, weil sie mir helfen, Sachen in Worte zu fassen, die ich vorher vielleicht nur sehr umständlich beschreiben konnte. Und ein Begriff ist dieser „Wunschhorizont“, den er dort nennt. Das finde ich wirklich einen ganz fabelhaften Begriff, weil er einfach klarstellt: Wir müssen eigentlich mehr träumen. Das ist auch ein Appell, den er da in diesem Buch aufführt, auch mit Untersuchungen, wo er feststellt, dass junge Leute einfach nicht mehr in der Lage sind zu träumen oder sich selber nicht mehr erlauben zu träumen.

Stefanie Sich das Träumen verbieten?

Carsten Genau, weil sie so konkret in ihrer Lebenssituation verhaftet sind, dass sie sich einfach schon gar nichts mehr anderes vorstellen können. Die nehmen das Schicksal als gegeben hin und hinterfragen es so nicht oder sehen den Aufwand, das zu ändern als so enorm groß oder fühlen sich vielleicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Und da spricht er sich ganz klar dafür aus, dass wir mehr träumen müssen. Mehr Zeit zum Träumen. Das ist auch ein Faktor, den er dort anspricht. Weniger arbeiten, mehr Zeit für sich, um überhaupt erst mal gedanklich oder zeitlich die Freiheit zu haben, zu träumen und diese Wunschhorizonte neu aufzubauen. Das meint er auch ganz am Anfang des Buches, dass unserer Gesellschaft eigentlich das Ziel fehlt. Er spielt da auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Veränderungsprozesse an, wie die Hippiebewegung, wie die ökologische Bewegung, wie die Antiatombewegung etc., die alle irgendwo einen Zielwunsch hatten. Die wollten irgendwo hin, die wollten die Gesellschaft irgendwo hinbringen und unserer Gesellschaft fehlt einfach dieses - wir sind so eingelullt, in dem „ist alles ganz gut“ und wir wollen das Bestehende einfach nur ein bisschen besser machen. Noch digitaler, noch bequemer, noch billiger, noch keine Ahnung was, aber so dieses Konkrete überwinden und diesen Wunsch zu haben. Nein, ich möchte eigentlich die Gesellschaft irgendwo hinführen, wo sie heute noch nicht ist. Das fehlt unserer Gesellschaft und dementsprechend haben wir es mit einer ganz großen Antriebslosigkeit zu tun und das zu überwinden, dafür braucht es einfach Zeit und Raum für Träume, um neue Wunschhorizonte auszuarbeiten, sich zu überlegen.

Stefanie Und in seinem Buch stellt Harald Welzer ganz viele Heterotopien und Träume von ihm vor. Und auch einige, die es schon gibt. Also wie natürlich die Transition Bewegungen überall auf der Welt mittlerweile. Und er schreibt auch, dass einen Gemeinschaftsgarten anzulegen oder bei einem Gemeinschaftsgarten mitzuhelfen viel mehr bewirkt bei den Menschen, als wenn sie jetzt irgendwelche Theorien lesen, zum Beispiel. Dieses Machen, das Dabeisein und vor allem bei dem Gemeinschaftsgarten ist es so offen und da gibt es wenig Barrieren, um da mitzumachen. Du kannst eigentlich einfach hingehen und mitmachen. Das hilft mehr Heterotopien zu bilden und zu träumen, als solche theoretischen Konstrukte zu lesen.

Carsten Ja, und er führt auch zum Beispiel Gemeinwohlökonomie an, aber auch das bedingungslose Grundeinkommen, das sind für ihn auch Bausteine oder Legobausteine, wie er sie benannt hat, die wichtig sind, als wichtige Bestandteile der neuen Gesellschaft, wo auch freie Menschen daraus resultieren. Und mit freien Menschen meint er Personen, die mehr Freizeit haben, mehr Sozial-Engagement leben können und nicht in dieser getakteten Arbeitsgesellschaft unterwegs sind und versuchen das, was sie dann als freie Zeit heute zur Verfügung haben, durch Konsumgelegenheiten irgendwo wettzumachen bzw. zu kompensieren. Und ja, er greift da aus meiner Sicht schon sehr wichtige Bestandteile an und da kommt jetzt auch so eine Kritik hoch.

In einigen Bereichen geht er nicht konkret genug für mich rein, das, was mir am am schwierigsten fällt, ist das Thema, wie er über Wirtschaft spricht. Schwierig in der Hinsicht, dass es mir nicht konkret genug ist. Also da fehlt mir noch so ein bisschen der Adaptionspunkt, um zu sagen: Ja, genau, jetzt kann ich damit in die Praxis gehen. Also da ist er selber noch sehr stark theoretisch unterwegs aus meiner Sicht. Er spricht zwar davon, dass wir das Wirtschaften anders aufbauen müssen, dass heute Wirtschaft der Zweck ist. Unsere ganze Gesellschaft ist auf diesen Zweck des Wirtschaftens ausgerichtet. Von der Bildung über die Institutionen, die Infrastrukturen sind alle Mittel, um nachher den Zweck des Wirtschaftens zu erfüllen. Und er sagt, das muss umgedreht werden, dass Wirtschaften gar nicht der Zweck, sondern das Mittel ist. Wir müssen die Wirtschaft dahin bringen, dass wir mit diesem Mittel Wirtschaft unsere Gesellschaft aufbauen können. Und diesen Umschwung, also gerade in der Praxis, da finde ich keinen Anknüpfungspunkt.

Das klingt in der Theorie total gut. Würde ich sofort unterschreiben, würde ich auch sagen: Wow, bin ich sofort dabei. Und dann stehe ich quasi vor meinem Arbeitsplatz, vor meiner Chefin, vor meinem Chef und überlege mir, wie bringe ich denn das jetzt irgendwie in die Praxis? Und da hätte ich mir von ihm schon, ich sage jetzt mal, einen handfesteren Baustein gewünscht und nicht einfach nur dieses Überzeugen. Ja, genauso muss es sein. Und dann stehst du im luftleeren Raum und denkst so, jetzt bin ich zwar der Einzelne und er spiegelt ja auch immer wieder, dass Einzelne diese Veränderung bewirken können. Aber was kann ich jetzt konkret machen? Ich bin in diesem Arbeitsgeflecht, ich habe einen Arbeitsvertrag. Ich kann mich jetzt nicht aufgrund von einer ideologischen Thematik aus meiner Arbeit herausziehen. Ich bin im Moment abhängig von meiner Erwerbsarbeit und ich kann das als Einzelner jetzt auch nicht verändern. Also da hätte er tatsächlich im Buch aus meiner Sicht viel praktischere und pragmatischere Antworten geben können.

Stefanie Na, so ein Buch kann ja durchaus dann auch nicht alles abbilden. Vielleicht ist Harald Welzer nicht tief genug in der Wirtschaft drin, dass er da jetzt konkretere Beispiele nennen könnte. Vielleicht bist du, Carsten, jetzt auch die eine Person, die diesen inneren Auftrag hat, um das zu ändern?

Carsten Ja, diesen inneren Auftrag verspüre ich ja auch schon, auch schon vor diesem Buch, das war mir schon klar. Aber tatsächlich finden wir momentan so der Dreh und Angelpunkt, um zu sagen was kann ich als Einzelperson dort machen. Da würde ich sagen, das muss an die Politik delegiert werden. Aber da hat Harald Welzer ja auch schon gesagt, die sind aufgrund ihrer Bildungsstruktur ja nicht in der Lage, die Probleme zu lösen. Ja, das ist eine Pattsituation.

Stefanie Vielleicht musst du dann irgendwie in den Betriebsrat, wenn ihr einen habt.

Carsten Nee, haben wir nicht.

Stefanie Dann musst du jetzt einen Betriebsrat gründen und dann mit dem Betriebsrat das ausdiskutieren, wie ihr da hinkommt zu diesem Modell.

Carsten Genau. Revolution. Ich meine hin zu einer Gemeinwohlökonomie oder einer Gemeinwohlbilanz. Das ist natürlich dann schon ein realistisches Beispiel.

Stefanie Ja, und vielleicht geht das ja dann als ein erster Schritt.

Carsten Okay, gut, das führt jetzt natürlich relativ weit, weil ich dann denke, das muss schon eine gewisse idealistische Komponente haben und die findest du nicht in jeder Geschäftsführung. Und naja, es ist ein schwieriges Thema. Ich denke, vielleicht ist Harald Welzer mit seinem Buch da auch tatsächlich gar nicht derjenige, der da jetzt für mich persönlich diese Lösung oder Lösungsstrategie an die Hand geben kann, sondern er kann das Problem benennen. Er kann auch eine Perspektive zeigen und den Weg dorthin. Der muss sich irgendwie anders ergeben. Ich bin da ja relativ offen und ich werde ja auch noch weitere Bücher lesen. Vielleicht kriege ich da so Anhaltspunkte, dass ich das zusammenbauen kann.

Stefanie Vielleicht hört das jetzt auch jemand und hilft dir dann.

Carsten Ja, das finde ich cool. Also ja klar, ich bin da ganz.

Stefanie Irgendjemand wird es schon hören. Haha, voll lustig.

(beide lachen)

Ich hab doch gesagt, vielleicht hört das jemand. Also ich denke, es hört schon jemand zu. Nicht lustig. Wir sind heute so lustig hier.

Carsten Okay, lenken wir mal auf ein anderes Thema. Also wirklich Wirtschaft. Da kann ich mich ja jetzt stundenlang drüber unterhalten. Ich will aber wieder zurück auf das Buch kommen. Und was ich bei Harald Welzer jetzt ziemlich gut fand, war, dass er das Thema Anthropozän oder die Art und Weise, wie wir mit diesem Menschheitsproblem umgehen, dass er das auch tatsächlich kritisiert, also auf einer sehr für ihn typische harsche Art und Weise. Und er hält das Anthropozän für eine große Erzählung, und von der müssen wir weg, seiner Meinung nach.

Und er schreibt dann auch: „Mich regt das auf. Denn erstens gibt es den Menschen als überzeitliche Wesenheit nicht, sondern nur Menschen im Plural, in höchst konkreten geschichtlichen und kulturellen Kontexten. Und wer die heutigen Probleme vor allem angerichtet hat, das waren die kapitalistisch geprägten Gesellschaften, die sich einen Dreck um die Grenzen des Wachstums geschert haben und das bis heute tun.“

Also ich mag diese klare Ausdrucksweise. Bringt das also wirklich auf den Punkt. Und dann einen Absatz muss ich nochmal ein bisschen weiter zitieren. Das schreibt er dann auch noch: „Hören wir doch bitte auf, so zu tun, als habe man es mit einem ‚Menschheitsproblem‘ zu tun. ‚The wealthy few stress the planet‘ hat Kate Raworth ganz richtig festgestellt. Also sollten die auch in die Pflicht genommen werden, damit endlich aufzuhören.“

Also nochmal auf Deutsch, das, was Kate Raworth gesagt hat, heißt einfach nur, dass einige Wohlhabende den Planeten zerstören. Ja, er hat recht. Also es ist tatsächlich kein Menschheitsproblem, sondern es ist ein Problem der bessergestellten Gesellschaften. Und er sagt das dann in einer Art und Weise auch relativ zynisch, dass dieser Untergang, der jetzt quasi bevorsteht, wenn wir diesen Weg weitergehen, dieser Untergang ist nicht sozialistisch. Und damit meint er einfach, dass die Schwächsten, die Ärmsten als erstes untergehen werden und einige Privilegierte sich noch bis zum - Keine Ahnung - Exitus hinweg retten können und in der Lage sind, technologisch, finanziell oder vielleicht auch genetisch und medizinisch diese Überlebenschance weiter zu erhöhen. Aber das finde ich dann auch sehr wichtig, mal zu sagen, weil bei diesem ganzen Untergangsszenario man ja immer den Eindruck hat, alles passiert zeitgleich und wir werden alle in Mitleidenschaft gezogen.

Nein, es ist tatsächlich so, dass diejenigen, die das Problem verursacht haben und weiterhin verursachen, dass die als letzte davon in Mitleidenschaft gezogen werden. Und Harald Welzer hat dieses Buch geschrieben, weil er weg will von diesem Ganzen „alles ist schlecht und alles ist blöd und wir kriegen das sowieso nicht hin und alles ist schwierig.“ Also er möchte im Grunde genommen einfach sagen: Kommt, wir packen das an, wir kriegen das auch alles hin. Das ist ja nicht so, dass wir keine Lösungen haben, sondern wir müssen jetzt langsam mal in die Pötte kommen. Und wir sollten den Fokus auf das legen, was auch tatsächlich funktioniert. Und dementsprechend ist das ja eigentlich eher ein positives Buch. Das sieht man ja auch im Vorfeld schon, wenn man diesen Einband sieht. Schöne Wolken und alles toll. Also es soll eigentlich eher ein hoffnungsvolles Buch sein. Und es heißt ja auch, „Alles könnte anders sein.“

Stefanie Ich bin gerade etwas irritiert, dass dieses nichtssagende Bild dir Hoffnung gibt. (lacht)

Carsten Ja, das ist so eine Himmelsperspektive. Also das ist ja schon fast ein religiöser Kontext.

Stefanie (lacht) Was Du alles aus so einem Wolkenbild liest...

Carsten Hört die Engelein singen oder so...

Stefanie Ja gut, also zurück zum Thema. Also es ist positiv und wir möchten jetzt noch einen Absatz vorlesen.

Carsten Genau ein Appell, der relativ weit am Ende des Buches kommt und den ich einfach richtig gut finde, um das ganze Thema mal abzurunden.

Stefanie „Also“ - schreibt er – „Also: Wir nehmen jetzt den Untergangspropheten mal ihre Uhr weg, die seit 40 Jahren eh auf ‚5 vor 12‘ stehengeblieben ist, wählen das Motto: ‚Wenn es einfach wäre, könnten es ja auch andere machen‘ und gehen einfach mal davon aus, dass man das meiste wiedergutmachen kann, was aus Gedankenlosigkeit, Ignoranz, falscher Prioritätensetzung oder einfach Unwissen angerichtet wurde. Es bleibt uns übrigens auch gar nichts anderes übrig. So einfach ist das. Für die Lamentierökos kann man Nölreservate einrichten. Da kann man hingehen, wenn man zu viel gute Laune beim Aufräumen bekommen hat und mal wieder schlecht drauf sein möchte.“

Carsten So, jetzt habe ich aber trotzdem mal die Frage: Du hast gesagt eingeschränkt empfehlenswert. Was fehlt dir konkret an diesem Buch und wem würdest du es jetzt nicht empfehlen?

Stefanie Also ich denke, es sollte schon jede·r gelesen haben, aber mit dieser Einschränkung, dass es mir in verschiedenen Punkten nicht weit genug geht. Also als ich es gelesen habe und er sich immer wieder darauf berufen hat, dass wir das in einem größeren historischen Kontext sehen sollen, dass dieser kapitalistische Menschheitsbereich relativ klein ist im Vergleich zur kompletten Menschheitsgeschichte, hat mich das auch ganz stark wieder an meine Forschung zu den Milchgeschichten, zur Kuhmilch erinnert, weil ich da auch für mich so einen Zeitstrahl gebastelt habe, um zu gucken, wie groß ist denn jetzt da dieser Zeitraum, in dem wir sagen, dass wir schon immer Milch getrunken haben und der ist ja nun mal tatsächlich sehr winzig im Vergleich zu dem Zeitraum, in dem es die Kuhmilch schon so gibt und in dem wir als Menschen existieren usw. und so fort. Und da geht er mir, wie gesagt, in einigen Punkten einfach nicht weit genug.

Du hast es mit der Wirtschaft genannt, dass er da nicht konkret genug wird und mir ist es vor allem bei der Bildung aufgefallen und ich meine auch bei anderen Punkten. Aber es ist jetzt schon fast ein Monat her, dass ich das Buch gelesen habe. Deswegen sind mir einige Dinge schon wieder entfallen, was vielleicht auch nicht schlecht ist, weil ich jetzt noch das Wesentliche im Kopf habe. Also wo ich denke, wir müssen wirklich noch mal neu denken. Und er sagt auch überhaupt gar nichts über unser Verhältnis zu Tieren zum Beispiel. Ich hatte das Gefühl, dass er so in diese Richtung geht „Wir jagen uns jetzt wieder unser Fleisch.“ Und er hat zwar irgendwas von vegetarisch zwischendurch mal geschrieben, aber es war nichts wirklich konkretes, was dieses Thema Ernährung angeht. Ich hab das Gefühl, dass es da in Richtung wenig und wenn dann Bio geht.

Carsten Also ja, es ist sehr bemerkenswert, dass ein Buch, was ja konkret als Gegenstand hat, wie überwinde ich die Klimakrisegar nicht auf diesen ökologischen Aspekt der Nahrungsmittelproduktion eingeht und das eigentlich schon fast verschweigt. Und ein bisschen irritierend in zweierlei Hinsicht fand ich, dass er, ich glaube mindestens zwei Mal ein Zitat von Karl Marx genannt hatte, wo es auch wirklich darum ging, was passiert eigentlich, wenn wir nur noch so 15 bis 20 Stunden pro Woche arbeiten, weil wir durch die Digitalisierung eine hoch produktive Wirtschaft haben? Da hatte Karl Marx damals schon gesagt - ich weiß gar nicht mehr, ob ich das jetzt so sinngemäß wieder zusammenbringe - aber irgendwie hat er seinen Tag eingeteilt, dass er dann mittags angeln geht, nachmittags jagen geht, also Freizeitbeschäftigung mit einbringt. Aber die war schon auf diesen Aspekt der Tierausnutzung ausgelegt. Und das hatte mich erst mal insofern irritiert, dass dieser Tierausnutzungscharakter zitiert und gar nicht hinterfragt wird.

Und da komme ich jetzt mal von so einer noch höher gelegenen Betrachtungsebene. Man merkt beim Lesen, dass Harald Welzer sehr stark von Karl Marx beeinflusst ist. Ich will jetzt nicht sagen, dass er irgendwann mal im Rahmen seiner Biografie eine marxistische Position hatte, aber man merkt schon, dass er sehr stark von den Ansichten von Karl Marx beeinflusst ist. Was ich gar nicht schlecht finde, weil die Position teile ich. Harald Welzer ist dann inhaltlich auch durchaus ein paar Schritte weitergegangen. Er bleibt dort nicht stehen. Aber wenn ich über Marxismus und Karl Marx spreche, dann bin ich in dem Bereich Herrschaftsstrukturen, Machtstrukturen. Und da fehlte mir tatsächlich dann der Dreh und Angelpunkt zu sagen, das wird ja gar nicht hinterfragt. Also er thematisiert es auch gar nicht im Buch und das muss ja noch nicht mal mit Machtstrukturen innerhalb der Menschen und Zivilgesellschaft sein, sondern auch speziesübergreifend. Das, was ja im Grunde genommen wichtig ist, um nachher auch den Bereich einer wertschätzenden Gesellschaft auf allen Ebenen zu haben. Also nicht nur ausschließlich innerhalb von menschlichen Tieren, sondern eigentlich universell. Und dieser Aspekt, da denke ich, müsste Harald Welzer tatsächlich persönlich nochmal einen Schritt weitergehen. Also da ist er stehengeblieben, das überwindet er so nicht.

Stefanie Genau. Und mit diesem Hintergrund, dass er in bestimmten Aspekten nicht weit genug geht oder gar nicht über sie spricht oder sie unhinterfragt lässt, ist es für mich nur eingeschränkt empfehlenswert. Und das bitte ich Dich, liebe zukünftige Leserin, lieber zukünftiger Leser, dann zu bedenken, wenn du dieses Buch in die Hand nimmst, dass es kein eins zu eins Modell ist, was du abpausen kannst und damit dann die Welt retten. Das sind alles Vorschläge und wie gesagt, in einigen Aspekten für mich noch nicht weit genug durchdacht und der vegane Aspekt fehlt vollkommen. Das ist auch was, was mich an der Transition Bewegung stört. Da geht es viel um Ernährung und viel um Gemeinschaft. Aber es wird überhaupt nicht hinterfragt, was denn mit den Tieren passiert und wie wir uns anders ernähren können. Wobei ja der ökologische Aspekt, der Nachhaltigkeitsaspekt einer veganen Ernährung ja schon wissenschaftlich bewiesen ist. Also das ist völlig unstrittig. Muss man jetzt ja gar nicht mehr hier alles ausbreiten, das kennst du ja alles schon, nur das fehlt einfach und das stört mich.

Carsten Und da diese Folge jetzt ja eigentlich relativ kurz vor Weihnachten kommt, ist das aus meiner Sicht doch noch ein relativ gutes Weihnachtsgeschenk, auch wenn wir es mit Einschränkung empfehlen. Und du hast jetzt auch so ein bisschen die Kritik von uns mitbekommen. Ich persönlich muss aber sagen, ich fand das Buch insgesamt sehr inspirierend, also generell solche Bücher zu lesen. Und gerade Harald Welzer mit seiner Art und Weise der Darstellung ist für mich insofern inspirierend, dass ich ganz viel davon mitnehme und mich sehr intensiv mit solchen Themen dann anschließend auch auseinandersetze.

Stefanie Du möchtest unsere Hörer·innen dazu animieren, ein Buch zu verschenken.

Carsten Kauf es!

Stefanie Du möchtest sie animieren, etwas zu kaufen und nicht auszuleihen. Das geht ja gar nicht!

Carsten Kauf es!

Stefanie Das geht ja gar nicht!

Carsten Nein, wenn du die Chance hast, es auszuleihen, natürlich, klar...

Stefanie Aber das kannst du dann nicht verschenken, aber was Du verschenken kannst ist zum Beispiel eine Mitgliedschaft in deiner Bücherei oder Bücherhalle oder wie auch immer sie bei dir heißt. Das geht nämlich. Bei uns geht das. Da kann man so eine Jahresmitgliedschaft verschenken. Ja, es ist ziemlich cool. Und dann kannst du gleich noch dazuschreiben Eh, leih dir dieses Buch aus.

Carsten Genau das finde ich eine richtig coole Geschenkidee.

Stefanie Ja, viel cooler als kaufen, kaufen, kaufen. Und Spoiler Spoiler Spoiler Nächste Woche wird es noch eine Folge geben. Die letzte für dieses Jahr von uns. Das heißt, wir verabschieden uns noch nicht komplett für dieses Jahr. Aber wir wünschen dir schon einmal frohe Weihnachten und ein entspanntes Weihnachtsfest.

Carsten Frohe Weihnachten!

Stefanie Denn die Folge kommt natürlich am Mittwoch und das ist ja der erste Weihnachtsfeiertag. Und wer weiß, wann du sie hörst. Aber ich möchte diese Folge natürlich auch nicht beenden, ohne mich bei unseren tollen Steadyunterstützer·innen zu bedanken.

Carsten Vielen herzlichen Dank.

Stefanie Und natürlich all den von Herzen Vegan Letterleser·innen, bei allen Clanmitgliedern und bei allen Menschen, die mir E-Mails schreiben und iTunes-bewertungen erstellen. Also das ist alles total klasse. Vielen, vielen, vielen Dank. Und wenn du uns noch ein ganz tolles Weihnachtsgeschenk machen möchtest, dann freuen wir uns ganz riesig, wenn du uns über Steady finanziell unterstützt. Das kannst du mit einem monatlichen Beitrag machen. Bei 3 € im Monat geht es schon los. Das ist dann auch jederzeit monatlich kündbar oder auch Jahresbeiträge habe ich jetzt auch eingestellt. Da kannst du dich dann für ein Jahr festlegen und es ist dann auch dieses Pendant zu 3 € Monat. Sind dann 36 € im Jahr oder gestaffelt fünf und 10 €. Also wenn du das möchtest, wenn du uns eine große Freude machen und etwas zurückgeben möchtest für all die vielen kostenlosen Dinge, die über Von Herzen Vegan rausgehen, dann freuen wir uns sehr, wenn du uns da finanziell unterstützt.

Carsten Und in diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und aufs nächste Mal

Stefanie Denn Man tau, nee.

Links zur Folge

Buch "Alles könnte anders sein" von Harald Welzer
bei buch7.de kaufen

Folge 182 - Das Tierbefreiungsarchiv

Ein Beitrag

Folge 182 - Das Tierbefreiungsarchiv

In Döbeln, einem kleinen Ort mitten in Sachsen, ist etwas beheimatet, auf das wir alle stolz sein können: das tierbefreiungsarchiv.

"Das „tierbefreiungsarchiv“ ist ein Projekt von der und für die Tierrechts-/ Tierbefreiungsbewegung. Wir sammeln und archivieren verschiedene Zeitzeugnisse der Bewegungen (oder zumindest des deutschsprachigen Teils), um deren Geschichte für die Zukunft sowie für Forschung und Journalismus zu erhalten und sie interessierten Menschen zur Verfügung zu stellen – auch für Selbstreflexionen und Diskussionen innerhalb der Bewegungen zu Theorien, Debatten, Aktionsformen etc.

Um die regelmäßige Arbeit im Archiv unabhängiger von Institutionen und Firmen sicherzustellen, führen wir bis Dezember 2019 eine Crowdfunding-Kampagne durch. Mit eurer Unterstützung wollen wir so Raummieten, eine Honorarstelle und Arbeitsmaterialien für die nächsten zwei Jahre finanzieren."
(Text entnommen von der Crowdfundingseite des Projekts)

Carsten hat in dieser Folge mit Tom Zimmermann über das tierbefreiungsarchiv gesprochen.

Links zur Folge

Du findest das Tierbefreiungsarchiv hier:
www.tierbefreiungsarchiv.de
www.facebook.com/tbarchiv

Crowdfundingkampagne bis zum 31.12.2019
https://www.leetchi.com/c/tbarchiv

Im Shop des Künstlers Hartmut Kiewert gibt es Soli-Postkarten deren Erlös zu 100% an das Tierbefreiungsarchiv geht
https://hartmutkiewert.de/

Der Verlag animot Spendet 10 % seiner Einnahmen bis zum 31.12.2019 an das Tierbefreiungsarchiv.
www.animot.de

Künstlerin Lena Wenz
https://itscowtime.de/

Venga - die vegane Bibliothek in Hamburg
https://venga-hamburg.jimdofree.com/

Was wir von den Zapa­tistas lernen können

Ein Beitrag

Folge 181 - Was wir von den Zapatistas lernen können

Zapatistischer Kaffee hat uns auf eine Bewegung in Mexiko aufmerksam gemacht, deren Wirken weit über den Anbau und Vertrieb von Fairtrade und Bio-Kaffee hinausgeht.

Wir gehen der Frage nach, was es mit den Begriffen Zapatista und EZLN auf sich hat und warum eine mexikanische Guerillabewegung als Ideengeber für ein solidarisches Gesellschaftssystem dienen kann.

Die Zapatistische Bewegung schafft es seit Jahrzehnten unter teils enormen staatlichen und militärischen Repressionen ein alternatives, autonomes Miteinander der in Mexiko lebenden indigenen Bevölkerung aufzubauen.

Mehr zu diesem spannendem Thema findest Du in den Shownotes.

Links zur Folge

Kleine Geschichte des Zapatismus
>> Buch bei buch7.de anschauen

Das Aroma der Rebellion
>> Buch bei buch7.de anschauen

¡La Lucha Sigue! - ¡Der Kampf geht weiter!
>> Buch beim Unrast Verlag anschauen

Fair gehandelter zapatistischen Bio-Kaffee
Kaffeekollektiv Aroma Zapatista eG
Café Libertad Kollektiv eG

Wenn Selbermachen zum Burnout führt

Ein Beitrag

Folge 180 - Wenn Selbermachen zum Burnout führt

DIY und Selbermachen ist wichtig - keine Frage. Außerdem schont es den Geldbeutel und ist im Nahrungsbereich auch gleich noch viel gesünder.

Ja, auch wir machen viel selbst, um Verpackungsmüll zu vermeiden und auch um Geld zu sparen.

Und doch habe ich mich in den letzten Wochen immer wieder in einem Dauerkreislauf zwischen Herstellen und Abwaschen, Herstellen und Abwaschen gefunden.

Denn auch wenn DIY und Selbermachen Geld spart, eines kostet es dann doch: Zeit.

Es kann Spaß machen in der Küche zu stehen und die verschiedenste Dinge selbst herzustellen, die mensch sonst einfach im Supermarkt kaufen würde. Es kann viel Freude bringen bis tief in die Nacht Kleidung für sich und die Kinder zu nähen.

Mensch kann auch dazu neigen diese Tätigkeiten mit dem Hören von Podcasts zu kombinieren und so die Zeit zu nutzen, um sich fortzubilden oder schlicht unterhalten zu lassen.

Ja, das kann alles durchaus befriedigend sein. Ich bin jedoch in letzter Zeit immer wieder an meine Grenzen gekommen und darüber sprechen wir in dieser Podcastfolge.

Vollständiges Transkript

Carsten In dieser Folge wollen wir das Thema Do it yourself aufgreifen. Wenn du schon mal so ein bisschen in diesen Bereich reingeschnuppert hast, wovon ich ausgehe, da du diesen Podcast schon hörst, vielleicht sogar längere Zeit hörst, wirst du wissen, dass Stefanie und ich das schon seit einiger Zeit machen. Aber auch generell so in den Medien, Büchern, Zeitschriften, YouTube ist das natürlich so ein Thema, was immer stärker Präsenz gewinnt. Und ich habe dort den Eindruck, dass Do it yourself immer mit einer absoluten Leichtigkeit daherkommt. So, ist das toll und einfach. Und häufig ist es auch so, dass man keine Ahnung, bei einem Haushaltsreiniger oder so was, man so zwei, drei Zutaten zusammen mischen muss und schon hat man irgendwo einen tollen Haushaltsreiniger. Das verlockt natürlich und verleitet auch so ein bisschen dazu, zu glauben, dass das alles total easy ist. Also einfach nur so ein bisschen Zutaten besorgen, zusammenrühren und schon hast du halt dein Do it yourself Leben neu gestaltet. Und wir machen im Moment so die Erfahrung, dass es auch tierisch anstrengend sein kann.

Stefanie Also wenn du jetzt Do it yourself sagst, dann denke ich immer an so Nähen und basteln und so. Ich meine damit aber auf jeden Fall auch Kochen. Wir kochen ja eigentlich immer frisch selbst, also schon gefühlt immer -seit wir zusammen sind, schon immer. Ich habe davor selbst gekocht, aber ich hatte auch früher Phasen, wo ich noch zu Hause gewohnt habe, wo ich alles nur in die Fritteuse geschmissen habe oder so. Also da haben meine Eltern sich mal eine Fritteuse angeschafft, das weiß ich noch. Das war eine Phase, da haben wir alles frittiert. Jedenfalls, das ist lange her. Aber was wir jetzt auch - vor allem seit wir vegan leben, aber eben vorher auch schon - machen, das ist eben immer selber kochen und jeden Tag kochen.

Ich koche abends meistens vor für den nächsten Tag und das nimmt viel Zeit in Anspruch. Und ich habe mich letztens in so einem Kreislauf wiedergefunden, wo ich gedacht habe: okay, ich koche jetzt was, dann backe ich noch was, dann bereite ich noch ein paar Aufstriche vor. Dann überlege ich mir noch, was ich noch machen könnte. Wenn Carsten da ist, dann spült er meistens alles ab. Dann sieht es wunderschön aus in der Küche. Dann fange ich an, irgendetwas zu kochen, dann ist natürlich alles wieder dreckig, dann muss ich das wieder abspülen, dann backe ich was. Dann ist alles wieder dreckig, dann muss ich es wieder abspülen. Und ich war in diesem ständigen: okay, ich koche jetzt was, dann spüle ich, ich koche jetzt was, dann spüle ich, ich backe was, dann spüle ich und dann...

Das hat mich total fertig gemacht. Ich hasse Spülen. Aber ich muss ja die Sachen abspülen, um sie wieder benutzen zu können, und dieser Kreislauf das ist - ich habe irgendwann gedacht, ich habe keine Lust mehr. Also ich meine, wir machen das ja für die Umwelt, wir machen das auch für uns, für die Gesundheit, dann wissen wir besser, was jetzt beim Essen zum Beispiel drin ist, als wenn wir so was fertig kaufen. Und ich meine das ist jetzt auch schon - keine Ahnung, wann ich das letzte Mal so ein Fertiggericht gekauft habe, wenn man jetzt von ner Pizza absieht, aber irgendwie sowas, was man in die Mikrowelle stellt oder so was in der Tüte und was dann in die Pfanne kommt oder so, das sind alles Sachen das ist schon ewig her, dass ich so was gemacht habe und da koche ich es halt frisch, das ist gesünder, aber es nimmt halt enorm viel Zeit in Anspruch und man kann auch nicht wirklich viel anderes dann machen.

Carsten Ja, und wenn das gerade so in dieser Kombination kommt, dass du mit Aufstrichen und so nochmal was machen möchtest, die dann ja on top kommen, dann haben wir keine Ahnung bei uns größere Mengen Kichererbsen vorrätig, die wir dann regelmäßig kochen, auch in größeren Mengen, weil wir eben nicht wollen, dass wir, ich sag jetzt mal jeden zweiten Tag jetzt Aufstrich vorbereiten müssen, sondern das wird dann in einem großen Topf mal in einer größeren Menge zubereitet. Und dann haben wir den halben Kühlschrank voll mit gekochten Kichererbsen, die dann auch verarbeitet werden zu diversen Aufstrichen und das summiert sich dann. Und das sind dann so Situationen da, wo es definitiv zu viel wird, wo man eben genau aus diesem Kreislauf oft gar nicht mehr rauskommt. Also kochen und abwaschen und das eben den ganzen Tag. Und da kann durchaus mal so ein Wochenende draufgehen, wo man sich den ganzen Tag nur noch in der Küche wiederfindet.

Stefanie Ja, und früher habe ich das auch gern gemacht, aber mittlerweile bin ich tatsächlich an so einen Punkt gekommen, wo ich gedacht habe: ich kann nicht mehr, ich kann einfach nicht mehr. Ich geh jetzt einfach los und kauf mir da beim Lidl ne vegane Pizza oder was auch immer, aber ich habe einfach keine Lust mehr. Ich kann einfach nicht mehr. Ich kaufe jetzt einfach Spaghetti mit Sauce oder so. Es geht einfach nicht mehr. Ich meine, wir kochen ja schon viel vor. Zum Beispiel bei den Aufstrichen ist es so, wir machen dann einen großen Topf oder Mixer voll Aufstrich - wie auch immer wir den herstellen - und dann wird das alles eingefroren. Und dann ist es auch erst mal gut. Nur das Essen, was wir halt täglich essen, was wir ja durchaus auch brauchen, wir müssen ja täglich was essen, das kann ich nicht in so riesigen Mengen vorbereiten, dass ich mich quasi an einem Tag in der Woche hinstelle, alles koche und dann das nur noch auftaue. Dann bräuchten wir einen riesigen Gefrierschrank, ehrlich gesagt, um das zu machen.

Und so muss ich mich halt dann da auch hinstellen. Das ist halt einfach bei uns leider die klassische Teilung, dass Carsten so viel arbeiten muss und deswegen keine Zeit hat, das zu machen. Also hängt es an mir, das zu machen. Gut, es ginge natürlich auch, dass Carsten sich immer was kauft, aber das ist uns ehrlich gesagt auch zu teuer. Wenn Carsten jetzt jeden Tag bei der Arbeit sich was zu essen kaufen würde, das geht halt ordentlich ins Geld und das funktioniert mit unserem Budget einfach nicht. Und deswegen kochen wir eben auch vor. Also es geht ums Geld, es geht um die Gesundheit, es geht um die Nachhaltigkeit, dass möglichst wenig Verpackungsmüll entsteht. Ja, und dann stehen wir halt da. Das ist so anstrengend und da kann ich jeden und jede verstehen, der·die dann ab und zu sagt: okay, nee, dann greife ich halt doch lieber zur Verpackung.

Carsten Ja, ich denke, das ist dann auch zwischendurch legitim. Man muss ab und an ja auch ein bisschen an sich selbst denken. Ich meine, das sind ja jetzt alles so Ansprüche, die vielleicht auch stärker nach außen hin wirken, also eben dieser Umweltaspekte Verpackungsmüll zu vermeiden. Gut, gesundheitlich ist natürlich jetzt erst mal nicht nach außen wirkend, sondern schon Eigenanspruch, aber die primären Faktoren, weswegen wir das machen, sind ja eigentlich eher umweltgetriebene Faktoren. Und deswegen kaufen wir auch in Unverpackt Läden ein und nehmen da einfach ein bisschen Unkomfort in Kauf.

Stefanie Also es ist definitiv immer Bequemlichkeit gegen die Nachhaltigkeit oder das Gewissen. Also den Anspruch, die Werte und die Bequemlichkeit, es ist die ganze Zeit über so. Will ich denn jetzt lieber Komfort? Ich meine, wir fahren ja schließlich auch überall mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Ja, es wäre viel einfacher, wenn wir ein Auto hätten. Wir wohnen jetzt hier in einem Minidorf und dann müssen wir mindestens zwei Kilometer ins nächste Dorf fahren, was jetzt nicht weit ist, aber mindestens, um überhaupt irgendwo was einkaufen zu können. Denn dieses Dorf hat nichts, wo man was einkaufen kann, außer einer Tankstelle und der andere Einkaufspunkt ist dann dreieinhalb Kilometer entfernt. So, da gehe ich jetzt nicht mal eben zu Fuß hin, weil das eben einfach so lange dauert. Es ist für uns gar kein Problem, da mit dem Fahrrad hin zu fahren und die Stadt ist auch nur acht Kilometer entfernt. Also das sind jetzt keine unendlich langen Strecken. Andere, die wirklich auf dem Land wohnen, die werden das anders erleben.

Aber es wäre natürlich viel einfacher, wenn wir mal eben mit dem Auto fahren könnten. Als Carstens Eltern uns besucht haben, sind die mit dem Auto zu uns gekommen. Da hatten wir das Auto dann da stehen und dann sind wir auch mal mit dem Auto gefahren, um noch mal zum Baumarkt zu fahren, als wir hierhin gezogen sind. Wenn wir jetzt mal eben zum Baumarkt fahren, dann schnallen wir uns den Anhänger ans Fahrrad hinten dran und fahren dann dahin. Also von daher, das ist immer die Sache mit der Bequemlichkeit. Das ist immer die Frage, was ist mir wichtiger? Ist es meine Bequemlichkeit, mein Komfort mir wichtiger? Oder sind es meine Werte? Ist es die Nachhaltigkeit, die Umwelt? Sind es meine Mitmenschen? Was ist wichtiger? Ich, mein Komfort oder das alles andere? Und das ja auch beim Einkaufen, Du hast es gerade gesagt, Carsten, dass wir halt versuchen, möglichst unverpackt einzukaufen. Und da ist es ja auch wirklich so, dass wir immer planen müssen.

Carsten Ja so ein Spontankauf wie, ich setze mich mal kurz ins Auto und fahr mal zum Supermarkt, den gibt es bei uns eigentlich gar nicht. Also es ist immer so verbunden mit, jetzt in der Kombination meinem Arbeitsweg, weil der eben genau an diesen Unverpackt Läden vorbeiführt oder die Möglichkeit bietet, zwei Unverpackt Läden in Anspruch zu nehmen. Und ja, Unverpacktladen, das liegt in der Natur der Sache: die Sachen sind unverpackt. Ich muss mich um die Verpackung selbst kümmern. Das heißt, wir haben dann entsprechende Einkaufstaschen oder Gläser und müssen uns im Vorfeld überlegen: Was, besorge ich denn? Natürlich hat so ein Unverpackt Laden ab und an auch Pfandgläser oder Glasspenden, das man dort vor Ort immer so kleinere Sachen holen kann bzw. sich spontan noch dazu entschließt, auch dann noch von dem oder dem noch ein bisschen was mitzunehmen. Aber im Großen und Ganzen ist das alles mit Planung verbunden, dass wir uns überlegen müssen, was brauchen wir eigentlich noch und was kaufe ich denn an dem Tag, in dem und dem Laden noch mal ein, auf dem Hin oder auf dem Rückweg?

Stefanie Und das ist eben auch nicht unbedingt bequem, weil du dir vorher Gedanken machen musst. Wir sind da auch immer noch dabei, unsere Vorratshaltung zu optimieren. Und gerade jetzt, wo wir noch weiter draußen wohnen, also vor der Stadt, ist es halt wichtig, dass wir exakter planen und dann auch wirklich schauen, dass wir größere Mengen hier haben, damit wir nicht so häufig einkaufen fahren müssen. Und da sind wir auch noch dabei, das auszutarieren: Was bestellen wir vielleicht auch in großer Menge, dass wir einen Jahresvorrat haben? Da ist natürlich das Finanzielle wieder so eine Sache, ein Jahresvorrat Kichererbsen, da sind wir dann auch schnell bei über 100 €. Wir hatten jetzt einen Jahresvorrat Kichererbsen und Buchweizen einmal bestellt, da habe ich über 200 € bezahlt, meine ich, ich bin mir nicht sicher, wie viel es war, kann auch mehr gewesen sein. Also wir gucken natürlich nach Bio, bei dem Buchweizen war der aus Deutschland. Wir haben da auch so gewisse Ansprüche und wir haben jeweils einen 25 Kilo Sack jetzt da stehen und hoffen, dass das der Jahresvorrat ist. Wobei wir beim Buchweizen wissen, wahrscheinlich wird er nur ein 3/4 Jahr reichen oder ein halbes, aber wir beobachten das jetzt und versuchen uns so jetzt an unsere Vorratshaltung heranzutasten, dass wir Nahrungsmittel, die haltbar sind, wie eben Hülsenfrüchte zum Beispiel, oder Pseudogetreide wie Buchweizen, bei uns hier vorrätig haben. Wir haben im Moment den Platz dafür, ist das zumindest kein Problem, aber es ist definitiv jetzt noch in der Planung und da sind wir gerade mitten drin. Und das soll jetzt ja auch keine Meckerfolge werden in dem Sinne, sondern meine Intention ist es, mit dieser Folge eine Lanze zu brechen für uns alle, die wir nach außen hin so tun als wäre alles okay, aber innen drin merken, dass es eigentlich total anstrengend ist, dieses Selbermachen. Liegt ja auch daran, dass das von der Umgebung nicht so gewollt wird, sozusagen. Es wird uns nicht gerade einfach gemacht, das Selbermachen.

Carsten Nee, im Idealfall wäre es so, man hätte eine Gemeinschaft und könnte sich die Arbeit dort teilen. Der eine würde keine Ahnung - ich fantasiere jetzt mal so ein bisschen ins Blaue hinein - das Essen kochen, der andere würde sich um Haushaltsreiniger etc. kümmern. Dass es da vielleicht so bestimmte Schwerpunkte oder Präferenzen gibt, mit denen man sich dann gegenseitig ergänzen kann und dadurch dann die Arbeit besser verteilt. Aber das ist natürlich dann eher so ein Gesellschafts- oder Sozialmodell, das gibt es hier nicht. Unser Modell ist ja dadurch geprägt, dass eben jede·r auf sich allein gestellt ist. Individualverkehr fällt mir dort als Stichwort ein. Auto, Supermarkt, möglichst alles verpackt und ja, möglichst alles irgendwie convenient und bequem. Das ist ja so die vorherrschende Umgebung, mit der wir konfrontiert werden. Und da jetzt tatsächlich reinzugehen und zu sagen: Wow, jetzt finde ich 1000 Anleitungen zu „wie mache ich etwas selbst“ oder Rezepte etc. pp. Und das jetzt so in den Alltag integrieren, dass das zum einen Normalität ist und zum anderen eben auch regelmäßige Normalität wird. Nicht, dass man sagt okay, ich jetzt mache mal so ein oder zwei Tage, wo ich das durchziehe, sondern das soll kontinuierlich Bestandteil meines regulären Lebens sein. Und da sich so einzupendeln, zu sagen, ja, diese Belastung vom Zeitlichen her, die kann ich einbinden, aber auch eben dieses Organisatorische. Also es ist ja bei diesen größeren Lebensmittelmengen, die man konsumiert, vielleicht noch in der Hinsicht einfach, dass man sagt, okay, ich hol mir jetzt so eine Megapackung, diese 25 Kilo, die wir gerade schon ansprachen, aber es sind ja häufig auch eben diese Kleinigkeiten, also Gemüsebrühe, da lege ich mir natürlich nicht irgendwie so einen 100 Kilo Vorrat hin, sondern da habe ich vielleicht ein Glas mehr oder weniger groß und früher oder später geht es halt aus. Und wenn ich das nicht im Blick habe, dann kann ich eventuell abends, wenn ich was koche, da stehen und denken: Oh, eigentlich bräuchte ich das jetzt ja, das ist jetzt kein Weltuntergang, wenn es nicht mit reinkommt, aber es halt ein Beispiel für Organisation, wo eben gerade kleinere Mengen immer im Blick behalten werden müssen, um dann auch bei der nächsten Möglichkeit mit beschafft zu werden.

Stefanie Ja, also zwei Dinge fallen mir dazu jetzt noch ein. Klar, da müssen wir halt nochmal ran, dass wir wirklich schauen, dass wir es im Blick behalten. Und wir wollten ja auch versuchen, jetzt mit dem Dörrgerät dann auch die Gemüsebrühe selbst herzustellen, was damit sehr gut funktioniert, so dass wir das dann auch selber machen können. Und dann sind wir ja wieder in diesem Kreislauf, dass wir da dann erst mal alles selber machen müssen. Jetzt zum Beispiel sind wir mit dem Dörrgerät dabei, unter anderem immer ganz viele verschiedene Dinge damit, z.B. auch unsere Gemüsechips dann selber zu machen als Snack. Und das ist auch eine Heidenarbeit. Also warum heißt es eigentlich Heidenarbeit?

Carsten Das weiß ich gar nicht.

Stefanie Also ist das was Diskriminierendes. Das ist auch so wie, warum ist es gleichzeitig „sau-“ teuer und „sau-“billig? Also der Verstärker ist die Sau. Jedenfalls das andere, was ich denke, das sind dann drei Sachen eigentlich. Also einmal, dass wir da nochmal ran müssen und dann, dass wir das auch selber machen wollen. Das dritte ist das, was ich eben interessant finde, weil wir ja auch die ganze Zeit auf der Suche waren nach einem neuen Wohlstandsmodell und jetzt eigentlich das Gefühl haben, wir wissen, worum es geht. Wir wissen, welche Bausteine zusammenkommen müssten. Und dass es sehr wichtig ist, dass wir wieder in einer Gemeinschaft zusammenleben. Also das soll jetzt nicht heißen, dass wir alle aufeinander hocken müssen und dann keiner mehr Privatsphäre hat, sondern es gibt ja verschiedenste Formen von Gemeinschaft. Aber dazu könnte eben auch gehören, dass es die Möglichkeit gibt, nicht nur alleine für sich zu kochen und alleine für sich den Vorrat zu haben, sondern eben auch gemeinschaftlich zu kochen. Und dann könnte man sich das nämlich aufteilen und das wäre sehr erleichternd.

Also meine Idee ist ja auch, dass die Zukunft - also wenn wir es geschafft haben, den Klimawandel abzuwenden und dann brauchen wir ja auf jeden Fall ein neues Modell, ein neues Lebensmodell und da reden wir ja viel über Postwachstumsökonomie usw. und so fort. Aber was stellen wir uns eigentlich darunter vor? Und die Idee ist ja eigentlich auch, dass wir dann vielleicht gar kein Geld mehr brauchen in dem Sinne, also zumindest nicht in diesem großen Maßstab, wie wir es jetzt haben. Was ist Arbeit dann? Also es wird sich ja ganz viel ändern und das ist auch was, was ich jetzt noch mal spoilern kann, was wir in nächster Zeit angehen wollen. Wir wollen gerne diese ganzen Bausteine einmal unter die Lupe nehmen und schauen, aus welchen Bausteinen kann das neue Wohlstandsmodell bestehen? Wie können wir leben? Weil wir wissen, es muss sich was ändern. Aber wir wissen auch, was sich eigentlich alles ändern sollte. Aber wie wird es in Zukunft aussehen? Und dazu kann eben auch gehören, dass wir dann nicht mehr in dem Sinne arbeiten, wie wir es jetzt tun, also Zeit gegen Geld, sondern dass wir unsere Arbeitskraft in die Gemeinschaft investieren und einfach dann uns so einbringen, wie es unseren Fähigkeiten entspricht. Also, dass es Menschen gibt, die dann eben kochen und backen und gerne in der Küche sind und andere, die dann eher putzen und dann andere, die sich um die Kinder oder um die älteren Menschen kümmern und so. Also das es wirklich ein Geben und Nehmen ist. Es gibt ja heute auch schon Tauschringe, in denen dann wirklich die eine Arbeit gegen die andere Arbeit getauscht wird, gleichwertig ohne zu sagen: okay meine Fertigkeit ist mehr wert als deine, sondern der·die eine möchte halt gerne was repariert bekommen und dafür putzt der·die andere dann bei dem·der anderen der ihm·ihr das repariert, die Fenster oder so. Keine Ahnung. Also so in dem Sinne. Und genauso könnte das eben auch sein und das würde das Ganze ziemlich erleichtern.

Carsten Und das wäre dann ein solidarisches Lebensmodell. Das, denke ich, wird ein Kernbestandteil dessen sein, was dann auch in dieser Postwachstumsgesellschaft vorherrschen muss. Also wirklich eine kleinere Gemeinschaft. Also ich kann mir das nicht vorstellen, dass man jetzt irgendwie so als Gesamtstadt oder so, so was bewerkstelligt. Ich glaube, es muss kleinere Einheiten geben, die aber dann auch untereinander so kooperieren, dass sich dann auch so auf dieser Metaebene oder übergeordneten Organisationsstruktur dann irgendwie ein solidarisches Miteinander ergibt. Aber damit greifen wir schon weiter vor, das hat ja jetzt eigentlich mit dem Thema dieser Podcastfolge erst mal nichts zu tun. Das ist wirklich so spoilern. Da, wo wir in Zukunft rein wollen. Und ja, Stefanie, wie du schon sagtest, mit dieser Folge wollen wir einfach die Lanze brechen. Dieses „ach wie toll ist denn dieses selber machen etc.“ das was so in den Medien publiziert wird, einfach mal auch so ein bisschen aus der Praxis zu reflektieren und zu sagen: Ja, natürlich ist es schön, natürlich ist es dann auch für, ich sag jetzt mal, den Anspruch an Gesundheit, an Verpackungsfrei, an die Abkehr der Bequemlichkeit, für die man sich ja auch bewusst entscheiden muss, dafür ist es schön.

Stefanie Es ist auch wichtig.

Carsten Das ist auch wichtig. Genau. Also das passt alles. Aber es ist halt anstrengend, gerade weil wir uns eben in einer Arbeitswelt bewegen und auch in einem Gesellschaftsumfeld bewegen, was diese Art und Weise des Lebens eben nicht fördert, sondern nicht bewusst blockiert, aber auch nicht bewusst vereinfacht oder einfacher werden lässt oder sein lässt.

Stefanie Also wie gesagt, ist es definitiv auch wichtig, Dinge selbst zu tun und auch wichtig, jetzt nicht nur etwas selbst zu tun im Sinne von Selbstwirksamkeit, sondern do it yourself, also selber herzustellen für die Umwelt, für die Nachhaltigkeit und dann dich selbst und letztlich natürlich auch für den Geldbeutel. Denn es ist meist viel günstiger, Dinge selbst herzustellen, als sie fertig zu kaufen. Und doch finde ich es jetzt einfach nur ehrlich, wenn wir darüber sprechen, dass es auch sehr anstrengend ist, alles selber zu machen.

Carsten Und wie integrierst du das denn, liebe Hörern, lieber Hörer, in deinen Alltag? Wie wie weit bist du schon dabei, Sachen selber zu machen, diesen Do it yourself Anspruch selbst ins eigene Leben zu integrieren? Bist du da auf dem Weg? Bist du da schon so fortgeschritten und sagst, das ist eigentlich Usus, das mache ich schon. Und wie gehst du mit diesem Spannungsfeld um, wo du merkst Anspruch und Wirklichkeit? Und es ist doch sehr anstrengend und vielleicht auch ermüdend. Was sind denn da deine Erfahrungen? Lass uns da gerne dran teilhaben. Du kannst uns gerne eine Email schreiben oder vielleicht auch eine Audio Nachricht einfach mal zukommen lassen.

Stefanie Damit wären wir dann auch schon am Ende der Folge angekommen. Und wir wollen natürlich wieder keinesfalls diese Folge beenden ohne uns zu bedanken. Danke bei allen tollen Steady-Unterstützer·innen, die uns und meine Projekte so treu unterstützen. Ganz, ganz herzlichen Dank!

Carsten Danke, danke, danke.

Stefanie Und wenn du gut findest, was wir hier machen und was ich außerdem noch mit Von Herzen Vegan alles bewege, dann freue ich mich sehr, wenn du mich auch finanziell unterstützt über Steady. Schon 3 € pro Monat helfen mir sehr.

Carsten Und damit sind wir wirklich am Ende für heute angelangt. Und da bleibt mir nur noch zu sagen: In diesem Sinne.

Stefanie In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Was gibt Dir Hoffnung in der Klimakrise?

Ein Beitrag

Folge 179 - Was gibt Dir Hoffnung in der Klimakrise?

Im Monat Oktober haben wir im Von Herzen Vegan Clan über das Thema "Hoffnung in Zeiten der Klimakrise" gesprochen.

(Sorry für das Ticken im letzten Drittel- wenn mir die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, gibts ein neues Mikrofon...)

Zunächst hatte ich nachgefragt, was Du schon alles für das Klima machst. Mein Hintergedanke war es, uns bewusst zu machen, was wir alles schon für das Klima tun, kurz innezuhalten und uns auf die Schulter zu klopfen.

Ja, wir alle tun schon sehr viel fürs Klima- natürlich dürfen wir uns nicht darauf ausruhen, aber wenn wir die Hoffnung nicht aufgeben wollen, ist es wichtig regelmäßig die eigenen Erfolge zu würdigen.

Pausen sind sowieso sehr wichtig.

Aber wir kommen im Alltag so selten dazu- dann machen wir noch schnell dies und das und schon ist da keine Zeit mehr, um eine Pause zu machen. Etwa einem Drittel der Clanmitglieder, die hier abgestimmt haben, geht es so- sie machen keine regelmäßigen Pausen und auch keine Auszeit.

Ich glaube an die Macht der kleinen Schritte.

Und deshalb habe Dich gefragt: "Wie könntest Du ganz individuell gemäß Deiner Möglichkeiten Deine Mitmenschen motivieren mehr fürs Klima zu tun?"

Gemeinsam ist alles einfacher

Darum habe ich Dich eingeladen darüber nachzudenken, wer Dir in Deinem Leben Hoffnung gibt oder wen Du jederzeit um Unterstützung bitten kannst. Und klar- wir sind natürlich auch im Clan für Dich da. :-)

Und natürlich durfte auch ein wenig Hintergrundlektüre nicht fehlen.

Bei Krautreporter gab es einen sehr passenden Artikel zum Thema "Hoffnung in der Klimakrise" und ich habe noch einmal über den Movement Action Plan gesprochen, der erklärt, warum Du genau jetzt das Gefühl hast die Hoffnung zu verlieren und zu scheitern.

Zuletzt wollte ich noch von Dir wissen, was Dir Hoffnung gibt in Zeiten der Klimakrise und ob Du meinst, dass wir die Klimakrise meistern können.

Vollständiges Transkript

Diese Folge ist ein Rückblick auf das Monatsthema im Von Herzen Vegan Clan. Und zwar haben wir im Oktober 2019 darüber gesprochen, was uns Hoffnung gibt in Zeiten der Klimakrise. Dieses Thema war mir ein besonderes Anliegen, da mich nach dem Global Strike Day am 20. 09. 2019 viele Emails und Nachrichten von demotivierten Menschen erreicht haben, die angesichts der Tatenlosigkeit der Politik nahe daran waren, jegliche Hoffnung auf Besserung der Lage aufzugeben. Das hat in mir den starken Impuls ausgelöst, in diesem Monat darüber zu sprechen, was uns in Zeiten der Klimakrise Hoffnung gibt. Denn ich bin ganz fest davon überzeugt, dass wir als Pionier·innen schon sehr viel dafür tun, um den Klimawandel aufzuhalten und nur weiter machen müssen, um möglichst viele Menschen mit unseren Taten zu inspirieren, es uns gleichzutun.

Mein Ziel für diesen Monat war, dass wir am Ende alle wieder voller Hoffnung sind und stark genug, um den negativen Schlagzeilen zu trotzen. Das - Spoiler Spoiler Spoiler Alert - habe ich nicht erreicht. Ich habe am Ende des Monats noch mal gefragt: Was meinst du, können wir die Klimakrise meistern? Und 1/3 hat dann doch mit „Nein, eher nicht geantwortet“, während so ungefähr 2/3 gesagt haben „Ja, kann ich mir vorstellen“ bis „Ja, auf jeden Fall“.

Was mir besonders Hoffnung gibt, ist diese Studie, die besagt, dass wenn eine Minderheit von 10 % der Bevölkerung an eine Meinung glaubt und sie verbreitet, sich diese Meinung schließlich auch in der restlichen Mehrheit durchsetzt. Wenn wir also unbeirrbar unseren Weg gehen und damit andere Menschen anstiften, es uns gleichzutun, dann können wir diese kritische Masse erreichen und das Schlimmste abwenden. Und deshalb möchte ich dich jetzt in dieser Folge einladen, den Rückblick auf das Monatsthema dazu zu nutzen, um selber wieder Hoffnung zu schöpfen und dich inspirieren zu lassen von den Beiträgen der Clanmitglieder.

Zu Beginn des Monats habe ich gefragt: „Was machst du denn schon alles fürs Klima?“ Und das habe ich nicht gemacht, damit wir gegenseitig angeben können „Ich bin so cool, ich mache schon das und das fürs Klima.“ sondern der Hintergedanke war, dass es sehr wichtig ist, auch mal innezuhalten und zurückzuschauen und sich der eigenen Erfolge bewusst zu werden. Sich mal dafür auf die Schulter zu klopfen, was du schon alles erreicht hast. Und ich möchte hier einmal teilen, was einige Clanmitglieder geantwortet haben.

Annemarie schreibt: „Ich fahre täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit und versuche, die Wege im Umkreis von zehn Kilometern alle mit dem Fahrrad zu erledigen. Bin ich allein unterwegs, nutze ich oft die Bahn und eben auch an dem Bahnhof das Fahrrad. Wir wohnen auf dem Land. Im Ort gibt es eine Apotheke, einen Arzt, einen Bäcker und einen Hofladen. Und natürlich ernähre ich mich vegan.“

Rebecca schreibt: „Ich versuche, die meisten Wege zu Fuß zurückzulegen. Ansonsten fahre ich mit der Bahn. Dann versuche ich, Strom und Wasser einzusparen, was mir beim Wasser allerdings etwas schwerfällt. Lebensmittel würde ich gerne mehr regional kaufen, klappt aber auch nicht immer. Aber ich versuche es zu verbessern. Mein neuester Plan ist es, keine Kleidung mehr zu kaufen, sondern zu tauschen, leihen und in Second Hand Läden zu gehen. Das macht irgendwie viel mehr Spaß und ich tue mir den Stress des Shoppings nicht mehr an.“

Martin H. sagt: „Ich fahre auch mit dem Fahrrad zur Arbeit und habe Ökostrom. Mein nächstes Projekt ist nach der Bankumstellung der Wechsel der Krankenkasse.“

Amy schreibt sie nutzt Bahn und Fahrrad. Auto besitzt sie nicht, höchstens fährt sie mal irgendwo mit. Seit über einem Jahrzehnt kauft sie Second Hand Kleidung. Alle Jubeljahre mal neue Unterwäsche, keine exotischen Früchte aus Übersee, seltenst mal eine Mango oder Mandarinen aus Spanien, sonst lokale Äpfel, Beeren und Trauben. Da sie ungern Wäsche wäscht – Kellergrusel - ist die Maschine immer ganz voll. Sie benutzt insgesamt sehr wenig Strom, wäre aber glücklicher, wenn sie in einer Gemeinschaft leben würde, wo man sich zusammen Ökostrom teilen kann. Für sie allein ist es leider unbezahlbar. Sie nutzt eine Zahnbürste aus Bambus und experimentiert gerade mit einem festen Shampoo ohne Essigrinse. Sie gewöhnt sich gerade an Natron Do it yourself Zahnpasta und nutzt keine Haarspülung. QTips aus Recyclingpapier. Und sie hat auch noch Do it yourself Putz- und Spülmittel im Test. Ansonsten nutzt sie das von Frosch. Ihre größte Herausforderung ist Plastik. Sie reduziert, wo es geht, aber sie schreibt es wäre der Hungertod auf dem Land. Wo sie wohnt, ist die Auswahlmöglichkeit oft gleich Null und sie hofft auf einen Umzug mit mehr Spielraum. Wenn Reisen eh nicht im Budget sind, ist das wunderbar klimaneutral, meint sie. Wenn mal doch, reicht ihr auch Zelt und Baltikum.

Mareike schreibt, dass sie selbst vegan, hauptsächlich bio, möglichst regional isst und ihren Mann immer mehr dafür begeistern kann. Sie fährt deutlich weniger Auto und nutzt dafür das Fahrrad für sie selbst. Mit den Kindern ist es mit Fahrradanhänger ganz gut machbar. Kindergarten, Turnverein, Einkaufen. Auch für ihren kleinen Job in der Hamburger Innenstadt kann sie gut die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Nur für ihren Mann ist es schwierig. Die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist schlecht, fürs Fahrrad jeden Tag ist es einfach zu weit. Sie haben einen Wäschetrockner, den sie aber kaum noch nutzt. Und im Übrigen versucht sie auch, Strom zu sparen. Sie haben schon lange den Ökostromtarif der Gemeindewerke, aber sie will noch mal prüfen, ob sie da nicht doch noch auf etwas anderes umsteigen kann. Sie versucht, möglichst gebrauchte Kleidung zu kaufen, sonst bio, fairtrade. Oder sie näht selber, jedenfalls für die Kinder. Sie kauft gebrauchtes Spielzeug und Bücher, aber was sie allgemein schwierig findet, ist, die Sachen regional zu bekommen. Sie bestellt noch viel übers Internet, was aufgrund des Transports ja auch nicht so toll ist. Dennoch denkt sie, dass es besser ist, als wenn sie selbst längere Wege mit dem Auto fahren würde.

Martin T. Schreibt: „Ich beziehe Ökostrom, erzeuge ansonsten meinen eigenen PV-Strom. Ich mache seit circa 20 Jahren keine Flugreisen, fahre ein kleines Auto, kaufe aber bald ein Elektroauto. Dafür, dass ich mit meiner Frau recht abgelegen am Land wohne, ohne öffentliche Verkehrsmittel, ist das ganz gut und einige Planungsarbeit mit nur einem Auto auszukommen. Ich baue einiges Gemüse selber an, habe mich über die Jahre auch zum Wildpflanzen-Spezialisten selbst gebildet, so dass ich von der Pharmaindustrie unabhängig bin. Übrigens kann ich auch durch Entsaften oder Smoothie zubereiten viel ganz frisches Grün aus meiner Umgebung verwenden, welches auch noch völlig kostenlos ist. Ich lebe in einem Blockhaus, welches über lange Zeit haltbar ist. Ein nachhaltiger Baustil. Im Holz bleibt das CO2 gespeichert, Heizung, Sonne und Holz. Meine Sportarten sind gehen, wandern, Laufen, so dass ich keine teuren Ausrüstungen kaufen muss. Sachen, die wir nicht mehr brauchen, werden entweder am Flohmarkt oder über das Internet verkauft oder verschenkt. Es sei denn, sie sind kaputt. Was hier am Land sehr schwierig ist, ist unverpackt einkaufen. Ich versuche das weitgehend über Großpackungen bei Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten etc. zu lösen, die ich über das Internet bestelle. Bei Plastik fällt leider noch zu viel an. Da sind wir am Lernen.“

Das als kleiner Einblick in das, was die Clanmitglieder alles schon tun. Und wie gesagt, es geht nicht darum, sich zu vergleichen und zu sagen: Hey, du machst viel weniger oder viel mehr als ich. Sondern es geht darum, deine Erfolge anzuerkennen und immer auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: Hey, guck mal, was ich schon alles mache. Wir leben alle schon vegan. Das ist schon ein riesiger Schritt. Und du kennst mich. Ich bin eine Verfechterin der winzig kleinen Trippelschritte.

Und deswegen habe ich als nächstes im Clan gefragt: „Wie könntest du ganz individuell gemäß deiner Möglichkeiten deine Mitmenschen motivieren, mehr fürs Klima zu tun?“

Mara hat dazu geantwortet: „Ich finde, vorbildlich zu agieren ist eine der wichtigsten Motivatoren für mehr Nachhaltigkeit. Aber natürlich darf auch das Informieren nicht zu kurz kommen.“

Heike schreibt: „Ich verschenke zu vielen Gelegenheiten Geburtstage, Hochzeiten, Geburten, Gebrauchtes und erläutere meine Motivation dahinter. Außerdem verschenke ich gerne Dinge, die hübsch und gleichzeitig nachhaltig sind. Metallene Dosen für Essen to go, selbstgemachte Deos, Seifen, leckere vegane Sachen zu essen. Und wie Mara schon sagte, ich lebe einfach selbst eine nachhaltige Lebensweise vor. Ich erzähle, weshalb ich nicht mehr fliege oder ähnliches. Und außerdem habe ich neulich einer Freundin angeboten, mit ihr „shoppen“ zu gehen. Das heißt Flohmärkte und Second Hand Läden abzuklappern.“

Amy schreibt: „Die meisten Mitmenschen geben an, bei uns kein Second Hand kaufen zu können, weil es nur einen kleinen Laden gibt, der Omi Kleidung führt. Ich empfehle gerade sehr häufig, bei Ebay Kleinanzeigen gebrauchte Kleidungsstücke im Maxibrief zu kaufen. Da gibt es Kleidung in jedem Stil und jeder Größe. Niemand muss eigentlich mehr neue Kleidung fördern, die eh nur noch aus Plastik und völlig überteuert aus anderen Ländern angeschifft wird. Ich mache das seit Jahren und bin total zufrieden damit. Und man kann auch viel besser mal aussortieren, wenn man weiß, dass man dafür kein relationsloses Vermögen ausgegeben hat. Haarspülung verschmutzt heftig das Wasser. Dazu gebe ich öfter den Denkanstoß, sie einfach wegzulassen. Die Haare lassen sich auch mit kaltem Wasser zum Glänzen bringen oder wenn man sie im Handtuch trocknen lässt, gibt es auch denselben Effekt. Was ich bemerkt habe, ist, dass Tipps und Hinweise viel eher angenommen werden, wenn man nicht sagt: ‚Klar geht das, macht das doch so und so!‘ Das fühlt sich vorgehalten an, sondern einfach erzählt, wie man es selber handelt und dass es eine Erleichterung ist. Wenn die Leute dann selber nach Optionen fragen, ist die Sache gewonnen.“

Soweit die Clanmitglieder. Und vielleicht kannst du auch mal einfach innehalten und überlegen: Was könntest du tun, was könntest du in deinen Möglichkeiten ganz individuell tun? Denn es geht nicht darum, dass wir alle immer das Gleiche tun, sondern dass wir das auch an unsere Möglichkeiten anpassen. Wir sind alle individuell und dem einen stehen vielleicht andere Möglichkeiten offen als der anderen.

Total wichtig für einen nachhaltigen Aktivismus und auch um die Hoffnung hochzuhalten, ist es, regelmäßig Pausen und Auszeiten zu machen bzw. sich zu nehmen. Und ich habe dazu im Clan gefragt, wie die Clanmitglieder das halten. Und tatsächlich sind so 1/3 dabei, die nicht regelmäßig Pausen machen oder sich eine Auszeit gönnen. 2/3 ungefähr tendieren dazu, auch mal eine Pause zu machen und Martin T. schreibt dazu: „Ich mache viele kurze Pausen am Tag, höre ein wenig schöne Musik, genieße ein paar Sonnenstrahlen. Das tut mir sehr gut, bringt wirklich viel Gelassenheit und Unwichtiges, wird zunehmend immer mehr aussortiert.“

Und genau das ist es auch, was ich mit den Powerups meine, die du kennst, wenn du den Von Herzen Vegan Podcast hörst. Das sind diese kleinen Dinge, die du in deinen Alltag einbaust, um dich zu stärken. Und regelmäßige Pausen gehören dazu, genauso wie das Zurückblicken und die Erfolge wahrzunehmen und zu feiern. Genauso wichtig ist es auch, dass du dir regelmäßig eine Auszeit gönnst. Ich kenne das natürlich, da kommt immer irgendwie was dazwischen. Dann denke ich: Ui, ich müsste vielleicht noch schnell dies machen und das machen und schon ist wieder die Zeit vorbei und ich kann gar keine Pause mehr machen. Ja, das kann ich total verstehen. Auch ich stehe immer wieder vor dieser Herausforderung, regelmäßige Pausen in meinen Alltag einzubauen.

Wir haben zum Beispiel die Regelung, dass wir, nachdem das Kind von der Schule kommt, erstmal eine Stunde ungefähr eine Pause machen und dann verschwinden wir, jede·r in einem Raum. Das Kind geht in sein Zimmer und ich gehe vielleicht ins Wohnzimmer oder so, und wenn ich dann diese Zeit nicht nutze, um mich auszuruhen, sondern zum Beispiel noch schnell was für den Clan zu machen oder auf Twitter was zu schauen oder generell irgendwie was zu recherchieren und nicht mich mal wirklich bewusst hinlege und die Augen zu mache oder vielleicht ein nettes Buch lese, dann ist es zuverlässig so, dass wenn das Kind fertig ist mit der Pause und Zeit mit mir verbringen möchte, ich völlig ausgelaugt bin und keine Energie mehr dafür habe oder eben nur ganz wenig Energie. Und ich möchte präsent sein für mein Kind und ich möchte für es da sein. Und deswegen ist es total wichtig, dass ich mich an diese Pause halte. Aber auch ich stehe immer wieder vor dieser Herausforderung, dann auch wirklich zu pausieren.

Und es muss nicht immer gleich eine Stunde sein. Es können viele kleine Pausen sein, so wie Martin es macht und auch mal eine größere Auszeit. Könnte es sein, dass du mal für ein Wochenende irgendwo hin fährst oder so und dann vielleicht auch mal alles ausschaltest, offline gehst? Solche Dinge sind sehr wichtig, damit du nachhaltig aktiv bleibst. Und du siehst, es gibt so verschiedene Bausteine, die dir dein Leben erleichtern und es dir ermöglichen, langfristig aktiv zu bleiben und nachhaltig aktiv zu sein. Und wenn du da mehr zu hören willst, dann hört ihr gerne den Von Herzen Vegan Podcast an. Der ist genau dafür gemacht.

Ein weiterer Baustein, den ich auch in diesem Monat im Clan angesprochen habe, ist es, dir Gleichgesinnte zu suchen. Such dir Verbündete. Ich erlebe es immer wieder: Gleichgesinnte machen dein Leben leichter. Als Minderheit geraten wir oft in Erklärungsnot. Wie schön ist es da, auf einmal die Mehrheit zu sein. Das ist auch etwas, was ich stetig von Mitgliedern und Podcasthörer·innen höre. Sobald sie sich einem veganen Stammtisch oder einer Ortsgruppe veganer Aktivist·innen anschließen, gibt ihnen dieses Wir-Gefühl enorm viel Kraft und Hoffnung. Und es ist einfach schön, sich mal nicht erklären zu müssen und in diesem warmen Gefühl der Zugehörigkeit zu baden.

Wenn du aber jetzt nicht so der Gruppentyp bist, dann hast du vielleicht einige ausgewählte Personen, die dich als Verbündete unterstützen. Und ich habe die Clanmitglieder dazu eingeladen und möchte dich jetzt hier, liebe·r Hörer·in, auch dazu einladen, über diese Frage nachzudenken: „Wer gibt dir in deinem Leben Hoffnung?“ Oder auch „Wen kannst du jederzeit um Unterstützung bitten?“ Vielleicht pausierst du einmal kurz die Podcastfolge und denkst darüber nach. Wen gibt es da in deinem Leben, den·die du jederzeit um Unterstützung bitten kannst?

Und natürlich gab es auch noch ein bisschen Hintergrundlektüre zu diesem Thema. Es wurde bei Krautreporter passend zum Monatshema ein gleichnamiger Artikel veröffentlicht mit dem Titel „Hoffnung in der Klimakrise“, den ich sehr, sehr empfehlen kann. Den verlinke ich auch dann in den Shownotes. Und dann habe ich auch noch mal auf die Folge hier im Einfach Vegan Podcast hingewiesen zum Movement Action Plan von Bill Moyer. Die Folge verlinke ich auch noch mal, denn das ist genau das, was jetzt passiert. Dass wir uns als Aktivist·innen in dieser Phase befinden, dass wir denken, wir scheitern, obwohl wir gerade parallel dabei sind, eine Mehrheit der Bevölkerung für unsere Sichtweise zu gewinnen. Und das passiert parallel. Das ist wissenschaftlich erforscht in diesem Movement Action Plan mit drin. Hör dir die Folge auf jeden Fall noch an.

Und das ist auch etwas, was mir besonders viel Hoffnung gibt. Dass die Lage nicht hoffnungslos ist. Von außen betrachtet ist es einfach gar nicht so, dass das alles fürchterlich verloren ist. Es ist alles da. Ich habe mich jetzt gerade mit dem Graslutscher im Von Herzen Vegan Podcast unterhalten und er meinte auch, es ist eigentlich alles da. Wir können den Klimawandel aufhalten, die Katastrophe, alles ist da. Wir müssen keine neuen Innovationen erfinden, es muss nichts Neues kommen, aber es liegt im Moment einfach an der Politik, die nicht handelt. Und ich stimme dem zu. Ich denke nur, wir als Einzelpersonen müssen nicht auf die Politik warten, sondern können erst mal alles tun, was in unserer Macht steht und parallel dann die Politik bearbeiten, dass sie handelt.

Und dann habe ich am Ende des Monats noch mal gefragt: „Was gibt dir Hoffnung in Zeiten der Klimakrise?“

Und Elke hat geantwortet: „Ich freue mich über jede Kundin, die ihr Brot in einem Stoffbeutel bei mir einkauft. Über jeden Kunden, der sich den eigenen Coffee to go Becher mitbringt. Es tut sich was und das Bewusstsein der Menschen wird so langsam bemerkbar. Ich selbst habe allerdings auch noch viele Baustellen, an denen ich schrauben könnte, momentan aber noch nicht mache. Trotzdem denke ich immer an den Spruch ‚Wir brauchen nicht 1 Million Menschen, die alles perfekt machen, sondern 100 Millionen, die es unperfekt machen.‘ Es ist nicht der original Spruch, aber das was mir gerade noch eingefallen ist.“

Amy schreibt: „Dieser Clan, [was mich natürlich total freut] und andere Zusammenschlüsse und Orte wie Lebenshöfe. Menschen, die sich verändern und die alte Lebensart gemeinsam in die Vergangenheit befördern im Zusammenschluss mit allen Lebewesen.“

Und Martin T. Schreibt: „Dass der Mensch fähig ist, sich zu ändern, dass ganz viele kleine Änderungen bereits im Gange sind und dass die Möglichkeit durchaus besteht, dass der Kipppunkt hin zu einer großen positiven Veränderung stattfindet, bevor die Klimakatastrophe eintritt. Und zuletzt, dass Freude, Hoffnung, Schönheit stärker sind als negatives Denken und Destruktion.“

Und mit diesen Worten möchte ich diese Folge auch beschließen. Das war der Rückblick auf das Monatsthema im Von Herzen Vegan Clan im Oktober 2019. Ja, und da ich heute hier allein bin, werde ich auch das Abschiedsritual alleine vollziehen und sage in diesem Sinne. In der Metropolregion Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

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Folge 178 - Warum Jod für Dich so wichtig ist.

Ein Beitrag

Folge 178 - Warum Jod für Dich so wichtig ist

Da das Thema Jod gleich von mehreren Seiten an uns herangetragen wurde, hat sich Carsten auf Recherchetour begeben und sich über die Hintergründe des Mineralstoffs Jod schlau gemacht.

In dieser Folge erzählt Carsten

  • warum Jod auch für Dich so ungemein wichtig ist,
  • wieso Jod nicht nur für eine gute Schilddrüsenfunktion verantwortlich ist und
  • welchen Stellenwert Du den Richtwerten der DGE geben solltest.

Fest steht: auch wenn wir einiges an Hintergrundwissen präsentieren, solltest Du Dich noch einmal von einer Fachperson beraten lassen, wenn Du individuelle Tipps zum Thema Jodzufuhr haben möchtest.

Links zur Folge

Folge 177 - Veganismus im Beruf

Ein Beitrag

Folge 177 - Veganismus im Beruf

Im Von Herzen Vegan Clan haben wir im Monat September über das Thema "Veganismus im Beruf" gesprochen.

Wie immer habe ich zunächst unter den Mitgliedern die Herausforderungen als Veganer*in im Beruf erfragt. Daraus habe ich den Monat eingeteilt und wir haben über spezielle Herausforderungen gesprochen:

  • Vegane Pädagog*innen
  • vegan in der Pflege und im Carebereich
  • vegan in der Mittagspause, auf Dienstreise und bei Feiern

Am 18. September hatten die Clan-Mitglieder die Möglichkeit an einem Live-Chat mit Carsten und mir zum Monatsthema teilzunehmen und sich über ihre größten Herausforderungen auszutauschen.

Als Ergänzung zum schriftlichen Rückblick habe ich nun mit Carsten diese Folge aufgenommen, um auch den Podcasthörer*innen, die noch keine Clanmitglieder sind, die Möglichkeit zu geben an unseren Erkenntnissen teilzuhaben.

Links zur Folge

The Game Changers - vegane Athlet*innen

Ein Beitrag

Folge 176 - The GameChangers - vegane Hochleistungssportler*innen

Am 16. September 2019 wurde weltweit in vielen Kinos der Film "The Game Changers" gezeigt und Carsten war dabei.

Er hat sich die Vorstellung mit drei nicht-veganen Kollegen angesehen- alle drei begeisterte Sportler und berichtet nun in dieser Folge zum einen von seinen Eindrücken vom Film und zum anderen davon, wie seine Kollegen auf den Film reagiert haben.

Der Film wird auf jeden Fall bald auch digital verfügbar sein, solltest Du ihn noch nicht gesehen haben und dies gern nachholen.

Der Film "The Game Changers" konzentriert sich vollkommen auf vegane Hochleistungssportler*innen und zeigt faktenbasiert, was diese leisten können.

Auf der Webseite zum Film werden die üblichen Fragen, wie "Woher bekommst Du Dein Protein" beantwortet- solltest Du also ebenfalls Kolleg*innen oder Bekannte haben, die denken vegane Sportler könne es nicht geben, kannst Du sie auf jeden Fall auf diesen Film verweisen.

Links zur Folge

The GameChangers Filmseite
https://gamechangersmovie.com/

Jagd ist Naturschutz oder die Lust am Töten

Ein Beitrag

Folge 175 - Jagd ist Naturschutz oder die Lust am Töten

„Wild zu kaufen ist okay, weil die Jäger ja eh die Quote erfüllen müssen." sagte ein Bekannter zu einer Podcasthörerin, die sich daraufhin hilfesuchend an mich wendete.

Das ist jetzt schon ein Jahr her und wir haben damals einige Fakten zusammengetragen, die diese Aussage widerlegen konnten- dennoch war ich nie ganz zufrieden damit und habe ich sehr gefreut, als ich im Mai diesen Jahres auf dem ersten Buchholzer Tierschutzfest einen Vertreter des Vereins "Natur ohne Jagd" kennengelernt habe.

Leider war er ein bisschen schüchtern und wollte nicht für den Podcast interviewt werden. Stattdessen hat er mir jede Menge Infomaterial mitgegeben, für das ich einige Zeit gebraucht habe, um es durchzuarbeiten.

Mittlerweile habe ich es geschafft und kann Dir in dieser Folge die Fakten gegen die Jagd präsentieren und erklären, warum Jäger wirklich jagen.

Außerdem stellt Carsten noch ein Kinderbuch vor, das die Fakten gegen die Jagd kindgerecht verpackt und zum Schluss erzählt unsere Hörerin Amy ganz subjektiv, wie sie sich der Herausforderung stellt einen Jäger als Familienmitglied zu haben.

Wenn Du also schon immer nach Fakten gegen die Jagd gesucht hast- hör unbedingt rein.

Links zur Folge

Natur ohne Jagd e.V.
http://natur-ohne-jagd.de/

Buch: "Das Geheimnis des Waldes" von Rudolf Pohlenz
http://natur-ohne-jagd.de/Literatur.htm

Zeitschrift Freiheit für Tiere, Sonderausgabe Fakten gegen die Jagd
http://freiheit-fuer-tiere.de/sonderausgabenaturohnejagd/index.php

Initiative "Zwangsbejagung Adé" - gegen die Zwangsbejagung Deines Grundstücks
https://zwangsbejagung-ade.de/

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von ä'Odner)

[ACHTUNG: In dieser Folge sprechen wir auch über nicht jugendfreie Inhalte]

Stefanie In dieser Folge sprechen wir über die Jagd. Über das wollten wir schon länger sprechen, aber es bedarf doch einiger Vorbereitung, weil wir ja selber nicht so viel mit dem Thema Jagd bisher in Berührung gekommen sind, wohl aber mit den Argumenten, dass Jagd notwendig ist und nützlich und alles, was der Jagd so nachgesagt wird. Und vor einem Jahr hatte eine Podcast-Hörerin mir auch gesagt, dass sie mit einem Bekannten zusammensaß und der hatte gesagt: „Na ja, Wild zu essen ist ja okay, weil die Jäger ja sowieso die Quote erfüllen müssen.“

Und wir haben dann gemeinsam überlegt, wie man das denn widerlegen kann und hatten so ein bisschen was zusammengesammelt, aber bisher war ich damit noch nicht so zufrieden. Und dann habe ich auf dem ersten Tierschutzfest in Buchholz einen Stand gesehen, an dem ein netter Mann stand, der den Verein ‚Natur ohne Jagd‘ vertreten hat. Und ich habe ihn gefragt, ob er denn für ein Interview bereit wäre und er hat nein gesagt. Also das war leider, leider so, dass er sich nicht getraut hat, ins Mikrofon zu sprechen. Und er hat mir aber ganz viel Informationsmaterial mitgegeben und es hat eine Weile gedauert, bis ich das durchgearbeitet hatte. Und da war auch ein Kinderbuch dabei, das hat Carsten zusammen mit unserem Sohn gelesen. Und das heißt, wir teilen das heute so auf, dass ich die wissenschaftlichen Fakten noch einmal vortrage gegen die Jagd und Carsten erzählt was über das Kinderbuch. Und dann haben wir noch eine liebe Hörerin, die selber im familiären Umfeld einen Jäger hat und die im Anschluss an unsere Erkenntnisse noch einmal darüber berichtet, wie das denn ist, mit einem Jäger zusammenzuleben, vielleicht nicht immer, aber zumindest den Jäger im familiären Umfeld zu haben und sich das also nicht aussuchen zu können, ob man jetzt mit dem auskommt oder nicht und wie sie damit umgeht und ihre persönliche subjektive Einstellung dazu.

Carsten Für mich ist das ein extrem schwieriges Thema, also Thema Jagd habe ich bisher tatsächlich so ein bisschen vor mir hergeschoben und mich auch nicht wirklich rangetraut, einmal weil ich nicht ganz genau wusste, wie man diese Argumente oder diese Haltungsweise in irgendeiner Art und Weise widerlegen kann, aber auch vielleicht durch durch meinen bisherigen Werdegang. Ich komme aus dem ländlichen Raum, bin 30 Jahre lang in den Strukturen groß geworden, da wo zum Beispiel Angeln und Jagd völlig normal waren. Und ich bin auch zehn Jahre lang Angler gewesen, relativ früh mit elf Jahren in diesen Angelsport reingekommen und das gibt auch so eine kleine Überdeckung. Also Leute, die halt angeln sind oftmals auch im Jagdverein oder andersrum. Wobei ich persönlich jetzt keinen direkten Anknüpfungspunkt zum Thema Jagd hatte. Ich wüsste jetzt auch keinen im Verwandten- oder Bekanntenkreis, der Jäger ist, aber wenn man halt so in diesen kleineren ländlichen Strukturen unterwegs ist, dann gehört Jagd genauso wie Angeln oder generell Landwirtschaft und Viehzucht einfach zum Normalbild, was völlig unreflektiert hingenommen wird. Und das machte für mich auch den Zugang zu dieser Materie extrem schwer. Und ich bin froh, dass wir jetzt sehr viel Faktenmaterial haben und mich fand es wirklich erstaunlich, dass es auch eben diesen Verein ‚Natur ohne Jagd e.V.‘ gibt, der da nicht vor scheut, sich dem Thema anzunehmen und das auch eben fundiert zu kritisieren bzw. zu hinterleuchten und zu reflektieren. Und ich muss dazu sagen, also diesen Faktenteil selber, den höre ich dann gleich im Rahmen dieser Schilderung von Stefanie ja auch das erste Mal in der Tiefe und muss mich da im Nachgang auch noch mal mit auseinandersetzen. Und ich denke, es ist auch wirklich sehr wichtig, das Thema Jagd generell in der Öffentlichkeit zu thematisieren und wundere mich ehrlich gesagt auch, dass bei vielen öffentlichen Veranstaltungen, wo über Tierrechte und Tierbewegung gesprochen wird oder auch bei den Straßenfesten, also meiner Erfahrung nach das Thema gar nicht so wirklich präsent ist.

Stefanie Ja, Wilderei gibt es da schon, aber das bezieht sich dann gar nicht auf Deutschland oder auf deutschsprachige Länder oder generell Europa, sondern dann eher so in Afrika oder so, also wirklich dann ‚globaler Süden’-mäßige Länder, also Protecting Wildlife gibt es ja als Verein und solche Sachen gibt es schon. Aber ich finde auch gegen die Jagd oder überhaupt über die Jagd aufzuklären, da ist noch recht wenig, liegt vor allem ja auch daran, dass Jäger als Naturschützer auftreten.

Carsten Ja, genauso wie Angler auch. Wobei gut, das kann jetzt auch daran liegen, dass ich selber Angler war. Aber ich nehme die Kritik am Angeln deutlich stärker war als die Kritik am Jagen. Aber ich glaube auch, dass die Jagd sehr stark institutionell und auch in unserer Gesellschaft verankert wird, also auch schon als immer da gewesenes Fragment unserer Gesellschaftsstruktur gilt und deswegen auch schwierig zu hinterfragen ist oder ein schwieriges Thema ist. Aber nichtsdestotrotz ist es aus meiner Sicht extrem wichtig, sich dem Thema anzunähern und ich hoffe, dass wir mit dieser Folge auch unseren ersten Schritt in diese Richtung machen und vielleicht auch ein paar Informationen mit reinreichen, dass das Thema auch nachher präsenter werden wird.

Stefanie Was jetzt noch dazukommt ist, dass 99,6 % der deutschen Bevölkerung nicht Jäger sind. Also das heißt, ein wirklich kleiner Bruchteil von 0,4 % sind Jäger oder Jägerinnen und die verteidigen eben ihr Hobby als Naturschutz und ‚Natur ohne Jagd‘, der Verein, hat einfach das alles noch mal so aufbereitet und einige gängige Argumente widerlegt, und die will ich jetzt einmal hier so vortragen.

Wir können vielleicht mit dem generellen anfangen, dass die Jagd notwendig ist und es wird eben gesagt, die Überpopulation, Amy wird es später auch noch mal nennen, die Überpopulation der Wildschweine. Und was ich eben gelernt habe auch in den Fakten, ist, dass diese Überpopulation selbst gemacht ist. Und trotz der Steigerung der Abschussmenge von unter 150.000, das war damals 1982/83 so, auf über 500.000 Wildschweine nimmt deren Bestand in Deutschland weiter zu. Das heißt, es werden immer mehr Wildschweine abgeschossen, aber es werden nicht weniger. Und die Frage ist halt ‚warum?‘ Und das ‚Warum‘ erklärt eine französische Studie, die schon im Jahre 2009 erschienen ist, und ich meine Amy bezieht sich auch darauf.

Also die Wissenschaftlerin Sabrina Servanty verglich in einem Zeitraum von 22 Jahren die Vermehrung von Wildschweinen in einem Waldgebiet im Departement Haute-Marne, in dem sehr intensiv gejagt wird mit einem wenig bejagten Gebiet in den Pyrenäen. Und das Ergebnis war: wenn hoher Jagddruck herrscht, ist die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen wesentlich höher als in Gebieten, in denen kaum gejagt wird. Und weiterhin tritt bei intensiver Bejagung die Geschlechtsreife deutlich früher, vor Ende des ersten Lebensjahres ein, sodass bereits Frischlingsbachen trächtig werden. In Gebieten, in denen wenig Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer. Die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein. Und mit dieser Studie ist bewiesen, dass die starke Vermehrung bei Wildschweinen nicht nur vom Futterangebot abhängt, sondern auch von der intensiven Bejagung.

Carsten Das klingt ja wie so eine Evolutionsstrategie, dass die Art nicht aussterben möchte. Und weil sie eben so stark bejagt wird, muss der Bestand sich so evolutionär anpassen, dass sie die Fruchtbarkeit erhöhen und und früher einsetzen.

Stefanie Genau das ist eben so, dass die Wildschweine ihren Bestand eigentlich selbst regulieren. Also bräuchten die Jäger nicht die Jagd, um sich regulieren zu können, wenn sie in intakten Familienverbänden unterwegs sind. Und dann sorgt nämlich ihr Sozialverhalten dafür, dass nur einzelne weibliche Tiere rauschig werden, also dass sie fruchtbar sind. Lediglich die älteren Bachen werden dann befruchtet. Und fehlen diese älteren Bachen, werden also geschossen, werden auch jüngere weibliche Tiere schnell trächtig. Und mit anderen Worten statt zwei alten Tieren werden fünf junge zum Muttertier von noch mehr Frischlingen.

Carsten Ja, das ist natürlich jetzt, ich sag jetzt mal, wenn man das im Hintergrund weiß und aber feststellt, dass wir hätten eigentlich immer im Laufe der Jahre mehr Tiere geschossen, dann würde jetzt ein Jäger ja argumentieren, es gibt ja so viele, also muss ich noch mehr schießen.

Stefanie Genau genommen. Das ist ja eben auch die Argumentation. Ja, aber es gibt eben auch schon einige Berufsjäger oder generell Jäger, die das kritisieren, also gibt es tatsächlich schon. Hier ist nämlich auch ein Zitat von Norbert Happ, dem bekanntesten deutschen Wildschweinkenner und selber Jäger. Und der prangert an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht. Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich. Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordinierten Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung und sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten.“ Und das sagte er in der Jägerzeitung ‚Wild und Hund‘ 2002. Also es ist jetzt nicht gerade vor kurzem.

Carsten Ja, das ist interessant. Ich kenne das aus dem Angelsport, dass auch da die Angler stark in die Natur eingreifen. Also Angler präsentieren sich ja auch als Naturschützer, Gewässerheger etc. Da ist ein bisschen anders gelagert. Da wüsste ich jetzt nicht, dass sich die Fische jetzt stärker vermehren, weil mehr geangelt wird. Aber die Angler sorgen für mehr Besatz. Also so ein Angelverein selber, der bringt halt einen Teil seiner ganz normalen Vereinsgelder jährlich zum Fischhändler, um halt frischen Fisch zu kaufen, der dann in die Gewässer eingesetzt wird, nur damit er anschließend wieder abgefischt werden kann. Also ich finde das ganz spannend, jetzt so eine Parallele zum Jagdsport zu haben, wo eben der Eingriff der Ausübenden dazu führt, dass sich der natürliche Bestand dann nicht mehr so sauber regulieren kann.

Stefanie Ja, das werden wir nachher auch noch mal ein bisschen noch deutlicher erkennen. Hier ist noch einmal gesagt, also noch mal zu den Wildschweinen, dass die Hormone der Leitbachen, die Empfängnisbereitschaft aller Weibchen der Gruppe bestimmen und verhindern, dass zu junge Tiere befruchtet werden. Also das ist wirklich, das ist hormonell geregelt. Das ist eigentlich, wie wir das auch schon länger wissen, wir jetzt als vegan lebende Personen, ist die Natur ganz gut, funktioniert auch ganz gut ohne uns Menschen. Also eigentlich würde alles super funktionieren, wenn jetzt nicht die Jäger eingreifen würden und die Wildschweine schießen würden. Generell schreibt der Verein ‚Natur ohne Jagd‘ auch in seinem Positionspapier, dass

„Wildtiere, die dem Jagdrecht unterliegen, allein schon durch die Verfolgung, den Jagddruck und die daraus resultierende Panik in fast permanente Stress- und Angstzustände versetzt werden und sich heute schon bedenkenswert atypisch verhalten. Diese durch die Jäger verursachten und veränderten Verhaltensmuster wiederum führen oft zu direkten Kontakt- und Berührungssituationen mit der Zivilisation und dienen in dem Moment der Jägerschaft wiederum als Grund, regulierend mit der Waffe einzugreifen. Hier besteht explizit eine Überwachungs- und Sorgfaltspflicht. Schon angesichts der weiteren Entwicklung unserer heimischen freilebenden Wildtiere. Der Anspruch der Jagd, ein notwendiges Regulativ darzustellen, ist nicht erkennbar und nicht nachgewiesen.“

Und du hast es ja gerade das Thema Hege genannt, also dass die Angler da ihre Gewässer hegen, hegen und pflegen. Und das ist ja auch, dass die Jäger die Tiere hegen, ist ein weitverbreitetes Argument für die Notwendigkeit der Jagd. Genau. Die meisten denken ja beim Hege-Begriff daran, dass jetzt Tiere gepflegt und aufgepäppelt werden und es sich um alle Tiere gekümmert wird. Aber eigentlich kümmern sich die Jäger nur um das, was sie nachher schießen wollen. Das heißt Trophäenträger wie Rehböcke oder Hirsche oder kapitale Wildschweinkeiler oder so was. Weil eben Geweihe immer noch in Trophäenschauen ausgestellt werden. Das heißt, sie Jäger kümmern sich wirklich nur um die Tiere, die für sie interessant sind und nicht um alle Tiere im Wald. Das heißt der Hege-Begriff ist da auch wieder überflüssig. Also mit Hege, also es gibt Tiere, die das Hege-Ziel nicht erreichen und die werden dann, als „Hege-Abschuss aus der Wildbahn entnommen“. Das heißt zum Hege-Abschuss führen, „wenig Geweihauslage, körperlich schwache Spießer mit nur angedeuteter Verdickung der Rosen und Knieper, schwache Stangen, geringe Aug- und Mittelsprossen“. Es geht also wirklich nur um das Geweih.

Carsten Ja, gut. Und wenn man jetzt weiß, wo das heutige Jagdgesetz herkommt, dass das aus dem Reichsjagdgesetz stammt, so Nazizeit, dann klingt das für mich, ich mags kaum aussprechen, aber schon nach Übertrag der Euthanasie auf das Tierreich. Also vielleicht tue ich denen jetzt Unrecht, aber das ist im Moment heftiger Tobak, wenn ich das so höre.

Stefanie Ja, und weiter heißt es eben auch, dass als Hege des Niederwild, das sind Hasen, Rebhühner, Fasane usw. Jäger den massenhaften Abschuss von Füchsen verstehen. Für die Jäger ist der Fuchs ein verhasster Beutekonkurrent und so schießen sie halt erst den Fuchs und dann die Hasen, Rebhühner und Fasane. Ich hatte ja zu Beginn oder mittendrin mal gesagt, dass die Jagd eben atypisches Verhalten hervorruft bei den Tieren. Und das kann man eben auch ganz gut beobachten, wenn man jetzt in der Stadt mal an einen Teich geht oder an einen See und die Enten anschaut, die rennen meist nicht vor einem weg, sondern kommen zu einem. Ich hatte das auch am Elbstrand, dass Enten sich gemütlich neben mir niedergelassen haben und darauf gewartet haben, dass ich vielleicht mal was von meinem Brot abgebe oder so. Also das heißt, da sind sie sehr zutraulich. Aber in freier Wildbahn, also jetzt außerhalb der Stadt, dort wo sie eben auch geschossen werden, sind sie immer auf der Flucht, also sehr scheu und lassen niemanden an einen ran. Und das sind ja keine anderen Tiere in dem Sinne, die Wildente oder was auch immer. Also der Hase im Stadtpark ist ja jetzt nicht unbedingt ein anderer Hase als der Hase auf dem Land. Also klar, es gibt Unterschiede.

Carsten Stadthase oder Landhase, sind halt unterschiedliche Kulturen.

Stefanie Genau. Sondern es liegt tatsächlich daran, dass sie in der Stadt nicht unbedingt erwarten, geschossen zu werden und nicht immer auf der Flucht sind. Und auf dem Land eben schon. Und das zeigt eben noch nochmal dieses atypische Verhalten, dass die eigentlich tatsächlich entspannt im Kontakt mit Menschen leben könnten, wenn da nicht immer der Jäger oder die Jägerin wäre, die ihn oder sie das Tier immer wieder auf die Flucht schickt.

Carsten Ja, wenn man jetzt noch mal so diese Zahl, die du am Anfang genannt hattest, in den Kopf ruft, 0,4 % der Bevölkerung sind nur Jäger. Was die teilweise jetzt anrichten, um diese Angst jetzt irgendwo in der Tierwelt zu verankern, das ist ja schon heftig.

Stefanie Ja, das muss man sich tatsächlich vor Augen halten, dass es 0,4 % der Bevölkerung sind, die jedes Jahr circa 5 Millionen Wildtiere erschießen und erschlagen oder in Fallen fangen. Das ist ja nicht nur erschießen, es geht ja nicht nur ums Schießen, sondern auch um Fallen. Und was ich total krass fand, war, dass eben auch gesagt wurde, dass es Fallen gibt, die explizit auch für Katzen ausgewiesen sind. Also dass auch Katzen mal in so eine Falle geraten. Es sind in diesem Material, was ich hier vorliegen habe auch sehr grausame Bilder, die ich niemandem empfehlen kann und auch jedes Mal bei mir schlucke, also schweres Schlucken verursachen. So ist es eben auch, dass Jäger auf Haustiere schießen und jedes Jahr werden in Deutschland 300.000 Hauskatzen und circa 50.000 Hunde von Jägern erschossen. Und das liegt eben unter anderem auch daran, dass es dem Jäger erlaubt ist, auf jedem Grundstück zu jagen. Also wenn du ein eigenes Grundstück hast, egal ob ein kleiner Garten oder ein größerer Garten oder mehrere Felder, dann bist du automatisch Mitglied in der Jagdgenossenschaft und Jäger können fröhlich über dein Grundstück laufen und deine Katzen totschießen oder Hunde totschießen.

Carsten Das fand ich total obskur, als ich das mitbekommen habe, dass das tatsächlich legitim ist. Also qua Recht, dass der Jäger sich da zurückziehen kann auf auf Bundesgesetze oder wie auch immer oder auf Landesgesetze. Das ist so, so haarsträubend. Kann man sich da irgendwie von von freimachen?

Stefanie Also es gibt eine Initiative, die man unter der Internetseite zwangsbejagung-ade.de findet, wo sich Grundstückseigentümer und -eigentümerinnen zusammengeschlossen haben und versuchen, dagegen vorzugehen. Weil nämlich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits 1999 festgestellt hat, dass „es weder mit dem Eigentumsrecht noch mit dem Diskriminierungsverbot noch mit der Vereinigungsfreiheit vereinbar ist, wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht.“ Aber das Problem ist eben, dass das Bundesverfassungsgericht am 13.12.2006 entschieden hat, dass die Zwangsbejagung im Einklang mit dem Grundgesetz steht. Das heißt, es muss erstmal, also man muss noch mal dagegen vorgehen.

Carsten Also quasi eine Grundgesetzänderung geben, damit das …, okay.

Stefanie Genau. Also es ist hier noch mal das Aktenzeichen, auch genannt Aktenzeichen 1BVR 2084/05. Also falls da jemand noch mal nachschauen möchte. Du musst also die Tötung deiner geliebten Katze auf deinem Grundstück gegen deinen Willen durch einen oder mehrere Jäger dulden. Du kannst sogar Leute dazu einladen, deine Katze auf deinem Grundstück totzuschießen. Das ist vom Grundgesetz her erlaubt.

Carsten Müssen die dann das oder dürfen die das Grundstück betreten oder reicht das? Oder dürfen die nur bis zum Zaun und dann ihre Flinte auf Tiere richten?

Stefanie Also die Initiative, die hier mir die Materialien geliefert hat, schreibt, dass die Jäger den Boden deines Grundstücks mit Blei kontaminieren dürfen, ohne die Altlasten hinterher wieder nach dem Verursacherprinzip beseitigen zu müssen. Oder mehrere Meter hohe Schießplattformen auf deinem Grundstück errichten und von dort aus deine Katze zu töten. Also die dürfen das. Also das sind halt auch alles Dinge, die ich vorher nicht wusste. Da habe ich vorher auch gar nicht drüber nachgedacht und wir haben wohl schon davon gehört. Von Carstens Schwägerin, die auf dem Land wohnen und ein relativ großes Grundstück haben und das Problem tatsächlich mit Jägern haben, die selber auch, also nicht die Jäger leben vegan, sondern unsere Schwägerin - ist ja unser beider Schwägerin - unsere Schwägerin lebt vegan und möchte wirklich den Tieren auf ihrem Grundstück eine Ruheinsel bieten und hat das Problem, dass die Jäger um ihr Grundstück herum laufen oder über ihr Grundstück drüberlaufen, wenn sie nicht aufpasst. Und sie hat mehrfach schon sich mit denen angelegt und ist da eben auf taube Ohren gestoßen aufgrund dieser Zwangsbejagung und hatte eben auch das Problem bzw. hat den Verdacht, dass ein Hund von den Jägern ihre Hühner gerissen hat. Also wirklich. Und das ist halt legitim. Das darf der also. Der Jäger darf seinen Hund auf das Grundstück schicken und die Hühner töten lassen, weil es einfach okay ist. Das ist Zwangsbejagung. Das ist halt so.

Carsten Und der Begriff ist dann ja wahrscheinlich auch noch sehr weit auslegbar und.

Stefanie Das ist total, ja, also, es ist ziemlich krass. Und deswegen gibt es eben diese Initiative. Zwangsbejagung-ade.de, und wenn du betroffen bist und du Grundstückseigentümer oder Grundstückseigentümerin bist und nicht zwangsweise in der Jagdgenossenschaft Mitglied sein möchtest, dann schau da auf jeden Fall auf der Seite vorbei, da findest du Unterstützung. Und Jäger schießen ja nicht nur auf Wildtiere und Haustiere, sondern tatsächlich schießen Jäger auch auf Menschen und zwar nicht nur aus Versehen. Also allein in Deutschland kommt ungefähr 600 mal pro Jahr dazu, dass der Ausgang vielleicht nicht tödlich verläuft, aber dem Opfer beispielsweise ein Bein amputiert werden musste, weil halt der Jäger irgendwie aus Versehen daneben geschossen hat. Aber es gibt eben auch Jäger, die die eigene Frau erschießen, weil sie eben die Waffe schon zur Hand haben.

Carsten Na gut, ich meine, da kriegt man Beispiele, so Waffengebrauch aus Amerika, wo in den USA dementsprechend die Todesrate an an Schußwaffen gestorbenen Personen exorbitant hoch ist, und das ist ja eigentlich fast nicht mit anderen Ländern vergleichbar ist, so in der Höhe. Ich kann mir schon vorstellen, dass wenn der Griff zur Waffe keine große Hürde darstellt, dass dann Leute, die vielleicht generell oder in einem bestimmten Moment geistig nicht mehr zurechnungsfähig sind, davon auch Gebrauch machen.

Stefanie Ja, hier steht halt Opfer wurden sowohl Jägerkollegen und Treiber, aber auch die Ehefrau und die Kinder von Jägern, der Schwager sowie Nachbarn, Spaziergänger, Bergwanderer, Mountainbiker, Pilzsammler oder spielende Kinder. Ja.

Carsten Ohne Worte

Stefanie Und der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft werden jährlich über 800 Jagdunfälle gemeldet, wobei dies sicherlich nur die Spitze des Eisbergs ist. Also es wird ja bestimmt nicht alles gemeldet und dann und vielleicht auch nicht alles gesagt. Also das ist halt ziemlich hart. Der Verein ‚Natur ohne Jagd’ hat ja auch noch so ein paar Überschriften von Pressemitteilungen aufgelistet und die sind auch sehr aussagekräftig. Also ich lese sie einmal vor: Jäger erschießt sich selbst, Bei Jagd angeschossen, Tödlicher Jagdunfall, Jäger erschießt Jäger, Jäger treiben Wild auf Autobahn, Schuss löste sich auf Treibjagd, Jäger stürzt vom Hochsitz, Aus Versehen erschossen, Jäger von Jagdkollegen angeschossen, Jäger erlegt Treiber statt Wildschwein, Jäger erschießt Freundin und sich selbst. Jäger erschießt Pony statt Wildschwein - davon hatte ich tatsächlich vorher schon mal gehört -, Spaziergänger bei Jagd angeschossen, Treiber durch Schuss schwer verletzt, Tödlicher Zwischenfall bei Treibjagd, Schuss kracht in Fensterscheibe.

Also es sind nur so ein paar Beispiele. Und solche und ähnliche Meldungen findet man fast täglich in der Tagespresse oder im Internet. Und es ist halt total krass. Wir müssen uns immer vor Augen halten: 0,4 % der Bevölkerung üben dieses Hobby oder diesen Beruf aus und der Rest 99,6 % macht das nicht. Das heißt, die Anzahl der Menschen, die so etwas verursacht und so viel Leid verursacht, auch ist so gering. Worüber ich vorher auch noch nicht nachgedacht hatte, war, dass ja bei der Jagd auch ganz viel Bleimunition eigentlich in der Umwelt verstreut wird. Und es werden tatsächlich circa 1500 Tonnen Blei jährlich, durch die verwendete Schrotmunition, in der Umwelt verteilt, also in der Natur.

Carsten Ja klar, die lassen sich ja nicht steuern. Schrotkugel fliegen, weiß ja jeder, in alle Richtungen schon fast.

Stefanie Und dann gibt es da noch eine Vielzahl von umgestürzten und nicht beseitigten Hochsitzen sowie anderer Unrat, zum Beispiel Futtertonnen, Plastikplanen, Eternitplatten, Polstermaterial usw..

Carsten Also gerade beim Thema Blei weiß ich aus beruflicher Erfahrung, da hatte ich mal bei einer Firma gearbeitet, die eben auch Bleiplatten zur Abschirmung einsetzt, das Material durfte nicht einfach so verwendet und angefasst werden, weil es eben so ja einmal als als Schwermetall gilt und eben auch gesundheitlich problematisch ist. Da musste man entsprechende Schutzausrüstung oder Schutzhandschuhe tragen, damit man dieses Material überhaupt verarbeiten durfte. So, und 1500 Tonnen jährlich dann einfach so in die Natur reinpusten, ohne dass die dann anschließend entnommen werden, also das ist schon schon heftig.

Stefanie Also diese Schrotkugeln, also das Blei verseucht ja eben auch die Umwelt. Und durch die Schrotschüsse werden eben auch Tiere zahlreich angeschossen und nicht getötet und die sterben dann teilweise auch an einer Bleivergiftung oder sie verhungern, weil sie halt nicht mehr weiterkommen oder sind halt auf irgendeine Art und Weise so verletzt, dass sie dann durch die Verletzung einfach sterben. Und so sagt eben auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz: bei Treib- und Drückjagden sind bis zu 70 % der Wildtiere nicht sofort tot. Also meistens schleppen sie sich noch irgendwo hin, weil sie nicht richtig getroffen wurden oder zum Teil lebendig vom Jagdhund zerfetzt werden. Und sowas geben eben die Jäger untereinander in Jäger Internetforen offen zu. Also Sie sprechen darüber.

Carsten Ja, ich kann mir schon vorstellen, dass die sich da – Tschuldigung - irgendwie dran aufgeilen. Und man muss ja auch bedenken, eine saubere Jagd oder ein sauberer Schuss, das ist ja jetzt nicht so, dass die bei so einer Treibjagd ähnlich wie beim Schießstand sich hochkonzentriert auf eine Zielscheibe konzentrieren, sondern da wird ja schnell reagiert. Und ich glaube nicht, dass die alle so Scharfschützen sind, wie man sich das so in diesen Actionfilmen vorstellen kann, da, wo ein Schuss sofort sitzt. Gerade bei Schrotmunition kann ich es ja sowieso nicht so stark eingrenzen.

Stefanie Ja, also etliche Tiere werden tatsächlich dann verletzt oder verenden später qualvoll irgendwo im Dickicht oder es werden ihnen Gliedmaßen abgeschossen oder sie laufen nur dann ab oder verkrüppelt herum. Also mit Tierschutz oder Naturschutz hat das nichts zu tun.

Carsten Oder Hege.

Stefanie Und Hege, genau. Und auch die ganzjährige Fuchsjagd führt zwangsläufig dazu, dass in den Monaten Mai und Juni unzählige junge Füchse im Bau verhungern und verdursten, weil die säugenden Fähe erschossen wurden. Dann kommt es ja auch oft vor, wir sind jetzt gerade bei den Fakten, dass Jäger ihr Hobby in der Öffentlichkeit rechtfertigen, indem sie Schreckensszenarien von Waldschäden durch Verbiss malen.

Carsten Verbiss durch Schrotkugeln?

Stefanie Nein, durch Rehe und Hirsche.

Carsten Okay.

Stefanie Allerdings tauchen im Waldschadenbericht der Bundesregierung Rehe und Hirsche überhaupt nicht auf. Also als Ursache für Waldschäden werden stattdessen Luftverschmutzung und saure Böden durch hohe Nitratwerte, vor allem eben durch die industrielle Massentierhaltung genannt. Also ist dann die Frage: Stimmt es denn, dass Jäger den Wald von Rehen schützen müssen? Und der Zoologe Professor Dr. Reichholf weist darauf hin, dass der hohe Jagddruck Flexibilität, Mobilität und Scheuheit der Rehe erhöht. Und er sagt:

„Ein anhaltend hoher Jagddruck von rund einer Million abgeschossene Rehe pro Jahr hat den Bestand nicht auf gewünschte Höhe reguliert, sondern auf hohem Niveau hochproduktiv gehalten.“

Das heißt, je mehr Rehe geschossen werden, umso stärker vermehren sie sich. Das ist also genau wie bei den Wildschweinen.

Carsten Ja.

Stefanie Und Professor Reichholf stellt in aller Deutlichkeit fest, dass „Jagd in der Kulturlandschaft aus ökologischen Gründen nicht sein muss.“ Dann noch mal ein Zitat von ihm:

„Jagdleidenschaft (Passion) ist kein Auftrag der Gesellschaft und kann es auch nicht sein. Irgendwelche Tierarten „kurz zu halten“ bildet allenfalls eine Forderung von Land und Forstwirtschaft.“

Professor Reichholf belegt, dass der Wildschaden in der Land und Forstwirtschaft weniger groß ausfallen würde, „wenn das Wild nicht so scheu wäre und wenn mehr Raubtiere als natürliche Feinde des Schalenwildes in Wald und Flur zugelassen würden“.

Carsten Aber den Wolf schießen wir jetzt ja auch ab.

Stefanie Genau. Und das ist eben auch ein Beispiel dafür, dass die Jäger in Wirklichkeit den Rebestand hochhalten wollen, um genug zum Schießen zu haben. Denn sobald sich in einem Revier Luchse oder eben Wölfe angesiedelt haben, lanciert die Jagdlobby gleich Schlagzeilen wie „Fressen die Luchse den Harz leer“ und in der Lausitz jammern dann die Jäger: das Reh und das Schwarzwild sind stark zurückgegangen, Rotwild gibt es so gut wie keins mehr. Und das ist dann quasi die Traurigkeit der Jäger, dass sie nichts mehr zum Jagen haben, denn dadurch lassen sich Jagden nur noch schwer verpachten.

Carsten Ja gut, du kannst es ja auch nicht widerlegen. Also wenn du jetzt von so einem Jagdverein oder von einem Jäger dann solche Argumente hörst, wie willst du das in der Situation widerlegen? Du weißt es ja nicht. Er ist Experte, er steht ja im Wald.

Stefanie Er steht im Wald. (lacht)

Carsten Sieht hoffentlich den Wald vor lauter Bäumen auch noch, aber so als Unbedarfter hätte ich jetzt tatsächlich Schwierigkeiten, wenn ich jetzt solche Fakten nicht wüsste. Wie kann ich damit umgehen?

Stefanie Deswegen bin ich auch so dankbar, dass ich diesen Stand gefunden habe von dem Verein ‚Natur ohne Jagd‘ und ich dieses Material mitnehmen konnte und möchte das eben jetzt hier mit dir, liebe*r Hörer*in, teilen. Denn also tatsächlich das Argument, dass Rehe erhebliche Schäden verursachen würden, dient also nur als Vorwand für den Jäger, längere Jagdzeiten oder höhere Abschussquoten durchzusetzen. Also es ist wirklich alles hausgemacht. Und dass dieses Argument des Bekannten von unserer Hören zu Beginn, dass es okay ist Wild zu essen, weil die Jäger ja die Quote erfüllen müssen, ist also tatsächlich ein hausgemachtes Argument, weil die Jäger ja selbst ihre Quote sich hochschießen, genau erschaffen. Und wenn die Jäger überhaupt gar nicht jagen würden, dann müsste es auch keine Quote geben, sondern der Bestand würde sich einfach selbst regulieren.

Carsten Der von den Tieren und der von den Jägern oder.

Stefanie Von den Jägern würde sich auch selbst regulieren. Ganz genau.

Carsten Aber ich frage mich gerade, der Wolf macht der ja gerade in den letzten Monaten Schlagzeilen, eher negativ, negativ in der Hinsicht, dass ja immer wieder darüber gesprochen wird, dass er quasi Nutztiere reißt und Schäden verursacht und Angst und Schrecken stiftet und natürlich dann irgendwie wieder abgeschossen werden muss. Also so in der Richtung geht ja die Berichterstattung. Du hattest jetzt ja gerade schon darauf hingewiesen, dass durch diese Jagd atypisches Verhalten die Folge ist. Also das ist jetzt natürlich nur eine Vermutung von mir, aber wenn ich das jetzt so von diesen Schilderungen her auf den Wolf übertrage, könnte es ja durchaus sein, dass der Wolf ja nichts anderes hat, als jetzt tatsächlich auf die Weiden zu gehen und dort dann irgendwie Schafe zu reißen, weil er im Wald, ja, will nicht sagen: nichts vorfindet, sondern eigentlich auch geschädigt durch dieses ganze Jagdverhalten ist, der muss ja, der versucht ja auch den einfachsten Weg zu Nahrungssuche zu finden. Und da er im Wald nicht ungestört leben kann, weil ja sämtliche Tiere irgendwie aufgescheucht sind und in Furcht und Schrecken leben müssen, für den Fall, dass sie im nächsten Moment abgeknallt werden, dann kann ich schon verstehen, dass Tiere, die eigentlich ganz anders agieren, jetzt so ein Verhalten an den Tag legen.

Stefanie Ja, das Verhalten wird definitiv hausgemacht sein, weil einfach die Jagd nicht regulierend eingreift, sondern deregulierend. Ja, dadurch, dass es ja auch Flecken auf unserer Erde gibt, an denen nicht gejagt wird und die Tiere in Ruhe gelassen werden, gibt es auch Studien, wie sich denn solche Flecken entwickeln, und einer davon ist der Schweizerische Nationalpark, in dem ein Jagdverbot seit 1914 herrscht, da wird also seitdem nicht mehr gejagt. Und in der ersten Studie wurde herausgefunden, dass die Artenvielfalt zunimmt. Und das klingt ja jetzt so, als würde tatsächlich viel zu viele Hirsche dort und Hirsche und Rehe dort sein. Allerdings ist es so, dass, obwohl eben seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch das Jagdverbot im Nationalpark eine starke Zunahme der Hirschpopulation festzustellen ist, heute die Futtermenge im Nationalpark theoretisch sogar für das Fünf bis Zehnfache des heutigen Wildbestands ausreichen würde. Also es ist nicht so, dass sie den Wald kaputtmachen, sondern sich eben selbst regulieren. Und auf den Dauerkurzweiden, die durch Hirsche intensiv genutzt werden, haben die Pflanzenarten in den beobachteten 50 bis 80 Jahren stark zugenommen. Und trotz steigender Rothirschdichte, durch das Jagdverbot, wuchs eine frühere Schadensfläche zwischen 1955 und 1975 wieder vollständig zu. Also das heißt, dass die Hirsche eben nicht dem Wald schaden. Und eine zweite Studie hat herausgefunden, dass es 30 mal mehr Baum-Keimlinge auf Wildwechseln gibt.

Carsten Sehr wahrscheinlich durch Kot.

Stefanie Genau. Und die Studie hat gezeigt, dass trotz angewachsener Hirschpopulation die Anzahl der Bäume pro 100 Quadratmeter und der dem Verbiss entwachsenen über 150 Zentimeter hohen Bäume stark zugenommen hat. Die Verjüngung und die Ausbreitung des Waldes scheinen also durch die heutige Hirschdichte im Nationalpark eher gefördert als behindert zu werden. Das widerlegt also noch einmal ganz klar das Argument der Jäger, dass sie die Rehe abschießen müssen und die Hirsche, um den Wald zu schützen. Es ist eher andersrum. Also jetzt nicht, dass die Hirsche die Jäger abschießen müssen, sondern es ist so, dass die Hirsche und Rehe den Wald schützen, dass sie sich darum kümmern, also dass die Natur im Gleichgewicht ist, wenn der Mensch nicht eingreift. Und der Professor Reichholf, den wir vorher schon mal einmal gehört haben, erklärt die Auswirkungen der Jagd noch einmal so: „Werden in einem Gebiet viele Tiere getötet. Haben die Verbliebenen ein besseres Futterangebot, Tiere den Winter gestärkt überleben, pflanzen sich im Frühjahr zeitiger und zahlenmäßig stärker fort. Die Konkurrenz im Winter ist geringer, die Chancen sind im Frühjahr besser.

So Reichholf.

Durch die Jagd würden Tierarten, die bereits selten sind, noch seltener und jene, die häufig sind, noch häufiger.“

Und auch Ragnar Kinzel-Bach, ein Professor emeritus für Biologie und Ökologie an der Universität Rostock, ist überzeugt: „‘Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.‘ Rehe, früher tagaktive Tiere, seien nur durch die Jagd zu scheuen, nachtaktiven Waldbewohnern geworden. Wenn man die Rehe nicht jagen würde, würden sie sich auch nicht so sehr im Wald aufhalten und dort alles abknabbern.“

Außerdem sei die massive Fütterung durch Jäger ein Problem. Die Jäger mästen sich in unseren Wäldern gigantische Rot- und Rehwildbestände heran, nur um sie anschließend abschießen zu können. Also im Grunde kann man das reduzieren auf weniger Jagddruck, mehr Ruhezone und das bedeutet dann für das Wild weniger Energie-Ausgabe, also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss. Was es frisst, entnimmt es verstärkt der Ruhezone. Dadurch werden die angrenzenden Flächen eher entlastet als durch das Wild belastet.

Um für diesen Teil einmal zusammenzufassen: Die Jagdlobby sagt ja, Jagd sei in unserer Kulturlandschaft notwendig. Ohne Jäger würden Rehe und Hirsche den Wald auffressen und Wildschweinhorden die Felder verwüsten. Ohne Jäger würden die Wildtiere überhand nehmen. Die Jäger übernehmen die Rolle ausgerotteter, großer Raubtiere. Und nachdem Wolf und Luchs wieder zurückkehren, fordern Jäger den Abschuss, weil die Reviere leergefressen würden. Und natürlich auch, um die Bevölkerung vor diesen gefährlichen Raubtieren zu schützen. Und natürlich wäre die Bevölkerung ohne Jagd auch von Seuchen bedroht, von Fuchsbandwurm, Tollwut und, nachdem es in Deutschland keine Tollwut mehr gibt, durch Räude und Staupe. Und dann natürlich seien Jäger anerkannte Naturschützer. Und wer das nicht versteht, ist ein naturentfremdeter Städter. So wie wir.

Carsten Ja, schwer von Begriff.

Stefanie Genau. Und außerdem sei Jagd Passion und dafür sollten wir Verständnis haben. Der Mensch habe von Natur aus einen…. Also der Mensch sei von Natur aus Jäger und der Jagdtrieb sei angeboren. Der Chefredakteur einer Jägerzeitschrift forderte kürzlich sogar, die Jagd müsse wie die Falknerei zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt werden. Jagd sei ein Menschheitserbe, und Menschsein heißt Jäger sein.

Carsten Ja, das merke ich auch jeden Morgen, wenn ich auf dem Fahrrad sitze und versuche, irgendwelche Tauben zu überfahren oder irgendwelche anderen. Also ich.

Stefanie Du springst immer so in die Luft, reißt die Taube mit, dann ja.

Carsten Das ist also ein Trieb. Also ich kann es nicht anders, das ist so ein Trieb.

Stefanie Auch eine Möwe.

Carsten Ja, hier in Hamburg definitiv Möwen. Also an den Landungsbrücken ganz klar.

Stefanie Da sieht man immer Carsten in die Luft springen und dann hat er sich sein Mittagessen geholt. Nun ja.

Carsten Was mich also neben diesen ganzen Fakten, die ich ja teilweise auch das erste Mal so in dieser Tiefe gehört habe, aber am meisten überrascht hat, war das, was du mir im Vorfeld schon mal so mitgegeben hast, dass diese Ausübung des Jagdes, der Jagd, des Jagdsportes wollte ich schon sagen, aber ich nehme mal den Sportbegriff raus, aber Ausübung der Jagd eine hoch erotische Komponente ist.

Stefanie Genau, weswegen wir hier bei dieser Folge auch das explicit-Häkchen dran machen müssen, weil wir jetzt nämlich zu dem Punkt kommen warum jagen dann Jäger eigentlich wirklich? Wir haben es ja vorhin schon mal so ein bisschen angesprochen mit der Passion. Und wenn wir also jetzt sagen, es geht gar nicht um den Naturschutz und es geht überhaupt gar nicht darum, dass jetzt die Jäger uns vor irgendwelchen Krankheiten schützen wollen.

Carsten Das es quasi nur vorgeschobene Argumente sind, die ganz plausibel klingen und die wahrscheinlich dann auch so im Bewusstsein der Jägerschaft sehr präsent sind und auch gar nicht hinterfragt werden. Genau, aber da steckt mehr dahinter.

Stefanie Und genau warum machen die das denn? Und da haben wir natürlich auch dann Materialien, aus denen ich einige Sachen jetzt zitieren werde. Dazu werde ich aus der Zeitschrift ‚Freiheit für Tiere’, das ist jetzt hier die Sonderausgabe ‚Fakten gegen die Jagd‘ noch einmal zitieren. Du findest ‚Freiheit für Tiere’ auch unter freiheit-fuer-Tiere.de, und dort kannst du das Magazin sicherlich auch beziehen. Es ist sehr interessant, wenn du noch mal alles nachlesen möchtest, kannst du da auf jeden Fall nachlesen. Das habe ich jetzt bekommen von dem Verein ‚Natur ohne Jagd‘, da werde ich auch noch mal alles verlinken zu.

Also ein Jäger bekennt: „Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.“ Und der Journalist und Jäger Eckhard Fuhr versuchte sich im ZEITmagazin als Philosoph, indem er den philosophischen Grundsatz ‚Ich denke, also bin ich‘ abwandelte: „wenn es mir nur um Erholung in der Natur ginge, würde ich Golf spielen. Aber Golf ist für mich so ziemlich das unsinnigste, was es gibt. Jagen dagegen ist Sinn schlechthin, Jagen ist keine Neben-, sondern eine Hauptsache. Ich jage, also bin ich.“ Auf die Frage, warum er jage, antwortet er so: „Und natürlich, ich gebe es zu, Jagd ist aufregend. Auch nach vielen Jahren habe ich mit dem Jagdfieber zu kämpfen. Pulsfrequenz und Adrenalinspiegel steigen, wenn sich jagdbares Wild zeigt. Das Schießen verlangt Selbstbeherrschung. Wenn das tote Reh dann gefunden ist, stellt sich ein unvergleichliches Gefühl innerer Zufriedenheit ein. Doch vergleichbar ist es, nach erfolgreicher Jagd fühlt man sich wie nach gutem Sex oder nach dem Schreiben eines Textes, den man für gelungen hält.“

Eine Notwendigkeit der Jagd für die Natur, den Wald oder die Allgemeinheit ergibt sich daraus nicht gerade. Andere Menschen gehen zum Bungee Jumping, zum Beispiel um den Adrenalinspiegel zu pushen. Aber dafür muss dann niemand leiden und sterben, außer er selbst vielleicht.

Carsten Wenn ich vielleicht einen Klippensprung habe, wo ich mit dem Kopf ins Wasser komme und mir dann noch den Seelachs irgendwie durch den Jagdtrieb dann rausfischen kann, kommt das dem schon recht nahe.

Stefanie Genau. Und unter dem Titel „Neue Gedanken zur Lust an der Lust zwischen Erleben und Erlegen“ spricht Prof. Dr. Gerd Roman von der Lust zum Beute machen und vom Kick. Er liegt im Akt des Erlegens und Tötens. „Denn darin, dass wir das Naturding Wild töten und dabei einen exorbitanten Lusteffekt erleben, erweist es sich empirisch, dass wir etwas ganz Besonderes in unserem Innern erfahren. Mit der Jagd ist es ähnlich wie mit der Liebe. Das erotische Erleben liegt auf dem Weg zum Höhepunkt. Das Ziel liegt nämlich nicht im schnellen Schuss, sondern im Erstreben und Erleben eines gemeinsam erreichten, anhaltenden Höhepunktes.“ Den emotionalen Höhepunkt seiner Jagd, den Kick, erlebe der Jäger immer dann, wenn er den todbringenden Schuss auslöse. In der Zeitschrift steht dann noch als Kommentar: „Nun erfolgt Sex im Allgemeinen im gegenseitigen Einverständnis der Beteiligten. Andernfalls ist es eine Vergewaltigung und damit strafbar. Der Vergleich von Jagd und Sex hinkt also ziemlich erheblich.“

Und Karin Hutter hat 1988 ein Buch herausgebracht, das nennt sich „Ein Reh hat Augen wie ein 16 jähriges Mädchen“ und schreibt darin: Der Jäger liebt die Natur wie der Vergewaltiger sein Opfer. Also, wir machen weiter. Hm.

Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche räumt in seinem Buch „Jagen, Sex und Tiere essen - die Lust am Archaischen“ mit den gängigen Begründungen für die Jagd auf: Jäger als Ersatz für Großraubwild, Jäger als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, Jäger als Naturschützer und Biotoppfleger, Waidgerechtigkeit. Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen, so der jagenden Rechtsanwalt. Und er gibt offen zu:

„Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts. Deren Anforderungen regeln höchstens, wie wir jagen, nicht, ob wir es tun.“

Weiter geht es hier in dieser Zeitschrift als Kommentar: Demnach ist die Motivation für die Jagd die Lust. Alle anderen Begründungen, mit denen Jäger ihr blutiges Hobby rechtfertigen, sind nur vorgeschoben. Asche, also der Rechtsanwalt vorhin formuliert es so:

„Wir verwechseln zu gern die erfreulichen und wichtigen Begleiterscheinungen, die unser Tun rechtfertigen sollen mit dessen wirklichen Gründen. Sex haben wir, weil er uns Lust und Genuss bereitet. Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.“

Weiter geht es hier mit noch mal einem Kommentar der Zeitschrift: „Der Jäger Dr. Florian Asche bekennt sich zum Archaischen. Der Jagdtrieb sei wie der Sexualtrieb in unserem Reptiliengehirn und im limbischen System angelegt. Diese Triebe auszuleben, sei wichtig für die seelische Gesundheit. Während Sex zu unserem Alltag gehöre, gehe der moderne Mensch aber ‚so verspannt mit Tod und Töten‘ um, beklagt Asche. Nun fragt sich jeder Nichtjäger zurecht, ob das hobbymäßige Töten von Tieren nicht viel eher einen negativen Einfluss auf die seelische Gesundheit hat. Oder man fragt sich, ob die seelische Gesundheit nicht etwas gestört ist, wenn man davon schwärmt, wie lustvoll es ist den Tötungstrieb auszuleben.

Der Wissenschaftsjournalist Gerhard Stark nun stellt er in seinem Buch ‚Tierliebe - eine einseitige Beziehung’ schon vor über 20 Jahren fest. Findet außerhalb der Jägerei ein Mensch einen besonderen Lustgewinn daran, ein Tier zu töten, wird er von Psychologen als seelisch schwer gestört eingestuft.“

Carsten Ich stelle mir gerade vor, wenn man diesen Moment des Tötens als Triebbefriedigung darstellt, wie das denn in diesen Massentieranlagen oder in den Schlachtereien dann vonstatten geht. Ich glaube, das lässt sich nicht wirklich übertragen.

Stefanie Also, ich habe hier noch mehr. Also 3, 4, 5 Seiten. Also der 2016 verstorbene Tiroler Landesjägermeister Stellvertreter Ernst Rudi Gier ruft die Jäger auf, sich zur Jagdleidenschaft zu bekennen: „Wir Jäger und Jägerinnen sollten uns ehrlich und aufrichtig dazu bekennen, wofür wir unser Geld ausgeben und warum wir so viel Zeit und auch Arbeit in die Jagd investieren, nämlich dass wir jagen und unsere Jagdleidenschaft ausleben können. Auch sollten wir ganz offen dazu stehen, wie wir das Jagen für uns einschätzen als Lebenseinstellung, Berufung, Leidenschaft, Trophäen, Sammelleidenschaft oder weiß sonst wie noch und uns nicht in einer unnötigen Rechtfertigung Lügen bedienen, die als unglaubwürdig erkannt werden.“

Und dann gibt es noch den Psychoanalytiker und Neurologen Dr. Paul Parin, der ist 2009 schon verstorben und in seinem Buch ‚Die Leidenschaft des Jägers‘ ergründet er die Leidenschaft, die Passion und das Jagdfieber: „Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich, Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird. Verbote gelten nicht mehr. Wenn man über Jagd schreibt, muss man über geschlechtliche Lust schreiben und über Grausamkeit und Verbrechen. Wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Leidenschaftlich Jagende wollen töten. Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selber aufhebt. Und weil es sich um Leidenschaft, Gier, Wollust handelt, um ein Fieber eben, geht es in diesem Buch, um Sex and Crime, um sexuelle Lust und Verbrechen jeder Art, um Mord und Lustmord.“

Paul Parin beschreibt in seinem Buch auch noch eine Szene, weswegen wir auch das explizit-Zeichen angehakt haben, nämlich wie er den Höhepunkt beim Schuss als Orgasmus erlebte, als er als 13jähriger seinen ersten Haselhahn schoss: „Ich drücke ab. Höre keinen Knall. Spüre den Rückstoß nicht. Ich bin aufgesprungen. Blind und taub stehe ich da. Eine unerträgliche Spannung irgendwo im Unterleib. Etwas muss geschehen. Plötzlich löst sich die Spannung. In lustvollen Stößen fließt es mir in die Hose. Nein, es ist das. Der wunderbare Samenerguss. Der erste bei Bewusstsein. Ich stehe aufgerichtet, das Gewehr in der Linken, kann wieder hören und kann sehen. Dort liegt die Beute. Ein Haufen bunter Federn.“

Carsten Ich kann da jetzt nichts zu sagen. Das ist so...

Stefanie Also als ich das das erste Mal gelesen habe, hab’ ich gesagt: Hallo? Aah! Also es fehlen einem echt die Worte, oder?

Carsten Ja, es ist so ab-art-ig!

Stefanie Also das halt. Ich meine eben. Weiter steht hier, dass Paul Parin zugibt, dass die Tiere unter der Jagd leiden und er auch weiß, dass Rechtfertigungen wie ‚Überpopulation’, ‚Verbiss’, ‚Jäger als Ersatz für Raubtiere’ Jägerlatein sind. Zwar müssten laut Paul Parin „alle erdenklichen Argumente dafür herhalten, um die Jagd von jedem moralischen Makel freizusprechen. Und doch ist die Jagd der einzige normale Fall, bei dem das Töten zum Vergnügen wird.“ Das ist ein Zitat von Paul Parin. Und auch hier steht eben Irgendwie kann man sich beim Lesen solcher Abgründe der menschlichen Seele eines fassungslosen Schauderns nicht erwehren. Und der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Professor Dr. Theodor Heuss, formulierte schon vor über einem halben Jahrhundert sehr treffend: „Jägerei ist eine Nebenform von menschlicher Geisteskrankheit.“

Carsten Ja, wenn man das jetzt so mitbekommt, was da teilweise, die sind ja Jäger, die darüber berichten.

Stefanie Ja genau, das sind ja nicht irgendwelche Tierschützer, die das schreiben, sondern das sind Jäger, die das selber zugeben und sagen, es geht mir nur um die Lust.

Carsten Und dann kann man nicht nur, sondern dann muss man das Argument von dem Herrn Dr. Heuss so unterschreiben.

Stefanie Und es gibt noch einen Philosophen, Jose Ortega y Gasset, ich habe keine Ahnung, ob ich ihn richtig ausspreche, er ist schon 1955 gestorben. Und in seinen Meditationen über die Jagd schwärmt er über die Jagdlust: „Blut hat eine orgiastische Kraft sondergleichen, wenn es überströmt und das herrliche Fell des Tieres befleckt.“

Und dann gibt es noch ein Zitat von ihm: „Fernab davon, eine von Vernunft gelenkte Verfolgung zu sein, kann man vielmehr sagen, dass die größte Gefahr für das Fortbestehen der Jagd die Vernunft ist.“

Und die Zeitschrift fragt hier, also die ‚Freiheit für Tiere‘-Zeitschrift fragt: „Wie lange wird sich die Öffentlichkeit durch vorgeschobene Rechtfertigungen für ein blutiges Hobby noch täuschen lassen?“ Dann gibt es noch eine Dissertation zu diesem Thema ‚Töten des Wildes‘ und Jagd usw. Und da wird das Ganze wird so nach dem Motto es ist ein Trieb, ein Jagdtrieb. Und die Jäger sollten offen zu ihrem Jagdtrieb stehen. Es ist also was genetisches, was wir alle haben, angeblich. Das wird hier noch mal einmal vorgestellt und die Frage ist nur warum haben denn nur 0,4 % diesen unglaublichen Drang diesen Trieb auszuleben? Aber 99,6 % kommen ganz gut im Alltag klar, ohne den Trieb auszuleben.

Carsten Haben sie ja gar nicht. Die 99,6 % gehören ja der Gruppe an, die irgendwo verhaltensgestört sind. Die müssen ja irgendwas unterdrücken, die können ihren Trieb ja nicht frei ausleben.

Stefanie Also ergänzend dazu sagt der Psychoanalytiker Prof. Dr. Arno Grün: „Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass der Ursprung dieser Bedürfnisse nicht in einer genetischen Struktur oder Naturgebundenheit liegt, sondern in den Gefühlen der Minderwertigkeit, des Mangels an persönlichem Wert und der Unfähigkeit, Unsicherheit zu ertragen. Folglich ist das Streben, absolute Sicherheit und Unverletzbarkeit dadurch herbeizuführen, indem man Menschen, Völker, Tiere und die Natur beherrscht, zu einer fiktiven, aber auch äußerst gefährlichen Fiktion geworden.“

Also Jäger schießen Tiere tot, weil es ihnen einen Kick verschafft, weil sie eine triebgesteuerte Freude am Beute machen haben, und trotzdem rechtfertigen Kick und Freude am Beute machen eben nicht 5 Millionen totgeschossene Wildtiere oder den Abschuss von, jedes Jahr ist es ja auch, 30.000 Hunden oder über 300.000 Katzen. Und verletzte und tote Menschen aufgrund von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen Jahr für Jahr. Das rechtfertigt das ja alles nicht.

Carsten Ne, also man, man ist ja schon fast verleitet die Jägerschaft irgendwie aus dem Verkehr zu ziehen und irgendwie psychiatrisch behandeln zu lassen. Denn wenn man jetzt sieht, was für ein Unheil die eigentlich anrichten und was da eigentlich tatsächlich als Grund ihres Handelns im Hintergrund steht. Also es ist wirklich, eigentlich schon, fast ohne Worte.

Stefanie Und eigentlich verbietet eben das Tierschutzgesetz genau das, diese Lustötung. Also töten, einfach nur, weil es mir Spaß macht, das verbietet das Tierschutzgesetz. Aber das ja, das Bundesgesetz verankert das eben, dass es okay ist, dass die Jäger auch auf meinem Grundstück jagen und aus Spaß an der Freude meine Katze erschießen. Das ist halt, das steht alles im krassen Widerspruch und es hat sich halt so eine Mystik, so eine Romantik um das Jagen entwickelt. Und die Jagdlobby ist eben auch sehr stark.

Carsten Ja, und Sex in der Öffentlichkeit ist ja auch verpönt. Also müssen die Jäger sich dann irgendwo eine andere Möglichkeit zur Triebbefriedigung suchen?

Stefanie Ja. Soweit jetzt erst mal die Fakten. Ich denke das ist jetzt so weit, ich weiß das eine ziemlich lange Folge, sie wird ja jetzt auch noch länger dadurch, dass Carsten gleich noch das Kinderbuch vorstellt und wir dann noch Amys Beitrag einspielen. Aber ich denke, das ist dem Thema auch wirklich angemessen.

Carsten Ja, und jetzt würde ich tatsächlich den Übergang suchen in einen kinderfreundlichen Bereich, weg von diesem Explicit, den wir jetzt gerade durchleben mussten. Und zwar habe ich auch von dem Verein ‚Natur ohne Jagd’ ein kleines Büchlein oder eine Broschüre, explizit für Kinder, die von dem Autoren Rudolf Polenz erstellt wurde und eine sehr schöne Geschichte beinhaltet, die den Kindern das Naturverständnis näher bringt und eben auch das Thema Jagd thematisiert.

Das Büchlein oder die Broschüre nennt sich ‚Katerchen Moses und Füchsin Fritzi - Das Geheimnis des Waldes‘. Das Büchlein ist in Broschürenform erschienen, umfasst ungefähr 40 Seiten und ist eigentlich eine sehr nette Abendgeschichte, die man auch durchaus vor dem Schlafengehen lesen kann. Es ist wie gesagt für Kinder geschrieben und dementsprechend auch inhaltlich ungefährlich und trotzdem eine sehr, sehr schöne Thematisierung, wie die Jagd tatsächlich auf Tiere wirkt.

Und zwar ist dieses Buch geschrieben aus Sicht eines Katerchens, dem Katerchen Moses, der ja, weil er noch ein Katerchen ist, auch so ein bisschen unbedarft ist und gerne die Welt erkunden möchte und eigentlich auf einem abgesicherten Grundstück lebt, dieses Grundstück dann aber durch eine Lücke im Zaun verlässt und sich im Wald wiederfindet. Und er findet das total spannend, dass er eben in dieser Wildnis ganz viele Dinge erlebt und verläuft sich leider und findet dann nicht mehr nach Hause und möchte aber ganz gerne wieder zurück zu seinem angestammten Heim und läuft der Füchsin Fritzi dann über den Weg und lernt dann von der Füchsin Fritzi so ein bisschen was über das Leben im Wald kennen und muss dort auch eine Nacht tatsächlich im Wald nächtigen, weil es einfach zu spät geworden ist. Also die Füchsin hat ihn dann versprochen: Ich helf dir, ich bringe dich dann wieder zurück nach Hause. Da schaffen wir aber an dem Abend nicht mehr, das wird gleich dunkel und wir müssen alles vorsehen, weil der grüne Tod mit seinem Donnerstab im Wald lauert.

Und ja, man, man weiß quasi im Vorfeld schon als Erwachsener was ist denn der grüne Tod, das ist halt der Jägersmann und der Donnerstab ist halt eben das Gewehr. Und für, das ist jetzt so die Erfahrung, die ich aus dem Vorlesen bei uns gewonnen habe, dem Kind selber ist das nicht unbedingt klar. Und für das Kind ist der grüne Tod im Moment die meiste Zeit dieser Geschichte eben eine ominöse Gestalt, die immer nur als grüner Tod tituliert wird und wo die Tiere aus ihrer eigenen Sicht und Erfahrung drüber schildern, dass es halt sehr gefährlich ist, sich im Wald aufzuhalten, dass man eben auf der Hut sein muss, dass man nicht einfach so über irgendwelche Lichtungen laufen oder sich darauf aufhalten darf, sondern man muss immer irgendwo im Schutz des Dickichts unterwegs sein. Bestimmte Tages- und Nachtzeiten muss man eben auch meiden, um eben diesen grünen Tod nicht über den Weg zu laufen.

Und im Rahmen dieser Erzählung hilft halt die Füchsin Fritzi, dem Katerchen wieder nach Hause zu kommen und die durchleben dann die eine oder andere Situation, die ja das Leben in der Natur zeigt, wie es denn eigentlich gestört durch die Jäger dann stattfinden muss. Dadurch, dass die Füchsin ihre eigene Familie, also Mutter und Schwester, verloren hat, die dem grünen Tod zum Opfer gefallen sind, Fritzi dann aber trotzdem überlebt hat und ja auch einige Beispiele mit beibringen kann, dass der Tod nicht nur durch den grünen Tod kommen kann, sondern auch durch Fallen. Was du Stephanie vorhin schon gesagt hat, ist dann kommen kann. Also da gibt es auch eine Situation, wo das Katerchen Moses dann ja im spielerischen Affekt aus Versehen schon fast einer Falle zum Opfer gefallen ist.

Und ja, das Katerchen Moses lernt halt, dass die Welt dort draußen alles andere als heimisch ist. Er kannte ja vorher aber nur dieses geschützte Zuhause, Gartenbereich, wo er ja regelmäßig mit Futter und Wasser versorgt wurde und sich eigentlich völlig sorgenlos und sorgenfrei dann dann ausleben und austoben konnte. Und das Leben im Wald genau das Gegenteil ist. Durch dieses angstbesetzte ‚Ich muss halt immer auf der Hut sein‘, nicht vor anderen Tieren. Also es ist tatsächlich jetzt nicht der Fall, dass man da irgendwie als Füchsin Angst haben müsste, da kommen irgendwelche großen Raubtiere, sondern die allgegenwärtige Angst, die dann tatsächlich durch den Jägersmann, durch den grünen Tod dann verbreitet wird, der dann zum späteren Zeitpunkt der Geschichte auch tatsächlich aktiv dort mit reinkommt und auch tatsächlich als Gefahr für die Füchsin, als Gefahr für den Katerchen Moses auftritt.

Viel mehr möchte ich jetzt über den Ausgang der Geschichte nicht erzählen. Das nimmt’n Happy End. Aber noch mal zu einer Situation oder zu einer Wendung, wo man denkt okay, das könnte jetzt auch wirklich brenzlig sein, kann das ganze aber sehr kinderfreundlich und kindernett geschrieben. Also es ist eine sehr schöne Umschreibung. Es macht auch Spaß zu lesen und diese Angst und Schrecken, der dann da im Hintergrund durch den grünen Tod dann oder diese Angst und Schrecken, der da von dem grünen Tod verbreitet wird, wird auch kindgerecht behandelt. Es werden keine Schreckensszenarien, die jetzt zu Alpträumen führen würden, behandelt, sondern das ganze wird eben aus Sicht von einem kleinen Kater geschrieben und dementsprechend auch kindgerecht.

Stefanie Ja. Und ab wie viel Jahren meinst du, unser Sohn ist jetzt schon sieben, würdest du das vorlesen?

Carsten Also ich denke, sechs, sieben ist ein gutes Alter. Früher weiß ich nicht, ob da eventuell das Kind schon versteht, was dort passiert. Aber ich denke, so mit sechs Jahren ist es schon ganz gut. Ich habe jetzt leider auch keinen Hinweis darauf gefunden, was der Autor jetzt als Erstleser empfiehlt. Aber ich denke, dass man so mit Schulkindern schon ganz gut aufgestellt und man muss auch keinen direkten Bezug zu Haustieren haben. Also auch wenn das jetzt aus Sicht eines Haustiers geschildert wird, heißt es noch lange nicht, dass man dann dementsprechend zu Hause schon eine Katze oder einen Hund haben muss, sondern das ist quasi so ohne Voraussetzung schon lesbar.

Stefanie Und du hast ja jetzt die Fakten alle, die ich vorhin mal vorgestellt habe, gehört, werden die da auch schon so abgebildet? Also lernt man da auch was draus oder so wie diese Fakten sind?

Carsten Nicht so in diesem Detail, weil die Fakten sind natürlich schon ziemlich heftiger Tobak, und die jetzt quasi dem Kind jetzt an die Hand zu geben, das würde aus meiner Sicht schon tatsächlich zu diesen Albträumen führen. Es wird halt schon thematisiert, dass das Unrecht ist, was dort passiert. Also Unrecht ist jetzt meine Interpretation. Aber dieses Gefühl da, da passiert irgendetwas, was so gar nicht passieren muss, weil die Tiere ganz gut alleine klarkommen und eigentlich durch diesen Eingriff der Jägerschaft mehr Schaden als Nutzen verursacht wird. Also diese Überzeugung oder diese Erkenntnis muss man ja sagen, die wird über dieses Buch schon vermittelt und das Buch hat auch schon den den Zweck, Kindern ein, ich sag jetzt mal, gesunden Umgang mit der Natur ja darzulegen und und denen zu zeigen, dass Jagd nicht unbedingt zu einer gesunden Naturlandschaft zählt.

Ich kann da noch mal zur Einleitung des Buches so zwei, drei Sätze vorlesen, die der Autor selber voranstellt. Er schreibt ja, dass „dieses Buch einerseits ein Märchen ist, andererseits aber auch eben die tägliche Realität in der Natur aufzeigt.“ Und er schreibt unten auch nochmal, „es wird aufgezeigt, dass auch Tiere leidensfähige Wesen sind, die es vor jeglichem Missbrauch zu beschützen gilt, insbesondere vor der Jagd und den Jägern. Tiere empfinden ebenso wie der Mensch Schmerz und Angst.“ So, und das ist dem Autor wirklich sehr gut gelungen, das zu vermitteln und kindgerecht aufzubereiten, dass das Ganze auch als Abendgeschichte vor dem Zubettgehen dann noch super funktioniert.

Stefanie Deswegen auf jeden Fall von uns die Empfehlung. Lass dich vom Cover nicht abschrecken. Das ist jetzt einfach nur ein Designaspekt und der sagt überhaupt nichts über den Inhalt aus und auch gar nichts über die schönen Zeichnungen da drin. Und du sagst, es ist auf jeden Fall lesenswert.

Carsten Ja, ja, es ist auch kein Jägerbashing oder sowas, wo es wirklich drauf ankäme, jetzt in den Jäger an sich so schlecht zu machen, sondern das ist einfach nur das Naturverständnis klarstellen, dass das Tiere eben auch schutzbedürftig sind, Schmerzen empfinden, selber den Drang zum Leben haben und dass da Eingriffe, durch die die Jagd, unverhältnismäßig viele Nachteile mit sich bringt. Ich kann mich da nur wiederholen es ist sehr kindgerecht geschrieben und trifft also genau diese Zielgruppe. Und da macht tatsächlich Spaß, das durchzulesen. Ist allerdings aufgrund der Kürze auch eine Sache, da wo man vielleicht, wenn man streckenweise liest, an ein oder zwei Abenden das Buch dann auch schon durch hat.

Stefanie Wir verlinken das noch mal, wo du das alles finden kannst, wo du es bestellen kannst und. Und damit es jetzt nicht nur Fakten sind und das Kinderbuch hat auch unsere Hörerin Amy noch etwas beigesteuert, das hörst du gleich. Und zwar ist es ihre subjektive Sichtweise, wie es ist, wenn du eine Jägerin oder ein Jäger in der Familie hast und wie sie das sieht und wie sie bisher damit umgegangen ist.

Amy Hallo liebe Stefanie, hallo lieber Carsten. Ich freue mich sehr, dieses Mal direkter mit dabei zu sein. Ja, dann fange ich auch gleich schon mal an.

Also einleitend kann ich sagen, dass dieser Jägerideologie schon ziemlich starkes Dogma zugrunde liegt, so wie ich das erlebe, erlebt habe und erlebe. Also es wirkt so fast ein bisschen wie so eine festgefrorene Geisteshaltung. Und ich glaube auch, dass das halt eine Form der Sublimierung oder Kompensation von etwas ist, das irgendwann, irgendwo im Leben wahrscheinlich mal fehlte. Also das ist wahrscheinlich individuell und ich kann das natürlich nicht verallgemeinernd beurteilen.

Aus meinem familiären Umfeld, wie das Verhältnis zu Tieren so gehandhabt wurde, war das natürlich auch so ein Teil des Auslösers dessen, warum ich schon sehr früh Vegetarierin geworden bin, als Kind und dann halt eben irgendwann Veganerin und dann mal wieder zum Vegetarischen zurück usw. zwischendurch auch mich Omnivore ernährt habe, das war eine lange Zeit eine große Verunsicherung und ja, letzten Endes aber für mich einfach rausgefunden habe, dass mein ethisches Verständnis gar nicht anders sein kann als vegan. Ja.

Es gibt halt irgendwie so natürlich auch bei bei ner Jägerschaft so Glaubensgrundsätze, die so eigentlich dem Karnistischen gleichen, weil es ist es ist ja eigentlich auch nichts anderes als Karnismus. Und also da sind genauso diese Sätze eben ‚die Jagd ist notwendig, weil …‘, ‚die Jagd ist gut, weil …‘ usw. Also meistens ist es natürlich das Argument Population, Populationsregulierung und diese Glaubensgrundsätze, die bilden dann halt erst mal in der Familie natürlich auch so eine gemeinschaftliche Realität. Irgendwann wird das rausgetragen, dann bildet es eine gesellschaftliche Realität und die sind so eng verbunden irgendwie mit diesem ‚Mensch versus Tier‘, also ‚wir‘ und ‚sie‘. Und das ist ja dieser grundlegende Teil des Karnismus-Systems, weil wenn man nicht überzeugt von der Überlegenheit ist, dann funktioniert Karnismus nicht, dann würde sich das praktisch ja auf der Stelle auflösen.

In der persönlichen Beziehung, das war ja auch so deine Frage, Stefanie, da kann ich halt so sagen, dass ich schon noch so eine Linie ziehe zwischen Freundschaft und Familie. Weil ja, bei Freundschaft geht es glaube ich doch auch ein bisschen mehr um Aussuchen und entscheiden. Und es läuft auch eben auf natürlich viel freiwilligerer Basis. In die Familie wird man eben hineingeboren und dann hat dann automatisch so eine Verbindung. Höchstwahrscheinlich würde ich mich im privaten Bereich nicht dazu entscheiden, mit einem Jäger enger befreundet zu sein. Was jetzt nicht den Grundrespekt ausschließt, den ich erst mal für jeden Menschen habe. Aber ja, bei Familie ist es halt, die liebt man und egal, ob Sie sich jetzt dieser Liebe würdig erweisen oder ob Sie selbst eine besonders ausgeprägte Liebesfähigkeit haben oder ob sie sozial reflektiert sind, dieser dieser Bund ist eben da, ob man ihn haben will oder nicht.

Und natürlich ist es auch da eine Frage, wie man diese Beziehungen gestaltet und wo man die Grenzen setzt. Und natürlich gibt man so einen haltgebenden Familienbund auch nicht leichtfertig auf und Menschen, die man liebt, gibt man nicht leichtfertig auf. Und es gibt ja auch Gründe dafür, warum man sie liebt. Es ist ja auch nicht nur etwas von der Geburt Auferzwungenes oder so. Also mittlerweile kann ich sagen, bin ich mit meiner Familie eben auch gerne zusammen. Es ist auch nicht mehr so viel Familie übrig, aber es sind für mich auch eben einfach Menschen, die ich zum Teil auch eben wegen ihrer Eigenschaften liebe.

Und es ist halt eben immer wieder so ein Abwägen und immer wieder Geduld und Liebe und Nachsicht und Grenzsetzung und für sich dieses Ausloten halt einfach. Wie viel halte ich aus und. Ich spreche es von mir aus nicht so an, das Thema Jagd und wenn, dann ist es meistens direkt auch von meinem Verwandten selbst. Und also zum Beispiel beim gemeinsamen Essen, das ist ja sowieso schon immer so diese Plattform für ethische Gespräche, schon allein durch meine vegane Ernährung. Und wir kennen das ja auch von uns selbst alle, dass eigene Konflikte immer so zu Diskussionen anreizen, wenn man etwas Ungeklärtes in sich hat, wenn man ungeklärte Fragen hat und sieht, irgendjemand anderes geht da ganz anders mit um und vielleicht auch auf eine seltsame Art und Weise bestimmt, und wo kommt das her. Und so und das bietet halt dann oft auch, ähm ja, das hat halt eben Konfliktpotential.

Und dann während solcher Gespräche spulen sich dann eben auch oft diese Dogmen ab, teilweise so ein bisschen wie vom Tonband. Also warum eben Jagen gut und notwendig ist. Aber die häufigste Form in der es an mich herangetragen wird, ist eigentlich Relativierung in Form von Vergleichen. Also zum Beispiel jetzt, weiß ich nicht, wir laufen da jetzt durch diese Böschung, und wenn du jetzt aber jetzt da durch läufst, dann machst du ja auch ganz viele Insekten tot und ganz viele Mikroben tot, und du kannst ja das Leid eh nicht verhindern, also ... Wo dann halt der Satz auch abbricht, weil die Botschaft dann ist, also dass es dann halt keine offene Kommunikation mehr. Da kommt dann halt nicht die Folge. So, du kannst mich ja nicht beschuldigen, weil du eben auch. Sondern äh das soll man sich dann denken, den Teil. Und ähm ja, also das ist dann halt so dieses ‚Du kannst mich ja nicht beschuldigen, dass ich Tiere umbringe, weil du machst das ja auch‘.

Und dabei wird natürlich auch dieser Teil mit dem Leid total dissoziiert, sozusagen. Also, es besteht dann wirklich kein Unterschied mehr zwischen einer Mutterkuh, der das Kälbchen weggenommen wird und einem Salatkopf oder einem Schwein, das seine eigenen Babys erdrückt und einer Mikrobe oder so. Also diese Dimensionen, die sind dann so völlig gar nicht existent. Also es ist auch teilweise echt interessant mit was dann also was da so ausgeblendet wird und was da so gar nicht thematisiert wird.

Und es hat wirklich sehr, sehr lange gedauert, bis ich das nicht mehr persönlich genommen habe. Also es war echt ein ganz schön schwieriger Prozess, aber mittlerweile habe ich da tatsächlich auch ein anderes Licht so drauf, dass ich merke, er rechtfertigt es jetzt gerade vor sich selbst und es hat mit mir eigentlich gerade gar nichts zu tun. Er merkt nicht oder ignoriert auch, dass ich bei meiner Ethik, bei meiner ethischen Einstellung bleibe. Und was ich dabei fühle oder so, ist in dem Moment eigentlich auch irrelevant.

Auch diese Verbindung zwischen Ethik und emotionaler Reaktion, diese Verbindung wird gar nicht hergestellt. Also da findet in der Stelle kein empathischer Austausch statt. Häufig. Ich will jetzt nicht behaupten, dass es immer und überall so sein muss, aber es ist oft so. Und ansonsten reagiere ich halt eben auch da nicht so stark auf sein Interesse, auf die Praktik des Jagens. Und bekomm das dann so mehr oder weniger am Rande mal mit das so, jetzt ist er halt zur Jagd. Aber meistens ist, dass die Weiden repariert werden müssen, weil ja die Population der Wildschweine in den letzten Jahren so explosionsartig zugenommen hat, durch die starke Bejagung, was ja jetzt mittlerweile auch schon wirklich durch einige Studien belegt ist. Ich habe dazu auch neulich erst so eine Langzeitstudie entdeckt, die ist 2009 schon veröffentlicht worden. Das war so eine Wissenschaftlerin, Sabrina Savanty heißt die, ich weiß nicht, ob ich die richtig ausspreche. Und die hat das erforscht, also über Langzeit praktisch nachgewiesen, dass die Bejagung die Fruchtbarkeit stimuliert und dass halt eben ja auch alle Altersklassen geschossen werden und dadurch dann eben diese chaotischen Rangverhältnisse entstehen und auch zur Vermehrung unter den Jungtieren führen, weil halt die älteren Tiere gerade die Leitbachen, die sind dann halt nicht mehr da, um zu sagen ‚so nee, Kinderchen, das lässt alles da jetzt mal schön bleiben‘. Es ist ja auch nicht so ganz menschenunähnlich, wenn man es genauer betrachtet. Ja, aber das ist halt eben so.

Die Schwierigkeit daran ist, dass dieses ganze Jagdsystem eigentlich auf einem Märchen aufbaut, diesem Märchen vom Jäger, der die Natur und die Tiere so liebt, dass er sie durch Tötung vor sich selber schützen muss. Was natürlich wirklich ein Gute Nacht-Märchen für kleine Kinder ist. Obwohl ja eigentlich ein ziemliches Gruselmärchen. Aber das Problem ist halt eben auch, dass die das auch von der Politik mit gestützt wird, also vom gesamten Gesellschaftsapparat gestützt wird und es einfach zu wenig Gegenstimmen gibt. Es gibt sie, aber sie sind leider einfach, ja, kommen da nicht an gegen ähm weiß ich 400.000 Hobbyjäger und und politischer Stützung.

Ja, also, ich muss mir selbst, jetzt, um zurück zu diesem persönlichen Aspekt zu kommen, ich muss mir selbst immer wieder zurückrufen, da ist eben nicht nur der Jäger, da ist nicht nur das Problem, nicht nur die Kindheitsprägung oder psychische Probleme oder das. Da ist auch der Teil, der sehr menschlich ist. Und manchmal beschleicht mich so das Gefühl, ich verdränge es ehrlich gesagt ein bisschen, dass durch, nur durch diese Sublimierung manchmal erst, das überhaupt möglich ist, dass sich der der gute Mensch entwickelt oder der gute Teil der Persönlichkeit entwickelt, weil dem anderen Teil vielleicht dafür kein Platz gegeben wurde. Und dann wird es halt so ausgedrückt oder so ausgetragen. Ja, ich darf dabei meine Menschlichkeit eben nicht vergessen. Es ist nicht leicht. Gerade weil ich weiß, dass diese Seite auch nie, eigentlich gar keine Chance hat, gesehen zu werden. Das, dass es für mich nicht so ist, dass da irgendwelche Geweihe, Trophäen oder eine gute Tat an der Wand hängt, sondern dass es Köpfe sind, Köpfe von Individuen, die leben wollten und das ist für mich ziemlich schlimm ist und ich wirklich einfach keine Chance darauf habe, dass das gesehen wird.

Ja, also, es ist und bleibt schwer. Definitiv. Kann man nicht anders sagen. Es ist halt eben dann auch eine Frage der Selbstfürsorge, denke ich, zu schauen halt irgendwie, ja, womit komme ich klar und wo ist meine Grenze und wenn die Grenze erreicht ist, dann ziehe ich mich dann auch eben raus.

Ja, das war soweit glaube ich, alles, was ich dazu beitragen konnte. Ich hoffe, dass das irgendwie ein bisschen Einblick gegeben hat für Menschen, die jetzt gar keinen Kontakt dazu haben. Aber ja. Ich denke da kann man noch viel sich drüber austauschen und das ist auch gut, wenn man da die Möglichkeit hat, gemeinsam drüber zu sprechen. Ja und für diese Chance bedanke ich mich ganz doll bei euch beiden und ich bin total gespannt, wie es weitergeht und ich freue mich. Also dann bis bald. Tschüss!

Stefanie Das war jetzt Amy mit ihrer persönlichen Sichtweise und ich denke, das hat es wirklich super abgerundet. Dadurch haben wir jetzt die Jagd von allen Seiten beleuchtet und wenn du noch irgendwelche Fragen hast oder Anmerkungen, dann schreib uns gerne eine Email an, post [at] vonherzenvegan.de. Sowieso verlinken wir alles zur Jagd, all unsere Materialien in den Shownotes. Du findest da also alles wieder. Und dann möchte ich diese Folge auch nicht beenden, ohne mich bei all unseren treuen Steady Unterstützern und Unterstützerinnen zu bedanken. Ganz, ganz herzlichen Dank.

Carsten Wieder einmal ganz, ganz, ganz herzlichen Dank auch von meiner Seite. Ja, und in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und bis zum nächsten Mal.

Stefanie Nun muss ich diese doch sehr lange Folge noch ergänzen durch ein Richtigstellung, denn unsere Hörerin Mareike hat ganz richtig angemerkt, dass der Part betreffend dem Erschießen von Haustieren nicht ganz so stimmt. Denn das Bundesjagdgesetz besagt, dass in befriedeten Bezirken nicht gejagt werden darf. Nach §6 Bundesjagdgesetz, und die Länder erlassen Landesjagdgesetze. Und in dem für Schleswig Holstein zum Beispiel zählen zu befriedeten Bezirken unter anderem Gebäude, eingegrenzte Hofräume und Hausgärten, öffentliche Parkanlagen, Sport und Spielplätze, Friedhöfe, Kleingartenanlagen, Tiergehege, Bundesautobahnen nach §4 Landesjagdgesetz.

Darüber hinaus dürfen nur wildernde Hunde und Katzen getötet werden, das heißt Hunde, die im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkungen der sie führenden Personen sichtbar wild verfolgen oder reißen, und Katzen, die im Jagdbezirk weiter als 200 Meter vom nächsten Hause angetroffen werden. Ausgenommen sind außerdem als solche erkennbare Hirten-, Jagd-, Blinden-, Behinderten-, Begleitzug-, Rettungs- und Diensthunde, §21 Landesjagdgesetz.

Bei Katzen ist das Wildern nach oben genannter Definition in ländlichen Gegenden natürlich relativ schnell erfüllt, aber im Garten und über den Zaun hinweg darf ein Jäger eine Katze nicht erschießen. Auf der Seite von Zwangsbewegung-ade.de steht auch ganz klar: sind sie Eigentümer eines Grundstückes, das gegen Ihren Willen bejagt wird. Sie können davon ausgehen, dass die Jagd auf Ihrem Grund und Boden ausgeübt wird, sofern Ihre Wiese, Ihr Feld oder Waldgrundstück außerhalb der Ortschaft liegen und nicht befriedet sind. Sie sind dann zwangsweise Mitglied in einer sogenannten Jagdgenossenschaft und müssen dulden, dass bewaffnete Jäger ihr Grundstück betreten, dort Schießtürme errichten, Fallen aufstellen, Futterstellen anlegen, Gesellschaftsjagden abhalten und Wildtiere sowie Katzen und Hunde töten. Das heißt also, die Zwangsbejagung bezieht sich tatsächlich nur auf Grundstücke außerhalb der Ortschaft. Wie es genau im Einzelnen Bundesland gehandhabt ist, das müsstest du selbst einmal nachlesen.

Und dann ist es natürlich auch wieder heikel. Erkennbare Hirten-, Jagd-, Blinden-, Behinderten-, Begleit-, Such-, Rettungs- und Diensthunde, da kann natürlich immer wieder gesagt werden ‚Ja okay, habe ich nicht erkannt, habe ich aus Versehen erschossen.‘ Wenn Jäger schon Pferde oder Ponys erschießen, Menschen erschießen und dann werden sie durchaus auch bei der Unterscheidung von Hunden nicht immer so klar sein. Also das nur als Richtigstellung, da hat Mareike uns darauf aufmerksam gemacht, dass das so nicht stimmt, wie ich das geschildert habe, dass also alle Grundstücke betroffen sind, sondern es sind tatsächlich nur die Grundstücke betroffen, die außerhalb einer Ortschaft liegen und die unbefriedet sind.

Slow Travel - die Kunst des Reisens

Ein Beitrag

Folge 174 - Slow Travel - die Kunst des Reisens

Langsam reisen ist gut für die Umwelt- aber auch für die Nerven?

Als Jugendliche hatte ich eine Fernbeziehung und bin in Ermangelung eines Führerscheins viel mit der Bahn unterwegs gewesen.

Für eine Strecke, für die ich mit dem Auto 3 Stunden brauchte, musste ich mit der Bahn mindestens 6 Stunden zurücklegen, was die sowieso schon viel zu kurzen Wochenenden noch mehr verkürzte.

Nicht selten verspätete sich mein Zug und ich verpasste den Anschlusszug, so dass sich meine Bahnfahrt spontan um 3 weitere Stunden verlängerte. Manchmal verbrachte ich mehr Zeit im Zug, als mit meinem Freund.

Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie sehr ich meinen Führerschein und ein eigenes Auto herbeisehnte. Als es soweit war, schwor ich mir nie wieder Bahn zu fahren.

Heute, viele, viele Jahre später, habe ich meinen Schwur gebrochen und fahre dem Klima zuliebe mit der Bahn. Bisher eher widerwillig, weil sich seit meinen Teenagererlebnissen nicht viel bei der Bahn verändert hat, aber seit neuestem voller Überzeugung.

Auslöser für meinen Sinneswandel ist das Buch "Slow Travel - Die Kunst des Reisens" von Dan Kieran, das wir in dieser Folge rezensieren.

Ich habe es Seite für Seite verschlungen und es hat mich mit dem langsamen Reisen versöhnt. Hör doch gleich einmal rein.

Links zur Folge

Buch "Slow Travel - Die Kunst des Reisens" von Dan Kieran
https://www.buch7.de/store/product_details/1022438572

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Birgit G.)

Stefanie In dieser Folge sprechen wir mal wieder über ein Buch und zwar über „Slow Travel – Die Kunst des Reisens“ von Dan Kieran. Er wird K-i-e-r-a-n geschrieben und ist ein Brite.

Carsten Kieran. Er möge uns korrigieren, falls er das hört.

Stefanie Ich befürchte, er wird es nicht hören. (lacht) Genau das Buch habe ich. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin. Irgendwie hat es den Weg zu mir gefunden. Und ich bin total froh, dass ich es gelesen habe. Carsten und ich haben das beide gelesen, weswegen wir jetzt unsere Erlebnisse mit diesem Buch abgleichen können. Für mich ist das die Antwort auf meine lange Frage, wollte ich schon sagen, auf meine lange Suche. Nämlich die Suche danach, wie ich mich jetzt mit diesem langsamen Reisen, was wir ja freiwillig machen, anfreunden kann. Da hatten wir ja schon mal in der vorangegangenen Folge – schon ein bisschen länger her – übers langsame Reisen gesprochen und dass wir bewusst aufs Auto verzichten und versuchen, die Strecken mit der Bahn zurückzulegen. Und dadurch sich die Strecken naturgemäß häufig verdoppeln, also in der Zeit verdoppeln und wir viel Zeit dann in der Bahn verbringen und ich mich damit noch nicht so recht anfreunden konnte mit dieser Zeit in der Bahn. Und dieses Buch hat mich jetzt mit dieser Zeit versöhnt.

Carsten Die Zeit haben wir damals ja als Zwischenmomente gekennzeichnet, die natürlich in irgendeiner Art und Weise näher zu füllen ist. Also dieser Drang ist ja da. Was machst du dann mit diesen Stunden, die du jetzt auf einmal zur Verfügung hast, wo du dich nicht auf den Verkehr konzentrieren muss, sondern wo du eigentlich nur in der Bahn sitzt und überlegen musst: Was machst du jetzt eigentlich? Und ich muss sagen, da hat das Buch tatsächlich Inspirationen geliefert, die aber ein bisschen unerwarteter waren. Also das, was das Buch tatsächlich geboten hat, war eigentlich ein Reisebericht. Es geht nicht einfach nur um eine thematische Abhandlung „was heißt jetzt langsam reisen?“, sondern das ist eigentlich ein Reisebericht.

Stefanie Ja, es ist ein Reisebericht. Es geht auch um die Psychologie des Reisens. Also es geht stark in die Hintergründe rein und auch die Art und Weise des Reisens. Und der Autor sagt an einer Stelle, dass er dieses langsame Reisen schon länger praktiziert und dass das mal mehr boomt und mal weniger und meistens aus Gründen der Nachhaltigkeit. Und er macht das aber gar nicht aus Gründen der Nachhaltigkeit, sondern tatsächlich, weil er Flugangst hat und weil er das so für sich entdeckt hat, dass es ihm Spaß macht und dass es ihm etwas gibt. Also es ist etwas, was er eigentlich für sich macht und nicht für die Umwelt.

Carsten Er ist auch Ratschlägen nicht gefolgt, wo im Bekanntenkreis die Leute natürlich versucht haben, ihm zu erklären, dann stell dich doch deiner Flugangst, es gibt ja Therapien und was weiß ich nicht noch alles oder Medikamente. Aber dann kannst du halt fliegen. Und das wollte er gar nicht. Er hat dann eben ganz bewusst gesagt: Nein, wenn ich das habe, Flugangst, dann ist dem so und dann komme ich halt anders zum Ziel. Was dann eben … und das sind dieser … ja eigentlich sind es Reiseberichte … Ich muss mich korrigieren, das ist nicht ein Reisebericht, sondern er erzählt über die Art und Weise, wie er in der Vergangenheit gereist ist, was für Erlebnisse er dort gehabt hat, um den Leser auch teilhaben zu lassen, dass Reisen an sich eben auch ein Erlebnis darstellen kann und nicht einfach nur das von A-nach-B-Kommen sein muss. Und wie gesagt, das macht er heute auch noch. Aber die Anekdoten, die er erzählt, die sind sehr belustigend, aber auch sehr interessant, dass er eine Anekdote einstreute, wo er zu einer Hochzeit eines guten Freundes musste. Die Hochzeit fand aber in Polen statt. Er selber lebt in der Nähe von London und er war der einzige der eingeladenen ausländischen Gäste, der nicht geflogen ist, während alle anderen mal eben kurz von Flughafen zu Flughafen innerhalb von zwei Stunden die Wegstrecke hinter sich gebracht haben, hat er dann die komplette Strecke per Bahn überbrückt und natürlich ein bisschen mehr als zwei Stunden gebraucht.

Stefanie Und er erzählt von verschiedenen solcher Reisen, verschiedenen Arten. Er geht in diesem Buch auch auf die verschiedenen Einwände ein, die man so haben kann, wenn man hört, andere reisen langsam. Warum das für einen nichts ist, zum Beispiel, dass er keine Zeit dafür hat, andere, um jetzt irgendwie zwei Monate durch die Gegend zu gondeln, um irgendwohin und wieder zurückzukommen. Dass die meisten dafür keine Zeit haben oder auch nur einen Monat, weil eben der Jahresurlaub einfach nicht einen Monat hergibt. Und er fängt auch damit an, dass er erzählt, dass er an einem Tag einfach seine Gegend erkundet hat. Und das fand ich so schön, weil das genau das ist, was ich auch immer mache. Carsten und ich sind ja schon öfter umgezogen und bevor ich Carsten kennengelernt habe, bin ich auch schon öfter umgezogen. Und was ich immer gemacht habe, wenn ich irgendwo neu hingezogen bin, ist, dass ich erstmal meine Gegend erkundet habe und mich aufs Fahrrad geschwungen habe und mir alles angeschaut habe und wirklich alles erkundet habe. Oder ich bin dann zu Fuß unterwegs gewesen. Ich weiß noch, als ich gerade in der Phase war, dass ich mein Diplom gemacht habe, hatte ich eben neben meinem Diplomarbeitschreiben viel Zeit und habe dann die Zeit damit verbracht – damals war ich im Ruhrgebiet – das Ruhrgebiet zu erkunden. Da gibt es für mich so eine ganz tolle Route der Industriekultur und da gibt es ganz, ganz viele Dinge zu entdecken. Damals hatte ich noch einen Hund und dann bin ich mit dem Hund zusammen losgezogen und wir haben ganz viele tolle Sachen gemacht zusammen. Wir haben uns Museen angeguckt und überall waren auch Hunde willkommen. Und das war alles total klasse und das ist auch so was, was mich eben dann dazu inspiriert hat, „Hamburg vegan erkunden“ zu gründen. Und da habe ich mich total wiedergefunden in dem Buch. Wo ich dann gedacht habe, ja, das ist genau das, das ist genau das, was Spaß macht, du musst nicht irgendwie irgendwo in einen anderen Erdteil fliegen, um irgendwie Urlaub zu machen oder um was Spannendes zu entdecken oder um einfach mal rauszukommen aus dem Alltagsgeschehen, sondern du kannst es vor der Haustür entdecken.

Carsten Ja, und die Anekdote da, wo er tatsächlich sein Umland erkundet hatte, das war auf einen Tag konzentriert. Er hatte, glaube ich, am nächsten Tag noch irgendwie einen Termin, den er wahrnehmen musste und deswegen wusste er, ich habe nur diesen einen Tag zur Verfügung, möchte aber jetzt mal so ein Stück erkunden, wo ich, obwohl ich hier schon lange lebe, noch nie gewesen bin. Und das war ein Tagesausflug, der kurz zusammengefasst so ein bisschen durchs Dickicht geführt hat. Er hatte versucht, irgendwie so einen ganz alten Römerpfad oder so was, einer Römerstraße zu folgen, die aber gar nicht mehr existierte, was er aber auch dann erst tagsüber festgestellt hat, als er eigentlich an der Stelle ankam, wo laut seiner uralten Karte dann die Straße hätte gewesen sein sollen. Und er berichtet, dass er dann den Tag damit zugebracht hat, sich Wege durch ein Gelände zu bahnen, was eigentlich gar nicht für Verkehr oder auch für Wandersleute gedacht war, was aber für sich schon Abenteuercharakter hatte. Und er schlussendlich irgendwie eine Wegstrecke zu Fuß zurückgelegt hat und da auch wirklich den kompletten Tag gebraucht hat, wo er sagte mit Auto irgendwie zehn bis zwanzig Minuten gebraucht hätte und das aber eben auch genossen hat, diese Zeit. Das war für ihn einfach mal ein komplettes Rauskommen aus dem Alltag, ein Abschalten und Versinken in die Natur, in das Erkunden der Landschaft, um Strukturen wahrzunehmen, um Landschaften wahrzunehmen, aber auch um Gedanken mal wahrzunehmen und denken zu können, wo eigentlich die Möglichkeit fehlt, wenn man wirklich die gleiche Strecke parallel mit dem Auto zurücklegt.

Stefanie Der Autor unterscheidet auch darin, dass er sagt, es gibt das Reisen und dass die meisten von uns heute gar nicht mehr reisen, sondern einfach nur noch ankommen, dass sie quasi durch das Fliegen zu Frachtgut werden. Und er beschreibt es in seinen verschiedenen Geschichten, dass er sagt, dass man ja von einem identisch ausgestatteten Flughafen zu einem identisch ausgestatteten Flughafen gebracht wird, wo alles immer irgendwie gleich aussieht. Und seine Art zu reisen, also das langsame Reisen, vielleicht auch das umständlichere Reisen, das macht etwas mit ihm und der Flug macht eben nichts mit einem, weil man einfach nur von einem Ort zum anderen verfrachtet wird. Und er erkundet auf seinen Reisen auch ganz viel seine Psyche und lernt ganz viel über sich selbst und lernt vor allem auch ganz viele unterschiedliche Menschen kennen. Und für ihn beginnt eigentlich das Abenteuer dann, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, also wenn seine Planung nicht funktioniert. Also das ist für ihn dann so, dass wo er irgendwie aufatmet und merkt, okay, er lebt und er ist im Hier und Jetzt. Das ist Reisen für ihn tatsächlich.

Carsten Ja, also der Weg ist Teil des Ziels. Also es ist nicht so, dass der Weg das Ziel ist, sondern er rechnet das schon mit ein, dass er diese längeren Strecken als Teil des Urlaubs ansieht. Also dementsprechend richtet er sich auch darauf ein, wenn er jetzt mit dem Zug fährt, längere Strecken, dass er dann auch Nachtzüge nimmt, wo er dann einfach sehr beruhigt und und ausgeruht die längere Wegstrecke zurücklegen kann, da schlafen kann, eine gute Verpflegung hat und durchaus Abteile hat, wo er einfach im Vorfeld nicht weiß, welche Personen sind denn da noch, die mich da auf dieser Reise begleiten und mit wem komme ich da ins Gespräch? Wen lerne ich kennen, was für Kulturen etc. Und das ist so, er hat ja auch diese Offenheit, genau das dann kennenzulernen. Das ist ja, wenn ich mir die gleiche Strecke jetzt mit dem Flugzeug vorstellen würde, also direktes Interesse an den Sitznachbarn oder den Leuten, die vor oder hinter einem sitzen, gibt es ja so seltenst bis gar nicht. Und das ist natürlich bei einer längeren Zugreise was ganz anderes.

Stefanie Er beschreibt es auch bei Städten, die er eben so besser kennenlernt, wenn er sie erwandert oder mit Bussen erfährt, als wenn er das U-Bahn-Netz oder in unserem Fall in Hamburg ist es auch das S-Bahn-Netz nutzt, also alles, was so untergrundmäßig fährt. Und wenn er eben die Stadt oberhalb erkundet, dass er dann in seinem Kopf einen Stadtplan erstellen kann und dann besser weiß, wo was ist. Und das habe ich tatsächlich auch schon von anderen Menschen gehört, mit denen ich darüber gesprochen habe, dass ich halt viel mit dem Fahrrad erkunde und die eigentlich immer nur mit der U Bahn unterwegs sind und dann, wenn sie mit mir mal mit dem Fahrrad unterwegs waren, gemerkt haben, ach, das ist ja alles ganz nah. Da könnte ich eigentlich auch mit dem Fahrrad hinfahren oder zu Fuß hingehen und die einfach immer nur eben von U-Bahn zu U-Bahn usw. dann gelaufen sind und damit gefahren sind. Das ist tatsächlich eine Art zu reisen, die man wirklich auf seinen kompletten Alltag anwenden kann. Es ist quasi eine Lebenseinstellung. Es hat nicht nur was mit Urlaub zu tun.

Carsten Ja, und auch bei Reiseführern hat er eine klare Position. Er sagt, dass wenn er tatsächlich länder- oder städteübergreifend unterwegs ist, versucht er sich schon per Literatur auf die Station oder auch das Ziel einzulassen und da etwas zu zu lesen. Aber eben kein Reiseführer. Er möchte sich nicht bevormunden lassen, also möchte er dann tatsächlich die individuelle Freiheit haben, selbst zu entscheiden, spontan zu entscheiden, was möchte ich jetzt eigentlich, finde ich etwas gut, finde ich etwas nicht gut. Allerdings auch, weil er die Erfahrung gemacht hat, dass die Hotspots, die jetzt so als touristische Attraktion in diesen Reiseführern genannt werden, bei ihm im Grunde genommen eigentlich nur so ein schales Gefühl auslösen. Er hat ja so ein paar Beispiele gebracht, wie ein Erlebnis, wo er, obwohl er in London relativ häufig ist, eben auch Touristen beobachtet, die den Buckingham Palace anschauen und er einfach feststellt, die kommen in einer riesigen Erwartungshaltung da rein. Und jetzt werde ich mit dem Bus da hingefahren und gucke jetzt so einen geschichtsträchtigen Ort und einen der bekanntesten Orte der Welt und stehen dann da für ein paar Minuten und gehen dann mit einem leeren Gesicht wieder nach Hause und das warʼs dann. Also das ist dann ja kein Erlebnis mehr. Das ist einfach nur so ein Abhaken von so einer Checkliste. Das steht im Reiseführer, musste sehen, habe ich jetzt erledigt, ab zum nächsten Hotspot, vielleicht noch eben kurz ein Foto oder ein Selfie schießen als Beweis, dass ich auch da war. Und das ist für ihn ganz klar kein Reiseerlebnis. Da sagt er, okay, dann kann ich darauf verzichten und wirklich die Sachen anschauen, die mir persönlich was bringen. Da, wo ich Erlebnisse mit verbinden kann, die sich dann auch abspeichern, da, wo ich dann Jahre später noch dieses Erlebnis präsent habe, ohne dass ich jetzt Fotos machen muss. Und die Bücher, die er tatsächlich zurate zieht, das sind eigentlich mehr so Geschichten, also Romane, die vor Ort spielen, da, wo er dann vorher entweder fiktive Romane oder auch Bücher, die auf … als er Prag besucht hatte. Sagte, das bringt ihm viel mehr, weil er dann eine Verbundenheit zu diesem Ort spürt und auch Schauplätze wiedererkennt. Also er lernt die Stadt dadurch viel intensiver kennen, weil er eben auch durch diese Stadt geht. Und er hat dann vielleicht vorher schon gelesen, in der Straße ist das und das vorgefallen, hier sind die und die Figuren unterwegs gewesen. Das prägt sich bei ihm viel stärker ein. Es wirkt viel lebendiger, als wenn er jetzt irgendeinem roten Vorschlag eines Reiseführers folgen würde.

Stefanie Das habe ich sogar auch schon gemacht, dass ich „Altes Land“ gelesen habe und „Mit der Flut“ oder „Vor der Flut“?

Carsten „Mit der Flut“, glaube ich.

Stefanie „Mit der Flut“. Das eine spielt halt im Alten Land, das andere in Finkenwerder und in Amerika. Aber das war total spannend, das so zu lesen, wie die Protagonisten an Orten auftauchen, die in meiner unmittelbaren Umgebung sind und das dann auch zu erkunden und zu schauen, okay, ach, da ist er lang gegangen und ach, da hat er unterm Baum gelegen und da hat das gemacht und das, ach, da haben die sich getroffen und so war das und so. Mich fasziniert es immer ganz besonders zu schauen, wie sah das hier früher aus? Und jetzt, wo wir im Moment in Finkenwerder wohnen, dass Finkenwerder früher eine Insel war und das ist jetzt auch noch nicht ewig lange her. Aber das auch zu erkunden und die Geschichte zu erkunden und überhaupt einfach die Orte zu erkunden, an denen wir leben. Und natürlich generell kann man ja weitergehen und andere Orte erkunden, an denen man nicht lebt, das ist klar. Aber ich finde auch gerade das spannend, die eigene Umgebung zu erkunden und das habe ich auch, wie gesagt auf meinen Touren schon ganz häufig erlebt, die meisten Aha-Erlebnisse waren von Menschen, die schon lange in Hamburg leben, die dann gesagt haben: Oh, hier war ich noch nie, das habe ich noch nie gesehen und so und ich wusste gar nicht und ach und oh und so. Ich bin ja keine gebürtige Hamburgerin, aber mir macht es halt Spaß, einfach hier alles zu erkunden und mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Und das ist auch was, was ich dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, mit ans Herz legen kann, wirklich deine Gegend zu erkunden, weil das ist auch was, was der Autor des Buches, der Dan Kieran, uns mitgibt, zu sagen: Geh einfach los. Das hat mich so ein bisschen an „Herr der Ringe“ und den „Hobbit“ erinnert. Also die Straße schreitet fort und fort, weg von der Türe. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Deine Reise kann damit beginnen, dass du einfach einen Schritt vor die Haustür machst. Damit beginnt deine Reise und du kannst dir überlegen, was für Tagestouren du machen könntest. Das ist sicherlich möglich, dass du einfach für einen Tag alleine auf Wanderschaft gehst oder eine Radtour machst oder so und dir vornimmst, wirklich deine Gegend zu erkunden und der Dan Kieran bevorzugt es ja, zu Fuß zu gehen. Auf jeden Fall. Und auch er sagt, am besten ist das langsame Reisen alleine. Jetzt sind wir ja nicht alle alleine, also mit Familie und so. Er ist selbst ist auch Vater und beschreibt auch Reisen, die er mit seinen kleinen Kindern gemacht hat. Ich glaube, bei dem einen war es erst ein Kind und ich meine, er hat mittlerweile zwei. Also was er jetzt hat, weiß ich nicht, aber das stand zumindest auf dem Buchumschlag des Buches von 2014. Vielleicht hat er mittlerweile drei, vier, fünf Kinder, wer weiß das schon. Auf jeden Fall ist er auch Vater und er hat sein Kind oder seine Kinder mit auf Reisen genommen und hat eben da gemerkt, dass das auch wunderbar funktioniert. Aber er sagt eben, dass, wenn du am meisten davon haben willst, wenn es dich also innerlich weiterbringen soll, dann ist das alleine Reisen tatsächlich das, was den Geist öffnet.

Carsten Ja, was mir dieses Buch persönlich noch gebracht hat, also unabhängig von diesen Reiseberichten und Anekdoten, die er sehr schön erzählt hat, war ein Aspekt, der mir bei den letzten Büchern, die ich davor gelesen habe, auch immer wieder hochgekommen ist in unterschiedlichen Facetten. Und zwar, ja, eigentlich geht es dort um Achtsamkeit. Also er spricht das jetzt nicht so offen aus, aber im Grunde genommen geht es darum, achtsam zu reisen, im Hier und Jetzt zu sein, auch wirklich die Gegenwart zu spüren und das tatsächliche aktuelle Erlebnis nicht da, wo ich mal schnell hin möchte oder das Ziel erreichen, den Ort dieses Erlebnisses, sondern tatsächlich das, was jetzt im Moment stattfindet. Und das ist bei mir irgendwo mit dem Begriff Achtsamkeit ganz gut hängengeblieben. Und interessanterweise habe ich vorher Bücher gelesen zum Thema digitaler Minimalismus oder Muße. Und ich habe dann, als ich direkt im Anschluss das Buch „Slow Travel“ gelesen habe, gedacht, meine Güte, was ist das denn jetzt? Irgendwie ist das wie so eine rote Linie, der digitale Minimalismus, der versucht den Umgang mit den digitalen Medien zu minimieren, so dass man achtsamer ist, dass man mehr Muße entwickelt, dass man mehr im Hier und Jetzt ist. Ein Buch über Muße. Klar, muss ich wahrscheinlich nicht weiter erzählen. Geht genau dahin, einfach die Aktivitäten im Alltag auch dahin zu steuern, dass man sich nicht mehr fremdgesteuert vorkommt, sondern mehr bei sich selbst ist. So, und dann kommt das Buch „Slow Travel“ also wirklich direkt so in dieser Reihenfolge in mein Leben und erzählt mir dann achtsam leben, langsam reisen und im Hier und Jetzt. Und ich finde das total spannend, dass das jetzt gerade so konzentriert bei mir zu einem bestimmten Zeitpunkt konsistent daherkommt und alles in die gleiche Richtung geht. Es sind Personen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln unterschiedliche Themen behandeln. Aber ja, kombiniert lässt sich alles darauf zurückführen. Nimm deine Umgebung wahr, nimm deinen Alltag wahr und versuche jetzt nicht irgendwie in der Zukunft oder an fernen Orten dein Glück zu suchen, sondern das findet tatsächlich hier und jetzt statt und es ist Erleben. Oder das Erlebnis kannst du heute haben und es ist erlebenswert.

Stefanie Ja, das ist ja auch genau das, was ich jetzt schon die ganze Zeit immer denke. Wir müssen nicht unbedingt irgendwie nach Mauritius fliegen oder wohin auch immer. Auch Deutschland hat schöne Ecken und auch überall, wo man mit dem Zug hinkommt, gibt es schöne Ecken und auch vor deiner Haustür wirst du irgendwo schöne Ecken finden. Und noch mal so als kleinen Ausflug, sozusagen als kleinen Ausflug hier im Podcast: Es ist natürlich auch sinnvoll, wenn du dir Orte suchst in deiner Umgebung, die du leicht aufsuchen kannst, an denen du Ruhe findest und das, um Kraft zu schöpfen. Einfach in deinem Alltag, weil du als Veganerin oder als Veganer immer wieder in solche Situationen gerätst, wo du ganz viel Energie verbrauchst. Und dann macht es Sinn, solche Orte zu finden und solche Orte zu haben und zu wissen, wo du hingehen kannst. Und das kannst du natürlich wunderbar damit verbinden, dass du sagst: Okay, ich erkunde jetzt meine Umgebung und guck mal, ob ich nicht vielleicht noch mehr solche Kraftorte finde, an denen ich wieder zu mir kommen, an denen ich Energie tanken kann. Und das finde ich halt so schön. Und dieses Buch war wirklich genau das, was ich gebraucht habe, um mich jetzt mit diesem langsamen Reisen zu versöhnen und einen Sinn drin zu finden und zu merken, okay, ja, genau, es ist genau das, was wir brauchen und das gehört dazu. Also wir kennen das jetzt schon so, ausgelutschter Weg ist das Ziel. Aber die Reise beginnt mit dem ersten Schritt aus der Haustür raus und das ist der Anfang vom Reisen und auch vom Urlaub. Und es gehört alles zusammen und nicht erst, wenn du an dem Urlaubsort bist, an den du dann …

Carsten … den Reisestress erst mal abschütteln musst, erstmal dich akklimatisieren musst, im schlimmsten Fall in einem Umfeld landest, was für Touristen gemacht ist, sich inhaltlich weder kulinarisch noch irgendwie sprachlich oder anderswo von dem Ort unterscheidet, von dem du gestartet bist. Vielleicht der Ausblick anders, ja, aber wenn ich die ganze Zeit in einem Hotel bin oder so, dann werde ich wahrscheinlich weniger von den landestypischen Einzelheiten und Details kennenlernen, als wenn ich tatsächlich sage, ich verzichte auf dieses strukturierte, vorbereitete Reisen. Und ich lasse das jetzt einfach mal so ein bisschen spontan angehen und auch vielleicht mal planlos.

Stefanie Ja, wobei der Dan Kieran auch selber schreibt oder es zumindest in seiner Beschreibung zu lesen, dass er auch nichts gegen Centerparks zum Beispiel hat als Familienvater. Also solche vorstrukturierten Reisemöglichkeiten findet er auch gut, aber nur als Ergänzung. Es kommt halt drauf an, was du möchtest. Wenn du einfach mal überhaupt nur an nichts mehr denken willst und dich auch nicht irgendwie weiterentwickeln willst oder einfach nur abschalten möchtest, sozusagen auf die Pausetaste drücken, dann ist so was natürlich auch gut. Vor allem für Familien. Wenn da alles schon so vorgefertigt ist und du dich um nichts mehr kümmern musst. Aber für ihn ist das kein Reisen. Also das richtige Reisen ist für ihn das, was wir jetzt vorher schon beschrieben haben. Und ich möchte jetzt einfach noch mal kurz erzählen, wie er das Buch strukturiert hat und dazu die einzelnen Kapitel, einmal die Überschriften vorlesen. Und zwar das erste Kapitel heißt „Reise nicht nur, um anzukommen“. Das zweite heißt „Bleib zu Hause“. Das dritte „Sei dein eigener Reiseführer“. Das vierte „Heiße Katastrophen willkommen“. Dazu schreibt er sehr viel über das, was alles schief geht bei seinen Reisen und wie sich dann eben doch alles zum Guten wendet. Oder dass in jeder Katastrophe irgendwie dann auch was Schönes steckt. „Folge deinem Instinkt, verliere den Kopf und sei abenteuerlustig“. Und das ist auch wirklich was, was ich total unterschreiben kann. Wie geht es dir damit, Carsten?

Carsten Ja, ich muss sagen, ich fand das Buch inhaltlich sehr, sehr schön, weil auch eine Passage mein Lieblingsland Schottland so umriss. (Stefanie: Nur deswegen fandest du das schön. [lacht]) Nur deswegen, absolut nur deswegen. Nee, zeitlich fand ich es recht spannend, weil das Buch jetzt natürlich bei uns auf dem Tisch liegt zu der allgemeinen Sommerurlaubszeit. Ja, und ich habe dann, nachdem ich das Buch gelesen habe oder auch während ich da noch noch nicht ganz fertig war, in der einen oder anderen Mittagspause natürlich so über die Urlaubswünsche, Urlaubspläne oder vielleicht auch schon erlebten Urlaubserlebnisse meiner Arbeitskolleginnen und -kollegen gehört .Und ja, musste dann teilweise für mich zumindest in mich hinein schmunzeln, weil ich jetzt quasi in Form dieses Buches das konkrete Gegenstück lese. Und mir ist bewusst geworden, dass es, auch wenn die Kolleginnen und Kollegen das vielleicht gar nicht so wollen, aber ich habe das empfunden wie so eine Art Wettstreit. Also wenn du nicht irgendwie ein bestimmtes Urlaubserlebnis hast, was nicht irgendwo noch mit ner ... also mindestens ne Städtetour, also darunter geht irgendwie gar nichts. Aber eigentlich ist Fliegen schon völlig normal und je weiter weg du fliegen kannst, desto länger wird ja auch dein Urlaub sein. Ähm, ja, geschuldet dem Gedanken, dass wenn du jetzt schon am anderen Ende der Welt bist, dann willst du nicht die Hälfte des Urlaubssatzes für den Reiseweg zurückbringen. Er macht das ja ganz bewusst und wir stöhnen schon, wenn man irgendwie mal ein paar Stunden im Flieger sitzt und denkt, der Tag ist verloren. Aber auch dieses Wahrnehmen in den Gesprächen und für mich diesen Eindruck zu gewinnen, das ist ein Wettstreit. Also der muss am schönsten sein. Du musst den blauen Strand haben, du musst irgendwie ganz toll und es muss ganz entspannend sein. Also diese Superlative, das ist kein schöner Urlaub gewesen, ne.

Stefanie Am blauen Strand? Du meinst einen weißen Strand mit blauem Meer?

Carsten Und der blaue Himmel und das blaue Meer … genau stimmt. (lachen) Der weiße Strand ist halt sonnig, sonnig, warm. Bali. Also die Themen sind da gefallen und das fand ich einfach irgendwie sehr, sehr … ich musste schmunzeln. Ich fand es sehr belustigend, weil ich jetzt wie gesagt eben für mich wahrgenommen habe, es gibt Leute, die das nicht nur anders sehen, sondern auch anders leben. Und denen fühle ich mich tatsächlich mehr verbunden als den Arbeitskolleginnen und -kollegen, die dann halt um die Welt jetten, um dann für ein paar Tage entspannen zu können, um dann anschließend wahrscheinlich für den Rückweg wieder nicht gerade sehr entspannt zu Hause anzukommen und mit Sicherheit allein durch die Reisetätigkeit den einen oder anderen Nervenstrang dann wieder überstrapaziert haben.

Stefanie Und im Buch ist das Zitat „Der wahre Reisende hat keinen festgelegten Weg, noch will er an ein Ziel“– Tao Te King von Laotse – vorangestellt. Also ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen. Jedem. Egal ob du schon langsam reist oder nicht. Ich kann es dir wirklich empfehlen. Wie geht es dir damit?

Carsten Na, ich denke auch ohne Buch ist es sinnvoll, die Ratschläge zu befolgen, die ihr jetzt schon von uns ein bisschen gespoilert gehört habt.

Stefanie Aber wir haben jetzt bewusst nicht alle Geschichten erzählt, die in dem Buch erzählt werden, sonst macht es da keinen Sinn mehr, das zu lesen. Also es lohnt sich wirklich. Es ist auch wirklich schön geschrieben. Du wirst es auch relativ schnell durchlesen können und ich fand es total inspirierend.

Carsten Ja, du wirst auf alle Fälle feststellen, das Reisen, das Unterwegssein eben auch ein Abenteuer sein kann, aber zumindest auch etwas sein kann, was im positiven Sinne ein Erlebnis darstellt.

Stefanie Und es ist nicht nur für Menschen mit ganz viel Zeit geeignet, sondern eben auch für dich. Wenn du nicht viel Zeit hast, kannst du es trotzdem in deinen Alltag einbauen, weil es einfach eine Geisteshaltung ist. Also es ist eine Lebenseinstellung.

Carsten Genau. Und wir wollen auch diese Folge nicht beenden, ohne uns bei unseren …

Stefanie … treuen Steady-Unterstützern und -Unterstützerinnen zu bedanken, wolltest du sagen.

Carsten Genau. Und ein herzliches Dankeschön.

Stefanie Weil ich das immer sage, kann Carsten das nicht so gut.

Carsten Ja.

Stefanie Also vielen, vielen, vielen Dank, dass ihr uns so treu unterstützt. Das ist wirklich ganz, ganz viel wert. Dankeschön.

Carsten Dankeschön.

Stefanie Und wenn du uns gerne zuhörst und uns noch nicht über Steady unterstützt und das Gefühl hast, du möchtest etwas zurückgeben, dann überleg doch mal, ob du auch eine Mitgliedschaft abschließen möchtest. Über zwei, fünf Euro oder zehn Euro. Du findest alle Informationen dazu hier unter der Folge oder in den Shownotes. Und ich freue mich riesig, wenn du dich dafür entscheidest.

Carsten Und damit werden wir dann tatsächlich beim Ende angekommen. Bleibt mir nur noch zu sagen: In diesem Sinne …

Stefanie … in Hamburg, sagt man Tschüss …

Carsten … und auf Wiederhören.

Funktioniert Zirkus auch ohne Tiere?

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Folge 173 - Funktioniert Zirkus auch ohne Tiere?

In dieser Folge berichten wir Dir von unserem Besuch im Zirkus Roncalli, der nun ein komplett tierfreies Programm anbietet- dabei aber dann doch wieder nicht auf Tiere verzichtet.

Ein Widerspruch?

Nein, denn die Tiere, die Teil des Programms sind, sind virtuell, aus Stoff oder mechanisch.

Und ganz ehrlich: gefehlt haben die echten Tiere überhaupt nicht, dafür waren die Artisten und Artistinnen viel zu überzeugend und haben eine tolle Show geliefert mit ganz viel Abwechslung zwischen Akrobatik und Spaß oder beides kombiniert.

Es war ein rundum gelungenes Programm und am Ende waren wir uns einig: so sollte jedes Zirkusprogramm aussehen.

Links zur Folge

Der Movement Action Plan

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Folge 172 - Movement Action Plan nach Bill Moyer

In dieser Folge stelle ich Dir den Movement Action Plan nach Bill Moyer vor, der den zyklischen Ablauf einer sozialen Bewegung beschreibt.

Ich finde es sehr beruhigend, wenn ich weiß, dass ich mit einem Empfinden nicht ganz alleine bin und dieses 8-Phasen-Model nach Bill Moyer beschreibt sehr genau, wie sich soziale Bewegungen, wie z.B. die Tierrechtsbewegung entwickeln.

Es kommt eine Phase, in der Aktivistinnen und Aktivisten das Gefühl haben zu Scheitern und kurz vorm Burnout stehen, weil sie schon so viel Energie in die Bewegung investiert haben.

Gleichzeitig ist das aber genau die Phase, in der die Bewegung von der Gesellschaft immer mehr Anerkennung bekommt und sich auf dem Erfolgskurs befindet.

Wenn Du gerade das Gefühl hast Dein ganzer Aktivismus sei umsonst und Du nur noch schwarz siehst: hör Dir diese Folge an.

Vollständiges Transkript

Stefanie In der heutigen Folge möchte ich den Movement Action Plan von Bill Moyer vorstellen.

Carsten Der hat aber nichts mit dem Schlager-Move zu tun, oder?

Stefanie Ha, Ha, Ha… Haben wir jetzt alle mal gelacht. Ich bin auf diesen Movement Action Plan über das Buch Faironomics von Ilona und Marek gestoßen.

Carsten Gestolpert. Aufmerksam geworden.

Stefanie Genau. Mir fehlte das Wort. Gestoßen passte irgendwie nicht. Ich bin drauf gestoßen.

Carsten Hast du drüber gelesen.

Stefanie Ich habe aufgestoßen. Also jedenfalls lies das Buch, wenn du es noch nicht gelesen hast. Sehr dringende Leseempfehlung. Das Interview mit Ilona und Marek hast du ja bestimmt schon gehört. Wenn nicht, hörs dir an.

Carsten Das ersetzt aber nicht das Buch, sondern macht eher neugierig auf das Buch.

Stefanie Ja, natürlich ersetzt es nicht das Buch. Es ist keine Lesung.

Carsten Ich will hier keine falsche Vorstellung vermitteln.

Stefanie Genau. Also jedenfalls der Movement Action Plan, den fand ich es sehr interessant, weil wir das eigentlich gerade live erleben. Und zwar hat Bill Moyer gesagt, dass eine soziale Bewegung eigentlich immer acht Phasen unterliegt und in diesen Phasen gibt es verschiedenste Aktivitäten. Die erste Phase sind normale Zeiten, die zweite Versagen der Institutionen wird nachgewiesen. Die dritte Bedingungen Reifen. Vierte Bewegungsstart wird durch ein auslösendes Ereignis eingeleitet. Die fünfte Phase ist, es kommt zu Krisen und Misserfolgen. Die sechste: Trotzdem erfolgt parallel dazu schon eine massive öffentliche Unterstützung. Das heißt also, die sechste Phase läuft eigentlich parallel zur fünften Phase. Dann kommt die siebte Phase, der Erfolg stellt sich ein und die achte, der Kampf wird fortgesetzt. Er spricht hier von einem Kampf, weil es eben um Reformer·innen, Rebell·innen, Bürger·innen und Aktivist·innen für sozialen Wandel geht. Und diejenigen, vor allem die Rebell·innen, kämpfen, nachdem sie eine soziale Bewegung zum Erfolg gebracht haben, dann einfach für was anderes weiter.

Carsten Also ist das so, dass eigentlich so dieser Punkt, dass man wirklich vollständig gewonnen hat, vielleicht gar nicht erreicht ist, sondern dass man dann vielleicht ins Feintuning geht oder versucht das Errungene zu verfestigen oder…?

Stefanie Also es geht in zwei verschiedene Richtungen, das war in diesem Modell so eingezeichnet, die Rebell·innen, die suchen sich dann was anderes zum Weiterkämpfen und die Aktivist·innen für sozialen Wandel und die aktiven Bürger·innen, die versuchen dann die Bewegung im Alltag zu verfestigen. Also es geht dann in verschiedene Richtungen, aber es ist dann keine Bewegung mehr, sondern das ist Alltag und es ist Normalität geworden. Und so dreht sich das Rad dann sozusagen weiter. Die einen sorgen dafür, dass es wirklich Alltag wird und die anderen suchen sich was Neues zum Kämpfen.

Carsten In der veganen Bewegung geht es ja um das Mensch-Tier-Verhältnis, um einfach zu zeigen, dass ursprünglich die Person, die sich jetzt ethisch motiviert für eine vegane Lebensweise entschieden haben und dann Straßenaktivismus betrieben haben, dass die jetzt mittlerweile schon „so erfolgreich“ sind, dass da jetzt eine öffentliche Debatte stattfindet und diese Problemlage auch, ich sag jetzt mal im Mainstream, langsam ankommt und auch thematisiert wird.

Stefanie Genau. Und dieses Modell soll eben zeigen, welche Phasen die Bewegung, jetzt zum Beispiel auch die vegane Bewegung, durchläuft, bis sich eben was in der Gesellschaft grundlegend verändert. Und wir empfinden ja häufig das auch schon - also wir als Aktivist·innen, die wir eigentlich alle sind, weil wir vegan leben - wir empfinden häufig jetzt schon irgendwie das als Scheitern oder sind deprimiert. Wir kennen das ja alle, dass uns das runterzieht, dass irgendwie doch nicht alle das sehen. Und es geht doch alles immer so weiter. Aber es ist eigentlich schon im Mainstream angekommen. Das Bewusstsein ist schon da und das sehe ich jetzt immer häufiger.

Zum Beispiel jetzt ganz aktuell, wenn wir die Folge aufnehmen, hat das Miniatur Wunderland in Hamburg gerade eine Plakataktion in Knuffigen gestartet vom Tierschutzbund Knuffingen. Also wenn du das Miniatur Wunderland nicht kennst, dann musst du in Hamburg in die Speicherstadt gehen. Und das Miniatur Wunderland besteht aus ganz vielen kleinen Ländern, die im Maßstab von 1:87, glaube ich, hergestellt sind, mit Eisenbahnen, Schiffen, Flugzeugen und allem Möglichen. Und es gibt eben diesen Ort Knuffingen, der existiert nur im Miniatur Wunderland. Und da ging es jetzt eben durch die Medien, dass der Tierschutzbund Knuffingen Plakate aufgestellt hat, im Miniatur Wunderland in diesem Maßstab 1:87 und da sind Bilder drauf zu sehen, die von den gängigen Medien so als Schock und schockierend bezeichnet wurden. Also zum einen Frauen, die da nackt stehen und die wie Milchkühe an ihren Brüsten gemolken werden, dann Frauen, die wie Hennen in der Legebatterie Kinder gebären, die dann da vom Fließband rollen. Und da steht „Stoppt das Jungenschreddern“, da wird eine Sortiermaschine gezeigt, wo dann ein weibliches Symbol drauf ist, wo die Babys in die eine Richtung sortiert werden und das männliche Symbol, da werden die Babys dann woanders hin sortiert.

Dann ist da noch „Stoppt die Menschenmast!“, da sind so Käfige, wo Menschen gemästet werden und „Stoppt den Massentransport!“ - ein LKW mit ganz vielen nackten Menschen drin. Und wir, die wir ja die Realität kennen und wissen, dass das für die Tiere ganz, ganz real ist und das es einfach nur eins zu eins auf die Menschen übertragen wurde, für uns ist es halt nicht wirklich schockierend, sondern einfach nur eine gute Aktion. Aber in den Medien wird es halt jetzt wieder so „Das Miniatur Wunderland schockiert mit fürchterlichen Plakaten“ dargestellt und das Miniatur Wunderland hat auch schon einen Shitstorm vom Bauernverband bekommen, also hausgemacht von denen, wurde angefeindet von ganz vielen Landwirt·innen, die gesagt haben, das stimmt alles gar nicht, das ist bei uns nicht so usw.

Und diese Kampagne zeigt einfach, dass wenn schon das Miniatur Wunderland, was weltweit bekannt ist, so was macht, dass tatsächlich das Thema Tierschutz und Tierrechte schon im Mainstream angekommen ist und auch Promis was dafür tun. Und das heißt, dass wir eigentlich schon in dieser Phase sind, in der es Richtung Erfolg geht.

Carsten Ja, vor allen Dingen, auch da ist das Miniatur Wunderland ja schon sehr prägnant, das sind Institutionen, die bisher eigentlich, zumindest meinem Empfinden nach, nicht politisch nach außen hin gewirkt haben und jetzt natürlich dann genau mit so einem Thema in die Öffentlichkeit gehen.

Stefanie Ja, mir war das vorher auch nicht bekannt. Aber ich habe dann, als ich da im Internet gesucht habe, auch gesehen, dass sie vorher schon klar Stellung bezogen haben. Schon vor zwei Jahren haben sie zu einer Wahlkampagne Stellung bezogen und haben das auch in Knuffingen stattfinden lassen. Und das ist so an mir vorbeigegangen. Das habe ich nicht mitbekommen. Jetzt schon zum Tierschutz, aber sie machen wohl immer mal wieder solche Aktionen. Und das sind ja zwei Brüder, die das Miniatur Wunderland leiten. Und die beiden haben mal gesagt, dass, wenn sie solche Aktionen starten, dann liegen die ihnen sehr am Herzen und dann ist ihnen das wichtig und lieber verlieren sie Besucher als ihr Gesicht. So in der Art, also, das heißt, sie stehen schon dazu. Und das finde ich halt richtig super, dass es jetzt so große Stimmen gibt, die auch einfach in die Öffentlichkeit gehen. Sie haben dann wieder relativiert und gesagt, ihnen geht es gar nicht darum, jetzt irgendwie die Bauern anzuprangern. Darum geht es uns auch nicht. Sie meinten, sie wollten den Bauern damit helfen und haben dann wieder gesagt: Ja, der Sonntagsbraten, der war was. Das ist also quasi mehr in die Richtung geht, weniger Fleisch zu essen.s

Carsten Also zurück zum Sonntagsbraten, weg vom täglichen Fleischkonsum. Genau. Keine originär vegane Haltung, sondern schon so ein bisschen kritisch, aber eben durchaus mit einer Schlagkraft, die, also ich muss sagen, die Bilder, die kommen so ein bisschen in die Liga, wie man sie eigentlich von PETA gewohnt war.

Stefanie Ja, genauso wie von PETA. Das ist jetzt einfach nur als Beispiel, dass sich da was tut. Um noch mal auf das acht Phasen Modell von Bill Moyer zurückzukommen, haben Ilona und Marek in ihrem Buch Faironomics geschrieben: „Das Interessante an seinen Erkenntnissen ist vor allem, wie wir finden, dass Menschen, die sich aktiv für den Wandel einsetzen, gerade dann ein Gefühl von Ohnmacht und Versagen haben, wenn sie dabei sind, die Mehrheit der Bevölkerung für ihre Sicht der Dinge zu gewinnen. Auch der Erfolg ist keineswegs ein Ereignis zu einem konkreten Zeitpunkt. Er ist vielmehr ein langsamer, langer Prozess, der sich über viele Jahre erstrecken kann. Für uns, die wir in einer Welt leben, in der wir uns jeden Wunsch am liebsten sofort erfüllen und die Zeit immer schneller zu laufen scheint, kann das eine echte Geduldsprobe sein.“

Carsten Ja, und jetzt durch das reale Beispiel in den Medien wird es jetzt wieder präsenter, durch diese eine Aktion. Aber das ist jetzt kein Einzelfall, sondern das ist ja auch tatsächlich so die Wahrnehmung immer mal wieder in den Massenmedien Berichterstattungen wahrzunehmen, die genau das alles thematisieren, die Art und Weise, wie wir mit unseren sogenannten Nutztieren umgehen. Und auf der anderen Seite habe ich natürlich auch direkt in der veganen oder Tierrechtsbewegung immer wieder so Phasen, wo ich denke okay, jetzt schuftest du schon so lange oder engagierst dich schon so lange und irgendwie bringt das nichts. Die Verhältnisse an sich haben sich nicht geändert, die Tiere leiden nach wie vor. Ich will jetzt nicht sagen diese Sinnhaftigkeit wird angezweifelt, aber das Verzagen stellt sich dann dann doch so ein.

Stefanie Und da finde ich halt wirklich, dass dieses acht Phasen Modell Hoffnung gibt. Mir hat's zumindest Hoffnung gegeben, als ich das gesehen und gelesen habe, weil das ja tatsächlich ein erprobtes Modell ist, was sich immer und immer wieder an sozialen Bewegungen belegen lässt. Und alle sozialen Bewegungen laufen quasi nach diesem Modell ab. Und wir befinden uns jetzt in dieser schwierigen Phase zwischen Scheitern und Erfolg, so dass wir - die wir schon länger dabei sind und Aktivist·innen sind und nicht die, die einfach nur zugucken, also die ahnungslose Bevölkerung - das Gefühl des Misserfolgs und des Scheiterns haben, weil sich aus unserer Sicht einfach nicht genug bewegt. Aber von der anderen Sichtweise her bewegt sich eben ganz, ganz viel und es ist quasi jetzt nur noch ein kleiner Schritt bis zum Durchbruch und bis es wirklich dann in der Bevölkerung ankommt. Und ich finde, die letzten Wahlen haben ja auch gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich gegen den Klimawandel einsetzen und dann auch Parteien wählen wollen oder gewählt haben, die hoffentlich in diese Richtung gehen.

Carsten Ja, und vor allen Dingen Richtung Tierwohl fand ich es schon sehr bezeichnend, dass die Europawahl überdurchschnittlich viele Tierschutzparteien auf den Stimmzetteln hatte. Also allein hier in Deutschland waren es ja glaube ich vier oder fünf und europaweit sind es ja auch ein paar gewesen. Das war ja jetzt ja kein originär deutsches Phänomen, sondern sind ja aus zwei anderen Ländern auch noch entsprechende Mandate gewählt worden. Das hätte ich vor fünf Jahren nicht mal geträumt. Also da war ich ja selber noch nicht so weit, habe vielleicht auch gar nicht die die Tierschutz Parteien so auf den Wahlzetteln wahrgenommen. Aber das ist für mich mittlerweile schon ein ganz klares Indiz dafür, dass da eine Thematik nicht nur am Schwelen ist, sondern auch wirklich mittlerweile so in der breiten Masse angekommen sein muss.

Stefanie Ja, und ich möchte diese Folge nutzen, um dir Hoffnung zu machen. Ich kenne viele Aktivist·innen, die verzweifeln und vielleicht auch mitten im Burnout stecken und immer wieder in so eine Abwärtsspirale geraten, weil sie das Gefühl haben, dass sie nichts erreichen. Und ich möchte dir, wenn du dich eben jetzt auch so fühlst, mit dieser Folge sagen, dass es Hoffnung gibt. Dass es Hoffnung gibt, dass wir gar nicht uns im Begriff des Scheiterns befinden, sondern auf dem Weg nach oben, quasi zum Durchbruch hin. Und dass der Erfolg vielleicht nicht morgen stattfindet, aber schon in die Nähe gerückt ist und dass wir ihn auf jeden Fall erleben.

Carsten Also dass wir zumindest weitermachen müssen.

Stefanie Ja, genau, das ist es ja gerade, dass dann soziale Bewegungen auch eben scheitern können, weil wir durch dieses Gefühl, dass wir denken, das sei ein Misserfolg, aufhören und dann eben die Kraft nicht mehr da ist, um die die Bewegung dann wirklich durch die Decke zu heben.

Carsten Also wichtig ist halt, was wir gerade schon sagten, eben das Dranbleiben, dass auch, wenn es jetzt gerade eine gefühlte Krise a la „Oh, es tut sich ja sowieso nichts“ gibt, dass man trotzdem mit den Aktivitäten so weit wie möglich voranschreitet, weil eben die Mobilisierung der Allgemeinheit jetzt gerade im Zugewinn ist.

Stefanie Das ist ja quasi wie so ein Staffellauf, dass wir so lange weitermachen, bis die nächste Partei übernehmen kann und in diesem Fall dann wirklich eine Partei. Das ist dann auch politisch. Und das ist dann wirklich mehr in der Gesellschaft verankert und das ist wirklich höher getragen wird. Und wie gesagt, diese Phasen, dass wir das Gefühl haben, wir scheitern und es ist ein Misserfolg und die Allgemeinheit einfach merkt, okay, das ist ein total wichtiges Thema und ich engagiere mich da jetzt auch für, das läuft einfach parallel, so dass wir da dann auch so ein bisschen aufgefangen werden durch andere, die dann weitermachen können, die eben noch nicht so viel Energie da reingesteckt haben.

Carsten Ja, und auch das wird dann mit Sicherheit motivierend sein, wenn man feststellt: stimmt, vielleicht im persönlichen Umfeld, dass auf einmal Personen über die Themen sprechen, wo du vorher gedacht hast, Mensch, da rennst du gegen Wände. Genau das ist natürlich auch noch mal sehr schön motivierend. Selbst wenn es eine persönliche Krise ist, die du jetzt gerade durchmachst, da wieder rauszufinden und zu sagen: Hey, es hat sich doch gelohnt. Es tut sich ein bisschen was in einem kleinen Umfeld. Vielleicht jetzt sehr, sehr wenig Greifbares, aber im großen Kontext rumort da wirklich was in der Gesellschaft und das Thema kommt hoch.

Stefanie Ja, und ich habe wirklich das Gefühl, dass wir noch nie so weit waren wie jetzt. Vielleicht habe ich auch einfach so einen anderen Blick dafür. Aber es ist natürlich auch so, dass vegan zu leben noch nie so einfach war wie heute. Es wird ja immer einfacher. Also jeden Tag wird es einfacher, weil alles verfügbar ist. So, und die Präsenz des Themas, finde ich, ist auch allgegenwärtig und natürlich, als ich elf war und dann Vegetarierin wurde, da gab es schon das Internet tatsächlich, aber halt noch nicht in dieser Form und ich konnte mich noch nicht über die ganzen Missstände informieren. Das war ja auch noch alles gar nicht online. Es gab ja auch noch kein Google oder sonst irgendwas in der Zeit. Und jetzt haben wir halt all diese Möglichkeiten und auch all diese Möglichkeiten, uns zu vernetzen und gemeinsam für diese Sache einzustehen. Und deswegen waren die Chancen noch nie so gut, dass wir endlich den Absprung schaffen. Und auch wenn du aus ökologischen Gründen sagst: Ich lebe vegan, ist das ja nun mal jetzt der sinnvollste Punkt für alle aus ökologischen Gründen. Und aus ethischen Gründen schon immer, aber aus ökologischen Gründen brennt uns die Hütte.

Carsten Ja, kann man nicht anders sagen, ja.

Stefanie Das ist nun mal so. Und das heißt, es ist, wenn du es schaffst, wichtig, dass du weitermachst. Wenn du natürlich das Gefühl hast, du bist total ausgebrannt und fertig, dann geht es jetzt in erster Linie darum, dass du dich gut um dich kümmerst und gut für dich sorgst. Und dann kannst du wiederum diese Gewissheit haben, dass es jetzt auch durch diese öffentliche Präsenz des Themas viele andere geben wird, die deinen Staffelstab übernehmen und für dich weitermachen. Die frisch und ausgeruht sind und dass du dann wieder einsteigen kannst, sobald es dir wieder besser geht.

Carsten Wir hoffen, dass wir da ein bisschen Unterstützung mitgeben konnten mit dieser Information. Du kannst dir auf alle Fälle nochmal ein bisschen die Hintergründe anschauen zu dieser ganzen Kurve, die wir jetzt besprochen haben. Und wir möchten uns in dieser Folge zum Schluss bedanken bei unserem neuen Steady-Unterstützer.

Stefanie Genau bei Hans-Jürgen möchten wir uns bedanken, der uns jetzt mit 5 € im Monat unterstützt. Ganz, ganz herzlichen Dank!

Carsten Vielen Dank Hans-Jürgen.

Stefanie Und natürlich auch bei allen anderen Steady-Unterstützer·innen, die uns schon so lange so treu unterstützen.

Carsten Dankeschön!

Stefanie Wenn dir gefällt, was wir hier in diesem Podcast machen und auch in den anderen drei Podcasts und all den anderen Dingen, die ich kostenlos anbiete und du das Gefühl hast, du möchtest gerne etwas zurückgeben und irgendetwas für mich und für Carsten tun, dann bist du herzlich eingeladen, mich auch finanziell über Steady zu unterstützen. Alle Informationen dazu findest du hier unter dieser Folge oder in den Shownotes.

Carsten Jo, in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

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Gärtnern für eine bessere Welt

Ein Beitrag

Folge 171 - Gärtnern für eine bessere Welt

In dieser Folge spreche ich mit Ilona Koglin und Marek Rohde über ihr Buch "Gärtnern für eine bessere Welt".

Wir plaudern darüber

  • ob ich einen Garten haben muss, um das Buch zu lesen,
  • wie gerade Gärtnern die Welt retten kann,
  • wie jede*r Einzelne von uns etwas bewegen kann.

Ich frage mich, ob ich nicht einen grünen Daumen benötige, um für eine bessere Welt zu gärtnern, doch Ilona sagt: "Der grüne Daumen ist ein Mythos." und nach der Lektüre des Buchs und dem Gespräch mit den Autoren, glaube ich das auch.

"Gärtnern für eine bessere Welt" ist so viel mehr, als nur eine Anleitung zum Gärtnern- egal ob im eigenen Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung.

Das Buch versorgt Dich mit so vielen Hintergrundinformationen und Praxistipps, dass Dir am Ende nur eines zu Tun bleibt: anzufangen.

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Hanna B.)

Stefanie In dieser Folge spreche ich wieder mit Ilona und Marek von „Für eine bessere Welt“ und du kennst die beiden schon aus vorangegangenen Interviews zu ihren Büchern und Projekten. Wir haben schon über ihr Buch „Und jetzt retten wir die Welt“ und ihr Projekt dazu gesprochen, über ihren Wandel Planer und über ihr neuestes Buch „Faironomics“. Und in dieser Folge sprechen wir jetzt über ihr Buch, das quasi zwischen dem Wandelplaner und „Faironomics“ erschienen ist, nämlich „Gärtnern für eine bessere Welt“. Wenn du die anderen Bücher von Ilona und Marek schon kennst, dann weißt du, dass dieses Buch auch wieder sehr praktisch orientiert ist. Es gibt zwar einen theoretischen Hintergrund, aber auch ganz ganz viel Praxiswissen. Das Buch trägt den Untertitel „Rette die Vielfalt: Eine andere Welt ist pflanzbar - Das Handbuch für Idealisten und grüne Helden“. Und was das jetzt genau bedeutet, das erzählen dir Ilona und Marek in diesem Interview.

Ilona Ja, ich bin Ilona.

Marek Und ich bin Marek.

Ilona Und wir schreiben zusammen Bücher, sind Journalist:innen, haben den Blog „Für eine bessere Welt“ und die Onlineakademie „Jetzt retten wir die Welt“, machen die Konferenz für eine bessere Welt und haben ein Buch zum Thema „Gärtnern für eine bessere Welt“ geschrieben.

Stefanie Genau. Und über das Buch wollen wir heute sprechen. Jetzt haben wir ja schon über ganz viele Bücher von euch gesprochen. Und meine Frage wäre jetzt: Wie unterscheidet sich denn jetzt dieses Buch, wo es ja auch ums Gärtnern geht, von den anderen Büchern?

Ilona Also eigentlich war so ein bisschen unser Anliegen, das so ähnlich zu machen, nur dass es sozusagen um ein anderes Thema geht. Also es folgt der Grundidee des Weltretter-Buchs, also des Buches „Jetzt retten wir die Welt“. Und zwar gibt es Hintergrundinformationen dazu, wie eigentlich so das Ökosystem Erde funktioniert bzw. die verschiedenen Subsysteme Erde, Luft, Wasser usw. und dann verbunden mit der Frage Ja, was können wir denn jetzt eigentlich ganz konkret tun, um die Situation oder die Entwicklung oder die Lage zu verbessern? Und es ist auch so von der optischen Art her ähnlich wie unsere anderen Bücher, was jetzt in dem Buch neu war oder was wir ein bisschen mehr ausprobiert haben, ist, dass wir mehr Geschichten erzählt haben oder ein bisschen…

Marek Autobiografischer…

Ilona Ein bisschen autobiografischer geworden sind und dass dieser Kontrast zwischen Was sind eigentlich die globalen Entwicklungen und Was kann ich ganz lokal in meinem kleinen Garten dann verändern? Also, dass das so ein bisschen die Pole waren, zwischen denen wir uns in dem Buch immer hin und her bewegen und was auch für uns so das Interessante war. Also praktisch Think Global, Act Local und das bezogen auf den Garten.

Stefanie Und wie seid ihr jetzt so auf das Thema Gärtnern gekommen?

Marek Also einerseits sind wir ja selbst in der glücklichen Lage einen kleinen Garten zu haben seit einigen Jahren und haben den immer schon mit viel Freude genossen und haben in den letzten Jahren gerade bei den Recherchen für die Bücher natürlich mehr und mehr uns auch so mit den Fragen beschäftigt: Was muss eigentlich an einem Garten funktionieren? Wo funktioniert es nicht in vielen Gärten? Wir sind hier in einer Siedlung mit knapp, ich glaube, über 100 Gärten im Norden, im Äußersten von Hamburg. Und da ist natürlich die Gartengestaltung ganz unterschiedlich. Wir haben uns mal gefragt: Was kann man eigentlich in dem eigenen Garten oder auch im Stadtgrün tun, um jetzt dem Ökosystem möglichst zuzuspielen und beispielsweise für den Klimaschutz etwas zu tun? Weil das alles geht auch im kleinen Garten. Das fängt sozusagen schon mit jeder Topfpflanze an oder mit der Entscheidung, wie man seinen Garten ausrichtet. Und das haben wir auch in den Fokus genommen. Oder auch auf dem Balkon, also überall dort, wo man die Möglichkeit hat, das Grün in sein Leben zu lassen oder zu partizipieren. An dem Grün dort draußen hat man auch die Möglichkeit etwas für die Natur zu tun und das wollten wir in den Fokus rücken und haben das mit diesem Buch getan.

Ilona Und dann war es eigentlich auch, also nach dem Buch „Jetzt retten wir die Welt“ kamen auch einige Organisationen, Institutionen immer wieder auf uns zu und haben uns gefragt: Was können wir denn eigentlich machen, um die Menschen anzusprechen, die so auf der Schwelle sind, die jetzt vielleicht noch nicht so wirklich was in ihrem Alltag ökosozial verändern, aber um die irgendwie dafür zu begeistern oder dafür zu öffnen. Und wir haben festgestellt, dass es im Wesentlichen zwei große Themen gibt, über die man eigentlich fast alle erreicht. Das eine ist das Thema Konsum, also das machen wir ja wirklich alle. Jede:r konsumiert irgendwas. Also über das Thema Konsum zu sprechen, das ist ein ganz großer Anknüpfungspunkt, wo wir sozusagen so Milieu übergreifend ins Gespräch kommen können. Und das Zweite ist das Thema Ernährung, Schrägstrich, Gärtnern oder Anpflanzen oder so was. Und das Thema Gärtnern hat für uns aber natürlich so den direkten Bezug zur Natur im Gegensatz zum Thema Konsum, was ja eher so ein bisschen eigentlich mehr entfremdet heutzutage, weil ja deine ganzen Zusammenhänge für uns dadurch, dass vieles global läuft usw. für uns gar nicht mehr so richtig zu erkennen sind. Und genau das Charmante am Garten oder am Gärtnern ist für uns , dass man wieder direkt mit der Natur in Kontakt kommt. Oder das Gärtnern ist ja auch so, oder kann eine fast meditative, sehr philosophische Tätigkeit sein, wo man innerlich zur Ruhe kommt, wo man mal Zeit hat, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, wo man rauskommt aus der Hektik des normalen Alltags und dabei auch wirklich die Hände in die Erde stecken kann und gucken kann, ganz konkret gucken kann, wie funktionieren denn die Kreisläufe? Also was passiert denn, wenn es den heißen Sommer gibt wie letztes Jahr oder wenn es so kalt und verregnet ist wie vorletztes Jahr? Was bedeutet eigentlich Klimawandel ganz konkret bei mir im kleinen Garten? Was bedeutet es Wasserkreislauf und so? Und unsere Erfahrung ist auch, wenn Menschen erst mal anfangen sich damit zu beschäftigen, also ich baue mir einen Komposthaufen, dann kommen die Pflanzen drauf, die ich abgeschnitten habe und dann wird da Erde draus. Der Garten ist ja sozusagen so der erste typische oder klassische Kreislauf, den man in so einem Garten schafft. Und darüber kommt man zu der Frage: Aber jetzt, was ist mit dem Wasserkreislauf? Ja, wir spülen da jeden Tag zig Liter wertvolles Trinkwasser die Toilette runter. Ist das eigentlich was, was sinnvoll ist, was normal ist oder könnte das irgendwie besser gehen? Also man kommt dann schon irgendwie zu weiteren Fragen, die dann auch natürlich zu solchen globalen Fragen führen wie zum globalen Wasserkreislauf, Plastik im Wasser oder auch Luftverschmutzung oder was meine Aussage zu der Klimawandel oder auch insgesamt Rückgang der fruchtbaren Erdböden weltweit. Das ist ja irgendwie eine Krise, die kaum so im Bewusstsein der Öffentlichkeit steht. Aber auf solche Themen stößt man dann und das fanden wir das besonders charmante, dass so über dieses Thema Garten das ganz Pragmatische verbunden wird mit dem Philosophischen und aber auch so mit diesem Naturwissenschaftlichen. Also wie funktioniert das Ganze eigentlich? Und das ist eigentlich so ein super Themenbereich.

Stefanie Und muss ich denn jetzt unbedingt einen Garten haben, um euer Buch lesen zu können? Also vielleicht nicht ums lesen zu können, aber um davon zu profitieren von dem, was ihr schreibt.

Marek Nein, ganz bestimmt nicht. Also einerseits ist es natürlich jederzeit möglich, sich sowohl außerhalb der Stadt als auch gerade in den Städten für die Natur, also für das Grün einzusetzen, für die Natur in der Stadt einzusetzen und beispielsweise in der Gemeinschaft brachliegende Flächen dann neu zu begrünen und auch wieder nutzbar zu machen, dort gemeinsame Gartenprojekte ins Leben zu rufen. Und es gibt zugegebenermaßen in den Städten und überall schon viele Projekte dieser Art. Was ich noch sagen wollte, das ist der zweite Aspekt. Auch dafür brauche ich keinen eigenen Garten, aber das ist die Sicht auf die Natur. Ilona hat das vorhin schon anklingen lassen, die Philosophie des Gärtnerns oder die Philosophie des sozusagen kreativ Schaffenden in der Natur ist eine ganz elementare Sache, die wir in vielen Bereichen komplett verloren haben, weil wir natürlich in einer sehr technologischen Welt leben und in einer Welt leben, in der ich sage mal eine Naturbeobachtung sozusagen nicht mehr zum Höchstmaß des Glücks gehört, die von vielen als solches dann so erkannt und empfunden wird, weil viele Leute sind doch eher jenseits der Naturbeobachtung oder jenseits des Naturgenusses mit anderen Dingen beschäftigt. Und der Garten oder das Beschäftigen mit dem Gärtnerischen hilft einem auch ebenso nach und nach ganz seicht und sehr gefühlvoll sich wieder mit der Natur zu verbinden, die großen Abläufe zu beobachten, wie Ilona auch schon sagt, die großen Kreisläufe zu verstehen, zu gucken, was ist überhaupt gerade? Wie funktioniert das Ganze? Was bedeutet das Wasser und das nächste Element, die Luft. Also wie geht man damit um? Wie kann man das im Großen verstehen und wie kann man es im Kleinen beobachten und verstehen und sich damit wieder zu verbinden hat einen enormen Effekt, weil das bedeutet , dass man tatsächlich wieder sich mehr als Bestandteil der Natur betrachtet.

Ilona Ja genau. Und zu dem, was Marek sagt, kommt noch dazu, dass dieses Ganze sich mit der Natur verbinden, Gärtnern, zu Gärtnern bedeutet ja auch vor allem, also vor allem wenn es ein natürliches Gärtnern sein soll. Also nicht so dieses klassische „Wir haben so den unkrautfreien Rasen“ oder so, das sind ja irgendwie Gärtner:innen, die jetzt eigentlich nicht wirklich beobachten. Aber wenn man naturnah und mit der Natur gärtnern will, dann kommt es ja auf dieses Beobachten total an und auf das Verstehen und das sich Einfühlen. Und das bewirkt zwei Dinge. Das bewirkt erstens, dass man eine gewisse Langsamkeit üben muss und ich finde, Langsamkeit und Ruhe und Muße, das sind in unseren heutigen Zeiten, ist so ein echter Luxus und das ist aber auch. Also ich glaube, man kann das nur, wenn man das innerlich auch übt und trainiert und da ist der Garten oder ist die Natur ein super Lehrmeister dafür, dass das eine und das andere ist die Empathie. Und ich glaube das ist das, was du auch meintest, dass man ja eine Pflanze beobachtet, wie sie wächst und sich einfühlt. Ja was braucht ihr denn eigentlich um zu gedeihen? Oder dieser kleine Käfer, der da jetzt vorbei krabbelt? Was will der und was macht er und wozu ist der gut im Ökosystem meines Gartens. Der beste Gärtner ist eigentlich der, der in seinem Garten dafür sorgt, dass es allen gut geht. Also nicht nur den Menschen, sondern auch allen Tieren und den Pflanzen. Und im übertragenen Sinne kann man da all die Fertigkeiten üben, die wir brauchen, um sozusagen den größten Garten irgendwie ins Gleichgewicht zu bringen, nämlich unsere Erde und auch mit dem irgendwie gut umzugehen. Und deswegen ja, es ist irgendwie so ein ganz wunderbares und schönes Gebiet und das ist egal, ob man das jetzt wirklich, also jetzt im Garten wortwörtlichen Sinne macht oder ob man einen Balkon hat oder ob man irgendwie so ein Zimmer Garten auf dem Fensterbrett oder irgendwie so eine Windowfarm oder so was hat.

Marek Also es gibt ja so Synonyme eigentlich für das, was wir normalerweise jetzt im Moment in vielen Gärten sehen. Es gibt eine Facebookseite, also ein Projekt, ich glaube von einem Biologen oder so, das nennt sich „Gärten des Grauens“ und der sammelt Bilder ein, ja wirklich, sammelt Bilder ein von Menschen, die fotografiert haben, von Gärten, die meinetwegen einfach unter Schotter begraben sind und mit irgendwelchen Schotterskulpturen, wo eigentlich kaum noch irgendwie ein Grün zu sehen ist und nichts wächst und nichts gedeiht. Und das ist natürlich für die kleinen Tiere dort absolut unbrauchbar.

Ilona Die gehen wahrscheinlich einmal im Jahr mit Gift drüber.

Marek Ja genau, damit auch die letzte Ameise dort keine Chance bekommt. Und das ist zum Beispiel so ein Bild, das ich immer vor Augen habe, ein Extrem, das eigentlich ja gerade nicht so sein soll. Oder beispielsweise diese englischen Rasen, also, wo dann tatsächlich in einem Garten nichts weiter als Rasen zu finden ist und keine wilde Blume und gar nichts irgendwie ihren Platz findet. Oder auch die Pflanzen so ausgewählt werden, dass sie eigentlich für Insekten absolut uninteressant sind, aber die Gärten dann wirklich tierfeindlich gehalten werden, nur weil man sich an speziellen optischen Genüssen erfreuen möchte. Und das, was uns so wichtig war, war ein Garten, in dem sozusagen das Leben wieder erblühen kann und in dem man Bestandteil dieses Schöpfungsprozesses wird

Ilona Genau und wo man auch beobachten kann, wie faszinierend und wunderbar alles in der Natur ineinandergreift und dann macht das Gärtnern nämlich auch insofern Spaß, weil man viel weniger Arbeit hat, weder Unkraut zupfen muss noch sonst irgendwas zurechtbiegen und zurechtschneiden muss.

Stefanie Und wie unterstützt mich denn jetzt euer Buch dabei, wenn ich dann vorhabe, auch so zu gärtnern, wie ihr das jetzt beschreibt?

Marek Also erst mal nimmt es dich natürlich an die Hand und führt dich sozusagen durch diesen theoretischen, von John beschriebenen Teil, dass du erst mal sehen kannst, was eigentlich überhaupt die einzelnen Aspekte eines Gartens oder der Natur sind und hilft dir dabei natürlich auch, das in ein größeres Verhältnis zu setzen und dich zu fragen Was sind eigentlich die großen ökologischen Abläufe und auch die großen Fragestellungen, Herausforderungen und Probleme. Und was haben sie mit meinem Garten zu tun. Und dann geht es natürlich in jedem dieser Bereiche ganz praktisch weiter und gibt dir Hilfestellungen dabei, wie du mit kleinen Schritt-für-Schritt-Anleitungen deinen Garten oder deinen Bereich renaturisieren oder überhaupt erst mal zum tatsächlichen Naturgarten machen kannst.

Ilona Ja, wir haben insgesamt acht Kapitel und ich würde mal sagen so ganz grob: Die ersten vier Kapitel beschäftigen sich eher so mit den Grundlagen, da ist erstens die Philosophie, also was will ich eigentlich von meinem Garten oder was hat mein Garten mir zu bieten. Und das eher so ein bisschen auf philosophischer Ebene. Dann das Thema Erde, das hatte ich ja vorhin schon angesprochen, dass also die Fruchtbarkeit von Erdböden weltweit dramatisch abnimmt, was natürlich bedeutet, dass wir irgendwann viel weniger Lebensmittel anbauen können und das ja dann auch eine soziale Frage wird usw. und so fort. Und aber auch die Frage, also wie kann ich dann gesunden Erdboden schaffen in meinem Garten, was ist eigentlich ein gesunder Erdboden? Und auch die spannende Frage, das gibt es ja auch zum Thema Terra preta, also Schwarzerde: Wie viel Kohlenstoff kann ein richtig fruchtbarer, fetter, gesunder Erdboden speichern? Und da kommt man auch dazu, dass man ganz viel Kohlenstoff, also ganz viel CO2 aus der Luft im Boden binden könnte über die Art und Weise und so auch was für den Klimaschutz tun könnte. Dann haben wir das Thema Wasser und Wasser-Kreisläufe und das Thema Luftverschmutzung, Erdatmosphäre. Also das ist ja auch total faszinierend, so ein ganz dünner Film um die Erde herum, ohne die sozusagen überhaupt kein Leben auf der Erde möglich wäre. Und die letzten vier Kapitel sind würde ich mal sagen so ein bisschen lokaler und praktischer. Und da ist einmal das Thema Pflanzen, also Artenvielfalt unter den Pflanzen bzw. gibt es eigentlich Unkräuter. Was mache ich mit Pflanzenkrankheiten oder wie halte ich meine Pflanzen gesund? Wie schütze ich alte Pflanzen, also altes Saatgut? Im sechsten Kapitel geht es um das Thema Tiere, also auch hier die Artenvielfalt. Und wie kann ich eigentlich meinen Garten zu einem Ort machen, der für Tiere auch wirklich ein schönes Reich ist? Dann haben wir noch was zum Thema Materialien. Also da geht es darum, wie kann ich Plastik in meinem Garten vermeiden oder wie kann ich auch Garten-Minimalist:in werden. Oder wie kann ich Dinge upcyceln und recyceln? Wie kann ich Energie sparen und Ähnliches? Und das letzte Kapitel ist dann Ernte und das auch so ein bisschen von uns im doppelten Sinne gedacht. Also natürlich auf der einen Seite die Ernte des Gartens, also die Früchte. So was mache ich dann mit denen, kann man die lagern oder einkochen oder fermentieren oder was auch immer und zum anderen aber auch, was gibt es dann über die reinen Früchte hinaus an Ernte in meinem Garten?

Marek Es ist vielleicht auch da wiederum, das schließt sich eigentlich ganz schön diesem philosophischen Gedanken an, einerseits jetzt die Beziehung zur Natur und dann aber auch das, was die Natur einem zurückgibt, dann ist es ja ein Geben und Nehmen. Das heißt also, wenn wir uns so verhalten, wie es der Natur guttut, dann wird die uns so reich beschenken. Und wir merken das selbst in unserem kleinen Garten, wo wir Dinge anpflanzen, wie wir uns immer darüber freuen, wenn die dann beginnen zu wachsen oder wir so eine kleine Ernte machen können oder was davon auch auf dem Teller landet und das so herrlich schmeckt, natürlich viel besser als irgendwo anders, wenn es aus dem eigenen Garten kommt. Und das ist natürlich ein weiterer Aspekt, also die Ernte, wie es Ilona meinte, als so eine philosophische Stärke sozusagen der Gemeinschaft zwischen Natur und Mensch oder Garten und Mensch zu betrachten.

Stefanie Okay, und ihr habt ja auf dem Titel des Buches stehen, dass ihr also einmal Gärtnern für eine bessere Welt, aber auch rettet die Vielfalt. Und wie kann ich denn jetzt eigentlich als Einzelne:r, da sind wir eigentlich wieder bei diesem Punkt, also als Einzelperson. Wie kann ich denn auch noch mit Gärtnern jetzt die Welt retten bzw. die Vielfalt retten?

Marek Also einerseits kann man sagen, dass mittlerweile durch die Aktivitäten in einer Stadt mehr Vielfalt innerhalb der Städte möglich ist als außerhalb. Wenn man sich mal anguckt, wie die in Anführungsstrichen moderne Landwirtschaft die Gegenden außerhalb der Städte einebnet und agrartechnologisch oder agrarwirtschaftlich nutzt und für Tiere eigentlich fast unbrauchbar macht. Und wenn man das vor Augen hat, kann man feststellen, dass wenn man neue Ressorts schafft, das heißt Rückzugsgebiete, dass da plötzlich dann auch das Leben hin geht, dahin zurückkehrt und man tatsächlich etwas für den Erhalt der Arten macht. Zumindest für diejenigen, die es in die Städte schaffen. Was ja schon mal ein Anfang ist.

Ilona Genau. Und da kann man wirklich auch sagen jeder Quadratmeter zählt, weil das jetzt beispielsweise für Pflanzen oder auch für kleine Tiere, die können ja keine großen Distanzen überwinden. Und deswegen ist es immer gut, um sozusagen vor dem Aussterben oder um denen sozusagen noch eine möglichst weite Verbreitung sichern zu können, ist es ganz gut, wenn die immer wieder so Inseln finden, wo sie sich dann wieder ansiedeln können. Also die können vielleicht, was weiß ich, ein paar 100 Meter weiter fliegen die Pollen oder auch die Insekten oder so, aber viel weiter dann vielleicht nicht. Und wenn da dann wieder der nächste Balkon ist oder die nächste Baumscheibe oder der nächste Gemeinschaftsgarten oder was auch immer, dann ist das echt super. Insofern ist jeder Grünstreifen und jede Verkehrsinsel wirklich wichtig und sinnvoll. Und in dem Zusammenhang können engagierte Menschen natürlich jetzt ihren eigenen Garten naturnah gestalten und sie können aber auch beispielsweise zur Gemeinde gehen oder zur Stadt gehen und können da dafür kämpfen, dass so was wie Randstreifen an der Straße oder auch Verkehrsinseln usw., dass da tatsächlich lokale Wildpflanzen und Blumen ausgesät werden, sodass da auch die Insekten wieder Nahrung finden. Weil es ist wirklich so wie Marek sagt. Also die haben mittlerweile in Siedlungsgebieten oder auch in Städten höhere Überlebenschancen als jetzt an Ackerrändern.

Stefanie Und wie würde denn, wenn wir das so weiterspinnen, wie würde eure ideale Stadt aussehen, wenn ihr von Randstreifen usw. sprecht? Wie würde sowas aussehen für euch?

Ilona Also, wenn du jetzt mich nach meinen kühnsten Träumen fragst, dann geht es sogar noch ein Stück weiter, weil ich ja wirklich auch von Siedlungen, von Städten träume, die nicht zugeparkt sind mit Schrottlawinen von Autos. Also meine ideale Stadt wäre wirklich wesentlich grüner, sie wäre wesentlich ruhiger und sie hätte eine wesentlich bessere frische Luft. Kinder könnten wieder gefahrlos auf der Straße spielen, auf der Straße umhergehen, Tiere auch. Und ja, wir hätten wirklich überall grün. Es gibt ja dieses spannende Konzept der essbaren Stadt. Da hat ja in Minden eine Permakultur Gärtnerin angefangen. Das finde ich auch super spannend. Also statt Hecken einfach Johannisbeersträucher pflanzen oder statt Zierblüten-Bäumen Obstbäume. Also warum nicht oder statt irgendwelchen anderen Gräsern vielleicht irgendwelche Kräuter. Also da ließe sich ja vieles überlegen. Und wenn nicht überall die Autos rumfahren, dann kann man das ja auch tatsächlich genießen, was da wächst. Und so was könnte ich mir gut vorstellen.

Marek Also es wäre auf jeden Fall erst mal eine Stadt oder eine Welt, in der man sich die Räume zurückholt. Im Moment sind die Räume ja tatsächlich besetzt durch Fahrzeuge, die ich glaube nur 10 % des Tages... Also die Zeit über nutzen und bewegt werden. Und den Rest der Zeit ja herumstehen. Also da auch einfach erst mal nur Platz einnehmen und dann, wenn sie fahren, auch der Natur nichts Gutes tun. Das heißt also einerseits den Raum klauen, sage ich mal oder besetzen, sehr aggressiv, auch immer im Vordergrund und immer als die mächtigsten Teilnehmer sozusagen des Straßenstraßengeschehens und dann durch die Ausbringung von Abgasen dann natürlich auch äußerst ungesund sind. Wenn es jetzt also schon mal möglich wäre, wieder diese Räume zurückzuholen und mehr in den öffentlichen Raum zu gehen, das heißt als Mensch nicht einfach nur von Haus zu Haus und dann möglichst schnell wieder rein, sondern den öffentlichen Raum auch als den Aufenthaltsraum und als den Raum sozusagen der Gemeinschaft zu betrachten und des Zusammentreffens. Dann hat man nicht nur einen ganz massiven positiven Vorteil oder einen Vorteil für die Gemeinschaft, sondern man kann sich dann auch um diese Räume wieder kümmern und kann sie renaturisieren und dafür sorgen, dass diese Räume tatsächlich auch natürliche Räume wieder werden. Und das käme allen zugute. Und das käme natürlich nicht nur dem Menschen zugute. Der würde ein viel entspannteres und gesünderes Leben führen können und wieder mehr in die Gemeinschaft hinein seine Zeit und seine Ideale investieren, sondern das würde natürlich der gesamten Tierwelt zugutekommen, weil die Tiere in der Gemeinschaft mit dem Menschen sind darauf angewiesen, dass wir ihnen die Plätze lassen und dass wir sie nicht immer weiter zurückdrängen und ihnen die Lebensgrundlage rauben. Und das wäre also eine Welt, in der die Tiere, die Menschen, die Natur auch wieder in Eintracht und Harmonie sind. Das hört sich jetzt ein bisschen verklärt an, aber wir merken, was das Gegenteil erzeugt und was für grausame bzw. destruktive Folgen es hat, wenn wir darauf nicht achten und so ein Ungleichgewicht entsteht und dass Insekten verschwinden, die Vögel verschwinden, die Kleintiere verschwinden und immer mehr wilde Tierarten verschwinden. 60 % der wilden Tiere sind nicht mehr da. Das heißt, weil wir uns nicht darum gekümmert haben, ihnen die Räume zu lassen, die sie brauchen. Wir diskutieren über die kleinsten Überschreitungen der roten Linien, die wir hier ziehen, sobald irgendwelche Tiere gesichtet werden, an Orten, wo wir es nicht wollen, und holen uns das brüsk zurück, schießen die ab und verdrängen die oder wollen die da einfach nicht haben. Aber für uns gibt es eigentlich keine rote Linie. Wir nehmen uns einfach was wir wollen und somit, um das wieder auf den Garten zurückzuführen, wenn die Welt eher wäre wie ein Garten, wäre es anders als wie die Welt derzeit ist: Ein Raum für Hilfe für die stärksten Teilnehmer von Verkehr oder von Gemeinschaft.

Stefanie Ihr schreibt ja auch in eurer Einleitung, dass es eigentlich nur gemeinsam geht, dass wir es gemeinsam schaffen. Aber jede:r Einzelne kann etwas tun. Wie passt das zusammen? Also, dass ich als Einzelne:r etwas tun kann, aber es eigentlich doch gemeinsam nur geht?

Marek Also auf jeden Fall muss man sagen eine Gemeinschaft besteht aus Individuen und Gemeinschaft sollte nie so sein, dass das Individuum letztlich gänzlich darin untergeht. Aber sobald das Individuum, das heißt der einzelne Mensch, die Vision wieder haben kann von einer möglichen anderen Welt, das ist ja das, was uns die ganze Zeit antreibt, also das, was wir unter einer besseren Welt verstehen als die, die wir uns im Moment hier gerade zugestehen, wird da natürlich auch zu einem anderen Gemeinschaftswesen und wird sich in anderen Gemeinschaften anders engagieren. Das heißt also, ausgehend von dem Individuum bilden sich oder können sich Gemeinschaften bilden, die nicht nur eine soziale oder sozial andere Kultur pflegen, sondern sich anders einbringen und anders in der Natur verhalten. Und insofern muss beides natürlich gegeben sein. Aber es beginnt mit dem Individuum und wenn das Individuum seinen Frieden macht mit der Natur und mit den anderen, dann wird es auch ohne Weiteres zu einer kreativen und nutzbringenden und sich engagierenden Gemeinschaft gern zusammenfinden.

Ilona Für uns klingt ja häufig irgendwie Individuum, Gemeinschaft klingt wie so ein Widerspruch. Ich glaube also meiner Meinung nach liegt es daran, dass wir so ein Gewinner Verlierer Denken haben. Das hat Marek ja vorhin auch schon gesagt. Dass wir immer gucken müssen, dass wir auf der Gewinnerseite stehen, weil sonst sind wir automatisch die Verlierer. Und in so einem Denken ist natürlich Gemeinschaft dann irgendwie etwas, was irgendwie Kampf bedeutet, wo sich der/die Einzelne irgendwie durchsetzen muss. Aber wenn wir von Gemeinschaft sprechen, dann haben wir eigentlich so ein anderes Ideal, nämlich, dass die Menschen das geschafft haben, Ja, also nicht in Gewinner und Verlierer zu denken, sondern in gleichberechtigten und gleich wertvollen Partnerschaften oder Wesen, die da zusammenkommen. Und das hört sich natürlich alles jetzt erst mal ganz toll an und gut. Aber wenn ich jetzt beispielsweise über mich nachdenke und oder auch was Marek gerade geschildert hat, wie wir uns die ideale Zukunft vorstellen würden und wir treffen auf jemanden, der nun mal sagt „Nee, also mein Auto ist aber mein liebstes und davon lasse ich auf gar keinen Fall ab“. Also wie könnten wir uns mit so jemanden einigen, wie unsere gemeinsame Zukunft aussieht? Das ist ja im Grunde genommen so die wirklich große Herausforderung, vor der wir jetzt auch stehen. Auch wenn jetzt ältere Menschen, die sagen „Nee, ich will aber in Urlaub fliegen, weil das habe ich mir verdient“, „Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet und jetzt steht mir das auch einfach zu“. Und dann stehen auf der anderen Seite die jungen Menschen von Fridays for Future und sagen „Ja, aber ihr könnt doch nicht fliegen, weil das zerstört unsere Zukunft“. Also das sind ja so insgesamt Konflikte, die wir gerade haben, wo wir , wo es unserer Meinung nach zu keiner Lösung führt, wenn wir in Gewinner und Verlierer irgendwie denken, weil die Verliererseite wird sich dem dann nie fügen, die wird immer versuchen, einen Weg zu finden, sich dann doch irgendwie wieder ihre Ideen durchzusetzen, weil sie dann hofft ja vielleicht nach der nächsten Schlacht gehe ich vielleicht als Gewinner hervor.

Marek Die Gewinnerseite nimmt immer zunehmend weniger Rücksicht natürlich auf die Verlierer, weil auch das sozusagen Teil ihres Privilegs ist.

Ilona Aber das kann ja nicht unser Ideal sein, sondern unser Ideal wäre es wirklich herauszufinden wie können wir denn also uns gemeinsam eine Zukunft vorstellen? Oder wie können wir uns auch gemeinsam eine Gegenwart vorstellen, die eine Zukunft für alle nach uns Kommenden ermöglicht?

Marek Leider ist es so, dass wir an einem Punkt sind, wo wir da auch nicht mehr so viele Experimente wagen können, weil wir einen fortgeschrittenen Verlauf haben, der sozusagen mit den ökologischen Folgeschäden der letzten Jahrzehnte und man muss sagen ja fast schon Jahrhunderte einhergeht. Das heißt also, wenn man es ganz krass formulieren will, ist es so, dass wir nur als Gemeinschaft eine Lösung finden für eine Zukunft, die dann wirklich auch lebbar sein wird für uns, denn wir kriegen es jetzt nämlich noch mit. Wir würden gar nicht sagen können das machen wir alles nur für die kommende Generation, aber insbesondere für die kommenden Generationen unserer Kinder und Enkel. Also wenn wir uns jetzt was dies betrifft, zu sehr auf unseren, auf die Selbstverständlichkeit sozusagen, der Durchsetzung unserer persönlichen und egoistischen Motive zurückziehen und sagen das ist etwas, was wir unbedingt beibehalten wollen, weil wir möchten das und haben uns das die ganze Zeit sozusagen als Werte-Versprechen der Gesellschaft einreden lassen. Jetzt wollen wir es auch ausgelöst oder eingelöst bekommen. Dann mindern wir nicht nur die Chancen der kommenden Generationen, sondern auch unsere eigene. Also ganz krass gesagt: Wenn wir uns nicht zusammenreißen als Gemeinschaft, minimieren wir die lebbare Zukunft für uns als Menschen, aber auch für die Tier- und Pflanzenwelt.

Ilona Und hier komme ich wieder aufs Gärtnern zurück, weil ich finde, wenn wir dann anfangen, uns als Gärtner:innen der Welt sozusagen zu begreifen, also als Gärtner, habe ich ja sozusagen die Verantwortung oder als Gärtnerin auch, die Verantwortung, oder ich fühle auf jeden Fall die Verantwortung in mir, dass es meinem Garten gut geht, dass alles sprießt und gedeiht, dass alles wächst und dass alles versorgt ist. Und ich bin dafür mehr oder weniger verantwortlich. Und dieses Gefühl, wenn wir das von unserem kleinen Garten auf die große Welt übertragen können, ich glaube, dann gibt es nämlich irgendwie was, wo wir sehen: Ja, das ist größer als ich kleines einzelnes Menschenwesen, da gibt es was Übergeordnetes, da gibt es eine Erdatmosphäre, die wirklich wunderbar funktioniert und was ganz fantastisch ist und soweit wir wissen einzigartig im Universum. Da gibt es irgendwie einen Wasserkreislauf, der total faszinierend ist, dass das alles so funktioniert. In einem Löffel voller gesunder Erde stecken mehr Lebewesen drin, als jemals Menschen auf der Erde gelebt haben. Also das sind alles so erstaunlich faszinierende Dinge. Und ich glaube, wenn man dafür einen Blick hat und wenn man da das Bewusstsein schult und schärft, ich glaube, dann kann man… Also meine Überzeugung ist, wenn Menschen das erkannt haben und dafür den Blick geöffnet haben, dann können sie nicht mehr leichtfertig hingehen und sagen „Nee, aber das Fliegen in Urlaub ist mir jetzt wichtiger, als dass sozusagen diese wunderbare Natur weiterhin bestehen bleibt“. Und ich glaube, insofern kann ebenso das Gärtnern wahnsinnig viel auslösen beim Menschen.

Marek Aber es liegt an uns, was wir jetzt daraus machen. Und es ist natürlich auch ganz wichtig zu sagen, wir dürfen uns auch jetzt nicht in der Richtung aufspielen, dass wir sagen, wir sind jetzt die Gärtner:innen der Welt und deswegen darf die Welt oder darf die Natur sozusagen auch nicht mehr eigene Entscheidungen treffen, um es mal ganz platt zu sagen. Wir müssen auch uns eingestehen, dass wir die Welt nicht in allen Belangen bis ins Letzte kontrollieren und uns untertan machen müssen, wie es ja eigentlich immer so die Vorstellung der Menschheit war, alles einzuhegen. Die Natur braucht auch ihre Freiräume und da ist sie durchaus in der Lage, sich selbst Gärtner oder Gärtnerin genug zu sein. Der Gärtner ist in diesem Fall keiner, der die Welt sozusagen unterjocht und die Natur sich gefügig macht, sondern der Gärtner oder die Gärtnerin ist jemand, der/die sozusagen im kreativen Miteinander schöpferisch in der Natur tätig wird.

Ilona Der oder die für das Wohl aller sorgt.

Marek Und für das Wohl aller sich einsetzt. Das, würde ich jetzt sagen, verstehe ich unter der gärtnerischen Tätigkeit.

Stefanie Wenn jetzt ein Hörer oder eine Hörerin sagt „Ja, ich bin total motiviert und es klingt total gut und ich will jetzt auch einsteigen“. Was wären denn so die ersten drei Schritte oder drei Tipps, die ergeben können, was jetzt jemand machen kann, der sagt „Ich möchte wirklich die Vielfalt retten und ich möchte jetzt mit dem Gärtnern die Welt verändern sozusagen“.

Ilona Also, ich fange vielleicht mal an, dann kannst du ja auch sagen, was deine Schritte sind.

Marek Ja, gern.

Ilona Also, egal ob jemand jetzt einen Garten hat oder nicht. Meiner Meinung nach ist der allererste und allerwichtigste Schritt ist beobachten. Sich Zeit nehmen, zur Ruhe kommen, beobachten, zuhören und verstehen. Weil ich glaube, ohne das Verständnis weiß man nicht, welche weiteren Schritte man machen soll. Und das kann dann in so einem blinden Aktionismus enden, wo man irgendwelche Dinge macht. Aber irgendwie, man weiß gar nicht warum und irgendwie geschehen dann andere Dinge im Garten und man weiß nicht warum und hat sie vielleicht selbst verursacht. Also ich glaube das Allerwichtigste ist sich die Zeit nehmen, hinsetzen, beobachten und zuhören und dabei sich als zweiten Schritt auch überlegen: Was ist mir eigentlich wichtig? Sich selbst auch zuhören. Was verspreche ich mir vom Garten? Was ist meine Motivation? Was wünsche ich mir, was der Garten mir geben soll? Also ist es Obst und Gemüse? Ist es irgendwie ein lauschiges Plätzchen zum Lesen? Ist es irgendwie die Ästhetik? Also schöne Blumen. Oder ist es, dass ich vornehmlich Tieren den Raum bieten will oder meinen Kindern zum Spielen? Also was ist es eigentlich, was ich mir von dem Garten verspreche? Und ich glaube daraus ergibt sich dann alles Weitere.

Marek Also, ich glaube auch das Beobachten ist der allererste Punkt. Sich erstmal anzuschauen, wie agiert eigentlich die Natur da draußen und was passiert dort? Also was passiert auch wann? Denn Beobachten heißt jetzt nicht aus dem Fenster gucken und zehn Minuten später loslegen. Sondern Beobachten heißt natürlich auch, das über einen längeren Zeitraum - Man kann ja auch schon beginnen - aber über einen längeren Zeitraum sich anzuschauen, zu notieren, wie die Natur reagiert. Wann kommen welche Pflanzen.

Ilona Wo scheint welche Sonne hin.

Marek Und wie sind eigentlich die Abläufe genau in der Region, um die es jetzt für mich geht? Das als allererstes. Wenn man das getan hat und auch weiß, was man eigentlich möchte, wäre es eigentlich ganz gut, sich einen Plan zu machen. Also zu überlegen, was ist eigentlich notwendig, damit mein Wunschgarten oder das Naturstück, was wir hier als Gemeinschaft ausgesucht haben, jetzt transformiert werden kann, nämlich dahin, wohin wir uns auch vorstellen, dass es sich verwandeln sollte. Und dazu gehört natürlich auch, dass man sich eingehender mit den Dingen beschäftigt. Es ist nicht notwendig, jetzt ein Doktor zu machen, um einen Garten anzulegen, aber es ist zumindest notwendig zu wissen, welche Pflanze mit welcher Pflanze kann oder wie Pflanzen reagieren in den unterschiedlichen, ich sage mal, Georegionen oder Wetterregionen. Wie funktioniert das Mikroklima. Es ist alles nicht so kompliziert, weil das meiste erschließt sich ziemlich einfach und wie gesagt durch Beobachtung. Die Pflanzen sagen einem auch, was sie wollen im übertragenen Sinne. Das sieht man allein dadurch, wie sie dann reagieren. Aber wenn man so einen Plan macht und sich einfach mal aufzeichnet, wie das aussehen soll, bekommt man auch schon so etwas wie eine Vision von dem Garten, den man haben möchte. Und ich glaube, diese Vision ist auch ganz wichtig, weil die ist Teil des schöpferischen, kreativen Prozesses der Transformation von dem Ort, wie er vorher war in den Ort, den man hinterher haben möchte. Und dann ist es sicherlich gut, auch da Experimente zu machen und auszuprobieren.

Ilona Genau. Also Gärtnern, also zumindest haben wir das festgestellt, das Gärtnern, das lernt man hauptsächlich so Learning by Doing, also indem man es macht und ausprobiert. Und das zweite oder eine zweite ganz wichtige Lernquelle für uns waren andere Menschen, also auch die Gemeinschaft. Das kann irgendwie das Gespräch am Gartenzaun mit der Nachbarin sein oder dem Nachbarn. Das kann sein, dass man mal zu einer Saatgut Tauschbörse geht. Das sind so Veranstaltungen, wo selbst gewonnenes Saatgut getauscht wird. Und da findet man auch natürlich ganz viele Menschen, die schon lange gärtnern und da auch Fragen beantworten können, mit denen man in Austausch kommen kann. Man kann mal Stadtgärten in der Nähe besuchen und dort sich mit den Menschen unterhalten. Oder was auch gut ist: Es gibt so eine Webseite gruenanteil.net heißt die. Da finden sich auch die unterschiedlichsten Gemeinschaftsgärten zusammen, aber auch Menschen die Stadt-Natur erhalten möchten, sei es Uferböschungen oder Parkanlagen oder was auch immer, die sich dafür einsetzen. Also da findet man auch auf jeden Fall Gleichgesinnte, weil das wäre auch nochmal so ein wichtiger Tipp von uns. Also sucht euch Leute, die sich auch dafür interessieren und tauscht euch mit denen aus und tauscht nicht nur Informationen, sondern tauscht auch Stecklinge und Saatgut und geteilte Stauden und Werkzeuge möglicherweise und alles Mögliche. Denn nicht jede:r muss alles einzeln haben. Also jede:r, der/die mal einen Garten hatte, in dem ein Apfelbaum steht, der weiß dass spätestens in einem guten Apfeljahr, wenn die Ernte reif ist, das Tauschen sozusagen das einzige ist, was hilft, weil man wird dann so viele Äpfel haben, dass man gar nicht weiß, was man mit denen machen soll.

Marek Also mir fallen noch zwei kleine Dinge ein, die natürlich jetzt von großer Bedeutung sind, aber die man schnell schildern kann. Das eine ist, wenn ich beobachte und feststelle, dass dort nicht nur Pflanzen ihren Lebensraum finden, sondern auch Tiere, ich mir auch genauer anschaue und Ilona hatte es ganz vorhin mal gesagt, was das Tier denn eigentlich will oder wie es sein Leben dort organisiert und nicht einfach drüber weggehe und sagt „Das haue ich jetzt weg und diesen Platz brauche ich irgendwie für was Hübsches“. Sondern auch darauf eingeht und diesen Tieren ihre Räume lässt, dass sie sich organisieren können und dass sie sich beheimaten können. Das ist das eine. Und das andere ist sicherlich, finde ich noch mal ganz persönlich wichtig, dass ich auch nicht einfach losgehe und jeden möglichen Schrott einkaufe in irgendwelchen Gartenbau-Märkten und mich dann mit Plastik zudecke mit Dingen, die dann meinetwegen ja später dann schon kaputt sind, sondern möglichst auf giftiges Material verzichte, auf Material, das sowieso schon fast schrottreif ist. Wenn ich es mir da irgendwie hinstelle und der erste Regen kommt oder auch unnatürliche Materialien, die eigentlich das Ökosystem wieder gefährden, wie viele Plastikstoffe. Dass ich darauf achte oder dass wir darauf achten, dass wir den Garten möglichst natürlich bewirtschaften.

Ilona Und so ein Garten bietet ja auch eigentlich reichlich Baumaterial. Also das Upcycling und Recycling hat im Garten ja schon eine uralte Tradition und man wird immer leicht verführt, gerade wenn man anfängt, dass man denkt „Ja, das brauche ich noch und das“. Das ist ein Riesenmarkt. Aber es ging mir auch am Anfang so, ich habe auch einige Sachen gekauft.

Marek Viele Leute ziehen los und gehen dann in diese Märkte rein und holen sich dann irgendwelche Pflanzen, die aber schon so angeboten werden, dass sie natürlich keine lange Lebenszeit haben, damit die Leute dann baldmöglichst wieder in den Laden kommen und sich was Neues hinstellen. Da ist es auch wirklich besser auf Qualität zu achten und nicht jetzt das Billigste zu nehmen.

Ilona Genau da kann man auch mal gucken. Es gibt immer so vom NABU usw., die organisieren auch so Pflanzenmärkte, wo sie dann wirklich Pflanzen aus der Region, irgendwelche Stauden oder Blumen und Gräser, also die sozusagen naturnah sind. Und das ist besser sich dann so was zu holen. Zum einen halten die lange und zum anderen sind die auch nicht so krankheitsanfällig und bieten Lebensraum und auch Nahrung für die ortsansässige Tierwelt.

Stefanie Okay, das ist ja schon ein super Einstieg. Habt ihr sonst noch irgendwie zum Abschluss was, was ihr den Hörer und Hörerinnen mit auf den Weg geben wollt?

Marek Ja, dass es sich auf jeden Fall lohnt, auch wenn, ich meine, es gibt ja schon einen Trend in Richtung der Garten und Kleingärten und Schrebergartenvereine, wo viele Leute dann auch jetzt die Natur sozusagen neu entdecken, dass man Spaß am Entdecken hat und dass es einem Freude bereitet, ja mal die Hände in die Erde zu stecken und plötzlich festzustellen, wie gut einem das tut, sich mit dem Garten zu beschäftigen.

Ilona Genau. Und soweit wir zumindest das beobachten können, dass die weltweite Bewegung der Kleingärtner:innen, der kleinen Bauern und Bäuerinnen und überhaupt so dieses ganze natürliche, naturnahe Anbauen, dass das eine weltweite Bewegung ist, die eigentlich so viele praktische Lösungen im Moment ausprobiert und auch anbietet, wie eigentlich sonst kaum eine Bewegung. Und die hat wirklich auch global eine riesen Wirkungskraft und sorgt für ganz viel neues Bewusstsein. Und das Allertollste ist , dass jeder und jede total leicht mitmachen kann und dass es auch super viel Spaß macht und total erfüllend ist. Aber das ist sozusagen ein politischer Aktivismus, der sich gar nicht so anfühlt und für viele auch in erster Linie gar nicht unbedingt ein politischer Aktivismus ist, aber dann letztendlich doch eigentlich, wenn man so naturnah gärtnert. Und da können wir noch jeden und jede einladen. Macht mit.

Stefanie Das heißt also, auch wenn ich keinen grünen Daumen habe, loslegen.

Ilona Ja, natürlich. Also der grüne Daumen ist ein Mythos meiner Meinung nach.

Marek Ja, ich glaube auch, jede:r findet so sein/ihr Ressort, also seinen/ihren Bereich, den er/sie klasse findet. Es muss ja nicht immer jetzt der vermeintlich nicht funktionierende grüne Daumen an irgendeiner Topfpflanze scheitern. Dann macht man was anderes. Also die Natur ist so reichhaltig und die Möglichkeiten sind so weit, dass da eigentlich kein Daumen scheitern kann.

Stefanie Okay, vielleicht noch abschließend: Wo findet man euch im Internet und wo findet man das Buch überall?

Ilona Also das Buch gibt es in jedem Buchladen, also in jedem guten Buchladen kann man es zumindest bestellen, wenn es nicht vorhanden ist.

Marek Also wir empfehlen immer den kleinen Buchladen um die Ecke.

Ilona Wir empfehlen den kleinen Buchladen um die Ecke. Dann gibt es natürlich noch buch7.de, den sozialen Online Buchladen, der total super ist. Und nicht zuletzt könnt ihr auch in der Bücherei gucken, ob es da auszuleihen gibt. Man muss ja nicht jedes Buch gleich selbst kaufen und online findet ihr uns unter jetztrettenwirdiewelt.de/gruenes. Da findet ihr alle Aktionen, die wir auch im Buch haben oder Aktivitäten, die ihr im Garten machen könnt. Und das bauen wir auch noch weiter aus diesen Fundus. Und da gibt es aber auch eine kleine Info zum Buch.

Stefanie Okay. Ja, wunderbar. Dann bedanke ich mich ganz herzlich für eure Zeit und für die vielen Eindrücke, die ihr geschildert habt. Und ja, vielen Dank.

Ilona Vielen Dank.

Marek Das hat Spaß gemacht.

Stefanie Das war das Interview mit Ilona und Marek zu ihrem Buch „Gärtnern für eine bessere Welt“. Und ich möchte diese Folge nicht beenden, ohne mich bei unseren treuen Steady Unterstützern und Unterstützerinnen zu bedanken. Ganz ganz herzlichen Dank! Und dann bleibt mir nichts anderes zu sagen als in diesem Sinne: In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Mehr zum Buch "Gärtnern für eine bessere Welt"
https://jetztrettenwirdiewelt.de/gruenes/

Das Buch "Gärtnern für eine bessere Welt" auf buch7.de
https://www.buch7.de/store/product_details/1033502255

Die Geschichte einer scheiternden Zivilisation

Ein Beitrag

Folge 170 - Die Geschichte einer scheiternden Zivilisation

In dieser Folge stellt Carsten das Buch "Das Ende der Megamaschine - Geschichte einer scheiternden Zivilisation" von Fabian Scheidler vor.

Das Buch erzählt die grausame Geschichte der Menschheit der letzten 5000 Jahre und bringt es auf den Punkt: Im Grunde verbrennen wir die Erde für eine endlos wachsende Zahl an Nullen. Es geht um Macht, Profit und Gewalt - ein krankes System, das krank macht.

Fabian Scheidler zeigt auf, wie es dazu kommen konnte, dass wir heute in diesem "Mehr, mehr, mehr"-System leben und beleuchtet dabei die Expansion des modernen Weltsystems von Europa aus über die Erde.

Ein sehr bewegendes Buch, das Du unbedingt gelesen haben solltest.

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge wollen wir mal wieder ein Buch vorstellen. Und zwar handelt es sich um „Das Ende der Megamaschine“ von Fabian Scheidler. „Geschichte einer scheiternden Zivilisation.“ Ich habe dieses Buch tatsächlich vor vier Jahren, als es damals erschienen ist - also nicht ganz vier Jahren. Es ist 2015 erschienen und ich meine, ich habe irgendwann im Herbst oder so, habe ich das Buch entdeckt und den Autor auch, als ich auf der Suche war zu meiner Recherche für die Milchgeschichten. Und damals gab es bei uns in Hamburg an der Uni eine Lesung oder eine Diskussion mit dem Autor und ich meine noch einer Person. Und ich war damals da, aber das ist jetzt echt schon fast vier Jahre her und ich kann mich kaum noch an irgendwas erinnern. Und ich weiß aber noch, dass ich das Buch eigentlich unbedingt lesen wollte, aber ich konnte es mir damals nicht ausleihen und jetzt hat Carsten es ausgeliehen und Carsten hat es auch gelesen. Und deswegen wird Carsten es jetzt auch rezensieren. Worum geht es denn in dem Buch?

Carsten Ja, das ist die große Frage, die ich mir am Anfang auch gestellt hatte, weil der Titel Megamaschine, der ist ja sehr interpretationsbedürftig. Und da würde ich tatsächlich empfehlen, bevor wir jetzt wirklich so ein bisschen in die Inhalte dieses Buches reingehen, noch mal so 1,2,3 Passagen aus der Einleitung kurz vorzulesen. Die stimmen einen auf das Thema ein und umreißen eigentlich ganz gut, worin und worum es in diesem Buch geht.

Stefanie Und weil du von mir in dieser Folge wieder so wenig hören wirst, haben wir uns schon vorab darauf geeinigt, dass ich die Passagen vorlese und Carsten erzählt dann alles weitere dazu.

Einleitung, zweiter Absatz: „Wir sind augenblicklich Zeugen wie ein ganzer Planet, der vier Milliarden Jahre für seine Entwicklung brauchte, in einer globalen Wirtschaftsmaschinerie verheizt wird, die Unmengen von Gütern und zugleich Unmengen von Müll produziert, irrsinnigen Reichtum und massenhaftes Elend, permanente Überarbeitung und sinnlosen Leerlauf. Ein Außerirdischer, der uns besuchen würde, könnte dieses System nur für verrückt halten. Und doch entbehrt es nicht einer gewissen Rationalität. Der harte Kern dieser Rationalität besteht in der unendlichen Vermehrung von Zahlenkolonnen auf den Konten einer relativ überschaubaren Zahl von Menschen. Diese Zahlenkolonnen länger zu machen, scheint letztlich das einzig verbliebene Ziel der globalen Megamaschine zu sein. Die Erde wird für eine endlos wachsende Zahl von Nullen verbrannt.“

Carsten Ja, ich finde diesen einleitenden Absatz sehr interessant. Der hat mich wirklich ganz, ganz tief angesprochen. Zum einen, weil ja dieses Verständnis da ist: Wofür machen wir das alles? Und er bringt es auf den Punkt: Wir machen das einfach für mehr Nullen auf irgendwelchen Konten. Also eigentlich eine ganz abstrakte Thematik, die wir auch gar nicht physisch greifen können. Und dafür verbrennen wir tatsächlich diesen Planeten. Das ist der totale Irrsinn. Und er bringt das aus meiner Sicht in diesem Absatz extrem gut auf den Punkt. Zum anderen geht er da ja auch schon so ein bisschen in den Bereich Megamaschine. Den Begriff hat er gewählt und auch schon leicht anklingen lassen, dass es so um eine Wirtschaftsmaschine geht. Den Begriff erklären wir gleich noch mal ein bisschen, aber so um den Kontext des Buches ein bisschen besser greifen zu können. Da gibt es so einen zweiten, kurzen, einleitenden Satz oder eine Passage, die wir auch nochmal kurz vorlesen:

Stefanie „Wenn wir uns das Verhalten eines Menschen nicht erklären können, wenn wir ihn für verrückt halten, dann hilft es manchmal, seine Geschichte zu erzählen. Menschen tun selten etwas ohne Gründe, aber diese Gründe sind oft nicht in der unmittelbaren Gegenwart zu finden, sondern in der Vergangenheit, wo sich die Muster dieses Verhaltens gebildet haben. Nur wer die eigene Geschichte kennt, kann sie ändern. Und für soziale Systeme, die ja aus Menschen bestehen, gilt das Gleiche.“

Carsten Ja, da wird klar, dieses Buch geht auf die Historie unserer Menschheit ein. Allerdings aus einem für mich vorher unbekannten Blickwinkel. Und ich muss dazu sagen, dass dieses Buch mich wütend gemacht hat. Also wütend in zweierlei Hinsicht. Zum einen bin ich sehr, sehr wütend geworden, weil mir noch einmal vor Augen geführt wurde, was für ein Schwachsinn wir hier eigentlich veranstalten, was für ein Elend wir verursachen. Da geht er in bestimmten Kontexten schon relativ detailliert mit rein. Das ist jetzt kein ungewöhnlich harter Tobak, aber in der Kombination, wo er nochmal über Landraub, über Sklaverei, über Ausbeutung spricht, in diesem historischen Kontext und in der Art und Weise, wie er es präsentiert, hat mich das wirklich nochmal sehr stark berührt und auch, wie gesagt wütend gemacht.

Der zweite Aspekt, warum ich wütend geworden bin, ist, weil ich mich tatsächlich betrogen gefühlt habe. Betrogen in der Hinsicht, dass die Art und Weise, wie mir vorher die Menschheitsgeschichte oder der geschichtliche Verlauf erklärt wurde, sei es jetzt in der Schule oder über Geschichtsbücher etc. eigentlich genau diese Erzählung, die Fabian Scheidler hier in seinem Buch aufgreift, überhaupt nicht berücksichtigt hat. Er guckt dort wirklich aus einer Perspektive, die ich ansonsten aus dem Schulwissen und aus dem alltäglichen Wissen so noch nie herausgehört habe. Und er zeigt dort Facetten, die so greifbar sind, die so klar sind - das ist ähnlich wie die Erkenntnis, wenn man vegan wird, eigentlich war all das Wissen vorher schon da, man hat es nur nicht an sich heran gelassen, hat immer aus irgendeinem verkrüppelten Blickwinkel auf die Thematik geschaut, so dass man das alles von sich drücken konnte. Und ähnlich ist es jetzt hier mit der Art und Weise, wie die Menschheitsgeschichte tatsächlich abgelaufen ist.

Und da bringt er durch seine Perspektive aus meiner Sicht eine ganz wichtige Erklärung rein, die, wie gesagt, ich habe mich einfach nur betrogen gefühlt von all den Leuten, die vorher versucht haben, mir den Lauf der Dinge zu erklären. Und ich denke, das wir dir als Leser·in vielleicht ähnlich gehen, dass du nachher, wenn da in die Historie rein geschaut wird und du diese Erklärungsmuster noch mal anders dargelegt bekommst, dass du einfach mit dem Kopf schüttelt und sagst: warum hat mir das vorher keiner so erzählt, warum hat das vorher noch nie jemand so bedacht oder auch so in diese Reihenfolge gesetzt und das ganz offensichtlich auch tatsächlich in den Vordergrund gerückt? Da gehen wir gleich noch mal ein bisschen drauf ein.

Im Vorfeld haben wir ja noch die Frage: Was ist eigentlich diese Megamaschine? Und die erklärt Fabian Scheidler in einem weiteren Absatz, den wir jetzt auch noch mal kurz vorlesen:

Stefanie „Ich benutze dafür den metaphorischen Begriff der ‚Megamaschine‘, der auf den Historiker Lewis Mumford (1895 bis 1990) zurückgeht. ‚Maschine‘ meint hier keine technische Apparatur, sondern eine gesellschaftliche Organisationsform, die wie eine Maschine zu funktionieren scheint. Ich sage ausdrücklich ‚scheint‘, denn bei allen systemischen Zwängen besteht die Maschinerie letztlich aus Menschen, die sie täglich neu erschaffen und damit zumindest unter bestimmten Bedingungen auch aufhören könnten.“

Carsten So, und diese Maschinerie sagt er selber schon, mit Zwängen versehen werden wir Menschen dazu gebracht, ein bestimmtes Verhalten auszuführen. Und dieses Verhalten ist das, was wir tatsächlich heute vorfinden, also in anderen Kontexten oder in anderen Bereichen der imperiale Lebensstil. Externalisierung von Kosten. All das, was irgendwo an Elend, Leid, Ausbeutung auf der Welt passiert, das ist etwas, was durch das Handeln von uns, von den Leuten, die in industrialisierten Nationen agieren, geschaffen wird. Und das passiert nicht einfach so, sondern das unterliegt bestimmten Zwängen.

Fabian Scheidler spricht dort auch von den vier Tyranneien. Das ist aus meiner Sicht ein sehr überspitzter Begriff, aber er meint dort eigentlich Zwänge, die uns dazu bringen, genau das zu tun, was wir heute tun: diesen Planeten auseinanderzunehmen, zu zerstören und unsere eigene Lebensgrundlage damit zu zerstören. Und diese vier Tyranneien sind so ein bisschen erklärungsbedürftig, um zu verstehen, warum handeln wir eigentlich so? Ist das freiwilliger Natur oder wo kommt das eigentlich her? Und ich gehe jetzt mal diese Tyranneien so weit durch, wie Fabian Scheidler sie verwendet.

Er spricht dort von der ersten Tyrannei, von der sogenannten physischen Macht. Damit meint er Waffengewalt, also wirklich die physische Gewalt gegenüber uns Menschen mit Androhung von Gewalt, Durchführung von Gewalt, die uns zwingt, ein gewisses Handeln durchzuführen, was wir so eigentlich gar nicht wollen, wo andere Interessen einfach mit Waffengewalt durchgesetzt werden. Das ist so die erste Tyrannei.

Die zweite Tyrannei. Da spricht er von der strukturellen Gewalt. Das sind zum Beispiel systematisch ungleiche Verteilung von Rechten, Besitz, Einkommen und Prestige. Also im Grunde genommen dieses Exklusivitätsthema, was ich auch beim imperialen Lebensstil vorfinde, wo nur eine kleinere Minderheit einen sehr exklusiven Lebensbereich hat exklusive Rechte, exklusive Besitzrechte, Eigentumsrechte, die aber anderen verwehrt bleibt. Das ist quasi so die strukturelle Gewalt.

Die dritte Tyrannei. Da spricht er von der ideologischen Macht. Ich brauche also, wenn ich eine physische Macht habe, eine strukturelle Gewalt habe, brauche ich letztendlich auch eine bestimmte Ideologie, die das Ganze legitimiert. Und diese Ideologie, die dahinter steht, die hat sich im Laufe der menschlichen Geschichte immer verändert. Also da gab es anfangs eine religiöse Autorität oder religiöse Macht, eine moralische Ideologie, dass bestimmte moralische Zwänge in den Vordergrund gerutscht sind. Wissenschaftliche Ideologien, die wir heute so erleben, dass wir versuchen sehr wissenschaftlich mit Fakten umzugehen und und glauben, das ist das einzig Wahre. Also wissenschaftlich erprobte Methoden, die einfach rechts und links schon gar nichts mehr an Wahrheiten zulassen.

Das geht hin bis zu so einer, er nennt es „Expertokratie“, wo nur noch Expert·innen in der Lage sind, die Wahrheit zu definieren, weil das Wissen so expertengetrieben ist, dass der·die Ottonormalverbraucher·in das eigentlich auch gar nicht mehr kognitiv verstehen kann und darauf vertrauen muss, dass die Expert·innen, die sich mit den einzelnen Bereichen sehr intensiv auskennen, wissen, was sie tun und dementsprechend auch die Wahrheit kennen. Und damit wird den Personen, die sich nicht als Expert·innen in den einzelnen Bereichen etablieren können, auch der Anspruch genommen, selber ein Teil der Wahrheit herbeiführen oder erkennen zu können. Und letztendlich geht es auch in den Bereich der Kontrolle von Massenmedien. Die Art und Weise, wie auch Medien immer stärker zentralisiert werden in bestimmten Händen - ja, ich rede dort von Personen, Konzernen und vielleicht auch sehr reichen Personen, die mehrere Medien in ihrem Imperium bündeln, Zeitungen, Radiosendungen, Fernsehsendungen, Filmstudios etc.

Das sind ja teilweise alles sehr, sehr starke, konzentrierte Medien, wo es dann relativ einfach ist, bestimmte Meinungen auch damit zu fördern oder Ablenkungsmanöver zu fahren etc. Also muss noch nicht mal unbedingt stark in den manipulativen Bereich mit reingehen, wie Propaganda oder so was, sondern einfach dass Bilder oder journalistische Aktivitäten, die nicht diesem Mainstream angehören, sondern sehr kritisch sind, es schwerer haben, in einer medialen Konzentration überhaupt Gehör zu finden. Das gehört alles zu dieser Sphäre der ideologischen Macht. Und diese drei Tyranneien, also physische Macht, strukturelle Gewalt und ideologische Macht, die arbeiten sehr stark zusammen. Da ist nicht jede dieser Machtsphären für sich alleine, sondern das ist schon ein starkes Gewirr und eine Komplexität, die daraus entsteht. Und die können aber letztendlich auch nur deswegen so elementar zusammenwirken, weil im Hintergrund noch die vierte Tyrannei existiert.

Und die benennt Fabian Scheidler als die Tyrannei des linearen Denkens. Das ist das, was bei uns sehr stark auch im gesellschaftlichen Denken vorhanden ist, dass wir immer in Ursache und Wirkung denken. Wenn ich etwas tue, dann muss das passieren, also dieses Lineare. Er beschreibt es so, dass dieses Kausalitätsdenken problemlos in unbelebte Materie umgesetzt werden kann. Als Beispiel nennt er: wenn ich einen Stein trete, dann wird der Stein nach vorne fliegen. Wir sind aber so dazu getrieben, dass wir diese Erkenntnis, die daraus erwächst, auch auf alles andere münzen und das als einzelne Wahrheit definieren. Wir neigen dazu, dieses Kausalitätsdenken auf alle Bereiche des Lebens überzustülpen und alles, was nicht kausal erklärt wird, entspricht nicht der Wahrheit oder wird als nicht genug erforscht dargestellt oder keine Ahnung was. Wir weigern uns einfach anzuerkennen, dass es auch viele, viele Bereiche im Leben, in der Gesellschaft gibt, die nicht diesem Kausalitätsdenken unterliegen, sondern Fabian Scheidler führt dort analog zu diesem Beispiel „Ich trete einen Stein und der Stein rutscht nach vorne und ich kann auch ermessen oder berechnen, wie weit er nach vorne rutscht, weil ich berechnen kann, wie viel Kraftaufwand ich durch den Fußtritt zum Beispiel in den Stein transportiere und bei dieser unbelebten Materie kann ich alles mathematisch physisch berechnen.“

Und er geht jetzt hin und sagt ja, ein Gedankenexperiment: Ich trete einen Hund. So und da wird einfach ganz klar - also unabhängig davon, dass man Hunde nicht treten sollte - der Übertrag in die belebte Materie lässt sich nicht so einfach durchführen, weil ich aus dieser Perspektive der unbelebten Materie nicht sagen kann, ich trete jetzt mit einer bestimmten Wucht den Hund und kann dadurch berechnen wie weit fliegt denn jetzt der Hund? Ja, der Hund muss nicht unbedingt fliegen, der kann stehen bleiben, er kann mich anbellen und er kann mich beißen. Er kann den Schwanz zusammen kneifen und jaulend zur Seite gehen. Das Verhalten des Hundes ist für uns nicht mehr berechenbar, nicht mehr vorhersehbar, weil belebte Materie, das Leben an sich, eine ganz andere Komplexität mit sich bringt. Und das ist einfach wichtig anzuerkennen, dass wir mit lebenden Systemen arbeiten.

Dieses Kausalitätsdenken selber wird auch sehr stark verknüpft mit diesem Herrschaftsanspruch, dass wir Menschen glauben, wir sind Herr über die Natur, wir dürfen die ausbeuten, weil wir quasi auch die Folgen vorhersehen können etc. Also Klimawandel etc. den ganzen Katastrophen, die jetzt aufkommen, zeigen einfach, dass das nicht funktioniert. Und trotzdem baut einfach diese Ideologie weiterhin auf dieses Kausalitätsdenken auf. So, und das sind diese vier Tyranneien: physische Macht, strukturelle Gewalt, ideologische Macht und die Tyrannei des linearen Denkens. Und dieses Gewebe führt letztendlich dazu, dass wir im Moment als Menschheit so handeln, wie wir handeln, dass wir davon überzeugt sind, dass das, was wir tun, auch gut ist. Also sprich, wir müssen Fortschritt bringen, wir müssen Wirtschaftswachstum haben, wir haben ein gewisses Sendungsbewusstsein für „unterentwickelte“ Staaten. Also wir müssen Entwicklungshilfe betreiben, um die „Dritte Welt Länder“ auf das gleiche Wirtschaftsniveau, auf das gleiche Wohlstandsniveau zu bringen, wie wir jetzt in der „ersten Welt“ sind. Das ist so ein Sendungsbewusstsein, was sehr stark von dieser ideologischen Macht ausgeht. Und die Art und Weise, wie wir dabei vorgehen, ist ja - im Endeffekt wissen wir alle, die schon so ein bisschen kritischer denken - eigentlich ein Raubbau an Mensch, Natur und Umwelt. Die Wichtigkeit dieser vierten Tyrannei, also des linearen Denkens, hebt Fabian Scheidler nochmal separat hervor:

Stefanie „Die Anwendung linearen Denkens auf lebendige Systeme hat sowohl gesellschaftlich als auch ökologisch eine Verwüstungsspur auf dem Planeten hinterlassen. Eine Überwindung der ersten drei Tyranneien - der physischen, ökonomischen und ideologischen Macht - kann nur gelingen, wenn unser Denken über Mensch und belebte Natur diese vierte Tyrannei überwindet und fähig wird, die Lebendigkeit der Welt - und das bedeutet auch, ihre Nicht-Kalkulierbarkeit - zu erkennen. Erst wenn wir die Vorstellung von der Beherrschbarkeit der Natur aufgeben, können wir hoffen, zu Formen der sozialen und ökologischen Kooperation zu gelangen, die diesen Planeten auf Dauer bewohnbar bleiben lassen.“

Carsten So, das ist jetzt quasi der Vorbau, um die weiteren Geschehnisse, die er dort skizziert, besser einsortieren zu können, besser zu verstehen. Also auch dieses Handeln, was daraus erwachsen ist, wie wir Menschen in der Vergangenheit und heute reagiert haben. Der geschichtliche Kontext. Und da springt er dann auch rein, um diese Historie der Menschen, also die Menschheitsgeschichte, noch mal in einer Art Zeitraffer darzustellen, aber aus einer Perspektive, die mir bisher nicht so ganz bekannt war. Wie ich gerade schon mal sagte, wo ich mich dann auch tatsächlich so ein bisschen betrogen gefühlt habe.

Vorweg trotzdem noch mal ein bisschen was, also der Begriff Tyrannei, den er dort verwendet und Megamaschine, das fand ich so ein bisschen schwierig, weil das klingt so nach: Da steckt ein Masterplan dahinter. Also da sind Leute, die irgendwo die Fäden in den Händen gehalten haben und die haben sich vorher irgendwie so einen bestimmten Masterplan zurechtgelegt und versucht, die Menschheit und auch die Menschheitsgeschichte zu steuern. Das meint Fabian Scheidler nicht und das steckt auch nicht dahinter. Also da muss man immer so ein bisschen differenzieren. Dem Autoren bleibt jetzt nichts anderes übrig, als ein bisschen zu simplifizieren, also versuchen, so einzelne Aspekte der Menschheitsgeschichte herauszugreifen und in einen bestimmten Kontext zu rücken. Aber man muss immer im Hinterkopf behalten, dass es, egal zu welcher Zeit, immer extrem komplex war und diese Komplexität teilweise aus sich selbst heraus entstanden ist und keinem vordefinierten Masterplan angehört. Sonst kommt man leicht in diesen schwurbeligen Bereich von irgendwelchen Verschwörungstheorien und Geheimlogen und so, die da versuchen steuernd einzugreifen. Also in die Richtung geht es definitiv nicht.

Und deswegen fand ich auch den Begriff Tyrannei so ein bisschen schwierig zu übersetzen. Vielleicht wäre Sachzwang ein besserer Begriff gewesen, aber er spricht von Tyrannei. Nachdem er also diese Tyranneien erklärt hat, geht er schon sehr tief in die Menschheitsgeschichte, und zwar in die Phase, wo Metalle geschürft wurden, Erze aus den Bergen heraus geholt worden sind, also quasi in die Entstehungsphase des Geldwesens. Und bisher hatte ich eigentlich immer den Eindruck, Geld ist irgendwie entstanden, weil die Menschen miteinander Handel betreiben wollten, um auch den Wertgegenständen, die dort gehandelt wurden, vielleicht ein besseres Tauschmittel entgegenzusetzen. Also dieses Klassiker ich tausche irgendwie Schwein gegen Pferd oder irgendwie so was. Also das ist ja aber so ein bisschen schwierig, dann vom Wertmäßigen her zu übersetzen und dass daraus dann die Notwendigkeit kam, irgendwo ein Zahlungsmittel zu bekommen, mit dem man das besser austarieren konnte.

Und er schreibt: Nein, das war nicht der Fall. Die Menschen, die damals gelebt haben, die brauchten eigentlich gar kein direktes Geld, die haben sich selbst versorgt, also sehr stark Selbstversorgung betrieben. Die haben in einer lokalen oder regionalen Gemeinschaft agiert, ihre Güter untereinander getauscht und es gab eigentlich diesen klassischen Markt gar nicht. Also es war auch nicht die Notwendigkeit da, jetzt Güter untereinander zu tauschen, sondern die ersten Märkte waren Luxusgüter aus fernen Landen, auf denen irgendwelche luxuriösen Güter oder Gegenstände erworben wurden, die den Wohlhabenden zur Verfügung gestellt wurden, was aber nichts zum täglichen Leben bedeutet hat, sondern eigentlich mehr für die Person, die jetzt keine Ahnung aus dem adligen Umfeld kam und großen Reichtum besaßen, dass die sich irgendwie noch stärker hervorheben konnten durch Luxusgüter. Und das Problem war einfach, dass es bei der landläufigen Bevölkerung nicht die Notwendigkeit gab, jetzt irgendwie mit Geld zu hantieren.

So, und da kommen jetzt einige Faktoren ins Spiel, wie dass das Geld dann tatsächlich entstehen konnte und sich auch nachher als Zahlungsmittel durch Zahlungsmittel durchgesetzt hat. Und das ist etwas, wo auf der einen Seite der Staat, aber auch der „freie Markt“ mit rein greift. Fabian Scheidler schreibt, dass der „freie Markt“, so wie wir es heute so aus dieser neoliberalen Ideologie her kennen, gar nicht ohne Staat existieren konnte. Es mussten sich erst bestimmte Herrschaftsverhältnisse bilden. Heute sind es die Staaten, damals waren es vielleicht irgendwie Fürstentümer oder andere kleinere Reiche, wo eine Autorität existierte, die auch physische Gewalt anwenden konnte, die den Menschen, die ihr unterstanden, entsprechend über Repressalien Dinge abgewinnen konnte. Ursprünglich war es so, die mussten irgendwie Naturalien bezahlen. Später wurde denen auferlegt, nein, ihr müsst Geld bezahlen. Und erst als dann die herrschenden Klassen anfingen Geld einzufordern anstatt Naturalien, waren die Bauern und wer auch immer da irgendwie zinspflichtig war oder abgabenpflichtig war, gezwungen Geld zu bekommen. Das wächst ja nicht auf Bäumen, das muss ja irgendwo herkommen. Und das hat dann dazu geführt, dass Handel betrieben werden musste. Die mussten anfangen, ihre Gegenstände gegen Geld zu verkaufen, zu tauschen, damit sie dann das Zinsgut ihrem Herrscher gegenüber auch in barer Münze auszahlen konnten.

Das hatte natürlich dann dazu geführt, dass die Geldwirtschaft tatsächlich erst wirklich Fuß fassen konnte. Wie gesagt, der einzelne Bauer hatte vorher keine Notwendigkeit, Geld zu haben. Das klingt jetzt erstmal so schön, dass man die Geldwirtschaft hat. Das hat dann aber auch dazu geführt, dass die Verelendung der Bauern anfing, weil es heißt nicht, dass automatisch in dem Moment, wo ich jetzt auf einem potenziellen Markt stehe und meine Güter anbiete, auch dementsprechend Geld bekomme. Der Herrscher hat trotzdem seinen Zins eingefordert und wenn der nicht geleistet werden konnte, war der Bauer gezwungen sein Land zu veräußern. Und wenn er die Pacht nicht mehr bezahlen konnte. war er land- und besitzlos und musste seine Arbeitskraft so irgendwie anbieten. Also es hatte letztendlich dazu geführt, dass eine große Verelendung der Bevölkerung eingetreten ist, von allen Personen, die sich das nicht leisten konnten, diese Abgaben in Geld zu bezahlen. Und gleichzeitig hat eine Konzentration aufseiten der Besitzenden stattgefunden, die davon profitiert haben, dass sie diese Länder kaufen oder als Ausgleich bekommen haben. Also so, du kannst die Zinsen nicht bezahlen, also kriege ich jetzt deinen Hof.

Das ist natürlich dann so eine Schattenseite, die so in der mir bekannten Geschichte der Geldwirtschaft so bisher noch nicht so aufgetaucht ist. Das klingt jetzt immer so total verheißungsvoll: super Märkte entstehen und dass das dann auch diesen Beigeschmack von Enteignung hatte, das war mir bisher noch nicht so bewusst. Und das finde ich wirklich hervorragend, weil genau dieser Perspektivwechsel dieses komplette Buch durchzieht. Der Autor guckt auf die geschichtlichen Ereignisse und sortiert sie anders ein als das, was ich normalerweise landläufig bekommen habe. Ich möchte jetzt nicht jedes einzelne Kapitel durchgehen, dafür ist das Buch auch zu komplex aufgebaut und das kriegen wir jetzt tatsächlich in einer Folge nicht so im Detail erklärt. Mir geht es einfach darum, so einzelne Aspekte noch ein bisschen zu benennen.

Wie du gerade schon gemerkt hast: der Autor geht vom geschichtlichen Zusammenhang in die Zeit der Marktentstehung, wo kommt eigentlich der Geldmarkt her? ein und zeigt dort auch noch mal, dass das Silber, also diese Edelmetalle, die nachher so als Währung verwendet werden, aus Minen geschöpft werden, wo wirklich ganz, ganz, ganz miese Arbeitsbedingungen vorherrschten. Also da wurden auch Sklaven eingesetzt, Personen, die sich dann aufgrund der Repressalien der herrschenden Mächte ihre Ländereien nicht mehr leisten konnten und als landlose Besitzlose dann verdingt machen mussten, dass die teilweise gezwungen waren, in diesen Minen zu arbeiten und dass auch da ein wahnsinniges Elend entstanden ist, nur um diesen Geldmarkt auch physisch mit Geld zu befeuern und geht dort dann auch auf den Montanbau ein. Also sprich alles das, was irgendwo mit Erzen zu tun hat, später auch mit mit Steinkohle, also mit diesen fossilen Energieträgern, dass dort ein riesiger Raubbau an Mensch und Natur stattfand, immer schon, weil dort auch die mächtigen Eliten, muss man dazu sagen, einfach die Möglichkeit hatten wahnsinnig viel Geld zu scheffeln.

So, und das ist ja auch heute noch so. Das heißt also multinationale Konzerne, die heute so die Kräfte sind, die setzen sich über Staatsgrenzen hinweg, über bestehendes lokales Recht hinweg und beuten dort die Erde aus, um Kohle oder irgendwelche Metalle, Edelmetalle zu fördern und die Menschen, die dort in den Bergwerken aktiv sind - da hat sich zwar schon ein bisschen was geändert, aber auch heute reden wir dort mitunter von Personen und Menschen, die in sklavenähnlichen Verhältnissen dort arbeiten müssen und dementsprechend hat sich das vom Geschichtlichen her nicht nicht wirklich so weit entwickelt, dass man sagt: Hey, alles toll. Also damals war es ätzend, aber es gab dann eine ganz tolle Entwicklung und heute ist alles tutti. Also der Mechanismus, mit dem wir den Wohlstand erarbeiten, hat sich seit damals nicht grundlegend verändert, auf Kosten anderer.

Das prägende Bild, das der Autor dort zeigt, ist, dass es in der gesamten Menschheitsgeschichte immer diese Machtverhältnisse gibt, zwischen einzelnen Gruppierungen, sei es jetzt irgendwo ein Fürst, Herzog, König, einer Organisation wie einer Regierung oder vielleicht heute transnationale Konzerne, die bestimmte Interessen vertreten, denen es letztendlich nur darum geht, Reichtum zu mehren. Dass es in der gesamten Menschheitsgeschichte ähnliche Kämpfe gegeben hat, wo phasenweise die unterdrückten Menschen und Strukturen sich versucht haben zu emanzipieren, dass das teilweise auch phasenweise ein Stück weit gelungen ist, dann aber doch wieder gescheitert ist, weil die mächtigen Strukturen dort mit noch härterem vorgehen - mit noch stärkerer physischer Gewalt oder vielleicht auch mit strukturellen Maßnahmen langfristig dieses Aufbegehren unterbunden haben. Und das war mir bisher nicht so wirklich bekannt. Ich habe das immer nur so aus der jüngsten Geschichte wahrgenommen. Wenn jetzt zum Beispiel irgendwelche Aufstände da waren, Streiks fallen mir ein, zum Beispiel, wenn man rein auf lokaler oder regionaler Ebene oder auf nationaler Ebene guckt, aber auch so dieser arabische Frühling oder so, das habe ich immer so als Neuzeitphänomene wahrgenommen.

Und Fabian Scheidler zeigt einfach, dass das eigentlich etwas ist, was immer wieder passiert ist, wo sich dann Bauern, Handwerker, Bürger zusammengetan und versucht haben eine als egalitäre beschriebene Gesellschaft aufzubauen und das Ganze auf Gleichberechtigung. Also da, wo wir heute ja quasi hingehen und sagen, wir müssen jetzt irgendwo Richtung Transition Town denken, soziale Bewegungen, Kommunen, solidarische Lebensweisen etc. dass das eigentlich immer schon so ein Bestreben war, von Personen, die aus diesem Unterdrückungssystem heraus wollten, die sich so formiert haben und das dann auch eine Zeit lang auch leben konnten. Aber wie gesagt, dann durch die Strukturen, die um sie herum existierten, dann teilweise mit brachialer und brutaler Gewalt vernichtet wurden.

Also etwas, was mir vor einiger Zeit das erste Mal aufgefallen ist, ist die sogenannte „Pariser Kommune“, wo es damals in Paris eine Art Räterepublik gab. Die ist mir das erste Mal so namentlich bekannt geworden, als ich mich mit dem Thema Anarchismus auseinandergesetzt habe. Materie, die für mich nach wie vor relativ fremd ist. Wo ich jetzt aber merke, dass dieser Anspruch „Keine Macht für niemanden.“, das sind diese egalitären Gesellschaften, um zu verhindern, dass es Hierarchien gibt, dass sich irgendwo Hierarchien etablieren können, wo einzelne oder auch kleinere Gruppen über große Menschenmengen bestimmen und dadurch eine Machtkonzentration stattfindet. Und um das zu vermeiden, gab es wie gesagt immer schon Bestrebungen in der Bevölkerung so aufzubauen und gleichzeitig aber auch von den Staatsgewalten, den Fürsten, den Machthabern auch Bestrebungen, das Ganze militärisch oder mit Staatsgewalt zu unterbinden, teilweise das Militär, teilweise Söldnergruppen, bevor es stehende Heere gab, haben vielfach Söldner als Kriegsakteure gegolten, dass die dafür bezahlt wurden und so, also das ist etwas, das war mir vorher noch nicht so bewusst.

Ich habe mir gedacht: Mensch, jetzt kommen wir so am Ende dieses ökologisch Tragbaren unseres Gesellschaftssystems an eine Form, wo wir umdenken müssen, dass dieses Umdenken aber in den gesamten Menschheitsepochen immer schon stattgefunden hat. Im kleineren Maßstab. Das war mir so nicht bewusst. Das hat bei mir auf der einen Seite zu einer Befürchtung geführt, wo ich dann gemerkt habe: okay, es ist ja nicht das erste Mal, dass wir sowas versuchen und die anderen ist es gescheitert. Das war so ein bisschen frustrierend, das mitzubekommen, dass das nie so wirklich gefruchtet hat, auch immer mit einer wirklich brutalen Auslegung der mächtigen Herrschaftsstrukturen dann geendet hat.

Auf der anderen Seite hat es mich aber auch mit einer gewissen Perspektive oder mit Mut wieder versorgt, weil ich heute weiß, die Kommunikationsstrukturen und auch die Informationsstrukturen, in denen wir heute leben, sind komplett unterschiedlich von allem, was vorher in der Weltwirtschaft da war und mir hat es auch noch mal geholfen, dass Fabian Scheidler auf die 68er Revolution, also diese Studentenbewegung in den 1968ern eingeht, das habe ich ja aktiv nie mitbekommen, aufgrund meines „jungen Alters“. Aber dass diese Bewegung weltweit in einem sehr großen Maßstab auch sehr viel bewirkt hat, was heute noch trägt, das war mir so in dem Sinne nicht bewusst und er schreibt es sehr klar und hat mir dann dadurch gezeigt okay, wir haben heute teilweise auch etwas andere Vorbedingungen, um solche Sachen umzusetzen, weil wir miteinander global in einer Art und Weise kommunizieren können, wie es in sämtlichen vorherigen Epochen nicht der Fall war. Wir können ein Solidaritätsgefühl erreichen, was vorher in diesen Menschheitsepochen noch nicht da war. Und das erfüllt mich jetzt natürlich auch wieder mit Mut, um zu sagen okay, genau das, wo damals immer mal wieder genau diese Lösung darin gesehen wurde, dass solidarisches Miteinander versucht diese Herrschaftsverhältnisse aufzubrechen, was vielleicht auch eher regional und lokal operiert, dass das auch tatsächlich tragbar ist und in Zukunft auch wirklich ein Schlüsselelement darstellt für die Probleme, denen wir uns heute stellen müssen.

Das war wirklich etwas, was ganz, ganz wichtig war für mich als Erkenntnis aus diesem ganzen Buch herauszunehmen und auch diese Perspektive, um zu sehen okay, wie agieren eigentlich diese, wie er es nennt, Tyranneien und was passiert eigentlich, wenn auf der einen Seite eine bestimmte Entwicklung voranschreitet, wo geht dann tendenziell das Verhalten der Machtinhabenden hin. Heute sind es profitorientierte Konzerne, die ja auch gar nicht aus dem staatlichen Kontext heraus sich komplett zurücknehmen müssen. Auch das ist ein anderer Aspekt, der da vorkommt. Für mich so eine Entlarvung des neoliberalen Gedankengutes. Also neoliberale Gedanken, so wie ich sie jetzt bisher kennengelernt habe, gehen aus meiner Sicht immer sehr stark dahin, dass man versucht, den Markt möglichst als „freien Markt“ zu etablieren, dass der Staat sich zurückzunehmen hat und dass der Markt für sich dann schon die richtige Lösung findet, die den Wohlstand für alle erbringt.

Und da zeigt Fabian Scheidler in sämtlichen Ausarbeitungen, die er dort in dem Buch hat, ganz klar: Nein, der „freie Markt“ kann gar nicht ohne Staat existieren, weil der Staat derjenige ist, der nachher für das Einklagen der Rechte, der Besitzrechte, der Eigentumsrechte notwendig ist. Also der „freie Markt“ wäre substanzlos, wenn er ohne Staat existieren würde. Dann gäbe es niemanden, der die Eigentums- und Besitzrechte durchsetzen könnte. Dafür braucht es einen Staat mit Militär und mit Polizeigewalt. Und das ist etwas. Auch diese Erkenntnis hat mich so ein bisschen erschüttert. Aber dementsprechend, dass das Buches auf der kompletten Linie da wirklich für mich ein Erlebnis gewesen ist, um das was ich bisher so aus dieser Menschheitsgeschichte mitbekommen habe, wirklich nochmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen zu lernen.

Stefanie Das Buch heißt ja „Das Ende der Megamaschine“ – sagt er dann darüber auch was? Also es klingt ja so, als würde er da jetzt einen Ausblick geben, wie das jetzt enden kann.

Carsten Also er sagt, dass das weitere Vorgehen dieser Megamaschine oder die Art und Weise, wie die Megamaschine jetzt weiter fortbesteht, eigentlich gar nicht kalkuliert werden kann, weil sie so komplex ist, dass wir davon ausgehen müssen, dass sie irgendwann scheitert und dass dieses Scheitern auch einen ganz großen und ich nenne es mal Knall verursacht. Also es ist nicht so, dass diese Megamaschine irgendwann so, am Beispiel eines Motors, dem der Sprit ausgeht, irgendwann mal verstummt und dann ist alles ruhig, sondern scheitern wirklich in dem Sinne von katastrophalen Scheitern. Es wird sehr viel Elend entstehen. Es wird sehr viel Verwüstung hinterlassen. Das sagt er auch ganz klar, dass das nicht schonend passieren wird. Dieser Ausstieg aus dieser Megamaschine.

Er sagt aber auch, dass wir jetzt in der Verantwortung sind, schon mal gegenzusteuern, Alternativen vorzufinden. Denn wenn diese Megamaschine scheitert, stehen wir quasi vor der Herausforderung: Wie machen wir weiter? Und wir müssen jetzt schon Antworten darauf finden, wie dieses weiter dann passiert. Wollen wir im totalen Chaos enden oder wollen wir schon mit Alternativen, die wir heute schon vorgedacht haben, dann ein möglichst angenehmes Leben für alle Menschen dann realisieren? Und er lässt uns jetzt aber mit dieser Perspektive nicht ganz allein. Also Fabian Scheidler greift dort genau auf die Aspekte zurück, die wir jetzt hier in diesem Podcast auch schon häufiger genannt haben. Er skizziert, dass heute schon Alternativen existieren und auch schon vorgedacht werden. Also sei es jetzt in der Solidarischen Landwirtschaft, sei es jetzt Transition Town Bewegung, seien es Kommunen.

Er schreibt dort, dass in Katalonien eine relativ große Kooperative existiert, die überregional unterwegs ist und ein für sich abgeschlossenes Wirtschaftssystem aufbaut, was auf Gegenseitigkeit basiert. Dass wir versuchen müssen, lokal und regional zu agieren, dass wir diesen solidarischen Charakter wieder in unsere Handlungen mit einfließen lassen, dass wir weg von diesem Profitstreben und von diesem Anhäufen von irgendwelchen Statussymbolen eher auf die zwischenmenschliche Ebene wieder schauen müssen. Also all das wird nachher für uns das Proof of Concept sein, um sicherzustellen, dass wir als Menschheit nachher nicht komplett im Chaos untergehen werden, weil wir uns dem Chaos tatsächlich stellen müssen. Also wir reden hier über Klimawandel, wir reden über Personen, die nachher, wenn diese Megamaschine tatsächlich endet, vor dem Nichts stehen, die haben nichts.

Es wird auch Gefechte geben. Heute sehen wir in Nationalstaaten, wo Strukturen auseinanderbrechen, Herrschaftsstrukturen auseinanderbrechen, zwei Bestrebungen: einmal, die Menschen versuchen wieder zueinander zu finden und in kleinen regionalen Gruppen zu agieren und und auch dieses solidarische Miteinander zu praktizieren. Auf der anderen Seite ganz erschreckend: Terrorregime, Warlords, die sich das Wegfallen von Macht zu Nutzen machen, um ihre eigene Macht zu etablieren und die auch vor brutalsten Maßnahmen nicht Halt machen, um ihre Machtinteressen durchzusetzen. Und das wird in einem noch stärkeren Fall der Fall sein, wenn diese Megamaschine aufhört zu laufen und dann müssen wir, wie gesagt, Konzepte entwickeln, um sicher zu gehen, dass wir nicht alle in dieses Chaos versinken. Und ich will jetzt hier nicht Mad Max projizieren mit irgendwie postapokalyptischen Szenarien. Aber je mehr wir heute schon in diese solidarische Lebensweise hineindenken und Konzepte nicht nur vordenken, sondern auch schon anfangen zu leben, desto einfacher wird es für uns, nachher auch als gesamte Menschheit nach dem Ende der Megamaschine zu existieren.

Stefanie Ja, ich meine, Harald Welzer hat doch auch schon über Klimakriege gesprochen und darüber, dass es tatsächlich einfach weniger Menschen geben kann, wenn es jetzt so weitergeht. Ich hatte auch mal ein Buch von Jonstein Gaarder gelesen, das heißt „2084: Noras Welt“ - Jostein Gaarder kennt man vielleicht noch von Sofies Welt - und er hat in dem Buch auch beschrieben, wie das jetzt aussieht, also so mit dem Klimawandel quasi, also wie eine Welt aussehen würde. Und da ist dann in Skandinavien Wüste und Karawanen ziehen da durch und es ist sehr obskur so ein bisschen, was er da alles geschrieben hat. Aber es gibt natürlich schon Szenarien, wie das dann aussehen könnte und ganz ehrlich, wenn wir jetzt darüber nachdenken, es gibt ja tatsächlich Menschen, die sich noch nicht bewusst sind, was Klimawandel eigentlich wirklich bedeutet. Und ich denke, da ist Aufklärung jetzt wirklich das Allerwichtigste. Und für uns, die wir schon aufgeklärt sind, sollten wir jetzt tatsächlich ins Handeln kommen. Das, was ich jetzt gerade gedacht habe, während du das alles so erzählt hast, ist, dass das eigentlich unsere Aufgabe ist, unsere Kinder und auch generell uns dazu zu befähigen, neue Modelle zu entwickeln, dass es überhaupt nicht darum geht, irgendwelche Güter anzuhäufen und besonders oft in Urlaub zu fahren und den neuesten Jaguar vor der Tür stehen zu haben oder das neueste Smartphone zu besitzen, sondern das aus einer viel größeren Perspektive zu betrachten und viel weiter wegzugehen und zu gucken: Okay, Fakt ist, dass wir alle nicht mehr alt werden, wenn wir ein bestimmtes Alter erreicht haben. Also sagen wir mal alle, die so alt sind wie wir und jünger werden dann wahrscheinlich gar nicht irgendwie 100 Jahre alt werden, weil die Erde bis dahin schon hinüber ist und der Mensch es geschafft hat, seine Lebensgrundlage bis dahin zu zerstören. Wenn wir so weitermachen wie bisher und nichts machen. Das heißt, das Wichtigste, was wir jetzt tun können, ist tatsächlich alternative Modelle zu denken und umzusetzen.

Carsten Ja, und da kommt dieser Aspekt des linearen Denkens rein. Fabian Stadler hat ja auch gesagt, das ist für ihn diese vierte Tyrannei, die absolut notwendig ist, damit diese anderen drei Tyranneien ja auch irgendwie Fortbestand haben können. Und lineares Denken, das fängt ja an bei der Art und Weise, wie wir erzogen werden, wie wir sozialisiert werden. Also wir werden ja in eine bestimmte Denkrichtung hineingeboren. Die ist aber nicht originär bei uns in den genetischen Code hinterlegt, sondern das ist Erziehung. Und da sind wir wieder beim Thema wie soll die Schule der Zukunft gestaltet werden?

Unschooling, freilernen einfach die jungen Menschen heute aus diesem Bildungssystem herauszunehmen und auch dafür zu sorgen, dass die nicht so stringent linear in eine Richtung bildungsmäßig erzogen werden, sondern dass denen die Möglichkeit gegeben wird, für sich selbst zu denken, auch Alternativen auszuloten und auch gerade die Möglichkeit geschaffen wird, rechts und links abseits dessen, was wir als völlig normal, wahr und notwendig ansehen. Da sind wir schon fast wieder beim Karnismus mit den vier Ns, dass das tatsächlich jetzt auch im Bildungssektor passieren muss in den folgenden Generationen, weil das die Schlüsselpersonen sind, die nachher in der Lage sind, diese Strukturen zu durchbrechen und nicht dort Sklaven dieser Strukturen weiterhin zu bleiben.

Stefanie Ja, nur wenn sie aus dem System rauskommen, können sie auch anders denken. Und das ist ja gerade das Wichtige, dass wir dann, weil du gerade sagtest, lineares Denken, dass wir Möglichkeiten finden, die uns, die wir in dieses System hineingeboren wurden und darin erzogen wurden, vielleicht gar nicht klar sind. Aber den Menschen, die jetzt aus diesem System heraustreten und ganz andere Möglichkeiten haben, dann vielleicht klar vor Augen stehen.

Carsten In dem Sinne ist das Buch natürlich auch extrem interessant, auch wenn es jetzt tatsächlich nichts mit dem Thema Vegan oder Veganismus zu tun hat. Aber dieser Perspektivwechsel und auch das Verstehen, wie diese Strukturen in der Menschheitsgeschichte tatsächlich gewirkt haben, das ist ganz, ganz wichtig, um reflektiert das eigene und auch das gesellschaftliche Verhalten bewerten und einschätzen zu können und auch aus dieser Systematik aussteigen zu können. Das Buch ist tatsächlich eins von den Büchern, was uns befähigt, Alternativen zu denken.

Stefanie Ja, wobei ich denke, diese Megamaschine, das ist ja auch gerade das, was es möglich gemacht hat, in diese Maschinerie des Karnismus ans Laufen zu bekommen. Das hätte ja alles gar nicht entstehen können, wenn diese ganzen Strukturen, die du vorhin beschrieben hast und die in dem Buch beschrieben werden, dann nicht etabliert worden wären und wenn es diese Gewalt auch nicht gäbe.

Carsten Das ist es exakt. Also diese Tyranneien wirken natürlich auch in diesem Kontext. Du hast ja Profiteure, die versuchen irgendwo Geldvermehrung zu betreiben, dabei auf Unterdrückung setzen, teilweise auch physische Gewalt anwenden, strukturelle Gewalt bei den Menschen, die dort in diesen Fabriken arbeiten. Und dieses lineare Denken, also das ist ja normal, sind notwendig und genau genau.

Stefanie Also deswegen, weil du sagst, das hat jetzt erstmal nichts mit Veganismus zu tun, aber ich finde, es ist, wenn man wieder aus einer etwas größeren Perspektive raus, aus einem anderen Fokus raus das betrachtet hat es schon damit zu tun und ist grundlegend dafür, dass sich das etablieren konnte. Und es ist ja auch das, was ich bei der Milchforschung auch ganz klar gesehen habe, dass schon 1847 der Herr von Schreibers damals gesagt hat, dass das Tier zur Maschine werden muss, damit das wirtschaftlich ist. Also jetzt mal verknappt dargestellt. Aber das ist genau das, was schon gedacht wird. Alles muss zur Maschine werden, alles wird irgendwie technisiert und das Ganze muss irgendwie profitabel gemacht werden und das gehört ja alles dazu. Es ist alles ein Teil von dem, was in dem Buch auch steht.

Carsten Ja klar. Und und da können wir Menschen uns ja auch nicht von ausnehmen. Also selbst wir werden ja als Humankapital in heutigen Unternehmensformen bewertet. Auch wenn bei uns diese Kräfte und auch diese Zwänge viel, viel subtiler wirken und nicht ganz so brutal. Also es wird ja keiner mit physischer Gewalt zum Arbeitsplatz hin gepeitscht in unserer Welt. Für unseren Wohlstand schon. Ja genau. Sklaven, Energiesklaven etc. sind da das Thema. Aber wir, die bisher davon ausgegangen sind, dass wir total frei erzogen sind, also was wir als Freiheit empfinden - beim Lesen dieses Buches musste ich feststellen, wie sehr ich doch der Sklave dieses Systems, dieser Zwänge bin - also auch wenn ich mir jetzt nicht so versklavt vorkomme, bin ich gefangen in diesen Zwängen. Und ja, ich habe es vorne am Anfang schon gesagt, also ich komme mir wirklich betrogen vor, betrogen über die Art und Weise, wie mir vorher die geschichtlichen Zusammenhänge und auch das Interagieren in der Gesellschaft erklärt wurde, dass da ganz wesentliche Facetten, die wirklich mit dieser Machtausübung zu tun haben, völlig verschwiegen werden.

Stefanie Ja, und wir könnten jetzt hier wahrscheinlich noch ewig weiter diskutieren und wenn du das möchtest und mit uns zu diesem Buch oder zu dem Thema weiter diskutieren möchtest, dann kommen gerne einen Von Herzen Vegan Clan. Dort diskutieren wir jetzt nicht explizit immer nur über die Podcastfolgen, sondern vor allem auch über deine sozialen Herausforderungen in deinem veganen Alltag. Aber es gibt dort auch die Möglichkeit, dass wir da gemeinsam weiter drüber sprechen. Carsten und ich sind da beide aktiv.

Carsten Also das war diesmal wirklich ein schwieriges Thema. Trotzdem kann ich dir dieses Buch wirklich ans Herz legen. Es ist nicht unbedingt ausschließlich für Personen, die sich jetzt für die Menschheitsgeschichte interessieren, sondern vornehmlich für Personen, die wissen wollen warum ist das so, wie es heute ist? Also ruhig im abstrakten Sinne begreifen. Es ist bietet immer einen Mehrwert, dieses Buch gelesen zu haben.

Stefanie Und ich möchte diese Folge nicht beenden, ohne mich bei unseren tollen, treuen Steady Unterstützer·innen und Unterstützern zu bedanken. Ganz, ganz herzlichen Dank!

Carsten Vielen Dank!

Stefanie Diese finanzielle Unterstützung hilft mir sehr, da ich ja einige Kosten habe, die ich ungefähr berechnet habe. Und diesen Betrag haben wir noch nicht erreicht. Dass ich also die laufenden Kosten von Hosting und generellen Gebühren, die ich jeden Monat für all die kostenlosen Dinge, die ich anbiete, zahlen kann. Also, wenn du die Möglichkeit hast, uns hier mit dem Podcast oder mich generell mit all meinen kostenlosen Projekten wie auch dem Clan finanziell zu unterstützen, wäre das großartig. Es beginnt mit 3 € im Monat. Auch das ist schon eine super Unterstützung. Du kannst natürlich auch gerne mehr geben und wenn du das Gefühl hast, du willst ganz viel Geld geben, dann ist das natürlich auch kein Problem. Dann schreib mir einfach.

Carsten Und in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Das Buch "Das Ende der Megamaschine" von Fabian Scheidler bei buch7.de
https://www.buch7.de/store/product_details/1023180123

So bin ich vegan geworden

Ein Beitrag

Folge 169 - Clanmitglieder erzählen: So bin ich vegan geworden

Inspiriert von einem Clanmitglied habe ich alle Mitglieder des Von Herzen Vegan Clans dazu eingeladen ihre Geschichte, wie sie vegan wurden im Clan zu teilen.

Die ersten Geschichten lese ich - mit Erlaubnis der Urheber*innen - in dieser Folge vor.

Ich bin mir sicher, dass es verschiedenste Anlässe gab, die uns dazu bewegt haben, uns für das vegane Leben zu öffnen.

Und da wir alle nicht als Veganer*innen geboren sind, hat es in unserem Leben sicherlich auch eine Zeit gegeben, in der wir dem Veganismus skeptisch gegenüber standen.

Bei mir war es zumindest so: obwohl ich vegetarisch gelebt habe, habe ich mich ganz klassisch gefragt, was ich denn als Veganerin noch essen kann und auch bei Fragen wie "Aber nur vegetarisch, nicht vegan?" ganz entrüstet entgegnet: "Natürlich nur vegetarisch- SO verrückt bin ich auch nicht."

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Situationen, die für mich vielleicht ganz banal oder alltäglich sind, für andere der Moment sind, der ihnen die Augen öffnet.

Oft hören oder sehen wir etwas 1000 Mal und erst beim 1001. Mal sehen wir es wirklich und erkennen die Bedeutung.

Wie war es bei Dir? Was ist Deine vegane Geschichte? Wenn Du magst, schick mir doch gerne Deine Geschichte per E-Mail oder als Audio zu.

Vollständiges Transkript

Herzlich willkommen zu einer weiteren Sonderfolge. Diesmal wieder nur mit mir und nicht mit Carsten, aber mit vielen Clanmitgliedern, die zu Wort kommen. In dieser Folge geht es um deine vegane Geschichte, also quasi die Geschichte deiner Vegan Werdung.

Und ich hatte im Clan einmal danach gefragt, ob wir diese Geschichten teilen wollen, wie wir vegan geworden sind, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es immer die unterschiedlichsten Dinge sind, die uns inspirieren. Und wir wissen nie, was der tatsächliche Auslöser ist, der uns dazu bringt, dann zu sagen okay, jetzt probier es aus, jetzt werde ich vegan. Meine Geschichte kennst du bereits und Carstens Geschichte auch. Wir haben davon berichtet am Anfang dieses Podcasts, vor langer, langer Zeit. Und wenn du die Geschichte noch nicht kennst, dann hör dir doch die Pilotfolge an, dann weißt du Bescheid. Und du kennst natürlich auch alles Weitere. Unsere Geschichten erzählen wir dir Woche um Woche. Und heute sollen jetzt einige Clanmitglieder zu Wort kommen.

Inspiriert zu dieser Aktion hat mich unser Clanmitglied Amy, die erzählt hat, warum sie für die Tiere künstlerisch aktiv wird und berichtet hat, dass sie schon im Alter von vier Jahren erkannt hat, dass das, was da auf ihrem Teller liegt, ein Schwein ist und schon damals eben erkannt hat, dass das nicht in Ordnung ist und dass sie das nicht essen möchte und das tatsächlich im Alter von vier Jahren schon als Bild und in Form von Schrift festgehalten hat, was für sie schon immer ein Ausdrucksmittel war, um ihre Gefühle und ihre Gedanken darzustellen. Und inspiriert von Amys Geschichte habe ich dann die anderen Clanmitglieder eingeladen, auch ihre Geschichte zu teilen und einige sind dieser Einladung gefolgt.

Der erste war Heiko und Heiko schreibt: „Bei mir war es so, dass ich schon einmal zwei Jahre vegetarisch gelebt habe. Dann bin ich aber wohl aus Informationsmangel wieder zu einem omnivoren Leben zurück. Es hat sich einfach wieder so eingeschlichen. Gesundheitlich war das Vegetarische, so wie ich es vollzogen habe, auch nicht das Beste. Viele Milchprodukte haben Einzug gefunden in die tägliche Ernährung. Und dann beim Jahreswechsel 2017 auf 2018 habe ich aus einem inneren Drang heraus meiner Frau gesagt, dass ich wieder vegetarisch leben möchte. Ich hatte wohl immer in einer Ecke in meinem Kopf noch den ethischen Aspekt versteckt. Sie hat gesagt, dass sie es für mich okay findet, aber ein wenig Fleisch braucht. Anders als beim ersten Mal habe ich mich aber angefangen intensiv zu informieren. Durch eine Aussage von Attila Hildmann, er hätte durch die Steigerung der Milchprodukte in seiner vegetarischen Zeit auch gesundheitliche Probleme bekommen, bin ich auf das Thema vegan aufmerksam geworden. Auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan von ihm bin, hat er mich dadurch zum Veganen gebracht.

Durch das Informieren zum Beispiel bei YouTube hat meine Frau das ein oder andere mitbekommen und gesagt, dass vegetarisch für sie auch okay sei und sie auf Fleisch verzichtet. Das war so im Februar. Inzwischen hatte ich aber angefangen Podcast zu hören, vor allem den Einfach Vegan Podcast und den von bevegt. Auf YouTube hatte ich angefangen Dokus über das Thema zu schauen sowie die Kanäle von dem „Artgenossen“ und „Vegan ist ungesund“. Also fing ich zu dem Zeitpunkt, als meine Frau vegetarisch wurde schon an mich vegan zu ernähren, was ich ihr dann auch im März mitteilte. Da sie weiß, wie intensiv ich mich die letzten Jahre mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt hatte und vielleicht dadurch, dass sie gerade selber den vegetarischen Wandel vollzogen hatte, kamen wenig Bedenken ihrerseits auf, was meine Entscheidung betraf. Allerdings kam von ihr die Aussage, dass das schon ein wenig extrem sei und sie es nie machen wird. Da ich aber weiß, wie meine Frau tickt, habe ich ihr irgendwann ganz unverbindlich mal ein Video von „Vegan ist ungesund“ geschickt und damit hatte ich sie. Der etwas alberne Ansatz, aber die trotzdem enthaltenen Informationen waren genau das Richtige. Und so ungefähr seit April Mai 2018 leben wir beide vegan.“

Martin schreibt: „Meine Geschichte. Vor etwa 30 Jahren wurde ich Vegetarier, inspiriert durch meine Frau, die schon als Kind Fleisch weitgehend abgelehnt hatte. Dass Milch und Käseproduktion auch tierquälerische Aspekte hat, war mir mangels Informationen lange unklar. Vor knapp zwei Jahren verkündete nun meine damals 20-jährige Tochter, sie wolle jetzt vegan werden. Nachdem ich der Meinung war, meine Frau und ich hätten bisher als Vorreiter ihr Gesundheitsbewusstsein geweckt, war sowohl meine Neugierde als auch mein Stolz geweckt. Nach dem Motto: Naja, das werden wir dann wohl auch schaffen. Dann kam eine intensive Informationsphase, die uns total bestärkte, das jetzt wirklich durchzuziehen. Der Witz an der Geschichte ist freilich, dass meine Tochter dann doch erst ein Jahr später weitgehend vegan wurde, weil sie nach ihrer veganen Idee ins Ausland ging und dort in einer sehr großen Multi Kulti WG lebte, die gemeinsam kochten und dort war Vegetarier sein schon nicht leicht, vegan leben als Starterin aber einfach zu kompliziert, so dass wir beide als Eltern dann doch die vegane Vorhut wurden. Ich finde es weiterhin eine wirklich schöne Sache, wenn einen die eigenen Kinder so super sinnvoll inspirieren können. Das verbindet wieder ein Stück tiefer und bringt zwischen Eltern und Kind gemeinsame Begeisterung für eine wunderbare Idee und Lebensweise.“

Moira schreibt: „Bei mir war es so, dass ich als kleines Kind aufgehört habe, Fleisch zu essen. Ich habe meinen Vater damals immer wieder gefragt, was denn da in der Wurst drin ist und er hat mir ehrlich geantwortet. Meine Eltern haben meine Entscheidung immer respektiert und mich unterstützt. Wie auch du, Martin, schreibst, hat es dann nochmals viele Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, dass nicht nur Fleisch Tierleid verursacht. Vor ein paar Jahren bin ich dann immer wieder über Begegnungen mit dem Thema Veganismus in Berührung gekommen und war sehr interessiert. Ich habe dann kurzzeitig immer wieder versucht, zum Beispiel nur noch Bio Tierprodukte zu kaufen oder habe auch mal Pflanzenmilch statt Kuhmilch gekauft, bin dann aber aus Bequemlichkeit immer wieder zum normalen Vegetarischen zurückgekehrt. In den letzten beiden Jahren war ich eigentlich schon sicher, dass die vegane Lebensweise für mich die richtige wäre, wusste aber nicht, wie ich das zu Hause mit den Kindern und der Familie und generell draußen machen sollte und habe deswegen noch den richtigen Moment abgepasst. Letzten Sommer war dann ein komplettes Magazin der Zeit nur dem Thema vegan gewidmet und ich wusste schon vorher, wenn ich das jetzt lese, gibt es kein Zurück mehr. So habe ich den Artikel eine Weile aufgehoben, ohne ihn zu lesen. Ich habe ihn dann natürlich doch gelesen und habe von da an angefangen, mich vegan zu ernähren und somit eigentlich auch die Familie. Übrigens ist der Verfasser dieser Ausgabe auch Vater eines circa 20-jährigen Sohnes und durch ihn vegan geworden.“

Kathrins Geschichte: „Ich habe eigentlich schon viele Jahre vegetarisch gelebt, weil ich es nicht mit mir vereinbaren konnte, dass ein Tier für mein Essen sterben muss. Über andere Lebensmittel außer Fleisch habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich lebte gut damit und habe kiloweise Käse und Eier gegessen. Zwar von angeblich glücklichen Hühnern und Kühen, aber ohne mich weiter damit zu beschäftigen. Erst als ich mich im letzten Jahr mehr und mehr auch durch Zufall mit der Nutztierhaltung beschäftigt habe, zum Beispiel die Frage, wie viel mehr Platz dann Legehennen von Bioeiern haben als andere. Oder was ein Bruderhahn ist. Sind mir die Zustände klar geworden. So ziemlich von heute auf morgen habe ich mich dann vegan ernährt und bis auf eine Ausnahme, bei der ich eigentlich nur zu feige war, mich zu outen, ist das bis heute so.

Anfangs habe ich einfach nur alles nicht vegane weggelassen und kam dann auch zu der Frage: Was kann ich denn jetzt noch essen? Aber mit der Zeit hat sich mein Speiseplan so enorm erweitert, dass ich nichts vermisse. Gleichzeitig habe ich in dieser Zeit viele Dinge über mich selbst gelernt, was ich wirklich brauche, was mir gut tut, was meine Vorstellung von Glücklichsein ist. Ich kann sagen, dass sich meine ganze Art und Weise zu leben schon auch etwas geändert hat. Und mit dieser bin ich rückblickend betrachtet viel zufriedener als vorher. Nun möchte ich in allen Lebensbereichen auch so vegan wie möglich werden. Manchmal sind das ziemlich große Herausforderungen und manchmal ist es ganz einfach. Womit ich zu kämpfen habe, ist, dass fast kein Tag vergeht, an dem ich schweren Herzens darüber nachdenken muss, wie viele Millionen Tiere leiden. Das macht mich so traurig und hilflos. An nicht so guten Tagen. An anderen spornt es mich an, andere Menschen um mich herum auch von der veganen Lebensweise zu überzeugen. Es ist ein Hoch und Runter momentan.“

Die nächste Geschichte stammt von Elisa. Elisa schreibt: „Ich habe mich bis zum März letzten Jahres omnivor ernährt und das auch immer wieder verteidigt, wenn mein Schwager beispielsweise weniger Fleisch essen wollte. Veganer konnte ich nie verstehen. Wie kann man sich denn so einschränken? Ich habe mir allerdings auch nie weitere Gedanken darüber gemacht. Knapp zwei Jahre lang habe ich auf Zucker verzichtet und dabei erst recht viel tierisches Fett zu mir genommen. Fleisch kochten wir eigentlich nie, aber eben Speck zum Abendbrot und auswärts nahm ich immer ein Fleischgericht. Als unsere Tochter angefangen hat, bei uns mitzuessen, habe ich mich natürlich informiert und dabei oft gelesen, dass Babys im ersten Lebensjahr nur eine bestimmte Menge an Kuhmilchprodukten essen sollen. Irgendwie kam es mir dann auch komisch vor ihr Kuhmilch zu geben, wo sie doch sonst meine Milch bekommt. Beim Nähen hörte ich dann den Podcast von Daria Daria, in dem sie erzählt, warum sie Veganerin ist. Das waren unzählige Gründe um vegan zu sein. Ich meinte zu meinem Mann, dass ich versuchen will, einen Monat lang unsere Wochenpläne vegan zu planen und danach gab es keine andere Option mehr für mich. Im Nachhinein war ich sehr erschüttert darüber, dass ich mir so lange keine Gedanken zu dem Thema gemacht hatte und auch etwas wütend auf meine Eltern, die uns Fleisch oft untergejubelt haben und uns nicht gesagt haben, was da in der Wurst ist etc.. Eigentlich waren wir nämlich als Kinder da sehr sensibel, weil wir selbst auch Hasen hatten etc. Das möchte ich bei meiner Tochter anders machen. Es ist so spannend, wie viel positive Veränderung ein Kind mitbringen kann. Ohne meine Tochter wäre ich vermutlich nicht hier.“

Die nächste Geschichte stammt von Alexandra. Sie schreibt: „Ich habe mein Leben lang massives Übergewicht gehabt. Ich habe zum Schluss 145 Kilo bei 1,68 Größe gewogen. Mein Leben war aus guten Gründen eingeschränkt, erstarrt, unflexibel, eintönig und abgeschaltet. Ich habe dann über die letzten zwei Jahre 75 Kilo abgenommen. Ich möchte Mutter werden. Ich habe aber schon zwei Pflegekinder, für die ich viel Verantwortung trage. Und natürlich trage ich Verantwortung für das ungeborene, sehr gewünschte zukünftige Kind. Mit Bluthochdruck, rauchend und schwer übergewichtig konnte ich meiner Meinung nach dieser Verantwortung nicht gerecht werden. 75 Kilo Abnahme später war der Bluthochdruck weg, das Übergewicht auch, das Rauchen aber noch da, die omnivore Ernährung aber auch. Es gab ein paar Vorreiter, denen ich in sozialen Medien gefolgt bin, die ganz unaufdringlich von ihrer Veränderung durch den veganen Lebensstil erzählt haben. Da mein Ziel immer war, gesund zu werden im Gesamten, konnte ich mich den logischen Argumenten für die vegane Ernährung nicht wirklich verwehren und wollte deshalb einen Testlauf starten. Während ich dann auf einem verkaufsoffenen Sonntag losgelaufen bin, um bei uns auf dem platten Land in der Einöde Sojajoghurt zu finden, kam mir der Gedanke, dass vegan aus gesundheitlichen Gründen und dabei aber weiter 30 Zigaretten am Tag rauchen nicht klug ist. Dann habe ich aufgehört zu rauchen. Von jetzt auf gleich. Das ist sieben Monate her. In dem ersten veganen Testlauf hatte ich dann ganz andere Probleme als vegan leben. Danach bin ich dann wieder ins Omnivore zurückgekehrt, mit allem was dazu gehört. Tatsächlich habe ich das Rauchen aber sein gelassen. Anfang des Jahres erlebte dann der Veganismus aus mir heraus für mich immer noch überraschend ein totales Revival. Ich wollte das. Ich hatte das Gefühl, dass es sein muss, weil es sich für mich sonst nicht mehr gut anfühlen würde. Ganz verrückt. Und hier bin ich seit Mitte Februar vegan, konsequent und glücklich.“

Und die letzte Geschichte für heute stammt von Selina. Sie schreibt: „Als ich noch klein war, haben meine Familie und ich im Sommer immer Urlaub auf dem Bauernhof gemacht. Ich habe es geliebt, bei den Tieren zu sein, selbst Kühe zu füttern und einfach den ganzen Tag draußen zu sein. Daher kommt wohl auch meine Liebe zu den Kühen. Ich habe noch nie in meinem Leben so sanfte Augen gesehen. Ich kann mich noch sehr gut an einen Tag erinnern, als die Kälbchen auf dem Bauernhof abgeholt wurden. Ich habe sie in diesem Urlaub fast jeden Tag gebürstet und mit ihnen viel Zeit verbracht. Und als mir erzählt wurde, dass sie in die Mast gehen, ist für mich eine Welt untergegangen und ich habe den ganzen restlichen Tag geweint. Meine Eltern hatten dafür zwar Verständnis, sie hielten es aber wohl irgendwie für normal. Ab diesem Tag habe ich mich geweigert, Fleisch zu essen, da war ich so zehn oder zwölf Jahre alt, was aber irgendwann an der Unterstützung meiner Eltern gescheitert ist. Heute schäme ich mich dafür, dass ich als Kind nicht meine Werte vertreten habe. Besonders, weil mir damals Tierschutz schon so wichtig war. Ich war ein sehr unsicheres und leicht zu beeinflussen es Kind. Als eines meiner geliebten Kaninchen gestorben ist, hat mich meine Mutter vor die Wahl gestellt: einen neuen Partner für mein verbleibendes Kaninchen durfte ich nur adoptieren, wenn ich wieder zumindest eine Fleischsorte esse.

Das hat dann ein paar Jahre gedauert, bis ich die Kraft gefunden habe, mich gegen den Willen meiner Eltern komplett vegetarisch zu ernähren. Der Impuls, vegan zu werden, kam dann vor circa vier Jahren durch eine Kommilitonin, die Veganerin war. Sie hat nie gezielt missioniert, aber irgendwie war mir sofort klar, dass das vegan sein genau das ist, was meinen Werten entspricht. Mir hat einfach dieser kleine Anstupser gefehlt und als ich dann recherchiert und mich informiert habe, bin ich Veganerin geworden. Am Anfang war ich heimlich vegan, weil ich die Reaktion meiner Eltern gefürchtet habe. Aber ich habe schnell gemerkt, dass mir das Vegansein so wichtig ist, dass ich für diese Überzeugung immer einstehen werde. Meine Eltern akzeptieren meine Entscheidung mittlerweile, auch wenn sie es lieber sehen würden, wenn ich nicht vegan, sondern normal wäre.“

Und wenn du, liebe Hörerin, lieber Hörer, jetzt auch deine Geschichte erzählen und teilen möchtest und möchtest, dass ich sie hier in diesem Podcast vorlese, dann schick sie doch gerne per Email oder nimm sie direkt als Audio auf, dann spiele ich sie so ab. Und ich möchte diese Folge nicht beenden, ohne mich bei unseren treuen Steady-Unterstützer·innen zu bedanken. Ihr seid wirklich toll! Vielen, vielen Dank! Und dann bleibt mir nichts anderes zu sagen als in diesem Sinne. In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

Folge 168 - Vegane Zukunftsvisionen

Ein Beitrag

Folge 168 - Vegane Zukunftsvisionen

Im Mai haben wir im Von Herzen Vegan Clan über vegane Zukunftsvisionen gesprochen und einige Clanmitglieder haben ihre Vision geteilt.

Da ich diese Visionen so inspirierend finde, lese ich sie Dir - mit Erlaubnis der Urheber*innen - in dieser Folge vor.

Hast Du auch eine Vision einer veganen Zukunft? Dann schreib sie mir gerne per E-Mail oder schicke mir ein Audio - ich stelle sie gerne in einer weiteren Folge vor.

Transkript der Visionen

Alexandras Vision

„Ich bin da eher ganz klein im Moment unterwegs, ich habe gerade die Vision von einer veganen Begegnungsstätte bei uns im Ort. Wie ein Café für alle Menschen, insbesondere aber Familien als Erweiterung eines Wohnzimmers quasi, wo man guten Gewissens hingehen kann im Hinblick auch gerade beim Thema im Veganismus sind wir eine Welt, weil Obst und Gemüse darf jeder, egal wo er herkommt und was er glaubt, essen. Und vegan in Klammern, weil ich mir wünsche, dass man eines Tages nicht mehr drauf schreiben muss, ob etwas vegan ist, sondern andersherum quasi kennzeichnungspflichtig ist, wenn etwas das nicht ist.“

Und wir haben im Verlauf dann auch über Alexandras Visionen gesprochen und sie hat überlegt was könnte der erste Schritt sein, den sie jetzt gehen könnte, und ich habe ihr vorgeschlagen, sie könnte vielleicht auch bei sich im Wohnzimmer anfangen, wenn sie das denn möchte. Und ein Essen organisieren für vegan interessierte Menschen in ihrem Ort und so vielleicht eine Keimzelle starten, mit der sie dann Schritt für Schritt zu diesem Begegnungsort in ihrem Wohnort kommen kann.

Es gibt ja auch die Möglichkeit, dieser Potlucks aus Amerika kommend, wo jeder etwas mitbringt aber vielleicht wäre es jetzt in dieser Hinsicht bei dieser Vision sinnvoller, erstmal etwas anzubieten und die Menschen um den eigenen Tisch zu versammeln und ihnen das Essen dann schon vorzukochen da es auch darum geht, die Menschen an die vegane Lebensweise heranzuführen. Und die Idee gährt noch und ich bin sehr gespannt, ob Alexandra sie umsetzen wird.

Ich finde es eine ganz, ganz tolle Idee und will auch hier noch einmal sagen, dass klein denken völlig in Ordnung ist. Es ist völlig in Ordnung, in kleinen Schritten zu gehen und je nachdem, welche Perspektive du einnimmst, ist auch ein Begegnungsort im eigenen Wohnort nichts Kleines mehr.

Kathrin schreibt:

Für mich bedeutet von Herzen Vegan leben kurz und knapp gesagt Mitgefühl, Sympathie und Verständnis allen Lebewesen gegenüber zu haben. Wenn die Menschen schon untereinander oft so grausam miteinander umgehen, dann bleibt für andere erst recht kein Platz. Ich träume davon, dass Unterdrückung, Ausnutzung, diese große Ungerechtigkeit bei der Verteilung endet, angefangen in der Arbeitswelt auch hier in Deutschland. Ein wichtiger Punkt dabei ist meiner Meinung nach der Konsum in Industrieländern wenn jeder zum Beispiel nur halb so viel konsumieren würde wie bisher und optimalerweise gleichzeitig auch noch nachhaltig, dann werden schon einige Probleme kleiner und dabei würde auch niemand verhungern oder müsste nackt herumlaufen. Ohne großes politisches Hintergrundwissen würde ich auch sagen, dass es dazu einfach auch neue Gesetze braucht, ja durchaus auch Verbote. Ich bin jetzt vielleicht etwas weg vom eigentlichen Thema, aber das war mein Beitrag heute zum am Tag der Arbeit.

Mein Traum von der veganen Zukunft ist, dass, wie Alexandra schon meinte, dass vegan gar nicht erst betont werden muss, sondern normal ist und bedeutet Respekt, Mitgefühl und Gleichberechtigung in allen Punkten Ernährung, Umwelt, Ökonomie weltweit.“

Martin T. schreibt:

„Für mich gehört zu einer veganen Vision die Befreiung der natürlichen spielerischen und liebevollen Kindlichkeit jedes Menschen in der Psychologie, das innere Kind genannt. Daran kranken sehr viele erwachsene Menschen, ja, die gesamte zivilisierte Gesellschaft. Natürliche Kindlichkeit bedeutet, wie jeder bei kleinen Kindern sehen kann, dass ein Kind mit einem Tier spielen will, es bestaunen will und absolut fasziniert von ihm ist. Nie wird es auf den Gedanken kommen, dass zu töten oder zu quälen. Tierquälerei bei Kindern im Kindergarten oder Grundschulalter ist bereits Resultat entweder einer unempathischen Erziehung oder eben der kindlichen Beobachtung, dass viele Erwachsene Tiere doch auch als funktionale, gefühllose Wesen betrachten. Über Tierquälerei bei Kindern schimpft man. Experimente mit Tieren dagegen, welche sogenannte vernünftige Wissenschaftler durchführen, werden als absolut notwendig betrachtet. Wo bleibt da die Logik?

Die Vision einer veganen Welt beinhaltet für mich deswegen die Tierliebe, die vegane Ernährung und den Klimaschutz von Beginn an in die Pädagogik einzubringen. Erst dann kann sich die gesamte Gesellschaft grundlegend wandeln. Der Schritt von einer Karnivoren zur veganen Gesellschaft lässt sich vergleichen mit dem Evolutionssprung des Menschen, vom Kannibalismus bis hin zum bereits Jahrtausende alten Gesetz „Du sollst nicht töten“ bezogen auf den Menschen. Kriege gibt es dann zwar immer noch, aber immerhin ist das Töten gesetzlich sanktioniert und strafbar.

Wir sollten uns auf die Brust klopfen und uns klar sein, dass wir Vorreiter sind. Pioniere haben immer einen mühsamen Weg, darum ist es so gut, dass wir uns immer wieder Mut zusprechen und in die Tiefe dessen, was wir bewirken können, vertrauen haben.“

Mareike schreibt

„Mein größter Wunsch wäre auch, dass irgendwann die Welt vegan ist und vegan der Normalzustand ist. Die umgedrehte Kennzeichnungspflicht fände ich super. Für die nahe Zukunft wünsche ich mir mehr Verständnis und weniger Unvoreingenommenheit ein Empathisches miteinander.“

Amy schreibt

„Alles, was Martin schon aufgezählt hat, gehört für mich auch zu den Grundpfeilern des Wandels. Wenn das nicht in den Köpfen der Menschen ankommt, klappt es nicht.Das neue Bewusstsein muss einhergehen mit einer Wachheit gegenüber allen Lebewesen und die Erde an sich muss als ein Lebewesen begriffen werden. Ganz unesoterisch ist einfach alles miteinander verbunden. Es sei denn, wir trennen das mit Gewalt.

In einer veganen Zukunft stellen wir uns unserem Trauma und zeigen uns gegenseitig Wege, mit der Vergangenheit zurecht zu kommen und wir leben im hier und jetzt und bauen gemeinsam vertikale Gärten.

Wir hauchen dem Boden wieder Leben ein. Wir befruchten und wir leiten das Sonnenlicht für alles, was wir brauchen in große Behälter, so dass es uns nie ausgeht. Wir nutzen die Thermik fast wie die Isländer aus ihrer Erde und bewahren sie sogar im Winter, sofern es ihn noch gibt, in Häusern aus Glas, in denen gerettete Sorten roter, saftiger Tomaten und dicker Kürbisse wachsen, die so duften, dass sie einem das Wasser in den Mund treiben.

Wir müssen nicht mehr importieren. Die Welt ist eine solidarische Landwirtschaft und die globale Zirkulation brummt durch Tausch von Tür zu Tür. Unser Nachbar braucht Spinat aus unserem Permabeet. Er hat es dieses Jahr geschafft, besonders schmackhafte Heidelbeeren zu ernten. Alles ist da, auch der Garten brummt. Es gibt Hunderte neuer Insekten. Arten, die sich in einem Rausch auf die Blüten stürzen und wer krank oder trauert oder einsam ist, der muss keinen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben stellen. Er wird eingeladen, mit uns in den Garten zu kommen.

Unsere Kinder dürfen Eltern erleben, die nicht dissoziiert und in eine Maschine eingespannt sind. Sie dürfen Freunde sein. Und wir alle dürfen Kinder sein, die neugierig umhergehen und Wunder entdecken. Die Zeit der Großbanken und Machtmonopole ist vorbei und zu Staub zerfallen. Niemand kann mehr bestimmen, wer etwas bekommt und wer Hunger leidet, weil alle genug haben, unsere mit Tiere grasen im Schatten unter den Feigenbäumen und sogar die Katze sieht heute so aus, als hätte sie keine Lust zum Morden.

Die Vergangenheit der Menschen kommt uns wie ein schlechter Traum vor, und manchmal weinen wir noch darüber. Aber wir haben gelernt, wir sind tatsächlich aus diesem Alptraum herausgetreten und haben die große Dunkelheit unserer Gräueltaten besiegt.“

 

Links zur Folge

Faironomics - ökologisch, fair + frei

Ein Beitrag

Folge 167 - Ilona und Marek über Faironomics - ökologisch, fair und frei

In dieser Folge spreche ich mit Ilona Koglin und Marek Rohde über ihr neues Buch "Faironomics - ökologisch, fair und frei", das am 24. Mai 2019 erschienen ist.

Ich durfte das Buch schon vorab lesen und kann Dir verraten, dass es genau das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt war. Ich habe das Buch förmlich verschlungen und das liegt nicht nur am extrem inspirierenden Inhalt, sondern auch an der packenden Erzählweise, mit der Ilona und Marek uns Leser*innen an ihrer eigenen Geschichte und Entwicklung teilhaben lassen.

Während ich gerade eine Phase durchlebt habe, in der ich das Gefühl hatte schon einiges in meinem Leben zum Wohle des Planeten verändert zu haben, aber irgendwie auf der Stelle zu treten, hat mich das Buch auf eine höhere Ebene gehoben und mir gezeigt, wie ich von dem Status als Einzelkämpferin hin zu einer kraftvollen Gemeinschaft gelangen kann.

Beim Lesen musste ich an vielen Stellen nicken- genau diese Dinge hatte ich auch schon erlebt- und dann hatte ich an anderen Stellen Erkenntnisse, die sich wie fehlende Puzzleteile in mein bisheriges Leben einfügten.

Ilona und Marek haben ein Standardwerk geschaffen, dass jede*r, die*der unseren Planeten retten will, gelesen haben sollte.

Links zur Folge

Die Doppelmoral der Veganer*innen

Ein Beitrag

Folge 166 - Die Doppelmoral der Veganer*innen

Am Samstag habe ich mit einem Teilnehmer meiner Stadttouren über Nachhaltigkeit und das was jede*r einzelne von uns dafür tun kann diskutiert.

Er hatte schon einiges ausprobiert und war letztlich an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Er beschrieb sein Scheitern als Doppelmoral, die er bei vielen Veganer*innen erlebt hatte.

Dieses Gespräch hat mich auch später noch verfolgt und ich habe seine Argumente wieder und wieder durchdacht, so dass schließlich diese Folge daraus entstanden ist.

Links zur Folge

Die Ärzte - "Abschied"
https://yewtu.be/watch?v=3Yck9CZyyDk

We love the earth Video
https://welovetheearth.org/video/

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von ä'Odner)

Stefanie Zu der heutigen Folge hat mich tatsächlich ein Teilnehmer meiner Touren inspiriert und deswegen möchte ich erst mal ein kleines Anekdötchen mit dir teilen. Ich bin gestern, von dir aus wahrscheinlich nicht mehr gestern, aber von der Aufnahme aus gestern, bin ich für die VHS einen Stadtrundgang gegangen, was so ähnlich ist wie meine „Hamburg vegan erkunden“-Touren und ein bisschen auf die VHS umgemünzt. Und da waren sehr viele junge Teilnehmerinnen dabei. Mit ‚jungen‘ meine ich, dass die jünger waren als ich und dass ist dann jung und keine Kinder. Und es war also ein anderes Publikum als bei der Radtour, die ich jetzt schon für die VHS gemacht habe.

Und ja, es war jedenfalls so, dass wir, glaube ich, von den, es waren acht Teilnehmer*innen, von denen waren ein oder zwei vegan und zwei vegetarisch und der Rest Mischköstlich. Und derjenige, der mir die Inspiration für diese Folge geliefert hat, hat sich zwar weitestgehend irgendwie vegetarisch ernährt, aber geht noch angeln und fängt seine Fische selbst. Und das ist das, was er an Fischfleisch - hätte ich jetzt schon gesagt – isst, genau. Und er hat wohl irgendwie das auch mal ausprobiert, mit vegan, und hat auch in Leipzig studiert und da ist die vegane Szene anscheinend so stark, dass dort Nicht-Veganerinnen dafür gemobbt werden, dass sie nicht vegan sind. Also zumindest aus seinem Blickwinkel war das so?

Wenn Du, liebe Hörerin, liebe Hörer, aus Leipzig kommst und da in der Szene aktiv bist, kannst du ja vielleicht mal berichten, ob das jetzt nur eine subjektive Wahrnehmung meines Teilnehmers war oder ob das tatsächlich da so stark ist. Also ich habe hier jetzt in Hamburg nicht das Gefühl, dass die vegane Szene so stark ist, oder wir gehören einfach nicht dazu, und dass wir alle Nicht-Veganerinnen mobben. Jedenfalls hat er für sich beschlossen, er hat das wohl immer weiter betrieben, dass er versucht hat, irgendwie so viel wie möglich zu tun. So viel wie möglich für den Klimawandel, also nicht für den Klimawandel sondern gegen den Klimawandel zu tun. Und hat mir auch erzählt, also sein Ideal ist es, einen Bauernhof zu haben, um sich selbst zu versorgen. Da strebt er hin. Wobei es ihm jetzt nicht darum geht, Tiere zu halten, sondern eigentlich jetzt eher alles anzubauen, was er so braucht. Und er hat halt ganz viel ausprobiert und für sich festgestellt, dass er diese Ideale, die er in seinem Kopf hat, nicht erreichen kann und sprach dann von der Doppelmoral. Und er erläuterte das eben so, dass er gemerkt hat, dass er eben das eine sich vorstellt, und dieses Ideal hat, aber etwas anderes tut, also es nicht erreicht. Und das war für ihn eben die Doppelmoral.

Und das hat mich etwas irritiert, weil ich eben noch nie über mein Handeln im Sinne von Doppelmoral nachgedacht habe, wenn es darum geht, nicht perfekt zu sein. Ich habe da in dem Moment tatsächlich dann auch irgendwie keine Antwort mehr gehabt, also auch mir fehlen ab und zu die Antworten, ja. Ich habe ihn das erzählen lassen und ich habe ihm dann auch erklärt, dass es mir eben nicht darum geht, perfekt zu sein, weil das einfach nicht geht und weil wir Menschen sind. Und Menschen sind nicht perfekt und wir leben nun mal in einer Welt, die nicht perfekt ist und die vor allem auch nicht vegan ist. Und wenn wir da versuchen eben so nachhaltig wie möglich zu leben, dann arbeitet, ja quasi, 99 % der Welt dagegen oder zumindest der westlichen Welt dagegen an. Und dann ist es natürlich schwer, ganz hundertprozentig seinen Idealen zu folgen.

Carsten Ja, was ja auch letztendlich heißt, dass wir Veganer prinzipiell doppelmoralisch unterwegs sein müssen, weil wir ja alle dieses 100%-Ideal gar nicht ausleben können.

Stefanie Ja, also ich habe dann auf der Rückfahrt nochmal darüber nachgedacht, was denn die Konsequenz wäre? Und ich fand auch diesen Vorwurf, also für mich war es schon irgendwie wie so ein Vorwurf, weil Doppelmoral für mich negativ besetzt ist. Und wenn mir jemand sagt, das ist ja Doppelmoral, dann kommt es bei mir so an wie ein Du machst mir ja nur was vor.

Carsten Ja, also ich kenne Doppelmoral auch tatsächlich in diesem Zusammenhang: das Eine tun und das Andere predigen, also dieses Wasser predigen und Wein trinken. Das sehe ich jetzt allerdings für Personen, die den Anspruch haben, ein veganes Leben zu führen nicht.

Stefanie Und auch nicht, wenn man versucht, so nachhaltig wie möglich zu leben. Weil es ist ja auch gar nicht, also zumindest bei mir, ist gar nicht der Anspruch da, perfekt zu sein, weil ich weiß, dass es nicht geht. Ich versuche einfach nur so gut wie möglich diesen Idealen, sagen wir mal zu entsprechen, aber eben auch so viel wie möglich für die Tiere, für die Umwelt zu tun. Alles, was in meiner Macht steht. Aber das heißt eben, dass ich ständig Kompromisse lebe.

Carsten Ja, und das muss man natürlich aushalten. Und vielleicht konnte er das nicht. Also es ist klar, je mehr ich mich mit diesem ganzen Thema auseinandersetze, desto häufiger stoße ich natürlich auf Situationen oder auf Themen, wo ich eben Kompromisse eingehen muss, weil ich es nicht ideal lösen kann. Aber ich kann ja immer von dem Standpunkt aus, wo ich jetzt in der Vergangenheit oder wo ich jetzt in der Gegenwart bin, versuchen, noch ein Stückchen besser zu werden. Das muss ja tatsächlich nicht wirklich das Absolut-Optimum sein. Aber es geht ja mehr um den Weg, dass ich, dass ich eine Verbesserung durchführe und dort dann auch nicht stehen bleibe, sondern, wenn mir dann vor dem nächsten Schritt, wo ich schon mal ein Stückchen besser gehandelt habe, weitere Informationen oder Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, dann kann ich den Weg ja prinzipiell Schritt für Schritt weitergehen.

Stefanie Ja, und ich denke eben auch, das ist ja auch das, was die Colleen Patrick-Goudreau sagt und was wir generell einfach sagen können, nur weil du halt nicht alles tun kannst, musst du nicht nichts tun, also tu irgendwas. Also wirklich, sich nicht davon überwältigen zu lassen. Ich wollte gerade übermannen sagen, aber das ist nicht sehr… Also überwältigen zu lassen, dass du das Gefühl hast, du kannst nicht auf einmal alles ändern, sondern das tun, was in deiner Macht steht. Wenn du nämlich dann gar nichts tust, dann wird es eben auch nichts. Also dann sind wir alle lethargisch und dann bewegt sich gar nichts.

Carsten Es ist ja ein depressiver Zustand.

Stefanie Ja, und ich hatte, wir haben ja bei dem Trip, wollte ich schon sagen, bei dem Stadtrundgang haben wir ja auch eine Pause gemacht und so. Das Gespräch zur Doppelmoral habe ich nach der Pause mit ihm geführt und während der Pause hat der Teilnehmer eben auch die Meinung vertreten, dass wir, die wir halt was ändern wollen, also dass diese Meinung, der Einzelne kann ja eh nichts ändern, weil wir zu wenig sind und wir kommen ja gar nicht an gegen die vielen Konzerne, die ja sowieso ganz viel verbrauchen und umweltschädlich sind und so. Und ich habe dann auch gesagt, naja, aber wenn jetzt alle Menschen auf der Welt etwas ändern, dann tut sich doch was. Also wenn jeder so denken würde und jeder sagen würde, ich kann ja nichts ändern, dann ändert sich halt nichts. Aber wenn alle von sich denken okay, ich kann ja was ändern, also mache ich jetzt mal was, dann ändert sich ja auch was.

Carsten Ja, es geht ja auch gar nicht mal um den Anspruch, dass ich jetzt wirklich versuche, die Welt so grundlegend aus den Fugen zu heben und umzuändern, dass sie von jetzt auf gleich eine bessere Welt wird. Also zumindest ich persönlich habe gar nicht diesen Anspruch. Sondern mir geht es erst mal darum, ein bisschen selbstmächtiger zu werden, mich selber freier zu machen von meinen Gestaltungsmöglichkeiten. Und das ist auch tatsächlich so mein Empfinden in den letzten Jahren, je weiter ich halt in diese ganze Richtung vegan, nachhaltig etc. pp. gegangen bin, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich viel mehr selber machen kann, viel mehr selber bewegen und viel mehr selber bewirken kann. Und sei es einfach nur bei mir, in meinem persönlichen Leben.

Aber das sind so, so Kräfte und auch Freiheiten, die hatte ich vorher nicht. Also ich habe mich damals nicht gefangen gefühlt und um Gottes Willen, das nicht. Aber jetzt, aus meiner heutigen Perspektive muss ich sagen, ich war extrem eingeschränkt, auch von meinem Denken her, weil mir bestimmte Optionen, die ich heute lebe, damals gar nicht bekannt waren. Da habe ich nie drüber nachgedacht. Und das ist etwas, das treibt mich natürlich weiterhin an auf meiner ganz persönlichen Ebene. Und es ist völlig unabhängig davon, ob mein persönliches Handeln jetzt von jetzt auf gleich die komplette Welt verändert. Sondern das ist, davon werde ich persönlich, das ist vielleicht auch purer Egoismus, aber erst mal der der direkte Nutznießer sein. Und alleine das reicht mir schon, um dieses Handeln vor mir selbst zu rechtfertigen und weiter aufrecht zu halten und die Schritte weiter zu gehen, so.

Und dann ist es natürlich noch unglaublich befriedigend und beflügelnd zu sehen, dass auch andere Leute genau diese Richtung einschlagen, mit mir in die gleiche Richtung gehen, am gleichen Strang ziehen, jetzt hinsichtlich der Fridays-for-Future-Bewegung auf die Straße gehen und gegen etwas protestieren, wo ja vielleicht Jahre oder Jahrzehnte lang eine gewisse Lethargie existierte. Das sind alles so Momente, wo ich denke hey, ich bin ja gar nicht allein. Also ich bin vielleicht mit der Aktion, die ich jetzt gerade durchführe, in diesem Moment allein, aber generell sind wir viele.

Stefanie Ja, es kommt definitiv auch darauf an, mit wem man sich umgibt, also in was für einer Blase du lebst. Also wenn du dich wirklich nur mit Menschen umgibst, die nicht das leben, was du lebst, dann hast du auch den Eindruck, dass du der einzige oder die Einzige bist. Und wenn du dich mit vielen Menschen umgibst, die genauso denken wie du, dann beflügelt dich das er auch einfach weiterzugehen. Und gerade auch, finde ich, bei solchen Demonstrationen, weil du das jetzt auch wieder ansprachst, Du hast ja bei dem Protestmarsch da am Freitag mitgemacht, ist es ja auch gerade immer wieder sehr bewegend, dass Mann oder Frau da merkt … dass Mensch da merkt, dass wir viele sind, dass du nicht alleine bist. Das das gibt dir ja auch Kraft.

Carsten Ja, das ist genau das, was ich gerade meinte. Vor etlichen Jahren waren mir solche Optionen eigentlich noch gar nicht, ja, ich kannte sie, aber ich bin nie auf die Straße gegangen. Also dieses politische Eintreten und auch tatsächlich zu protestieren, das war ganz weit, ganz weit weg von mir. So, und jetzt hatte ich am Freitag tatsächlich so dieses innere Bedürfnis, das war ein richtiger Zwang, als ich die die Stimmen draußen gehört habe, und das war unweit von dem Büro, in dem ich arbeite, es sind vielleicht Luftlinie 500 Meter gewesen oder so was, das hat mir nicht mehr… Ich konnte mich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren. Das Fenster war auf und ich habe draußen dieses Skandieren gehört, dieses Grölen, und ich wusste, was dort abgeht. Ich habe meine Mittagspause vorverlegt und und bin raus. Ich hatte Gott sei Dank auch die Möglichkeit, mich dann von der Arbeit zurückzuziehen und und bin dann halt tatsächlich dorthin. Das ist hier in Hamburg auf dem Gänsemarkt gewesen, hab mich dort in die Menge gestellt und ein paar Minuten später ging dann auch tatsächlich der Protestzug los, den ich dann komplett noch mitgemacht habe. Das war so ein inneres Bedürfnis, daran mitzuarbeiten. Und wie gesagt, vor etlichen Jahren wäre das für mich völlig undenkbar gewesen.

Und da … Ich merke dann natürlich auch, dass da Tausende von Menschen genau in die gleiche Richtung laufen. Die sind für sich jeder alleine, vielleicht auf einem völlig anderen Erkenntnis- und Handlungsstand. Vielleicht sind da einige Leute dabei gewesen, die jetzt gerade erst angefangen haben, sich zu politisieren oder ihr Leben irgendwie zu reflektieren und jetzt entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Vielleicht sind da auch Leute dabei, die schon seit Jahrzehnten in die Richtung gehen, aber es sind halt ganz, ganz, ganz viele. Und das ist ja nicht nur in Hamburg, sondern das ist ja ein weltweites Phänomen. Und ich rede jetzt ja nur von Fridays-for-Future. Ja, das sind ja jetzt nicht originäre vegan lebende Menschen, die sich jetzt für Tierrechte oder sowas einsetzen, sondern das ist ja noch mal eine weitere Bevölkerungsschicht, die für sich alleine an anderen Demonstrationen und Punkten dann sich bemerkbar macht.

Stefanie Ja, und gerade das mit dem Klimawandel merke ich eigentlich auch, dass es jetzt, also dadurch, dass ich für die VHS jetzt einige Kurse entwickeln darf, dass da Klima und Klimaschutz und Klimawandel, ‚aktiv fürs Klima’ ganz stark Thema ist. Oder wenn ich mal da auf die ZDF-Seite schaue, das Kinderprogramm, da ist auch alles mit Klima und Klimawandel und Aufklärung und wie funktioniert das denn. Und in den Medien wird es ja auch immer mehr und auch Popstars, die da drüber singen, so dass also internationale Popstars und dann natürlich auch, das war nämlich dann die Lösung, die mir eigentlich eingefallen ist, was ich meinem Teilnehmer hätte sagen können, was ist denn mit dieser Doppelmoral, wenn wir darauf zurückkommen? Und können wir nicht, also das eine sage und das andere tun? Und ich? Es gibt einfach das Ideal nicht. Ich werde das Ideal nicht erreichen.

Dann ist die Lösung tatsächlich das, was die Ärzte jetzt singen „Komm, wir sterben endlich aus“. Also, das ist es tatsächlich. Vielleicht hast du das Lied auch schon gehört. „Abschied“ nennt sich das, von den Ärzten. Und da ich ja ein Ärztefan bin, Carsten nicht so, aber Carsten muss da mit, habe ich das auch schon im Clan gepostet. Und das, was die Ärzte da singen ist genau das, was eigentlich dem Planeten und der Erde am besten bekommen würde. Wenn die Menschheit ausstirbt, ist das die beste Lösung, die es gegen den Klimawandel geben könnte. Für alle, für die Tiere, für die Pflanzen, die Umwelt, für den ganzen Planeten Erde. Das Beste, was der Erde passieren könnte, wäre, dass wir Menschen aussterben. Und das ist eigentlich die Lösung gegen die Doppelmoral. Lasst uns alle aussterben. Und das ist jetzt die Frage, ob du das möchtest. Ist das denn auch deine Lösung? Möchtest du gerne aussterben? Ist ja, wenn jetzt einzelne sagen, wir sterben aus, bringt das ja überhaupt nichts. Also von daher...

Carsten Es müsste schon Massenaussterben sein.

Stefanie Es müssten schon alle sein. Also das heißt einzeln vereinzeltes Aussterben macht keinen Sinn. Wenn wir jetzt sagen, okay, das ist nicht die Lösung, dann müssen wir meiner Meinung nach wohl oder übel mit der Doppelmoral leben.

Carsten Ja, dann musst du aktiv werden und auch eben aushalten, dass du nie den Idealzustand erreichst, sondern dass das tatsächlich ein Weg ist, auf dem du dich befindest, egal ob du am Anfang bist oder schon weit fortgeschritten. Ich wüsste jetzt aber auch keine Person, die schon am Ende wäre.

Stefanie Und ja, es geht ja auch nicht, weil solange diese ganzen Probleme auf der Erde existieren, solange sind wir auch nicht am Ende.

Carsten Ja richtig. Also von daher. Also die Doppelmoral wirst du nie irgendwie beseitigen können, wenn du es aus einem solchen Gesichtspunkt siehst.

Stefanie Ja, es sei denn.

Carsten Wir sterben aus.

Stefanie Wir sterben aus oder wir haben es geschafft und leben auf einer friedlichen Erde miteinander.

Carsten Der Garten Eden.

Stefanie Ja, ganz genau. Wir spulen mal wieder zurück. Da waren aber nur zwei. Dann kommen wir wieder zu Verteilungskämpfen und so, da will ich jetzt gar nicht hin.

Carsten Im Garten Eden gab es Verteilungskämpfe?

Stefanie Nein, aber bis wir bei nur Zweien sind, bis dahin. Weißt du, der Weg, das ist ja nicht so ein Knopfdruck und dann sind wir im Garten Eden.

Carsten So, das sind die beiden Einzigen, die sich aus einem Massenaussterben herausgezogen haben.

Stefanie Ja, genau. Ja, die sind schwierig. Die Spalter. Okay, also, ehe das hier total abdriftet. Nochmal kurz durchatmen. Nein, das ist tatsächlich das, was ich dachte, was mir eingefallen ist, was eigentlich die Lösung ist, wenn wir von Doppelmoral reden. Denn das größte Problem sind tatsächlich wir Menschen selbst. Also wenn Aussterben nicht die Lösung ist, dann brauchen wir eben eine andere Lösung. Und meiner Meinung nach ist das Schritt-für-Schritt-gehen die Lösung und immer mit dem Ziel tatsächlich unseren Planeten zu retten. Und dazu gehören für mich ganz klar Tierrechte mit dazu. Und ganz klar können wir ganz viel jetzt schon tun. Aber aus meiner Sicht ist es eben ein Zusammenwirken von dem, was wir Einzelnen tun können, und dem, was die Politik tut und die Gesellschaft generell, also im großen Ganzen.

Carsten Letztendlich können wir halt nur einen Appell an dich richten. Lass die Doppelmoral ruhig Doppelmoral sein! Ignorier das einfach und mach dein Ding, Geh dein Weg.

Stefanie Und lass dich vor allem davon nicht demotivieren, dass du nicht perfekt sein kannst. Also du kannst definitiv nicht perfekt sein, weil du ein Mensch bist und weil wir eben in einem System leben, das nicht perfekt ist. Und Perfektion kann nicht der Maßstab sein. Also wir können einfach nur das tun, was in unserer Macht steht. Und wichtig ist, dass wir überhaupt etwas tun, dass wir ins Handeln kommen und nicht nur darüber reden und dass wir vorwärts gehen und wissen, was das Ziel ist.

Carsten Ja, in diesem Sinne. Bis zur nächsten Folge.

Stefanie Und ich möchte diese Folge ja nicht beenden, ohne mich bei unseren treuen Steady Unterstützer und Unterstützerinnen zu bedanken. Ich habe ja jetzt den Steady-Account umgewandelt, so dass du nicht nur diesen Podcast unterstützt, sondern alle Podcasts und den Clan und alles, den Newsletter, was ich sonst noch so mache an kostenlosen Dingen. Und ich habe ausgerechnet, was ich so an Basiskosten habe und da fehlt noch ein bisschen was. Also wenn du das Gefühl hast, dir gefällt das alles, was ich mache und was wir hier machen mit dem Podcast, dann freue ich mich und freut sich Carsten auch sehr, wenn du uns/mich finanziell unterstützt, wenn du ein bisschen was zurück gibst, wenn du das Gefühl hast, das ist jetzt gerade angesagt, mach es gerne. Da freuen wir uns sehr drüber.

Carsten Okay, jetzt aber in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Vegane Grenzgänger im alten System

Ein Beitrag

Folge 165 - Vegane Grenzgänger im alten System

Inspiriert durch ein Clanmitglied und unsere Diskussionen zum Thema "vegane Zukunftsvisionen" und dem Wunsch ein neues Bildungssystem zu kreieren, sprechen wir in dieser Folge über die Rolle als vegane Grenzgänger*innen in einem Erwerbssystem, das nicht unseren Werten entspricht.

Vielleicht gehst Du auch einer Lohnarbeit nach, die Du heute, als Veganer*in, nicht mehr in Betracht ziehen würdest und in der Du ganz andere Überzeugungen unterstützt, als Du es privat tust.

Uns interessiert: wie gehst Du damit um? Schaffst Du es Deine Werte auch im Erwebsarbeitsalltag zu leben?

Erzähle uns gern davon- schnapp Dir am besten gleich Dein Handy, mache eine Tonaufnahme und schicke sie uns zu.

Links zur Folge

Das Buch "Faironomics" von Ilona Koglin und Marek Rohde
https://www.faironomics.de/buch/

Wir brauchen ein neues Bildungssystem

Ein Beitrag

Folge 164 - Wir brauchen ein neues Bildungssystem

In dieser Folge sprechen wir, inspiriert von unserer Podcasthörerin Amy, über den Film "alphabet" von Erwin Wagenhofer.

Diese Folge ist weit mehr als eine Filmrezension, da wir zu Beginn viel über unserer eigene Erfahrung mit dem Bildungssystem sprechen und dann unsere Eindrücke vom Film einflechten.

Vielleicht fragst Du Dich: Was hat Schule mit vegan zu tun?

Durch den Film habe ich erkannt: unser Bildungssystem ist der Spiegel unserers Wirtschaftssystems und wenn wir aus dem Wirtschaftssystem aussteigen wollen, müssen wir auch das Bildungssystem neu denken, denn: weiter wie bisher geht es nicht.

Der Dokumentarfilm zeigt ganz deutlich wie krank auch unser Bildungssystem ist und welche Gegenentwürfe es dazu schon gibt. Gemeinschaft statt Konkurrenzdenken und Begleiten statt Frontalunterricht sind nur zwei Möglichkeiten, wie wir Schule neu denken können.

Links zur Folge

Der Film "alphabet - Angst oder Liebe" von Erwin Wagenhofer
http://www.alphabet-film.com/

Dokumentation über André Stern
https://www.youtube.com/watch?v=Kgn9LWQqkj0

Schools of Trust
https://schoolsoftrust.com/

Vollständiges Transkript

Stefanie Bist du gern zur Schule gegangen?

Carsten Oh ja. Es war die schönste Zeit meines Lebens.

Stefanie Carsten, antwortest du gerade wie in einem Werbespot? „Das war die schönste Zeit meines Lebens.“ Nee, jetzt mal ehrlich. Bist du gern zur Schule gegangen?

Carsten Nein, eigentlich nicht. Ich habe aber auch keine Aversion gegen die Schule gehabt. Ich habe es einfach irgendwie. Es gibt ja nichts anderes. Es gibt ja keine Alternative. Oder gab es zumindest damals nicht.

Stefanie So habe ich damals auch gedacht und auch bis vor kurzem. Also wenn man das jetzt in Relation zu meinen Lebensjahren sieht, bis vor kurzem. Ich bin überhaupt nicht gern zur Schule gegangen. Ich war zwar eine gute Schülerin, was den Notendurchschnitt anging, aber ich bin nicht gern hingegangen. Ich bin auch auf der weiterführenden Schule sofort in der fünften Klasse von Anbeginn gemobbt worden, weil ich anders war. Und für mich war das „zur Schule gehen“ tatsächlich immer verbunden mit Angst, teilweise auch vor den anderen Schüler·innen und auch mit den Jahren dann mit Unverständnis, warum ich das alles eigentlich lernen muss, was mich überhaupt nicht interessiert hat. Und ich kann mich an die Grundschule nicht mehr so gut erinnern. Auch da waren so Mobbingfälle an der Tagesordnung, aber da kann ich mich wirklich an den Unterricht kaum noch erinnern. Ich weiß nicht. Kannst du dich noch erinnern?

Carsten An die Grundschule? Nur noch ganz, ganz facettenhaft. Da kann ich dir noch nicht mal sagen, ob ich da eine Aversion gespürt habe. Aber ich glaube, ich würde eher sagen, ich habe mich dem gefügt, weil ich ja eigentlich auch keine Alternative hatte. Es war einfach so, aber ich habe das Ganze als sehr frontalunterrichtlastig wahrgenommen und nachher in der Orientierungsstufe, die es zu meiner Zeit noch gab, also fünftes und sechstes Schuljahr, wo dann entschieden wurde, welchen klassischen Schulweg man weiter beschreiten könnte, also Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, da setzen eigentlich so die tatsächlich noch vorhandenen Erinnerungen ein. Und das ist noch so ein bisschen geprägt von meiner Aversion gegenüber meines Klassenlehrers, mit dem ich damals nicht klargekommen bin, gegen den ich mich auch ein bisschen aufgelehnt habe, was dann auch dazu geführt hat, dass ich umgesetzt wurde. Das war so diese Züchtigung und Strafe, wenn du nicht willst, so wie ich das möchte, dann wirst du irgendwie anders platziert. Und das hat dazu geführt, dass mein damals bester Freund und ich dann nicht mehr an einem Tisch sitzen durften, sondern wir mussten uns trennen, aber nur im Unterricht.

Stefanie Ja, also ich habe mich immer bemüht sehr gut zu sein in der Schule, bin aber trotzdem oder vielleicht gerade deswegen nicht anerkannt worden. Aber ich war auch schon immer anders. Also was sich ja jetzt darin geäußert hat, dass ich vegan lebe. Ich gehöre zu den anderen. Wobei wir natürlich hoffen, dass das vegan sein irgendwann die Norm ist.

Carsten Und ja, ich bin eigentlich immer so im Mainstream mitgeschwommen. Das war so für mich das Angenehmste. Ich war nie derjenige, der wirklich komplett außen vor gestochen hat, habe aber auch nie das Problem gehabt, in der Schule jetzt eine angemessene Leistung zu bringen. Also ich bin eigentlich ohne Anstrengung durch die Schule durchgegangen und habe einen relativ akzeptablen Notendurchschnitt gehabt. Der war so zwischen zwei und drei. Ich denke mal, wenn ich mich wirklich angestrengt hätte, hätte ich auch nochmal ein bisschen mehr rausholen können. Aber diese Ambition hatte ich ehrlich gesagt nicht. Wobei ich, wenn ich mich jetzt dran erinnere, auch tatsächlich so eine rebellische Phase hatte, wo ich eigentlich keinen Bock hatte. Da haben wir dann angefangen, in der Schule irgendwie Pfennigstücke mit Kleber an die Wände zu kleben, zur Freude des Hausmeisters.

Man muss dazu sagen, der Hausmeister war der Vater meines damals besten Kumpels in der Schule. Was da nicht unbedingt immer zur Zufriedenheit dazu beigetragen hat. Und ich war aber mit einem anderen Kumpel zusammen, der genau diese Klebeaktionen durchgeführt hat. Und es gab damals bei uns im Schulgebäude so schöne Malereien, ich glaube von Walt Disney oder so was, so Donald Duck und Co. Die wurden an die Wand gemalt und wir haben die Pupillen dann mit diesen Pfennigstücken durchgeklebt und andere Schüler·innen haben dann angefangen, diese Pfennigstücke von der Wand abzukratzen mit Spachteln, die wollten das Geld einsammeln, was dann dazu geführt hat, dass der Putz beschädigt wurde. Okay, dreimal darfst du raten, wer nachher diese Verputzarbeiten und das neu malen durchführen durfte als Strafaktion. Das war so die auflehnende Phase, die hat aber, glaube ich, nur ein oder zwei Jahre angehalten und dann war das auch wieder gegessen. Aber ansonsten war Schule für mich einfach. Ich hab's durchgestanden.

Stefanie Und was für mich so maßgebend war, dass ich immer gedacht habe, wie du gerade eingangs sagtest, es gibt keine Alternative. Also vor allem bin ich auch mit diesem Bild aufgewachsen: Kinder, die auf Waldorfschulen gehen, sind sehr komisch. Also Waldorfschulen sind schon mal ganz komisch und die Kinder sind dann natürlich noch komischer. Und ich weiß noch, im Studium war bei mir im Studiengang ein ehemaliger Waldorfschüler und ich habe den immer so angeguckt und gedacht: Ja, was hast du denn schon gelernt? Also wie kannst du denn hier im Studiengang sein, wenn du ein Waldorfschüler warst?

Carsten Ja, Waldorfschulen waren für mich damals noch eigentlich komplett unbekannt. Die gab es bei uns in der Gegend nicht. Vielleicht gab es die, aber ich habe sie nie wahrgenommen. Für mich gab es einfach nur diese klassischen Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Gymnasium war für mich nicht interessant, weil die meisten meiner Freunde auf der Realschule waren, obwohl ich Gymnasialempfehlungen hatte. In der Orientierungsstufe habe ich mich dagegen entschieden, weil ich da hingegangen bin, wo die Freunde hin wollten, wobei die Freunde nachher auch alle von der Schule abgegangen sind. Aber das spielte keine Rolle. Ich habe dann auf der Realschule andere Freunde gefunden und das war dann auch okay. Aber andere Schulform habe ich so aktiv zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht wahrgenommen.

Stefanie Ja, ich glaube, ich weiß es nicht mehr, ob ich damals schon, also als ich noch zur Schule gegangen bin, wusste, dass es Waldorfschulen gibt. Aber nachher, während des Studiums auf jeden Fall. Und ich habe immer gedacht, das ist komisch, wenn Kinder nicht zu einer normalen Schule gehen und es ist doof zur Schule zu gehen, aber du musst zur Schule gehen. Jede·r geht zur Schule, das muss so sein. Du wirst sonst von der Polizei abgeholt oder hingebracht und es gibt keine andere Möglichkeit und es gibt nur dieses: Du musst es durchstehen. Das ist so diese 13 Jahre oder Mittlerweile sind es dann zwölf, die musst du durchstehen, Du musst es irgendwie überstehen und nur so kannst du dann auch wirklich was lernen und nur so kannst du wirklich in der Arbeitswelt dann auch bestehen.

Carsten Ja, das ist tatsächlich so, dieses Durchstehen. Und jetzt fällt es mir auch wieder ein, wo wir drüber sprechen. So kommen die Erinnerungen durch und hoch. Das Schönste waren tatsächlich so diese Freistunden, die habe ich mir teilweise auch erkämpft. Mit 14 ist man ja religionsmündig, glaube ich, heißt das. Das heißt, man kann sich von der getauften Religion lossagen, freikaufen? Tatsächlich, Das hat damals bei uns Geld gekostet. Ich musste beim Meldeamt im Gemeindebüro, ich glaube 15 DM oder 20 DM Gebühr zahlen. Ich bin erst zum Pastor hin und dann wollte ich mich von der Kirche abmelden, bis der mir dann mehr oder weniger entrüstet gesagt hat, dass ich da an der falschen Stelle bin. Dann musste ich zum Einwohnermeldeamt und habe dann da meine 15 oder 20 DM gelatzt, einen Wisch unterschrieben und war ab dem Zeitpunkt nicht mehr konfessionsgebunden und hatte aber, weil ich ursprünglich evangelisch getauft war, dann diesen Freiheitsstatus. Ich war religionsfrei.

Das hat dann in der Schule dazu geführt, dass mir die Frage gestellt wurde: Willst du denn weiterhin am Religionsunterricht teilnehmen, ja oder nein? Und weil wir Evangelischen sowieso in dieser sehr stark katholischen Gegend, in der ich aufgewachsen bin, in der Minderheit waren und dementsprechend auch kleinere Schulgruppen da waren, gab es keine Alternativen. Also diese Ethik, Werte und Normen Unterricht, den gab es bei uns an der Schule nicht, weil es gab einfach nur evangelische oder katholische Schüler und dann war der Carsten da, der auf einmal gar nix war und da war die Schule auch mit überfordert und hat mir dann angeboten, dann hast du Freistunden und das war ziemlich cool. Also ich war der einzige Schüler, der dann zu dem Zeitpunkt frei hatte. Und das habe ich natürlich genossen.

Und gerade an den Zeiten, wo dann dieser Religionsunterrichtsstunden in der ersten oder sechsten Stunde stattfanden - damals gab es maximal sechs Stunden, das hat sich ja heute auch schon geändert - hatte ich dann entweder die Möglichkeit, später zur Schule zu kommen oder früher Feierabend zu machen. Und das war so meine Freiheit, die ich genossen habe. Und die habe ich dann über die meisten Schulformen hinweg auch tatsächlich nochmal so beibehalten, diese Freiheiten, und das war eigentlich schon so ein Ausdruck von: Eigentlich habe ich gar keine richtige Lust, all das mitzumachen, was dort auf dem Lehrplan draufsteht. Ja, andere Fächer haben mir Spaß gemacht und dann, da war aber auch meine persönliche Neigung zu spüren.

Also ich sage jetzt mal der Informatikunterricht, ich bin IT-lastig groß geworden. Ich bin dann relativ früh mit Computern in Kontakt gekommen, aber alles Autodidakt. Das war etwas, da hatte ich Spaß dran und dementsprechend habe ich mich dort auch sehr stark engagiert. Auch zum Wohlwollen meiner Lehrer·innen, die damals auch sehr von mir lernen konnten. Also es war tatsächlich so, dass wir Schüler·innen, die IT-affin waren, den Lehrer·innen eigentlich mehr beibringen konnten. Okay, es hat sich auch nie geändert. Also es war egal auf welcher Schulform, egal in welchem Alter. Also die Lehrer·innen, die waren eigentlich nie in der Lage, uns Stoff beizubringen. Also sie konnten das begleiten, aber letztendlich waren wir, als als diejenigen, die neugierig waren und als IT Nerds da unterwegs waren, denen um Längen überlegen in jeder Hinsicht. Was natürlich dann auch wieder die Frage stellt warum gab es damals eigentlich Informatikunterricht?

Stefanie Wobei das ja dann jetzt, also wenn wir nachher mal zum Thema quasi kommen, was wir eigentlich ansprechen wollten, das ja schon eine Art Lernform ist, wie sie eigentlich das Lernen begünstigt, dass die Lehrer·innen einfach nur als Begleiter·innen da sind und dich in deiner Neigung unterstützen.

Carsten Genau, genau das waren auch die Fächer, die wirklich Spaß gemacht haben. Da habe ich mich drauf gefreut. Alle anderen Fächer habe ich mehr oder weniger über mich ergehen lassen und habe auch teilweise je nach Schulform einfach nur noch für die Noten gepaukt. Ja, das sind auch tatsächlich die Fächer, wo ich heute kein Wissen mehr in mir trage. Das ist weg. Das ist bis zu der Prüfung, bis zu der Klausur gewesen und dann anschließend versackt, weil ich es nie wieder gebraucht habe. Ja, das war auch oben im Gehirn zentral nicht fest genug verschaltet, dass ich das über Jahre hinweg irgendwie etabliert hat, sondern es war damals während meiner Ausbildung Berufsschule, da wurde ich vom Ausbildungsbetrieb angehalten gute Noten zu schreiben. Habe ich dann auch gemacht. Da ist nichts von hängen geblieben.

Stefanie Na ja, das ist bei mir mit Mathe so, tatsächlich. Ich war eigentlich ziemlich gut in Mathe. Ich hatte zwar keinen Mathe Leistungskurs, aber ich habe trotzdem eigentlich ganz gute Noten in Mathe gehabt. Aber dann irgendwie vier Jahre später, also nach meinem Studium, hat mich nochmal ein Nachbar angesprochen, ob ich ihm helfen kann bei Matheaufgaben und ich: Ja klar. Und dann habe ich die Matheaufgaben angeguckt und ich habe nichts mehr verstanden, gar nichts mehr. Alles weg. Es war alles weg. Ich habe wirklich nichts mehr verstanden und ich weiß jetzt auch nicht, wie das mal wird, so später mit Mathe und unserem Kind. Aber im Moment. Also ich habe einfach während des Studiums kein mathematisches Wissen gebraucht. Und nach diesen vier Jahren bzw. das waren fünf Jahre, weil ich vor dem Studium noch ein Jahr Auszeit hatte, war alles Wissen weg. Es war alles weg. Ich war wirklich gut in Mathe, aber es war alles weg. Also es ist nichts mehr geblieben.

Carsten Ja, und das ist ja im Grunde genommen, da haben wir im Vorfeld schon drüber gesprochen, eigentlich auch sinnbildlich für das Resümee, was wir aus unserer beider Schulzeiten ziehen, dass gefühlt 80 - 90 % des damals vermittelten Wissens heute weg ist, weil es nicht benötigt wurde. Es wurde uns damals eingetrichtert, wir haben teilweise auch gute Noten geschrieben, um auch diesem Leistungsanspruch, der damit verbunden war, gerecht zu werden. Aber letztendlich, so im wirklichen Leben, ist es eigentlich völlig überflüssig gewesen. Und ich persönlich, für meine Seite muss sogar sagen, das, was ich heute beruflich ausübe, habe ich mir selber beigebracht, Also die Grundlagen, die ich damals in der Schule gehabt habe, die helfen mir null weiter. Lesen, schreiben, rechnen. Ja gut, aber das sind ja jetzt keine Raketenwissenschaften.

Aber alles das, was irgendwo speziell in den Fächern gelehrt wurde, also sprich Physik, Chemie, keine Ahnung. Da wo es in eine bestimmte Fachrichtung geht. Das ist heute entweder komplett weg oder ich brauche es schlichtweg nicht. Und das, was ich brauchte, um das zu erreichen, was ich heute beruflich mache, das musste ich mir selber beibringen. Komplett alles. Weil auch diesen Beruf, den ich heute ausübe, den gibt es als Ausbildungsberuf gar nicht. Also das konnte ich auch nicht lernen. Und bei mir stand einfach der berufliche Werdegang darin, dass ich Zeit meines Lebens, auch heute im Beruf eigentlich aktiv lerne. Ich lerne die Tätigkeit, die ich ausübe, jeden Tag aufs Neue. Bei mir ist im Grunde genommen die Kernkompetenz nicht darin, Wissen mitzubringen in den Job, sondern eher eine gewisse Neigung, Lösungskompetenzen mitzubringen. Also die Fähigkeit, mir die Lösung ad hoc beizubringen. Learning by doing. So, das wurde mir in der Schule aber nie beigebracht. In der Schule ging es immer nach einem bestimmten Schema.

Stefanie Ja, da muss man diesen Stoff abarbeiten, so wie es von den Lehrer·innen vorgegeben wird. Und da geht es um Noten und Prüfungen. Und da geht es auch darum, wer ist besser und wer ist schlechter und eigentlich nur um diese Leistung.

Carsten Ja, ich habe meine Berufsschulklasse gehasst. Gerade mal meinen Klassenlehrer, der genau dieses „Wer ist besser, wer ist schlechter?“ auch bei diesen Klausuren durch eine geordnete Reihenfolge der Klausurausgabe dann noch mal plastisch dargestellt hat. Also die Einserkandidat·innen haben ihre Klausuren zuerst bekommen und die schlechtesten zum Schluss. Und im ersten Jahr war ich immer einer von denen, die als letztes die Klausuren ausgeteilt bekommen haben. Nachdem ich dann Anpfiff von meinem Ausbildungsberuf bekommen habe, die ja darauf gedrängt haben, dass ich gute Noten schreibe und ich gesagt habe Leute, ich habe zwar schlechte Noten, aber zu dem Zeitpunkt habe ich noch so gelernt, dass das Wissen bei mir verhaftet war. Also ich konnte aus dem Gedächtnis, die Lösungen beibringen, aber es war nicht kompatibel mit der Prüfungssituation.

Und dann habe ich auf stur geschaltet und habe gesagt: okay, gut, dann schreibe ich gute Noten, aber dann bleibt von dem Wissen nichts da. Das hat einmal im zweiten Jahr dazu geführt, dass mein Klassenlehrer - ich bin mit ihm wirklich nicht warm geworden - dann, als ich dann als zweiter die Klausur zurückbekommen hatte mit einer eins, sich den Kommentar nicht verkniffen hat und wirklich vor der kompletten Klasse gesagt hat: „Das war ja wohl ein Versehen“ und hat mir die Klausur dann hingelegt. Dieses Versehen hat dann zwei Jahre gedauert. Ich war immer einer von den ersten fünf, die dann nachher die Arbeiten ausgehändigt bekommen haben. Aber was ich vorhin schon sagte, heute weiß ich gar nichts mehr von dem, was ich damals mal aufgeschrieben habe. Tolle Noten gehabt, aber kann ich mir heute auch ein Eis von backen...

Stefanie Ja, es geht tatsächlich da nur in unserem derzeitigen Bildungssystem um dieses Konkurrenzdenken und das zu fördern. Und darum geht es eigentlich jetzt auch in dem Film, den wir hier in dieser Folge vorstellen wollen. Der Film wurde uns empfohlen. Das hört sich jetzt gerade an wie eine Werbung. Dieser Film wird präsentiert von... Der Film wurde uns empfohlen von unserer Podcasthörerin Amy. Und dafür noch mal ganz herzlichen Dank. Es ist wirklich merkwürdig, dass wir den vorher noch nicht gesehen haben. Der ist nämlich schon 2013 erschienen. Der Film heißt „Alphabet“.

Carsten Der Film ist von Erwin Wagenhofer. Der hat auch „We Feed the World“ und „Let's make money“ gemacht, zwei sehr bekannte Dokumentationen. Aber diese dritte, „Alphabet“, ist uns, wie Stefanie gerade schon sagte, eigentlich bisher völlig unbekannt gewesen, obwohl wir uns mit dem Thema Bildung und Schulsystem gerade in unserer jetzigen Familienkonstellation aktiv auseinandergesetzt haben.

Stefanie Ja, wir hatten „Schools of Trust“ gesehen und ich habe vor drei oder vier Jahren angefangen, mich mit dem Thema „Unschooling“ zu befassen und mit dem Thema „Freilernen“ auch. Also was gibt es für Alternativen zu unserem aktuellen Schulsystem? Und wie wir dir ja schon erzählt haben, hatten wir eigentlich gedacht, das Schulsystem sei alternativlos, so wie einige andere Dinge auch in dieser Welt.

Carsten Ja, eine gesellschaftliche Grundvoraussetzung, die man so nicht hinterfragt, weil sie eigentlich ja immer so sind.

Stefanie Dabei ist es tatsächlich erst so, seit ungefähr 100 Jahren, dass die Schule in dieser Art existiert. Und ich habe durch den Film auch noch mal viel Neues kennengelernt. Ich dachte, ich weiß schon alles über dieses Thema, aber es sind einige neue Aspekte zum Vorschein gekommen.

Carsten Ja, was für mich ganz spannend war, war diese Erkenntnis, dass das aktuelle Bildungssystem, wo wir ja gemeinhin glauben, es gibt nichts anderes, es ist so und das ist ja vielleicht sogar gottgewollt, keine Ahnung, wo es herkommt, aber die Wurzeln dieses Systems stecken in der industriellen Revolution. Da kommt es ursprünglich her und es hatte damals den Gegenstand auf drei verschiedenen Ebenen die notwendigen Menschen zu formen. Auf der untersten, ganz breiten Ebene, die breite Masse, da wollte man Arbeiter·innen erziehen, bilden, formen. Leute, die letztendlich an den Maschinen ihre Hebel betätigen und dort physische Arbeit verrichten und nichts hinterfragen, die eigentlich nur ausführen. Es gibt vorne eine·n Vordenker·in, eine·n Lehrer·in, der·die vorgibt, was zu machen ist, was richtig und was falsch ist. Und es gibt ja meistens auch immer nur eine richtige Antwort und in der Hinsicht wurde man eingenordet. Und das hat eigentlich 100% funktioniert zum damaligen Zeitpunkt, weil man brauchte eigentlich unkritische Geister, die einfach nur, ich sag jetzt mal Anweisungen befolgt haben.

Dann darüber hinweg gab es dann wieder eine kleinere Schicht an Leuten, die im Verwaltungsbereich tätig waren. Das waren dann, ich sage jetzt mal so Manager, mittleres Management und ganz on top, das war diese Elite, die nachher auch im universitären Umfeld ausgebildet werden konnte und wurde. Das sind dann so Leute gewesen, die in den oberen Positionen wie zum Beispiel Ärzt·innen, Richter·innen oder auch Politiker·innen dann platziert werden konnten. So, das war ein sehr stark hierarchisches Gefälle und das sind wirklich so die Ursprünge. Da kommt das Bildungssystem her, da hat es sich etabliert und hat sich und das ist ja die wirklich wichtige Erkenntnis, seitdem auch nicht mehr gewandelt.

Es wird ja seit der Etablierung immer wieder wiederholt und alle, die wir jetzt hier quasi in der heutigen Zeit mal zur Schule gegangen sind, wurden ausgebildet von Leuten, die das damals auch schon gemacht haben und auch die wurden ausgebildet von Leuten, die das auch schon durchlaufen haben. Also wir sind quasi schon so in diese Leitplanken gepresst, so dass im Grunde genommen keine·r mehr auch nur in die Lage versetzt wird, von seiner·ihrer Bildung her das Ganze zu hinterfragen, sondern man läuft quasi diesen Weg mit. Und das führt natürlich dazu, dass ich heute Personen heranzüchte oder ausbilde, die letztendlich verlernen, ihre kreative Veranlagung irgendwie leben zu können. Die wird quasi verstümmelt. Und das ist auch etwas, was da in diesem Film sehr schön hervorgehoben wurde.

Stefanie Dazu möchte ich jetzt einmal den Hirnforscher Gerald Hüther zitieren. Es gibt einen Booklet noch zu dem Film, das ist auch sehr lesenswert. Das habe ich einmal durchgelesen und ein Interview mit Gerald Hüther gibt es da drin. Und daraus möchte ich einmal zitieren:

„Jedes Kind kommt ja bei seiner Geburt mit einem Gehirn zur Welt, in dem sich anhand des aus seinem eigenen Körper ankommenden Signalmusters bestimmte Netzwerkstrukturen herausgeformt haben. Jedes Neugeborene hat deshalb ein Gehirn, das genau zu seinem Körper passt. Und weil jedes Neugeborene einen anderen Körper hat, hat auch jedes ein anderes Gehirn. In jedem Fall ist dieses Gehirn gut und perfekt organisiert. Dann wächst dieses Kind in eine Gemeinschaft hinein, deren Vertreter, also wir, der Meinung sind, dass bestimmte Fähigkeiten bedeutsamer und wertvoller sind als andere. Diejenige Fähigkeit, die wir momentan für besonders wichtig halten, ist die Fähigkeit zum analytischen, kognitiven Denken. Das aber ist nur eine von den vielen Begabungen, mit denen Kinder auf die Welt kommen.

Es gibt aber auch Kinder, die haben eine wunderbare handwerkliche Begabung, eine besondere Begabung für Körperbeherrschung oder für soziale Interaktion und deren Gestaltung. Es gibt Kinder, die sind besonders sensibel und haben deshalb eine spezielle Begabung für feinste Wahrnehmungen. All das spielt aber in unserem gegenwärtigen Begabungsbegriff keine Rolle, weil wir eine Begabung über alle anderen stellen. Und es ist dann auch diese eine Begabung, auf die es in der Schule heute ankommt und nach der dort selektiert wird. Deshalb kommen nur diejenigen Kinder am besten durch diese Erbsensortieranlage, die diesen Selektionskriterien genügen, also jene, die in der Lage sind, sich innerhalb kürzester Zeit das dort angebotene Wissen anzueignen und es dann in der Prüfungssituation wieder von sich zu geben.“

Carsten Dieses Zitat stammt jetzt aus diesem Booklet, obwohl Gerald Hüther auch ein Protagonist in diesem Film ist. Gerald Hüther an sich ist ja relativ bekannt in der Szene. Wer sich mit diesem Thema Bildung und Schulformen auseinandersetzt, wird immer mal wieder über seinen Namen stolpern. Und es ist für mich eine ganz, ganz, ganz wichtige Person, weil er damals über 20 Jahre lang Hirnforschung betrieben hat, um zu verstehen, wie funktioniert das menschliche Gehirn und er jetzt einer der Befürworter·innen ist, diese Erkenntnisse aus der Hirnforschung in das Bildungssystem hineinzutragen. Und wie gesagt, er ist Protagonist in dem Film, kommt in vielen Sequenzen vor und sagt auch ganz, ganz wichtige Worte, die alle dafür sprechen, das Bildungssystem komplett anders aufzustellen. So, und da sind wir auch wieder bei dem Thema Alternativen, also das, was wir anfangs von unserer eigenen Schulerfahrung so wahrgenommen haben, dass dieser Bildungsweg eigentlich alternativlos ist, das trifft einfach nicht zu.

Stefanie Genau. Es gibt nämlich jetzt mittlerweile jede Menge Alternativen und es gab die auch schon früher. Nur haben wir sie nie wahrgenommen oder als spinnert abgetan, weil wir in diesem System aufgewachsen sind. Und hier schließt sich dann auch wieder der Kreis zu unserem Podcastthema im Sinne von weiter wie bisher geht es nicht. Denn das Bildungssystem ist der Spiegel des Wirtschaftssystems. Im Bildungssystem wird dieses höher, schneller, weiter Konkurrenzdenken gefördert und das gleiche ist im Wirtschaftssystem immer höher, schneller, weiter und wir müssen raus aus allem, raus aus diesem System.

Carsten Also zum einen ist das ja auch darin begründet, dass die Wurzeln unseres jetzigen Bildungssystems in der industriellen Revolution stecken. Das ist ja im Grunde genommen schon ein Indiz dafür, dass aufgrund der wirtschaftlichen Notwendigkeit dieses Bildungssystem so entstanden ist. Und es hat diesen Pfad nie verlassen. Also diese Kopplung an das Wirtschaftssystem ist nie verlassen worden und es ist jetzt so eng miteinander verzahnt, dass ich eigentlich die Art des Wirtschaftens nicht ändern kann, wenn ich die Art der Bildungsvermittlung nicht grundlegend anders aufsetze. Und ich glaube, Gerald Hüther war es auch, der in dem Film ein ganz tolles Beispiel nannte, um einfach mal so diesen, diesen Aspekt dieses Konkurrenzkampfes hervorzuheben.

Er sagte, wir sind ja evolutionsmäßig damals mal als Einzeller gestartet, also Einzeller, so wie wir heute jetzt in diesem Bildungssystem als einzelne Personen gefördert und gefordert werden, wo es nur noch darauf ankommt, möglichst stark im Konkurrenzkampf anderen überlegen zu sein, gute Noten zu haben, einen guten Bildungsdurchschnitt und dementsprechend auch gute Zukunftschancen zu erarbeiten. Aber diese Einzeller haben es ja evolutionär nicht unbedingt an die Spitze der Evolution geschafft, sondern das funktionierte nur in dem aus Einzellern Mehrzeller wurden. Man brauchte eine Gemeinschaft um evolutionär überhaupt voranzukommen. Und dieses Gemeinschaftsgefühl, das fehlt uns jetzt ja quasi im wirtschaftlichen, aber auch im Bildungsbereich und da müssen wir wieder hin, dass wir schon von der Bildung her nicht mehr diesen individuellen Ehrgeiz und dieses Herausarbeiten von Eliten, sondern eigentlich dieses Zusammenhalten, dieses solidarische Prinzip wieder in den Vordergrund stellen. Und da fällt mir jetzt wieder ein, wie der Film „Alphabet“ beginnt. Der guckt nämlich auf China.

Stefanie Genau. Einmal werden da einige Schüler gezeigt, wie sie in dem Bildungssystem in China tatsächlich geknechtet werden, muss man ja schon sagen. Und es kommt auch ein Bildungsinspektor zu Wort, der dort in China tätig ist, der dieses Bildungssystem, wie es jetzt in China existiert, das sich an unserem westlichen Bildungssystem orientiert, sehr stark kritisiert, genau deswegen, weil es jetzt dieses Konkurrenzdenken gibt seit der Marktöffnung und vorher, sagt er, gab es das nicht. Vorher gab es diese Gemeinschaft und ein Miteinander. Und damals waren die Schüler·innen glücklicher und zufriedener. Und heute ist es so, dass die Kinder ziemlich gedrillt werden auf Leistung. Und was sich zum einen darin ausdrückt, dass sie versuchen, 13 Jahre Schule in zehn zu pressen und die Kinder immer früher mit immer komplexeren Aufgaben konfrontieren. Und zum anderen hat er auch erzählt, dass bei den Collegeprüfungen es regelmäßig zu Selbstmorden kommt und dass die Suizidrate relativ hoch sei, weil da der Anspruch so hoch ist und die Jugendlichen denken, dass sie, wenn sie versagen, kein Recht mehr auf Leben haben.

Carsten Die sind einfach total überfordert mit der Anforderung, die aus diesem Lerndruck entsteht. Und da sind auch Schüler·innen dort zu Wort gekommen, die einfach gesagt haben, dass sie ihre Eltern und die Erwachsenen generell in der Hinsicht beneiden, dass die Erwachsenen abends Zeit haben, um eventuell noch mal Fernsehen gucken zu können, dass sie Freizeit haben, dass sie auch am Wochenende ausschlafen können. Und das ist den Schüler·innen nicht mehr vergönnt, weil die außerhalb der Schule so viel Zeit wie möglich aufbringen müssen, um diesen Lernstoff zu verarbeiten. Und ich muss das ja noch mal wiederholen: 2013 wurde diese Dokumentation gefilmt. Damals war es schon so, dass die Chines·innen mit einem Hochdruck diesen Konkurrenzkampf in dieses Bildungssystem hineingepresst haben, um diese Eliten auch auf internationaler Ebene herauszuformen.

Das war so extrem, dass es aus meiner jetzigen Perspektive immer noch sehr überspitzt scheint. Nicht umsonst hat China damals in den PISA Tests einfach immer als Nummer eins abgeschnitten, weil die ihre Kinder so gedrillt haben. Ich glaube auch, das hängt damit zusammen, dass man eine solche Drucksituation nur in einem verhältnismäßig totalitären Staat aufbauen kann. Aber das ist so für mich ein Sinnbild gewesen, wo die Tendenz hin geht, dass die Chines·innen da noch mal ein oder zwei Schippen oben draufgelegt haben und das Ganze sehr stark beschleunigt haben, zulasten der Kinder, denen die Kindheit verloren geht. Die werden einfach komplett gedrillt.

So, und wie gesagt, diese Tendenz selber ist ja in den westlichen Industriestaaten auch zu spüren. Also die Thematik Schulreform. Und wie soll die Schule aufgestellt werden und wie schneiden wir in den PISA Tests ab? Also diese Konkurrenzkampf innerhalb und unterhalb der Schulen, der wird ja stark thematisiert und immer mit dem Fokus, wie können wir bei PISA oder ähnlichen Tests am besten abschneiden.

Und da fällt mir jetzt gerade nochmal eine Anekdote aus diesem Film ein, dass diese ganze Perspektive, die in dieses Bildungssystem hineingetragen wird, gar nicht aus Sichtweise der der Kinder und der Jugendlichen reinkommt, sondern von uns Erwachsenen auf die Jugendlichen überstülpt wird. Und wir Erwachsenen sind ja auch geprägt von diesem System. Wir haben es ja nicht geschafft, aus diesen Bahnen auszubrechen und mal Alternativen heranzuziehen, sondern wir stülpen denen quasi dieses Konzept über. Die Kinder, die im Grunde genommen eigentlich diese angeborene Fähigkeit zu Genialität haben, die haben ja gar keine Chance, sich da zu emanzipieren und zu sagen: Nee, wir brauchen eigentlich was anderes, um gefördert zu werden.

Stefanie Ja, und wenn du jetzt sagst „angeborene Fähigkeit zur Genialität“, da ging es auch um einen Test, den, der ich meine, das ist auch von Gerald Hüther angesprochen wurde, aber jedenfalls ein Test, der diese Genialität bei Menschen und bei Kindern insbesondere testet, nämlich komplexe Lösungsfindung. Und bei diesem Test waren von den 3 bis 5-jährigen, die daran teilgenommen haben, 98 % genial und dann wurde das immer weniger, aber schon krass weniger. Ich meine, als nächstes wurden die 9 bis 12-jährigen getestet und da waren es dann nur noch irgendwie so 38 % und dann wurde es immer weniger. Dann wurde einmal eine Vergleichsgruppe von über 25-jährigen getestet und da waren nur noch 2 % genial. Und die Zusammenfassung war einfach: ein Mensch, ein Baby startet als geniales Wesen und endet dann als genormt und ungenial.

Carsten Gerald Hüther hat auch nochmal gesagt, dass wir alle hochbegabt zur Welt kommen, diese Hochbegabung dann aber so eingenormt wird, dass nur noch einige wenige, die auch wirklich in dem Sektor, der gefördert wird und auch der gefordert wird, genial sind. Und bei den restlichen verebbt diese restlichen Kompetenz Hochbegabung, da die bei uns im Wirtschafts- und im Bildungssystem einfach nicht benötigt oder nicht gefordert wird. Und das ist natürlich absolut beängstigend. Und gerade dieser Test selber, den du angesprochen hast, das hat mir, ich saß da und habe mit dem Kopf geschüttelt, weil das war etwas, was über mehrere Jahre hinweg auch mehrfach wiederholt wurde.

Das war jetzt nicht so irgendwie. Man hat 1,2,3 Leute hingesetzt, sondern das war eine relativ breit angelegte Studie, wo man in diesen Altersklassen mehrfach größere Gruppen von Schüler·innen immer mal wieder getestet hat und dann auf diese Durchschnittswerte kam. Und alleine zu verstehen, dass 98 % der Kleinkinder diese Veranlagung zur Genialität haben, also zur genialen Lösungsfindung, das hat mir einfach die Augen geöffnet, das wusste ich vorher nicht. Und wenn ich mich jetzt heute selber mal betrachte und denke wo bin ich eigentlich genial? Ich würde mir jede Genialität absprechen. Also ich steche jetzt überhaupt nicht hervor. Wahrscheinlich ist das aber auch etwas, wo damals aufgrund dieses kompletten Bildungspfades, den ich gegangen bin, einfach sehr viel verloren gegangen ist.

Stefanie Okay, aber wahrscheinlich, wenn wir da jetzt mal noch einen Schwenk machen, ist es denn überhaupt okay, sich selbst als genial zu bezeichnen?

Carsten Na, ich weiß ja nicht, wie dieses Konzept der Genialität aussieht. Ich habe das so verstanden, dass es um kreative Lösungsfindung geht.

Stefanie Ja, aber ich meine, ist es überhaupt okay? Also dürfte ich überhaupt sagen: ich bin genial? Oder sind wir nicht eigentlich auch schon so genormt, dass wir das gar nicht dürfen?

Carsten Ja, okay, genau, genau. Aber ich würde das sogar so sagen, dass wir es deswegen nicht sagen dürfen, weil diese Genialität ja vielleicht in ganz anderen Fähigkeiten schlummert. Ich würde mich zum Beispiel nie als kreativ betrachten. Vielleicht habe ich ja kreative Momente in mir, die aber so tief in mir stecken, dass sie einfach komplett unterfordert sind und auch nie gefördert wurden. Vielleicht lag es damals so in dieser Neigung der Informatik, da, wo ich einfach gemerkt habe, dass es interessant für mich ist.

Stefanie Ja, aber ist nicht das, was du vorhin erzählt hast, dass du immer Ad hoc Lösungen findest, gerade das Kreative?

Carsten Ja, okay, das mag durchaus sein.

Stefanie Es muss ja nicht immer malen bedeuten oder singen oder ein Musikinstrument spielen oder so, sondern kreativ kann ja auch heißen Dinge neu denken.

Carsten Ja, wobei okay, ja, kann ich akzeptieren, dass das vielleicht meine Genialität ist? Dann muss ich aber sagen, genau dieser Aspekt wurde nie gefördert. Den habe ich mir irgendwie bewahrt oder musste ich mir bewahren, weil das die Art und Weise war, wie ich meine Jobs gestaltet habe. Und ich habe immer in meinem Berufsleben Tätigkeiten ausgeübt, die ich nicht gelernt habe. Und das, was ich gelernt habe, habe ich nie ausgeübt, höchstens in der Ausbildung, aber auch da nicht so wirklich, dass ich da Spaß dran hatte. Die Ausbildung habe ich gemacht, weil ich eine Ausbildung machen musste. Aber wie gesagt, ich wurde nie gefördert. Es hat niemanden interessiert.

Stefanie Ja und das ist vielleicht noch mal dann ein Schwenk zum Film. Es wird dann natürlich auch gezeigt, wie es anders sein könnte. Und du kennst vielleicht schon André Stern, das ist der Sohn von Arno Stern, und Arno Stern hat diesen berühmten Malort in Paris. Und André Stern ist nie zur Schule gegangen. Und er meint selber, dass er immer so als der Gegenpart zu Disziplin gezeigt wird. Aber er meinte, ohne Disziplin wäre er auch nie so weit gekommen. Also er spricht auch Deutsch, er hat Fremdsprachen gelernt, er hat sich aber alles irgendwie selbst beigebracht.

Carsten Weil er es selber benötigte, aus eigenem Interesse. Er wollte sich bestimmte Themen aneignen und ich glaube, er hatte auch gesagt, wie er lesen gelernt hat. Genau, weil er einfach mit Büchern konfrontiert wurde, wo er gemerkt hat, da kann er Wissen rausziehen und dazu muss er lesen lernen. Im Vergleich zu heutigen Schulkindern hat er sehr spät flüssig lesen können. Aber das hat ihm einfach gereicht. Aber das spielt ja gar keine Rolle. Letztendlich geht es darum, dass er heute in der Art und Weise Kompetenzen erreicht hat, die ihn zu einem glücklichen und und zufriedenen Leben gebracht haben und die aus heutiger Sicht - ich muss sagen, der wirkt, von den Kompetenzen, die er ausübt, wie jemand, der ein extrem hohes Bildungsniveau hat.

Stefanie Ja, und er sagt auch selber, dass er das Glück hatte, sich nie vergleichen zu müssen. Es gibt noch so einen Extrafilm zu dem Film sozusagen, in dem André Stern mit seinem kleinen Sohn, der da dann vier ist, gezeigt wird und wo sie nochmal erzählen, wie jetzt ihr Leben ist mit dem Sohn und wie das für ihn gestaltet wird und wo dann quasi Großeltern, Eltern, Kind noch mal alle Sterns sozusagen gezeigt werden. Den hat Carsten jetzt noch nicht gesehen, deswegen kann ich nur darüber sprechen und da wird dann auch nochmal deutlich, genauso wie im Film Alphabet, dass André Stern und auch sein Sohn, ihren Neigungen folgen dürfen.

Und die Mutter von André Stern sagt auch, dass es wichtig war, das Kind einfach nur zu begleiten, dass die Kinder alles mitbringen und dass man ihnen nichts aufdrücken muss oder so, sondern dass die Begabungen alle da sind und es geht jetzt einfach nur darum, dass sie ihnen selbst folgen und dass man sie dabei begleitet. Sie einfach unterstützt, zum Beispiel beim Lesen lernen, dass man einfach nur da ist und ihnen dann das auch beschafft, was sie brauchen, um jetzt lesen zu lernen oder Gitarre spielen zu lernen. Oder so, wie André Stern erzählt hat, dass er selber sich beigebracht hat, eine Gitarre zu bauen auch. Und dann, als er das dann über Videos und alles mögliche angefangen hat, ist er dann zu einem Gitarrenbauer gegangen und hat gefragt, ob er da lernen darf. Und der hat gesagt: Ja klar, komm. Und das heißt einfach vertrauen in das Kind, dass das Kind lernen will und dass das Kind alles mitbringt und dass man es nur begleiten muss.

Carsten Aber zu dem Zeitpunkt, wo das Kind es dann einfordert, also nicht so wie heute, dass ich quasi in die Schule komme und von der ersten Klasse an einen bestimmten Stoff vermittelt bekommen muss, weil es so im Lehrplan steht, sondern wenn das Kind meint, ich muss erst ab dem 7., 8., 9., 10. Lebensjahr anfangen zu lesen, dann ist das so, dann braucht das Kind diese Fähigkeit vorher noch nicht. Es wird aber früher oder später dahin kommen. Das setzt natürlich auch eine große Vertrauensbasis voraus, dass man dem Kind einfach vertraut und sich nicht miteinander vergleicht und sagt okay, andere Kinder sind vielleicht schon in der ersten Klasse so weit zu lesen und mein Kind kann das noch nicht im Alter von was weiß ich wie viel Jahren, sondern man muss das Vertrauen haben, dass das Kind dann zu dem richtigen Zeitpunkt - und der richtige Zeitpunkt ist immer individuell, von Kind zu Kind unterschiedlich - dann anfängt, sich mit den Themen zu beschäftigen.

Stefanie Und das dann in Gemeinschaft, also das Lernen in Gemeinschaft. Und das finde ich auch so wichtig, weil wir ja auch an diesen Punkt jetzt gekommen sind, dass wir denken, wir brauchen eine Gemeinschaft und auch unser Traum und unsere Vision von einem veganen Dorf und einem Dorf als Lernort und auch die Möglichkeit, einfach dann seinen Neigungen nachzugehen, sowohl als Kind als auch als Erwachsener und das Vertrauen zu haben, dass sich das in der Gemeinschaft schon gibt und dass es nicht darum geht, höher, schneller, weiter und vergleichen, sondern ein Vertrauen zu entwickeln, dass jede·r in seiner·ihrer Begabung richtig ist und dass es nicht die eine Begabung gibt, die wichtiger ist als alle anderen, sondern dass sich die Begabungen ergänzen und dass - das fand ich sehr schön an dem Film - das nochmal auch wissenschaftlich begründet ist, dass das nicht nur eine Theorie ist, die philosophisch ist oder psychologisch im Sinne von erdacht oder beobachtet, sondern auch neurowissenschaftlich belegt. Und das finde ich wirklich, das hat mich sehr beeindruckt und ich kann dir den Film wirklich nur sehr, sehr empfehlen. Und ich finde, dass es sehr wichtig ist, das Bildungssystem ebenso zu ändern wie das Wirtschaftssystem, also wirklich dieses ganze Lebensmodell, in dem wir leben, zu ändern und nachhaltiger zu gestalten und wirklich mehr darauf anzupassen, dass es zu uns als Menschen passt und nicht dazu passt, wie wir jetzt mehr Geld verdienen oder die Wirtschaft ankurbeln können.

Carsten Ich gehe sogar so weit, dass ich mittlerweile glaube, dass wir zuerst das Bildungssystem neu aufsetzen müssen. Weil aus der Quelle, aus meiner Meinung, die tatsächliche Generation oder Menschen entstehen werden, die unsere Zukunft gestalten. Wenn ich jetzt natürlich Menschen in einem Bildungssystem heranzüchtet, die eigentlich nur Jasager sind und in bestimmten Leitplanken denken, dann kann ich auch nicht verlangen, dass sich dort in Zukunft grundlegend etwas verändert. Wenn ich jetzt aber ein Bildungssystem fördere, wo ich die freie Meinungsvielfalt entstehen lasse, ich muss sie ja noch nicht mal fördern, sondern sie ist ja per se in uns verankert und ich dadurch dann aber Menschen habe, die nicht einfach alles wortlos schlucken, sondern die auch ihre eigene Meinung vertreten und auch einfach mal sagen: Moment, das passt nicht so wie ihr das macht, die einfach auch tatsächlich mal Kontra geben und sich auch trauen, dann habe ich auch die gesellschaftlichen Grundlagen, um auch disruptive und grundlegende Veränderungen zu erwirken.

Stefanie Ja, das stimmt. Ich habe vorher tatsächlich, also noch bevor wir überhaupt den Film gesehen haben, also ganz vor kurzem sozusagen, da gar nicht so stark drüber nachgedacht, dass es wichtig ist, das Bildungssystem als Ganzes zu stürzen. Also mir war es schon wichtig, aus diesem Bildungssystem auszusteigen, aber eher so im Sinne okay, dann macht ihr weiter, aber wir machen nicht mehr mit. Aber jetzt durch den Film habe ich wirklich das Gefühl, genau wie du, dass es sehr wichtig ist, da auch anzusetzen und auch das zu ändern, dass das alles ineinander greift und alles zueinander gehört. Und wenn wir wirklich unserer Vision folgen wollen, ein neues Wohlstandsmodell zu entwickeln, dann gehört das Bildungssystem einfach dazu.

Carsten Und dementsprechend kann ich mich deiner Empfehlung anschließen. Dieser Film ist sehenswert. Egal ob deine Kinder schon erwachsen sind, egal ob du Kinder hast oder vielleicht noch keine, ob du Kinder hast oder nicht. In jeder Lebenssituation. Setz dich gerne oder auch bitte, bitte, bitte mit diesem Thema auseinander, weil es aus meiner Sicht wirklich fundamental ist, einfach dieses Wissen zu besitzen. Dass es zum einen eine Alternative gibt und dass sie tatsächlich so wichtig ist.

Stefanie Ja, und das es nicht diejenigen, die heute schon die Alternative leben, dass es keine spinnerten komischen Ökofutzi sonst was sind, sondern dass es wirklich darum geht, aus dem System auszusteigen und dass das essenziell wichtig ist. Ich habe auch vorher so gedacht: Waldorfschulen, was sind das denn für welche? Und all diese alternativen Ökoleute und so, aber seien wir mal ehrlich, das haben wir vorher auch über vegan gedacht. Was ist das denn? All diese Öko Leute usw.

Und wir kommen immer wieder und immer wieder an diesen Punkt, dass wir merken okay, guck mal da, da habe ich auch irgendwie falsch gedacht. Das ist überhaupt nicht so und ja, wir sind Menschen, wir machen Fehler und wir sind Menschen, wir können lernen und uns ändern und wir können tatsächlich aus unseren Fehlern lernen. Und deswegen hier die Einladung auch an dich: Schau dir diesen Film an und schau, wie er auf dich wirkt. Es ist wirklich an der Zeit, das Bildungssystem komplett zu kippen und Menschen, die freie Schulen planen, die aus diesem Bildungssystem aussteigen, zu unterstützen. Und es gibt hier in Hamburg bei uns mittlerweile immer mehr Neugründungen, immer noch ganz wenige, aber immer mehr Neugründungen. Und es wäre wunderbar, wenn auch das, sowie das vegane Leben irgendwann die Norm wäre, dass es wirklich darum geht, frei zu lernen und Vertrauen in die Kinder zu stecken und nicht mit Misstrauen ihnen zu begegnen und zu sagen Ihr braucht Disziplin und nur so lernt ihr, sondern darauf zu vertrauen, dass Kinder von Natur aus lernen wollen.

Wir haben das an unserem Kind beobachtet, dass wir können es also aus eigener Erfahrung bestätigen: Unser Kind will lernen, es will von Geburt an lernen. Und ich beobachte das immer wieder an Kindern. Die wollen lernen. Und es sind wir Erwachsenen, die denen immer wieder Grenzen setzen und auch dann vergleichen und sagen: Du musst jetzt das und das lernen und du musst jetzt lesen lernen, Du musst jetzt schreiben lernen, du musst jetzt rechnen lernen. Und vielleicht, wenn es dann noch nicht so weit ist - es fängt sogar schon an mit: Du musst jetzt laufen lernen, wenn das Kind noch nicht mit anderthalb Jahren läuft. Das habe ich sogar bei einem Nachbarskind damals beobachtet, dass es dann hochgezogen wurde, weil es hieß: Du musst jetzt aber mal laufen, du musst laufen. Das war einfach noch nicht so weit, und das Kind weiß das selber. Es weiß, wann es so weit ist, eine bestimmte Fähigkeit zu lernen und es will lernen. Also es gibt unter Garantie kein Kind, das nicht lernen will. Es gibt nur eine Umgebung, die das Kind daran hindert zu lernen und die es dazu bringt, nicht mehr lernen zu wollen.

Carsten Genau. Also ich muss die Aussage so ein bisschen revidieren. Es gibt genügend Kinder, die nicht mehr lernen wollen, weil wir denen, die Lust aufs Lernen schon abgelernt haben, abtrainiert haben. Aber von vornherein bringen sie genau diese Veranlagung mit.

Stefanie Ich meinte jetzt originär. Originär wollen Kinder lernen, aber wenn sie zu lange in diesem System drin sind, dann natürlich nicht.

Carsten Ja. Ganz ehrlich, wer von uns Erwachsenen hat denn noch Lust, zur Schule zu gehen?

Stefanie Wir würden alle nie wieder zur Schule gehen, oder?

Carsten Uns ist die Lust aufs Lernen vergangen.

Stefanie Es gibt natürlich genügend, die dann sagen, ich mach noch die Ausbildung und die Ausbildung und die Ausbildung.

Carsten Aber das ist ein anderes Setting, weil ich dann Freiheit habe, weil es entweder Interessen sind, die mich leiten und sagen, ich möchte genau in diese Themen mit rein oder ich verspreche mir Karrierechancen dadurch.

Stefanie Und es kann natürlich auch sein, dass du diesen inneren Trieb hast, dass du denkst, ich muss erst diese neue Ausbildung machen und dann bin ich es wert, das und das zu tun. Also, dass du dieses Gefühl hast, du bist nur wertvoll, wenn du noch eine Ausbildung machst.

Carsten Das ist dann wieder so, dieser Wettbewerbscharakter und dieses Vergleichen, da wollen wir raus. Und deswegen setz dich bitte mit dem Thema auseinander. Schau dir diesen Film an. Wenn du mehr über das Konzept der freien Schulen wissen möchtest, dann greif gerne zu „Schools of Trust“, weil diese freien Schulen selber in dem Film „Alphabet“ nicht vorkommen. Da geht es eigentlich mehr um den Aspekt: Wo kommen also die wissenschaftlichen Fakten, wo steuert unser jetziges Bildungssystem hin und das Freilernen an sich? Die Thematik ist einfach zu wichtig, zu brisant und einfach zu grundlegend, als dass wir sie nicht weiter betrachten sollten. Und damit sind wir eigentlich auch schon am Ende angelangt und wollen diese Folge auch nicht beschließen ohne uns bei all den Leuten zu bedanken, die uns in irgendeiner Art und Weise unterstützen.

Stefanie Sei es finanziell über Steady oder per Email oder durch iTunes Rezensionen. Wir freuen uns immer darüber und ganz, ganz herzliches Dankeschön!

Carsten Dankeschön.

Stefanie Dann würde ich sagen in diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man wieder einmal Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 163 - Vegan ist immer politisch

Ein Beitrag

Folge 163 - Vegan ist immer politisch

In dieser Folge sprechen wir darüber, warum ein veganes Leben immer auch eine politische Handlung ist- ob Du es willst oder nicht.

Früher hätte ich Dich müde angelächelt, wenn Du mir gesagt hättest, vegan sei auch immer politisch, aber heute verstehe ich, was Du damit meinst.

Und weil das so wichtig ist, teilen Carsten und ich unsere Meinung zu diesem Thema in dieser Folge mit Dir.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Astrid L.)

Stefanie In dieser Folge wollen wir die Frage klären, ob vegan jetzt eigentlich politisch ist oder nicht. Und zwar habe ich mal vor einiger Zeit einen Kommentar gelesen, das war glaube ich zu einem Video oder irgendwas, ich weiß nicht mehr, wozu es war und ich weiß auch nicht mehr genau, was exakt der Wortlaut des Kommentars war. Aber vom Sinn her war es so nach dem Motto: „ jetzt schraubt mal einen Gang runter. Vegan das ist doch nicht politisch. Du musst doch hier nicht politisch argumentieren, weil mir geht es einfach nur um die Ernährung und vegan, das ist doch nicht Politik.

Carsten Ja, kann man natürlich sagen. Wobei ich eingestehen muss, dass mir da verschiedene Bilder hochkommen. Also vegan ist für mich natürlich erst mal ein Statement, eine ganz klare Lebensentscheidung gegen die Unterdrückung von Tieren. Und wenn ich mir jetzt anschaue, andere Lebensgestaltungen oder Entscheidungen, die gegen Unterdrückungssysteme vorgehen, wie bei Sklaverei oder die Unterdrückung von Menschen anderer Hautfarbe oder die Unterdrückung von Frauen, dann fällt es mir schwer zu glauben, dass jemand, der sich.... ja, der einen Lebensstil pflegt, um genau diesen Unterdrückungssystemen entgegenzutreten oder sich denen zu entziehen, dass das halt nicht politisch ist. Also zwangsläufig ist eine solche Haltung aus meiner Sicht immer politisch, egal, ob ich jetzt draußen auf der Straße stehe, ob ich tatsächlich aktiv Politik mitgestalte oder ob ich einfach vor mich hin lebe. Aber es ist aus meiner Sicht immer politisch.

Stefanie Jetzt argumentierst du natürlich irgendwie aus deiner heutigen Sichtweise. Es ist natürlich die Frage, hast du das auch schon gedacht, als du begonnen hast, vegan zu leben?

Carsten Nein, ganz am Anfang war Politik oder auch die Politisierung dessen, was ich dort mache, nicht mal ansatzweise existent in meinen Gedanken. Also das war, gerade weil ich meinen Einstieg in die vegane Lebensweise aus gesundheitlich motivierten Gründen gefunden habe, war es natürlich purer Egoismus. Aus dem es dann nachher mehr geworden, weil ich mich natürlich mit allen anderen Facetten seither beschäftigt habe. Aber ganz am Anfang - und ich kann dir noch nicht mal sagen, wie lange diese Anfangsphase dauerte - das war so ein schleichender Übergang, wo ich sagen würde, irgendwann ist es dann politisiert oder zwangsläufig politisch geworden. Aber vorher war es halt reiner Eigennutz.

Stefanie Ja, also ich erinnere mich auch noch daran, wie ich mal mit einer Erzieherin im Kindergarten diskutiert habe und sie gesagt hat, das in ihrer WG, in der sie wohnt, die politisch motivierten Menschen auch schon nicht mehr vegan leben. Und dann habe ich ihr gesagt, ich lebe ja nicht vegan, weil ich politisch motiviert bin, sondern aus ethischen Gründen. Und deswegen werde ich niemals aufhören, vegan zu leben. Ich richte mich da nicht nach irgendwelchen Strömungen. Und ich habe damals gedacht „Wie absurd, warum soll man denn aus politischen Gründen vegan leben? Was ist das denn?“ Also das hat sich mir damals überhaupt nicht erschlossen und deswegen kann ich das natürlich auch verstehen, wenn jemand so einen Kommentar schreibt und sagt „Hey, vegan ist doch nicht politisch“. Heute sehe ich das aber genau wie du, Carsten, ich denke auch, dass vegan immer politisch ist. Und mit deiner Entscheidung vegan zu leben, hast du immer irgendwie ein politisches Statement mit dabei.

Carsten Ja, egal ob gewollt oder nicht gewollt. Also wie gesagt, ich muss das nicht immer den koppeln mit dem Straßenaktivismus oder so, sondern alleine dadurch, dass ich mich diesem Unterdrückungssystem entziehe und sei es einfach nur in den persönlichen eigenen vier Wänden und vielleicht nur für mich. Aber allein das ist schon ein politisches Statement, weil das bleibt ja nicht unbemerkt. Also egal wie introvertiert ich jetzt der Welt gegenübertrete, früher oder später fällt das auf. Sei es jetzt im Arbeitsumfeld oder wo auch immer. Und dann ist zwangsläufig aus meiner Sicht so eine Schwelle zur Politisierung mit erreicht, weil in dem Moment, wo ich andere Leute mit meiner Lebensweise erreiche, völlig unerheblich oder völlig unabhängig davon, was diese Leute jetzt denken. Ob die jetzt auf Konfrontation gehen, ob die mich für blöd halten oder so, aber die, die werden damit konfrontiert und das ist der Moment, wo es eigentlich politisch wird aus meiner Sicht.

Stefanie Ja, wobei ich finde, dass es nicht nur darum geht, dass andere Menschen jetzt irgendwie mit uns in Kontakt kommen und merken, wir sind vegan, sondern das schon allein unser Handeln, dass wir eben vegan leben, also die reine Tatsache, dass wir vegan leben, schon politisch ist, weil wir damit ja einiges bewirken. Und wir entziehen eben auch unsere Kaufkraft. Da fehlen mir glatt die Worte. Unsere Kaukraft vielleicht auch, aber unsere Kaufkraft entziehen wir eben ja auch dann Unternehmen, die eben da politisch, sage ich jetzt mal, Macht haben. Also das ist ja auch irgendwie das, was auf unserem Teller ist, hat ja auch globale Auswirkungen. Und da muss ja noch nicht mal jemand von wissen, dass wir vegan leben. Aber alleine, dass wir uns im Supermarkt anders entscheiden und dass wir eben sagen okay, ich kaufe jetzt eben nicht mehr das Hühnchen, wovon eben Teile dann nach Südafrika verschifft werden und damit der Markt dort zerstört wird. Was eben für mich auch ein politisches Statement ist. Und ich verzichte jetzt auf Milchprodukte, wovon eben jetzt nicht das Milchpulver dann auch wieder nach Südafrika oder in andere Länder eben verschickt wird und damit da wiederum die Märkte zerstört. Und da ist es eben für mich auch schon alleine, wenn ich niemanden davon erzähle, ein politisches Statement.

Carsten Ja, das stimmt. Also die bewusste und auch reflektierte Kaufentscheidung, da gebe ich dir recht, das ist natürlich ganz klar eine politische Entscheidung.

Stefanie Also selbst wenn du es nicht so siehst, also das ist ja für mich dann irgendwie auch, also dass jetzt also dadurch, dass ich eben schon so weit gegangen bin und auch so viel mich quasi weiter informiert habe zu den Themen kann ich jetzt aus dieser Perspektive über vier Jahre später sagen, das ist eine politische Handlung, wenn ich vegan lebe. Was ich damals halt nicht gedacht habe. Und egal, ob du jetzt dahinter stehst, dass es politisch ist oder nicht, es ist immer politisch.

Carsten Das heißt, selbst wenn du nicht weiß, dass es politisch ist, kann es eigentlich schon als politische Handlung gelten. Du bist dir dessen nur nicht bewusst.

Stefanie Ja, genauso geht es ja auch..... Also ich denke, das ist meine Meinung. Genauso auch bei Kleidung. Also wenn du sagst, ich setze eben nicht auf Fast Fashion, sondern ich schaue mich um, dass ich vielleicht alles Secondhand kaufe, dann ist das für mich auch eine politische Handlung.

Carsten Ja, genau. Wobei, wir müssen jetzt natürlich aufpassen. Politisch ist es natürlich ein schweres Wort. Es impliziert sofort, dass da großes Gewicht hinter steht. Also die Konsumentscheidungen eines Einzelnen ist natürlich wichtig, gerade in Summe. Aber es ist natürlich noch ein anderer Charakter, ob ich jetzt politisch wirklich nach außen hin agiere, bewusst nach außen agiere. Also ich glaube, so, so Straßenaktivismus, Demos, Petitionen etc. also wirklich politische Instrumente zu bedienen, ist noch mal ein ganzes Stück machtvoller, als wenn ich jetzt einfach vor mich hinbrödel und vielleicht auch noch nicht mal bewusst wahrnehme oder wahrhaben möchte, dass das meine Konsumentscheidungen politischen Charakter besitzen.

Stefanie Ja, aber ich finde es trotzdem wichtig, das nochmal zu nennen und zu sagen, es ist beides politisch. Also sowohl wenn ich nach außen gehe und wirklich bewusst handle, als auch, wenn ich mir dessen vielleicht gar nicht bewusst bin, dass also vegan das vegane Leben an eine vegane Lebensweise immer politisch ist.

Carsten Genau. Also man muss..... Also es geht da wirklich nur um den Begriff politisch, nicht um die Art und Weise was ist politischer oder was ist jetzt sinnvoller politischer, sondern....

Stefanie nur Ja genau, mir geht's nicht schon wieder um den super veganer oder....

Carsten Effizienten.... was ist....

Stefanie Was ist.... also darum geht es mir in dieser Folge überhaupt nicht. Also was ist am politischsten und was ist am tollsten und wie kannst du am meisten bewegen? Und wie viele Leute hast du heute schon veganisiert und keine Ahnung was. Darum geht es überhaupt nicht, sondern einfach nur um dieses Bewusstsein, dass eigentlich, egal wie aktiv du bist, deine vegane Lebensweise immer politisch ist.

Carsten Ja, okay, genau. Also Schwelle zur Politik quasi überschritten. Egal ob ich jetzt Berufspolitiker bin oder nicht.

Stefanie Genau. Genau.... Auch Amateurpolitiker. Du musst es nicht, du kannst auch Undercover Politiker sein.

Carsten Oh, das klingt gut.

Stefanie Gut. Ja, ja, ja, dachte ich mir.

Carsten Bei welchem Geheimdienst bin ich denn dann?

Stefanie Das können sich die Hörerinnen und Hörer überlegen, wie das dann heißt. Ja, setzt dich das jetzt eigentlich unter Druck, dass vegan immer politisch ist?

Carsten Nein, ich habe jetzt gerade überlegt, ob es mich damals unter Druck gesetzt hätte, wenn mir das jemand gesagt hätte, also bewusst vorgehalten hätte. Also in der Phase, wo es für mich erst mal noch reiner Eigennutz war. Das kann ich dir noch nicht mal beantworten. Wahrscheinlich hätte ich das auch irgendwie in Abrede gestellt. Also hätte ich vielleicht auch gar nicht als politisch eingeschätzt. Aber heute? Nein, setzt mich überhaupt nicht unter Druck, weil es ist ja für mich nichts Negatives.

Stefanie Du willst es auch.

Carsten Eigentlich will ich ja die Veränderung. Also ich will ja die Welt in der Hinsicht verändern. Und das einzige, was mich unter Druck setzen könnte, wäre einfach die Tatsache, dass ich einen sehr begrenzten Rahmen habe, um diese Veränderung mitzugestalten. Aber ich habe halt einen Rahmen, in dem versuche ich halt mitzuarbeiten, aber manchmal geht es mir halt nicht schnell genug.

Stefanie Ja klar

Carsten So, aber das ist ja jetzt nichts, was mich unter Druck setzt, weil das Thema politisch ist.

Stefanie Ja, ich hatte da mit Svenja, bei unseren Rezensionen über die grüne Lüge, auch mal darüber gesprochen, dass sie halt auch meinte, dass eigentlich die Lösung ist, in die Politik.... Also für sie war die Lösung, irgendwie in die Politik zu gehen und dass sie es auch schon mal versucht hatte. Aber dann hat sie es doch wieder schleifen lassen und so. Und klar. Also wenn wir wirklich was bewegen wollen, dann müssen wir wahrscheinlich noch aktiver werden.

Carsten Ja, ich bewundere auch die Leute, die sich tatsächlich dazu entscheiden, in die Politik zu gehen. Und ich bin auch fest davon überzeugt, dass das ein ganz wichtiger Schritt ist. Ich glaube, das Thema insgesamt oder die Veränderung, die wir da erwirken müssen, ist aber ein bisschen komplexer, als einfach nur zu sagen, wir bauen jetzt politische Strukturen um. Da geht in meiner Hinsicht noch viel in Richtung Wirtschaft. Das Wirtschaftssystem muss auch reformiert werden, gekippt werden, wie auch immer. Aber auch Bildungssystem und die Art und Weise, wie wir über diesen Gegenstand der Mensch-Tier-Beziehung erzogen werden, auch durch die Bildungsträger. All das sind so Komponenten, da weiß ich nicht, ob das damit getan ist, einfach nur zu sagen, wir gründen jetzt eine entsprechende Partei und versuchen uns in die Tagespolitik oder in die Bundespolitik einzumischen. Also es muss aus unterschiedlichsten Ecken und Strömungen kommen und deswegen finde ich das auch wichtig, dass die vegane Bewegung oder auch die Tierbewegung, ob jetzt Tierschutz, Tierrechtler, Befreiungsbewegung, dass die möglichst vielfältig ist. Um eben genau diese vielfältigen Ansätze bedienen zu können.

Stefanie Ja, viele setzen ja auch darauf und sagen „Ah, ich kann ja selber nichts tun, die Politik soll mal was ändern“. Der Meinung bin ich jetzt überhaupt nicht. Ich finde, wir haben es alle in der Hand. Wir können alle etwas tun. Und wenn du jetzt schon vegan lebst, dann tust du ja auch schon was. Und deswegen denke ich wirklich, vegan ist immer politisch und es ist eben schon eine politische Handlung. Und das Einfachste, was du in deinem Leben ändern kannst, ist wirklich die Ernährung und das geht.... damit kannst du so viel bewirken und damit kannst du so viel umstoßen und kannst auch die Wirtschaft beeinflussen. Und ja, natürlich muss es Hand in Hand gehen, auch noch mit anderen Aktionen. Aber es ist definitiv schon mal ein erster Schritt, oder?

Carsten Ja, und ich glaube auch, dass diese Haltung oder diese Denkweise, dass vegan auch etwas nicht Politisches sein könnte, dass das vielleicht nur Personen betrifft - ist eine reine Mutmaßung, und da lehne ich mich jetzt auch bewusst mal ein bisschen weit aus dem Fenster, - dass das Personen sind, die noch nicht so gefestigt sind. Die vielleicht eher aus diesen Eigennutz oder individuellen Gründen agieren und vielleicht den Gesamtzusammenhang dessen, was eine vegane Lebensweise mit sich bringt, noch nicht so durchdrungen haben, vielleicht schon mal gehört haben, aber noch nicht so in sich aufgenommen haben. Weil ich kann mir nicht vorstellen, dass wenn du dir bewusst bist, was für ökologische Auswirkungen, was für gesellschaftliche Auswirkungen, was also auf allen Ebenen, was sich da abspielt, allein durch die Entscheidung, komplett auf tierische oder tierliche Lebensmittel und Produkte zu verzichten. Wenn dir das klar ist und diese Facetten bei dir auch oben im Kopf verankert sind, dann bleibt aus meiner Sicht nichts anderes übrig, als zu akzeptieren, dass es ein hochpolitisches Thema ist.

Stefanie Ja, also mir ging es ja wie gesagt am Anfang auch so und ich habe immer gedacht „Mann, ich bin doch nur ethisch motiviert. Die Politik interessiert mich überhaupt nicht.“ Und mittlerweile ist mir eben klar, dass ich einfach als Veganerin mitten drin stecke und automatisch halt politisch bin. Und ja, wenn du weiter diskutieren möchtest und dich mit Gleichgesinnten austauschen möchtest, wenn du auch von Herzen vegan lebst, dann komm doch in den kostenlosen „Von Herzen Vegan“-Clan, unsere neue Community und rede mit. Du bist herzlich willkommen.

Carsten Ja, und damit geht eine unüblich kurze Folge auch zu Ende. Uns war es wichtig, einfach mal ein Statement zu dieser Frage „Ist vegan politisch oder nicht?“ abzugeben. Wir hoffen, wir haben so ein paar Facetten aus unserer Gedankenwelt offeriert und damit auch tatsächlich dann das Statement gesetzt.

Stefanie Genau. Und dann wollen wir diese Folge auch nicht beenden ohne uns bei unserem treuen finanziellen Unterstützer und Unterstützerinnen über Steady zu bedanken. Und allen, die uns iTunes Rezensionen schreiben, die uns Nachrichten schicken und all unseren Hörern und Hörerinnen.

Carsten Hey, das ist euer Applaus.

Stefanie In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Oder auf Wiederhören.

Du lebst auf Kosten anderer!

Ein Beitrag

Folge 162 - Du lebst auf Kosten anderer!

In dieser Folge sprechen wir über

  • das Buch "Auf Kosten anderer? - Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert" vom I.L.A. Kollektiv
  • Carsten erklärt Dir, was das I.L.A. Kollektiv ist und wie wir alle im globalen Norden auf Kosten des globalen Südens leben und
  • Carsten erzählt vom Workshop zu diesem Thema, an dem er teilgenommen hat.

Das I.L.A Kollektiv besteht aus 17 jungen Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen und hat in Form eines Buchs und von Workshops das Konzept der imperialen Lebensweise für die breite Öffentlichkeit aufgearbeitet.

Ganz aktuell ist ihr neues Werk zum Thema, wie ein gutes Leben für alle möglich ist.

Und da genau das Thema unseres Podcasts ist, wollen wir Dir in dieser Folge erzählen, warum alle von Missständen reden, aber kaum jemand handelt.

 

Links zur Folge

Du schadest dem Veganismus!

Ein Beitrag

Folge 161 - Du schadest dem Veganismus!

Neulich sprach ich mit einem Veganer, der gemeinsam mit seiner Frau ab und zu in der Öffentlichkeit steht. Er erzählte mir, dass er bei öffentlichen Auftritten immer versuche so gesund wie möglich auszusehen.

Das bedeutet für ihn z.B.,

  • dass er vorab auf Diät geht, um überflüssige Pfunde loszuwerden und
  • dass er Pickel möglichst abdeckt.

Nun sagst Du vielleicht, das machen viele Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und das ist (leider) Alltag. Er macht es aber nicht, um sich selbst besonders gut zu präsentieren, sondern um den Veganismus voranzubringen.

Denn Du dienst dem Veganismus nur, wenn Du gesund und fit aussieht. Und Du siehst nur gesund und fit aus, wenn Du schlank und sportlich bist.

Im Umkehrschluss schadest Du dem Veganismus, sobald Du nicht dieser Norm entsprichst.

Was ich von dieser These halte, erfährst Du in dieser Podcastfolge...

Vollständiges Transkript

Stefanie In der heutigen Folge möchte ich mich ein wenig echauffieren und Carsten mit einbeziehen, quasi. Und zwar habe ich mich letztens mit einem Veganer unterhalten, der ab und zu auch in der Öffentlichkeit steht und mit seiner Frau zusammen ein Unternehmen führt. Und er erzählte, wenn sie einen Stand betreiben, auf einem Straßenfest oder sonst irgendwo vor der Kamera stehen oder so, dass sie dann tatsächlich darauf achten, dass sie besonders gesund aussehen.

Und zwar geht das auch so weit, dass sie, wenn sie wissen, dann und dann haben sie einen Termin und wenn da zu viele Kilos auf den Hüften sitzen, dass sie dann auch abnehmen, extra deswegen. Um dann möglichst gut auszusehen. Und zwar nicht aus einem Schönheitsideal heraus, weil sie modeln wollen und bei Heidi Klum irgendwas gewinnen oder so. Sondern um dem Veganismus zu dienen. Also um einer Norm zu genügen, von der sie ausgehen, dass sie den Veganismus vorantreibt. Und ich war, gelinde gesagt, entsetzt, als er mir das erzählt hat.

Und als ich gesagt habe, dass das für mich nicht authentisch ist, weil sie ja sonst, wenn sie nicht vor der Kamera stehen oder irgendeinen öffentlichen Auftritt haben, eben nicht gerade abnehmen oder nicht so aussehen, wie sie dann aussehen, meinte er: „Ja, das Fass will ich nicht auch noch aufmachen, wenn ich dann mit Nicht-Veganer·innen spreche oder mich da präsentiere. Ich will da keine Angriffsfläche bieten und deswegen achte ich darauf, dass ich immer so gut wie möglich aussehe und so gesund wie möglich.“ Und ich hatte ihm zuvor erzählt, dass mir gesagt wurde, wenn ich schlanker wäre und wenn ich abnehmen würde, dann würde ich mehr erreichen und er hat dem zugestimmt.

Carsten Ja, das ist ja das bekannte Thema, was uns oder wahrscheinlich auch dir liebe·r Hörer·in öfters mal begegnet. Dieses Idealbild, wie wir Veganer·innen uns nach außen präsentieren müssen, um eben auch möglichst effektiv und mit der größtmöglichen Wirkung dem Veganismus Vorschub zu leisten. Und da muss ich sagen, das ist ein Thema, da zieht sich in mir wirklich alles zusammen, da wächst ein ganz großer Widerstand und ein ganz großes Nein ist quasi in mir zu spüren und das muss ich auch zum Ausdruck bringen, weil es ist ja, ach, ich weiß es nicht.

Stefanie Ja, ich wollte eigentlich erst die Folge alleine aufnehmen. Für meinen Von Herzen Vegan Podcast, hatte dann aber Carsten davon erzählt und der hat sich gleich mit echauffiert. Deswegen habe ich gedacht: ach schön, dann echauffieren wir uns jetzt hier zusammen in unserem gemeinsamen Podcast. (lacht)

Carsten (lacht) Ja, das ist tatsächlich ein Thema, über das ich mich aufregen kann. Und da werden ganz, ganz unruhige Gefühle in mir hervorgerufen. Also ich kann mich da überhaupt nicht mit identifizieren, mit diesen Leitbildern, dass ich in irgendeiner Art und Weise möglichst perfekt nach außen wirken muss, um als Aushängeschild, als Werbeplakat, als Werbebotschaft für eine vegane Bewegung dienen zu müssen oder mich andienen zu müssen.

Stefanie Im Umkehrschluss bedeutet es ja auch, ich darf eigentlich gar nicht auf der Bühne stehen, weil ich nicht dieser Norm entspreche.

Carsten Ja, und das ist, ich glaube, lieber Veganismus, wer auch immer du bist, du tust damit wirklich keinen Gefallen. Lass es bleiben, das geht nach hinten los. Ich kenne die Argumentation so von wegen möglichst effektiv und dass man auch mit diesem Idealbild eigentlich ja die schönen Seiten irgendwie nach vorne bringt. Und es gibt ja diverse Argumente, die versuchen, das zu untermauern. Ich glaube wirklich, das geht nach hinten los.

Stefanie Und auch immer fröhlich und freundlich und gut gelaunt und äh, ja, entspannt zu sein, das sage ich auch, aber ich meine es halt anders. Also ich meine nicht, dass du immer entspannt sein muss und immer total gelassen und relaxed, sondern dass es dir besser geht, wenn du gelassen bist.

Carsten Ja, also Authentizität ist eigentlich das Thema. So, und ich möchte mich nicht verstellen müssen, um irgendeiner Sache zu dienen. Das fällt mir im beruflichen Kontext schon schwer, dass ich in gewissen Situationen eher die Firma als mich repräsentiere. Und es fällt mir auch hinsichtlich der veganen Bewegung schwer, eher die vegane Bewegung präsentieren, mal repräsentieren zu müssen, anstatt mich selbst. Und das ist etwas, da komme ich wirklich nicht mit klar, weil ich glaube, in dem Moment, wo ich versuche, ein anderer zu sein und das ist ja zwangsläufig, wenn ich mich verstelle, wenn ich mich keine Ahnung schöner mache, attraktiver mache, gesünder mache, fitter mache, wie auch immer, dann bin ich halt nicht ich selbst. So, und das ist ja im Grunde genommen ja, ich sag jetzt mal, das ist ja nicht nur ein Krankheitsbild, das sich aus meiner Sicht jetzt nur in dieser veganen Bewegung zeigt, sondern das ist sehr allgemein gesellschaftlich, das ist ja dieses typische: Glamour. Da wo ich jetzt irgendwo versuche, ein Idealbild, ein Schönheitsideal oder so was anzuschauen, lande ich automatisch bei ähnlichen Stereotypen.

Stefanie Ja, und das ist eben das, worüber die Menschen, mit denen ich so rede, argumentieren, dass sie sagen, weil das eben so ist und die Menschen Gesundheit mit schlank verbinden, deswegen müssen wir schlank sein, um den Veganismus voranzubringen, weil eben Gesundheit wiederum das beste Argument ist, was zieht und gesund ist nur, wer schlank ist.

Carsten Genau das ist so ein aus meiner Sicht schon fast – sorry - dummes Argument. Wir müssen das machen, weil wegen ist so! Das mag sich ja vielleicht auch mit Klickzahlen, mit Seitenaufrufen, mit was weiß ich, also aus Marketingsicht irgendwo verargumentieren lassen. Aber das ist aus meiner Sicht doch genau, ich nenne es jetzt mal das Krebsgeschwür, weil was versuche ich denn dort für Bilder zu projizieren? Bilder, die eigentlich kaum erreichbar sind. Ich adressiere ja nicht ein Bild, was 90 % der Menschen repräsentiert, sondern etwas, wo, ich sag jetzt mal, wirklich nur ein Minimum, also ein kleiner Prozentsatz irgendwo optisch hinkommt. Ich meine, ich kann das ganze zuspitzen und dann wird es ganz eklig, dass wenn ich dann sage okay, wie muss denn jemand aussehen mit dem Idealbild und ich orientiere mich jetzt wirklich nur so an diesen körperlichen Faktoren. Also schlank, sportlich, vielleicht Mitte 20? Vielleicht auch noch irgendwo eine bestimmte Hautfarbe, vielleicht noch eine bestimmte Haarfarbe. Ja, ich fange an auszugrenzen.

Stefanie Hetero.

Carsten Hetero, genau. Ich fange an auszugrenzen, in dem Moment, wo ich beginne, diese Stereotypen aufzubauen.

Stefanie Ja und das ist ja eben auch das, was du sagtest, als wir da vorher mal drüber gesprochen haben, dass es ja auch ein Privileg ist, schlank zu sein. Wir hatten ja mal eine Folge gemacht über Privilegien und dass das eben auch ein Privileg ist, in unserer Gesellschaft schlank zu sein.

Carsten Ja, tatsächlich aus der privilegierten Rolle heraus argumentieren die, die wir schlank sind. Und es gibt ja Menschen, die von Natur aus schlank sind, die einfach, egal was sie machen, schlank bleiben. Und das kann ich aber nicht als idealtypisches Bild hinsetzen, weil dem nicht jede·r entspricht. Nur weil andere Menschen diesem schlanken Bild nicht entsprechen, heißt das noch lange nicht, dass sie durch, keine Ahnung, bestimmte Lebensweisen, bestimmte Ernährungsweisen oder nur durch Selbstdisziplin diesem Bild irgendwann mal entsprechen werden. Das ist aus meiner Sicht ein krankmachendes Bild. Also vor allen Dingen, da spreche ich jetzt aus persönlicher Erfahrung: Ich selbst war nie dick. Ich werde wahrscheinlich auch nie dick sein, weil ich unter einem schnellen Stoffwechsel tatsächlich leide. Das ist nicht in allen Situationen angenehm, aber es ist einfach so, dass ich wahrscheinlich immer schlank bleibe. Und was würde ich mich dann erdreisten, wenn ich jetzt sage: Hey, alle anderen müssen genauso schlank sein wie ich? Also das funktioniert irgendwie nicht.

Stefanie Ja, das ist es ja gerade. Also natürlich schlanke Menschen, die argumentieren, dass man halt schlank sein sollte. Das ist halt immer schwierig.

Carsten Das ist total einfach, klar.

Stefanie Ja, genau, das ist einfach für die. Aber für diejenigen, die eben nicht natürlich schlank sind, ist es nicht einfach. Und ich habe ja hier im Podcast in Folge 84 mit Gesche darüber gesprochen, dass Veganerinnen immer schlank sind. Es gibt, haben wir auch gesagt, es gibt so viele Gründe, warum Menschen dick sein können. Und es gibt Menschen, die dick sind und trotzdem gesund. Also, auch dicke Menschen können Sport machen und der BMI hat da nicht wirklich was zu sagen. Es gibt Menschen, die haben tatsächlich eine breite Hüfte einfach und setzen mehr Speck irgendwie am Hintern an oder wo auch immer. Und trotzdem sind sie gesund und laufen Halbmarathon oder gehen regelmäßig joggen oder machen halt generell Sport und haben super Blutwerte und alles mögliche. Aber sie entsprechen eben nicht dieser Norm.

Und genauso kann man das ja auch ausweiten auf: was ist, wenn du auf einmal Pickel im Gesicht hast? Der Mann, mit dem ich da gesprochen hatte im Eingangsbeispiel sagte er, er retuschiert all seine Pickel weg sozusagen. Also er schminkt die über, damit es nicht gesehen wird. Also er achtet wirklich auf alles mögliche, damit er möglichst gesund aussieht. So aber was ist denn, wenn ich einfach unter unreiner Haut leide? Und das ist halt so, ich kann es halt gerade nicht ändern. Also gibt es ja durchaus. Dann schadest du dem Veganismus. Wenn du unreine Haut hast, schadest du dem Veganismus, du schadest dem Veganismus, wenn du dick bist. Du schadest dem Veganismus wahrscheinlich auch, wenn du zu klein oder zu groß bist. Wahrscheinlich schadest du dem Veganismus, auch wenn du irgendwie nicht sportlich genug bist. Also es gibt so vieles, was dann nicht der Norm entspricht und womit du dann automatisch dem Veganismus schadest. Und das finde ich, das geht einfach so nicht.

Carsten Nein, wir müssen ja Inklusion betreiben und nicht Exklusion. Ich kann mich da wirklich nur wiederholen, was ich vorhin schon sagte, es sind ja 90, wahrscheinlich 99 % der Menschen halt nicht so optisch beschaffen, dass sie diesem Idealbild auch nur annähernd nahe kommen werden. Die können tun, was sie wollen. Also selbst eine chirurgische plastische Operation wird die wahrscheinlich nicht in diesen Bereich der Schönheitsideale hier transferieren. So, denen stoße ich doch vor den Kopf. Wenn ich jetzt irgendwie versuche, solche Bilder zu projizieren, dann lege ich eine imaginäre Messlatte so hoch, dass ich ein Großteil der Menschen eigentlich gar nicht erreiche. Die kapitulieren doch.

Stefanie Ja, und wenn ich die ganze Zeit über Gesundheit spreche und nur immer über die Ernährung gehe, dann vergesse ich ja auch, dass es beim Veganismus um Werte geht, um Mitgefühl und nicht um eine Ernährungsweise. Also ja, die Ernährungsweise gehört dazu. Das ist irgendwie dann die Ausgangssituation. Aber eigentlich geht es um Werte und es geht auch darum, aus diesem System auszusteigen. Nicht umsonst sind wir immer auf der Suche und schauen, wie wir das System anders gestalten können. Aber wenn ich so argumentiere und sage: Hey da gibt es halt diese Norm und das ist halt so und alle finden es toll und du musst halt schlank sein und du musst halt sportlich sein und du musst halt so aussehen, dann denke ich ja nur innerhalb dieser Grenzen, dann denke ich innerhalb dieses Systems und das kann einfach nicht funktionieren, weil dann bleibe ich ja in dieser Box drin und ich will doch eigentlich da raus, weil ich doch ein anderes System, eine andere Welt und Mitgefühl für alle Lebewesen will. Und das heißt eben auch nicht nur für die Tiere, auch für die Menschen und dann eben für alle Menschen. Und dann eben auch Mitgefühl zu haben für Menschen, die eben nicht der Norm entsprechen.

Carsten Ja, weil sonst verkomme ich zu so einer Art Marketing Karikatur, die sieht zwar schön aus optisch, aber letztendlich bin ich dann Marketingobjekt, wirklich ein Objekt.

Stefanie Und wie authentisch bin ich denn, wenn ich halt tatsächlich Monate vorher erst mal anfange auf Diät zu gehen, um dann einem bestimmten Bild zu entsprechen, um dann wieder danach Fett anzusetzen, um dann wieder auf Diät zu gehen? Also wie authentisch bin ich denn? Weil hey, ich bin doch nur authentisch, wenn ich auch wirklich das lebe, wozu ich stehe. Wenn ich gerne Sport mache und natürlich schlank bin, dann ist es doch alles gar kein Problem. Und auch emotional essende Dicke können zu natürlich Schlanken werden, was Maria Sanchez zum Beispiel bewiesen hat. Es ist also nicht so, dass du für immer dazu verdammt bist, dick zu sein, wenn du es gar nicht möchtest, also wenn du zwanghaft isst. Aber es muss halt authentisch sein. Wenn du gerade in diesem Teufelskreis steckst und sagst: Hey, ich esse eben zwanghaft und ich bin dick, dann macht das überhaupt keinen Sinn, dann immer wieder eine Diät anzufangen, nur um den Veganismus nicht zu schaden. Also was ist das für ein krankes System?

Carsten Ja und genau das gilt es jetzt zu überwinden, weil das ist ja jetzt nicht etwas, was dem Veganismus ureigen ist, sondern eigentlich ein typisches Phänomen unserer Gesellschaft, dass wir versuchen, diesen Idealen irgendwo nahe zu kommen, dass das irgendwo ganz stark nach außen getragen wird und da natürlich eine gewisse Popularität hat. Und wir unterfüttern das, indem wir argumentieren: es ist ja wirksam, also müssen wir es auch so machen. Also dieses, das ist ja das Kranke daran, wenn man das mal ein bisschen durchdenkt, das ist ja im Grunde genommen ein Aspekt, mit dem sich der Karnismus rechtfertigt, durch diese ständige Wiederholung: „Ja, alle haben es so gemacht und wir machen es auch so und es funktioniert ja“ und immer wieder und immer wieder und immer wieder und jetzt greifen wir im Veganismus nach diesem gleichen Prinzip.

Stefanie Ja, genau, wir bedienen uns des gleichen Systems, wir bleiben da drin, wir wollen doch eigentlich da raus, aber wir bleiben da drin, wenn wir sagen, wir müssen dieser Norm entsprechen, sonst schadest du dem Veganismus, so wie mir die eine Hörerin auch geschrieben hat, ich sei zu emotional und deswegen würde ich dem Veganismus schaden. Also das ist halt wirklich so! Dir wird ja gesagt, du darfst dich nicht als vegan outen, wenn du nicht der Norm entsprichst.

Carsten Ja, und ich muss sagen, wenn ich solche Stimmen höre, die auch das einfordern, dass man sich dieser Norm in irgendeiner Art und Weise anpasst oder vielleicht sogar unterwirft, aber ich sag jetzt mal anpasst, dann muss ich sagen, lieber Veganismus, bin ich kein Teil von dir. Ja, das ist ja was. Definiere mal Veganismus oder vegane Bewegung.

Stefanie Dann ist unser Veganismus ein anderer Veganismus als deren Veganismus.

Carsten Machen wir einen eigenen auf.

Stefanie Ja, ich mach meinen eigenen Veganismus.

Carsten Ja aber dann möchte ich nicht dazugehören. Dann titulier ich mich irgendwie anders oder so was. Für mich bin ich dann nach wie vor vegan, aber dann fühle ich mich nicht zugehörig zu einer solchen Bewegung, weil das sind tatsächlich Werte, die ich nicht teile, die ich auch nicht teilen kann.

Stefanie Ich muss sogar daran denken. Ich weiß nicht, vielleicht kennt ein·e Hörer·in die Bücher von Jasper Fforde um Thursday Next. Ich höre die gerade so zur Entspannung nebenher. Und das ist so eine Parallelwelt, so ein bisschen wie die Scheibenwelt, von dem – wie hießt er noch gleich? (kichert)

Carsten Terry Pratchett! Hallo?

Stefanie Von Carstens Lieblings-Terry Pratchett.

Carsten Disc world.

Stefanie Also jedenfalls so ein bisschen so, aber eigentlich ganz anders. Da geht es ganz viel um Bücher und jedenfalls die haben da, weil die Religionen sich nicht einigen konnten, haben sie die globale Standardgottheit ins Leben gerufen, wo du halt machen kannst, was du willst und alle konvertieren jetzt zur globalen Standardgottheit. Und so ein bisschen erinnert mich das jetzt daran. Dann wird uns wahrscheinlich wieder vorgeworfen, dass der Veganismus religiös ist, wenn es halt verschiedene Formen davon gibt. Und dann konvertieren wir alle zum globalen Standard-Veganismus.

Carsten Okay.

Stefanie Okay?

Carsten Ich will jetzt aber auch keine Religion, also weder eine Religion noch eine Ideologie, noch einen weiteren Veganismus ins Leben rufen. Ich will mich einfach nur distanzieren von dieser Strömung und will dazu auch gerne mal ein bisschen drastischer formulieren. Aber im Grunde genommen geht es einfach nur darum zu sagen: Das sind Werte, die ich einfach nicht mittrage, weil ich einfach der Meinung bin, wir müssen halt offen für alles sein. Und selbst wenn da jetzt ein Couchpotato ist, der oder die sich dann abends gerne mal mit zwei, drei Dosen Bier mehr oder so was vor den Fernseher setzt und ansonsten.

Stefanie (lacht) Zwei, drei Dosen mehr als wir...

Carsten Aber trotzdem sich vegan ernährt, dann ist das so.

Stefanie Wenn wir jetzt mal einfach ein kleines Gedankenspiel machen und uns vorstellen, die ganze Welt ist vegan, wollen wir denn jetzt hier nur so genormte Barbiepuppen da rumlaufen haben?

Carsten Ich glaube, den Versuch gab es schon mal und der ist Gott sei Dank kläglich gescheitert. Also jetzt nicht im Veganismus, aber diesen Versuch, irgendwo so ein Idealbild zu züchten.

Stefanie Ich dachte schon, genormte Barbiepuppen gab's schon mal. Okay, ich weiß, was du meinst. Es war nicht Brave New World. Nachdem ich dieses Gespräch geführt habe, mit dem besagten Veganer vom Anfangsbeispiel, war ich irgendwie schon wieder so vor den Kopf gestoßen, weil er das so für selbstverständlich genommen hat, dass das so ist. Und dass ich eben tatsächlich doch bitte mal abnehmen sollte, damit ich dem Veganismus nicht schade. Und ich habe dann im Anschluss mal im Internet so nach dicken Veganer·innen gesucht und im Deutschen bin ich da so gar nicht fündig geworden und hab dann im Englischen nach „Fat vegan“ gesucht und bin dann fündig geworden. Da gibt es offensichtlich dann noch mehr Berichte und auch dicke Veganer·innen, die eigene Internetseiten haben und Social Media Profile usw. und da auch ein bisschen aktiv sind. Und habe da einen Erfahrungsbericht gelesen von einer Veganerin, die erzählt hat, sie wollte eigentlich vegan leben. Weil ihr aber vermittelt wurde: Du darfst dich nur vegan labeln, wenn du dünn bist, hat sie sich nicht getraut vegan zu leben, weil sie einfach nicht dünn war. Und sie hat alles versucht, aber sie wurde einfach nicht dünn und hat dann eben gedacht: okay, ich darf dann nicht vegan leben. Also eigentlich hat sie sich dem Veganismus zugehörig gefühlt und wollte das auch, aber hat sich eben nicht getraut.

Carsten Und ich kann mir wirklich vorstellen, dass so was anderen Leuten auch passiert. Das, was mir so einfällt, sind die Straßenkontakte. Wenn ich Aktivist·innen auf der Straße sehe und wenn die sich jetzt quasi so verkörpern würden, dass sie diesem Idealbild noch stärker irgendwo Vorschub leisten, dann fällt es mir nicht schwer vorzustellen, dass Personen, die per se von von ihren Ansichten, von ihren Werten, dem Veganismus nahestehen, einfach den Kontakt meiden, weil sie vom Optischen her einfach merken: „da gibt es so große Unterschiede, da komme ich einfach nicht hin. Ich komm nicht in die Gruppe rein, die würden mich gar nicht bei sich haben wollen.“ Allein diese Ängste und Vorbehalte und das passiert ja unterschwellig und allein dadurch, dass eben immer dieses typische Schlankheitsideal / Schönheitsideal mit dem Veganismus verbunden wird. Das ist mir ja auch schon passiert, dass ich, ich glaube zwei oder dreimal schon von mir bekannten Personen angesprochen wurde, die gesagt haben: Ja, Veganer sind ja eigentlich immer schlank. Für die war das auch unvorstellbar, dass ein Veganer nicht schlank ist. Und das waren selber keine vegan lebenden Menschen, sondern das waren Omnivore, die aber dieses Bild aus den Medien her auch schon aufgesogen haben.

Stefanie Ja, das ist ja auch so ein anderes Erlebnis, das Gesche und ich auch schon in Folge 84 besprochen haben, dass eine Person geschrieben hat, sie wollte abnehmen und ist dann zu Weight Watchers gegangen, weil sie früher immer versucht hat da abzunehmen. Und mittlerweile war sie vegan geworden und hat sich gedacht, okay, sie muss jetzt diesem Idealbild entsprechen und dann muss sie abnehmen. Und so ist sie zu Weight Watchers gegangen und da wurde der Ernährungsplan mit ihr besprochen und dann wurde ihr gesagt: ja, hier, da isst du dann halt Hühnchen und da isst du Ei und so. Und dann hat sie gesagt: Naja, eigentlich lebe ich vegan und ich kann das ja dann ersetzen, das ist kein Problem. Und dann hat der oder diejenige, der oder die da mit ihr gesprochen hat, sie so von oben bis unten angeguckt und „Wirklich?“ gesagt, weil das halt so diese Reaktion ist: „Wie, du lebst vegan und bist so dick?!“ Und das ist auch das, was Gesche halt sagte, entweder kommt die Reaktion: „Echt, das kann ja gar nicht sein.“ Also du lügst, oder: „Ja, wie dick warst du denn vorher?“ Also so diese Reaktion, es muss einfach so sein, dass du schlank bist, wenn du vegan bist. Es kann einfach keine dicken Veganer·innen geben, weil du per se mit veganer Ernährung abnimmst.

Carsten Ja, also lasst uns aufhören mit diesem ganzen Unsinn und versuchen da irgendwie diesen Schlankheitswahn auch noch mit dem Veganismus zu verknüpfen, sondern mehr Mut zu Authentizität. Was jetzt nicht heißt, dass wir ungewaschen, unrasiert und mit fettigen Haaren jetzt irgendwo permanent draußen rumlaufen sollen, sondern...

Stefanie Wenn wir uns dann wohlfühlen, würden wir auch das tun.

Carsten Wenn das zu deinem persönlichen Idealbild gehört, okay...

Stefanie und du dich damit wohlfühlst.

Carsten Genau. Ja.

Stefanie Also solange du keinem anderen damit schadest, ist es in Ordnung. Schadest du jemanden damit? Naja, du müffelt vielleicht dann, aber dann wirst du das schon merken, weil dich die anderen wahrscheinlich meiden, wenn du die ganze Zeit müffelst. Und dann ist halt die Frage vielleicht wolltest du das auch so oder halt nicht. Aber ich finde generell, dass es eben darum geht, dass es dir gut geht und nicht, dass es den anderen irgendwie gut geht, oder? Klar, du willst natürlich, dass es den Tieren besser geht, aber meine Theorie ist, sobald es dir gut geht, wirst du das auch ausstrahlen. Und durch diese Ausstrahlung alleine wirst du ein besserer Aktivist oder eine bessere Aktivistin sein und dadurch wirst du mehr bewirken können für den Veganismus. Durch deine Ausstrahlung, durch das positive in dir, was daher rührt, dass du dich wohlfühlst mit dir. Und wenn du halt die ganze Zeit faken musst, fake it till you make it, na dann ist das Stress. Und mit dem Stress wirst du dich einfach nicht wohlfühlen und dann strahlst du eben das auch nicht aus. Und das ist eben das Ding. Wenn wir jetzt alle irgendwie diesem Ideal entgegenstreben, was eigentlich gar nicht unser Ideal ist, sondern das Ideal ist, von dem wir denken, dass es gut ist für den Veganismus, aber wir eigentlich gar nicht wissen, ob es wirklich gut ist - falls du mir noch folgen kannst - ist das einfach nicht das, womit du dich wohlfühlst. Wenn du das Gefühl hast, du bist dick und möchtest abnehmen und dann fühlst du dich besser und das ist das, was für dich am besten ist, dann bin ich die Letzte, die sagt: Jetzt bleib dick. Meine Meinung ist, es hängt alles mit dir zusammen und wie du dich fühlst.

Carsten Und ja, genau darum geht es. Das wollte ich auch gerade mal anmerken. Es geht ja um deine Gefühle. Das ist ja der Grund, weswegen du jetzt auch vegan geworden bist, weil du deinen eigenen Gefühlen, deinen Werten auf einmal einen höheren Stellenwert einräumst als den Werten, die von deinem Umfeld auf dich projiziert wurden. Sei es jetzt durch deine Eltern, sei es jetzt durch deine Freunde, durch deine Bekannten. Wie auch immer, Du bist ja aufgewachsen in einem Werteumfeld und in einem Gefühlsumfeld, was eigentlich nicht originär dir gehörte, aber was du adaptiert hast und wo du auch tatsächlich wahrscheinlich, nehme ich jetzt mal an, ein bisschen dran zu knabbern hattest, dich davon zu lösen. Genau so und jetzt, um alles in der Welt, sollen wir wieder zurückfallen und Ideale von irgendwelchen anderen, vielleicht uns noch nicht mal bekannten Personen adaptieren?

Stefanie Also es ist nämlich genau das. Wir tauschen quasi das eine Wertesystem gegen das andere Wertesystem. Aber beides gehört nicht uns. Und wenn wir jetzt diesen Normen entsprechen wollen, rennen wir wieder irgendwas anderem hinterher, aber den Weg, den ich jetzt hier propagieren möchte, ist tatsächlich ein etwas unbequemerer. Der andere ist natürlich viel bequemer, wenn ich jemanden habe, der mir sagt, was ich tun soll und wenn das die Mehrheit ist. Und wenn das anerkannt ist, dann kann ich mich viel besser daran orientieren. Wenn ich aber, was ich hier propagieren möchte, zu meinen eigenen Werten stehe, dann muss ich mich halt gerade machen. Dann muss ich für das einstehen, was ich wirklich möchte. Und da muß ich auch wirklich erst mal herausfinden, was ich möchte. Und das ist eher so eine Art Ausgrabung. Also das dauert auch, das ist ein Prozess, das ist ein Weg. Am Anfang werden ganz viele Zweifel da sein, weil du ja erst mal dieses alte Wertesystem loswerden musst und dann erstmal alles in Frage stellst und dann schaust, was passt denn eigentlich, wenn der Kompass dein Mitgefühl ist und du dich nach diesem Kompass richtest?

In meiner Erfahrung ist es tatsächlich so, wenn ich sage okay, ich höre auf mein Gefühl, ich höre auf das, was mein Herz mir sagt und mein Kompass ist mein Mitgefühl, dann schau ich mir eben alles noch mal neu an und bewerte alles neu. Und das ist ein Prozess, das dauert. Und das ist am Anfang mit ganz viel Zweifel verbunden und mit ganz viel Unsicherheit und auch ganz viel Schmerz teilweise. Also wenn du, wie ich, von Herzen vegan lebst, dann ist es mit ganz viel Schmerz teilweise verbunden. Und natürlich ist es dann einfacher zu sagen: okay, ich entspreche jetzt dieser Norm und dann hacken die wenigstens nicht auch noch auf meinem Gewicht rum oder auf meinen Pickeln oder darauf, dass ich so klein bin oder darauf, dass ich so groß bin oder dass ich keine Ahnung irgendwie, ich weiß nicht was könnte es noch sein, die falschen Ohren habe, irgendwas Diskriminierendes. Dass ich nicht hetero bin, dass ich zu alt bin, zu faltig oder was auch immer.

Carsten Ja, also es wird immer irgendetwas geben, dem du nicht entsprichst.

Stefanie Ja, also so die super Norm. Also ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, was ist denn die super Norm? Wie muss mein Gesicht aussehen, dass ich dann die perfekte Veganerin bin?

Carsten Na ich glaub du hast schon eine Bandbreite. Und wenn ich mir jetzt zum Beispiel überlege, wie jetzt auf Instagram im Visuellen das Ganze propagiert wird, da sind ja häufig eben auch Bilder von schlanken, sportlich athletischen Menschen abgelichtet, teilweise auch in Unterwäsche oder in Sportbekleidung oder schon schon in sehr typischen sexy Posen. Und das ist natürlich dann auch einer von diesen visuellen, treibenden Faktoren, die da dieses Bild projizieren. So, da bin ich jetzt bei einer Bandbreite. Also es gibt jetzt nicht so einen bestimmten Hauttyp oder eine Größe oder so, aber es tendiert schon so in diese Richtung, sportlich, vielleicht sogar muskulös. Aber auf alle Fälle erst mal schlank. Ja, das fällt auf.

Stefanie Wenn du jetzt natürlich gerne sportlich bist und gerne Sport machst und gerne schlank bist und so, und das alles dich glücklich macht und du von innen spürst, das ist mein Leben und das ist genau das und ich fühle mich pudelwohl damit - warum heißt es eigentlich pudelwohl? Ich weiß es nicht, warum auch immer - also du fühlst dich halt Pudel pudelwohl. Ich könnte auch sauwohl sagen.

Carsten Sau saukomisch.

Stefanie Oder? Ja, gut, lassen wir das. Also jedenfalls, du fühlst dich wohl. Dann ist es natürlich völlig in Ordnung. Also das ist hier kein „Dünnen Bashing“ oder so, sondern es geht mir wirklich darum, dass du dich wohlfühlst mit dir und mit deinem Körper und dass du das nicht machst, um einer gewissen Norm zu entsprechen, sondern weil das du bist. Für mich ist es das gleiche auch mit Social Media. Ich bin ja nicht mehr bei Facebook und ich war auch tatsächlich nur bei Facebook, weil man mich dazu überredet hat, weil ich dann eine größere Reichweite erzielen könnte und einfach alle bei Facebook sind. Und ich soll auch bei Instagram sein, weil halt alle bei Instagram sind und ich dann eine größere Reichweite erzielen könnte. Du verstehst das Prinzip und ich bin aber der Meinung, dass Facebook eine Datenkrake ist und ich kann das mit meinen Werten nicht vereinbaren. Ich halte die Privatsphäre und den Datenschutz hoch und ich bin der Meinung, dass Freiheit wichtiger ist als Sicherheit. Und deswegen kann ich einfach nicht bei Facebook und bei Instagram sein, weil das meine Werte verraten würde. So, ich schneide mir damit ins eigene Fleisch, weil meine Reichweite dadurch geringer ist als von allen anderen, die natürlich alle auf Instagram und auf Facebook sind. Gut, das ist der saure Apfel, in den ich beiße. Aber das ist für mich authentisch. Ich kann halt nicht einerseits sagen: Hey, ich finde Facebook total blöd und ich kann das nicht akzeptieren, was die machen, aber andererseits trotzdem da sein. Und ich habe das gemacht. Ich meine, ich bin auch nur ein Mensch. Ich habe gedacht, okay, ich muss bei Facebook sein, alle sind bei Facebook. Und ich bin jetzt tatsächlich noch privat bis zum Juni bei Facebook, weil ich noch meine „Hamburg vegan erkunden“ - Touren abwickeln muss und alle veganen Geschäfte sich nur über Facebook austauschen. Also zumindest in Hamburg.

Und das Gleiche ist mit Amazon. Amazon ist total cool, wenn du sagst okay, jetzt mal schnell was bestellen und du kriegst da alles usw. und so fort. Aber es ist für mich ethisch nicht vertretbar, da was zu kaufen. So, dann geht es weiter. Du kannst es immer weiterführen. Hermes zum Beispiel. Wenn ich jetzt über Hermes was bestelle und es wird mir geliefert und ich denke okay, die Menschen, die da arbeiten, die arbeiten als Subunternehmende und die arbeiten echt für einen geringen Lohn pro Paket, nicht mal pro Stunde. Also die müssen wirklich schuften und es ist echt nicht ethisch vertretbar. Und so kannst du das immer weiter spinnen. Du kannst es immer weiter spinnen und es ist für mich immer ein Ausloten, wie ich mit meinen Werten übereinstimme. Und es ist natürlich nie perfekt. Ich bin ein Mensch, ich bin nicht perfekt, aber ich versuche so authentisch wie möglich zu leben und ich versuche das zu leben, was ich auch propagiere und für das ich stehe. Und deswegen kann ich eben bestimmte Dinge nicht machen, weil sie sich mir aus ethischer Sicht verbieten.

Und genau so ist es eben auch mit diesen Normierungen. Also ich kann nicht irgendwie sagen, okay, ich muss so und so aussehen. Ich sehe aber eigentlich gar nicht so aus und ich fühle mich auch überhaupt nicht so und innerlich kann ich das auch gar nicht vertreten. Und ich mache das eigentlich nur, weil mir alle anderen halt immer sagen: „Hey, wenn du das nicht machst, dann schadest du dem Veganismus.“ Und ich möchte jetzt hier einfach mal meine Stimme erheben und sagen: Nein, du schadest nicht dem Veganismus, du schadest nicht dem Veganismus, wenn du nicht der Norm entsprichst. Du schadest dem Veganismus viel eher, wenn du nicht nach deinen Werten lebst. Wenn du nicht dein Inneres zum Strahlen bringst und auf dein Herz hörst, dann schadest du mit dem Veganismus viel eher. Ich finde, du schadest nicht dem Veganismus, wenn du auf das hörst, was dir dein Mitgefühl sagt.

Carsten Ja, denn wir brauchen eigentlich mehr Wahrheit und Echtheit als irgendwie eine aufgesetzte Rolle, und sei sie noch so erfolgreich in der jetzigen Konstellation, weil es das zu überwinden gilt.

Stefanie Genau, wir wollen ja raus aus dem System. Wir wollen ja überhaupt gar nicht in diesem System drin bleiben, was uns diese Norm diktiert und was eben gefesselt ist an dieses normal, natürlich, notwendig und nice. Das wollen wir ja gerade nicht, wir wollen doch raus und dann müssen wir auch das überwinden. Und ja, hab keine Angst, komm mit.

Carsten Alles wird gut.

Stefanie Alles wird gut.

Carsten Oh, jetzt sind wir schon wieder fast so beim Religiösen.

Stefanie Ja, komm zum globalen Standard-Veganismus mit Carsten und Stefanie.

Carsten TM.

Stefanie TM (lacht) Deine Priester·innen erwarten dich.

Carsten Deine Hohepriester·innen.

Stefanie Genau. Huldige uns, Deine Hohepriester·innen erwarten Dich. Also, Scherz beiseite. Und ich möchte diese Folge auch nicht beenden, ohne mich zu bedanken bei unseren treuen, treuen Steady Unterstützer·innen, die uns finanziell beglücken.

Carsten Auch von meiner Seite aus vielen, vielen lieben Dank.

Stefanie Und noch ein kleiner Hinweis zum Schluss Ich bin von Kathrin und Daniel von bevegt interviewt worden. Die waren in Hamburg und da haben wir uns getroffen und haben nett geplaudert mit Mikrofonen. Die haben ja drei Mikrofone. Ich bin total begeistert von ihrer Technik. Also wunderbar. Es war ein sehr interessantes Gespräch. Vielleicht hast du es schon gehört. Wenn nicht, du findest den Link in den Shownotes, hör doch einfach mal rein.

Carsten Ja, dann kann ich jetzt schließen mit: In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sag man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Folge 160 - Was spricht denn gegen den Zoo?

Ein Beitrag

Folge 160 - Was spricht denn gegen den Zoo?

In dieser Folge

  • sprechen wir über das Thema Zoo und Tierpark
  • erzählt Carsten von einem Vortrag von Dr. Colin Goldner
  • erklärt Carsten wie Zoos ihre Existenz rechtfertigen

Wir sind früher sehr gerne in den Zoo gegangen- irgendwie gehörte das zum Alltag dazu. Wir hatten sogar eine Jahreskarte für Hagenbecks Tierpark.

Es war schön die verschiedenen Tiere anzusehen und es unserem Sohn zu ermöglichen Tiere aus weit entfernten Ländern in natura zu betrachten.

Schließlich sind wir auch schon als Kinder oft in den Zoo gegangen- ein ganz normaler Familienausflug.

Was spricht also nun gegen einen Zoobesuch und warum gehen wir heute nicht mehr in den Zoo? Hör doch gleich einmal rein...

Links zur Folge

Vortrag von Dr. Colin Goldner in der Komplex Tier Vortragsreihe
Auf Facebook anschauen

Buch: "Lebenslänglich hinter Gittern" von Colin Goldner
https://www.buch7.de/store/product_details/1019839905

Mein Blogartikel: Mama, warum gehen wir nicht mehr in den Tierpark?
https://von-herzen-vegan.de/blogartikel/mama-warum-gehen-wir-nicht-mehr-in-den-tierpark

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Stefanie In dieser Folge sprechen wir über Tierpark und Zoo, denn

Carsten war bei einer Veranstaltung mit Doktor Colin Goldner.

Carsten Ich hatte mir in der Vortragsreihe „Komplex Tier“ den Vortrag von Doktor Colin Goldner angeschaut, der über das Thema Zoo gesprochen hat. Und das traf sich eigentlich sehr gut, weil ich jetzt parallel auch sein Buch lese „Lebenslänglich hinter Gittern“, wobei das Buch vornehmlich erstmal auf die Primaten abzielt, also auf die großen Menschenaffen, und der Vortrag von Doktor Colin Goldner hat eigentlich den Gesamtkomplex dazu dargestellt. Aber es gibt halt inhaltlich so ein paar Parallelen, also zumindest soweit, wie ich in dem Buch bin, ich muss mich da noch so ein bisschen durcharbeiten, weil beides, sowohl der Vortrag als auch das Buch, unglaublich faktenreich sind, also ich habe selten ein Buch oder auch einen Vortrag gehört von jemanden, der so fulminant tief in der Materie drinnen steckt und Fakten benennen kann. Keine Ahnung, wo er die ausgegraben hat, aber das ist echt schon beispielhaft beispiellos.

Stefanie Beispielhaft könnte es auch sein. Ja also ich kenn den Doktor Colin Goldner ja aus der „Kochen ohne Knochen“, da schreibt er eine Kolumne und die heißt „Rage and Reason“ und da sieht er so sehr aggressiv und militant aus, ist er denn wirklich so?

Carsten Ja, ich glaub das Foto, das haben die extra so vom Lichteinfall eher markant gestaltet. Nein, so taucht er, tritt er gar nicht auf. Also er tritt auf wie ein sehr netter und liebenswürdiger Mensch und er ist extrem eloquent und auch überhaupt gar nicht so, ja militant wie zum Beispiel dieses eine Foto da anmuten lässt, weil ich hätte nämlich auch damit gerechnet, dass er ein militanteres Auftreten hat, also so ganz bestimmt, und das ist er überhaupt nicht. Er hat seinen Vortrag schon eindeutig in die Richtung Tierrechte orientiert, also man merkt schon, in welche Richtung er geht. Aber er ist jetzt nicht so massiv, dass er ganz, ja mir fällt eigentlich nur der Begriff militant ein, um das zu umschreiben, sondern er versucht es eben auf der argumentativen Art und Weise unterzubringen, und wie gesagt, extrem eloquent und ja, sag jetzt mal so liebenswürdig.

Stefanie Okay, also es war jetzt nicht so anklagend…

Carsten Absolut nicht.

Stefanie …so wir Tierrechtler und ihr blöden Nicht-Tierrechtler, also so wie das ja oft auch durchaus vorkommen kann? Dieses wir Veganer - ihr Karnisten?

Carsten Überhaupt nicht vorwurfsvoll oder so, sondern einfach nur ganz klar, er hat halt Fakten auf den Tisch gelegt, er hat das Ganze aber teilweise auch süffisant und mit ein bisschen Ironie und Witz präsentiert, also gleichzeitig aber auch eben so zwei schockierende Aufnahmen gezeigt, wobei er auch im Vorfeld gesagt hat, da kommen jetzt schockierende Aufnahmen, und wer das halt nicht verträgt oder nicht sehen möchte, der macht jetzt die Augen zu, und dann anschließend hat er nochmal Bescheid gegeben, als es vorbei war. Also es war schon eine sehr, sehr gute Mischung, aber in erster Linie sachlich, um einfach mal zu zeigen, wie widersprüchlich dieses ganze Konstrukt Zoo eigentlich so ist. Und die Art und Weise hat mir extrem gut gefallen.

Stefanie Und was waren denn jetzt so seine Kernaussagen, kannst du das irgendwie zusammenfassen, du hast ja gesagt 90 Minuten, und alles war voller Fakten? Jetzt brauchst du das ja nicht so wiederzugeben, weil du hattest auch gesagt, dass man sich den Vortrag auch anschauen kann, der wurde live gestreamt.

Carsten Der Film , der Vortrag wurde tatsächlich das allererste Mal im Rahmen dieser „Komplex Tier“ Vortragsreihe live gestreamt, und ist ja auch jetzt noch als entsprechendes Video bei Facebook zu sehen. Wir verlinken das auch in den Shownotes.

Stefanie Ist das nur bei Facebook, oder kann man das auch, wenn man nicht bei Facebook ist, anschauen?

Carsten Ich weiß nicht, ob sie ihn noch auf einer anderen Plattform veröffentlichen werden. Ich habe direkt am Tage nach diesem Vortrag nochmal bei Youtube gesucht, gezielt auch nach Colin Goldner. Da wird er aber vornehmlich mit anderen Themen vorgestellt, die er parallel dazu begleitet. Also dazu muss man jetzt wissen, dass Doktor Colin Goldner nicht ausschließlich eben im Tierrechtsbereich aktiv ist, da schon sehr präsent, aber er wird auch in der religionskritischen Sicht präsentiert. Also mit Religionskritikern, aber auch im Bereich, ja, Gesundheit möchte ich jetzt schon gerade sagen, also alles was in irgendeiner Art und Weise Pseudogesundheit betrifft, Homöopathie und Schamanismus et cetera. Also er ist einer von den Kritikern.

Und auch im humanistischen Bereich, also das sind alles so, Dreh- und Angelpunkte, wo er eher präsenter ist, und wenn man jetzt bei Youtube nach ihm sucht, dann wird er doch vorrangig mit Videos und Vorträgen gezeigt, die jetzt Kritiken am Dalai Lama und am Buddhismus zeigen. Die Thematik Tierrecht ist, glaube ich, in ein oder zwei etwas kürzeren Videos zu sehen, was ich sehr schade finde, weil ich eigentlich jetzt gerade durch diesen Vortrag auch festgestellt habe, dass er einer von den ganz wichtigen Personen ist, die so tief in ihrem Metier drin sind, und wie gesagt so viele Fakten präsentieren können, dass er vom Fachlichen her im Moment einfach die wichtigste und gewichtigste Stimme ist, was jetzt Tierrechte und gerade auch diesen Komplex Zoo betrifft.

Stefanie Ok und wenn wir jetzt mal auf den Komplex Zoo tatsächlich zurückkommen, was waren denn da jetzt so die Fakten, was spricht denn überhaupt gegen den Zoo?

Carsten Also heutige Zooeinrichtung legitimieren sich quasi mit vier verschiedenen Argumenten, und zwar wird dort genannt Bildung. Forschung, Artenschutz und Erholung. Bevor ich die jetzt so ein bisschen untermauern, weil die lassen sich relativ schnell demontieren, also so ein bisschen debunking Zoos und Zooeinrichtungen kann man da betreiben, und das hat Doktor Colin Goldner auch tatsächlich in seinem Vortrag gemacht, ist es aus meiner Sicht sogar noch ein bisschen wichtiger, die Entwicklung und Vorgeschichte von den Zooeinrichtungen ein bisschen kennenzulernen. Auch das hat er in dem Vortrag exzellent gemacht, und auch in dem Buch was ich gerade momentan lese, sind dort sehr viele Informationen enthalten, wie es überhaupt zu diesen Zooeinrichtungen gekommen ist, und zwar es ist ein Phänomen, was noch gar nicht so lange existiert, also man hat im Mittelalter so die ersten, Doktor Colin Goldner spricht von Menagerien, die halt in privater Hand existierten.

Das waren irgendwelche, nach heutiger Sicht wahrscheinlich Mäzene, also teilweise im Klerus, teilweise aber auch, so Adel, die einfach wilde Tiere gehalten haben, und das hatte sich dann so ein bisschen entwickelt, dass dort wo, und jetzt kommt es, Kolonialmächte am Werk waren. In den Ländern, die quasi die Kolonialmächte gestellt haben, haben sich diese Zoos entwickelt. Das hatte den einfachen Grund, weil nur Kolonialmächte hatten die Möglichkeit, unbegrenzt auf Wildtiere zuzugreifen, und dementsprechend war natürlich ein großer Import von wilden Tieren aus den kolonisierten Bereichen oder Ländern in die Kolonialmachtsländer.

So, und da gab es ursprünglich erst mal einige Zooeinrichtungen, die ja trotzdem noch so privat waren, die wurden aber so für wissenschaftliche und philosophische Kreise geöffnet, später dann so für das höhere Bürgertum, also für, man hat einfach gemerkt, dass das Unmengen Geld kostet halt, diese Tiere irgendwie zu unterhalten und auch zu beschaffen, und als Geldquelle hat man dann versucht, das gutbürgerliche Milieu anzusprechen, die sich dann auch entsprechend einen solchen Ausflug in den Zoo leisten wollten und konnten.

Und dann fing das Ganze an, so ein bisschen Fahrt aufzunehmen, dass der Zoo nicht nur als, ja, ich sag jetzt mal Wildtierschau da war, sondern man wollte ein bisschen mehr bieten und hat dann angefangen, auch die Zoos so zu gestalten, dass sie vom optischen her einen Mehrwert boten. Na, dann hat man architektonisch so ganz wilde Stilblüten etabliert, dass man versucht hat, bestimmte Gehege oder Gebäude nach architektonischen Vorgaben aus Tausendundeiner Nacht zu formen oder indische Taj Mahal Aspekte mit reinzubringen. Also so bisschen dieses Weltläufige, um eben auch so ein bisschen Hingucker zu haben. Da wurden teilweise so Affen- oder Elefantenhäuser gestaltet, wo man heute sagen würde du meine Güte, da habt ihr aber ziemlich übertrieben, aber das war einfach, man wollte das Publikum in den Zoo rein bekommen.

So, und diese Entwicklung selber, die hat eigentlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts auch soweit Fuß gefasst, dass nachher auch die breite Bevölkerung davon profitiert hat, ich weigere mich jetzt schon fast den Begriff zu sagen, profitiert hat, aber halt einer breiten Bevölkerung zu öffnen, und in dem Zusammenhang spielt tatsächlich hier in Hamburg Hagenbeck eine Rolle. Der Herr Hagenbeck war damals einer der großen Wildtier Händler, und der hatte ursprünglich hier in Hamburg, ja, ich sage jetzt mal so einen Umschlagplatz für Wildtiere, und hat irgendwann angefangen, die Wildtierschauen nicht nur fürs Fachpublikum, sondern für die breite Öffentlichkeit zu öffnen. So, damit ist er dann quasi nicht nur bekannt, sondern auch tierisch reich geworden. Also im wahrsten Sinne des Wortes tierisch reich, und hat das ganze Konzept weiter ausgebaut, und das hat aber bei Tieren nicht aufgehört, sondern vor ungefähr hundert Jahren war es auch so, dass indigene Völker dort präsentiert wurden, es gab also eine Völkerschau.

Also tatsächlich so diese „Hottentotten“ und „Neger“, und also diese ganzen abfälligen Begriffe, die so kursieren, die wurden damals als Werbemittel genommen, und es wurden Menschen unter scheinheiligen Versprechen quasi hier, ja, ich sage jetzt mal nach Europa gelockt, die dann in den Zoos, ja, aus heutiger Sicht schon so eine Art Persiflage, oder einfach ihr Pseudoleben darstellen sollten. Da wurden halt sehr optisch ausfallende Menschengruppen hier herübergeholt und gelockt, die dann quasi so tatsächlich sich präsentieren mussten. Das durchaus erstmal mit rassistischen Motiven, dass wir als weiße Menschen uns so ein bisschen profilieren konnten und ja, das sind ja halt die N**** oder die Schwarzen oder die Eingeborenen oder wie auch immer so richtig abfällig behandelt, und die wurden komplett ausgebeutet und sind häufig auch Krankheiten erlegen, gegen die die halt nicht immun waren.

Stefanie Das war vor hundert Jahren.

Carsten Vor ungefähr hundert Jahren, und bei Hagenbeck war es auch der Fall, also es waren eigentlich alle großen deutschen Zoos, die damals existierten. Die hatten eben diese Völkerschauen.

Stefanie Hundert Jahre, das ist ja noch nicht so lange her.

Carsten Ne ne, das ist also echt heftig gewesen, was ich da alles so mitbekommen habe.

Stefanie Das ist ja 20. Jahrhundert, krass.

Carsten Und einen richtigen Aufschwung haben die Zoos durch die Nazis bekommen. Vorher gab es zwar schon vereinzelte große Zooanlagen, und ab 1933 sind sehr viele andere Zoos entstanden, unter anderem Osnabrück, ich glaub Duisburg, bin mir nicht sicher Münster auch, aber viele von denen die ich persönlich halt kenne, sind halt gegründet worden. Nicht nur in, sondern auch durch die Nazizeit, so und da hatte Doktor Colin Goldner darauf hingewiesen, dass es da ja weitreichende Verstrickungen gab, zwischen den Zoodirektoren und der Nazischaft. Viele von den Leuten, die damals in den Zoos an den Schalthebeln saßen, hatten, ich sag jetzt mal einen durchaus einen nationalsozialistischen Lebenslauf.

Stefanie Warum war das so? Also warum wollten die Nazis jetzt unbedingt Zoos?

Carsten Warum die Nazis Zoos haben wollten? Vielleicht zu Inszenierung, also in Nürnberg wurde zum Beispiel ein Zoo eingerichtet, da hatte Hitler vor offizieller Eröffnung eine Privatführung bekommen, war aber auch am Eröffnungstag selber mit dabei. Das Ganze war Propaganda fürs Volk, und alles, was irgendwie als Propagandamittel diente, um eben die Bevölkerung milde zu stimmen, hat ja der Nationalsozialismus natürlich ausgeschlachtet, dementsprechend auch die Zoos. Und Doktor Goldner hatte noch erwähnt, dass er kurz bevor er hier in Hamburg den Vortrag gehalten hat, auch Hagenbeck noch mal besucht hat, und wer im Hagenbecker Zoo schon mal war, und hinten in diesem Eisbärengelände, wo diese Eislandschaft ist, da gibt es so einen Zeitstrahl, wo man eben die Zooentwicklung sieht, so und Doktor Goldner wies darauf hin, dass er sagte, man findet da immer ganz schön in den Zeitabständen entweder Beschreibungen oder sogar Fotos, um zu sehen, wie hat sich der Zoo entwickelt.

Aber es gibt eine Lücke, von 1933 - 1940 wird dort nichts erwähnt, und da kann man sich jetzt natürlich denken, woran das liegt, aber er hat eben darauf hingewiesen, dass eigentlich alle Zoodirektoren Mitglied einer nationalsozialistischen Organisation waren, entweder Parteibuch der NSDAP hatten oder halt in offizieller tatsächlich Funktion dort in irgendeiner von diesen Strukturen waren. Und es hat auch nie eine Entnazifizierung innerhalb der Zoos gegeben, sondern Personen, die damals während der Nazizeit an der Macht waren in den Zoos, die mussten dann zwar 1945 häufig von ihren Posten zurücktreten, sind aber unmittelbar so ein oder zwei Jahre später gerne mal wieder genau an diese Position gekommen beziehungsweise durften in ähnlicher Struktur weiterarbeiten.

Also es ist einfach so, die Verstrickung, die ansonsten in vielen anderen Bereichen aufgearbeitet wurde oder vielleicht noch wird, hat in den Zoos nie stattgefunden. Das ist ein Kapitel, was komplett verschwiegen wurde. Interessant ist es dann in den 70er Jahren geworden. Da gab es in internationalen Bereichen das Bestreben, einen Artenschutzabkommen zu beschließen. Und daraus ist, ich glaube das Washingtoner Artenschutzabkommen entstanden. Das nennt sich SCITES. Man mag jetzt im Internet ein bisschen nachschauen, wofür das steht, das ist auf jeden Fall das damals geschaffene und heute noch gültige Artenschutzabkommen. Das hat ganz frappierende Auswirkungen auf die Zoos gehabt, weil denen damit quasi der komplette Nachschub aus Wildtierbeständen abhanden gekommen ist.

Die haben vorher natürlich davon profitiert, dass sie weiterhin aus den ehemaligen Kolonialländern, wo ja diese ganzen Beschaffungsstrukturen noch existierten, kostenlos Tiere bekommen haben, und das fiel jetzt auf einmal komplett weg, das war verboten, so und jetzt wird es süffisant, Zoos rühmen sich heute mit Artenschutz, als ob sie eben diesen Artenschutz betreiben würden. Dieses Artenschutzabkommen damals wurde unter anderem deswegen ins Leben gerufen, weil die Zoos die Hauptverursacher vom Artensterben waren.

Man kann sich das auch relativ einfach denken, warum das so war. Weil der Nachschub, der musste immens viele Tiere aus freier Wildbahn entnehmen und in die Zoos schaffen. So, und wenn ich Jungtiere hatte, wurden häufig die Elterntiere vor Ort erschossen, damit man die Jungtiere entnehmen konnte. Ein Großteil der Jungtiere hat den Transport gar nicht überlebt und die Tiere, die nachher in den Zoos angekommen sind, hatten teilweise auch keine lange Lebensdauer. Also musste ein immenser Nachschub organisiert werden, und deswegen finde ich das heute paradox, in diesem Kontext tatsächlich so mitzubekommen, das Zoos sich rühmen, wir sorgen dafür, dass die Tiere nicht aussterben, und das ist noch nicht so lange her, ne, wir reden hier, in den 70er Jahren ist dieses Artenschutzabkommen entstanden. Wir reden hier von einer Zeitspanne von dreißig, maximal vierzig Jahren. Und vorher waren genau diejenigen, die sich heute mit Schutzargumenten rühmen diejenigen, die diesen Schlamassel eigentlich verursacht haben.

So und ja, das ist jetzt quasi auch die Herleitung auf die entsprechenden Gründe dieses Artenschutzthemas. Das haben wir jetzt quasi schon historisch schon bisschen aufgegriffen. Heute muss man natürlich schauen, was heißt das im jetzigen Kontext. Schützen die dann tatsächlich irgendwelche Arten? Es gibt ja sogenannte rote Listen, um zu gucken welche Tiere sind vom Aussterben bedroht. Und durchschnittlich ist es so, dass die Tiere, die in den Zoos gehalten werden und teilweise ja auch durch Zucht am Leben erhalten werden oder halt Nachkommen generiert werden, das macht durchschnittlich ungefähr 0,8% der Tiere aus, die wirklich auf diesen roten Listen stehen. Das heißt also, über 90% der Tiere, die in den Zoos gehalten werden, stehen gar nicht auf den roten Listen, die sind nicht vom Aussterben bedroht, da zieht das Argument Artenschutz also nicht.

Und ja, dann hat der Doktor Goldner natürlich genau das Argument nochmal angeführt, was man aus meiner Sicht vom ethischen Standpunkt natürlich in den Vordergrund stellen muss. Was nützt es denn dem Tier in freier Wildbahn, dass dort im Zoo ein Artgenosse eingesperrt wird? Und andersrum, was nützt es denn dem Tier im Zoo, eingesperrt zu sein, wenn weiterhin in der freien Wildbahn keine Schutzräume geschaffen werden? Man muss sich natürlich dann auch nochmal anschauen, wieviel Geld tatsächlich so in den Aufbau, Erhalt und die Werbung von Zooeinrichtungen gesteckt wird, das sind oftmals öffentliche Gelder. Da ist ganz klar mal die Frage zu stellen, ist es denn nicht sinnvoller, wenn man über Artenschutz spricht, dieses Geld nicht in die Zoos zu investieren, sondern direkt vor Ort Lebensräume zu schaffen und die so zu schaffen, und dass da eben keine Wilderei, keine Tierentnahme, dass die Wildtiere für sich leben können.

Stefanie Ja, ich hatte ja mal einen Blog Artikel veröffentlicht, wo ich geschrieben hab, warum wir nicht mehr in den Zoo gehen oder in den Tierpark, und daraufhin auch einen Kommentar bekommen, dass da ja Arten geschützt würden, und solange halt es Wilderer geben würde, wäre es halt besser, wenn die im Zoo sind, die Tiere. Und ja, das ist das gleiche Argument, da denken wir: aber es macht so viel mehr Sinn, sich darum zu kümmern, dass es keine Wilderer mehr gibt und dass die in der freien Wildbahn geschützt sind, als dass da ein Zoo irgendwie dann Tiere ja vor Ort gefangen hält, und außerdem kann im Zoo niemals das Tier irgendwie artgerecht gehalten werden, und es kann ja gar nicht sein typisches Verhalten zeigen. Also das, weswegen ja auch immer gesagt wird, dass es irgendwie, ja, dass das eine Lehranstalt ist

Carsten Diese Bildungsargumente

Stefanie Ja genau, und das funktioniert auch nicht

Carsten Nein kann auch nicht funktionieren, was mir so nicht klar wurde, aber was Doktor Goldner unter einem Vortrag auch mal erwähnte, ist das Beispiel der Eisbären. Ich muss ja sagen, ich bin ja damals tatsächlich Dauergast beim Hagenbecker Tierpark gewesen, mit einer Dauerkarte. Und ich fand das Gehege der Eisbären beziehungsweise diese komplette Welt dort eigentlich immer sehr vorbildlich. Jetzt im Vergleich zu dem, was Colin Goldner da in seinem Vortrag an Fotos gezeichnet hat von anderen Einrichtungen, muss ich sagen, ist das tatsächlich leider auch vorbildlich. Also es gibt tatsächlich Zoos, wo es wirklich grottig zugeht, wo du die Hände über dem Kopf zusammenschlägst. Aber. Was er dort erwähnte, ist, ein Eisbären in freier Natur lebt in einem Radius oder beziehungsweise hat ein Revier in einer Größe von bis zu 30000 Quadratkilometern, das ist die Fläche von Baden-Württemberg. Sorry, wie will ich sowas in einem Zoo unterbringen? So groß kann ich das Gehege gar nicht bauen, um einen natürlichen…

Stefanie Sorry ihr Leute, Baden-Württemberg wird jetzt leider ein großes Eisbär Gehege. Nur dafür, damit der Zoo weiterhin bestehen kann.

Carsten …und das Bildungsargument, da hat er ein ganz schreckliches Bild gezeigt, und zwar hat er einen Innenkäfig für Geparden gezeigt, der war gefühlt irgendwie, keine Ahnung, 30 Quadratmeter groß der Raum. Und neben dem, also das war mit einer Glasscheibe, also innenliegend, und neben der Glasscheibe hing dann halt eines von diesen Täfelchen, was ja häufig als Bildungsinstrument dann verkauft wird, und da stand dann eben drauf, dass die Tiere in freier Wildbahn leben und dass sie zu den schnellsten Läufern gehören und in der freien Wildbahn halt innerhalb von, keine Ahnung, zwei Sekunden auf 80 km/h beschleunigen können. Und Doktor Colin Goldner fragte dann auch und stellte so mal die rhetorische Frage, wieso fällt das eigentlich keinem Zoobesucher auf, dass da ein direkter Widerspruch ist zwischen dem, was dort auf dem Schild steht und das, was man gerade sieht, weil ein Gepard auf einer so kleinen Fläche ist nicht mal ansatzweise in der Lage, sich dort auszuleben, also das sind natürlich Sachen, da wird jedes Bildungsargument ad absurdum geführt.

Und dann ist natürlich die Frage: Brauche ich denn wirklich so eine Bildung? Doktor Colin Goldner hat ganz zum Schluss noch erzählt, dass es ich glaub in China mittlerweile Zoos gibt, die keine Tiere mehr ansetzen, sondern ausschließlich digital laufen, wo eben über 3 D Technik mit Computeranimationen reale Welten geschaffen werden oder pseudoreale Welten geschaffen werden. Und da sagt er so, das könne er sich durchaus vorstellen als Bildungseinrichtung, zumal das A) dem Tier nicht schadet, B) viel mehr Informationsgehalt bietet, weil du eben viel näher an das Tier rangehen kannst, du bist quasi Bestandteil dieser Welt, die dort virtuell aufgebaut wird, und er sagte, du bist zeitlich unabhängig.

Also er sagte, er stand da einem T Rex gegenüber, weil eben auch diese Welten aus der Urzeit generiert werden konnten, und das ist natürlich dann nochmal ein ganz anderes Bildungsmedium als eingesperrte Tiere, die sich langweilen, die verhaltensgestört sind und vielleicht einfach nur hin und her pendeln und mit dem Kopf schütteln, weil sie einfach aufgrund ihrer Verhaltensstörung schon nicht mehr gerade gehen können oder einfach komplett resigniert in der Ecke hocken und hoffen, dass der Tag vorbei geht und sich aber begaffen lassen. Das hat mit Bildung nichts zu tun, da kriege ich keine Mehrinformationen raus, da ist jede Fernsehsendung oder jedes Bilderbuch irgendwie informativer. Also Bildung und Artenschutz, so die Argumente.

Drittes Argument, was Zoos mal vorbringen, ist Forschung. Zoos sind ganz häufig Forschungseinrichtungen. Und da hatte Colin Goldner drauf hingewiesen, dass die meisten Forschungsarbeiten eigentlich nicht existieren würden, wenn es gar keine Zoos gibt. Die forschen also nicht zum Wohl der Tiere, sondern sind meistens vom Forschungsschwerpunkt so optimiert oder so ausgelegt, dass sie eben versuchen, keine Ahnung, die bestmögliche Versorgung von Tieren im Zoo sicherzustellen, dass Tiere möglichst lange leben, dass sie möglichst gesund bleiben, um eben, ja kann man halt sagen, möglichst viel Profit aus dem Leben dieser Tiere zu schöpfen. Also das sind so die Forschungsrichtungen, in die das geht. Und er hatte ein Foto von ich glaub einer Wüstenmaus, also irgendeiner bestimmten Mausart gezeigt, wo eine Forschungsarbeit durchgeführt wurde bezüglich Zahnschiefstände.

Zwei süffisante Details zu dieser Forschung: Erstens fand diese Forschung oder diese wissenschaftliche Untersuchung in Wilhelmshaven statt. In einem Zoo, der eigentlich primär für die Meerestiere da ist, wo man sich fragt, was haben sie mit Mäusen zu tun? Und das zweite Detail, das auch so ein bisschen ein Fragezeichen aufwirft: Diese Zahnschießstände hat man in freier Wildbahn noch nie gefunden. Die findet man nur bei Tieren in Zoohaltung.

Stefanie Tieren in Gefangenschaft.

Carsten Tieren in Gefangenschaft, so, also ich weiß nicht, ob da ein großer Mehrwert aus so einer solchen Forschung…

Stefanie Ja, was wollten die denn damit rausfinden? Weil selbst wenn in freier Wildbahn so eine Wüstenrennmaus einen Zahnschiefstand hat? Was wollen Sie denn machen?

Carsten Ja, ich glaub, die wollten dann einfach nur gucken, wie kannst du den Tieren dann in der Gefangenschaft noch irgendwie einen gesundheitlichen Mehrwert geben, aber wahrscheinlich nicht zum Wohl des Tieres, sondern um noch möglichst viel Profit aus einer längeren Lebensdauer der Tiere zu ziehen. Die Zoos forschen häufig auch gar nicht selbst, also es ist eher so, dass die irgendwie Studenten reinholen und die denen quasi als Forschungsgegenstand dienen, also der Zoo oder die Tiere sind der Forschungsgegenstand, aber nicht die wirklichen Forschungseinrichtungen, die diese wissenschaftlichen Untersuchungen durchführen. Also von daher ruht auch dieses Argument der Forschung auf, ich sag jetzt mal sehr, sehr dünnem Eis.

Es ist auch wohl so, wenn ich das richtig verstanden habe, dass nur forschende Zoos untereinander Tiere austauschen dürfen zwecks Befruchtung und Vermehrung. Das dürfen halt nur bestimmte Personen im Zoo unterschreiben, also das müssen Wissenschaftler sein. Und da gibt es auch eine gesetzliche Regelung, die das vorschreibt. Die ist aber so schwammig formuliert, dass Wissenschaftler nicht heißt, du musst dich mit Tieren auskennen, sondern man muss einfach nur den akademischen Titel haben, da reicht irgendwie ein Doktor oder ein Diplom Ingenieur, egal welche Fachrichtung.

Stefanie Diplom.

Carsten Du dürftest also quasi, wenn du in diesem Zoo arbeitest, auch entsprechend unterschreiben.

Stefanie Also nur Ingenieur sein, dann geht es nicht geht, egal welches Diplom?

Carsten Das was ich so nicht, aber ich glaube doch

Stefanie Ich glaube Diplom Ingenieur kann auch zur See sein. Nautik ist auch Diplom Ingenieur, also das...(lacht)

Carsten Es kommt doch wirklich, also die Behörden schauen eigentlich eher: Gibt es einen akademischen Titel? und dementsprechend werden dann die Anträge für solche Transferleistungen, dann von den Behörden durchgewunken, wenn die sehen okay, da hat jemand unterschrieben, der eine entsprechende akademische Bildung besitzt. Wie gesagt, völlig losgelöst von Kenntnissen über Tiere, also du musst nichts mit Zoologie, Biologie und keine Ahnung was haben, sondern das ist schon so ein bisschen strange. Ja und das vierte Argument, was Zoos natürlich immer anführen, das Thema Erholung. Das ist etwas, wo ja wirklich mal die Frage gestellt werden darf: Für wen ist es denn überhaupt Erholung? Ist es Erholung für die Tiere? Wahrscheinlich eher weniger.

Stefanie Führen die jetzt an als Argument Erholung für die Tiere?

Carsten Nein, nicht für die Tiere, aber generell als Erholung, aber Erholung muss man natürlich im gesamten Kontext mal betrachten. So und für die Menschen, die sich dort aufhalten, das ist natürlich immer Stoßzeitenabhängig, also ich weiß, damals als ich dort noch regelmäßig ein- und ausgegangen bin, ich habe bestimmte Stoßzeiten vermieden. Ich hab nur versucht, möglichst früh da zu sein. Als Erholung habe ich das definitiv nie aufgefasst. Aber jetzt muss man natürlich gucken, wie versuchen Zoos heute die Besucherbindung aufrechtzuerhalten. Da finden natürlich solche Sachen statt wie „Und die romantischen Nächte“.

Stefanie Ja, oder die Dschungelnächte?

Carsten Die Dschungelnächte, oder Halloween wird dort auch zelebriert. Halloween, hat er dann auch nochmal gezeigt, diese Feste waren auf Kinder ausgerichtet und ich weiß nicht, welcher Zoo das war, nein, da komme ich jetzt nicht mehr drauf, aber es war ein deutscher Zoo. Die haben dort Pappmaché Halloween Figuren überall hingehangen. Pappmaché Halloween Figuren heißt abgetrennte Köpfe, skelettierte Torsos, in Blut ertränkte Leichen et cetera. Die haben die Zooangestellten umgezogen, so dass sie wie Zombies oder Hexen aussahen, die sich dann hinter die Büsche gestellt haben und die Besucher erschreckt haben. Also allein die Fotos, die er dort gezeigt hat, die passten mehr zu einem B Movie aus dem Splatter Horror Genre. Dass er aber im gleichen Kontext da auf diesen Fotos eben Kleinkinder gezeigt hat, so vier-, fünf-, sechsjährige oder sowas. Ja, das, ich musste echt mit dem Kopf schütteln, und er sagte auch treffendermaßen, er will nicht wissen, was die Kinder in den Folgenächten erleben, wenn du solche Eindrücke hast, ne und das ist einfach, es wird halt versucht, so Jahrmarktsrummel zu erzeugen, um die Leute in die Zoos zu bekommen.

Stefanie Und die machen ja auch Ponyreiten und sowas alles, na ja, um die da irgendwie hinzukriegen.

Carsten Ja, und diese Argumente also, dieses Legitimieren müssen über Bildung, Forschung, Artenschutz und Erholung, das sind Argumente, die sind nicht immer dort gewesen, sondern die kamen erst so in den 80er und 90er Jahren hoch. Also sie sind relativ jung, weil die Zoos einfach gemerkt haben, dass ihre Existenzgrundlage immer stärker angezweifelt wurde. Sie haben aber in der politischen Landschaft eigentlich nur Befürworter, also viele Politiker rühmen sich ja quasi, als Tierpate oder sowas aufzutreten. Selbst unsere werte Kanzlerin ist Tierpatin von ich glaub einem

Stefanie Wahrscheinlich einem Eisbär

Carsten Ne, Kormoran oder Albatros oder sowas. Das ist natürlich sehr Publikumswirksam, ja, und dementsprechend sind die meisten Politiker erstmal pro Zooeinrichtung und deswegen.

Stefanie Ich finde das auch immer so interessant, wenn ich jetzt mal U-Bahn fahre oder so, und dann wird da mal Werbung gezeigt oder Bus, dann von Hagenbecks Tierpark und dann, werden da immer Tiere, das Tier des Monats oder so und dann steht da, es wird immer in freier Wildbahn gezeigt, und es steht, was es so in freier Wildbahn macht. Und dann kommt die Werbung für den Tierpark. Das (lacht) gehört eigentlich gar nicht zusammen, aber irgendwie sind sie der Meinung, ja, das damit machen wir Werbung für den Tierpark.

Carsten Ja, du erzeugst halt so emotional gefärbte Bilder und die, dadurch, dass du eben eine starke Konditionierung aufbaust, also, ein Großteil der Besucher sind junge Familien, die teilweise mit ihren Neugeborenen, da durch schieben.

Stefanie Es ist entstanden. Wir haben das ja auch gemacht, und als ich klein war, sind wir auch in den Zoo gegangen.

Carsten Das ist eine ständige Konditionierung, die du dann auch nicht mehr wirklich durchdringst. Ja, weil du hast das als Kind schon so gemacht und ja, die Eltern haben es von ihren Kindern, äh von ihren Eltern bekommen, von ihren Kindern genau also, und das ist natürlich dann, dass das versucht, so ein Zoo natürlich aufrecht zu halten ne, genau dieses hinterfragen irgendwie zu verändern.

Stefanie Zirkus, Zoo, Wildpark ist alles für Kinder ja interessant.

Carsten Ja, genau, in erster Linie, und dann werden halt solche Themen vorgeschoben, Bildung erstmal Richtung Kinder, und wenn es dann so Richtung erwachsenes Publikum geht, werden dann halt eben diese Forschungsaspekte, oder Artenschutz dann vorgeschoben und ja, die haben natürlich, ich sag mal, Zoos sind sehr präsent, und gerade hier in Deutschland, weil man muss dazu sagen, Zooeinrichtungen sind vornehmlich ein europäisches Phänomen.

Stefanie Klar, das ist ja wegen der Kolonialmächte so, das ist ja klar, wenn, da nicht in Europa, sag ich mal, das sind ja die wilden Tiere, da brauchst du keinen Zoo, aber hier haben wir die wilden Tiere ja nicht, und deswegen brauchen wir eben einen Zoo.

Carsten Es scheint wohl tatsächlich da in diesen ehemaligen Kolonialgebieten Zooeinrichtungen zu geben, und deren Historie liegt aber daran, dass es einfach Umschlagplätze für die wild gefangenen Tiere waren. Und heute sind es halt Zooeinrichtungen geworden. Und dementsprechend verteilt sich das ja, wie du schon sagtest, auf die Kolonialmächte, und ich glaub in Europa gibt es so roundabout 3000 Zoos. Und allein in Deutschland sind es 850, also Deutschland ist das Land mit den meisten Zoos weltweit, und es waren vor ein paar Jahren, also seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Anzahl der Zoos schon zurückgegangen, also viele Zoos, kleinere mussten schließen, teilweise aufgrund öffentlichen Protests, weil eben die Haltungsbedingungen so offenkundig schlecht waren, dass das nicht weiterging, teilweise aber auch aus ökonomischen Gründen. Und ursprünglich waren es glaube ich über 1200 Einrichtungen hier in Deutschland. So, und wenn man dann natürlich sieht ok, wieviel gibt es weltweit und wie viele gibt es in Deutschland?

Also hier ist die Hochburg, dass man hier schlecht dagegen argumentieren kann und die Leute das irgendwie nicht sehen wollen, ist allein schon aufgrund der schieren Präsenz dieser Zooeinrichtungen zu erklären. Erfreulich ist einfach der Fakt, dass die Besucherzahlen rückläufig sind. Also da hatte Colin Goldner darauf hingewiesen, dass das ein Aspekt ist, dass die Akzeptanz der Zoos langsam, aber ersichtlich bröckelt, also es werden immer weniger Zoos. Immer mehr Zoos müssen schließen, und er sagte zwar auf eine Frage, wie lange wird es denn dauern, bis alle Zoos abgeschafft sind, dann sagt er da liegen wir alle schon in der Kiste, das werden wir wahrscheinlich nicht mitbekommen. Aber das hindert uns nicht daran, Aufklärungsarbeit zu betreiben, um genau das jetzt voranzutreiben. Vielleicht haben wir ja Glück und schaffen es vorher, den Tieren sei es ja zu gönnen. Aber nichtsdestotrotz gibts eben schon eine Richtung, die schon aufgrund des ja immer geringer werdenden Interesses dahin zielt, das Zoos wirtschaftlich einfach nicht mehr überleben können und dementsprechend schließen müssen.

Stefanie Was war denn so die Quintessenz? Von dem Vortrag, gibts da irgendwie so einen Satz oder irgendwas, was du mitgeben könntest?

Carsten Es gibt nicht die eine Botschaft, sondern der Gesamtkomplex ist so voluminös und auch mit so vielen Fakten präsentiert worden, dass ich einfach sagen kann: Guck dir diesen Vortrag an, der eben aufgezeichnet wurde. Ansonsten ja, also so eine Quintessenz kann ich dir gar nicht mal in die Hand geben.

Stefanie Und gibt es dann eben, hat er was gesagt, was ich tun kann, damit das schneller geht, dass die Zoos nicht mehr existieren. Also was kann ich als Einzelmensch tun?

Carsten Das leider gar nicht, das hatte ich eigentlich erhofft, und es gab auch noch Fragen aus dem Publikum, die wahrscheinlich in diese Richtung zielten. Er ist dann so ein bisschen allgemeinverbindlich geblieben und hat Maßnahmen gezeigt, die heute schon umgesetzt werden in bestimmten Weltregionen, dass es eben so genannte, ja fast eine Art Lebenshilfe gibt, oder Ruhezonen für Zootiere oder wo Zoos schließen.

Stefanie Ok.

Carsten Und die Tiere dann wohl behütet ihren Lebensabend dann in entsprechenden Einrichtungen verbringen können, die eben möglichst dicht an ihrer natürlichen Lebensumgebung liegen und einfach nur sich selbst, dann ja oder für sich selbst sein können. Nicht alle Tiere können ausgewildert werden, also in die Auswilderung selber, die funktioniert eigentlich so gut wie gar nicht. Das sind Einzelfälle, und die große Mehrheit der Tiere ist einfach in der freien Wildbahn definitiv nicht mehr überlebensfähig, und für die muss man eben solche Reservate schaffen. Das, so Lebenshilfe oder Lebenszoos. Da scheints auch tatsächlich einen Zoo zu geben, der das macht, der aber von der Öffentlichkeit erst mal komplett außen vor ist, der aber eben diese Tiere aufnimmt, um dann, ich sag jetzt mal artgerechter zu halten, ohne jetzt zu wissen, was heißt das. Das war das Bild, was er so skizziert hat, da hat er deutlich mehr dazu gesagt, er hat viele Beispiele gebracht, um einfach zu zeigen, dass ist richtig Bewegung drin hat, er hat auch gezeigt, wie teilweise, ich glaub ein Staat ich glaub in Südamerika oder sowas hat einen sehr renommierten Zoo komplett geschlossen. Und die Tiere umgesiedelt. Auch gar nicht vor so langer Zeit, ich glaube, das war vor ein paar Jahren erst.

Also das sind so Sachen, die er schon mit an die Hand geben kann, aber das ist natürlich nicht, ich sag jetzt mal ausreichend oder befriedigend, wenn du als Einzelperson jetzt irgendwo was erreichen möchtest, also ich, das ist jetzt so meine Quintessenz, die ich quasi rausgehört habe, Aufklärungsarbeit ist eigentlich das, woran man arbeiten kann, dass man den Leuten einfach begreifbar macht: Pass mal auf, das mit dem Zoo, das hat mehr als nur ein Haken. Und mir persönlich hats tatsächlich geholfen, so diese Historie mal mitzubekommen, wie hat sich das mit den Zoos entwickelt. Und nachher natürlich noch mal so dieses Hinterfragen von dieser Legitimierung mit Bildung, Forschung, Artenschutz und Erholung, dass man darüber so ein paar Beispiele an die Hand bekommt. Letztendlich könnte ich höchstens noch anregen, mal zu schauen, ob vom Doktor Colin Goldner irgendwo in deiner Umgebung ein Vortrag stattfindet. Ich weiß nicht, wie stark er Vortragsreisender ist, aber ich habe einfach gemerkt, dass es für mich unglaublich wertvoll war, diese 90 Minuten dort mal zu sitzen und ja, Ihn sprechen zu hören. Alternativ eben ein Buch von ihm.

Stefanie Oder das Video anschauen.

Carsten Oder das Video anschauen, oder das Video auf jeden Fall erstmal das Video, und das ist sehr erfreulich.

Stefanie Genau ok, ja und im Grunde: Geh nicht in den Zoo, boykottieren macht wahrscheinlich am meisten Sinn und vielleicht auch einfach anderen davon erzählen, wie traurig du es da fandest, oder eben dein Erlebnis, warum du nicht in den Zoo gehst, ohne anklagend zu werden, das ist ja gerade das, weil wir ja alle höchstwahrscheinlich alle früher in den Zoo gegangen sind, so wie es gleich ist mit dem vegan sein, so dass es keinen Sinn macht, die anderen anzuklagen. Und sondern einfach nur zu erzählen, Geschichten erzählen, erzähl Geschichten darüber, warum nicht mehr in den Zoo gehst. Erzähls weiter.

Carsten Ja, eine alternative Sichtweise erstmal anbieten, die ja in den Köpfen der Leute heute nicht existiert.

Stefanie Ja, und wenn du zu diesem Thema weiter diskutieren willst, dann komm doch gerne in den „Von Herzen vegan Clan“, eine kleine, feine Community, die wahrscheinlich bald riesengroß wird, in der wir schon fleißig diskutieren, zu den verschiedensten Themen, und in der du die Möglichkeit hast, nicht nur zu den Podcast Themen zu diskutieren, sondern eben auch deine Herausforderungen in einem veganen Alltag zu teilen und mit uns Lösungen zu finden, wie du gelassen und souverän durch deinen Alltag gehen kannst. Und bevor wir jetzt hier wieder mit unserer

Carsten Mit unserem Abgesang ans Abendland beginnen.

Stefanie Will ich mich auch bedanken bei all unseren finanziellen Unterstützer und Unterstützerinnen über Steady, ihr seid echt klasse so treu und toll, das ist super. Dankeschön.

Carsten Danke.

Stefanie Und dann würde ich sagen.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiedersehen.

Folge 159 - Fridays for Future

Ein Beitrag

Folge 159 - Fridays for Future

Carsten war am 1.3.2019 zeitweise bei der Fridays for Future Demonstration in Hamburg und hat einige Teilnehmer*innen dazu befragt, was sie motiviert zu dabei zu sein und wie sie mit Kritik umgehen.

In dieser Folge

  • berichtet Carsten davon, wie er die Demonstration wahrgenommen hat,
  • erzählt Carsten davon, warum er welche Fragen gestellt hat und
  • stellen wir Dir 13 Minuten O-Töne vor.

Carsten hätte auch noch mehr O-Töne gesammelt, leider hat sein Handy der Kälte nicht standgehalten...

Fridays for Future und Greta Thunberg sind ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Einzelpersonen etwas bewegen können.

Links zur Folge

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Ein Beitrag

Folge 158 - Eine kurze Geschichte der Menschheit

In dieser Folge

  • sprechen wir über das Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari,
  • erzählt Carsten wann Du dieses Buch lesen solltest und wann nicht und
  • liest Carsten zwei Passagen aus dem Buch vor, damit Du einen Eindruck davon bekommst, wie es geschrieben ist.

Nach einer kurzen Recherche kann ich gleich hinzufügen, dass Harari vegan lebt und in einem 2015 erschienenen Artikel im Guardian (Achtung! Verstörendes Titelbild.) die Massentierhaltung als das größte Verbrechen der Menschheit bezeichnet hat.

Wenn wir ein wenig länger über die Geschichte der Menschheit nachdenken, erkennen wir unweigerlich einen roten, blutigen Faden der Gewalt. Eigentlich ist es kein Faden mehr, sondern eine sehr breite Schneise.

Nicht umsonst nennt Harari den Menschen den Schrecken des Ökosystems- wir sind gerade dabei unsere Lebensgrundlage so gründlich zu zerstören, dass wir uns bald von der Erde getilgt haben. Die Frage ist nur: für was?!

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge wollen wir mal wieder ein Buch vorstellen und das hat Carsten gelesen. Und zwar „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari.

Carsten Ja, genau. Das Buch ist eigentlich sehr, sehr bekannt. Ich bin vor einiger Zeit immer mal wieder über diesen Titel gestolpert. „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, nicht zu verwechseln mit Bill Brysons „Eine kurze Geschichte von fast allem“. Aber ich habe dieses Buch bisher, ich weiß nicht, gemieden nicht unbedingt, aber eigentlich nie so wirklich in die Hände bekommen, weil ich thematisch nicht in der Lage war, dieses Buch einzuordnen. Und da ich, sage ich jetzt mal, ein themenbezogener Leser bin, der sich eigentlich in bestimmte Themen immer ein bisschen weiter einliest, ist dieses Buch bisher an mir vorbeigegangen. Und jetzt habe ich endlich mal zugegriffen. Ich stand in der Bibliothek und hab gedacht, jetzt nimmst du es mit und bin froh darüber. Ich muss sagen, auch wenn ich jetzt im Vorfeld nicht unbedingt diesen Fokus hatte, dieses Buch explizit zu lesen, sondern einfach mehr so aus Neugierde zugegriffen habe, war es ja die Tage, Wochen, ich habe ein bisschen länger gebraucht, um durchzukommen, war es durchaus wert.

Stefanie Für wen ist denn dieses Buch? Kannst du das vorab schon mal sagen, damit diejenigen, die sagen das ist nichts für mich, gleich mal wieder abschalten können?

Carsten Es ist eine einfache und eine schwierige Frage, weil ich glaube, alle Leute, die in irgendeiner Art und Weise so ein bisschen Geschichtsinteresse haben und gleichzeitig mehr über „Wer sind wir? Wir als Menschen oder als Menschheit“ wissen möchten, die sind mit diesem Buch extrem gut bedient. ist ein Yuval Noah Harari ist Historiker und hat mit diesem Buch tatsächlich eine Art Rundumschlag der menschlichen Entwicklung niedergeschrieben, ungefähr 500 Seiten dick. Da ist so einiges an Inhalten drin. Er fängt in der Frühgeschichte an, da wo der Homo sapiens das erste Mal auf der Erde auftaucht und geht bis zur Jetztzeit und versucht auch so ein paar Fragen zu erörtern bzw. anzusprechen, die ein bisschen in die Zukunft reinschauen. Er stellt auch so ein paar Mutmaßungen an und diesen gesamten Themenkomplex hat er auf eine unglaublich unterhaltende Art und Weise zusammengestellt und das Ganze auch noch mit einem sehr saloppen Tonfall oder einer Erzählart, die völlig untypisch für Historiker ist. Also absolut kein trockenes Buch, teilweise süffisant geschrieben, es macht Spaß es zu lesen. Es ist aus meiner Sicht ganz häufig so vom Wortlaut her, als ob er mit dem Leser reden würde. Also ich kann mir vorstellen, dass er im Interview oder in einem direkten Dialog nicht anders sprechen oder sich anders ausdrücken würde. Und das macht dieses Buch wirklich reizvoll. Und wie gesagt, wenn du, liebe·r Hörer·in, irgendwie Interesse daran hast, wie der Mensch so werden konnte, wie er ist und was er auf diesem Weg dorthin eigentlich alles getan hat, dann bist du mit diesem Buch absolut super bedient.

Stefanie Und hat es auch irgendwas mit vegan zu tun oder eher nicht?

Carsten Teilweise. Also ich habe es jetzt nicht aus diesem Blickwinkel gelesen, dass da vornehmlich vegane Themen thematisiert werden. Aber er spricht an mehreren Stellen das Mensch-Tier-Verhältnis an. Und das ist das Erstaunliche, dass er die Geschichte der Menschheit, ja, ich will sagen nicht unbedingt neutral betrachtet, also nicht so wissenschaftlich abstrakt und beschreibt. Sondern er zeigt eindeutig die negativen Seiten auf. Das Handeln des Menschen, des Homo sapiens als Spezies stellt er ungeschminkt negativ dar, so wie er tatsächlich in seinen schlechteren Varianten erschienen ist. Und das auch natürlich im Mensch-Tier-Verhältnis. Also da ist er sehr kritisch und auch sehr, sehr deutlich, teilweise in einer Deutlichkeit, die man so mehr aus dem Bereich Tierschutz, Tierrechte oder Tierbefreier·innen mitbekommt.

Was ich jetzt nicht weiß, das habe ich auch leider im Vorfeld vergessen zu recherchieren ist, ob der Autor selber vegan lebt. [Anmerkung: Der Autor lebt vegan.] Er spielt im Buch so eine kleine Anekdote mit rein. Er wohnt in Israel und ich meine, dass er dort kurz in seiner Anekdote auf sein Frühstück eingeht. Er spricht irgendwie von Frühstücksflocken oder so was, die er sich mit Milch macht. Also ich kriege das jetzt nicht mehr ganz so auf die Reihe, aber es klingt so ein bisschen durch, dass er zumindest nicht vegan lebt. Ich bin mir nicht sicher, ob er vegetarisch lebt, aber das hat mich so ein bisschen irritiert, weil ich gedacht habe, die Art und Weise, wie er dieses Mensch-Tier-Verhältnis darstellt, ist eindeutig. Mit dieser Härte kriegt man es eigentlich nur aus Kreisen, die sich ganz klar vegan positionieren mit und dann gleichzeitig aber eben zu lesen, dass er da kein Problem damit hat, Milch zu konsumieren.

Stefanie Vielleicht ist das ja auch bio und bewusst, also so „indianisch“, dass er der Kuh immer was schenkt, wenn er von ihr die Milch bekommt.

Carsten Ach so meinst du das.

Stefanie Vielleicht ist es ja so..

Carsten Da musst du aufpassen, weil auch dieses „Indianische“ stellt er klar, dass das zu einem bestimmten Mythos daherkommt. [Anmerkung: Wir haben mittlerweile dazugelernt und nutzen das Wort „Indianer“ eigentlich nicht mehr. Warum kannst Du hier nachlesen: https://buuu.ch/allgemein/warum-wir-keine-Indianerbucher-lesen/]

Stefanie Okay.

Carsten Also das ist so etwas. Man lernt beim Lesen wirklich ganz, ganz, ganz viele Feinheiten, die man vorher eigentlich gar nicht so bewusst wahrgenommen hat. Bezogen auf die „I*******“: Wie stellst du dir „I*******“ vor in der Prärie? So dieses Bild des klassischen „I*******s“.

Stefanie Yakari.

Carsten Yakari? Genau.

Stefanie Wir sind da so ein bisschen vorgeprägt durch diese Kinderserie. Yakari. Vielleicht kennst du die auch. Das ist ein kleiner „I*******junge“, der viele Abenteuer erlebt, der aber mit den Tieren sprechen kann und die hören kann, aber trotzdem natürlich nicht vegan lebt.

Carsten Ja, und der natürlich immer mit seinem Pferd unterwegs ist. Und da zeigt Harari in seiner Geschichte Leute, „I*******“ mit Pferd, das ist eher neu. Also die „I*******“ hatten bis zum Einfall des weißen Mannes in Amerika gar keine Pferde, da gab es keine Pferde.

Stefanie Also es heißt doch immer, dass sie die Wildpferde gezähmt haben.

Carsten Ja, aber diese Wildpferde existierten damals nicht so wirklich. Die, ich sag jetzt mal Präkolumbianer. Kolumbus ist ein Kolumbianer, weiß ich nicht. Also die Menschen, die nach Kolumbus den amerikanischen Kontinent für sich erobert haben.

Stefanie Das sind dann aber die Post-Kolumbianer, nicht die Prä-. Weil „prä“ ist davor, „post“ ist danach.

Carsten Ja, ich war total. Ich war bei Präriegedanken. Also genau okay.

Stefanie Die Prärie-Kolumbianer. Weißt du Bescheid? Richtig. Also, die Prärie-Kolumbianer, was war mit denen?

Carsten Ich kreiere neue Völker, neue Zeitabstände. Das ist ja gut. Also, sprich, es sind importierte Tiere. Die gab es vorher noch nicht. Also dieses klassische I*******bild von im Einklang mit der Natur und ohne Sattel reiten und halt Wildpferde einfangen und die zähmen und Bison zu jagen. Das ist alles sehr schön aus der sagen wir mal so Westernszene. Das sagte er jetzt nicht. Das interpretiere ich daher, weil irgendwo muss dieses Bild entstanden sein. Aber er stellt halt klar, dass es damals eigentlich noch gar keine oder erst ab 1700 keine Ahnung was oder so was Pferde gab in dem Ausmaß.

Stefanie Und wie haben sie dann vorher gelebt. Sagt er es auch?

Carsten Nee, da geht er also. Er geht jetzt nicht explizit auf die Geschichte der I******* ein. Er schaut eigentlich mehr so aus der Geschichte der Kolonialherren. Okay, dass das halt die Europäer als einzige Kultur oder einziger Kulturkreis auch tatsächlich Interesse daran hatte, fremde Länder zu erobern, nicht nur zu erkunden, sondern zu erobern. Das gab es auch bei anderen Hochkulturen nicht in der Ausprägung. Also die Asiaten, die ja durchaus in bestimmten Fertigkeiten viel früher da waren oder oder Fertigkeiten viel früher entwickelten als wir Europäer, hatten eigentlich nicht den Drang, über ihre Grenzen hinaus zu agieren. Die haben innerhalb ihres Reiches ja agiert und damit haben sie es beruhen lassen. Also da war im Grunde genommen diese Mentalität, na ja, eigentlich wissen wir alles und die europäische Kultur war tatsächlich die erste, die anerkannt hat, dass es eben weiße Flecken auf der Landkarte gibt, weiße Wissensflecken, aber auch tatsächlich weiße Flecken auf der Welt Landkarte. Die sind ja von der Mentalität her in der Hinsicht offen gewesen, dass sie gesagt haben: Wir wissen halt nicht alles, wir wollen aber mehr wissen. Und dementsprechend haben sie diesen Forscherdrang gehabt und dann halt andere Länder erkundet, andere Länder versucht zu erobern und dann halt diese kolonialistische oder imperialistische Lebensweise auch ausagiert.

Die kulturellen Unterschiede zwischen Ost und West zeigt er anhand des Beispiels des Schießpulvers. Also eigentlich weiß es jeder, dass die Chinesen das Schießpulver erfunden haben. Nur wenn jetzt das Schießpulver nicht in China, sondern in Europa erfunden worden wäre, läge es nahe, dass es zu militärischen Zwecken verwendet wird. Ich sag jetzt mal so kurz gedacht, der Europäer würde so was erfinden und das nächste, was er machen würde, wäre versuchen, irgendwie ein Gewehr oder eine Kanone damit zu bauen. Und die Chinesen selber, das einzige was sie gemacht haben, waren Feuerwerke und erst so 600 Jahre später haben sie es dann auch militärisch genutzt. Also die haben unglaublich lange gebraucht, um eben solche Techniken auch so einzusetzen, dass sie für Zwecke verwendet werden, wo wir Europäer einfach gesagt hätten, das ist naheliegend, aber naheliegend bei uns, weil wir eben dieses Kolonialistische hatten. Wir wollen erobern und auch die Schätze aus fernen Ländern für eigene Zwecke nutzen. Das beschreibt er hier drin in dem Buch. Und das ist tatsächlich etwas, was sehr umfangreich und auch detailliert beschrieben wird.

So sind wir aber auch schon ein bisschen unstrukturiert vorgegangen. Tatsächlich hat das Buch eine lineare Struktur, sowohl zeitlich als auch inhaltlich. Der Autor gliedert das Buch eigentlich in drei große Themenbereiche, die er jedes Mal mit Revolution bezeichnet. Die erste Revolution, die er benennt, ist die kognitive Revolution. Das ist der Zeitpunkt vor ungefähr 70.000 Jahren, wo der Homo sapiens tatsächlich so auf der Landkarte erschien. Kognitiv sagt der Begriff ja schon, dass dann die Gehirnentwicklung so weit auf einmal auch vielleicht sprunghaft vorangeschritten ist, dass der Homo sapiens als Spezies dadurch einen Vorteil hatte und sich dann quasi auch durchsetzen konnte. Also vor 70.000 Jahren ungefähr die erste Revolution.

Die zweite Revolution ist für ihn die landwirtschaftliche Revolution, so ungefähr vor 15.000 Jahren. Also sprich das, wo der Mensch sesshaft geworden ist, angefangen hat, Landwirtschaft und Viehzucht zu treiben, Ackerbau und Viehzucht. Und dann vor ungefähr 500 Jahren die wissenschaftliche Revolution, wo wir aus dem dunklen Mittelalter rausgegangen sind und dann tatsächlich so dieses Erforschen dann ausgelebt haben, was sich ja bis zur Jetztzeit immer stark beschleunigt hat und mittlerweile so schnell abläuft, dass man das eigentlich gar nicht mehr richtig fassen kann mit Internet und Digitalisierung etc. Und diese drei Themenbereiche, die gliedert er eben inhaltlich und zeitlich und zeigt eben auch, was für Folgen dieser ganzen Revolution hatten.

Und was ich aber sehr interessant finde, ist die Detaildichte, die er bei dieser Geschichtenerzählung mit dazu liefert. Also er zeigt zum Beispiel, dass damals, als der Homo sapiens auf der Erde auftauchte, war es so, dass andere Spezies, die auch dem Homo zugeordnet waren, ebenfalls existierten. Für mich selber war das eine neue Erkenntnis. Ich habe immer gedacht okay, das ist so ein linearer Werdegang. Irgendwo entsteht eine Menschengattung nach der anderen in einer zeitlichen Abfolge und er stellt halt klar: Nein, das ist nicht so. Die haben parallel gelebt, bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Und er lässt es so vermuten, dass der Homo sapiens nicht gerade unschuldig an dem Aussterben der anderen Arten gewesen ist, unter anderem auch des Neandertalers, weil der Homo sapiens eben die Fähigkeit, die kognitive Fähigkeit hatte, sich anders zu organisieren.

Stefanie Und was natürlich dazugehört, ist auch, dass der natürlich ganz viel Fleisch gegessen hat. Und die anderen waren alle vegan.

Carsten Ja, richtig, genau. Ja, das schreibt er jetzt so nicht, aber genau.

Stefanie Das steht zwischen den Zeilen, weil es genau das ist ja, dass Fleisch für die Gehirnentwicklung sehr wichtig war.

Carsten War es auch. Pass auf, jetzt kommt's! Ganz wichtig zu kapieren: Unser Gehirn ist geschrumpft. Er spricht damals in der Zeit so vor 70.000 Jahren, als wir quasi noch Jäger und Sammler waren. Die Menschen benennt er dort als Wildbeuter.

Stefanie Okay.

Carsten Ein Begriff, den ich vorher noch nicht gehört habe. Ich finde den aber schön, packend, griffig.

Stefanie So wie Freibeuter.

Carsten Ja nur Wildbeuter. Die lebten halt in der Wildnis und waren die klassischen Jäger und Sammler. Deren Gehirn war größer als das Gehirn nachdem wir sesshaft geworden sind. Also sprich zu den Zeiten, wo wir wirklich Ackerbau und Viehzucht betrieben haben, wo man denkt, eigentlich sind das ja so, wenn du guckst, heute Landwirtschaft studieren und so, sind ja schon fast akademische Weihen, die man da bekommen könnte, dass das vom Kognitiven her vielleicht sogar anspruchsvoller gewesen. Das war nicht so. Die Gehirnleistung seit der Sesshaftwerdung ist im Grunde genommen geringer gewesen. Das hängt damit zusammen, dass die Wildbeuter ein viel, viel umfangreicheres und größeres Verständnis von ihrer Umgebung haben mussten. Der Bauer, der musste im Grunde genommen nur für sich lokal vor Ort Wissen aufbauen. Die Wildbeuter mussten wissen zu welcher Jahreszeit gibt es in dem Landstrich das und das zu essen? Da muss ich jetzt graben, um an irgendwelche essbaren Wurzeln zu kommen. Hier sind Sträucher mit Beeren, die darf ich nicht essen. Dafür sind dahinten schmackhafte Beeren. Ah, die Pilze sind gut, die darf ich essen. Um die Jahreszeit gibt es da hinten in dem Wald oder Wiesengebiet entsprechende Tiere etc. Also all dieses umfangreiche Verständnis von der Welt im zeitlichen Ablauf des Jahres, das war nicht mehr notwendig in dem Maße, wo wir sesshaft geworden sind. Und deswegen ist das tatsächlich nachweisbar, dass im Laufe der Zeit unsere Gehirne geschrumpft sind. So, und jetzt kommt's: natürlich, eigentlich zu dem Zeitpunkt, wo wir Ackerbau und Viehzucht betrieben haben, war der Mensch ja eigentlich in der Lage, mehr Fleisch zu konsumieren, weil wir die Tiere explizit dafür gezüchtet haben. Er greift dieses Argument Fleisch und Gehirnentwicklung nicht auf. Aber ich fand das total cool, einfach mal zu sehen, dass zu dem Zeitpunkt, wo ich sag jetzt mal naiv gedacht, eigentlich behauptet wird, das bringt jetzt quasi unser Gehirn auf maximale Größe durch den Fleischkonsum und wir haben das Feuer entdeckt und keine Ahnung, was - dass dann noch mal eine Schrumpfung stattgefunden hat.

Stefanie Aber das Feuer haben wir ein bisschen früher entdeckt.

Carsten Das stimmt. Also vor ungefähr 300.000 Jahren, wenn ich das richtig gelesen habe.

Stefanie Also von daher, vielleicht ist es auch so gemeint, dass es damals der Fleischkonsum war, der dann und naja, und dann sind wir immer bequemer geworden und haben nicht mehr so viel Gehirnkapazität gebraucht. Und heute ist das Gehirn erbsengroß.

Carsten Jetzt haben wir Computer, die denken für uns ganz genau. Was ich noch lustig fand, ist die Art und Weise, wie er über diese landwirtschaftliche Revolution spricht. Das ist für ihn der größte Betrug der Geschichte.

Stefanie Okay.

Carsten Da wo normalerweise so aus dem, was ich bisher über diese landwirtschaftliche Revolution wahrgenommen habe, war das ja immer das Beste, was dem Menschen passieren konnte. Und er sagt Leute, ja, genau das Gegenteil ist der Fall. Den Menschen ging es dadurch schlechter. Der Mensch hat dadurch weniger lange gelebt, er hatte eine schlechtere Lebensqualität, er hatte eine schlechtere Nahrung, er war häufiger krank und er musste monotone Arbeiten übernehmen. Der Wildbeuter, der hatte den viel angenehmeren Lebensalltag, der hatte viel mehr Freizeit, wenn er seine Nahrung zusammengestellt hatte, dann hatte er Freizeit. Der musste jetzt nicht auch aufs Feld und dort pflügen. Er musste jetzt nicht irgendwie ernten oder so, sondern er konnte viel freier über seine Zeit verfügen. Natürlich musste er reisen und wissen, wo ich was zu essen bekomme. Aber der Bauer, der war halt Knecht seiner Umgebung. Er konnte nicht weg, er musste auf das aufpassen, was er vor Ort hatte. Er musste auch aufpassen auf die Gegenstände die er hatte. Also sprich vorher gab es halt diese exzessiven Werkzeuge nicht und dementsprechend auch nicht in dem Maße Diebstahl. Dadurch, dass ich jetzt natürlich als Bauer ein Haus hatte und Werkzeug und keine Ahnung was, weckte das natürlich Begehrlichkeiten und er war mit ganz anderen Problemen, mit negativen Problemen beschäftigt und dadurch, dass er eben auch nur auf ein ganz begrenztes Spektrum von Nahrungsmitteln zugreifen konnte, und zwar die, die er selber angebaut hat, war die Ernährung von der Nährstoffvielfalt auch viel, viel eingeschränkter als das, was wir damals als Wildbeuter hatten.

Das einzige, was jetzt positiv an der landwirtschaftlichen Revolution ist die Tatsache, dass wir von der Menge der Nahrung viel mehr hatten und uns da als Menschheit auch viel stärker vermehren konnten. Wir haben zwar insgesamt kürzer gelebt, vorher sind die Wildbeuter ungefähr genauso alt geworden wie wir heute und auch gesundheitlich im hohen Alter noch sehr fit gewesen und zu Zeiten der landwirtschaftlichen Revolution war sogar 30, 40 Jahre schon das obere Ende der Fahnenstange. Aber vorher hat man sich dann entsprechend fortgepflanzt und dadurch natürlich auch für mehr Bevölkerungswachstum gesorgt. Aber insgesamt ging es dem Individuum dadurch schlechter. Und deswegen nennt er das Ganze eben den größten Betrug der Geschichte. Eine schöne Anekdote, die er da im Rahmen dieser landwirtschaftlichen Revolution mit reingebracht hatte, war die Art und Weise, wie der Weizen uns beeinflusst hat. Wir Menschen stellen uns ja immer ganz gerne als die überlegene Spezies dar, die alles im Griff hat und alles selber steuert. Und er hat das mal ein bisschen umgedreht und gesagt: Naja, eigentlich hat uns der Weizen beherrscht, weil wenn man sich so anguckt, dieses Verhältnis oder die Beziehung zwischen Weizen und der Menschheit, dann geht der Weizen da als Punktesieger hervor.

Stefanie Aber inwiefern?

Carsten Weizen selber war vorher ein Wildgras, war wie viele andere Gräser halt sehr sporadisch und auch nicht in der Art und Weise vorhanden, wie es heute der Fall ist. Heute gibt es ja keine Ahnung Millionen von Quadratkilometern nur mit Weizen. Weizen ist so die Pflanze, die am stärksten angebaut wird hier auf der Welt. Und er leitet es so her, dass die Wildbeuter so die ersten waren, die gemerkt haben Hm, Weizen kannst du in irgendeiner Art und Weise essen, damit du den Weizen essen kannst, musst du jetzt erst mal die Körner abkratzen und mit zur Lagerstätte nehmen. Und auf dem Weg dort zwischen wo der Weizen stand und wo das Lager war, sind dann Körner runtergefallen. Okay, und da der Wildbeuter zyklisch immer wieder die gleichen Orte aufgesucht hat, dann festgestellt Mensch, da wächst ja immer mehr, nicht nur an der Stelle, wo ich letztes Mal gepflückt habe, sondern jetzt auch drum herum. So, und das waren so die Prinzipien, die irgendwann dazu geführt haben, dass der Mensch eben auch sesshaft werden konnte, weil er gemerkt hat, ich kann Pflanzen aussäen. Ja, so beim Weizen hat das ganz gut funktioniert. Der kommt übrigens so aus dem Nahen Osten, aus dem Bereich westlich, da, wo unsere Kühe herkommen. Aber das ist ganz interessant, dass das da immer so Anknüpfungspunkte sind, dass viele Sachen, die wir hier als als völlig normal empfinden, eben gar nicht hierher kommen. Und ja, letztendlich hat sich der Mensch dem Weizen unterworfen. Der Weizen hat diktiert, wie der Tagesablauf des Menschen aussieht.

Stefanie Okay.

Carsten Damit er Weizen wachsen konnte, musste der Mensch im Frühjahr den Boden bestellen, musste umgraben, musste pflügen, musste düngen, musste wässern, musste Unkraut jäten. Alles nur, um den Weizen hochzuziehen. Gut, der einzelnen Weizenpflanze ist das natürlich völlig schnuppe, aber der Gattung, Spezies, ich weiß nicht, wie man das bei Pflanzen nennt - aber dem Weizen als Ganzes um seine Gene zu vermehren, hat das natürlich enorm geholfen. Und dadurch ist die die Weizenpflanze tatsächlich das Lebewesen, was dann heute am stärksten seine Gene vervielfältigen konnte. Dadurch, dass der Mensch nichts anderes gemacht hat, als den Weizen so zu hegen und zu pflegen, dass der Weizen halt jetzt so präsent ist. Okay, also wir glauben immer, dass wir den Weizen irgendwie geformt haben, aber im Endeffekt war es andersrum, weil wir Lebensqualität eingebüßt haben. Wir haben monotone Arbeitsschritte gehabt, unnatürliche Haltungen und und und und alles nur, damit der Weizen wächst. Harari kann das viel, viel schöner erklären. Deswegen ist es wirklich empfehlenswert, das Buch alleine schon für diese Anekdote mal zu lesen, weil das regt wirklich zum Schmunzeln an. Also kann ich wirklich nur empfehlen.

Stefanie Jetzt haben wir über die kognitive und die landwirtschaftliche Revolution gesprochen und es gab dann noch eine dritte, die wissenschaftliche Revolution.

Carsten Genau, die vor ungefähr 500 Jahren angefangen hat. Also sprich zum Ende des finsteren Mittelalters, wo tatsächlich so dieser Wissensdrang in den Vordergrund gerückt ist. Und ich habe es auch vorhin schon anklingen lassen, das hält ja bis heute an. Wissenschaft ist ein zentraler Pfeiler geworden, und in der Vorzeit war es so, dass der Mensch ein bisschen bescheidener war mit dem Wissen, da hat man viel auf typische Götter vertraut und auch der Religion einen hohen Stellenwert eingeräumt. Und das hat natürlich so ein bisschen auch den Wissensstand, der damals vorherrschte, konserviert. Da wurde also nicht so viel Aufwand betrieben, um mehr Wissen zu erreichen, sondern man hat einfach seine Erklärungsmuster gehabt, die haben für viele Sachen ausgereicht und damit hat man es dann gut sein lassen. Das ist ja mittlerweile ganz anders.

Mittlerweile ist ja Wissensvermehrung ein zentraler Baustein unserer Gesellschaft geworden. Wir wollen einfach immer mehr, immer mehr, immer mehr wissen und das in Forschung, Entwicklung, aber auch im industriellen Maßstab umsetzen. Und diese wissenschaftliche Revolution selber ist ein ganz spannendes Kapitel, was bis in die Projektion der Zukunft mündet. Man geht da so in Bereiche rein wie Gentechnik oder auch das Klonen von Lebens, von Lebewesen. Bionik ist ein Teil, den er dort beschreibt, also die Art und Weise, dass Menschen stärker mit Maschinen zusammenwachsen. Dass es so ein bisschen nach Terminator klingt, hat einfach den pragmatischen Hintergrund, dass wir heute ja schon Prothesen haben, die auch so weit entwickelt werden, dass man schon fast mit Gedankenkraft die Gliedmaßen, die als Prothese dann eingepflanzt werden, dann steuern kann. Und in diesem Kontext versucht er natürlich dann auch so ein bisschen kritisch in die Zukunft zu gucken und mal so zumindest anzuregen, darüber nachzudenken. Ist das eigentlich alles so sinnvoll was wir dort veranstalten? Sind die Werkzeuge, die wir uns da geschaffen haben, eigentlich immer nur gut, oder was passiert damit so? Und dadurch, dass er im Vorfeld immer wieder gezeigt hat, dass der Homo sapiens ja erst mal als die schlimmste Plage bezeichnet wird, also einen unglaublichen Vernichtungsdrang hat und alles verdrängt und zerstört und tötet, glaubt er auch nicht daran, dass wir permanent immer nur positive Absichten mit diesen Techniken verfolgen.

Also auch ethische Fragen stellt er dort in den Raum und beschreibt auch so ein bisschen schöne neue Welt, bzw. dass vielleicht diese ganzen Hochtechnologien, die jetzt auch dazu führen, dass man vielleicht länger lebt oder ich sag jetzt mal theoretisch sogar unsterblich werden könnte, vielleicht nur den absolut Wohlhabenden irgendwann zur Verfügung steht und die sich dann selber reproduzieren. Also so in dieser Schiene. Er baut jetzt keine Dystopien auf, aber er regt halt schon so ein paar Gedankenmuster zum Nachdenken an oder gibt die halt vor und regt zum Nachdenken an und das ist so beängstigend, wenn man sieht, was hat der Mensch so im Laufe seiner Entwicklung eigentlich alles schon an Scheiße fabriziert? Ja, dann wird man da schon mal so ein bisschen misstrauisch.

Stefanie Ja, das kann man ja auch ganz aktuell sehen. Jetzt an der Diskussion zum Klimawandel. Wir wollen das alles nicht wahrhaben, aber wir zerstören eben unsere Lebensgrundlage. Und der Erde ist es ja eigentlich völlig wurscht, ob wir verschwinden oder bleiben. Für sie wäre es wahrscheinlich besser, wenn wir verschwinden würden.

Carsten Ja, er geht auch so ein bisschen in die Richtung, um das kritisch zu zeigen. Ich zitiere jetzt tatsächlich mal zwei Absätze aus dem Buch, die das sehr deutlich machen. Er schreibt hier:

“In den zurückliegenden Jahrzehnten haben wir das ökologische Gleichgewicht des Planeten auf verschiedenste Weise gestört und niemand kann die Konsequenzen absehen. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass wir gerade im Begriff sind, in einer Orgie des gedankenlosen Konsums die Grundlage unseres Wohlstands zu verprassen. Und schließlich können wir uns nur für die beispiellosen Errungenschaften des Homo sapiens auf die Schulter klopfen, wenn wir das Prinzip aller anderen Tiere ausblenden. Ein Gutteil der materiellen Errungenschaften, mit denen wir Hunger und Krankheiten überwunden haben, waren nur auf Kosten von Laboraffen, Milchkühen und Fließbandhühnchen möglich. In den vergangenen zwei Jahrhunderten haben wir Abermilliarden von Tieren in einem Regime industrieller Ausbeutung geknechtet, deren Grausamkeit in den Annalen des Planeten Erde ohnegleichen ist. Wenn nur ein Bruchteil der Behauptungen von Tierschützern stimmen, dann ist die moderne, industrielle Tierhaltung das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Wenn wir das globale Glück messen wollen, dürfen wir die Messlatte nicht bei Wohlhabenden, bei den Europäern oder bei den Männern und vermutlich nicht einmal nur bei den Menschen anlegen.“

Stefanie Ja, da müsste man eigentlich annehmen, dass er vegan lebt. Also sonst wäre es echt inkonsequent, wenn er so sagt und dann nicht. [Anmerkung: wir haben das mittlerweile recherchiert: er lebt vegan.]

Carsten Um das Ganze jetzt zum Abschluss zu bringen, möchte ich ganz gerne noch das Nachwort lesen, weil das auch nochmal klar macht, in welchem Sinne dieses Buch geschrieben ist. Er hat das Nachwort auch mit einer Überschrift tituliert „Von Tieren zu Göttern“:

“Vor 70.000 Jahren war der Homo sapiens ein unbedeutendes Tier, das in einer abgelegenen Ecke Afrikas seinem Leben nachging. In den folgenden Jahrtausenden stieg es zum Herrscher des gesamten Planeten auf und wurde zum Schrecken des Ökosystems. Heute steht er kurz davor, zum Gott zu werden und nicht nur die ewige Jugend zu gewinnen, sondern auch göttliche Macht über Leben und Tod. Leider hat die Herrschaft des Sapiens bislang wenig hinterlassen, auf das wir uneingeschränkt stolz sein könnten. Wir haben uns die Umwelt untertan gemacht, unsere Nahrungsproduktion gesteigert, Städte gebaut, Weltreiche gegründet und Handelsnetze errichtet. Aber haben wir das Leid in der Welt gelindert? Wieder und wieder bedeuteten die massiven Machtzuwächse der Menschheit keine Verbesserung für die einzelnen Menschen und immenses Leid für andere Lebewesen. Trotz unserer erstaunlichen Leistungen haben wir nach wie vor keine Ahnung, wohin wir eigentlich wollen und sind so unzufrieden wie eh und je. Von Kanus sind wir erst auf Galeeren, dann auf Dampfschiffe und schließlich auf Raumschiffe umgestiegen. Doch wir wissen immer noch nicht, wohin die Reise gehen soll. Wir haben größere Macht als je zuvor, aber wir haben immer noch keine Ahnung, was wir damit anfangen sollen. Schlimmer noch: Die Menschheit scheint hoffnungsloser denn je. Wir sind Self made Götter, die nur noch den Gesetzen der Physik gehorchen, niemanden Rechenschaft schuldig sind. Und so richten wir unter unseren Mitlebewesen und der Umwelt Chaos und Vernichtung an, interessieren uns nur für unsere eigenen Annehmlichkeiten, unsere Unterhaltung und finden doch nie Zufriedenheit. Gibt es etwas Gefährlicheres als unzufriedene und verantwortungslose Götter, die nicht wissen, was sie wollen?“

So, das waren jetzt zwei ziemlich heftige Passagen, die ich vorgelesen habe. Die habe ich deswegen genommen, um einfach zu zeigen, dass er zwar die Geschichte der Menschheit rekapituliert, aber dann nicht zwangsläufig zu einem positiven Ergebnis kommt, gleichzeitig aber auch eigentlich genug offen lässt, um die Leser·innen dann wirklich zu animieren, sich ein eigenes Bild zu machen. Und trotz der Schwere dessen, was ich jetzt gerade vorgelesen habe: Das Buch ist absolut lesenswert. Wenn du es noch nicht gelesen haben solltest, dann auf alle Fälle in der Bücherei mal nachschauen und unbedingt lesen.

Stefanie Und damit wollen wir jetzt diese Folge auch beenden.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

[Vier Jahre später haben wir eine Ergänzung zu dieser Folge aufgenommen: https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-281-von-indianern-und-homo-sapiens-als-schrecken-des-ökosystems]

Links zur Folge

Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari
https://www.buch7.de/store/product_details/1023086188

Hör auf Deine Zeit totzuschlagen!

Ein Beitrag

Folge 157 - Hör auf Deine Zeit totzuschlagen!

In dieser Folge

  • sprechen wir über die Magie der Zwischenmomente,
  • reden wir über die Herausforderungen die diese Momente beinhalten und
  • erörtern wir das Potential, das in diesen Momenten steckt.

Du kennst sie auch, die Zwischenmomente - wenn Du auf den Bus wartest oder im Wartezimmer sitzt. Wenn Du im Stau stehst oder in der U-Bahn sitzt. Wenn Du von einem Ort zum anderen reist. Wenn sich unerwartet ein Ereignis verzögert. Wenn Du auf die Geburt Deines Kindes wartest oder auch nur auf das Essen im Restaurant.

Das sind alles Zwischenmomente, in denen wir dazu neigen die Zeit totzuschlagen. Wir zücken unser Smartphone und checken unsere Social Media Profile. Wir lesen Zeitung oder ein Buch. Wir beschäftigen uns irgendwie. Oder wir sind genervt und hassen es zu warten.

Aber ginge es auch anders? Darüber sprechen wir in dieser Folge.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Astrid L.)

Carsten Und bevor wir jetzt gleich in das neue Thema einsteigen, möchten wir Beide uns noch ganz herzlich bedanken für unsere neue Enthusiastin Heike

Stefanie Genau - ganz, ganz herzlichen Dank! Es haben uns Steady-Unterstützer verlassen, aber es sind auch neue dazugekommen und das ist echt super. Wir freuen uns darüber und wir haben auch positive Rückmeldungen bekommen zu unserer Entscheidung, dass wir nur noch versuchen alle zwei Wochen zu senden. Wie du auch gemerkt hast, haben wir das noch nicht ganz durchgehalten. Wir senden auch mal jede Woche, aber wir nehmen uns jetzt einfach die Freiheit raus, ab und zu auch mal alle zwei Wochen zu senden und experimentieren halt noch mit diesem Format, wie es für uns passt. Und ja, ganz ganz herzlichen Dank Heike, dass du uns jetzt unterstützt über Steady und auch ganz lieben Dank an alle anderen Steady-Unterstützer und Unterstützerinnen.

Carsten Genau, das freut uns sehr. Tatsächlich eine solche - darf man euch Fans nennen? - eine Fanbasis zu haben.

Stefanie Unsere Fans. Oh ja.

Diese Folge ist tatsächlich inspiriert von Ajahn Brahm, einem buddhistischen Mönch, der in Australien lebt und der schon verschiedenste Bücher geschrieben hat, aus denen ich schon Geschichten vorgelesen habe. Und diesmal werde ich keine Geschichte vorlesen, weil diese Geschichte so kurz ist, dass ich sie tatsächlich wiedergeben kann. Also so ohne sie zitieren zu müssen. Und zwar geht es um die Zwischenmomente und als ich Carsten von den Zwischenmomenten erzählt habe, hat er mich erst mal angeguckt wie ein Auto.

Carsten Ja, natürlich musste ich Dich so angucken, denn was um alles in der Welt sind Zwischenmomente? Also gut, jetzt weiß ich es. Aber das war damals die Frage.

Stefanie Genau. Und ich war total froh, als ich dieses Wort gefunden habe. Denn, also in dieser Geschichte, die Ajahn Brahm da in seinem Buch - das ist „Der Elefant, der das Glück vergaß“ - in dem Buch ist das irgendwie die soundso viel hundertste Geschichte oder so. Nein, es basiert auf diesen 108 Verbeugungen vor Buddha und da sind eben 108 Geschichten drin und ich weiß jetzt nicht die wievielte das ist, aber jedenfalls weiter hinten, falls du sie auch alle lesen möchtest und die heißt auch irgendwie Zwischenmomente. Und er beschreibt da eben einfach diesen Moment. Er hat vorher, bevor er Mönch geworden ist, war er High School Lehrer in London und da hat er einen Kollegen gehabt, der damals eine bessere Stelle angeboten bekommen hat. Aber er konnte die erst in einem halben Jahr antreten. Und dieser Kollege war dann irgendwie so unglücklich und mit der Situation, dass er jetzt ein halbes Jahr warten musste, also so auf diesen neuen Job und hat dann aber gleichzeitig gehadert, weil er gedacht hat, ich möchte die Zeit nicht totschlagen und das sind quasi diese Zwischenmomente, dass wenn du auf etwas wartest, also sei es irgendwie auf die Geburt des Kindes zum Beispiel, das ist ja auch also alle werdenden Eltern und alle schon seiende Eltern wie auch immer... Also wenn du Vater oder Mutter bist, weißt du Bescheid, wie das so ist. Du wartest und wartest. Vor allem wenn das Kind erst nach dem errechneten Termin sich blicken lässt, ist es tatsächlich eine Geduldsprobe. Und ich glaube auch vor allem beim ersten Kind. Wobei ich jetzt erst letztens mit einer Mutter gesprochen habe die gerade ihr sechstes Kind erwartet und wir haben an dem Tag errechneten Termin miteinander gesprochen und sie meinte: „Jetzt könnte es mal echt langsam kommen“ und die hatte genau das gleiche Problem, das sie eben gedacht hat, das ist so nervig zu warten, obwohl es schon das sechste war. Also es kann nicht immer daran liegen, wie viel Kinder man schon bekommen hat. Aber jedenfalls auch wenn du irgendwie reist und die Bahn hat Verspätung, du wartest oder du sitzt im Wartezimmer und beim Arzt und wartest. Also generell diese Zwischenmomente eben, wenn du auf der Reise bist von A nach B. Und ich war echt froh, als ich dieses Wort gefunden habe, weil wir ja schon länger gehadert haben mit diesem Langsamreisen, wie wir ja auch in der vorangegangenen Folge gesprochen hatten, dass es darum geht, um Nachhaltigkeit und dass wir dann auf Flugreisen verzichten und auch jetzt eigentlich die meiste Zeit aufs Auto und dann mit der Bahn reisen. Und wenn du schon mal mit der Bahn gereist bist, weißt du, dass es da auch zu Verzögerungen kommen kann. Und ja, also so die regelmäßigsten Reisen, die wir antreten, sind quasi zu Carstens Eltern und da hat sich unsere Reisezeit halt verdoppelt, also mehr als verdoppelt schon fast. Also wenn man das so rein Auto- und Zugtechnisch sieht und das eben hinzunehmen. Also zu sagen „okay, ich reise“. Das war bisher für mich sehr schwer, das irgendwie zu akzeptieren. Ich mache es halt. Ich halt gedacht „okay, ich mache das aus Gründen der Nachhaltigkeit, ich mache das aus Gründen der Nachhaltigkeit....“ Aber es war schwer, das zu akzeptieren. Und als ich jetzt dieses Wort gefunden habe, habe ich gedacht „Ja, das stimmt“. Diese Zwischenmomente, die gibt es halt immer wieder, ob wir wollen oder nicht. Und es geht jetzt darum, die irgendwie zu nutzen, also sie auch so anzunehmen und sie als Teil des Lebens willkommen zu heißen quasi.

Carsten Hm, ja, also ich habe jetzt gerade tatsächlich die Erkenntnis, dass ich Teil dieser Zwischenmomente oder eigentlich tägliche Zwischenmomente intuitiv schon fülle. Und zwar, das wird jeder andere wahrscheinlich auch kennen, der Weg zur Arbeit oder auch der Rückweg. Da habe ich jetzt den kleinen Vorteil, dass ich eine gewisse Wegstrecke hier in Hamburg mit den HVV Fähren zurücklegen muss. Das kann ich immer nach Gusto variieren. Ich habe dort eine Strecke zwischen zehn Minuten und 30 Minuten, je nachdem an welcher Haltestelle ich aussteige. Steige ich früher aus, dann fahre ich halt noch ein etwas längeres Stück mit Fahrrad. Manchmal bleibe ich aber auch oder in letzter Zeit häufiger dann quasi komplett in der Fähre sitzen und fahr bis zur Endhaltestelle. Dann habe ich halt eine halbe Stunde. Aber das sind ja dann eigentlich auch Zwischenmomente. So, und diese halbe Stunde, die gönn ich mir. Das ist jetzt nicht, dass ich hier sage okay, ich könnte jetzt vorher aussteigen. Dann bin ich mit Fahrrad tatsächlich ein paar Minuten schneller und dementsprechend auch früher im Büro. Sondern ich gönne mir halt diese Pause dadurch, dass ich dann auch die Möglichkeit habe, mal ein Buch zu lesen. Also das ist für mich jetzt tatsächlich Lesezeit. Da musste ich mich erst mal so ein bisschen drauf einlassen. Am Anfang war es für mich wichtiger zu sagen okay, ich möchte jetzt schnell, schnell, also den Arbeitsweg so kurz und so schnell wie möglich. Mittlerweile bin ich da ein bisschen ruhiger. Wobei Fähre fahren natürlich auch noch mal eine andere Qualität hat als jetzt reisen mit dem Zug, Das mache ich ja beruflich häufiger und da muss ich sagen, da unterscheide ich schon noch zwischen dem Arbeitsweg auf der Fähre und eben den Zugfahrten hin zum anderen Firmenstandort. Also Zug fahren ist dann noch lange nicht so angenehm und auch ein bisschen schwieriger, als diesen Zwischenmoment zu genießen. Gerade wenn es dort zu Verzögerungen und mit Anschlusszügen etc. kommt.

Stefanie Ja, also was, glaube ich, so die generelle Herausforderung mit diesen Zwischenmomenten ist die, quasi nicht als verlorene Zeit anzusehen und diese Momente nicht totschlagen zu wollen. Also der Ajahn Brahm schrieb dann auch, dass die Mordrate sich verringern würde rapide, weil man dann eben nicht mehr die Zeit totschlagen würde. Und ich denke, das ist tatsächlich die größte Herausforderung, der wir uns dann stellen müssen. Diese Zwischenmomente als was Positives auch zu deuten und nicht nur so also „oh, jetzt muss ich das noch“ und „oh nein, das noch“ und total ätzend so, sondern auch bei Reisen... vielleicht kann man das üben also so, dass gerade bei Reisen die man freiwillig macht, so nach dem Motto der Weg ist das Ziel. Also schon die Reisestrecke als Teil des Ganzen mit einzuplanen. Und vielleicht auch, bei Urlaubsreisen ist es wahrscheinlich am einfachsten, die Wegstrecke irgendwie so zu wählen, dass sie besonders angenehm ist. Und vielleicht auch nicht Dinge zu machen, nur um die Zeit totzuschlagen, so wie wir alle automatisch unsere Smartphone zücken und da dann irgendwie irgendwas lesen, anschauen, hören. Sondern eben ganz bewusst vielleicht irgendwas machen, was wir sonst, wenn wir Zeit mit uns verbringen wollen, auch machen würden. Wie dann halt, ich weiß nicht, ob meditieren funktioniert im Zug. Aber zum Beispiel, in meinem „Von Herzen vegan“- Podcast hatte ich Daniela Binder interviewt und sie hat halt ganz viel über Mandala Malen und Art Journaling und so was gesprochen, was sie halt auch als Entspannungswerkzeug nutzt. Und das ist ja dann zum Beispiel auch eine Art, dass du einfach anfängst zu malen. Das wäre dann eine Möglichkeit zu entspannen. Das sinnvoll nutzen, dann ist natürlich die nächste Frage: „Ist es so? Müssen wir jeden Moment sinnvoll nutzen?“

Carsten Ja, schwierig. Ich hab das gerade mal so ein bisschen durchdacht für die Situationen, die mir so im Alltag begegnen. Das fängt an von auf dem Fahrrad fahren, da habe ich nicht so viele Möglichkeiten. Da kann ich höchstens irgendwie noch mit Kopfhörer Musik oder Podcasts oder Hörbücher hören. Oder eben mit den öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwo unterwegs sein. Autofahrer werden dann eher so die Situation haben, mal im Stau zu stehen. Das sind ja alles so Sachen.... naja, egal ob ich jetzt im Bus mit - keine Ahnung - 50 anderen Personen bin und im schlimmsten Fall noch nicht mal einen Sitzplatz habe. Das dann als qualitative Zeit zu nutzen im Sinne von „ich male jetzt ein Mandala“ oder so. Also ich glaube das geht dann nicht. Da muss man sich dann auch tatsächlich eingestehen, dass so diese dieser..... Ja, für mich wäre es eine qualitative Zeit, die ich versuchen würde zu verbringen. Das schaffe ich wieder in so einer Umgebung wie in einem vollbesetzten Bus und wahrscheinlich genauso wenig in einer Stausituation, wo ich die ganze Zeit anfahren muss als Autofahrer, sondern da liegt wahrscheinlich die Kunst eher darin, ruhig zu bleiben, sich nicht aufzuregen, sondern tatsächlich erst mal diese Ruhe zu bewahren.

Stefanie Ich könnte mir vorstellen, dass es da dann eben die Übung ist zu atmen. Und was du ja durchaus in jeder Situation machen kannst, egal ob auf dem Fahrrad, im Stau oder sonst irgendwo. Atmen geht immer. Dass du halt merkst, einfach bei dir zu sein und dann so eben diese Übung zu meistern. Zu sagen okay, das ist jetzt eine unangenehme Situation. Und ich bin aber hier. Es ist halt jetzt gerade so!

Carsten Ja, also tatsächlich so Richtung Entspannung, das ist tatsächlich das, was mir auch so durch den Kopf schießt. Habe ich in den meisten Fällen auch. Also für mich ist es am Wochenende so ein bisschen ein Einkaufstrubel, da wo ich auch mit dem Bus noch eine Strecke zurücklegen muss. Interessanterweise erwische ich immer so diese Zeiten, wo unser halber Stadtteil mit mir in den gleichen Bus einsteigen möchte. Dass es dann, wenn man dann vollgepackt gepackt mit Tasche und Koffer wollte ich gerade schon sagen, da jetzt eine halbe Stunde noch im Bus rumstehen muss, nicht unbedingt immer angenehm. Aber im Laufe der Zeit - und ich glaube, das ist auch tatsächlich etwas, wo die Gewohnheit dann mal rein spielt - da habe ich festgestellt, dass es zumindest während der Fahrt für mich keine große Belastung mehr ist. Am Anfang musste ich mich tatsächlich so überwinden, also die ersten paar Male, wo ich da im Bus war, hatte ich immer so „...oh, Mist, jetzt bis zu spät gekommen, jetzt kriegst Du kein Sitzplatz, jetzt musst Du wieder eine halbe Stunde stehen und wie hältst du es da jetzt noch aus...“ und so. Also diese ganzen Gedanken, die hochkommen, die einfach ganz weit weg von allem „Ich fühl mich jetzt so ruhig und gelassen. Gefühl“ führen. Und mit der Zeit habe ich dann gelernt, das zu akzeptieren. Das gehört halt für mich dazu. Ich meine, es ist meine Entscheidung, genau diesen Einkaufsrhythmus zu leben. Bei uns ist es halt motiviert dadurch, dass eben der Unverpackt-Laden so ein bisschen weiter weg ist. Aber ich komm dann jetzt mittlerweile sehr schnell zu so einem Ruhepol, wo ich sagen kann, egal wie viel Trubel jetzt um mich ist, ich für mich selber bin eigentlich ruhig, weil es ja letztendlich auch meine Entscheidung ist, mich da jetzt rein zu stellen und eben diese halbe Stunde durch die Gegend zu fahren.

Stefanie Ja, ich glaube, das ist das Wichtige, dass es halt einerseits Möglichkeiten gibt, diese Zwischenmomente zu erleben, dass ich das selber gewählt habe dadurch, dass ich eben zum Beispiel da den Einkaufsweg so wähle oder dass ich die Reise so wähle. Und das andere sind halt wie Stau oder Verspätungen oder was auch immer für Situationen, in denen ich mich auf einmal wiederfinde, also die ich nicht selbst gewählt habe. Und ich glaube, das ist die Kunst, dann da jeweils bei mir zu bleiben, ruhig zu bleiben und das einfach anzunehmen. Das ist dann eben so. Und klar, du kannst halt ganz schnell in dieses Rattern reinkommen und sagen „Ah so und grrr so“, aber es wird dir in keinem Fall gut tun, da dann wirklich durchzudrehen und alles doof zu finden. Ich glaube, dass es tatsächlich schöner und besser und gesünder ist für uns, wenn wir dann bei uns bleiben und das als Übungs-Chance nutzen und immer mehr in uns ruhen und gelassener werden. Was natürlich wie gesagt nicht heißt, dass man gleichgültig gegenüber der Welt und allem ist, sondern eigentlich mehr in sich ruht.

Carsten Ja, genau das ist in sich ruhen. Denn je mehr dann natürlich dieser Stress von außen auf auf einen wirkt, desto wichtiger finde ich es, dass dieses in sich ruhen dann auch tatsächlich praktiziert wird. Also das klingt jetzt so nach buddhistischer ich meditiere da jetzt im Bus oder so. Das nicht. Aber wenn ich merke, dass mich bestimmte Sachen jetzt stressen, weiß ich mittlerweile aus persönlicher Erfahrung, dass wenn ich jetzt zum Handy greife und fange an rum zu surfen oder irgendein Spiel zu daddeln, wird mich das wahrscheinlich noch mehr stressen.

Stefanie Wobei das Spiel daddeln.... da muss ich jetzt mal einschreiten, ist tatsächlich ja auch eine Art Entspannungsmethode. Da möchte ich noch mal auf Jane McGonigal hinweisen mit Gamefähigkeit, die das wissenschaftlich bewiesen hat, dass es durchaus dich entstressen kann, bestimmte Spiele zu spielen. Es gibt ein paar Regeln, was du beachten solltest, aber so was wie Tetris oder diese ganzen anderen ähnlichen Spiele sind durchaus sinnvoll. Ja, da muss ich dich jetzt mal einmal in die Schranken weisen. Ja, das ist durchaus sinnvoll.

Carsten Gut, dann bleiben wir bei dem Beispiel Instant Messenger wollte ich gerade schon sagen.... Nein. Social Media, Instagram etc. Das, was ja eigentlich jeder bei uns so in der Öffentlichkeit wahrnimmt, wenn die Leute ihre Handys zücken. Dieses Durchblättern und durch scrollen durch diverse Social Media Kanäle. Ich glaube, dass das im Endeffekt mehr stresst, als wenn man jetzt das Gerät einfach mal ausschaltet in die Hosentasche oder wo auch immer hin steckt. Einfach mal keine Ahnung die Augen zumacht und versucht immer so ein bisschen abzuschalten.

Stefanie Ja, ich denke gerade das mit in Social Media ist tatsächlich ja dann auch der Fall, dass dann wieder im Außen unterwegs bist bei anderen Menschen und nicht bei dir. Und es geht ja jetzt gerade dann um dich. Also es sind eigentlich Chancen, wo du üben kannst bei dir zu sein. Und es gibt ja verschiedenste Übungen, die du durchführen kannst und da kannst du gerne auch nochmal meinen „Von Herzen vegan“-Podcast rein hören. Da stelle ich ganz, ganz viele Übungen vor, wie du gelassen bleiben kannst und, was ich auch.... Ich habe mal angefangen mit Wing Chun. Ja, also das habe ich dann leider nicht mehr weitergemacht. Aber dieses Stehen, was du am Anfang halt so lernst, ist diese Standfestigkeit, die hat mich immer beeindruckt, weil die Menschen, die ich da gesehen habe, die das praktiziert haben, die das schon länger gemacht haben, die hatten einfach so einen festen Stand und du musst es dann halt ausprobieren, die weg zu schubsen quasi und die sind einfach stehengeblieben, so als hätten die Gewichte im Po. Also so einen richtig festen, gelassenen Stand. Das finde ich sehr, sehr bewundernswert, einfach so stehen zu können und dieses Gefühl zu haben. Und du stehst halt fest mit beiden Beinen auf der Erde und dich kann so schnell nichts umhauen. Und ich denke, das ist eben auch genau das, was wir brauchen als Veganer und Veganerinnen in einer nicht veganen Welt, weil wir halt ständig überall mit diesem negativen Kram konfrontiert werden als Minderheit. Und wenn wir dann so einen festen Stand haben und in uns ruhen, dann können wir halt viel gelassener reagieren. Diese Zwischenmomente sind also tatsächlich tolle Chancen, um zu üben, einfach zu üben, bei dir zu sein und gelassen zu bleiben. Und ich finde es einfach so toll, dass ich dieses Wort gefunden habe. Und für mich fühlt sich das auch so ein bisschen magisch an. Das ist einfach so diese Momente, in denen du die Chance hast, bei dir zu sein.

Carsten Die geben dem Ganzen jetzt ein positives Bild. Sind ja eigentlich so Situationen, wo man versucht, möglichst schnell durchzukommen oder Situationen, die man vermeiden möchte. Und jetzt mit dem Begriff Zwischenmomente, das klingt ja schon fast so wie wie zwischen den Jahren oder so. So Rauhnächte, irgendwie so eine Phase, die irgendwie magisch ist oder irgendwas Besonderes darstellt.

Stefanie Ja und vielleicht hast du ja auch Erfahrungen mit Zwischenmomenten gemacht und möchtest uns davon berichten, wie du sie nutzt. Oder vielleicht inspiriert dich diese Folge auch dazu, die Zwischenmomente in deinem Leben anders zu sehen und wir freuen uns auf jeden Fall immer über Erfahrungsberichte. Schreib uns gerne eine Email oder einen Kommentar. Ja, und dann würde ich sagen, war es dann es auch schon, oder?

Carsten Ja, und jetzt in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 156 - Vegan ist immer nachhaltig

Ein Beitrag

Folge 156 - Vegan ist immer nachhaltig

In dieser Folge

  • sprechen wir über die Annahme vegan sei immer nachhaltig,
  • reden darüber, was tatsächlich nicht nachhaltig ist und wie wir damit umgehen und
  • erzählen Dir von Erfahrungen aus unserem Alltag

Du lebst vegan aus Gründen der Nachhaltigkeit? Aber lebst Du dann auch plastikfrei, ernährst Dich möglichst saisonal und regional, fliegst nicht und achtest auch sonst auf einen geringen CO2-Abdruck?

Der Versuch nachhaltig zu leben ist mit vielen Fallstricken verbunden und sich nur von veganen Lebensmitteln allein zu ernähren, ist zwar ein erster Schritt, aber noch längst nicht das Ziel.

Sich vegan zu ernähren kann auch ziemlich unnachhaltig sein- darüber sprechen wir in dieser Folge.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Nachdem wir in der vorangegangenen Folge darüber gesprochen haben, dass vegan immer gesund ist, wollen wir heute darüber sprechen, dass vegan auch immer nachhaltig ist.

Carsten Ja, es ist ein wichtiges Thema, weil es genauso in den Medien dargestellt wird. Bist du vegan, dann ist das quasi der Freibrief. Du bist der nachhaltigste Mensch auf der ganzen Welt.

Stefanie Und wie du vielleicht auch schon an unserer Wortwahl erkennst, ist es tatsächlich nicht so. Als ich so in den ersten Monaten vegan war, habe ich auch diese typischen Argumente gehört, warum denn jetzt die anderen alle nicht vegan leben und da war auch teilweise mit dabei: „Ja, ich kann nicht vegan leben, ich versuche auf Plastik zu verzichten.“ Und da habe ich dann immer gedacht, Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Aber klar, es ist auch viel in Plastik verpackt und das ist natürlich auch ein Punkt. Also vegan ist nicht immer nachhaltig, das sehen wir schon an der Verpackung. Vegan kann genauso wenig nachhaltig sein, wie nicht-vegane Lebensmittel. Und es sollte aber meiner Meinung nach so sein, dass wenn etwas nachhaltig ist, es auch vegan sein sollte.

Carsten Ja, das stimmt. Dieses Argument von wegen ich kann nicht oder vegan fällt schwer, weil da so viel Plastik mit zusammenhängt, das war mir schon gar nicht mehr im Kopf, da konnte ich mich schon gar nicht mehr dran erinnern. Aber wo du es jetzt gerade erwähnst. Wenn ich jetzt gucke, wie wir unseren Einkauf gestalten und auch in den Unverpackt Laden gehen, das ist ja eigentlich genau das Gegenteil.

Stefanie Ja, wobei. Also wenn du in den Supermarkt gehst und dann pflanzliche Wurst und pflanzlichen Käse dort kaufst, dann ist das in Plastik verpackt, wenn du Tofu kaufst, das ist in Plastik verpackt, es sei denn, du kaufst den Tofu im Glas. Da gibt es aber dann nicht diese verschiedenen Geschmacksvarianten, wie wir sie auch gerne kaufen. Das heißt, ich kann das schon verstehen. Es gibt sehr viel in Plastik verpackt ist und auch in veganen Lebensmitteln kann Palmöl mit drin sein, was auch nicht nachhaltig ist.

Carsten Genau. Aber, um noch mal so auf diesen Plastikaspekt zurückzukommen Das, was wir so in diesen UnverpacktLäden, egal ob wir das jetzt hier in Hamburg oder in anderen Städten vorfinden, ist erst mal vom Sortiment großteils vegan. Also ja eigentlich von Natur aus vegan. Ja, dementsprechend ist da die Möglichkeit vegan unverpackt einzukaufen schon generell gegeben. Wenn man denn jetzt auf diese UnverpacktLäden Zugriff hat und auch Wert legt, dort zu kaufen.

Stefanie Ja und auch wenn du keinen Unverpacktladen hast, kannst du ja trotzdem plastikfrei einkaufen. Wenn du Dinge wie Obst und Gemüse zum Beispiel, die ja generell vegan sind. Wenn wir jetzt nicht weiter gehen als bis zum Anbau, weil dann wären sie ja theoretisch nicht vegan, wenn sie mit nicht veganem Dünger gedüngt wurden und nicht veganen Pestiziden behandelt wurden und so was. Also wenn wir das jetzt außer Acht lassen, ist Obst und Gemüse von Natur aus vegan und das kannst du ja durchaus auch im normalen Supermarkt unverpackt kaufen, wenn du es dir einfach so in den Wagen legst. Also da brauchst du nicht in den Unverpacktladen zu gehen.

Carsten Ja, und beim Kauf muss man ja auch ein bisschen über die ganz normalen Nahrungsmittel hinweg schauen. Da sind ja auch Haushaltsreiniger, Kosmetikprodukte etc.. Also wenn ich da wirklich nachhaltig unterwegs bin und egal, ob ich jetzt vegan oder nicht vegan orientiert bin, ich muss mir natürlich immer die Frage stellen: Kaufe ich da jetzt irgendwie was Vorgefertigtes, dann habe ich zwangsläufig immer Plastik oder bin ich bereit, die Sachen selber anzumischen? Was ja, wenn man die Rezepturen mal gesehen hat und auch weiß, wo man die Rohstoffe dafür bekommt, eigentlich nicht der riesige Aufwand ist. Dann ist es natürlich auch relativ einfach, zu einem veganen und verpackungsfreien Umfeld hinsichtlich von Kosmetika und und Haushaltsprodukten zu kommen.

Stefanie Ja, und nachhaltig heißt ja jetzt nicht nur Verpackungen oder plastikfrei, sondern es kommt ja dann auch, wenn man jetzt noch mal wieder zurück zu den Lebensmitteln kommt, darauf an, wie viel Wasser zum Beispiel verbraucht wird, um diese Lebensmittel anzubauen, was jetzt zum Beispiel beim Mandeln der Fall ist. Vieles ist ja so auf Mandelbasis, was man veganes bekommen kann. Das wäre in diesem Fall dann auch nicht sehr nachhaltig. Und Kokos? Da wird viel darüber gestritten, wie nachhaltig das ist. Und wenn wir in diese Richtung schauen und sagen okay, ist das denn jetzt nachhaltig angebaut worden? Ist das denn nachhaltiger als nicht vegane Lebensmittel? Dann kann man sich da schon drüber streiten.

Oder auch, wenn man unter Nachhaltigkeit auch faire und ethisch vertretbare Lebensmittel versteht, wie Kakao zum Beispiel. Da hatten wir auch schon eine Folge drüber gemacht, dass wenn man da dann schaut, okay, welche Bedingungen gibt es da, wie das angebaut wird oder wo kommt das her? Wie wird das hierhin transportiert? Die langen Transportwege, wie wird es verarbeitet? Was sind da die einzelnen Schritte, um dann zu schauen, wie nachhaltig ist das? Dann kann man schon sagen, dass viele vegane Lebensmittel nicht unbedingt nachhaltig sind.

Carsten Wobei das natürlich auch durchaus Lebensmittel sind, die jetzt in einer nicht veganen Küche auch vornehmlich eingesetzt werden oder zunehmen. Also wenn ich mir jetzt gerade dieses Paradebeispiel Avocado nochmal anschaue, das ist ja richtig im Boom, was da losgetreten wurde und es kann mir keiner erzählen, dass das jetzt ausschließlich aus der veganen Bewegung erwachsen ist.

Stefanie Das ist dann wieder so eine healthy Lifestyle Sache. Aber ich finde, das ist dann auch keine Entschuldigung zu sagen: Naja, die anderen machen es auch, deswegen ist es für uns okay.

Carsten Also Entschuldigungen lasse ich an der Stelle sowieso nicht zu, auch wenn du es von außen betrachtest. Würdest du einen großen Warenkorb schnüren und würdest jetzt den Warenkorb von einer vegan lebenden Person mit einer nicht-vegan lebenden vergleichen. Dann wirst du, egal wie der Warenkorb bei den Veganern aussieht, mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, so unterm Strich ist das eigentlich nachhaltiger. Ja, die Frage ist, was dann dort als nachhaltig definiert ist, ist das eigentlich auch wirklich das Optimum da, wo man hinsteuern sollte? Oder ist das noch weit davon entfernt, wo man sagt: Ja, kannst du damit zufrieden sein?

Und ja, diese Sachen, die wir jetzt gerade genannt haben, also Avocados, Mandeln, Kakao, generell das Palmöl Thema, auch Bananen – das sind alles so Sachen, wo einfach noch ganz viel Luft nach oben für Verbesserungspotential da ist. Da darf man sich beim besten Willen nicht drauf ausruhen und sagen: Hey, ich bin jetzt vegan, alles gut. Sondern da muss man sich auch wirklich dann eingestehen, dass das, was man dort hat, im Grunde genommen naja, ich sag immer so semi beste Wahl ist. Die beste Wahl muss man vielleicht erst noch schaffen oder man findet sie irgendwo anders. Man muss da ein bisschen mehr in die BezugsquellenRecherche einsteigen, aber das ist nicht per se so, dass ich mit vegan im Warenkorb raus aus dem Supermarkt als das Nonplusultra ansehen dürfte.

Stefanie Ja, was wir jetzt gerade auch sagten: Nachhaltigkeit bezieht sich auch auf Transportwege und dann wäre regional und saisonal das Sinnvolle. Aber dann schränkt sich natürlich die Auswahl ganz stark direkt ein. Natürlich wäre es super, wenn man selber anbaut. Dann müsste man nochmal schauen, womit man anbaut. Da wären wir wieder bei biozyklisch veganem Anbau und es gibt also viele Faktoren, die wir beachten sollten. Die Frage ist dann jetzt tatsächlich, was ist denn überhaupt dann nachhaltig an vegan?

Carsten Also naja, vegan ist ja insofern nachhaltig, wenn du ein Kontrastprogramm hast mit Fleisch oder mit tierischen Produkten. Also allein dieser Kontrast rechtfertigt ja schon zu sagen Vegan ist an der Stelle deutlich nachhaltiger, was Wasserverbrauch, CO2 Ausstoß etc.. Also im Grunde genommen die komplette Energie, die aufgebracht werden muss, um diese Lebensmittel herzustellen aus tierischen Produkten. Das fällt natürlich im Großteil weg, wenn du nur noch rein vegane Produkte hast. Aber wie gesagt, ich bin dann der Meinung, da darf man sich nicht darauf ausruhen und sagen: Hey, das ist schon total super im Vergleich zu sondern, wenn ich mich immer nur mit dem schlechtesten vergleiche, dann heißt das noch lange nicht, dass ich das Beste da raus bekomme.

Stefanie Das ist ja auch so ein bisschen dieses Argument, wenn manche sagen, dass auch Pflanzen Gefühle haben, dass man dann teilweise nicht weiß, wie man darauf reagieren soll. Aber es ist ja nun mal so, selbst wenn Pflanzen Gefühle hätten, wäre es immer noch besser, diese zu essen als die Tiere zu essen, weil man dadurch ja noch mehr verbraucht, weil die Tiere ja erst die Pflanzen essen und dann isst man die Tiere so, dass du einen viel größeren Verbrauch hast. Also nachhaltiger ist es tatsächlich dann die Pflanzen zu essen und nicht die Tiere, weil die Tiere einfach das vielfache von dem verbrauchen. Also dein Stück Fleisch oder dein Stück Fisch hat ein Vielfaches von dem verbraucht, was wir jetzt so ohne diesen Umweg verbrauchen würden.

Carsten Genau. Eine andere Sache, die mir jetzt so noch in den Kopf gekommen ist, von wegen Nachhaltigkeit ist das Thema Reisen, Flugverkehr. Ich habe manchmal so den Eindruck, wenn man so in diesen Social Media Kanälen zappt und und die vegane Community dort bestaunt, dass halb Veganistan in Bali stattfindet. Und dann frage ich mich natürlich öfters, wie das denn mit diesen Nachhaltigkeitsaspekten da unter einen Hut zu bringen ist. Also ich bekomme das schon mit, dass ein Teil - ich weiß nicht, ob er groß oder klein ist - aber ein Teil der veganen Szene immer noch ausgedehnte Reisebereitschaft zeigt, die nicht unbedingt nachhaltig ist. Und das ist etwas, wo ich mittlerweile von meiner Persönlichkeit her sagen muss: Nee, das möchte ich gar nicht mehr, das kann ich vor mir selber nicht mehr rechtfertigen. Also da bewundere ich so Menschen, die einfach auch teilweise stoisch sagen: Ich, ich nehme die öffentlichen Verkehrsmittel und ich reise nur noch dahin, wo ich tatsächlich mit Bus und Bahn hinkomme. Und alle anderen Reiseziele sind für mich nicht mehr attraktiv.

Stefanie Und ja, es gibt ja auch viele, die tatsächlich sagen okay, ich habe jetzt so und so viel eingespart durch meine vegane Ernährung und deswegen kann ich mir jetzt diesen Flug leisten, sozusagen als Ausgleichsrechnung. Und ich will natürlich niemandem das Reisen madig machen, aber ich würde jetzt tatsächlich auch nicht mehr fliegen aus diesem Nachhaltigkeitsgrund, weil wir uns das einfach nicht leisten können, so als gesamte Menschheit zu sagen okay, ich habe hier ein bisschen gespart und deswegen kann ich mir jetzt das leisten.

Carsten Diese Rebound Effekte, .ja, genau. Egal ob ich dann auch noch CO2 neutral reise, das ist ja letztendlich auch nur für mich. Es ist schon fast wieder so ein Ablasshandel. Der Schaden ist angerichtet. Da kann ich noch so viele Bäume pflanzen, die ja auch erstmal wachsen müssen, bevor sie dann wieder klimaneutral agieren können. Und nachher, wenn sie verbrannt werden, wird das, was dann aufgesogen wird, sowieso wieder in die Luft entladen. Also das ist immer so ein zweischneidiges Schwert. Also von daher, wenn ich die Möglichkeit habe zu fliegen oder nicht zu fliegen, dann ist aus meiner Perspektive von Nachhaltigkeit und ökologischen Gesichtspunkten, immer nicht zu fliegen die bessere Wahl.

Stefanie Ja, das klingt jetzt tatsächlich so ein bisschen so, als wäre vegan überhaupt gar nicht nachhaltig. Also wir hatten zwar vorhin schon so ein bisschen angerissen, was jetzt nachhaltig sein könnte. Lass uns doch noch einmal kurz die Fakten nennen, was denn jetzt überhaupt das Nachhaltige am Veganen ist. Denn es gibt ja durchaus Menschen, die aus Nachhaltigkeitsgründen vegan leben.

Carsten Ja, also für mich, und das ist vielleicht ein Fakt, den hätte ich jetzt nicht erwartet, ja, ist das das absolut Wesentliche. Die Tatsache, dass dadurch, also ich spreche jetzt von von mir als Person, dadurch, dass ich jetzt vegan lebe und damals auch diese Entscheidung getroffen habe, mich ins vegane Leben zu begeben, hinterfrage ich die Dinge und habe dadurch eine Wahl. Und das hat ja nicht mit der Frage „Ist das jetzt tierlichen Ursprungs ja oder nein?“ aufgehört. Ist das jetzt vegan oder kann das weg? Nein, es ist ja tatsächlich damit eine konkrete, kritische Position in mein Leben gekommen und die ermöglicht mir jetzt natürlich auch bei anderen Bereichen immer weiter zu forschen, zu fragen und dann eine bessere Wahl zu treffen.

Ob ich die optimale Wahl treffe, sei mal dahingestellt, aber ich kann mich an der Stelle verbessern und das ist ja nur möglich, indem ich das dann hinterfrage. Also das ist tatsächlich etwas, was ich für ganz wichtig halte. Und was die reinen Fakten betrifft, die für eine vegane Ernährung sprechen, ist es ja das. Egal was du jetzt anschaust, im Rahmen der Produktion von Lebensmitteln, egal ob Energieverbrauch, ob Wasserverbrauch, ob der CO2 Ausstoß, ob die Landnahme, die dort mit einhergeht, ob jetzt Monokultur, ob jetzt Verdrängung auf den Weltmärkten, dadurch, dass in sogenannten Entwicklungsländern Waldflächen gerodet werden oder andere Flächen für Nahrungsmittel oder für Futtermittel, muss man ja sagen, verwendet werden. All das sind ja Aspekte, die fallen zum Teil weg oder fallen in der Schwere nicht mehr ansatzweise so groß aus, wenn ich mich jetzt auf eine vegane Ernährung einlasse.

Stefanie Ja, es ist ja dann auch noch der Aspekt, wo du jetzt gerade sagtest der Landnahme und auch generell Weltmärkte, was bei der Milch zum Beispiel der Fall ist, dass dann da das Milchpulver exportiert wird und dadurch werden in Afrika zum Beispiel die Märkte zerstört. Was aber auch mit Hähnchenteilen funktioniert, die dann exportiert werden. Also das, was wir hier nicht essen wollen, das exportieren wir und dadurch zerstören wir dort die Märkte. Das macht natürlich jetzt die Welt nicht veganer, wenn wir sagen, wir zerstören deren Märkte, also wir nehmen denen die Chance, selber Milchkühe zu halten und selber Hühner zu schlachten. Denn wenn wir denen die Chance wieder geben, würden sie es ja wieder machen. Aber der erste Schritt wäre ja tatsächlich damit aufzuhören, überhaupt dort was zu zerstören. Und der zweite Schritt dann zu sagen okay, die Welt wird vegan.

Carsten Ja und in der Hinsicht finde ich es mittlerweile recht schön, auch in den Mainstream Medien immer mal wieder so eine Positivberichterstattung vorzufinden. Die wird meistens befeuert aus dem Aspekt der Klimawandel oder Klimakrise und hat aber meistens zum Resümee, dass wir entweder komplett pflanzlich oder verstärkt pflanzlich eine Ernährung etablieren müssen, um überhaupt diese Klimakrise in irgendeiner Art und Weise in den Griff zu bekommen und das ist natürlich etwas, was jetzt aus meiner persönlichen Wahrnehmung gerade in der letzten Zeit immer stärker in den Medien publik wird und zeigt natürlich auch noch mal, dass da diese Faktenlage, die wir so zitieren,nicht einfach so aus der Luft gegriffen ist, sondern auch im wissenschaftlichen Umfeld immer stärker artikuliert wird und dann dementsprechend auch der breiten Öffentlichkeit auch durch, sagen wir mal Mainstream Medien zugänglich gemacht wird.

Stefanie Ja, und es gibt ja auch schon genug Dokumentationen und Bücher, also sei es „Cowspiracy“ oder „Aus kontrolliertem Raubbau“ von Kathrin Hartmann, wo man nachlesen oder nachschauen kann, was denn jetzt so die Argumente für eine vegane Ernährung aus Nachhaltigkeitsaspekten sind. Und wenn du da noch tiefer einsteigen möchtest, dann schau dir diese Filme an, lies die Bücher, hör dir unsere Rezensionen dazu an, ich verlinkt die dann auch noch mal in den Shownotes.

Carsten Und das soll's jetzt auch schon gewesen sein für heute.

Stefanie Dann sag ich jetzt in diesem Sinne.

Carsten Klaust mir damit das Wort. Und dann sag ich in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 155 - Vegan ist immer gesund

Ein Beitrag

Folge 155 - Vegan ist immer gesund

In dieser Folge

  • sprechen wir kurz über die Annahme vegan sei immer gesund,
  • reden wir über die Aussage einer Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale Berlin und
  • erzählen Dir von Erfahrungen aus unserem Alltag

Eigentlich ist es schizophren: vegan wird mit gesund gleichgesetzt, gilt aber gleichzeitig als Mangelernährung.Wenn Du etwas Veganes isst, heißt es "uii, das ist aber gesund" und dann geht wieder durch die Medien, wie ungesund doch diese veganen Fertigprodukte seien.Das es vielleicht nicht ganz so einfach ist, darüber sprechen wir in dieser Folge.

Links zur Folge

Transkript (Korrektur gelesen von Astrid L.)

Stefanie Auf diese Folge hast du lang gewartet. Es musste jetzt mal sein. Vegan ist immer gesund.

Carsten Ja, wir wollten das Geheimnis lüften. Tada! Jetzt ist es da. Also. Du ernährst dich vegan? Oder planst es. Hast es vor. Es ist immer gesund.

Stefanie Es ist egal

Carsten Egal, was du machst

Stefanie Es ist immer gesund, immer gesund

Carsten ...und ohne Zucker.

Stefanie ...und ohne Zucker. Ja, genau. Ja. Wir wollten uns diesem Thema einmal in einer kurzen Folge widmen, da uns das jetzt in letzter Zeit wieder häufiger über den Weg gelaufen ist und wir das in den vier Jahren, die wir jetzt ungefähr vegan leben, es schon so häufig gehört haben. Und das gipfelte tatsächlich in dieser Aussage, die ich in dem neuesten Artikel vom Graslutscher gelesen habe. Wenn du den Graslutscher nicht kennst, schau in die Shownotes, da habe ich den Artikel verlinkt. Immer alles sehr lesenswert, was der Graslutscher schreibt. Und in diesem Artikel ging es um eine Dame, die durch einen Spinnenbiss auf einmal nur noch Fleisch gegessen hat. Und vorher war sie mal Veganerin. Aber dazwischen, zwischen dem Ereignis, dass sie mal Veganerin war und dem Spinnenbiss, lagen x Jahre nicht mehr vegan sein. Das ist alles von den Medien sehr aufgebauscht worden. In dem Artikel vom Graslutscher findest du da die passenden Worte zu. Und was aber dann auch kam, also es wurde.... Also dieser Artikel wurde mit einem Video illustriert und in diesem Video war es, äh, kam eine Dame von der Verbraucherzentrale, ich glaube Berlin, zu Wort, die dann ungefähr so sagte, dass das die Kennzeichnung vegan oder vegetarisch ja sehr willkürlich sei zum einen also, dass es ja nicht geschützt sei, was das Label ja eigentlich schon ist. Also das Label kann es dann nicht gewesen sein, was sie meinte, sondern eigentlich dieses Generelle, das... das....

Carsten Du hast halt keine... Der Gesetzgeber sagt... was, was heißt das jetzt eigentlich.

Stefanie Genau, vegan oder vegetarisch? Und sie meinte, dass das eben eine Verbrauchertäuschung sei. Es sei also irreführend, weil ja nicht alle Produkte, die vegan oder vegetarisch sind, auch gesund seien. Und der Verbraucher würde ja glauben, vegan sei immer gesund.

Carsten Genau, glaube ich auch.

Stefanie Ja, ja, wir haben das ja jetzt gerade auch so und deswegen sind wir auch entsetzt. Wie? Wie kann das sein? Nein, also du weißt natürlich Bescheid. Vegan ist nicht immer gleich gesund und wir haben das schon des Öfteren gehört. Also ganz zu Beginn habe ich das gehört. Deswegen hatte Carsten vorhin das noch mit dem Zucker gesagt. Da war unser Sohn noch im Kindergarten und da gab es so ein Winterfest. Da, wenn du Kinder hast, kennst du das, Eltern werden gerne dazu angehalten auszuhelfen bei solchen Gelegenheiten und Kuchen zu backen. Und ich hatte dann einen veganen Kuchen gebacken und mich dann auch dafür eingetragen, diesen Kuchen zu verkaufen. Und habe den dann als vegan deklariert. Und dann wurde ich auch gleich gefragt "Ja, der ist aber dann auch zuckerfrei, oder?" Und da war ich total entsetzt. Also da war ich noch nicht so lange vegan und habe dann gedacht: Hä?....

Carsten Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Stefanie Genau, was hat das eine mit dem anderen zu tun? Das kann doch, also was.... Was? Aber das ist eben was, was uns jetzt auch des Öfteren begegnet ist. Jetzt aktuell eben auch, als wir zu Weihnachten mit Carstens Eltern dann Essen waren und Carstens Vater sagte "Ach, jetzt haben wir wieder total gesund gegessen" und ich so gedacht habe - und Carsten unter Garantie auch - na ja, so gesund war das nicht, denn vieles war auch irgendwie stark mit Fett frittiert und keine Ahnung.

Carsten Also es war halt ein Weihnachtsbrunch, was auf Geschmack optimiert war.

Stefanie Ja genau. Also es hatte mit gesund jetzt nicht so direkt was zu tun. Also so mehr, da wo wir waren, die machen halt mehr so Fastfood, Burger und so was. Also sie machen auch gesunde Sachen. Aber ich glaube nicht, dass die in erster Linie darauf achten, dass es gesund ist.

Carsten Also es ist kein Healthfood. Das ist mehr Soulfood.

Stefanie Genau, Soulfood.

Carsten Und in der Hinsicht genau war es dann auch bei diesem besagten Buffet. Aber die Aussage "jetzt haben wir mal wieder was gesundes gegessen" das lässt ja auch tief blicken, oder?

Stefanie Das ist halt total. Aber es ist total typisch, also dass das Vegane als gesund gesehen wird, ganz automatisch. Und dann eben im Umkehrschluss, wenn es nicht gesund ist, wird es halt in den Medien breitgetreten. Oh, dass der Burger diese ganzen Fertiggerichte, die die sind alle überhaupt nicht gesund.

Carsten Dann mehr Fett als ein nicht veganer Burger. Genau.

Stefanie Ja, also das heißt, das ist total absurd halt zu sagen okay, vegan, das muss immer gesund sein.

Carsten Ja, ich glaube, das ist auch tatsächlich so ein so schizophrenes Bild. Auf der einen Seite, ich kriege das ja ab und an in meinen Mittagspausen von dem Kollegenkreis auch wieder gespiegelt, dass die ja neugierigerweise bei mir in den Topf oder in den Teller gucken und dann "Oh, das sieht aber gesund aus".

Stefanie Das ist automatisch so.

Carsten Das ist ja auch vegan. Und auf der anderen Seite gibt es ja auch riesen Vorbehalte. So, wenn du jetzt vegan lebst, wo kriegste denn jetzt deine ganzen Nährstoffe her? So dieses urtümliche Thema und das kennt ja jeder von uns und deswegen kann ich mir bei dieser, ja eigentlich Schizophrenität oder Schizophrenie... ja Schizophrenie eigentlich manchmal nur an den Kopf packen. Was? Was ist das denn jetzt? Entweder total ungesund, mangelernährt oder ist es jetzt total gesund, aber irgendwo?

Stefanie Ja, das ist tatsächlich wirklich merkwürdig, weil das eben, wenn man sich das mal genauer überlegt, kann es ja nicht beides sein. Es kann ja nicht total gesund sein und gleichzeitig für Nährstoffmangel sorgen.

Carsten Naja, oder es resultiert einfach aus a) Unkenntnis. Und b) dieser tatsächlich breiten Palette. Also ich kann natürlich eher logisch dieses Ungesunde. Das kommt ja auch häufig von den Nachbauten. Wenn ich mir Würstchen angucke, dann kommen ja nicht nur diese Sprüche "warum müssen Veganer jetzt Fleisch nachbauen?" Sondern es wird dann ja auch mal unterstellt: da ist ja nur Chemie drin. Ja, also auf der anderen Seite sehe ich natürlich auch vegan ja erst mal vornehmlich pflanzenbasierend. Wenn ich jetzt in der Obst und Gemüseabteilung bin. Na ja, logisch, das Sinnbild für gesund ist halt Obst und Gemüse.

Stefanie Ja, das ist halt auch das. Ich habe jetzt mit..., also ich bin von der VHS für meine Touren angefragt worden, dass ich über die VHS für eine Reihe, die hier in der VHS Hamburg machen "Komplizen für die Zukunft, dann meine Radtour und meinen Spaziergang anbiete. Und das mache ich jetzt einmalig. Und dann habe ich das Heftchen bekommen mit den ganzen Veranstaltungen für diese Reihe gekennzeichnet oder also dargestellt werden. Und bei meinem Beitrag ist so ein Foto dabei von einer netten Frau mit Fahrrad, mit so einem Fahrrad Korb voller Gemüse.

Carsten Also das, was aus dem Korb herausragt ist definitiv egal. .

Stefanie Ja, und du denkst so: okay, also die, ja das ist vegan, die Radtour und die, die halt das Foto dafür ausgesucht haben, haben sich gedacht "also ja, das ist gesund und Radtour" und das ist halt Gemüse.

Carsten Ja, da ist sofort wieder dieses Bild benutzt worden....

Stefanie total klischeeartig...

Carsten Ja....

Stefanie Ja, das ist echt total schizophren, dieses eine: es muss immer gesund sein, das muss so sein. Es ist automatisch so, wenn du dich vegan ernährst, ernährst du dich gesund. Aber es ist genauso automatisch so, dass du mangelernährt bist.

Carsten Wobei ich sagen muss, dieses schizophrene begegnet mir eigentlich im Alltag nicht. Doch, anders, im persönlichen Umfeld, im persönlichen Kontakt erlebe ich eigentlich eher so die Schiene "ok das ist aber gesund. In den Medien aber genau das Gegenteil. Ja so, das ist so meine Wahrnehmung in meinem Umfeld

Stefanie Ja wobei, also bei mir diese Standardsprüche "wo kriegst du denn das her und das her und das her?" hast du ja auch erzählt, dass du das auch kriegst. Das ist ja immer so "ach, wie machst du das denn?" "Und diese Nährstoffe und diese Nährstoffe", also das heißt, das ist schon irgendwie da, denn, wenn das denn so automatisch gesund wäre, dann müsste man ja nicht fragen.

Carsten Ja, aber ich denke, das käme auch oder kommt auch ganz stark jetzt von den Medien her, dass es gepusht wird. Und je häufiger halt dieser Aspekt der Mangelernährung und gerade es wird ja ganz stark dieses Bild von mangelernährten Kindern bemüht. Von wegen Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen. Ganz schlimm. Das hab ich jetzt letztens erst mitbekommen, dass es tatsächlich so was gibt und dass der absolute Horror. Vegane Kindergärten oder so. (lach) Aber wenn ich dann solche Bilder irgendwo in den ganz normalen Mainstream Medien dann immer und immer und immer wieder wiederhole, dann muss ich mich auch nicht wundern, dass bei Leuten, die da noch nicht wirklich drüber nachgedacht haben, dieses Bild gefestigt wird.

Stefanie Ja, das ist aber tatsächlich so, dieses unreflektierte. Das ist automatisch so, dass du in irgend so eine Schublade geschickt..., äh geschickt..., geschickt auch aber gesteckt wirst.

Carsten Reingesteckt.

Stefanie Geschickt reingesteckt wirst, genau eingefädelt.... Irgendwie so.. Also so auch eine Mutter hier aus der Schule, die dann irgendwie meinte, ja, sie hätte ja gedacht, wir hätten dann auch nur Holzspielzeug. Also so, das ist automatisch so. Wenn du vegan lebst, dann hast du automatisch auch nur Holzspielzeug. Das liegt nicht daran, dass das Pflanzen sind, sondern dass das besonders nachhaltig ist.

Carsten Genau. Ja, ja, wir wohnen im Wald.

Stefanie Also so.

Carsten Na, mit Jute und so. Also.

Stefanie Jute oder Jurte.

Carsten Jurte. Ja, Jutesäcke. Als Türen und so. Und genau.

Stefanie Also das ist.....

Carsten Naturverbunden.

Stefanie ....Naturverbunden. Aber das ist sehr interessant. Also so dieses... Ja, also was sich da automatisch bildet, also dass du vegan lebst und dann kommen oder sind automatisch da so Assoziationen drum rum und dann wundern die sich immer, wenn man nicht so ist.

Carsten Das ist dann auch wahrscheinlich großteils nicht nur Verständnis. Ja gut, Verständnis auch ... die, die wollen es ja teilweise auch gar nicht so richtig verstehen. Aber Unkenntnis

Stefanie Ja, das ist ja auch nicht - da gab es nie irgendwie die Notwendigkeit sich damit zu beschäftigen. Man hat das halt, man hat so einen Veganer oder so eine Veganerin dann vorher noch nicht so näher kennengelernt.

Carsten Nein, diese unbekannte Wesen. Man geht aber, oder das ist ja auch in den Medien sehr stark präsent, dieses Thema. Also sollte man irgendwie davon ausgehen, dass dann auch schon korrekteres Bild irgendwo...

Stefanie Irgendwo aber das wird halt so gepflegt, vegan, ist so gesund. Das ist aber auch das... ich höre immer wieder... ja, ethisch motivierte Veganer und Veganerinnen, das sind ja die meisten. Was ich aber in den Medien wahrnehme sind eigentlich nur die gesundheitlich orientierten Veganer und Veganerinnen.

Carsten Das ist aber in den Medien auch noch was deswegen, weil vegan mit Ernährung gleichgesetzt wird. Und du wirst Ernährung immer ganz schlecht über diesen ethischen, über diesen ethischen Plot irgendwo rechtfertigen können. Weil im schlimmsten Fall sagen sie ja, Moral ist immer individuell, was ja auch irgendwie total hirnrissig ist. Aber das Thema Gesundheit, das ist sofort in erster Linie mit Ernährung festgemacht. Also sobald du sagst, ich spreche übers Essen, dann sprichst du über Gesundheit.

Stefanie Genau. Und deswegen, wenn, weil dann diejenigen, die eben sagen "okay, ich lebe aus gesundheitlichen Gründen vegan", dann muss es ja gesund sein.

Carsten Sonst würdest Du nicht machen

Stefanie .... befüttert es sich ja dann auch aus dieser Richtung. Also das heißt, die Wahrnehmung ist irgendwie da drauf: Okay, vegan, also das muss immer gesund sein. Und es ist natürlich klar, es gibt einfach auch veganes Fastfood. Es gibt alles an Süßkram, auch in vegan. Also du kannst dich auch von veganer Pizza und veganer Schokolade und veganen Chips und allemmöglichem....

Carsten Pommes Ketchup.

Stefanie Genau, so ernähren. Du kannst auch immer nur die ganzen Nachbauten kaufen, die ja erwiesenermaßen, wir wissen es aus den Medien, nicht so toll sind.

Carsten Da gibt's kein Vitamin B12 drin.

Stefanie Ja, ja

Carsten das ist ganz schlimm.

Stefanie Klar, es gibt alles auch in vegan. Alles Ungesunde gibt es auch in vegan und deswegen ist es eben durchaus möglich, auch vegan, Fastfood usw. einfach so weiter zu leben wie bisher, wie du vorher gelebt hast, nur halt alles pflanzlich zu essen.

Carsten Also es ist halt kein Kriterium. Vegan kannst du nicht pauschal mit gesund und genauso wenig pauschal mit ungesund irgendwo abstempeln. Das ist immer die Frage. Wie isst du denn da eigentlich genau?

Stefanie Man muss das dann relativieren.

Carsten Ja, es ist halt eine Spannbreite da, das muss man.... Also diese Komplexität muss man aushalten.

Stefanie Das stimmt. Da kann ich dir nur beipflichten. Und das ist genauso, wie man die Komplexität der Veganer und Veganerinnen aushalten muss. Es gibt einfach nicht den Veganer und die Veganerin. Es gibt einfach ganz viele Individuen, die vegan leben. Das vegan leben ist ein Teil davon. Es ist ein Wertesystem. Aber was die Menschen dann sonst noch so machen, das ist ganz unterschiedlich.

Carsten Ja, soll es geben. Ja.

Stefanie Das ist es tatsächlich. Also von daher gibt es das einfach nicht, dass man sagen kann, okay, das ist pauschal so. Und genauso ist es mit der veganen Ernährung halt, dass die nicht pauschal gesund ist.

Carsten Ja

Stefanie So. Und das sollte es tatsächlich schon gewesen sein. Nur eine kurze Folge zu unserer Meinung.

Carsten Genau zu einem Thema, was jetzt gerade mal wieder bei uns zumindest hochgekommen ist.

Stefanie Von zwei Individuen, die vegan leben.

Carsten Ja, und in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 154 - Vegan bei der Arbeit

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Folge 154 - Vegan bei der Arbeit

In dieser Folge

  • spricht Carsten über seine Erfahrungen als Veganer in der Mittagpause unter Kolleg*innen,
  • verrät Dir Carsten seine Tipps, wie Du mit typischen Sprüchen umgehen kannst,
  • erzählt Dir Carsten, warum er sich doch manchmal wie ein Alien fühlt

Als einzige Veganer*in unter Nicht-Veganer*innen in der Mittagspause zu sitzen, kann durchaus herausfordernd sein. Gerade wenn das typische "Tellergucken" stattfindet und die Kolleg*innen fragen, was Du denn da Leckeres hast.

Und dann die Fragen losgehen und die "Ach ich könnte das ja nicht" Kommentare kommen.

Carsten erzählt in dieser Folge von seinen Erfahrungen und verrät Dir, wie er solche Situationen meistert.

Gibt es ethisch-korrekten Kakao?

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Folge 153 - Ein Gespräch über ethisch-korrekten Kakao

In dieser Folge gehe ich wieder einer Hörerfrage nach und zwar hat Felix gefragt:

"Gibt es Kakao, der ohne (oder mit möglichst wenigen) Zwischenhändler*innen von einer Kooperative von Kleinbauern/Bäuerinnen verschickt/vermarktet wird und bei der auch z.B. Kinderarbeit ausgeschlossen ist und Bioanbau betrieben wird. Es soll möglichst viel vom Aufpreis auf die fairen Produkte dortbleiben, was ja selbst bei strengeren Siegeln sehr niedrig oder undurchsichtig sein kann."

Auf der Suche nach einem Gesprächspartner, der mir diese Frage beantworten kann, habe ich Herrn Hütz-Adams vom Südwind-Institut gefunden.

In diesem Interview erklärt er

  • worauf Du beim Kauf von kakaohaltigen Produkten achten solltest,
  • was Du als Konsument*in bewirken kannst und
  • worauf es beim Kauf von Bananen ankommt.

Links zur Folge

Folge 152 - Podcast-Neuigkeiten für Dich

Ein Beitrag

Folge 152 - Podcast-Neuigkeiten für Dich

In dieser Folge

  • sprechen wir darüber was sich in 2019 ändern wird und
  • bedanken wir uns für Deine Unterstützung in 2018.

Das Jahr 2018 war für uns prall gefüllt mit wunderbaren Erlebnissen. Wir durften tolle Menschen kennenlernen und haben an beeindruckenden Veranstaltungen teilgenommen.

Wie es nun in 2019 weitergeht, erfährst Du in dieser Folge.

Links zur Folge

"Tierethik - der Comic zur Debatte" von Julia Kockel und Oliver Hahn
https://www.buch7.de/store/product_details/1029813503

Gibt es ethisch vertretbare Kleidung?

Ein Beitrag

Folge 151 - Gibt es ethisch vertretbare Kleidung?

In dieser Folge gehe ich wieder einer Hörerfrage nach und zwar hat Felix gefragt:

"Gibt es Kleidung, die ohne (oder mit möglichst wenigen) Zwischenhändler*innen von einer Kooperative von Nähern/innen verschickt/vermarktet werden und bei der auch z.B. Kinderarbeit ausgeschlossen ist und Bioanbau betrieben wird. Es soll möglichst viel vom Aufpreis auf die fairen Produkte dortbleiben, was ja selbst bei strengeren Siegeln sehr niedrig oder undurchsichtig sein kann."

Auf der Suche nach einer Gesprächspartnerin, die mir diese Frage beantworten kann, habe ich Frau Dr. Ferenschild vom Südwind-Institut gefunden.

In diesem Interview erklärt sie, worauf Du bei der Kleiderwahl achten solltest und gibt Einblicke in die Komplexität der textilen Produktionskette.

Hör doch gleich einmal rein.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge gehen wir wieder einer Frage nach, die uns ein Podcasthörer gestellt hat. Und zwar hat Felix die Frage gestellt, ob es Kleidung gibt, die auch ohne oder mit möglichst wenigen Zwischenhändler·innen von einer Kooperative von Näher·innen verschickt oder vermarktet wird und bei der auch zum Beispiel Kinderarbeit ausgeschlossen ist und Bioanbau betrieben wird. Und es soll möglichst viel vom Aufpreis auf die fairen Produkte dort bleiben, was selbst bei strengeren Siegeln sehr niedrig oder undurchsichtig sein kann. Das ist also die Frage von Felix und ich habe mich auf die Suche nach jemandem gemacht, der oder die mir diese Frage beantworten kann. Und da bin ich beim SüdwindInstitut gelandet und ganz genau bei Frau Dr. Ferenschild. Und ich freue mich, dass ich Sie jetzt hier im Gespräch begrüßen darf und würde Sie bitten, sich einmal kurz vorzustellen.

Dr. Sabine Ferenschild Ja, schönen guten Tag. Mein Name ist Sabine Ferenschild. Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Institut Südwind. Südwind ist ein Institut, das sich für eine gerechte Weltwirtschaft einsetzt. Wir arbeiten mit mehr als zehn Personen zu verschiedenen Fragestellungen im Bereich der einer gerechten Weltwirtschaft. Mein Schwerpunkt ist dabei die Frage nach Arbeitsbedingungen. Wie können Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass sie menschenwürdig sind und eine Existenz sichern. Nicht nur für den, der da beschäftigt ist, sondern für eine ganze Familie. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf die Textil und Bekleidungsindustrie, weil die global eine der ganz wichtigen, arbeitsintensiven Industrien ist und ein ganz wichtiger Beschäftigungssektor für Frauen.

Stefanie Und wenn wir jetzt auf diese Frage zurückkommen von Felix, gibt es so was überhaupt, dass ich sagen kann, ich kann guten Gewissens diese Kleidung kaufen?

Dr. Sabine Ferenschild Das ist eine wirklich sehr schwierige Frage, weil die textile Kette sehr komplex ist. Wenn man sich überlegt, dass das wirklich vom Anbau der Baumwolle zum Beispiel als einer der wichtigsten Naturfasern, die zu Textilien verarbeitet wird, reicht bis hin zur Konfektionierung eines Kleidungsstückes, sieht man das auch ohne Zwischenhändler schon sehr viele unterschiedliche Akteure und Verarbeitungsstufen in so einer textilen Kette drinstecken. Zwischen den einzelnen Verarbeitungsstufen ist es die Regel, dass da auch Zwischenhändler aktiv werden, um zum Beispiel die entkernte Baumwolle, also die Baumwollfaser aus den Entkernungsfabriken in die nächste Stufe, die Spinnerei, zu transportieren. Das gibt es auch mit kürzeren Lieferketten, wenn man zum Beispiel integrierte Betriebe hat, das heißt Betriebe, in denen zum Beispiel gesponnen, gewoben, gefärbt wird und vielleicht sogar auch konfektioniert wird, dann hat man eine etwas größere Lieferkette oder Wertschöpfungskette. Aber das führt dann natürlich auch dazu, dass man dann Betriebe von zum Teil vielen 1000 Beschäftigten hat, also sehr große Akteure. Es kommt also weniger auf die Anzahl der Zwischenhändler an, würde ich sagen, als darauf, dass jemand, der das Bekleidungsstück letztendlich produziert, dass der einen guten Überblick über seine Kette hat und deshalb auch garantieren kann, dass die vorgelagerten Stufen zum Beispiel unter Einhaltung von biologischen Standards durchgeführt wurden. Und das wird in der Regel im Moment über Siegel oder Zertifikate garantiert. Jetzt haben wir aber das Problem in der textilen Kette, dass wir kein Siegel oder Zertifikat haben, das in gleicher Weise sowohl die ökologische Qualität wie die soziale Qualität garantiert. Wir müssen also, wenn wir ein Bekleidungsstück kaufen, erst sehen, hat dieses Bekleidungsstück sowohl ein ökologisches Siegel wie auch ein soziales Siegel. Das würde zum Beispiel durch die Kombination von einem Fairtrade mit einem Bio Siegel garantiert. Dann ist zwar trotzdem noch die Anfrage vorhanden: Ist wirklich das Fair Trade Siegel so aussagekräftig, dass es auch faire Arbeitsbedingungen für diejenigen garantiert, die dann auf den Feldern die Baumwolle gepflückt haben oder in der Textilindustrie als informell Beschäftigte gearbeitet haben? Aber ich denke, etwas Besseres als diese Kombination zwischen Biosiegel und Fairtrade gibt es im Moment eigentlich nicht.

Stefanie Okay. Das heißt, ich sollte als Konsumentin darauf achten, die Kleidung zu kaufen, die diese beiden Siegel hat.

Dr. Sabine Ferenschild Genau. Und bei dem Fairtrade Siegel muss man natürlich dann auch noch mal sehen. Es gibt einmal das Fairtrade Siegel für Baumwolle. Das kennzeichnet den fairen Handel der Baumwolle oder die faire Produktion der Baumwolle. Und dann gibt es den Fair Trade Textilstandard. Der zertifiziert die verschiedensten Verarbeitungsstufen, also die industrielle Fertigung, und überprüft, wie die Arbeitsbedingungen dort sind. Man müsste also eine Kombination eigentlich von beidem haben. Und dann muss man aber auch sehen: dieser Fair Trade Textilstandard ist bisher nur von sehr wenigen Unternehmen überhaupt in Anspruch genommen worden. Da findet man Informationen aber über die Seite von Fairtrade, wer das jetzt im Moment führt.

Stefanie Das heißt, ich sollte da dann schauen. Oder haben Sie auch auf Ihrer Seite vom Institut Unternehmen, die Sie empfehlen können?

Dr. Sabine Ferenschild Also wir haben über unsere Seite keine Unternehmensempfehlungen, weil wir ja eher der Frage nachgehen, wie kann man auch die schon guten Siegel noch weiter verbessern? Wir stellen fest, dass es eigentlich in jedem Siegel noch Lücken gibt und Fragen, die wir daran haben. Ich hatte das eine schon gesagt, die Frage der informellen Arbeitsbeziehungen, die in den meisten Betrieben immer noch vorherrschen, oder die Frage der immer noch fehlenden existenzsichernden Löhne. Da halten wir zwar den Fairtrade Textilstandard schon für sehr gut, weil er eigentlich der einzige ist, der zumindest einen Zeitplan hat, nämlich dass innerhalb von sechs Jahren nach Erwerb des Textil Fair Trade Standards in der entsprechenden Fabrik existenzsichernde Löhne gezahlt werden müssen. Das ist schon mehr, als alle anderen Standards fordern. Aber trotzdem sehen wir da auch noch einfach das Problem, dass es bisher nur eine mini, mini Marktnische ist, und schwer zu finden ist für den Konsumenten und die Konsumentin.

Stefanie Und was könnte ich denn als Konsumentin tun, damit es mehr wird? Also damit mehr, also die Kette auch verbessert wird und dass ja vielleicht auch als kleine Zukunftsvision, also wirklich dann auch die komplette Textilkette, menschenwürdiger, so wie sie es vorhin genannt haben, dann auch gestaltet wird?

Dr. Sabine Ferenschild Also zum einen würde ich sagen, jeder Mensch ist nicht nur Konsument und Konsumentin, sondern engagiert sich in Vereinen oder ist vielleicht politisch aktiv. Und man muss diese Forderung nach Nachhaltigkeit in allen Produktlinien auch politisch artikulieren. Und als Konsument und Konsumentin, das ist man ja nun mal im Alltag auch, da sollte man zum einen darauf achten, so wenig wie möglich zu konsumieren, die Produkte so auszuwählen, dass sie möglichst wenig die Umwelt geschädigt haben, also auch auf biologisch produzierte oder angebaute Produkte zurückzugreifen. Das heißt also, Produkte im Textilbereich zu kaufen, die aus ökologischen Fasern bestehen und die in der Wertschöpfungskette zum Beispiel nach den Richtlinien des Internationalen Verbandes Natur-Textil produziert worden sind. Das wäre ökologisch gesehen schon mal ein großer Fortschritt. Und das müsste dann auch so lange wie möglich getragen und verwendet werden. Unter sozialer Perspektive ist zum einen der Fair Trade Textilstandard sicher gut und zum anderen, wenn man mal, ich sage jetzt mal stärker in den Massenmarkt geht, dann bin ich immer noch von dem Ansatz der Fair Wear Foundation überzeugt. Das ist eine niederländische Stiftung oder Vereinigung, der viele Unternehmen angeschlossen sind, die sich darauf verpflichten, die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsproduktion ihrer Wertschöpfungskette zu verbessern. Die haben auch eine Website, da kann man sehen, wer da alles angeschlossen ist und welches Unternehmen man dann auch hier im deutschen Markt findet.

Stefanie Wenn Sie sich jetzt etwas wünschen könnten, quasi wenn Sie die Zukunft selber jetzt gestalten könnten, was wäre Ihre Zukunftsvision für eine textile Kette oder für Kleidung? Wie sollte das aussehen? Was wäre die perfekte Lösung?

Dr. Sabine Ferenschild Zum einen, dass alle Rohmaterialien, also alle Naturfasern, die für Kleidung eingesetzt werden, ökologisch hergestellt werden. Das heißt, da würden dann erst mal die Erträge und die Fasermengen vermutlich zurückgehen, dadurch aber eine höhere Qualität haben. Und wenn dann die Verarbeitung sehr sorgsam und von hoher Qualität erfolgt, dann kann man diese Kleidungsstücke auch länger tragen. Es würde also um eine Entschleunigung gehen, um eine längere Dauer der Modezyklen und dann, wenn man die Rohfasern schon ökologisch gewonnen hat und wenn man eine Sortenreinheit in den Fasern hat, dann würde sich auch die Recyclingfrage wahrscheinlich besser lösen können oder lösen lassen. Denn im Moment haben wir auch das Problem bei den ganzen Mischfasern, die wir tragen, ist vieles davon im Nachhinein entweder Sondermüll oder wir können nicht von Recycling sprechen, sondern von DownCycling. Also es ist kaum möglich, eine gute Faserqualität durch Recycling im Moment bei unseren ganzen Mischgewebe zu gewinnen. Und das halte ich auch für ein großes Problem. Deshalb, das würde für mich die Zukunft sein, dass man da einen Kreislauf hat, nicht die Produktion von Fast Fashion und dadurch großen Müllbergen, sondern von wiederverwertbaren Produkten.

Stefanie Und was wünschen Sie sich von den Konsumenten und Konsumentinnen? Also wenn wir jetzt mal vielleicht auf alle Podcast Hörerinnen und Hörer zurück greifen, was wünschen Sie sich von denen, die Ihnen gerade zuhören?

Dr. Sabine Ferenschild Dass Sie zwar einerseits natürlich nachhaltig konsumieren, aber nicht denken, das wäre die Lösung, sondern die Lösung muss durch politische Rahmenbedingungen und durch eine andere Wirtschaftsweise gefunden werden. Und da sind wir alle gefragt, dass wir uns auch als politische Subjekte verstehen, die an den Wahlurnen und auch im politischen Alltag ihre Stimme laut werden lassen sollen für eine global gerechte Weltwirtschaft.

Stefanie Ja, wunderbar. Das ist ein ganz tolles Schlusswort. Ganz vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben und auch Ihr Wissen mit uns geteilt haben.

Dr. Sabine Ferenschild Ja, bitte schön.

Stefanie Dann würde ich sagen: In diesem Sinne. In Hamburg, sagt man tschüss und auf Wiederhören.

Folge 150 - Das Ende der Milchwirtschaft

Ein Beitrag

Folge 150 - Das Ende der Milchwirtschaft

In dieser Folge

  • stelle ich Dir meine Vision zum Ende der Milchwirtschaft vor,
  • erkläre ich Dir, wie wir diese Vision gemeinsam umsetzen können und
  • starte ich einen Aufruf nach Mitstreiter*innen.

Es könnte so einfach sein. Wenn wir alle Milchbetriebe in Deutschland in Kuhaltersheime umwandeln und aus den Höfen Keimzellen der Hoffnung machen würden, wären wir dem Ende der Milchwirtschaft einen großen Schritt näher gekommen.

Wir Menschen können uns wunderbar rein pflanzlich ernähren und brauchen keine Milchprodukte, um gesund zu sein.

All die Milchbetriebe und das Leiden dort sind überflüssig. Und wenn die Milchbauern und -bäuerinnen ehrlich sind, ist ein Milchbetrieb doch schon lange nicht mehr rentabel.

Lasst uns etwas Neues schaffen! Die Zeit ist reif- wir sind bereit für den Wandel!

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Vision ist das Thema dieser Folge. Denn ich möchte dir meine Vision, meine Idee zum Ende der Milchwirtschaft vorstellen und mit Carsten darüber sprechen.

Carsten Das Ende der Milchwirtschaft ist gekommen, sagst du. Du stellst es dir zumindest vor.

Stefanie Es wird kommen. Es wird kommen. Also für Deutschland erst mal. Ich habe mir was für Deutschland überlegt und ich trage das schon länger mit mir rum. Du kennst ja vielleicht meine Milchforschung, also den Milchgeschichtenpodcast. Und das ruht schon länger, weil ich einfach keine Zeit dafür finde. Und wenn ich Zeit und Geld hätte, dann würde ich das tatsächlich gerne beides in das Ende der Milchwirtschaft in Deutschland investieren. Und wer weiß, vielleicht könnte sich ja diese Idee, diese Vision auch auf die ganze Welt ausbreiten.

Eine Podcasthörerin hat zu unserer Folge „Gibt es glückliche Milchkühe?“ auch gefragt wie würde das denn aussehen, wenn dann niemand mehr Kuhmilch trinken würde, was passiert denn dann mit den Kühen? Können die denn dann wild leben? Gibt es das? Wie ist das denn? Und also ein Teil meiner Vision beantwortet dann auch diese Frage. Ich will nur vorab einmal die Frage auch noch mal hier beantworten. Ich hatte dazu auch schon den Kommentar beantwortet, aber ich dachte, es passt jetzt ganz gut auch noch in diese Folge.

Ich bin der Meinung, dass die Milchkühe nicht frei leben können, weil es einfach keine Wildtiere sind. Die sind so hochgezüchtet, dass sie in freier Wildbahn nicht überleben würden. Das ist die eine Seite. Die andere ist natürlich, dass unsere Umwelt nicht so geschaffen ist, dass da Kühe in freier Wildbahn herumlaufen könnten. Also selbst in Indien, wo die Kühe angeblich heilig sind und auf den Straßen herumlaufen, ist es ja so, dass diese Kühe teilweise sich selbst überlassen werden und dann Müll fressen, weil sie kein Futter bekommen und dadurch sterben. Also die verwahrlosen und sterben einfach dort einen Hungertod, weil sie Plastik fressen oder weil sie auf der Suche nach Essbarem sind.

Also auch da funktioniert es nicht wirklich, die Tiere irgendwie frei leben zu lassen. Da gehört es vielleicht zum Alltag oder zum Straßenbild dazu, dass da Kühe frei rumlaufen. Das heißt, die Menschen, die dort leben, sind vielleicht auch schon daran gewöhnt, diesen Kühen dann auszuweichen und sie nicht platt zu fahren. Hier in Deutschland, würde ich mal behaupten, sieht das anders aus und vielleicht auch einfach in allen anderen Ländern, die nicht Indien sind. Wenn da dann Kühe frei herumlaufen, würde es unter Garantie Unfälle verursachen.

Carsten Vor allen Dingen in den Mengen, wie die Kühe heute existieren.

Stefanie Und deswegen ist meine Meinung dazu, dass es so etwas, wie dass sie dann weiter existieren, aber nur ausgewildert, nicht möglich ist, sondern und das ist jetzt ein Teil meiner Vision, dass es so sein sollte, wie zum Beispiel auf Hof Butenland, dass die Tiere so lange noch leben, wie sie leben. Also ein Altersheim für diese Milchkühe dann entsteht und sie dann einfach sterben und es keine Nachkommen mehr gibt. Also dass sie einfach ihr Leben noch zu Ende leben in Würde soweit es geht und dann die Milchkühe quasi aussterben, denn sie sind ja nur dafür gezüchtet worden, dass wir ihre Milch trinken können.

Carsten So ein bisschen pathetisch gesprochen kann man sagen der Mensch hat diese Kuh geschaffen. Also vielleicht nicht durch Gentechnik, aber durch Zucht und auch mit dem ganz klaren Ziel, sie ausnutzen zu können.

Stefanie Es klingt vielleicht ein bisschen hart, wenn ich das so sage, dass die Kuh dann irgendwann ausstirbt, Aber für mich ist das tatsächlich die Lösung, dass sie nach einer Übergangszeit einfach dann nicht mehr da ist.

Carsten Ja, ich denke, das ist ja auch ein schleichender Prozess. Wir reden jetzt ja nicht über von heute bis in 14 Tagen oder so, sondern das wird ja über Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte gehen. Man muss ja einmal im Hinterkopf behalten, dass allein dieser Prozess von einer Ablösung von diesem Produkt Kuhmilch bzw auch Käse alles was dann quasi aus Kuhmilch gefertigt wird, die Leute dazu zu bewegen, das nicht mehr zu konsumieren, das ist ja auch nichts, was innerhalb von kürzester Zeit irgendwie realistisch umsetzbar ist. Und dementsprechend denke ich, wird es da auch so eine Frist geben, dass immer mehr Landwirte dann aufhören KuhmilchProdukte zu produzieren und dementsprechend auch Kühe zu produzieren. Die wachsen ja nicht an Bäumen, sondern die werden ja tatsächlich in der Hinsicht auch produziert. In der Hinsicht, dass sie künstlich besamt oder geschwängert werden. Und das hört dann ja irgendwann auf.

Stefanie Und deswegen würden diese Milchkühe einfach natürlicherweise irgendwann aussterben. Und meine Idee ist es jetzt, den Bauern tatsächlich zu helfen, denn die Bauern kämpfen ja, wir lesen immer wieder, die kämpfen um ihr Überleben. Der Milchpreis sinkt. Sie haben also eigentlich auch gar keinen Nutzen mehr darin, Milchbauer zu sein oder Milchbäuerin zu sein. Und deswegen wäre es also sinnvoll, da anzusetzen, dass wir Ihnen helfen, umzustellen auf einen pflanzlichen Betrieb. Und dann würde in meiner Vision aus jedem Milchbetrieb dann erst mal ein Kuhaltersheim werden.

Und die Frage wäre dann erstmal will der Milchbauer oder die Milchbäuerin verkaufen? Das heißt also, es ist viel Geld im Spiel. Oder möchte sie·er mitmachen und möchte umsatteln? Es gibt ja Beispiele von Milchbauern wie zum Beispiel Hof Butenland oder in der Schweiz dann auch einen Hof, wo ehemalige Milchbauern umgesattelt und dann festgestellt haben, sie möchten keine Kühe mehr ausbeuten und möchten dann daraus ein Kuhaltersheim machen aus ihrem Hof. Das wäre also ein Ansatz. Entweder sind die Bauern und Bäuerinnen mit im Boot oder wir würden den Bauern oder Bäuerinnen dann ihren Hof abkaufen mitsamt den Kühen und daraus wie gesagt ein Kuhaltersheim machen.

Und meine Idee wäre tatsächlich dann da aus dem Betrieb zum Beispiel eine solidarische Landwirtschaft daraus zu machen, wo dann ausreichend Gemüse angebaut werden kann für die Menschen, die im Umkreis leben. Und vielleicht könnte man so auch ganze Dörfer entstehen lassen oder wieder neu beleben. Das ist ja auch so was, dass die Dörfer quasi aussterben, wird auch so oft bemängelt und in meiner Fantasie sieht das so aus, dass wir quasi Dörfer schaffen mit dem ehemaligen Milchbetrieb als Kuhaltersheim, so als Keimzelle. Und da dann die solidarische Landwirtschaft zum Beispiel.

Und dass in dem Dorf vielleicht auch eine freie Schule entstehen würde, die dann das ganze Dorf belebt, wo dann Menschen einfach leben, die ja die gleichen Werte teilen und was dann eine Gemeinschaft ist, in der dann auch ein alternatives Wirtschaftsmodell entstehen kann, weil alles in diesem kleinen Kreis dann bleibt. Also so ein kleiner Kreislauf. Die Selbstversorgung steht da dann im Mittelpunkt und dann die Werte, die wir leben. Also Mitgefühl mit allen Lebewesen dann da auch zu teilen.

Und das mit der freien Schule kommt natürlich jetzt nicht von ungefähr. Das liegt daran, dass wir uns schon seit geraumer Zeit mit diesem Thema freilernen und generell alternativen Lernmodellen beschäftigen. Und ich träume immer noch von einem kompletten Dorf, das eine Schule ist, wo dann verschiedene Lernorte sind, wo man verschiedenste Werkstätten hat und nicht ein Gebäude, in dem man lernt, sondern die Kinder verschiedene Kurse in verschiedenen Häusern belegen können. Und vielleicht gibt es ja einen Versammlungsort und vielleicht gibt es einen Ort. Ich habe mir das noch nicht so hundertProzentig durchdacht, aber ich wollte diese Idee einfach hier mal reinbringen.

Und ich finde, das könnte alles wirklich aus diesem Umbau quasi von Milchbetrieb in Kuhaltersheim / Solawi / alle möglichen Selbstversorgung entstehen. Viele kleine Dörfer. Und ich stelle mir das vor, wie so viele kleine Leuchtfeuer in Deutschland, die dann da wirklich so zeigen: Ein alternatives Wirtschaften ist möglich, Leben aus Mitgefühl mit anderen Lebewesen, das ist möglich und wir können gemeinsam etwas Neues schaffen und auch uns gegenseitig unterstützen. Und da stelle ich mir einfach vor, dieser Hof, den wir dann quasi übernehmen oder wo dann die Bäuerin oder Bauern wie auch immer mitmachen, dass das der Anfang ist und daraus dann ein ganzes Dorf entsteht. Und wenn wir das einmal quasi umgesetzt hätten, könnte man das als Blaupause nehmen für viele andere Betriebe.

Und natürlich bräuchte man so einen Topf an Geld, den man dann hätte, um diese Höfe auszulösen. Und da stelle ich mir das so vor wie bei „Mein Grundeinkommen“. Du kennst das vielleicht. Da kannst du ja auch mitmachen. Da schmeißen viele Menschen einige Euros in einen Topf und immer wenn genug Geld da ist, also immer wenn 12.000 € zusammenkommen, wird dieses Geld ausgezahlt an eine Person, die ausgelost wird. Und die bekommt dann für ein Jahr jeden Monat 1.000 €. Und so stelle ich mir das vor, dass man sagt, okay, man müsste das berechnen, wie viel Geld bräuchte man, um diesen Hof übernehmen zu können, um den zu finanzieren, um den Kühen eine Kuh würdiges Leben zu ermöglichen, bis sie dann letzten Endes sterben und sich das alles aufzubauen, was bräuchte man an Geld? Und immer wenn diese Summe zusammengekommen ist, kann man einen neuen Hof auslösen. Dann müssen die Bauern und Bäuerinnen natürlich das wollen. Man kann sie ja nicht dazu zwingen.

Carsten Ja klar, die müssen für den Umstieg ja auch eine bestimmte Bereitschaft zeigen und man müsste ja auch ein Modell haben, was dann nachher auch in der Lage ist, sich wirtschaftlich zu tragen.

Stefanie Genau deswegen habe ich auch an die solidarische Landwirtschaft gedacht, weil ich dachte, wenn man da umsteigt. Und klar, Hof Butenland macht es vor. Durch Patenschaften kann man dann natürlich auch ganz viel bewirken. Also man müsste dieses Modell so aufbauen, dass es tragfähig ist. Aber ich kann mir ganz gut vorstellen, dass die Zeit dafür reif ist, weil der Milchpreis so im Keller ist und die ganzen Milchbauern und Bäuerinnen eigentlich auch keinen Ausweg sehen, weil sie sich ja auch so hoch verschuldet haben.

Carsten Ja, da kommst du als Bauer, glaube ich, gar nicht mehr so einfach raus. Also ich glaube, da sind auch verschiedene Facetten, die da mit reinwirken. Einmal diese doch schon immense finanzielle Abhängigkeit. Dadurch, dass du, wenn du wirtschaftlich arbeiten möchtest oder überlebensfähig sein willst, musst du ja eine bestimmte Größe erreichen. Und das geht ja immer nur in die Richtung, immer mehr, immer mehr, immer mehr. Du musst dich quasi vergrößern und das heißt ja auch entsprechende Gelder irgendwo mit investieren. Die hast du als Bauer ja nicht einfach nur rumliegen, du bist dann von Banken abhängig und hast dann horrende Kredite und musst die bedienen. Und musst dann dementsprechend Masse fördern, also tatsächlich ja immer größer werden. Also eigentlich eine Abwärtsspirale, aber in dem Fall geht sie nur nach oben immer mehr und da rauszukommen ist schwierig.

Und vielleicht auch so ein bisschen vom Denken manchmal. Also wenn ich diesen Bauernhof vor Augen habe, habe ich immer noch so den Eindruck, dass das ein Generationenprojekt ist, dass die Personen ja auch nicht großartig was anderes kennen. Ja, die sind damit groß geworden, haben vielleicht den Hof übernommen und das ist auch so, vielleicht so deren Denkschema und die Leute da so ein bisschen rauszulocken und zu sagen nee, also es gibt Alternativen, die für euch auch wirtschaftlich vielleicht rentabler sind und vielleicht auch inhaltlich interessanter sein können. Ja, also jetzt zu sagen, dass jemand so ein Kuhfaible hat und dann nur weil er Fan von Milchkühen sein könnte, so einen Milchhof betreibt? Das glaube ich nicht. Aber die Interessenlage wird mit Sicherheit auf diesem Spezialgebiet daran liegen und die Leute daraus zu lösen und zu sagen, jetzt gibt es auch andere Richtungen, die auch super interessant sind. Das ist natürlich eine große Aufgabe.

Stefanie Ja, ich denke aber wirklich, dass die Zeit reif ist. gerade deswegen, weil die Lage so aussichtslos ist für die Milchbauern und Milchbäuerin. Und du sagtest das ja auch gerade, das ist ja eigentlich alles immer ein Familienbetrieb. Also das heißt, die haben ja auch Verpflichtungen, also meistens haben sie auch noch eine Familie. Wobei ich, was ich jetzt in letzter Zeit gelesen habe, sind es teilweise auch nur noch alleinstehende Bauern, die irgendwie versuchen diesen Betrieb am Laufen zu halten. Und ja, trotzdem. Also ich denke, dass es möglich wäre, wenn sie bereit dazu sind, wenn wir ihnen ein gutes Angebot machen können, dann Ihnen den Hof entweder abzukaufen, wenn sie sagen: Hey, was ihr da vorhabt, finde ich total kacke, aber ich gebe euch den Hof, wenn ihr mir Geld gebt.

Mein Anliegen ist es ja, die Kühe zu retten und die Milchwirtschaft zu beenden. Und das heißt, je mehr Höfe wir übernehmen, desto besser für uns. Also da ist es dann eigentlich egal, ob der Bauer, die Bäuerin jetzt mitmacht oder nicht. Wobei, wenn die natürlich umdenken und einfach mitmachen würden, kennen die sich ja wahrscheinlich da auch am besten aus und dann hätte man eine Fachkraft, sozusagen die sich auch noch kümmern würde. Denn das müsste man ja auch noch stellen, Menschen, die sich mit Kühen auskennen. Also ich weiß, dass da ganz viel hinter steckt, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass es ganz viel Potenzial hat.

Und ich wollte dir das einfach hier einmal vorstellen, denn vielleicht ist da draußen ja jemand. Vielleicht hörst du gerade zu und denkst dir: Ja, genau, die Idee finde ich cool, da will ich mitmachen. Oder du kennst jemanden, der das mitfinanzieren kann. Oder wir finden eine größere Gruppe zusammen. Es muss ja keine 20 Leute Gruppe sein. Aber selbst wenn wir schon zu mehreren sind und wenn irgendwie mehr Kapazitäten da sind, um das umzusetzen, wäre das total super. Also wenn du dich angesprochen fühlst und sagst ja hey, die Idee finde ich total cool, erzähl mir mehr, lass uns zusammensetzen, lass uns brainstormen und ja, wir schaffen das. Wir setzen das um. Wir glauben an diese Idee. Dann schreibt mir bitte, bitte, bitte an post @ vonherzenvegan.de und ja dann dann lass uns diese Idee umsetzen, weil ich bin echt davon überzeugt, dass das funktionieren kann.

Ich habe nur im Moment einfach viel zu wenig Zeit und viel zu wenig Geld dafür, um das umzusetzen. Und wenn es die Möglichkeit gibt, dass wir das irgendwie finanziert bekommen, dass wir hier mehr Zeit zur Verfügung haben, um das umzusetzen, dann bin ich auf jeden Fall dabei. Das heißt, schreib mir gerne und ich freue mich, wenn es Menschen gibt, die diese Idee genauso toll finden wie ich und Carsten. Auch Carsten konnte ich schon dafür begeistern.

Carsten Ich mach mit.

Stefanie Genau. Also Carsten wäre auch mit dabei. Also wenn wir es schaffen würden, die Milchwirtschaft in Deutschland zu beenden und dadurch so viele kleine Leuchtfeuer zu entzünden, die auch ein alternatives Wirtschaften bedeuten würden. Wir könnten starten mit einem Dorf, mit einem Stall als Pilotprojekt, was dann eine Blaupause sein könnte für alle anderen Ställe in Deutschland und damit dann wirklich das Ende der Milchwirtschaft einläuten. Ich weiß, dass es nur Schritt für Schritt geht und ich glaub da wirklich dran. Und ja, wenn du mitmachen willst, wenn du dich angesprochen fühlst, dann melde dich bitte. Und Carsten hat mir das erlaubt, in dieser speziellen Folge von meiner Vision zu sprechen. Weil das nämlich die hundertundfünfzigste ist.

Carsten Ja, weil das muss ich mal ehrlich sagen, wir sind ja hier der VW Käfer unter den Vegan Podcasts. Wir laufen und laufen und laufen und laufen und sind nicht totzukriegen. Eigentlich müsste ich dieses Laufen, Laufen, Laufen mehr als 150 mal.

Stefanie 151 mal eigentlich weil die nullte Folge, die rechnen wir ja nie mit.

Carsten Ja, aber rechne mal mit 150 plus null Ist wie viel? Ja!

Stefanie Ja, diese Klugscheißer hier immer genau.

Carsten So also eigentlich kein Jubiläum. Ich finde es trotzdem erwähnenswert, auch wenn wir das jetzt nicht groß feiern. Wir werden den 200. Geburtstag, die 200. Folge feiern. Bei uns. Geburtstag sozusagen. Genau. Meine Güte.

Stefanie Fast wie bei den Hobbitzen. Ja. 112 sten Geburtstag.

Carsten Aber komischerweise. Das mit den Hobbits kam mir auch in den Sinn. Ich wollte das auch irgendwie so komisch aussprechen. Egal. Vielen, vielen Dank für alle, die uns von der nullten Folge an kontinuierlich zuhören oder das meiste davon. Vielen, vielen Dank für alle Leute, die jetzt neu dazugekommen sind und sich vorgenommen haben, alle 150 Folgen auch noch mal anzuhören.

Stefanie Und vor allem vielen, vielen Dank an alle Steady Unterstützer und Unterstützerinnen. Alle, die uns bisher unterstützt haben, alle, die uns jetzt immer noch unterstützen. Das ist echt Wahnsinn. Egal ob du jetzt kurz dabei warst und uns nur kurz unterstützt hast, egal ob du uns schon lang unterstützt hast und jetzt doch gedacht, dass es reicht. Es ist alles super, jede Unterstützung hilft uns und ist echt willkommen. Und natürlich, wir haben wirklich super treue Steady Unterstützer und Unterstützerinnen, die von Tag eins mit an dabei sind, seit wir die Unterstützung quasi eingeführt haben. Und das ist wirklich, wirklich bemerkenswert Und wir sind da sehr, sehr dankbar für.

Carsten Genau, auch von mir nochmal ganz herzlichen Dank.

Stefanie Und natürlich auch für alle iTunes Rezensionen und alle, die uns zuhören. Und ja, wir freuen uns einfach über jeden und jede, der oder die uns zuhört und über alle Emails, die wir bekommen. Es ist wirklich super. Wir sind sehr, sehr dankbar dafür, dass wir so tolle Hörer und Hörerinnen haben.

Carsten Genau. Und dann würde ich sagen auf die nächsten 150 folgen.

Stefanie Genau.

Carsten Und ob! Jetzt darf ich mal wieder. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Ist Dein Kassenzettel Dein Stimmzettel?

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Folge 149 - Ist Dein Kassenzettel Dein Stimmzettel?

In dieser Folge

  • diskutieren Carsten und ich über eine These aus Kathrin Hartmanns Buch "Ende der Märchenstunde",
  • geht es um politisches Engagement und welche Formen wirksam sind und welche nicht,
  • spoilern wir ein wenig und verraten Dir, was es in Zukunft noch für Aktionen bei uns geben wird.

Kann Dein Kassenzettel Dein Stimmzettel sein? Ist ethischer Konsum politisch? Kann ich nur etwas bewegen, wenn ich auf die Straße gehe?

Darüber diskutieren wir in dieser Folge - hör doch gleich mal rein...

Links zur Folge

"Ende der Märchenstunde" von Kathrin Hartmann
https://www.buch7.de/store/product_details/106737196

Folge 148 - Neues vom Happy Vegan Baby

Ein Beitrag

Folge 148 - Neues vom Happy Vegan Baby

In dieser Folge

  • spreche ich mit Henry und Melike über den Alltag ihres vegan-lebenden Kleinkinds,
  • erzählt Henry von den Erfahrungen im Kindergarten und
  • berichtet Henry über die Ergebnisse der Vechi-Studie.

Henry und Melike kennst Du schon aus Folge 86, in der wir auf Hörerwunsch über vegane Schwangerschaft und Stillzeit gesprochen haben.

In dieser Folge schauen wir darauf, was seitdem passiert ist und sprechen vor allem auch über ihre Teilnahme bei der Vechi-Studie und die Auswertung des Ernährungsprotokolls ihres Sohnes.

Außerdem sprechen wir über den Alltag im Kindergarten, wie das Kind zuhause ernährt wird und Henry plaudert ein wenig aus dem Nähkastchen und verrät seine Lieblingsrezepte.

Hör doch gleich mal rein.

 

Links zur Folge

Wissenschaftliche Pläne für die Kinderernährung als PDF
https://vegan-taste-week.de/vegane-kinderernaehrung-plane

Dreena Burton »Familien mit Pflanzenpower«
Leckere rein pflanzliche Rezepte nach der »Whole Foods Plant Based«-Methode. Mit vielen tollen Rezepten für Hauptmahlzeiten und einem richtig guten Bananenbrot.
https://www.buch7.de/store/product_details/1026969345

Dr. Sigrid Steeb »Vegan. Gesund«
Das rein vegane Nachfolgebuch zu »Vegetarisch. Gesund«. Alle Rezepte sind recht einfach zu kochen und sehr lecker.
https://www.buecher.de/shop/diaeten--bewusste-ernaehrung/vegan-gesund-ebook-pdf/steeb-dr-med-sigrid/products_products/detail/prod_id/42328121/

Dr. Sigrid Steeb »Vegetarisch. Gesund«
Zwar vegetarisch, aber die Rezepte enthalten nur wenig tierliche Produkte, sind leicht zu veganisieren und kommen bereits mit der veganen Option. Leckere, schnell gemachte Gerichte.
https://www.buecher.de/shop/vollwertkueche/vegetarisch-gesund-ebook-pdf/steeb-dr-med-sigrid/products_products/detail/prod_id/37509029/

Martin Kintrup »Vegan für Faule«
https://www.buch7.de/store/product_details/1022447545

Dr. Michael Greger »Das HOW NOT TO DIE Kochbuch«
https://www.buecher.de/shop/diaeten--bewusste-ernaehrung/das-how-not-to-die-kochbuch/greger-michael/products_products/detail/prod_id/49197406/

Institut für alternative und nachhaltige Ernährung, welches die VeChi-Studie durchführt.
http://ifane.org/

VeChi-Studie: Studie zur Ernährung von vegetarisch, vegan oder mit Mischkost ernährten Kindern in Deutschland, die zur Zeit durchgeführt wird.
https://www.vechi-studie.de/

Vorläufiger Bericht zu den Ergebnissen der VeChi-Studie:
https://www.vechi-studie.de/aktuelles#cc-m-header-11819753412

Vorläufiger Bericht zu den Ergebnissen der VeChi-Studie bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/vegane-kinderernaehrung-ohne-maengel-moeglich

Ist es verantwortungsvoll, Kinder vegan zu ernähren?
Gespräch mit Dr. Markus Keller über die erste Studie zum Thema. 
https://www.mdr.de/kultur/radio/ipg/sendung-278324.html

Welt.de: Vegetarische und vegane Ernährung von Kleinkindern kann funktionieren.
https://www.welt.de/wissenschaft/video175645007/Studie-Vegetarische-und-vegane-Ernaehrung-von-Kleinkindern-kann-funktionieren.html

Presseportal.de: Vegetarische und vegane Kinderernährung
Studie zeigt: vegetarische und vegane Ernährung funktioniert
https://www.presseportal.de/pm/128917/3921001

Folge 147 - Tierethik kurz und verständlich

Ein Beitrag

Folge 147 - Tierethik kurz und verständlich

In dieser Folge

  • stellt Carsten die beiden Bücher "Tierethik- Der Comic zur Debatte" Julia Kockel und Oliver Hahn und "Tierethik - kurz + verständlich" von Friedrike Schmitz vor,
  • erklärt Carsten warum ihm das eine Buch besser gefällt als das andere und
  • erzählen wir Dir, was Du machen musst, um das "Tierethik - kurz + verständlich" Buch zu gewinnen.

Mit Friederike Schmitz hat Carsten schon einmal im Podcast gesprochen und in dieser Folge stellen wir ihr Buch "Tierethik - kurz + verständlich" gemeinsam mit dem Tierethik-Comic vor.

Carsten erklärt Dir kurz und bündig, was Dich in beiden Büchern erwartet und wann Du diese Bücher lesen solltest.

**Datenschutzdisclaimer**

Solltest Du bei der Buch-Verlosung mitmachen wollen, benötigen wir von Dir Deine E-Mail-Adresse, um mit Dir in Kontakt treten und später auch Deine Postadresse, um Dir das Buch zusenden zu können.

Wir nutzen diese Daten nur zu dem Zweck, um Dir das Buch zuzusenden und löschen sie danach sofort wieder.

Bitte teile uns Deine Postadresse erst mit, wenn wir Dich als Gewinner*in benachrichtigen.

Wenn Du an der Verlosung teilnimmst, erklärst Du Dich mit diesen Bedingungen einverstanden.

Links zur Folge

"Tierethik - Der Comic zur Debatte" von Julia Kockel und Oliver Hahn
https://www.buch7.de/store/product_details/1029813503

"Tierethik - kurz + verständlich" von Friederike Schmitz
https://www.buch7.de/store/product_details/1030543001

Hand in Hand für Tierrechte

Ein Beitrag

Folge 146 - Hand in Hand für Tierrechte: ein Rückblick

In dieser Folge spreche ich mit Inga, Caro, Patricia, David und Markus vom Tierrechtsaktivistenbündnis über ihre Veranstaltung "Hand in Hand für Tierrechte" am 27.10.2018 in Hamburg.

Dabei schauen wir hinter die Kulissen und sprechen unter anderem darüber

  • wie viel Vorbereitungszeit die Veranstaltung gebraucht hat,
  • was die Vision war und wie nah sie dieser gekommen sind und
  • welche Tipps sie für Dich haben, wenn Du auch eine solche Veranstaltung organisieren möchtest.

Die Hand in Hand für Tierrechte Aktion ist für mich ein klarer Beweis dafür, dass eine kleine Gruppe Menschen viel bewegen kann.

Ein kleiner Hinweis zur Audioqualität: da wir im Kreis um das Mikrofon saßen, gibt es leider Lautstärkeschwankungen und auch einige Hintergrundgeräusche.

Links zur Folge

VegFund
https://vegfund.org/

Die Veranstaltung Hand in Hand vom 27.10.2018 auf Facebook:
https://www.facebook.com/events/206896350000443/

Tierrechtsaktivistenbündnis Website:
www.tierrechtsaktivistenbuendnis.de

Tierrechtsaktivistenbündnis Facebook-Seite
https://www.facebook.com/Tierrechtsaktivistenbuendnis/

Tierrechtsaktivistenbündnis Instagram-Account:
https://www.instagram.com/tierrechtsaktivistenbuendnis/

Im Gespräch mit Stefanie Herzog

Ein Beitrag

Folge 145 - Im Gespräch mit Stefanie Herzog von UnternehmensGrün

In dieser Folge

  • spricht Carsten mit Stefanie Herzog vom Verband UnternehmensGrün über dessen Rolle im Greening der Berufe,
  • erklärt Stefanie Herzog wie nachhaltiges Wirtschaften funktionieren kann,
  • berichtet Stefanie Herzog über die Werte und Ziele von UnternehmensGrün e.V.

Stefanie Herzog hat auf der Veggienale in Hamburg einen Vortrag über das Greening der Berufe gehalten und so Carstens Interesse für den Verband geweckt.

Wenn Du wissen möchtest, was es damit auf sich hat, hör doch einmal rein.

 

Links zur Folge

UnternehmensGrün e.V.
www.unternehmensgruen.de

Informationen zur Mitgliedschaft:
https://www.unternehmensgruen.org/ueber-uns/mitglied-werden

Flyer "UnternehmensGrün stellt sich vor":
Flyer als PDF

UnternehmensGrün auf
Facebook
Twitter
Instagram

Bei XING gibt es eine Gruppe "UnternehmensGrün e.V." mit über 500 Mitgliedern.

Der Von Herzen Vegan - Podcast ist da!

Ein Beitrag

Folge 144 - Der Von Herzen Vegan Podcast ist da!

In dieser Folge

  • stelle ich Dir meinen brandneuen Solopodcast "Von Herzen Vegan" vor, der ab sofort parallel zum Einfach Vegan Podcast erscheinen wird,
  • berichte ich Dir, was Dich im Von Herzen Vegan Podcast erwarten wird und
  • erzählen ich Dir von einer Aktion, die ich für die Weihnachtszeit plane.

Happy Weltvegantag!

Pünktlich zum Weltvegantag bekommst Du nun noch mehr Unterstützung für Deinen veganen Alltag und zwar- wie könnte es anders sein - in Form eines Podcasts.

Hör am besten gleich einmal rein.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Carsten Diese Folge veröffentlichen wir ganz bewusst am 1. November, denn heute ist der Weltvegantag und wir möchten dir heute etwas ganz Neues, etwas ganz Tolles vorstellen.

Stefanie Das ist ganz nett, Carsten, dass du das so ankündigst. Etwas ganz Neues und Tolles. Wir können auch vielleicht vorher noch einen Rückblick machen, denn wir waren ja am Wochenende am Samstag bei der Hand in Hand Aktion dabei in Hamburg und haben auch schon unseren Enthusiasten einen Rückblick gegeben und wir verlinken auch noch mal die Aktionen in den Shownotes. Du wirst da dann auch auf der Facebookseite zum Beispiel ganz viele Fotos und Videos finden und vielleicht erkennst du auch Carsten irgendwo. Das ist quasi jetzt ein Suchauftrag für dich: finde Carsten.

Carsten Also mich gibt es dort auf dem Foto ja. Also das ist keine vergebliche Suche.

Stefanie Ich habe drei Fotos mit Carsten gefunden. Mal gucken, ob du mehr oder weniger findest. Such Carsten ist der Auftrag.

Carsten Gibt es da was zu gewinnen?

Stefanie Nein, das ist just for fun. Okay, also es war super und ich möchte auch die Chance nutzen, unsere Hörer·innen, Heike und Kai mit den Kindern, ich weiß nicht, ob die Kinder auch zu hören, aber zumindest die beiden zu grüßen, die sich mir vorgestellt haben, das fand ich total lustig. Ihr zwei, dass ihr gesagt habt: Hey, bist du nicht die vom Podcast? Und das war irgendwie ziemlich cool mittlerweile. Wenn man dann da angesprochen wird von Menschen, die uns hören. Also wenn ihr uns jetzt auch gerade zuhört, viele Grüße.

Carsten Ja und unabhängig von den unerwarteten Grüßen bzw Bekanntschaften, die sich dann aufgetan haben, war es ja aus meiner Sicht auch so ein kleines Spektakel, also im positiven Sinne. Also mir hat der Tag unglaublich viel gebracht. Es war ein unglaublich unbeschreibliches Gefühl da in dieser Menschenkette zu stehen und später diesen Protestmarsch mitzumachen, der wirklich durchs Herzen von Hamburg geführt hat und unglaublich viel Publikum hatte. Also es war auch vom Wetter her gigantisch. Es hat einfach alles zusammengepasst. Es war genügend Fußvolk in den Straßen, die diese Aktion mitbekommen mussten, weil sie so auffällig war. Und es war wirklich bewegend.

Stefanie Ja, und wir werden auf jeden Fall mit den Macher·innen auch noch mal ein Gespräch führen. Also mit dem Organisationsteam, um aus ihnen herauszukitzeln, wie das alles abgelaufen ist, was ihr Fazit ist und generell vielleicht auch Tipps für dich zu gewinnen, wenn du selber so eine Aktion planen möchtest.

Carsten Genau, da bin ich schon gespannt auf das Gespräch. Ich hoffe ja daraus zu hören, dass vielleicht nächstes Jahr noch mal so was stattfindet.

Stefanie Mal schauen.

Carsten Gerüchteweise habe ich das gehört, aber ich weiß nicht, ob das tatsächlich von den Organisator·innen kam oder ob das jetzt einfach nur ein Wunschdenken von den Leuten war, die mitgemacht haben.

Stefanie Ich bin auch einmal angesprochen worden, das wievielte Mal das denn jetzt schon stattfindet.

Carsten Also wie gesagt, wöchentlich.

Stefanie Angesagt ist es das erste Mal und das war natürlich auch ein mega Organisationsaufwand. Aber dazu werden wir hoffentlich dann bald noch mal eine Folge veröffentlichen.

Carsten Genau So, und jetzt kommen wir zur Überraschung, zur Überraschung.

Stefanie Hey, hey, Ich starte einen neuen Solopodcast. Ganz ohne Carsten. Nur mit mir.

Carsten Wo soll ich jetzt Hey rufen?

Stefanie Carsten ist schon ganz neidisch. Also den Einfach Vegan Podcast wird es natürlich weiterhin geben. Ich habe nur gemerkt, dass es für mich wichtig ist, noch mal einen Solo Podcast zu starten, wo es wirklich um das geht, was ich im Von Herzen Vegan Clan aufgebaut habe. Was so die Essenz ist, auch aus, ja eigentlich schon aus meinem Leben. Aus der ganzen Entwicklung zum vegetarisch werden hin zum vegan werden und jetzt den ganzen Erfahrungen, die ich gemacht habe und das braucht irgendwie diesen Raum von einem eigenen Podcast. Und das werden Impulse sein, deinen veganen Alltag bereichern. Und zwar, dass du den Herausforderungen, die du ganz normal immer in deinem Alltag hast, dann gelassen meistern kannst.

Carsten Das ist jetzt keine direkte Vorankündigung, sondern du hast ja schon die ersten Folgen veröffentlicht.

Stefanie Genau. Ich war schon ganz fleißig und habe mich tatsächlich hingesetzt und habe die ersten drei Folgen schon veröffentlicht. Und du kannst also jetzt, direkt nachdem du diese Folge gehört hast, auch die ersten drei Folgen dir anhören. Und das sollen kurze Folgen sein. Im Moment sind es so weniger als zehn Minuten pro Folge. Es sind Übungen und wie gesagt Impulse. Das sind Geschichten und buddhistische Weisheiten. Es werden Interviews sein mit Achtsamkeitstrainer·innen, mit Therapeut·innen und verschiedenen Menschen mehr, die ich dann ansprechen werde, die dir direkt praktische Übungen geben können, damit du den Herausforderungen in deinem Alltag gelassen gegenübertreten kannst.

Carsten Und wie häufig willst du veröffentlichen?

Stefanie Also ich habe mich noch nicht festgelegt. Ich dachte an mindestens einmal die Woche, aber ich habe gedacht, ich möchte dass das so ein lockeres Format wird. Und zwar haben wir ja mit dem Einfach Vegan Podcast auf jeden Fall dieses wöchentliche Format und das wird auch weiterhin so bestehen bleiben, weil der Podcast, den du jetzt gerade hörst, eine Forschungsreise ist hin zu einem neuen Wohlstandsmodell, was du ja immer hörst, am Anfang, wenn Carsten nicht vergisst es auszusprechen. Manchmal passt es auch nicht so ganz, aber jedenfalls unsere Motivation mit diesem Podcast ist ja tatsächlich, dir unsere Geschichte zu erzählen, die zu dokumentieren und dir unsere Entwicklung auch darzulegen.

Und der Von Herzen Vegan Podcast, den ich jetzt neu gestartet habe, bezieht sich wirklich auf das vegane Leben im Alltag und Impulse im Alltag. Also Übungen. Und wie gehe ich damit um? Weil du ja automatisch als Veganer·in in einer Konfliktsituation bist. Weil wir die Minderheit sind, weil wir nicht der Norm entsprechen und dann automatisch einfach da so reinrutschen. Und ich merke immer wieder, egal mit wem ich spreche: soziale Begebenheiten sind die größte Herausforderung, also soziale Konflikte, sei es mit dem eigenen Partner oder der eigenen Partnerin, der·die nicht vegan lebt oder mit der Familie, die irgendwie vegan kritisch ist oder im Umfeld, wenn ich arbeite oder wo auch immer.

Es gibt immer wieder soziale Situationen, die dich davon vielleicht auch abbringen können, vegan zu leben, wenn du alleine bist oder die dich in Verzweiflung stürzen können oder im schlimmsten Fall, dich auf die Dauer verbittern lassen. Und dem möchte ich entgegenwirken, in dem ich zum einen den Von Herzen Vegan Clan gegründet habe und zum anderen jetzt den Podcast ins Leben gerufen habe, um dir mit diesen kleinen Audioimpulsen dann weiterzuhelfen. Jetzt hattest du eigentlich gefragt, wie häufig der Podcast erscheint.

Carsten Hast Du beantwortet mit wahrscheinlich wöchentlich. Heißt aber, es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass du zwischendurch einfach mal häufiger machst oder vielleicht auch mal Pausen einlegen musst?

Stefanie Genau. Also es ist tatsächlich so, dass der Einfach Vegan Podcast weiterhin der Stammpodcast sein wird und wo wir versuchen diesen wöchentlichen Rhythmus beizubehalten. Du hast vielleicht auch gemerkt, dass wir es jetzt einmal tatsächlich in den über zweieinhalb Jahren nicht geschafft haben und das es aber normalerweise so ist, dass wir wöchentlich senden. Und bei dem Von Herzen Vegan Podcast wird es sich einpendeln, einfach auf ein bestimmtes Format. Im Moment denke ich mindestens wöchentlich, aber ich werde es tatsächlich so machen, wie es am besten passt. Im Moment habe ich durch die ganzen Inhalte, die ich für den Clan erarbeitet habe, ausreichend Inhalt vorbereitet, dass es jetzt erstmal kontinuierlich so weitergehen wird. Aber ich will das auch so ein bisschen sich selbst entwickeln lassen, je nachdem, was ich auch für Feedback bekomme, was du mir sagst, was du brauchst.

Carsten Das heißt also dieses Format selber. In den ersten drei Folgen ist es ja kurz und knackig, das ist so Impulscharakter. Aber weil du vorhin auch schon so Interviews angedeutet hast, kann es durchaus mal sein, dass du ein bestimmtes Thema nochmal ein bisschen intensiver oder ein bisschen umfangreicher dann diskutierst.

Stefanie Also das weiß ich noch nicht, ob ich es tatsächlich so machen werde. Es kann auch sein, dass ich das dann aufsplitte in verschiedene Folgen. Ich will sie schon generell relativ kurz halten, weil ich irgendwie denke, das macht mehr Sinn, so was mal sozusagen zu hören, auch wenn jetzt mal eine Folge eine Viertelstunde lang ist. Ich habe das bei den Milchgeschichten auch gemerkt, es fällt mir dann leichter, das wirklich so in einem kleineren Format zu machen, weil es auch nicht so im Gespräch ist. Klar, im Interview wäre es im Gespräch, aber ich denke, auch da liegt in der Kürze die Würze.

Ich beabsichtige tatsächlich, dass ich dann mit den Interviewpartner·innen dann auch diese Übungen mache, also dass die ihre Übungen vorstellen und dass wir das dann auch splitten können, wenn sie sagen, okay, das ist ein Übung für den Notfall, wenn du gerade an so einem Tiertransporter vorbei fährst und total geschockt bist und nicht weißt, was du tun sollst, dann mach diese Übung zum Beispiel. Oder wenn du bei der Familienfeier bist und dann machen die blöde Witze und was weiß ich, wie reagierst du dann? Also alles, was dir in solchen Situationen hilft, im Alltag.

Meiner Meinung nach ist vegan werden nicht schwer, vegan bleiben dann aber sehr - teilweise. Vor allem, wenn du keinen Rückhalt hast. Ich habe das Glück, dass ich Carsten an meiner Seite habe und dann auch so viel jetzt mich weiterentwickelt habe und so viele Übungen an der Hand hatte und auch noch andere Menschen, die mir geholfen haben. Und das möchte ich jetzt mit dem Podcast und mit dem Clan weitergeben.

Carsten Okay, also das klingt spannend und interessant. Du hast ja tatsächlich schon vor einiger Zeit angefangen, dieses ganze neue Konzept auszuarbeiten. Sind da noch irgendwelche anderen Ideen entstanden?

Stefanie Oh Carsten, wenn du mich jetzt gerade so fragst, so spontan, dann lass dir sagen: Ja, Tatsächlich habe ich mir überlegt, dass ich eine „Gelassen durch die Weihnachtszeit“- Aktion starten möchte und das Kind hat quasi noch keinen richtigen Namen gelassen. Durch die Weihnachtszeit ist noch der Arbeitstitel. Ich bin gerade dabei, das auszuarbeiten und nächste Woche wirst du auf jeden Fall mehr dazu erfahren. Ein Spiel sozusagen. Deine Mission ist: „Ich komme gelassen durch die Weihnachtszeit.“ Als Veganer·in natürlich. Denn gerade in der Weihnachtszeit gibt es ja die verschiedensten Hürden. Und dann also sei es jetzt Familientreffen, sei es irgendwie von der Arbeit aus Weihnachtsessen, sei es generell, dass du jetzt mal dein Weihnachtsgebäck irgendwie da kaufen möchtest oder Weihnachtsmärkte besuchen oder was auch immer.

Und in dieser Aktion möchte ich dich Ende November darauf vorbereiten. Da machen wir, so wie du das von einem Spiel dann auch kennst, die Spielvorbereitung. Was sind die Spielregeln? Und dann starten wir natürlich direkt am 1. Dezember in diese Aktion und dann ist deine Mission „Gelassen durch die Weihnachtszeit zu kommen“. Und das große Finale ist dann Heiligabend mit dem Weihnachtsessen und allem drum und Dran. Es wird eine Telegramgruppe geben. Eine geschlossene. Telegram ist so ähnlich wie WhatsApp, nur viel datenschutzsicherer und genauso leicht zu bedienen. Du wirst also überhaupt keine Probleme haben, das zu bedienen. Das ist die Austauschgruppe, Da wird es dann auch kleine Aufgaben geben. Du wirst Spielpartner·innen bekommen, Verbündete finden.

Da ich ja weiß, wir alle haben ja nicht viel Zeit in der Weihnachtszeit, werden das natürlich kleine mini machbare Aufgaben sein. Aber wie gesagt, die Mission ist, du kommst gelassen durch die Weihnachtszeit und das ist deine Herausforderung. Meine Herausforderung ist, dich da so durchzubringen, Deine Herausforderung, dich dem zu stellen. Und sobald es so weit ist und du dich dafür anmelden kannst, werde ich dich noch einmal informieren. Und ich werde das auch im Von Herzen Vegan Podcast noch einmal genauer vorstellen, denn ich brauche noch ein paar Tage Vorbereitungszeit. Ich wollte dich aber schon mal darauf hinweisen, dass es das geben wird und dass du gespannt sein darfst, wie es damit weitergeht.

Carsten Also wenn du der Fels in der Fleisch-Brandung werden möchtest. Dann ist das Spiel auf alle Fälle genau perfekt für dich.

Stefanie Genau. Also das ist auf jeden Fall dann interaktiv mit mir zusammen und es ist kostenlos. Das kann ich vielleicht noch dazu sagen. Es ist kostenlos. Quasi mein Weihnachtsgeschenk an dich. Alle weiteren Infos findest du dann auf jeden Fall auch auf der Von Herzen Vegan Webseite und im neuen, brandneuen Von Herzen Vegan Podcast. Und natürlich werden wir auch in der nächsten Podcastfolge dann das auch verlinken. Und wenn du dich für den Von Herzen Vegan Letter angemeldet hast, wirst du auch dort dann von dem Anmeldeformular erfahren. Wenn du dich noch nicht angemeldet hast, melde dich an! Also du hast viele, viele Möglichkeiten davon zu erfahren.

Carsten Boah, das waren jetzt aber Neuigkeiten!

Stefanie Dann möchte ich diese Folge aber auch nicht beenden, ohne mich bei unseren Steady Unterstützer und Unterstützerinnen zu bedanken. Unseren tollen Enthusiasten und Enthusiastinnen und unseren zwei Puristen, bzw. drei, denn eine davon sind ja ein Paar und dann ein einzelner.

Carsten Ja, da muss man schon korrekt sein.

Stefanie Genau das muss man schon so hervorheben, also lobend erwähnen. Genau. Also vielen, vielen Dank, vielen Dank. Das ist wirklich total super, dass ihr uns unterstützt. Und natürlich bedanken wir uns auch bei allen Emails, die bei den Emails selbst bedanken wir uns vielleicht nicht, aber bei den Absender·innen, denjenigen Menschen, die uns erreichen. Ach liebe Email, ich bedanke mich bei Dir. Genau das ist so schön mit dir. Also ja, bei allen, die uns Emails schreiben, sagen wir mal so, bedanken wir uns auch. Und natürlich auch, dass du uns hörst. Bei iTunes Rezensenten und Rezensentinnen. Wir haben jetzt 30 Rezensionen, da sind wir ja schon.

Carsten Die müssen wir knacken.

Stefanie Also da sind wir dabei...

Carsten Ran dabei - 31 wollen wir jetzt sehen.

Stefanie Ja, und da kommen die kölschen Wurzeln, durch die wir gar nicht haben...

Carsten Wird Zeit, dass die Folge jetzt langsam mal dem Ende zuneigt. Darauf zu geht.

Stefanie Der Zoch kütt... Ja, also jedenfalls, bevor wir jetzt hier völlig abdriften, es ist mal wieder viel zu spät, würde ich sagen. In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Digger

Stefanie und Zipfel. Mors mors.

Carsten Mors. Mors. Auf Wiederhören.

Stefanie Adieu.

Langsam reisen für Anfänger

Ein Beitrag

Folge 143 - Langsam reisen für Anfänger

In dieser Folge

  • sprechen wir über unsere aktuelle Reiseerfahrung,
  • stellen wir Dir Tipps zum fairen und nachhaltigen Reisen vor und
  • berichten wir worauf Du als Veganer*in im Urlaub achten solltest.

Wir waren unterwegs und haben das zum Anlass genommen einmal über langsames Reisen zu sprechen. Entstanden ist eine Mischung aus persönlichem Erfahrungsbericht und allgemeinen Tipps zum nachhaltigen Reisen- hör doch mal rein.

Links zur Folge

Komiko - Konsum mit Köpfchen in Bremen
https://www.komiko-bremen.de/

Podcastfolge 89 - Vegan an der Ostsee

Komm zur Aktion "Hand in Hand für Tierrechte"
https://www.tierrechtsaktivistenbuendnis.de/

Dr. Michael Gregers "How not to die"

Ein Beitrag

Folge 142 - Dr. Michael Gregers "How not to die"

In dieser Folge

  • stellen wir das Buch "How not to die" von Dr. Michael Greger vor,
  • erzählt Dir Carsten wann Du das Buch unbedingt lesen solltest und
  • gibt Carsten Kostproben aus dem Buch zum Besten um Deinen Lesereiz anzukitzeln

"How not to die" von Dr. Michael Greger ist ebenso ein Klassiker, wie die China Study, wenn es um den Vorteil von pflanzenbasierter Ernährung geht. Kein Wunder also, dass Carsten es unbedingt lesen und rezensieren musste.

Links zur Folge

"How not to die" von Dr. Michael Greger
https://www.buch7.de/store/product_details/1026973596

"Das How not to die Kochbuch" von Dr. Michael Greger
https://www.buch7.de/store/product_details/1031726094

Nutritionfacts
https://nutritionfacts.org/

Nutritionfacts Podcast
https://nutritionfacts.org/audio/

Daily Dozen Challenge
https://nutritionfacts.org/daily-dozen-challenge/

Daily Dozen App
Apple iTunes | Google Play

Transkript (Korrektur gelesen von ä'Odner)

Stefanie Diese Folge wollen wir wieder bewusst kurz halten. Und Carsten möchte gerne ein Buch vorstellen, und zwar das „How Not to Die“ von Dr. Michael Greger mit Gene Stone. Und das ist allerdings tatsächlich die deutsche Variante, die Carsten gelesen hat. Und der Untertitel lautet „Entdecken Sie Nahrungsmittel, die Ihr Leben verlängern und bewiesenermaßen Krankheiten vorbeugen und heilen“.

Carsten Ja, das Buch, das. Da habe ich schon die ganze Zeit darauf hingefiebert, weil das extrem mein Metier ist. Also ich, ich liebe das so, diesen gesundheitlichen Aspekt von Ernährung da nochmal irgendwo nachlesen zu können. Und da ist Dr. Michael Greger natürlich so, ja, ich sage jetzt mal die richtige Quelle dafür.

Stefanie Das ist der gute Mann mit NutritionFacts.org.

Carsten Genau da kommt er her. Das bewirbt er indirekt in diesem Buch auch. Was heißt nicht indirekt, sondern zum Schluss sogar direkt. Verweist einfach darauf, dass es da weitere Informationen gibt. Und ja, er hat da im Rahmen dieser Arbeit um diese - ich glaube es ist eine Stiftung - NutritionFacts.org unglaublich viel Informationen sammeln können. Das präsentiert er zum Einen eben auf der Internetseite. Zum anderen hat das aber auch noch mal, ich sag jetzt mal so, als Aggregat in dieses Buch reingepackt. Wenn Du, liebe Hörerin, lieber Hörer, also Dr. Michael Greger schon kennst und vielleicht auch schon relativ häufig bei NutritionFacts.org geschaut hast, wirst du, und das muss ich jetzt dazusagen, in diesem Buch wahrscheinlich relativ wenig Neues vorfinden, weil die meisten Informationen tatsächlich auf der Internetseite schon verfügbar sind, aber eben in loser Reihenfolge oder maximal in einer von diesen jährlichen Reden, die er dort veröffentlicht. Also er scheint dort pro Jahr mindestens eine ausgiebige Vortragsserie mitzufilmen. Das sind dann meistens so Videos, die eine Stunde oder anderthalb Stunde laufen. Da geht er eben auf Kernbestandteile ein, die sich auch in diesem Buch wiederfinden. Nichtsdestotrotz, das Buch lohnt sich. Und für den Fall, dass du NutritionFacts.org bisher noch nicht gehört hast, solltest du zumindest dieses Buch im Auge behalten, wenn du teilweise oder auch komplett wie ich eben stark gesundheitlich motiviert bist.

Stefanie Und also wenn ich jetzt rein ethisch motiviert bin, gucken wir mal dann zu meiner Seite hin und das Gesundheitliche interessiert mich jetzt nicht so wirklich, dann muss ich es nicht unbedingt lesen.

Carsten Nein, also vom ethischen Standpunkt her wird hier eigentlich gar nicht großartig was abgehandelt. Dr. Greger betont quasi, dass das Tollste an dieser Ernährung ist, dass sie eben auch auf ethischer und auf ökologischer Ebene, ich sag jetzt mal, die beste Wahl ist, also nicht nur vom gesundheitlichen her. Das ist aber bei ihm, ich sag jetzt mal zumindest so und in den Schilderungen, die er jetzt in diesem Buch und auf NutritionFacts.org dort rausbringt, eher so ein positiver Nebeneffekt. Sein Augenmerk ist tatsächlich zu gucken, was sagt denn die Ernährungswissenschaft, Stand heute, und wie spielt das mit Ernährung zusammen? Und da merkt er einfach, dass im Rahmen seiner ganzen Auswertungen und Analysen, die er aus diesen ganzen Forschungsergebnissen zieht, alles für eine rein pflanzliche Ernährung spricht. Er geht aber jetzt nicht nur auf die positiven Effekte der rein pflanzlichen Ernährung ein, sondern skizziert natürlich auch das Gegenteil. Also was ist denn jetzt an einer Ernährung mit tierlichen Produkten jetzt eigentlich so schlecht oder bzw. so gesundheitlich negativ? Das wird hier natürlich auch behandelt.

Stefanie Und wie ist das Buch jetzt so aufgebaut? Du hattest gesagt, du hast es da jetzt so hingefiebert. Ist das jetzt ganz neu oder war es einfach nur, dass du es bisher nicht bekommen hast?

Carsten Also das Buch ist verhältnismäßig neu, ist es, ich glaube 2016 das erste Mal in der deutschen Auflage erschienen. Ich habe es damals wahrgenommen, aber immer noch genügend andere Bücher gehabt, die irgendwie wichtiger waren. Ich glaube, das war auch so eine Übergangsphase, wo wir angefangen haben, Bücher auszuleihen. Da war mir noch nicht so ganz bewusst, dass ich das tatsächlich hier in Hamburg in den Bücherhallen bekomme. Und dann irgendwann, als ich dann an den Punkt gekommen bin, wo ich gemerkt habe Mensch, jetzt, das gibt es hier in der Bücherei und ich kann es ausleihen und ich habe jetzt auch wieder Lust, mich mit diesem gesundheitlichen Thema auseinanderzusetzen, bin ich dann da darauf gestoßen, dass das Buch sehr häufig ausgeliehen war und immer vergriffen war, also ich muss es schon vorbestellen und sonst wäre ich da auch gar nicht dran gekommen.

Ansonsten, aber es ist halt aktuell, also 2016 ist ja jetzt wirklich nicht ganz so alt und aufgebaut ist das Buch in zwei Teilen. Im ersten Teil behandelt Dr. Greger Krankheiten nicht irgendwelche dahergelaufenen Krankheiten, sondern er untersucht die Top 15 der häufigsten Todesfälle oder Todesursachen. Die zieht er vornehmlich erstmal so aus dem amerikanischen Statistiken, das heißt, er guckt erst mal mit allem, was er sagt, sehr stark nach Amerika, nach US Amerika, das merkt man in diesem Buch auch, dass es da sehr sehr US-lastig ist, lässt sich aber inhaltlich, meiner Meinung nach, durchaus auf Deutschland oder auf die restliche Welt auch einfach übertragen.

Aber diese Top 15 Todesarten, das sind dann halt so Sachen wie Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Hirnerkrankungen, Krebs, diverse Infektionen, Diabetes, Bluthochdruck, Lebererkrankung etc. pp. Die bespricht er im ersten Teil immer vom Blickwinkel der Krankheit aus. Wie kann ich denn mit dieser Krankheit umgehen und welche Nahrungsmittel wirken sich dann positiv auf den Krankheitsverlauf aus? Und Wunder, oh Wunder, das ist das, wofür Dr. Greger auch bekannt ist, er zeigt, dass viele von diesen Krankheiten eben durch eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung auch verändert werden können.

Stefanie Also nicht geheilt, wenn du sie schon hast?

Carsten Doch, teilweise auch. Ja.

Stefanie Macht er echt solche Heilsversprechen?

Carsten Nein, er sagt, also er zitiert dort wirklich Studien. Das ist jetzt nicht irgendwie so ein Quacksalber, der jetzt irgendwie sagt „Mensch, wenn du das isst, dann wirst du geheilt“, sondern er zitiert Studien und versucht das auch wirklich in einer nüchternen Art und Weise darzustellen. Also jetzt nicht so marktschreierisch, sondern sagt, dass wenn… also mir fällt jetzt kein direktes Beispiel ein, ich habe ja auch keine Textstelle markiert, aber das geht so in die Richtung „Wenn du eine bestimmte Krankheit hast und du isst die und die Lebensmittel in der und der Menge, dann hast du laut der Statistik irgendwie eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit die Krankheit zu lindern oder dass sie komplett ausheilt. Das sind tatsächlich Aussagen, die er aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Ergebnisse tätigt.

Und das Besondere daran ist, da kommen wir jetzt wieder auf diese NutritionFacts.org, diese Stiftung, er hat ein sehr großes Team, ich meine vor ein paar Jahren mal gehört zu haben, dass es 20 Mitarbeiter sind, ich weiß nicht, wo er heute steht, aber die Leute machen nichts anderes, als tagtäglich die zigtausend wissenschaftlichen Arbeiten auszuwerten, die jedes Jahr dort im Bereich der Ernährungswissenschaft durchgeführt werden, sodass er immer die aktuellsten Forschungsergebnisse vorliegen hat und die auch in seine Aussagen reinbringt. Das merkt man immer schön, er hat da so eine süffisante Art und Weise, so was darzustellen. Also es ist nicht komplett trocken, sondern gerade so im zweiten Teil des Buches, wo es dann nicht aus der Sicht der der Krankheiten, sondern aus Sicht der Nahrungsmittel geht, da dreht er es quasi um, da merkt man schon, er schildert stärker anekdotenhaft aus seinem eigenen Erfahrungsschatz bzw. aus seinem eigenen Leben. Und da kommen auch schon mal so Aussagen, dass seine Familie immer mal wieder erstaunt ist, warum er - keine Ahnung jetzt - auf einmal versucht, in jedes Gericht Petersilie mit reinzubringen, weil er darüber gestolpert ist, dass eben viele Forschungsergebnisse, die er jetzt ja gerade in letzter Zeit gelesen hat, den positiven Effekt von Petersilie in den Vordergrund gestellt haben. Und die Familie schüttelt da teilweise schon mit dem Kopf, weil die sich gerade irgendwie dran gewöhnt haben, bestimmten Essensplan zu haben und dann kommt er hin und schmeißt die wieder über Bord und erweitert ihn halt. Also der ist ja sehr experimentierfreudig und schreibt das auch mit einer gewissen Art von Humor.

Ja, also noch mal so auf die Zweiteilung. Wie gesagt, der erste Teil guckt wie gesagt auf diese Krankheitsbilder, skizziert aus meiner Sicht sehr schön, wie man damit umgehen kann und gibt auch tatsächlich Ratschläge, die zum einen wissenschaftlich fundiert sind, wie ich gerade schon ausgeführt habe, zum anderen aber auch sehr leicht in den Alltag zu integrieren sind. Das heißt also, unabhängig davon, ob du jetzt tatsächlich eine von diesen Krankheiten hast, also Bluthochdruck und Diabetes sind ja jetzt keine unbekannten Krankheiten und auch das Herzinfarktrisiko und auch das Krebsrisiko sind ja in unserer Gesellschaft, ich sag es mal mindestens als hoch anzusiedeln, da lohnt es sich schon mal zu gucken, was sagt denn jetzt gerade so die Ernährungswissenschaft, mit was für Nahrungsmitteln man dem begegnen kann, und sei es einfach nur zur Vorsorge.

Der zweite Teil, wo er auf die Nahrungsmittel schaut, der konzentriert sich auf die sogenannten Dutzend Nahrungsmittel, die Dr. Greger persönlich empfiehlt. Das sind so seine persönlichen Favoriten.

Stefanie Sein tägliches Dutzend steht.

Carsten Sein tägliches Dutzend Dutzend. Ja, das sind so auch die Grenzen, wo ich merke, dass mir das englische Original dann doch besser gefällt. Weil auch wenn ich jetzt das Buch nicht im Englischen gelesen habe, aber ich kenne halt seinen Daily Dozen. Ja, also es sind auch einige Redewendungen mit drin, die jetzt hier der deutschen Übersetzung zum Opfer gefallen sind, das merkt man beim Lesen. Aber auch gerade diejenigen, die häufiger mal die die Videos auf NutritionFacts.org anschauen, die werden auch merken, dass da ein bisschen sprachlich auf der Strecke geblieben ist.

Dieses tägliche Dutzend selber kann ich jetzt mal kurz zitieren, das sind Bohnen, Beeren, generell anderes Obst, Kreuzblütler-Gemüse, also sprich Brokkoli, Brokkoli ist so sein Lieblingsgemüse, grünes Blattgemüse. Dann halt andere Gemüsearten wie Paprika und keine Ahnung, Rote Beete oder Möhren. Leinsamen, Nüsse und Samen, Kräuter und Gewürze, Vollkorn, Getränke. Na ja, und dann ein Nicht-Nahrungsmittel halt: die Bewegung, die da mit reinspielt.

Stefanie Ja, er ist ja nun so ein Daily Dozen, es ist ja nicht das Eatable Dozen oder so?

Carsten Nein, absolut.

Stefanie Nicht. Das gehört dazu.

Carsten Das gehört eben mit dazu, um langfristig gesund zu bleiben. Und seine These ist, dass wenn man diese zwölf Nahrungsmittel möglichst täglich in die Ernährung einbaut, dann lebt man halt definitiv länger. Wissenschaftlich erwiesen. Also dann baut er eben auch da an der Stelle auf die aktuelle Forschungslage der Ernährungswissenschaft auf. Damit man das dann besser in den Alltag integrieren kann, gibt es tatsächlich ein elektronisches Hilfsmittel. Und zwar hat er eine App entwickeln lassen: Dr. Gregers Daily Dozen. Die ist im Open Source-Bereich mittlerweile angesiedelt. Ich habe sie vor, ich weiß gar nicht, die ist schon ein bisschen älter, da habe ich sie in der ersten Version mal gesehen. Jetzt, im Rahmen dieses Buches habe, ich mir die aktuelle Version angeguckt und muss echt sagen, die ist richtig gut geworden.

Die war damals mehr so eine Art interaktive Checkliste, wo man einfach gucken konnte, was soll ich eigentlich tagtäglich essen und was habe ich gegessen, dann hat man es abgehakt und das war so eine Merkerliste. Jetzt ist es mit einer Statistik, dass man auch über den Zeitverlauf sieht, wie gut bin ich eigentlich jeden Tag, jeden, jede Woche, jeden Monat gewesen? Wie viel davon habe ich jetzt ausschöpfen können? Sie ist ein bisschen detaillierter geworden und was richtig cool geworden ist, das zu den einzelnen Bereichen auf seine Internetseite verlinkt wird. Das heißt, kannst du also mit einem Fingertipp auf die App, dann direkt in die Videos oder in weiterführende Texte rein und dich da tiefer ins Thema eingraben und wirklich mal die Hintergründe recherchieren. Also nicht nur darauf vertrauen, dass er sagt „Ja, das ist gesund“, sondern auch gucken, warum ist das gesund? Was für Nährstoffe stecken da drin und wie helfen die eigentlich? Es ist wie gesagt richtig gut geworden und da sie halt kostenlos ist, absolut zu empfehlen und sei es einfach nur als Nachschlagewerk.

Was mir jetzt an diesem Buch ganz besonders gut gefallen hat, ist einfach die Art und Weise, wie er es darstellt. Also so der Humor, der da teilweise durchspricht, der ergibt sich dann meistens so aus dem, wenn du liest. Aber ich versuche jetzt einige Passagen mal da rauszunehmen, um einfach mal zu zeigen, wie er das formuliert. In dem einen Kapitel geht es um den Bereich Lebensmittelvergiftung, also Salmonellen oder irgendwelche Keime, die in Lebensmittel drin sein können und bei dir zu Übelkeit und Unwohlsein bzw. vielleicht sogar zum Krankenhausaufenthalt führen können.

„Einer der Gründe dafür, dass tierische Produkte die Hauptschuldigen sind, ist darin zu suchen, dass die meisten Krankheitserreger in Lebensmitteln von Fäkalien stammen. Da Pflanzen nicht kacken, stammt E. Coli, die sie vielleicht über den Spinat aufgenommen haben, nicht wirklich vom Spinat. E. Coli-Bakterien sind intestinale Pathogene oder bzw. Krankheitserreger aus dem Darm“ usw. und so fort.

Stefanie Spinat hat aber keinen Darm. Es steht da.

Carsten Genau. Also das ist so … man muss da schon ein bisschen schmunzeln. So in einem anderen Zusammenhang auch mit diesen Keimen geht darauf ein, wie die Keimbelastung zu Hause ist. Da werden teilweise so Forschungsergebnisse gezeigt, auch wieder auf die amerikanische Bevölkerung bezogen, wo Forscher einfach mal schauen wollten, wie keimbelastet ist denn die Küche und der Lebensraum, nachdem Personen dort Hähnchen oder Hühner verarbeitet haben. Und haben halt festgestellt also Hühner oder Hähnchen sind halt definitiv so keimbelastet, dass du, egal was du machst, selbst wenn du nachher dein Heim komplett mit Bleiche irgendwie putzt, wirst du immer noch eine Verkeimung haben. Und in dem Zusammenhang steht jetzt zum Beispiel drin

„Der Grund, weshalb die meisten Menschen mehr Fäkalien-Bakterien im Spülbecken als auf dem Toilettensitz haben, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass sie ihr Hähnchenfleisch in der Küche und nicht im Badezimmer zubereiten.“

Also das sind so Sachen, die finde ich auch immer noch ganz amüsant von der Art und Weise, wie er das schildert. Und er zieht auch immer einen Vergleich zwischen anderen Lebensmittelbranchen oder auch Tabakindustrie ist bei ihm immer gern gesehen und und der Art und Weise, wie jetzt die Vermarktung stattfindet. Und da schreibt er zum Beispiel:

„Wenn das National Pork Board, also der nationale Verband der Schweinezüchter der USA, Schinken als exzellente Eiweißquelle anpreist, kann ich nicht anders, als an das berühmte Zitat eines Marketingbereichsleiters von McDonald's zu denken, der unter Eid vor Gericht aussagte, Coca Cola sei nahrhaft, weil sie Wasser enthält.“

Stefanie Was anderes konnte er auch nicht sagen. Na ja, das muss ich ja wieder an Thank you for Smoking denken. Also das ist das beste Beispiel für Marketing.

Carsten Genau. Und richtig gut finde ich dann so eine Beschreibung im hinteren Buch Bereich, da wo er dann auf Obst und Gemüse eingeht und so seine persönlichen Erfahrungen einsteuert. Da spricht er so ein bisschen über Durian-Früchte, die sagen mir jetzt herzlich wenig, das soll eine exotische Frucht sein, Da muss ich mal ein bisschen mehr zitieren. Da schreibt er:

„Durian Früchte sind die Obermacker des gesamten Obstreiches und wirklich nichts für Zartbesaitete. Stellen Sie sich einen über drei Kilo schweren amerikanischen Football vor, der wie ein mittelalterlicher Morgenstern mit lauter spitzen Stacheln übersät ist. Welche andere Frucht könnte wohl in der medizinischen Fachliteratur als etwas beschrieben werden, das schwerste Körperverletzungen verursacht, und zwar in Artikeln mit schockierenden Überschriften wie ‚Perforierte Hornhautverletzung durch Durian-Frucht’. Dabei habe ich ihre sprichwörtlich hervorstechendste Eigenschaft noch gar nicht erwähnt: ihren Geruch. Wegen des von ihr ausströmenden Dufts, der wohl am besten als Schweinemist, Terpentin und Zwiebeln, garniert mit einer durchsafteten Sportsocke beschrieben werden kann, sind in Südostasien, wo sie wachsen, an vielen öffentlichen Orten die Durian-Früchte verboten, wie zum Beispiel in U-Bahn oder Flughäfen. Natürlich muss ich so ein krasses Ding probieren.“

Er geht dann so im nächsten Absatz ein bisschen darauf ein, dass er das während seiner Studienzeit gemacht hat. Da hat er sowieso schon keinen guten Stand mit dem Dekan gehabt und er hatte dann eine von diesen Früchten tiefgefroren gekauft, die probiert und festgestellt „Naja, das ist wohl nicht das Wahre“ und musste irgendwo mit dem Rest der Frucht bleiben und hat das Ding dann einfach in einen Spind rein gestellt. Und am nächsten Tag war dann der die komplette Etage dieser Einrichtung, einschließlich des Büros des Dekans komplett abgeriegelt und ein Einsatzteam von, ich weiß gar nicht von was für einer, hat er versucht die Sprinter aufzubrechen, um diesen höllischen Gestank da zu eruieren? Und die Leute haben allen Ernstes geglaubt, dass irgendjemand Leichenteile aus der Pathologie entwendet hat und die im Spind dann aufbewahrt hat und die dann da angefangen haben zu verwesen, bis ihm dann halt klar geworden ist, upps, das ist seine Durian-Frucht, die über Nacht aufgetaut ist.

Stefanie Okay, also solche Anekdötchen gibt es da auch.

Carsten Genau. Also dafür ist er halt echt bekannt und das merkt man auch, wenn man seine Videos anschaut. Gerade so diese Jahresvorträge, die halt wie gesagt sehr ausführlich mit einer Stunde oder anderthalb Stunde sind, da flechtet er natürlich auch solche Anekdoten mit ein und das ist einfach schön, dass er das hier in diesem Buch auch miteinstellen kann. Also macht die ganze Sache eben kurzweilig und nicht wissenschaftlich trocken und dementsprechend ist es auf alle Fälle eine absolute Leseempfehlung.

Stefanie Und würdest du denn dieses Buch jetzt nur Veganern und Veganerinnen empfehlen, so zur vertiefenden Lektüre, wie ernähre ich mich jetzt richtig? Oder ist es auch was für Nichtveganer und Nichtveganerin?

Carsten Also es ist definitiv auch was für Nichtveganer und -Veganerin, weil dort eben auch, zumindest aus dem amerikanischen Raum, Ernährungsgesellschaften zitiert werden, die ja durchaus auf den gleichen Zug aufspringen. Also die Empfehlungen, die Dr. Greger dort zitiert, die finden sich ja heute auch, oder kann man nachlesen auf den Internetseiten der entsprechenden Behörden, die dort zitiert werden. Die gehen eindeutig in die Richtung, dass sie sagen „Esst mehr pflanzliche Lebensmittel, vielfältige pflanzliche Lebensmittel und versucht auf Teufel komm raus euren Konsum von tierlichen Nahrungsmitteln zu minimieren, idealerweise komplett drauf zu verzichten“. Also von daher ist auch das ja schon mal so eine Aussage, wo man merkt, es wird jetzt nicht ausschließlich an einen rein vegan lebenden Menschen adressiert, sondern es geht halt an die Allgemeinbevölkerung. Wobei die größte Einschränkung sehe ich eben, dass dieses Buch ausschließlich auf gesundheitlich orientierte Menschen zugeschnitten ist.

Stefanie Was ja in meiner Erfahrung irgendwie die Masse ist. Zumindest, also alle, die sich irgendwie gesundheitlich orientieren. Ich sehe das ja auch auf den Messen. Also alle Ernährungsberater, die da, sei es Nico Rittenau oder andere, die dann da Vorträge halten, haben immer einen Mega-Zulauf. Das heißt, ich glaube, dass sich viele Menschen dafür interessieren, wie sie sich gesund halten können und dass auch viele Ältere irgendwie merken okay, ich, wenn ich mich halt so und so ernähre, also auch so auf der Suche sind nach dem heiligen Gral, wie kann ich mich denn jetzt am besten ernähren, um gesund zu bleiben?

Carsten Ja genau. Also das ist ja auch er hat den Titel ja deswegen genauso gewählt und „How not to die“, wie man halt nicht stirbt. Er geht da ganz zum Schluss eben noch mal kurz drauf ein, aber jetzt nicht in der Art und Weise das, dass er versucht das irgendwie süffisant darzustellen, sondern ihm geht es einfach nur darum zu sagen „Ja, laut wissenschaftlicher Datenlage ist es tatsächlich so, dass beim Verzehr dieser Lebensmittel, die dort vorgestellt werden, tatsächlich das lebensverlängernd auswirkt, mindestens aber eben krankheitsvermindernd oder vorbeugend und dementsprechend ja auch einen ganz großen Anteil an Lebensqualität dann garantieren kann.

Und dass das Ganze jetzt in eine vegane Ernährung reinläuft. Er hat den Begriff ‚vegan‘, glaube ich, nur ein einziges Mal in diesem Buch aufgegriffen und auch nur an der Stelle, wo er gesagt hat, warum er es nicht als vegan tituliert, weil er tatsächlich von einer pflanzenbasierten Ernährung ausgeht. Er hat, ich sag jetzt mal, auch so dieses vegane mit einem negativ Touch wahrgenommen, und damit das halt nicht abschreckend wirkt, spricht da eben von von einer ausgewogenen und auch vollwertigen pflanzlichen Ernährung. Und das ist ja auch wieder, dass er versucht, die breite Masse zu adressieren.

Stefanie Das ist ja das, das viel gesagt wird, dass vegan, das Label vegan eben abschreckend wirkt und dass deswegen am besten vegan gar nicht auftaucht und das irgendwie pflanzenbasiert heißt, wenn es um die Ernährung geht oder nachhaltig, wenn es um den ganzen Lebensstil geht, und so. Willst Du abschließend noch irgendwelche Worte loswerden oder war das jetzt eigentlich alles?

Carsten Über das Buch an sich habe ich jetzt eigentlich genug erzählt, um hoffentlich bei dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, wenn du eben gesundheitlich motiviert bist, den Lesereiz an zu kitzeln. Also ruhig zugreifen, bestellen, ausleihen, wie auch immer.

Es gibt darüber hinaus aber noch ein zweites Buch wird jetzt nicht den Nachfolger, sondern das Kochbuch dazu. Das ist ähnlich wie bei der China Study. Wenn man so Bücher liest, dann stellt man sich immer die Frage „okay, jetzt weiß ich, was gesund ist, aber wie mache ich das denn tatsächlich so bei der Zubereitung der Gerichte?“ Und genau da gibt es jetzt auch, ähnlich wie bei der China Study, eben auch zu „How not to die“ ein entsprechendes Kochbuch mit Rezepten drin. Das habe ich bisher noch nicht gesehen, also ich ich weiß, dass es es gibt, aber noch nicht reingeschaut. Ähm, im hinteren Teil von von Hauner to. Da geht Dr. Greger so ein bisschen darauf ein, wie er seine Lebensmittel zubereitet und dann lässt er auch so ein bisschen über den Tellerrand gucken, dass er selber nicht so streng mit sich selbst ist. Also er hat jetzt keinen Cheatday, aber er orientiert sich an seinen Daily Dozen, insofern, dass er versucht, das tatsächlich zu beherzigen, weiß aber, gerade weil er eben Vortragsreisender ist und so schwer beschäftigt ist, dass das nicht in jeder Situation möglich ist und versucht dann eben trotzdem eben anhand der Ratschläge, die er zusammengefasst hat, das Beste rauszuziehen. Und dadurch merkt man dann schon okay, wie kann man denn das und das und das mal zubereiten oder wie kann man da eine Mittagessen oder ein Frühstück rausbekommen? Aber es zahlt jetzt in dieser Form eben kein direktes Nachschlagewerk, um leckere Rezepte da rauszubekommen. Da muss man dann tatsächlich das Kochbuch dazu bekommen.

Stefanie Wie steht er zum Thema Öl?

Carsten Ähm, er rät komplett von ab. Er sagte ähnlich wie wir es jetzt schon aus anderen Quellen gehört haben, dass wenn tatsächlich gebraten werden muss, dann eher mit Wasser oder mit Gemüsebrühe. Wobei er scheinbar persönlich dazu übergegangen ist, gar nicht mehr die Bratpfanne zu benutzen, sondern wenn er was anröstet oder so was, dann eher den Backofen zu nehmen, die Sachen dann eben direkt aufs Backblech legen und dann im Backofen so weit garen oder bräunen. Teilweise an einigen Stellen, wo ich gemerkt habe, okay, da würde ich jetzt intuitiv erst mal zur Bratpfanne greifen. Aber es ist gut zu wissen, dass das auch im Backofen geht. So, aber ansonsten sagt er, dass es Öle sind genauso zu betrachten wie wie Auszugsmehle. Es sind halt keine vollwertigen Lebensmittel. Er hatte Olivenöl als Beispiel genommen. Er sagte Oliven selber sind schon nicht so das Toplebensmittel und wenn man davon das Öl noch nimmt, dann reduziere ich ja den eh schon verhältnismäßig geringen Nährwert einer Olive, also jetzt nicht kalorienmäßig, sondern gesundheitlich bezogen diese Aussage minderwertig oder nicht so toll, ich reduziere durch das Öl natürlich dann den eh schon geringen Anteil noch mal. Und je nachdem, wie das Öl dann produziert ist also hochraffiniertes Öl, was erhitzt ist oder so, das ist eigentlich tote Materie und müsste … Bei ihm, er hat da noch so ein Ampelsystem drin, da wo er sagt Grün, das sind die Top-Lebensmittel, Gelb, das ist so leicht verarbeitet, da kann man wohl mal machen, soll aber die Ausnahme sein und Rot tunlichst vermeiden. Und hoch raffiniertes Öl ist bei ihm im roten Bereich rät er komplett von ab.

Stefanie Okay. Das hatte mich jetzt noch mal interessiert, weil das ja so ein Hin und Her ist mit den Ölen.

Carsten Genau. Also er ist da sehr eindeutig und sagt eben beim besten Willen nicht, eben darauf verzichten. Lieber irgendwie für keine Ahnung für Dressing Balsamico oder ölfreie Dressings verwenden, aber dann eben komplett auf das Öl verzichten. Da, wo es geht.

Stefanie Okay. Ja, wenn du jetzt nicht noch irgendwas hast, was fehlt, dann würde ich sagen, passt das schon.

Carsten Das wars, ja.

Stefanie Ja, dann wollen wir auch diese Folge nicht schließen, ohne uns zu bedanken bei unseren tollen Steady-Unterstützer und -Unterstützerinnen, den tollen Enthusiasten und Enthusiastinnen und unseren beiden Puristen, die uns ohne Wenn und Aber mit 10 € im Monat sogar unterstützen. Und auch du kannst uns unterstützen, dass unser Podcast weiterlebt, du kannst schon mit 3 € im Monat anfangen oder mit 5 € oder mit 10 €. Und wenn dir das noch alles zu wenig ist, kannst du uns gerne schreiben. Wir machen auch gerne größere Pakete für dich. Da sind wir ganz offen.

Carsten Da sind wir ja völlig flexibel.

Stefanie Völlig flexibel. Wir sind sehr, sehr dankbar für unsere treuen Unterstützer und Unterstützerinnen, die uns jetzt schon wirklich seit Anbeginn, seit wir dieses Unterstützungssystem eingeführt haben, unterstützen. Jetzt habe ich ganz oft das Wort Unterstützung gesagt. Ich hoffe, es hat sich jetzt eingebrannt bei dir. Also ganz vielen.

Carsten Dank auch von meiner Seite aus. Ganz, ganz, ganz recht herzlichen Dank.

Stefanie Ja, und dann bleibt mir nur noch zu sagen: In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Guten Appetit.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 141 - Vegan in der Grundschule

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Folge 141 - Vegan in der Grundschule

In dieser Folge

  • sprechen wir über unsere Erfahrungen mit dem Thema "vegan" in der Grundschule,
  • berichten wir, wie wir vorbereitet haben und
  • erzählen wir Dir von dieser einen Sache, auf die wir so gar nicht vorbereitet waren.

Wenn Dein Kind in die Schule kommt, bekommt es meist auch Mittagessen dort und so gehört es zum Standardprozedere, dass Du erstmal sicher stellst, dass Dein Kind auch vegan verpflegt werden kann.

Was Du darüber hinaus noch bedenken solltest und welche unerwarteten Hindernisse auf unserem Weg aufgetaucht sind, darüber sprechen wir in dieser Folge.

Links zur Folge

Komm zur Aktion "Hand in Hand für Tierrechte"
https://www.tierrechtsaktivistenbuendnis.de/

Wie viel Zeit braucht nachhaltiger Konsum?

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Folge 140 - Wie viel Zeit braucht weniger und ethisch korrekterer Konsum?

In dieser Folge

  • beantworten wir die Hörerinnenfrage "Wie viel Zeit braucht weniger und ethisch korrekterer Konsum?" aus unserer Sicht,
  • erzählen wir Dir, an welchen Punkten wir wie viel Zeit investieren und
  • berichten wir, welche Erfahrungen wir im Alltag damit gemacht haben.

Tatsächlich ist es in unserer Kultur des alles immer, wie Harald Welzer sie nennt und zu Zeiten von Amazon Prime, eher untypisch viel Zeit in Konsum zu investieren. Eigentlich bekommen wir alles sofort oder spätestens am nächsten Tag.

Auf ein Buch eine Woche oder länger warten zu müssen, ist eher ungewöhnlich und statt mal schnell etwas im Internet zu bestellen, länger zu recherchieren wo es dieses Produkt gebraucht gibt, ebenso.

Wenn Du aber versuchst konsequent Deinen Werten zu folgen, investierst Du unweigerlich mehr Zeit in Deinen täglichen Konsum.

Über unsere Erfahrungen damit sprechen wir in dieser Folge.

Folge 139 - Wie machen wir vegan sexy?

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Folge 139 - Wie machen wir vegan sexy?

In dieser Folge

  • diskutieren wir darüber, wie wir den Veganismus attraktiver gestalten können,
  • stellen wir Dir verschiedene Ansichten vor und
  • laden wir Dich ein, mit uns zu diskutieren.

Als ich am Samstag auf dem veganen Straßenfest in Hamburg am Stand der Albert-Schweitzer-Stiftung ausgeholfen habe, stellte einer der Aktivisten die Frage, wie wir es schaffen könnten den Veganismus aus der radikalen Ecke herauszuholen.

Auch wenn ich ad hoc keine Antwort darauf hatte, hat diese Frage in mir nachgeklungen und ich möchte sie an Dich weitergeben.

Folge 138 - How to be a perfect vegan

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Folge 138 - How to be a perfect vegan

In dieser Folge

  • erzähle ich Dir von einer Rückmeldung, die ich zu meiner Webinarreihe erhalten habe,
  • machen wir uns auf die Suche nach DEM goldenen Argument, das Dich in jeder Situation gelassen bleiben lässt,
  • erkläre ich Dir, wie ich meinen Weg gefunden habe.

Ich höre und lese so oft von DEN Veganern- ganz ehrlich? Das ist genauso wie DIE Russen. Nur weil jemand vegan lebt, heißt das noch lange nicht, dass er*sie die gleichen Werte hat wie andere Veganer*innen. Manchmal eint die beiden nur die rein pflanzliche Ernährung.

Und genauso wie es nicht DIE Veganer gibt, gibt es auch nicht DIE Nicht-Veganer. Schon allein die Spaltung ist schwierig. Es gibt Menschen mit Werten, die sie in unterschiedlichen Intensitätsstufen leben.

Warum diese Herangehensweise so wichtig ist und wie Dir das auf der Suche nach DEM goldenen Argument helfen kann, erfährst Du in dieser Podcastfolge.

Degrowth - Handbuch für eine neue Ära

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Folge 137 - Degrowth - Handbuch für eine neue Ära

In dieser Folge

  • stellt Carsten das Buch "Degrowth - Handbuch einer neuen Ära" vor,
  • erklärt Carsten, wann Du das Buch lesen solltest und wann nicht und
  • gehen wir auf einige Punkte auch inhaltlich ein.

Klappentext: "Unter dem Schlagwort »Degrowth« bringen Autoren wie Tim Jackson oder Serge Latouche die wichtigsten Begriffe auf den Punkt, diskutieren über »Autonomie«, »Commons « und »Peak Oil«, entdecken alte Werte wie »Einfachheit« neu und plädieren für »Worksharing« oder »Jobgarantien«. Eine unverzichtbare Quelle für den anstehenden gesellschaftlichen Wandel."

Links zur Folge

Folge 136 - Wer oder was ist Vegan Nation?

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Folge 136 - Wer oder was ist Vegan Nation?

In dieser Folge

  • stellt Carsten die Vegan Nation vor,
  • erklärt Carsten was es mit dem VeganCoin auf sich hat und
  • diskutieren wir darüber wie nachhaltig die Idee ist.

Vor einigen Wochen habe ich eine Einladung zum Treffen der VeganNation in Hamburg erhalten und weil ich neugierig bin, habe ich zugesagt.

VeganNation möchte die globale, vegane Community zusammenbringen und ihr eigene Währung, den VeganCoin, verschaffen. Eine charmante Idee, dennoch bin ich hin- und hergerissen zwischen meinem Wunsch nach einer Postwachstumsökonomie und Privatsphäre einerseits und dem Verständnis für eine starke Community.

Meine Einladung an Dich: hör Dir unsere Argumente an und sag uns Deine Meinung, per E-Mail oder gleich hier in den Kommentaren.

Links zur Folge

Folge 135 - Die Mutter als Maschine

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Folge 135 - Die Mutter als Maschine

In dieser Folge sprechen wir über die systematische Ausnutzung von Müttern und die Maschinisierung des Schöpfungsaktes.

Es ist ein Appell nicht länger wegzuschauen, sondern den Blick auf dieses perfide System zu richten, das wir im Namen der Volksgesundheit errichtet haben.

Ein System, das mittlerweile nur noch besteht, weil wir es nicht schaffen auf Käse zu verzichten oder der Meinung sind, dass nur Milch uns die lebenswichtigen Nährstoffe geben kann.

Ein System, das Leben wie am Fließband produziert und vernichtet. Das Mütter zu Maschinen macht. Das das Wunder des Lebens zu einem kleinen Rädchen in der Milchwirtschaft degradiert.

Wann hören wir endlich auf dieses System zu verharmlosen? Wann schauen wir endlich hin?

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Diese Folge soll tatsächlich nur eine kurze Folge werden, denn ich möchte ein Thema ansprechen, das mir sehr am Herzen liegt.

Carsten Aber bevor wir das ansprechen, haben wir noch eine Sache. Und zwar eine, die super cool ist. Wir haben eine E-Mail von Aiko bekommen. Ich hoffe, du kennst den Namen Aiko noch. Wir haben mehrere Interviews geführt mit Aiko und Peter, den, ich nenne sie mal, beiden Weltenbummlern, die mehrere Stationen weltweit auf ihrem Projekt mit Earthumanimal gemacht haben und jetzt in Indien in Sadhana Forest ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. Und Aiko hat uns per E-Mail darüber informiert, dass sie eine neue Volontärin angesprochen hatte. Und zwar Susanne ist aufgrund unseres Podcasts, aufgrund des Interviews was wir mit Aiko geführt haben auf Sadhana Forest aufmerksam geworden und hat sich entschlossen, dort als Volontärin tätig zu werden und ist jetzt auch in Indien.

Stefanie Also wir grüßen von hier aus, falls ihr Internet haben solltet, liebe Aiko, liebe Susanne und lieber Peter, wir grüßen von hier aus nach Indien und freuen uns total, dass unsere Interviews auch Auswirkungen haben.

Carsten Das ist total klasse. Also hat uns echt umgehauen. Super cool. Genau.

Stefanie Und das wollten wir mit dir, liebe·r Hörer·in, die du nicht Susanne bist, einmal teilen, damit du merkst, dass du Einfluss haben kannst, einfach nur durch das, was du erzählst. Also du weißt nie genau, was es bewirken wird. Und das heißt auch Du, liebe·r Hörer·in, kannst in deinem direkten Umfeld etwas bewegen.

Carsten Genau so! Also wie gesagt, das hat uns echt umgehauen, diese Mail. Das wäre natürlich cool, wenn noch weitere Personen diesen Weg gehen würden, aber es ist sehr speziell und ich ziehe den Hut vor allen Menschen, die sich wirklich dazu bereit erklären, einen solch großen Schritt zu machen. Und gerade auch noch in dieser Konstellation, dass die Welt doch noch so klein ist, dass man voneinander dann irgendwo liest oder hört.

Stefanie Genau. Und vielleicht hat Susanne ja auch Lust, uns noch eine Audionachricht zukommen zu lassen, die wir dann im Podcast veröffentlichen können.

Carsten Das wäre super.

Stefanie Und wo wir jetzt gerade dabei sind, bedanken wir uns doch direkt schon mal im Vorfeld bei all unseren Unterstützer·innen auf Steady. Und dann habe ich gesehen, dass da auch eine neue iTunes Rezension ist. Die ist zwar schon von Juli, aber irgendwie haben wir die nicht gesehen bisher.

Carsten Die ist erst vor kurzem freigeschaltet worden. Also auch nochmal recht herzlichen Dank für die weiteren fünf Sterne.

Stefanie Das ist total super! Vielen Dank und auch ganz herzlichen Dank für alle Emails, die uns erreichen und auch natürlich, dass du uns hörst. Und jetzt möchte ich auch tatsächlich mal zum Thema kommen. Ich hatte ja gesagt, es sollte eine kurze Folge werden und da haben wir schon lange uns bedankt und erzählt und keine Ahnung.

Carsten Das ist wichtig.

Stefanie Das ist wichtig, ich weiß. Aber das macht die Folge natürlich dann doch länger. Ja, also es soll in dieser Folge um die Ausnutzung der Mutterschaft gehen. Das hört sich jetzt irgendwie sperrig an, ich habe versucht, das aus dem Englischen zu übersetzen. Mir fällt dazu nichts ein. Das „Destruction of Motherhood“ hört sich irgendwie besser an als irgendwie oder „exploitation females reproductive Systems“. Das klingt auch sperrig.

Carsten Ja, aber immer noch irgendwie angenehmer als die Zerstörung der Mutterschaft.

Stefanie Ja, aber jedenfalls was will ich damit sagen? Also was mich stört als Mutter, die ich ja selber Mutter bin, ist tatsächlich, wenn wir mal so einen klaren Blick auf die Milchindustrie und auch auf die Eierindustrie werfen, dass da Mütter, in diesem Fall Kühe und Hennen ausgenutzt werden. Und zwar, dass quasi der, nennen wir es mal pathetisch Schöpfungsakt, ausgenutzt wird. Also es wird ein neues Leben geboren und dieses neue Leben wird einfach nur geboren, damit wir etwas anderes bekommen. Also das heißt von der Mutter die Milch oder die Eier und die Mütter werden dementsprechend ausgenutzt, das heißt der Akt, also dieses Wunder quasi, dass Leben entsteht, was ja immer ein Wunder ist, wenn aus so einem Samen und einer Eizelle dann in diesem Fall jetzt bei der Kuh ein Embryo entsteht und dann etwas wächst über neun Monate hinweg. Einfach so in dem Körper dieser Mutter ist es ja genauso wie beim Menschen, wo auch über neun Monate das Kind, das Baby heranwächst. Und das ist immer noch ein Wunder für alle eigentlich. Und das nutzen wir aus. Wir nutzen das aus, um die Milch, jetzt im Falle der Kuh, dieser Mutter zu bekommen. Und das Baby ist eigentlich nur Abfall.

Carsten Ja, und wir gucken auch tatsächlich nur auf die Kuh. Wir gucken nicht mal auf die Mutter. Die Kuh ist für uns keine Mutter mehr, sondern sie ist einfach die Milchkuh. Das setzt sich ja insofern sogar fort, dass viele und vielleicht sogar die meisten, ich hoffe nicht, dass es heute noch die meisten Menschen sind, aber immer noch viele, glauben, Kühe geben einfach so Milch, weil sie Milchkühe sind oder Milchkühe genannt werden. Aber wir müssen immer im Kopf behalten, es sind Mütter, es wird Leben erzeugt, Leben genommen, Leben zerstört, um dieses für uns eigentlich überflüssige Produkt, wie Milch in dem Falle, zu konsumieren in extremsten Mengen. Also allein das Mengenverhältnis, was dort produziert wird, ist ja schon nicht mehr wirklich greifbar vom Volumen her. Und das auf eine Art und Weise, die, wenn man sich das anschaut, einfach nur noch perfide ist.

Stefanie Mir ist es so wichtig, liegt so am Herzen, weil ich selber Mutter bin. Und damals, als ich mit unserem Kind schwanger war und auch die ersten zwei Jahre danach, war mir das überhaupt nicht bewusst. Und wer jetzt unseren Podcast schon länger verfolgt und auch die Anfangsfolge gehört hat, weiß, dass ich damals auch da an diesen Kälberiglus vorbeigegangen bin und mir überhaupt nichts dabei gedacht habe. Ich habe wirklich nichts dabei gedacht. Ich habe den Zusammenhang zwischen Milchkuh und Kälberiglu überhaupt nicht hergestellt, aber ich finde das so perfide. Also ich will einfach nur das mal in den Raum stellen und einfach zum Nachdenken anregen, dass wir alle gemeinsam einmal darüber nachdenken, was da überhaupt gemacht wird.

Also es wird ja diese Kuh, wir nehmen jetzt mal die Milchkuh, aber auch die Legehennen, also das, was da ausgenutzt wird, ist ja tatsächlich etwas, das ist für Menschen. Also wenn du zum Beispiel eine Frau bist, die keine Kinder bekommen kann, weißt du, dass das ein Wunder ist, Kinder zu bekommen. Das ist was Besonderes. Das ist nichts. Also mir fehlt da wirklich die Worte. Also das ist , das ist etwas ganz, ganz Wichtiges. Und deswegen war früher Milch ja auch was Besonderes. Und deswegen gab es ja auch Kuhgöttinnenkulte und das alles. Also wenn du da mehr hören willst, dann hör dir mal noch meine Milchgeschichten Podcast an! Und deswegen wurde das ja auch als die heilige Nahrung angesehen, weil das einfach lebensspendend ist, also die Muttermilch generell.

Und was nutzen wir denn da aus? Es wird ja einfach dieser Akt, dieser ganze Prozess, dass Leben entsteht, dass neues Leben zur Welt kommt und dann wird das Leben wieder genommen. Und wenn die Kuh dann nicht mehr ausreichend Milch gibt und nicht mehr profitabel genug wird, dann geht sie zum Schlachter. Also das ist so konträr. Also das ist so, dieses Wunder des Lebens, dieser Schöpfungsakt, dieses Wunderbare, dieses Große, dieses Göttliche quasi. Also egal, ob du an einen Gott glaubst oder nicht. Und dann kommt der Mensch und sagt: Ah ja, aber ich brauche die Milch. Und deswegen nutze ich im riesigen Stil Mütter aus, damit ich diese Milch nutzen kann. Und ich nehme die Milch weg, ich reduziere das Tier zur Maschine.

Und das ist ja bei Legehennen genauso. Die Legehennen sind genauso Maschinen. Das sind keine Lebewesen mehr, das ist kein Schöpfungsakt mehr, das ist kein Wunder mehr. Und Entschuldigung, dass ich mich gerade in Rage rede, aber es ist wirklich so, es ist kein Wunder mehr, sondern es ist dann einfach nur Maschine, Produktion, Fließbandarbeit, Zack, zack, zack und das Leben? Also ich denke, zu der Legehenne können wir Menschen uns nicht so in Beziehung setzen, wie mit der Milchkuh. Also das Leben bei der Milchkuh, das Kälbchen, dass sie neun Monate getragen hat, zu dem sie eine Bindung aufgebaut hat, dass dann direkt nach der Geburt oder bei manchen auch ein paar Tage später von ihr genommen wird. Und selbst wenn jetzt jemand kommt und sagt: Ja, wir lassen aber die Kälbchen die ersten sechs Monate bei der Mutter und danach werden sie aber trotzdem weggenommen und danach werden sie trotzdem sterben.

Und ja, also du verstehst was ich meine. Es gibt einfach keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Dieses System ist einfach so und ich möchte einfach diesen Fokus jetzt mal richten. Das Licht darauf, den Scheinwerfer, was wir da eigentlich machen. Mütter unterstützen, dass andere Mütter ausgenutzt werden. Und mein erster Blogpost vor zweieinhalb Jahren war zu Mama Muh, weil diese Milchkuh im Kinderbuch wahre Wunder vollführt. Es kommen keine Kälbchen vor. Und ich habe die Frage gestellt: Macht es denn einen Unterschied, dass die eine Mutter Fell trägt und die andere nicht? Und dazu hatte mir eine Bekannte gesagt: Ja, ich sehe schon einen Unterschied. Und das ist wieder Karnismus.

Carsten Das ist wieder Karnismus. Ja, weil genau dieses Wunder der Schöpfung, dieses Wunder des Lebens, Entstehens einfach damit komplett wieder kaputt gemacht wird bzw. irgendwie wieder weggeschoben wird oder zweitrangig oder drittrangig klassifiziert wird. Dabei geht es ja gar nicht darum, irgendwie die Kuh mit dem Mensch auf eine Stufe zu stellen, sondern einfach nur anzuerkennen, dass es dieses Wunder der Schöpfung gibt. Was in beiden Fällen, jetzt sagen wir mal zufällig, neun Monate dauert, aber im Endeffekt viele Parallelen hat. Also angefangen bei der Dauer bis zur Intensität, auch bis zur Emotionalität. Das heißt also, die emotionale Bindung in beiden Fällen ist ja extrem, also ich kann das jetzt nicht irgendwie so abtun, so nach dem Motto: Hey, das ist ja nur ne Kuh.

Stefanie Ja und das ist ja bei allen Tieren, die wir ausnutzen so. Im Grunde sind wir alle Tiere, auch wir Menschen sind Tiere. Das ist ja mit Earthlings, we are all earthlings und We are all animals und also so dieses: wir sind alle Tiere und auch Menschen sind Tiere. Muttersäue lieben ihre Ferkel, haben aber keine Chance dazu irgendwie mit denen zu interagieren, weil die eingepfercht sind. Mütter, Muttertiere sozusagen, werden von uns systematisch ausgenutzt. Und wer sind wir, dass wir das festlegen dürfen: diese dürfen wir ausnutzen, diese nicht. Also das ist so perfide und das wollte ich jetzt einfach mal einmal in den Raum stellen und einfach einmal beleuchten und dem Thema einfach einen Raum geben.

Ich finde es so wichtig und gerade mein Appell, wenn du Mutter bist, das musst du doch merken, das muss dir doch auch wehtun, da musst du doch sehen, das ist auch eine Mutter und auch die hat Kinder und auch die hat Gefühle. Und auch die möchte das Beste für ihre Kinder. Und wir als menschliche Mütter, wir vermitteln unseren Kindern doch auch Werte. Und wenn wir denen jetzt Kuhmilch zu trinken geben und Eier zu essen, was vermitteln wir ihnen dann für Werte? Und die meisten Tiere sterben als Babys oder als kleine Kinder. Und was vermitteln wir denn jetzt? Also, Wir geben unseren Babies Babys zu essen. Also was machen wir denn da eigentlich? Was passiert denn da eigentlich? Also das ist mir total wichtig. Bitte lasst uns alle mal darüber nachdenken.

Und ich habe vorher noch mal recherchiert, weil ich vor längerer Zeit, also ich glaube ganz zu Beginn, als ich vegan geworden bin, von Colleen Patrick Goudreau einen Artikel gelesen und ich habe dann festgestellt, der jetzt, als ich nochmal recherchiert habe, der ist gar nicht von ihr, sondern sie wurde da zitiert. Und dann habe ich nochmal einen Link zu MothersAgainstDiary.org. Gefunden. Also ich verlinke das auch noch in den Shownotes und das ist auch sehr schön. Da sind einige Mütter, die erzählen, wie sie auf die Idee gekommen sind, vegan zu leben und dann, was sie für Parallelen gemerkt haben. Und auch eine Mutter, die ich besonders krass fand, die geschrieben hat, dass sie eine Totgeburt hatte und sie musste das Kind austragen, obwohl es schon tot war und dann gebären und musste dann die Hebamme anrufen, damit es abgeholt wird und beerdigt und so und hat dann auch gesagt, sie wünscht es niemanden und sie wünscht es auch nicht den Tieren.

Ich wünsche es auch niemanden. Also ich denke irgendwie, wenn ich das alles gewusst hätte, wenn ich das doch früher gewusst hätte, wenn ich das als Kind schon gewusst hätte, ich hätte es nie gemacht und deswegen erzähle ich das meinem Kind auch und deswegen erkläre ich das meinem Kind. Wenn der dann irgendwann sagt mit keine Ahnung, 16 oder so in seiner Teeniezeit, er geht jetzt zu McDonalds und isst da was, dann ist das so, aber er weiß zumindest, wo das alles herkommt und er kann es dann entscheiden.

Carsten Ja, und ich glaube, das ist das Wichtige, dass wir jetzt anfangen, unseren Kindern das zu erzählen. Bei den vorherigen Generationen habe ich den Eindruck, fehlte das. Man hat das breitflächig weggedrückt, obwohl das Wissen eigentlich schon da war. Aber jetzt. Und vielleicht liegt das auch an den neuen Medien, an den elektronischen Medien ist es präsenter geworden und das ist eigentlich auch eine Chance, um es präsent zu halten. Und ja, da setzt mein persönlicher Appell: Erzählt es euren Kindern.

Stefanie Ja, also wenn Du, liebe·r Hörer·in, auch Kinder hast und wenn du auch mal diese Bilder-Kinderbücher durchgelesen hast wie Mama Muh oder Liselotte oder auch generell mal schaust, wenn irgendwo Bauernhöfe vorkommen. Die Kälbchen, die kommen nie vor. Also ganz selten ist das mal, dass da ein Kälbchen vorkommt. Lieselotte wird ständig gemolken. Mama Muh wird ständig gemolken, die ganzen Kumpelinnen von Mama Muh werden gemolken, aber es tauchen in allen Büchern - ich weiß nicht, wie viele Bücher es gibt, 20 Stück oder so - es taucht nicht ein Kälbchen auf. Und das ist auch in Fernsehserien so, die für Kinder sind und so, also es tauchen keine Kälbchen auf.

Und ehrlich: im Namen der Kälbchen, dafür habe ich auch die Milchgeschichten Podcast wirklich ins Leben gerufen und dafür halte ich auch Vorträge und dafür mache ich das hier auch alles, im Namen der Kälbchen möchte ich wirklich dafür plädieren, dass wir hinschauen. Hinschauen, was da passiert und dann die Alternative wählen. Weil das kann einfach nicht sein, dass wir das akzeptieren, dass da Leben entsteht. Leben, wo andere Mütter sich wünschen, wirklich wünschen - und wir haben das auch in der Familie, dass es eine Frau gibt, die so gerne Mutter werden würde, die Fehlgeburten hatte, die wirklich so gerne Mutter werden würde und sie kann es nicht. Sie schafft es nicht. Und es gibt so viele Frauen, die sich wünschen würden Mutter zu sein. Und wir haben da so eine Industrie geschaffen, in der Leben entsteht, einfach nur als Abfallprodukt. Dann wird das Leben wieder weggeschmissen und das Leben wird auch weggeschmissen, wenn es nicht mehr profitabel genug oder produktiv genug ist. Also das ist so perfide.

Es tut mir leid, ich muss mich darüber einfach aufregen und du kannst ja auch einfach aufhören zuzuhören. Aber es ist echt einfach nicht in Ordnung. Lasst uns alle da hinschauen, lasst uns da hinschauen und wirklich jetzt alles ändern. Erzähl es deinen Kindern, zeig deinen Kindern, wie es wirklich ist. Nenn die Alternativen und mach wirklich mit. Es geht wirklich auch anders. Und jetzt möchte ich das hier auch wirklich beenden, weil sonst wiederhole ich mich und wiederhole mich und wiederhole mich. Und ich kann mich, wie man unschwer am Milchgeschichten Podcast erkennen kann, zum Thema Milch auch in Rage reden. Aber ich möchte hier für alle Mütter sprechen, die ausgenutzt werden, die in dieser Industrie feststecken und die einfach keine Chance haben, zu ihren Kindern Bindungen aufzubauen. Und ich möchte dich einfach bitten: schau hin.

Carsten Und damit schließen wir dann auch diese Folge in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Gesund vegan leben mit Dirk Meyer

Ein Beitrag

Folge 134 - Gesund vegan leben mit Dirk Meyer

Diese Folge ist auf Wunsch unseres Steady-Enthusiasten Thomas entstanden.

Thomas hat uns Anfang des Jahres geschrieben: "Neujahresvorsatz. Durch viele einfache, vegane Gerichte mit Nudeln und Reis habe ich bedauerlicherweise die letzten Monate merklich zugenommen. Was gibt es für Wege gleichzeitig den Tieren und dem Bauchumfang gerecht zu werden?"

Um diese Frage zu beantworten, habe ich den Ernährungsberater Dirk S. Meyer hinzugezogen, der Dir in dieser Folge nun verrät, wie Du gesund vegan leben kannst, ohne zuzunehmen.

Hör doch gleich einmal rein...

Links zur Folge

Ernährungsberatung mit Dirk Meyer
www.einfachsovegan.de

Coaching mit Dirk Meyer
www.herz-plus-verstand.de/coaching

Dirks Podcast "Resonanz"
www.herz-plus-verstand.de/podcast

Bücher:

  • Dr. Greger – Das HOW NOT TO DIE Kochbuch: Mehr als 100 Rezepte, die helfen Krankheiten vorzubeugen und zu heilen
  • Dr. McDougall – Die High-Carb-Diät: Abnehmen Mit Den Richtigen Kohlenhydraten
  • Julia Lechner & Anton Teichmann – High Carb Vegan: Die gesunde Low Fat Küche
  • Alfons Grabher – Vegan ohne Fett+Öl? Ein paar wissenschaftliche Fakten, kurze Geschichten und sehr einfache Rezepte

Maria Sanchez - Sehnsucht und Hunger
https://www.sehnsuchtundhunger.de/

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Hanna B.)

Stefanie Diese Folge ist eine extra Folge für unsere Steady Unterstützer:innen. Und zwar hat Thomas diesmal eine Frage gestellt. Und weil weder Carsten noch ich gesundheitlich so toll bewandert sind, dass wir ihm diese Frage beantworten könnten, habe ich mir diesmal wieder Unterstützung gesucht. Und zwar habe ich Dirk Meyer eingeladen. Jetzt darf Dirk sich noch einmal vorstellen. Hallo Dirk.

Dirk Hallo Stefanie und auch hallo Thomas, der das hoffentlich hören wird und auch Hallo an alle weiteren Zuhörer:innen dieses schönen Podcasts. Ich bin der Dirk. Ich bin 29, wohne in Köln, bin auch gebürtiger kölsche Jung und beschäftige mich jetzt seit 2008 mit dem Thema Ernährung, habe Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Universität Bonn studiert und bin seit 2014 selber vegan unterwegs, halte Vorträge auf vegetarisch/ veganen Veranstaltungen und an Universitäten, gebe Ernährungsberatung und bin gespannt, was die Frage ist.

Stefanie Genau die Frage lautet nämlich Neujahresvorsatz. „Durch viele einfache vegane Gerichte mit Nudeln und Reis habe ich bedauerlicherweise die letzten Monate merklich zugenommen. Was gibt es für Wege, gleichzeitig den Tieren und dem Bauchumfang gerecht zu werden?“

Dirk Ähm ja, gibt es auf jeden Fall einige Wege, wie man das Bauchfett bzw. Fett, im generellen Körperfett, reduzieren kann. Die klassische Ernährungswissenschaft würde mir jetzt sagen, dass man einfach weniger Kalorien essen muss, als man verbraucht. Ich weiß aber selber aus meiner Erfahrung und aus den Büchern und Studien, die ich aktuell frequentiere und auch aus meinen persönlichen Beratungserfahrungen mit Klient:innen, dass es ganz so einfach nicht ist. Also eine Kalorie scheint nicht eine Kalorie zu sein. Aus meiner persönlichen Lebensgeschichte weiß ich, dass ich mich vor meiner veganen Zeit kohlenhydratarm ernährt habe. Teilweise sehr kohlenhydratarm, also unter 30 Gramm Kohlenhydrate pro Tag, eine ketogene Ernährungsweise hatte.

Und ich habe damals meine eigenen Kalorien auch in so Online-Programmen erhoben, um mal zu gucken, wo ich so ankomme. Hab die auch berechnet, um da entsprechend den Gewichtsverlust zu erreichen. Das hat so einigermaßen funktioniert, nur ich musste auch wirklich auf 1.800 Kalorien am Tag runter, teilweise sogar auf 1.500 Kalorien am Tag runter und habe trotzdem nur so gerade Gewicht verloren. Ich bin dahingegen jetzt mit einer veganen kohlenhydratreichen Ernährung in der besten körperlichen Zusammensetzung meines Lebens, zähle keine Kalorien, kann ziemlich genau so viel essen, wie sich für mich gut anfühlt und weiß aber, dass wenn ich meine Kalorien nachhalte, ich auf zweieinhalbtausend ungefähr komme am Tag. Das als kurze Einleitung, dass vielleicht eine Kalorie nicht genau gleich eine Kalorie ist. Da gibt es auch ein schönes Buch von Gary Taubes: Good Calories, Bad Calories. Das wäre mal interessant zu lesen.

Und aus der Frage von Thomas glaube ich jetzt schon herausgehört zu haben, dass er die Kohlenhydrate als Übeltäter für seine Gewichtszunahme vermutet, denn er hat ja speziell Reis und Nudeln angesprochen als Hauptübeltäter für seine bisherige Bauchumfangs-Zunahme. Die meisten Gewichtszunahmen entstehen entweder durch eine Lebensstil-Veränderung, das heißt ich habe meinen körperlichen Job oder meine sportliche Tätigkeit aufgegeben, esse aber weiter so wie bisher. Oder aus einem Ungleichgewicht zwischen Kohlenhydraten und Fetten. Das lösen nur sehr viele Leute mit einer kohlenhydratarmen Ernährung, vor allem Fleisch lastig sich ernährende Menschen im Fitnessbereich machen dann ketogene Ernährung oder anabole Ernährung oder Paleo-Ernährung oder Low Carb. Also Hauptsache wenig Kohlenhydrate. Das halte ich weder für langfristig gesundheitlich tragbar. Man sieht auch, dass die Erkrankungsraten für Diabetes, die Erkrankungsraten für Darmkrebs hauptsächlich und auch für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei diesen Low Carb Ernährungen über mehrere Jahre hinweg sehr kritisch sind. Dr. Atkins selber ist glaube ich an einem Herzinfarkt gestorben und sah auch zum Ende seiner Karriere nicht gesund und vorbildlich aus.

Der Grund, warum die meisten Low Carb Ernährungen und oder auch die Paleo-Ernährung zu so starkem Gewichtsverlust führen, ist nicht, weil sie auf Getreide verzichten oder Hülsenfrüchte ausschließen oder Obst reduzieren. Das sind so neben Begleiterscheinungen, sondern weil sie raffinierte Kohlenhydrate, also Weißmehl und weißen Reis und verarbeitete Produkte ausschließen, meistens auch Milchprodukte. Was noch dazukommt als positiver Nebeneffekt. Das funktioniert, um Gewicht zu verlieren, weil es den Körper in einen Fastenzustand bewegt, in die Ketose und oder in Ketose ähnliche Zustände. Zum reinen Gewichtsverlust funktioniert eine Low Carb Ernährung, aber es ist kein langfristig gesundheitlich tragbares Ernährungskonzept, was man daran sieht, dass es Millionen von Veganer:innen gibt, aber sehr, sehr wenige Leute, die längerfristig eine Low Carb Ernährung durchhalten ohne sogenannte Cheatdays, Schummel Tage, einzuführen.

Liegt einfach daran, dass unser Organismus darauf gemünzt ist, Kohlenhydrate zu konsumieren. Deswegen können wir zum Beispiel auf einen halben Kilometer Entfernung Mandarinen, die orange sind, in einem Baum sehen. Das kann ein reiner Karnivore nicht. Der ist von seiner Sicht her auf Bewegung getrimmt und nicht auf verschiedene Farbwahrnehmungen. Obst sieht für uns instinktiv lecker aus. Der Geruch ist angenehm, der Geschmack ist angenehm und eine Ernährungsweise, die Kohlenhydrate verbietet, würde auch Obst verbieten. Das halte ich für relativ unwahrscheinlich. Eine Reduktion von raffinierten Kohlenhydraten wie Weißmehl-Produkte und weißen Reis, vielleicht sogar Kartoffeln, kann sinnvoll sein, wenn man davon zu viel ist.

Ich propagiere aber tatsächlich auch in Zusammenarbeit mit meinen Ernährungsberatungs-Klient:innen einen ganz anderen Ansatz, nämlich einen High Carb Low Fat Ansatz, das heißt eine kohlenhydratreiche, fettarme Ernährung. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten gesunden Lebensmittel kohlenhydratreiche Pflanzen sind. Das sind die ganzen Vollkorngetreide-Produkte, das sind die Gemüsesorten, das sind die Hülsenfrüchte und die ganzen Obstsorten. Wenn ich sage, dass ich mich kohlenhydratarm ernähre, ist das einfach nur ein sprachliches Hintertürchen, um zu sagen, ich möchte wenig Pflanzen essen. Kein:e vernünftige:r Ernährungsberater:in hält das für eine gute Idee, weniger Pflanzen zu essen. Jede Ernährungsgesellschaft auf der ganzen Welt empfiehlt weniger Fleisch, weniger Fisch, weniger Milchprodukte, weniger Eier, mehr Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Das hat einen bestimmten Grund.

Und wenn man den konsequent zu Ende denkt, kommt man auch eigentlich zu dem Punkt, wo man sagt, ich möchte eine vollwertige, pflanzenbasierte und vielleicht sogar fettarme Ernährung. Warum jetzt fettarm? Weil einfach die Nährstoffdichte pro Kalorie in fettreichen Lebensmitteln sehr gering ist. Ausnahme würden jetzt hier zum Beispiel die Nüsse und Saaten bilden. Wenn man die jetzt aber noch presst und das Öl daraus extrahiert, hat man sehr wenige Vitamine und Mineralstoffe pro Kalorie. Und wenn ich ein Kalorienbudget von 2.000 Kalorien in irgendeiner Form auffüllen möchte und da jetzt schon zwei Esslöffel Olivenöl über den Salat tue, dann ist katorisch gesehen der Salat auf einmal zu 60 % Fett, weil einfach die Kaloriendichte so hoch ist gegenüber den sonstigen Lebensmitteln. Das Ausmaß an Fett, was man für eine gesunde Ernährung braucht, ist relativ gering. Das lässt sich decken mit einer Handvoll Walnüsse und einem Esslöffel Leinsaat pro Tag. Das sind die essenziellen Fettsäuren, die zugeführt werden müssen.

Wenn man jetzt noch beispielsweise die fettlöslichen Vitamine leichter aufnehmen möchte, dann kann man auch einfach eine Handvoll Nüsse auf den Salat werfen. Extrahiertes Öl, ein extrahiertes Produkt, macht genauso wenig Sinn wie raffinierter Zucker oder weißes Mehl. Jeder glaubt, dass weißes Mehl, ein Auszugsprodukt, nicht gesund ist. Jeder glaubt, dass Zucker, ein Auszugsprodukt, nicht gesund ist. Schlagartig beim Öl hat aber irgendwie das Marketing so gut gegriffen, dass alle Leute glauben, dass es total gesund wäre, Olivenöl zu essen. Während in den Studien, wo das rauskam, dass die ganzen Öle irgendwie gesund sind, die immer nur mit anderen, noch schädlicheren Ölen verglichen wurden. Also die meisten Studien, die beweisen, dass Kokosnussöl gesund ist oder dass Olivenöl gesund ist, haben es mit Butter verglichen. Und haben herausgefunden, das ist gesünder als Butter. Aber ich persönlich bin mir keiner Studie bewusst, wo gesunde Menschen Olivenöl oder Kokosöl in ihre Ernährung integriert haben und gesünder geworden sind. Habe ich bisher nicht sehen können. Nüsse ja, Saaten ja, aber nicht die entsprechenden Öle daraus.

Stefanie Empfiehlst du denn dann auch, also lebst du selber auch ohne Öle dann? Also empfiehlst du das?

Dirk Größtenteils ja.

Stefanie Wie machst du das?

Dirk Also, wenn ich jetzt beispielsweise unterwegs bin und bestelle was zu essen, achte ich nicht drauf. Ganz ehrlich, ich könnte jetzt auch fragen, können Sie mir das bitte ohne Öl anbraten? Ach ja und vegan und übrigens bitte Fairtrade, regional, saisonal und tot gestreichelt.

Stefanie Und plastikfrei.

Dirk Ja, plastikfrei. Klar, sicher. Man kann versuchen, so einen Lebensstil zu kultivieren. Dann wird man wahrscheinlich in seiner selbstbestimmten Lebensgestaltung einen kleineren Einfluss haben. Dann muss man alles selbst kaufen, alles selbst kochen und Freund:innen höchstens zum Kochen einladen, aber nicht mit ihnen essen gehen. Und Außendienst und Vertrieb sind sofort schon mal als Lebensalternativen ausgeschlossen. Das kann man machen. Das ist nicht die Art und Weise wie ich mein Leben führen möchte. Ich habe einfach kein Öl zu Hause, was ich benutze zum Zubereiten von Speisen und wenn ich unterwegs bin, schaue ich, dass ich nix Frittiertes esse, was in Öl reingeworfen würde.

Ich habe auch meine Phasen, wo ich dann irgendwie Bock auf Pommes habe. Nur ich merke selber, dass sich meine Geschmacksknospen irgendwie umgestellt haben. Ich denke dann vorher immer, oh geil Pommes und dann esse ich Pommes und ich denke mir, warum eigentlich Pommes? Das tut gar nicht gut. Ich fühl mich jetzt gar nicht besser. Also das ist irgendwie, das ist wie jetzt zu denken, oh, weißt du noch damals die Zeit im Studium, als du so voll besoffen auf Partys warst. Und dann betrinke ich mich und denke das ist total scheiße, da habe ich gar keine Lust drauf. Also ich habe selber kein Öl zu Hause und koche tatsächlich ölfrei.

Stefanie Und wie machst du das beim Backen? Das interessiert mich immer, weil ich da irgendwie keine Ahnung habe. Wie soll ich denn ohne Margarine oder Öl backen?

Dirk Ja, ich backe nicht. Also ich bin tatsächlich die falsche Person für diese Frage. Es gibt fast garantiert Backbücher und oder Internetseiten oder Foodblogs, die diese Frage besser beantworten können. Ich bin generell häufig in einer schwierigen Position, weil mich die Leute nach Rezepten fragen und ich sage, ich bin kein Koch, ich bin Ernährungsberater. Ich kann sagen, nach welchen Kriterien du deine Kochbücher auswählen solltest. Aber es gibt auch Kochbücher für ölfreies veganes Essen oder ölfreies Backen wahrscheinlich auch. Weiß ich nicht. Wie gesagt, ich backe nicht.

Ich habe aber kein Verlangen nach dem Geschmack süß. Und wenn doch, esse ich eine Dattel. Und das ist mir schon fast zu viel süß. Und ich habe auch kein großes Verlangen nach Junk-Food. Bei Verlangen nach, vor allem emotional starkem Verlangen nach süßem oder fettigem Geschmack würde ich persönlich immer in der Psyche ansetzen und gucken okay, zu welchem Zeitpunkt deines Tagesverlaufs kam dieses Verlangen nach Schokolade hoch. Und das kam meistens hoch, wenn der Chef scheiße zu dir war. Und dann muss ich dir nicht sagen, wie du gesündere Schokolade kaufen kannst, sondern wie du emotional damit umgehen kannst, dass dein Chef dich nicht mehr zum Schokojunkie macht.

Stefanie Klar, das ist das Thema emotionales Essen. Das ist auch ein Thema für mich. Also von daher, ja, ich weiß Bescheid.

Dirk Für alle Frauen, mach dir keine Sorgen. Also jetzt nicht für alle, aber für die meisten Frauen, die ich kenne. Wenn ich denen sage, Schokolade ist kein gesundes Lebensmittel, das ist auch keine Nervennahrung. Das ist emotionale Traumata-Kompensation. Die hören das nicht gerne, aber da sehe ich auch meine Rolle als Ernährungsberater, Leute bei der emotionalen Selbstregulation zu unterstützen. Die haben irgendwann in ihren Kindestagen beigebracht bekommen und ich habe auch in einigen Ernährungsberatungssitzungen den genauen Moment ausfindig machen können mit Trauma-Bewältigung quasi. Die haben das beigebracht bekommen. Wenn es denen schlecht geht, gibt es Süßigkeiten. Das ist eine sehr einfache Erziehungsmethode. Das Kind schreit, du gibst dem Kind Schokolade, das Kind hört auf zu schreien.

Cool, jetzt ist das Kind aber 40 und hat massiv Diabetes und hat immer noch dieses Muster von seinen Eltern in sich drin. Was sagt, wenn's dir schlecht geht, gibt‘s Süßes und das irgendwie rauszukriegen und zu gucken, wenn es dir schlecht geht, gib dir was anderes, was dich auch wieder zurück in deine Komfortzone bringt, aber weniger schädliche Nebenwirkungen hat. Da sehe ich die eigentliche Aufgabe eines Ernährungsberaters/-Beraterin oder eines Ernährungsumstellung-Begleiters/ -Begleiterin und auch meine entsprechende Kernkompetenz, zu schauen, was sind denn die emotionalen Themen, die psychoemotionalen Themen, die darunter lauern, die dann in der Kompensation zu schlechtem Ernährungsverhalten führen? Weil die wenigsten Leute haben ein Informationsdefizit, die wissen ja, was sie essen sollten und die machen es nicht. Das machen die nicht, weil die dumm sind, sondern weil die einfach bisher keine besseren Strategien zur Bedürfnisbefriedigung finden konnten.

Stefanie Genau. Ja. Kennst du Maria Sanchez? Also, was emotionales Essen angeht, ist sie für mich die Queen quasi. Also sie hat wirklich voll Ahnung und sie sagte auch, Essen war Liebe quasi früher dann, also wenn du so wirklich emotional abhängig bist vom Essen und das ja auch wie eine Sucht ist quasi für dich. Dass du diese Schokolade essen musst. Es hilft nichts, wenn du einmal um den Block gehst. Danach musst du immer noch diese Schokolade essen und so. Das ist nicht nur vielleicht eine Erziehungsmethode von den Eltern, sondern auch, dass du selber einfach gemerkt hast, okay, Essen war immer da. Also das hat dir alles gegeben. Es ist ja auch ganz einfach, sich Essen zu beschaffen. Also so als Ersatz.

Dirk Ja genau. Das ist das Spannende. Es ist der Ersatz. Also ich kenne die wenigsten Leute, die sagen oh, ich habe mich irgendwie gestresst gefühlt und dann habe ich einen Riegel Schokolade gegessen, da war der Stress weg.

Stefanie Genau.

Dirk Das funktioniert so nicht. Du bist ganz, ganz kurz, du merkst in dir einen emotionalen Spannungszustand. Dann gibt es da diese Süßigkeit und dann merkst du den emotionalen Spannungszustand nicht mehr. Der ist noch da. Und da drüber ist jetzt dieses emotionale High, die Dopaminausschüttung. Danach geht es aber weiter und nicht nur, dass du dein Problem nicht gelöst hast, jetzt hast du noch Übergewicht. Super. Also du löst das Problem nicht. Du kompensierst wieder Symptome. Und deswegen finde ich es so wichtig, ernährungspsychologisch daranzugehen, zu gucken, wo sind denn die Probleme? Und ich kenne das aus meiner eigenen Leidensgeschichte.

Ich habe auch lange massives Übergewicht gehabt und regelmäßig Süßigkeiten gegessen, die nicht gut sind oder auch Lebensmittel gegessen, auf die ich allergische Reaktionen hatte, weil ich so ein starkes Verlangen danach hatte. Und ich konnte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen genauen Moment im Tagesverlauf ausfindig machen, wo das angefangen hat. Es hatte nichts mit Stoffwechsel zu tun, das war 100% emotional. Ich bin irgendwo gefragt worden: Herr Maier, können Sie mal ganz kurz die Präsentation zu Ende machen, so kurz vor Feierabend? Und ich habe gesagt: Ja okay. Das ist nicht, was ich sagen wollte. Und in dem Moment hat die Schokolade, der Heißhunger angefangen. Und dann brauchst du auch eigentlich keine Ernährungsberater:in, sondern einen Psycholog:in bzw. jemanden, der/die ernährungspsychologisch bewandert ist.

Stefanie Und das stimmt, ja auf jeden Fall. Jetzt sind wir irgendwie vom Thema abgekommen, stell ich gerade fest.

Dirk Ich wollte noch sagen, um auf die Ursprungsfrage zurückzukommen. Ich glaube nicht, dass Nudeln und Reis die Übeltäter beim Bauchfett sind. Ich glaube, dass die Fettbegleitstoffe, die dann irgendwie mitgegessen werden, die Übeltäter sind. Also ich habe vorgestern ein Rezept geschickt bekommen für eine vegane Käsesoße und ich glaube es war irgendwie 80 Gramm Cashewkerne, 60 Milliliter Öl, 80 Gramm Kichererbsen und noch ein paar andere Sachen. Wenn man das kalorisch mal durchrechnet, besteht das Ding zu 80% aus Fett. Dass das relativ leicht in körpereigenes Fett umgewandelt werden kann, ist verständlich.

Wenn ich mir aber Gedanken mache, dass überschüssige Kalorien je nachdem aus welchem Energieträger sie sind, also ob ich jetzt überschüssige Kohlenhydrate esse oder überschüssiges Fett esse, sagen viele Leute überschüssige Kohlenhydrate werden zu Fett umgewandelt? Ja, schon richtig. Aber überschüssiges Fett muss nicht mal umgewandelt werden. Das kann quasi sofort eingespeichert werden. Und ich merke selber, in der kohlenhydratarmen Zeit hatte ich massive Schwierigkeiten, mein Körperfett zu reduzieren. Jetzt in der kohlenhydratreichen, fettarmen Zeit: Ich kann Unmengen an Nahrung in mich reinschaufeln und habe selten Gewichtsprobleme. Ich weiß , wenn ich jetzt mal zunehmen sollte, weiß ich ziemlich genau, welche Lebensmittel das waren. Dann waren es irgendwie der vegane Burger oder es waren die Pommes oder keine Ahnung was. Das ist auch vollkommen klar. Oder es war der in Öl gebratene Tofu.

Wobei Tofu generell schon zu 60% der Kalorien aus Fett besteht, also ein fettreiches Lebensmittel ist. Wenn ich vollwertige, fettarme Pflanzen als Grundlage meiner Ernährung setze, kann ich so viel essen wie ich brauche, um satt zu werden und erreiche mein Idealgewicht langfristig. Ich habe bisher keine Person gesehen, die es anders hat beweisen können. Nur den Ölgehalt und Fettgehalt der Nahrung stark zu reduzieren und auf sättigende, mit Ballaststoffen versehene Kohlenhydrate, das heißt Vollkornprodukte, Kartoffeln sind auch super, Linsen, Erbsen, Bohnen. Das sind genau die Sachen, auf die eine Ernährung aufbauen sollte und dann möglichst viel Gemüse dazu. Dann kann man auch einen riesigen Teller essen, verspeisen, weil einfach diese kalorische Dichte nicht die gleiche ist, wie wenn man es mit Öl anbraten würde.

Stefanie Und du sagst, du hast keine Rezepte, die du so empfehlen kannst, aber hast du vielleicht Kochbücher, die du empfehlen kannst?

Dirk Ja. Es gibt zum einen von Dr. McDougall ein Start Solution Cook Book. Ich glaube, das gibt es auch auf Deutsch. Ich meine, Dr. Greger hätte zu seinem Buch How Not To Die auch ein Kochbuch mit herausgegeben. Ich weiß nicht, ob es das schon auf Deutsch gibt, aber ansonsten die Stichworte, die man benutzen könnte, um so was zu suchen, wäre vegan ölfrei oder vegan fettarm. Da gibt es fünftausende Kochbücher. Ich bin nicht jemand, der Kochbücher benutzt. Ich esse aber auch sehr simpel.

Stefanie Dann erzähl doch mal, wie du so isst. Wie sehen denn deine Gerichte aus? Wie sieht so ein typisches Frühstück aus? Ach ja Frühstück machst du ja nicht. Aber so ein typisches Mittagessen, Abendbrot vielleicht.

Dirk Genau. Also typisches Mittagessen bei mir aktuell ist entweder ein Smoothie oder ein Salat meistens, außer ich bin jetzt unterwegs. Das heißt ich tu mir Spinat oder Grünkohl meistens aus der Tiefkühltruhe in den Mixer, tu dazu Obst, damit der Grünkohl-Geschmack erträglich wird. Ich mag das Zeug nicht. Ich habe keine Ahnung, wie das Leute mögen können, aber es ist gesund. Tue solange Obst dazu bis es schmeckt. Bananen wären zum Beispiel super, die vertrage ich leider nicht so gut. Also geht es meistens auf Äpfel oder Pflanzenmilch zurück. Also eine Reismilch oder eine Hafermilch zum Beispiel, das im Mixer kurz zusammen mixen. Man kann auch gern ein paar Datteln dazutun, ist auch kein Problem. Das wäre super, um den dunkelgrünen Blattgemüse-Anteil der Ernährung zu steigern oder ich mache mir mittags einen Salat.

Das heißt ich nehme mir vielleicht Rotkohl, vielleicht Spitzkohl oder Weißkohl oder irgendwie sowas. Vielleicht ein Feldsalat. Schmeiße das zusammen. Mit ein paar Walnüssen, ein paar Datteln, ein bisschen Senf, ein bisschen Balsamicoessig, vielleicht noch Äpfel oder Tomaten mit dazu, vielleicht ein paar Frühlingszwiebeln obendrauf. Und esse das so als Mittagessen, meistens auch Kichererbsen, das heißt quasi einen nicht rohen Anteil Hülsenfrüchte für die Eiweißversorgung und den Mineralstoff-Gehalt, die noch mit dazu. Und ich merke selber, ich brauche kein Öl am Salat. Wenn ich einfach Senf und Balsamico nehme, schmeckt mir das meistens schon gut genug. Kann man gerne mal ausprobieren.

Es gibt auch ganze Bücher für ölfreie Dressings, wo man dann mit Nussmusen arbeiten kann und all solche Späße, das geht bestimmt. Ich bin nur zu faul dafür. Da nehme ich mir nicht die Zeit für. Ein typisches Abendessen ist meistens Reis-, Kartoffel- oder Nudel-basiert. Das können zum Beispiel Backofen-Kartoffelspalten sein, wo ich einfach Kartoffeln kurz abbrause, dann in Spalten schneide und die mit ein bisschen Gemüsebrühe, also gekörnter Gemüsebrühe, Salz, Pfeffer, Rosmarin und Paprikapulver, einfach ein bisschen schwenke in der Schüssel und die dann sofort aufs Backblech lege. Einfach ohne Öl. Schmeckt super, schmeckt auch Nicht-Veganer:innen total geil, hat sich bisher keine:r beschwert. Dazu vielleicht irgendein Pfannengemüse, was ich in Gemüsebrühe oder Sojasoße kurz ein bisschen dämpfe und dann einreduzieren lasse.

Oder ich mache mir Reis mit gedämpftem Gemüse, da benutze ich meinen Reiskocher, tu unten Reis rein, manchmal auch mit Linsen zusammen. In der Kombination weißer Reis mit roten Linsen, die dieselbe Kochzeit haben, oder brauner Reis mit braunen Linsen, die dieselbe Kochzeit haben und tue dazu oben in den Dämpf-Einsatz vielleicht Brokkoli rein. Vielleicht schmeiße ich ein bisschen Tiefkühl-Erbsen zum Reis dazu, vielleicht mach ich mir ein bisschen asiatisches Pfannengemüse oder ich mach mir eine Tomatensauce mit Spinat und Kichererbsen. Aber genau, ich dämpfe oder dünste meistens. Oder es gibt da auch wahrscheinlich YouTube-Videos zum Thema Water Frying, also „in Wasser braten“. Die Röstaromen sind nicht die gleichen, aber wenn ich dafür die doppelte Menge essen kann ohne zuzunehmen, ist das für mich ein fairer Deal.

Stefanie Wir hatten schon mal eine Folge gemacht zum Thema Öl, weil Carsten zwar nicht Ernährungsberater ist, aber sich gesundheitlich interessiert und er dann da so einige Bücher zu gelesen hatte. Und ein Hörer hat uns dann einen Kommentar geschrieben, dass er uns erst für verrückt erklärt hat, dass wir gesagt haben ohne Öl versuchen anzubraten und so, dann aber das selber probiert hat und jetzt sogar Röstaromen hinkriegt. Also von daher, es scheint…

Dirk Das geht, ja das geht, wenn man quasi während des Garprozesses noch das Wasser beibehält und dann quasi den Deckel runternimmt, nicht mehr dünstet, sondern einfach das Wasser verdampfen lässt, dann können die auch anbraten. Ich kriege den Zeitpunkt nie hin. Ich bin aber auch zu faul. Ich sitz dann irgendwie am Computer, während mein Herd an ist oder so. Sollte man natürlich nicht machen. Habe ich auch gerade nicht gesagt, aber so ist mein Lebensalltag. Ich bin kein Koch. Ich finde es immer komisch, wenn ich das sage und die Leute kriegen es in den falschen Hals, wenn ich sage mir ist Geschmack nicht so wichtig. Das heißt nicht, dass ich eklige Sachen esse oder dass ich guten Geschmack nicht zu schätzen weiß. Das ist nur einfach in meiner Priorität nicht an erster Stelle, das ist vielleicht an dritter Stelle oder so, ist aber vielleicht eine qualifizierende Berufskrankheit für einen Ernährungsberater.

Stefanie Ja, das kann gut sein. Keimst du denn auch viel? Also, dass du irgendwie Buchweizen Keime hast oder Sprossen oder so?

Dirk Ne. Obwohl ich weiß, dass ich das sollte. Also unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten ist Keimen super. Und da gibt es auch ganz viele Leute, die total viel Informationen dazu haben. Das verträgt sich aber mit meinem persönlichen chaotischen Lebensstil überhaupt nicht. Also es sagen viele Leute ja das ist super einfach, du musst dir nur morgens und abends und da fängt es schon an. Ich bin dann mal drei Tage nicht da und dann verschimmeln mir die Keime oder keine Ahnung. Ich kann mir vielleicht mal so ein Sprossen-Mix im Bioladen kaufen. Der ist aber auch auf einer Plastikschale und ist in Plastik eingeschweißt. Das ist okay. Die Bioverfügbarkeit, die Verdaulichkeit ist bei gekeimten Lebensmitteln deutlich höher. Der Kostenpunkt oder der Zeitaufwand aber auch. Ich kompensiere das einfach mit doppelter Menge Gemüse, hat bisher ganz gut hingehauen.

Stefanie Und was hältst du von dieser Formel A Grain, A Green And A Bean? Was ich jetzt schon so öfter gehört habe, was so die Traumformel sein soll, damit man alle Nährstoffe bekommt.

Dirk Super. Also absolut sinnvoll. Man kann es so nennen. Ich habe ansonsten auch immer so eine Tellermethode. Ich sage der halbe Teller ist Gemüse und dann ein Viertel Getreide und ein Viertel Hülsenfrüchte. Statt Getreide gehen auch Kartoffeln. Also irgendeine komplexe Kohlenhydratquelle, die für die Energiebereitstellung da ist. Dann eine Hülsenfrucht, die für Eiweiße, Aminosäuren und Mineralstoffe da ist und dann den Rest mit Gemüse auffüllen. Macht absolut Sinn. In der Kombination Getreide plus Hülsenfrucht ergänzen sich auch die Aminosäuren optimal, also dass da keine Aminosäure zu wenig vorhanden sind. Selbst wenn, ich könnte auch einen Tag nur Getreide essen, am nächsten Tag nur Hülsenfrüchte essen. Der Körper kriegt das hin. Wir sind ziemlich unverwüstlich, wenn man den Körper nicht mit Unsinn füttert. Also man muss nicht jeden Tag alle Aminosäuren zuführen. Das kann der Körper ausgleichen.

Stefanie Okay. Hast du noch irgendwelche Tipps, die du Thomas jetzt speziell bei seinem Problem mit auf den Weg geben könntest?

Dirk Falls Thomas glauben sollte, dass Kohlenhydrate die Wurzel allen Übels oder allen Bauchfettes sind, rate ich ihm einfach mal eine Zeit lang, vielleicht eine Woche lang, nur Reis oder nur Nudeln oder nur Kartoffeln zu essen. Das ist ernährungsphysiologisch natürlich absolut nicht ratsam, aber die meisten Leute, die immer noch so konditioniert sind, dass Kohlenhydrate Übeltäter sind und dick machen, müssen einfach mal eine Zeit lang nur Kohlenhydrate essen, um zu wissen und auch erfahren zu können, dass diese These nicht belegbar ist. Man wird meistens nur in der Kombination mit Fett zusammen dick, weil einfach die Kohlenhydrate die Energie bereitstellen und die überschüssigen Fett-Kalorien eingelagert werden.

Wenn man dieses Fett aber nicht mehr bereitstellt, neigt der Körper dazu, die überschüssigen Kohlenhydrate eher in Körperwärme umzusetzen. Also auch für diejenigen, die frieren, deutlich mehr Kohlenhydrate essen. Für diejenigen, die einen Energieumsatz von 4.000 Kalorien am Tag haben, weil sie Extremsportler:innen sind: Natürlich musst du den Fettgehalt erhöhen, weil du dafür das Magenvolumen nicht hast, um 4.000 Kalorien nur Kohlenhydrate zuzuführen. Ich kenne niemanden, der ein Kilo Reis am Tag ist. Aber für den/die Otto-Normalverbraucher:in macht es Sinn, über eine kohlenhydratreiche, fettarme Ernährung nachzudenken. Ich sage Kochbücher entsprechend von Dr. Greger oder Dr. McDougall bzw. vegan ölfrei, vegan fettarm sind da die Stichworte, um sich auf die Suche zu begeben und wie gesagt, das ist das, was ich bei den meisten Klient:innen gesehen habe, was zu Erfolg führt.

Stefanie Hey, super. Und wenn Thomas jetzt gerne wissen möchte, wo er mehr von dir findet, weil er das so super findet, was du alles erzählt hast, aber das viel zu wenig war und er einfach wissen will, was gibt es dann noch? Wo kann er dich dann finden?

Dirk Genau. Zum einen bin ich meistens zu finden auf den vegetarisch/ veganen Messen. Ich bin jetzt auf der Veggienale in Münster, Hannover, Köln und Nürnberg dabei mit Vorträgen. Ansonsten gibt es mich aber auch auf Internetseiten zu finden unter einfachsovegan.de. Da gibt es auch eine kostenlose sieben Tage Vegan Challenge für Menschen, die es interessiert. Da kann man mich auch buchen für Ernährungsberatung. Ob das jetzt ernährungspsychologische Betreuung ist oder ob das die Auswertung von Ernährungsprotokollen ist oder die Begleitung bei Gewichtsverlust, alles möglich. Und es gibt auch eine Facebookseite entsprechend, wo ich ab und zu externe Artikel oder Studien verlinke. Rezepte manchmal poste. Da kann man sich auch gerne informieren. Und für alle Menschen, die das Thema Psychologie, Selbstwahrnehmung und selbstverantwortliches Leben interessiert, findet man mich auch als Coach unter herz-plus-verstand.de. Da gibt es auch einen Podcast, kann man auch sehr gerne reinhören. Da dreht sich es mehr um die Themen Achtsamkeit und eigenverantwortliches Leben.

Stefanie Machst du deine Ernährungsberatung auch online, also über Skype oder so oder machst du die nur vor Ort?

Dirk Fast ausschließlich online. Also ich habe ganz selten Leute hier vor Ort. Aus Zeit- und Kostengründen bietet es sich einfach an, das online zu machen.

Stefanie Okay, also es ist quasi egal, von wo man kommt. Man kann eine Ernährungsberatung bei dir buchen, auch wenn man nicht aus Köln kommt?

Dirk Ja, sehr gerne.

Stefanie Genau. Okay, ja, dann hoffe ich, lieber Thomas, dass Dirk dir deine Frage beantwortet hat. Und wenn nicht, darfst du gerne entweder uns schreiben oder Dirk schreiben. Und Dirk wird dir dann natürlich alle Fragen beantworten, nicht wahr, Dirk?

Dirk Natürlich, alle Fragen.

Stefanie Alle Fragen, wie funktioniert das Universum? Okay, und ja, dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir Dirk, dass du dir die Zeit genommen hast.

Dirk Ja, wunderbar. Auch danke von meiner Seite aus, Stefanie fürs Einladen. Ich hoffe, dir Thomas, geholfen haben zu können. Und wie auch Stefanie gerade gesagt hat, für alle weiteren Fragen einfach Mail schreiben, Facebookseite besuchen, Internetseiten besuchen. Ich antworte in der Regel.

Stefanie Genau, wenn du nicht gerade unterwegs bist.

Dirk Unterwegs bin.

Stefanie Ganz klar, ja. Okay, ja, dann in diesem Sinne. In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören. Und jetzt darfst du wieder sagen, was man in Köln sagt.

Dirk In Köln sagt man meistens Tschö mit Ö. Ich persönlich sage meistens Ciao.

Stefanie Ciao okay, es ist die italienische Köln Variante.

Dirk Genau.

Lasst uns über Privilegien sprechen.

Ein Beitrag

Folge 133 - Lasst uns über Privilegien reden.

In dieser Folge

  • sprechen wir über vier Essays, die Dr. Melanie Joy auf der Plattform PlantBasedNews veröffentlicht hat,
  • erklärt Carsten, wie sich die Essays von ihrem Buch "Beyond Beliefs" unterscheiden und
  • diskutieren wir über die Anwendung effektiver Kommunikation.

Unser Hörer Sid hat uns auf die Essays aufmerksam gemacht und gefragt in wie weit sich diese von dem Buch "Beyond Beliefs" unterscheiden würden.

Nach der Lektüre der Essays war klar: sie verdienen eine eigene Podcastfolge, da sie zwar einige Überschneidungen zum Buch haben, aber doch auch völlig andere Bereiche thematisieren.

Hör doch gleich einmal rein...

Links zur Folge

Was ist eigentlich so schlimm an Palmöl?

Ein Beitrag

Folge 132 - Was ist eigentlich so schlimm an Palmöl?

In dieser Folge

  • beleuchten wir endlich das Thema "Palmöl" von allen Seiten,
  • berichtet Carsten von seinen Rechercheergebnissen und
  • erklären wir Dir, wie Du auf Palmöl verzichten kannst.

Das Thema Palmöl beschäftigt uns schon eine ganze Weile und da es immer wieder Kontroversen darum gegeben hat, war es uns wichtig endlich eine komplette Folge zu diesem Thema zu veröffentlichen.

Wir haben versucht wirklich alle Facetten zu berücksichtigen, wobei es natürlich immer möglich ist noch weiter in die Tiefe zu gehen.

Tipps zum Vertiefen und Weiterlesen findest Du in den Shownotes.

Links zur Folge

Abkürzungen / Produktbezeichnungen
https://www.plattform-footprint.de/wp-content/uploads/2013/10/Deklarationen-Palmoel.pdf
http://www.umweltblick.de/index.php/palmoel/deklarationen-von-palmoel/95-deklarationen-von-palmoel

App zum Erkennen von Palmöl
Codecheck.info (setzt aber die neustes iOS-Version voraus und läuft damit nicht auf älteren Geräten / keine Android-Erfahrung)

PoP: Die App der Kampagne ZeroPalmöl
http://www.zeropalmoel.de/content/zero (Diese App dient allerdings nicht zur Erkennung von Palmöl in Produkten, sondern liefert eine Datenbank von palmölfreien Artikeln.)

Grafik zu den größten Palmölverarbeitern und ihren Marken
http://www.fansfornature.com/palmoel.html

Podcastfolge 36 - Aus kontrolliertem Raubbau

Transkript (Korrektur gelesen von Wolfgang R.)

Carsten Heute vertiefen wir mal ein Thema, was wir immer am Rande schon erwähnt haben, aber wahrscheinlich immer nur mit dem Begriff Palmöl und dass wir auch versuchen, auf Palmöl zu verzichten. Wir finden es aber wichtig, da eine komplette eigene Folge mal dafür zu machen, weil das Thema einfach auch zu schwerwiegend ist und auch zu umfangreich ist, als dass man das immer nur mit „Wir verweigern“ oder „Wir verzichten“ auf Palmöl abtun kann. Die Beschäftigung damit ist quasi diese Folge.

Stefanie Genau, denn wir haben kontroverse Dinge darüber gehört, übers Palmöl. Es gibt sowohl Menschen, die sagen, dass das Palmöl schlecht ist, als auch Menschen, die sagen, dass es aber schlechter ist, darauf zu verzichten, weil dann andere Dinge verwendet werden. Und je nachdem, in welche Richtung das geht, habe ich mich da so ein bisschen unsicher gefühlt und deswegen habe ich Carsten quasi auf Recherche Tour geschickt und Carsten hat dann einiges ausgebuddelt. Und jetzt sag doch mal Carsten, was ist denn eigentlich so schlimm an Palmöl?

Carsten Schlimm ist, dass der Anbau in keinster Weise nachhaltig ist und eigentlich zerstörerisch und absolut negativ ist für die Umwelt, für die Tiere und die Verwendung des Palmöls ist auch gesundheitlich sehr bedenklich. Also von daher spätestens was den Konsumenten betrifft, auch nicht unbedingt so zielführend. Hinzu kommen natürlich auch noch die Arbeitsbedingungen. Das heißt also, der Mensch ist eigentlich doppelt belastet. Die Leute, die dieses Produkt auf den Plantagen nicht produzieren, aber oft anbauen müssen, die leiden auf mehreren Ebenen. Und der Konsument, der dann anschließend das fertige Produkt konsumiert, der tut sich damit eigentlich auch keinen Gefallen.

Stefanie Und was für Quellen hast du denn da eigentlich konsultiert?

Carsten Ja, ich bin eingestiegen mit einer klassischen Recherche übers Internet, mit sämtlichen Suchbegriffen, die mir so eingefallen sind und habe festgestellt, es gibt wirklich Unmengen an Informationen im Internet. Diese Vielzahl an Informationen lässt mich jetzt noch den Kopf schütteln, weil ich denke Hey Leute, es steht eigentlich alles schon irgendwo da. Also ihr könnt euch mit dem Thema beschäftigen. Es ist nicht so, dass diese Informationen nicht vorhanden sind, aber trotzdem merke ich so im normalen Umfeld, wenn ich jetzt beim Einkaufen auf andere achte, es ist teilweise immer noch unreflektierter Konsum, der dort waltet. Also die Leute schauen nicht hinten auf die Verpackungen, reagieren überhaupt nicht drauf. Wenn man sagt, okay, ich verzichte auf Palmöl, dann tauchen erst mal Fragezeichen auf. Wieso ist Palmöl den so schlecht? Du bist doch nur vegan?

Stefanie Ist doch nicht vegan?

Carsten Ist das nicht vegan? Lest ihr denn nichts? Kriegt ihr denn nichts mit? Da schüttele ich wirklich den Kopf, diese Informationen sind halt vielfältig vorhanden. Aber anscheinend kann man es nicht häufig genug erwähnen.

Stefanie Okay, aber ich habe jetzt vorher auch nicht viel über Palmöl erfahren, bevor ich mich jetzt so mit diesem Thema beschäftigt habe und auch nicht, bevor ich vegan geworden bin. Also kann das durchaus sein, dass man da unter dem Radar durchtauchen kann.

Carsten Das stimmt, die meisten tauchen unter diesem Radar hindurch. Ja, wir sind natürlich dann insofern die Ausnahme, als dass wir uns damals entschlossen haben, uns mit solchen Themen zu beschäftigen. Wir lassen das an uns heran, das ist natürlich bei der Mehrzahl der Menschen nicht der Fall. Insofern verstehe ich es. Aber wie gesagt, bei der Recherche habe ich einfach gemerkt, ich konnte all das Material, was ich gefunden habe, eigentlich gar nicht durchlesen. Da hätte ich wahrscheinlich Jahre gebraucht. Diese Vielzahl, die lässt mich dann schon erstaunen, weil ich einfach für mich das Gefühl hatte, du kommst an diesem Informationsgehalt gar nicht vorbei. Das war mein erster Eindruck.

Stefanie Wenn es so schlimm ist für Mensch, Tier und Umwelt? Wollen wir dann mit einem Punkt mal anfangen?

Carsten Ich würde anfangen mit dem Mensch. Weil das ist etwas, was ganz häufig nicht beachtet wird. Häufig wird ja eigentlich so, dass das Thema Tier oder der berühmte Orang Utan oder teilweise auch Sumatra Tiger genannt, gerade bei diesen Naturschutzverbänden aber nicht der Mensch, der in diesen gleichen Gebieten lebt. Das sind eigentlich indigene Völker. Indigene Völker heißt jetzt nicht Indianer, sondern es sind ja Ureinwohner. Einwohner, die auf diesem Land leben, die teilweise noch im Einklang mit der Natur leben oder gelebt haben, von diesen Urwäldern. Ja, quasi traditionsgemäß schon seit Generationen gelebt haben. Die leiden darunter, dass für die Palmölplantagen dieses Land geraubt wird, gibt es ganz unterschiedlichste Methoden. Teilweise ist es halt so, dass den Leuten das Land abgekauft wird. Aber ganz häufig ist es so, dass einfach Landkonflikte entstehen, weil diese indigenen Völker, die sind ja nicht unbedingt immer im Besitz von irgendwelchen Urkunden, um zu sagen, das Land gehört uns. Die haben einfach einen Anspruch auf dieses Land, weil sie schon seit Jahrhunderten dort leben. Dann kommt der Staat an und sagt: „Ja, wir haben das irgendwie anders zugeteilt und wir haben es an diesen Konzern verkauft. Also habt ihr gar keine Landrechte dran. Jetzt verzieht euch mal!“ Und die werden ja teilweise gewaltsam von diesen Ländereien vertrieben und stehen dann irgendwo mitten im Nichts. Weil also so eine Plantage ist jetzt nicht vergleichbar mit hier in Maisfeld in Deutschland, wo ich dann ein paar hundert Meter weiter schaue und dann sehe ich schon wieder den Rand und kann drum herumspazieren, sondern diese Plantagen erstrecken sich ja über hunderte Kilometer, da ist nichts außer Plantage. Wenn ich jetzt natürlich dann in so einem Gebiet dann irgendwo als ehemaliges indigenes Volk lebe und mir keine Lebensgrundlage mehr zur Verfügung steht, dann ist das der absolute worst case, den man sich so unter Selbsterhaltungstrieb vorstellen könnte. Jetzt wird es natürlich so dargestellt, dass die Leute, die diese Plantagen aufbauen, nach draußen zeigen oder vorgeben, wir schaffen Arbeitsplätze. Die Leute kommen jetzt tatsächlich erstmal an einen Arbeitsplatz heran, können etwas verdienen. Das ist aber ein Hohn, also eine zynische Darstellung, weil erstens brauchten die vorher keine Erwerbsarbeit, die haben halt von diesen Ländereien gelebt. Teilweise als Selbstversorger, teilweise konnten sie die Überschüsse auf den Märkten verkaufen. Jetzt sind sie in Lohnabhängigkeit und können eigentlich gar nichts anderes machen. Sie sitzen da in so einer Einöde, hunderte von Kilometern, nichts anders als Palmöl. Sie können nur dort arbeiten und nur das arbeiten, was dort anfällt. Ganz häufig unter wirklich unwürdigsten Bedingungen. Das ist es, was mich am meisten erschüttert hat. Einmal nicht nur zu sehen, dass denen das weggenommen wird, dieses Land, sondern nachher dieses „Wir schaffen Arbeitsplätze“. Die arbeiten teilweise unter Bedingungen, die man so aus der Textilbranche kennt.

Stefanie Kathrin Hartmann hat ja in ihren beiden Büchern „Aus kontrolliertem Raubbau“ und auch „Die Grüne Lüge“ einiges drüber geschrieben. Also sie hat ja auch einige VertreterInnen von diesen betroffenen indigenen Völkern besucht und mit ihnen gesprochen. Auch hat sie mit Protestlern gesprochen, sich auch diese Plantagen angeschaut und dann eben genau das erzählt. Wenn du da noch mehr einsteigen möchtest, solltest du auf jeden Fall diese beiden Bücher lesen „Aus kontrolliertem Raubbau“ und „Die grüne Lüge“. „Die grüne Lüge“ ist das Buch zum Film „The Green Lie “. Aber im Buch ist es ausführlicher. Da wird dann auch von den Betroffenen erzählt, dass ihnen das Land geraubt wird, dass es einfach genommen wird, dass die Regierung das Land umverteilt hat. Sie versuchen nun, es wieder zurück zu erkämpfen. Zum anderen aber auch, dass sie zwangsverpflichtet werden, da zu arbeiten. Dazu so einem Lohn, dass sie ihre ganze Familie mit Kindern mitbeschäftigen müssen, damit sie die Palmöl Früchte ernten können, also Kinderarbeit!

Carsten Die Kinder können nicht in die Schule, sondern müssen arbeiten.

Stefanie Weil sie sonst einfach die Arbeit nicht schaffen. Teilweise müssen sie auch Chemikalien ausbringen, ohne Schutzkleidung, die sie sich auch noch selbst kaufen müssen.

Carsten Ich habe teilweise Berichte gelesen, das die eigentlich gar nicht schlecht bezahlt werden. Die bekommen dort teilweise Tagessätze, die vergleichbar sind mit Monatslöhnen in dem gleichen Land. Das Perfide an dieser Thematik ist aber, dass die Leute immer nur dann verdienen, wenn es wirklich was zu tun gibt. Also es gibt auch lange Zeiten, wo die einfach nur dasitzen und gar nicht arbeiten können, dementsprechend auch kein Geld verdienen, die aber in der Zwischenzeit auch nichts anderes machen können. Die sitzen da wirklich in der Pampa. Es gibt kein Taxi, keine Stadt, keine Möglichkeit, mal woanders hin zu fahren. Schon gar nicht ärztliche Versorgung bei Unfälle oder so. Ein Krankenhaus ist da auch nicht in der Nähe.

Stefanie Nicht mal ein Arzt. Wir hatten hatten von „Robin Wood“ eine Dokumentation bestellt, eine halbstündige Dokumentation oder so...

Carsten ...also 20 Minuten.

Stefanie Die nächste Krankenschwester oder Krankenstation war teilweise einen Tagesmarsch entfernt. Auch Kathrin Hartmann hat diese Krankenstation besucht, da war die allerdings schon geschlossen. Das ist halt kein Zustand so. Sie sind da auf sich gestellt. In dieser Dokumentation wurde es ja auch noch mal gesagt, also dass da diejenigen, die da in dieser Plantage arbeiten, wenn die es schaffen bis zum nächsten Dorf zu kommen, dass sie dann von den Dorfbewohnern aber nicht akzeptiert werden, weil die ja für diesen Anbieter arbeiten und dass sie dadurch auch noch isoliert sind.

Carsten Die sind halt isoliert dadurch, dass sie keine Landrechte haben, bzw. waren es Leute, die zugewandert sind, weil versprochen wurde, du kannst arbeiten und Geld verdienen. Es wird ja immer so dargestellt, dass die Leute, die dort wohnen, die Arbeit bekommen. In dem Fall dieser Dokumentation wird gezeigt, das ist nicht der Fall. Es werden billige Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben, die dann da ihre Arbeit verrichten können.

Stefanie Aber es ist definitiv für die Menschen die da arbeiten und für die Menschen, die da eigentlich ursprünglich wohnen, schlecht.

Carsten Jetzt zu den Chemikalien. Also das sind teilweise Pestizide, die hier in Deutschland oder Europa aufgrund ihrer Toxizität, also Giftigkeit verboten sind. Die werden da ausgebracht. Die Leute haben keine Schutzkleidung, müssten sie eigentlich kaufen von ihrem eigenem Geld. Also die wird noch nicht mal von Arbeitgeber bereitgestellt. Der Arbeitgeber bietet ihnen aber auch nicht die Möglichkeit, sie bei ihm zu kaufen. Und es gibt keine anderen Bezugsquellen.

Stefanie Sie kriegen sie gar nicht.

Carsten Sie haben halt kein Amazon, wo man halt bestellen kann. Sondern die sind von den lokalen Versorgungsstationen abhängig und das wird natürlich alles dann von den Plantagen Inhabern oder den diesen Konzernen gemanagt. Eine direkte Abhängigkeit, auch was Löhne und und Marktpreise betrifft. Das sind ja teilweise eine Monopolstellung. Auch für Bauern, die auf eigenem Land Palmöl angebaut, weil die Konzerne Ihnen Setzlinge geschenkt oder günstiger gegeben haben

Stefanie Weil die teilweise ja selber kaufen müssen.

Carsten Ja, die kriegen dann aber günstigere Kredite. Es wird ja auch immer so dargestellt, dass es ja quasi eine Art Entwicklungshilfe und versucht die Leute der auch irgendwo vom Finanziellen her so ein bisschen nach vorne zu bringen so wird es ja dargestellt, aber letztendlich sind sie in der Schuldenfalle. Die Konzerne stehen halt in einer solchen Konstellation natürlich in einer Monopolstellung, was heißt, wenn er ist der einzige Abnehmer der Ernte und diktiert die Preise Dann bist du doch eh schon gekniffen und das sind halt die Zustände, die da vor Ort existieren.

Stefanie Dann wird behauptet wird, man wollte das Leben der Menschen dort verbessern. Eine Betroffene, die im Buch „Die grüne Lüge“ zitiert wird, sagt es sei kein besseres Leben, sondern das Leben, was sie vorher hatten, war gut so wie es war. Sie brauchen dieses scheinbar bessere Leben nicht, was Ihnen da gesagt wird. Ihr Leben ist eben jetzt von außen zerstört worden. Sie brauchten keine Arbeit in dem Sinne und diese alles was jetzt propagiert wird, was da durch die Palmölplantagen gegeben wird.

Carsten Das Verheerende ist natürlich, dass die sich das nicht aussuchen können. Wie du gerade schon gesagt hat, dass wird halt von außen gewaltsam aufgezwungen. Ich habe Zahlen gelesen, dass es in Indonesien - was der der Hauptexporteur von Palmöl ist - im Moment noch 700 ungelöste Landkonflikte gibt. Man muss im Hinterkopf behalten, dass dort von den Staatsformen her keine reinen, ausgeprägten Demokratien mit einem Rechtsverständnis wie hier in Deutschland oder Europa existieren. Sondern das sind teilweise sehr korrupte Verhältnisse. In diesem Zusammenhang wird immer der der der größte Palmölproduzent „Wilmar“ genannt. Dieser ist nicht nur in Asien, sondern mittlerweile auch in Afrika aktiv. Das sind Akteure, die auf der politischen Ebene unterwegs sind. Und wenn ich da natürlich in einem korrupten Umfeld agiere und möglichst viel Geld auf den Tisch lege, na ja, dann ist es ja auch kein Wunder, dass da auf der einen Seite Landkonflikte oder Landgrabbing existieren. Auf der anderen Seite aber auch diese ganzen negativen und gravierenden Zustände, die dann da durch das Plantagen aufbauen und auch durch die Ausnutzung der Arbeitskraft. Das ist ja nichts anderes als Ausnutzung, das passt ja, dass das runter gespielt wird. Ja, das ist ja kein Wunder. Ich erinnere mich an ein Zitat, da wo halt Angestellte auch gesagt haben, es ist teilweise wie kolonial, also wie wie in den Kolonialzeiten, ja nur dass die Besatzer, die uns jetzt hier irgendwie unterjochen, unsere eigenen Brüder sind. Wenn eigene Brüder, meine Landsleute, die jetzt zu Geld gekommen sind und und das natürlich dann schonungslos ausnutzen. Kapitalismus pur. Also wie gesagt, das ist ein Aspekt, weswegen ich sage Palmöl geht gar nicht. Und das ist eigentlich völlig unabhängig davon, ob ich nachher Bio- Palmöl habe oder nicht.

Stefanie Ja, der Round Table for Sustainable Palmöl (RSPO, rspo.org). Das ist ja sowieso eine Farce. Das ist ja das, was Kathrin Hartmann immer wieder in ihrem Buch offenbart. Da sitzen nur eben Menschen aus der Industrie drin, wie eben von Wilmar und den anderen größeren Produzenten und der WWF als Deckmäntelchen. Auch die ganzen Skandale, die es darum herum gibt und also wie das geprüft wird und die diese ganzen Prüfkriterien, die sind alle freiwillig und also dieses, woran sie sich halten müssen und das ist alles so locker und lax, dass einfach das ist eigentlich gar keinen Unterschied gibt zwischen dem nachhaltigen Palmöl und dem konventionellen Palmöl. Sowieso wird dann nachher beim Transport von der Ölmühle zum Abnehmer das teilweise gemischt, sodass das also prozentual dann nur ein ganz geringer Anteil nachhaltiges Palmöl ist. Es wird aber dann trotzdem komplett als nachhaltiges Palmöl deklariert und das ist einfach eine Farce.

Carsten Die deutsche Politik macht das ja auch mal ganz gerne so, dass die Industrie sich freiwillig zu etwas verpflichtet. So und so ist dieser runde Tisch ja auch, also überall da, wo er rspo drauf steht, dass es im Grunde genommen nichts anderes, als dass sich dort die Industrie mit einigen NGOs und vielleicht ein paar Staatsorganen hinsetzt. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Übermacht ganz klar bei den Wirtschaftsakteuren liegt. Diese NGOs sind nur grüne Feigenblätter. Es wird ein bisschen Greenwashing betrieben, um dem Ganzen so einen grünen Anstrich zu verleihen. Die werden natürlich auch nicht gegen die Mitglieder des RSPOs wettern und da irgendwie was Negatives zu sagen. Gleichzeitig ist dieser RSPO aber auch derjenige, der die Kriterien für nachhaltiges Palmöl definiert und auch die Zertifikate ausspricht. Das heißt, die Industrie zertifiziert sich an der Stelle selbst nach ihren eigenen Kriterien. Wie doof ist das denn?

Stefanie Aber das ist es überall bei diesen ganzen Round Tables so. Ja, also da ist es überall so, die setzen sich alle gleich zusammen. Das Buch die „Grüne Lüge“ ist eine super Quelle. Kathrin Hartmann generell als Autorin ist da wirklich eine super Adresse, um da mal nachzulesen. Sie schreibt es ja auch so sehr mit Verve und so. Sie bezieht ganz klar Stellung, es ist nicht neutral. Wir können vielleicht beim Punkt Mensch noch das Gesundheitliche ergänzen.

Carsten Das Gesundheitliche spielt sich eigentlich auf diesen Ebenen der gesättigten Fettsäuren ab. Es wird offiziell wirklich gesagt, das es als krebserregend angesehen und zwar selbst vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die wir ja mit dieser veganen Studie auch schon mal thematisiert hatten. Aber die warnen halt vor Aufnahme dieser Schadstoffe, die in Palmöl drin sind, wobei Schadstoffe nicht als Verunreinigung gelten sollen, sondern das sind halt sogenannte Fettsäureester. Das sind halt Fettsäuren, die als krebserregend gelten. Wenn da schon offizielle Staatsorgane bzw. das BfR, davor warnen, dann heißt das schon einiges.

Stefanie Es ist aber nicht die einzige Quelle, die davor warnt, dass Palmöl krebserregend ist.

Carsten Es ist ja auch so gewesen, dass teilweise bis auf Staatsebene Personen gegen bestimmte Produkte ausgesprochen haben. Ich glaube 2015 gab es in Frankreich ein Verbot von Nutella.

Stefanie Ja, und das ging dann gar nicht. Das hat Kathrin Hartmann auch in ihrem Buch thematisiert, die sind sofort eingeknickt und alles war furchtbar. Und das ging überhaupt nicht.

Carsten Der Hintergrund war, dass in Nutella zu viel Palmöl enthalten ist. Ja, klar.

Stefanie Das ist genau das. Das wird da auch thematisiert. Und Aber Nutella ist eben so mächtig und die Wirtschaft ist so mächtig. Und deswegen mussten sie ja einknicken.

Carsten Aber da merkst du halt, wie, wie da Politik und und Wirtschaft zusammenspielen und dass dem Konsumenten im Grunde genommen ja nicht damit gedient ist. Also es geht da wirklich darum, dass Palmöl so „Uni-präsent“ ist, weil Unilever gerade bei dieser Plattform (RSPO) omnipräsent ist. Aufgrund dieses hohen Verbreitungsgrades ist eigentlich im Moment sehr schwierig ohne Palmöl klarzukommen. Dazu kommen wir noch. Aber das ist wahrscheinlich einer von den Punkten, weswegen auch die Politik dann einknickt, wenn solche Boykotte ausgesprochen werden. Also zusätzlich zu dieser krebserregenden Eigenschaft wird auch dargestellt, dass diese Fettsäuren erbgutschädigend sind und auch für hohe Cholesterinwerte und damit auch Herzkrankheiten verantwortlich sein können oder diese mitverursachen, besonders im raffinierten Palmöl. Aber genau die werden ja eigentlich in den meisten Produkten eingesetzt. Unilever haben wir gerade genannt. Im Prinzip alles, industriell verarbeitetet ist.

Stefanie Tütensuppe.

Carsten Tütensuppen, Nahrung, eben Lebensmittel, in all diesen ist hochgradig raffiniertes Palmöl enthalten. Cholesterin ist auch nicht unbedingt so toll. Herzkrankheiten, erbgutschädigend, krebserregend etc., dann habe ich schon eine Bandbreite an gesundheitlichen Problemen. Muss ich mir das unbedingt antun?

Stefanie Also wenn es gibt natürlich noch viel mehr zu sagen zum Thema Mensch und auch generell zum Palmöl. Lies auf jeden Fall die beiden Bücher, wenn dich das noch weiter interessiert von Kathrin Hartmann und Carsten hat da auch noch einige Links, die wir dann in den Shownotes dazu verlinken. Wenn wir dann zum nächsten Punkt kommen, was möchtest du lieber?

Carsten Ich möchte noch die Umweltauswirkungen kurz thematisieren. Neben Mensch und Tier ist auch die Umwelt ein ganz großer Faktor. Damit meine ich eigentlich die CO2 Emissionen, die auch für die Klimakrise mitverantwortlich sind. Die sind nicht gerade unerheblich. Indonesien ist der größte Palmöllieferant der Welt, wobei Indonesien flächenmäßig ein relativ kleines Land ist. Indonesien steht auf Platz drei der Staaten mit den höchsten CO2 Ausstoß, und zwar hinter USA und China, also den großen Wirtschaftsmächten. Dann merke ich schon, was für eine Dimension dieser Palmölanbau hat bzw. an der Stelle noch nicht mal der Anbau, sondern die Landgewinnung. Also da geht es wirklich darum, dass dieses aggressive Vorgehen, um neue Flächen für für Palmölplantagen zu bekommen, durch Brandrodung stattfindet oder Trockenlegung von Sümpfen, Mooren oder Mangrovenwäldern. Das sind alles natürliche CO2 Senken.

Da fällt mir eine Anekdote ein. Ich telefonierte vor drei Jahren mit einer ehemaligen Arbeitskollegin, die in Singapur lebt. Sie erzählte mir, dass gerade die Luft total schlecht ist und überall smog sei. Man könne kaum atmen. Dazu schwarze Wolken am Himmel. Ich dachte es käme vom Verkehr. Sie erklärte mir, es kommt von den Brandrodungen in Indonesien. Davon bekommen wir hier gar nichts mit. Das war sehr eindrücklich.

Stefanie Ergänzend zum Thema Umwelt muss gesagt werden, dass diese ganzen Düngemittel und Pestizide, wovon wir vorhin schon mal gesprochen haben, ja auch den Boden zerstören. Auch dort alles vergiften. Also es geht ja nicht nur irgendwie ins Grundwasser und in den Boden, das steigt auch in die Luft und es ist halt überall. Das ist irgendwie ein Unding, dass wir westlichen globalen Norden, dass wir dafür verantwortlich sind, weil es ist ja nicht so, dass jetzt irgendwie die Indonesier sich sagen hey, wir wollen gerne Palmöl haben und bauen uns das jetzt in riesigen Mengen an, um uns selbst zu versorgen, sondern es ist ja, weil wir Deutschen sagen ja, wir wollen gerne günstige Tütensuppen haben und deswegen können wir das halt nicht in Deutschland anbauen. Aber in Indonesien ist ja noch Platz.

Carsten Ja, genau, genau das ist der Mechanismus. Also die da werden ja eigentlich gar nicht gefragt.

Stefanie Also es ist ja nicht nur beim Palmöl, aber das ist das, was mich jetzt in letzter Zeit so genervt hat. Das muss ich jetzt mal hier anbringen. Also dieses wir lagern unsere gesamte Produktion aus. Ich möchte jetzt nicht wieder mit meinem Lieblingsthema Milch anfangen, aber es ist tatsächlich so, auch was ich jetzt in dem Buch „Die grüne Lüge“ noch mal gelesen hatte, dass ja auch Gemüse und Obst zu einem geringen prozentualen Anteil nur hier in Deutschland angebaut wird und das meiste importiert werden muss, weil die ganzen Flächen, die also die Ackerflächen, die hier in Deutschland zur Verfügung stehen, schon für Futtermittel verbraucht werden und für Biosprit. Also das heißt, die meisten Flächen werden dafür verbraucht, so dass keine Flächen mehr zur Verfügung stehen, um uns überhaupt selbst zu versorgen. Und deswegen lagern wir das aus, indem wir halt unsere Nahrungsmittel aus anderen Ländern importieren. Und das ist doch Wahnsinn.

Carsten Ja, das liegt daran, dass das Anbauen von diesen Lebensmitteln wahrscheinlich weniger abwirft, als das Anbauen von Raps für Biodiesel. Die Landwirte bauen ja das an, mit dem sie am meisten Geld verdienen und da wird es eben Fördergelder geben.

Stefanie Also die das ist jetzt wieder dieses System, dieses mehr, mehr, mehr. Wir sind in diesem Hamsterrad, wir wollen immer mehr und mehr. Und das ist ja auch das, mit dem die argumentieren, um das Palmöl anzubauen, eine bessere Welt und das soll viel toller sein. Höherer Lebensstandard. Mehr. Mehr. Mehr. Konsum. Konsum. Konsum. Und dass wir uns damit unsere Lebensgrundlage kaputt machen, das drängen wir alles völlig weg. Und das machen wir! Aber das ist halt so. Entschuldigung für diese flammende Rede. Es ist einfach so. Der Klimawandel findet jetzt schon statt, er findet jetzt (!) statt. Er findet nicht erst in zehn Jahren statt oder in 20 oder in 100 Jahren, sondern er findet jetzt statt, er findet halt nur noch nicht hier in Hamburg direkt in der Stadt und auch nicht bei dir, wenn du jetzt gerade nicht in Hamburg wohnst, sondern er findet halt im globalen Süden statt und er findet in Indonesien statt und er findet in Bali statt, also er findet dort statt schon und dort kann man das auch alles schon sehen. Die Menschen, die dort wohnen, die spüren das auch schon. Nur sind die halt in einer viel schlechter Position als wir, die wir hier glücklich und zufrieden leben. Wir leben auf deren Kosten.

Carsten Palmöl ist dabei schon ein treibender Faktor.

Stefanie Wie Soja.

Carsten Genau!

Stefanie Aber wir sind jetzt bei Palmöl. Ich wollte jetzt auch gar nicht so abschweifen. Ich lass Carsten jetzt wieder zum Punkt kommen.

Carsten Was ich in dem Zusammenhang aber nochmal anmerken möchte, ist ich habe jetzt gerade Indonesien gesagt als den Top Palmöllieferant. Die Flächen dort in Südostasien werden mittlerweile ja auch weniger und so, dass dann die die globalen Konzerne jetzt auch schon schauen, ob sie in Afrika entsprechende Ländereien bekommen können. Da geht das Spiel jetzt quasi auch genauso auf dem gleichen Level voran. Das wird auch nicht aufhören, solange dieser Bedarf an Palmöl weiterhin künstlich erhöht wird. Um nochmal auf auf die negativen Wirkungen an sich zu sprechen zu kommen. Also auch die Tiere leiden natürlich. Ganz grob gesagt, das sind die Sumatra Tiger, das sind die bekannten Orang Utans, sind aber auch kleinere Borneo Elefanten, denen da natürlich das Lebensreich weggenommen wird. Das heißt es dezimiert erst mal den reinen Wildbestand. Die Tiere, die dort dann noch existieren, die müssen teilweise in Gehegen gehalten werden. Wobei auch das wieder so ein bisschen perfide ist. Es werden alle Ländereien explizit als als Naturschutzgebiet deklariert und teilweise abgezäunt und dann den eigenen indigenen Völkern, die dort eigentlich mal angestammtes Landrecht hatten, wird dann der Zugang aus Naturschutzgründen verwehrt, um die Tiere nicht zu stören. Also das ist schon teilweise recht perfide und auch zynisch, was dort abläuft. Aber nichtsdestotrotz sind auch eben die Tiere diejenigen, die darunter leiden.

Stefanie Jetzt haben wir darüber gesprochen, was so schlimm ist an Palmöl. Jetzt kannst du natürlich überlegen und sagen na ja, aber Palmöl, wo ist denn das überhaupt alles drin? Das ist ja eigentlich fast nirgendwo. Und dazu kann der Carsten folgendes sagen.

Carsten Ja, auf der einen Seite ist es relativ einfach zu identifizieren. Also im Grobraster kann man sagen, dass das meiste Palmöl tatsächlich für Biosprit aufgebracht wird. Also je nachdem, was für Quellen man anschaut, so zwischen 45 % des hier in Europa verarbeiteten Palmöls landet im Biosprit teilweise bis zu 60 %. Ungefähr 1/3 davon wird aber in den Nahrungsmitteln verwendet. Dann wird eben noch ein kleiner Rest Bestandteil für Elektrizität und Wärme verwendet.

Stefanie Was war das? Entschuldige, dass ich dir ins Wort fallen, aber was irgendwie das Zynische daran ist, weil der Biosprit soll ja so besonders nachhaltig sein. Aber ist hat gar nicht nachhaltig, weil eben die Bundesregierung halt in großen Mengen dieses Palmöl einkauft, das stand eben auch in dem Buch von Kathrin Hartmann, weil es eben so ist, dass diese Mengen, die an Rapsöl benötigt würden, um den Biosprit zu generieren, tatsächlich nicht in Deutschland angebaut werden können. Das muss dann dazu gekauft werden, das Palmöl. Und deswegen ist jetzt Deutschland ein sehr großer Importeur von Palmöl für Biosprit. Das ist halt eben gar nicht nachhaltig. Also das heißt, wenn du Biosprit tankst, das ist mitnichten nachhaltig. Es ist also auch eine grüne Lüge.

Carsten Ja, es wird immer schön, sehr, sehr schöngerechnet in der Hinsicht vom CO2 Ausstoß etc. Aber dieser komplette Produktionsweg, der wird dann irgendwie so verkürzt oder gar nicht betrachtet. Das kann ich halt nicht machen, wenn ich so eine Umweltbilanz aufstelle mit dem ökologischen Fußabdruck, das geht nicht. Aber das ist halt tatsächlich eine große Stellschraube, zu überlegen, wann muss ich tatsächlich auf ein Auto zurückgreifen, gerade jetzt hier in den Großstädten. Das ist wirklich noch mal ein Appell: „Greift auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu. Fahrt mit Fahrrad, Ja, geht zu Fuß.!“ Ihr könnt euch so organisieren, dass ihr nicht aufs Auto angewiesen seid. Also von daher also wieder ein Argument mehr, um wirklich mal drüber nachzudenken, das Auto stehen zu lassen oder vielleicht komplett aufs Auto zu verzichten. Viel undurchsichtiger finde ich dann aber nachher die Verwendung hinsichtlich der Lebensmittel. Wobei Lebensmittel ist eine, muss man eigentlich weiter fassen. Das ist ja nicht nur auf Lebensmittel beschränkt, wo Palmöl eingesetzt wird, sondern es geht nachher auch in den Bereich Kosmetik oder Putzmittel. Also im Grunde genommen kann man sagen, mehr als 50 % der industriell verarbeiteten Produkte, die ich als Endkunde kaufe, egal was, enthält Palmöl oder Substanzen, die aus Palmöl gewonnen werden, mit.

Stefanie Es ist wie mit Molke und Kasein aus Milch. Diese Abfallprodukte werden alle weiterverwendet, weil das halt günstiger ist, als sie entsorgen zu müssen. Und beim Palmöl ist es halt auch so, dass es überall drinsteckt, weil es halt so günstig ist.

Carsten Genau das ist halt von der Ausbringungsmenge das Öl schlechthin. Also es gibt keine Ölfrucht, die ergiebiger ist und deswegen wird ja Palmöl so exzessiv angebaut und auch verwendet, weil dadurch eben auch Preis der entsprechenden Produkte niedrig gehalten werden kann. Wenn man sich jetzt mal anschaut, in was für Lebensmittel das drin drinsteckt. Ich habe es gerade schon mal gesagt über 50 % dessen, was wir eigentlich so im Supermarkt kaufen. Aber da sind natürlich auch große Marken drin, wie, also ich zitiere jetzt sagen wir mal so ein paar, die mir über den Weg gelaufen sind. Becel Bifi, Du Darfst, Langese, Lätta, Lipton, Mondamin, Funny, Rama, Zanella, Viss, Domestos, Coral, omo, Axe, Dove, Lux, Rexona, Signal, DuschDas etc. pp. Ich habe jetzt nur Produkte von Unilever aufgezählt. Unilever ist weltweit das größte palmölverarbeitende Unternehmen.

Stefanie Zukünftig wollen die nur noch nachhaltiges Palmöl beziehen.

Carsten Das schaffen die auch.

Stefanie Sie wollen es versuchen.

Carsten Die schaffen das, denn schließlich zertifizieren sie sich doch selbst.

Stefanie Sie sind Bestandteil des Round Table.

Carsten Ich glaube, sie stellen sogar den Vorstand. Wenn es dann nachhaltig ist, dann ist es okay? Dann dürft ihr trotzdem weiter die BiFi nicht essen, weil nicht vegan. Aber wie gesagt, das sind halt wirklich Produkte, die jetzt nur von Unilever kamen. Ja, und dann gibt es natürlich noch weitere große Akteure wie Nestle, Kelloggs, Danone, Coca Cola, Pepsi. Ich eine relativ schöne Grafik gefunden, die kommt von Fans for Nature. Auf dieser Grafik sieht man nochmal, was für große Unternehmen existieren und was für Marken zu diesen Unternehmen gehören. Das hat jetzt nicht primär etwas mit Palmöl zu tun. Es wird aber ersichtlich, dass im Supermarkt eine riesige Auswahl zu sehen ist, die aber nur von fünf oder sechs Firmen produziert wird.

Stefanie Das ist wie beim Film „Food Inc.“, da haben sie das für Amerika dargestellt. Bei uns ist es halt auch so.

Carsten Ja, das ist schon ziemlich krass. So, und jetzt ist aber das das Perfide daran, Palmöl wirklich in diesen Produkten zu erkennen, dass diese Bezeichnung unglaublich variiert. Das war etwas, was ich vor meiner Recherche auch nicht so wirklich wusste. Es ist natürlich einfach, das mal zu gucken. Steht da Palmöl drauf? Viele Produkte werben ja auch schon mit Palmöl frei. Das ist so ein relativ sicheres Indiz. Aber Palmöl wird ja nicht unbedingt immer als reines Palmöl deklariert, sondern es hat dann teilweise englische, teilweise lateinische Bezeichnungen. Und es gibt über 140 verschiedene Deklarationen, die darauf schließen, dass dort Palmöl oder Palmöl verarbeiteten Substanzen im Produkt enthalten sind. Also es ist eine riesige Datenbank und da muss ich ehrlich sagen, in dem Moment, wo ich vor einem Produkt stehe und sehe jetzt nur noch irgendwelche ganz komischen chemischen Abkürzungen, bin ich nicht mehr in der Lage, als Konsument zu entscheiden. Ist das Palmöl? Ist das irgendwie eine verarbeitete Stufe von Palmöl? Was ist es generell? Da helfen teilweise so ein paar Apps. Also es gibt schon so ein paar Hilfestellungen, aber das Sammelsurium an diesen Verklausulierungen ist extrem groß. Da muss ich auch sagen, würde ich mich schwer tun zu sagen, ich gehe in einen Supermarkt und nehme mir ein x beliebiges Produkt, wo nicht explizit für mich erkennbar ist, Palmöl oder Palmkernöl oder so was. Um dann zu sagen, dass es 100 % ohne Palmöl. Natürlich ist es so und das hat Stefanie vorhin ja auch schon anklingen lassen, dass wenn du dich jetzt mit diesem Thema auseinandersetzt und versuchst, Informationen im Internet zu lesen, dann wirst du feststellen, dass es da eine große Kontroverse gibt. Es gibt viele Internetportale oder Befürworter von Palmöl, die sich ganz klar dafür aussprechen. Die kommen halt mit relativ überzeugenden Argumenten. Sei es jetzt das Bioargument. Also ich habe auch auch Initiativen gesehen, die unter Fair Trade oder GEPA laufen, die einen extrem hohen sozialen Standard anbringen und da auch tatsächlich sehr stark mit den entsprechenden Erzeugern und Verarbeitern vor Ort kooperieren. Das mag alles stimmen, das möchte ich nicht in Abrede stellen, aber ich frage mich dann natürlich immer wo kommt denn dieses Bioland eigentlich her, diese Anbaufläche? Ist die dann auch einfach so frei entstanden oder gab es da auch ein Land Konflikt, um es mal so auszudrücken? Das weiß ich natürlich an dieser Stelle nicht. Und wenn ich mir natürlich anschaue, wie jetzt dieser Roundtable for Sustainable Palmöl agiert und sagt, wir machen jetzt alles Bio oder nachhaltig, dann muss ich mir natürlich auch fragen, wie weit geht denn das Bio? Ja, beim RSPO weiß ich ja, das was vorher abgelaufen ist, ist echt krass. Da kann ich nachher 5000 mal sagen, es ist nachhaltig. Aber die Vorstufe ist halt alles andere als nachhaltig gewesen. Und deswegen bin ich bei diesem Bioargument immer so ein bisschen vorsichtig. Das ist auch das was, was in dieser Kontroverse am meisten hochkommt, dass eben versucht wird, den aktuellen Jetzt Zustand zu definieren und den dann halt so nach vorne zu spielen, zu sagen, ist doch alles gut. Ehrlich gesagt, ich persönlich glaube nicht daran, dass es gutes Palmöl gibt, egal ob da Bio drauf steht, nachhaltig oder wie auch immer oder ob das über GEPA vertrieben wird. Ich glaube immer, dass im Hintergrund ja irgendwo ein Problem lauert. Entweder das Landgrabbing oder das Tiere darunter, das können auch Bioprodukte nicht von sich weisen. Diese gesundheitlichen Probleme, die ich vorhin schon genannt habe, die sind ja auch nicht egal.

Stefanie Palmöl ist halt einfach gar nicht gesund.

Carsten Wobei, das wird auf einigen Seiten auch anders dargestellt und da muss man sich natürlich auch mal fragen, wer publiziert gerade diese Information? In dem Moment, wo jemand Produkte oder Geld damit verdient würde ich erst mal sagen lass den reden, Rechts rein, links raus. Da gebe ich einen „Scheissdreck“ drauf, wenn ich das so sage. Aber wenn ich halt merke, es gibt halt Forschungsergebnisse, Ergebnisse, die halt unabhängig sind oder von anderen übergeordneten Institutionen kommen, dann kann ich dem schon mal erst mal mehr Glauben schenken. Auch da muss ich natürlich gucken, wo beziehen die jetzt ihre Spendengelder her oder wie sind da die finanziellen Verflechtungen gelagert? Aber da habe ich zumindest erst mal so eine bestimmte Ebene an Unabhängigkeit und nicht den direkten Produzenten oder Weitervermarkter.

Stefanie Also was mir noch mal als Gegenargument untergekommen ist, als Argument für Palmöl war, dass dafür ja viel weniger Anbaufläche benötigt wird als für die Alternativen. Da konnte ich immer so gar nichts zu sagen. Aber ich habe dazu auch eine Passage in dem Buch „Die grüne Lüge“ von Kathrin Hartmann gefunden und die würde ich jetzt gerne einmal kurz vorlesen. „Kein Palmöl ist auch keine Lösung. Mit diesem Satz kündigte der WWF im August 2016 seine Studie „Auf der Ölspur“ Berechnungen zu einer palmölfreien Welt an. Würde man das Palmöl in den Produkten schlicht durch andere Öle austauschen, also etwa durch Kokos, Soja, Sonnenblumen und Rapsöl, dann würde noch mehr Fläche verbraucht werden. Der Ausstoß von Treibhausgasen würde ansteigen und noch mehr Biodiversität wäre gefährdet. Und zwar auch dann, wenn durch den vom WWF geforderten Ausstieg der EU aus dem Biosprit und ein geändertes Konsumverhalten der Verbrauch von Palmöl halbiert würde. Es stimmt, dass Öl Palmen, die nur in den Tropen angebaut werden können, ertragreicher sind als andere Ölpflanzen. Allerdings, und das ist der wirklich himmelschreiende Irrsinn, wird Palmöl vor allem für Produkte verwendet, die in Wahrheit kein Mensch braucht. Für Biodiesel, der das Klima nicht schützt, als Futter in der Massentierhaltung, die ihrerseits gigantisches Leid und Umweltschäden verursacht, für Kosmetika und für industrielles Plastikessen, das dick und krank macht. Jüngsten Studien zufolge kann Palmöl in verarbeiteten Lebensmitteln sogar krebserregend sein. Doch die WWF Studie und vor allem die Berichterstattung darüber lassen Palmöl als kleineres Übel oder gar als umweltfreundlichere Alternative erscheinen und den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl als Lösung. Die Industrie nahm die Botschaft „Ohne Palmöl geht es nicht“ dankbar auf. Zum Beispiel Unilever. Die massenhafte Verwendung von Palmöl rechtfertigt der Konzern seitdem mit der WWF Studie und bewirbt damit sein Nachhaltigkeits Engagement.

Carsten Ja, damit wären wir jetzt natürlich bei dem Punkt: Was kann ich denn jetzt eigentlich noch tun? Kathrin Hartmann hat es in dem von Dir gerade vorgelesenen Abschnitt ja eigentlich schon indirekt angedeutet. Palmöl wird in Produkten verwendet, die eigentlich kein Mensch braucht. Da sind wir dann tatsächlich so beim ersten Punkt, was ich machen kann, nämlich selber kochen. Hui, bahnbrechend. Ja, aber es ist jetzt tatsächlich so, dass die Maßnahmen gegen dieses Problem eigentlich darin liegen, dass ich als Konsument erst mal handeln muss. Ich darf mich jetzt nicht darauf verlassen, dass die Politik für mich tätig wird. Weil, was macht die Politik? Die führt Biodiesel ein, mit Palmöl! Also ganz ehrlich nein, da muss ich jetzt selber irgendwie ran. Was macht die Industrie? Die hält jetzt also diese WWF Studie vor und sagt hey, wir machen da schon das beste, was geht. Ja, also von daher selber kochen, selbst ran an den Herd.

Stefanie Ist auch viel günstiger als das Plastik Essen zu kaufen und natürlich auch viel gesünder. Also ich meine, wenn du immer diese Fertigsachen kaufst und wenn du es halt einfach in vielerlei Hinsicht, Zero Waste, also Richtung plastikfrei. Also es geht ja nicht nur ums Palmöl, sondern wenn du selber kochst, dann hast du einfach viel mehr Möglichkeiten. weißt genau, was drin ist.

Carsten Du kannst es von der Menge her variieren und es ist eigentlich ein offenes Geheimnis bei allen Leuten, die sich irgendwie gesund ernähren. Wenn du dich gesund ernähren willst, musst du selber kochen, also deine Lebensmittel selber zuzubereiten. Ja, wenn du keine Lust auf Kochen hast, dann steige um auf Rohkost.

Stefanie Genau das geht auch. Aber das ist eine andere Folge. Also das ist der zweite Punkt.

Carsten Also einfach selber kochen. Kommen wir natürlich an den Punkt Kosmetik und Reinigungsmittel, da wo das Zeug Palmöl ja auch drin ist. Auch das kann ich selber machen. Das ist auch gar nicht so schwer. Also Do it yourself ist da tatsächlich so der Ansatz, der wie auch auch zero waste und plastikfrei aus dieser Bewegung kommt, die ja mit Palmöl relativ wenig am Hut haben. Es gibt genügend Quellen um zu gucken, wie mache ich jetzt Feuchtigkeitscreme, Zahnpasta, Shampoo, Deo, Reinigungsmittel, Allzweckreiniger oder Waschmittel selbst. Es gibt dazu im Internet Blog zuhauf. Dann der dritte Punkt, den du machen kannst. Das klingt jetzt erst mal lapidar: auf Palmöl verzichten! Das heißt also, wenn du jetzt tatsächlich Produkte kaufen musst, dann achte eben drauf, dass du palmölfreie Alternativen findest. Werden mittlerweile auch zahlreicher. Einige Hersteller positionieren und werben explizit mit: Palmöl frei.

Stefanie Das finde ich auch super. Aber das ist dann halt so einfach, dann musst du nicht noch hinten lesen und dann siehst es auch auf den ersten Blick. Also jetzt vor allem so mit Kind ist das sehr praktisch, weil dann nicht immer, wenn das Kind sagt ich möchte ich gerne das hinten drauf guckst und sagst nee, ist Palmöl drin, ist Palmöl drin. Das ist dann irgendwann sehr deprimierend. Also von daher, ja, also das ist schon super und klar. Also generell macht es Sinn, darauf zu verzichten.

Carsten Ja, und ich muss auch sagen, dass unser Sohn das akzeptiert. Also wenn er irgendwo ein Produkt sieht, was erst mal vegan ist und was vielleicht noch lecker erscheint und er dann hinten drauf liest und sagt: Na, da ist Palmöl drin. Okay, schade. Okay, dann ist es nicht so, dass er sagen Hey, will ich jetzt trotzdem oder so. Sondern: Ja, er weiß, Palmöl ist halt nicht.

Stefanie Aber er weiß das, weil wir es ihm auch erklärt haben. Mittlerweile versteht er das auch. Also jetzt natürlich nicht in dieser Breite, wie wir das jetzt hier gerade erklärt haben. Aber ja, es ist generell schon so, dass er auch nachfragt. Ist es vegan, ist das palmölfrei?

Carsten Das ist der Aspekt. Genau.

Stefanie Wir haben noch nicht: Ist es unverpackt und plastikfrei?

Carsten Das ist noch eine heftigere Stufe.

Stefanie Genau das ist was anderes. Also wir sind auch auf dem Weg, Also wir sind noch nicht erleuchtet.

Carsten Nein, aber ich glaube, das ist auch relativ schwierig, alles gleichzeitig umzusetzen, weil dann wird es mit dem Einkaufen wirklich eine riesige Herausforderung. Aber Einkaufen ist schon wichtig in der Hinsicht, dass ich als Kunde auch tatsächlich so ein „der Kunde des Königs“ wieder im Kopf habe. Und wenn tatsächlich in deinem Laden, wo du sagst, da kaufe ich regelmäßig ein für die Produkte, die du unbedingt benötigst, keine palmölfreien Alternativen da sind, dann frag nach. Also normalerweise ist der Einzelhandel eben auch so flexibel, bei entsprechender Nachfrage dann das Angebot anzupassen.

Stefanie Ja, du kannst natürlich auch Briefe oder Emails an die Supermarktketten schreiben. Je mehr Post die bekommen, desto besser ist das ja. Also um einfach zu fragen wie ist es denn, ich möchte palmölfrei leben? Könnt ihr mir palmölfreie Produkte anbieten? Vielleicht gibt es ja auch schon was, was du gerne hättest, was sie aber nicht haben und das dann zu erwähnen.

Carsten Ja genau. Also es muss thematisiert werden. Genau das bezieht sich jetzt ja nicht nur auf irgendwelche Supermärkte, sondern das kann ich natürlich auch generell als Petition aufsetzen und dann auch an Politiker weitergeben. Genau das ich dann Petitionen richten, sich ja ich sag jetzt mal häufig an die Politik, können dann aber auch an Wirtschaftsakteure gerichtet werden. Ja, aber es ist halt auch ein Mittel, um zu sagen, ich kann sagen, vielleicht bist du ja ambitioniert genug, eine Onlinepetition aufzustellen und zigtausend Stimmen zu sammeln. Ist ja heute nichts Unmögliches mehr. Ja, aber eben diese Anfragen, die dann dadurch entstehen, die haben ja auch ein gewisses Gewicht und auch eine steuernde oder lenkende Wirkung oder können sie halt entfachen. Und ich denke, das ist auch wichtig, diese Stimmen dann.

Stefanie Ja, oder du gehst auf die Straße und demonstrierst. Du kannst dich vor das Unilever Gebäude in der Hafencity stellen.

Carsten Ja, man kann das ja organisieren.

Stefanie Das geht ja auch alles. Es ist wichtig.

Carsten So eine Demonstration hätte durchaus noch den Vorteil, dass Personen, die vorher auf dieses Thema gar nicht aufmerksam geworden sind oder das noch abschirmen, damit konfrontiert werden. Die werden dich vielleicht im schlimmsten Fall so ein bisschen belächeln.

Stefanie Du als Veganerin oder Veganer kennst das ja. Wenn du mal gerne ins Fernsehen willst und dann kommst du bestimmt ins Fernsehen. Also, aber das muss angemeldet werden.

Carsten Also vor de Demo, Ja. Ja, genau.

Stefanie Kannst du das nicht so guerilla mäßig machen?

Carsten Einen anderen Punkt, den hatte ich vorhin schon nannte: aufs Auto verzichten. Na ja, also bleibt ja nichts anderes übrig. Wenn ich weiß, dass eben das meiste von diesem Palmöl in diesen Biosprit münden wird, ja, dann ist das die logische Konsequenz, dass ich halt entweder meinen Konsum, also meinen Auto Konsum so weit verringere wie möglich oder dann komplett drauf verzichte.

Stefanie Na, dann kannst du noch weiter überlegen, ob denn dein Bus auch Biosprit tankt oder so, aber ähm, ja.

Carsten Aber selbst das wäre eine Verbesserung, weil das ist ja auch alleine, wenn man jetzt nur auf den CO2 Ausstoß schaut. Die Personenzahl, die im Bus durchschnittlich durch die Gegend chauffiert wird, ist natürlich dann schon eine ganz andere Hausnummer, als wenn du die gleiche Personenzahl jetzt mit Autos durch die Stadt jagst.

Stefanie Also das ist definitiv. Also es ist auch machbar. Das ist jetzt ja wieder ein Thema, was man noch weiter ausweiten kann, Mobilität generell. Die Deutschen lieben ihr Auto, das ist schon klar. Nur wir haben einfach gemerkt, also wir versuchen jetzt auch eigentlich gar nicht mehr mit dem Auto zu fahren, sondern auch längere Strecken mit dem Zug zu fahren. Und ja, es dauert länger und das heißt, du musst dich mit dem Thema Reisen nochmal anders beschäftigen, also so nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Du solltest das nicht als Übel ansehen, als notwendiges Übel. Jetzt bin ich halt vier Stunden unterwegs, mit dem Auto wäre ich zwei Stunden unterwegs. Aber diese Zeit kann auch irgendwie anders genutzt werden. Das hat jetzt halt mit Palmöl nicht viel zu tun, aber es ist ja was was sich dann anschließt, dass du darüber nachdenkst, dass du mit dem Zug halt länger unterwegs bist. Das heißt aber, darüber können wir auch nochmal eine Folge machen. Vielleicht, aber da sind wir auch noch nicht so weit. Ich bin da noch nicht so tiefenentspannt. Carsten ist schon etwas tiefenentspannter..

Carsten Bei Langstrecken ist es tatsächlich ein Zeitfaktor. Bei der letzten Bahnfahrt habe ich mich wirklich drauf gefreut. Ich konnte sechs Stunden lesen an dem Tag. Insgesamt bin ich an dem Tag schon die sechs Stunden gefahren. Aber wenn ich jetzt zum Beispiel auf Großstadtinfrastrukturen schaue, dann ist der öffentliche Nahverkehr vom zeitlichen her aus meiner Sicht dem PKW Verkehr teilweise überlegen.

Stefanie Ja, auf jeden Fall. Also es sind auch immer Baustellen, wenn ich mich mit anderen unterhalte, die teilweise mit dem Fahrrad fahren, teilweise mit dem Auto. Die stöhnen dann immer, wenn sie mit dem Auto gefahren sind und sind dann wieder geläutert für die nächsten Wochen, weil sie immer im Stau stehen und immer irgendwas ist und so. Ja, ich weiß, wenn du auf dem Land lebst, dann ist das mit dem Auto wieder was anderes. Aber vielleicht wirst du ja kreativ und macht Carsharing oder irgendwas. Also vielleicht gibt es ja auch da was.

Carsten Ja, oder vielleicht mit dem Nachbarn einfach mal absprechen.

Stefanie Okay, ich könnte mir jetzt also genau ein privates Carsharing vorstellen. Oder ihr organisiert euch irgendwie einen kleinen Bus oder so? Also ich meine, dass wenn alle in die gleiche Richtung müssen oder irgendwas. Vielleicht kannst du da ja kreativ werden. Also es macht schon Sinn, gerade wenn wir bedenken, dass fast die Hälfte des Palmöls in den Biosprit geht, da wirklich mal drüber nachzudenken. Es macht natürlich genauso Sinn, dass du beim Essen drauf achtest. Also das natürlich auch.

Carsten Ja, und der letzte Punkt, der mir so einfällt, was man machen kann, ist halt Wissen weitergeben, andere Personen zu mobilisieren. Ja, tatsächlich im Gespräch oder überhaupt erst mal thematisieren. Hey, pass mal auf, Palmöl, dann muss man jetzt nicht konfrontativ machen. Aber man kann ja durchaus irgendwo sagen, dass man auf bestimmte Produkte verzichtet aus diesem Grund.

Stefanie Ja, du kannst dann natürlich sehr gerne auf unsere Podcastfolge verweisen. Oder du verschenkst „Aus kontrolliertem Raubbau“ oder „Die grüne Lüge“. Oder du gehst ins Kino mit anderen und schaust dir „The Green Lie“ (oder auf Youtube) an. Aber was mir ganz gut hilft und was auch ja generell hilft, was jetzt so das vegane Thema angeht, ist halt immer die eigene Geschichte zu erzählen, also auch so generell zu sagen Hey, weißt du, ich habe da was gelesen, ich habe da was gehört und das fand ich so krass und deswegen verzichte ich jetzt auf Palmöl. Ich versuche es zumindest. Ich versuche immer überall wo es geht, das Palmöl rauszuhalten. Und es muss ja auch nicht sein, es gibt ja auch Alternativen usw.. Also wenn du einfach mal so auf diesem Weg das so ein bisschen locker angehst, dann ist es für andere auch okay, weil ich auch gemerkt habe, dass also Palmöl ist noch lange nicht so kritisch wie vegan.

Carsten Also als Thema manchmal ja.

Stefanie Also genau wie andere darauf reagieren.

Carsten Die meisten reagieren bei diesem Thema nicht gleich angefressen, anders als bei vegan.

Stefanie Da muss ich noch eine kleine, kurze Anekdote loswerden, bevor wir hier schließen. Ich war beim Sommerfest bei uns im Kindergarten, ich habe am Kuchenstand ausgeholfen und wir hatten drei vegane Kuchen. Ein Kuchen war auch vegan gekennzeichnet. Dieser Kuchen ist, so lange das Schild da drin war, nicht angerührt worden. Alle anderen Kuchen waren ratzfatz weg, Aber dieser Kuchen blieb da stehen. Dann haben wir das Schild entfernt, zack war auch er ratzfatz weg.

Carsten Hättest Du mal palmölfrei drauf geschrieben.

Stefanie Das wäre was gewesen. Genau. Aber so viel dazu. Also vegan. Das ist so voller Vorurteile und das ist so schrecklich. Ich habe das auch wieder gemerkt. Die Mutter, die mit mir am Stand ausgeholfen hat, die kannte ich vorher nicht. Dann brachte eine dritte Mutter einen veganen Kuchen vorbei und sagte mir das, weil sie wusste, ich lebe vegan. Da hat sie gesagt Hier, guck mal, ich habe noch einen veganen Kuchen, damit du Bescheid weißt, wenn dein Sohn was will oder du . Und dann hatte die andere das mitgekriegt. Oh, der ist vegan? Ich habe nur gesagt, es ist bloß Schokokuchen! Der war auch tatsächlich einfach nur lecker!

Ich bin da immer wieder fasziniert davon. Aber das sind ja meine Studienobjekte deswegen also dass solche Situationen und so noch mehr das ist ja auch Thema in meinem „Von Herzen Vegan Clan“ und das sind ja einfach so tägliche Herausforderungen die wir da eben auch besprechen und wie wir damit umgehen und wie wir das so meistern. Aber das wollte ich nur nochmal kurz anfügen, weil das schrecklich ist. Sobald Du etwas als vegan deklarierst wird nicht gegessen, Du nimmst das Schild weg, es wird gegessen, es liegt nur am Label und da sind wir wieder. Das hatten wir ja schon mal, aber gut. Ähm, Palmöl war das Thema.

Carsten Genau damit sind wir ja jetzt durch. Es ist eine längere Folge geworden.

Stefanie Weil wir ja früher schon längere Folgen gemacht haben. Wir sind es einfach nur nicht mehr gewohnt.

Carsten Also müssen wir so weiter reden.

Stefanie Jetzt noch eine Stunde.

Carsten Endlich mal eine längere Folge.

Stefanie Genau, Aber wir wollen nicht enden, ohne uns zu bedanken.

Carsten Ja, stimmt. Nee, können wir auch gar nicht. Einfach so Tschüss. Das gehört sich nicht.

Stefanie Es gehört sich nicht. Also wir bedanken uns bei unseren super tollen, wahnsinnig treuen SteadyUnterstützern und Unterstützerinnen. Ganz, ganz herzlichen Dank!

Carsten Vielen, vielen Dank auch recht herzlich von mir!

Stefanie Carsten guckt ganz treuherzig, dackelmäßig.

Carsten Die gucken doch immer treuherzig.

Stefanie Dann bedanken wir uns natürlich auch bei allen, die uns Kommentare schreiben, die uns Rezensionen schenken, die uns Emails schreiben und ja, auch generell irgendwie Danke, dass du uns zuhörst.

Carsten Ja, und weil du jetzt tatsächlich so lange am Ball gewesen bist. Damit entlassen wir dich dann auch. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sag man Tschüss,

Carsten Adieu

Stefanie Auf Wiederhören.

Wie nachhaltig sind Banken?

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Folge 131 - Wie nachhaltig sind Banken?

In dieser Folge

  • spreche ich mit Vertretern der Triodos, der GLS Bank und Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen über nachhaltige Geldanlagen,
  • frage ich unter anderem, was Banken eigentlich finanzieren und wie sich nachhaltige Banken davon unterscheiden und
  • frage ich auch, wie sich die Triodos und die GLS Bank zur Massentierhaltung positionieren.

Diese Folge ist auf Wunsch unserer Hörerin Mara entstanden, die mich nicht nur mit den beiden oben genannten Fragen, sondern auch mit den folgenden Interviewfragen versorgt hat:

  • Was bedeutet nachhaltig in Bezug auf Geld?
  • Ist es möglich Geld ausschließlich in vegane Projekte anzulegen?

Herausgekommen ist eine facettenreiche Folge, mit vielen Tipps rund um die nachhaltige Geldanlage. Hör doch gleich einmal rein.

Links zur Folge

GLS-Bank
www.gls.de

Triodos-Bank
www.triodos.de

Ethik-Bank
www.ethikbank.de

Projekt der Verbraucherzentrale Bremen: "Geld bewegt - Anlegen für Mensch und Umwelt"
www.geld-bewegt.de/

Banken- und Produktcheck
www.geld-bewegt.de/produktcheck

"Und was macht eigentlich Ihr Geld?"
fairfinanceguide.de/

Folge 130 - Kann Geld nachhaltig sein?

Ein Beitrag

Folge 130 - Kann Geld nachhaltig sein?

In dieser Folge

  • spreche ich mit Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen über nachhaltige Geldanlagen,
  • berichtet Frau Brendel über die Arbeit der Verbraucherzentrale in der Finanzbildung und
  • gibt Frau Brendel Tipps, was Du tun kannst, wenn Du auch im Bereich Geld nachhaltig handeln möchtest.

Ich war auf der Suche nach einer neutralen Ansprechpartnerin zum Thema nachhaltiges Geld und da wurde mir Frau Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen empfohlen. Sie leitet das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“, das auch über die Webseite geld-bewegt.de informiert.

Links zur Folge

Projekt der Verbraucherzentrale Bremen: "Geld bewegt - Anlegen für Mensch und Umwelt"
https://www.geld-bewegt.de/

Banken- und Produktcheck
https://www.geld-bewegt.de/produktcheck

Schulmaterial im Bereich nachhaltige Geldanlagen
http://www.facing-finance.org/de/news-media/deutsch-schulmaterial/

"Und was macht eigentlich Ihr Geld?"
http://fairfinanceguide.de

Folge 129 - Vegan for Profit

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Folge 129 - Vegan for Profit

In dieser Folge

  • berichtet Carsten von der Osterakademie, die am Karfreitag und Ostersamstag 2018 statt gefunden hat,
  • erzählt Carsten an welchen Workshops er teilgenommen hat und
  • erklärt Carsten, welchen Hintergrund die Osterakademie hatte.

Am 30. März und 1. April 2018 hat in Hamburg die Osterakademie des Bündnis Marxismus und Tierbefreiungsbewegung stattgefunden. Es ging dabei vor allem um die Zukunft der Bewegung.

Links zur Folge

Osterakademie 2018 in Hamburg
https://osterakademie.jimdo.com/

Folge 128 - Die grüne Lüge

Ein Beitrag

Folge 128 - Die grüne Lüge

In dieser Folge

  • spreche ich (Stefanie) mit Svenja Sgodda über das Buch "Die grüne Lüge" von Kathrin Hartmann,
  • besprechen wir welche Inhalte uns besonders bewegt haben und
  • erörtern wir, was Du nach der Lektüre tun kannst.

Zu dieser Buchbesprechung habe ich Svenja Sgodda eingeladen, da sie sich im Vorfeld schon sehr stark mit dem Buch auseinandergesetzt hatte und ich es spannend fand, ihre Sicht auf das Buch zu erfahren.

Svenja hat eine ganze zeitlang auf apfelmaedchen.de zu den Themen Nachhaltigkeit und Minimalismus gebloggt. Sie ist die Veranstalterin der MinimalKon, ist selbst Minimalistin und lebt seit vielen Jahren vegan.

Damit ist sie die perfekte Gesprächspartnerin für die Buchbesprechung von "Die Grüne Lüge". Hör doch einfach einmal rein...

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge habe ich einen Gast. Und zwar bin ich diesmal nicht mit Carsten zusammen, sondern mit Svenja. Und jetzt fragst du dich, liebe Hörerin, lieber Hörer, wahrscheinlich, wer Svenja ist. Und deswegen darf ich Svenja jetzt einmal kurz vorstellen.

Svenja Ja hallo, mein Name ist Svenja, wie wir gerade schon erfahren haben und ich beschäftige mich seit ungefähr 2013 mit den Themen Minimalismus und Veganismus und auch Nachhaltigkeit. Eine ganze Zeit lang habe ich zusammen mit meinem Freund unter Apfelmädchen & sadfsh gebloggt. Vielleicht kennen das die einen oder anderen noch. Und im Rahmen der europäischen Nachhaltigkeitswoche habe ich vor einigen Wochen das Buch „Die grüne Lüge“ gelesen und freue mich deshalb sehr, dass Stefanie mich heute eingeladen hat und wir zusammen noch mal ein bisschen darüber reden wollen.

Stefanie Also noch mal herzlich willkommen. Ja und genau wie Svenja schon sagt, es geht jetzt um das Buch „Die grüne Lüge“. Ich würde es ja jetzt in die Kamera halten, aber es macht keinen Sinn. (lacht) Genau. Das Buch „Die grüne Lüge“ ist von Kathrin Hartmann und als Untertitel schreibt sie „Weltrettung als profitables Geschäftsmodell“. Und wir hatten schon mal ein Buch von Kathrin Hartmann besprochen und zwar „Aus kontrolliertem Raubbau“. Und deswegen war ich jetzt auch ganz gespannt auf dieses Buch. Und es gibt dazu auch einen Film. Den haben wir aber beide, sowohl Svenja als ich, noch nicht gesehen. Das heißt, wir beziehen uns jetzt hier wirklich nur auf das Buch. Vielleicht mal so so ganz allgemein. Svenja, wie fandest du das Buch denn so?

Svenja Gut. Also ich würde das wirklich jedem empfehlen, der anfängt auch sich mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Besonders weil es einfach einen ganz anderen Blick noch mal auf Nachhaltigkeit wirft, als wir häufig in unserer Mediendiskussion haben. Es geht ja häufig darum irgendwie, dass wir grüner konsumieren müssen und wir müssen Bio kaufen und irgendwelche Sachen mit Siegeln. Und Kathrin Hartmann sagt: Ja, aber lass uns erst mal einen Schritt aus dieser ganzen Geschichte zurückgehen und einen Blick auf das ganze System werfen und da irgendwo mit unseren Veränderungen ansetzen. Und ich glaube, dass das wirklich eine Bereicherung sein kann nicht nur für den öffentlichen Diskurs, sondern auch für uns als Verbraucher oder als Bürger.

Stefanie Und welchen Eindruck hat das Buch so bei dir hinterlassen, als du das gelesen hast?

Svenja Das Buch macht relativ wütend, würde ich sagen. Man fühlt sich einfach vereimert. Egal wie aufgeklärt man im Vorfeld schon ist, es gibt einfach Sachen, die ich nicht wusste und wo ich dachte so ja, warum erzählt einem das eigentlich keiner? Und gleichzeitig habe ich für mich so rausgenommen, wann immer ich das Wort „verantwortungsvoll“ irgendwo lesen werde im Zusammenhang mit Unternehmen, werde ich wissen so was bedeutet einfach genau das Gegenteil von verantwortungsvoll.

Stefanie Kannst du da ein Beispiel nennen? Etwas, das Dir so besonders aufgefallen ist im Buch? Also was dich wirklich wütend gemacht hat?

Svenja Am Anfang, ganz am Anfang geht es um diese Kaffeekapseln und das ist ja so ein Beispiel was wir irgendwie alle kennen. Also wir alle wissen, dass das eine blöde Sache ist und wir besser nicht so eine Kapselmaschine zu Hause haben sollten. Aber es geht dann weiter auch zum Beispiel um Öl-Unfälle und wie da hinterher Aufräumarbeiten durchgeführt werden, wo man beim Lesen einfach denkt meine Güte, also man hält sich wirklich die Hand an den Kopf und denkt, wer hat das sich denn so überlegt, dass das Sinn macht und ich finde, wenn es dann schon so einen gesunden Menschenverstand gibt, ist man einfach ja irgendwie entsetzt darüber, dass irgendwer irgendwo entschieden hat: Das macht Sinn.

Stefanie Ich fand es auch total krass bei diesen Aufräumarbeiten, dass da gesagt wurde: Ja, die dürfen keine Masken tragen, weil das sonst in dem Werbefilm zu diesem Unglück schlecht aussehen könnte. Dass die Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird, willentlich und bewusst, einfach nur damit das Image von - BP war das dann in dem Fall - nicht beschädigt wird. Also das fand ich auch so total krass, als ich gedacht habe: Menschen sterben dafür, Menschen leiden dafür und nur damit es nach außen hin schön aussieht.

Svenja Ja genau. Oder auch diese Erzählung, dass sie quasi Grenzwerte hatten für die Menge an - ich weiß nicht genau welche Chemikalie es gewesen ist, die sie da zuführen, für die Bindung von dem Öl benutzt haben, damit es irgendwie abgetragen werden kann - und niemand sich Gedanken darüber gemacht hat, wenn man das zigfache davon jetzt einsetzt, dass das dann eventuell nicht mehr cool ist, sondern irgendwelche Schäden verursacht. Naja. Also das ist ja so im ganz normalen Menschenverstand. Ich meine, wir wissen alle, ein bisschen Zucker ist nicht schlimm und wenn wir uns nur von Zucker ernähren, dann hat das irgendwelche Kosten oder ein bisschen Alkohol ist nicht schlimm, aber wenn wir ständig betrunken sind, hat auch die Konsequenzen Und da ist es so: Nur bisschen von der Chemikalien ist okay und immer das zehnfache oder das 20 fache ist auch in Ordnung. Es macht einfach keinen Sinn sich dann vorher Gedanken drüber zu machen, ob das irgendwelche Konsequenzen für das Leben in dem Ökosystem hat.

Stefanie Genau, was ich ziemlich krass fand, war diese Geschichte, wo der eine Forscher erzählt hat oder der Wissenschaftler, dass er da im Auftrag getaucht ist und sich sein Taucheranzug zersetzt hat. Da habe ich auch gedacht: Oh Gott. Also das muss dann doch klar sein, dass das giftig ist und gefährlich. Aber so was haben wir alles nicht mitgekriegt.

Svenja Ja, bzw. man bekommt es ja manchmal auch mit und trotzdem reichen solche Einzel-Vorkommnisse ja nicht um wirklich so eine kritische Masse dazu zu bewegen irgendwas zu verändern. Also wir wissen ja von solchen Sachen. In keinem Zeitalter wie in unserem sind Informationen so zugänglich. Wir können ja im Prinzip alles rausfinden.

Stefanie Das stimmt.

Svenja Trotzdem schaffen wir es häufig nicht, von diesen Informationen dann unser eigenes Verhalten zu ändern. Aber das ist jetzt eine ganz andere Baustelle. Da kommt jetzt mal die Psychologin durch. Aber das muss man auch, finde ich, immer noch im Hinterkopf behalten. Also natürlich ist das alles erschreckend, aber vieles von dem könnten wir ja auch jetzt schon wissen. Natürlich ist es mit System, dass die Informationen irgendwie möglichst vor uns geheim gehalten werden. Aber trotz alledem kommen ja solche Sachen immer wieder zum Vorschein.

Stefanie Ja, das stimmt. Es ist ja auch generell so, irgendwie denke ich auch, dass eigentlich fast jede·r denkt: Ich weiß, dass es nicht okay ist, sich so ein T Shirt für 2 € oder so zu kaufen oder 1,50 Euro und dass da irgendwie was sein muss und das wahrscheinlich auch jede·r mitbekommen hat, dass da die Fabriken eingestürzt sind. Und trotzdem sagen noch viele naja, ich kann es mir nicht leisten, deswegen kaufe ich trotzdem weiterhin diese günstigen T Shirts sozusagen. Also das ist so ein. Ja, ich finde es zwar auch ganz schade, aber ich mache weiter wie bisher so.

Svenja Ich glaube auch, dass man da die eigene Rolle gar nicht unbedingt nur auf das Konsumentendasein reduzieren sollte, sondern natürlich wäre das auch an der Tagesordnung, dass dann irgendwie die Politik was macht. Also es geht ja auch ganz, ganz stark bei Kathrin Hartmann immer wieder darum, dass sie sagt ja, wir als Einzelpersonen müssen natürlich was machen, wir können nicht einfach nur sagen: Oh, die da oben. Aber gleichzeitig muss es einfach bestimmte Rahmenbedingungen geben, die solche Sachen verhindern. Also an einer Stelle, ich muss mal gerade ein bisschen blättern wird irgendwie der der Chef vom Bundesverband der Deutschen Industrie zitiert. Und ich zitiere jetzt mal direkt aus dem Buch: „Aus Sicht der Wirtschaft kritisch sind unter anderem die diskutierte gesetzliche Verpflichtung zur Achtung der Menschenrechte.“ So, das schreibt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Ich meine, das ist natürlich ein hartes Thema. Wir reden hier nicht darüber, ob irgendwelche besonders hohen Standards umgesetzt werden sollen, sondern über die Achtung der Menschenrechte in der Produktion. Und das hat mich wirklich, wirklich erschrocken, als ich das gelesen habe, das Zitat.

Stefanie Ja, ich hatte das „Aus kontrolliertem Raubbau“ schon gelesen, das Buch und da war ich sein bisschen, sagen wir mal, schon vorgewarnt sozusagen. Und ich finde dass Kathrin Hartmann in diesem Buch, was ja das Buch zum Film ist quasi, dann auch einfach wieder zeigt, wie wir jetzt schon auf - also eigentlich schon die ganze Zeit - auf Kosten der anderen leben und dass, damit es uns gut geht und unsere Menschenrechte gewahrt werden, das dann im globalen Süden nicht so ist, also dass da ja Landraub und auch alles was dazugehört einfach an der Tagesordnung ist.

Svenja Ja, ich fand sehr eingängig das Schlagwort „grüner Kolonialismus“, was sie dafür benutzt. Also ich glaube, da kann man dann direkt - ich meine, Kolonialismus, das haben wir alle irgendwie in der Schule gelernt - aber dass das im Prinzip so eine Fortsetzung ist und jetzt alles unter so einem Deckmantel so ein wirtschaftlicher Kolonialismus und dann grüner Kolonialismus stattfindet.

Stefanie Der Kolonialismus hört sich immer so an wie vor, keine Ahnung, 300 Jahren oder so, deswegen so antik irgendwie. Aber es ist das Jetzt, was jetzt stattfindet und was wir uns irgendwie nicht so wirklich bewusst machen, finde ich. Ja genau so ist auch das mit dem Klimawandel, dass der Klimawandel schon stattfindet. Also nur jetzt nicht hier bei uns in Hamburg oder in Bremen oder keine Ahnung. Also jetzt nicht so krass wie in anderen Ländern, schon im globalen Süden , dass es da schon diese Stürme gibt und alles. Ich glaube, das war jetzt in diesem Buch nicht so aufgezeigt oder mehr die Probleme jetzt nicht die mit dem Klima zu tun haben, sondern mehr mit der Wirtschaft. Aber es hängt ja irgendwie auch alles zusammen. Wir verursachen das ja durch unsere Lebensweise eigentlich mit dem Klimawandel. Oder siehst du das anders?

Svenja Nein, das sehe ich nicht anders.

Stefanie Wenn man eine kontroverse Stellung dazu einnimmt.

Svenja Nein, ich möchte dir da vollkommen beipflichten. Du hast Recht. Gab es denn eine Stelle, die dich besonders, also emotional oder vielleicht auch vom Rationalen her berührt hat, also wo du einfach hängengeblieben bist?

Stefanie Ich hatte jetzt das mit den Kaffeekapseln schon wieder verdrängt. Das war so ganz am Anfang. Das Buch hatte ich am Anfang relativ zügig angelesen und dann habe ich es länger liegen lassen. Also bei mir war es schon das mit diesem, dass sich da der Taucheranzug zersetzt hat. Das fand ich schon ziemlich krass, aber ich hab dann nachher auch noch, jetzt gerade aktuell, das gelesen mit dem Fleischkonsum. Wo ich dann auch wieder gedacht habe okay, das ist wieder so typisch. Ich habe jetzt ihren Namen jetzt grad nicht parat, aber diese Dame, die auch als geläuterte Ex- Veganerin bezeichnet wird, da dass sie, die sich die „Bovidiva“ nennt, dann sagt, dass es so wichtig ist und viel nachhaltiger die Rinder in dieser Massentierhaltung zu belassen, weil man sonst, wenn man die alle auf die Weide stellt, viel mehr Ressourcen verbrauchen würde.

Und das ist wieder so typisch, aber dass das in so einem krassen Ausmaß schon stattfindet einfach und dass es Menschen gibt, die so argumentieren und dass das dann einfach so hingenommen wird, das finde ich ziemlich hart. Und dass das Ethische da auch gar keine Rolle spielt, weil da geht es ja nur um die Nachhaltigkeit. Also es ist nachhaltiger die Rinder alle irgendwie da in diesen Feedlots zu belassen, als sie wirklich auf die Weide zu stellen. Und es wird ja auch davon ausgegangen, dass der Fleischkonsum sich nicht einschränken muss. Der muss immer steigen. Wo wir wieder bei diesem Wirtschaftswachstum wären - mehr, mehr, mehr – wo auf Basis dieses bestehenden Systems wieder gearbeitet wird.

Svenja Ja, es ist so ein bisschen so ein Schönrechnen. Indem man sich eine passende Vergleichsebene schafft, ist auf einmal das Aktuelle vollkommen in Ordnung. Indem ich sage ja, wir können nicht alle Fleisch essen, also Tiere essen, die auf der Weide gestanden haben. Wir müssen das irgendwie machen, schaffe ich ja durch den Vergleich, so eine Rationalisierung, so eine Begründung. Währenddessen, wenn die Alternative wäre, wir essen einfach keine Tiere, sondern Obst und Gemüse oder andere Nahrungsmittel, dann würde so ein Vergleich ja ganz anders ausfallen.

Stefanie Genau. Und Judith Capper, die Person, die im Buch von Kathrin Hartmann zitiert wird, behauptet auch, dass es ja so wäre, dass wenn jetzt alle vegan werden würden, würden ja viel mehr Düngemittel und Pestizide und was weiß ich was gebraucht werden als jetzt. Und das ist so total verquer. Das schreibt Kathrin Hartmann dann auch, dass es so ganz verquer ist und dass es so eine Umkehrung ist. Aus den Veganer·innen und Vegetarier·innen macht das jetzt die Bösen und die Fleischesser·innen sind dann die Weltretter·innen. Da hab ich auch wieder gedacht: oh muss das immer sein? Aber offensichtlich haben solche Menschen ja auch irgendwie eine große Reichweite, wenn das jetzt so stark dann wieder aufgezogen wird. Und vielleicht ist es auch in Amerika oder im englischsprachigen Raum so, ich weiß es nicht. Also das war auf jeden Fall was, was mich irgendwie dann auch wieder berührt hat.

Und was mich auch immer wieder berührt, ist dieser Landraub von indigenen Völkern. Das ist was, was ich, bevor ich „Aus kontrolliertem Raubbau“ gelesen habe, überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Da habe ich nie drüber nachgedacht. Und jetzt denke ich da immer häufiger drüber nach. Und das es ja nicht nur darum geht, dass der Regenwald zerstört wird, sondern auch, dass da Menschen vertrieben werden, die da eigentlich im Einklang mit der Natur leben. Und dass es auch um die Menschen geht, nicht nur um die Tiere und um die Umwelt, sondern auch um die Menschen. Und das hat Kathrin Hartmann hier ja auch noch mal gezeigt.

Svenja Ja, vor allen Dingen auch finde ich diese Bevormundung, die da immer mit mit reinspielt. Also dieses Argument ja, aber wenn die einen besseren Lebensstil haben wollen, dann würden die das genauso machen wie wir auch. Ich denke mir ja, die können das vielleicht auch für ihr eigenes Land selber entscheiden. Wir können ja nicht einfach als europäisches Land hingehen und sagen: Ja, wir entscheiden jetzt mal für euch, wie ihr zu leben habt. Und ach ja, wir nehmen auch noch eure Rohstoffe übrigens. Also das ist ja schon unglaublich anmaßend, was da stattfindet.

Stefanie Ja, definitiv. Also auch dieses: Was ist denn überhaupt jetzt der bessere Lebensstil? Also was, was ist das denn? Muss das denn immer der westliche Lebensstil sein? Also nur so? Also das ist ja auch dieses, woran messe ich das denn jetzt überhaupt? Ja und dann die Bevormundung. Ja, ich stimme dir voll und ganz zu.

Svenja Und gleichzeitig, das fand ich auch sehr erschreckend, wie konsequenzenlos das Ganze stattfindet. Also das führte ja auch Kathrin Hartmann häufiger an, dass es diese ganzen Abkommen gibt und Zusammenschlüsse und Runde Tische und dergleichen. Die sich dann dort auf irgendwelche gemeinsamen Programmpunkte einigen. Aber es gibt einfach keine Sanktionen, wenn sich irgendjemand da nicht dran hält. Das ist also vollkommen wertlos. Es ist eigentlich nur PR. Wenn keine Taten folgen und man einfach weitermacht wie bisher mit Brandrodung und Enteignung und fehlenden Umbaumaßnahmen in den ganzen Fabriken als Brandschutz, dann ist es vollkommen wertlos. Und wir kriegen zwar mit: Ja, hier, was weiß ich, Textilunternehmen eins und Textilunternehmen zwei haben sich zusammengetan und machen jetzt ein tolles Programm. Bis 2030 wollen sie das und das und das umsetzen. Und wir kriegen aber dann viel weniger davon mit, ob das überhaupt tatsächlich passiert.

Stefanie Genau. Und andersherum heißt es ja auch, dass sie bis 2030 so weitermachen wie bisher.

Svenja Ja, gleichzeitig zu diesem Programm auf dem Papier und das arbeitet Kathrin Hartmann ja sehr schön raus im Rahmen von Greenwashing, wie dann diese großen Unternehmen wie Nestle usw. und so fort grüne Produkte rausbringen und wir sie dann als Weltretter·innen feiern, weil sie jetzt, was weiß ich, Plastik aus dem Meer nehmen und daraus die Turnschuhe haben oder so und gleichzeitig machen sie eine große Spendenaktion und was weiß ich. Irgendjemand hat auch auf seine Gage verzichtet oder so und letztendlich machen die Produkte dann irgendwie so 1 % oder so vom Jahresumsatz aus und 99 % sind weiterhin irgendwie umweltzerstörend.

Und wir kriegen aber natürlich dieses 1 % auf dem Silbertablett präsentiert als die Heilsversprechungen. Alles ändert sich jetzt. Konzern ABC hat eingesehen, es muss anders weitergehen und man setzt sich jetzt an vorderster Front dafür ein, um dann hinter verschlossener Tür einfach weiterzumachen wie bisher und sich zu freuen: So hey, wir haben eine coole Werbemaßnahme gemacht. Das hat uns so und so viel Prozent von Budget gekostet und wir können aber business as usual machen. Hinter der Tür.

Stefanie Ja und auch dieses: das fördert ja eigentlich auch wieder nur den Konsum. Es hat zwar jetzt das grüne Mäntelchen um, aber es ist auch wieder Konsum und es wird dann auch wieder weggeworfen oder? Also so kurz getragen und dann war's das oder so. Also das heißt, sie sind trotz grünem Mäntelchen dann immer noch in dieser Schiene drin. Es ist ja auch das, was Kathrin Hartmann da auch noch schreibt, dass ist ja das Schöne sozusagen, dass man nichts ändern muss an seinem Verhalten. Man konsumiert dann einfach nur grün weiter. Und das ist ja das, was es dann einfacher macht, dass man sagt okay, dann kaufe ich so weiter wie bisher, aber ich kaufe mir dann das T-Shirt aus dem Plastik, aus dem Meer, wo dann das noch draufsteht.

Svenja Ich hab vor, glaub ich anderthalb Jahren oder so meinen Beitrag zu dem Thema geschrieben und habe das als Konsum Verschiebung bezeichnet. Das ist keine Konsumveränderung, da wird am System nix verändert, sondern du greifst einfach im Regal jetzt drei Fächer weiter rechts. So und das war's. Du hast deinen Konsum verschoben, das kostet dich jetzt vielleicht mehr und du hast ein besseres Gewissen. Aber verändert hast du deshalb trotzdem noch nicht viel. Weil du bist in deiner Rolle als Konsument geblieben. Also das ist ja auch was, was immer wieder angeprangert wird, dass wir uns vor allen Dingen mittlerweile gar nicht mehr als politisch aktive oder gesellschaftlich aktive Bürger verstehen, sondern hauptsächlich als Konsument·innen innerhalb von diesem System und glauben, wir können innerhalb des Konsum des kapitalistischen Systems durch unser Kaufverhalten irgendwie das ganze System verändern, was nicht funktioniert, wie wir gesehen haben.

Stefanie Ja, ja genau das, was ja auch Harald Welzer schreibt und so dieses „weiter wie bisher geht es einfach nicht“ und dass das System an sich das Problem ist. Ich habe allerdings so ein Problem sozusagen damit, das alles dann zu sagen, dass die Regierung oder die Politik das lösen muss. Das schreibt sie jetzt ja auch so nicht exakt, dass das nur die Politik lösen kann. Aber es gibt ja auch einige, die dann sagen na ja, ich kann nichts machen, allein die Politik muss das jetzt richten. Ich finde wir können schon alleine was machen.

Svenja Dazu habe ich mir, total witzig, dass du das ansprichst, das passende Zitat rausgeschrieben: „Wir müssen uns aus der Ohnmacht befreien, die viele von uns ob des Weltenwahnsinns verspüren.“ Das schreibt sie auf Seite 213, also relativ weit hinten. Und das ist ja genau dieses, was du auch beschrieben hast, wir können selber nichts ändern und die da oben müssen was machen. Nein, es müssen alle was machen, man muss unten was machen und in der Mitte was machen und in der Politik was machen.

Stefanie Ja, es müsste eigentlich ein neues System geben. Aber das ist ja auch das, was dann im Buch immer wieder, wenn Kathrin Hartmann ihre Interviews, die sie zum Film geführt hat, dann aufschreibt, was dann immer wieder gesagt wird: es ist so toll, wir können noch mehr Rindfleisch verkaufen, noch mehr Palmöl, noch mehr, keine Ahnung, immer mehr. Und dann auch dieser Zertifikatehandel und so, also einfach diese verschiedensten Arten wie man den Konsum immer weiter steigern kann und dann aber so tun kann, als wär's irgendwie nachhaltig, dass man sich da ein gutes Gewissen kauft, das finde ich so, das ist so präsent auch die ganze Zeit.

Bei mir hat das beim Lesen so ein Gefühl hinterlassen: Ich habe keine Lust mehr auf diese Welt. Also ich habe irgendwie so gedacht: Oh, das ist alles so schlecht und ich habe dann wirklich auch diese Ohnmacht direkt gespürt, weil ich gedacht habe, egal was ich jetzt mache - trotzdem wird sich in Bangladesch irgendwie nicht sofort was ändern und keine Ahnung, in Brasilien auch nicht und der Regenwald wird trotzdem weiter abgeholzt und was kann ich denn schon tun? Also das hat das bei mir wieder ausgelöst.

Svenja Ja, das kann ich total nachvollziehen. Bei mir hat es interessanterweise ausgelöst, dass ich noch mal wieder darüber nachgedacht habe, ob ich in eine Partei eintreten und mich politisch engagieren möchte. Einfach weil das für mich so eine Möglichkeit sein könnte, nicht nur ohnmächtig oder konsumentisch aktiv zu sein, sondern auch tatsächlich aktiv. Was eine Alternative sein kann und einfach auch rauszugehen und den Unmut kundzutun und nicht nur Unmut gegenüber Firmen kundzutun, indem man irgendwelche wütenden Emails schreibt: „Ihr habt immer noch alles nur in Plastik verpackt.“ Das ist ja auch richtig.

Aber wichtig ist auch zum·r Bürgermeister·in zu gehen und zu sagen: hier, das läuft einfach blöd. Oder mal nachzufragen, wie ist denn das eigentlich? Was habt ihr denn hier für Glühbirnen oder so. Also ganz banale Sachen und nicht mehr diesen Umweg zu nehmen über die Wirtschaft, sondern einfach auch Volksvertreter·innen - ich meine, die heißen ja sogar so! - Volksvertreter·innen direkt anzusprechen und zu sagen: das ist das, was mich beschäftigt, mich beschäftigt Klimawandel, mich beschäftigt Nachhaltigkeit, kümmer dich mal, lass uns mal was machen. Also einfach da aktiv zu werden. Ich glaube, das muss man noch viel häufiger sich vornehmen und dann natürlich auch selber machen.

Das muss wieder viel, viel präsenter sein, so wie zum Beispiel in der Anti Atomkraft Bewegung. Denn wenn die Leute nur an RWE geschrieben hätten, wir wollen aber kein Atomkraftwerk, dann wäre das vielleicht ganz anders heute. Die Leute sind auf die Straße gegangen und haben gesagt: Nee, wir haben da keine Lust zu. Wir wollen das nicht.

Stefanie Ja, ja, das habe ich auch noch miterlebt. Ich bin in einem Ort groß geworden, der ein Brennelemente Zwischenlager in der Nähe hatte. Daher habe ich das als Kind noch mit erlebt, was da los war, dass bei jedem Castortransport sich da auf die Schienen geschmissen wurde. Das ging, das war möglich.

Ich habe auch das Gefühl, dass wir heute mehr in dieser Ohnmacht sind und auch so eingelullt sind von allem. Also das ist alles so normal und dieses Protestieren, das ist so unnormal. Vielleicht ist das auch so auf diese 68- Generation zurückgestuft sozusagen, dass man denkt naja, das waren die damals, aber wir haben auch gar keine Zeit zu demonstrieren, wir müssen ja die ganze Zeit konsumieren. Ich muss jetzt arbeiten, damit ich mir das nächste größere Fernsehgerät kaufen kann. Und dann habe ich allerdings auch irgendwie keine Zeit, um jetzt noch mal was darauf zu gucken. Ich muss ja noch weiterarbeiten und so. Und dann hat man natürlich auch keine Zeit, sich irgendwie politisch zu engagieren.

Ich bin ja so ein bisschen bei der Albert Schweitzer Stiftung aktiv. Da merke ich schon in der Szene, dass es da viele gibt, die auch auf die Straße gehen und gegen die Massentierhaltung protestieren und so eine Silent-Line bilden oder so und so was machen. Aber es ist dann schon so, dass es viele gibt, die einfach nur so sagen: Ja okay, ich guck mir das mal an. Aber diejenigen, die da wirklich aktiv mitmachen, das ist dann wieder nur ein kleinerer Prozentsatz von denen.

Svenja Ja genau. Es ist einfach nicht cool genug irgendwie in unserer Gesellschaft. Also es ist einfach im Mainstream nicht mehr vorhanden, irgendwie da besonders aktiv zu sein und für das was einem wichtig ist auf die Straße zu gehen.

Stefanie Ich glaube, wir haben es hier einfach noch zu gut. Also, weil der Klimawandel uns ja auch noch nicht so juckt. Wir haben ja auch das Problem nicht. Ich merke das im Kleinen. Wenn ich was hab, was mich wirklich stört, dann gehe ich auch los und versuch das zu ändern. Und dann werde ich richtig aktiv. Und ich glaube, das geht anderen ja auch so. Es muss ja jetzt nicht um große Dinge gehen, sondern kann ja auch um kleinere Dinge gehen. Dadurch, dass ich Mutter bin, merke ich, dass andere Eltern, wenn die was stört am Kindergarten oder an der Schule oder so, dann machen die auch einen großen Aufstand. Also da geht es schon.

Vielleicht bewegt uns das hier noch nicht so sehr und dann wird man noch zu arg irgendwie als Gutmensch oder irgendwie negativ betitelt, wenn man dann sagt, aber guckt mal, der Klimawandel ist doch schon da, auf der anderen Seite der Welt sozusagen, da ist doch schon alles kaputt. Vielleicht müsste jetzt, keine Ahnung, Hamburg regelmäßig überschwemmt werden, damit wir verstehen was los ist.

Svenja Ja genau. Also man müsste das einfach viel greifbarer machen. Das ist ja ein wirkliches Problem, dass der Klimawandel als großes Konstrukt, das ist natürlich furchtbar weit und irgendwie so unbestimmt und kaum fassbar und das macht es dann schwierig. Klar, sind wir alle dagegen und so, aber es ist dann wenig konkret und wenn es wenig konkret wird, dann gibt es auch wenig konkrete Handlung. Das ist ja klar. Ist doch was ganz anderes, als wenn das an deiner Schule um die Anschaffung von irgendwas geht, das super konkret ist, für alle ist der Bezug zu ihrem Lebensalltag klar. Währenddessen Klimawandel so was Weites ist - wo ist der Bezug zu meinem Alltag? Wenn man anfängt sich zu informieren, klar, dann sieht man den Bezug. Aber man muss es sich immer wieder präsent machen und immer wieder den Bezug herstellen.

Stefanie Hast du dich denn jetzt schon in eine Partei eingetragen?

Svenja Da muss ich jetzt ein bisschen ausholen. Ich habe schon mal einen Mitgliedsantrag gestellt, okay, und der ist irgendwie versandet. Ich habe dann eine Rückmeldung gekriegt und dann nichts mehr passiert. Ich bin dadurch, dass die Partei jetzt nicht regelmäßig von meinem Konto abgebucht, wohl davon überzeugt, dass ich nicht Mitglied bin. Ich muss aber gestehen, es liegt auf so einem Haufen. Ich habe das dann auch nicht weiter verfolgt. Ich werde es aber jetzt noch mal angehen und werde noch mal nachhaken, was denn da schief gelaufen ist beim Eintrittsverfahren.

Stefanie Das ist aber jetzt auch glaube ich so ein Beispiel. Das habe ich ja selber auch. Wenn es nicht kritisch genug ist, dann lässt man es erst mal so liegen. Ich habe das auch in so einem ganz kleinen Rahmen. Ich fahre jetzt immer Fähre und mich hat es so genervt, dass die Leute, die einsteigen wollen, sich nicht in die Schlange stellen und warten, bis alle ausgestiegen sind. Die drängeln sich dann schon drauf und dann ist da immer so ein Gerangel und man kommt nicht runter und keine Ahnung. Und so habe ich gedacht, das kann doch nicht wahr sein, das muss doch möglich sein, dass wir an diesem Landungssteg das hinkriegen, dass die Leute warten und dann einsteigen, dass es etwas geordneter abgeht. Und dann habe ich auch da bei dem Betreiber angerufen. Dann war es aber freitags und da hat der Mensch am Telefon gesagt, da ist keiner mehr da, der sich drum kümmern kann. Und er hat mir eine Nummer gegeben, wo ich dann anrufen soll und dann habe ich es doch nicht mehr weiterverfolgt. Dann ist es auch wieder versandet.

Svenja Die Zuhörer·innen halten uns jetzt für superfaul. Als wenn wir gar nichts geregelt bekommen.

Stefanie Die wissen ja Bescheid. Auch bei unseren Hörerinnen und Hörern könnte ich mir vorstellen, dass es ihnen ähnlich geht. Also wenn Du, liebe·r Hörer·in, auch so was hast, kannst du gerne eine E Mail schreiben. Denn das ist natürlich auch interessant, einfach mal zu hören, wie es dir so geht im Alltag, ob du unsere Erfahrungen teilst. Das wär doch was, oder einfach mal zu schauen, wo engagierst du dich im Alltag oder hast du auch das Problem, dass es bei dir manchmal versandet?

Aber um mal zurück aufs Buch zu kommen, wo ich hier so „abgeschwoffen“ bin sozusagen. Ich fand jetzt wieder, das war auch bei „Aus kontrolliertem Raubbau“ so, dass hier bei dem Buch viele Missstände aufgezeigt wurden und dann aber dieses „Was kann ich denn jetzt tun?“, relativ dünn war. Wie fandest du das?

Svenja Ja, definitiv. Das ist ja nicht nur in Kathrin Hartmanns Buch ein Problem, wenn man das so nennen will, sondern in vielen Büchern, die sich mit Nachhaltigkeit oder mit Problemen der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigen, dass es alles sehr analytisch bleibt und einen wütend macht oder aufrüttelt oder einfach auch nur neutral informiert. Und am Schluss bleibt man aber in so einem Loch und weiß eigentlich gar nicht: Was ist denn jetzt der nächste Schritt? Was müssen wir jetzt machen?

Und mich bringt das dann zu zwei Gedanken, jetzt wo ich das häufiger gesehen habe. Erstens, vielleicht denken wir, dass es viel, viel, viel komplizierter ist, etwas zu verändern, als es tatsächlich ist. Vielleicht ist es einfach so, es gibt gar nicht so einen großen zehn Punkte Plan, den man befolgen muss, um sich für irgendwas einzubringen. Sondern vielleicht ist es einfach Anfangen, was machen und ohne den zehn Punkte Plan rausgehen und was starten. Ich habe zwei Punkte genannt und habe jetzt den zweiten vergessen.

Stefanie Kathrin Hartmann spricht in ihrem Buch auch darüber, dass man mit dem Kassenzettel abstimmt. Ich meine, dass sie das geschrieben hat oder ich hab's jetzt aus einem anderen Buch. Hast du das auch gelesen?

Svenja Ich habe das, glaube ich, mal in einem anderen Kontext gelesen.

Stefanie Ich bin mir nämlich jetzt nicht sicher, aber ich finde es trotzdem gut. Es ist auch eine politische Handlung zu sagen wo kaufe ich jetzt überhaupt ein und was kaufe ich, wie viel kaufe ich? Ich finde, es geht ja auch nicht nur darum, wie du das vorhin sagtest, seinen Konsum zu verschieben, sondern es geht ja darum, auch weniger zu konsumieren. Die Hamburger Müllabfuhr hat auf ihren Müllwagen jetzt immer stehen „Wer Hamburg liebt, vermeidet Müll.“ Und da habe ich gedacht: okay, das war früher auch nicht so. Früher war es so, du trennst deinen Müll und das ist toll. Und ja, das stimmt. Es ist viel besser, Müll zu vermeiden, als ihn erst mal großläufig zu trennen. Natürlich sollte man ihn trotzdem trennen, wenn man ihn hat. Aber so dieses vermeiden, das finde ich auch, das macht mehr Sinn. Aber dann kommt wieder der Verzicht und dann sagen wieder alle: Nein, ich will nicht verzichten.

Svenja Also so kann ich dir als Minimalistin vollkommen zustimmen. Klar, es ist in jedem Falle nicht möglich, dass wir weiterhin so konsumieren, wie wir jetzt konsumieren. Also unabhängig davon, ob es grün ist oder nicht. Selbst mit grünem Konsum wird es sehr eng werden. Weniger oder gar nicht konsumieren ist natürlich ein Schritt, den man gehen kann. Und ich will aber trotzdem noch mal betonen, dass es nicht reicht, wenn wir jetzt alle aufhören zu konsumieren. Oder was heißt aufhören? Wir können nicht aufhören zu konsumieren, aber unseren Konsum um, was weiß ich wie viel Prozent runterfahren. Das verändert das System natürlich auch nur schrittweise, also nur in einem bestimmten Maß.

Ja, wir müssen trotzdem uns dann mit der Frage beschäftigen: Was für eine Wirtschaft wollen wir denn überhaupt haben? Was für eine Gesellschaft wollen wir denn überhaupt haben? Und das können wir nicht an der Kasse bei einem Supermarkt mal nebenbei entscheiden. Da muss man sich dann engagieren, in welchem Maß auch immer. Also das kann sein - muss natürlich nicht sein - ich arbeite jetzt nicht mehr, ich kündige meinen Job und verschreibe mich jetzt voll der Weltveränderung. Es kann auch sein, ich engagiere mich in meinem Verein oder ich engagiere mich vor Ort oder so und gestalte aber die Gesellschaft oder die Welt, mit der ich gerne leben möchte.

Stefanie Ja, das Problem wird ja auch sein, wenn jetzt zum Beispiel ganz Deutschland sich entscheiden würde, weniger zu konsumieren, würde ja trotzdem die Wirtschaft wahrscheinlich so weitermachen wie bisher und dann einfach nur alles exportieren.

Svenja Die würden einfach neue Märkte erschließen und würden sich freuen, würden das wahrscheinlich noch als Erfolg verkaufen. Schaut mal hier Deutschland hat es schon geschafft, aber die anderen, die müssen erst noch diesen Schritt auch erreichen. So, wir könnten uns dann auf die Schulter klopfen als Vorreiter. Ja deutsche Unternehmen würden dann weiter irgendeinen Müll ins Ausland verkaufen und würden die Rohstoffe aus irgendwelchen unsicheren Quellen beziehen. Aber wir wären dann wieder fein raus.

Stefanie Für wie wahrscheinlich hältst du das, dass wir das schaffen, das System zu stürzen?

Svenja Das ist eine schwierige Frage, weil meine Gegenfrage wäre: Was wäre denn also für dich ein Systemsturz?

Stefanie Ja, okay.

Svenja Also das ist ja so eine Kettenreaktion. Wenn wir sagen okay, wir wollen ein anderes Wirtschaftssystem. Dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf unsere Gesamtgesellschaft, also nicht nur unsere deutsche Gesamtgesellschaft oder unsere europäische, sondern die Welt Gesamtgesellschaft. Und dann ist natürlich die Frage: okay, wo ist der Stein, den ich umstoße, der einfach so einen Rieseneffekt hat, dass das gesamte System sich verändert? Und ganz wichtig ja auch die Frage was ist das System danach? Also von daher finde ich das schwierig zu sagen: so ja, wir schaffen das oder nein, wir haben keine Chance. Ich tue mich da immer schwer.

Stefanie Hast du eine Vision von dem System danach?

Svenja Noch nicht. Aber das ist jetzt die perfekte Überleitung zu meinem neuen Projekt. Es wird „Zukunftsrauschen“ heißen. Und da wird es genau um diese Frage gehen: Was kommt danach? Und wo gibt es jetzt schon Leute oder Projekte, die an dem danach arbeiten, die sich dafür einsetzen? Die zu suchen und zu finden und vorzustellen. Weil ich glaube, dass diese fehlende Vision oder Utopie ein ganz großes Problem ist. Wir sind immer alle gegen irgendwas. Wir ja auch. Wir sind gegen Klimawandel und wir sind gegen Tiere essen. Aber vielleicht wäre es besser, wenn wir anfangen würden, auch für irgendwas zu sein. Natürlich kann man auch mit Aktionen gegen irgendwas sein, aber ich finde es persönlich immer besser für irgendwas sich einzusetzen, als nur irgendwas anderes aufzuhalten.

Stefanie Ja, das ist ja auch das, was Veganer·innen vorgeworfen wird, teilweise, dass wir ja nur irgendwie alles abschaffen wollen. Aber was kommt denn danach? Wie ist die Utopie danach? Und da in dem Film „The End of Meat“ - ich hab den jetzt noch nicht gesehen - da wird ja auch noch mal diese Utopie gezeigt. Also wie kann eine Welt ohne diesen Tierkonsum aussehen? Hast du den schon gesehen?

Svenja Den habe ich noch nicht gesehen. Ich bin wirklich schlecht im Dokumentation sehen.

Stefanie Hätte ja sein können. Ich habe bis jetzt nur was darüber gelesen, aber zumindest da wird eine Utopie schon mal dargestellt. Es kommen ja viel solche Sachen wie, wenn alle sofort aufhören Tiere zu essen, dann wird die Welt von den Tieren überschwemmt. Da kann man dann noch mal sich überlegen, wie das schrittweise ginge. Also ich denke, wir sollten schon irgendwie wissen wie eine bessere Welt, eine andere Welt denn aussehen sollte? Und dann kann man ja so rückwärts gehen. Die Schritte, dieses Backcasting dann machen. Und dann kommt man ja irgendwann zum Jetzt-Zeitpunkt. Was kann ich denn jetzt schon tun?

Svenja Es macht auch psychologisch vollkommen Sinn, zumindest ein grobes Ziel vor Augen zu haben, auf das man hinarbeitet, weil dann die Motivation eine ganz andere ist. Als einfach nur sich immer von irgendwas abzugrenzen mit allen Aktionen, die man hat, ja die Energie und die Motivation hin zu etwas einzubringen und dann, wie du schon gesagt hast, rückwärts von dieser Vision in kleinen oder großen Schritten zu dem Jetzt zu kommen und dann zu sehen: okay, das ist ein Weg, den wir gehen können, der sich natürlich unterwegs noch verändern kann. Also wie man sagt, ja, wenn wir jetzt die Vision haben, die müssen wir 100 % so durchziehen.

Stefanie Genau, es ist denn nur so ein Nordstern quasi. Ich weiß, wie ich dahin navigieren kann und auf welchem Wege es letzten Endes passiert und ob es jetzt wirklich dann so bleibt oder ob es sich vielleicht ein bisschen verändert, das ist ja ganz offen. Wir können ja sowieso die Zukunft nicht vorhersagen.

Svenja Wollen wir vielleicht auch gar nicht mehr.

Stefanie Es wäre tatsächlich, glaube ich auch langweilig, alles schon zu wissen.

Svenja Oder es würde dich auch handlungsunfähig machen. Wenn die Zukunft nicht das wäre, was du wollen würdest, dann würdest du in eine Art Handlungskoma verfallen oder in eine Starre und würdest einfach gar nichts mehr tun. Und das ist jetzt ja auch nicht unbedingt der Zustand, in dem wir leben wollen. Also das stimmt, damit müssen wir ja immer rechnen, dass die Zukunft nicht die ist, die wir uns erhoffen.

Stefanie Ja, ja, ja, genau. Also im jetzt leben macht natürlich am meisten Sinn. Nur wenn wir diese großen Themen besprechen, macht es dann auch ein wenig Sinn, ein bisschen zu schauen, wie könnte die Zukunft aussehen und wie könnten wir dorthin kommen? Ich möchte abschließend, wo wir jetzt doch ein bisschen weiter uns vom Buch entfernt haben, noch einmal auf das Buch zurückzukommen. Wem würdest du dieses Buch jetzt empfehlen? Was würdest du sagen? Wer sollte das lesen?

Svenja Ich denke, unabhängig davon, ob man sich schon mit Nachhaltigkeit wenig oder relativ viel beschäftigt hat, ist es eine ganz gute Lektüre für alle die so ein Wachrütteln brauchen oder so einen Motivationsschub. Wenn ich das Gefühl habe, ich bin gerade in so einer Ohnmachtssituation. Da schafft es das Buch ganz gut, diese Ohnmacht noch mal schön auszubreiten, aber am Schluss gleichzeitig durch dieses aufrüttelnde, wütend machende, hat es zumindest bei mir dazu geführt, dass ich gesagt habe: So, ja, und jetzt habe ich noch mal neuen Drive. Jetzt mache ich noch mal was, jetzt gehe ich es noch mal an und gucke, was ich wirklich verändern kann und möchte. Und ich glaube, für alle, die so einen Schub brauchen, ist das ein gutes Buch. Und für alle, die ihren persönlichen Hass auf Großkonzerne nähren wollen ist es auch ein gutes Buch.

Stefanie Da in dem Buch nicht so viele Handlungsanweisungen drin sind, sage ich mal, was man jetzt danach machen könnte. Hast du vielleicht so drei Tipps, wie man, wenn man jetzt das Buch gelesen hat, weitermachen könnte? Also irgendwas kleines, was ich jetzt bewirken kann.

Svenja Was Kleines, was du jetzt bewirken kannst. Ich würde sagen trotz allem, was in dem Buch steht, als erstes das eigene Konsumverhalten überdenken und gleichzeitig sich ganz bewusst in Situationen fragen: denke ich jetzt gerade innerhalb dieses kapitalistischen Wachstumssystems? Oder macht es Sinn, dass ich einfach mal einen Schritt rausgehe und das ganze System hinterfrage?

Also um bei dem Beispiel Fleisch zu bleiben macht es Sinn sich zu fragen: Wie können wir Fleisch besonders nachhaltig produzieren? Oder macht es Sinn einen Schritt zurückzugehen und einfach mal das komplette Nahrungssystem sich im Ganzen vor Augen zu führen und zu sagen: Ja, aber vielleicht macht es viel mehr Sinn, wenn ich einfach kein Fleisch mehr esse?

Ich glaube so eine Brille, die man auf und absetzen kann, ob man im System denkt oder über dieses System hinaus. Ich glaube, die sollte man sich zulegen und das muss man trainieren. Und ich habe leider auch jetzt nicht den perfekten Plan um zu sagen: Ja, pass auf, das kann man so oder so oder so trainieren, aber das muss man üben. Und ich glaube, das wäre mein zweiter Tipp.

Und mein dritter Tipp wäre nach Initiativen zu suchen, die sich mit Themen beschäftigen, die einem persönlich wichtig sind. Und das können jetzt lokale Initiativen sein oder auch deutschlandweite Initiativen oder auch Initiativen, die in anderen Ländern aktiv sind. Und es muss jetzt nicht unbedingt Greenpeace sein, aber kann natürlich zum Beispiel. Es kann auch, was weiß ich, ein örtlicher Zusammenschluss sein von Menschen, die sich regelmäßig treffen und Müll rechts und links der Straße sammeln. Also solche Initiativen aktiv zu suchen und sich zu überlegen, wie man sich da einbringen kann. Ich glaube, das ist ein guter Schritt und es muss, wie gesagt, nicht bedeuten, dass man jetzt auf einmal alles hinter sich lässt und loszieht, um die Welt zu verändern, sondern es kann auch sein, dass man einmal im Monat sich so einer Müllsammelaktion anschließt. Aber einfach aktiv zu sein in einer Gruppe oder in einer Initiative oder einem Verein.

Stefanie Okay. Ja, das steigert auf jeden Fall dann die Selbstwirksamkeit. Und du hast jetzt dein neues Projekt ein kleines bisschen angeteasert, Wann wird es denn starten?

Svenja Ich hoffe im Juli. Ich möchte aber nichts versprechen.

Stefanie Wie kann man dich im Internet finden?

Svenja Am besten findet man mich bei Twitter und bei Instagram unter meinem Namen Svenja Sgodda. Ich kann das buchstabieren, aber ich bin sicher, Stefanie verlinkt das wahrscheinlich auch irgendwo. Also wenn man meinen Namen googelt, dann findet man mich eigentlich relativ schnell.

Stefanie Okay, super. Und wenn dann dein neues Projekt online ist, dann kann man über diese Kanäle auch zu dem Projekt finden. Und wenn es dann online ist, dann verlinke ich es hier auch unter der Podcastfolge, weil es könnte ja sein, dass du diese Podcastfolge erst in keine Ahnung drei Monaten hörst und dann hast du auf jeden Fall den Link schon.

Svenja Auf jeden Fall, super nett von dir.

Stefanie Ja, ich finde das passt auch gut, weil das ist ja genau das, was uns jetzt fehlt nach so einer Lektüre und dann kann man das Buch lesen und dann einsteigen, das passt. So was baut aufeinander auf. Dann danke ich dir ganz herzlich, Svenja für das Gespräch und für deine Zeit und deinen Input, sage ich jetzt mal, und natürlich auch für das Projekt, das kommen wird, weil ich schon ganz gespannt bin, was wir da dann zu sehen bekommen, wie wir da alle mitmachen können. Also vielen Dank.

Svenja Ja, ich bedanke mich, dass ich da sein durfte, dass ich reden durfte über ein Thema, was mir so am Herzen liegt. Genau und ich hoffe, dass es für den einen oder anderen Zuhörer oder Zuhörerin auch irgendwie interessant war, was wir hier so in den letzten, ich weiß nicht, 40 Minuten oder so von uns gegeben haben.

Stefanie Das hoffe ich doch auch. Und wenn nicht?

Svenja Dann ist es jetzt auch zu spät.

Stefanie Genau. Ja, dann wünsche ich alle noch einen schönen Tag und auf Wiederhören.

Wie Du entspannt mit Nicht-Veganern lebst

Ein Beitrag

Folge 127 - Beziehungen zwischen Veganern und Nicht-Veganern

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Buch "Beyond Beliefs - A Guide to improving relationships and communication for vegans, vegetarians, and meat eaters" von Dr. Melanie Joy vor,
  • sprechen wir über die einzelnen Kapitel und
  • erklären wir Dir, an wen sich dieses Buch richtet.

Dieses Buch von Dr. Melanie Joy gibt es momentan nur auf Englisch, soll es aber bald auch auf Deutsch geben. Es beinhaltet nicht nur Hintergrundinformationen über das Konfliktpotential in vegan- nicht-veganen-Partnerschaften, sondern liefert auch einige Werkzeuge, mit denen Du Deine Beziehungen entspannen kannst.

Und da wir das Buch gekauft haben, verlosen wir es in dieser Folge auch- hör doch gleich einmal rein.

Links zur Folge

Beyond Beliefs - A guide to improving relationships and communication for vegans, vegetarians and meat eaters
https://www.buch7.de/store/product_details/1030436818

Podcastfolge 113 - Achtsamkeit im Ehrenamt

Folge 62 - Vegan nervt aka Karnismus

Vollständiges Transkript

Stefanie In der aktuellen Folge habe ich Carsten mal wieder was zu lesen gegeben, denn ich bin in diesem Buch nur bis Seite 24 gekommen, von 228 Seiten.

Carsten Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob du bis dahin gekommen bist, weil mir das Lesezeichen zwischendurch rausgefallen ist.

Stefanie Gut, ja, vielleicht.

Carsten Du bist am Anfang geblieben.

Stefanie Ich bin relativ am Anfang geblieben. Ich habe aber die Angewohnheit, manchmal auch quer zu lesen. Das heißt, ich hatte auch schon mal hinten so gelesen und so. Und naja, wir wollen jetzt auch kein großes Geheimnis darum machen, welches Buch es ist. Es ist „Beyond Beliefs - A Guide to improving relationships and communication for vegans, vegetarians, and meat eaters“ von Melanie Joy, PhD.

Carsten Sehr schön.

Stefanie Ja. Also, Dr. Melanie Joy hat's geschrieben. Woher kennen wir sie? Welches Buch hat sie geschrieben?

Carsten „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ Wir haben eine Podcastfolge zu diesem vorherigen Buch gemacht. Wir haben das Thema schon mal erklärt.

Stefanie Ja, und wie ich jetzt gerade erklärt habe, habe ich das Buch einfach noch nicht gelesen. Also so komplett. Es ist auf Englisch. Es liegt nicht daran, dass es auf Englisch ist, sondern irgendwie sind das Buch und ich nicht sofort warm geworden. Aber Carsten hatte letztens eine längere Zugfahrt, wo er lang unterwegs war und auch noch mit Verspätung und allem wie das bei der Bahn so ist. Und da hat er das ganze Buch durchgelesen.

Carsten Na gut, nicht nur auf dieser Bahnfahrt. Es hat schon einen Moment gedauert, bis ich komplett durch das Buch durch war, weil ich muss sagen, wenn ich Englisch lese, dann ist es doch noch mal ein Tacken langsamer. Und vor allen Dingen sind ja auch bestimmte Begriffe mit dabei, die ich so aus dem Effeff nicht unbedingt immer übersetzen kann. Aber es gibt ja online Übersetzungstools. Ganz so schlimm ist es nicht. Also es ist sehr allgemein verständlich geschrieben, auch für jemanden, der jetzt nicht unbedingt so psychologisch im Englischen stark unterwegs ist. Dr. Melanie Joy ist ja Psychologin und dementsprechend ist viel aus diesem Themenbereich psychologisch, soziologisch etc. fundiert und sie schreibt es aber sehr allgemein verständlich, also mit normalen Englischkenntnissen eigentlich sehr gut verständlich.

Stefanie Und das Buch soll es auch bald auf Deutsch geben, hatte ich gelesen. Das habe ich aber schon vor längerer Zeit gelesen und bis jetzt ist es noch nicht auf Deutsch da, aber es soll es geben.

Carsten Ich denke schon, dass es auf Deutsch kommt, weil Melanie Joy ziemlich bekannt ist.

Stefanie Und mit einem Deutschen verheiratet, also wird es wohl übersetzt werden. Sie arbeitet ja auch für den Vebu oder bzw. das heißt jetzt ProVeg, da wird es schon die Möglichkeit geben. Aber was ich dich jetzt fragen wollte: für wen ist denn dieses Buch jetzt? Steht zwar schon „for vegans, vegetarians, and meat eaters“, aber wer sollte dieses Buch dann lesen?

Carsten Ja, ich glaube das Zielpublikum ist relativ eingeschränkt. Ich habe das aus dem Titel nicht unbedingt erahnt, aber bei mir ist ganz massiv hängengeblieben, dass sich der Inhalt des Buches an Personen richtet, an Veganer·innen, die in einer Partnerschaft leben, wo der Partner oder die Partnerin nicht vegan ist, also entweder vegetarisch oder noch Fleischesser oder krank ist. Das scheint wohl tatsächlich so der Fokus oder die Fokusgruppe zu sein. Ich kann der Melanie Joy jetzt damit Unrecht tun, weil sie im Grunde genommen das Buch offen schreibt. Aber bei mir ist ganz klar diese dieser Fokus im Kopf geblieben und viel von dem was sie schreibt und wie sie schreibt, stellt das schon wirklich so auf diese Konstellation ab.

Stefanie Okay, also aber es ist sind jetzt nicht nur romantische Beziehungen gemeint, sondern auch Familien, also dass vielleicht die Eltern nicht vegan leben, du als Kind aber vegan lebst so was zum Beispiel.

Carsten Davon wird auch gesprochen. Aber tatsächlich habe ich bei mir den Eindruck oder beim Lesen den Eindruck gewonnen, dass es auch stark um romantische Beziehungen geht. Also entweder Ehepaare oder ich sag jetzt mal romantische Partnerschaften, wo jemand gerade in den Veganismus reingeht oder diesen Weg findet oder schon längere Zeit vegan lebt und jetzt jemanden kennenlernt, der nicht vegan lebt und jetzt entsprechende Konflikte wahrnimmt.

Stefanie Und da soll dieses Buch helfen?

Carsten Genau das ist, ja ich will jetzt nicht sagen, Konfliktmanagement. Es geht ein bisschen darüber hinaus, aber im Grunde genommen ist das ein Kern der Frage: Wie gehe ich denn jetzt damit um? Wie gehe ich mit einer nicht veganen Welt um? Und konkret direkt im Zusammenleben mit Menschen, im direkten Umfeld, Familie bzw. wie gesagt, der Partner. Wenn die jetzt ja vom Konsumismus getrieben ihr normales Leben weiterleben und durch diese vegane Sichtweise bzw. durch den Karnismus entsprechender Konflikte aufkommen.

Stefanie Also woran ich mich jetzt noch erinnern kann ist, dass Melanie Joy am Anfang geschrieben hat, dieses Kapitel kannst du lesen, wenn du dich dafür interessierst oder du kannst die überspringen, wenn das nicht so relevant für dichist. Also dass es nicht so ist, dass man von vorne bis hinten lesen muss, sondern dass man einfach auch auf bestimmte Kapitel zugreifen kann. Und ich meine, also hinten sind ja auch so Handlungsanweisungen drin, also so Hilfsmittel, mit denen man dann arbeiten kann.

Carsten Genau. Also es gibt zwei Kapitel, die richten sich vornehmlich an Nichtveganer. Das ist einmal ein Kapitel, wo es tatsächlich nochmal in die Hintergründe vom Karnismus geht. Dieses Kapitel ist relativ komprimiert und ersetzt nicht ganz das vorherige Buch, was sie geschrieben hat. Das heißt also, dass das erste Buch von Melanie Joy, ist nochmal deutlich umfangreicher, aber dieses Kapitel hier in Beyond Believes bringt es wirklich auf den Punkt und stellt dann auch so ein paar Facetten heraus. Sie möchte im Grunde genommen Verständnis dafür aufbauen, was heißt eigentlich Karnismus?

Das heißt jemand, der jetzt nicht vegan lebt, soll erst mal wissen: Aha, es gibt den Karnismus. Was verbirgt sich dahinter? Das ist eine Ideologie. Dass es eine sehr starke, sogar die im Moment stärkste Ideologie ist. Also das ist etwas, was sie auch in den anderen Kapiteln immer wieder erwähnt, dass es zwischen diesen Ideologien eine Art Machtverhältnis gibt und der Karnismus von der Struktur her und von der Verbreitung her viel, viel mächtiger daher kommt als jetzt die Ideologie des Veganismus. Das heißt, wenn ich als Veganer·in einem·r Nichtveganer·in gegenüberstehe, dann sind anti-vegane Argumente immer stärker von der Wucht und der Heftigkeit her und und auch von der Akzeptanz im Umfeld, als wenn ich jetzt eine vegane Äußerung tätige, die sich gegen den Karnismus wendet, weil der Karnismus einfach die derzeit mächtigere Ideologie ist.

Und damit möchte sie einem·r Fleischesser·in oder einem·r Vegetarier·in klarmachen: Pass mal auf, du bist in einer Beziehung mit einem·r Veganer·in. Und das was du sagst ist auch, wenn es für dich persönlich gleichwertig ist, nie gleichwertig, sondern von der Mächtigkeit, immer dem Überlegen oder noch mächtiger oder verletzender, als wenn dein·e Partner·in dir gegenüber etwas sagt, aufgrund der Tatsache, dass du dich in diesem Umfeld bewegst, was so mächtig ist. Das ist so das eine Kapitel.

Und das andere Kapitel, ich glaube, das ist Kapitel acht, da geht es um die sogenannte „effektive Kommunikation“. Das ist im Grunde genommen noch mal so ein praktischer Leitfaden, wie man mit Konflikten umgeht. „Effektive Kommunikation“ ist tatsächlich ein stehender Begriff, eine Art und Weise, wie man miteinander kommuniziert. Und diese beiden Kapitel sind hervorgehoben und richten sich primär erst mal an Personen, die nicht vegan leben, um auch von deren Seite her so ein paar Basics mit reinzubringen. Dass auch die sich dann in einer Konfliktsituation mit einem·r Veganer·in nicht unfair verhalten, sondern auch aufgrund dieses Hintergrundwissens dann konstruktiv im Konflikt bewegen können.

Stefanie Okay, und ich habe jetzt hier also „Chapter 1 Vegans, Vegetarians and Meateaters in Relationships and the problem and the promise“. Das ist dann ja die Ausgangssituation quasi dann kommt „Relationship. Resilience the foundation of healthy relationship“.

Carsten Da geht es darum, wie du deine eigene Resilienz aufbaust. Nicht, dass du jetzt quasi unter die Räder kommst, in einer solchen Beziehung oder auch in Situationen, sondern genügend Energie aufbaust und Kraftreserven, um damit klarzukommen.

Stefanie Das ist jetzt aber bezogen erstmal auf die Beziehung oder auch auf die Person selbst?

Carsten Sowohl als auch.

Stefanie Okay. Und „Becoming allies understanding and bridging differences“ ist dann quasi der nächste Schritt.

Carsten Genau. Also Verbündete suchen, „Allies“. Also für den·die, der·die diesen Begriff noch nicht kennt. Ich übersetze jetzt mal frei mit „Verbündete“. Allyship ist ja so ein Begriff und sie verwendet das sehr häufig und es ist auch ein starker Begriff in diesem ganzen Buch. Also das ist etwas, wo sie drauf achtet bzw. wo sie schon Wert darauf legt, dass man Verbündete sucht.

Stefanie Ja, dann kommt „The Hidden Dances that shape relationships.“ Das ist aber jetzt nochmal so Hintergrundinfos was generell?

Carsten Ja, das ist aber sehr hilfreich, um überhaupt mal zu verstehen, wie funktionieren Beziehungen. Da geht sie sowohl auf die Beziehung im familiären Kreis ein als auch in einer romantischen Beziehung. Und was sie ganz klar darstellt ist: eine Beziehung ist nichts Statisches. Eigentlich ist es ein allgemeiner Trugschluss, den die meisten Leute ziehen, so nach dem Motto ich gehe jetzt mit irgendeiner anderen Person in Beziehung und wir passen einfach hundertProzentig zueinander, es harmonisiert sehr schön und dann muss man nicht mehr an der Beziehung arbeiten, weil sie ist ja schon perfekt und das ist genau nicht der Fall. Das stellt sie klar, dass eine gute Beziehung eigentlich deswegen gut ist und gut wird oder auch gut bleibt, weil in dieser Beziehung eine gewisse Entwicklung da ist.

Beide Partner·innen entwickeln sich und es geht darum, diese Entwicklung der einzelnen Personen in der Beziehung immer wieder zu thematisieren und im Idealfall auch die Entwicklung in die gleichen Richtung zu bringen. Was aber nicht heißt, dass man jetzt auf Teufel komm raus versuchen muss, immer auf dem gleichen Stand des·der Partner·in zu sein, sondern man muss dann auch irgendwann akzeptieren, wenn man sich auseinander entwickelt. Aber diese Entwicklung an sich, da man muss von Bescheid wissen und das auch verinnerlicht haben oder mit berücksichtigen, dass das nichts Statisches ist.

Stefanie Okay, dann kommt das, was du sagtest, was für einen, vor allem für den nicht veganen Teil der Beziehung gedacht ist. Also „Carnism, the invisible intruder in the veg / non-veg relationship“. Dann kommt „Being vegan - living and relating sustainabily in a non vegan world“. Das ist jetzt aber auch für nicht-vegane gedacht oder?

Carsten Ja, es ist im Grunde genommen alles für auch Nicht-Veganer·innen gedacht. Aber der Fokus bei diesem Kapitel ist erst mal auf denjenigen, die vegan leben. Wie komme ich denn jetzt damit am besten klar, in dieser nicht veganen Welt zu leben? Aber für den·die Nicht-Veganer·in ist es natürlich auch wichtig zu verstehen, dass ein·e Veganer·in genau in dieser Situation steckt. Ja, das ist jetzt nicht einfach so lifestyle und total hip. Und jetzt stell dich mal nicht so an, sondern es geht auch wirklich darum, dass - das verwendet sie da in diesem Buch auch - dass Veganer·innen traumatisiert sind.

Also bestimmte Traumaformen werden ja später auch noch mal durchdiskutiert. Und dass ein·e Nicht-Veganer·in auch davon Bescheid weiß, dass sein·e Partner·in durchaus aufgrund dieser Tierquälerei, mit der man sich dann irgendwann konfrontiert sieht und die auch häufig genau die Veranlassung zum Veganismus darstellt, dass da durchaus Stresssymptome und Traumatisierung stattfindet, die in bestimmten Gesprächen oder durch blöde Kommentare oder wie auch immer auch immer wieder getriggert werden. Und das Verständnis bei Nicht-Veganer·innen aufzubauen, das ist auch ein Anliegen dieses Buches.

Stefanie Und dann kommt hier „Chapter 7 - Unraveling Conflict: Principles and Tools for Conflict Prevention and Management.“

Carsten Ja, es ist wieder ein bisschen Theorie im Hintergrund, überhaupt erst mal zu wissen, wie gehe ich jetzt mit Konfrontation und Konflikten um, sei es jetzt direkt in einer Beziehung oder sei es jetzt im direkten Umfeld. Also klassisches Beispiel bei einer Party oder Familienfeierlichkeiten, dass man da jetzt irgendwie wieder auf anti-vegane Sprüche stößt. Wie gehe ich damit um?

Stefanie Okay, also die typischen Sachen, die wir jetzt ja auch in unserer Webinar Reihe besprechen wollen und die ich dann auch in meinem Von Herzen Vegan Clan thematisieren werde. Ich habe gedacht, dieses Konfliktmanagement hört sich so businessmäßig an.

Carsten Es ist sehr theoretisch. Ich habe da jetzt keinen direkten praktischen Nutzen daraus gezogen, dass ich jetzt weiß hey, jetzt kommt so eine Situation, jetzt muss ich mich so verhalten oder die Optionen habe ich. Sondern es geht sehr theoretisch zu.

Stefanie Das ist aber individuell. Das mache ich ja auch im Clan jetzt, dass wir schauen, dass es individuell auf die Person angepasst ist, weil es kommt ja ganz auf dich an, wie du tickst, was deine Geschichte ist und alles. Und dann wie du in der jeweiligen Situation damit umgehen kannst, kommt ja auch darauf an, wie resilient du bist, auf welchem Stand du bist, wie lange du schon vegan lebst, wie viel Erfahrungen Du mitbringt. Das denke, das gehört alles ganz stark dazu. Ja genau. Okay, dann kommt jetzt „Chapter 8 Effective communication: practical skills for successful conversations“. Das war das, was du vorhin schon nanntest.

Carsten Ja, das sind dann nochmal so ein paar Basics, um klarzustellen wie kann ich denn jetzt im Konfliktfall tatsächlich mit meinem·r Partner·in das Ganze konstruktiv lösen? Also fängt an von: Geh raus aus deiner Emotion, erst mal durchatmen, im Zweifelsfall auch nochmal eine Pause erbeten. Also nicht direkt in diesem Konflikt drin bleiben, sondern dem·der Partner·in klarmachen: Du, ich kann da jetzt nicht, meine Emotionen kochen. Lass uns in einer halben Stunde nochmal sprechen oder vielleicht morgen oder? Also schon irgendwo die Möglichkeit geben zu sagen wir diskutieren das noch, wir thematisieren das, ich gehe jetzt nicht raus und komm nie wieder. In diesem Konflikt. Aber die Emotionen runterkommen lassen bis hin zu Ich Botschaften. Also so diese Basics.

Stefanie Okay, da ist vielleicht auch nochmal das Interview, das ich mit Alexandra geführt habe zum Thema Burnoutprophylaxe für Aktivisten, interessant. Da hat sie einige Übungen auch genannt und die sind natürlich in so einem Fall auch ganz gut. Die eine war, alle Muskeln anspannen und dann wieder locker lassen. Oder du schüttelst dich, also dass du rausgehst und dich einmal richtig schüttelst und jedes Körperteil schüttelst, wackelst. Keine Ahnung was. Und dann tief durchatmen und dann wieder rein gehst. Solche Sachen sind natürlich auch ziemlich gut und da wollte ich mit Alexandra auch noch mal zum einen vielleicht in unserer Webinar Reihe, aber auf jeden Fall für den Clan auch noch mal ein extra Webinar machen, wo wir dann so Übungen durchgehen, weil das schon total wichtig ist. Genau. Okay, ich hab dann „Chapter 9 - Change strategy for acceptance and tools for transformation.“

Carsten Ja, das ist so das Abschlusskapitel, mit dem das Buch dann auch fast schon endet. Da kommt dann nachher noch so ein paar Anhänge, die als Arbeitsmittel dienen. Aber da wird im Grunde genommen noch mal so ein bisschen was zusammengefasst, was in den vorherigen Kapiteln vorbereitet wird. Ja, ich muss es allerdings so sagen das Kapitel fand ich so ein bisschen dünn. Also ich hatte mir zum Schluss so ein bisschen mehr pragmatische oder praktische Hilfestellung erhofft, es war für mich so ein bisschen zu high level und und theorielastig.

Stefanie Und du sagtest jetzt schon, da kommen jetzt noch einige Anhänge, neun an der Zahl.

Carsten Ja, es sind praktische Hilfestellungen. Es fängt an mit einem Anhang, wo im Grunde genommen erst mal die eigenen Bedürfnisse noch aufgeführt werden oder mögliche Bedürfnisse, weil das ist etwas, wo sie ganz klar darauf hinweist. Das ist aber unabhängig von diesem vegan oder nicht vegan Konflikt, sondern in dem Moment, wo ich mich mich in einer Beziehung befinde, muss ich auch auf meine eigenen Bedürfnisse achten und lernen, meine eigenen Bedürfnisse insofern wahrzunehmen, dass ich sie auch artikulieren kann.

Stefanie Genau darüber reden ist ganz, ganz wichtig.

Carsten Aber auch sehr sehr schwierig. Und was jetzt hier so in diesem Anhang aufgeführt wird, ist eine Hilfestellung, um überhaupt erst mal zu verstehen, was könnten denn meine eigenen Bedürfnisse sein? Weil das ist ja ganz häufig der Fall, dass bei uns in einer Gesellschaft die Leute eigentlich gar nicht mehr in der Lage sind, ihre eigenen Bedürfnisse auch wirklich so dingfest zu machen, dass sie A verstehen, hey, das ist jetzt gerade ein Bedürfnis, was angekratzt wird und B dass es dieses Bedürfnis ist, wo ich sage, ich brauche jetzt erst mal Ruhe oder ich muss mich irgendwie anders ausleben. Es gibt da eine Liste, wo drinsteht ich brauche Liebe oder Intimität oder Präsenz, Respekt oder Sicherheit oder Raum oder ich brauche jetzt irgendwie eine bestimmte Art von Stabilität oder Unterstützung oder wie auch immer. Das ist wie gesagt so eine Hilfestellung.

Stefanie Dann haben wir hier noch die „Secondary Traumatics Stresssymptoms Checkliste“.

Carsten Also dieses Kapitel ist eine Checkliste, anhand der man selber feststellen kann, ob man unter einem sogenannten sekundären traumatischen Stresssyndrom leidet. Und das sollte man eigentlich regelmäßig durchführen, weil es heißt jetzt nicht, nur weil ich mich heute gut fühle und bei einem Test gut abschneiden, dass es in Zukunft immer noch so ist. Ich konfrontiere mich ja weiterhin mit Themen, die mich dann irgendwie unter Stress setzen und eventuell auch traumatisieren könnten, ohne dass ich es weiß. Ja und diese Checkliste ist ein gutes Tool, um festzustellen wie verändert sich mein Zustand im schlimmsten Fall zum Negativen, um dann gegensteuern zu können.

Stefanie Ja genau. Okay, dann ist der dritte Anhang ist so ein Beispiel Konflikt. Da ist hier Hannah, die vegan ist und verheiratet ist mit Asset, einem Nicht-Veganer und die haben dann so ein Gespräch, darüber, dass der Mann Essen war mit Kumpels und sie versucht rauszufinden was er gegessen hat und das artet dann aus. Obwohl sie versucht ihn nicht auszufragen, schafft sie es dann aber doch nicht. Dann kommt der vierte Anhang. Das ist Chain of Conflict Chart. Da wird es dann diese Geschichte noch mal aufgeschlüsselt und zwar in das Verhalten von Hannah und dann das Verhalten von ihrem Mann und dann ist das noch mal so also was in den verschiedenen Situationen gesagt wurde.

Carsten Wie die einzelne Person sich dann fühlt in dieser Situation und mit was für einer defensiven Verteidigungsstrategie sie dann daherkommt, weil sie sich angegriffen fühlt durch das, was der·die Partner·in macht oder gesagt hat. Und dann werden noch Möglichkeiten um aus diesem Konflikt rauszugehen gezeigt. Um konstruktiv damit umzugehen, dass je nachdem auf was für einer Ebene ich mich gerade befinde. Die Autorin nennt es hier auf der narrativen Ebene oder auf der Gefühlsebene oder nachher, wenn ich schon in dieser Abwehrhaltung drin bin und mich eigentlich gar nicht mehr konstruktiv verhalten kann. Da gibt es bestimmte Möglichkeiten, da im Einzelnen zu sagen: Ich greife jetzt auf diese Strategie zurück, die dort angeboten wird. Und komme dann aus diesem Konflikt raus, ohne dass der sich dann in so einer Aufwärtsspirale oder Abwärtsspirale dann mal weiter anheizt und dann irgendwann eskaliert, sondern dass man genau dieses Eskalationsszenario dann unterbricht.

Stefanie Genau. Und danach ist dann noch mal so eine Tabelle, wo du das selber nochmal eintragen kannst, wenn du selber so eine Situation hast, kannst du dir da mit analysieren. Und dann gibt es noch die Chain of Conflict Guiding Questions. Und da sind dann einfach noch mal so Fragen aufgelistet, die dir Klarheit verschaffen sollen über das Erlebnis, das du hattest. Das kannst du natürlich nur im Nachhinein analysieren. Du wirst wahrscheinlich nicht mit dem Fragenkatalog dasitzen und während du dieses Gespräch hast, dann sagen: einen Moment, wo sind wir gerade? Aber das hilft dir einfach, dann nochmal so ein Konfliktgespräch zu analysieren. Und dann kommt „Requesting a vegan ally“ als sechster Anhang.

Carsten Ja, da muss ich jetzt sagen, dass dieser Begriff wegen ally, also sprich einen Verbündeten, das ist nicht das oder nicht ausschließlich das, was man vielleicht im ersten Moment denkt. Wenn wir das jetzt so lesen, dann kommt erst mal so der Eindruck, ich versuche jetzt in einem Umfeld Gleichgesinnter mir Personen zu suchen, mit dem ich mich jetzt so auseinandersetzen kann und das Ganze diskutieren kann. Dr. Melanie Joy fasst es etwas anders auf. Also sie sagt zwar ja, du solltest dich quasi auch mit Gleichgesinnten verbinden, wenn du im eigenen Umfeld niemanden findest, dann versuch es online, weil es sehr wichtig ist auch für deine mentale Gesundheit. Aber diese·r Verbündete, das ist etwas, was in diesem Buch ganz klar hervorgeht, soll dein·e Partner·in sein. Und sie richtet sich da auch mehr oder weniger explizit an die Personen, die nicht vegan sind.

Das heißt also, dein·e nicht-vegane·r Partner·in soll dein·e Verbündete·r werden. Und das ist in der Hinsicht wichtig, als dass, wenn du zum Beispiel an einer Familienfeier bist und du bist als Veganer·in jetzt mit eingeladen und du weißt, dieses ganze Event birgt ein Konfliktpotenzial, dass du dich auf deine·n Partner·in verlassen kannst, selbst wenn er·sie nicht vegan ist, dass er auf dich Rücksicht nimmt, dich in Schutz nimmt. Jetzt also nicht in der Hinsicht, dass er·sie jetzt für dich da irgendwie Wortgefechte ausficht, sondern einfach, wenn da jetzt ein blöder Spruch kommt, dass er·sie versteht okay, du hast aufgrund deiner veganen Haltung einen bestimmten ethischen Anspruch. Es kommen bestimmte Emotionen hoch und dass er·sie dann in der Situation zu dir steht. Körperlich in der Hinsicht, dass er·sie dich z.B. in den Arm nimmt, dass er·sie dir die Hand reicht, dass er·sie dir einfach nur zu verstehen gibt: Pass mal auf, ich bin da. Ich verstehe, wie du dich gerade fühlst und ich respektiere auch gerade deine Gefühle, die in dir hochkommen, sei das jetzt Wut oder verletzt sein etc.

Und das ist ein ganz, ganz wesentlicher und bedeutender Schritt, dass man hier in diesem Kontext auch auf Nicht-Veganer·innen eingeht. Und dieser Anhang, den du jetzt gerade genannt hast, der ist quasi so eine Hilfestellung, um einen nicht-veganen Menschen zu einem·r Verbündeten zu machen, der nicht unbedingt als als vegan Promotor nach außen tritt, sondern respektiert, dass der·die Partner·in vegan lebt, dieses Wertesystem hat und aufgrund dessen auch verletzt sein wird, wenn irgendwelche Anti Vegan Sprüche da kommen und dann in der Situation doch zu dir steht.

Stefanie Genau. Da ist auch noch mal einfach so ein Text von Dr. Melanie Joy geschrieben worden, den man so eins zu eins seinem·r potenziellen nicht-veganen Verbündeten geben kann. Wobei der ja jetzt auf Englisch ist, also musst du ihn übersetzen. Es sei denn der·die andere möchte das auch auf Englisch lesen, aber jedenfalls ist es nochmal ein Beispiel wie du das erklären kannst, wie du dich fühlst und was du dir wünscht von deinem Partner oder deiner Partnerin. Ähnlich sind dann auch die drei letzten Anhänge zu verstehen, die da heißen „Requesting compassion at witnessing“, „Requesting respect“ und „Letter to a non vegan“. Also es sind alles Beispiele wie du als Veganer·in dann Nicht-Veganer·innen in deinem Umfeld adressieren kannst, damit sie zu Verbündeten werden.

Carsten Wobei das letzte dieses Letter to a non-vegan ist explizit schon so formuliert, dass man den Text eins zu eins nehmen kann. Also Melanie Joy schreibt ihn aus ihrer Ichperspektive und sagt „Ich schreibe hier stellvertretend für deine·n Veganer·in im Umfeld“, um auch dem·der Nicht-Veganer·in klar zu machen: Wie ticken eigentlich Veganer·innen? Warum sind sie vegan geworden? Wie fühlen sie sich und worauf muss der·die Nicht-Veganer·in achten?

Diese Sensibilität aufzubauen, dass dieser Mechanismus, in dem wir uns bewegen, eigentlich immer wirkt und ein stärkeres Machtverhältnis ausübt, als die vegane Ideologie. Weil vegan da noch ganz klar in der Minderheit ist und dass aufgrund dieses ungleichen Machtverhältnisses der·die Nicht-Veganer·in einfach weiß: die Sprüche, die der·die Veganer·in da ausgesetzt ist, die wirken deutlich verletzender als umgekehrt es sein könnte. Und das steht in diesem Brief drin, der so zwei oder drei Seiten umfasst und ist, wie gesagt, dann an den·die Partner·in adressiert, um das Grundverständnis aufzubauen.

Stefanie Soweit zum Buch.

Carsten Und dann möchten wir uns noch herzlich bedanken, bei allen, die uns bei Steady unterstützen.

Stefanie Vielen, vielen Dank. Und danke für alle Emails, die uns erreichen und allen, die uns hören. Und damit sollte es jetzt auch gewesen sein. Und deswegen sagt Carsten:

Carsten Jetzt endlich mal wieder in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 126 - Wofür sind Tiere da?

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Folge 126 - Wofür sind Tiere da?

In dieser Folge

  • stellt Carsten das Buch "Tierrechte - Eine interdisziplinäre Herausforderung" vor,
  • sprechen wir über unser erstes Webinar, das am 4. Juli stattfinden wird und
  • hörst Du einige Nicht-Veganer*innen, die die Frage "Wofür sind Tiere da?" beantwortet haben.

Wenn Du uns schon länger zuhörst, weißt Du, dass wir fleißig O-Töne sammeln, zu Fragen, die uns wichtig sind. Heute hörst Du nun den ersten Schwung der Antworten auf die Frage "Wofür sind Tiere da?".

Es ist wieder die gesamte Bandbreite vorhanden und einige interessante Zwischentöne- hör doch einfach mal rein :-)

Links zur Folge

Folge 125 - Wie vegan ist Wein?

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Folge 125 - Wie vegan ist Wein?

In dieser Folge

  • halten wir es mal kurz und knapp,
  • erklärt der Winzer Harald Scholl im Mini-Interview, wie vegan Wein sein kann und worauf Du achten solltest und
  • erzählt Carsten vom neusten Stand seines Fotoprojekts "Die Banalität der Tierfabriken".

Was ist denn eigentlich nicht vegan an Wein und warum sind manche Flaschen vegan gelabelt und manche nicht?

Und wenn ein Wein als vegan gelabelt ist- worauf bezieht sich das Label dann?

Diese Fragen beantwortet der Winzer Harald Scholl im Mini-Interview, das ich mit ihm auf der Veggienale in Hannover geführt habe. Kurz und knackig- aber alles drin :-)

Vollständiges Transkript

Stefanie Diese Folge wird eine ganz kurze Folge, denn es wurde uns schon des Häufigeren die Frage gestellt, was denn so mit veganem Wein los ist und wie man das so erkennt und überhaupt. Ich hatte auf der Veggienale in Hannover einen Winzer erwischt, der da einen Stand hatte. Allerdings nicht auf der Veggienale - das ist ja bei der Veggienale geteilt in Veggienale und FairGoods, das heißt, der war in der Sektion FairGoods - und den habe ich gefragt, ob er mir mal die Fragen beantworten kann: Wie vegan ist Wein eigentlich und so. Und er meinte dann, das sei voll das brisante Thema, weil das bei denen gerade ganz heiß diskutiert wird. „Bei denen“ bedeutet im Demeterverband. Das ist ein Demeterwinzer und dort im Verband wird es eben heiß diskutiert, was jetzt vegan bedeutet und was nicht. Wann darf ich mich vegan labeln und wann nicht? Und er hat sich dazu bereit erklärt, mir in mein Mikro zu sprechen und hat es super auf den Punkt gebracht. Deswegen ist es auch relativ kurz und knackig. Aber du erfährst da alles Wichtige, was du über Wein und veganen Wein wissen solltest. Und damit das jetzt hier nicht so eine mini ganz kurze Folge wird berichtet Carsten vorher noch einmal von seinem Fotoprojekt.

Carsten Mein Fotoprojekt, was ich letztes Jahr schon mal gestartet habe.

Stefanie Du erinnerst dich?

Carsten Vielleicht reicht ja der Titel des Projekts. Es heißt „Die Banalität der Tierfabriken“. Hintergrund ist, dass ich in den Landkreis reise oder gereist bin, in dem ich aufgewachsen bin. Ich habe lange überlegt, ob das jetzt mein Heimatlandkreis oder Heimatort ist. Aber ist es lange nicht mehr. Ich bin dem schon irgendwie entwachsen. Also ist es mein Herkunftsort und Herkunftslandkreis. Und ich habe, seitdem ich vegan bin und seitdem ich mich auch dort intensiver mit diesen ganzen Themen beschäftige, festgestellt, dass ich in einer Umgebung groß geworden bin, die nur so vor Tierfabriken und Massentierställen strotzt. Das ist ein absolut gewöhnliches Bild und mittlerweile habe ich auch rausgefunden, dass der Landkreis ein Tourismusproblem hat, weil ja genau diese Tierställe bei den Touristen wohl im Moment und in der Vergangenheit nicht mehr ganz so toll angekommen sind. Die haben sich Strategien überlegt - nicht die Touristen, sondern die vom Landkreis - wie man dem Tourismus dann gerecht werden kann und trotzdem halt diese Tierställe irgendwie weiterbetreiben kann. Weil das ist definitiv eine der Regionen mit der größten Tierdichte in Deutschland und berühmt berüchtigt für die Massentierhaltung. Und mein Fotoprojekt soll einfach zeigen, wie banal diese Tierfabriken teilweise wirklich so im Alltag vorhanden sind und.

Stefanie Wie die sich da auch einfügen in die Landschaft.

Carsten Ja, genau, das sind absolut ja, was ich gerade schon andeutete, eigentlich eine Tourismusgegend, wo man versucht eben die die Natur irgendwo ja zu genießen und es gibt entsprechende auch Wander und auch Radfahrrouten und Naturlehrpfade. Es ist also in einer gewissen Weise schon idyllisch und es gibt auch Seen. Den Dümmer See gibt es da. Das Naherholungsgebiet Dammer Berge ist auch angrenzend. Und in dieser Region selber sind halt, wie gesagt, diese Tierställe allgegenwärtig in allen Ausbaustufen. Vom kleinen Bauer, der einen kleinen Stall nebenher laufen hat bis hin zu den großen Mastbetrieben, die wirklich so in die tausende, zehntausende Tiere reingehen. Und gleichzeitig hat man da aber auch in diesem Landkreis den einen oder anderen Fleisch- oder Geflügelproduzent, der namhaft ist. Also diese PHW Gruppe mit Wiesenhof stammt dort aus dieser Gegend. Eierbarone, so wie sie damals geheißen haben, wie Pohlmann, der dann aufgrund von Tierschutzproblemen, nenne ich es mal sein Gewerbe in Deutschland offiziell niederlegen musste und nach Amerika gegangen ist. Das sind alles so Sachen, die finden sich dort im Landkreis wieder. Und ich versuche das thematisch im Rahmen eines Fotoprojektes zu bearbeiten, in dem ich halt crossmedial unterwegs bin.

Und Hauptdreh- und Angelpunkt ist es, die Anlagen, die ich dort ausgewählt habe, mit einem Schwarz Weiß Foto zu porträtieren, was eben diese Banalität im Alltag skizzieren soll. Gleichzeitig bringe ich aber auch Farbaufnahmen, die ich dann ganz normal digital fotografiert habe, wo ich noch Details von diesen Anlagen mit reinbringe. Und das Ganze wird mit einer Tonspur untermalt, wo ich dann vor Ort akustische Eindrücke gesammelt habe, wo man teilweise auch wirklich nur Wald, Rauschen und Vogelgezwitscher hört, in einigen Tierställen dann aber auch schon die Tiere irgendwie mitbekommt. Und das ist eigentlich extrem obskur und auch irgendwie ja, weiß ich nicht. Ich habe mich unwohl gefühlt, als ich das letzte Mal da war und das Ganze wird eingerahmt durch ein Video. Ich habe bestimmte Videosequenzen aufgenommen, um meine Anreise zu zeigen. Ich bin mit der Bahn angereist, um einfach mal zu zeigen, was spielt sich dann rechts und links der Bahngleise wieder ab? Und habe auch während meiner Fahrt zwischen den einzelnen Anlagen immer mal wieder die Kamera eingeschaltet, um eben doch zu zeigen, wie das Landschaftsbild dort eigentlich aussieht.

Das Ganze sollen absolut keine schockierenden Fotos werden, sondern einfach nur eine Dokumentation von eben dieser Banalität. Ich bin nicht in die Ställe rein. Ich habe mir auch nicht versucht, irgendwie Zutritt zu den Gebäuden zu verschaffen, sondern habe tatsächlich dieses Alltägliche versucht abzubilden. Und was ich im Gespräch mit Freunden und Bekannten dort unten aus der Gegend immer wieder mitbekomme, dass für die das weiterhin alltäglich ist. Sie stellen das halt nicht in Frage, weil die kennen es halt nicht anders. Genau, jetzt bin ich mittlerweile so weit gekommen, dass ich mit diesem Fotoprojekt die Aufnahmen im Kasten habe. Und zwar alle. Sowohl die Audio, die Video als auch die Fotoaufnahmen. Das war im letzten Jahr, als ich den ersten Anlauf genommen habe nicht der Fall. Da bin ich hin und habe meine analogen Aufnahmen getätigt und leider Gottes waren sämtliche Filme total unterbelichtet. Also da ist nichts draus geworden. Jetzt war das so, dass ich in dem Anlauf allerdings auch schon relativ weit im Herbst unterwegs war und ich wollte jetzt keine tristen und traurigen Fotos aufnehmen. Das heißt also, der Winter, die kalte Jahreszeit schied aus, um weitere Aufnahmen zu machen, um das zu wiederholen. Und deswegen bin ich jetzt dieses Jahr im Frühjahr noch mal runtergefahren und habe zwei, anderthalb Tage ungefähr damit zugebracht, 19 Ställe zu porträtieren. Es gibt Hunderte von Ställen dort, was für mich erschreckend war. Ich habe diese 19 Ställe, die waren für mich insofern allgegenwärtig, als dass ich sie alle mehr oder weniger damals aus meiner Kindheit und Jugend kannte. Und die waren alle in einem Radius von ungefähr acht Kilometer von meinem damaligen Herkunftsort entfernt. Also ich musste echt nicht lange fahren, um das alles zu sehen. Genau das ist in der Mache. Ich werde die einzelnen Materialien noch weiter ausbauen und soweit zusammen schneiden und ich stelle mir vor, dass ich das ganze sowohl als Ausstellung vor Ort irgendwo mit anbiete. Da habe ich im Moment noch keine konkreten Vorstellungen, mit wem und wo und wann. Und parallel kann ich mir auch vorstellen, dass ich das Ganze als Internetseite auch noch mal präsentiere.

Stefanie Für alle, die halt nicht bei der Vernissage dabei sein können mit Sektempfang vegan - Also das kommt ja nachher nochmal das Thema - also jedenfalls für alle, die nicht dabei sein können, macht das schon Sinn. Ich habe da auch schon so ein paar Ideen, wie ich das multimedial online umsetzen könnte. Aber da muss ich mich natürlich mit dem Künstler abstimmen. Nee, aber jedenfalls werde ich Carsten da technisch unterstützen, seine Kunst auch ins Netz zu bringen. Und klar, also mal schauen, wie das wird. Es wird bestimmt in Hamburg Möglichkeiten geben, diese Vernissage zu machen und alles, was Carsten jetzt noch braucht ist Zeit.

Carsten Ja, es wird noch ein paar Wochen in Anspruch nehmen, weil gerade die analoge Ausarbeitung, die mir sehr am Herzen liegt, die braucht einfach Zeit. Und ich muss mich dann auch mit den entsprechenden Video Schnitt Themen auseinandersetzen, damit ich dieses eine Video da rausbekomme aus den einzelnen Schnitten.

Stefanie Läuft. Genau. Ja super, dann bist du jetzt auch up to date, liebe Hörerin, lieber Hörer, was Carstens Fotoprojekt anbelangt. Es ist also nicht versandet, sondern es ist in der Mache. Kann man so sagen.

Carsten Ja, kann man so sagen.

Stefanie Gut, ja. Dann würde ich sagen, schwenken wir jetzt noch mal um auf veganen Wein und Ton ab.

Harald Scholl Ich bin Harald Scholl vom Weingut Harald Scholl.

Stefanie Meine Frage ist jetzt zu veganem Wein: Was kann denn daran nicht vegan sein? Am Wein?

Harald Scholl Ja, bei Wein ist die Problematik, dass es Weinbehandlungsmittel tierischer Herkunft gibt. Das kann zum Beispiel Gelatine sein, Kasein, ein Hausenblase, Hühnerei. Das sind so die klassischen Weinbehandlungsmittel tierischer Herkunft, die ich selbst jetzt bereits seit 2003 nicht mehr in Verwendung habe.

Stefanie Und worauf muss ich achten, wenn ich jetzt sage, ich möchte nur veganen Wein haben? Also frage ich einfach nach? Oder steht es irgendwo?

Harald Scholl Zum einen gibt es mittlerweile auch zertifizierte Weingüter, die sich nach einem veganen Label haben zertifizieren lassen. Zum anderen natürlich lohnt es sich, bei dem Weinerzeuger nachzufragen welche Behandlungsmittel verwenden sie und welche nicht. Es ist momentan bei den Zertifizierungen leider so, dass die nicht alle einheitlich sind. Die Kriterien sind zum Teil unterschiedlich. Das heißt, wenn einer das V-Label hat, ist es wieder anders, wie ein anderes Label. Also auch da muss man nachfragen, was beinhaltet das wirklich? Weil manche Labels gehen auch bis in den Anbau hinein, also nicht nur, was bei der Weinbereitung geschieht, sondern auch, was im Weinberg passiert. Also da muss man nachfragen, wie weit das Label reicht.

Stefanie Und was könnte jetzt im Weinbau passieren?

Harald Scholl Ja, im Weinbau zum Beispiel geht es um die Frage, zum einen jetzt vom Boden her, wie gesagt Düngemittel. Und da kann man zum Beispiel also Düngemittel tierischer Herkunft verwenden, organische Düngemittel. Ja, das wäre zum Beispiel ein klassisches Thema dazu. Und dazu muss ich auch sagen, da habe ich von meiner Seite aus das in meinem Betrieb entsprechend unterschiedlich gehandhabt. Also ich bin vom Anbau her nicht vegan, weil es im Prinzip keinen Demeterzertifizierten, tierfreien Anbau gibt. Bei uns spielt das Tier eine Rolle. Wir haben Präparate, die in Tierhüllen hergestellt werden. Das gehört zu Demeter. Allerdings ist das, was die Kunden am meisten interessiert ,der ganze Werdegang von Trauben bis zum Wein. Tierfrei sozusagen.

Stefanie Okay, Sie hatten gesagt, dass das so brisant ist mit den Veganern und so. Was ist da so brisant?

Harald Scholl Ja, brisant ist, dass ich immer die Leute, die sich einen vegan erzeugten Wein wünschen, erst mal zurückfragen muss: Wie weit geht Ihre Vorstellung? Betrifft es nur die Weinerzeugung? Betrifft es auch das, was draußen im Weinberg passiert, den Anbau, dass hier alles tierfrei läuft? Brisant ist auch, dass es viele konventionell erzeugende Winzer gibt, die sich vegan nennen. Aber auch hier muss man den Kunden fragen: Pflanzenschutzmittel, die eingesetzt werden, klassische Pflanzenschutzmittel, werden alle mit Tierversuchen geprüft. Das ist ein Teil des Zulassungsverfahren. Das heißt, wer Pflanzenschutzmittel einsetzt, ist im Weinberg auch nicht mehr 100 % vegan. So, und wie weit man dieses vegan fasst, das ist das Thema, was momentan noch nicht durch irgendeine staatliche Regelung festgelegt ist. Und die privaten Labels, die handhaben das unterschiedlich. Das heißt, brisant ist für den Kunden, wie weit fasst er vegan und was möchte er wirklich haben? Und er kann es bisher noch nicht so an den Labels praktisch wahrnehmen, erkennen. Er muss nachfragen.

Stefanie Und gibt es so einen von Anfang an bis zum Ende veganen Wein? Wissen Sie das? Gibt es so was?

Harald Scholl Ja, im Prinzip gibt es das schon. Aber wie gesagt, jeder, der in irgendeiner Form ein geprüftes Pflanzenschutzmittel einsetzt - und das geschieht auch im Öko Weinbau, auch wenn das jetzt harmlosere Pflanzenschutzmittel sind, aber auch da sind es geprüfte Mittel. Es ist ein Teil des Zulassungsverfahren, dass dabei Tierversuche laufen - und solange es das gibt, gibt es eigentlich, wenn man es ganz genau betrachtet, kein 100 % vegan, sondern immer nur stufenweise ein Abgestuftes, wo man sagen kann weitgehend. Und das gibt es sicherlich in der Ausprägung, wo man sagen kann einer verwendet keine, wie gesagt, Düngemittel tierischer Herkunft, keine Weinerzeugungsmittel. Das ist dann schon sehr weitgehend.

Stefanie Ja, Dankeschön.

Harald Scholl Bitte.

Carsten So, nachdem wir jetzt ja den Winzer Vegan gehört haben.

Stefanie So möchte er nicht heißen, er hat sich mit Namen vorgestellt, also.

Carsten Lag mir auf der Zunge. Musste ich jetzt loswerden. Okay, möchten wir uns noch ganz herzlich bei allen Hörerinnen und Hörern bedanken. Bei allen Personen, die uns so wunderbar auf Steady unterstützen. Bei allen, die uns bisher entsprechende iTunes Rezensionen und viele, viele Sternchen geschenkt haben. Und natürlich auch bei Dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, für das kontinuierliche Mithören und hoffentlich auch die Neugierde auf neue Folgen.

Stefanie Genau. Und natürlich auch von mir ganz, ganz herzlichen Dank. Und ja, das ist jetzt einfach nur eine ganz kurze Folge. Aber wir wollen sie auch nicht künstlich verlängern durch irgendwelche doofen Scherze oder so.

Carsten Haben wir eh nicht auf Lager.

Stefanie Nein, wir sind...

Carsten Genau, so staubtrocken, wie wir jetzt angefangen haben. Hören wir jetzt auf In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

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Folge 124 - Leben ohne Supermarkt

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Folge 124 - Leben ohne Supermarkt

In dieser Folge

  • erzählt Carsten von der Veranstaltung "Leben ohne Supermarkt" vom KEBAP,
  • berichtet Carsten welche Intiativen sich an der Diskussion beteiligt haben und
  • erklärt Carsten welche Möglichkeiten es gibt ohne Supermarkt zu leben.

Im Rahmen des Programms „Kurze Wege für den Klimaschutz“ des Bundesumweltministeriums hat der KEBAP e.V. das Projekt "Eine Klimaküche für Altona" initiiert.

Beim ersten Diskussionsabend ging es um das Thema "Leben ohne Supermarkt". Carsten war dabei und berichtet in dieser Folge davon.

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Earthumanimal: ein Rückblick

Ein Beitrag

Folge 123 - Earthumanimal: ein Rückblick

In dieser Folge

  • spreche ich nach vielen Monaten Pause endlich wieder mit Aiko über ihr Projekt "Earthumanimal"
  • erzählt Aiko, wie ihr seit der letzten Podcastfolge ergangen ist und
  • berichtet Aiko, wo sie jetzt ist und wie ihr Leben aktuell aussieht.

Das Projekt "Earthumanimal", das vor einem Jahr in Hamburg startete, ist nun beendet. Aiko und Peter haben alle drei Stationen, die sie geplant hatten, bereist und viele Erfahrungen gesammelt.

Als wir die letzte Folge aufgenommen haben, waren Aiko und Peter gerade in Ecuador, mitten im Dschungel, haben sich rohvegan ernährt. Das war Station 2, Human.

Wie es damals weiterging, was dann in Australien, Station 3- Animal, passierte und wo sich Aiko und Peter heute befinden, das hörst Du in dieser inspirierenden Podcastfolge.

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Folge 122 - Im Gespräch mit Friederike Schmitz

Ein Beitrag

Folge 122 - Im Gespräch mit Friederike Schmitz

In dieser Folge

  • spricht Carsten mit der Philosophin und Autorin Friederike Schmitz über Tierethik,
  • gibt Friederike einen Überblick über die Grundlagen der Tierethik und
  • erklärt Friederike wie sie mit Kindern über Tierethik spricht.

Friederike Schmitz ist nicht nur Tierrechtlerin und Autorin, sondern auch Referentin und in dieser Tätigkeit haben wir sie auf der VeggieWorld in Hamburg erlebt.

Carsten hat daraufhin die Chance ergriffen und Friederike um ein Interview zum Thema Tierethik gebeten und herausgekommen ist ein wunderbar vielseitiges. leichtes Gespräch, das durchaus in die Tiefe geht, aber nicht zu schwer wird.

Friederike erzählt von ihren Erfahrungen mit Workshops, die sie in Schulen gibt und erklärt unter anderem warum auch Kneipengespräche tierethische Diskussionen sein können.

Hör am besten gleich einmal rein.

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Folge 121 - Wie nimmst Du Veganer wahr?

Ein Beitrag

Folge 121 - Wie nimmst Du Veganer wahr?

In dieser Folge hörst Du, was NICHT-Veganer*innen auf die Frage "Wie ist Deine Außenwahrnehmung von Veganer*innen" antworten.

Es ist wieder sehr spannend und die Bandbreite geht von sehr positiv über neutral bis hin zu sehr negativ- alles ist dabei.

Hör doch einfach mal rein.

Was machst Du, wenn Dir alles zuviel wird?

Ein Beitrag

Folge 119 - Was machst Du, wenn Dir alles zuviel wird?

In dieser Folge lassen wir wieder andere Veganer*innen zu Wort kommen.

Wir haben auf veganen Messen und bei anderen Gelegenheiten immer wieder Veganer*innen die Frage gestellt: Was machst Du, wenn Dir alles zuviel wird (in Bezug auf das Tierleid)?

Die verschiedenen Antworten hörst Du in dieser Folge.

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Stefanie Für eine bessere Tonqualität, die wir jetzt ausprobieren, sitzen wir heute unterm Regenschirm (lacht).

Carsten Bei sonnigem Wetter, muss man dazu sagen Ich komme mir auch so ein bisschen, hm.

Stefanie Carsten fühlt sich etwas unwohl. Aber wir versuchen jetzt gerade den Schall, den Schall, den Hall.

Carsten Den Hall-Schall.

Stefanie Den Hall-Schall zu dämpfen, und experimentieren, und du kannst dann nachher sagen, ob das jetzt besser geworden ist oder nicht.

Carsten Ja, Experimentieren ist der richtige Begriff.

Stefanie Wir tun alles für eine bessere Tonqualität. Schon allein bei der Aufnahme. Also ich musste ja jetzt feststellen, dass dieses Ticken tatsächlich von meinem veralteten Laptop kommt. Und das tut mir wirklich sehr leid, dass ich dadurch immer die Aufnahmen so ein bisschen störe. Das ist leider bei den Sencasteraufnahmen, also den Interviews, ist es sofort von Anfang an jetzt so, dass es tickt. Und ich habe jetzt mal ein Interview über Zoom aufgenommen, also den Anbieter Zoom, und da war es nicht so, also es muss irgendwie an dem Festplattenspeicher liegen. Das es dann sofort anfängt zu ticken, und, also momentan sind meine finanziellen Möglichkeiten so begrenzt, dass ich jetzt mir nicht sofort einen neuen Laptop kaufen kann. Aber wir testen weiter.

Carsten Genau. Wir haben da noch so ein paar Alternativen, die wir durchtesten wollen. Und heute beginnen wir mit dem Regenschirm in der eigenen Wohnung.

Stefanie Alles nur für den besseren Klang. Also wir hoffen, dass du jetzt hier unsere Stimmen wohltönend.

Carsten In 3D.

Stefanie In 3D.

Carsten Dolby Surround oder so. Was wollen wir denn heute eigentlich in Dolby Surround besprechen?

Stefanie Genau. Also heute hörst du wieder einige O-Töne, die wir in den letzten Monaten gesammelt haben. Und zwar diesmal zu der Frage: „Was machst du, wenn dir alles zu viel wird?“ Wir hatten diese Folge auch schon mal eingesprochen, und dann habe ich sie aus Versehen gelöscht.

Carsten Ja.

Stefanie Deswegen weiß ich jetzt nicht mehr, welche Witze wir gemacht haben. Ich glaube auch nicht, dass wir so viele Witze gemacht haben, weil das Thema nicht so.

Carsten Erstens hatten wir keinen Regenschirm (lacht).

Stefanie Ja, wir optimieren halt.

Carsten Und zweitens ist es ein eher bedrückendes Thema.

Stefanie Ja, aber deswegen ist es umso besser. Ich weiß noch, dass ich gesagt habe, dass also, das war, wir haben die Folgen aufgenommen, da hatte ich das frisch alles geschnitten, und da hatte ich das alles noch so im Kopf, was die Menschen, die, deren Antworten wir gesammelt haben, gesagt haben. Aber ich weiß noch, dass es so war wie auch bei der Frage „Wo ziehst du deine persönliche Grenze“, dass es teilweise missverstanden wurde, also nicht so, wie wir es wollten.

Carsten Ja, ich habe vergessen, oder nicht explizit gelenkt in diesen Gesprächen.

Stefanie Ja, also bei dem ist es aber auch generell, also ich glaube bei einem: Also was machst du, wenn dir alles zu viel wird? Das war das mit der Wurst im Topf, wenn der Geruch zu viel wird, aber das im Sinne von „oh, das ist so lecker, ich muss jetzt unbedingt wieder diese Wurst essen“, dann muss ich schnell weggehen. Also das war so mein, ja, also das ging so komplett in die andere Richtung. Das meinte ich jetzt überhaupt nicht.

Carsten Aber es ist interessant, was für Gedankengänge das anstößt.

Stefanie Genau. Also ich meinte jetzt in Bezug auf das Tierleid, wenn dir da alles zu viel wird, also ethisch gesehen und so. Und genau, es gibt Menschen, die auch sagen ja, das habe ich nicht, die habe ich meistens eben auch rausgeschnitten.

Carsten Und bevor wir jetzt zu viel vorweggreifen, würde ich sagen, lass uns doch einfach in die Antworten reinhören.

Befragte Person 1 Ich kenne das sehr gut, dass man in so einem Loch ist. Mir geht es auch, also besonders bei dem Thema Tiere geht es mir ganz genauso, dass ich wirklich, wenn ich, also ich fühle in mir die Pflicht, mich damit auseinanderzusetzen. Und jedes Mal, wenn ich das tue, ist es aber trotzdem ganz, ganz schrecklich und unglaublich belastend für mich. Ich habe für mich persönlich noch keine super Strategie, wie ich mich da wieder raushole. Wir sind zum Glück zu zweit und meistens, wenn ich down bin, dann zieht Marek mich raus, und wenn Marek down ist, dann ziehe ich ihn wieder hoch. Also zum Glück können wir uns da gegenseitig sozusagen immer weiterhelfen.

Befragte Person 2 Also bei mir kommt noch hinzu, also das ist ein Teil meiner Strategie, dass in dem Moment, wo ich, und ich werde wirklich überhäuft mit negativen Meldungen in Richtung oder aus der Richtung des Tierliedes, dass ich mich auch sehr bewusst mit Informationen oder auch mit Filmen oder auch mit Büchern oder anderen Dingen eindecke, die andere Geschichten erzählen. Denn man kann eigentlich fast jeder Geschichte, die noch so brutal ist, auch eine gute Geschichte gegenüberstellen, die mag vielleicht nicht so mächtig sein, weil sie vielleicht nicht diese Dimension hat. Aber manchmal reicht es auch, eine kleine Geschichte zu hören, die einem helfen kann, auch da wieder Hoffnung und Mut zu fassen. Und manchmal mache ich das ganz bewusst, schaue mir einen schönen Film an, lese ein schönes Buch, lese einen entsprechenden Artikel oder was auch immer da passieren kann. Da gibt es eben auch so ein kleines Instrumentarium, und übers Internet findet man ja alles Mögliche. Und manchmal ist es eben nur eine Geschichte, in der jemand ein Tier gerettet hat aus der Not. Und wie gesagt, das ist vielleicht nur klein gegen das ganze große Leid, aber es ist zumindest ein Moment, der einem zeigt, dass es auch anders gehen kann. Und das ist viel wert.

Befragte Person 3 Das habe ich ehrlich gesagt nicht so stark. Ich habe dann eher so einen allgemeinen Weltschmerz, also dass ich mir schon anschaue, was auch einfach Menschen für Scheiße bauen, anderen Menschen gegenüber oder dem Klima gegenüber. Also so eine Gesamtheit, und was da dagegen hilft, ist tatsächlich wirklich an die Macht der kleinen Schritte zu glauben, also wirklich was Positives dagegen zu setzen. Ich bin zum Glück große Optimistin und habe auch das Glück, dass in diesem Gastrokontext, Food Kontext ich natürlich in Berlin auch mit sehr vielen Leuten umgeben bin, die ganz tolle Projekte machen, die wirklich was verändern, in kleinen Schritten, mit kleinen Unternehmen. Aber das gibt immer Hoffnung, also dass man wirklich sieht, es gibt Leute, die machen was anders, die machen was Tolles. Und ja.

Befragte Person 4 Ja, es ist schwierig. Also ich habe am Anfang, also bevor ich vegan geworden bin, und am Anfang der veganen Zeit habe ich sehr viele Dokus geguckt. Ich habe mir, ja, diese ganzen Schlachthofszenen reingezogen, und inzwischen vermeide ich es. Also ich, ich schaue es mir einfach nicht an und versuche das irgendwie auszublenden. Aber auch nur aus dem Grund, dass ich sage, dass ich es ja direkt nicht mehr unterstütze. So, das ist so ein bisschen das, was mich da so runterholt. Ja, also ich versuche es schon bewusst zu meiden.

Befragte Person 5 Oh, das ist so schwierig. Also eigentlich, also ich mache eigentlich nichts konkret, damit es mir wieder besser geht, weil ich mir dann, ich halte das aus, weil ich glaube, es ist auch ganz wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, warum man das macht und warum das so wichtig ist. Und auch mal diese Trauer oder diesen Schmerz auszuhalten, damit man eben weiß, man kommt, dass man aus seiner Blase auch mal wieder ein bisschen rauskommt und sieht: So, so ist es da draußen wirklich, so scheiße ist das. Und…also ich halte es aus, und dann warte ich, bis es vorbei ist, und dann komme ich aber wieder bei mir selber an und freue mich, dass ich für mich sagen kann, ich trage dazu nicht bei, das ist nicht meine Schuld. So, und ich kann halt, was mir dann halt die Motivation gibt, ist dann zu sagen: Ich tue mein Bestes, um andere Menschen nicht davon zu überzeugen oder sie auch nicht zu manipulieren, aber ihnen vorzuleben, dass es auch anders sein kann. Und damit kann ich dann für mich diese Dinge ein bisschen relativieren und geraderücken.

Befragte Person 6 Ja eine Strategie ist Ablenkung, einfach. Es ist schon sehr, finde ich, sehr, sehr belastend und schmerzhaft. Kann das sein? Ich finde, das löst auch so eine Assoziationskette aus. Dann gehen bei mir Bilder ab, und ich muss mich da schon ganz, ganz stark bremsen und dann gezielt ablenken durch Musik oder irgendetwas anderes.

Befragte Person 7 Wenn ich also konfrontiert bin mit Tierhass und Gewalt gegen Tiere und gegen die Umwelt, und mich das sehr stark deprimiert, dann kann ich da eigentlich so gut wie gar nichts dagegen machen, außer das wirklich auszusitzen und mir zu überlegen, in welchen Bereichen ich dazu nicht mehr beitrage. Und das, mit den kleinen Schritten, die ich mache, baue ich mich dann wieder auf.

Befragte Person 8 Also für mich gibt es da, also ich kann mich da auch durch nichts mehr aufbauen. Also das ist so schlimm, dass es da eigentlich auch nichts gibt, was man dagegen jetzt tun könnte, sich da aufzuheitern. Vielleicht höchstens mal mit einem Kater schmusen oder so was. Aber das ist es eigentlich auch dann.

Personen im Hintergrund Stimmt. Das hast du schön gesagt. Ja, ich auch.

Befragte Person 10 Ich kuschel meine Katzen ganz intensiv und gucke mir oft Videos an von Tierrettern. Tiere, die in Not sind, die gerettet wurden. Das, daran merke ich halt es gibt ja doch Menschen, die sich für die Tiere einsetzen. Und das ist ja doch alles nicht umsonst, weil es wird dem einen oder anderen Tier ja schon geholfen. Das hilft mir dann, darüber wegzukommen.

Befragte Person 11 Ich unterhalte mich mit Menschen, die ähnlich fühlen wie ich, und ich tausche mich aus mit Gleichgesinnten. Das hilft mir.

Befragte Person 12 Nein, ganz viel Wein, ganz viel Wein. Was mir wirklich immer geholfen hat, ist, mich mit anderen Veganern auszutauschen. Es gibt irgendwie Kraft. Ja, das.

Befragte Person 13 Ja. Also auch auf Tierleid. Aber ich finde, wenn man es dann halt auch ein bisschen weiterdenkt, kann man ja genauso gut Bananen (?) und so und das wird mir tatsächlich dann manchmal viel zu viel. Aber dann denke ich immer, es ist ja schon mal gut, dass man einen Anfang macht und ich mit meinen Entscheidungen, also die schon treffe irgendwie was besser machen kann. Und ja, ich glaube, es ist immer ganz wichtig, das irgendwie so von Tag zu Tag und den das kleine eigene Bild zu sehen und ja, irgendwie so versuchen ein positives Beispiel zu sein für andere, aber schwierig.

Befragte Person 14 Also ich versuche immer mir zu sagen, dass ich persönlich schon alles mache, was ich tun kann, und weil ich mir dann auch wieder so Ziele setze und sage also ich habe jetzt gerade mein Studium abgeschlossen und arbeite zwar noch in einer Designagentur, aber langfristig möchte ich auf jeden Fall auch in den Bereich gehen, irgendwie Veganismus auf welche Art und Weise auch immer mehr an die Menschen zu bringen. Also, und das sage ich mir auch, dass ich das als Ziel habe, und das schon ein großer Schritt ist, das irgendwann, irgendwann wird es besser werden. Ich glaube einfach daran, dass es zukünftig immer mehr wird.

Befragte Person 15 Also ich selber denke eher eine Situation, wo ich mit Tieren zusammen war, die ich selber sehr gemocht habe, aber so, dass ich wirklich eine Bindung habe. Jetzt sei es Hunde, sei es früher vom Reiten mit Pferden, sei es, ja auf dem Bauernhof gearbeitet habe und ich habe dann mich mit den Kälbern oder so mich beschäftigt, oder die Kühe gestreichelt. So was eher. Das hilft mir jetzt halt, wirklich diese positive Beziehung zum Tier. Um halt eben von diesen Bildern so wegzukommen.

Befragte Person 15 Ich finde es wichtig, diese Sachen zu sehen. Ich muss, ich finde es nicht wichtig, mich damit zu quälen. Ich finde es wichtig, sie zu sehen und daraus Kraft zu ziehen, damit ich weiß, wofür, wofür ich es tue oder wofür ich das lasse, was ich lasse. Also, dass ich das Tierleid so gut wie möglich, so gut mir möglich sein lasse.

Befragte Person 16 Okay, also ich glaube, sich irgendwie auch klar zu machen, dass ich für meinen Teil alles tue, damit es vielleicht sich so eine Situation ändert. Vielleicht auch sagen okay, man redet bewusster auch mal mit Leuten drüber, um vielleicht auch aufzuklären, aber es ist glaube ich, sehr schwierig damit. Es gibt auch Tage, an denen glaube ich, wenn man sich so was anguckt, wo man denkt, woah, also egal, was ich jetzt mache, wenn ich jetzt sage, okay, ich ernähre mich vegan, aber wen interessiert das? Macht ja nicht so viel. Ich glaube, ich versuche mir dann bewusst zu machen, dass jeder kleine Schritt in die richtige Richtung was bringt. Und vielleicht auch natürlich, man will niemandem auf die Nerven gehen damit. Aber ich habe auch durchaus meiner Familie, die nun wirklich Fleischesser pur sind, also ich komme aus so einer Familie, die wirklich sehr viel Fleisch isst, auch mit denen darüber zu reden und denen mal bewusst zu machen, was sie…und es hat da durchaus dazu geführt, dass sie auch mal drüber nachgedacht haben. Und ja, genau. Da diese Kleinigkeiten, sich daran zu erinnern, dass man mit Kleinigkeiten vielleicht auch schon was bewegt, kann einem schon helfen.

Befragte Person 17 Ähm, ich kontaktiere dann meistens andere Veganer, die sich auch vegan erleben, weil gerade aus dem Aspekt, dass ich das jetzt noch nicht so lange mache und es einfach für mich bisher immer wieder neue Sachen gibt, die mich erschüttern sozusagen, wenn ich, wenn ich das sehe, wenn ich darüber mir was anschaue oder wie auch immer, und dann einfach den Kontakt zu anderen suche und überlege, okay, gut, wir sind jetzt quasi schon an diesem Punkt, wo wir sind. Aber wie könnten wir denn als unser kleines Rad so „Hey, was ist deine Idee? Wie könnten wir vielleicht irgendwie ein bisschen was dagegen machen oder verhindern, dass das in Zukunft so weiter sein wird?“ Es ist zwar nicht gerade die weltbewegendste Lösung, aber es fängt halt irgendwo an, und das hilft mir halt ein bisschen. Der Gedanke, dass man vielleicht irgendwie, wenn genug Menschen diesen Gedankengang hätten, was könnte man selbst eigentlich verändern? Dann würden das sehr viele Menschen denken, und dann könnte man sehr viel verändern.

Befragte Person 18 Oh, schwierig. Also ich muss gestehen, ich versuche mal, mich so ein bisschen mir das nicht anzutun, ständig so was anzuschauen. Aber klar beschäftigt man sich damit viel. Und ja, ich versuche dann einfach wirklich oder sage mir dann einfach, es ist richtig, dass ich vegan lebe, und es ist ein Schritt. Ich alleine kann nicht viel ausrichten, aber ich für mich muss ja erst mal den Weg gehen und dann, wenn andere den Weg auch gehen, dann geht es vielleicht irgendwann den Tieren generell besser.

Befragte Person 19 Also ich versuche mich, ich versuche mich einfach daran zu erinnern, dass ich dadurch, dass ich halt vegan geworden bin, doch ziemlich viel Gutes damit tue. Ähm, und versuche einfach diese schlechten Bilder einfach aus dem Kopf zu verdrängen. Also klar, man sieht die überall, man sieht die bei Facebook, und ab und zu schaut man sie sich doch mal an und hat dann so zwei drei Stunden, da geht es einem schlecht. Aber ich denke mal, wenn man vegan geworden ist und weiß, wofür man es tut, dann kann man glaube ich da drüber stehen und man weiß ja auch, man trägt da nicht mehr einen Teil dabei zu. Also man weiß ja, dass man in diesem…dass man jetzt nicht mehr dieses Leid verursacht.

Befragte Person 20 Ähm, ich habe festgestellt, dass es mir gut hilft, wenn ich Zeit mit anderen Veganern verbringe, weil ich mich da nicht mehr so hilflos und alleine auf dieser Welt fühle gegen das Böse, was ja existiert. Und dann hat man das Gefühl, es gibt doch echt noch so viele Menschen, die genauso denken und denen es genauso geht und die auch dafür kämpfen. Und das motiviert einen dann, halt sich zusammenzureißen und zu sagen: Okay, jetzt hör auf zu heulen, ändere was da dran.

Befragte Person 21 Also was ich mir immer gerne anschaue, ist „Esther The Wonder Pig“. Die finde ich halt total, also ich finde das so aufbauend, mir die Videos von ihr anzusehen und von dieser ganzen Familie anzusehen. Weil das so meine Traumvorstellung von einer glücklichen Familie ist, wie sie irgendwann hoffentlich noch viel häufiger zu finden sein könnte. Ja, das mache ich. Und ich rede einfach ganz, ganz viel mit meinen Freundinnen und Freunden darüber. Und die bauen mich dann eigentlich auch schon immer super auf.

Befragte Person 22 Wenn mich das Tierleid so runterzieht, was tatsächlich öfter mal vorkommt, wenn ich mir das alles nochmal auf einmal angucke und mir das bewusst mache, dann konzentriere ich mich nicht darauf, was alles so schlecht ist, sondern ich konzentriere mich darauf, was ich Gutes dafür tue, dass das alles beendet wird. Dass wir auf einem sehr guten Weg dahin sind, dass das reduziert wird und irgendwann ein Ende haben wird und sehe, was ich dafür tue und wie ich es tue. Indem ich Organisationen wie ProVeg international unterstütze und ja halt weiß, dass ich selbst vegan lebe und damit unglaublich viel bewirke, zum Beispiel auch in meinem Umfeld, bei meinen Freunden. Inzwischen sind mehrere meiner guten Freunde vegan geworden, mein Freund ist fast vegan und da sieht man einfach, wie viel Einfluss man haben kann, wenn man das einmal auf eine so schöne Art und Weise rüberbringt. Und dass es was bewirkt, dass man wirklich große Wirkung hat und dass ich mich auf das Gute eben konzentriere.

Befragte Person 23 Ja, Rituale eher nicht so. Also es ist schon so, wenn man sich da sehr rein vertieft oder plötzlich eine Situation hat, man überholt auf der Autobahn einen Tiertransporter, mir steht das Leid sehr global plötzlich vor Augen und kann mich schon runterziehen. Und ich muss es dann wirklich wegdrücken und mir sagen, ich bin jetzt einfach auf einem guten Weg. Und ja, die Traurigkeit sage ich mal, die vielleicht bleibt, ist, dass ich nicht schon viel, viel früher vegan geworden bin. Aber ich denke, so geht es halt vielen. Also bei mir ist es so ein bisschen verdrängen und natürlich auch sagen, das, was ich tue mit meiner Arbeit, ähm, jetzt mit dem veganen Catering oder mit dem Tierschutz, wo ich mich einbringe, dass man da doch ein Teil dann auch wieder gut macht, besser macht.

Befragte Person 24 Man verdrängt das ein bisschen, aber man sagt, man hat das für sich, macht man das dann wieder, ohne dass die Tiere nicht getötet werden dann, und so.

Befragte Person 25 Ja ich selber, ich habe kein Ritual oder ähnliches. Bei mir ist es schon eine Katastrophe, wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit einen Vogel tot fahre, weil der mir genau vors Auto geflogen ist und ich nicht mehr bremsen konnte. Dementsprechend ist für mich dann auch der Tag oder die Woche schon mal hinüber. Ja.

Befragte Person 26 Ich versuche mich in so traurige, bedrückende Gefühle nicht ganz doll reinfallen zu lassen. Einfach weil ich weiß, wie schlimm das halt sein kann und wie viel Schmerz da drin steckt. Wenn ich den selber aber so massiv spüre, ist da keinem geholfen. Deshalb versuche ich mich ganz bewusst eher darauf zu konzentrieren, was halt schön ist und was ich mit dem, was ich eben täglich entscheide, an positiver Veränderung bewirken kann und versuche wirklich, mich bewusst auf die positiven Sachen zu konzentrieren und weniger auf den Schmerz. Das kann man natürlich nicht immer. Aber ich versuche wirklich auch bewusst zum Beispiel Konfrontationen zu vermeiden, mit schrecklichen Bildern oder Videoaufnahmen. So was gucke ich mir nicht noch extra an. Ich weiß, wie schlimm es ist. Und ja, entscheide lieber jeden Tag bewusst etwas Positives in die andere Richtung.

Befragte Person 27 Meine Familie ist mein Halt. Das muss ich sagen, ich nehme da meine Familie in den Arm, meine Kinder in den Arm und weiß, dass da … flüchte mich in meine heile Welt.

Befragte Person 28 Im Grunde genommen bin ich seit fast schon fünf Jahren, ernähre ich mich vegan und bin aus der Phase raus, dass ich das so nah an mich ran lasse, dass mich das runterzieht. Also tatsächlich, grundsätzlich wenn ich schlecht drauf, dann gucke ich mir lustige Tiervideos auf Facebook an, so ein Spaß. Aber mich zieht das nicht mehr so runter. Ich weiß, dass es da ist und ich lebe damit und versuche mir meinen Teil dazu zu leisten.

Befragte Person 29 Also ich denk dann immer daran, dass ich selbst schon einen ersten Schritt gemacht habe, um dieses Elend halt zu bekämpfen oder zu verringern und weiß, dass allein dadurch, dass ich es mache, es schon auch nur ein ganz kleiner Schritt besser ist. Und ich denke dann immer an diese Geschichte mit dem Schmetterling. Ein Schmetterling kann so mit seinem Flügelschlag in 300000 Kilometern Entfernung einen Orkan auslösen. Und genauso denke ich dann halt.

Befragte Person 30 Also ich finde gar nicht, dass es darum geht, dass es mir besser geht. Ich mache das ja, ich mache das ja den Tieren wegen und nicht wegen mir. Also wenn es mir dann schlecht geht, wenn ich so was gesehen habe, dann ist das ja richtig so, denn ich will nicht unbedingt, dass es mir gut geht, sondern dass es den Tieren gut geht.

Befragte Person 31 Also ich fühl mich auch irgendwie schlecht auf eine Art, wenn ich so was sehe. Aber dann gibt es ja, dann unterhält man sich mit anderen Veganern und sieht all die Produkte im Supermarkt und sieht, dass es eben einen anderen Weg gibt und sieht, dass sich die Welt ja durchaus verbessert in der Hinsicht, dann fühlt man sich auch besser.

Befragte Person 32 Also ich bin eben Musik, ein Musikmensch, von daher

Befragte Person 33 (Befragte Person 32 übersetzt die Frage auf Französisch für eine danebenstehende Person und übersetzt deren Antwort auf Deutsch) Er meint, er muss sich das gar nicht erst anschauen, weil er es inzwischen weiß, und dann hält er sich da einfach, also er muss sich das nicht nochmal geben, quasi.

Befragte Person 34 Mir geht es ja nicht schlecht. Ich kann dir nur ehrlich antworten, weil das Tierleid ist nur insofern eine Möglichkeit, dass einem schlecht geht, wenn man nicht bewusst ist, das passiert ja. Und wenn ich diese Energie mit aufnehme und weitergebe, dann ist das so ähnlich wie gegen Atomkraft zu protestieren, aber nicht für regenerative Energie. Also die Energie ist eine komplett andere. Wenn ich keinerlei Vorwurf habe, auch dass das gerade so ist und leidend aussieht, das würde bedeuten, dass Einfluss auf mich hat. Hat es aber nicht.

Befragte Person 35 Vielleicht einfach mal abschalten und einfach mal sich nicht damit beschäftigen, weil zwei, drei Tage, wenn man sowieso schon vegan lebt, denke ich, dass man das dann gut machen kann. Einfach mal, ja, Handy aus, Fernseher aus und einfach mal nicht damit beschäftigen. Und das heißt ja dann auch nicht, dass man dann nicht bewusst ist, aber dass man das auch mal braucht.

Befragte Person 36 Ich gucke es mir nicht an und lebe weiter vegan, weil es gibt ja genug.

Befragte Person 37 Dann stelle ich mich auf Mahnwachen und protestiere gegen die Zustände, die jetzt gerade existieren. Um was dagegen zu tun.

Befragte Person 38 Das passiert mir eigentlich nicht so schnell, weil ich immer versuche, eben aus meinen Möglichkeiten das Beste zu machen. Und ich merke ja auch, dass dadurch, dass ich mit anderen spreche, das auch auf andere abstrahlt und das dann auch wieder was Gutes bewirkt. Und insofern kann ich da ganz positiv mit umgehen, auch wenn ich weiß, dass viel Schlechtes passiert in der Welt.

Befragte Person 39 (kurz unverständlich) Kommt vor, mich auf die Atmung zu konzentrieren, und dann halt durch die Einatmung in die Ruhe zu kommen. Genau. Und das dann halt wieder, in meinen Körper rein zu fühlen, zur Ruhe zu kommen.

Befragte Person 40 Flucht in andere Welten. Ich setze mich aufs Sofa, spiele Videospiele, gucke Filme. Und so schotte ich mich von all dem Schlechten ab, was auf der Welt passiert.

Befragte Person 41 Ja, also ich hatte damit auch ein bisschen Probleme zwischendurch. Am Anfang schon so der Preachy-Veganer, ja, der versucht alle zu bekehren. Ist meistens nicht der richtige Weg. Und ich glaube, man muss sich einfach darauf konzentrieren, dass man im Prinzip schon macht, was man kann. Ja. Und von da aus einfach guckt, wie man das weiter macht.

Befragte Person 42 Also ich lass mich schon gerne schnell mal so ein bisschen unruhig machen durch dieses Uneinsichtige der Leute. Wenn man mit Leuten darüber spricht und einfach immer nur Konter kommt und gar keine Einsicht. Ja, auch dann vielleicht beleidigende Kommentare, da lasse ich mich schon gerne auch mal aus der Ruhe bringen und mach mir dann den Kopf darüber, wie ich es anders formulieren könnte. Ähm, ja, aber ich versuche einfach die Leute nicht anzugreifen, indem ich ihnen darüber erzähle und versuche irgendwie auf eine positive Basis den zu vermitteln, dass sie da ein bisschen positiver herangehen, anstatt sie jetzt anzugreifen. Dass das, was sie machen, die nicht vegane Ernährung, dass es falsch ist, sondern ihnen einfach vielleicht Anregungen zu geben, wie man es Schritt für Schritt besser machen könnte. Ohne jetzt direkt vorzuschreiben „Werde vegan, mach es drastisch, mach diesen Schritt“, sondern einfach langsam ein bisschen hin zu leiten, dass sie so bisschen ins Nachdenken überhaupt erst mal kommen. Das macht es für mich ein bisschen leichter, weil dann auch der Konter, dass was zurück kommt, an Negativem ein bisschen geringer ist und man nach und nach durch Gespräche das alles trotzdem ins Rollen bringt.

Befragte Person 43 Ich bin da sehr, sehr positiv veranlagt und bin der Meinung, dass jeder, der sich bewusster ernährt, da eine große Hilfe ist. Auch im Freundeskreis merkt man das ja, wenn Leute mitbekommen, man es selber vegan und sagen dann okay, ich versuche das jetzt auch mal oder ich habe übrigens mal was Veganes gekocht oder sagen, ich versuche gerade meinen Fleischverbrauch zu reduzieren und so, dann finde ich ist das schon eine große Hilfe. Und wenn man das selber ist, dann kann man da natürlich auch ein guter Einfluss auf andere Person sein.

Befragte Person 44 Ja, ich finde, manchmal hat man dann doch so die Situation, wo man dann denkt ach so eine …gerade letztens hatte ich das mit so einer Kohlwurst, die man ja im Grünkohl kennt. Ja, und da waren wir bei meinen Eltern gewesen, und ich mach den Topf auf und dann ist diese Kohlwurst da drin. Und dann musste ich aber auch ganz schnell nach Hause und ins Bett, damit diese Gelüste endlich verschwinden.

Carsten Okay, also du entziehst dich dieser Situation. (beide lachen).

Befragte Person 44 Genau. Aber umso länger man halt vegan lebt, umso einfacher wird es auch mit diesen Situationen umzugehen.

Befragte Person 45 Also neulich hatte ich mal eine Schweinedoku angefangen. Ich habe vergessen, wie sie heißt und ich glaube auch aufgrund der Schwangerschaftshormone konnte ich mir das nicht so lange angucken und habe es dann auch ausgeschaltet und war dann aber froh, dass ich das nicht, dass ich nicht dazu beitrage mehr, so. Und also das ist dann, ich kann dann schon mit einem guten Gewissen das sonst auch ausschalten, weil ich ja weiß für mich, ich trage da ja nichts dazu bei, und dann kann ich vielleicht eher mal anderen Leuten das zeigen und die müssen sich das dann angucken. Aber okay, ich kann es gerade nicht so gut, das geht nicht. Und wenn Leute irgendwie mit mir diskutieren wollen, dann, ich versuche mich da nicht so drauf einzulassen. So weil es manchmal auch gerade bei älteren Leuten dann auch nicht so viel Sinn macht, habe ich das Gefühl.

Befragte Person 46 Ähm, man umgibt sich natürlich dann auch mit Leuten, mit denen man die Meinung teilt und die einen weiterbringen und nicht die einen negativ beeinflussen in irgendwelche Richtungen.

Befragte Person 47 Also meistens ignoriere ich das dann einfach. Also wenn dann immer weiter irgendwelche Sachen kommen. Aber eigentlich ist das, also geht sage ich. In so einer krassen Situation war ich jetzt noch nicht. Meistens akzeptieren die Leute, mit denen ich was mache, meine Sachen, weil ich erkläre dann auch ganz viel und dann ist immer so dieser Aha Moment und dann fragen die manchmal noch mehr Sachen, ist eigentlich immer ganz gut.

Befragte Person 48 Ich hatte das vor kurzem gerade erst, und ich habe erst mal ganz schnell die Situation verlassen, also die Umgebung, und habe dann auch erst mal in mich rein gespürt und gemerkt, wie mich das so runterzieht und wie schade das ist. Und ich habe dann tatsächlich geguckt, was kann ich für mich tun, damit ich anderen auch davon erzählen kann? Also Aufklärung.

Befragte Person 49 Naja, ich würde da auch damit umgehen, dass ich halt auf die Plattformen, Internetseiten oder so Aufmerksamkeit äh aufmerksam mache, wo man irgendwie vernünftig aufgeklärt wird. Und ja, wenn ich jetzt selber nicht mehr kann und nicht mehr weiter weiß (Ton reisst ab)

Stefanie So, ich hoffe, dass du jetzt einige Inspirationen bekommen hast, was du tun kannst, wenn dir das alles zu viel wird mit dem Tierleid. Und ich möchte auch jetzt hier nicht schließen, ohne mich zu bedanken.

Carsten Ach, das wollte ich sagen.

Stefanie Carsten hat nichts mehr zu sagen.

Carsten Nein. Okay, mach mal

Stefanie Hör mal, ohne mich zu bedanken, wir haben nämlich eine neue Steady-Unterstützerin, und jetzt haben wir schon zwölf Unterstützer und Unterstützerinnen.

Carsten Das ist total der absolute Hammer!

Stefanie Ja, und das, was noch viel toller ist als das, ist, dass bisher von diesen zwölf, also es waren dann mal eine mehr die gekündigt hat, und sonst sind uns alle seit sie dabei sind also treu geblieben. Also es hat keiner gekündigt, sondern du unterstützt uns jetzt schon, seit du beschlossen hast uns zu unterstützen, und bist immer noch dabei. Total klasse.

Carsten Ja, also irgendwas müssen wir richtig machen. Oder zumindest nicht ganz so verkehrt. Aber ich bin nach wie vor total baff. Ich find das total klasse und das motiviert mich bei jeder Folge aufs neue, einfach zu wissen, da sind Menschen, die finden gut, was wir machen, die unterstützen uns und das treibt quasi an.

Stefanie Ja, und deswegen sitzt Carsten jetzt auch gern unter diesem Regenschirm und probiert es mit mir aus, ob die Tonqualität besser ist.

Carsten Im Schatten

Stefanie Im Schatten, genau. Also dann ganz, ganz, ganz herzlichen Dank, dass du uns finanziell auf Steady unterstützt

Carsten Vielen Dank

Stefanie Dass du uns iTunes Rezensionen schickst. Wobei, also die haben in letzter Zeit nachgelassen

Carsten Da müssen wir noch ein bisschen nachlegen.

Stefanie Also wenn du keine Lust hast, iTunes Rezensionen zu schreiben, dann kann ich dich auch verstehen. Schick Carsten wirklich mal eine E Mail. Der freut sich darüber, wenn du ihm persönliches Feedback gibt. An Carsten@vonherzenvegan.de. Alles zusammengeschrieben ohne Bindestrich und dann .de. Und Carsten freut sich über tägliche Emails von dir, wo du ihm jeden Tag schreibst, wie toll er ist. Also das auf jeden Fall, ja.

Carsten Das fehlt mir so ein bisschen. Ja genau. Ich werde immer total niedergemacht, so auf der Arbeit und so. Ja, ja, mein Selbstwertgefühl, das leidet.

Stefanie Traurig. Ja, gut. Also wir wollen diese Folge nicht traurig beenden, sondern mit einem fröhlichen: Alles ist super, und wir finden toll, dass du uns unterstützt und uns hörst.

Carsten Ja, ich würde schon sagen, jetzt lass die Sonne mal wieder scheinen. Aber wir sitzen hier unter einem Regenschirm. Muss ich noch mal für mich?

Stefanie Vielleicht gibt's davon auch ein Foto, vielleicht auch nicht.

Carsten Ich sag mal, genau in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 118 - Wenn Eltern vegan werden

Ein Beitrag

Folge 118 - Wenn Eltern vegan werden

In dieser Folge

  • sprechen wir über unsere Erfahrungen als nicht-vegane Eltern, die dann vegan wurden,
  • erzählen wir Dir von unseren Herausforderungen und Hindernissen und
  • erklären wir Dir, warum wir auch heute noch nicht "fertig" sind.

Von Veganer*innen, die Eltern werden, habe ich schon viele Erfahrungsberichte gelesen.

Wir wollen in dieser Folge Einblick in unsere Erfahrungen als Eltern geben, die erst nach der Geburt ihres Kindes vegan geworden sind.

Wenn Dein Wertesystem sich ändert und Du Deinem kleinen Kind erklären musst, warum es ab heute keine tierlichen Produkte mehr gibt, ist das definitiv herausfordernd. Aber hör einfach selbst...

Vollständiges Transkript

Stefanie In der aktuellen Folge wagen wir einen erneuten Anlauf zu einem Thema, über das wir, glaube ich, schon dreimal gesprochen haben. Einmal habe ich die Aufnahme aus Versehen gelöscht. Einmal war die Folge doof. Vielleicht haben wir auch erst zweimal darüber gesprochen.

Carsten Das ist jetzt das dritte Mal, das dritte Mal. Ja.

Stefanie Und zwar ist das Thema „Wenn Eltern vegan werden“. Also nicht, wenn Veganer Eltern werden, sondern andersrum.

Carsten Du bist schon Elter.

Stefanie (lacht) Genau, du bist schon älter, du weißt, schon 60 plus und dann wirst du vegan. Also Scherz beiseite, du bist Vater oder Mutter eines oder mehrere Kinder und dann auf einmal merkst du, du möchtest vegan leben. Darüber möchten wir heute reden.

Carsten Genau. Also jetzt auf unsere persönlichen Erfahrungen bezogen. Weil genau diesen Weg haben wir ja gemacht. Oder gehen noch immer noch.

Stefanie Wir gehen ihn immer noch. Es war ja damals so, wir erzählen dir mal einen Schwank.

Carsten aus unserer Jugend

Stefanie aus der Jugend... Also damals vor drei Jahren, da war es ja so, dass unser Kind schon fast drei war. Als wir angefangen haben vegan zu leben, war er noch ein bisschen jünger als drei. Also sagen wir mal 2 3/4 und das hat uns schon vor einige Herausforderungen gestellt. Und ich habe in den letzten Jahren immer wieder darüber nachgedacht, weil es viele Eltern gibt, die darüber berichten, wie sie ihre Kinder vegan aufziehen und ernähren, wo die Eltern aber schon vegan gelebt haben, bevor das Kind zur Welt kam.

Carsten Also ja, die haben diesen Bruch nicht, dass du vorher auch ein anderes Wertesystem hast.

Stefanie Genau. Und ich bin der Meinung, dass wir einfach auch die Herausforderung hatten, dass wir erst einmal unser eigenes Wertesystem neu entdeckt und neu entwickelt haben und einfach da sich ganz viel getan hat und wir aber gleichzeitig ja unserem Kind Werte vermitteln, automatisch und auch diesen Anspruch haben, gewisse Werte zu vermitteln. Und natürlich ist er vorher zwar vegetarisch ernährt worden, aber das hat irgendwie ja nur die Ernährung betroffen und das vegane Leben hat dann wiederum wirklich das ganze Leben betroffen bei uns und sich so einiges geändert hat und wir halt immer wieder Situationen uns gestellt haben, wo wir dann unsicher waren oder nicht genau wussten, wie wir damit umgehen sollen.

Carsten Ja, also Klassiker war damals ja diese Milchbrötchen Thematik.

Stefanie Ja, wobei das war jetzt erst mal nur so die Ernährung, denke ich. Das war so der Anfang. Ich finde diese ganzen ethischen Fragen, also mit dem Tierpark und wie ich damit umgehe, mache ich Ausnahmen, mach ich keine Ausnahmen und so, das finde ich viel schwieriger. Ja, der Anfang war das Milchbrötchen, das haben wir.

Carsten Das war sogar das Käsebrötchen.

Stefanie Käsebrötchen, stimmt.

Carsten Wie komme ich jetzt auf Milchbrötchen?

Stefanie Milchbrötchen gab es auch. Ja, also, ich habe als Kind mich auch immer, bis ich halt vegan geworden bin, mich ständig von Milch- und Käsebrötchen ernährt. Und Croissant. Also jetzt nicht ausschließlich, aber jedenfalls das war bei mir Standard und das habe ich natürlich an mein Kind weitergegeben. Das heißt, die natürliche Ernährung meines Kindes bestand auch nur ausschließlich... Nein, aber jedenfalls, er kannte das alles, und du hattest ja dann da auf dem Markt auch immer dieses Ritual.

Carsten Ja, genau, das war so das Wochenendeinkaufsritual, wo ich ihn dann gerne mitgenommen habe und er aber auch wusste, es gibt da einen bestimmten Stand, wo er jeden Samstag, wenn wir einkaufen gehen, da ein Käsebrötchen bekommt. Er durfte sich das dann selber aussuchen und das hatte sich so eingebürgert. Und wie das halt bei Kindern in dem Alter ist, die freuen sich dann darauf.

Stefanie Ja.

Carsten Für die ist das vielleicht mit ein Grund einkaufen zu gehen. Keine Ahnung, was seine Hauptmotivation war, aber das hat sich dann natürlich geändert. Also wir sind dann vegan geworden, hinterfragen das dann und sind für uns dann eigentlich klar: nee, so was kaufen wir nicht, so was essen wir auch nicht. Aber erzähl das mal so einen 2-jährigen oder Zweieinhalbjährigen.

Stefanie Ja, genau das am Anfang, das hatten wir, glaube ich, auch in unserer Pilotfolge mal erzählt, dass wir das auch so gemacht haben, dass wir für ihn dann eben noch diese Ausnahme gemacht haben, weil er es einfach noch nicht verstanden hat in dem Alter. Und das würde ich auch nach wie vor so machen. Wenn ich jetzt noch mal diese Umstellungsphase hätte, denn das muss auch irgendwie an das Alter des Kindes angepasst sein, was du ihm vermitteln willst. Weil so ein Kind, also ein unter dreijähriges Kind, einfach das auch nicht wirklich verstehen kann, warum du ihm das jetzt nicht mehr kaufst. Und bei uns hat sich das einfach von selbst geregelt, weil wir dann ihn nicht mehr aktiv darauf hingewiesen haben oder eben das aktiv gekauft haben und dann einfach ihm Alternativen angeboten haben. Und die hat er dann auch genommen und dann war es eigentlich okay.

Carsten Er hat das dann irgendwann auch gar nicht mehr vermisst, weil die Alternativen halt da waren. Genau. Aber es musste schon so ein bisschen rauswachsen. Das war jetzt nicht so, dass wir einen harten Bruch hatten und von Heute auf morgen gesagt haben: Jetzt darfst du nicht. Nein, weil er das tatsächlich nicht mehr verstanden hätte: Ja, also wo kommt denn jetzt der Sinneswandel her? Warum hat Papa sonst immer und jetzt auf einmal nicht mehr? Und ja, da ganz klar, in dem Alter bin ich fest von überzeugt, können die das in der Tragweite auch noch nicht wirklich verstehen.

Stefanie Ja.

Carsten Aber das würde ich auch weiterhin so machen oder empfehlen, dass man einfach um diesen Übergang hinzubekommen, genügend Alternativen anbietet. Ja, dem Kind halt nichts nehmen, sondern wir versuchen das Ganze irgendwie auszutauschen mit etwas, was dem Kind eben auch in der Hinsicht lecker schmeckt.

Stefanie Und da dann eben auch geduldig sein. Ich weiß, am Anfang, wenn du beginnst, vegan zu leben, dann informierst du dich ganz viel und du weißt ganz viel. Und dann willst du das natürlich auch alles so umsetzen und so ein kleines Kind, das versteht es halt einfach noch nicht. Das hat diese Motivation noch nicht. Und ich habe dann in der Zeit auch ganz viele Videos gesehen von 3-jährigen, die dann da ihr Statement abgegeben haben, warum sie vegan leben und was weiß ich. Und also bei uns war das nicht so. Unser Kind ist heute, würde ich behaupten, drei Jahre später, immer noch nicht an dem Punkt, dass er wirklich versteht warum wir das machen.

Carsten Nein, er macht es halt mit, weil wir es leben. Ja und das ist für ihn im Grunde genommen ja gelebtes Leben. Er adaptiert es unhinterfragt. Ja, aber wahrscheinlich nicht aus Desinteresse, sondern ich glaube auch, dass das in dem Alter so die kognitiven Leistungen noch nicht ausreichen, um solche schwerwiegenden moralischen Fragen irgendwie zu begreifen.

Stefanie Also es fängt jetzt so langsam an. Er stellt schon viele Fragen, auch schon länger sehr komplexe Fragen und er akzeptiert es aber einfach, weil wir das so leben, akzeptiert er es. Ich hatte eine Situation letztens, zu Ostern, als wir eigentlich noch Osterhasen für Oma und Opa kaufen wollten und Oma und Opa ja eben nicht vegan leben. Und es gab keine veganen Osterhasen mehr, nur noch nicht-vegane. Und dann habe ich gesagt: Guck mal, es gibt nur noch nicht-vegane, dann kaufen wir keine. Und wo er dann sagte: Wieso, ist doch für Oma und Opa, die essen das doch. Und wo ich dann da stand und überlegt habe: was sag ich denn jetzt? Und dann habe ich gesagt: Du, das kaufe ich aber nicht. Und dann bin ich auch irgendwie so ein bisschen pampig geworden, weil ich jetzt so in die Defensive gedrängt worden bin. Und das sind halt tatsächlich so Situationen, wo ich immer noch wieder mit mir selbst das abwägen muss, was sage ich denn jetzt zu ihm, also so, wo ich dann irgendwie natürlich auch erwarte, naja, er muss das doch eigentlich verstehen und aber offensichtlich kann er das noch nicht so verstehen und abstrahieren.

Und für ihn ist es natürlich auch so, er lebt jetzt in diesen verschiedenen Welten, sag ich mal, zu Hause ist es so, dass wir vegan leben und es gibt auch nur was Veganes und er erkennt jetzt auch das Veganlabel überall und er kann das auch schon lesen, also vegan, wenn es in Großbuchstaben ist, das kann er erkennen und das heißt, er orientiert sich auch danach und isst nur das und isst auch überall nur vegan und fordert es auch so ein. Aber natürlich wird er damit konfrontiert, dass die meisten anderen, so wie auch Oma und Opa, eigentlich nicht vegan leben. Und das muss er ja für sich auch irgendwie hinkriegen, dass er diese beiden, dass das irgendwie so zusammenkommt. Wir sagen natürlich auch nicht: ja die anderen, die sind alle böse, weil die nicht vegan leben, sondern wir thematisieren das halt gar nicht, es sei denn, er spricht es an. Aber wir haben noch nie so ein Gespräch gehabt.

Carsten Nein, wir haben weder so ein Gespräch gehabt. Und ich glaube auch, dass das nicht viel bringen würde, wenn wir jetzt versuchen würden im schlimmsten Fall die andere Seite, schlecht zu reden oder so.

Stefanie Also das ist halt einfach so. Wir leben als Veganer·innen in einer nicht-veganen Welt.

Carsten Und ich glaube, das ist tatsächlich bei den Kindern wichtiger, die eigenen Werte zu leben. Dass im Alltag einfach keine Alternative da ist, im Haus oder im Elternumfeld oder bzw. im elterlichen Bereich, dass man da einfach integer ist, das vertritt und durchzieht, keine Ausnahmen macht. Und dann bekommt das Kind das halt mit, das wird vom Kind ja auch gar nicht hinterfragt. Ja, und unser Glück ist halt, was Du schon sagtest, dass wenn er woanders ist, dann kriegt er eigentlich immer etwas Veganes. Also Oma und Opa kochen dann vegan und das ist ganz klar total toll.

Stefanie Das finde ich auch. Ein großes Danke - sollten Oma und Opa diese Folge hören - ein großes Danke, dass ihr das macht, weil es auch nicht selbstverständlich ist. Also ich finde es total super, das noch mal so als kleinen Schlenker. Ich fand das total toll, dass deine Mutter, als sie das letzte Mal hier war, diesen Simply V Frischkäse mitbrachte und meinte: Ja, guck mal hier, den kaufen wir uns jetzt immer. Hast du den auch schon probiert? Also so da, wo ich gedacht habe: Hä? Also wir haben ihnen nie gesagt, sie müssen vegan leben oder so. Wir haben halt nur gesagt, das Kind, wenn das bei euch ist, muss das vegan ernährt werden. Das ist so und sonst darf das Kind nicht bei euch sein.

Carsten Und dann Hilfestellung gegeben.

Stefanie Wir haben Rezepte gegeben. Wir haben gesagt, wo kannst du das einkaufen und das alles und so und es ging aber immer nur ums Kind. Wir haben nie gesagt, ihr müsst es auch. Aber natürlich kocht Oma dann nicht zweimal, sondern kocht dann halt einmal vegan und und es funktioniert wirklich super. Da kann ich mir jetzt total drauf verlassen, dass das so ist bei Oma und Opa kriegt er was Veganes und die sind auch total eingespielt. Die wohnen zwar auf dem Land, aber sie fahren auch mal in die nächstgrößere Stadt, um Dinge zu besorgen und so. Und das ist wirklich, wirklich ganz, ganz toll. Und da sind wir auch echt total dankbar für.

Carsten Bis hin zum Nachtisch, das Eis, da geht dann eben auch ein Sojaeis oder ein Eis, was da gerade da ist, die vegane Variante genommen. Und ja, das erleichtert uns ganz klar den Umgang mit diesem ganzen Thema. Ja, und im Kindergarten haben wir natürlich auch den Vorteil, dass wir ja, ich sag jetzt mal teilweise veganes Essen dort angeliefert bekommen. Das bietet der Caterer. Das finde ich total klasse.

Stefanie Ja, das ist jetzt super. Das ist auch noch nicht so lange so, dass es so gekennzeichnet ist. Das war nicht von Anfang an so, aber jetzt ist es mittlerweile so. Es ist halt immer gekennzeichnet vegan, vegetarisch oder halt mit Tier, also da ist dann entweder Fisch oder Hähnchen oder Rind dabei. Ich weiß gar nicht, ich glaube, Schweinefleisch haben die gar nicht. Ich bin mir nicht sicher. Aber jedenfalls. Ja, da hatten wir auch schon mal in einer Folge drüber gesprochen, dass es wirklich so ist, dass das Essen von einem Caterer in verschiedenen Boxen angeliefert wird. Und wenn es jetzt Hähnchen mit Reis gibt, dann wird der Reis extra angeliefert und dann kann ich unserem Kind wirklich dann da noch eine Soße zu dem Reis geben und dann kann er den Reis vom Kindergarten essen und kriegt eine vegane Soße dazu. Und so kann man das ganz gut komponentenmäßig machen. Also das ist echt super.

Was ich jetzt zum Thema Kindergarten aktuell hatte, war, dass die eine Erzieherin den Kindern zu Ostern Schoko-Osterhasen geschenkt hat und die waren nicht vegan und eine andere Erzieherin, die dann auch da war, hatte mich dann zur Seite genommen und gesagt Du, die besagte Erzieherin - ich will jetzt hier keinen Namen nennen. Nennen wir sie Erzieherin A - Erzieherin A. hat hier Schokohasen verschenkt oder es waren sogar Schoko Eichhörnchen oder so, also jedenfalls Schokolade, nicht vegan, und dein Kind hat auch in seinem Rucksack so einen Hasen oder so ein Schokoteil, nur dass du Bescheid weißt. Da meinte ich erst okay. Ich wollte nur wissen hat er das schon gegessen oder nicht? Weil ich mich das immer interessiert, wie geht er damit um? Macht er das? Macht er das nicht? Ich spreche ihn dann da auch gar nicht drauf an und ich verurteile das auch nicht. Ich will einfach nur wissen, wie weit ist er? Isst er das einfach unbesehen oder denkt er darüber nach? Also ist es für ihn eine Entscheidungsmöglichkeit und wir haben dann darüber gesprochen. Also unser Kind und ich. Ich habe ihn dann gefragt: Du weißt, dass das nicht vegan ist. Was wollen wir jetzt damit machen? Und dann hat er gesagt - das fand ich so süß, weil wir das in letzter Zeit öfter gemacht haben, wenn er so nicht-vegane Schokolade geschenkt bekommt - er möchte das an jemanden verschenken, der weniger hat als wir und am liebsten - wir haben hier in Hamburg die Straßenzeitschrift Hinz und Kunzt und wir kaufen die auch immer und er ist da immer auch mit dabei und wir geben da immer ein bisschen mehr Geld - und am liebsten wollte er das dann einer Hinz und Kunzt Verkäuferin, die bei uns vorm Edeka steht, geben und die war aber nicht da. Und dann habt ihr letztens den Hasen….

Carsten Beim Wocheneinkauf haben wir ihn mitgenommen und dann einem Obdachlosen gegeben.

Stefanie Genau. Er gibt es dann aber freiwillig weg, ich habe nicht gesagt: „Hör mal, rück das Teil raus!“ oder so, sondern wir sprechen darüber, was machen wir damit? Wenn er jetzt gesagt hätte, ich will es unbedingt essen, hätte ich es ihn auch essen lassen.

Carsten Ja, aber er wollte es gar nicht essen. Und der Vorschlag, es zu verschenken, kam ja von ihm. Und er wollte auch nichts dafür als als Gegenleistung. Also nicht so nach dem Motto: Ja, dann schenke ich das jetzt irgendjemand anderen. Aber dafür würde ich jetzt irgendwie einen veganen Osterhasen haben oder so was. Er war einfach: Ich verschenke das und dann war gut.

Stefanie Genau. Und das liegt bei uns aber eben auch daran, dass er bei uns ausreichend vegane Alternativen hat. Denn das braucht er schon. Er braucht immer eine Alternative, dann auch. Also er möchte jetzt auch nicht, dass er dann zu wenig hat. Aber was ich generell sagen wollte zu dieser Aktion war, dass mich dann Erzieherin A beiseite genommen hatte am nächsten Tag und gesagt hat Du, ich habe ja hier dieses Schokoteil verschenkt. Also ich glaube, es war so ein Eichhörnchen.

Carsten Das war ein Eichhörnchen.

Stefanie Also so ein Schokoeichhörnchen verschenkt. Und es ist ja so schade, dass dein Kind das nicht essen kann und ihr macht da keine Ausnahmen, oder? Und dann habe ich nur nein gesagt, weil ich in dem Moment einfach nicht irgendwie zu mehr in der Lage war. Und ja, das wäre ja so schade, weil er dann so ausgeschlossen würde von der Gemeinschaft und so und ich habe dann da später nochmal drüber nachgedacht und habe gedacht, das ist tatsächlich so, wenn ich jetzt eine Ausnahme machen würde, dann, ja, dann wären wir moralisch flexibel.

Carsten Ja, thank you for smoking. Genau.

Stefanie Das hatte der Kinderbuchautor Udo Taubitz in dem Interview mit dem Jens Herrndorf vom „Ich bin jetzt vegan“ Podcast und dem Blog gesagt, dass er, wenn er jetzt Ausnahmen machen würde, also wenn er seinen Kindern sagen würde: „Hey! Okay, zu Hause essen wir vegan, aber wenn du jetzt unterwegs bist, dann kannst du ruhig nicht-vegan essen, ist okay.“ Dann wäre das eigentlich so, als würde er sagen: „Okay, zu Hause schlagen wir uns nicht, aber draußen kannst du richtig reinhauen.“ Etwa so in der Art und dieser Vergleich, der hat mir das nochmal vergegenwärtigt, wie das eigentlich ist, weil ich auch so eine Phase hatte, wo ich gedacht habe, das kann ich ja nicht machen und das arme Kind, und wo ich dann genauso gedacht habe wie Erzieherin A dass mein armes Kind ausgeschlossen wird von der Gruppe.

Carsten Interessanterweise muss man ja auch dazu sagen, dass dieses Gefühl, das Kind könnte ausgeschlossen werden, eigentlich eher bei der Erzieherin festzumachen ist. Die hat sich die Sorgen gemacht. Unser Kind.

Stefanie Dem ist es total egal.

Carsten Er ist total souverän damit umgegangen. Das war für ihn gar kein Thema. Der hat sich nicht irgendwie ausgeschlossen gefühlt.

Stefanie Ja, das ist viel, was wir mit uns rumtragen und was wir dann auf das Kind wieder projizieren. Was du natürlich in anderen Fällen auch kennst, dass du jetzt irgendwie keine Ahnung, wenn Kinder sich auf dem Spielplatz streiten und so und du dann gleich irgendwie denkst „dieses blöde andere Kind und mimimi“ oder ich weiß gar nicht, ich hatte mal so einen Moment, das ist schon ganz lange her, da war unser Kind vielleicht anderthalb oder so oder ein Jahr alt oder so. Also ja, irgendwie so zwischen eins und anderthalb, da haben wir noch ganz woanders gewohnt und da war das so eine Spielstraßensituation, und da waren ganz viele Nachbarskinder und da ist er dann mit denen rumgerannt und da hatte er eigentlich mit dem einen Nachbarskind immer viel gespielt und dann hatten sich zwei Nachbarskinder zusammengetan und das eine Kind hat zu unserem Kind gesagt: „Du darfst heute nicht mitspielen.“ Und unserem Kind, war es total egal. Also wie gesagt, er war anderthalb. Also der hat dann halt mit mir gespielt und ihn hat es gar nicht gestört und mich hat das aufgeregt und ich hab gedacht unverschämt, dieses blöde Kind, wie kann das nur? Und das war auch irgendwie nur 3 Jahre alt oder so. Also es war nicht viel älter oder zwei, keine Ahnung. Und ich habe das dann reflektiert und habe dann gedacht: Hey, das ist alles das, was ich früher erlebt habe, das habe ich jetzt da reinprojiziert, das bin alles ich. Das hat mit der Situation eigentlich gar nichts zu tun und es stört unser Kind überhaupt nicht. Und das ist viel auch so, was wir jetzt erleben, anderen Erwachsenen ist es unangenehm, wenn unser Kind anders behandelt wird.

Carsten Ja, und sie schließen dann darauf, dass dieses unangenehme Gefühl auch beim Kind sein müsste. Und das ist halt nicht der Fall.

Stefanie Ja, und das ist halt wirklich so was, was aber bei uns definitiv ein Lernprozess ist. Also immer noch die ganze Zeit. Wir leben jetzt seit über drei Jahren vegan. Wir hatten natürlich auch so eine Anfangszeit, wo wir immer noch nicht so komplett vegan gelebt haben. Aber wir leben jetzt eben diese Zeit vegan und trotzdem ist es immer noch ein Anpassungsprozess und es wird wahrscheinlich auch noch eine ganze Zeit lang dauern und es ist auch viel so was, zum Beispiel das Thema Tierpark. Wir hatten ja damals, als unser Kind noch so klein war, noch bis zu dem Zeitpunkt, als er drei war, noch ein bisschen länger, diese Jahreskarte für den Tierpark hier in Hamburg und ich bin da mit unserem Kind sehr häufig hingegangen. Du bist da an den Wochenenden häufig hingegangen.

Carsten War so ein Sonntagsritual also phasenweise. Ja, aber das war schon relativ häufig.

Stefanie Es war für ihn normal und als wir das letzte Mal hingegangen sind, kam mir das halt schon so komisch vor und ich hatte auch so ein komisches Gefühl mit den Löwen, dass sie so eingesperrt waren und ich fand es so traurig, dass die nur so wenig Platz hatten. Und die lagen da rum und habe mich angeguckt. Und ich habe die Löwen angeguckt und ich habe gedacht, nee, das kann es nicht sein. Aber das dann dem Kind zu vermitteln, dass er die ganze Zeit Spaß hatte und am liebsten auch da zu dem Spielplatz gegangen ist mit der Riesenrutsche und keine Ahnung was. Das ist bis heute noch schwierig.

Carsten Ja, er hat das ganz lange Zeit nicht verstanden. Jetzt thematisiert er das kaum noch. Zumindest mir gegenüber kommt die Frage relativ seltenst.

Stefanie Ja, aber es ist immer noch so, dass er dann spielt. Also wir hatten eine Situation, ist jetzt ein paar Monate her oder so wo er dann gespielt hat und dann ein Käfig gebaut hat für irgendwelche Tiere also alles gespielt und ich dann gesagt habe, es ist sehr schade, dass sie eingesperrt sind und dann hat er extra eine Tür reingebaut für mich und gesagt guck mal, die können auch rein und raus. Aber für ihn ist es nicht präsent. Also er kann es immer noch nicht so verstehen. Jetzt machen sie mit dem Kindergarten auch einen Ausflug in den Wildpark Schwarze Berge und im Wildpark gibt es so eine Greifvogelschau. Das ist für mich auch nicht mehr okay. Und es sind auch Gehege, auch wenn sie teilweise größer sind. Aber es sind auch Tiere, die nicht in Deutschland eigentlich heimisch sind. Und das sind eigentlich auch Tiere in Gefangenschaft und ich habe allerdings jetzt nicht gesagt, du darfst dann nicht hingehen. Und er ist auch mit Oma und Opa schon in den Zirkus gegangen, obwohl ich es eigentlich nicht mehr gut finde. Aber das sind so Dinge, wo ich immer noch nicht sicher bin in dem, wie ich ihm das vermitteln will und wie ich für mich kongruent sein kann. Also ich werde mit ihm da nicht hingehen und du natürlich auch nicht, Carsten. Also wir werden mit ihm dann nicht hingehen, aber wenn er halt mit anderen hingeht, ist es im Moment der Stand, dass wir es akzeptieren.

Carsten Ja, vielleicht muss man da so ein bisschen differenzieren. Wenn Verwandte hingehen, mit denen kann man dann noch reden. Dann kann man sagen okay, müsst ihr denn tatsächlich? Und mit denen kann man ja auch über die Beweggründe sprechen.

Stefanie Aber wenn Du es nicht weißt vorher. In dem einen Fall mit dem Zirkus, da wussten wir überhaupt nichts davon, dass er in den Zirkus gegangen war. Und es war auch ein Zirkus mit Tieren. Und ja, und da haben wir halt im Nachgang davon erfahren, da kann man natürlich gar nichts mehr machen. Und dann halt zu sagen: wie konntest du nur oder so. Das macht überhaupt gar keinen Sinn.

Carsten Natürlich, das bringt überhaupt nichts, das wird ihn verunsichern. Ja, aber du hast da zumindest so prinzipiell die Möglichkeit, ein Gespräch zu führen und zu sagen: okay, das sind so Sachen, die finden wir nicht gut, wenn ihr das als Freizeitaktivität macht und das möchten wir aus den und den Gründen halt nicht.

Stefanie Genau, aber das mit dem Zirkus hatten wir bisher noch nicht thematisiert.

Carsten Das haben wir nicht thematisiert. Und was anderes sehe ich dann, wenn die vom Kindergarten zum Beispiel, in Zukunft vielleicht von der Schule, aus etwas unternehmen. Aber schwieriger wird es wahrscheinlich beim Kindergarten. Da jetzt zu sagen nee, möchte ich nicht, weiß ich nicht, würde ich mich auch gar nicht trauen, weil dann hätte ich tatsächlich so den Eindruck, dass er bei solchen Aktivitäten komplett außen vor ist.

Stefanie Ich hatte jetzt eigentlich auch überlegt, ob ich mit ihm darüber rede, ob er das denn möchte oder nicht und hab dann aber mich dazu entschlossen zu sagen. Also ich habe ihn tatsächlich gefragt: Möchtest du diesen Ausflug mitmachen oder nicht? Und weil er das wollte, habe ich dann gesagt okay. Ich merke einfach, er ist da noch nicht so weit, dass er das versteht. Und das kommt dann irgendwann. Also ich bin mir ganz sicher, weil ich ja auch dieses Aha Erlebnis hatte und ich eben auch viele, sagen wir mal neun, zehn, 11-jährige kenne, die dann wirklich das verstehen. Und es gibt auch Kinder, die mit acht Jahren Vegetarier·in geworden sind. Also von daher, ich denke, das kommt jetzt und das wird jetzt in den nächsten zwei, drei Jahren spannend, wie sich das entwickelt.

Carsten Ja, das denke ich auch, dass das dann so eine Phase sein wird, wo er auch vielleicht auch aktiv das Thema dann anspricht. Ja, dann werden mit Sicherheit Fragen kommen. Es wird ihn beschäftigen, denke ich.

Stefanie Genau. Aber was ich halt jetzt so wichtig fand, weswegen ich jetzt diese Folge hier machen wollte, ist einfach noch mal eine Lanze für uns Eltern zu brechen, die eben vorher noch nicht ihr Wertesystem klar hatten, bevor sie Eltern geworden sind, sondern die eben erst, während sie schon Eltern sind und während sie ihren Kindern schon einiges vermittelt haben, dann merken: Hey du, das ist doch nicht so das Tollste - ich hätte jetzt schon fast das Gelbe vom Ei gesagt. Also unsere Sprache... - das ist eben doch nicht das, was ich eigentlich vermitteln möchte. Und das ändert sich alles. Und dass das einfach eine besondere Herausforderung ist, wenn du gerade selbst für dich herausfindest, wie du eigentlich leben möchtest und was dann dein Leben bestimmt. Das dann deinem Kind zu vermitteln, vor allem deinem kleinen Kind. Also ich denke, dass es vielleicht bei einem Teenie wieder ganz anders ist, weil ein Teenie ja sowieso die eigenen Entscheidungen trifft.

Carsten Schon ja, auch wenn er dann in so einer Kontraphase sein sollte, glaube ich, dass er vom Verstand her in der Lage ist, dass man da mit ihm reden kann. Ja.

Stefanie Aber so bei einem kleineren Kind, so wie es bei uns jetzt eben der Fall war bis hin, ich denke wirklich so acht, neun sind, ich weiß es nicht. Es ist jetzt so meine Vermutung. Wir können das erst in drei Jahren klären, ob ich mit dieser Vermutung recht gehabt habe, aber jedenfalls erst so in diese Richtung. Wenn die Kinder älter werden, werden sie es wirklich verstehen können. Und bei uns ist es halt immer noch so ein Ausprobieren. Also wir machen definitiv noch ganz viele Fehler.

Carsten Ja, und ich denke, wenn die Schulzeit jetzt kommen wird, in Zukunft wird es neue Herausforderung geben. Da wo wir uns jetzt vielleicht sicher gefühlt haben und die dann da wieder sich anders darstellen. Ja, da müssen wir mal gucken, wie wir damit umgehen. Aber ich glaube, das Wichtigste ist einfach, dass wir jetzt tatsächlich für uns diese Entscheidung auch beibehalten und konsequent leben, dass es da keine Ausnahmen gibt im privaten Umfeld.

Stefanie Genau. Also definitiv, ja. Und ich hoffe, dass du hier ein bisschen was für dich rausnehmen konntest. Also definitiv sind wir jetzt nicht perfekt und auch keine Schablone dafür, dass du jetzt einfach das machen kannst, was wir machen und dann läuft alles super. Es ist alles total individuell. Es hängt alles davon ab, wie du dich fühlst, an welchem Punkt du jetzt eigentlich stehst, wie lange du schon vegan lebst und ob du jetzt erst darüber nachdenkst und wie alt dein Kind ist. Also ganz, ganz viel hängt davon ab, wie alt dein Kind ist. Wenn es ein Säugling ist, ist es natürlich wieder anders. So, aber so, bei uns war es eben wirklich diese Phase, dass das Kind schon was verstanden hat und auch bestimmte Dinge, die es gegessen hat. Und die sind jetzt einfach weggefallen und wurden dann aber eben durch neue Sachen ersetzt. Und ja, es ist und bleibt ein weites Feld von Trial und Error.

Ich kann dir empfehlen, geduldig zu bleiben mit dir selbst und natürlich auch mit deinem Kind und auch viel darüber zu reden - aus der Ichperspektive - warum fühle ich mich jetzt so? Warum mache ich das so? Das zu erklären, warum ist das denn jetzt alles so? Warum entscheidest du so? Warum willst du nicht mehr in den Tierpark gehen? Warum isst du das nicht mehr? Warum trinkst du das nicht mehr? Warum ist es so was? Wie fühlst du dich dabei? Und dann halt natürlich auch möglichst kindgerecht, es zu erklären, dass du halt einfach nicht willst, dass die Tiere sterben oder wie auch immer deine Erklärung dafür lautet.

Und ich hatte auf der Veggienale in Hannover eine Begegnung mit einem einer jungen Frau, würde ich sagen, Anfang 20 allerhöchstens, die sagte, dass sie eigentlich vegetarisch schon aufgewachsen ist, aber dann, weil ihre Mutter nie gesagt hat, warum sie vegetarisch lebt, sie dann halt angefangen hat Fleisch zu essen, weil sie nicht verstanden hat, was das soll. Und dieses Warum, denke ich, ist total wichtig, dass du darüber sprichst und je gefestigter du bist mit deinen Werten und je sicherer du bist, desto einfacher wird es auch darüber zu sprechen. Aber ich finde es halt auch wichtig, dass du dann zum Beispiel sagst: Hey, ich weiß es im Moment einfach noch gar nicht. Also auch deine Unsicherheit zugibst, also dass du sagst: Du, ich hab da noch gar keine Antwort auf diese Frage, aber ich fühl mich einfach irgendwie so. Also ich habe so dieses Gefühl.

Ich habe auch zu unserem Kind gesagt: „Du, also so mit dem Tierpark, ich weiß, wir sind da früher hingegangen und es war auch schön und alles, nur jetzt fühle ich mich irgendwie schlecht, wenn ich da hin gehe. Ich werde so traurig wenn ich die Tiere da sehe und die sind alle eingesperrt.“ Und er hat da ganz viele tolle Ideen, wie er die alle freilässt. Also da kommen ganz viele Möglichkeiten aus dem rausgesprudelt, die alle jetzt nicht so wirklich zielführend sind, sag ich mal, aber ich denke, dass es ganz ganz wichtig ist, ins Gespräch zu gehen und dass du halt über deine Gefühle sprichst und über deine Art, wie du jetzt die Welt siehst, damit dein Kind einfach auch versteht, was da los ist.

Carsten Genau. Natürlich interessieren uns jetzt auch deine Erfahrungen, die du gemacht hast oder die du jetzt gerade vielleicht aktiv noch durchlebst. Vielleicht hast du ja auch eine ähnliche Konstellation, dass du vorher nicht vegan warst und jetzt auch mit ähnlichen Problemen konfrontiert wirst, wie wir sie jetzt geschildert haben. Schreib uns gerne und schildere einfach mal wie gehst du damit um, was für Probleme hast du? Und vielleicht auch was für Lösungsansätze?

Stefanie Ja klar, wir sind natürlich auch immer für Tipps offen. Schreib uns gerne. Und dann würde ich sagen, wir enden natürlich nicht, ohne uns zu bedanken. Wir könnten auch mal wieder anfangen uns am Anfang zu bedanken. Aber in diesem Fall.

Carsten Machen wir es jetzt.

Stefanie Genau.

Carsten Vielen, vielen, vielen Dank für all die netten Leute, die uns auf Steady finanziell unterstützen und diesen Podcast von der Motivation her noch mal richtig befeuern.

Stefanie Genau. Und die eben das auch erreicht haben, dass wir jetzt die Hostinggebühren tatsächlich über diese Unterstützung zahlen können. Und ja, wir sammeln natürlich noch weiter, damit wir endlich unsere Tonqualität verbessern können. Wir sitzen zwar hier unterm Regenschirm, um die schon bei der Aufnahme zu verbessern, aber es geht natürlich alles noch viel besser. Und vielleicht könnten wir uns dann auch nochmal ein anderes Mikro leisten, das nicht über den Rechner aufnimmt, also den Computer, dass also mein Computer unabhängig davon wäre, sondern wirklich direkt ein Aufnahmegerät da drin hat, das ist nur relativ teuer und naja - Sachspenden nehmen wir natürlich auch entgegen, also solltest Du ein tolles Mikrofon haben, so ein Portables sind wir nicht abgeneigt. Also das kannst du uns gerne schicken. Die Adresse steht im Impressum.

Carsten Genau, aber bitte nur tolle Mikros.

Stefanie Genau. Schick uns bitte nicht einen defekten Schrott. Wir sind nämlich nicht so begabt es zu reparieren. Also bring das bitte zum Repair Cafe. Okay, Dankeschön. So, also ja und wir bedanken uns natürlich auch bei allen, die uns schon auf iTunes rezensiert haben. Wenn du Lust hast, schick uns doch noch eine Rezension, dann werden wir besser gefunden und noch mehr Menschen können hören, wie viel wir reden.

Carsten Wollen wir das?

Stefanie Ja, unbedingt. Wir wollen das, ja, unbedingt. Und Ja. Und dann freuen wir uns natürlich auch, dass du uns einfach zuhörst und dass du uns E Mails schickst und und einfach, dass du da bist.

Carsten Ja, vielen Dank. Ganz toll.

Stefanie In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Das Interview mit Udo Taubitz bei "Ich bin jetzt vegan"
http://www.ichbinjetztvegan.de/podcast010/

Im Gespräch mit der Nature Community

Ein Beitrag

Folge 117 - Im Gespräch mit der Nature Community

In dieser Folge

  • spreche ich mit Brigitte Schedler von der Nature Community,
  • erzählt Brigitte, was die Nature Community ist und wie die Gemeinschaft entstanden ist,
  • sprechen wir darüber, welche Vision hinter der Nature Community steht

Die Nature Community ist ein Zusammenschluss aus Gleichgesinnten, die in einem Feriendorf in der Oberpfalz neue Formen von Gemeinschaft erproben.

Eine Basis ist die vegane Ernährung, weshalb die Nature Community für mich so interessant ist.

Ich finde es sehr spannend, wie hier eine Idee umgesetzt wird, die von einer starken, großen Vision getragen wird.

Wenn Du die Möglichkeit hast, besuche die Nature Community unbedingt- Du kannst dort einfach als Hotelgast übernachten, Dich aber auch an der Entstehung beteiligen und als Gasthelfer*in dort arbeiten.

Die Nature Community ist so unglaublich inspirierend, dass Du jede Chance nutzen solltest, sie kennenzulernen. Dazu bietet die Community Infoveranstaltungen und Kennlernwochenenden an, aber auch die Möglichkeit als Gasthelfer*in dort mitzuarbeiten.

Links zur Folge

Alles über die Nature Community
gemeinschaft.nature.community

So kannst Du mithelfen in der Nature Community:
Workcamp 2018
Gasthelfer*in

Folge 116 - Ich bin veganer als Du!

Ein Beitrag

Folge 116 - Ich bin veganer als Du!

Diese Folge ist als Antwort auf eine Frage unserer Steady-Enthusiasten entstanden:

Eine Frage, die mir beim Hören eurer O-Töne in den Sinn kam. Ein paar besuchten laut eigener Aussage die Events "um sich über die Neuveganer lustig zu machen". Man bekommt es ja ab und zu mit, dass "Altveganer" Neulinge belächeln. Dieses "ich bin true und du nicht" kannte ich eigentlich nur in meiner Jugend als Metaler. Ganz verstehe ich das aber nicht: anstatt sich über die wachsende Zahl der Veganer und veganen Produkte zu freuen (alleine beim Backwerk habe ich heute zwischen 4 belegten Produkten wählen können) scheint man sich eher an Trend zu stören. Liegt es hier an der Verlustangst der Einzigartigkeit und Befürchtung des Untergangs in der Masse? Was würdet ihr das analysieren?

Wir werden darauf auch noch einmal in einer weiteren Folge eingehen.

Folge 115 - Wie vegan bist Du?

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Folge 115 - Wie vegan bist Du?

In dieser Folge hörst Du 33 Minuten Antworten von Veganer*innen auf die Frage "Wo ziehst Du Deine persönliche Grenze in bezug auf das vegane Leben?".

Insgesamt haben wir nun schon eine Stunde und 15 Minuten Antworten auf diese Frage gesammelt und freuen uns, Dir die neusten Antworten in dieser Folge präsentieren zu können.

Folge 114 - Unterwegs auf veganen Messen

Ein Beitrag

Folge 114 - Unterwegs auf veganen Messen

In dieser Folge

  • plaudern Carsten und ich über unsere Erfahrungen auf der Veggienale in Hannover und der VeggieWorld in Hamburg,
  • erzählen wir Dir, was es Neues bei uns gibt und
  • erfährst Du, womit wir uns momentan am meisten beschäftigen.

Nach den vielen Interviews, Buchrezensionen und ernsten Themen geht es in dieser Folge mal etwas lockerer zu... :-)

Achtsamkeit im Ehrenamt

Ein Beitrag

Folge 113 - Achtsamkeit im Ehrenamt mit Alexandra Rosit-Hering

In dieser Folge

  • spreche ich mit Alexandra Rosit-Hering über das Thema Achtsamkeit im Ehrenamt,
  • gibt Alexandra Tipps, wie Du weiterhin als Veganer*in aktiv sein kannst, aber nicht ausbrennst und
  • erklärt Alexandra woran Du erkennen kannst, ob Du einem Burnout schon sehr nahe bist.

Alexandra hat eine wunderbare Stimme, die Dich beim bloßen Zuhören gleich entspannt und ich freue mich sehr, dass ich sie für dieses Gespräch gewinnen konnte. 

Als aktive*r Veganer*in hast Du es nicht immer leicht und es gibt viele von uns, die sich zwischen Vollzeitjob und Ehrenamt zerreiben.

Alexandra gibt Dir viele alltagstaugliche Tipps, die Du gleich umsetzen kannst und macht sogar eine kleine Übung mit Dir - hör doch gleich mal rein...

Links zur Folge

Hier findest Du Alexandra Rosit-Hering
www.neuaufgestellt.de

Vollständiges Transkript

Stefanie Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Einfach Vegan Podcasts. Diesmal nur mit Stefanie und ohne Carsten, dafür aber mit einem Gast. Ich habe Alexandra eingeladen zum Thema Achtsamkeit im Ehrenamt. Und dann würde ich dich, Alexandra, einmal bitten, dich kurz vorzustellen: Wer bist du denn und was machst du so?

Alexandra Ja danke liebe Stefanie, für deine Einladung. Ich bin Alexandra Rosit-Hering von www.Neuaufgestellt.de Und bei mir geht es darum, sich im Leben neu aufzustellen, also aus alten Mustern auszusteigen, gewisse, ja Gedankenmuster und auch Verhaltensmuster zu verändern, neues Bewusstsein zu entwickeln. Dazu gehört die Achtsamkeit auch und einfach ein erfülltes und glückliches Leben in Balance führen zu können. Das ist so mein Schwerpunkt.

Stefanie Super! Und wir wollten ja jetzt heute über Achtsamkeit im Ehrenamt sprechen. Das habe ich deswegen gedacht, weil du auch Workshops zu dem Thema gibst. Und was ist denn da so die häufigste gestellte Frage, die du da bekommst, wenn du solche Workshops gibst?

Alexandra Also die Fragen sind gar nicht mal so, dass die wirklich fragen, sondern es ist eher so, dass den Teilnehmenden teilweise gar nicht bewusst ist, dass sie vielleicht schon am Ausbrennen sind. Wenn ich eingeladen werde, ist es zum Glück noch nicht zu spät. Also da geht es tatsächlich dann darum wie schaffe ich es achtsam im Ehrenamt zu sein. Dann kriegen die Tipps von mir und Entspannungstechniken. Wenn ich mit denen dann aber rede, mit den Leuten aus dem Ehrenamt, kommt ganz oft die Verwunderung und so dieses Ach, es war mir jetzt gar nicht bewusst, dass ich schon so nah dran bin oder auch so kurz vorm Burnout teilweise bin.

Stefanie Und wie kann ich mich denn jetzt eigentlich davor schützen? Viele Veganer·innen, die jetzt als Aktivist·innen so in der Tierrechtsszene unterwegs sind, haben einen Vollzeitjob und setzen sich dann nebenher da noch ein und sind am Wochenende unterwegs. An den Ständen helfen sie mit und werden ja auch viel konfrontiert mit dem Leiden. Und das wird ja wahrscheinlich bei jedem Ehrenamt so sein, dass man da immer aus sich rausgeht. Wie kann ich denn da auf mich achten? Hast du da Tipps?

Alexandra Genau. Also zum einen ist es ganz klar, ich muss mir, wenn ich in ein Ehrenamt gehe oder ein Ehrenamt ausüben möchte, erst mal wirklich innerlich so die Frage stellen: Warum möchte ich das eigentlich? Ist es wirklich, weil ich etwas Gutes tun möchte oder - und das ist leider ganz oft der Fall -erwarte ich etwas dafür? Da steckt eine versteckte Erwartungshaltung sozusagen dahinter. Das heißt, ich gebe und gebe und gebe und gebe, aber dafür will ich auch was. Das sagt keiner öffentlich. Aber es ist so unterbewusst spürbar. Das heißt im Nachhinein, es geht eigentlich so um: Ich wünsche mir eine Anerkennung durch das, was ich tue. Wenn jemand, so wie du es genannt hast, einen Vollzeitjob hat, vielleicht noch Familie und gibt dann im Ehrenamt noch alles, dann ist wirklich die Frage: hier stimmt was nicht. Und dafür braucht es einen ganz klaren Rahmen. Also ich brauche einfach eine klare Rahmen Bedingung, die jetzt einfach sagt ja, ich möchte mich ab sofort engagieren bei was auch immer. Und du hast völlig recht, es ist teilweise sehr zermürbend. Kannst dir vorstellen, auch in der Hospizarbeit mit Sterbebegleitung usw. Also das ist schon sehr dramatisch oder auch mit Flüchtlingen und bei euch natürlich auch. Aber dieses wie viel kann ich überhaupt - also ganz realistisch und bewusst auch zu gucken - wie viel Zeit kann ich tatsächlich in meinem Alltag dafür investieren?

Stefanie Und hast du da auch Übungen? Vielleicht wenn ich jetzt einmal gucke, wie viel Zeit kann ich investieren, aber vielleicht auch, dass ich mich erden kann, also dass ich da gefestigt rein gehe? Die Beispiele, die du genannt hast, passen ja auch sehr gut dazu. Es sind Bereiche, in denen ich nicht alleine als Einzelperson eine Lösung herbeiführen kann. Ich kann ja nicht die ganze Welt retten. Diese Herausforderung, vor der ich selbst dann als Einzelperson stehe: ich will aber was machen und wie kann ich da bei mir bleiben?

Alexandra Also du hast schon mal einen Punkt gesagt, der sehr wichtig ist. Zu sehen, dass ich nicht die ganze Welt retten kann. Das heißt, ich muss einen Perspektivwechsel vornehmen. Einen Perspektivwechsel vornehmen, bewusst, kann man einfach mal, indem man mal einen Schritt bewusst aus sich heraus geht. Das heißt, ich gehe einfach mal einen Schritt nach hinten oder mal nach rechts, nach links oder nach vorne. Das heißt, ich gehe bewusst dann aus dieser Situation heraus.

Also stell dir vor, du hast jetzt gerade ein schwieriges Gespräch gehabt mit dem einen oder anderen. Ihr habt diskutiert, ihr habt euch die Köpfe heiß geredet und du bist noch in diesem Gefühl drin und du denkst dir: Oh, das gibt es doch gar nicht. Also dann einfach so bewusst aus dieser Situation heraustreten. Also einfach mal bewusst diesen Schritt zurück und atmen. Also immer wieder atmen. Der Atem, der bindet uns an nach unten geerdet zu sein, aber gleichzeitig nach oben wieder was Frisches rein zu lassen.

Stefanie Ich glaube, dass es vielen auch so geht, dass sie irgendwie das Gefühl haben, dass es nicht okay ist, was für sich zu tun, weil es einem selbst ja eigentlich gut geht und den anderen geht es viel schlechter. Ich glaube, dass es so ein mutiger Schritt schon fast ist, wenn man dann sagt okay, jetzt mache ich tatsächlich mal was für mich. Das Atmen wäre jetzt so ein erster Schritt und würdest du irgendwelche Sachen empfehlen, wie Yoga oder irgendwas in der Richtung, was ich in meinen Alltag etablieren sollte?

Alexandra Also die Frage ist ja immer, wie viel Zeit habe ich einfach in meinem Alltag? Mir geht es so, ich kann nur mit Tipps was anfangen, die bei mir einfach reinpassen in mein Zeitkontingent und ich gehe also bewusst jeden Tag 30 Minuten an der frischen Natur spazieren. Egal, es gibt ja kein schlechtes Wetter. Das kennt ihr in Hamburg ja, es gibt nur schlechte Kleidung. Also diese halbe Stunde bewusst rauszugehen, aber nicht jetzt irgendwie in der Stadt, sondern einfach versuchen in der Natur. Erstens mal ist die Erdung nochmal da, durch die Verwurzelung, unten am Boden. Gleichzeitig sich auch zu öffnen, also diese halbe Stunde tatsächlich bewusst zu nutzen, um nicht erreichbar zu sein, das Handy auszustellen und sich einfach nur mal auf das zu konzentrieren, was im Jetzt ist, in diesem Moment, wo ich spazieren gehe. Wie fühlt sich der Fußboden unter mir an? Ist er weich? Ist er steinig? Ist er hölzern? Wie sieht der Baum aus? Also wirklich, diesen Blick auch mal wieder aufzumachen.

Wir haben ja oft diese Scheuklappen. Wir sind gestresst im Zeitmodus, es dreht sich alles. Es ist im Wandel, es muss schnell gehen. Aber mir diese halbe Stunde einfach zu nehmen und das Handy auszuschalten oder wenigstens auf stumm zu stellen, das hilft definitiv, um bewusst wieder sich zu erden und auch zu gucken: was ist denn überhaupt wichtig? Ganz oft ist es ja, wenn wir uns bewegen, die rechte mit der linken Gehirnhälfte einfach miteinander verbinden, verändert sich das Problem einfach. Also ich nehme mein Problem zum Beispiel mit in die Hand und gehe los. Dadurch verändert sich meine Ansicht darüber. Das ist auch wieder wie ein Perspektivwechsel, wie die Übung einfach raus aus der Situation und anders draufschauen.

Und diese Übung, wie ich sie gesagt habe, mit 30 Minuten am Tag Bewegung plus frische Luft ist einfach genial. Also durch dieses bewusste Spazierengehen ist es einfach so, dass du auch noch mal deine ganzen Sinne neu aktivierst. Unsere Sinne sind ja auch durch dieses, ich nenne es immer „Zuviel-itis“. Also wir werden ja den ganzen Tag irgendwie zugedröhnt und sind sehr weit von uns weg und durch diese Sinneswahrnehmung kommen wir wieder ganz bewusst zu uns zurück und das hilft einfach um wieder zu gucken, dass es mir gut geht.

Und ich darf noch mal kurz auch einlenken, dieses was du gesagt hast. Anderen helfen, das ist ja eher klar, aber sich selbst? Ich nehm mal ein ganz kleines Beispiel. Wir haben jetzt einen Krug voll mit Wasser und da ist unser Alltag drin, da ist unser Job drin, das ist die Familie drin, unsere eigenen Bedürfnisse und unser Ehrenamt. So, und jetzt? Der Krug ist voll und jetzt geb ich, ich gebe und ich gebe und ich gebe. Und wenn ich ständig gebe, was passiert dann? Logischerweise, genau. Wenn ich ausschalte, ist der Krug irgendwann leer. Wenn ich jetzt nachfülle mit Achtsamkeitsübungen, mit Entspannungsübungen, mit bewusst auch im Alltag zu sein, dann kann ich versuchen, diesen Krug in der Balance zu halten oder immer so schön gefüllt zu haben. Wenn ich aber nur gebe, dann ist irgendwann ist nichts mehr drin und dann geht's mir nicht gut. Und wenn es mir nicht gut geht, kann ich ja auch anderen nicht mehr helfen. Also das muss mir immer wieder auch bewusst sein. Wenn ich nicht in einem guten Zustand bin, bin ich anderen keine gute Hilfe.

Stefanie Das stimmt. Was sind denn so die Symptome, dass mein Krug eigentlich schon leer ist oder vielleicht auf dem Weg dahin ist, leer zu werden?

Alexandra Das passiert dann in diesen anderen Teilbereichen. Also Familie, Alltag, wie auch immer, man kriegt so eine leicht aggressive Stimmung, man ist mit sich selbst unzufrieden. Manche haben auch oft dann schon körperliche Symptome, Kopfschmerzen, Schulterschmerzen, Schlafstörungen. So was kann auch sein. Du hast das Gefühl der Tag hat nicht genug Stunden. Und du kannst nicht einfach mal ruhig sitzen und genießen. Also auch das ist ein Zeichen einfach dafür. Du bist ständig unter Strom und du musst und du musst. Also da ist so ein innerlicher Druck. Manche merken es, die ein gutes Feeling haben zu ihrem Körper. Manche merken es aber erst, wenn es zu spät ist und deswegen ist es wirklich wichtig, diese Sinne wieder zu trainieren, damit ich es merke und auch auf mein Bauchgefühl höre.

Also mein Bauchgefühl. Diese innere Stimme, die da jede·r in sich hat, die sagt eigentlich immer wieder: Hm, guck mal, das geht net so gut, also schau mal ein bisschen besser auf dich. Also sie gibt immer Zeichen und je nachdem wie gut wir miteinander verbunden sind, also ich und meine Intuition und das was im Außen ist, trau ich dem und gebe einfach mal Ruhe und schalte mal ein Gang zurück oder ich gehe über mich hinweg und mach dann immer weiter und irgendwann brenn ich tatsächlich aus. Und das haben wir im Ehrenamt ganz oft. Gerade wo ich letztens wieder, war bei den Frauen, Du merkst sie opfern sich einfach auf. Es ist echt wie ein Aufopfern, so kann man es sehen.

Stefanie Und du hast gesagt, dass du dann auch Entspannungsübungen machst. Ist das so was, was man dann selber später auch noch mal zu Hause machen kann oder sind das Übungen, wo du dann etwas sprichst? Also so meditative Übung, also dass du in der Meditation auch sprichst?

Alexandra In den Workshops ist es ja eher so, dass wir nur ein gewisses Zeitkontingent haben, das heißt, die Teilnehmenden kriegen natürlich eine Einführung. Ich mache ganz oft mit denen Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Das ist ein anerkanntes Entspannungsverfahren, wo du einfach aktiv selber an- und entspannen kannst. Das lässt sich dann auch einfach so ein bisschen in den Alltag integrieren. Ziemlich gut sogar. Wir machen dann das einmal und dann gucken die Teilnehmenden überhaupt erst mal: so ein Zugang tut mir das gut, wär das was für mich und dann können die Teilnehmenden sich weiter damit beschäftigen.

Manche kaufen dann auch gleich eine CD bei mir, weil ich früher das auch in Reha Kliniken gemacht habe und immer ganze Gruppen damit geführt habe. Also es ist eine aktive Entspannungsmethode, die einfach jedem·r helfen kann Stress abzubauen, Spannungen abzubauen in dem Moment, wo du die Muskeln anspannst. Wir machen aber auch Entspannungsreisen. Das sind dann einfach angeleitete Reisen, wo ich dich an schönen Ort führe und wo du einfach mal locker lassen kannst. Es gibt ja verschiedene Wege oder auch autogenes Training. Aber das muss man einfach lernen zu integrieren, in den Alltag, wie das Zähneputzen, sage ich immer Das muss nicht viel sein, aber die Regelmäßigkeit ist wichtig. Rituale sind einfach gut. So eine Beständigkeit reinzukriegen und dass sich so ein neues Bewusstsein entwickeln darf.

Stefanie Kannst du so so eine kleine Übung mit dieser Muskelentspannung mit uns hier gerade mal machen oder geht das so jetzt nicht?

Alexandra Ja okay, dann mach ich das mal mit dir und alle anderen hören zu. Okay? Genau. Also ich mache jetzt mal diese Übungen, wo wir alle Muskelpartien anspannen. Du spürst jetzt erst mal kurz so in dich rein, wie du dich gerade anfühlst. Und dann spannst du mal alle Muskeln an, die du gerade so anspannen kannst. Also jetzt spann einfach mal all das, was du jetzt gerade so anspannen kannst, an, das heißt du ballst die Hände zur Faust, du ziehst die Unterarme zu den Oberarmen, du kannst vielleicht die Zähne aufeinander beißen, die Stirn runzeln, die Pobacken fest zusammenkneifen, die Füße, Fersen auf den Boden, die Füße nach oben. Also all das mal anspannen und für einen Moment halten. Und die Spannung noch ein bisschen halten und dann loslassen.

Und dann einfach mal reinfühlen: Wie fühlt sich denn jetzt mein Körper an? Bei der Progressiven Muskelentspannung fangen wir erstmal mit dem rechten Arm an, dann mit dem linken und so gehen wir immer weiter. Das ist jetzt einfach nur meine Übung, um überhaupt mal zu sehen. Und ich denke, du wirst einen Unterschied merken zu dem, wie du vorher jetzt gesessen hast und wie du jetzt sitzt. Vielleicht spürst du ein bisschen Wärme oder vielleicht ein bisschen Kribbeln auch in deinem Körper. Das ist unterschiedlich, aber das ist tatsächlich die effektivste Methode, wo ich immer sage: Das könnt ihr immer machen, wenn euch jemand ärgert, spannt all eure Muskeln an, stellt euch den für einen Moment vor und haltet ungefähr sieben Sekunden, acht Sekunden die Anspannung. Und mit dem Ausatmen loslassen.

Und das bringt unendlich viel ohne dass du groß erst noch ein Meditationskissen brauchst oder irgendwas. Ich bin für ohne viel Schnickschnack. Es muss in den Alltag integriert werden. Ich hatte mal eine Kundin, die hat zu mir gesagt: Ja, da gibt es jemand im Büro, der regt mich total auf. Wir haben Großraumbüro, wo soll ich das machen? Dann habe ich zu ihr gesagt: Dann geh auf die Toilette. Also weißt du, diese Übung kannst du tatsächlich überall machen. Es gibt keine Ausrede, die nicht machen zu wollen. Und wenn du die regelmäßig integrierst, merkst du nach einer gewissen Zeit einfach einen Unterschied. Und das ist genial. Das ist einfach genial.

Stefanie Ich glaube, das kann man auch ganz gut machen, wenn man am Stand steht und nach so einem Gespräch vielleicht, was einen aufgeregt hat oder wo man nicht weitergekommen ist, dass man sich dann einmal kurz ein bisschen zurückzieht, dann diese Übung macht und danach vielleicht dann entspannter auf den·die nächsten zugehen kann. Und da funktioniert es auch ganz gut.

Alexandra Definitiv. Genau. Also erstens mal hast du völlig recht, weil das ist einfach so, wenn du aus einem Gespräch rausgehst, was nicht gut verlaufen ist und du gehst ins nächste rein, dann nimmst du den Schwall mit. Manchmal hilft es auch, sich einfach nur mal zu schütteln. Einfach nur mal abschütteln. Also das ist ja jetzt nichts Spektakuläres, aber das hilft. Also ich schüttel es mir einfach mal weg und dann mal wieder mit den Füßen auch richtig aufzustampfen und wirklich wieder bewusst den Boden einfach zu spüren.

Du hast ja mit der Person geredet, dann hast du eine Position eingenommen und du wechselst die Position. Geh aus der Position raus, schüttel dich und geh auf eine andere Seite. Damit hast du komplett eine andere Möglichkeit, einen anderen Einstieg in das Gespräch neu reinzugehen.

Ich hatte da letztens auch eine Frau, die gesagt hat: „Ja und dann die ist total nett, aber das ist so schwierig mit der und immer wenn ich dann da bin, dann hinterher geht es mir gar nicht gut.“ Und dann sage ich so zu ihr: „Ja, wie läuft denn das ab? Wenn Sie dann aus diesem Gespräch da mit der Betreuten rausgehen?“, „Ja dann geh ich und setz mich in mein Auto und dann mache ich zu Hause weiter.“ Und dann sage ich zu ihr: „Und haben Sie denn ein Ritual, dass Sie das beenden bei der Frau?“ - „Naja gut, ich sag der Frau Tschüss.“ Dann sage ich so zu ihr: „Es kann ja sein, dass es nicht reicht.“ Hm, macht sie so. Dann habe ich gesagt: „Wie wär denn das, wenn Sie bewusst, wenn Sie diese Haustür wieder zugemacht haben von der Frau, sich dann einfach mal schütteln und einfach das, was da gewesen ist, auch dalassen und durchatmen und ins Auto gehen. Und dann auf dem Weg nach Hause kann das nämlich dableiben, oder?“

Also es ist ja schon dagewesen, aber manchmal kommen ja noch so ein paar Fetzen. Und durch diese Fahrt hast du dann einfach noch mal die Möglichkeit, dass wenn da noch was käme. Aber das kommt meistens nicht, weil in dem Moment, wo du schon bewusst das abgeschüttelt hast, gehst du ganz anders in dein Auto wie vorher. Sonst nimmst du den ganzen Kram mit. Und das ist ja nicht nur im Ehrenamt so, das begegnet uns tagtäglich und ständig. Und deswegen ist es gut, einfach gewisse Techniken zu haben, wo man sich schüttelt, durchatmet, die Schrittposition verändert vielleicht diese Entspannungsübungen, alle Muskeln mal anzuspannen. Ich kann mir das auch vorstellen gedanklich, was mich da gerade so beschäftigt. Und diese Anspannung halten und mit dem nächsten Atemzug loslassen. Also auch das ist möglich.

Stefanie Das das klingt alles total super. Also so kleine Sachen, die man wirklich in den Alltag integrieren kann und die jeder oder jede von uns dann auch nutzen kann, egal ob jetzt im Ehrenamt oder nicht, wie du gerade sagtest. Aber vor allem, wenn ich mir das vorstelle, diese Gesprächssituationen, die ich dann habe oder das Frustrierende vielleicht teilweise, wenn ich denke, die anderen müssen doch jetzt endlich mal das sehen, was ich sehe und die tuns aber einfach nicht und so. Also so diese Situation.

Alexandra Also das ist auch noch mal ein guter Hinweis, was du da gerade sagst. Die anderen müssen das sehen. Also das ist zum Beispiel was, was man sich ja dann oft vielleicht auch fragt, dann gerade bei euch, wo man einfach dann mit dieser Abschüttelung sich innerlich wieder sagen kann okay, mit dem Gedanken bin ich aber jetzt bei dem anderen und ich gehe jetzt mit dem Abschütteln wieder zu mir zurück, weil ich habe ja mein Warum? Also du hast ja dein Warum, dass du dich dem Veganen angeschlossen hast und dass du das weiter verfolgst. Aber das ist dein Warum, das ist glaube ich immer wieder wichtig, was wir uns alle bewusst machen müssen. Es sind unsere eigenen Gedanken und je nachdem habe ich sie bei mir oder habe ich sie beim anderen. Wenn ich sie beim anderen habe, habe ich keinen Einfluss drauf kann ich mich aber wieder erden. Mein warum wieder weiter verfolgen. Dann gehe ich ja sowieso wieder ins andere Gespräch auch wieder besser rein. Und ich kann die·den anderen so lassen wie sie·er ist, weil jede·r hat ihr·sein Tempo. Verstehst du? Also das ist auch noch wichtig zu wissen. Der·die andere ist ja nicht mein·e Wunscherfüller·in oder mein·e Erwartungserfüller·in.

Stefanie Ja, das stimmt. Jede·r hat ihr·sein eigenes Tempo und es ist immer ein Prozess, auch wie wir uns entwickeln. Und vielleicht entwickelt sich die·der andere nie dorthin, wo ich sie·ihn haben will. So also in Gedanken. Also ja, das kann ja auch vorkommen. Das ist nämlich dann schon schwierig, wenn ich mit dieser Erwartungshaltung reingehe: So, du musst das doch endlich verstehen.

Alexandra Ja, genau das ist auch zum Beispiel wenn ich diese Workshops gebe, wenn ich nicht bei mir bin, dann denk ich auch oft: wieso merkt denn der·die das jetzt nicht? Aber in dem Moment bin ich bei ihr·ihm, aber ich kann sie·ihn ja nicht verändern. Ich kann aber, und dann bin ich wieder bei mir, ihm·ihr Tipps und Tricks zeigen, dass er·sie sein·ihr Ehrenamt weiter ausfüllen kann, aber mit Freude, mit Spaß und viel Energie. Das kann ich. Darauf habe ich Einfluss, ihm·ihr das beizubringen, was ich ihm·ihr zu geben habe. Aber ich habe nicht auf das Einfluss, ob er·sie es dann tut, weil das ist seins·ihrs.

Stefanie Das waren jetzt eigentlich schon total viele tolle Tipps. Hast du vielleicht zum Abschluss noch irgendwie so den Tipp oder irgendwie drei tolle Sachen, die du allen, die jetzt hier zuhören, noch mit auf den Weg geben möchtest?

Alexandra Ich habe vielleicht vieles jetzt schon gesagt, was einfach wichtig ist. Ich kann anderen nur eine gute Unterstützung oder eine gute Hilfe sein, wenn es mir selbst gut geht. Das ist einfach so. Also liebe dich selbst, so wie deinen Nächsten. Aber erst kommst du und das hat nichts mit Egoismus zu tun. Man sagt ja auch bei Müttern und Kindern zum Beispiel: Guck erst bei dir, dann geht es deinem Kind automatisch gut. Das ist tatsächlich so. Also erst bin ich dran und das hat nichts mit Narzissmus oder irgendwie zu tun. Egoistisch? Nein, das ist eher etwas Gesundes. Ich sorge gut für mich, dann geht es auch allen anderen gut. Also das ist mein allerwichtigster Tipp, den jede·r einfach mitnehmen sollte.

Worüber es sich auch lohnt unbedingt nachzudenken: Es gibt ja viele, die denken: „Ja, das muss ich auch mal machen und das muss ich noch mal! Ja, ich weiß, das müsste ich auch machen, dann würde es mir besser gehen.“ Also dieses: Ich verschiebt das mal. Ich bin immer der Meinung, wir wissen nicht, wie lang wir hier sind. Wir haben keine Ahnung. Also Zeit ist begrenzt und immer zu gucken auch, was will ich tatsächlich, was ist mein Bedürfnis? Also da sind wir auch wieder bei dem Ich. Es geht wirklich ums Thema Selbstliebe. Also das ist das A und O und damit kann ich dann auch viele Dinge einfach verändern und achtsam zu sein, die Sinne wieder zu öffnen, sich draußen mehr in der Natur zu bewegen. Um sich von dieser ganzen Ablenkung von außen um mich zu erden, muss ich zurückkommen zu mir, zur Natur. Das ist einfach so, das ist ja auch irgendwie logisch, wenn man drüber redet.

Stefanie Hast du zum Abschluss noch irgendein Motto oder etwas, was man tun kann, um nicht auszubrennen? Also sowohl im Ehrenamt als auch generell im Alltag.

Alexandra Also im Ehrenamt auf jeden Fall, sich wirklich noch mal diesen zeitlichen Rahmen klar zu machen. Ich bin ich. Ich habe meinen Beruf, ich habe meine Familie, ich habe meine eigenen Bedürfnisse. Und wie viel Kapazität habe ich tatsächlich frei? Und wenn ich nämlich keine Kapazität frei habe, macht es ja keinen Sinn, noch ein Ehrenamt auszuüben. Da braucht man auch nicht eins und eins zusammen zu rechnen, sondern das ist logisch, einfach weil wenn ich keine Zeit habe und mir dann noch ein Ehrenamt an die Backe binde, das kann nur in die Hose gehen, dann wird irgendwas drunter leiden.

Wenn ich symptomatisch schon reagiere oder öfters gereizt und ungeduldig bin, sich einfach zu überprüfen: überfordere ich mich vielleicht jetzt irgendwo? Also das passiert sowohl im Ehrenamt als natürlich auch im Alltag. Und ich finde Rituale toll, weil sie geben einem so ein bisschen Beständigkeit im Alltag und machen einem auch noch mal bewusst: Dieses Leben ist einfach zeitlich begrenzt und sich für diese schönen Dinge im Leben auch zu öffnen. Diese besonderen Momente, die können immer sein, das kann der Schmetterling sein, das kann der Krokus, der jetzt vielleicht gerade auf der Wiese blüht, sein, der schöne Baum, der Vogel. Also einfach zu wissen: alles ist ein Geschenk. Ich brauche nur einfach mal die Augen aufzumachen. Das ist so das, was mir jetzt einfach noch mal wichtig ist zu transportieren. Es ist nicht nur alles schwarz und weiß, es gibt mehr Schattierungen dazwischen.

Stefanie Und wenn jetzt die Hörer·innen wissen wollen, wo man denn jetzt so eine CD bekommt von dir zum Beispiel oder mehr von dir hören wollen, vielleicht auch noch mal ein Coaching bei dir mitmachen möchten: Was bietest du denn alles an und wo kann man das denn finden?

Alexandra Also die Website heißt www.neuaufgestellt.de ist relativ einfach zu merken, weil es ja tatsächlich darum geht, sich neu aufzustellen. Da kann man auch eine CD käuflich erwerben. Die ganzen Coachings werden noch mal ein bisschen näher erläutert und man kann sich auch zum Newsletter anmelden oder einfach mal so stöbern. Ich habe viele Blogs geschrieben über Aufstellungsarbeit, über Entspannung. Es gibt auch Entspannungstrance, die man hören kann. Also die stelle ich kostenfrei zur Verfügung und man kann mir jederzeit einfach eine Email schreiben unter info @neuaufgestellt.de . Dann können wir ein kostenfreies Kennenlerngespräch vereinbaren, wenn der·die ein oder andere noch Fragen hat und sagt Oh, ich würde gern, aber ich weiß noch nicht. Das sind so die Möglichkeiten, um mit mir zusammen zu arbeiten. Meine Hauptarbeit liegt im Telefon Bereich. Also ich mache zum Beispiel auch Aufstellungsarbeit per Telefon. Das ist so das wo du einfach in deinem sicheren Rahmen von mir sicher auch durchgeführt wirst, einfach mal hinter gewisse Sachen zu gucken und nicht nur an der Ursache oben herumzudoktern, sondern an die Wurzel zu gehen. Wenn sich etwas im Leben einfach nicht lösen will und es immer und immer wieder mich verfolgt.

Stefanie Super, dann danke ich dir sehr Alexandra, dass du die Zeit gefunden hast mit mir dieses Gespräch zu führen und für all die tollen Tipps.

Alexandra Ja, ich danke dir Stefanie für deine Einladung. Habe ich gerne gemacht.

Stefanie Sehr gerne. Genau dann würde ich sagen in diesem Sinne und auf Wiederhören.

Vegan unterwegs mit Dirk Meyer

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Folge 112 -  Vegan unterwegs mit Dirk Meyer

In dieser Folge

  • habe ich den Ernährungsberater Dirk Meyer zu Gast,
  • spreche ich mit Dirk über seine Tipps, wie es gelingt auch unterwegs vegan zu leben und
  • plaudern wir darüber, wie Dirk sich auf seine Arbeit im Außendienst vorbereitet.

Ich habe Dirk Meyer auf der Veggienale 2016 in Hamburg kennengelernt, wo wir beide an einer Podiumsdiskussion teilgenommen haben. Seitdem sehen wir uns immer wieder auf verschiedenen Messen und so lag es nahe Dirk zu fragen, wie er sich denn unterwegs ausgewogen vegan ernährt.

Dirk ist nicht nur Ernährungsberater und Coach, sondern auch für einen Ökostromanbieter auf Messen unterwegs und reist somit ziemlich viel durch Deutschland.

Wie er dabei nicht verhungert und wie Du das auch schaffst, erzählt er in diesem Interview.

Links zur Folge

Ernährungsberatung mit Dirk Meyer
www.einfachsovegan.de

Coaching mit Dirk Meyer
www.herz-plus-verstand.de/coaching

Dirks Podcast "Resonanz"
www.herz-plus-verstand.de/podcast

Bücher:

  • Dr. Greger – Das HOW NOT TO DIE Kochbuch: Mehr als 100 Rezepte, die helfen Krankheiten vorzubeugen und zu heilen
  • Dr. McDougall – Die High-Carb-Diät: Abnehmen Mit Den Richtigen Kohlenhydraten
  • Julia Lechner & Anton Teichmann – High Carb Vegan: Die gesunde Low Fat Küche
  • Alfons Grabher – Vegan ohne Fett+Öl? Ein paar wissenschaftliche Fakten, kurze Geschichten und sehr einfache Rezepte

Wie vegan ist die Autoherstellung?

Ein Beitrag

Folge 111 - Wie vegan ist die Autoherstellung?

Diese Folge ist ursprünglich als Extrafolge für unsere Steadyunterstützer entstanden.

Dirk hat uns gefragt, ob wir einmal recherchieren könnten wie vegan die Fahrzeugherstellung ist und Carsten hat sich dieser Fragestellung gleich angenommen und nicht nur recherchiert, sondern auch Fahrzeughersteller angeschrieben.

Ob es ein veganes Auto gibt und welche Macht Du als Konsument*in hast, darüber sprechen wir in dieser Folge.

Folge 110 - Wohlstand ohne Wachstum

Ein Beitrag

Folge 110 - Wohlstand ohne Wachstum

In dieser Folge

  • stellt Dir Carsten das Standardwerk "Wohlstand ohne Wachstum" von Tim Jackson vor,
  • erklärt Dir Carsten wann Du dieses Buch lesen solltest und
  • diskutieren wir einige Aspekte des Buchs.

Was mir gerade erst bei der Linkrecherche klar geworden ist: es gibt seit letztem Jahr ein Update zu "Wohlstand ohne Wachstum". Das Buch haben wir noch nicht gelesen, werden es aber noch nachholen und dann, wenn es nennenswerte Neuerungen gibt, in einer weiteren Folge vorstellen.

Und es bleibt für mich dabei: Du hast es in der Hand, wenn Du Dein Konsumverhalten änderst, dann schaffen wir den Wandel!

Links zur Folge

Buch "Wohlstand ohne Wachstum" von Tim Jackson
https://www.buch7.de/store/product_details/1020660078

Buch "Wohlstand ohne Wachstum - ein Update" von Tim Jackson
https://www.buch7.de/store/product_details/1028754873

Transkript (Von Podcasthörer·in Rupert Korrektur gelesen)

Stefanie In dieser Folge stellt Carsten mal wieder ein Buch vor.

Carsten Ja, und ich bin neugierig gewesen auf dieses Buch. Es war mir ein Herzensanliegen. Habe mich gefreut, dieses Buch auch tatsächlich in die Hände zu bekommen. Nämlich eigentlich ein Klassiker: Tim Jackson, Wohlstand ohne Wachstum.

Stefanie Genau. Ich habe es noch nicht gelesen. Ich will es ganz gerne noch lesen. Und Carsten hat sich seitenlange Notizen gemacht dazu. Und es muss jetzt alles raus. Das heißt, du wirst jetzt einfach das alles abbekommen, was Carsten aus diesem Buch gezogen hat.

Carsten Die volle Ladung, meinst du. Ich halte mich zurück. Ich will ja auch noch, dass Du, liebe Hörerin, liebe Hörer oder du, Stefanie das Buch dann auch nochmal liest.

Stefanie Und das ist jetzt kein Roman.

Carsten Es ist kein Roman, aber es wird jetzt auch noch.

Stefanie Ist schon ok, du darfst Spoilern.

Carsten Ja, aber auch nicht zu tief, also tief genug, um eben eine Anregung zu geben, weil das Buch wirklich lohnenswert ist.

Stefanie Okay. Der Untertitel ist: Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt, und Carsten hat mich beauftragt, das Inhaltsverzeichnis vorzulesen. Knarz. Knarzend geht das Buch auf. Das Buch ist übrigens herausgegeben von der Heinrich Böll Stiftung, und auch die Böll Stiftung macht Podcasts.

Carsten Ja, absolut Hörenswerte.

Stefanie So, also ich soll das jetzt hier einfach vorlesen, oder?

Carsten Ja, ich dachte, wenn du so ein bisschen ins Inhaltsverzeichnis rein liest, dann kann man relativ schnell einen guten Eindruck von dem Inhalt des Buches bekommen. Deswegen heißt es ja auch Inhaltsverzeichnis (lacht).

Stefanie Also Vorwort zur aktualisierten und überarbeiteten Neuausgabe von Tim Jackson (lacht). Vorworte.

Carsten Das ist jetzt nicht der Reihe nach.

Stefanie Du hast gesagt. So, also das erste Kapitel lautet Der verlorene Wohlstand. Willst du dazu jetzt auch schon direkt was sagen, oder möchtest du das dann danach?

Carsten Ich werde danach relativ frei davon sprechen. Ich habe jetzt überlegt, dass es keinen Sinn macht, wirklich Kapitel für Kapitel irgendwas beizusteuern, weil ich mir so das Buch auch gar nicht erarbeitet habe. Ich habe es zwar von vorne bis hinten durchgelesen, ich gehöre zu den notorischen „der Reihe nach Leser“, und nicht immer so querbeet. Aber die Notizen, die ich mir gemacht habe, die sind jetzt nicht auf ein bestimmtes Kapitel bezogen, sondern, ich könnte da auch gar nicht mehr sagen, aus welcher Seite oder aus welchem Kapitel die einzelnen Zitate oder Notizen kommen, die ich da geschrieben habe.

Stefanie Vielleicht, bevor ich jetzt hier das vorlese, das Vorwort und so. Für wen ist denn das Buch?

Carsten Das Buch ist für all jene, die schon mit dem Thema Wachstum oder de-growth oder Wohlstandsmodelle in Kontakt gekommen sind, oder darüber gehört haben. Also ich glaube, der Titel Wohlstand ohne Wachstum ist ja auch relativ bekannt. Also es ist auch definitiv ein sehr bekanntes Buch, und ich denke, dass gerade so diese Frage „Wie könnte ein alternatives Wohlstandsmodell aussehen?“, ich glaube, fängt schon fast mit diesem Buch an. Also Tim Jackson baut zwar auf Ideen von anderen Autoren auf, aber er fasst das so auch präsent zusammen, dass ich glaube, das ist so mit einer von diesen Anfängen oder ein Beginn, sich mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen und nochmal zu schauen wie, wie können solche Konzepte aussehen? Okay, und wenn du, liebe Hörerin, lieber Hörer, dich prinzipiell für dieses Thema interessierst oder auch im Bekanntenkreis jemanden kennst, der glaubt, okay, also dieses kapitalistische marktwirtschaftliche System ist nicht alles, da muss es doch noch mehr geben. Ähm, dann denke ich, ist dieses Buch auf alle Fälle sehr empfehlenswert.

Stefanie Okay, jetzt fallen mir keine Fragen mehr ein (lacht)

Carsten Zum Inhaltsverzeichnis.

Stefanie Vorhin hatte ich noch eine Frage. Also gut, wir waren jetzt bei Der verlorene Wohlstand: Wohlstand als Wachstum, Die Frage der Grenzen jenseits der Grenzen. Das zweite Kapitel ist das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit: Auf der Suche nach den Schurken, Das Labyrinth der Schulden, Der Feind im Innern, Ökologische Schulden.

Stefanie Und das dritte Kapitel heißt Wohlstand neu definieren: Wohlstand als Fülle, Wohlstand als Nutzen, Wohlstand als Verwirklichungschancen, Verwirklichungschancen innerhalb von Grenzen. Dann kommt das Wachstumsdilemma und der Mythos Entkopplung. Was soll das heißen?

Carsten Entkopplung heißt, dass du Wachstum erzeugen kannst, ohne dass die Ressourcen verbraucht werden, oder dass du schneller wachsen kannst, also wirtschaftliches Wachstum erzeugen kannst und gleichzeitig aber die Menge an verbrauchten Ressourcen nicht in dem gleichen Maße steigt.

Stefanie Okay. Dann kommt Das stahlharte Gehäuse des Konsumismus. Was ist das stahlharte Gehäuse?

Carsten Naja, das sind halt so wie, ich sag jetzt mal die mentalen Schranken, in denen wir uns bewegen, oder die kulturellen Schranken.

Stefanie Keynesianismus und der Green New Deal, sagt mir jetzt alles nichts.

Carsten Ja, es ist damals so aus den 1920er Jahren, mit der Wirtschaftskrise, die damals da war. In Amerika, da gab es eben Mr. Keynes oder Keynes? oder Keynes. Ja, der eben, der ja bestimmte ökonomische Modelle präsentiert hat, mit denen der Staat, ich sag jetzt mal relativ verkürzt, einfach durch erhöhte Ausgaben dafür gesorgt hat, dass eben Wachstum erzeugt wurde. Und heute will man ja nicht einfach nur Wachstum, sondern grünes Wachstum. Und da gibt es eben tatsächlich so dieses Konzept oder diesen Begriff „Green New Deal“.

Stefanie Okay, also das heißt, der Green New Deal war nicht 1920.

Carsten Nein, nein, das ist jetzt quasi auf die Jetztzeit bezogen, um zu gucken, wie, also dieser New Deal ist damals in Amerika entstanden. Da kommt auch der Begriff her. Das war damals eigentlich so, diese Finanzierung oder Anschubfinanzierung oder dieses System, um überhaupt wieder Wirtschaftswachstum nach dieser Wirtschaftskrise zu erzeugen. Und der Green New Deal ist halt eben diese grüne Adaption, oder, ja.

Stefanie Okay. Ja, gut, das ist ja jetzt in Hamburg, wollte ich sagen (lacht), in Deutschland, ist auch Hamburg.

Carsten Hamburg ist auch in Deutschland.

Stefanie Deutschland ist, Hamburg ist auch Deutschland, und Deutschland ist auch Hamburg. Aber also in ganz Deutschland gab es ja den grünen Plan noch in den 1950er Jahren. Aber das ist ein bisschen anders gewesen. Da ging es ja darum, die Agrarwirtschaft anzukurbeln. Das ist jetzt damit nicht gemeint.

Carsten Nein, hier gilt es grün im Sinne von nachhaltig und ökologisch.

Stefanie Okay, gut, dann ist das nächste hier Ökologische Makroökonomie: Grundlagen der Makroökonomie, Den Motor des Wachstums verändern, Die Arbeit teilen, Ökologische Investitionen, Grundlagen für eine ökologische Makroökonomie. Makroökonomie.

Carsten Mhm. Ja, ist ein neuer Begriff für dich?

Stefanie Ich habe schon mal davon gehört. Okay. So, dann gibt es Gedeihen in Grenzen, Ein Leben ohne Scham. Was ist das? Schamloses Leben. Schamlos.

Carsten Schamlos. Muss ich lügen, weiß ich jetzt nicht mehr im Detail.

Stefanie Oh, da müssen wir doch mal einmal nachgucken. Ähm. Hast du dir hier Notizen gemacht? Da sind so unterstrichene

Carsten Nein, das war mein Vorleser

Stefanie Verkopplung uralt. Ähm. (liest vor) „Ein Leben ohne Scham. Interessanterweise kam Amartya Sen in seinem Frühwerk über den Lebensstandard diesem Rätsel sehr nahe. Er führt dort aus, dass die materiellen Erfordernisse für das physische Gedeihen in allen Gesellschaften recht ähnlich seien, denn schließlich funktioniere der menschliche Stoffwechsel überall ziemlich gleich. Sen behauptete jedoch, dass sich die materiellen Voraussetzungen für soziale und psychische Verwirklichungsschancen je nach Gesellschaft beträchtlich unterschieden. Seine Argumentation greift Adam Smith‘ Erkenntnis über die Bedeutung der Scham im gesellschaftlichen Leben auf. So schrieb Smith in „Der Wohlstand der Nationen“: Ein leinendes Hemd zum Beispiel ist streng genommen kein unentbehrliches Lebensbedürfnis. Aber heutzutage würde fast in allen europäischen Ländern ein anständiger Tagelöhner sich schämen, öffentlich ohne ein leinenes Hemd zu erscheinen, dessen Mangel jenen schimpflichen Grad von Armut bezeichnet, zu dem, wie man annimmt, niemand ohne den schlechtesten Lebenswandel herabsinken kann.“ Ist so ein bisschen kompliziert geschrieben, finde ich.

Carsten Du hast jetzt auch Adam Smith gerade zitiert. Also das ist eins der wenigen Bücher, wo ich wirklich kapituliert habe. Da habe ich ja nach

Stefanie Ach stimmt ja, der Wohlstand der Nation war dieses dicke Wälzerteil (lacht)

Carsten Ich glaube, mehr als 1000 Seiten, und nach 100 Seiten habe ich dann aufgehört, weil das ist einfach so staubtrocken formuliert, dass, das ist hier echt noch zugänglich und unterhaltsam, dieses Zitat.

Stefanie Stimmt, das war das ja, ich wusste doch irgendwo her kenn ich das. Es stand jahrelang bei uns rum, quasi und Carsten hat versucht, das zu lesen.

Carsten Irgendwann werde ich das vielleicht auch noch mal.

Stefanie Weißt du, man muss nicht alles gelesen haben, man muss nicht. (liest) Sen weitet diesen Gedanken auf einem ... so schreibt er ein Leben ohne Scham. Freunde besuchen und einladen zu können, auf dem Laufenden zu bleiben über das, was geschieht und worüber die anderen reden usw.. Dies alles erfordert in einer Gesellschaft, die insgesamt reicher ist und in der die meisten Leute bereits etwa über Fahrzeuge, Kleidung, Überfluss, über Radios oder Fernseher usw. verfügen, ein aufwendigeres Paket an Gütern und Dienstleistungen. Okay.

Carsten Es geht halt darum, dass du dich aufgrund deines Sozialstatus nicht unbedingt schämen musst, indem du gewisse Güter besitzt, die nach außen hin ich sage jetzt mal Prestige darstellen. Wenn du die halt nicht hast, dann kommt halt die Scham ins Spiel, dass du dir es halt nicht leisten kannst.

Stefanie Und ist jetzt noch Alternativer Hedonismus.

Carsten Ja.

Stefanie Willst du dazu später noch was sagen?

Carsten Ich glaube, das greife ich jetzt nicht explizit auf, aber es geht halt darum, dass eben dieses lustvolle Leben, was halt nur auf Spaß und auf äh Lustgewinn.

Stefanie Was wir ja auch schon in einem Kommentar jetzt so erhalten haben. Wir hatten ja schon mal einen Kommentar erhalten von einer Dame, die gesagt hat, dass ihr das alles völlig wurscht ist, piepegal, mit den

Carsten Sie wäre halt hedonistisch veranlagt, oder Hedonistin, oder

Stefanie Wurscht. Und also, so ist es gemeint.

Carsten Ja genau. Einfach maximalen Lust- oder Spaßgewinn. Okay, und da gibt es eben eine Möglichkeit, das alternativ ja zu bekommen. Also ja.

Stefanie Also wie alternativ? Also dass man trotzdem das machen kann oder wie?

Carsten Nee, nee, nee, nee. Also die Zielsetzung ist schon anders gelagert, aber dass du eben Zufriedenheit bekommst, ohne jetzt in der Art und Weise in diesem Konsumismus zu verbleiben.

Stefanie So, dann ist das zehnte Kapitel Ein Regierungsmodell für den Wohlstand, das elfte Der Weg in ein nachhaltiges Wirtschaftssystem, und das zwölfte Bleibender Wohlstand. Dann gibt es noch Dank, Anhang, (lacht) Literatur und. Okay, dann haben wir genug gescherzt.

Carsten Genau. Und es sind zwölf Kapitel, in denen er die unterschiedlichen Themen anspricht. Du hast es jetzt gerade vielleicht schon gehört. Es geht da auch so ein bisschen in den Bereich Makroökonomie. Also so, die Wirtschaftswissenschaften werden reflektiert, und das ist auch wirklich so ein Bereich in dem Buch, der so ein bisschen akademischlastig ist. Also da kommt so ein bisschen das BWL Wissen durch, und da muss man sich so ein bisschen durchkämpfen, wenn man das nicht so gerne mag. Aber ansonsten ist der Rest vom Buch absolut einfach dargestellt und auch wirklich zugänglich. Okay, und jetzt muss man natürlich wissen, dass dieses Buch damals im Zuge oder im Geiste der Weltwirtschafts- oder Finanzkrise 2008 entstanden ist. Also das Buch selber kommt aus 2009, die deutsche Ausgabe ist glaub ich 2011 erschienen. Aber ein Initialpunkt war tatsächlich so dieser Zusammenbruch des Finanzsystems. Und da natürlich auch die Frage wie wollen wir weitermachen? So, und Tim Jackson selber hatte sich wohl über lange Zeit generell schon mit diesem Thema auseinandergesetzt, hat vorher glaube ich ein Referat oder einen Aufsatz, also eine relativ kleinere Abhandlung geschrieben, und auf Basis dieser Abhandlung ist dann auch dieses Buch entstanden, was das ganze Thema ein bisschen weiter fächert. Und also spannend finde ich einfach so dieses Zusammenwürfeln, dass er so Themenbereiche auch wirklich intensiv diskutiert wie zum Beispiel Wohlstand. Was ist Wohlstand, wie setzt er sich zusammen, wie kann man Wohlstand definieren? Er spricht sehr viel über Ressourcen, Ressourcenausnutzung, Ressourcenbegrenzung. Ein roter Faden in dem ganzen Buch ist Klima, Klimawandel, also CO2 oder Treibhausgase. Das zieht sich dort wirklich durch, durch das Buch. Dann wird sehr viel auch über Konsum gesprochen und da greift er auch durchaus auf andere Autoren oder Wissenschaftler zurück. Vielleicht auch so ein bisschen philosophisch, um überhaupt erst mal zu schauen, warum konsumieren wir eigentlich so? Was ist denn das eigentlich für ein Konsum, für ein System, in dem wir uns bewegen? Und dann geht er natürlich zum Schluss hin zu einer Lösung. Das heißt, er versucht jetzt nicht ausschließlich nur den Problemkomplex zu beschreiben, sondern daraus entstehend oder darauf aufbauend dann schon eine Skizze zu liefern. Wie könnte eine Lösung aussehen? Und das allerletzte Kapitel ist einfach: Wie könnte diese Lösung bestehen bleiben? Also bleibender Wohlstand? Das, was er da im Kapitel zwölf hatte.

Stefanie Und was ist die Lösung? Ich will jetzt erste die Lösung wissen.

Carsten Die Lösung. Ja, also die Lösung, die ist leider nicht ganz so einfach und trivial, wie ich mir das eigentlich erhofft hatte. Er geht dort auf drei Ebenen ein, die mehr oder weniger parallel entwickelt werden müssen, damit du dann auch tatsächlich zu diesem Lösungsszenario kommst. Er beschreibt, dass es auf der persönlichen Ebene Veränderungen geben muss, also weg von diesem Konsumismus. Auf der wirtschaftlichen Ebene muss es eine grundlegende Veränderung geben, dass mehr in den grünen, nachhaltig und ökologischen Bereich investiert wird. Auch das Renditedenken muss sich grundlegend verändern. Also Unternehmer müssen dann im Rahmen dieser Neuorientierung nicht mehr den maximalen Finanzrenditecharakter im Kopf haben bei ihrem Handeln, sondern die müssen den ökologischen Renditecharakter als Ziel ansetzen. Das unterscheidet sich natürlich grundlegend. Und naja, das ist natürlich, ich sag jetzt mal nicht mit dem zu vergleichen, wo wir heute jetzt gerade unsere Wirtschaft aufgebaut haben oder leben. Aber auch politisch muss sich grundlegend etwas ändern. Das heißt, er spricht dort teilweise so, dass der Staat sich in bestimmten Bereichen stärker nicht engagieren, sondern auch beteiligen muss. Also weg von dieser Privatisierung, hin zu einer staatlichen Einmischung oder Übernahme von Anteilen durch den Staat, explizit dort, wo ganz klar das Gemeinwohl mit tangiert wird, zum Beispiel Energiesektor oder Finanzsektor etc., wo er sagt okay, das sind große Stellschrauben, und da muss man auch mit, ja, muss man eigentlich akzeptieren, dass der Staat dort mit mitrein greift. Nicht so wie nach der vergangenen Wirtschaftskrise, wo der Staat einfach nur Stütze war, nach dem Motto die Banken haben Billionen an Dollar oder Euro Miese gemacht und der Staat muss jetzt zufüttern, damit dann die Finanzstrukturen aufrecht erhalten werden, sondern der Staat soll dann tatsächlich Anteile an diesem Wirtschaftsunternehmen besitzen, damit er auch in den guten Zeiten von diesem Wirtschaften dann profitiert. Und gleichzeitig muss der Staat aber auch durch seine Ausgabenpolitik in den Bereichen investieren, die dem Gemeinwohl zugutekommen. Und das, was wir so im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnten erleben, ist ja, dass der Staat sich immer mehr zurückzieht. Also eine Liberalisierung des Marktes wird angestrebt, eine Privatisierung von Risiken. Das merkst du so im Versicherungsbereich oder auch Rente, dass man immer stärker private Altersvorsorge treffen muss. Und da muss man eigentlich genau in die andere Richtung. Okay, aber wenn du so dieses Persönliche, dieses Wirtschaftliche und das Politische fundamental änderst, dann kannst du auch zu einer Lösung kommen, die, ja, er hat sie versucht, so ein bisschen zu beschreiben, aber es bleibt noch so ein bisschen abstrakt. Also er benennt alternative Modelle, er nennt sie so „Aschenputtelwirtschaft.“ Okay, das sind im Grunde genommen Sachen, die man so aus dieser Transition oder Transitiontown-Bewegung kennt, dass sich lokale Wirtschaftskreisläufe bilden, die erst mal robuster sind gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen, die aber auch sehr stark auf den sozialen und, ähm ja, den Aspekt eingehen, dass die Menschen untereinander stärker wieder arbeiten. Also weg von diesem Individualismus hin zu mehr Gemeinschaftsdenken. Er grenzt das aber auch ganz klar ab, also er sagt es ist nicht so, dass ich jetzt komplett in den keine Ahnung Sozialismus rein möchte, dass wird es jetzt nicht sein. Das wird immer noch so sein, dass Unternehmen Ware produzieren, dass Menschen konsumieren, dass auch der Staat in bestimmte Sachen investiert etc. Also so, so, das Grundgefüge bleibt bestehen. Nur der Charakter dieser Handlung, der verändert sich dann grundlegend. So, und dann hast du eher so kleinere Akteure, die eben nachhaltig agieren, regional agieren, wo jeder auf jeden so ein bisschen stärker aufpasst. Also eben dieses Gemeinschaftsgefüge wieder stärker so communitymäßig aufgebaut hat und das ist dann nachher auch so mehr oder weniger eine Idee, möchte ich jetzt nicht sagen, wie gesagt, aber er hält sich da noch relativ offen und frei. Aber so in diese Richtung geht dieser Lösungsansatz. Okay, also was diese Zielsetzung oder Lösung betrifft, habe ich mir so zwei Sachen notiert, die bei mir wirklich Eindruck hinterlassen haben. Und zwar wird zum einen ja im Rahmen dessen, was er so erzählt, schon so ein bisschen die Frage nach oben gespült: Ist denn das überhaupt noch Kapitalismus, oder ist das ein komplett anderes System? Und wenn ja, welches? Und da bezieht er sich auf Raumschiff Enterprise. In irgendeiner Folge hat Mr. Spock wohl folgendes Zitat gesagt: „Es ist Kapitalismus, Jim, aber nicht so, wie wir ihn kennen.“ Jetzt weiß ich nicht, wer Jim ist, oder welche Folge.

Stefanie (lacht) Aber sollte es so ein Trekkie sein, weißt du Bescheid?

Carsten Ja, ich, ich fand das schon ganz interessant oder ganz lustig, dass er sich dann tatsächlich so auf so eine Science Fiction Serie bezieht, um eben zu beschreiben: Hey, pass mal auf, Kapitalismus wird es dann weiterhin sein, aber eben in einer anderen Form, er lässt es dann aber auch komplett offen. Und er sagt auch ganz klar: Wer hofft, dass das normale Wachstum, so wie wir es heute haben, in ein materialistisches Utopia führt, also sprich dieses Technikgläubige, so nach dem Motto „Wenn wir nur genügend technischen Fortschritt haben, dann kriegen wir alle Probleme gelöst“, solche Leute mit Sicherheit eine Enttäuschung erleben werden. Er schreibt auch (liest) „Für die Erfüllung dieses Traumes reicht die ökologische Belastbarkeit des Planeten einfach nicht aus. Am Ende des Jahrhunderts werden unsere Kinder und Enkel mit einem feindseligen Klima konfrontiert sein, mit erschöpften Ressourcen, zerstörten Lebensräumen, Artensterben, knapper Nahrung, Massenmigration und fast unweigerlich mit Krieg.“ Er zeichnete da so ein düsteres Bild, um einfach noch mal zu untermauern: Passt mal auf, Leute, wir müssen handeln.

Stefanie Aber das ist ja eben auch das, was Harald Welzer geschrieben hat in dem „Selbst denken“. Oder war das „Klimakriege“? Aber generell, ich meine, dass das in dem Selbst denken war, das er ja auch geschrieben hat, dass es unweigerlich so sein wird, dass nur eine Minderheit überleben wird. Und ja, natürlich, wenn du zu dieser Minderheit gehörst, dann ist es okay. Aber es kann dann eben mal sein, dass du oder deine Kinder und Kindeskinder dann aussterben werden, weil sie eben nicht zu dieser Minderheit gehören.

Carsten Ja, ja und ich denke, ich kann da so ein paar Impressionen aus dem Buch zum Besten geben, die relativ unstrukturiert sind. Weil wie gesagt, ich habe mich jetzt nicht an dem Inhaltsverzeichnis an der Reihenfolge festgehalten, sondern ich habe tatsächlich sehr viel notiert, weil ich a die Art und Weise, wie Tim Jackson beschreibt, extrem gut finde. Er hat ganz wuchtige Worte und Umschreibungen gewählt, die einfach hängen bleiben. Die, die auch tatsächlich wachrütteln, wo ich denke Wow, das ist jetzt aber echt gewichtig. Ähm, und vom Umfang her ist es natürlich dann auch so gewählt, dass ein sehr großes Allgemeinverständnis über dieses ganze Thema Wohlstand und Wachstum erarbeitet wird. Also ich habe mir für den ich sag jetzt mal Bereich Wohlstand, wo er so ein bisschen über Wohlstand erzählt, so ein paar Dinge notiert und die sind für mich so eindrücklich gewesen. Das erste, mit dem er anfängt, das ist quasi vorne noch in der Einleitung, das ist relativ prominent, aber ich möchte es trotzdem noch mal benennen. Er bezieht sich dort auf eine Schilderung, wo er sagt (liest) „Von Geld, das wir nicht haben, Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, um bei Leuten, die uns eigentlich egal sind, Eindruck zu hinterlassen, der nicht anhält.“ Das ist so etwas, das stellt er nochmal vorne hin. Ich glaube nicht, dass es von ihm kommt. Das habe ich schon mal mehrfach gehört. Aber in diesem Sinne und dem Kontext geht es jetzt quasi noch weiter. Oder das zieht sich eigentlich so durch das komplette Buch durch.

Stefanie Und damit du jetzt nicht die ganze Zeit Carstens monotone, einschläfernde Stimme hörst, kicher, werde ich jetzt auch etwas vorlesen (liest) „Wohlstand in jeder sinnvollen Verwendung des Wortes handelt von der Qualität unseres Lebens und unserer Beziehungen, von der Belastbarkeit unserer Gemeinschaft und von unserem Gefühl einer persönlichen und gemeinsamen Bestimmung. Die Makroökonomie, da ist sie wieder, für eine solche Vision zu errichten ist eine präzise bestimmbare und sinnvolle Aufgabe. Das Bestreben von Wohlstand ohne Wachstum war von jeher, die Bausteine zur Bewältigung dieser Aufgabe zumindest zu entwerfen.“ Zitat Ende. Nun, der Carsten Ich möchte da, weil Carsten es gerade nicht schafft, was vorzulesen, noch mal eben was hinzufügen, was ich in Carstens Notizen gefunden habe (liest) „Wenn die ganze Welt auch nur die Hälfte der Ressourcen verbrauchen würde, wie die USA, wären Kupfer, Zinn, Silber, Chrom, Zink und eine Reihe anderer strategischer Mineralien innerhalb von weniger als 40 Jahren erschöpft, würden alle anderen ebenso viel verbrauchen wie die USA heute, wäre das in weniger als 20 Jahren der Fall.“ Zitat Ende. Und ich möchte da mal hinzufügen: „Wer sind wir denn, dass wir als diejenigen, die im Wohlstand leben und in diesem, wie es hier auch in dem Buch heißt, auf einer Insel des Wohlstands, inmitten eines Ozeans der Armut,“ das steht da im Buch, hat Carsten rausgeschrieben, das habe ich mir nicht ausgedacht, „wer sind wir denn, dass wir dann denjenigen, die im Moment noch im Ozean der Armut leben und gerne auf einer Insel des Wohlstands leben würden, denen dann sagen Nee, ihr dürft das nicht, weil sonst alle Ressourcen verbraucht sind?“

Carsten Ja, also er hat das in einer anderen Konstellation auch noch mal untermauert, dass er sagt, dass die historische Verantwortung in dem Zusammenhang sogar für den Klimawandel eben ganz eindeutig bei den entwickelten Ländern liegt. Das ist etwas, wo er wirklich noch mal drauf hinweisen muss, weil ja gerade die entwickelten Länder, wir sind da diejenigen, die am wenigsten, am wenigsten leidtragend sind. Für uns fällt es am einfachsten, sich zurückzulehnen und zu sagen: Interessiert mich nicht, was Klimawandel? Wo ist denn der eigentlich? Alle reden davon? Na gut, jetzt schneit es wieder ein bisschen heftiger oder so, aber es sind halt Marginalien, die uns irgendwie im Alltag begegnen, die wir noch nicht als Krise wahrnehmen. Aber an einer anderen Ecke der Erde ist es tatsächlich eine Krise.

Stefanie Genau.

Carsten Ja, ja.

Stefanie Und von uns eben ausgelöst.

Carsten Genau, so, und das ist unsere Verantwortung, da jetzt auch Lösungskonzepte nicht nur zu erarbeiten, sondern auch umzusetzen. Und das bedingt einfach, dass wir unser Verhalten, die Art und Weise, wie wir leben und uns entscheiden, in unserer Konsumwelt grundlegend hinterfragen und auch ändern.

Stefanie Genau, dass wir bei uns anfangen. Dass du, den ersten Schritt machst du immer bei dir selbst, und dass du hinterfragst, wie du handelst und dass du hinterfragst, wie du konsumierst.

Carsten Genau. Und ich fand das interessant, dass er auch geschrieben hat, dass der Überfluss unser eigenes Wohl untergräbt, und nicht nur unser eigenes, sondern auch das unserer Mitmenschen. Und er sagt auch irgendwo auf diesem Weg verlieren wir, was wir eigentlich gesucht haben, den Wohlstand für alle. Das heißt also, dieser zwangsläufige Konsumismus, wo wir glauben, wir wollen uns Wohlstand damit, haben wir uns erarbeitet, oder ich gönne mir das jetzt mal, und genau das, was wir damit suchen, verlieren wir damit. Zwangsläufig, allein schon aufgrund dieser Ressourcenthematik. Er hat auch an einer anderen Stelle noch mal ausgeführt, dass es nicht ausschließlich um das Thema Ressourcen geht. Also er sagte, dass die Ressourcenknappheit vielleicht auch gar nicht die entscheidende Frage sein wird. Also es ist natürlich sehr präsent. Irgendwann hat man kein Öl mehr etc. Aber er sagte, bevor es dazu kommt, dass wir kein Öl mehr haben, haben wir keine Erde mehr, die die ganzen Schadstoffe aufnehmen kann. Er bezieht sich da auch wieder auf die Umweltbelastungen, die wir zum Beispiel durch Klimagase oder so was haben. Irgendwann ist die Erde nicht mehr in der Lage, all das so aufzunehmen und irgendwie als Senke aufzunehmen, dass das kein Problem mehr für die Erde ist zu kompensieren. Sondern da werden eher die Aufnahmegrenzen erreicht, und das wird nachher das große Problem sein. Es gibt da auch wohl irgendwie ein Konzept, das behandelt er in dem Buch, stammt aber nicht von ihm, dass wenn wir irgendwann in Jahrzehnten oder Jahrhunderten an einen Punkt kommen, wo der CO2 Gehalt in der Atmosphäre zu groß ist, dann nützt es nichts mehr, den CO2 Ausstoß zu minimieren, sondern da müssen wir Technologien einführen, dass wir CO2 aus der Atmosphäre herausfiltern, um eben diese, diese Senkenfunktion, diese Aufnahmefunktion der Erde wieder irgendwie zu erweitern. Und das ist also für ihn einfach die große Grenze, nicht nur die reine Ressourcenthematik.

Stefanie Passt ja auch ganz gut nochmal zu dem Umweltmärchen von Gudrun Pausewang, das wir in der hundertsten Folge vorgetragen haben, oder was ich vorgelesen habe, da, wo ja schon vor 30 Jahren, als erklärt wurde, dass die Erde an einem Limit ist und wir aufhören sollen, der Erde so zuzusetzen, und es hört keiner zu. Und heute sind wir an dem gleichen Punkt. Das hört mal wieder kaum jemand zu. Aber du hörst uns jetzt zu. Und deswegen erzählt Carsten was.

Carsten Wir bringen das halt nochmal so ein bisschen ins Gedächtnis. Genau. Ich möchte noch einen letzten Absatz zitieren, der von der Art und Weise, wie er es ausdrückt, bei mir ein Schmunzeln erzeugt hat. Und zwar schreibt er (liest) „Wir sind nicht von Natur aus hilflose Idioten, die zu faul oder zu schwach sind, um Manipulation und die Manipulationsmacht der Werbung zu widerstehen. Ganz im Gegenteil. Menschliche Kreativität, emotionale Intelligenz und Belastbarkeit in Notlagen zeigen sich überall, sogar angesichts eines offenkund pathologischen Konsumismus.“ Ja, diesen Vergleich mit den hilflosen Idioten, da musste ich dann tatsächlich schmunzeln, und deswegen ist mir das auch so in Erinnerung geblieben. Das ist ja nochmal so ein Appell von wegen ja, das macht Sinn, und wir kriegen das auch hin.

Stefanie Wir müssen uns nur bewusst werden, das ist wieder dieser Bewusstwerdungsprozeß, was da überhaupt abläuft. Genau. Wenn du halt nichts ändern möchtest und auch dir sagst, du kannst nichts ändern, dann bleibt es eben auch so, dann ist es so, dann wirst du auch nichts ändern. Aber wenn du dir dessen bewusst wirst, und das siehst, was da passiert, dann kannst du ganz leicht aussteigen. Das ist ja wie mit dem Platonschen Höhlengleichnis.

Carsten Ach so, genau. Du meinst das mit den Schattenfiguren?

Stefanie Genau, das mit den Schattenfiguren. Und derjenige, der dann überbracht hat, dass das gar keine Schatten sind, und dass es da Menschen gibt, die da entlang laufen, der wurde dann totgeschlagen. Also von daher weiß er, wo wir wohnen (lacht). Du hast voll gekünstelt gelacht.

Carsten Ich lache nie gekünstelt.

Stefanie Mach mal, lach mal normal.

Carsten Kann ich nicht.

Stefanie (lacht)

Carsten Gut, ich glaub genug gespoilert. Ich habe ganz bewusst nicht so sehr in die Tiefe dieses Buches hineinzitiert, sondern ich bin der Meinung, dass der Gegenstand des Buches wichtig genug ist, um von möglichst vielen Menschen gelesen zu werden. Ich möchte aber abschließend noch so zwei Dinge sagen: Einmal einen persönlichen Eindruck und einmal etwas, was ich im Buch gefunden habe, wo ich sage, es könnte jetzt schwierig sein, sich mit dem Thema auch konstruktiv auseinanderzusetzen. Das eine ist, das hat mich persönlich echt gewurmt. Er hat ja diesen Aspekt des Klimawandels und CO2. Gerade CO2 zieht sich wirklich wie so ein roter Faden durch das komplette Buch, und er schreibt aber in einem bestimmten Bereich, da bezieht er sich jetzt auf ein Bild, wie die Zukunft dann aussehen könnte. Und unter anderem (liest) „Die Landwirtschaft wird verstärkt auf den Schutz der Böden und das Wohl des Viehs Rücksicht nehmen müssen.“ Das heißt.

Stefanie Er stellt das System nicht in Frage.

Carsten Er stellt das System nicht in Frage. Die Landwirtschaft wird weiterhin Vieh haben und er ignoriert einfach den Fakt, dass CO2 und landwirtschaftliche Nutztierhaltung, ja, also jeder, der.

Stefanie Das finde ich aber auch generell so schwierig auch an dieser Transitionbewegung, dass vegan da überhaupt gar kein Thema ist, also so ganz selten zumindest. Ich habe das jetzt wirklich noch nicht bewusst wahrgenommen, dass es diese Transitionbewegung in Verbindung mit vegan gibt. Und das ist auch so, weil ich dann denke, ja, der Wandel, der Wandel, und der Wandel muss überall stattfinden.

Carsten Und du kannst es.

Stefanie Nicht ausschließen. Aber das ist dann wiederum Karnismus. Und wiederum dieses Glaubenssystem, dass du, du denkst, du kannst es nicht ändern.

Carsten Ich hatte ja auch gar nicht angenommen, dass dieses Buch jetzt in irgendeiner Art und Weise eine Verbindung zum veganen Leben oder zur veganen Grundeinstellungen hat. Aber die Tatsache, dass er immer auf dieses CO2 zu sprechen kommt und dann aber nicht abstrahiert, das, was ja heute auch schon absolut bekannt ist, ist jetzt nichts, stellt ja eigentlich kein normal denkender Mensch mehr infrage. Dass das dann so noch nicht mal thematisiert wird, sondern einfach okay so, Landwirtschaft muss halt Tiere halten. Gut, aber das ist halt wirklich so dieser eine Satz, der ist mir so ein bisschen hängengeblieben. Und er führt auch gar nicht weiter aus, was heißt, dass jetzt, viel oder wenig Vieh, oder auch Massentierhaltung oder so was wird gar nicht diskutiert. Also er konzentriert sich eben auf andere Themenbereiche. Ja, das war so das eine, was ich abschließend noch mitgeben wollte. Und das andere der persönliche Eindruck. Was mir so ein bisschen Bauchschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass das Buch schon 2009 von ihm geschrieben wurde und jetzt schon fast zehn Jahre später immer noch nicht wirklich so das an Fortschritt zumindest aus meiner Sicht wahrzunehmen ist, wie er sich das dort vorstellt oder wie er es beschreibt. Also weder im Privaten die Art und Weise, wie die Gesellschaft konsumiert, erlebe ich eigentlich keinen direkten Unterschied. Ich merke wohl in Nuancen es gibt Leute, die steigen aus, die sind bewusst Konsumverweigerer, und die versuchen auch eine Alternative zu dieser Konsumgesellschaft abzubilden. Aber das sind ich sag jetzt mal Minderheiten. Und er fordert ja eben ein grundlegendes Verhalten oder eine grundlegende Veränderung. Und im Bereich der Wirtschaft und gerade Politik oder Politik noch am allerwenigsten. Ja, also da nehme ich nach wie vor wahr, die reden, reden, reden, treffen sich alle naselang zu irgendwelchen Klimagipfeln, streichen dann die wirklich relevanten Themen von der Agenda, weil es eben unbequem ist und dem Karnismus dann oder aufgrund von Karnismus dann nicht diskutiert werden soll. Das macht mir so ein bisschen Angst. Da muss ich wirklich sagen, komme ich so an einen Punkt, wo ich schon so leichte Zweifel habe, schaffen wir das überhaupt? Ist die Menschheit überhaupt in der Lage, diese Aufgabe zu bewältigen und eben auf allen drei Strängen auch schnell in eine Richtung zu gehen? Also das ist auch etwas, wo er sich dann auch ausspricht, dass das jetzt nicht irgendwie eine Sache ist, die noch Jahrhunderte Zeit hat mit einer langsamen Entwicklung, sondern das muss schon einigermaßen zügig gehen. Zwar nicht ganz überfordernd, also nicht Schalter umlegen und ab jetzt müssen wir, sondern es muss einen Übergang geben, aber der muss schon zügig gehen.

Stefanie Und mit diesen deprimierenden Worten (lacht) schließen wir jetzt für heute. Also ich bin ja immer noch der Meinung, dass wir, also du und ich und Carsten, dass wir einfach diejenigen sind, die das Ruder herumreißen können, indem wir einfach unser Leben verändern. Je mehr Menschen ihr eigenes Leben verändern, desto mehr wird sich auch das ganze Leben verändern. Wenn jeder Einzelne jetzt sagen würde, ich achte jetzt darauf und ich bin Teil des Wandels, dann wäre es doch ganz einfach.

Carsten Ja, ja, eigentlich ja.

Stefanie Deswegen, das ist ein Ja. Ich glaube, es geht wirklich nur darum, dass wir es vorleben, also die Möglichkeit haben, das.

Carsten Ich glaube auch nicht, dass sich politisch was ändern wird, wenn die gesellschaftliche Basis weiterhin in die Richtung des Konsumismus agiert und denkt. Also die Politik reflektiert ja auch nur das, was in der Bevölkerung gewünscht ist.

Stefanie Und deswegen, wenn wir in der Bevölkerung uns ändern, können wir das auch an der Politik reflektieren. Ich bin der Meinung, dass wir von unten heraus das ändern müssen, damit sich was ändert. Ich denke, wenn wir darauf warten, dass es von oben irgendwann mal geschieht, können wir lange warten.

Carsten Ja.

Stefanie Wir müssen selbst aktiv werden.

Carsten Und es ist ja jetzt nicht so, dass Tim Jackson der Einzige ist, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Es gibt da noch andere namhafte, die ich zumindest so vom Namen her kenne und auch vom Buchtitel, aber noch nicht gelesen habe. Da werde ich mich in Zukunft auch mit beschäftigen, weil ich denke, da kommen auch nochmal ganz viele Impulse, Anregungen und vielleicht auch Lösungskonzepte, die als Ergänzung dienen. Ja, genau.

Stefanie Möchtest du sonst noch etwas?

Carsten Nein, das scheint mir jetzt neutral genug, eine Perspektive.

Stefanie Nicht so pessimistisch. Ja, und damit es jetzt noch ein bisschen peppig wird, singt Carsten ein Lied.

Carsten Echt? Welches? (singt) O Happy day, o happy day. Wie geht denn das weiter?

Stefanie (singt) When Jesus walks.

Carsten Oh, ein Gospel.

Stefanie Ein Gospel ist das (lacht).

Carsten Ja, jetzt wird es schwierig. Wie komme ich da wieder raus?

Stefanie Gut, wir lassen das jetzt so stehen und bedanken uns nochmal ganz, ganz herzlich bei dir, dass du uns unterstützt auf steady.

Carsten Vielen Dank.

Stefanie Ich dachte, du sagst das zweite. Aber Carsten ist nur derjenige, der immer (singt) „Oh Happy day“ macht

Carsten Wow!

Stefanie (lacht) Das war Carsten. Das war ich nicht. Ähm.

Carsten Das ist doch jetzt eine iTunes-Rezension wert, oder? Fünf Sterne!

Stefanie Also, pass auf. Wir bedanken uns für tolle iTunes-Rezensionen. Wir haben irgendwie schon wieder mehr Rezensionen, auch wenn wir keine Texte gefunden haben. Aber wir haben mehr fünf Sterne. Also, wir haben quasi

Carsten Die Sterne leuchten echt. Klasse. Total super. Dankeschön.

Stefanie Danke, und danke für Emails, und danke für Kommentare, und danke, dass du uns hörst. Und noch was?

Carsten Danke, danke, danke.

Stefanie Sing auch nochmal.

Carsten (singt) Danke!

Stefanie (lacht) Danke. Da fallen mir jetzt diese ganzen religiösen Lieder ein, die ich früher singen musste.

Carsten Ja, die habe ich auch gerade so im Kopf gehabt, verkneife ich mir jetzt aber, das wird irgendwie zu pathetisch.

Stefanie Danke für diesen schönen Morgen (lacht). Ja, das war so eine prägende Zeit. Wir haben die hinter uns gelassen.

Carsten Ja, ich rette dich jetzt mal. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Buddhistische Weisheiten im Alltag

Ein Beitrag

Folge 109 - Buddhistische Weisheiten im Alltag

In dieser Folge

  • sprechen wir über die Kunst im Moment zu leben,
  • lese ich Dir buddhistische Weisheiten vor und
  • berichten wir Dir von unseren Alltagserfahrungen.

Bücher finden manchmal auf verschlungenen Pfaden zu mir. Ich höre von ihnen, ich sehe sie oder sie werden mir geschenkt. Dann verleihe ich sie und vergesse, dass ich sie je besessen habe und auf einmal sind sie wieder da.

Und dann lese ich das Buch noch einmal und stelle fest, dass es mir ganz andere Weisheiten offenbart, als beim ersten Lesen.

Ist Dir das auch schon so ergangen?

Du kennst das Gleichnis vom Fluss- Du kannst Dich nie in denselben Fluss hineinstellen, denn wenn Du es tust, hast Du Dich schon verändert und auch das Wasser im Fluss ist ein anderes als zuvor. Panta rhei - alles fließt und so ist kein Moment wie ein anderer.

Wenn Du ein Buch erneut liest, wird es andere Saiten in Dir zum Klingen bringen, als beim vorangeganenen Mal.

Links zur Folge

Buch "Die Kuh, die weinte" von Ajahn Brahm
https://www.buch7.de/store/product_details/104325191

Buch "Du bist ein Geschenk für die Welt" von Thich Nhat Hanh
https://www.buch7.de/store/product_details/1010604605

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge möchte ich etwas ganz Spontanes wagen und zwar habe ich kein Thema vorher festgelegt. Carsten weiß also quasi von nichts.

Carsten Ich muss mich auch überraschen lassen.

Stefanie Carsten hat auch kein Thema festgelegt. Carsten weiß einfach nur, dass ich was vorlesen will. Ich hatte irgendwie das Bedürfnis dazu. Und zwar möchte ich aus einem Buch vorlesen, das ich so vor ungefähr zwei Jahren geschenkt bekommen habe. Dann habe ich es gelesen und verliehen an eine Freundin und dann habe ich vergessen, dass ich es je besessen habe. Schließlich kam es jetzt wieder zurück zu mir, weil ich mich mit meiner Freundin getroffen habe und sie dann sagte „Guck mal, ich habe noch dieses Buch von dir!“ Und dann da dachte ich: „Oh, das gehörte mir auch mal!“ Und das habe ich ihr geliehen, vor langer Zeit, das ist jetzt bestimmt auch schon ein Jahr her und vielleicht sogar schon länger.

Carsten Das war, bevor wir komplett ausgemistet haben.

Stefanie Definitiv bevor wir komplett ausgemistet hatten.

Carsten Ja, vor unserem Minimalismus.

Stefanie Genau. Denn da habe ich noch Bücher besessen in dem Sinne und jetzt ist es nur noch so ein Minimalbestand von meinen allerliebsten Lieblingsbüchern, die ich auch so nicht in der Bibliothek bekomme. Ja und ich fand es so spannend. Das Buch ist wieder zurückgekommen zu mir und ich habe es noch mal gelesen Und ich habe gemerkt, dass es dieses Mal ganz anders war, als beim ersten Mal lesen, dass es mich wieder ganz anders berührt hat. Und ich habe überlegt, ob ich es erst mal behalte und dann einfach später noch mal lese. Aber Carsten das noch lesen. Und damit du jetzt auch weißt, um welches Buch es geht. Es nennt sich „dDie Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm „Buddhistische Geschichten über den Weg zum Glück“. Und die Freundin, die mir dieses Buch geschenkt hat, hat es mir geschenkt aufgrund des Titels „Die Kuh, die weinte“, weil sie damals schon wusste, dass ich mich mit Kühen beschäftige, obwohl sie, die Schenkerin, die Gebende, nicht vegan lebt und auch eigentlich eher anti vegan damals eingestellt war.

Carsten Sie konnte damit nicht so viel anfangen, sondern das war so sehr aufgrund der eigenen Biografie...

Stefanie Aber trotzdem hat sie mir das geschenkt und ich habe die ganze Zeit auf die Geschichte gewartet, auf die Kuh, die weinte. Und ich will diese explizite Geschichte jetzt auch gar nicht vorlesen. Das ist eine Geschichtensammlung, dieses Buch. Und es sind einfach verschiedenste kurze Geschichten, die Ajahn Brahm erzählt und die Kuh, die weinte, ist nur eine Geschichte von vielen. Und ich möchte jetzt zwei Geschichten vorlesen in der Hoffnung, dass du davon genauso viel mitnehmen kannst wie ich. Carsten hat in dieser Folge nicht viel zu sagen. Der ist hier nur Beiwerk. Nein, vielleicht können wir ja gleich noch mal...

Carsten .. ein bisschen darüber reden.

Stefanie Genau so Carsten kennt die Geschichten auch schon. Ich habe sie ihm vorgelesen.

Carsten Auch Du, Brutus. Wer eigentlich noch?

Stefanie Also andersrum, denn ich habe sie ihm auch vorgelesen. So wie viele andere auch.

Carsten So ich lese nichts, aber ich lass mir vorlesen.

Stefanie Ja. So, du lässt dir ja gerade auch vorlesen. So, aber jetzt zur Geschichte „Auch dies geht vorbei.“ Das ist der Titel. Nicht nur der Hinweis auf diese Folge. So, die Geschichte fängt an.

„Eine der unbezahlbaren Lehren, die Depressionen entgegenwirken, ist gleichzeitig eine der einfachsten. Allerdings aufgepasst! Lehren, die einfach erscheinen, kann man sehr leicht missverstehen. Wir können die folgende Geschichte nur dann begreifen, wenn wir tatsächlich von Depressionen befreit sind.

Der neue Häftling im Gefängnis war voller Angst und sehr deprimiert. Die steinernen Wände seiner Zelle saugten jegliche Wärme auf. Die harten Eisengitter höhnten dem Mitgefühl. Der Klang aufeinanderprallenden Stahls ließ erahnen, hinter wie vielen Toren die Hoffnung weggeschlossen wurde. Das Herz des Gefangenen war schwer, denn er hatte viele Jahre abzusitzen. Am Kopfende seines Lagers entdeckte er folgende Worte in die Wand geritzt: ‚Auch dies geht vorbei.‘ Dieser Satz half ihm durch die schwierige Zeit, genau wie er wahrscheinlich dem Häftling vor ihm Mut gegeben hatte. Ganz gleich, wie schlimm es wurde, er sah dann auf die Inschrift und dachte daran: ‚Auch dies geht vorbei.‘

Am Tag seiner Entlassung erkannte er die tiefe Wahrheit hinter diesen Worten. Er hatte seine Strafe abgesessen. Auch die Zeit im Gefängnis war tatsächlich vorbeigegangen. Als er wieder ins normale Leben zurückkehrte, dachte er oft an diese Botschaft. Er schrieb sie auf Fetzen Papier, die er an seinem Bett, in seinem Auto und auf der Arbeit deponierte. Sogar in ganz schlechten Zeiten erfasste ihn nie wieder eine Depression. Er entsann sich in scheinbar aussichtslosen Lagen immer der Worte ‚Auch dies geht vorbei‘ und kämpfte sich durch. Die schlechten Zeiten schienen nie sehr lang zu dauern. Wenn gute Zeiten anbrachen, genoss er sie aber nie allzu sorglos. Er entsann sich der Worte ‚Auch dies geht vorbei‘ und arbeitete hart an seinem Leben, ohne auch nur das Geringste als selbstverständlich hinzunehmen. Die guten Zeiten schienen immer ungewöhnlich lange anzudauern.

Dann wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. ‚Auch dies geht vorbei‘ gab ihm Hoffnung. Hoffnung gab ihm Kraft und die positive Einstellung, die Krankheit zu besiegen. Eines Tages bestätigte der Facharzt, dass der Krebs vorbeigegangen war. Am Ende seines Lebens flüsterte er seinen Liebsten zu ‚Auch dies geht vorbei‘ und er fand einen ruhigen Tod. Seine Worte waren der letzte Liebesdienst für Familie und Freunde. Sie hatten von ihm gelernt: Auch die Trauer geht vorbei.

Depressionen sind ein Gefängnis, in das viele von uns eingeschlossen sind. ‚Auch dies geht vorbei‘, hilft uns. Und dieser Spruch sorgt zudem dafür, dass wir eine der großen Ursachen von Depressionen meiden und die guten Zeiten nicht zu selbstverständlich hinnehmen.“

Also diese Geschichte hat mich unter anderem deswegen angesprochen, weil wir als Veganer·innen auch diese Tiefs kennen. Wir müssen jetzt nicht unbedingt in Depressionen verfallen, aber diese Hochs und Tiefs kennen wir ja durchaus.

Carsten Ja.

Stefanie Und dieses „Auch dies geht vorbei“ finde ich in dem Sinne sehr inspirierend, als dass ich mir das auch sagen kann, wenn alles wirklich ganz schlimm ist.

Carsten Ja, als du mir das das erste Mal vorgelesen hast, muss ich sagen, hat mich diese Geschichte auch sehr stark berührt, weil genau diese Botschaft dahinter steckt. Also egal was jetzt gerade in deinem Leben passiert und häufig sind es ja gerade diese negativen Phasen, die dann so auch bedrückend und auch kräftezehrend sind. Und ja, dieses „Auch dies geht vorbei“, das ist total simpel. Also wenn, wenn ich das so höre, dann muss ich einfach irgendwie grinsen oder lachen, denn das ist ja eigentlich idiotisch einfach, aber es wirkt.

Stefanie Es ist dann aber auch gleichfalls bei den guten Sachen, dass du dann aber auch die guten Zeiten genießt, weil auch das vorbeigeht. Ich meine, buddhistische Weisheit ist ja auch in dem Sinne, dass du im Hier und Jetzt lebst, dass du den Moment genießt, die Gegenwart, nur das, was gerade existiert und immer gleich schon vorbei ist. Nicht die Vergangenheit, nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. Das heißt aber auch, wenn du diesem Spruch folgst „Auch dies geht vorbei“, dass auch die schönen Zeiten immer wieder vorbeigehen. Und dann folgen andere Zeiten. Und deswegen macht es so viel Sinn, auch für viele schöne Zeiten natürlich zu sorgen und dann aber auch diese Zeiten zu genießen und im Moment zu sein. Ja, das ist das, was ich da auch rausgezogen habe. Was mich so ein bisschen gestört hat an der Geschichte, war dieses harte Arbeiten, dass er schreibt, „er hat hart daran gearbeitet“, die ganze Zeit immer hart gearbeitet und das stößt mich mir so ein bisschen ab.

Carsten Hm, ja gut, das hatte mich gar nicht so gestört, als du mir das damals vorgelesen hat. Das habe ich gar nicht so wahrgenommen. Es war eher so, dieses Rausarbeiten, dass das besser ging und auch die Betonung, dass die guten Zeiten immer länger wurden oder zumindest subjektiv länger.

Stefanie Ja, das ist ja auch das, weil du es genießt.

Carsten Genau.

Stefanie Du wirst ja die schlechten Zeiten nicht genießen.

Carsten Du versuchst, dass sie relativ kurz ausfallen und du relativ schnell wieder rauskommst.

Stefanie Ja, wobei das, was ich ja auch aus den Geschichten gezogen habe, ist dieses, dass du von Thích Nhất Hạnh kennst. Er sagt ja auch, dass du die diese Gefühle, wenn Du damit sitzt oder gehst, dass du die willkommen heißt. Wobei auch Ajahn Brahm in seinem Buch eine Geschichte hat, in der er erzählt, dass er richtig fiese Zahnschmerzen hat. Und ich muss jetzt mal outen: ich hatte noch nie Zahnschmerzen. Carsten, hattest du schon mal Zahnschmerzen?

Carsten Ja.

Stefanie Okay, also Zahnschmerzen, habe ich mir sagen lassen, sind ziemlich fies und ich bin ja froh und glücklich und dankbar, dass das mir noch nie passiert ist. Ich habe da einfach Glück. Und Ajahn Brahm hatte also ganz, ganz fiese Zahnschmerzen und keine Möglichkeit, irgendwelche Schmerzmittel zu nehmen, keine Möglichkeiten einen Arzt aufzusuchen und hatte nur die Möglichkeit zu meditieren und hat dann versucht Gehmeditation zu praktizieren. Das hat nicht funktioniert, weil er gerannt ist und irgendwann hat er gesagt okay, Schmerz, du bist da, es ist in Ordnung, du darfst da sein und hat ihn bedingungslos akzeptiert und dann ist der Schmerz gegangen.

Carsten Okay.

Stefanie Und dieses er hat dann danach noch eine Geschichte angefügt, wo er von drei Menschen gesprochen haben, die versucht haben, mit dem Schmerz auszuhandeln. Okay, ich akzeptiere dich jetzt für zehn Minuten, dann musst du aber auch gehen. Also so in der Art. Das ist es nicht, sondern dieses bedingungslose Akzeptieren von körperlichem Schmerz, dass das bei ihm dazu geführt hat, dass er gesagt hat es ist okay, du bist da, es ist in Ordnung, sei da, sei unverschämt fies zu mir, es ist okay und dann ist der Schmerz gegangen. Also nicht dagegen ankämpfen, die Angst davor ist quasi das, was den Schmerz verursacht. Und das heißt, mit diesen negativen Gefühlen zu sitzen oder zu gehen, ist tatsächlich auch eine Möglichkeit damit umzugehen. Oder Thích Nhất Hạnh empfiehlt auch folgendes zu denken: „herzlich willkommen, liebes Gefühl. Auf Wiedersehen, Willkommen, Auf Wiedersehen. Also beim Einatmen heiße ich das Gefühl willkommen. Also willkommen, liebe Wut. Auf Wiedersehen, Liebe Wut. So in diesem Sinne.

Carsten Das hat bei mir auch funktioniert. Ich habe das mal gemacht in einer Situation, wo ich auch ein Gefühl hatte, was unangenehm war. Also Angst, ein Angstgefühl. Ob das bei Zahnschmerzen hilft, weiß ich nicht.

Stefanie Aber das war ja was anderes. Das war nicht willkommen und Auf Wiedersehen. Sondern auch die bewusste Auseinandersetzung. Und das war ja jetzt auch ein Mönch, der schon länger praktiziert, der ja. Der bestimmt Sphären der Weisheit erklommen hat, in denen wir noch nicht angekommen sind.

Carsten Nee.

Stefanie Aber das hat bei dir funktioniert. Du hast ja quasi dann Gehmeditation praktiziert. Du bist gegangen und hast dabei gedacht: Einatmen und Ausatmen. Genau dieses Willkommen. Auf Wiedersehen.

Carsten Ich glaube, das ist wichtig. Dass man sich dem Gefühl stellt. Wenn man es versucht wegzudrängen, dann wird es irgendwie penetrant und nervt und versucht irgendwie durchzukommen. Keine Ahnung, was für ein Mechanismus dahinter sitzt, aber dadurch, dass ich das wirklich auch exakt so nach dieser Methode einfach gemacht habe, habe ich drei, vier, fünfmal mir vorgesagt und dann war das Gefühl eigentlich weg oder nicht mehr so stark oder hat mir keine Angst mehr bereitet. Also es war ganz spannend das wirklich mal festzustellen, dass das funktioniert.

Stefanie Was bei mir super funktioniert ist das mit der Dankbarkeit. Also, dass ich wirklich angefangen habe - ich weiß gar nicht mehr wann, aber das ist jetzt schon bestimmt ein Jahr her oder noch länger, vielleicht sogar zwei Jahre oder so, dass ich irgendwann angefangen habe, mir abends immer aufzuschreiben. Nein, es ist schon länger her. Also jedenfalls ist es schon sehr lang, also dass ich angefangen habe, mir aufzuschreiben, wofür ich dankbar bin. Das kennst du bestimmt auch. Drei Dinge, wofür du dankbar bist jeden Tag aufschreiben, so was in der Art. Und am Anfang ist mir das sehr schwergefallen, überhaupt irgendwas zu finden, wofür ich dankbar bin. Und mittlerweile praktiziere ich das ganz oft einfach so. Es ist natürlich sinnvoll, das aufzuschreiben, weil das Aufschreiben eine gewisse Wirkung hat. Aber das passiert mir in letzter Zeit, dass ich irgendwie, wenn ich morgens im Bett liege und ich werde zu früh wach,

Carsten dann bist du sehr dankbar

Stefanie Dann bin ich sehr dankbar dafür, dass ich so früh wach werde. Nein, dann bin ich so unruhig, weil ich weiß, der Wecker klingelt gleich, aber es lohnt sich nicht einzuschlafen. Was mache ich denn jetzt? Dann versuche ich einfach so ruhig zu werden, dass ich einatmen, ausatmen, mir überlege, wofür ich dankbar bin. Ich bin nicht dankbar dafür, dass ich so früh aufgewacht bin, sondern ich überlege mir, wofür ich dankbar bin. Du musst ja nicht die gleiche Situation haben wie ich, dass du morgens vor dem Weckerklingeln aufwachst und es lohnt sich nicht mehr für fünf Minuten zu schlafen. Oder du bist zu aufgeregt, oder Keine Ahnung, weil du die ganze Zeit denkst Oh Gott, nicht dass ich das Weckerklingeln verpasse, sondern einfach, wenn du eine Situation hast, wo du dich nicht entspannen kannst. Mir hilft es dann, darüber nachzudenken, wofür ich dankbar bin.

Und ich finde so viele Dinge, wofür ich dankbar bin. Das entspannt mich total. Ich bin für so vieles dann dankbar und das ist so was, was bei mir einfach nur durch Übung entstanden ist, dass ich immer wieder, immer wieder das geübt habe. Und ja, ich weiß, Meditation ist definitiv total wichtig und ich sollte das auch mal einführen. Also so ich versuche es immer wieder und ich denke einfach, dass es ganz wichtig ist, ganz viele Rituale zu haben im Leben, um positiv gestimmt zu sein, um dich auch aus diesem „Auch dies geht vorbei“ um das leichter zu machen, dass das Schwere vorbeigeht. Das heißt, dann gehen die schlimmen Momente schneller vorbei und die schönen Momente dauern länger.

Und das führt mich dann wieder zu dem „Gamify Your Life“, wo ich ja diese Gamification Strategien rausgenommen habe mit den Power ups. Auch dass du täglich drei Dinge machst, die dich glücklich machen, die dich stärken, die dich positiv beeinflussen, einfach um das Positive in deinem Leben zu stärken. Und dazu habe ich auch noch ein Zitat von Thích Nhất Hạnh und zwar ist es aus dem Buch „Du bist ein Geschenk für die Welt“. Das ist definitiv auch ein schönes Geschenk für jeden. Also ich finde das total toll. Ich habe das auch schon mehrfach verschenkt und das ist so. Jede Woche hat ein Kalenderblatt quasi in dem Buch und mit einem Zitat von Thích Nhất Hạnh mit schönen Bildern und wir wählen da jetzt einfach immer willkürlich mittlerweile einfach ein Zitat aus, was uns anspricht. Und das hier hat unser Kind ausgewählt, allerdings nicht weil er lesen kann, sondern weil er das Bild schön fand. Aber ich finde es passt trotzdem und es passt jetzt auch wunderbar hierzu.

“Bevor wir in der Lage sind, uns gut um unsere inneren Schwierigkeiten zu kümmern, sollten wir in der Lage sein, ein Gefühl von Glück und Freude in uns entstehen zu lassen. So hat es der Buddha gelehrt. Dadurch werden wir nicht mehr von unserem Leid fortgerissen. Mit dieser Stabilität können wir uns unserem Leiden zuwenden, seine Ursachen erkennen und beginnen, es zu transformieren. Möge ich lernen, mich selbst mit den Augen des Verstehens und der Liebe zu betrachten.“

Thích Nhất Hạnh geht ja jetzt hier auf dein eigenes Leiden ein, was klar ist, weil seine ganzen Lehren sich darauf beziehen, auf die inneren Kinder, auf deine Selbstheilung. Und ich denke aber das ist gerade das, was er sagt, also dass du dich erst mal stärkst, bevor du dich dem Negativen zuwendest, kannst du auch übertragen auf deinen Alltag als Veganer·in. Denn ich finde es total wichtig - jetzt wieder der Schwenk zu „Gamify your life“, zum Gamification - dass du diese Powerups jeden Tag machst und dass du ganz viel machst, was dich stärkt. Und das ist dann ja auch wieder wie Colleen Patrick-Goudreau - ich habe letztens nochmal wieder eine Folge von ihr gehört, wo sie über self compassion spricht. Sie sagt ja compassion, also Mitgefühl für jeden, für alle, also nicht nur für die Tiere, für alle Lebewesen, auch für die Nicht-Veganer·innen, aber auch für dich und Selfcare, also dass du auf dich aufpasst, das ist total wichtig.

Du musst jetzt nicht Aktivist·in sein, um auszubrennen. Es reicht ja schon allein, dass du immer wieder an diesen sozialen Herausforderungen scheiterst. Und deswegen finde ich es so wichtig, dass du ganz viele Rituale hast, die du nutzt, um Positives in dein Leben zu bringen, was dich glücklich macht. Was ich früher hatte, was mittlerweile schon so einen Transformationsprozess durchlaufen hat, ist dieses Gefühl: Das ist ja egoistisch, wenn ich was für mich mache.

Carsten Ja, ja, das ist ganz perfide, möchte ich jetzt schon fast sagen. Also es ist verpönt, sich selbst so in den Vordergrund zu stellen. Allein dieses Gefühl ich mach jetzt was für mich und damit stelle ich mich in den Vordergrund, das darf ich ja eigentlich gar nicht, weil die Bedürfnisse anderen Menschen sind ja eigentlich wichtiger und es gibt noch so viel zu tun für.

Stefanie Ja oder die anderen Lebewesen. Ich liebe sie so, dass du sagst okay, du rettest die Tiere, aber es ist total wichtig, weil du nur anderen helfen kannst, wenn du dir selbst vorher geholfen hast. Also nur wenn du selbst mit dir im Reinen bist, kannst du rausgehen und den anderen helfen. Was jetzt sich jetzt so anhört, als müsstest du alles bei dir begradigt haben, bevor du überhaupt jemanden helfen kannst. Das meine ich jetzt nicht, denn das ist auch etwas, worüber ich stolpere. Ich muss erst selbst perfekt sein, damit ich anderen helfen kann. Das ist damit nicht gemeint.

Carsten Also entweder du vernachlässigst dich oder du machst im engsten perfektionistischen Sinne erst mal nur was für dich.

Stefanie Genau, so ist es nicht gemeint, sondern dass du dich liebevoll um dich selbst kümmerst. Es ist total wichtig, damit du so einen Ausgleich hast und damit du nicht ausbremst.

Carsten Ja, das ist auch dieses mit dem Neinsagen. Dieses „liebevoll“ heißt für mich, ich muss spüren: kann ich das jetzt noch leisten? Also kann ich jetzt noch helfen oder nicht? Oder bin ich jetzt an einem Punkt, wo ich sage: Nein, jetzt muss ich mich abschirmen und jetzt muss ich mich irgendwie selbst kümmern? Weil, wenn ich jetzt weitermachen würde, dann würde ich ausbrennen oder ich würde mehr Energie nach außen geben, als ich im Moment noch habe.

Stefanie Definitiv ist es auch so was, was wir ja alle mit uns rumtragen. Diese ganzen Päckchen aus der Vergangenheit. Ich hatte da jetzt letztens noch mal getriggert durch ein Coaching, das ich mache, darüber nachgedacht. Da sollten wir einen Brief von unserer Urahnen an uns schreiben und ich hatte dann meine Großmutter gewählt, die schon verstorben ist. Die wäre jetzt 98 Jahre alt, ist aber schon vor elf Jahren gestorben. Schon allein durch die Milchgeschichten beschäftige ich mich ja auch total viel mit der Vergangenheit logischerweise. Und wir alle tragen diese Päckchen mit uns rum, die unsere Großeltern, Urgroßeltern und unsere Eltern uns mitgegeben haben.

Durch die Kriege, durch diese ganzen Konventionen auch die dann kamen, so in den 50er, 60er Jahren, also vor allem wir Frauen. So das Frauenbild und so und es gibt ganz viele Fesseln, die wir noch haben und die wir jetzt alle aktuell sprengen können, aber die uns irgendwie noch fesseln. Also da ist so ganz viel in uns, was noch so rumort. Und ich merke einfach jetzt so in den letzten drei Jahren, die wir vegan leben - es hat bei mir schon vorher angefangen, also so auch nicht viel vorher, aber so ein halbes Jahr vorher mit der Transformation sag ich mal - dass ich angefangen habe, mich mehr mit mir selbst zu beschäftigen und mich diesem Ganzen zu stellen, was da so in der Vergangenheit bei mir schlummert. Und heute sage ich Dinge und tue Dinge über die ich damals nur gelacht hätte. Also so verächtlich. Dieses liebevoll zu mir selbst sein zum Beispiel.

Carsten Es klingt ja total esoterisch, oder?

Stefanie Das heißt, wenn es dir jetzt auch so geht, dass du denkst: „Was reden die da? Was für ein Scheiß, die sind ja total bescheuert. Total abgehoben.“ Dann kann es sein, dass du diesen Weg vielleicht irgendwann weiter gehst und auch zu dem Punkt kommst, dass du dich dir liebevoller zuwenden kannst. Kann aber auch sein, dass du sagst, du schaltest ab und sagst Nee, das ist alles, das werde ich niemals tun. Es ist alles ein Prozess und wir haben uns auf diesen Prozess eingelassen und haben gesagt okay, wir gucken hin, wir sind jetzt an einem bestimmten Punkt angekommen und das ist alles ein Weg und es gibt eigentlich kein wirkliches Ziel bei diesem Weg. Ich habe immer gedacht okay, also gut, irgendwann bin ich fertig, habe ich mich geheilt und es ist alles gut und dann kann ich weitermachen.

Carsten Diesen Endzustand gibt es nicht.

Stefanie Und das ist auch was, was ich jetzt wirklich gelernt habe. Ich habe gedacht okay, ich komme jetzt irgendwann an und dann bin ich endlich geheilt und dann bin ich perfekt und gut und habe alles aufgearbeitet und so. Aber leider gibt es das nicht. Na ja, und um nochmal den Schwenk zurück zu machen zu unserem Leben als Veganer·in. Es ist wirklich so, auch da gibt es ja kein Ende. Es gibt nicht den·die perfekte·n Veganer·in, sondern es geht ja beim vegan sein darum, dass du deinen Werten entsprechend lebst. Und es geht nicht darum veganer zu sein als jemand anders. Sondern es geht total viel um dich.

Carsten Es ist kein Wettbewerb. Das meintest du mit nicht veganer sein.

Stefanie Genau. Also es ist kein Wettbewerb und es geht um dich. Es geht tatsächlich um dich. Es geht um deine Werte. Es geht darum, was du empfindest. Und deswegen sage ich auch: Geh nach deinem Gefühl, also geh danach, was du empfindest. Und wenn du das Gefühl hast, du gehst jetzt einen Schritt weiter, dann gehst du einen Schritt weiter. Wenn du das Gefühl hast, da ist noch keine Zeit dafür, dann ist da keine Zeit dafür. Das hat ja total viel mit dir zu tun. Es geht nicht darum zu sagen okay, also jetzt muss ich ganz genau, ich esse jetzt die Produkte nicht, weil die Spuren von soundso enthalten und dann bin ich 100 % vegan. Und es geht nicht darum, 100 % vegan zu sein, sondern es geht darum, entsprechend deinen Werten zu leben.

Und wenn du dich jetzt noch wohl damit fühlst, alte Sachen aufzutragen, die aus Leder sind, aus Wolle, aus Seide oder was auch immer, dann ist das dein Gefühl, das deinen Werten entspricht, dass du sagst okay, ich wäge ab. Ja, es ist tierischen Ursprungs, aber ich möchte es nicht wegschmeißen. Das wäre Ressourcenverschwendung und es wäre auch nicht okay für das Tier, das dafür gestorben ist. Und wenn du dann so abwägst und sagst so, das ist mir wichtiger, ich kann das noch ertragen, das zu tragen. Dann ist es ja völlig in Ordnung, dann ist das deine Entscheidung. Und das geht dann nicht darum, irgendwie zu sagen: So, du bist nicht vegan genug.

Carsten Ja, also dem kann ich beipflichten. Bei mir ist es genauso gewesen als wir damals vegan geworden sind. Da hatte ich wirklich Bedenken, zum Beispiel meine Wanderschuhe oder meine Ledergürtel anzuziehen. Das war mir irgendwie zuwider, weil ich gerade so in der Phase am Anfang so eine Aversion gegen diese ganzen tierlichen Produkte aufgebaut habe. Das war vielleicht auch so eine Distanzierungssphase. Ich weiß nicht, wie man das bezeichnet, aber mittlerweile fühle ich mich in meinem veganen Leben so gut positioniert, dass ich sage: Gut, da kann ich gut mit umgehen. Ich habe die Schuhe, das waren teure Schuhe, die sind qualitativ hochwertig und ich habe sie damals, bevor ich vegan geworden bin, ganz klar mit einer Maßgabe gekauft: Die sollen 10, 20 Jahre halten. Ja, also richtig gute Wanderschuhe. Mittlerweile ziehe ich sie wieder an, weil ich weiß, ich würde sie heute nicht mehr kaufen. Ja, aber was du schon sagtest, das wäre Ressourcenverschwendung. Es wäre auch dem Tier oder wahrscheinlich sind mehrere Tiere dafür gestorben, nicht gerecht, wenn ich jetzt sage ich, ich schmeiße die einfach weg. Weil sie sind noch gut, an denen ist nichts dran.

Und genauso mit den Gürteln. Also da habe ich jetzt diese Scheu verloren. Was ich allerdings nicht machen würde, ich würde jetzt nicht auf so eine Tierrechtsdemo gehen, Anti Pelz Demo und würde meine Lederschuhe anziehen. Da würde ich schon drauf achten, dass ich dann meine veganen Schuhe anziehe und vielleicht auch nicht unbedingt so die Lederbepper an der Jeans oder so trage. Da würde ich mich schon entsprechend einkleiden. Aber ansonsten im normalen Alltag bin ich jetzt tatsächlich so weit, dass ich mir bewusst werde, ich würde diese Kaufentscheidung heute nicht mehr tätigen. Aber es ist ja ein bisschen komplexer. Ist ja nicht damit getan, ausschließlich diese tierlichen Produkte irgendwie zu bewerten, sondern ich muss ja auch irgendwo Richtung Zero Waste, Nachhaltigkeit etc. plastikfrei gehen. Und das sind so so Punkte, wo ich sage: Nein, ich kann es auch nicht vertreten, diese Sachen jetzt einfach wegzuschmeißen.

Stefanie Ja gut, ich konnte das nicht. Lederschuhe einfach weiter tragen. Ich habe sie verkauft oder verschenkt. Wegschmeißen wollte ich sie auch nicht, aber ich habe sie einfach weggegeben und habe ihnen neue Besitzer·innen gesucht. Und Gürtel hatte ich, glaube ich, eh keine Ledergürtel. Also ich habe alles, wo jetzt Leder dran war, weggegeben.

Carsten Damals, als wir angefangen haben mit dem veganen Leben, war ich auch in so einer zwiespältigen Phase. Da habe ich die Schuhe auch gar nicht großartig irgendwie rausgeholt. Die hat man, glaube ich, irgendwann die ganze Zeit irgendwo stehen.

Stefanie Ja, ist natürlich aber auch irgendwo eine finanzielle Frage, denn ich kann ja jetzt nicht alles sofort ersetzen. Ich hatte auch noch so Ledersandalen, die habe ich durchgelatscht in einem Sommer und dann waren die total durch und dann habe ich sie weggeschmissen. Tatsächlich, weil mir nichts eingefallen ist, was ich daraus hätte machen können. Damals war ich aber auch noch nicht so upcycling mäßig drauf.

Carsten Da war das noch gar kein Thema.

Stefanie Na ja, aber das ist jedenfalls so was. Es ist interessant und vielleicht kannst du das ja bei dir auch beobachten, dass sich das auch noch ändern kann. Also das es so Prozesse gibt in deinem Leben, die so fließen. Alles fließt – panta rhei - dass du wirklich merkst okay, also am Anfang habe ich so gedacht und jetzt hat sich das so verändert, aber dass du vielleicht denkst dein Gefühl und deine Werte, was sind meine Werte, dass das dein Mittelpunkt ist, das du alles andere darum gruppierst und dass du daran denkst, dass es total wichtig ist, dass du wirklich dich um dich kümmerst, dass es dir gut geht, dass du liebevoll für dich sorgst. Und dann, aus dieser liebevollen Energie heraus, kannst du dann wirklich auch allen anderen helfen. Aber wenn du so überhaupt nicht für dich sorgst und immer mehr ausbrennst, dann wirst du auch immer mehr verbittern und immer mehr verzweifeln und wirst alles total negativ sehen, wirst alle anfeinden und alle hassen, die nicht vegan leben und das ist total schade.

Ich kann das verstehen, wenn du verbitterst, weil das auch so ein Konflikt ist. Ich musste mich ja auch erst mal mit mir selbst beschäftigen. Das kostet ganz viel Kraft und das erfordert total viel Mut dich deinem deinem Inneren zu stellen quasi. Also dich auf diesen Weg zu machen, zu sagen: Gut so, für mich ist dieses vegane Leben auch einen Weg zu mir selbst. Seit ich vegan lebe, gehe ich auch immer weiter parallel einen Weg zu mir, zu meinem inneren Wesenskern und lerne ganz viel über mich und lerne ganz viel über andere und alles und wie das so zusammenwirkt. Und ich merke einfach, je länger ich vegan lebe, desto mehr bewege ich mich auch auf meinen inneren Wesenskern zu und ich verändere mich auch die ganze Zeit. Ich bin heute ganz, ganz anders als damals vor drei Jahren.

Carsten Ja wie du schon sagtest, alles ist im Fluss, ist ein Prozess.

Stefanie Vielleicht hast du ja auch Lust, liebe·r Hörer·in, uns von deinem Weg zu erzählen und uns eine Email zu schreiben. Und uns zu erzählen, wie es dir ergangen ist, seit du vegan lebst, wenn du denn schon vegan lebst und ob du das auch so empfindest, dass es so ein Weg zu dir selbst ist und dass du dich veränderst die ganze Zeit über, dass du deine Werte immer wieder erkundest und schaust was ist dir wichtig und für wen stehst du ein? Wer bist du so?

Carsten Ja und vielleicht wirst du ja heute erst dadurch angeregt, diesen Prozess zu starten, dass du dir wirklich erst mal die Frage stellst: Was sind deine Werte?

Stefanie Ja, und vielleicht hast du ja auch so positive Rituale, die du jeden Tag durchführst und vielleicht möchtest du die auch mit uns teilen. Ich wäre sehr, sehr dankbar, wenn du sie teilen würdest. Ich bin immer neugierig auf Rituale, positive, stärkende Rituale und ich sammel die auch. Und wenn du sie mit mir und Carsten teilen würdest, wäre ich dir wirklich sehr dankbar.

Carsten Ja, ich auch.

Stefanie Carsten ist für diese Folge stumm geschaltet.

Carsten Stumm geschaltet. Genau.

Stefanie Genau. Wo wir gerade bei Dankbarkeit sind, möchte ich mich auch in dieser Folge wieder für alle tollen Steady Unterstützer·innen bedanken, die uns wirklich die Treue halten und die uns jetzt schon monatlich unsere Hostinggebühren ermöglichen, was total klasse ist. Und je mehr Geld reinkommt jeden Monat, desto mehr können wir in die Qualität dieses Podcasts investieren und desto tiefergehende Folgen hast du, desto größer wird die Themenauswahl und desto besser wird natürlich auch die Audioqualität, weil wir dann da auch investieren können. Und deswegen freuen wir uns natürlich, wenn du sagst okay, ich spende 3 € im Monat für diesen Podcast oder ich spende 5 € oder 10 € wie du möchtest. Wenn du einen höheren Betrag spenden möchtest, dann bist du natürlich herzlich willkommen und kannst uns einfach eine E-Mail schreiben, wie hoch denn der Betrag sein soll.

Carsten Wir richten das dann ein.

Stefanie Genau, wir machen alles möglich.

Carsten Und natürlich freuen wir uns über jede iTunes Rezension.

Stefanie Genau das ist etwas ins Stocken geraten. Du darfst gerne weitere iTunes Rezensionen schreiben. Ja, also wenn dir dieser Podcast gefällt, dann unterstütze uns gerne mit einer iTunesbewertung. Darüber freuen wir uns sehr und wir freuen uns auch, wenn du uns E-Mails schreibst und sind sehr dankbar für alle unsere Hörer·innen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wieder-Tschüss.

Folge 108 - Human Animal Studies

Ein Beitrag

Folge 108 - Human Animal Studies

In dieser Folge

  • stellt Carsten das Buch "Human Animal Studies" vom Chimaira Arbeitskreis vor,
  • erklärt er, wann Du das Buch lesen solltest und
  • hörst Du eine brandneue Folge von "Ein bisschen Kuhmilch"

Zugegeben, das Buch "Human Animal Studies" wirkt erstmal ziemlich trocken, sind es doch wissenschaftliche Arbeiten, die sich in dieser Sammlung befinden.

Carsten hat das Buch dennoch komplett gelesen und festgestellt, dass es ein umfassendes Bild des noch jungen Forschungszweigs abbildet.

Vom Tier in unserer Sprache, über Tiergeschichtsschreibung, konstruierte Andersartigkeit, queer-theoretische Betrachtungen, Sexismuskritik und Tierversuche hin zur visuellen Repräsentation der Tierrechtsbewegung und dem Verhältnis von Hardcore-Szene zu veganer Biografie.

Der Chimaira Arbeitskreis hat auch noch zwei weitere Sammelbände und diverse Aufsätze in Fachzeitschriften veröffentlicht. Schau doch mal auf ihrer Webseite vorbei.

Links zur Folge

Webseite zum Buch "Human Animal Studies"
http://www.chimaira-ak.org/publikationen/human-animal-studies/

Es ist nicht alles grün, was Bäume pflanzt

Ein Beitrag

Folge 107 - Es ist nicht alles grün, was Bäume pflanzt

In dieser Folge hat Carsten eigentlich mit Felix Finkbeiner über sein Projekt "Plant for the Planet" und das One Trillion Tree Project gesprochen.

Da es im Laufe der Zeit immer wieder Kritik an der Glaubwürdigkeit der Stiftung gegeben hat, haben wir uns entschlossen, diese Folge zu entfernen und stattdessen eine Stellungnahme zu veröffentlichen.

Ganz nach dem Leitsatz: "Es ist nicht alles grün, was Bäume pflanzt".

 

Vollständiges Transkript

Stefanie An dieser Stelle war eigentlich das Interview mit Felix Finkbeiner von Plant for the Planet. Aber es kam in den letzten Jahren tatsächlich auch schon immer mal wieder ein bisschen Kritik auf. Also nicht an unserem Interview, sondern an Plant for the Planet. Und die hat sich jetzt verdichtet und Carsten hatte erst jüngst eine Stellungnahme von Fridays for Future gelesen, dass sie nicht mehr mit Plant for the Planet verbandelt sein wollen. Und deswegen übergebe ich jetzt an Carsten, der sagt: Warum haben wir jetzt das Interview rausgenommen?

Carsten Ja, genau. Es hat also triftige Gründe, weswegen wir uns entschieden haben, tatsächlich das erste Mal im Laufe unserer 5-jährigen Geschichte eine Podcastfolge rückwirkend rauszunehmen.

Stefanie Und ein halbjährigen.

Carsten Fünfeinhalb Jahre. So. Ja, also im Grunde genommen geht es darum, dass die Stiftung Plant for the Planet stark an Glaubwürdigkeit verloren hat. Das ist zurückzuführen auf verstärkte Medienberichte, die gerade Ende 2020 rausgekommen sind. Jetzt, so im ersten Halbjahr 2021 ist auch verstärkt in den Mainstream Medien berichtet worden. Wir verlinken da auch so 1 2 3 Berichterstattungen unter dieser Folge, falls du da ein bisschen mehr Input haben möchtest. Und das, was Fridays for Future betrifft. So wie ich es verstanden habe, war es so, dass Fridays for Future als Organisation hier in Deutschland kein eigenes Spendenkonto besitzen durfte, weil es – ich weiß nicht genau - eine Initiative war und also keine keine Rechtsform hatte. Ich versuche jetzt so ein bisschen aus meinem Wissen zu interpretieren, also zumindest nicht den den Gegenstand erfüllte, um jetzt tatsächlich ein eigenes Spendenkonto verwalten zu dürfen und hatte dankenswerterweise von der Stiftung Plant for the Planet die Möglichkeit erhalten dort ein Treuhandkonto für die Spenden von Fridays für Future dann mit laufen zu lassen.

Und aufgrund der medialen Berichterstattung und der stärker zunehmenden Kritik an der Stiftung Plant for the Planet hat sich Frdays for Future dann entschlossen das Treuhandkonto dort aufzugeben. Die haben einen eigenen Verein gegründet und dieser Verein von Fridays for Future dient halt nur dazu, ein eigenes Spendenkonto verwalten zu können. Damit machen sie sich halt unabhängig von der mittlerweile sehr stark in der Kritik stehenden Stiftung Plant for the Planet. So und aufgrund der medialen Berichterstattung, was ich vorhin schon sagte, ist halt die Glaubwürdigkeit dieser Stiftung Plant for the Planet sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden, weil dort tatsächlich zweifelhafte Strukturen in der Organisation aufgedeckt wurden. Die wissenschaftliche Nachprüfbarkeit ist nicht gegeben und es sind viele Aussagen getätigt worden in der Vergangenheit, die sich nicht wirklich so belegen lassen.

Stefanie Was heißt das jetzt konkret?

Carsten Also konkret geht es darum, dass Waldflächen ausgewiesen wurden, wo schwierig nachzuweisen ist, ob das Anpflanzen von Bäumen dort überhaupt irgendwo einen nennenswerten positiven Effekt aufs Klima hat. Das sind verschiedene Landflächen. Das fängt an bei Landflächen, die mittlerweile überflutet wurden, wo im Vorfeld schon klar war, dass das Gebiete sind, die ein hohes Risiko der Überflutung mit sich bringen. Dementsprechend sind die dort gepflanzten Bäume jetzt auch abgestorben. Es sind Landflächen, wo vorher schon Wald war. Also in einem Urwald Bäume zu pflanzen ist zweifelhaft. Macht vielleicht Sinn, weil die Bäume dort, ich sag jetzt mal einen besseren Boden haben und besser wachsen können. Aber ob dann der erhoffte klimatische positive Effekt zutage kommt, sei dahingestellt.

Ich habe auch gelesen, dass die angepflanzten Bäume dann nach einer bestimmten Zeit auch wieder abgeholzt werden sollten, um dann als ganz normales Holz verarbeitet zu werden. Das stellt natürlich die Frage in den Raum, wie hoch ist denn tatsächlich nachher dieser CO2 Kompensationseffekt, der sich ja eigentlich erst nach Jahren dann so einstellt? Das sind also Sachen, die mir bei der Recherche so aufgefallen sind und du kannst es im Detail nachlesen. Wie gesagt, es sind ein paar Quellen aus namhaften Medien hier unter dieser Folge verlinkt, aber das sind alles so Sachen, wo wir gesagt haben, wir können dieses Interview, was ursprünglich mit Felix geführt wurde, jetzt hier in diesem Podcast nicht mehr veröffentlichen und müssen es zurückziehen, weil wir jetzt auch nicht mehr hinter dieser Stiftung stehen.

Stefanie Ja, wir wollen halt keine Werbung mehr, was ja vorher kostenlose Werbung war, für diese Stiftung machen. Und deshalb hörst du jetzt hier gerade diese Stellungnahme und nicht das Interview. Denn das Interview habe ich aus dem Podcast rausgelöscht und dafür eben diese Stellungnahme reingesetzt. Soweit also von uns. Wir gehen also auch durchaus kritisch mit unserer Vergangenheit um und arbeiten sie auf. Und nochmal so zur Einordnung: wir haben diese Stellungnahme im August 2021 aufgenommen. Was jetzt in Zukunft passiert, wissen wir natürlich nicht, aber im August 2021 war es uns wichtig, diese Stellungnahme zu verbreiten. So weit würde ich sagen erst mal und dann danken wir dir fürs Zuhören und freuen uns, wenn du unseren Podcast weiterhin hörst.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Folge 106 - Das bisschen Kuhmilch

Ein Beitrag

Folge 106 - Das bisschen Kuhmilch

Ich kenne mittlerweile einige Cafés, in denen alle Nahrung vegan ist, außer der Kuhmilch.

Immer drängender summte es da in mir "Das bisschen Kuhmilch kann so schlimm nicht sein..." und in dieser Folge musste dann alles raus.

Wir singen und sprechen über das Thema Kuhmilch und eine Möglichkeit dem Dilemma zu entrinnen, in das wir alle geraten, wenn wir von Herzen vegan leben.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Gemeinsam singend:

Das bisschen Kuhmilch kann so schlimm nicht sein,
sagt man so.
Das bisschen Kuhmilch kommt von ganz allein,
sagt man so.
Wie man sich da überhaupt beklagen kann,
ist unbegreiflich.
sagt man dann.

Das bisschen Kuhmilch ist doch halb so wild,
sagt man so.
Was für den Käse ganz genauso gilt
sagt man so.
Wie man da anderer Meinung sein kann,
ist ein Rätsel,
sagt man dann.
Und was man sagt, stimmt ganz bestimmt-
Dass Kuhmilch gut ist, weiß doch jedes Kind!

Das bisschen Kuhmilch, oh wie wohl das tut,
Sagt man so.
Das Calcium ist für die Knochen gut,
sagt man so.
Wie man das in Frage stellen kann,
ist nicht zu fassen,
sagt man dann.
Und was man sagt, stimmt ganz bestimmt-
Dass Kuhmilch gut ist, weiß doch jedes Kind!

Carsten Wenn du bis hierhin noch durchgehalten hast, du nicht abgeschaltet hast.

Stefanie Das ist der neue Schlagerpodcast.

Carsten Der neue Schlagerpodcast.

Stefanie Genau. Also, Carsten und ich haben ein Lied erfunden, oder eigentlich habe ich das erfunden.

Carsten Du hast es erfunden. Deine Lorbeeren.

Stefanie Und dieses Lied haben wir nicht nur zu deinem Vergnügen hier ins Mikro gesungen, sondern.

Carsten Es hat einen ernsten Hintergrund.

Stefanie Es hat einen ernsten Hintergrund insofern, als dass dieses „Das bisschen Kuhmilch kann so schlimm nicht sein“ mir in letzter Zeit oft so durch den Kopf geschossen ist, woraus dann dieses Lied entstanden ist. Das hat sich so von selbst gedichtet und ich dachte, das müssten wir jetzt mal vortragen und fühl dich auch eingeladen, das selber zu singen und weiter zu dichten.

Carsten Ich würde einen Text in den Shownotes hinterlegen oder?

Stefanie Das weiß ich noch nicht, aber ich lass es vielleicht erst mal so. Auf Anfrage. Nachher klaut das jemand und sagt dann er hat's erfunden.

Carsten Also die Melodie kommt nicht von uns.

Stefanie Die Melodie hast du natürlich erkannt und du kannst auf Basis dieser Melodie das schön weiter dichten. Also mein Aufruf an dich: Wenn du noch mehr Strophen hast, dann schreib sie uns doch gerne, veröffentliche sie, singen sie laut und deutlich.

Carsten So auf der nächsten Demo.

Stefanie Warum ich dieses Lied im Kopf habe? Ein Auslöser war jetzt, dass ich im Café Katzentempel in Hamburg war und dort alles vegan ist, außer Kuhmilch.

Carsten Ja, wie gesagt, so ein bisschen Kuhmilch kann so schlimm nicht sein.

Stefanie Und so kam dann wieder dieses bisschen Kuhmilch und vor allem weil auch beim Vegan Guide in Hamburg die Diskussion aufkam, darf ein Café, in dem Kuhmilch angeboten wird in die vegane Spalte? Zwei sind da aus Versehen reingerutscht. Also auf jeden Fall ist das Café Katzentempel da auf einmal gelandet in einer Ausgabe und da die Kuhmilch anbieten, ist das einfach aus meiner Sicht nicht vegan. Und mein Problem, weswegen ich jetzt diese Podcastfolge aufnehme ist, dass ich ja eigentlich nicht so total strikt und verbohrt und keine Ahnung da draufschauen will. Nur durch die Beschäftigung mit dem Thema Milch, den Milchkühen und mit den Kälbern ist das bisschen Kuhmilch für mich eben nicht das bisschen Kuhmilch. Da hängt für mich total viel Leiden dran und deswegen kann ich einfach nicht sagen ja, ist ja nicht so schlimm, alles andere ist ja vegan und da gibt es ja nur das bisschen Kuhmilch halt noch.

Carsten Also ich glaub, du hattest gesagt, dass das komplette Angebot prinzipiell vegan ist. Die haben also auch nichts Veganes drauf. Aber auf Nachfrage können die Kunden anstatt Pflanzendrink eben Kuhmilch für ihre Kaffee bekommen.

Stefanie Ich habe das beobachtet. Ich war glaub ich zwei oder drei Stunden da und hab dann mitgehört an den anderen Tischen und habe dann auch mit einer Dame, die da arbeitet gesprochen und die eben sagte, die meisten die da hin kommen, leben nicht vegan. Und das ist ja ein Franchisekonzept, dieses Café Katzentempel und der Anspruch ist vegetarisch und auch vegan. Aber also irgendwie 95 % höchstens vegan. Die Kuhmilch, das ist eben der Faktor. Und zwar deswegen, weil sie nicht irgendwelche Gäste, die eben noch nicht vegan leben, die wegen der Katzen da hinkommen, abstoßen wollen. Also nur, falls du dieses Konzept noch nicht kennst. Im Café Katzentempel in Hamburg leben sechs gerettete Katzen in einem Café und du kommst da rein und kannst dann da Kaffee trinken und du kannst da Kuchen essen, du kannst auch Mittagessen essen, frühstücken, alles in Gesellschaft mit diesen Katzen.

Carsten Du besuchst quasi die Katzen.

Stefanie Du besuchst die Katzen, die Katzen sind da das Wichtigste. Auch die Katzen werden nicht vegan ernährt. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Jedenfalls die Speisen dort sind vegan. Nur zum Kaffee kannst Du halt Kuhmilch wählen, wobei da nicht Kuhmilch steht, sondern da steht dann Bio Milch. Ich habe dann auch mitgehört an anderen Tischen, dass die Kellnerin dann auch gesagt hat „Welche Milch möchten Sie dann im Kaffee haben?“ und dann kam nur „Auf keinen Fall Hafermilch, auf jeden Fall Kuhmilch. Richtige Milch!“ Also richtige Milch ist ja dann immer Kuhmilch. „Ich will nur richtige Milch!“ und ich habe auch bei welchen das beobachtet, dass sie dann entsetzt waren, dass es nur veganes Essen da gibt. Also so, das heißt die Zielgruppe da, sind die die Katzen mögen und nicht die, die vegan leben.

Und was mir aber so aufgestoßen hat, es gibt so viele Cafés, die halt sagen okay, wir, unsere Speisen sind vegan, aber wir bieten Kuhmilch an. Das ist ja auch in der Lebeleicht Juice Bar so, die wir besucht haben, die in Hamburg ist, wo ich auch eigentlich gedacht habe, die sind rein vegan, aber die auch Kuhmilch anbieten und in einem von ihren Säften sind Bienenpollen drin. Das habe ich jetzt in Hamburg schon in mehreren Cafés erlebt. Ich kenne mindestens vier Cafés in Hamburg, wo das so ist. Die Speisen sind alle vegan, aber es wird Kuhmilch angeboten und deswegen hast du jetzt unsere Sangeskünste gehört. Deswegen hat das so in mir gebrannt. Das bisschen Kuhmilch, das bisschen Kuhmilch kann so schlimm nicht sein.

Und ich beschäftige mich ja schon durch die Milchgeschichten und alles so stark mit diesem Thema, dass ich das nicht bestätigen kann. Ich finde das total schlimm. Also ich habe 20 Jahre vegetarisch gelebt, ich habe ganz viel Kuhmilch konsumiert und ich habe Käse gegessen und Speiseeis und alles mögliche. Also das heißt, mir ist es schon bewusst und ich stecke jetzt im Moment in so einem Dilemma, dass mir das einerseits bewusst ist, dass es so ein Bewusstwerdungsprozess ist, dass nicht jede·r irgendwie diese Informationen alle so parat hat, wie ich sie mittlerweile habe, aber ich andererseits das auch nicht mehr tolerieren kann, dass gesagt wird: Naja, das bisschen Kuhmilch kann so schlimm nicht sein.

Carsten Ja, ich finde das auch vom Konzept her nicht wirklich konsistent. Ich bin da eher derjenige, der sagt, wenn ich jetzt schon nicht nach außen hin so als rein vegan gelten möchte, dann schreibe ich es halt nicht drauf. Ja, dann muss ich halt gucken, dass die Leute, die wirklich Fokus auf auf rein vegan haben, irgendwie anders wissen, dass es vegan ist. Aber dann lasse ich diesen Begriff vegan weg. Und weil du schon gesagt hat, da stand nicht Kuh-, sondern Biomilch. Ja, es gibt ja auch Bio Pflanzendrink oder so was. Also dann hätte ich im Grunde genommen einfach nur reingeschrieben, keine Ahnung „Milch“ oder wie auch immer oder die Zutat nicht explizit benannt und auch gar nicht großartig nachgefragt „Was möchtest du denn in deinem Kaffee drin haben?“ Sondern dann wird einfach ein Standarddrink mit reingenommen. Eben keine Kuhmilch. Und da hätte wahrscheinlich kein Mensch nachgefragt.

Stefanie Ja, die Dame, die da gearbeitet hat, jetzt in diesem Café Katzentempel, sagte mir auch, dass es eigentlich irritierend ist, weil alles bei denen Bio ist. Das heißt, dass wenn da Biomilch steht und dann steht da Sojamilch, Hafermilch oder Reismilch oder keine Ahnung, ich weiß nicht, welche Milchsorten sie sonst hatten, die sind eigentlich auch Bio, aber sie unterscheiden quasi die Kuhmilch von der Pflanzenmilch nicht durch den Zusatz Bio. Das ist nicht das, weswegen ich diese Podcastfolge mache, sondern mein Anliegen ist einfach dieses Dilemma irgendwie mal zu beschreiben. Vielleicht befindest du dich, liebe·r Hörer·in ja auch in so einem Dilemma, dass du quasi zu viel weißt und deswegen das nicht mehr tolerieren kannst.

Carsten Ja, das auch dieses „bisschen“. Man guckt ja vielleicht beim Wort „ein bisschen“ auf die Menge und da wird jetzt ein Kaffee und dann vielleicht ein kleines Stückchen von der Kuhmilch rein. Aber um diese Bereitstellung überhaupt hinzubekommen, diese Milch bereitzustellen, muss ja schon ein gewisser Apparat dahinter sein. Ja, also jetzt nicht so, dass die im Hinterhof eine eigene Kuh haben und dann selbst melken.

Stefanie Das ist ja egal, ob du eine eigene Kuh hast oder ob du die Milch vom Bio Bauernhof oder konventionelle Milch aus dem Supermarkt beziehst. Es muss ja immer ein unschuldiges Leben dafür sterben. Denn egal wie gut du die Kuh behandelst, es muss immer ein Kalb zur Welt kommen, was nicht zur Welt gekommen wäre, wenn du die Milch nicht hättest haben wollen. Und es muss immer irgendwas mit dem Kalb geschehen, denn dieses Kalb ist ja einfach, wie viele schon sagen, ein Abfallprodukt. Und das wäre nicht entstanden, wenn du nicht die Milch hättest haben wollen. So, und das heißt, es ist total egal wie die Kuh gehalten wird, wie lieb du sie hast und wie toll du dich um sie kümmerst. Und auch egal wie toll du dich um dieses Kalb kümmerst, denn du wirst dieses Kalb ja nicht großziehen und dann wirst du - Keine Ahnung. Also es. Also was?

Carsten Ja, es kommt der Punkt, da ist das Kalb definitiv überflüssig und die Kuh muss ein zweites Kalb bekommen und spätestens dann ist das erste überflüssig.

Stefanie Dann hast du immer mehr und deswegen gibt es ja, dass das Kälbchen dann zum Gourmet Faktor wird, weil dann weißes Fleisch und so, aber das ist dann wieder ein andere Thema. Aber jedenfalls so ein Kalb ist halt immer über und es ist egal wie gut du das behandelst. Das war ja auch bei dem System Milch so, dass die bei dem Vorzeigehof die Kälber gar nicht gezeigt haben. Bei den anderen hat man die Kälber schon gesehen und auch tote Kälbchen und keine Ahnung. Und auch diese Einstellung naja, wenn es halt jetzt in den ersten Tagen nicht aufgepäppelt werden kann, dann erschieß ich es halt oder lass es irgendwie so verenden. Und das ist ja auch wirklich außerhalb von Deutschland Gang und gäbe, die männlichen Kälber einfach zu erschießen oder anderweitig zu töten. Und das ist für mich so, ich weiß das alles und das tut mir weh.

Und selbst wenn das jetzt dieser ethische Aspekt nicht wäre, ist da auch noch so ein Nachhaltigkeitsaspekt. So das gleiche ist ja, wenn du sagst okay. Hey, ich bin total nachhaltig, aber ich biete halt Kuhmilch an und Kuhmilch ist eben auch kein nachhaltiges Produkt und deswegen ist es halt irgendwie egal, wie du es drehst und wendest. Das bisschen Kuhmilch ist immer schlimm. Ja und das ist eben jetzt mein Problem. Ich will nicht sagen müssen okay, da hast schon wieder was Blödes gemacht, jetzt trinkst du ja auch noch Kuhmilch, wie kannst du nur? Das will ich ja auch nicht. Aber andererseits kann ich das irgendwie auch nicht als gut abtun, dass da wenigstens alles andere vegan ist, wenn schon nicht die Kuhmilch.

Carsten Also du kannst es halt nicht einfach so hinnehmen und so tun, als ob nichts passiert oder nichts passiert wäre.

Stefanie Genau das ist also im Moment so ein Dilemma, in dem ich stecke und aus dem ich irgendwie gerade nicht herausfinde. Und ja, ich wollte das einfach mal so in den Raum stellen und vielleicht ich habe in letzter Zeit jetzt so einige Podcasts und Podcastfolgen gehört zum Thema Verletzlichkeit, wo einige Frauen über das Thema Verletzlichkeit gesprochen haben und auch gesagt haben, wofür sie sich schämen und so einfach, dass alles mal offen gemacht. Oder wie die Sarah von Happy Planty sagte, dass sie sich nackig gemacht hat. Und ich habe gedacht, so ein bisschen ist das jetzt, das ist jetzt nicht so hundertProzentig genau so Verletzlichkeit, aber zumindest ich wollte das einfach mal in den Raum stellen, dass ich in diesem Dilemma gerade lebe, dass ich auch oft so das Gefühl habe, ich habe keinen Bock mehr auf diese Welt, diese blöde, nicht vegane Welt, in der wir immer gucken müssen, wie wir mit diesem Tierleid umgehen.

Und ich würde so gerne irgendwo einen geschützten Raum haben, wo ich, also wirklich auch einen physischen, geschützten Raum, ein Haus und ich habe schon mal über ein veganes Dorf nachgesonnen und also so mit einer freien Schule und solidarische Landwirtschaft und allem, also so mit verschiedenen Häusern, wo wir dann trotzdem für uns sein können, aber dann trotzdem halt so eine Gemeinschaft aus Gleichgesinnten. Ich weiß, es gibt schon solche Dörfer, aber mit diesem Aspekt vegan, also dass wir alle vegan leben und das ist eine Grundvoraussetzung und daraus entwickeln sich ja bei uns zumindest ganz viele Werte. So wie das mit der freien Schule und diesen ganzen demokratischen Aspekten der Achtsamkeit und auch dieses selber anbauen und so. Es ist alles so ein großer Zyklus und ich habe ganz oft jetzt irgendwie in letzter Zeit so gedacht, diese Beschäftigung mit diesem krassen Tierleid, also das, was gerade eben mit den Kälbchen und durch die Milchgeschichten, das macht mich immer wieder so, jedes Mal wenn ich in diese Realität gestoßen. Da habe ich so das Gefühl, ich möchte einfach wieder weg. Ich möchte einfach an einem Ort leben, wo ich mich nicht erklären muss.

Carsten Ja, wo die Leute, die um uns herum sind, eigentlich genauso ticken wie wir, ohne dass ich da jetzt wirklich auch damit konfrontiert werde. Also jetzt mit mit dieser schrecklichen Wahrheit, die dann da ist, dass man da Energie tanken kann und einfach mal in Ruhe leben kann.

Stefanie Ja, weil es halt echt total viel Energie frisst. Also immer in dieser nicht veganen Welt halt zu sein. Und das ist so ein bisschen so was, wo ich mich gerade befinde, wo ich dann sage, dass es ist eben nicht „das bisschen Kuhmilch“, das ist eben nicht ganz normal oder es ist doch kein Problem und es ist doch halb so wild oder so, sondern das ist was ganz Schlimmes, eigentlich was, wo ganz viel Leiden dranhängt. Und ja, ich, ich hänge da irgendwie in so einer Dauerschleife fest.

Carsten Ja, ja, das erinnert mich so ein bisschen an etwas, was ich die letzten Tage gesehen hatte. Ich weiß nicht mehr wo in irgendeinem Video, da haben sie dann auch versucht, diese Pelzkragen wieder in den Vordergrund zu bringen. Also schon um mal kritisch zu hinterfragen. Und die haben Passanten auf der Straße interviewt, wie die zu diesem Pelzmänteln stehen und haben aber ganz bewusst Leute angesprochen, die einen Pelzkragen hatten. Und die, die befragt wurden haben so ganz klar gesagt nein um Gottes willen, Pelz, Pelzmantel würde ich mir nie kaufen. Das ist ganz schlimm, ganz schlimm. Und dann wurden sie darauf angesprochen. Aber was ist denn hier mit Ihrem Kragen da an der Jacke? Ja, das ist ja okay. Also das war für die dann wieder akzeptabel. Die haben das irgendwie abspalten können, also die wussten, das ist echter Pelz, aber das ist halt nicht so schlimm, das ist halt nicht so viel da, es ist ja keine komplette Jacke, ist kein Pelzmantel.

Stefanie Da kann gleich ich ein neues Lied draus machen. Das bisschen Pelz kann so schlimm nicht sein.

Carsten Also es ist, wo ich dann auch gemerkt habe: Leute, wisst ihr eigentlich, was ihr da gerade erzählt? Also es scheint wirklich so eine Verdrängung, so eine Abspaltung zu geben zwischen ein bisschen Elend, und massiv Elend, also massiv Elend in der Hinsicht, ganz viel Milch oder ganz viel Pelz und dann so das bisschen Gezappel, was da ist, das kann ja nicht so schlimm sein.

Stefanie Also dieser Pelzbommel oder Pelzkragen.

Carsten Genau. Ja, also weiß ich nicht. Das kam mir gerade so in den Sinn, weil diese Abspaltung da war.

Stefanie Es ist irgendwie so, ich will ja auch nicht dieses verbittert und ganz furchtbar immer auf allen rumhacken, die nicht vegan leben und alle doof finden, die nicht vegan leben. Das möchte ich auch nicht. Ich habe ja schließlich auch ganz lange Zeit meines Lebens nicht vegan gelebt. Trotzdem kann ich irgendwie nicht das Tierleid verleugnen und sagen: Ja, das ist schon gut. Das finde ich total toll, dass es hier wenigstens veganes Essen gibt. Und das bisschen Kuhmilch, das ist ja dann nur noch, also ist ja verschwindend gering sozusagen.

Carsten Ja, so quasi die veganen Lorbeeren ernten und dann zu sagen okay, komm, ja, das ist jetzt außen vor.

Stefanie Ja und das ist so irgendwie dieses Dazwischenstecken, ich weiß nicht. Wie gesagt, liebe Hörerinnen und Hörer, vielleicht geht es dir manchmal auch so. Ich bin ja froh, dass Carsten und ich da zu zweit sind und dass wir uns halt haben.

Carsten Und damit du nicht verbitterst oder verzagst, kannst du dich nochmal an unserem Lied orientieren und mitsingen.

Stefanie Genau das singen wir jetzt nochmal zum Schluss.

Carsten Einmal mit ganz schiefen Tönen. Ich bemühe mich, ich versuche...

Stefanie Ja, Carsten kann auch nur

Carsten Background singen.

Stefanie Dafür eignet sich Carsten besonders.

Carsten Oh Gott. Ja.

Stefanie Okay, jetzt singen wir alle gemeinsam. Du kennst ja jetzt auch schon den Text, liebe·r Hörer·in, sing einfach mit. 3-2-1.

Gemeinsam singend

Das bisschen Kuhmilch kann so schlimm nicht sein,
sagt man so.
Das bisschen Kuhmilch kommt von ganz allein,
sagt man so.
Wie man sich da überhaupt beklagen kann,
ist unbegreiflich.
sagt man dann.

Das bisschen Kuhmilch ist doch halb so wild,
sagt man so.
Was für den Käse ganz genauso gilt
sagt man so.
Wie man da anderer Meinung sein kann,
ist ein Rätsel,
sagt man dann.
Und was man sagt, stimmt ganz bestimmt-
Dass Kuhmilch gut ist, weiß doch jedes Kind!

Das bisschen Kuhmilch, oh wie wohl das tut,
Sagt man so.
Das Calcium ist für die Knochen gut,
sagt man so.
Wie man das in Frage stellen kann,
ist nicht zu fassen,
sagt man dann.
Und was man sagt, stimmt ganz bestimmt-
Dass Kuhmilch gut ist, weiß doch jedes Kind!

Stefanie Ja, also, wenn du neue Strophen hast, schick sie uns.

Carsten Wir werden sie einsingen.

Stefanie Wir werden sie einsingen. Du darfst uns auch vorsingen. Und kannst du auch noch ein Audio machen?

Carsten Genau das bringen wir dann auch gerne, wenn du möchtest.

Stefanie Oh, das wäre cool. Und wir können vielleicht auch einen Crowd Song machen. Alle singen mal was und ich versuche das genau. Vielleicht kriegen wir das auch hin, dass wir. Ich leg das alles übereinander. Und dann haben wir eine riesen Crowd.

Carsten Du musst auch gar nicht richtig gut singen können. Also ich habe mich auch erst nicht getraut. Egal, das ist unser Podcast.

Stefanie Das sind wir.

Carsten Ich darf das.

Stefanie Schäm dich!

Carsten Nein!

Stefanie Schäm dich, Susanne. Genau so!

Carsten Gut.

Stefanie Dann würde ich sagen, haben wir dich jetzt genügend gestraft.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Auf Wiederhören.

Veganer sind einfach die besseren Menschen

Ein Beitrag

Folge 105 - Veganer sind einfach die besseren Menschen Vol.3

"Sind Veganer die besseren Menschen?" - diese Frage haben wir in unser Standardfrageportfolio aufgenommen, das wir Veganer*innen stellen, wenn wir unterwegs sind.

Bisher haben wir dazu 18 Minuten O-Töne gesammelt und in den Antworten findet sich die komplette Bandbreite von ja bis nein mit allen Graustufen dazwischen wieder.

Links zur Folge

Die gelenkte Konsumgesellschaft

Ein Beitrag

Folge 104 - Die gelenkte Konsumgesellschaft

In dieser Folge

  • erzählt uns Carsten von der ZDFneo Dokumentation "Die gelenkte Konsumgesellschaft",
  • sprechen wir über geplante Obsolenz und Marketingmaschen,
  • berichtet Carsten von den unsäglichen Methoden der Pharmalobby

Die Dokumentation "Die gelenkte Konsumgesellschaft" führt Dich zurück bis in die 1950er Jahre und durch die Zeit bis in die Gegenwart der Konsumgeschichte.

Als Ergänzung empfiehlt sich die Lektüre des Buchs "Nach dem Krieg" von Hellmuth Karasek, da die Dokumentation eher die amerikanische Geschichte beschreibt.

Links zur Folge

"Die gelenkte Konsumgesellschaft" von ZDFneo
https://www.youtube.com/watch?v=QztcpDcjHPk

Bauer unser - ein Film von Robert Schapus

Ein Beitrag

Folge 103 - Bauer unser - billige Nahrung, teuer erkauft

In dieser Folge

  • stellen wir Dir den Film "Bauer unser" von Robert Schabus vor,
  • erzählen wir Dir, an wen sich dieser Film richtet und
  • berichten wir Dir davon, was wir Neues gelernt haben.

Die österreichische Dokumentation "Bauer unser" zeigt relativ neutral die Realität europäischer Bauernhöfe. Auch wenn in diesem Fall nur österreichische Bauern gezeigt werden, können die Zustände 1:1 auf Deutschland übertragen werden.

Auch deutsche Bauern stehen vor den Herausforderungen, die im Film gezeigt werden.

Thema sind hier vor allem die globalen Verstrickungen und das wahre Bild der Landwirtschaft, das in unseren Köpfen meist noch romantisiert und idealisiert ist.

 

Links zur Folge

Im Gespräch mit hamburg mal fair

Ein Beitrag

Folge 102 - Im Gespräch mit Friederike Lang von hamburg mal fair

In dieser Folge

  • spreche ich mit Friederike Lang von hamburg mal fair über den fairen Handel,
  • erklärt Friedrike wie fairer Handel funktioniert,
  • erfahren wir welche Arten von Siegeln und Labeln es gibt.

Diese Folge ist als Extrafolge für unsere Unterstützer über Steady mit dem Enthusiastenpaket entstanden.

Felix wollte wissen wie der faire Handel (insbesondere Bananen und schokoladenhaltige Produkte) funktioniert und welche Siegel was versprechen. Um diese Fragen zu klären, habe ich nach einer Expertin gesucht und Friederike Lang von hamburg mal fair gefunden.

Friederike und ich haben uns in ihrem Büro unterhalten und leider hat sich während der Folge auch wieder dieses Ticken eingestellt, dessen Ursprung wir dank unseres Hörers Claudius, mittlerweile glauben identifiziert zu haben.

Wir bitten Dich also diesen Umstand zu entschuldigen und hoffen, dass Dich diese Folge dennoch inspiriert.

Links zur Folge

Folge 101 - Das war (unser) 2017

Ein Beitrag

Folge 101 - Das war (unser) 2017

In dieser Folge

  • nehmen wir Bezug auf unseren Jahresausblick vom Anfang 2017,
  • erzählen wir, was wir in diesem Jahr alles gelernt und verwirklicht haben,
  • geben wir Dir Tipps, wie auch Du Dir vergegenwärtigen kannst, was Du in 2017 alles erreicht hast.

Wir sind sehr dankbar für alles, was wir in 2017 erleben durften, es hat uns weiser und stärker gemacht.

Wir sind dankbar für all unsere Unterstützer*innen, sei es finanziell über Steady, über iTunes oder durch all die wunderbaren E-Mails, die uns erreichen.

Wir freuen uns, dass wir Dich inspirieren und danken Dir, dass Du unseren Podcast hörst.

Falls Du es noch nicht gemacht hast: nimm noch an der Verlosung teil, bis zum 31.12. landest Du noch im Lostopf.

Folge 100 - Du veränderst die Welt

Ein Beitrag

Folge 100 - Du veränderst die Welt

In dieser Folge

  • sprechen wir über unsere Rolle in dieser Welt,
  • lese ich Dir ein Märchen vor und
  • erfährst Du, wie Du an der großen Verlosung mitmachen kannst.

Für die 100. Folge haben wir nicht nur ein gewichtiges Thema gewählt, sondern auch Sponsoren für eine Verlosung gewinnen können.

Wie Du an der Verlosung teilnehmen kannst, erfährst Du in der Podcastfolge.

Vollständiges Transkript

Stefanie Wie Carsten schon gesagt hat, ist das jetzt unsere ein hundertste Folge. Wenn man die Pilotfolge nicht mitrechnet.

Carsten 100 Folgen, was sagst du dazu? Was ist denn das für ein Gefühl?

Stefanie Seit unserer ersten Folge sind noch nicht ganz zwei Jahre vergangen. Das heißt, unser zwei jähriges Jubiläum folgt noch. Wir haben uns jetzt für die hundertste Folge aber dennoch entschieden, eine Verlosung auszuloben und haben fleißig Gegenstände gesammelt.

Carsten Ja, genau. Wir wollten was wirklich Gutes und was Sinnhaftes. Und ja, ihr dürft gespannt sein.

Stefanie Wir haben ja auch schon mal was verlauten lassen. Wir haben schon gespoilert.

Carsten Stimmt gar nicht. Wir haben nicht alles genannt.

Stefanie Genau, so zwei Überraschungen gibt es, glaube ich, noch. Aber wir haben ja schon mal was genannt, das heißt, wenn du jetzt hier - schon wieder - wenn du also jetzt regelmäßig - Carsten lacht schon wieder so gekünstelt.

Carsten Das siehst Du an dem Ausschlag oder wie?

Stefanie Künzelsau - zuhörst, dann weißt du also schon einen Teil von dem, was es gibt. Und wir werden dir auch im Laufe dieser Folge verraten, wie du an der Verlosung teilnehmen kannst. Wir werden jetzt vorab schon mal verraten, dass wir unter allen, die an der Verlosung teilnehmen, die Gegenstände, die es zu gewinnen gibt, bis zum 31. 12. 2017 auslosen werden, so dass du dann im Januar in den Genuss dieser Dinge kommen wirst, solltest du denn gewinnen.

Carsten Genau.

Stefanie Und diese Folge hat aber nicht nur Verlosung als Thema.

Carsten Wir haben auch ein Titelthema.

Stefanie Wir haben ein Titelthema. Carsten hat sich etwas Gewichtiges für diese Folge gewünscht.

Carsten Ich will gerade sagen, das Thema kam von dir, der Wunsch, was Wichtiges zu machen. Von mir?

Stefanie Ja, genau. Also Carsten wollte eigentlich nämlich den Wunsch einer Hörerin aufgreifen, wo es darum ging Veganes Utopia quasi. Also wie kann eine Welt aussehen, in der alle vegan leben? Und wie werden wir uns dahin entwickeln? Aber ich habe mich noch zu unsicher gefühlt und habe dagegen votiert und habe mich dann durchgesetzt.

Carsten Also dagegen votiert, heißt es aufgeschoben, nicht aufgehoben. Das machen wir später noch mal! Genau.

Stefanie Ich will mich da noch ein bisschen mehr darauf vorbereiten. Es gibt ja schon einige Filme dazu und Projekte und vielleicht können wir dazu auch noch ein Interview führen. Das heißt, es wird noch kommen, aber in dieser Folge nicht.

Carsten Genau. Stattdessen haben wir ein anderes tolles Thema. Und zwar.

Stefanie Weil es von mir kommt, muss es einfach toll sein.

Carsten Ich bin heute wieder am Schmeicheln.

Stefanie Es ist die hundertste Folge. Es muss so sein.

Carsten Ich kann mir selbst Glückwünsche ausstellen.

Stefanie Ich lass euch mal alleine.

Carsten Danke.

Stefanie Du bist allein.

Carsten Ach so, okay.

Stefanie So, hier haben wir wieder so einen flachen Witz gerissen. Also, in dieser Folge soll es darum gehen, dass wir jetzt dran sind.

Carsten Genau. Und zwar auch du.

Stefanie Genau. Du und du. Und du. Und du. Wir alle, Carsten.

Carsten Wir alle, die wir jetzt hier sitzen, zuhören, laufen. Keine Ahnung, wie wir uns gerade bewegen oder nicht bewegen. Wir als Gesellschaft sind jetzt dran. Und zwar zu handeln.

Stefanie Genau. Denn wir haben ja unseren Podcast gestartet mit diesem Motto „Weiter wie bisher geht es nicht.“ Und auf der Suche nach einem neuen Wohlstandsmodell und in diesen Monaten, die seitdem vergangen sind, also fast zwei Jahre, haben wir eigentlich ganz viel erkundet, ganz viel gelernt haben, ganz viel Input bekommen, viele tolle Menschen kennengelernt und vor allem gesehen, dass wir ja an einem Wendepunkt stehen, an dem wir auch schon vor 30 Jahren teilweise standen, an dem wir schon ganz oft gestanden haben.

Also jetzt nicht wir persönlich vor 30 Jahren, denn einige von uns waren vor 30 Jahren noch etwas jünger, andere nicht. Aber die Menschheit steht schon länger an einem Wendepunkt und mittlerweile sind wir so weit fortgeschritten - Du weißt es ja selber mit den ganzen Peaks, die es gibt. Wir sind so weit fortgeschritten, dass wir uns es nicht mehr leisten können, wegzugucken. Wir müssen jetzt handeln. Und das bedeutet nicht, dass wir perfekt sein müssen. Es bedeutet nicht, dass wir alles bedenken müssen, sondern es bedeutet einfach nur, dass wir vorwärts gehen, dass wir handeln, dass wir nicht nur theoretisieren, sondern dass wir wirklich etwas tun.

Dass es jetzt nicht erst seit unserer Generation so ist oder dass wir jetzt erst quasi jetzt, in diesem Jahrzehnt oder in diesen Jahren gemerkt haben, dass wir handeln sollten, habe ich jetzt noch mal in einem alten Kinderbuch von mir gesehen. Das heißt „Die Kinder in der Erde“ von Gudrun Pausewang und dieses Buch ist von 1988. Wer zählen kann, merkt: das ist fast 30 Jahre alt. Also, und dieses Buch hatte ich als Kinderbuch und ich möchte das gerne einmal vorlesen.

“Die Kinder in der Erde“ von Gudrun Pausewang und Annegret Fuchshuber:

“‘Oh’, sagte eines Tages die gute alte Erde zu den Menschen, ‚wie geht ihr mit mir um? Ihr vergiftet immer mehr von meinem Wasser, das ihr zum Leben braucht. Ihr verschmutzt immer mehr von meiner Luft, ohne die ihr nicht leben könnt. Ihr zerstört immer mehr von meinen Wäldern, die euch frische Luft geben und mit ihren Wurzeln das Wasser festhalten. Ihr tötet meine Tiere und überkrustet mich mit Beton und könnt nicht genug kriegen von den Schätzen aus meiner Tiefe. Von Erdöl und Eisen und Kohle und so vielem anderen. Und jetzt habt ihr in euren Atommeilern sogar noch schlummernde Kräfte geweckt, die so unbändig sind, dass ihr sie nie beherrschen könnt. Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen?‘

Sie musste lauter und lauter rufen, bis die Menschen sie endlich hörten. Lachend antworteten sie: ‚Wir wollen nicht so arm und unbequem leben wie unsere Eltern und Großeltern. Deshalb musst du dir das alles schon gefallen lassen. Erde. Vergiss nicht, dass wir deine Herren sind.‘ - ‚Meine Herren?‘ rief die Erde. ‚Da irrt ihr euch aber sehr. Ich bin nicht eure Dienerin, sondern eure Mutter. Ihr lebt aus mir. Denkt Ihr denn gar nicht an eure Kinder und Enkel?‘ Aber die Menschen nahmen sich keine Zeit mehr, der Erde zuzuhören. Nur ein Mann mit Brille sagte im Vorübergehen: ‚Keine Panik, Alte. Unsere Kinder werden damit schon fertig werden.‘

Da wurde die gute alte Erde sehr zornig und schrie: ‚Ihr verdient gar nicht, Kinder zu haben.‘ Und sie rief die Kinder der Menschen zusammen. Die Kinder waren noch nicht so in Hast wie die Großen. Sie hatten auch noch ein gutes Gehör für die Stimme der Erde. Sie kamen sofort und fragten: ‚Warum rufst du uns Erde?‘ - ‚Ich bin in Not‘, antwortete die Erde, ‚und ihr seid es auch. Schuld daran sind die Großen. Sie lassen euch nichts übrig von all den guten Gaben, die ich euch bieten wollte. Sie plündern mich aus und gehen mit mir so wüst um, als gehörte ich ihnen allein. Aber ich bin für euch alle da. Für die, die schon waren. Für die, die jetzt sind. Und für die, die noch sein werden.‘

Die Kinder erschraken. ‚Schaut‘, sagte die Erde traurig, ‚wie elend es mir geht. Schlimm haben mich die Großen zugerichtet. Ich kann das kaum noch ertragen. Wenn wir sie so weitermachen lassen, muss bald alles sterben, was auf mir lebendig ist. Und ich werde mit Trümmern und Asche bedeckt und menschenleer sein.‘ Da erschraken die Kinder noch mehr. ‚Geht zu den Großen und sprecht mit ihnen‘, sagte die gute alte Erde. Das taten die Kinder. Sie sagten zu den Großen: ‚Merkt ihr nicht, dass ihr so die Erde kaputt macht? Wir müssen sie schonen und pflegen, damit sie sich wieder erholen kann. Und mit ihren Vorräten müssen wir sparsamer umgehen, damit sie auch noch für die reichen, die später leben.‘

Nun nahmen sich die Großen mehr Zeit für eine Antwort, denn sie hatten ihre Kinder ja lieb. Ganz verwundert fragten sie: ‚Wollt ihr denn nicht in superschnellen Autos über die Straßen rasen? Wollt ihr nicht mehr nach Herzenslust einkaufen?‘ - ‚Rasen macht Spaß‘, antworteten die Kinder. ‚Einkaufen auch und Leckereien essen, bis man fast platzt. Und alles haben und von allem nur das Beste nehmen und das andere wegwerfen und sich's bequem machen. Das alles habt ihr uns ja vorgemacht. Aber der Spaß kann doch so nicht weitergehen, denn wir Menschen machen die Erde krank, wenn wir so leben. Was wird mit uns, wenn wir groß sind und die Erde ist tot? Wir haben Angst.‘

Da sagten die Großen ungeduldig: ‚Ihr seid noch zu klein, Ihr versteht doch nichts von all dem. Wir haben mehr Erfahrung. Wir wissen Bescheid, wie man es am schlauesten anfängt, dass es einem gut geht. Ist es zum Beispiel nicht großartig, dass wir jetzt die Atomkraft für uns arbeiten lassen? Sie ist perfekt, sauber, umweltschonend...‘ - ‚Und furchtbar gefährlich‘, unterbrachen sie die Kinder. ‚Sie kann alles töten, was lebt.‘ - ‚Wir haben sie sicher im Griff‘, sagten die Großen. ‚Uns passieren keine Fehler. Lasst uns nur machen. Wir machen es schon richtig.‘ - ‚Nein‘, sagten die Kinder, ‚So eine Zukunft wollen wir uns von euch nicht machen lassen. Vor allem nicht so eine, in der wir ständig Angst haben müssen.‘

Da wurden die Großen wütend und schrien die Kinder an: ‚Schluss jetzt, ab mit euch in eure Kinderzimmer und mischt euch nicht noch einmal in Sachen, die euch nichts angehen.‘ Aber die Kinder folgten den Großen nicht mehr. Sie gingen zur Erde und erzählten ihr, wie es ihnen ergangen war. ‚So‘ sagte die gute alte Erde, ‚Dann müssen wir sie auf andere Art zu Vernunft bringen.‘ Und sie beriet sich mit den Kindern. Nun geschah etwas ganz Seltsames. Die Erde öffnete ihren Leib. Es war ein Spalt im Berghang, so breit, dass die Kinder hineinschlüpfen konnten. Die Älteren führten die Jüngeren und trugen die ganz Kleinen. Sie wanderten durch einen engen Gang in eine große, dunkle Höhle. Aber die Kinder fürchteten sich nicht. Sie waren ja in der guten Mutter Erde. ‚Ihr seid müde‘, sagte die Erde, ‚Ruht euch aus. Hier ist es warm und still, und hier kann euch nichts geschehen. Wenn es Zeit wird, wieder hinauszugehen, werde ich euch wecken.‘

Die Kinder kuschelten sich aneinander und schliefen ein. Sie schliefen tief und hatten gute Träume. Oben auf der Erde aber herrschte Aufregung. Die Kinder waren verschwunden. Verzweifelt riefen die Großen durch Lautsprecher und spähten durch Fernrohre und suchten mit Hubschraubern und Spürhunden in alle Richtungen. Sie fanden Spuren. Sie führten zu dem Spalt im Berg. Aber der Spalt war jetzt zu. Da brach großer Jammer aus. Die Maschinen in den Fabriken standen still, die Supermärkte, Läden und Kaufhäuser wurden geschlossen. Busse und Züge blieben stehen, Flugzeuge stiegen nicht auf, es gab auch kein Fernsehprogramm mehr, und die Menschen weinten um ihre Kinder.

Auf einmal erinnerte sich der Mann mit der Brille an das, was die Erde zu ihnen gesagt hatte. ‚He, Alte‘, rief er, ‚weißt du zufällig, wo unsere Kinder sind?‘ - ‚Natürlich weiß ich das‘, antwortete die Erde. ‚Sag es uns!‘ schrien die Großen, ‚Ein bisschen fix.!‘ - ‚Ich verrate nichts‘, antwortete die gute alte Erde, ‚Und wenn ihr mir hochnäsig kommt, schon gar nicht. Aber damit ihr Bescheid wisst, Eure Kinder wollen so lange nicht heimkommen, bis ihr ihnen wieder Lust aufs Leben macht. Denn jetzt fürchten sie sich davor.‘ - ‚Lust auf's Leben?‘ fragten die Großen ratlos. ‚Haben wir ihnen nicht alles gekauft, was sie haben wollten? Haben wir sie nicht nach der neuesten Mode gekleidet? Haben wir nicht unsere Häuser vom Dachboden bis zum Keller für sie mollig durchgewärmt? Haben wir ihnen nicht tagtäglich Unterhaltung vor dem Fernseher geboten? Was gibt es denn da zu fürchten?‘

‘Wenn sie groß sein werden’, sagte die Erde, ‚Müssen sie teuer bezahlen, was ihr ihnen alles geboten habt. Denk doch nur mal, wie rücksichtslos ihr mit mir umgeht. Eure Kinder werden keinen Grund haben, euch dankbar zu sein.‘ Da zogen sich die Großen bestürzt in ihre Häuser zurück. Sie öffneten die Türen der leeren Kinderzimmer, starrten eine Weile hinein und schlossen die Türen wieder. ‚Wozu sollen wir noch arbeiten?‘ sagten sie niedergeschlagen. ‚Die Kinder sind ja nicht da. Wozu sollen wir überhaupt noch etwas tun? Ohne die Kinder hat alles keinen Sinn mehr.‘

Und die Erde drehte sich und drehte sich und wartete. Eine große Trauer breitete sich im Land aus. Drinnen, in den Häusern und draußen auf den Straßen wurde es ganz still. Alles erstarrte, es wurde dämmrig und kalt. Die Menschen verstummten und rührten sich nicht mehr. Nur die Erde drehte sich und drehte sich und wartete. Und sie begann sich zu erholen. Eines Morgens, nach einer langen, trostlosen Zeit, flüsterte eine Mutter: ‚Ich habe von meinem Kind geträumt. Es spielte auf einer Wiese. Es sah so glücklich aus.‘ Sie hob den Kopf. Als sie einen Blick durch das Fenster warf, entdeckte sie über dem fernen Hügel einen schmalen Lichtstreifen. Da begannen auch die anderen Menschen zu blinzeln. Sie öffneten die Fenster und beugten sich hinaus. Eine Frau sagte: ‚Es riecht nach frischer Erde.‘ Und ein Mann hob den Kopf und sagte: ‚Ich glaube, ich höre was zwitschern. Das muss eine Schwalbe sein, eine Rauchschwalbe.‘ - ‚Unmöglich‘, sagte seine Frau, ‚Rauchschwalben gibt es bei uns nicht mehr.‘ - ‚Ich schwöre, es ist eine‘, erwiderte der Mann. ‚Als ich ein Kind war, hatten wir noch welche im Kuhstall. Ich erinnere mich noch ganz genau an ihr Gezwitscher.‘

Aus den Nachbarfenstern winkte jemand herüber und zeigte auf die Straße. Dort hatte eine Löwenzahnstaude den Asphalt durchstoßen. Zögernd, mit steifen Schritten kamen nach und nach alle Menschen aus den Häusern und kauerten sich drumherum und staunten. ‚Ist es vielleicht das, was unsere Kinder meinten?‘ fragte ein Vater. Da flüsterte die gute alte Erde sanft zu den Kindern hinunter: ‚Kehrt jetzt heim! Eure Eltern sehnen sich sehr nach euch.‘ Die Kinder hörten ihre Stimme im Schlaf. Sie erwachten und zwängten sich eins nach dem anderen aus dem Bergspalt hinaus. Jedes lief heim zu seinen Eltern. Da gab es große Freude. Sie sprachen miteinander, die Großen und die Kinder. Manchmal nickten die Kinder, manchmal die Großen. Sie berieten sich, wie es nun weitergehen sollte.

Dann machten sie sich gemeinsam daran, wieder gut zu machen, was sie der Erde angetan hatten. Sie schlossen Fabriken, in denen sie Dinge hergestellt hatten, die sie gar nicht brauchten. Sie hörten auf, jeden freien Fleck zuzubauen und über die Straßen zu rasen. Sie ließen keinen giftigen Qualm mehr aus den Schornsteinen und leiteten keine giftigen Abwässer mehr in die Flüsse und Meere. Das alles war sehr schwierig und unbequem. Aber die gute alte Erde dehnte sich so, dass ihre Beton Kruste Risse bekam, und sagte: ‚Ah, ich kriege wieder Luft, macht weiter so!‘ Die Menschen, große und kleine, mühten sich ab. Sie mussten sich wirklich sehr plagen. Es gab vieles zu ändern. Mit den Schätzen der Erde gingen sie nun sehr sparsam um und sie warfen nichts mehr in ihre Mülltonnen, was sich noch verwenden ließ. Den Abfall, der zu gar nichts mehr nütze war, brachten sie so unter, dass er keinem Lebewesen schaden konnte.

Sie schalteten sogar ihre Atommeiler ab, auf die sie so stolz gewesen waren. ‚Hallo!‘ riefen Sonne, Wind und Wasser, ‚Macht euch doch den elektrischen Strom, den ihr braucht, aus unserer Kraft. Die ist nicht gefährlich. Nehmt, so viel ihr wollt.‘ - ‚Aber wie?‘ fragte der Mann mit der Brille. ‚Es wäre doch gelacht‘, rief die Sonne, ‚Wenn ihr das mit euren großen Gehirnen nicht heraus bekämt.‘ - ‚Stimmt‘, sagte der Mann mit der Brille und ließ nicht nach, scharf darüber nachzudenken. Und die Menschen bekamen es heraus. Sie pflanzten neue Wälder und schonten die Tiere und Pflanzen, auch wenn sie manchmal lästig wurden. Und die Erde lächelte zufrieden und wurde über und über grün. Und rund um sie herum summte, quakte und zwitscherte es wieder.

Man müsste tagelang berichten, wenn man aufzählen wollte, was die Menschen noch alles taten. Sie wurden ärmer dabei und hatten nur noch wenig Freizeit. Und oft wurden sie ungeduldig, ja zornig, weil alles so langsam ging. Darüber wurden die Großen alt und die Kinder wurden groß und bekamen wieder Kinder. Und nun ehrten sie allesamt die gute alte Erde und pflegten sie. Sogar der Mann mit der Brille, der jetzt ein Greis war, erkundigte sich immer wieder, ob sie sich wohl fühle. ‚Sieht man mir das nicht an?‘ fragte sie heiter und hüllte ihn in eine Wolke von Blütenstaub. ‚Danke für eure Mühe, ihr Menschen. Sie hat sich gelohnt.‘ Ja, jetzt war es wieder eine Lust, auf ihr zu leben.

Aber die Alten hatten noch eine Sorge: ‚Glaubt ihr, dass wir es wirklich schaffen, für immer anders zu leben, als wir es früher gewohnt waren? Meint ihr, dass wir es schaffen, uns nie wieder auf Kosten der guten alten Erde ein bequemes Leben zu machen? Denn seid doch ehrlich, wer hätte es nicht gern bequem?‘ - ‚Aber dann käme ja die Angst wieder‘, sagten die Jungen, die nun schon selber Kinder hatten, ‚Nur das nicht.‘“

Also ich mag dieses Märchen von Gudrun Pausewang sehr gerne und ich finde auch den Schluss sehr gut, weil es noch mal klarstellt: der Weg, den wir gehen, ist nicht einfach. Es ist wieder dieser Zwiespalt zwischen Bequemlichkeit und dem Komfort und dem, was wichtig ist, was Sinn macht. Also ich kann mich natürlich jetzt zurückziehen und sagen: Hey, das ist mir doch alles egal, ich mache das für mich und das ist bequem für mich. Aber dadurch werden alle Ressourcen verbraucht und die Erde wird auf absehbare Zeit nicht mehr weiter existieren können.

Carsten Ja, es geht ja nicht nur um die reinen Ressourcen. Es ist ja mittlerweile ein etwas größeres Thema geworden. Es geht ja um den Klimawandel. Es geht auch um das Leid, was Mensch und Tier zugefügt wird. Alles nur der eigenen Bequemlichkeit wegen und das muss man sich einfach bewusst machen, dass die eigene Bequemlichkeit nur deswegen existieren kann, weil ein so kaum beschreibbares Leid auf einer anderen Ebene oder auch an anderen Orten stattfinden muss. Das geht nicht anders. Ich kann dieses Leid nicht aus der Welt schaffen und gleichzeitig diese Bequemlichkeit aufrechterhalten. Und ich glaube, das ist ganz wichtig, dass das stärker ins Bewusstsein kommt.

Stefanie Wir können jetzt natürlich sagen: Ja, aber ich mag den Käse so gerne oder ich finde Avocados so lecker oder ich möchte nicht auf Tomaten im Winter verzichten, aber das ist ein Luxusproblem. Und was mich mit an diesem Buch so berührt hat, ist, dass ich das als Kind schon zu lesen bekommen habe. Oder es wurde mir vorgelesen, aber ich habe keine Lehren daraus gezogen und auch meine Eltern haben keine Lehren daraus gezogen. Das heißt, es ging einfach weiter wie bisher. Also ich habe viele solche Bücher gehabt und wir haben uns viel über die Umwelt unterhalten.

Und ich bin auch in einem Ort aufgewachsen, wo gegen Castortransporte demonstriert wurde und wo auch so eine Antiatombewegung war. Das heißt, es gab Atomkraft-Gegner·innen, aber das waren „Spinner“. Und es gab Widerstand, aber das war einfach nicht real. Also das waren irgendwelche komischen Typen.

Und ich finde, wir haben in den letzten 30 Jahren uns so entwickelt, dass wir gesagt haben, okay, wir wollen einfach die Bequemlichkeit und wir achten nicht auf das, was wirklich um uns herum passiert. Wir wollen diese Bequemlichkeit und das ist egal, dass es auf Kosten der Erde geht. Dieses Buch, dieses Märchen, das ist 30 Jahre alt und es ist genauso aktuell wie vor 30 Jahren, wenn nicht noch viel aktueller.

Carsten Ja, glaubst du denn, dass damals diese Bewegung oder diese Aktivitäten, die dort stattgefunden haben, dass sie deswegen nicht so gegriffen haben, weil es immer abgeschottete Gruppen waren, die für sich waren. Du hast gerade gesagt, die wurden als „Spinner“ angesehen. Das ist zwar eine Gruppe, es sind Aktivist·innen, aber im Großen und Ganzen ist es dann doch irgendwo eine Randgruppe, die auch ganz bewusst vom, ich sag jetzt mal, Mainstream als Randgruppe so dargestellt und wahrgenommen wird.

Stefanie Also ich denke schon. Das ist ja auch das Problem mit vegan, dass du als Veganer·in dann schnell in diese Ecke gedrängt wirst: Das sind so „Spinner“. Und ich glaube, diese extreme Wut, die uns ja auch persönlich entgegenschlägt, entsteht dadurch, dass es nicht nur „Spinner“ sind. Also das ist nicht mehr eine einheitliche Gruppe von irgendwelchen Ökos - im negativen besetzten Sinne - wie „Jute statt Plastik“

Carsten und Birkenstock

Stefanie Birkenstock. Genau. Was man sich als Klischee so vorgestellt hat, weil man Veganer·innen nicht mehr in diese Schublade pressen kann und die jetzt irgendwie alle Schichten durchdringen. Das ist ja gerade das Wichtige, das, was es damals nicht gab. Das waren die Hippies, die dann - also ich bin jetzt keine Alt-68erin, ich bin ja doch noch ein mini bisschen jünger - aber trotzdem waren das irgendwelche Freaks, die das gemacht haben. „Übrig gebliebene“, so in der Art, die dann da irgendwie weiter demonstriert haben. Oder Menschen, die einfach nur auf Krawall aus waren und jetzt so die, die sagen: Hey, ich lebe vegan jetzt in unserem Fall oder die, die sagen ja, ich verzichte auf Plastik, ich bin in dieser Zero Waste Bewegung aktiv, das sind alles ganz „normale“ Menschen, also die meisten und das macht den meisten Leuten Angst.

Carsten Ja, da kannst du diese Schublade nicht aufziehen und sagen: okay, du bist da jetzt drin, bist ein „Spinnerter“, sondern du bist eigentlich mein·e Nachbar·in und du warst doch bis gestern noch ganz normal, was ist denn mit dir passiert?

Stefanie Das merken wir ja auch jetzt. Wie gesagt, auf der Veggienale hatte ich das auch gemerkt, dass da ein ganz „normal“ aussehendes Paar zu mir gesagt hat, dass sie jetzt vegan leben aufgrund einer Dokumentation. Einfach also, dass vielen Menschen jetzt mittlerweile aufgrund der Medien die Augen geöffnet werden. Was mich aber gestört hat, als ich das Buch wieder gelesen habe - als ich es aus dem Karton genommen habe und gedacht habe okay, ich schaue mir jetzt die Bücher noch mal an - dass eigentlich ich das Wissen vor 30 Jahren schon hatte, oder sagen wir vor 25 Jahren oder so, also jedenfalls, ich hatte das Wissen schon und es wurde mir vermittelt, aber anscheinend nicht auf eine Art und Weise, dass ich es verinnerlicht habe und dass ich gesagt habe okay, wir müssen handeln. Wobei wir dazu ja sagen müssen, dass ich vor 30 Jahren noch ein sehr kleines Kind war und dann gar nicht in der Lage war zu handeln. Das heißt, wir brauchen Erwachsene, die für die Kinder handeln, in dem Sinne, als die Erwachsenen die Welt retten müssen. Es ist einfach so.

Carsten Ja, klar. Für mich ist aber auch das Internet ein ganz wichtiger Faktor. Das ist etwas, wo ich glaube, dass egal warum damals bestimmte Initiativen, Aktivitäten und Gruppen nicht so dieses durchdringende umsetzen konnten. Das lag aus meiner Wahrnehmung ganz klar daran, dass diese Kommunikationsmedien damals nicht zur Verfügung standen. Ja, ich war damals wirklich angewiesen, in einer Gruppe, die lokal, regional, wie auch immer, auf jeden Fall mit einer physischen Präsenz versehen war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so was über Brieffreundschaften aufrecht erhalten werden könnte. Das brauche ich heute nicht mehr.

Ich habe heute das Internet, ich kann mich virtuell vernetzen und es spielt gar keine Rolle, ob ich jetzt Personen habe, die direkt in der Umgebung wohnen oder hinter der Nachbartür, ja, oder ob ich jetzt quasi am Ende der Welt irgendjemanden habe, der genauso tickt wie ich. Dass spielt vom Räumlichen her gar keine Rolle mehr. Und das ist etwas, wo ich glaube, da haben wir heute wirklich ein Potenzial, was wir auch Gott sei Dank nutzen. Man merkt das ja, dass diese ganzen Bewegungen, die du gerade aufgezählt hattest Vegan, Zero Waste, Plastikfreier etc. dieses Bewusstsein, das wächst ja jetzt. Und das ist aufgrund dieser Kommunikationsmöglichkeiten so.

Stefanie Ja, wir haben jetzt einfach die besten Voraussetzungen. Damals, vor 30 Jahren hatten unsere Eltern diese Voraussetzungen noch nicht und haben sie vielleicht auch deswegen nicht genutzt. Ich weiß es nicht, der·die du uns jetzt zuhörst, Du gehörst dazu. Wir müssen jetzt handeln. Wir sind jetzt dran. Wir dürfen einfach nicht mehr weggucken. Egal ob du Kinder hast oder nicht, aber gerade wenn du Kinder hast, darfst du einfach nicht mehr weggucken. Also ich meine, welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern? Das ist ja wirklich die Frage. Wir können jetzt auch sagen: okay, ja gut, dann ist das so...

Carsten … nach uns die Sintflut im wahrsten Sinne des Wortes wahrscheinlich dann ...

Stefanie Trotzdem werden wir, wenn wir jetzt nicht an irgendeiner Krankheit sterben oder einen Unfall erleiden, bestimmt noch so 50 Jahre leben. Und in den nächsten 50 Jahren wird einiges passieren und da kann schon alles kaputt gehen. Es kann auch schon in den nächsten 20 Jahren alles kaputt gehen. Es soll jetzt hier kein Horrorszenario sein. Wenn du schon länger zuhörst und dich auch für diese verschiedenen Themen interessierst, weißt du ja auch Bescheid. Es ist einfach so, wir sind jetzt dran. Wir müssen jetzt handeln. Wir können nicht warten, bis die Politik irgendwas macht. Wir können nicht warten, bis irgendjemand anders den ersten Schritt macht. Wir machen den ersten Schritt. Wir gehen jetzt los, wir handeln. Deswegen sind wir ja auch auf der Suche nach dem neuen Wohlstandsmodell. Und wir gehen einfach jetzt alle gemeinsam.

Es gibt ganz viele Menschen auf der Welt, die in verschiedenen Bereichen was ändern. Das habe ich jetzt gemerkt bei meinen Spaziergängen. Ich hatte ja für „Hamburg vegan erkunden“, die Spaziergänge zu dem Thema „sinnvolle Weihnachtsgeschenke“ und ich hatte für unsere beiden Enthusiasten und Unterstützer auf Steady ein Interview geführt zum Thema Fair Trade, dass es dann im Januar auch für alle anderen geben wird. Und ich fand es sehr interessant, weil die Vision dieser Weltläden einfach auch ist, einen gerechteren, faireren Handel überall in die Politik zu bringen. So ja, aber das Problem ist bei Fairtrade wenn du in den Weltladen gehst, ist es nicht unverpackt. Es ist auch nicht alles vegan und es ist auch nicht immer alles Bio.

So, wenn du dann in den Unverpacktladen gehst, ist es zwar unverpackt, aber es ist nicht unbedingt bio. Es ist nicht unbedingt Fairtrade und es ist auch nicht unbedingt vegan. So, und wenn du in den veganen Supermarkt gehst, dann ist es natürlich vegan. Es ist möglichst bio und auch fair, aber es ist nicht unverpackt und auch nicht palmölfrei. Also du hast immer irgendwelche Probleme. Du kannst nicht allen Idealen folgen, denen du gerne folgen würdest. Und das habe ich auch versucht, dann noch mal in dem Spaziergang abzubilden. Dann geht es ja auch noch darum: Du möchtest auch gerne regional, saisonal einkaufen. Und das alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen, ist schwierig. Und wenn du sagst, okay, ich habe diese ganzen Ansprüche, dann musst du scheitern.

Carsten Aber das kann auch ein Ansporn sein. Ich meine, du kannst ja dadurch Nachfrage erzeugen.

Stefanie Ja, natürlich. Ich will damit nur sagen, dass dieser Wunsch nach Perfektion auch das größte Hindernis sein kann. Wenn wir versuchen wirklich alles hinzubekommen, dass wir dann einfach scheitern müssen und dann vielleicht demotiviert sind und nicht weitergehen. Ich will einfach dafür plädieren, dass wir möglichst viele Schritte machen.

Carsten Wir müssen auch die Wege erstmal richtig finden. Einige sind schon vorgegangen. Ja. UnverpacktLäden, Fairtradeläden oder Weltläden. Da sind Leute vor einiger Zeit oder vor längerer Zeit schon in eine bestimmte Richtung gelaufen und die hat sich als gut und auch gewinnbringend und auch zukunftsträchtig erwiesen. Aber noch längst nicht in jedem Thema ist wirklich schon der Weg so weit bereitet, dass man weiß okay, wie muss ich mich dort eigentlich in Zukunft verhalten? Also sehr viel muss noch experimentell herausgefunden werden.

Stefanie Und wir alle, wir haben die Macht als Konsument·innen. Deine Kaufentscheidung ist eine politische Handlung. Schon. Also wenn du dich entscheidest, nicht beim Discounter einzukaufen, sondern beim Biosupermarkt, ist das eine Entscheidung. Aber auch generell, wenn du sagst, okay, ich kaufe das nicht, weil da Palmöl drin ist, dann ist es auch eine politische Entscheidung. Und es ist definitiv auch eine Entscheidung für die Umwelt, für die Tiere, für alles. Eigentlich. Also du hast ganz viel Macht.

Es sagen ja viele, ich kann alleine nicht viel verändern, aber es ist wirklich so: Du hast ganz viel Macht, denn wir leben ja nun mal in dieser Konsumwirtschaft, dass wir sagen okay, die Nachfrage regiert. Also das heißt, wenn die Nachfrage nicht mehr da ist, wird es auch nicht mehr produziert. Klar musst du dich durch die ganze Werbung davon abgrenzen, das bei dir wieder irgendwelche Wünsche aufkommen und künstlich erzeugte Nachfrage erzeugt wird. Aber das ist auch eine Aufgabe, die wir haben, dass wir uns da unseren Schutzanzug anziehen und sagen gut, ich habe bestimmte Ideale, ich möchte das jetzt so leben.

Und das ist ja auch das, was in dem Märchen, das ja, wie gesagt vor 30 Jahren schon geschrieben wurde, noch mal genannt wird. Es ist nicht bequem und es ist vielleicht auch so, dass wir dann nicht mehr so reich sind wie vorher und dass wir verzichten müssen auf einige Sachen, aber dafür sind wir glücklicher. Das ist es ja gerade, dass wir keine Angst mehr haben müssen, sondern wir sind glücklicher und wir können viel zufriedener in Frieden, achtsam - das Modewort - aber zumindest in Frieden mit der ganzen Welt leben. Wir können die Globalisierung nicht mehr rückgängig machen und wir wollen die wahrscheinlich auch gar nicht mehr rückgängig machen. Und die Globalisierung hat natürlich auch viele Vorteile. Aber sie hat auch ganz viele Nachteile durch das, dass wir hier einfach an Raubbau verursachen können in anderen Teilen der Welt, die wir nicht sehen, dass wir Leid verursachen können.

Ich finde es einfach total wichtig, dass wir uns jetzt vor Augen führen. Wir können jetzt nicht mehr uns ausruhen auf dieser Bequemlichkeit, diesem ja, es ist so schön in unserer westlichen Welt und es ist ja egal, was in anderen Teilen der Welt passiert, hauptsache mir geht es gut. Wie lange noch?

Carsten Wobei ich persönlich glaube, dass wir hier in einer Wohlstandswelt die letzten sind, die das feststellen oder auch darunter leiden werden.

Stefanie Aber wir haben die Verantwortung. Uns geht es doch gut.

Carsten Genau.

Stefanie Wir haben die Freiheit etwas zu ändern.

Carsten Es ist ja auch auf unserem Mist gewachsen, dieses ganze Elend. Es ist ja jetzt nicht so, dass das irgendwie mal von jemanden erzeugt wird, dieses Elend oder dieser Raubbau, sondern das sind wir mit unseren Kaufentscheidungen, mit unserer Bequemlichkeit.

Stefanie Genau. Und wir haben uns das jetzt bewusst gemacht und wir haben die Freiheit zu handeln. Wir müssen unsere Freiheit nutzen und wir können unsere Freiheit nutzen, indem wir jetzt handeln.

Carsten Das ist quasi unsere Verantwortung. Ich sehe das als unsere Verantwortung und auch wenn uns das so klar ist oder wir das jetzt auch so klar artikulieren können, diesen ganzen Gesamtkomplex: Ich persönlich muss im Alltag immer wieder feststellen, dass es zahllose Menschen gibt, die davon überhaupt noch nicht wahrgenommen haben. Denn alleine stell dich auf die Weihnachtsmärkten oder in irgendein Einkaufszentrum und du wirst feststellen, dass ein Großteil der Menschen von all diesen Themen, die wir hier jetzt gerade in dieser Folge angesprochen haben oder auch generell in unserem Podcast schon diskutiert haben, davon noch überhaupt gar nicht wirklich was mitbekommen haben, vielleicht ansatzweise und dann ein bisschen was verdrängt.

Aber das große Ganze ist in der breiten Bevölkerung noch nicht wirklich so präsent. Das täuscht. Also ich glaube, da sind wir jetzt auch - wir Veganer·innen und auch wir beide, Stefanie und ich - in so einer Art Filterblase, weil für uns wiederholen sich viele Aspekte immer wieder und ich persönlich komme da auch immer schon wieder an so einen Sättigungspunkt. Aber dann, wenn ich den erreiche, muss ich mir mal sagen: das ist jetzt nur mein persönliches Befinden. Mein·e Nachbar·in hier im gleichen Stockwerk, der·die hat von dieser ganzen Thematik noch gar nichts gehört. Für den·die ist das wahrscheinlich komplett neu und vielleicht auch total überfordernd.

Stefanie Und für mich ist es dann immer mein Lieblingsbeispiel, die Matrix, also dass wir einfach aus der Matrix, aus dem System ausgestiegen sind. Vielleicht noch nicht komplett, wir sind nicht allwissend - und was mich jetzt wieder daran erinnert, dass uns das ja ab und zu vorgeworfen wird, dass wir ja noch nicht den Aspekt berücksichtigt haben und auch den Aspekt vielleicht noch nicht - also wir sind nicht perfekt und wir sind einfach Menschen. Kein Mensch ist perfekt, niemand kann das sein. Wir sind einfach Menschen. Und seit ich vegan lebe, habe ich wirklich dieses Gefühl, dass der Film „Matrix“ - ich weiß, der ist von 1999, das ist schon ein bisschen länger her. Und je nachdem, wie alt du bist, warst du damals vielleicht noch nicht alt genug, um ihn anzusehen. Aber solltest du diesen Film noch nicht gesehen haben, schau ihn dir unbedingt an! - für mich eine super Erklärung für die Art und Weise ist, wie wir leben.

Also alle anderen, die noch nicht ausgestiegen sind aus dem System, leben noch in dieser Matrix und deswegen sehen die ja auch das alles nicht. Und für mich sind die einfach in dieser Konsumwelt noch drin. Sie leben das, was ihnen vorgegaukelt wird. Sie leben in dieser „Kultur des Alles immer“, was Harald Welzer sagt. Sie leben in diesem Kreislauf von kaufen, arbeiten, kaufen, arbeiten, kaufen, arbeiten. Angekurbelt von der Werbung, die immer wieder neue Wünsche generiert, Immer wieder. Du musst das neueste Smartphone haben, du musst die neuesten Kleider haben, Du musst möglichst in jeder Saison irgendwie andere Modelle tragen. Du musst das neueste Auto haben, du musst, was weiß ich was alles haben.

Und aus diesem System sind wir bewusst ausgestiegen und deswegen sind wir jetzt draußen und werden von denen drinnen nicht mehr verstanden teilweise und müssen auch schauen, wie wir damit klarkommen. Aber wir sind nicht nur Carsten und ich, sondern wir sind ja viele. Du, die·der du hier zuhörst, wirst auch dazugehören. Ja, und wir bilden quasi jetzt so eine Subcommunity, quasi. Und vielleicht sind wir noch nicht viele, aber ich bin wirklich ganz froh, dass wir in einer Blase leben. Ich lebe ganz gerne in dieser Blase, weil ich einfach auch gar nicht immer mit diesen blöden Sprüchen konfrontiert werden will.

Carsten Aber ich sehe uns auch als Ideengeber·innen, als Impulsgeber·innen. Wir werden ja wahrgenommen, wir werden vielleicht auch schräg angeguckt. Ja, und wir werden vielleicht auch so ein bisschen vielleicht abschätzend oder so manchmal behandelt. Aber wir werden wahrgenommen. Und darum geht es. Und je mehr Leute nicht mehr ganz so ticken wie der Mainstream, sondern sich ganz bewusst davon sondieren und sagen: Nee, ich positioniere mich aufgrund meines neuen Wertesystems ganz klar auf einer anderen Position, desto häufiger wird diese neue Position oder dieses Ausscheren wahrgenommen. Und dann fängt ja auch ein Umdenken an, gerade bei den Leuten im engsten sozialen Umfeld. Die sind ja dafür offener.

Stefanie Ja, das ist auch etwas, was ich mit „Hamburg vegan erkunden“ sehr oft erlebt habe, dass ich einfach während der Touren und danach das Feedback bekommen habe, dass es inspirierend ist, jemanden zu erleben, der bzw. in meinem Fall die das selbst lebt. Also das alleine, nur das Vorleben und dass ich das lebe, dass ich vegan lebe, dass ich diese ganzen Umstellungen gemacht habe, dass ich alternative Lebenskonzepte ausprobiere, dass ich da Tipps geben kann und dass ich einfach forsche in der Richtung, dass das inspirierend ist. Und das kannst du auch. Du kannst es auch, liebe·r Hörer·in, Du kannst genauso das vorleben. Du musst nicht aktiv werden im Sinne von Tierrechtsaktivismus. Du musst nicht so, wie ich es ab und zu mache, dich an einen Stand der Albert Schweitzer Stiftung stellen. Das ist kein Muss.

Du musst nicht bei PETA2 aktiv werden oder bei irgendeiner anderen Tierrechtsorganisation, sondern einfach nur dadurch, dass du dein Leben lebst und zeigst, dass es funktioniert, bist du ein inspirierendes Vorbild und durch deine Entscheidung einfach. Am Anfang hatte ich ja meine Webseite du-veränderst-die-welt.de genannt. Das habe ich jetzt umgemodelt. Aber die Botschaft, die ist immer noch da. Du veränderst die Welt mit jedem Schritt, Du kannst sie unbewusst verändern. Einfach, dass du wieder das Plastikbesteck nimmst oder den Coffee to go Becher. Oder keine Ahnung. Du kannst sie aber auch bewusst verändern, indem du vorsorgst oder einfach deinen Weg gehst, auch wenn er vielleicht nicht bequemer ist. Aber er ist viel befriedigender und er macht dich glücklich und es ist einfach ein viel schöneres Gefühl.

Carsten Genau so, ich finde, das ist ein ganz toller Appell.

Stefanie Carsten möchte jetzt endlich, endlich zur Verlosung überleiten, ehe ich mich hier völlig in Rage rede.

Carsten Die Überleitung hast du gegeben. Wir sind bei der Verlosung.

ANMERKUNGAb hier folgt jetzt nur noch die Verlosung, welche im Dezember 2017 stattgefunden hat.

Deutschsprachige, vegane Podcasts

Ein Beitrag

Folge 99 - Deutschsprachige, vegane Podcasts

Diese Folge ist quasi eine Podcastparade.

Wir haben die anderen deutschsprachigen Podcaster*innen mit dem Thema "vegan" gebeten, sich doch einmal in einem Audio vorzustellen und diese Vorstellungen zu einer Folge zusammengestellt.

So kannst Du jetzt ganz bequem alle Podcastvorstellungen anhören und den ein oder anderen Podcast neu entdecken.

*Update:* Seit Mittwoch, den 13.12.2017 um 17:30 Uhr sind alle Podcastvorstellungen komplett.

Links zur Folge

Blogartikel: Deutschprachige, vegane Podcasts

Milchgeschichten - der Podcast rund um die Kuhmilch
Zum Podcast

beVegt - vegan leben und laufen
Zum Podcast

Ich bin jetzt Vegan!
Zum Podcast

Vegan Podcast - Vegan einfach gemacht
Zum Podcast

Vamily - vegan Leben in Familien
Zum Podcast

Vegan Queens
Zum Podcast

Der Lust auf Vegan Podcast
Zum Podcast

Friede Freude Süßkartoffel - Der Podcast über Ernährung und Yoga
Zum Podcast

Vegan mit Kopf & Herz
Zum Podcast

VeggieWorld Podcast
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Schwein gehabt... Von 0 auf 100 ... Vegan!
Zum Podcast

Veganinchens Stimme
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Neuanfang Podcast
Zum Podcast

Perspektive Gesundheit mit SIMONMCSCHUEBRT
Zum Podcast

Der Wandelplaner für Querdenker

Ein Beitrag

Folge 98 -  Der Wandelplaner für Idealisten und Querdenker

In dieser Folge

  • stellen Ilona und Marek ihr neues Buch, den Wandelplaner vor
  • sprechen die beiden darüber für wen sich der Wandelplaner eignet und
  • erklären sie, wie sich der Wandelplaner von anderen Planern unterscheidet

Ilona Koglin und Marek Rohde kennst Du schon aus Folge 83, in der sie ihr Projekt "Und jetzt retten WIR die Welt" und das dazu gehörende Buch vorgestellt haben.

Der Wandelplaner ist nun die ideale Ergänzung, für alle, die 2018 zum besten Jahr ihres Lebens machen wollen.

Es enthält nicht nur Planungshilfen, sondern nimmt Dich auch an die Hand und führt Dich durch einen Vorbereitungsprozess, mit dem Du Dich perfekt in die Planung für Dein Jahr 2018 stürzen kannst.

Ilona und Marek erklären Dir alles in dieser Folge auch noch genauer...

Links zur Folge

Podcastfolge: Im Gespräch mit Ilona und Marek

Webseite zum Wandelplaner
http://www.bestes-jahr-meines-lebens.de/

Weltretter-Projekt von Ilona und Marek
https://jetztrettenwirdiewelt.de/

Magazin: "Für eine bessere Welt"
https://www.fuereinebesserewelt.info/

Das Buch zur Initiative "Und jetzt retten WIR die Welt"
https://jetztrettenwirdiewelt.de/buch/

Folge 97 - Das System Milch

Ein Beitrag

Folge 97 - Das System Milch

In dieser Folge

  • stellen wir den Dokumentarfilm "Das System Milch - Die Wahrheit über die Milchindustrie" vor,
  • erzählen wir Dir, was wir von dem Film halten und
  • teilen wir Dir unsere Einschätzung mit für wen sich der Film eignet.

"Das System Milch" ist ein ganz neues Werk von Andreas Pichler, einem Dokumentarfilmer, der nicht aus der veganen Szene stammt.

Du hast bis Anfang Februar 2018 die Möglichkeit diesen Film kostenlos auf Arte anzuschauen.

Es ist ein handwerklich sehr gut gemachter Dokumentarfilm, der vor allem die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Systems Milch beleuchtet.

Der Autor bleibt dabei relativ neutral und lässt Raum für Interpretationen.

Links zur Folge

Das System Milch auf ARTE (Verfügbar bis zum 19. Februar 2018)
https://www.arte.tv/de/videos/062939-000-A/das-system-milch/

Das System Milch Webseite
https://www.dassystemmilch.de/

Der Irrsinn mit der Milch | ZDF NEO
https://www.youtube.com/watch?v=jAvW7XQ6jfY

Meine Forschung zur Milch
Milchgeschichten

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von ä'odner)

Stefanie Carsten und ich haben mal wieder fern gesehen.

Carsten Na ja, DVD.

Stefanie Einen Film gesehen.

Carsten Ein Film gesehen. Genau.

Stefanie Wir haben uns das gemütlich gemacht und haben einen total tollen, Feelgood-Movie angeguckt.

Carsten Mit Happy End und so..

Stefanie Genau. Und zwar heißt der Film „Das System Milch. Die Wahrheit über die Milchindustrie.“ Also wir haben uns oder ich habe uns sehr kurzentschlossen diesen Film gekauft, was ich eigentlich gar nicht mehr machen will, irgendwelche Filme kaufen. Aber ich wollte damit dieses Projekt unterstützen und wir werden diese DVD auch in unseren Lostopf schmeißen. Denn zu unserer hundertsten Folge, die ganz bald stattfinden wird, wollte ich schon sagen die ganz …

Carsten … erscheinen wird.

Stefanie … bald auf Sendung gehen wird, auf Sendung, komm, da wollen wir eine große Verlosung starten und wir haben auch schon Zusagen von ‚Hydrophil’ und von ‚Kochen ohne Knochen‘ und von dem Projekt ‚Und jetzt retten wir die Welt‘ und jetzt kriegst du von uns auch noch die DVD „Das System Milch“. Wie wir diese Verlosung gestalten werden, wissen wir noch nicht so ganz genau. Aber wir sammeln jetzt schon mal Dinge, die in den Lostopf wandern und dann wirst Du, liebe Hörerinn und du, lieber Hörer, die Möglichkeit haben, eines dieser netten Dinge zu gewinnen. Von der ‚Kochen ohne Knochen‘ ist es dann ein Jahresabo, von ‚Hydrophil‘ ist es ein Wäsche, ein Wäschepaket wollt ich schon sagen, ein Waschpaket.

Carsten Ein Wäschepaket. - beide lachen

Stefanie Ein Waschpaket. Von ‚Und jetzt retten wir die Welt‘ ist es das Buch zu dem Projekt und von uns ist es im Moment das ‚System Milch‘, die DVD. Vielleicht haben wir auch noch andere Dinge, die in den Lostopf wandern werden. Wir schauen.

Carsten Wir arbeiten dran.

Stefanie Wir arbeiten dran. Wir fragen immer mal nette Leute an, von denen wir denken, dass sie uns gerne etwas geben wollen. Und wir fragen auch tatsächlich nur bei Menschen an und bei Firmen und Projekten, wo wir wirklich denken. Das macht Sinn, Das würden wir auch gerne haben wollen.

Carsten Oder wir nutzen es zum Teil schon.

Stefanie Ja, wir nutzens auch zum Teil schon. Jetzt geht es hier zurück zum Film. Wie fandest du den denn so?

Carsten Das ist ja jetzt die harte Frage. Gleich am Anfang.

Stefanie Ja. Wir wollen ja hier eine Kurzzusammenfassung zumindest am Anfang geben. Also sag mal an, wie fandest du den?

Carsten Durchwachsen. Also ich hätte mir ein bisschen mehr von versprochen. Und ich muss allerdings auch sagen, dass ich im Vorfeld gedacht habe, es ist ein Film mit einer reinen veganen Sichtweise. Das ist er natürlich nicht.

Stefanie Nee.

Carsten Er hat schon den Aspekt des Tierwohls mit aufgegriffen, aber nicht in dem Maße, wie ich eigentlich erhofft hätte. Deswegen war ich so ein bisschen enttäuscht von dem Film. Faktenmäßig hat er mir an der einen oder anderen Stelle ein bisschen was Neues gegeben. Aber wer jetzt so an der Stelle schon mal so ein bisschen in dieses System Milch ...

Stefanie ... eingestiegen ist.

Carsten … eingestiegen ist, gelesen hat oder vielleicht die ein oder andere Doku oder das eine oder andere Video im Internet gesehen hat, meine ich, wird auf dem ähnlich gleichen Kenntnisstand liegen wie das, was der Film vermitteln kann.

Stefanie Ja, also von daher lohnt sich das nicht, an der Verlosung teilzunehmen, um diesen Film zu gewinnen. Genau deswegen schmeißen wir das auch in den Lostopf. Ich lese vielleicht mal eben vor, was hinten draufsteht:

„Milch ist Big Business. Hinter dem unschuldig anmutenden Lebensmittel verbirgt sich ein Milliardenschweres Industriegeflecht. Dabei ginge es auch anders. Fast auf jeder Milchpackung sehen wir das Bild glücklicher Kühe, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Milch ist ein gefragter Rohstoff, mit dem knallhart gehandelt wird. Dieser Dokumentarfilm über die Welt der Milch wirft einen Blick hinter die Kulissen. Wir treffen Landwirte, Industrielle, Wissenschaftler und andere Experten, um die Frage zu beantworten, welche weitreichenden Folgen das große System (Entschuldigung!) das große Geschäft (darunter steht genau System, deswegen war ich gerade verwirrt) das große Geschäft mit der Milch hat auf die Tiere, auf die Umwelt und auf uns Menschen selbst. Das System Milch ist eine cineastische Reise über mehrere Kontinente, die mit Vorurteilen aufräumt und Lösungen aufzeigt.

Macht sie das? Zeigt sie Lösungen auf?

Carsten Ja, aber nicht die Lösung, die ich mir erhofft habe.

Stefanie Was hast Du erhofft.

Carsten Na, ich hab mal eine

Stefanie Go vegan, go vegan!

Carsten Go vegan, ja schon in der Richtung, dass man sagt ‚eigentlich brauche ich Milch gar nicht als Nahrungsmittel.‘ Ich glaube, die Lösung, die dort im Film präferiert wurde, geht mehr in Richtung Weidehaltung, Bio und etc..

Stefanie Ja, das ist wieder halt Herumdoktern an einem bestehenden System, was man eigentlich nicht so bestehen lassen kann. Also das Versuch. Das ist das gleiche wie mit unserem Wirtschaftssystem, das immer wieder noch versucht man mich an dem…, na dann wird es noch gehen. Das wird schon alles werden.

Carsten Grünes Wachstum erzeugen und so.

Stefanie Ja, ich muss kurz dazu sagen, ich habe, es gibt von, es gibt so einen Böll-Podcast ‚Böll.Focus‘ ist das glaube ich. ‚Böll.Spezial‘ und ‚Böll.Focus‘ und da gibt es im Moment eine Reihe über die Kohle und Kohleausstieg, und am Ende von diesen vier Folgen sagt dann ein, ich glaube das ist ein Kohlekraftwerk-Betreiber, also ein …, natürlich es gibt nicht den Kohlekraftwerk-Betreiber.

Carsten Ein Manager.

Stefanie Genau, also es gibt nicht DEN Kohlekraftwerk-Betreiber,

Carsten Den Besitzer,

Stefanie Den Besitzer oder so, sondern einer von dieser Seite, sagen wir mal so, der dann sagt „ja, wir müssen halt das hinkriegen. Also Ausstieg aus der Kohle ist klar, aber wir müssen das hinkriegen, dass wir unser Wohlstandsmodell beibehalten.“ Also es darf nicht weniger Wohlstand geben, es darf nicht zulasten des Wohlstands gehen. Und dann frage ich mich, warum? Denn es ist ja gar nicht alles gleich verteilt. So, aber diese Aussage schon zeigt, ist ja dann auch so, wir brauchen nicht, wie wir das jetzt halt immer versuchen, ein neues Wohlstandsmodell, sondern wir müssen halt dieses Wohlstandsmodell beibehalten und irgendwie versuchen, diesen Kohleausstieg da reinzukriegen.

Carsten Das ist schon interessant.

Stefanie Also so okay, und so ähnlich ist das jetzt hier halt auch bei dem ‚System Milch‘, dass gesagt wird, okay, das System Milch an sich ist halt krank, aber die Lösung liegt halt im Biobauer. Also es wird ein spezieller Hof gezeigt, wo in Tirol…

Carsten Ich glaube Südtirol.

Stefanie Südtirol.

Carsten Italien.

Stefanie Ist das jetzt Italien?

Carsten Ja, das haben sie als Italien genannt.

Stefanie Gesagt okay, haben sie als Italien genannt. Also jedenfalls ist das eine Käserei, Käserei auch dabei und der wirklich bewusst gesagt hat okay, ich möchte auch, dass es nachhaltig ist und dass es dann den Kühen gut geht. Und das ist aber auch der Landwirtschaft gut geht also so, dass es nicht mit Gülle über. Also so. Und er hat hat gesagt okay ich hab dann halt nur eine bestimmte Anzahl an Kühen und die geben einfach auch nur diese bestimmte Anzahl an Litern Milch und daraus mache ich hier regional sofort selbst verarbeite ich die Milch weiter, mache ich den Käse daraus und diesen Käse verkaufe ich im Umkreis von maximal 200 Kilometern, das ist auch schon das Maximum für ihn, danach ist es nicht mehr nachhaltig und er war im Clinch mit seinem Vorgänger. Ich weiß nicht, ob das sein Vater war, sein Schwiegervater

Carsten Er hat den Hof übernommen.

Stefanie Er hat den Hof übernommen und beide wurden halt gezeigt und sein Vorgänger war also stolz auf seine züchterischen Erfolge und hat gesagt, die haben so viel Milch gegeben und das war so toll. Und jetzt ist er so ein bisschen sauer, dass der andere das nicht mehr so macht.

Carsten Und macht genau das Gegenteil.

Stefanie Der macht genau das Gegenteil. Er hat gesagt okay, wir haben beide recht, aber weil er halt auch noch an die Umweltkosten denkt, die nie mit reingerechnet werden, hat er ein bisschen mehr Recht. Genau so.

Carsten Genau. Der Öko-Bauer.

Stefanie Der Öko Bauer. Genau, der Öko-Bauer hat's ja auch. … Ist alles gut. Ich wollte das nicht kritisieren, ich finde nur den der Öko-Bauer, der hat halt mehr Recht.

Carsten Das war der ohne Untertitel, den man so verstehen konnte, der aus Italien kam.

Stefanie Genau der. Also Südtirol.

Carsten Und die Schwaben hatten Untertitel.

Stefanie Genau die Schaben hatten Untertitel. Das war lustig. Wobei auch nicht immer. Ja, am Ende hatten sie keine Untertitel mehr. Also auch nicht immer. Ich fand halt irgendwie immer dann, wenn sie besonders schwer zu verstehen waren, hatten sie keine Untertitel. Und immer dann wenn es ganz leicht war. - Lacht - Ja, ich weiß auch nicht. Aber was ich jetzt an dem Vorzeigebetrieb echt blöd fand, war, dass die Kälbchen mal wieder nicht gezeigt wurden. Ich hab da nie ein Kälbchen gesehen beim Vorzeigebetrieb.

Carsten Das war im gesamten gesamten Film schon relativ weit im Hintergrund. Ich meine, sie haben es thematisiert,

Stefanie Ich finde bei den anderen haben sie es thematisiert, bei den anderen, bei den schlimmen Betrieben haben sie es thematisiert.

Carsten Ich fand aber, das war noch ein bisschen zu neutral verpackt. Also.

Stefanie Also ich.

Carsten Gut, ich mein, ja, die haben die eine Szene gehabt, da wo dieses tote Kalb da auf dem Hof lag, und es war auch schon…

Stefanie Ich fand das nicht, dass die das total neutral verpackt. Bei dem Bauern in Dänemark, der wie viele Kühe? 750 Kühe?

Carsten Der hatte 700.

Stefanie 700 Kühe hatte, der auch gar nicht als Landwirt da ran gegangen ist, sondern als Betriebswirt. Und dann hat ganz klar gesagt „Die Kälber sind für uns Abfallprodukte. Wenn die nach 14 Tagen nicht irgendwie aufgepäppelt sind, dann werden die getötet.“ Und ja, also das männliche Kalb ist sowieso, es ist nur Abfall. So!

Carsten ja was?

Stefanie Und das hat er ganz klar gesagt.

Carsten Das hat er klar gesagt. Aber ich was, was ich eigentlich meinte war, dass der Film anderthalb Stunden läuft und die Thematisierung der Kälbchen ist vom Zeitlichen her relativ reduziert reingeflossen. Das heißt, wenn ich jetzt die gesamte Sendezeit betrachte und gucke und und und. Für mich ist das Kälber-Dilemma einer der Hauptgründe auf Milch zu verzichten.

Stefanie Ja.

Carsten Gesundheitlich und ökologisch mal noch mal beiseite. Aber die Tatsache, dass da eben Lebewesen als Abfallprodukte betrachtet werden müssen, weil es sonst betriebswirtschaftlich überhaupt gar nicht machbar wäre, und das ist für mich ein Hauptgrund, auf Milch zu verzichten. Deswegen fand ich es so schade, dass genau dieser wirklich wichtige Aspekt, ich weiß nicht, fünf Minuten, zehn Minuten, keine Ahnung? Ich hab da jetzt nicht drauf geachtet.

Stefanie Wobei ich das schon gut fand, dass es überhaupt thematisiert wird, weil es meistens halt unter den Tisch gefallen ist.

Carsten Das stimmt, da geb ich dir recht. Das ist auch der Vorteil von diesem Film, weil er eben publikumswirksam ist, wahrscheinlich auch einen großen Verbreitungsgrad bekommt oder hat, und dementsprechend auch dieser Aspekt, der jetzt nochmal weiter in die breite Gesellschaft tragen kann. Und das ist so, ja.

Stefanie Also der schwäbische Milchbauer sagte ja auch genau das, was wir hier auch schon wissen und hier in den Folgen schon so oft thematisiert haben, dass ein männliches Kalb einfach eben ein Abfallprodukt ist, dass er dafür 70 € kriegt oder 50 € und wenn der Preis niedrig ist und dass das die Kosten überhaupt nie reinholt. Und es wurden dann eben diese neu geborenen Kälber gezeigt, die dann da drauf warten, dass sie abgeholt werden und zum Mastbetrieb gebracht werden, um dann nach kurzer Zeit halt als Kalbsfleisch am Dönerspieß zu enden oder so. Und dann sagte er noch so „Na ja, totschlagen können wir sie ja nicht.“ Und dann, kurz danach kam dann die Szene mit dem Dänen, der dann halt gesagt hat „Ja, wenn nach...“

Carsten 14 Tage. Und dann werden sie halt…

Stefanie Und wenn sie von Anfang an zu schwach sind, landen sie halt schon. Und dann gibt es eben diese eine Szene, wo das tote Kalb einfach auf dem Müll liegt und auf dem Misthaufen und die Fliegen da drum schwirren, und also ehrlich gesagt, ich musste weinen. Du nicht? Für mich war es schon hart, das wieder zu sehen. Und für mich ist es generell hart. Und das ist, weißt du. Und das ist für mich der Grund, warum ich die Milchforschung mache, warum ich die Milchgeschichten mache. Das ist für mich der Grund. Ich habe ja so einen Trollkommentar gekriegt, von wegen „Ja, was willst du mir jetzt damit sagen mit deinen Milchgeschichten?“ Also das ist der Grund. Also, das will ich dir damit sagen. Es ist total sinnlos, Milch zu trinken, weil dafür unschuldiges Leben stirbt. Es ist so. Es stirbt unschuldiges Leben dafür. Dieses Leben wird in die Welt gesetzt. Es wird geboren. Es wird neun Monate lang ausgetragen. Es ist ist es ein Lebewesen. Es ist genauso wunderbar ist wie du und ich. Und es wird einfach dann getötet, weil es halt über ist, weil man einfach nur die Milch will, die dadurch produziert wird. Für was? Für was?

Carsten Ich hätte mir, ich hätte mir in diesem Film auch ganz gerne ein bisschen mehr oder überhaupt die Thematisierung dieser Kuh-Kalb-Beziehung gewünscht.

Stefanie Ja, das kam gar nicht vor. Also das kam überhaupt nicht vor. Also nur halt, dass die Kälber halt überflüssig sind, aber

Carsten Es wird halt so dargestellt, als ob da überhaupt gar keine Bindung existiert. Als ob so eine Kuh – hmmm - Nachwuchs bekommt und sowohl dem Nachwuchs völlig egal ist, was jetzt mit den Eltern oder mit der Mutter passiert und auch der Mutter völlig egal ist, was mit dem Nachwuchs passiert ist.

Stefanie Also das hat, das spielt da gar keine Rolle. Das ist wirklich, das ist ja, das ist nicht das Thema. Das Thema sind die ökologischen Folgen und die wirtschaftlichen Folgen für die Milchbauern selbst.

Carsten Perspektive Milchbauer Das war der Fokus, ja.

Stefanie Was für die Milchbauern selbst eben. Denn selbst der Betriebswirt in Dänemark sagte, dass er 100 % verschuldet ist, dass er halt dauernd rechnen muss und hat dann auch die ganze Zeit. Dann hat er irgendwie seinem Nachfolger dann ja gesagt „Du, du musst kämpfen“ und „das ist also, das ist ein Haifischbecken“ und bla. Also wirklich so. Und für ihn ist es eben auch so, dass er nicht kostendeckend produzieren kann, wie es so schön heißt. Und also so einfach dieses System, dass es einfach alles zu günstig ist. Und klar, also wenn, wenn du schon länger hier zuhörst, weißt du das auch. Also wie

Carsten auch schon sagte, die meisten Dinge wissen wir halt auch schon, also so was, dieser ganze Überschuss, der da produziert wird. Also in Deutschland ist es sowieso so, dass der Milchkonsum rückläufig ist, also dass 50% dessen, was da an Milch produziert wird, wird exportiert, sonst könnten die Milchbauern überhaupt nicht überleben. Das sagten die ja auch, dass von der EU kriegen die einmal im Jahr ja diese Subventionierung und ohne die können die nicht überleben. Wenn die weg wäre, könnten sie nicht überleben.

Carsten Und da kommen ja so zwei Sachen, die ich an dem Film tatsächlich gut fand. Einmal, dass die -wo war das? In Namibia oder zumindest in Afrika? - gezeigt haben, was für Auswirkungen genau unser Export dort hinten in den Drittländern hat, dass wir dort die Märkte kaputt machen, weil die lokalen Bauern, die lokalen Milchlandwirte nicht mehr in der Lage sind, ihre Milch…

Stefanie Die können nicht gegen das Milchpulver konkurrieren. Das Milchpulver aus…

Carsten Wird importiert.

Stefanie … Deutschland viel oder aus Europa viel günstiger ist.

Carsten Dadurch, dass sie eben bestimmte Handelsabkommen haben und der Staat oder beide Staaten, die beteiligt sind, dafür sorgt, dass beim Import eben ganz niedrige Importzölle anfallen oder gar keine oder wie auch immer.

Stefanie Da gab es beim ZDF diese, auch eine Dokumentation, die hieß „Der Irrsinn mit der Milch“, da war das auch schon mal thematisiert. Den hatte ich mir angeschaut. Ich glaube, den hattest du mal nicht angeschaut. Es geht, glaube ich auch nur 20 Minuten. Also das ist auf jeden Fall sinnvoll. Ich verlink das ja auch noch mal. Also „Der Irrsinn mit der Milch“, da wird es noch mal ein bisschen noch ausführlicher gezeigt, wie also unser Milchpulver dann also wirklich diese Märkte kaputt macht, also was die da verursachen.

Carsten Und der andere Aspekt, den ich ganz gut fand in dem Film und der mich auch ein bisschen schockiert hat, war ein Thema China, ja, die Gigantomanie, die da vorherrschte. Also nicht nur das, dass dieses Argument oder dieser, dieser…

Stefanie Ja, das ist totaler Schwachsinn.

Carsten …, dass die Chinesen jetzt stärker Milch importieren, sondern dass die ihre eigenen - was sind das? - Milch-Produktions... also.

Stefanie Die haben einfach so …

Carsten ...die größte Molkerei der Welt dort aufgebaut.

Stefanie Und was man bisher so aus Amerika kennt, von den Ausmaßen, das ist in China auch, dass sie halt riesige Milchfarmen quasi, mit Milchkühen und…

Carsten War das mit 10.000 Kühen oder so?

Stefanie Ja ich meine schon 10.000 Kühe und dann eben die entsprechenden Anzahl, du hast dann so von oben alles gesehen, die Kälber-Iglus, die da in Reih und Glied stehen, und die Kühe, die dann in diesen Melkkarussell hin und her und so, also ja, das ist halt ... Und wovon ist es bedingt? Von der Werbung, weil die Werbung halt sagt „Hey, wenn ihr Milch trinkt, dann werdet ihr genauso groß wie die Europäer, dann habt ihr das Gleiche, Kalzium ist gut für die Knochen, ihr bekommt starke Knochen und ihr werdet einfach viel toller und so.“ Also so, und das ist so ein Schwachsinn!

Carsten Das ist so krank. So krank das System.

Stefanie Ja, und wenn du jetzt sagst, „okay, na ja, wenn ich jetzt hier auf Milch verzichte, dann hilft das ja niemandem. Hilft das keiner Kuh, weil in China, die ja jetzt total expandieren“. Würde ich sagen „doch es hilft immer.“ Also wenn alle halt sagen „naja, es hilft ja nichts, was ich mache“. Wir müssen halt erst mal anfangen. Und ich meine, okay, wenn China sich an Europa orientiert oder vielleicht auch an Amerika, wenn wir hier dann zeigen, okay, wir wollen ohne Milch leben, dann ist das ja auch wieder eine Botschaft. An China.

Carsten Die versuchen uns jetzt ja zu kopieren. Genau. Und wenn die merken, dass sich das Leitbild ändert, weil die Europäer eben festgestellt haben, dass es doch nicht so toll gewesen, was da läuft, dann transportiert sich das natürlich auch dahin, da wo die Ansprüche in China oder in der Dritte Welt sind, jetzt quasi den Wohlstand…

Stefanie Ja.

Carsten … unserer Industrienation irgendwie nachzubauen oder nachzueifern.

Stefanie Das heißt also, ich bin immer der Meinung, dass es sich lohnt, einen Schritt zu machen, einfach auch für dich einzustehen, für deine Werte einzustehen und nicht dich von dem erschlagen zu lassen.

Carsten Wir brauchen einfach Vorbilder. Ja.

Stefanie Also und du bist das beste Vorbild, also.

Carsten Ja, klar. Du bist es oder du kannst das werden. Ja.

Stefanie Also genau. Jetzt, wo wir gerade bei Vorbild sind und so und tollen Menschen und so müssen wir jetzt mal die Dankesrunde einschieben. Cartsen Müssen wir uns bedanken.

Stefanie Genau. Wir haben einen neuen Steady-Unterstützer und zwar einen Enthusiasten-Unterstützer, unser größeres Paket. Und da wollen wir uns natürlich ganz herzlich bei dir bedanken, Felix.

Carsten Felix, echt ganz ganz lieben herzlichen Dank! Das hat uns total umgehauen. Super! Klasse!

Stefanie Und wir freuen uns natürlich auch weiterhin über weitere Steady-Unterstützer, denn mit Felix’ Unterstützung sind wir jetzt bei der Hälfte des Budgets angekommen, was wir monatlich an Hostinggebühren für den Podcast und die Webseite ausgeben. Das heißt, es ist noch Luft nach oben. Wir freuen uns über deine Unterstützung und wir freuen uns, wenn du vielleicht jetzt gleich sagst okay, ich spende da jetzt mal 2 € im Monat dafür. Oder ich mach's wie Felix und spende gleich 5 € im Monat dafür.

Carsten Wir freuen uns darüber hinaus auch noch über zahlreiche iTunes-Rezensionen!

Stefanie Genau. Und wir freuen uns auch über jede Email, die du uns schreibst. Also ganz, ganz herzlichen Dank für deine Unterstützung. Liebe Hörerin, lieber Hörer, wir freuen uns wirklich auch über die vielen Downloads und einfach, dass du uns zuhörst.

Carsten Genau. Super!

Stefanie Und Carsten, möchtest du noch abschließend was zu „Das System Milch“, dem Film sagen? Ich rate mal ein bisschen. Ist ausgezeichnet mit dem Horizonte Preis.

Carsten Bis am Horizont. Es klingt so nach Monte Preis. - Beide lachen -

Stefanie Von Zott.

Carsten Genau.

Stefanie Okay. - räuspert sich - Möchtest du?

Carsten Ja, ich möchte eine bedingte Empfehlung aussprechen.

Stefanie Eine bedingte Empfehlung. Also, für wen ist der Film was?

Carsten Für Leute, die bisher noch nicht intensiv mit dem Thema Milch in Kontakt gekommen sind. Die vielleicht noch mal ein bisschen Schützenhilfe brauchen, weil sie sagen „Okay, ich weiß, dass da was ist. Mir fehlen aber vielleicht ein paar Argumente!“ Für die kommt noch relativ gute, geballte Ladung. Also primär glaube ich, ist der Film definitiv für Leute gedacht, die vorher noch nicht so wirklich in Kontakt mit dem Thema Milch und Milchsystem, dem ganzen Wirtschaftssystem und auch mit dem, was da mit den Kühen passiert, in Kontakt gekommen sind.

Stefanie Ja, einfach die ... Wir sind nicht die Zielgruppe, sagen wir es mal so. Wir sind nicht die Zielgruppe. Wir wissen ja das meiste schon, so ein paar kleine Details waren jetzt neu, aber das meiste wissen wir schon. Das heißt, dieser Film ist vielleicht eher was für deine Schwiegereltern, wenn sie noch nicht soweit sind, und du möchtest ihnen einfach mal die Augen öffnen. Also es ist was für Menschen, die einfach mal mehr wissen wollen über dieses System Milch, also was dahinter steckt. Und wie gesagt, der Schwerpunkt liegt hier nicht auf dem Ethischen, sondern mehr auf dem Ökologischen und dem Wirtschaftlichen.

Carsten … und dem Wirtschaftlichen.

Stefanie Also noch nicht mal, auch nicht auf dem Gesundheitlichen. Also es ist wirklich ökologisch, wirtschaftlich. Ganz am Anfang ist es so, dass ein ganz, ganz winzig kleinen, schnellen historischen Abriss der Milch macht. Er fängt auch an, so Milch, Nahrung der Götter usw. und so fort. Und das geht dann so zack, zack und dann ist er halt im Hier und Jetzt. Da hatte ich auch erst gedacht, okay, schön, dann hat dann noch ein bisschen was mit drin, aber das ist so, aber es ist halt schon ein cineastisch guter Film.

Carsten Ja, ja, klar. Also technisch gesehen ist er echt gut.

Stefanie Ja. Es lohnt sich schon, den anzuschauen, wenn du einfach noch mal so einen Überblick haben möchtest und wenn dich das Wirtschaftlich-Ökologische interessiert. Ja. Und wenn du noch einen Blick auf China werfen willst und so, also für solche Dinge ist es auf jeden Fall interessant. Und wie gesagt, eben, vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es ja, dass das Thema so ein bisschen mit spitzen Fingern angefasst wird, weil es keine eindeutige Stellungnahme am Ende gibt. Es wird auch nicht gesagt okay, dieses ganze System ist totaler Mist und man sollte es noch mal neu aufrollen. Und es wird auch nicht gesagt, das hat wirklich extreme gesundheitliche Auswirkungen, wenn du jetzt die ganze Zeit Milch und Milchprodukte zu dir nimmst. Sondern ich finde, es ist so ein bisschen neutral noch so gehalten. Also er stellt ganz viele Aspekte vor und Positionen vor, aber er bezieht selbst keine Stellung.

Carsten Ja, genau, das ist es also genau. Dass er selber keine Stellung bezieht, aber trotzdem eben, dass das System und auch die Größe des Systems und auch die Abarten, die sich daraus ergeben, dann, schon thematisisert.

Stefanie Also ich finde, es ist schon informativ und sinnvoll auch sich das anzuschauen. Nur es ist einfach nicht so wie jetzt irgendwie bei Cowspiracy, dass dann am Ende rauskommt, ‚okay, vegan ist die einzig gangbare Lösung.‘

Carsten Also genau. So und wenn du jetzt Lust hast, den Film doch nochmal zu schauen, dann vertröstet dich bis auf unsere hundertste Folge.

Stefanie Nee, oder? Es gibt ja jetzt die Möglichkeit, den auf Arte kostenlos anzuschauen und zwar bis Januar oder Februar, ich bin mir nicht ganz sicher. Wir verlinken das natürlich. Da kannst du den ganzen Film 90 Minuten kostenlos streamen lassen. Okay, dann bleibt uns nur noch zu sagen:

Carsten in diesem Sinne,

Stefanie in Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten und auf Wiederhören.

Folge 96 - Veganer als Studienobjekt

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Folge 96 - Veganer als Studienobjekt

In dieser Folge

  • sprechen wir über eine aktuelle Studie des bfr,
  • berichtet Carsten worum es in dieser Studie geht und
  • klären wir, welche Auswirkungen die Studie auf Dich als Veganer*in hat.

Diese Folge ist wieder aufgrund eines Hörerhinweises entstanden- ganz herzlichen Dank :-)

Wir Veganer*innen sind nicht nur Verfechter*innen einer Ideologie, wie ich unlängst wieder durch einen äußerst wertschätzenden Kommentar lernen durfte, sondern auch begehrte Studienobjekte.

Das bfr, Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine solche Studie durchgeführt, um Kommunikationsstrategien herauszuarbeiten, wie man uns Veganer*innen die Risiken der veganen Ernährung näher bringen kann...

Das Ergebnis besprechen wir in dieser Folge.

Links zur Folge

Folge 95 - Wie wir Amerikaner wurden

Ein Beitrag

Folge 95 - Nach dem Krieg

In dieser Folge

  • stelle ich Dir und Carsten das wunderbare Buch "Nach dem Krieg" von Hellmuth Karasek vor,
  • erfährst Du wie wir alle Amerikaner wurden und
  • verrate ich Dir warum auch Du dieses Buch unbedingt lesen solltest.

Hellmuth Karaseks Buch "Nach dem Krieg" hat mich vor allem wegen seines Untertitels "Wie wir alle Amerikaner wurden" angesprochen.

Ich finde es sehr spannend Zeitzeugenliteratur zu lesen, aus einer Zeit in der unsere heutigen Probleme ihre Wurzel haben.

Und ich wurde nicht enttäuscht! Das Buch ist sehr informativ, flüssig und witzig geschrieben und hat mir geholfen unsere Vergangenheit und damit auch unsere Gegenwart besser zu verstehen.

In der Podcastfolge lese ich auch ein paar Passagen aus dem Buch vor- hör am besten gleich rein...

Links zur Folge

"Nach dem Krieg" von Hellmuth Karasek
https://www.buch7.de/store/product_details/1024850248

Folge 94 - Milchgeschichten

Ein Beitrag

Folge 94 - Milchgeschichten

In dieser Folge

  • erzähle ich Dir und Carsten von meinem neuen Podcast "Milchgeschichten"
  • erfährst Du warum ich den Podcast gestartet habe und
  • gebe ich einen Ausblick auf kommende Folgen.

Seit ich mich beruflich thematisch umorientiert habe, beschäftige ich mich mit dem Thema Milch. So forsche ich nun seit bald 2 Jahren, wie aus Kuhmilch ein Grundnahrungsmittel werden konnte.

Bisher gab es dafür nur den VIP-Leserbereich. In der letzten Zeit ist in mir das Bedürfnis gewachsen auch einen Podcast für meine Forschung zu veröffentlichen und so ist Milchgeschichten entstanden.

Links zur Folge

Milchgeschichten - der Podcast rund um die Kuhmilch
http://von-herzen-vegan.de/forschung

Vollständiges Transkript

Carsten Heute habe ich etwas ganz Besonderes. Und zwar darf ich heute Stefanie interviewen. Tataa. Das Warum ist ganz schnell erzählt. Du hast ein eigenes Projekt gestartet. Der Podcast heißt "Milchgeschichten" und du bist jetzt gerade mit den ersten Folgen am Start. Das heißt, die sind jetzt auch schon zu hören.

Stefanie Genau. Ich bin auch schon auf iTunes gelistet und ich wollte noch mal einmal kurz einschieben. Wir sind jetzt von mehreren Seiten angesprochen worden, warum unser Podcast noch nicht auf Spotify ist. Also jetzt hier der, den du gerade hörst und um ehrlich zu sein, habe ich das immer mal wieder verschoben und nicht dran gedacht. Und ich habe jetzt unseren Podcast bei Spotify eingereicht. Es ist aber so, dass man quasi um die Gnade bittet, bei Spotify gelistet zu werden. Und dann entscheidet Spotify hoheitsvoll, ob man denn jetzt gelistet wird. Das heißt, wir wissen es nicht, ob und wann es so weit sein wird.

Carsten Wir warten noch auf die Absolution, auf den Ritterschlag.

Stefanie Es ist jetzt über eine Woche her, dass wir es eingereicht haben. Es kann sein, dass wir gelistet werden. Es kann aber auch sein, dass wir nicht gelistet werden. Ich habe jedenfalls so eine Erklärung unterschrieben, wo wir quasi unsere Seele an Spotify verkauft haben.

Carsten Wir gehen ins Fegefeuer. Nur für euch, für

Stefanie Dich, für alle. Also ich befürchte, dass wir diese furchtbare Vereinbarung auch schon bei iTunes unterschrieben haben. Nur dass ich sie nie gelesen habe, so wie man das ja so macht, diese 10 Meter AGB und da hakt man es ja immer nur schnell ab, damit man das nutzen kann. Aber eigentlich macht es schon Sinn, dass mal durchzulesen. Nur dann könnte man das alles gar nicht nutzen.

Carsten Vielleicht werden wir deswegen noch nicht gelistet, weil Spotify jetzt erst mal bei Apple anruft und fragt: Wer hat denn jetzt eigentlich die Rechte, wenn wir beiden die Vollrechte zugesprochen haben?

Stefanie Tja, da ja auch andere überall gelistet sind, werden sie sich wohl einigen. Ja gut, also das nur kurz eingeschoben. Spotify ist quasi in Mache. Wir haben alles getan, was wir tun konnten und jetzt heißt es nur noch abwarten. Und mein neuer Podcast „"Milchgeschichten"“ ist auf iTunes gelistet und den habe ich auch noch nicht bei Spotify eingereicht, weil ich weiß auch nicht so recht, ob die den wirklich dann nehmen würden, wenn sie so wählerisch sind, weil das so ein spezielles Thema ist.

Carsten Wir warten erst mal ab, wie sich unser Podcast dort macht, wenn er genommen wird. Zurück zu deinem Podcast "Milchgeschichten" Du hast deinen Schwerpunkt, aber im Gegensatz zu vielen anderen Publikationen, die man so im Internet findet, gar nicht auf den gesundheitlichen Aspekt bezogen, sondern du guckst ja mehr in die andere Richtung der Entwicklung.

Stefanie Ja, ich gucke in die Richtung der Werbung. Also wie hat die Werbung das beeinflusst, weil es ja tatsächlich die Werbung ist, die Propagandamaschine der Milchwirtschaft, die die Milchwirtschaft so groß gemacht hat. Und ja, also ich gucke nicht in Richtung Gesundheit, weil ich, wie jede·r, die·der diesen Podcast schon länger hört weiß, ich gesundheitlich nicht so interessiert bin. Carsten und ich haben ja auch das Buch „Milch besser nicht“ von Maria Rollinger zusammen gelesen und Carsten hat die gesundheitlichen Parts gelesen und ich habe alle anderen gelesen, weil mir das einfach egal ist, ob Milch gesund ist oder ungesund. Mir ist es total egal, denn ich finde das einfach nicht haltbar, den Milchkühen die Milch wegzunehmen. Einfach nur aus diesem Grund, dass ich denke na ja, die ist so gesund, ich brauche unbedingt die Milch von der Kuh.

Warum nicht die Milch vom Esel? Warum nicht die Milch vom Pferd? Warum nicht die Milch von der Ziege? Und deswegen gibt es jetzt auch den Podcast. Ich könnte darüber Stunden, Wochen, jahrelang reden, quasi. Ich bin öfter mit diesem Aspekt konfrontiert worden: Ja, wir haben doch schon immer Milch getrunken, warum sollten wir jetzt damit aufhören? Unser Körper hat sich doch daran gewöhnt und es ist so wichtig für unseren Körper und ich konnte darauf nie eine adäquate Antwort geben. Und das hat mich gewurmt. Und deswegen habe ich gesagt: Nee, ich muss mich jetzt da einlesen, ich muss es jetzt rausfinden. War das wirklich so? Ist es immer so gewesen

Und hier: Spoiler Alert: Nein, es war nicht wirklich so. Es ist einfach nicht schon immer so gewesen. Und das habe ich angefangen rauszufinden. Und ich bin ja zu dieser ehemaligen Milchforschungsanstalt gegangen und ich meine, du, der oder die du jetzt schon öfter hier zuhörst, hast ja auch schon die vorangegangenen Folgen zur Milch gehört. Ich hatte ja auch schon welche da veröffentlicht und da habe ich dir auch schon von der ehemaligen Milchforschungsanstalt erzählt. Und die Folgen zum Weltmilchtag und Schulmilchtag. Das heißt, so ein bisschen was weißt du ja auch schon. Und ich hatte einen VIP Leser Bereich für die Forschung eingerichtet, wo ich dann alles was ich bisher ausgewertet habe, niedergeschrieben hatte.

Aber es ist durch die ganzen anderen Projekte - und Carsten sagt, ich hätte ein einziges Projekt jetzt neben dem Podcast laufen. [Also Carsten lacht ein wenig gezwungen - gezwungendes Lachen einblenden. - und wieder aus.] Jedenfalls habe ich ja auch noch Hamburg Vegan erkunden und Hamburg vegan erkunden ist jetzt einfach so präsent in meinem Leben, dass es sehr viel Zeit einnimmt. Und dann habe ich hier diesen Podcast, wo ich nun mal wöchentlich die Podcastfolge schneiden muss, die online stellen muss und da die Texte zu schreiben und keine Ahnung. Und dann bin ich dabei, diesen Onlinekurs soweit zu betreuen und aufzubauen. Und ja, es gibt natürlich auch noch so ein paar andere Dinge und dann muss man bedenken, dass ich auch Mutter bin.

Und diese ganzen Dinge alle zusammen haben bewirkt, dass die Forschung immer wieder hinten runtergefallen ist und ich finde es aber so wichtig. Also ich finde es echt extrem wichtig, dieses Thema weiter zu verfolgen und auch einfach klar zu machen, dass das nicht schon immer so war, dass wir Kuhmilch getrunken haben und wie es denn dazu kommen konnte.

Und wie es dazu kommen konnte, das habe ich jetzt angefangen in dem Podcast aufzuschlüsseln. Ich habe jetzt, also jetzt aktuell, wo wir diese Folge hier aufnehmen, gerade drei Folgen veröffentlicht.. Das heißt, ich habe erst erstmal eine Pilotfolge.

Carsten Die Nullnummer.

Stefanie Die Nullnummer, wie es sich gehört, dann eine Einleitung und jetzt bin ich gerade dabei die Milchkuh im Mittelalter zu beschreiben. Es wird auch noch mal noch weiter zurückgehen, weil es, was ich total spannend finde, diese Kuhgöttinnenkulte in der Antike gibt und so, aber ich habe die bisher nur so am Rande berührt, weil die These, warum aus Kuhmilch ein Grundnahrungsmittel werden konnte davon nicht berührt wird. Ob es jetzt Kuhgöttinnenkulte gab oder nicht. Damit aus Kuhmilch ein Grundnahrungsmittel werden konnte, musste es zwei Grundvoraussetzungen geben: Zum einen, dass die Kuhmilch ausreichend vorhanden war und zum anderen musste jede Menge Werbung betrieben werden. Und das sind diese Dinge, die das gab es in der Antike noch nicht und ich lege es jetzt auch noch mal mit Zitaten und allem dar, warum es das im Mittelalter auch noch nicht gab und warum es dann erst ab der Kaiserzeit langsam anläuft. Das heißt, wenn du dich dafür interessierst macht es sehr viel Sinn, dass du jetzt meinen "Milchgeschichten" Podcast abonnierst und reinhörst.

Carsten Ja, aber erst das hier zu Ende hören. Also hast du den Podcast jetzt eigentlich als Motivationsanschub genommen, um das Thema der Milchforschung wieder für dich in den Vordergrund zu bekommen oder zumindest da aktiv weiter dran zu arbeiten?

Stefanie Genau das ist quasi genauso wie der Vortrag, den ich bei der Veggienale gehalten habe, war das für mich zum einen, um mich weiter zu motivieren und mich quasi selbst unter Druck zu setzen, dass ich da weitermache, weil ich dieses Thema so wichtig finde. Aber wie jede·r weiß, dei·der wenig Zeit hat: wir haben alle das gleiche Zeitkontingent zur Verfügung, aber wir teilen es unterschiedlich auf. Und bei mir war es so, dass ich es in letzter Zeit so aufgeteilt, dass die Forschung wenig Platz gefunden hat da drin. Und zum anderen ist es auch so ein Test, einfach zu sehen: Wer interessiert sich denn dafür? Gibt es überhaupt Menschen, die sich dafür interessieren? Und es gibt Menschen, das hat ja auch der Vortrag gezeigt, zum einen, dass er überhaupt angenommen wurde und zum anderen, dass es Menschen gab, die sich den auch angehört haben.

Ja, ja, also von daher. Und es ist jetzt auch bei den "Milchgeschichten" so, dass der Podcast - ich habe ihn jetzt vor einer Woche gestartet, also jetzt, wo ich die Podcastfolge hier aufnehme, ist es noch nicht mal eine Woche her. Also das ist ein paar Tage her und trotzdem habe ich schon positives Feedback und ich freue mich natürlich riesig darüber, dass ich damit jetzt wirklich auch einen Nerv treffe. Ich hatte auch vorher eine Mini Twitter Umfrage gemacht, wo neun Leute teilgenommen haben. Das war so ganz spontan. Ich habe erst gedacht Aha, warum habe ich das gemacht? Und da hatten 2/3 dafür gestimmt, dass sie sich so einen Podcast mit diesem Thema anhören würden. Also von daher. In dieser Mini Umfrage, selbst da war Interesse da.

Carsten Er ist ja auch eigentlich was komplett neues vom Inhalt. Also jetzt nicht Podcasts als Medium, sondern die Thematik. Wenn ich mir anschaue, was sonst so über Milch rausgegeben wird an Informationen, dann habe ich ja entweder mal diesen gesundheitlichen Aspekt, also diese eigentlich völlig überflüssige Stimme zur Diskussion Ist Milch gesund, ja oder nein oder was davon ist gesund und was ist da nicht von gesund? Und dann gibt es ja auch noch die Diskussion Tierrecht also quasi das Tierleid, was dahinter steckt und auch so diese ökologische Dimension. Das sind ja so Facetten, die mittlerweile immer bekannter werden. Aber genau das ist ja nicht Bestandteil deines Podcasts oder deines Projektes, sondern du gehst jetzt wirklich, wie du schon sagtest, auf diese Frage ein: Wie konnte dieses Grundnahrungsmittel sich überhaupt so etablieren, so allgegenwärtig sein? Genau, um einfach mal den Schleier zu lüften, um auch den jüngeren Generationen, die es ja gar nicht anders kennen, einfach mal zu zeigen: Das war nicht immer so.

Stefanie Es ist natürlich so, dass es für uns ein Generationenproblem ist, sozusagen, dass wir damit aufgewachsen sind. Also ich meine jetzt wir, Carsten und ich, wir wissen jetzt nicht, wie alt du bist. Also wenn du so alt bist, wie wir oder jünger, bist du damit aufgewachsen, dass es Supermärkte gab. Und Supermärkte voller Milch und Milchprodukte. Ich kann mich nicht bewusst daran erinnern, dass es irgendwie leere Supermärkte gab. Also es kann natürlich sein, dass es in der ehemaligen DDR anders war. Aber wenn du jetzt so aufgewachsen bist wie wir, dann wirst du nur volle Supermärkte erlebt haben und dementsprechend auch diese Riesenauswahl und was ja natürlich auch das ist, worauf ich auch alles noch eingehen werde, dass du schon diese Trennung erlebt hast zwischen dem Produkt und der Herkunft des Produktes. Das heißt, du siehst nur die Milch. Wir reden immer nur über Milch, über Milch, über Milch. Ist sie gesund? Ist sie nicht gesund? Sollte ich besser Bio nehmen oder nicht?

Carsten Und warme Milch, oder kalte.

Stefanie Aber wir vergessen ganz. Wo kommt es denn überhaupt her? Das ist ja nicht so wie Wasser. Dass es jetzt irgendwie Quellwasser ist. Und das tut dem Berg nicht weh, dass wir dem das Wasser wegnehmen, sondern es sind Kühe und die sind keine Maschinen, auch wenn sie dazu gemacht wurden.

Carsten Milch muss produziert werden.

Stefanie Genau. Und das Produzieren machen die Tiere. Fühlende Wesen wie du und ich, die na ja, also wie du schon hörst, ich kann lange darüber reden.

Carsten Jetzt hattest du vorhin schon mal gesagt, dass du ja die Information aus der ehemaligen Milchforschungsanstalt bekommst, oder? Einen Großteil davon bekommen hast. Was heißt denn das eigentlich?

Stefanie Das hatte ich sogar schon mal genannt. Wer also fleissig unseren Podcast hört, der weiß Bescheid. Also die ehemalige Milchforschungsanstalt in Kiel ist jetzt das Max Rubner Institut und war vorher die Milchforschungsanstalt. Und da gibt es eine große Bibliothek, die sind über Deutschland verteilt und der Standort in Kiel hat alle Informationen zu Milch und die haben verschiedene Archive je nachdem nach Epoche sortiert und natürlich die ganz alten Sachen sind klassisch ganz unten. Es ist ein sehr, sehr großes Archiv, in dem ich stöbern durfte. Dürfte jede·r, wenn sie·er sich vorher anmeldet. Zumindest wurde ich jetzt nicht explizit gefragt oder musste irgendwas ausfüllen, sondern ich habe mich einfach nur angemeldet.

Das heißt, wenn du dich dafür interessierst und dann vielleicht sogar in Kiel wohnst oder in der Nähe oder da hinfahren möchtest, dann kannst du da auf der Max Rubner Seite, also auf der Seite vom Max Rubner Institut, ehemalige Milchforschungsanstalt in Kiel, schauen und dich bei der Bibliothek anmelden und fragen, ob du da mal in den Keller gehen darfst ins Archiv. Die wussten auch die ganze Zeit eigentlich gar nicht, was ich jetzt genau mache. Ich habe auch gesagt, ich suche nach Milchwerbung und ich hatte nicht gesagt, dass ich vegan lebe oder so was. Und die haben mich auch nie gefragt. Die waren irgendwie davon ausgegangen, ich würde eine Masterarbeit schreiben oder so was. Ich habe dann gesagt, Nee, ich mache das quasi privat, aber das war dann auch okay. Also von daher. Es ist so, dass die Archive wirklich voll sind und da von 1870 an, wo dann die ersten Milchzeitungen existierten, da wirklich alles abgeheftet ist, auch davor natürlich noch einige Sachen, aber so wirklich die Milchwirtschaft in dem Sinne, dass sie sich so entwickelt hat, hat erst in der Kaiserzeit angefangen, mit dem Entstehen der ersten Zentrifuge.

Carsten Du hast ja aus dem Archiv Dutzende oder tonnenweise Informationsmaterial auch eingescannt bekommen und kannst sie jetzt noch auswerten.

Stefanie Ja, genau, das habe ich immer noch nicht alles ausgewertet. Daran sieht man auch, dass ich nicht so viel Zeit habe. Ich habe einiges ausgewertet, sonst könnte ich jetzt den Podcast nicht machen, aber es steht noch einiges an.

Carsten Also noch ganz viel Stoff, der noch veröffentlicht werden kann.

Stefanie Genau.

Carsten Ja hast du denn für den Podcast schon irgendwie einen Turnus geplant?

Stefanie Ich will ihn auch wöchentlich erscheinen lassen. Ich weiß noch nicht welcher Tag jetzt im Moment habe ich am Montag, aber ich werde es mal schauen. Aber ich möchte den gerne wöchentlich veröffentlichen, genau wie den anderen jetzt auch.

Carsten Ja okay.

Stefanie Ich will jetzt einfach versuchen, so Schritt für Schritt die ganze Vergangenheit aufzurollen, vom Mittelalter an bis heute. Und dann werde ich noch mal in verschiedenen Themen in die Tiefe gehen. Es geht ja dann auch nicht nur darum, das im historischen Kontext zu betrachten, sondern auch die verschiedenen Werbezielgruppen sich anzuschauen. Also die „Hausfrau“ und Schüler·innen und dann die Arbeiterklasse und so. Dann auch noch mal mein Lieblingsmilchkaufmann, sich noch mal genau anzugucken. Also das heißt, wenn ich das Mittelalter vielleicht in 15 Minuten abgehandelt habe, wird es dann später so sein, dass ich nicht mehr eine ganze Epoche in einer Folge abhandeln kann, sondern dafür dann viele, viele einzelne Folgen brauche, die ich dann aber kurz halten werde, damit das nicht so anstrengend wird zu hören.

Carsten Ja klar, das ist dann ja auch in relativ kurzer Zeit viel, viel mehr passiert.

Stefanie Ja, es geht ja nur darum, mit dem Mittelalter auch zu zeigen, dass es nicht so war, dass Milch schon immer vorhanden war und wir das schon immer getrunken haben. Und für mich war es total wichtig, mir das bewusst zu machen. Ich meine, wir hatten alle Geschichte in der Schule im Unterricht und ja, ich habe das auch ganz gerne gemacht, aber ich habe das jetzt nicht alles so behalten. Also ich meine nur, es ist für mich total wichtig, das jetzt mir mal klarzumachen. Deswegen hatte ich ja auch diesen Zeitstrahl gemacht, um überhaupt visuell für mich diese Dimensionen klar zu haben: wie sieht es denn überhaupt aus, wann ist was passiert und wo stehen wir jetzt und so? Und vielleicht hast Du, liebe·r Hörer·in, um einiges mehr Allgemeinbildung als ich und brauchst das alles nicht.

Ich musste mich da erst mal auf diesen Stand bringen und musste mir das alles so erarbeiten und deswegen denke ich, wenn du so in unserem Alter bist oder jünger, dann wirst du eine ähnliche Ausgangsbasis haben. Und genau deswegen hatte ich das vorhin auch schon mal gesagt. Ich hatte in dem Vortrag auch Zuhörer·innen, die älter waren als ich, die sich dann auch noch daran erinnern konnten, beim Milchkaufmann eingekauft zu haben als Kind. Das heißt, es ist noch nicht lange her.

Carsten Wir haben noch Zeitzeug·innen.

Stefanie Wir haben noch Zeitzeug·innen und das ist vielleicht auch noch spannend. Da hatte ich nämlich überlegt, ob ich vielleicht da dann Interviews noch mal machen kann. Das wäre cool, so was. Ja, das sind alles noch Dinge, die noch ausstehen. Solange es noch geht, Zeitzeug·innen zu sammeln und auch generell so da Interviews zu machen. Und ja, es gibt noch ganz, ganz viel zu tun.

Carsten Ja, klasse dann vielen, vielen Dank, liebe Stefanie, für dieses tolle Interview.

Stefanie Oh ja, lieber Carsten, ich möchte mich jetzt nicht nur für dieses tolle Interview bedanken, sondern auch für meinen kompetenten Interviewpartner.

Carsten Da nicht für.

Stefanie Da gibt's jetzt eine Hochbahn Werbung bei uns, wo für freies WLAN geworben wird. Und dann steht immer unten „Da nicht für! - Ihre Hochbahn“ Und ich kann das überhaupt nicht haben. Dieses „Da nicht für“ wenn du dich bedankst für irgendwas. Das ist hier so ein Hamburger Schnack und da ich ja keine gebürtige Hamburgerin bin... Nun gut.

Wir möchten uns auch für neue iTunes Rezensionen bedanken. Das ist ganz toll. Und dafür, dass du uns auf Steady unterstützt. Dass du uns Emails schreibst mit tollen Hinweisen auf neue Themen und auch generell immer mit Lobeshymnen. Das finden wir natürlich besonders schön.

Carsten Ich finde die Themen spannender als die Lobeshymnen. Ja, die Lobeshymnen, die gehen immer so runter wie.

Stefanie Sag nix falsches!

Carsten Ich sag nie was falsches!

Stefanie Öl, Öl.

Carsten Richtig?

Stefanie Es hätte ja sein können, dass du sagen würdest, die gehen so runter wie Öl.

Carsten Ich war irgendwie bei Butter, aber das passte gar nicht deswegen.

Stefanie Na ja, also, was bleibt uns dann noch?

Carsten Ja, vielen lieben Dank wollen wir sagen.

Stefanie In diesem Sinne.

Carsten Nee, jetzt komme ich. In diesem Sinne. In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Weltvegantag voller O-Töne

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Folge 93 - Weltvegantag voller O-Töne

In dieser Folge

  • präsentieren wir Dir über 40 Minuten O-Töne
  • hörst Du wenig von uns, dafür viel von anderen und
  • hast Du die Gelegenheit auch selbst zwei Fragen zu beantworten.

Wir haben lange hin und her überlegt, uns aber dann doch entschlossen dem Weltvegantag zu Ehren alle O-Töne zu senden, die wir seit den letzten Veröffentlichungen gesammelt haben.

Wir hoffen, dass für Dich die ein oder andere inspirierende Antwort dabei ist und freuen uns, wenn Du uns im Anschluss Carstens Fragen beantwortest.

Folge 92 - Veggienale & Fairgoods 2017

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Folge 92 - Veggienale & Fairgoods 2017

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir, wie es auf der Veggienale in Hamburg war,
  • berichten wir von den Ausstellern und dem Publikum und
  • erfährst Du, was es zu essen gab- und was nicht...

In diesem Jahr war ich mit Hamburg vegan erkunden als Ausstellerin und Referentin auf der Veggienale. Ich habe am Samstag einen Vortrag zu Hamburgs veganen Hotspots gehalten und am Sonntag einen zu meiner Milchforschung.

Es hat mir riesigen Spaß gemacht und auch wenn meine Stimme stark gelitten hat, freue ich mich doch über die vielen Menschen mit denen ich ins Gespräch gekommen bin und die meinen Vorträgen gelauscht haben.

Carsten hat mich am Samstag unterstützt und wir haben gemeinsam ein paar O-Töne für den Podcast sammeln können.

Links zur Folge

Veggienale Hamburg
veggienale.de

Rückblick von Mä zur Veggienale in Hamburg
http://www.es-gruent-so-gruen.de/2017/10/ma-unterwegs-zur-grunen-oko-und.html

Folge 91 - Vegane Identitätskrise

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Folge 91 - Vegane Identitätskrise

In dieser Folge

  • sprechen wir über das Phänomen, dass Veganer*innen sich nicht Veganer*innen nennen wollen,
  • diskutieren wir darüber woher diese Identitätskrise kommen könnte und
  • tauschen wir uns über unsere eigenen Erfahrungen dazu aus.

In letzter Zeit kam es immer häufiger vor, dass wir über verschiedenste Gründe gestolpert sind, aus denen Veganer*innen sich selbst nicht als vegan bezeichnen wollten.

Anlass genug, um dem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Außerdem verlosen wir noch 2x2 Karten für die Veggienale am Wochenende im Hamburg- was Du dafür tun musst, um Dich zu den glücklichen Gewinner*innen zählen zu können, erfährst Du in der Podcastfolge... :-)

Links zur Folge

Folge 90 - Vegan Clean Eating

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Folge 90 - Vegan Clean Eating

In dieser Folge

  • beantwortet Carsten die Frage, wie er mit dem Thema "clean eating" umgeht,
  • erzählt Dir Carsten, wie seine tägliche Essensroutine aussieht und
  • berichtet Carsten, wie sich seine Ernährungsgewohnheiten in den letzten Jahren in Richtung "clean eating" gewandelt haben.

Diese Folge ist erneut die Antwort auf eine Hörerfrage, die uns per E-Mail erreichte.

Wir freuen uns immer, wenn Du Themenvorschläge für uns hast und versuchen sie im Rahmen unserer Möglichkeiten zu beantworten.

Das Thema Inhaltsstoffe bewegt uns auch schon seit längerem, auch wenn ich da mehr auf Palmfett achte und öfter das ein oder andere Auge zudrücke, während Carsten da schon viel "cleaner" unterwegs ist als ich.

Und so beantwortet auch dieses Mal Carsten die Frage, wie er sich auf den Arbeitsalltag vorbereitet und welche Alternativen es zu veganem Joghurt und belegten Broten gibt.

 

Folge 89 - Vegan an der Ostsee

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Folge 89 - Vegan an der Ostsee

In dieser Folge

  • berichten wir Dir von unserem Urlaub an der Ostsee,
  • teilen wir unsere drei wichtigsten Erkenntnisse mit Dir und
  • erklären wir Dir, was wir bei unserem nächsten Urlaub anders machen werden.

Diese Folge ist weniger ein Reisebericht, als ein Erfahrungsbericht, wie es uns als vegane Familie an der Ostsee ergangen ist.

Unsere Erwartungen waren hoch, unsere Vorfreude groß und dann kam eben doch alles anders- wie das Leben einmal spielt.

Damit Du Dich auf Deinen nächsten Urlaub besser vorbereiten kannst, wollen wir in dieser Folge unsere Erkenntnisse und Tipps mit Dir teilen.

Vegan an der Ostsee
Vegan an der Ostsee
Vegan an der Ostsee
Vegan an der Ostsee

Folge 88 - Sind Öle ungesund?

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Folge 88 - Sind Öle ungesund?

In dieser Folge

  • dreht sich alles um das Thema Öle
  • erklärt Carsten, was es mit der Forderung "No Oil" auf sich hat und
  • präsentiert Dir Carsten seine Forschungsergebnisse zum Thema Öl

Schon vor einigen Monaten erreichte uns die Hörerfrage, ob Öle eigentlich ungesund seien und Carsten hat darauf hin sofort begonnen zu recherchieren- es hat allerdings etwas gedauert.

Bis heute und nun präsentieren wir Dir Carstens Forschungsergebnisse und weisen gleichzeitig darauf hin, dass weder Carsten noch ich Ernährungsberater*innen sind, wir also auch keine Ernährungsempfehlung geben können.

Was wir hier präsentieren sind lediglich die Ergebnisse zur derzeitigen Datenlage rund um Speiseöle.

Links zur Folge

Veganes Straßenfest Hamburg 2017

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Folge 87 - Veganes Straßenfest Hamburg 2017

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir wie es auf dem veganen Straßenfest in Hamburg war,
  • berichten wir Dir was es zu essen und sehen gab und
  • erkläre ich Dir, warum ich keine O-Töne gesammelt habe...

Das vegane Straßenfest in Hamburg war in diesem Jahr auf dem Spielbudenplatz auf der Reeperbahn- ein toller Ort für diese Veranstaltung.

Ich war dieses Jahr als Gast mit Hamburg vegan erkunden am Stand vom Vunderland mit dabei und habe somit das ganze Geschehen den Tag über betrachten können.

Es gab sehr viel zu essen, ganz viele tolle Gewinne bei der Tombola und eine große Auswahl an Infoständen.

Links zur Folge

Veganes Straßenfest Hamburg
http://veganes-strassenfest.de/

Folge 86 - Happy vegan Baby

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Folge 86 - Happy vegan Baby

In dieser Folge

  • spreche ich mit Melike und Henry über ihre Erfahrungen mit veganer Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit und zu Beginn der Beikost
  • berichten Melike und Henry, wie sie sich vorbereitet und informiert haben und
  • erzählen die beiden wie ihre Ernährung in den verschiedenen Phasen ausgesehen hat.

Auf Hörerwunsch hin habe ich mich auf die Suche nach Eltern gemacht, die mehr Erfahrung mit veganen Babys haben als wir.

Und dankenswerter Weise haben sich Melike und Henry dazu bereit erklärt aus dem veganen Nähkästchen zu plaudern und ihre Erfahrungen mit uns zu teilen.

Auch das Baby kommt manchmal zu Wort - quasi als Beweis für die Expertise von Melike und Henry :-)

Links zur Folge

Edith Gätjen/Markus Keller: Vegane Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost.
https://www.buch7.de/store/product_details/1027309702

Heike Englert: Vegane Ernährung.
https://www.buch7.de/store/product_details/1024643059

Keller/Leitzmann: Vegetarische Ernährung. Gutes Buch, obwohl es auch vegetarische Ernährung betrifft. Viel Wissen drin.
https://www.buch7.de/store/product_details/1021248013

Vegetarisch für Babys. Zwar explizit antivegan aber es sind tolle Breirezepte drin. Das meiste ist vegan :)
https://www.buch7.de/store/product_details/1022447528

Dr. Michael Greger. Englisch. Die beste Seite zur pflanzlichen Ernährung.
https://nutritionfacts.org/

High Five Vegan. Hervorragende Infos auf deutsch. Wissenschaftlich fundiert
http://highfive-vegan.org/

Deutscher Blog zur veganen Ernährung für Familien.
http://www.tofufamily.de/

Carmen Hercegfi. Hamburger Ernährungsberaterin für vegane Familien.
http://www.vegane-familien.de/

Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt über vegane Kinderernährung:
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/vegane-kinderernaehrung-beikost

VEBU zum Thema:
https://vebu.de/fitness-gesundheit/veggie-in-jeder-lebensphase/vegetarisch-vegane-ernaehrung-saeuglinge-kleinkinder/

PETA zum Thema:
http://www.peta.de/veggiekinder#.Wbl0bSOLQy4

Facebook-Gruppe »Vegane Eltern und Kinder ohne Esoterik und co«

Podcast für vegane Familien
http://www.vamily.de/vegan-podcast/

Cronometer. App, mit der man nachvollziehen kann, wie gut man mit allen Nährstoffen versorgt ist. Gibt es auch für Smartphones.
https://cronometer.com/

The Everything Vegan Pregnancy Book. Hilfreiche Infos.
https://www.amazon.com/Everything-Vegan-Pregnancy-Book-pregnancy/dp/144052551X

Vegan Pregnancy Survival Guide. Auch gute und hilfreiche Tipps. Das Kapitel über Plazentophagie kann man aber getrost überspringen.
https://www.amazon.de/Vegan-Pregnancy-Survival-Seyward-Rebhal/dp/0980144035/ref=pd_lpo_sbs_14_t_0?_encoding=UTF8&psc=1&refRID=QK9M7GXE9QZYM780F3KZ

VegMed-Kongress.
http://vegmed.de/

Videos vom VegMed-Kongress 2014 und 2016 auf YouTube.
https://www.youtube.com/channel/UC-5Y9vM6xrdsKfAQSoP34aw

»Vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern«: Vortrag von Dr. Markus Keller beim VegMed 2016
https://www.youtube.com/watch?v=8IfByNioVXo

VeChi-Studie: Studie zur Ernährung von vegetarisch, vegan oder mit Mischkost ernährten Kindern in Deutschland, die zur Zeit durchgeführt wird.
https://www.vechi-studie.de/

Institut für alternative und nachhaltige Ernährung, welches die VeChi-Studie durchführt.
http://ifane.org/

Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung - Vegane Ernährung
http://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/dge-position/vegane-ernaehrung/

Position der American Dietetic Association zu vegetarischer Ernährung (englisch):
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19562864

Deutscher Artikel zur Position der American Dietetic Association (ADA) bei PETA:
http://www.peta.de/ADA#.WbrTWiOLQy4

Vitamin B12-Tropfen von ASmedic:
http://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Beipackzettel/B12-ASmedic-Tropfen-1888039.html

Vitamin B12-Tropfen von Ankermann:
https://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Beipackzettel/B12-ANKERMANN-4972036.html

Vitamin B12-Tabletten (vegan) von Health Aid
https://shop.vitaminwelten.de/Vitaminwelten/Vitamin-B/Vitamin-B12-Cobalamine/Vitamin-B12-1000mcg-100-veg-Tabletten-S-R-HA-vegan::4193.html

Humana SL: Muttermilch-Ersatz auf Basis von Soja. Bis auf das Vitamin D vegan.
https://www.humana.de/de/produkte/detailansicht/sl-sine-lacte-ohne-milch/

Folio Forte: Tabletten mit Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D und Jod. Für Schwangerschaft und Stillzeit.
https://www.steripharm.de/produkte/folio-forte-folio-forte-jodfrei/wirkweise-folio-forte-folio-forte-jodfrei.html

Aiko und Peter über Haiti und Ecuador

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Folge 85 - Aiko und Peter über Haiti und Ecuador

In dieser Folge

  • habe ich erneut Aiko und Peter zu Gast, die erneut von ihrem Projekt "Earthumanimal" berichten,
  • berichten Aiko und Peter was sie in den letzten 3 Monaten erlebt haben und
  • geben Aiko und Peter einen Ausblick darauf, wie ihre Expedition weitergehen wird.

Ende April 2017 sind Aiko und Peter aus Hamburg nach Haiti aufgebrochen, um dort bei einem Aufforstungsprojekt zu volontieren.

Carsten und ich begleiten die beiden Abenteurer seitdem auf ihrer Expedition mit unserem Podcast - ganz virtuell.

Zwischen der letzten Folge und der aktuellen sind nun schon 3 Monate vergangen, in denen allerhand passiert ist.

Aiko und Peter berichten von ihren Erfahrungen, die sie in Haiti gemacht haben und wie sich das Projekt von dem unterscheidet, in dem sie aktuell aushelfen.

Derzeit befinden sich Aiko und Peter in Ecuador und leben seit 3 Wochen Rohvegan. Auch darüber berichten sie in unserem wirklich wunderbar abwechslungsreichen Gespräch.

 

Links zur Folge

Folge 84 - Veganer·innen sind immer schlank

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Folge 84 - Veganer sind immer schlank

In dieser Folge

  • spreche ich mit Gesche Santen über unsere Erfahrungen als nicht-schlanke Veganerinnen
  • plaudern wir über gesellschaftliche Normen und Anforderungen an den Körper einer Frau
  • stellen wir klar, dass es die verschiedensten Gründe geben kann, aus denen frau nicht schlank ist.

Gesche Santen kennst Du schon aus der Folge 74, in der es um vegane Malerei und das Leben auf dem Lande geht.

Bei der Aufnahme des Gesprächs damals hat uns die Technik einen Strich durch die Rechnung gemacht- denn eigentlich habe wir noch über ein drittes Thema gesprochen: Dicke Veganer*innen.

Wenn man den Medien glaubt kann es dicke Veganer*innen gar nicht geben, weil eine vegane Ernährung automatisch schlank macht. Und auch die vegane Szene sieht dicke Veganer*innen als Gefährdung für die Veganisierung der Gesellschaft an.

Ein gutes Vorbild kann nur sein, wer schlank und fit ist - Veganer*innen, die nicht dieser Norm entsprechen schrecken dagegen ab und machen die Mühen der anderen Veganer*innen zunichte.

Dass es nicht "die Dicken" oder "die Veganer" gibt und warum das Gewicht und die Körperform nicht zwangsläufig in Verbindung mit einer veganen Ernährung stehen, darüber und einiges mehr sprechen Gesche und ich in dieser Folge.

Links zur Folge

Transkript (von baerenstark Korrektur gelesen)

Stefanie Herzlich Willkommen zum „einfach vegan“-Podcast mit Carsten und Stefanie. Heute ohne Carsten, dafür mit Gesche.

Intro-Musik

Stefanie Herzlich Willkommen, Gesche .

Gesche Hallo Stefanie. Danke, dass ich wieder zum Gespräch eingeladen wurde. Ich freu mich, hier zu sein.

Stefanie Genau, sehr gerne. Und Gesche kennst du, liebe Hörerin, lieber Hörer schon aus der Folge 74, als wir über vegane Malerei und das Leben auf dem Lande geplaudert haben und da hatten wir eigentlich auch noch ein drittes Thema, aber leider war dann die Qualität nicht mehr so gut und deswegen haben wir beschlossen, dass wir jetzt nochmal eine extra Folge dazu aufnehmen und zwar zu dem Thema, dass „vegan“ immer gleichgesetzt wird mit „schlank“ und dass man sofort abnimmt, wenn man vegan lebt. Ja und darüber wollten wir uns jetzt heute ein wenig unterhalten, nicht wahr, Gesche ?

Gesche Ja.

Stefanie Genau. Wir wollen über unsere Erfahrungen plaudern und ja, möchtest du anfangen?

Gesche Ja, ich kann mich vielleicht einmal kurz nochmal vorstellen für die, die die andere Folge nicht gesehen haben: Ich bin Gesche, ich bin seit 5 oder 6 Jahren Veganerin. Ich hab versucht, an das Datum zu kommen, weiß es aber nicht genau mehr, und bin außerdem das, was die Mode-Industrie als eine Übergröße bezeichnet.

Stefanie Ja, und dazu darf ich mich auch rechnen, also von daher sind wir quasi irgendwie doch Experten.

Gesche Zumindest, was unsere eigene Erfahrung angeht. Das auf jeden Fall.

Stefanie Ja, stimmt genau. Die Vorstellung wollte ich dir auch gar nicht nehmen. Ich hatte irgendwie … Alle müssen einfach schon Folge 74 gehört haben. Das ist einfach so.

Gesche Ja, denke ich auch.

Stefanie Ja, wie sind denn deine Erfahrungen zum Thema „vegan bedeutet immer schlank“.

Gesche Also meine persönliche Erfahrung ist, ich war schon immer kräftig und dann mehr oder weniger „spack“, würde das meine Oma nennen – oder hätte sie genannt, sie ist jetzt verstorben – also ich war schon vor meinem Vegansein kräftig und eine Übergröße und ich bin jetzt immer noch kräftig und eine Übergröße und es hat sich überhaupt nichts getan. Was auch ok war, das war jetzt überhaupt nicht mein Ziel oder so. Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass ich mich nicht so richtig dieser veganen Gemeinschaft zugehörig fühlen kann, weil die Darstellung, also manchmal die Darstellung von anderen und manchmal auch die Selbstinszenierung von der veganen Szene an sich nicht mir entspricht, überhaupt nicht.

Stefanie Ja. Kann ich ganz nachempfinden, ja. Ich hab das auch schon so erlebt, dass ich – also zum einen, weil ich ja bei der Albert-Schweitzer-Stiftung öfter mal da beim Stand aushelfe – dass dann einige von den Damen, die – da sind wenig Herren, also meistens Damen, die da mit mir aushelfen – dann Passanten erzählen, dass sie ja so viel abgenommen haben, seit sie vegan leben und dass es so toll ist. Sie haben so einen straffen Bauch bekommen und das ist alles so klasse und ich steh dann immer daneben und denk mir: „Ja, was soll ich sagen? Bei mir ist es nicht so.“ Also es wirkt nach außen hin schon sehr häufig so, dass vegan immer bedeutet, dass du mindestens zwei Kleidergrößen abnimmst und also quasi instant sportlich wirst, also du wirst es sofort, du musst gar nicht Sport treiben, du bist einfach dann sportlich durch das Vegansein.

Gesche Ja, ich meine, es ist natürlich auch: Was da immer mitschwingt ist dieses: „Dann bist du schlanker und das ist automatisch besser.“ Das ist so eine Bewertung, die da immer mitschwingt, die gar nicht mehr gesagt werden muss. Das ist einfach …

Stefanie … das ist auch dieses „schlank“ gleich „sexy“.

Gesche Ja. Und eine interessante Erfahrung, die ich gemacht habe, was ich einmal ausprobiert habe, also das war kein absichtliches Experiment, das hab ich ausprobiert, weil ich zwischendurch – manchmal hat man ja so Tage, da hat man keine Lust auf Konfrontation, wenn man neu vegan ist und lügt, also in dieser Phase – und dass ich die Erfahrung gemacht habe, wenn man bei so einer Feier ist, also irgendwie von einem Job oder eine größere Familienfeier oder so, am Buffet steht und nur ausgepickt Dinge isst, die Beilagen oder so: Wenn man dann sagt, dass man das macht, weil man auf Diät ist, ist die Reaktion meistens positiv und Leute sagen: „Hey gut für dich und top und viel Glück und Erfolg!“ Und wenn man sagt, dass man Veganerin ist und jetzt das deshalb das nicht mehr isst, wird man im besten Fall ignoriert bis halt ausgelacht und es wird ins Witze-Repertoire gegriffen.

Also das ist faszinierend. Mein Verhalten hat sich praktisch nicht geändert, also mein Verhalten und das, was ich esse, ist dasselbe, aber diese Restriktion von Konsum ist ok, wenn es fürs Abnehmen ist, also für Optik ist, aber nicht ok, wenn ich es für Ethik mache. Das ist die Erfahrung, die ich so gemacht habe. Was ich ganz faszinierend fand.

Stefanie Das ist nämlich auch eine Erfahrung von mir, dass vegan auch mit Diät gleichgesetzt wird. Also jetzt werd ich vegan und dann nehm ich ab. Also auch dieser Fokus auf Abnehmen, also genau das, was du halt gerade sagtest: Ethik ist nicht ok, das ist halt was, was man belächeln kann. Das ist vielleicht auch schwach, aber wenn es darum geht, das Äußere zu formen und den Körper irgendwie toll herzurichten, dann ist es in Ordnung. Vegan ist dann ein Mittel, um das zu machen und dann könnte ich dann eben genauso gut auch Paleo oder was auch immer … Das ist so die neuste Mode oder Clean Eating oder so, also was es halt alles so an Trends gibt. Und dann ist vegan ja auch wieder ein Trend, denn dann hat das eigentlich mit dem, weswegen wir beide das jetzt machen, auch nichts mehr zu tun.

Gesche Ich finde es gut, wenn Leute auch erstmal nur aus Diätgründen vegan sich ernähren, einfach weil ich das Gefühl hab, weil ich glaube, das ist jetzt meine laienhafte Vermutung, dass wenn man erstmal die tierischen Produkte weglässt, so ein bisschen Raum ist für tatsächlich Mitgefühl, was man vorher nicht haben kann, weil sonst müsste man sich ja eingestehen, dass man gerade etwas Furchtbares tut. Also allgemein glaube ich halt schon, dass etwas bringen kann, aber gleichzeitig ist es dieses, dass wenn der Veganismus so auf die Diät und die Ernährung reduziert wird, dass die Leute, glaube ich, auch nicht lange dabei bleiben, das es, wie du gesagt hast, so eine Modeerscheinung ist und dann probiert man halt drei Monate später was anderes aus.

Stefanie Wenn es halt nicht zu dem Ergebnis führt, was man dann möchte, dem Abnehmen, dann würde man es wieder lassen, genau so ist es dann.

Ja, ich hatte auch bei diesen, ich hatte mir das Buch „Ab heute vegan“ von Patrick Bolk also das ein Gemeinschaftswerk von verschiedenen Autoren, als Hörbuch geholt und ich hatte vorhin nochmal versucht, diese Stelle rauszusuchen, aber ich hab es irgendwie jetzt gerade noch nicht gefunden. Jedenfalls hatte er da sinngemäß gesagt, dass es besser ist, erstmal, wenn man ein Vorbild sein will in veganer Ernährung, wirklich sich gesundheitlich zu orientieren und dann vorbildmäßig zu essen und auch auszusehen, als wenn man mit ethischen Argumenten käme, und das fand ich halt ziemlich na ja.

Gesche Oh ja. Das ist ja auch nicht der einzige, weil ich hab nämlich darüber nachgedacht, wann mir das mal über den Weg gelaufen ist, wo ich mich richtig dolle aufgeregt hatte. Ich meine man, es begegnet einem immer unterschwellig, aber wo war mir das so wirklich übern Weg gelaufen? Und das war mir nämlich wieder eingefallen und ich habs nachgeguckt und zwar: Es gibt so eine amerikanische Ärztevereinigung von so veganen Ernährungs-Ärzten, ich müsste jetzt nachschauen wie die heißen, aber der Dr. McDougall, der einem ja häufig über den Weg läuft, wenn es praktisch um Herz, Gesundheit und Veganismus geht oder so, der hat auch mal sowas geschrieben in seiner Email, wie, also frei übersetzt: „Fette Veganer schützen vielleicht Tiere, aber sie sind nicht besonders gut für den Veganismus, weil Nicht-Veganer von ihrem Fettsein so abgelenkt sind, dass sie nicht effektive Advokaten für Tierschutz und Veganismus sein können.“ Das war im Prinzip so seine These.

Stefanie Ja.

Gesche Also da fällt mir auch gar nicht viel zu ein. Nur weil die Welt so schlecht ist, heißt das ja nicht, dass wir uns auf das Niveau setzen müssen.

Stefanie Ja, also genau das ist es nämlich auch, dieses, dass gesagt wird, dass das Äußere eben, dass man dann ein schlechtes Vorbild ist, wenn man eben nicht schlank und gesund aussieht, also man hat dann diesen Norm-Körper nicht, der im Moment als gesund gilt und deswegen lenkt man eben davon ab. Das ist dann eben auch das, was dieser Patrick Bolk schreibt und das ist auch was, was ja von vielen, die halt so im Rampenlicht stehen, den Veganern und Veganerinnen, wie jetzt zum Beispiel Attila Hildmann oder so, der ist ja auch eher so in diesem Fitness-Hype drin … Also ich kenne auch kaum Veganer oder Veganerinnen, die übergewichtig sind und an der Front stehen, also die irgendwelche Kochbücher schreiben oder so, vielleicht außer Jérôme Eckmeier, ich meine, dass der auch ein bisschen kräftiger ist. Aber ansonsten kenne ich echt kaum jemanden. Die meisten sind total schlank. Und dann ist das ja auch das Bild, dass Veganer halt schlank sind. Das wird dann wieder gleichgesetzt. Aber ich denke eben einfach, das denkst du ja wahrscheinlich auch, dass Veganer und Veganerinnen einfach in allen Formen und Größen existieren dürfen.

Gesche Dürfen sowieso und auch grundsätzlich, dass Gewicht und Körperbau viel komplizierter ist als einfach nur das, was du in deinen Mund steckst.

Stefanie Ja, definitiv.

Gesche Ich finde das auch schwierig, darüber zu sprechen, weil … Ich betone zum Beispiel gern, weil auch mir ist das schon ein-/zweimal passiert, dass Leute mich wirklich angesprochen haben und gesagt haben: „Wie du bist vegan, aber du siehst ja gar nicht so aus.“

Stefanie Wie sieht man denn aus, wenn man vegan ist?

Gesche Oder so ganz unmögliche: Ich meine, ich beantworte die Fragen, ich nehme das nicht persönlich, aber das ist ja sehr unhöflich in unserer Gesellschaft, sowas zu sagen: „Du musst ja praktisch noch dicker gewesen sein, wenn das jetzt dein Vegan-Gewicht ist.“ Und ich erzähle dann immer gerne, dass ich halt vorher schon sehr vollkornig gegessen habe. Ich habe vorher schon sehr vollkornig gegessen und dann war die Umstellung zum Veganismus … da war halt kein harter Schnitt, da war kein harter Schnitt von immer Tiefkühlpizza und dann halt keine Tiefkühlpizza mehr. Von daher war das jetzt auch kein Kulturschock für meinen Körper, der hat halt vorher auch schon Grünkohl und Zucchinis bekommen.

Stefanie Ja.

Gesche Aber ich hab halt Schwierigkeiten, darüber zu sprechen, weil gleichzeitig ist es dieses: Ich entspreche nicht dem Klischee von den klassischen Dicken, das die Leute haben. Ich esse halt gerne vollkornig und baue mein eigenes Gemüse an und mache gerne lange Radtouren und Liegestützen etc. Aber gleichzeitig will ich auch immer einfügen: Aber es ist auch völlig ok, diesem Klischee zu entsprechen. Das ist nicht schlimm, da ist keine negative Wertung dahinter, darum fällt es mir manchmal schwer, darüber zu sprechen, weil ich gleichzeitig halt nicht das andere schlecht dastehen lassen möchte.

Stefanie Aber ich denke auch, es gibt einfach nicht „die Dicken“, genauso wenig wie „die Russen“. Man kann das nicht so vereinheitlichen. Es gibt auch nicht „die Veganer oder Veganerinnen“, sondern es gibt einfach ganz viele Individuen und manche ernähren sich eben vegan und manche nicht und manche sind halt etwas kräftiger und andere nicht. Also es gibt ja durchaus auch dann Frauen oder Männer, die sehr dünn sind, eigentlich gar nicht so dünn sein wollen, also so das extrem gibt es ja auch.

Gesche Was auch interessant ist: Wie sehr einfach diese Wahrnehmung, worüber wir gesprochen haben, dass gesagt wird, wir sind schlechte Vorbilder, und wir sind dann nicht gut um den Veganismus zu verbreiten, weil wir halt irgendwie ungesund aussehen und dem Veganismus kein gutes Image verleihen. Also das kann man ja grundsätzlich in Frage stellen, warum nicht auch „ein guter Mensch sein“ nicht irgendwie ein gutes Image verbreitet. Aber grundsätzlich ist das ja auch so gesellschaftlich geprägt, also noch vor zwei Generationen hätte nie jemand gesagt, dass ich ungesund aussehe.

Stefanie Ja, genau. Das das ist definitiv ein Gesellschaftsphänomen, ja.

Gesche Ich hab halt immer die Erfahrungen in Deutschland und mein Mann ist Franzose in Frankreich. Ich bin in Frankreich auch vor allen Dingen mehr so im ländlichen Süden unterwegs und selten jetzt in der Pariser Innenstadt, aber in Deutschland ist der Veganismus schon verbreiteter, da ist die Erwartung „Veganer müssen halt schlank sein.“ und in Frankreich ist die Erfahrung, die ich mache, eher so: „Ist ja klar, dass ich aussehe, wie ich aussehe, ich ess halt einfach zu viel Brot und Kohlenhydrate.“ Also für die ist das praktisch ja kein Wunder.

Die haben dieselben Informationen, kommen aber zu völlig anderen Ergebnissen, weil das einfach nur kulturell geprägt ist und nichts mit der Realität oder der Wahrheit in irgendeiner Form zu tun hat.

Stefanie Ja, das ist auch spannend, jetzt hast du zumindest eine Lösung: Hör auf, Brot zu essen, und schon hörts auf.

Gesche Ich ess halt immer in Frankreich so viel Brot, weil es ja nix anderes gibt. Außer dem Salat mit der Vinaigrette und das Brot, von daher.

Stefanie Aber gut, dann verschiebst du eigentlich auch die Wahrnehmung, die denken du isst immer so viel Brot und dann …

Also was bei mir ja eben der Fall ist ja, dass ich ja auch emotional esse, dass es also jetzt auch nicht unbedingt so ist, dass ich schon immer irgendwie übergewichtig war, sondern einfach dass es irgendwo auch psychisch ist. Und das ist ja dann auch wieder nochmal ein extra Fall, sag ich mal, dass ist ja eine Form von Sucht sozusagen, dass ich essen muss. Das ist jetzt auch wieder nicht so „alle Dicken“ und so, sondern es gibt eine ganze Bandbreite, wie das halt zustande kommt, dass jetzt der Körper tatsächlich so aussieht, wie er aussieht.

Und ja, bei mir war es eben ja auch so: Ich war erst Vegetarierin und dann, als ich vegan geworden bin, es hat sich einfach nichts geändert: Es gibt halt genauso gut auch vegane Süßigkeiten, die kann ich genauso gut weiter essen, ich kann das 1 zu 1 ersetzen, das Essverhalten. Also ich weiß, woran es bei mir liegt, aber es hat nichts mit vegan sein zu tun. Also es gibt veganes Fastfood, du sagst du isst gern vollkornig, ich hatte als Kind Neurodermitis und dann hat meine Mutter uns alle auf Vollkorn gesetzt, und dann konnte ich irgendwann kein Vollkorn mehr sehen. Aber es war damals ja auch noch so ein bisschen krasser, diese ganze Vollkorn-Szene.

Gesche Wir hatten auch schon: Meine Mutter hat, von wo auch immer sie das bestellt hat, gab ja kein Internet, so eine riesige Tonne mit Vollkorn-Spirelli. Ich hab praktisch meine ganze Kindheit aus einer 20-Kilo-Tonne Vollkorn-Spirelli gegessen. Das kam nur bei anderen Kindern nicht so gut an, muss ich sagen.

Stefanie Ja, meine Mutter hat mal so ein Tiramisu gemacht, und da gehörten ja eigentlich diese Löffelbiskuit rein und dann hat sie ja da irgendwelche Vollkorn-Kekse oder irgendwas reingetan, irgendwas das also echt schlimm geschmeckt hat und mir war das so peinlich damals, aber sie wollte halt dieses Vollkorn.

Gesche Wir lachen immer noch darüber, dass dann tatsächlich ein Kind von meinem Kindergeburtstag nach Hause ist und zu seiner Mutter gesagt hat: „Bei Santens gab es dreckige Nudeln.“

Stefanie Weil sie nicht weiß waren?

Gesche Ja, ja. Es ist auch ein bisschen: Ich backe zumindest nicht so vollkornig. Ich meine, meine Mutter hatte sicherlich auch recht und das war alles gesünder für uns. Und sie hatte quasi das klassische Doktor Oetker Backbuch, hat das Rezept genommen und hat das Mehl, „das geht auf hundert Prozent Dinkel Vollkorn, und der Zucker, der kann auch geviertelt werden“, und so. Und ich meine es hat mir trotzdem geschmeckt, wenn man nichts anderes gewohnt ist. Aber ja, du hast recht, es gibt halt unterschiedliche Gründe und man kann auch immer in die Menschen nicht reingucken.

Stefanie Genau.

Gesche Und weiß es vorher nicht. Auch wenn einem das immer eingeredet wird, dass das geht, kann von außen auch nicht sehen, ob sie gesund sind oder nicht gesund sind. Und wie gesagt, dass auch die Gleichung nicht so einfach ist, mit dem „das, was du isst, so sieht dein Körper auch aus“, dass da so viel mehr reinspielt. Also ich hab tatsächlich zwischendurch, ich kann mich genau daran erinnern, dass ich, als ich da zum ersten Mal in einem veganen Laden war, in Münster und zum ersten Mal mir vegane Süßigkeiten und Schokolade gekauft habe. Ich hab halt zwischendurch wirklich 2 oder 3 Jahre praktisch keine fertige Süßigkeit gegessen. Ich hab dann öfter mal am Wochenende Muffins zu Hause gebacken, aber ich war auf dem Land, ich hatte kein Geld. Und es war halt noch nicht so verbreitet, so 2013, da gab es halt noch nicht in jedem Rewe so vegane Schokolade oder sowas oder Kekse. Also ich habe praktisch 2 bis 3 Jahre nichts, was sowas dem Twix oder so entspricht gegessen oder einen Berliner vom Bäcker und das hat trotzdem nichts daran geändert an mir. Es war sicherlich gesünder als jetzt, wo ich Kekse essen kann, die ich im Supermarkt kaufe. Aber es hat ja nichts an meiner Optik geändert und ja auch nichts an meinem Veganismus.

Stefanie Ja, das eine hat einfach mit dem anderen nichts zu tun. Das ist dann wirklich einfach diese Erwartung, dass vegan so sein muss: „Veganer sind immer schlank, das ist halt so“, so wie – mir fällt gerade gar kein Pendant dazu ein – „Frösche sind immer grün“, keine Ahnung. Selbst das stimmt nicht, manche sind auch eher braun oder so. Ja, es ist wirklich dieses, dass man da nicht reingucken kann, was du gerade sagtest, das stimmt auch. Also man hat dieses Bild: „Das sind diese Dicken da und die sind halt selber schuld, die sind nicht diszipliniert genug, die achten nicht genug darauf, was sie essen und wenn sie sich ein bisschen disziplinieren würden, dann würden sie schon abnehmen.“ Also so irgendwie so dieses Bild. Aber dass es eben verschiedenste Gründe geben kann, weswegen es einem einfach nicht möglich ist abzunehmen, das wird dann ausgeblendet. „Disziplin! Und dann wird es schon gehen.“

Gesche Ja, es ist tatsächlich auch sehr verbreitet, das ist ja nicht nur in der veganen Szene so, ob jetzt Laien-Veganer oder professionelle Veganer, sag ich mal. Also meine persönliche Erfahrung ist auch: Ich hatte halt sehr lange chronische Schmerzen und war auch unter anderem dann bei so einer Ernährungsberaterin, bei den Gastroenterologen war auch so eine Ernährungsberaterin und ich musste Tagebuch führen und so eine Reduktions-Diät machen, also ein paar Tage nur Reis und Kartoffeln essen und dann Dinge wieder einführen und hab das gemacht, hab da der Tagebuch darüber geführt und die Frau hat am Ende der zwei Wochen zu mir gesagt, dass ich gelogen haben muss, weil wenn ich so gegessen hätte, dann hätte ich ja abgenommen. Also ich mag jetzt nicht profan werden, aber ich habe da profane Dinge gedacht, bin gegangen, nie wieder hin und hab diese Praxis nie wieder um Hilfe bei meinem chronischen Schmerzen gebeten.

Stefanie Da kann man dir das noch hoch anrechnen, dass du das nur gedacht hast und nicht gesagt hast.

Gesche Das ist ja immer das Ding, wenn man lange genug krank ist, fehlt einem die Kraft. Da schlumpft man dann halt nach Hause und regt sich später auf.

Stefanie Es ist auch diese fehlende Sensibilität vielleicht auch, also jetzt von Seiten der anderen. Von denen die einen dann halt schief angucken, weil man eben nicht dieser Norm entspricht. Und eben auch, dass vielleicht eine Ernährungsberaterin nur in diese eine Richtung denkt und nicht dann ganzheitlich denkt, dass es verschiedene Aspekte geben könnte.

Gesche Naja, und dazu kommt da auch das andere noch, dass einem auch immer gerne unterstellt wird, dass man das ja ändern wollen würde. Also ich finde es ok, wenn man abnehmen möchte oder wenn man in irgendeiner anderen Form sein Essen umstellen möchte, um gesünder zu werden oder abzunehmen oder so. Aber einen wird halt immer unterstellt, dass man das auf jeden Fall möchte und das auch mein Ziel ist. Und es ist auf meiner Prio-Liste so weit unten. Was auch daran liegt möglicherweise bei mir, dass es letztendlich so ist: Auch in meinen schlankesten und fittesten Zeiten, wo ich praktisch keinen Speck am Bauch hatte und so, trug ich schon Übergröße, was halt als Übergröße bezeichnet wurde, und hatte schon Leute, die mir sagten, dass ich zu dick wäre, einfach weil ich so viel Raum einnehme. Ich hab halt immer eine Hüfte, die breiter ist als eine 44, egal was ich tue, von daher hat sich da so eine Trotzhaltung eingestellt. Das ist halt auf meiner Prio-Liste überhaupt nicht in den Top Ten, aber die Leute unterstellen einem das immer.

Stefanie Ja, das stimmt, das ist halt so ein: „Es muss doch sein, dass du schlank sein willst!“, also schlank im Sinne …

Gesche Und ist ja auch schade, dass ist auch interessant, dieses: „Mensch, Gesche, du isst so gesund und dann fährst du auch noch so viel Rad, das ist ja echt unfair!“ So, als hätte ich das praktisch verdient, als wäre das dann meine Belohnung am Ende des Tages, das Schlank-Sein, weil das das Ziel ist, was ich haben muss.

Stefanie Stimmt, jetzt wo du das so sagst, das ist wirklich ganz tief in der Gesellschaft drin, so ein: „Das kann ja nicht sein, dass man sich mit so einem Körper wohlfühlen kann.“

Gesche Ja und auch: „Das Dick-Sein ist das Schlimmste, was man …“ – und das kam halt auch in meiner Erziehung nicht vor. Da muss ich sagen, meine Eltern haben mich vielleicht anderweitig vermurkst, aber da haben sie viel richtig gemacht. Dass wir in einer Welt leben, wo „Du bist dick!“ eine schlimmere Beleidigung ist als „Du bist doof!“, ist mir immer noch ein Rätsel. Dass halt auch, wenn ich mich selber als dick bezeichne, viele Leute sagen: „Aber nein, Gesche , du bist halt noch nicht richtig dick.“ Vernünftig dick fängt halt erst später an.

Stefanie Du darfst noch nicht einmal dick sein.

Gesche Einfach, weil das das Schlimmste ist, was man über sich sagen kann. Deshalb wollen die einen in Schutz nehmen, also wirklich Freundinnen, die einen Schutz nehmen wollen.

Stefanie Ok, das ist dann, weil man dick als Schimpfwort empfindet.

Gesche Ja, wo man halt sieht: Das ist irgendwie ein gesamtgesellschaftliches Problem und im Veganismus kristallisiert sich das so raus, dass sie dann halt denken, sie müssen dir das Schlanksein betonen in der Werbung, weil sie so Leute überzeugen.

Stefanie Das ist das Gesundheits-Phänomen: Sobald du vegan lebst, bist du nie wieder krank, schlank und für immer fit und wahrscheinlich wirst du noch 200 Jahre alt.

Gesche Und hast weniger Falten als deine Schwester.

Stefanie Ja, das stimmt. Also gut, das sind jetzt quasi 2 Themen. Das Dick-Sein ist natürlich auch unabhängig vom Vegan-Sein ein Thema, aber ich finde, dass es wichtig ist, dass wir darüber sprechen, weil es ja sicherlich nicht nur uns beide betrifft, sondern bestimmt auch noch andere. Ich weiß nicht, ob es viele Männer gibt, aber eben auch andere Frauen und Männer, sagen wir mal, die es betreffen kann und die sich vielleicht auch unwohl fühlen durch das, was die Gesellschaft sagt und was eben von ihnen verlangt wird als Veganer oder Veganerin.

Gesche Ja, und die vielleicht auch einfach abgeschreckt sind. Ich meine, ich bin immer abgeschreckt, an Gemeinschaft teilzunehmen, das hat was mit mir zu tun, nicht mit Veganismus. Aber dass es einfach auch Menschen gibt, die abgeschreckt sind allgemein an veganer Gemeinschaft im weitesten Sinne teilzunehmen, weil sie das Gefühl haben, dass sie den Maßstäben nicht entsprechen, die da an ihnen gesetzt werden. Und das ist ja schade, weil eine Gemeinschaft wächst ja, also die bekommt ja Stärke durch Vielfalt. Und wenn man sich so reduziert auf ein Image, dann würde ich sagen, schadet das eher, als dass es hilft.

Stefanie Also ich denke auch. Die Colleen Patrick-Goudreau, die macht ja auch einen Podcast schon seit 11 Jahren, eine Amerikanerin, zu veganem Leben und die hatte eine Folge „The Shame of Overweight Vegans“, ich hatte das erst als Video gesehen und sie hat das aber in einer Podcast-Folge auch drin. Und da ist sie angeschrieben worden von einer Veganerin, die eben sich selbst als übergewichtig empfindet und die genau das auch geschildert hatte, was du geschildert hast, dass sie eben auf einer Party oder irgendwo angesprochen wurde, „Wie kann das denn sein, dass du vegan lebst? Du siehst ja gar nicht so aus!“, und sie hat – gut, die Colleen ist ja sehr schlank und so – aber hat trotzdem eben halt darüber gesprochen, dass es genau das ist, sie sagt: „Vegans come in all sizes and all colors …“ und also wirklich alles und ich finde auch, das ist es halt, dass diese Vielfalt … Also man kann einfach nicht die Veganen auf irgendwie ein Format reduzieren, also so, „die sind jetzt alle 1,70 groß und blond und höchstens 60 Kilo“ oder so. Und durchtrainiert …

Gesche Ich finde es schwierig, je nach meiner Tageslaune finde ich es halt entweder einfach nur schwierig bis verwerflich, wenn Veganer-Outreach-Programme halt auf diesen Zug, der durch unsere Gesellschaft fährt, „Fit und schlank ist das beste und das höchste Ziel, was man haben kann“ aufspringen, nur, weil es halt gerade funktioniert. Also dass das praktisch immer das erste Argument ist.

Stefanie Ja, ich meine auch, dass da so eine Werbung war, aber ich kann mich jetzt grad nicht mehr dran erinnern.

Gesche Mir ist halt keine deutsche Werbung eingefallen und ich weiß halt wirklich nicht, ob es keine deutsche Peta Werbung gab zu dem Thema – also ich meine die Peta Werbungen sind halt häufig recht sexy bis sexistisch und in diesem Bereich bewegen die sich – aber es gab halt diese amerikanische Werbung, wo eine dicke Frau von hinten fotografiert wurde und es stand sowas wie „Rettet die Wale, werdet vegan“ [englischer Slogan: „Save The Whales, Lose The Blubber: Go Vegetarian.“, siehe z.B. hier: https://degradationofwomen.weebly.com/save-the-whales--lose-the-blubber-go-vegetarian.html] oder so. Wahrscheinlich, wenn man „fat vegan“ googlet, würde man das Bild in der Bildersuche finden oder so, ich hab das jetzt nicht ausprobiert, aber ich weiß, dass es das gab.

Ich meine, ich kann mich noch daran erinnern – das war letztes Jahr oder vorletztes Jahr, glaube ich zumindest, also relativ zeitnah – dass es diese Plakat-Reihe gab, von dem Strongman Patrik Baboumian – ich hoffe, ich hab jetzt jeden Vokal und Konsonanten richtig im Nachnamen – also das Plakat fand ich halt richtig gut, das hat mir so gut gefallen, da war einfach nur er drauf mit gekreuzten Armen mit Basilikum, glaube ich, im Mund, da stand „Pflanzenfresser“ drauf. Also mich hat das sehr angesprochen, einfach weil der Veganismus halt auch über irgendwie Stärke oder „du kannst was schaffen“ definiert wurde. Aber vielleicht war die insgesamt völlig nicht erfolgreich und kam nicht an beim Durchschnitt der Bevölkerung. Das kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber es geht auf jeden Fall anders.

Stefanie Hier in Hamburg ist auch ein Fotograf, der hat sich so einen extremen Künstlernamen gegeben, Stefano Vicinoadio oder so ähnlich, und der hat so ein Projekt gestartet, „ten thousand faces“, wo er dann also wirklich alle Veganer fotografiert, die ihm vor die Kamera kommen. Und der ist auch ein bisschen kräftiger und alles. Der versucht halt auch, diese Vielfalt zu fotografieren, aber eben auch nur die Gesichter.

Gesche Gut, also es gibt sie, aber sie wird nicht repräsentiert. Fassen wir das so zusammen.

Stefanie Ja, also im Grunde geht es ja wirklich darum, dass wir zum einen uns stark machen für starke Frauen. Also natürlich haben auch schlanke Frauen ihre Berechtigung. Also es gibt ja auch natürlich schlanke Frauen, die einfach so sind und genau so gibt es eben auch natürlich dicke Frauen. Also dass es einfach sein darf, dass Veganerinnen und Veganer in allen Formen und Größen da sein dürfen.

Also eigentlich also wir haben über unsere Erfahrungen gesprochen. Ja also ich bedanke mich auf jeden Fall ganz herzlich bei dir, Gesche , dass du mit mir über dieses Thema gesprochen hast und dass wir dieses Thema dann eben auch unseren Hörern und Hörerinnen näherbringen können. Und freue mich, dass du wieder dabei warst, ja.

Gesche Danke und bitte und hab ich gerne gemacht.

Stefanie Und dann bedanke ich mich jetzt auch nochmal ganz herzlich bei allen Hörern und Hörerinnen, die so viele tolle itunes-Rezensionen schon hinterlassen haben. Das sind nämlich jetzt schon 12 Stück und dann bin ich ja ganz glücklich, zwölf 5-Sterne-Bewertungen, und ich bedanke mich auch bei allen, die uns jetzt bei steady unterstützen und allen die uns Emails schreiben und allen, die uns hören, die Download-Zahlen steigen, das ist ganz klasse! Also ein herzliches Dankeschön! Und beim nächsten Mal ist vielleicht Carsten auch wieder mit dabei, aber das war jetzt einfach ein Thema, da kann Carsten nicht mitreden, also das ist einfach etwas für uns Frauen. Dann würde ich sagen: In diesem Sinne: In Hamburg sagt man Tschüss und auf Wiederhören.

Outro-Musik

Stefanie Möchtest du auch noch Tschüss sagen?

Gesche Tschüss!

Stefanie Ich winke nochmal ins Mikro. Adieu!

Im Gespräch mit Ilona und Marek

Ein Beitrag

Folge 83 - Im Gespräch mit Ilona Koglin und Marek Rohde

In dieser Folge

  • spricht Carsten mit Ilona und Marek von der Initiative "Und jetzt retten WIR die Welt!"
  • erzählen Ilona und Marek wie es zu der Initiative kam und
  • erklären Ilona und Marek wie jede*r von uns zum*r Weltretter*in werden kann

Ich habe Ilona beim Kick-Further-Treffen der Wandelwoche Hamburg kennengelernt - ihr Buch kannte ich schon länger. Damals haben wir besprochen, dass ich sie für den Podcast interviewen darf.

Carsten hat dann vor kurzem noch einen Workshop von Ilona und Marek besucht und somit beide vorab kennengelernt.

Das Interview hat aus Krankheitsgründen dann doch Carsten allein geführt und leider fehlen am Ende etwa 10 Minuten, so dass ich mich auch noch einbringen konnte... :-)

Ilona und Marek haben Großes auf die Beine gestellt und noch ganz viele tolle Sachen vor. Sie haben so vieles schon umgesetzt und immer wieder bewiesen, dass jede*r Einzelne von uns die Macht hat etwas zu bewirken.

Und das tollste ist: Du kannst mitmachen! Hör Dir das Interview an und dann leg los... :-)

Links zur Folge

Und jetzt retten WIR die Welt
https://jetztrettenwirdiewelt.de/

Für eine bessere Welt
https://www.fuereinebesserewelt.info

Und jetzt retten WIR die Welt - das Buch
https://www.buch7.de/store/product_details/1026738409

Die Banalität der Tierfabriken

Ein Beitrag

Folge 82 - Die Banalität der Tierfabriken

In dieser Folge

  • spreche ich mit Carsten über sein Fotoprojekt, mit dem er die Banalität der Tierfabriken dokumentieren will,
  • erzählt Carsten, wie er auf diese Idee gekommen ist und
  • berichtet Carsten von den Herausforderungen vor denen er steht.

Seit ich vegan lebe, nehme ich meine Umgebung viel bewusster wahr. Vor allem die Fahrten aus Hamburg raus über das Land fallen mir mittlerweile schwer, weil ich überall diese Ställe sehen.

Große und kleine ziehen an mir vorbei. Hinter ihren Wänden befinden sich Schweine, Hühner, Puten - ich kann die Ställe immer noch nicht unterscheiden.

Seit ich vegan lebe ist mir das Leid noch einmal viel bewusster und damit unerträglicher geworden. Die Abstumpfung der Jahre in denen ich vegetarisch gelebt habe, ist auf einmal verschwunden.

Nur Kühe haben offenere Ställe, in die man hineinschauen kann. Und manchmal stehen auch Kühe auf der Weide.

Aber Schweine habe ich noch nie draußen gesehen. Nur im Streichelzoo oder auf Vorführ-Biohöfen.

Ist das nicht merkwürdig? Wo wir doch so viel Schweinefleisch essen? Und es doch auch definitiv so viele Schweine gibt?

Was ist das Schönste am veganen Leben?

Ein Beitrag

Folge 81 - Was ist das Schönste am veganen Leben?

In dieser Folge

  • beantworten und lassen wir die Frage "Was ist das Schönste am veganen Leben?" beantworten, denn es gibt mal wieder O-Töne...
  • fassen wir uns kurz und lassen die vielen Veganer*innen zu Wort kommen, die sich vors Mikro getraut haben,
  • erfährst Du was für andere Veganer*innen das Schönste am veganen Leben ist.

Wie Du schon weißt, habe ich viele Veganer*innen verschiedene Fragen gestellt und "Was ist für Dich das schönste am veganen Leben?" ist nun die letzte Frage, zu der ich Antworten gesammelt habe.

Ich möchte mich auf diesem Weg noch einmal ganz herzlich bei allen Veganer*innen bedanken, die mir die Fragen beantwortet haben.

Es ist so wertvoll ein breites Spektrum an Meinungen präsentieren zu können, denn wir wissen nie, welche Aussage nun gerade in uns eine Saite zum Klingen bringt, die uns ein erfüllteres Leben schenkt.

Und so wünsche ich Dir nun viel Spaß mit dieser durchweg positiven Folge... :-)

Folge 80 - Im Gespräch mit Daniel Mettke

Ein Beitrag

Folge 80 - Im Gespräch mit Daniel Mettke

In dieser Folge

  • freue ich mich sehr Daniel Mettke, den Geschäftsführer vom biozyklisch-veganen Verein als Gast zu haben,
  • spreche ich mit Daniel über die Grundlagen des bioveganen Anbaus und
  • reden wir über die Möglichkeiten, die wir Verbraucher haben, um den bioveganen Anbau zu unterstützen.

Jeder der sich länger mit dem Thema "vegan" beschäftigt, stößt unweigerlich auf die Anbaubedingungen von Obst und Gemüse.

Im Grunde ist selbst unsere pflanzenbasierte Ernährung nicht vegan, weil sie unter Einsatz von tierlichem Dünger angebaut wird.

Eine Lösung für dieses Problem ist die bio-vegane Landwirtschaft. In Deutschland ist sie noch nicht weit verbreitet, doch die Nachfrage steigt und wir können dabei tatkräftig mithelfen.

Sei es, dass wir als Verbraucher aktiv die Landwirte, die Ladeninhaber oder die Ständebetreiber auf dem Wochenmarkt ansprechen oder uns an einer bio-veganen SoLaWi beteiligen oder gar selbst eine gründen: die Möglichkeiten sind da! Packen wir es an.

Links zur Folge

Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.
http://biozyklisch-vegan.de/

Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. auf Facebook
https://www.facebook.com/BIO.VEG.AN.Verein/

Deutschsprachiges Erklär-Video zu bio-veganer Landwirtschaft
https://www.youtube.com/watch?v=n_irFCDD8Eo

Allgemeines zum bioveganen Landbau
https://vebu.de/tiere-umwelt/umweltbelastung-durch-fleischkonsum/bioveganer-landbau/

Übersicht der bioveganen Höfe
https://vebu.de/tiere-umwelt/umweltbelastung-durch-fleischkonsum/bioveganer-landbau/veggiefreundliche-landwirtschaft/

SoLaWi Wildwuchs in Hannover
http://www.solawi-wildwuchs.de/

Bio-vegane SoLaWi Rhein-Main im Aufbau
http://www.biovegane-solawi-rheinmain.de/ueber-uns/

Bio-Veganes Netzwerk
http://biovegan.org/

Buchtipp: "Peaceful Gardening" von Susanne Heine
https://www.buch7.de/store/product_details/1023104257

Zwei Videos zum Thema "bio-vegane Landwirtschaft" (Englisch mit deutschen Untertiteln)
https://www.youtube.com/watch?v=DWDznkdUjb0
https://www.youtube.com/watch?v=eP9pUtVljP0

Folge 79 - Vegan Grillen

Ein Beitrag

Folge 79 - Vegan Grillen

In dieser Folge

  • fassen wir uns kurz und lassen die eigentlichen Experten sprechen,
  • reden wir über Carstens neustes Grillerlebnis und
  • präsentieren wir Dir eine Sammlung von Tipps zum Thema Grillen.

Diese Folge ist aus einer Hörerfrage entstanden und weil Carsten und ich eigentlich gar nicht grillen, habe ich mich auf den Weg gemacht und viele Veganer*innen danach gefragt, was sie am liebsten auf den Grill legen.

Entstanden ist ein Potpourri an Tipps, das Dich für Deine nächste Grillparty mehr als inspirieren wird.

Dass hier eine Firma ganz besonders oft genannt wurde, liegt daran, dass ich mehrere Mitglieder einer bestimmten Gruppe nacheinander befragt habe, die alle schon in den Genuß des genannten Produkts gekommen und sehr begeistert waren (und wahrscheinlich noch sind).

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein leckeres und vielfältiges Grillfest :-)

Links zur Folge

Sojasteaks von Feinkost Meißner
https://www.feinkost-meissner.de/shop/

Tipps zum veganen Grillen von PETA
http://www.peta.de/vegangrillen

Der vegane Grill-Guide von der Albert Schweitzer Stiftung
https://vegan-taste-week.de/grill-guide

Tipps zum Grillen von der Albert Schweitzer Stiftung
https://vegan-taste-week.de/tipps-vegane-gartenparty

Folge 78 - Wie streng vegan bist Du?

Ein Beitrag

Folge 78 - Wie streng vegan bist Du?

In dieser Folge

  • sprechen Carsten und ich nur ganz wenig und lassen dafür andere Veganer*innen zu Wort kommen,
  • erzählen wir Dir, wo unsere persönliche Grenze im Bezug auf das vegane Leben liegt,
  • gibt es sage und schreibe fast 33 Minuten O-Töne zu diesem Thema.

In den letzten Wochen war ich sehr aktiv und habe zu verschiedenen Gelegenheiten Veganer*innen unter anderem die Frage "Wo ziehst Du Deine persönliche Grenze im Bezug auf das vegane Leben?" gestellt.

Ich bin sehr glücklich, dass ich nun eine große Anzahl an Antworten sammeln konnte und hoffe, dass ich Dir damit einen breiten Überblick über die "Grenzerfahrungen" von Veganer*innen bieten kann.

Die Interviewten sind nicht nur Aktivisten, sondern auch Passanten, die ich auf zwei verschiedenen Straßenfesten in Hamburg angesprochen habe.

Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt!

Folge 77 - Anti Vegan Hetze

Ein Beitrag

Folge 77 - Anti Vegan Hetze

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir von drei Anti-Vegan-Büchern, die wir in letzter Zeit gelesen haben,
  • berichten wir Dir über die Argumente, die die Autoren verwenden, um gegen Veganer*innen ins Feld zu ziehen und
  • erklären wir Dir, warum Du diese Bücher auf keinen Fall zu lesen brauchst.

Vielleicht hast Du es auch schon mal erlebt: Du entdeckst bei Bekannten oder Verwandten ein eindeutig Vegan-Feindliches Buch und fragst Dich, warum es dort liegt, was Dein Gegenüber dazu bewogen hat es zu kaufen, ob Du jetzt gleich mit Anti-Vegan-Argumenten beschossen wirst...

Uns ging es so und wir haben uns das Buch gleich ausgeliehen um etwaige Argumente entkräften zu können.

Das eine Buch hat uns zu zwei weiteren Büchern geführt und dann zu dieser Podcastfolge, denn wir wollen vermeiden, dass Du in die gleiche Schleife gerätst wie wir.

Um es kurz zu machen: alle drei Bücher und die Gedanken, die wir uns deshalb gemacht haben, waren reine Zeitverschwendung.

Damit Du aber gewappnet bist, wenn Du in eine ähnliche Situation gerätst wie wir, haben wir unsere Erfahrungen in dieser Podcastfolge aufgenommen und sie durch O-Töne vieler Veganer*innen zu der Frage "Was machst Du, wenn Dir alles zu viel wird?" ergänzt.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Hanna B.)

Carsten Also ich habe jetzt wirklich die Schnauze voll von diesem ganzen Vegankrams. Ich habe mich da mal schlau gemacht und ich muss ehrlich sagen, ich bin die paar Jahre, die wir das jetzt machen, eigentlich völlig in die falsche Richtung gelaufen. Das ist totaler Unfug, habe ich festgestellt.

Stefanie Ja und da ich ja alles mache, was du sagst, folge ich dir jetzt also.

Carsten Ja, also Schluss mit lustig. Jetzt wird hier wieder richtig Fleisch gegessen.

Stefanie Genau. Weil ich das das letzte Mal vor knapp 23 Jahren gemacht habe.

Carsten Ja, das ist egal. Wir wissen es jetzt besser. Wir haben uns schlau gemacht. Wir haben die richtigen Bücher gelesen.

Stefanie Wir wissen Bescheid.

Carsten Wir wissen jetzt Bescheid. Genau.

Stefanie Genau und auch du weißt wahrscheinlich jetzt Bescheid, worum es geht. Denn wir haben tatsächlich Bücher gelesen bzw. Carsten hat die gelesen und ich habe mir das nicht angetan.

Carsten Doch, das erste hast du.

Stefanie Nein, ich habe das nicht richtig gelesen. Ich habe da nur quergelesen und das hat mich jedes Mal aufgeregt, was ich da drin gelesen habe. Deswegen habe ich es dann wieder weggelegt und dann hat es so eine komische Faszination entwickelt, dass ich immer mal wieder da durchgeblättert habe und gelesen habe und mir gedacht habe das kann nicht wahr sein, das kann nicht wahr sein, das kann nicht wahr sein. Dann habe ich es wieder weggelegt und dann habe ich wieder danach gekramt. Also wir wollen jetzt eigentlich gar nicht die Titel nennen, oder?

Carsten Doch, wir müssen sie nennen. Aber ich möchte die Bücher jetzt nicht rezensieren.

Stefanie Genau. Wir nennen sie jetzt nur, aber wir verlinken sie nicht. Ist das gut?

Carsten Genau, das ist gut.

Stefanie Wir wollen den Autoren keine Bühne geben hier. Wir möchten die einfach damit nicht noch größer machen.

Carsten Oder mehr Publicity geben. Und im Endeffekt geht es auch nur darum, einfach mal ein bisschen von unserer Seite zu erklären oder zu erzählen. Wie geht man denn damit um, wenn man mit dieser Anti Vegan Hetze konfrontiert wird? Und wir haben es halt ganz bewusst gemacht. Ich habe es sehr intensiv gemacht, dass ich mir wirklich diese Bücher von vorne bis hinten durchgelesen habe, um einfach mal zu verstehen, was sind denn das für Argumente? Was sind das auch für Menschen, die dahinterstehen und zu was für Schlussfolgerungen kommen die und gut den Ratschlag, den haben wir ja vorhin schon wieder…

Stefanie Also eigentlich sind die alle bei Paleo gelandet oder? Propagieren die nicht jetzt alle Steinzeitdiät?

Carsten Ja, prinzipiell schon. Das ist so meine… das, was ich da mitgenommen habe. Ja, aber über was reden wir jetzt eigentlich? Also es sind drei Bücher.

Stefanie Genau. Also wir müssen ja auch dazu sagen, wir haben das erste Buch „Veggiewahn“ von Ulrich Neumeister haben wir bei einem näheren Bekannten liegen sehen und waren dann etwas entsetzt, dass das da lag und sind dann schnell in die Zentralbibliothek gelaufen und haben uns das ausgeliehen, um gewappnet zu sein, falls wir da irgendwelche Argumente hören, die aus diesem Buch stammen. Man muss sich ja dann informieren.

Carsten Falls uns dieser Bekannte dann konfrontiert mit seinem Faktenwissen und was er sich dann angeeignet hat.

Stefanie Dass wir wissen, was zu tun ist. Und das ist bisher nicht passiert. Das ist ja jetzt auch schon länger her.

Carsten Und selbst wenn es passiert wäre, hätte ich gar kein Problem gehabt, da entgegenzutreten. Ich hätte mir das Buch sparen können.

Stefanie Ja, und das Problem mit sowas ist ja, dass man sich dann da so reinsteigert. Und wir jetzt zumindest haben dann den Ulrich Neumeister gestartpaged. Also im Internet gesucht und alles Mögliche. Ich habe Amazon Rezensionen über sein Buch gelesen und über ihn und der Typ ist so aggressiv und anti und es gab auch ein Interview auf ichlebegruen.de. Allerdings ist das wieder von der Seite genommen worden, weil der Ulrich Neumeister einfach zu aggressiv die ganze Zeit reagiert hat. Und er kann sich nicht objektiv verhalten. Und ich habe einfach nur das die ganze Zeit gelesen und wir haben so viel Zeit geopfert, so viel Zeit vergeudet, um uns mit diesem Mann zu beschäftigen und seinem Buch. Und am Ende ist es einfach ja nichts. Heiße Luft.

Carsten Es ist definitiv heiße Luft. Ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist und auch die Aufregung, die darüber gemacht wird. Das ist einfach nur Marktschreierei.

Stefanie Ja, also der Ulrich Neumeister wirbt halt damit, dass er vegetarisch aufgewachsen ist und erst mit 30 oder noch später.

Carsten 34 Jahre gebraucht, um da rauszukommen.

Stefanie Genau, hat er dann erst sich emanzipiert und gesagt: Ich esse jetzt doch Fleisch. Und er hat es dann geschafft, nicht mehr vegetarisch zu leben und erst dann ist seine ganze Leidensstrecke, die er eben durch das vegetarisch leben aufgebaut hatte. Seine ganzen Krankheiten sind dann erst verschwunden. Und jetzt, um das bloß abzukürzen, jetzt lebt er eben Paleo.

Carsten Ketogen.

Stefanie Keine Ahnung. Also jedenfalls isst er 100 Mal am Tag rohes Fleisch oder so?

Carsten Ich glaube schon, dass er richtig roh...

Stefanie Ja, ja, ich weiß. Aber um das jetzt mal so ein bisschen. Also er isst jedenfalls ganz viel Fleisch und…

Carsten Fett.

Stefanie Fett und macht jedenfalls alles ganz anders. Und es geht ihm super. Und deswegen muss er einfach... Musste er dieses Buch schreiben. Er widmet dieses Buch auch allen Kindern, die eben unter der veganen oder vegetarischen Ernährung ihrer Eltern leiden und allen Eltern, deren fehlgeleitete Kinder dann sich vegetarisch oder vegan ernähren. Und das fand ich ziemlich frech.

Carsten Also frech ist ja noch gelinde gesagt, der Mann, der hat einfach, ja…

Stefanie Der hat ganz viel Wut im Bauch.

Carsten Ja, der hat einfach Hass. Das ist wirklich Hass und feindselig.

Stefanie Der versucht irgendwie damit was zu verarbeiten.

Carsten Diskriminierend. Also er stellt Veganer:innen prinzipiell als mangel- und unterernährt und als degeneriert dar.

Stefanie: Ja, das ist so.

Carsten Wirklich egal in was für einem Kontext. Vegan oder Veganer:innen oder auch der:die Vegetarier:innen. Es wird immer als degeneriert und mangelernährt. Und naja, und wenn du jetzt nicht degeneriert bist und auch jetzt noch keinen Mangel hast, dann wirst du ihn zukünftig bekommen. Und das ist natürlich dann auch wieder so eine Argumentation. Dem kann man sich nicht entziehen, weil selbst wenn du auf dem Sterbebett mit 99 Jahren liegen würdest und würdest behaupten, ne mir geht es noch bis gestern gut, dann könnte er immer noch behaupten ja, hättest du dich richtig ernährt, würdest du noch zwei Tage länger leben.

Stefanie Ja, oder er behauptet halt alle, die sich jetzt vegan ernähren, die haben sich ja nicht von Anfang an, von ihrer Geburt an vegan ernährt, das heißt, sie zehren noch von dem, was sie als Fleischesser oder Fleischesserinnen halt alles an Mineralstoffen in sich haben. Und deswegen sind sie halt jetzt noch nicht degeneriert. Aber das wird kommen unweigerlich und bla bla. Also es ist wirklich sehr müßig, deswegen habe ich auch nicht geschafft das durchzulesen. Und es ist so, du regst dich wirklich die ganze Zeit über diesen Typen auf und denkst, was will er? Also ich bin zu dem Schluss gekommen, dass er ein echt starkes Trauma erlitten hat und bestimmt auch eine schlimme Kindheit hatte und wer weiß, wie er da aufgewachsen ist. Und es hat ihn auf jeden Fall in seiner Konstellation mit seinen Eltern und dem Umfeld stark geschädigt.

Carsten Psychisch und körperlich.

Stefanie Psychisch und physisch. Genau. Und das ist aber noch lange kein Grund zu sagen: So hey, alles was ich erlebt habe, das erleben alle Vegetarier:innen und Veganer:innen und deswegen ist vegetarisch und vegan schlecht. Aber genau das macht er. Also er schließt von sich auf andere und sagt: Naja, wieso? Andere machen das auch. Dann darf ich das auch.

Carsten Ja, was ich an diesem Buch sehr interessant fand. Also interessant in Anführungszeichen ist, dass er eine Argumentation oder Rhetorik verwendet, die ich so nur aus Verschwörungstheorien kenne. Also da wird quasi Fakt und Fiktion miteinander verwoben und gleichzeitig mit ganz vielen Argumenten gearbeitet, dass man von außen her erst mal schauen muss, wo kann ich da überhaupt…? Oder was ist jetzt richtig, was ist falsch? Es klingt alles höchst plausibel, es wird auch sehr plausibel dargestellt und es ist aber in sich so abgeschlossen, dass ich im Grunde genommen, egal was für ein Argument ich da reinbringe, ich pralle quasi ab. Mein Argument wird in jeder Form entkräftet oder ist per se schon nicht zulässig. Also er entzieht sich quasi eines jeglichen Diskurses. Du kannst darüber nicht diskutieren, das ist eine Fundamentalkritik. Und damit bleibt es auch da. Also das sind Grabenkämpfe. Er hat sich ganz, ganz tief eingegraben und er rückt auch von seiner Position nicht ab. Und deswegen macht es auch keinen Sinn, da jetzt eine weitergehende Rezension zu machen.

Stefanie Ne, auf gar keinen Fall. Also er ist ja auch irgendwie noch gewachsen, seitdem er aufgehört hat…

Carsten Er ist zum Hulk geworden. Also wenn man das so liest.

Stefanie Aber, aber das stimmt ja gar nicht. Wir haben ein Video von ihm gesehen.

Carsten Also er sieht völlig normal aus.

Stefanie Aber was heißt normal? Er sieht immer noch sehr mager aus. Irgendwie finde ich, aber so...

Carsten Rumpelstilzchen.

Stefanie Nee, also so klein ist er gar nicht. Aber er sagt ja irgendwie, er hätte jetzt zwei Schuhgrößen größer und er wäre auch generell gewachsen.

Carsten Das kann er ja von mir aus. Also wenn er Lust hat, kann er ja wachsen.

Stefanie Mit 36 oder 37, ich warte mal ab, was mir noch passiert. Vielleicht...

Carsten Ja, du musst Fleisch essen. Dann wächst du auch nochmal.

Stefanie Ja, vor allem... Also, ich meine. Ich glaube, ich war tatsächlich schon ausgewachsen, als ich aufgehört habe, Fleisch zu essen. Vielleicht hing das damit zusammen. Vielleicht wäre ich jetzt auch zwei Meter groß, wenn ich weiterhin Fleisch gegessen hätte.

Carsten Ja.

Stefanie Oder 2,20 oder so. Aber ich werde es nie erfahren.

Carsten Ja.

Stefanie So ein Mist. Aber ich wollte immer Basketballerin werden.

Carsten Ja, ok.

Stefanie Ich war echt in Basketball immer schlecht, muss ich sagen. Obwohl ich groß bin, war ich immer schlecht.

Carsten Ja, du hast kein Fleisch gegessen. Die Antwort auf alle deine Probleme.

Stefanie Ja, ich gebe es ja zu. Ja.

Carsten Gut. Aber damit mal ein Punkt hinter diesem Buch.

Stefanie Aber ich wollte noch sagen. Was ist denn jetzt? Wenn, also was rätst du denn jetzt? Wenn jetzt eine unserer Hörerinnen oder einer unserer Hörer jetzt tatsächlich von einem Bekannten, Verwandten, der Mutter, dem Vater, dem Bruder, der Schwester dieses Buch vorgesetzt bekommt und sagt: Aber da steht doch…

Carsten Also prinzipiell gilt das Gleiche, was ich bei den anderen beiden Büchern auch empfehlen würde, die zumindest ich nachher noch gelesen habe: Cool bleiben. Es ist die Aufregung nicht wert. Ich würde auch jetzt rückwirkend nicht mehr losmarschieren und mir dieses Buch besorgen, um zu gucken, was steht da eigentlich drin? Weil das, was dort drinsteht, braucht man nicht diskutieren. Also im Grunde genommen läuft es alles darauf hinaus: Wenn ich selbst als Veganer:in oder Vegetarier:in gefestigt bin mit dem Lebensstil, den ich gewählt habe und ich quasi ein bisschen vorher recherchiert habe und auch die Faktenlage kenne und auch vielleicht, das ist vielleicht hilfreich, genügend Personen in meinem Umfeld, von denen ich weiß, denen geht es gut. Denen ging es vielleicht in der Vergangenheit nicht so gut und die haben durch den Schritt in die vegetarische oder vegane Ernährung, ich sage jetzt mal auch vom gesundheitlichen her noch mal ein paar positive Effekte gehabt, dann reicht das. Dann kann man solche Beispiele mehr dran bringen. Ich muss jetzt nicht wirklich jedes Fitzelchen an Fakt, was da in diesen Büchern drinsteht versuchen auf Teufel komm raus zu widerlegen. Das ist die Mühe nicht wert. Es zählt einfach die eigene Lebenserfahrung und die deckt sich meiner Meinung nach überhaupt nicht mit dem, was dort in diesen Büchern geschrieben wird. Da wird ein Bild gezeichnet, was so vielleicht absolute Extremfälle sind. Ich will nicht ausschließen, dass es solche Leute gibt, die degeneriert sind, die unterernährt sind, die mangelernährt sind, die darunter leiden unter ihrer stark ideologisch geprägten Ernährung. Aber das ist definitiv nicht der/die Vegetarier:in und Veganer:in, den/die man so in der breiten Gesellschaftsmasse sieht. Das sind Einzelfälle. Und vielleicht ist gerade dieser Herr Neumeister tatsächlich in einem Umfeld aufgewachsen, wo sich solche Personen konzentrieren. Aber das ist wirklich nicht die Lebenserfahrung, die wir so gemacht haben und die wir auch nicht von anderen Personen irgendwie widergespiegelt bekommen.

Stefanie Ja, und ich habe mir da die Rezensionen bei Amazon zu seinem Buch durchgelesen und er hat ja auch auf jede negative geantwortet. Das hält sich so in der Waage. Also negativ und positiv. Und er hat die Menschen beschimpft, die da wirklich, also die sein Buch negativ rezensiert haben, die hat er beschimpft, die hat er auch als degeneriert beschimpft, die hat er runtergemacht, mit denen hat er seitenweise diskutiert und die fertiggemacht. Also ich bin der Meinung, immer noch habe ich gerade auch schon gesagt, dass er da was Psychisches aufarbeitet. Das wurde ihm ja auch schon mehrfach gesagt und er sagte nein, er hat…

Carsten Genau, aber das weist er von sich.

Stefanie Das heißt, er hat da kein Problem. Er wurde halt nur falsch ernährt. Aber mit seinen Eltern hätte er kein Problem. Ich glaube mit seinem Vater hat er ein Problem. Aber seine Mutter ist auch nur ein Opfer. Mit seinem Vater hat er glaube ich irgendwie keinen Kontakt oder so. Ich bin mir nicht ganz sicher, ich habe das schon wieder halb verdrängt. Aber jedenfalls. Generell hat er aber eigentlich keine Probleme mit den Eltern.

Carsten Ja, das widerspricht sich ständig irgendwie.

Stefanie Also, wie er sich halt ständig widerspricht. Wir haben da wirklich Zeit geopfert und das war eigentlich jetzt im Nachhinein betrachtet verlorene Zeit. Ich bin einfach nur froh, dass wir das jetzt hier weitergeben können, damit du nicht die Zeit opfern musst. Also wirklich das, was Carsten gerade sagte: Brauchst das Buch nicht auszuleihen. Es steht nichts Neues drin, es steht nichts drin, was irgendwie Sinn macht. Also es ist einfach nur…

Carsten Geschwurbel.

Stefanie Ja, genau. Eine Einzelperson, die in ihrer Kindheit ein schweres Erlebnis hatte und dieses nicht verarbeiten konnte und jetzt irgendwie das alles rauslassen muss und allen Hass, alle Wut, alle negativen Gefühle auf die Welt konzentriert, auf Veganer:innen und Vegetarier:innen und das kanalisiert in Buchform rausbringt.

Carsten Ja.

Stefanie Und das ist eine Person, eine Meinung und das ist alles. Und dahinter scharen sich jetzt natürlich die, die mit ihrem Gewissen hadern und sagen: Ja, aber ich will eigentlich Fleisch essen und so und er gibt ihnen halt Futter, indem er halt sagt: So hier, das ist sowieso alles mangelernährt, degeneriert, bla bla. Und dann kann man sein Gewissen so ein bisschen streicheln. Aber für uns, die wir vegan leben: Brauchen wir nicht zu lesen.

Carsten Ja, also für die Anti-Vegan-Rechthaberfraktion, für die ist das Futter.

Stefanie Ja.

Carsten Schlechte Munition, also die verpufft. Aber egal, sollen sie sich damit Futter füttern und meinen, die können da ihre Grundsätze mit untermauern. Wie auch immer.

Stefanie Also, du brauchst da keine Sorgen zu haben, da steht nichts drin, was irgendwie jetzt problematisch für dich sein könnte.

Carsten Ja.

Stefanie Und dann gab es dann noch einen Typen, der auch in der deutschen Szene war, das war jetzt „Don’t Go Veggie“.

Carsten Ja, das ist ja Udo Pollmer, der ist ja sehr bekannt dadurch, dass er prinzipiell in diesem Ernährungsumfeld viele, viele Bücher geschrieben hat.

Stefanie Und dass er immer gegen alles ist. Oder wenn ich es richtig verstanden habe, dass er immer einer der Gegner, Gegner, Gegner ist oder?

Carsten Ja, ich glaube schon. Ich muss auch zugeben, ich habe damals Bücher von ihm gelesen. Ich fand ihn mal zeitweise gut. So lange, bis ich Veganer geworden bin und er jetzt gegen Veganer:innen schießt.

Stefanie Aber er schießt gegen alles Mögliche, nicht speziell gegen Veganer:innen, oder?

Carsten Ja, ich weiß nicht, wie er sich positioniert. Also ich nehme ihn im Moment auch nicht mehr wirklich ernst und weiß nicht, ob ich das jemals wieder könnte. Aber wie gesagt, ich habe ihn damals so als industriekritisch gesehen, bis er dann irgendwann...

Stefanie Er hat die Seiten gewechselt.

Carsten Er hat die Seiten gewechselt und ob er da jetzt immer noch irgendwie pro Industrie und keine Ahnung, ich weiß es nicht. Ich habe den guten Mann jetzt seit mehreren Jahren nicht mehr verfolgt, bis ich jetzt im Rahmen dieser ganzen Thematik…

Stefanie In der Aufregung.

Carsten In der Aufregung, auch in der Zentralbibliothek war, hier in Hamburg und wollte so ein bisschen mehr über das Thema Paleo lesen. Ja, ich muss zugeben, ich bin da von diesem Neumeister so ein bisschen angetriggert worden. Weil ich aber wissen wollte, wo zieht der seine Argumente her? Was gibt es da denn noch? Und habe dann im Rahmen dieser Recherche dann auch in diesem Regal das Buch „Don't Go Veggie“ gesehen. Das kommt von Pollmer, aber ich glaube, da sind noch zwei weitere Autor:innen, die mir jetzt persönlich so nichts sagten. Und ich habe das Buch jetzt nicht ausgeliehen, sondern ich habe es dort hinten gelesen. Deswegen muss ich den Namen jetzt schuldig bleiben. Aber das Buch ist so aufgebaut, dass es, ich weiß jetzt gar nicht, waren es 80, 100, 120 verschiedene Veggie Fakten oder Hypothesen oder Thesen waren, die werden einzeln behandelt und die Autor:innen geben da quasi Gegenargumente, um das zu entkräften. Das ist also die komplette Bandbreite von ökologisch über Ernährung über, ich sage mal so politische Sachen, Welthunger und dann schlag mich tot. Und das wird dann, ich sag jetzt mal aus meiner Sicht relativ oberflächlich behandelt, in dem dann pro, ich nenne sie jetzt mal Fakten, pro vegan oder Veggie Fakt ein bis zwei vielleicht drei Buchseiten als Gegenargumentation dann gebracht wird. Die sind in sich abgeschlossen. Das heißt man kann dieses Buch durchaus nehmen und dann Kapitel für Kapitel einfach mal so überblättern und pickt sich dann die Sachen raus, die man wirklich mal lesen möchte, um zu gucken, wie stehen die dazu. Aber ich habe, ich sag jetzt mal eine halbe Dreiviertelstunde mit diesem Buch zugebracht und war eigentlich der Meinung, dass ich 80 % des Buches auch tatsächlich relativ schnell überfliegen konnte, also auch durchaus lesen konnte, weil es ist einfach, es ist schnell lesbar, es ist auch nicht so der dicke Wälzer, aber ich habe festgestellt, auch die sind absolut aggressiv. Also das ist jetzt nicht so, dass die sagen Mensch, pass mal auf, der/die Veganer:in oder Vegetarier:in, der/die sagt das und jetzt gucken wir mal, wie kann man da, ich sag jetzt mal so, Kritik äußern und so, sondern das ist genauso feindselig und hasserfüllt wie „Veggiewahn“. „Veggiewahn“ hat noch ne persönliche Note. Da ist der Autor, den wir so geschildert haben, von seinem Wesenstyp noch sehr stark im Vordergrund. Und in dem anderen Buch „Don't Go Veggie“ geht es dann mehr auf diese Faktenlage. Aber im Grunde genommen ist es Veggie Bashing, also auch da, egal ob Veganer:in oder Vegetarier:in. Das Ziel dieses Buches ist es einfach, dieser Veggiefraktion erstmal, ja den Marsch zu blasen und…

Stefanie Ja.

Carsten Ja, auch wieder so ein Grabenkampf. Das sind so ganz viele Argumente, wo ich sage, es ist nicht mal ansatzweise akzeptabel und teilweise wirklich unter der Gürtellinie. Also nicht nur vom Tonfall, sondern auch von der Art und Weise, wie dort argumentiert wird. Und es ist einfach auch nicht diskursfähig. Also es ist auch wirklich, ich knalle jetzt ein Argument an den Kopf und das hast du jetzt zu fressen. Also es kann sein, dass im Internet da irgendwelche Diskussionen zu existieren, wo dann über diese Fakten und gegen Fakten und was weiß ich tatsächlich Diskussionen stattfinden. Soweit habe ich gar nicht recherchiert. Ich habe dem Buch auch gar nicht so viel Zeit nachher im Nachgang noch eingeräumt, aber weil es in den Medien relativ bekannt ist, auch aufgrund des Titels und weil eben Udo Pollmer dahintersteht, der hat halt eine Bühne.

Stefanie Ja.

Carsten Wollte ich mich damit ein bisschen auseinandersetzen und mir hat es einfach gereicht zu sehen, mit was für einer Munition schießt er da gerade und muss dann einfach für mich auch feststellen auch das ist, das ist nicht das Geld wert. Vielleicht mal in der Bibliothek reinschauen, ausleihen. Das hätte ich jetzt auch nicht. Also ich hatte nicht das Bedürfnis, das jetzt mit nach Hause zu nehmen und dann nochmal intensiv zu studieren. Das ist ja genauso, einfach akzeptieren, dass es solche Leute gibt, die aus irgendeinem Grund einen Hass auf diese Veggie-Szene haben. Und lass die Leute laufen. Also es ist an der Stelle echt vergebene Liebesmüh, sich damit auseinanderzusetzen und zu versuchen, die jetzt irgendwie noch mit Gegenargumenten dann vom Gegenteil zu überzeugen. Die sind festgefahren und festgefressen in ihrer Meinung. Und da lasse die dann stehen.

Stefanie Womit wir dann jetzt zu dem dritten Buch kommen. Und das gibt es noch nicht mal bei uns in der Bibliothek auszuleihen, sondern das haben wir über eine Bekannte ausgeliehen, die sich das aus Neugier mal gekauft hat und es irgendwie nie geschafft hat, da reinzulesen. Und Carsten hat es gemacht.

Carsten Ich habe mich gewagt, ja.

Stefanie Hat es ganz durchgelesen.

Carsten Ulrich Neumeister hat mich neugierig gemacht.

Stefanie Genau darauf, auf dieses Buch bezieht er sich ganz häufig.

Carsten Ja, er hat ja in seinem Buch das Thema Ethik ganz stark abgekürzt, indem er gesagt hat, dass diese Autorin, die wir jetzt gleich vorstellen, dieses Thema abschließend behandelt hat. Und dementsprechend war ja alles gesagt.

Stefanie Okay.

Carsten Also so ganz kurz formuliert, wo ich dann denke, okay, das ist ja ein bisschen knapp gefasst. Und das wollte ich natürlich wissen, wie kann er diesen ethischen Aspekt, dass Tiere getötet werden auch gerade in dieser industriellen Massentierhaltung, wie kann er das wirklich rechtfertigen, vor sich und vor der Welt? Und wenn er sich darauf auf das Buch bezieht, was ich jetzt gleich kurz vorstellen werde, dann war das für mich einfach ausschlaggebend, um zu gucken, was steckt dahinter.

Stefanie Ja, damit ich auch was sagen kann, weil ich das ja nicht gelesen habe und Carsten wahrscheinlich dann die ganze Zeit quatschen wird hier, werde ich jetzt zumindest den Titel vorlesen. Der deutsche Titel, das muss man dann dazu sagen. Der deutsche Titel heißt „Ethisch essen mit Fleisch“ von Lierre Keith. Die Übersetzerin ist Ulrike Gonder und die Übersetzerin ist wahrscheinlich auch die Urheberin dieses Titels, denn auf Englisch, also der Ursprungstitel heißt „The Vegetarian Myth“, oder?

Carsten Ja, genau. Also die Autorin schreibt im hinteren Bereich. Ich habe dieses Buch nicht „Lüge Vegetarismus“ genannt, sondern aus gutem Grund „Mythos Vegetarismus“. Also man merkt schon Mythos Vegetarismus. Wobei Vegetarismus auch vegan jetzt mit umfasst. Die Autorin selber ist 20 Jahre lang Veganerin gewesen.

Stefanie Genau, das ist wieder so eine.

Carsten Ja. Schlechte Erfahrungen gesammelt. Naja, auf jeden Fall. Ich glaube, dass wie du gerade schon sagtest, der deutsche Titel ist halt... Ich glaube einfach nur, weil er marktschreierisch genug klingt.

Stefanie Und der Untertitel ist ja auch noch eine Streitschrift. Und das war's. Das wäre lustig. Okay, gut genug gelacht. Eine Streitschrift über nachhaltige und ethische Ernährung mit Fleisch und die Missverständnisse und Risiken einer streng vegetarischen und veganen Lebensweise. Und darunter ist so eine Kuh abgebildet mit Hörnern.

Carsten Ich weiß gar nicht, ist es eine glückliche Kuh? Doch, die lächelt.

Stefanie Ja, stimmt.

Carsten Ja, der Mund geht nach oben.

Stefanie Ja, doch. Eine lächelnde Kuh mit Hörnern.

Carsten Die sieht selbstzufrieden aus.

Stefanie Ja, das ist Lierre Keith. Gut. So, jetzt bist du dran.

Carsten Jetzt bin ich dran. Ja. Das Buch hat mich echt beschäftigt, muss ich sagen. Ich habe mich natürlich erstmal interessiert dafür, wie dieser ethische Aspekt kommt. Und ich wusste zu dem Zeitpunkt, wo ich das Buch bekommen habe, auch gar nicht, dass der Titel eigentlich verkürzt ist. Weil das Buch umfasst viel mehr. Das geht quasi über die Ethik, politischen Aspekte. Politisch meint dann quasi die Welt zu retten, diese Hungerthematik in der Dritten Welt etc. und auch das Thema Gesundheit wird dort angesprochen. Also von daher sag ich jetzt mal der Gesamtkomplex und das Thema Ethik nimmt ungefähr so ein Drittel des Buches ein.

Stefanie Und die Autorin, die war doch auch wieder krank geworden. Also, die hat sich doch 20 Jahre vegan ernährt und ist irgendwie krank geworden. Und dann hat sie sich durch Paleo geheilt.

Carsten Ja, sie war eigentlich immer krank. So wie ich das da aus dem Buch herausgelesen habe, war sie zeitlebens eigentlich immer krank. Sie war stark depressiv. Sie hatte auch körperliche Leiden, also eine degenerierte Wirbelsäule mit Schmerzen, die eigentlich den kompletten Tag angedauert haben. Sie hatte, glaube ich, ihr Leben so getimt, dass wenn sie zum Beispiel einkaufen geht, dass sie guckt, wie lange ist die Warteschlange an der Kasse, weil sie wohl zehn Minuten stehen konnte und dann musste sie sich entweder hinsetzen oder hinlegen, weil der Schmerz dann wieder zu groß geworden ist. Sie war immer irgendwie am austarieren, wie kann ich den Schmerz am besten irgendwie so in den Griff bekommen, dass ich damit durch den Tag durchkomme. Und das hat sie wohl über, wahrscheinlich über Jahrzehnte gemacht. Aber ich weiß nicht wie lange, aber schon über eine ganz lange Phase. Und das ist natürlich jetzt alles verschwunden, seitdem sie Fleisch ist.

Stefanie Okay, also seitdem ist sie ein junger Hüpfer mit, also ohne Schmerzen. Super.

Carsten Genau. Also ich muss dazu sagen, als ich das Buch gelesen habe und so diese ganzen Schilderungen von ihrem Leiden. Und von ihrem Lebensweg. Und ich habe mir wirklich so eine Person vorgestellt, die wie Quasimodo durch die Welt läuft und total entstellt und keine Ahnung was.

Stefanie Hast du ein Foto von ihr gesehen?

Carsten Sie ist im Internet sehr, sehr, sehr präsent. Also den Namen Lierre Keith einfach mal in der Suchmaschine deiner Wahl eingeben.

Stefanie Wir können das mal eben buchstabieren. Also L i e r r e, das ist der Vorname. Und dann K e i t h.

Carsten Ja, der Vorname ist so ein bisschen strange. Ich weiß auch nicht, wie man den ausspricht. Sie hat im Hintergrund, oder im hinteren Teil des Buches, ist mal genannt Lierre wie Pierre.

Stefanie Aber dann, aber Lierre…

Carsten Lierre, Pierre. Ja, irgendwie so. Also, sie sieht definitiv nicht degeneriert aus. Also, sie ist sehr präsent. Man kriegt auch viele Videos zu ihr, weil sie im Vorfeld schon publik war. Das ist jetzt also nicht ausschließlich aufgrund des Buches, sondern sie ist in vielen Aktivist:innengruppen unterwegs gewesen und sie gehörte immer und gehört immer noch zu den Radikaleren ihrer Sorte. Also egal, was sie gemacht hat, sie war immer sehr radikal in ihrer Auffassung und auch in der Art und Weise, wie sie aufgetreten ist. Sie kommt aus der feministischen Szene, aus der feministisch antipornografischen Szene. Sie war eben auch jahrelang oder jahrzehntelang in der veganen Szene, Tierrechtsszene. Wahrscheinlich hat sie jetzt die Seiten gewechselt und ist radikale Paleo Anhängerin. Also, wie auch immer. Also, sie ist immer sehr radikal und ich glaube auch immer sehr szenemäßig unterwegs gewesen, weil ich auch bei ihr den Eindruck hatte, dass ähnlich wie beim Ulrich Neumeister sehr stark aus einer Szene heraus argumentiert wird, dass sie sehr stark mit einer Ideologie aufgeladen und gelebt hat. Und aus meiner Sicht, sie schreibt überhaupt nicht, was sie gegessen hat. Also, es ist beim Neumeister auch überhaupt nicht ersichtlich.

Stefanie Ja, keiner weiß genau was.

Carsten Die äußern sich überhaupt nicht dazu, was die gegessen haben. Und ich habe aber bei beiden den Eindruck, die müssen tatsächlich eine Mangelernährung gehabt haben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Die müssen einfach so eingeschränkt gegessen haben, nicht ausgewogen genug, dass dann entsprechende körperliche und auch psychische Folgeschäden daraus resultierten. Und dann ist es natürlich kein Wunder, wenn ich dann irgendwo meine Ernährung ändere und ich füge auf einmal Nährstoffe hinzu, die vorher gefehlt haben, dass es mir dann schlagartig besser geht. Also ich meine das erzählen ja selbst Leute, die jetzt Rohkost oder vegane Rohkost erleben. Die erzählen genau das gleiche, nur dass diese…

Stefanie Diese kein Fleisch essen.

Carsten Ja genau.

Stefanie Aber war das nicht irgendein Arzt? Hatte doch... Das war doch bei „What the Health“? Da hat er doch gesagt „all this paleo folks“ und so und hat das doch erklärt, wie sich da das Fett einlagert und dann erst fühlen die sich halt alle ganz toll und dann ein paar Jahre später peng, tot.

Carsten Das habe ich mittlerweile schon mal wieder gehört in einem anderen Zusammenhang, dass viele von diesen Paleo Vertreter:innen im Laufe der Zeit einfach übergewichtig werden und damit genauso die gleichen… Also die setzen Fett an und nicht nur Körperfett sondern eben auch in Arterien und kommen halt nur langfristig mit Nahrungsergänzungsmitteln, also jetzt nicht Vitamin B12, sondern einfach Vitamin, Multivitaminpräparate durch den Tag oder durchs Leben und kriegen quasi ihre Symptome damit in den Griff, weil eben die Art und Weise, wie sie sich ernähren, einfach zu einseitig ist. Da fehlen einfach Nährstoffe. Aber, und das ist ja das interessante oder aus meiner Sicht auch verheerende: Deren Argumentation klingt ja so plausibel, dass deren Ernährungsweise die Gesündeste überhaupt ist. Also die reden sich da wirklich auch aufgrund von irgendwelchen wissenschaftlichen Fakten eine Ernährungsweise positiv zurecht, die erst mal sehr plausibel klingt und anscheinend ja auch eben im Anfangsstadium einen positiven Effekt hat. Wobei ich glaube, der positive Effekt kommt nur dann zutage, wenn ich mich vorher einfach wirklich grottenschlecht oder einfach nicht ausgewogen genug ernährt habe. Und ja, was kann ich zu diesem Buch sagen? Es hat mich sehr beschäftigt, auch zeitlich.

Stefanie Also was mich jetzt interessieren würde, bevor du jetzt ausschweifst.

Carsten Ich wollte gar nicht so ausschweifen.

Stefanie Wie funktioniert denn ethisch Essen mit Fleisch? Also, wie rechtfertigt sie das? Also, wie kann sie das vertreten? Das interessiert mich jetzt.

Carsten Es ist ganz schwer, ihre Argumentation auf den Punkt zu bringen, weil sie, ich glaube 80 oder 100 Seiten benötigt, um von ihrer Grundlage, die sie anführt, zum Ergebnis zu kommen. Das ist unglaublich wortgewaltig und so. Sie packt da ganz viele Überlegungen und auch philosophische Betrachtungen mit rein. Und ethische Betrachtungen und biologische Betrachtungen und keine Ahnung, was es ist. So ein Potpourri aus ganz, ganz, ganz vielen Einzelfragmenten, Fakten, Überlegungen, Gedanken etc. Für mich klingt es im Endeffekt so, dass sie sehr stark nachher auf Schwarz Weiß schaut. Es gibt keine Grauabstufungen mehr, sondern sie reduziert nachher diese ethische Dimension auf ein reines Schwarz Weiß Muster und vereinfacht es. Also, es ist ganz stark vereinfacht, auch wenn sie quasi 100 Seiten braucht, um das darzulegen. Diese Komplexität schmilzt im Endeffekt auf eine ganz starke Vereinfachung und die läuft aus meiner Sicht darauf hinaus: Egal was ich als Veganer:in oder Vegetarier:in anstelle, irgendwo muss immer irgendein Lebewesen sterben, damit ich leben kann. Und weil das so ist und seien es nur Mikroorganismen im Mutterboden, die ich irgendwie dadurch töte, indem ich keine Ahnung, meine Pflanzen aus der Erde reiße, um sie zu essen und damit dann einen Teil des Mutterbodens rausreiße und die Mikroorganismen dann irgendwie nicht mehr überlebensfähig sind oder so. Allein die Tatsache, dass ich eben töten muss, zwangsläufig, ist für sie im Endeffekt die Legitimation, um auch Tiere zu töten. Also sie unterscheidet aus meiner Sicht nicht zwischen Mikroorganismen, kleineren Tieren und…

Stefanie Zwischen fühlenden und denkenden…

Carsten Zwischen fühlenden und denkenden Menschen. Sie packt alles zusammen.

Stefanie Ich meinte jetzt Tieren, nicht Menschen.

Carsten Ja, stimmt. Oder Tiere. Ja, genau. Sie packt alles zusammen in einen Korb und sagt: Es geht um Leben. So und Leben…

Stefanie Leben muss sterben.

Carsten Leben muss sterben. Ja. Sie sagt auch, dass, sie bezieht sich auf diesen…

Stefanie Hat sie nicht auch so ein komisches Apfelbeispiel. War das da drin? Irgendwie, dass das jetzt schon anfängt mit dem Apfel und, dass man den ja nicht... War das da?

Carsten Ja, sie vermengt aus meiner Sicht da tatsächlich Obst mit fühlenden und denkenden Lebewesen.

Stefanie Was ich meine. Und dann habe ich das wieder weggelegt. Ich habe irgendwas gelesen von: Wenn man den Apfel isst, dann würde man den Apfel, der doch eigentlich, den seine Kerne umhüllt… Und die Kerne sollen ja wieder neue Apfelbäume geben. Dann würde man ja diesen Lebenslauf unterbrechen und diese Kerne, die mühevoll von einem Baum hervorgebracht worden sind, wegschmeißen und das ist halt ein Verbrechen.

Carsten Ja, weil du tötest Apfelbabys.

Stefanie Genau.

Carsten Ja. Also, sie verwendet das wirklich. Das ist das Vokabular. Das ist total abstrus.

Stefanie Hat sie geschrieben. Du tötest Apfelbabys?

Carsten Vielleicht nicht in dem Wortlaut, aber Apfelbabys ist ein Begriff, der dort auftaucht.

Stefanie Echt? Krass.

Carsten Das ist dieses Vermengen. Also, sie zieht keine Trennlinie. Ich weiß, dass es in bestimmten Bereichen, wenn man scharf genug hinguckt, gibt es keine wirkliche Trennlinie, sondern es gibt Übergänge. Ja, aber im Endeffekt kann ich doch nicht. Ich kann doch keinen Apfel mit einer Kuh vergleichen.

Stefanie Nee. Aber das macht sie ja dann. Okay, also sie rechtfertigt jetzt, also wenn wir bei der Kuh bleiben, also bei der Milchkuh. Mein Lieblingsbeispiel. Sie rechtfertigt jetzt das Sterben der Kälber, vor allem der männlichen Kälber, die wie Müll nach der Geburt auf den Misthaufen geschmissen werden, rechtfertigt sie damit, dass eben auch wir Apfelkerne auf den Misthaufen schmeißen?

Carsten Nee, weil die Kälber halt sterben müssen, damit wir leben. Also sie nimmt so quasi dieses Konstrukt von dem Lebenskreislauf, ja.

Stefanie Aber wir können doch… Wir brauchen doch die Milch gar nicht und wir brauchen das Fleisch gar nicht.

Carsten Das spielt keine Rolle.

Stefanie Okay.

Carsten Also, wir wollen uns ernähren. Und wenn wir und das ist ja das Markante an diesem Buch, sie ist nicht in allen Punkten weit weg von uns, von unserem eigenen Standpunkt. Ja, also da sind ganz viele Standpunkte, wo ich mit ihr quasi im Schulterschluss bin. Vielleicht nicht in der Radikalität, wie sie es ist.

Stefanie An ihrer Seite marschierst…

Carsten An ihrer Seite marschieren, genau. Und das macht es so schwierig, mit diesem Buch umzugehen, weil in bestimmten Punkten hat sie vielleicht schon mal viel weitergedacht, als ich es bisher getan habe. Ist aber in die gleiche Richtung unterwegs wie ich. Also sie kritisiert zum Beispiel die industrielle Landwirtschaft, aber in einer Art und Weise, wo ich so im Detail bisher noch nicht drüber nachgedacht habe. Und das ist etwas, wo ich sage: Hey, für mich hat sich dieser Aspekt im Buch gelohnt, den gelesen zu haben, weil er mir wirklich was gebracht hat. Und es ist auch verständlich und es ist auch meine Meinung. Aber sie geht dort in einen sehr radikalen Raum nachher rein. So, und auf der anderen Seite vermengt sie halt wie gesagt eben diese unterschiedlichen Lebensformen. Sie differenziert dann nicht mehr. Und dieser Lebenskreis, den sie dort aufbaut als Argumentation, ist halt, ja, wir sind alle irgendwie mal die Räuber und mal die Gejagten. Oder irgendwie, mal fressen wir und mal werden wir gefressen

Stefanie Und von wem werden wir gefressen?

Carsten Wenn wir nachher sterben und wir quasi beerdigt werden, dann fressen uns halt die Würmer und die Mikroorganismen etc.

Stefanie Die, die wir fressen, die jagen wir ja nicht. Die mästen wir, die ziehen wir ja heran.

Carsten Ja gut, das kritisiert sie auch. Also sie ist ganz klar gegen die industrielle Massentierhaltung.

Stefanie Aber sie hält ja selber Hühner, hast du gesagt, das ist ja, die können ja auch nicht wegrennen, wenn sie jetzt sagt: Heute schnapp ich mir ein Huhn und…

Carsten Ja, du musst jetzt mal loslassen von deinem Bild, was du vom Huhn hast. Also ein Huhn ist es nicht das liebe Tierchen, was neben dir herläuft und einfach nur Körner pickt. Hühner sind blutrünstig. Hühner killen sich gegenseitig. Wenn dort ein Kadaver auf dem Hof liegt, dann gehen die Hühner dahin und marschieren und kommen mit blutverschmiertem Schnabel wieder zurück. Ja, die fressen das. Ja, also das schreibt sie so. Also kann es durchaus sein, dass Hühner Allesfresser sind wie Schweine oder so was. Aber die Art und Weise, wie sie es darstellt, ist schon ein bisschen strange. Ja, sie hält Hühner, aber einfach nur um sich selber zu versorgen, um die Eier zu essen. Und ich weiß auch nicht. Doch sie schlachtet die Hühner. Sie schlachtet die auch und isst sie dann auch. Aber sie geht jetzt nicht auf diese Aspekte ein. Wie geht es denn mit artgerecht? Also man sagt ja auch „Artgerecht ist nur die Freiheit“. Das ist ja auch so ein Schlagwort in der Tierrechtsszene, das ist für sie… erwähnt sie gar nicht. Sie reduziert es wirklich auf diesen Lebenskreislauf „Fressen und gefressen werden“. Der, der heute frisst, wird morgen selbst gefressen. Und in diesem Kontext ist es halt legitim zu sagen, ich töte auch Tiere, aber sie macht dort eben einen Unterschied, dass die Tiere mit einer gewissen Wertschätzung vorher leben dürfen. Also im Grunde genommen so diese Argumentation, wenn das Tier glücklich gelebt hat…

Stefanie Also so wie Bio…

Carsten Ja klar, Bio. Sie erwähnt es nicht als Bio, sondern sie sagt halt…

Stefanie Also Bio ist ja auch diese Argumentation, dass es halt, wenn es glücklich trallala und wird immer gestreichelt…

Carsten Ja, richtig. So und wenn ich das dann mit einer gewissen Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber dem Tier und der Natur dann töte, dann darf ich es auch essen.

Stefanie Genau. Du hast gesagt, dieser indianische Gedanke.

Carsten Ja, genau.

Stefanie Also, Carsten und ich haben ganz kurz vorher schon mal drüber gesprochen über das Buch, aber die meisten Sachen hatte ich jetzt noch nicht gehört, aber da drüber schon. Und wir können ja nicht alle Indianer sein…

Carsten Also warum eigentlich nicht?

Stefanie Weil, weil wir auch Frauen sind. Dann sind wir Indianerinnen. Ja, also nee, aber auch manche von uns können sich keinem Geschlecht zuordnen. Dann sind wir Indianer – Sternchen - innen. So wir können ja jetzt nicht alle Indianer oder Indianerinnen sein. Wie löst sie das Problem denn, wenn sie sagt, sie sagt, ja auch Paleo und da gehört ja auch ganz viel Fleisch dazu. Aber du hast es auch irgendwie gesagt, von Weidehaltung und so. Und wir wissen ja alle, auch du, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, seit „Cowspiracy“ spätestens, dass, wenn alles Weidehaltung sein sollte, dann könnte nirgendwo mehr ein Mensch leben, weil wir halt den ganzen Planeten bräuchten, um Tiere für Weidehaltung und, ja…

Carsten Also sie löst das Dilemma relativ elegant, in dem sie behauptet oder nicht behauptet, sondern sie führt halt an, dass die Flächen, die heute nicht nutzbar sind, würden ja im Laufe der Zeit nutzbar werden, indem dort Tiere gehalten werden, also durch den Dung etc. kann sich dort wieder Mutterboden aufbauen. Und dann habe ich auch die Möglichkeit wieder Weidefläche zu bekommen bzw. ich kann ja heute die riesigen Flächen, die zum Getreideanbau verwendet werden, auch in Weideflächen ummünzen. Aber, das sagt sie auch, dass die Anzahl der Menschen, die heute auf dem Planeten leben, die wird man so nicht ernähren können. So, und das ist dann ein Argument, wo ich dann… das finde ich wieder haarsträubend. Das geht in Richtung Euthanasie, wo sie sagt, eigentlich muss man die Anzahl der Menschen…

Stefanie Reduzieren?

Carsten Ich wollte schon sagen dezimieren, aber reduzieren, genau. Sie lässt sich aus oder bzw. sie sie spart das aus, irgendwie zu erklären, wie man das machen könnte. Also im Grunde genommen setzt sie einfach nur voraus, es müssen definitiv weniger Menschen auf diesem Planeten leben, damit wir überhaupt in der Lage sind, nachhaltig zu leben und nachhaltig eben in dem Sinne, dass wir Weidehaltung haben und eben auch und das ist jetzt, genau das hatte ich glaube ich noch nicht erwähnt. Sie hat ein ganz klares Feindbild und zwar einjährige Nutzpflanzen, also vornehmlich Getreide, egal ob das jetzt Weizen, Soja etc. ist, weil aus ihrer Sicht ist nachhaltig nur, was mehrjährig wächst. Das sind natürlich Pflanzen, die durch die moderne Landwirtschaft komplett verdrängt werden. Die komplette Landwirtschaft, alles was wir irgendwie so anbauen, ist meistens einjährig und da muss ein kompletter Wandel eintreten, um so nachhaltig zu sein, wie sie meint, dass das nachhaltig ausschließlich funktioniert. Dass ich eben keine einjährigen Pflanzen mehr habe, sondern ausschließlich mehrjährige Pflanzen und in Kombination mit Fleisch. Also sie sagt jetzt nicht, du darfst keine Pflanzen mehr essen und dich nur vom Fleisch ernähren, sondern eben diese Summe zwischen das, was eben generell schon mehrjährig wächst plus Fleisch plus lokal. Also du sollst nur das essen, was bei dir wirklich in der näheren Umgebung angebaut werden kann. Und da sagt sie auch, das kann ich dir ja nicht beantworten, was du dann essen darfst, weil ich nicht weiß, in was für einer Region du wohnst. Und das macht die ganze Sache schon schwierig. Ich muss mich ja, also sie klammert dann den mal kompletten globalen Warenverkehr aus. Sie konzentriert sich auf lokal und regional, was ich ja vom Aspekt her echt gut finde. Ja, da bin ich wieder irgendwo bei ihr, aber sie geht halt wirklich von meiner Sichtweise oder von dem, was ich so empfunden habe in ein Bild rein, wo ich glaube, das hat vielleicht damals mal zur Jungsteinzeit existiert, bevor wir halt sesshaft geworden sind als Menschheit.

Stefanie Also ich meine das jetzt, dass sie sagt, alles muss lokal regional sein und es gibt bestimmte Gruppen auf der Erde, die nicht mehr existieren sollen, kennen wir ja auch schon aus der Nazizeit. Auch die Nazis wollten unabhängig sein und Deutschland abschotten und wirklich ihren ganzen Warenverkehr nur noch innerdeutsch im Deutschen Reich haben. Also ein bisschen klingt es schon nach rechtem Populismus.

Carsten Sie präsentiert sich jetzt nicht so. Sie kommt ganz klar aus dem linken Lager.

Stefanie Lierre Keith, ist sie Engländerin oder ist sie Amerikanerin?

Carsten Amerikanerin, ja.

Stefanie Ja, aber es ist so, also dieses, na ja…

Carsten Es gibt ja auch mittlerweile diesen Begriff Querfront, der eben Elemente aus dem extremen linken und extrem rechten Lager kombiniert.

Stefanie Aber das will ich jetzt noch mal noch dazu sagen, das ist keine deutsche Autorin. Da braucht man jetzt nicht so arg… Aber guck mal, in Amerika haben die ganz andere Dinge, die sie da anbauen, als wir hier in Deutschland haben. Also es wäre schon sehr eingeschränkt, vor allem im Winter, was man da zur Verfügung hat, das wissen wir ja auch selbst. Also ich meine, wir versuchen das ja schon immer wieder, aber was man dann noch essen könnte…

Carsten Du deckst den Bedarf an zusätzlichen Nährstoffen dadurch, dass du eben tierische Nährstoffe konsumierst.

Stefanie Ja, ich finde es total frech zu sagen, wir sind halt einfach zu viele auf der Erde und ein paar müssen sterben. Und ich weiß genau, ich werde es nicht sein. Also ich gehöre zu der Gruppe.

Carsten Aber genau diese Frage lässt sie komplett unbeantwortet. Sie nennt da wohl ein paar Autor:innen. Und das ist, was dieses Buch auch schwierig macht, dass sie unglaublich viele Quellen heranzieht, also nicht einfach nur irgendwo ihre persönliche Meinung, sondern sie beruft sich auf ganz viele Autor:innen, auf ganz viele Bücher, auf ganz viele Fakten und Studien. Und das macht das Ganze so mächtig und auch wuchtig. Und da erst mal durch zu finden und zu sagen okay, ich habe jetzt mal meine eigene Position und ich lasse mich jetzt nicht von meiner Position abbringen oder verwirren, nur weil da jetzt mit voller Wucht jetzt quasi ein Gegenargument positioniert wird. Das ist schon schwierig und ich glaube, das war so mein Empfinden, man muss schon als Vegetarier:in oder Veganer:in schon so ein bisschen gefestigt sein, um sich nicht völlig überrannt zu fühlen, wenn man das Buch gelesen hat.

Stefanie Ja.

Carsten Ich finde es aber auch müßig, jetzt hinzugehen und tatsächlich im Minuziösen nochmal jedes einzelne Argument herauszupicken und dann zu recherchieren, was steckt dahinter? Und dann auch noch mal irgendwie für sich rauszufinden, ist das jetzt richtig oder falsch? Und das wäre ein riesiger Aufwand. Dafür gibt es da zu viele Fakten. Ich glaube für mich, dass viele Sachen einfach darauf hinauslaufen, wie jetzt bei diesem ethischen Aspekt das ist Schwarz Weiß Malerei. Es wird stark simplifiziert, beim Gesundheitlichen aus meiner Sicht genauso und das Politische ebenso. Also diese drei Kategorien, die sie dort behandelt, die lassen sich im Endeffekt, auch wenn sie ganz wuchtig daherkommen, eben sehr einfach zusammenfassen. Und letztendlich, ja, es ist nett, einmal gehört zu haben und auch sehr interessant, mal so ihre tiefgründigen Informationen und auch Gedanken mal kennenzulernen. Aber im Endeffekt bringt mir das nicht großartig den Mehrwert. Und genau das fällt mir jetzt gerade noch ein, dass es, ich sag jetzt mal auch fast gefährlich an diesem Buch, sie schreibt sehr dystopisch, sehr negativ, sehr depressiv. Also das kann einen wirklich nach unten ziehen. Das ist so, als wenn wirklich ein manisch-depressiver Mensch ein Buch schreibt, um zu erklären, wie schlecht diese Welt ist.

Stefanie Okay.

Carsten So in der Art und Weise ist die Erzählform. Das ist natürlich, ja, da muss man aufpassen, das kann einen schon nach unten ziehen.

Stefanie Ja, dazu passen jetzt eigentlich ziemlich gut die O Töne. Was machst du, wenn dir alles zu viel wird?

Carsten Ja, genau.

Stefanie Dass wir das so ein bisschen positiv abrunden.

Carsten Ja.

Stefanie Und dann würde ich einfach mal sagen Ton ab.



O-Ton 1 Also wenn mir alles zu viel wird, dann heule ich erst mal eine Runde. Weil es manchmal echt schwer zu ertragen ist, dass so viel Tierleid noch jeden Tag, jede Minute geschieht. Zum Beispiel wenn man auf der Autobahn hinter einem Schweinetransporter herfährt, finde ich das so schlimm, dass ich da einfach machtlos gegen bin und dann gleichzeitig aber dann auch zu meiner Familie nach Hause fahre, die sich dann erst mal Schnitzel reinziehen. Das finde ich total traurig, weil ich aufgewacht bin in Anführungszeichen. Und das nicht mehr machen möchte, ist aber auch nicht jedem Menschen jetzt sofort nahebringen kann, warum das die meiner Meinung nach bessere Lebensweise ist. Und das finde ich dann total schlimm. Aber was mir dann hilft, ist mich dann eben mit den Freund:innen zu unterhalten, die eben auch vegan leben und mich eben in meiner Freizeit auch als Aktivist:in zu engagieren und dann eben vielleicht nur einen kleinen Impact leisten, aber wenigstens überhaupt einen. Und ich denke immer, ein bisschen was ist besser als gar nichts.

O-Ton 2 Ja, dann treffe ich mich tatsächlich mit Freund:innen, die eben auch vegan sind. Das tut halt einfach gut, weil man, ja, weil man da halt eben dieselben Ansichten hat. Dann ist das halt gar kein Thema mehr und das tut dann halt eben gut, einfach auch was anderes zu machen. Da ist es halt gar nicht mehr das große Thema und man weiß, dann ist man da auf einer Wellenlänge. Sehr gut tut mir das halt eben dann auch tatsächlich mich mit Tieren zu umgeben, die es gut haben. Und das zu sehen halt eben, dass es halt eben sehr viel Tierleid gibt, aber halt eben auch Tiere gibt, denen es gut geht und genau mit denen dann halt Gemeinschaft zu haben ist sehr schön.

O-Ton 3 Interessante Frage. Selten wird es mir tatsächlich zu viel, weil ich ja weiß, dass ich das nicht unterstütze. Und ich finde reden hilft. Ich rede dann ja mit Leuten darüber, die selber vegan sind oder auch mit meinem Mann darüber und versuche mich einfach daran festzuhalten, dass ich ja selber das nicht unterstütze.

O-Ton 4 Dann denke ich einfach an die positive Entwicklung, die es so in den letzten speziell zwei, drei Jahren gegeben hat, dass sich da sehr viel tut und immer positiv denken.

O-Ton 5 Ja, wenn ich sehe beispielsweise, dass ich an einem Tiertransporter vorbeifahre oder auch in den Medien, wird ja auch immer wieder gezeigt, wie mit Tieren umgegangen wird. Ich war kürzlich auf einer Messe gewesen in Hamburg, Vorstellung Ernährung 5.0. Und war ja im Prinzip damit konfrontiert, was für Möglichkeiten in Zukunft für unsere Ernährung auf uns zukommen können und war sehr erschrocken, was einige Menschen für Vorstellungen haben, wie es noch weitergehen könnte mit dem Missbrauch und der Ausnutzung der Tiere. Da wurde beispielsweise gezeigt, wie einem Huhn eine VR Brille aufgesetzt wurde, damit ihr eine reale Welt vorgegaukelt wurde. Und ich fand diese Vorstellung sehr erschreckend und ich denke, wir sollten doch diese Entwicklungen auf keinen Fall so entstehen lassen und etwas unternehmen, dass eben das Tierleid zurückgeht und die Menschen, die noch nicht vegan oder vegetarisch sind, dafür begeistern, für das vegane und einfach vielleicht auch in den Köpfen ein bisschen frei zu machen und zu sagen es geht auch ohne Fleisch. Und es gibt unheimlich viele Alternativen und man könnte dieses Tierleid damit verhindern.

O-Ton 6 Damals hatte ich tatsächlich selber auch sehr zu kämpfen. Andererseits bin ich jemand, der hinguckt. Das heißt, alles, was ich sehen kann, gucke ich mir auch an, weil ich will einfach mal wissen. Und es geht mir ganz oft so, dass ich meine, ich möchte einfach zu den Menschen nicht mehr dazugehören. Es müsste ein Schimpfwort sein. Aber dann macht es mir so viel Mut, dass wir immer mehr werden, die aufwachen. Und gerade ich bin ja nun schon in einem bisschen fortgeschrittenem Alter. Gerade die jüngeren, gut ausgebildeten Leute, die machen da richtig mit und das finde ich fantastisch und das motiviert mich auch. Letztendlich hat es mir den letzten kleinen Kick gegeben, in dieser Gemeinschaft zu sein.

Stefanie Ja, Gemeinschaft auch zu haben. Ja, ich glaube, das ist auch ganz wichtig.

O-Ton 6 Wenn man dieses Feedback hat. Das ist so wie eine Selbsthilfegruppe, wenn man mal ganz verzweifelt ist.

Stefanie Ja okay, also das heißt, du suchst dann sozusagen auch die Gemeinschaft, wenn es dir zu viel wird?

O-Ton 6 Ja, ja.

Stefanie Ja, ich glaube, dass das auch so was ist, was viele… Also da habe ich jetzt von vielen gehört. Das ist wirklich auch wichtig, dass man nicht alleine ist, sonst verzweifelt man schnell.

O-Ton 6 Ja, das ist richtig.

O-Ton 7 Dann treffe ich mich mit Veganer:innen, dann kann man sich das Leid von der Seele reden oder den Frust oder die Ignoranz der Leute. Dann kann man einfach vegan schlemmen. Jede:r macht was Leckeres und das, was er/sie gut kann. Und es ist einfach alles super lecker. Und dann weiß man, dass man die Probleme teilt, aber auch die Freude am Veganismus teilen kann mit anderen Leuten, die genauso denken und die einen verstehen, wo man sich nicht erklären muss, dass man vegan ist oder warum man vegan ist, wo man keine blöden Fragen gestellt kriegt, sondern ja, das macht einfach Spaß.

O-Ton 8 Also na ja, meine Strategie ist manchmal, wenn ich dann diese ganzen Bilder auf Facebook sehe, dass ich mir überlege, dass die zu dem Zeitpunkt, wo ich das sehe, alles überstanden haben und sozusagen im Himmel sind. Also weil anders halte ich das gar nicht aus. Also ich stelle mir vor, dass die Tiere in dem Moment, wo ich das dann sehe, das Leid hinter sich haben.

O-Ton 9 Oh, das ist eine schwere Frage. Was mache ich? Ja, ich sehe eher eine Bestätigung dafür, eben vegan zu leben. Also sich eher dann noch mal darauf zu besinnen, warum macht man das eigentlich? Also, natürlich sieht man manchmal Bilder, die man gar nicht sehen will. Und ich habe mir auch abgewöhnt, mir diese Bilder immer wieder aufs Neue anzuschauen. Auch wenn man die Dokumentationen sieht. Das habe ich jetzt, sage ich mal so, für mich verstanden. Und ich versuche eigentlich tatsächlich eher, diese Bilder zu vermeiden und eher versuche, mit meiner Art zu leben, darauf hinzuwirken, dass solche Bilder nicht mehr produziert werden können.

O-Ton 10 Was ich mache ist einfach, mir zu sagen, dass ich versuche, jeden Tag das für dich, also für mich, zu machen, was in meinen Möglichkeiten ist. Also ich kann leider die Welt nicht mit Knopfdruck auf einmal besser machen. Das kann keine:r von uns. Aber ich kann für mich meinen Teil dazu beitragen und das auch kommunizieren, so dass andere Menschen darauf aufmerksam gemacht werden. Und ich rede auch mit meinen Freund:innen drüber. Und selbst wenn sie weiter Fleisch essen, ist es in deren Kopf. Also sie denken mehr drüber nach und man merkt, dass nach und nach ein Wandel passiert. Und das ist eigentlich so mein Teil, dass ich für mich einfach sagen kann okay, ich versuche das, was in meinem Rahmen möglich ist.

O-Ton 11 Nein, habe ich nicht, sozusagen. Aber ich stoße auch selten jetzt… Also ich rege mich auf, innerlich sozusagen, wenn ich das bemerke und wenn ich wieder drüber stolpere. Freue mich, dass ich, glaube ich, einen sehr kleinen bis fast keinen Beitrag sozusagen dazu leiste. Weiß nicht, ob man sich immer so hundertprozentig ausnehmen kann und trage es aber am Ende mit mir selber aus.

O-Ton 12 So richtig oft habe ich das gar nicht, dass mir alles zu viel wird, aber wahrscheinlich würde ich in dem Moment, wenn es mir wirklich zu viel wird, erstmal das Smartphone weglegen, weil ich dann wahrscheinlich zu viel bei Facebook schlimme Videos gesehen habe und stattdessen Serien gucken, Sport machen, ablenken. Sachen, die nichts mit dem Veganismus zu tun haben.

O-Ton 13 Eigentlich mach ich dann eher nichts. Also ich gehe dann einen Schritt zurück, mache ein bisschen langsamer und weil wenn ich fertig bin, dann nützt auch das, was ich mache, halt nichts. Also ich will ja positiv ausstrahlen. Und das ist, glaube ich, was Leute überzeugt und halt nicht aus dem letzten Loch pfeifend quasi noch versuchen, irgendwie was zu erzwingen. Das geht glaube ich einfach nicht.

O-Ton 14 Ehrlicherweise gucke ich mir aus genau dem Grund solche Videos nicht an, weil ich es auch einfach mental nicht verarbeiten kann. Mir ist es zu krass und ich habe einmal versucht „Earthlings“ zu gucken und ich glaube nach zwei Minuten habe ich weinend vorm Fernseher gesessen und habe mir gedacht, kann ich mir nicht angucken. Also, ich brauche diese Infos nicht, um zu wissen, dass es irgendwie schlimm ist. Und wenn ich es sehe, dann ja, bin ich einfach irgendwie ziemlich traurig und überleg mir, dass das, was ich mache, eigentlich schon ganz schön viel ist und hoffe dann, dass es vielleicht andere Leute auch irgendwann sehen und ihr Verhalten auch ändern. So, mehr kann man glaub ich nicht machen. Also das ist so das, was ich glaube.

O-Ton 15 Ich bleibe entspannt, akzeptiere meinen Teil im großen Rad der Welt.

O-Ton 16 Da ich gerne meditiere, würde ich mich versuchen, eher ein bisschen zu beruhigen. Also, wenn man aufgebracht dabei ist, weil ich glaube, man sollte nicht unterschätzen, wie viel man die Menschen schon beeinflusst. Auch wenn natürlich die weltweite Masse so zu betrachten einen überwältigt. Aber dieses kleine Prinzip wie, dass viele kleine Schritte eben auch ganz weit führen, ist das Wichtigste dann sich daran zu erinnern.

O-Ton 17 Ja, also habe ich tatsächlich gar nicht so Tiefpunkte, glaube ich. Also ich weiß halt, dass ich alles tue, was in meiner Macht steht und eben versuche einfach Leute zu inspirieren oder einfach so zu leben, wie ich es denke. Und Leute auf mich zukommen zu lassen. Und so denn damit eben meinen Beitrag quasi erfülle. Und deswegen, auch wenn ich solche Beiträge halt sehe, dann gucke ich mir die auch nicht an unbedingt. Also ich lasse es eigentlich gar nicht so weit kommen unbedingt.

O-Ton 18 Also, jetzt solche Filmchen und sowas das tue ich mir nicht an, weil ich da die Erfahrung gemacht habe, dass mir das in den Träumen begegnet und ich schlecht schlafen kann. Und von daher solche Videos, was man bei Facebook und so sieht, das gucke ich gar nicht an, oder klick hier auf Beitrag verbergen oder so was, das möchte ich nicht sehen. Das ist für mich eigentlich auch ein Grund, warum ich mich überhaupt so ernähre. Und das ist so. Und mit Menschen reden das kann ich eh nicht, Diskussionen vermeide ich. Und wenn die jetzt sagen, hier Pflanzen haben auch Gefühle, um Gottes Willen, sage ich auch so: Ja, ist in Ordnung, mach mal weiter, mir egal.

O-Ton 19 Ja, also man wird schon traurig davon, wenn man das zu viel anguckt. Meistens sagt mein Freund Hör auf jetzt mal, jetzt machst du was anderes. Kopf leer und dann funktioniert das eigentlich meistens. Ich kann mir mittlerweile das auch besser ansehen als früher, weil ich weiß, dass es da ist. Und ich werde schon weniger traurig. Also es macht mich traurig, aber ich kann das besser ab. Also, früher war ich dann ganz emotional und war dann so manchmal wütend oder so, aber das geht mir jetzt besser. Ich kann das besser abschalten, einfach.

O-Ton 20 Okay, also ich gehe nicht unbedingt zur Fleischtheke, muss ich sagen, weil ich allein den Geruch ziemlich eklig finde. Nein, ich bin da tatsächlich sehr tolerant und es stört mich auch eigentlich nicht unbedingt, wenn andere Leute Fleisch essen. Aber ich finde es immer ganz schön, oder ich habe zumindest die Erfahrung gemacht, dass ich mit dieser Einstellung auch doch weiterkomme bei Leuten, weil man halt nicht sofort total auf Abwehrhaltung stößt, weil man halt ganz in Ruhe mit denen redet. Und ich find's eigentlich ganz cool, weil zum Beispiel auf Arbeit haben wir nur alte Leute, oh Gott, das dürfen sie nicht hören... Nein, aber ältere Leute, die halt ein bisschen festgefahren sind, vielleicht und auch noch nicht so mit dieser hippen neuen Entwicklung gehen und keine Ahnung. Und die sehen ja dann auch mal, was ich esse und so und finden es immer alles ganz lecker, wenn ich mir mein selbstgemachtes Essen mitbringe. Und ich kriege die tatsächlich jetzt auch immer dazu, dass sie manchmal einen Salat bestellen. Finde ich also ganz schön.

Stefanie Also, das gibt es bei dir eigentlich gar nicht solche Momente, wo dir alles zu viel wird und du denkst…

O-Ton 20 Nee, also ich hatte einmal tatsächlich die Situation, da ist es zu viel. Da haben wir eine Gartenparty gemacht und gegrillt und wir hatten einen Grill für die Fleischesser:innen und einen Grill für die Vegetarier:innen und Veganer:innen. Weil ich in meinem Freund:innenkreis auch viele Vegetarier:innen habe. Und dann haben sich die Fleischesser:innen so darüber aufgeregt. Und da waren halt irgendwie so Leute auch von Freund:innen dabei, die ich sowieso nicht so sympathisch fand. Ja, und die hat mich dann irgendwann, ein Mädel hat mich dann irgendwann angemacht. Ja, hier irgendwie auf. Keine Ahnung. Irgendwie so tun, als wärst du besser als wir. Und dann aber eine Ledertasche tragen. Weil ich hatte da noch eine Ledertasche, die ich vor vielen Jahren von meiner Mama mal geschenkt gekriegt habe und halt einfach halt so ein Stück, was halt auch so einfach viel Wert für mich hatte und die habe ich halt noch getragen und dann fand ich das irgendwie so. Also, da ist mir echt der Kragen geplatzt, weil ich weiß auch nicht. Ich war so sauer und enttäuscht. Und das war ganz doof. Aber sonst habe ich das eigentlich nie.

O-Ton 21 Also es ist tatsächlich oft, dass wenn ich in eine Ausstellung gehe oder einen Film sehe zu dem Thema, dass ich schon emotional sehr stark da mitgehe und dann auch ausschalte oder aus der Ausstellung rausgehe und merke Oh, ich hab gerade die ganze Last der Welt auf meinen Schultern und ich habe so ein Ich möchte die ganze Welt retten und weiß nicht, wo ich anfangen soll Modus drin. Aber ich gehe dann eigentlich ziemlich schnell. Habe damit gelernt umzugehen, zu sagen, ich kann nicht alles, ich kann nicht die ganze Welt retten, aber ich kann die Welt im Klitzekleinen verändern und so Stück für Stück einfach in meinem Alltag umsetzen, jeden Tag ein besserer Mensch zu werden. Und vielleicht auch vorbildmäßig das vorzuleben. Und wenn jede:r im Kleinen etwas tut, dann tun wir alle, glaube ich zumindest, in die Richtung was zusammen und wenn jede:r etwas Kleines beiträgt, dann ist es in der Summe so viel, dass am Ende doch was Großes bei rumkommt.

Stefanie Stimmt, das sehe ich auch so.



Stefanie Ja Carsten, jetzt hast du hier drei schlimme Bücher vorgestellt. Der Anti Vegan Hetzer.

Carsten Also ich bin immer noch vegan. Ich konnte mich nicht überzeugen lassen. Ich fand das einfach ein bisschen dürftig. Entweder direkt von der Haltung, wie ich schon beschrieben habe, weil es einfach die absolute Hass- oder Hetzliteratur ist. Oder eben, weil die Fakten aus meiner Sicht letztendlich einfach zu… Naja, weil sie zu einseitig waren.

Stefanie Ja.

Carsten Also letztendlich muss ich sagen, ich kann diese Bücher gar nicht empfehlen. Schenkt euch das. Das ist vergebene Liebesmühe. Oder einfach im schlimmsten Fall vergebenes Geld ausgeben. Mindestens.

Stefanie Vertane Zeit.

Carsten Vertane Zeit. Definitiv. Es ist nichts drin, was euch in irgendeiner Art und Weise weiterbringt. Da sind keine Argumente drin, die euch helfen, euch irgendwie besser zu positionieren. Und ja, wie gesagt, schenkt euch das. Es reicht, dass ich das gelesen habe.

Stefanie Genau und dass Carsten dir das hier zur Verfügung stellt. Du sagst schon wieder immer euch.

Carsten Stimmt, dir. Richtig? Ja, ich rede hier über Publikum.

Stefanie Also. Das Perfide an solchen Büchern ist ja auch, dass das dann einen immer weiter beschäftigt. Sobald du so was liest, dann hast du nicht nur die Zeit verloren, die du halt verbringst, um das Buch zu lesen, sondern diese Gedanken und diese Sätze, die verfolgen dich dann die ganze Zeit, dann beschäftigst du dich weiter damit und dann kriegst du die nicht los. Und dieses Perfide, also dieses Gefühl und diesen Zustand, den wünschen wir dir auf gar keinen Fall. Und deswegen wirklich lass es einfach sein.

Carsten Genau. Ja.

Stefanie Schieb diese Sachen beiseite, hör auf das, was wir gerade in den O Tönen gehört haben als Beispiele. Also von uns auf jeden Fall, was wir machen, wenn uns alles zu viel wird, hast du ja auch schon gehört. Die Podcastfolge verlinken wir auch noch mal und generell such Gemeinschaft, such was Positives, mach was Schönes.

Carsten Ja, such dir positive Orientierungspunkte im Leben. Einfach die für dich klar machen, dass es der richtige Entschluss ist, den du getroffen hast. Und es ist definitiv nicht so grau und niederschmetternd wie das, was in diesen Büchern geschrieben wird.

Stefanie Und auf keinen Fall Schwarz Weiß. Wir sind nicht perfekt, wir sind alles Menschen und wir können nie 100 % vegan sein. Wir sind einfach nicht perfekt. Folg einfach deinem Gefühl und ich bin mir sicher, dein Gefühl leitet dich und es macht keinen Sinn, sich diesen Anti Vegan Hetzern irgendwie zu stellen.

Carsten Nein, absolut nicht. Genau

Stefanie Einfach ignorieren. Abwinken und weitergehen.

Carsten Genau. Ja. Schönes Schlusswort. Weitergehen. In diesem Sinne würde ich sagen.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 76 - Ein Tag Rohvegan

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Folge 76 - Ein Tag Rohvegan

In dieser Folge

  • erzählt Carsten von dem Tagesseminar "Rohvegan mit Wildkräutern", an dem er teilgenommen hat,
  • berichtet Carsten wie das Seminar abgelaufen ist und
  • erklärt Carsten, was man denn dann noch essen kann, wenn man sich rohvegan ernährt.

Da Carsten immer mehr in Richtung rohvegane Ernährung tendiert, habe ich ihm ein Wildkräuter-Rohkost-Tagesseminar bei Rosmarin & Kinkerlitz geschenkt.

Und damit auch Du an diesem Geschenk teilhaben kannst, haben wir auch gleich aus Carstens Erfahrungsbericht eine Podcastfolge gemacht.

Es gab rohveganes Frühstück, Mittag- und Abendessen und dazwischen noch rohveganen Kuchen. Und das alles mit einem sehr hohen Wildkräuteranteil aus dem eigenen Garten.

Ob Carsten satt geworden ist und wie ihm der Tag gefallen hat- hör doch einfach mal rein :-)

Links zur Folge

Rosmarin & Kinkerlitz
www.rosmarinundkinkerlitz.de

Nordisch Roh
nordischroh.de

Folge 75 - Aiko und Peter auf Haiti

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Folge 75 - Aiko und Peter auf Haiti

In dieser Folge

  • sprechen wir erneut mit Aiko und Peter über ihr Projekt Earthumanimal und ihre Erfahrungen auf Haiti,
  • erzählen Aiko und Peter was sie in den ersten vier Wochen auf Haiti alles erlebt haben und
  • erklären Aiko und Peter, warum sie sich entschieden haben auf die vierte Station "Neuseeland" zu verzichten.

Etwa einen Monat nachdem sie Deutschland verlassen haben war es soweit: Aiko und Peter hatten die Chance in einem Hostel die (einigermaßen) stabile Internetverbindung zu nutzen und mit uns eine Fortsetzung zu ihrem Gespräch aufzunehmen.

Obwohl uns die Verbindung zweimal weggebrochen ist, haben wir es geschafft und können Dir nun Aiko und Peters Erlebnisse auf Haiti präsentieren.

Wir sprechen über Smartphone-Entzug, handtellergroße Taranteln, die ungern den Weg frei machen, extreme Hitze und noch einige Dinge mehr.

Ich bin sehr glücklich, dass wir Aiko und Peter bei ihrem Abenteuer begleiten dürfen und hoffe, dass wir Dich auch dieses Mal mit diesem Gespräch inspirieren können.

Links zur Folge

Folge 74 - Im Gespräch mit Gesche Santen

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Folge 74 - Im Gespräch mit Gesche Santen

In dieser Folge

  • spreche ich mit der Ökologin und Künstlerin Gesche Santen über vegane Farben, Papiere und Malutensilien,
  • erklärt Gesche worauf Du als Veganer*in achten solltest und
  • erzählt Gesche wie sie als Veganerin das Leben auf dem Land meistert.

Ich freue mich sehr, dass ich in dieser Podcastfolge Gesche als Expertin für veganes Malen zu Gast habe.

Ein Thema, das ich bisher so gar nicht auf dem Schirm hatte, das mir aber dann ganz logisch erschien, als ich mich durch Gesches Blog geklickt habe.

Gesche malt wunderschöne Aquarelle und hilft Naturliebhaber*innen dabei es ihr gleich zu tun. Das macht sie mit einem Onlinekurs, inspirierenden Newslettern und Blogartikeln.

Und ganz nebenbei lebt Gesche seit 5 Jahren vegan - der Grund, warum ich dieses Gespräch mit ihr aufgenommen habe.

Leider, leider, leider war die Tonspur zum Ende des Gesprächs zu verzerrt, als dass ich sie guten Gewissens so hätte veröffentlichen können. Das Gespräch endet also etwas abrupt und ich bitte das zu verzeihen.

Links zur Folge

Dürfen Veganer Haustiere halten?

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Folge 73 - Dürfen Veganer Haustiere halten?

In dieser Folge

  • erörtern wir die Frage, ob Veganer eigentlich Haustiere halten dürfen,
  • sprechen wir über die Haustiere, die schon Teil unseres Lebens waren und
  • lassen wir ganz viele Veganer*innen zu Wort kommen, die ebenfalls auf die Frage "Dürfen Veganer Haustiere halten" antworten.

Die Frage, ob Veganer Haustiere halten dürfen, spukt schon länger in meinem Kopf herum. Und damit Du nicht nur Carstens und meine Meinung zu dieser Frage hörst, habe ich auch noch andere Veganer*innen befragt und ihre Antworten in diese Folge integriert.

Komischerweise denken wir bei Haustieren spontan immer an Hunde und Katzen.

Ich nehme mich da nicht von aus, obwohl ich früher Wellensittiche und sogar für kurze Zeit ein Aquarium hatte. Kaninchen, Meerschweinchen, alle Arten von Ziervögeln oder gar Ratten kommen einem meist erst nach längerem Nachdenken in den Sinn.

Und doch gehören sie zu den Tieren, die wir als Haustiere deklariert haben- auch Pferde, wobei diese natürlich allein durch ihre Größe und die Haltungskosten selten(er) Platz im Kinderzimmer finden.

Wenn ich nun vegan lebe, vor allem, wenn ich aus ethischen Gründen vegan lebe, wenn ich dafür kämpfe, dass die sogenannten Nutztiere in Freiheit leben können- ist es dann in Ordnung, wenn ich meine Wellensittiche im Käfig halte oder die Katzen keinen Freigang bekommen?

Darüber diskutieren wir in dieser Folge- hör gerne rein und wenn Du Deine Meinung mit uns teilen möchtest, hinterlasse gern einen Kommentar.

Links zur Folge

Vebu: Ist vegane Hundeernährung gesund?
https://vebu.de/tiere-umwelt/haustierhaltung/vegane-hundeernaehrung/

Provegan: Berichte über vegan ernährte Haustiere (auch Katzen)
https://www.provegan.info/de/ernaehrung/haustiere-und-vegane-ernaehrung/

Kann mein Hund vegan leben?
https://www.vegane-inspiration.com/hund-vegan.html

Erfahrungsbericht zur veganen Ernährung von Hunden
http://www.veganblog.de/2013/10/erfahrungsbericht-vegane-hundenahrung/

Edgar- das vegane Hundefutter inkl. Rezepten und Hintergrundinfos
https://vegan4dogs.com/

Rezepte und Hintergrundinformationen zu vegan-ernährten Hunden
https://www.vegan-happy-dogs.de/

Folge 72 - Im Gespräch mit Aiko und Peter

Ein Beitrag

Folge 72 - Im Gespräch mit Aiko und Peter

In dieser Folge

  • sprechen wir mit Aiko und Peter über ihr wunderbares Vorhaben, in verschiedenen Projekten auf verschiedenen Kontinenten zu volontieren,
  • erzählen uns Aiko und Peter, wie sie auf diese Idee gekommen sind und
  • berichten sie davon, wie sie die Reise vorbereitet haben und ihr Umfeld darauf reagiert hat.

Ich habe Aiko und Peter vor einem Jahr als Gäste meiner Radtour kennengelernt. Damals haben sie mir schon verraten, dass sie Deutschland im nächsten Jahr verlassen wollen und ich fand ihre Idee so spannend, dass wir in Kontakt geblieben sind.

In diesem Moment, in dem ich diesen Text schreibe, sind Aiko und Peter schon mehr als 3 Wochen auf Haiti und helfen bei einem Aufforstungsprojekt mit.

Leider haben sie es vorher nicht mehr geschafft, ihre Webseite zu ihrem Projekt fertigzustellen, so dass es momentan noch keine weitere Informationen zu ihrem Projekt gibt.

Sobald die Webseite online ist, werde ich Dich in jedem Fall informieren.

Das Gespräch mit Aiko und Peter haben Carsten und ich kurz vor ihrer Abreise im Wilhelmsburger Inselpark geführt und so wirst Du einige Umgebungsgeräusche und auch manchmal Wind hören.

Leider kommt zur Mitte hin wieder dieses Ticken mit dazu- falls Du Dich berufen fühlst, die Audiodatei davon zu befreien, melde Dich gerne, ich freue mich über Deine Unterstützung.

Links zur Folge

Projekt "Earthumanimal" von Aiko und Peter
www.earthumanimal.life

Hof Butenland
http://www.stiftung-fuer-tierschutz.de/

Ökodorf Sieben Linden
http://siebenlinden.org/de/start/

Permakultur Campus Hamburg
http://permakultur-campus.de/

Sadhana Forest Haiti
http://www.sadhanaforest.org/haiti/

FruitHaven EcoVillage Ecuador
http://www.fruithavenecovillage.com/

Farm Animal Rescue Australia
https://www.farmanimalrescue.org.au/

Video einer ehemaligen Volontärin von Farm Animal Rescue
https://www.facebook.com/188897328125297/videos/309582189390143/?__mref=message_bubble

Black Sheep Animal Sanctuary Neuseeland
http://www.theblacksheep.org.nz/

Folge 71 - Wie viele Sklaven halten Sie?

Ein Beitrag

Folge 71 - Wie viele Sklaven halten Sie?

In dieser Folge

  • besprechen wir das Buch "Wie viele Sklaven halten Sie?" von Evi Hartmann,
  • machen wir einen kleinen Ausflug in die neue Kochen ohne Knochen und
  • erzähle ich Dir, was mich an dem Buch "Magic Cleaning" stört.

Von dem Buch "Wie viele Sklaven halten Sie?" erfahren habe ich in einer Zeitschrift- ich bin mir nicht mehr sicher in welcher, seitdem stand es auf meiner "to-read"-Liste und an einem schönen Tag habe ich es in der Zentralbibliothek ergattern können.

Dieses Buch ist nichts für Quer- oder letzte Seite-zuerst-Leser*innen (*räusper*). Evi Hartmann baut es Kapitel für Kapitel auf und wenn Du eines der Kapitel nicht liest, fehlen Dir wichtige Informationen, um den Rest zu verstehen.

Du solltest dieses Buch wirklich komplett lesen. Es ist nicht dick, 221 Seiten stark, und es ist flüssig geschrieben.

P.S.: Ich habe das Mikro dieses Mal etwas zu laut gestellt, daher klingt die Folge teilweise übersteuert- sorry...

Links zur Folge

Buch "Wie viele Sklaven halten Sie?" von Evi Hartmann
https://www.buch7.de/store/product_details/1026095410

Berechne wie viele Sklaven für Dich arbeiten:
slaveryfootprint.org

Unsere Folge zu "Aus kontrolliertem Raubbau" von Kathrin Hartmann
Folge 36 - Aus kontrolliertem Raubbau

Buch "Magic Cleaning" von Marie Kondo
https://www.buch7.de/store/product_details/1019810237

Buch "Vegional" von Stina Spiegelberg
https://www.buch7.de/store/product_details/1028600233

Kochen ohne Knochen
https://kochenohneknochen.wordpress.com/

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Stefanie In dieser Folge wollen wir mal wieder ein Buch rezensieren.

Carsten Genau. Und wie heißt das?

Stefanie Carsten hat was gelesen, heißt das.

Carsten (lacht) Das ist ein spannendes Buch.

Stefanie Das heißt „Wie viele Sklaven halten Sie?“ Von Evi Hartmann.

Carsten Über Globalisierung und Moral.

Stefanie Und das Erste, was Carsten mich gefragt hat, ist, ob Evi Hartmann mit Kathrin Hartmann irgendwie verwandt ist.

Carsten Ja, aber war sie nicht.

Stefanie Ich glaube nicht. Ich habe nichts darüber gefunden.

Carsten Okay, also für die, die jetzt überlegen: „Wer ist Kathrin Hartmann?“ Das ist diejenige, die.

Stefanie Da habt ihr mal wieder nicht zugehört (lacht).

Carsten Genau. Die „Aus kontrolliertem Raubbau geschrieben“ hat.

Stefanie Ja.

Carsten Beides kritische Bücher. Aber beide Hartmänner haben nichts miteinander zu tun.

Stefanie Hartmännerfrauen.

Carsten Hartmännerfrauen. Genau.

Stefanie Bevor wir das Buch rezensieren, wollte ich noch ein bisschen Werbung für die neue „Kochen ohne Knochen“ machen, die gestern bei uns im Briefkasten lag.

Carsten Ja, und was musst du da werben?

Stefanie Also, die Kochen ohne Knochen. Ich wollte mal probieren, ob die uns einen Sponsoringvertrag anbieten. Also, hier sehen Sie die Knochen ohne Knochen in einem wunderschönen Layout in rot und blau gehalten. Diesmal vorne eine nette junge Dame drauf, mit einem Sushiröllchen zwischen den Stäbchen. Hier einen Burger oben links und unten eine nette junge Frau, wo „Vegan Good Life Fair Fashion“ steht (lacht). Nein, ich wollte was erzählen, was da so drinsteht. Du hast es ja wahrscheinlich noch nicht gelesen.

Carsten Ich habe kurz durchgeblättert.

Stefanie Ich habe jetzt auch schon mehrmals kurz durchgeblättert. Ich habe auch noch nicht alles gelesen. Es ist ziemlich viel über Japan dieses Mal.

Carsten Ja, auf dem Titelblatt.

Stefanie Da steht Culina Japan, Tomoyuki Takada und Japans vegane Esskultur. Aber das heißt noch lange nicht, dass alles jetzt hier mit Japan zu tun hat. Aber es hat schon ziemlich viel mit Japan zu tun. Aber was ich da, da habe ich übrigens noch nicht davon gelesen. Was ich aber gut fand, von Niko Rittenau gab es einen Artikel, der ist natürlich irgendwo ganz hinten. Ähm, der jetzt genau hier, der, äh, die größten Mythen über vegane Ernährung wissenschaftlich widerlegt. Das ist jetzt schon Teil zwei, „aber Fleisch ist doch ein Stück Lebenskraft“. Und ich finde das sehr schön, dass die Kochen ohne Knochen Nico Rittenau hier fünf Seiten gibt, auf denen er sich ausbreiten kann. Das wollte ich mal lobend erwähnen, dass es nicht so kurze Artikelchen sind, sondern Nico Rittenau kann hier wirklich sich in aller epischen Breite ausbreiten. Im nächsten Teil geht es um Milchkühe, steht hier. Das ist dann wieder für mich sehr interessant. Aber der nächste Teil, die Knochen ohne Knochen kommt ja nur alle drei Monate raus, der nächste Teil, das dauert noch. Genau. Ja, und was ich ganz schön fand, war ein Artikel über Stina Spiegelbergs neues Kochbuch, das sich „Vegional“ nennt, was sich aus vegan und regional zusammensetzt, wie sich die geneigte Hörerin, der geneigte Hörer schon gedacht haben mag. Carsten wusste das wieder nicht.

Carsten Nein, ich musste gerade im Lexikon nachgucken.

Stefanie Ja, hat er zwischendurch mal gemacht, und das, ich habe das jetzt selber noch nicht gesehen, das Kochbuch. Aber es klingt ganz gut, was sie da so drüber erzählt. Und da durfte sie auch zwei Seiten drüber erzählen. Das ist doch auch. Ja, und ansonsten gibt es natürlich wieder viele. Also ein paar Rezepte und viele Buchrezensionen. Und da ist dann auch das Vegional. Dann noch mal, ähm, schön, wurde gerade abgelenkt (lacht). Ja, da ist Vegional genannt, und die, ich kann ja. Ja genau. Ich lese einfach kurz die Rezension vor, die hier in der Kochen ohne Knochen drinsteht. Nicht leise, so wie ich das gerade gemacht habe, sondern laut, dass alle es hören: „Spiegelberg-Bücher sind seit vielen Jahren Bestseller auf dem veganen Koch- und Backbuchmarkt. Bei aller feministischen Zuneigungen war Stina mir doch oft zu detailverliebt und zu wenig alltagstauglich. Diese Meinung revidiere ich hiermit vollständig. Das Buch macht Lust, regional und saisonal zu kochen und damit auch das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Zum Frühstück Milchhirse mit Heidelbeeren, später Sauerkraut-Kartoffelküchle,“ das ist was für dich. Iih, Sauerkraut. Aber Carsten ist ein riesiger Sauerkrautfan. „Bodenständige Rezepte bekommen hier den modernen Anstrich einer meisterlichen Köchin. Wir haben uns eher an die vegionalen Leckereien gehalten. Haferkekse und Apfelkuchen schmecken großartig und sehen so aus wie auf den wunderbaren Fotos. Eine Wohltat für Geschmack und Gewissen.“ Das Buch soll wohl 20 € kosten, und ich bin tatsächlich geneigt, es zu kaufen. Und ich wurde dafür nicht bezahlt. Gut, ja, also das habe ich also aus, weil mich eben diese regional und saisonalen veganen Kochbücher interessieren. Ja, das war der kurze Ausflug in die Knochen ohne Knochen.

Carsten Genau, das war der Werbejingle (lachen).

Stefanie Das war der Werbeteil. Und jetzt zurück zum Buch. Genau, so wie viele Sklaven hältst du?

Carsten Ähm, 18 oder 16? Ich habe zweimal nachgerechnet.

Stefanie Also, ich dachte, du hast vergessen.

Carsten Ich scheine Nuancen unterschiedlich bewertet zu haben. Und deswegen habe ich zwei verschiedene Ergebnisse. Aber ich liegt noch weit unter dem Durchschnitt.

Stefanie Ja, ich habe vergessen, wie viele ich halte, aber ich glaube mehr als du. Weil ich nämlich nicht so detailliert es durchgegangen bin. Und im Durchschnitt, also hier hinten. Ja, ich wollte das vor.

Carsten Ich dachte, du guckst jetzt, ob die Zahl irgendwo steht.

Stefanie So kurzsichtig bin ich nicht. Was ich vor Jahrzehnten mal. Ich sage nur Laser. Also: „Wenn Sie wie ich Kleidung tragen, Nahrung zu sich nehmen, ein Auto fahren oder ein Smartphone haben, arbeiten derzeit ungefähr 60 Sklaven für Sie und mich. Ob wir wollen oder nicht. Und ohne dass wir das veranlasst hätten, Wie fühlen Sie sich damit? Dies fragt BWL-Professorin Evi Hartmann und meint es nicht rhetorisch“. Also die psychologische Frage Wie fühlst du dich denn damit? So, Carsten, wie fühlst du dich denn mit deinen 16 bis 18 Sklaven? Und wie hast du das überhaupt ausgerechnet?

Carsten Ausgerechnet habe ich das nicht selbst, sondern man bedient sich ja heutzutage des Internets. Das kann man so machen wie beim ökologischen Fußabdruck oder dem CO2 Druck. Genau so kann ich auch meinen Sklaven.

Stefanie Fußabdruck. Ja, okay.

Carsten Fußabdruck. Ja, Sklavenfußabdruck heißt das.

Stefanie Mein Sklavenschatten. Ja.

Carsten Die Seite heißt slaveryfootprint.org

Stefanie Genau. Hast du gut gesagt.

Carsten Ja, habe ich mir ausmerksam.

Stefanie Ausmerksam (lacht). Aufmerksam gelernt. Genau.

Carsten Ich muss sagen, die ist optisch sehr ansprechend. Also es macht Spaß, sich da als.

Stefanie Spaß, sein Sklaven auszurechnen.

Carsten Die Sklaven kommen gar nicht zum Vorschein. Es wird ja einfach nur abgefragt, mit was für Gegenständen man seinen Lebensstil aufpeppt. Und da kann man Anzahlen für Kleidungsstücke hinterlegen, was für Kleidungsstücke man hat, wie viel Elektronik man hat. Ob man jetzt so der totale Nerd ist, der hochtechnisiert ist oder eher so der altbackene, der ein Telefon zu Hause hat. Wohnungseinrichtungen etc. werden abgefragt, also viele Parameter im normalen Alltagsleben, und anschließend kommt dann eine Zahl raus. Anhand der muss ich sagen, ich wurde damit konfrontiert, dass ich halt 16 Sklaven habe.

Stefanie Oder 18.

Carsten Oder 18, also je nachdem, wie detailliert man jetzt gerade in die Fragen reingeht. Aber was ich so ein bisschen schade fand, war, dass mir nicht im Detail erklärt wurde, warum kommen jetzt gerade 16 oder 18 Sklaven zustande, Wo fallen die an? Oder habe ich da nicht tief genug in die Seite reingeschaut? Ich habe das Prozedere zweimal durchlaufen, aber irgendwie war das so, das hätte ich mir noch gewünscht. So eine Aufklärung: Pass mal auf, du hast jetzt 16, weil du das und das und das gekauft, konsumiert hast oder.

Stefanie Ich dachte, dass das am Ende kommt. Aber ich habe das auch nur so überflogen, alles.

Carsten Ich habe es mir wie gesagt zweimal.

Stefanie Also du kannst am Anfang ja auswählen wie, Sklaven, oder ich berechne das jetzt. Ja, und wenn du dann auswählst wie, ich weiß gar nicht, warum halte ich überhaupt Sklaven? Dann wird ja auch noch mal angezeigt, was, also in welchen Bereichen. Also was Sklavenarbeit bedeutet, in dem Sinne.

Carsten Genau.

Stefanie Genau. Aber du hattest immer, du bist immer direkt auf berechnen.

Carsten Ich bin direkt auf die Berechnung gegangen. Und ja, wie gerade schon gesagt, das ist optisch sehr ansprechend gemacht. Also das ist nicht einfach so ein bisschen eintippen, sondern man wird grafisch sehr gut durchgeführt und kann eigentlich fast alles direkt mit der Maus erledigen. Vielleicht muss ich das von vorne nochmal durchspielen, dass ich wirklich so die Hintergründe nochmal ein bisschen auf der.

Stefanie Ja.

Carsten Zweiten Route oder was es da ist, also direkt am Anfang bei der Auswahl berücksichtige, dass ich da mal das anklicke.

Stefanie Und warum reden wir da jetzt drüber?

Carsten Ja, weil uns das Buch so ein bisschen angestiftet hat. Diese Internetseite slaveryfootprint.org wurde in dem Buch Wie viele Sklaven halten Sie? auch genannt. Und es geht konkret um die Frage, ja Moral im Rahmen, sie hat es hier über Moral, über Globalisierung und Moral genannt. Wortfindungsschwierigkeiten, und sie geht aus meiner Sicht sehr stark in den Bereich Wirtschaft. Moral in der Wirtschaft.

Stefanie Ja sie ist ja auch BWL-Professorin.

Carsten Sie ist BWL-Professorin, genau.

Stefanie Und da liegt das irgendwie nahe (lacht).

Carsten Und scheinbar hat sie es auf die Topmanager oder die Topmanager in Großkonzernen abgesehen. Da lässt sie die eine oder andere Spitze los und das scheint wohl ihr Metier zu sein. Dass eben diese wirtschaftlichen Handlungen, die in den Unternehmen stattfinden, bar jeder moralischen Einstellung sind, die halt von anderen Interessen geleitet sind und dabei eben auch missachten, dass in Bangladesch, ja, Näherinnen zu Tode kommen, weil die Firmengebäude einstürzen, dass in Coltanminen Kinder zur Arbeit gezwungen werden. Und ja, sie sagt ja auch, dass das, eigentlich müsste es Blutcoltan heißen, ähnlich, also analog zum Blutdiamanten. Und solche Beispiele führt sie halt an, wo im Rahmen der Wirtschaft einfach gekauft wird und nur auf den Preis geschaut wird und im Hintergrund aber Elend entsteht, auch Zwang. Also das, was sie mit Sklaven, was hat sie jetzt, ich weiß nicht, ob sie es so eindeutig gesagt hat, aber für mich ist das so herübergekommen, dass sie sehr stark sagt, wenn das unter Zwang kommt oder zustande kommt, dann ist es moralisch eigentlich immer problematisch, wenn nicht sogar verwerflich. Und die Leute, die sie dort als Sklaven tituliert, die können halt nicht frei über ihr Leben entscheiden, sondern die werden gezwungen, ökonomisch oder eben auch teilweise mit ja, mit Leib und Leben, also auch physisch gezwungen. Und das behandelt sie halt in dem Buch.

Stefanie Ja, und ich hatte gerade so ein Beispiel, aber das war gar nicht aus dem Buch, wo eine Frau gezwungen wurde, auf den Feldern irgendwie Spargel zu stechen oder so, aber das war gar nicht in dem Buch. Das war ein Artikel, den ich so gelesen hatte. Aber sie sagt ja auch viel über Kinderarbeit, dass sie generell diese These anführt: Kinderarbeit ist jetzt nicht per se verwerflich, sondern es kommt eben darauf an, und da spielt dieser Zwang eben wieder diese Rolle, dass Kinder, die jetzt zum Beispiel hier, wenn jetzt wir einen Hof hätten und unser Sohn würde da mithelfen, wäre es ja auch Kinderarbeit. Aber solange er nicht gezwungenermaßen mitmacht, ist es dann okay so.

Carsten Ja, sie geht auch hin und sagt, was sagt denn der Betroffene dazu?

Stefanie Ja.

Carsten Also sie führt auch ein Beispiel ein.

Stefanie War das mit diesen einem Euro?

Carsten Ja genau.

Stefanie Das bekam da der Geflüchtete genau.

Carsten Genau dieses Beispiel. Ich weiß nicht, ob ich es noch richtig in Erinnerung habe, aber das, was bei mir so hängengeblieben ist, waren Geflüchtete, denen in irgendeiner Kommune ein Euro-Jobs angeboten wurde, um, ich weiß gar nicht was war.

Stefanie Koffer tragen, Koffer am Bahnhof tragen für einen Euro die Stunde.

Carsten Ja, die konnten sich ja ein bisschen was dazuverdienen. Und das ist aber irgendwo.

Stefanie Ist in der Kommune sauer aufgestoßen. Nicht bei den Geflüchteten, sondern.

Carsten Die Geflüchteten hätten es gerne gemacht. Genau, weil sie sich a) ein bisschen was dazuverdienen hätten können. Und zweitens, was noch viel wichtiger war als das Geld, sich integrieren können, Kontakte, Sozialkontakt zur Bevölkerung aufbauen, weil sie halt unter den Menschen sind. Die wollten das also, aber diese Empörung „Oh, das ist ja schon fast Sklavenarbeit, Ausnutzung, bla bla bla“ hat dazu geführt, dass, ich glaube, der Bürgermeister oder irgendjemand hat das da in der Kommune ursprünglich durchsetzen wollen, der musste das alles wieder zurücknehmen, und da ist die Idee gestorben.

Stefanie Genau. Und die Betroffenen wurden nie befragt.

Carsten Genau.

Stefanie Also zumindest nicht öffentlich.

Carsten Öffentlich, ja genau, deren Willen.

Stefanie Und der wurde nicht berücksichtigt. Genau.

Carsten Und deswegen sagt sie auch immer dann, wenn irgendwo von Zwang gesprochen wird, sollte man auch immer schauen, was sagt denn der Betroffene dazu? Also Beispiel Kinderarbeit. Ja, es gibt ja auch so Grauzonen, die sie auch benennt, um klarzustellen, dass Kinderarbeit nicht per se schlecht ist, wenn die Arbeit des Kindes dafür sorgt, dass eben die Familie, die da im Hintergrund mit verbunden ist, dadurch überlebt. Gerade in ärmeren Ländern oder Weltteilen, da wo eben auch die Kinder mithelfen müssen, ist das natürlich unerlässlich, um überhaupt die Familie zu ernähren. Und da ist es immer sehr schwierig zu sagen, per se zu sagen, Kinderarbeit ist jetzt verwerflich oder schlecht oder muss abgeschafft werden. Also wenn man das irgendwie reglementieren würde oder von vornherein verbieten würde, würde das in der jetzigen Konstellation dafür sorgen, dass bestimmte Familien einfach überhaupt gar nicht mehr überleben könnten, weil denen bestimmte Einnahmequellen verloren gehen.

Stefanie Ja.

Carsten Also so, das behandelt sie halt. Und das ist auch so ein Aspekt im Buch, der mir sehr gut gefällt, dass sie eben sehr vielschichtig schaut. Also sie fängt an in einem Buch mit einem bestimmten Thema und versucht eigentlich immer zu erklären, warum handeln wir nicht moralisch, auch gerade in diesem Wirtschaftszusammenhang. Und dann findet sie eine Antwort. Die klingt plausibel. Und im nächsten Satz oder zumindest im nächsten Kapitel nimmt sie das nochmal auf, reflektiert es, und spinnt das Ganze weiter, aber häufig so, dass man dann feststellt okay, das war's eigentlich gar nicht. Also diese Antwort, die vorher schlüssig klang, die ist eigentlich halbgar oder ist einfach zu eindimensional. Und das führt sie das komplette Buch über durch. Und du hattest das gesagt, du wusstest, also du hattest mir mal nach dem Lesen des Buches gesagt, dass du, glaube ich, während des Buches immer festgestellt hast, dass sie ihre Meinung verändert, oder ändert, oder irgendwie hast du es ausgedrückt.

Stefanie Naja, es war halt schwer, dass, also ich bin ja auch jemand, der gerne mal zwischendurch überspringt oder so hier ein Kapitel liest, da ein Kapitel liest und so, und das geht bei dem Buch nicht, weil sie eben ihre Meinung so aufeinander aufbaut. Jedes Kapitel ist aufeinander aufgebaut und es wird, es funktioniert nicht, das von hinten nach vorne zu lesen oder quer zu lesen oder so. Man muss es wirklich von Anfang bis Ende lesen, um wirklich die Argumentation komplett zu verstehen.

Carsten Ja genau. Ja. das ist mir auch aufgefallen. Also die einzelnen Abschnitte, die sind zwar vom Inhaltsverzeichnis her können sie lose verstanden werden, aber da die Argumentation „wie komme ich eigentlich zum moralischen Handeln“, da die sich eben aufeinander aufbaut, muss ich wirklich von vorne bis hinten einmal durchlesen.

Stefanie Ja.

Carsten Das fand ich an dem Buch ganz interessant. Aber es gibt auch einen Aspekt, den ich ganz schwierig fand. Also ich bin mit der Schreibweise nicht klargekommen, mit der Ausdrucksweise.

Stefanie Weil sie zwischendurch auch so diesen Wirtschaftsslang drin hat und so?

Carsten Nein, diese schon fast Polemik, also diese Spitzen, die sie verteilt.

Stefanie Das ist schon ein bisschen länger her, dass ich es wirklich gelesen habe, deswegen.

Carsten Also sie schreibt erst mal sehr akademisch, sie sie packt auch viel Slang mit rein, Wirtschaftsslang und da merkt man, dass sie eben aus dem Bereich BWL kommt. Aber sie schreibt sehr sarkastisch, zynisch, mit vielen Polemiken meine ich. Und da habe ich mich wirklich schwer damit getan. Ich habe die ersten zwei, drei Kapitel, da fand ich das noch ganz interessant. Da hat das das Buch mitgetragen, weil die Materie an sich eigentlich schon relativ schwer ist. Moral ist schon ein schwieriges Thema und die Tatsache, dass unser Konsum, unsere Art und Weise wie Wirtschaft zunehmend zu Versklavung führt, ist natürlich auch nicht unbedingt das leichteste Thema, und das versucht sie dadurch wahrscheinlich so ein bisschen aufzupeppen, oder es liest sich dadurch lockerer, aber ich fand es nachher wirklich nervig. Also nach dem ersten Drittel des Buches habe ich dann versucht, relativ zügig zu lesen, damit ich das nicht so intensiv aufnehme. Also das war für mich schon ein Punkt, wo ich gedacht habe, das hätte sie sich nachher schenken können.

Stefanie Ich überlege gerade, ob ich da ein Beispiel finde, aber das finde ich jetzt gerade nicht. Vielleicht kannst du das noch irgendwo finden, aber also was ich genau jetzt, wo ich hier gerade so durchblättert, was mich halt so ein bisschen gestört hat, sie hat auch Moralmetapher Milch, hat sie als einen, als ein Thema da und ich, es geht aber nur darum, dass halt die amerikanische Bevölkerung dazu gebracht werden sollte, fettarme Milch zu trinken statt vollfetter Milch (lacht) Das ist das einzige. Um mehr geht es nicht. Das ist nur die Frage „Trinkst du jetzt Vollfettmilch oder fettarme Milch? Und das ist die Moralmetapher Milch. Also so, dass das eben der Bevölkerung gesagt wurde. So, also sie sagt ja, dass man den, sie hat irgendwie das mit dem Elefanten und dem Reiter irgendwie diese Metapher und sagt halt, dass der Reiter, das ist unser Verstand und der Elefant, das ist halt.

Carsten Die Gewohnheit oder der Affekt.

Stefanie Genau. Und dem Elefanten muss halt ganz genau gesagt werden: So, du musst jetzt zu fettarmer Milch greifen, oder trinkt dreimal am Tag fettarme Milch oder so und dann macht er das. Aber wenn dann nur gesagt wird, ja, es wäre eigentlich besser, fettarme Milch zu trinken, dann macht das eben nicht.

Carsten Ja, der Verstand würde sagen: Ja, verstehe ich, weil da stecken gesundheitliche Aspekte dahinter, und halt dieses Gewohnheitstier, dieser Elefant in uns, der sagt was interessiert mich dieser ganze Gesundheitskram.

Stefanie Ja.

Carsten Ich mache das, was für mich gerade am einfachsten ist, wenn ich eine ganz klare Ansage bekomme von wegen mach das und mach das, dann mache ich das halt.

Stefanie Ja, ich meine, das kann schon stimmen alles. Ich fand es nur bei der Milch so ein bisschen unglücklich, weil ich dachte: Wow, sie schreibt ein ganzes Kapitel über Milch, und dann geht es echt nur um fettarme oder vollfette Milch.

Carsten Sie spart auch den kompletten Bereich Moral und Ethik hinsichtlich der Tierwelt aus.

Stefanie Ja, das ist schon. Nur Wirtschaft.

Carsten Wirtschaft und eben auf Mensch. Sie greift wohl den Tierschutz, die Tierschutzszene einmal kurz auf, aber eher in der Hinsicht, dass sie sich darüber empört, dass Tierrechtsorganisationen sich für Tierrechte einsetzen.

Stefanie Aber sie schon ihre Stars, ihre Popstars haben.

Carsten Popstars, dass das im Moment so stark im Vordergrund oder auch medienwirksam ist. Aber sie würde sich wünschen, dass genau das Gleiche auch für Menschenrechte passiert. Menschenrechte findet sie dann halt nicht so stark in den Medien wieder vertreten wie momentan Tierrechte.

Stefanie Ja, also, dass sie halt sagt, dass einige Stars und Sternchen halt sagen „Lieber nackt als im Pelz“. Und so was wünscht sie sich eben auch für die Menschenrechtsszene. Und das ist ja auch okay so, sich das zu wünschen.

Carsten Klar. Ich habe aber beim Lesen habe ich das so empfunden, dass sie eher abfällig über diese Tierrechtsszene berichtet. Das kann auch mein persönliches Empfinden gewesen sein.

Stefanie Das war wieder dein persönliches Empfinden.

Carsten Vielleicht. Vielleicht muss ich da genudged werden.

Stefanie Naja, lass dich noch anstupsen.

Carsten Also das war ja ist eins von diesen.

Stefanie Wörtern.

Carsten Wörtern da, die in den Büchern, eigentlich inflationär wurde es nachher zum Schluss, es hängt mir schon zum Hals raus.

Stefanie Ich glaub, das war was Persönliches bei dir. Kann das sein? (lacht)

Carsten Ne.

Stefanie Hat das irgendwas bei dir getriggert?

Carsten Ja, vielleicht schon. Weiß ich nicht.

Stefanie Ja, ja, ich. Ich wollte jetzt noch mal eine kurze Pause hier einschieben. Wir gehen mal wieder zur Toilette, machen uns ein bisschen hübsch und so, und dann gucken wir hier wieder ins Kameramikrofon.

Carsten Fertig.

Stefanie So schnell.

Carsten Ja.

Stefanie Für Männer ist Pipipause mal ganz schnell vorbei.

Carsten Ich brauche mich nicht aufhübschen, ich bin auch so.

Stefanie Von Natur aus hübsch.

Carsten So macht die Werbepause.

Stefanie Es ist keine Werbepause. Eine Dankespause. Wir haben jetzt gerade heute noch einen neuen Patronen dazugekommen, es sind jetzt insgesamt vier. Und dafür wollen wir uns natürlich bedanken. Ich habe überlegt, bis wir zehn Patronen haben, nennen wir sie alle noch mit Namen und danach, ach, sagen wir nur noch he, ein neuer Patronen, voll cool. Es sei denn natürlich, du spendest uns ganz viel Geld. Dann kannst du auch ein kleines Namensschildchen... (lachen) Ja, also Holger ist jetzt neu mit dabei.

Carsten Juhu!

Stefanie Komischerweise frage ich mich ja, warum es nur Männer sind. Birgit und drei Männer (lacht). So, so, so. Ich frag mich ja jetzt langsam, wer uns so hört. Wenn das ein repräsentativer Durchschnitt durch unsere Hörerschaft ist, dann sind irgendwie ja.

Carsten Liebe.

Stefanie Fünf Frauen.

Carsten Macht euch bemerkbar. Wir wollen wissen, wie sich das Rollenbild bei uns an der Hörerschaft verteilt.

Stefanie Also irgendwie ja gut, wir, ich weiß natürlich auch, dass die andere Stephanie uns hört. Ja so, aber wenn, also wenn es wirklich repräsentativ ist, dann sind es 75 % Männer. Ja.

Carsten Aber unabhängig vom Schnitt würde ich jetzt einfach nochmal eine La Ola springen lassen.

Stefanie Noch mal? Noch mal, Ja. Vielen Dank! Danke schön. Und ja, wenn auch du uns unterstützen möchtest, freuen wir uns natürlich sehr. Ja, du kannst uns für schlappe 3 Dollar im Monat, kannst du uns auf Patreon unterstützen. Und wir überlegen, ob wir vielleicht demnächst zu Steady umwechseln. Steady ist nämlich der deutsche, das deutsche Pendant zu Patreon.

Carsten Da könnt ihr dann in Euro bezahlen.

Stefanie Dann müssen wir nicht mehr Dollar, und es ist vielleicht auch datenschutzmäßig bessiger.

Carsten Bessiger.

Stefanie Bessiger. Du weißt schon, besser. Und bessiger hört sich auch gut an.

Carsten Wie veganisch.

Stefanie Veganisch? Das erinnert mich an Garmisch-Partenkirchen. Der Ort mit dem komischen Doppelnamen. Jörg Maurer. Übrigens, der neue Jörg Maurer Krimi ist raus und ich konnte ihn noch nicht lesen, weil der in der Bücherhalle vergriffen ist.

Carsten Du klingst bei Jörg Maurer jetzt viel enthusiastischer als bei Evi Hartmann. Wie kommt das denn?

Stefanie Das machen wir gleich wieder. Erst müssen wir uns zu Ende bedanken. Und wie gesagt, wenn du uns unterstützen möchtest über Patreon oder bald auch auf Steady, es sei denn, unsere vier Patronen wollen uns dann nicht mehr unterstützen, dann bleiben wir bei Patreon. Dann freuen wir uns natürlich sehr, denn das hilft uns hier die ganzen Kosten zu decken, die wir haben. So die, das Grundrauschen mit Hostinggebühren und eben Technikkosten. Und je mehr du uns gibst, desto mehr Geld können wir eben auch in die Qualität des Podcasts investieren. Jemanden engagieren, der den Podcast schneidet, ihn ein bisschen aufhübscht, schöner macht, besser zu hören macht. Und wir haben dadurch, wenn das jemand anders übernimmt und nicht ich mache, haben wir auch mehr Zeit, um zu recherchieren für neue Themen, um vielleicht noch längere (lacht) Podcastfolgen aufzunehmen.

Carsten Ja, ich glaube, das geht um Zeit zum Recherchieren. Das ist es, was uns fehlt. Wir haben ein paar Themen addressiert bekommt, Danke, aus der Hörerschaft.

Stefanie Genau. Es geht dann mehr in die Qualitätstiefe, und dass wir vielleicht auch mal dann eben mehr Zeit investieren können, um Interviews zu führen. Ab und zu klappt das ja, aber so, dass man auch mal rausgehen kann und nicht nur so usw.. Ja, also wie gesagt, da freuen wir uns sehr, wenn du uns unterstützt und ansonsten freuen wir uns auch immer, wir haben auch wieder eine neue iTunes Rezension, fünf Sterne, sehr freundlich, vielen Dank.

Carsten Dankeschön!

Stefanie Ach Carsten, du klingst immer so aufgesetzt.

Carsten Ich wollte nur freundlich sein.

Stefanie (lacht) So ein Zwang aus der Kindheit. Danke!

Carsten Ich hatte keine Kindheit.

Stefanie (lacht) Okay, das lässt das aber tief blicken. Soll ich das rausschneiden? Ich überlege es mir. Also jedenfalls dafür auch vielen Dank. Und natürlich auch immer Danke, wenn du uns einfach empfiehlst. Und wir freuen uns auch, wenn du uns täglich tolle Dankesmeldungen schickst und uns sagst, wie toll du uns einfach findest, da freuen wir uns auch drüber. So und jetzt macht Carsten das Jingle, und dann geht es weiter mit dem Buch

Carsten Diling!

Stefanie War fast gut.

Carsten Ich wollte schon fast sagen schrecklich. Aber egal, was Besseres kriege ich jetzt gar nicht hin.

Stefanie Schön schrecklich. Ja, wie gesagt, noch ein P.S. Je mehr du springen lässt, desto ausgeruhter ist Carsten (lacht).

Carsten Hey! (lachen)

Stefanie So, was ist jetzt mit Evi Hartmann?

Carsten Ja, Evi Hartmann. Also wie gesagt, der Schriftstil, das ist nicht unbedingt so meins. Ich bin eher so derjenige, der sagt Mensch, wenn es schon ein schweres Thema ist, darf es auch ein bisschen schwer und wuchtig geschrieben sein. Da habe ich weniger Scheu vor. Dann kommt das Ganze auch ein bisschen sachlicher rüber und ich glaube, das hätte diesem, also das ist meine persönliche Meinung, ich glaube, das hätte diesem doch sehr ernsten Thema gutgetan.

Stefanie Okay, also ich fand es eigentlich gut geschrieben. Ich kann mich jetzt nicht mehr an alles erinnern, weil zwischendurch, seit ich es gelesen habe, so viel passiert ist, Aber es hat mich auf jeden Fall dazu gebracht zu sagen, so ich gucke jetzt mal bei slaveryfootprint.org und guck mal, wie viele Sklaven und so und mich noch mal darin bestärkt, wirklich weiter zu gehen und an weiteren Aspekten meines Lebens mal zu schauen, was ich da jetzt noch alles ändern kann, verbessern kann, in welche Richtung ich noch weitergehen kann.

Carsten Ja, da muss ich was zu sagen. Das hatte ich mir eigentlich genau von diesem Buch versprochen, dass man angeregt wird zum kritischen Reflektieren, zum Hinterfragen seiner Konsumgewohnheiten. Der Schwerpunkt des Buches war aus meiner Sicht aber zu sehr auf das Wirtschaftsleben gelegt. Also das war so: Wie schlecht sind unsere Manager? Nee, also auch wenn sie das widerlegt, aber sie führt halt bestimmte Beispiele auch aus dem praktischen Wirtschaftsleben an, was sie so mitbekommen hat, aus Gesprächen mit Managern oder eben von, weil sie eben von ihrer Position als Professorin wohl auch Kontakt zu entsprechenden Kreisen hat, konnte sie Praxisbeispiele mit reinnehmen. Aber die beziehen sich immer auf dieses Wirtschaften, und da hätte ich mir eigentlich schon gewünscht, dass ich als Konsument viel stärker auch in diesem Kontext eingebunden bin. Also es ist natürlich schön und gut, einfach mal zu sehen, wie funktioniert diese Wirtschaftswelt, warum ist sie nicht moralisch? Was für Zwänge sind da? Wo kommt eigentlich diese Unmoral her? Wie kann man dieser Unmoral begegnen? Wie können wir uns daraus befreien, dass die Leute dann moralisch werden und moralisch handeln? Aber ich als Konsument habe mich da jetzt eher weniger angesprochen gefühlt. Also auch dieses aktive: Jetzt geh mal los und hinterfrage mal dein Konsummuster oder so was. Das fand ich jetzt nicht so stark von diesem Buch angetriebenes.

Stefanie Ja, das ist ein bisschen schade, weil es halt wieder nur so zwei, drei Seiten am Schluss sind, wo sie ein bisschen sagt: Was könnte man jetzt tun? Ja, es ist jetzt schon bei häufig, bei häufigeren Büchern so gewesen (lacht), das ist echt blöd, dass wir immer so spät abends aufnehmen müssen. Aber leider geht es nicht anders. So, ich habe hier einen Zitat. Also ich muss ja sagen, dass ich mich da immer so ein bisschen, das ist dann meine Sicht, dass ich, wenn sie was von der ganz normalen Hausfrau und Mutter schreibt, sie ist ja selber vierfache Mutter, aber vielleicht ist sie keine ganz normale Mutter, weil sie ja BWL-Professorin ist. Ich weiß auch nicht. Aber jedenfalls, sie schreibt ja „Die ganz normale Hausfrau“, aber sie hat ganz normal in Anführungsstriche gesetzt. „Und Mutter, eine entfernte Bekannte, sagt dazu: Es läuft im Moment so viel schief auf der Welt, das Elend ist so groß. Wenn ich da wenigstens ein bisschen etwas mache, wo ich kann, fühle ich mich nicht so hilflos, ausgeliefert und unbedeutend.“ Und dann sagt die Evi Hartmann dann: „Den richtigen Honig zu kaufen, kann vor Hilf- und Bedeutungslosigkeit retten. Ja, so einfach ist das. Das sind die kleinen Unterschiede, die den großen Unterschied machen. Erstaunlich, nicht?“ Und dann geht es halt noch so ein bisschen weiter. Aber das, ja, das ist eigentlich das, was wir jetzt schon die ganze Zeit so sagen. Zum einen verändern wir die Welt sowieso schon die ganze Zeit mit allem, was wir tun. Deswegen, du veränderst die Welt. Und zum anderen können wir aber, das Verändern stoppen, je nachdem, wie wir uns verhalten oder in eine andere Richtung bewegen, je nachdem, wie wir uns verhalten. Und ja, genau, was du auf deinen Teller packst, das beeinflusst eben die Welt. So.

Carsten Zu diesem, was du gerade vorgelesen hast, möchte ich noch zwei Anmerkungen machen. Sie spricht von dem richtigen Honig. Also zum einen, da klingt schon durch, es ist kein veganes Buch.

Stefanie Ja, genau.

Carsten Zum anderen, was heißt in diesem Kontext richtiger Honig? Das ist so eine Anekdote, die sich.

Stefanie Aber das ist bei ihr der Fairtradehonig, nicht der Regionale.

Carsten Das ist der Fairtrade Honig. Das ist so ein roter Faden, den benutzt sie quasi im gesamten Buch, um klar zu machen: Auch ich habe Schwierigkeiten, immer moralisch einwandfrei zu handeln, weil sie es zumindest bis zum Schluss des Buches wohl nicht oder selten geschafft hat, wirklich im Eine-Welt-Laden Fairtrade Honig zu kaufen, sondern sie ist immer aus Bequemlichkeit im Supermarkt bei dem normalen Honigregal stehen geblieben, hat dort den Honig gekauft, wusste aber, dass es vom Moralischen her sinnvoller ist, einen kleinen Umweg zu machen, in den Eine-Welt-Laden, den sie da immer benennt. Also sie spricht nur vom Eine-Welt-Laden. Ich weiß nicht, wie er jetzt heißt und wo er ist, aber dort eben den Honig zu kaufen. Und die Lösung von dieser ganzen Thematik war, die Hausfrau oder die die Haushälterin zu beauftragen: Kauf du den doch.

Stefanie Ja, genau, das war aber jetzt von einer Freundin von ihr, die ihr das gesagt hat „Und wir haben jetzt übrigens immer den Fairtrade Honig“. Wobei ich irgendwie denke, dass, wir kaufen ja keinen Honig. Aber wenn du jetzt irgendein Produkt kaufst, finde ich es besser, du kaufst es regional und es ist hier aus der Gegend, als wenn es der Fairtrade Honig aus Uganda ist oder so. Also keine Ahnung, oder wie siehst du das?

Carsten Ich habe mir da ehrlich gesagt noch nicht so eine wirkliche Meinung dazu gemacht. Das ist ein sehr schwieriger Bereich, glaube ich. Muss ich noch mal ein bisschen drüber nachdenken. Also ich kann verstehen, was sie damit meint, weil sie sagt eben, der Honig selber kostet, keine Ahnung, ein paar Cent mehr und dient aber dazu, das Leben von einer Bauernfamilie oder Imker Familie zu retten oder überhaupt, dass sie überlebensfähig bleiben. Das ist so der Aspekt, den sie hinzufügt. Aber was für mich persönlich jetzt wichtiger wäre, regional oder fair, aber weiß ich ehrlich gesagt nicht. Muss ich nochmal, das ist so, dann muss ich mich mal noch auseinandersetzen. Ja.

Stefanie Da hab ich dich auf dem falschen Fuß erwischt.

Carsten Haste. Aber jetzt, eine Sache muss ich noch loswerden.

Stefanie Ja, einfach jetzt machen (lacht).

Carsten Dieses Managerbashing, was da ist. Ich meine, ich arbeite ja in der Wirtschaft, ich habe ja diverse Unternehmen durch, und alle Führungskräfte sind ja Manager.

Stefanie So auch Carsten (lacht).

Carsten Ja, ich gehöre auch zu diesem erlauchten Kreis. Obwohl ich mich nicht angesprochen gefühlt habe. Aber was mir aufgefallen ist, diese, ich weiß nicht, ob es Klischees sind, aber dieses Bild, was sie von den Managern wiedergibt, das kenne ich nicht. Ich kenne, also die Art und Weise, wie dort Manager zitiert werden, wie sie argumentieren oder wie sie handeln sollen.

Stefanie Vielleicht hast du bisher noch nicht in der Art von Unternehmen gearbeitet.

Carsten Ich glaube, sie bezieht sich auf Konzerne, also recht große Unternehmen. Ich komme so aus dem Mittelstand, und ich habe im Mittelstand habe ich das in der Art und Weise nicht mal ansatzweise erlebt. Das ist, das muss ein ganz anderer Menschenschlag sein. Und da habe ich schon immer so beim Lesen den Eindruck gehabt: Wir leben in zwei verschiedenen Welten. Also weiß ich nicht, ich fühlte mich da irgendwie nicht zu Hause, konnte ich, konnte ich nichts mit anfangen, mit dem, was sie geschildert hatte. Das war so, so ganz fern.

Stefanie Okay, also was ich jetzt gerade bei dem Zitat, was ich vorgelesen habe, gedacht habe, es ist wieder dieses Thema Selbstwirksamkeit. So, sobald ich etwas tun kann, dann fühle ich mich nicht mehr so hilflos, und genau das ist ja auch, was Du, liebe Hörerin und Hörer, auch machen kannst, schon alleine dadurch, dass du dich entschieden hast, vegan zu leben. Dadurch tust du ja schon was, wenn du darüber nachdenkst, nicht die Plastiktüte zu nehmen, sondern deinen Stoffbeutel zu nehmen. Wenn du darüber nachdenkst, zum Beispiel Stofftaschentücher zurechtzuschneiden, anstelle von Papiertaschentücher zu kaufen. Wenn du darüber nachdenkst, dir Stofftoilettenpapier (lacht) Nein, aber genau, für das große und das kleine Geschäft, sie verstehen (lacht).

Carsten Handgeschöpft und Windgetrocknet. Ja, genau.

Stefanie Carsten hat hier gerade ein ganz, ganz komisches Gesicht. Aber nein, aber du verstehst mich natürlich. Also, diese Schritte sind, vielleicht wirkt es dann so: Oh ja, das bin ja nur ich, die ich das mache, oder der das macht. Wir haben ja anscheinend 75 Prozentigen Männeranteil hier.

Carsten Ich finde das gut.

Stefanie Toll. Ich bin dafür, es sind mehr Frauen als Männer. Das sind getarnte Frauen. Die haben sich nur Holger, Dirk und Sven genannt. Die heißen eigentlich Holgate, Dirkina und Svenja (lacht). Die wollten nur nicht auffallen. Das ist anonym. Also jedenfalls, du hast ja so viele Möglichkeiten, was zu tun. Du kannst, Carsten grinst, ich muss mal weggucken. Also. Hm. Hmmm. Also du hast (lacht)

Carsten Eine Form der Selbstwirksamkeit.

Stefanie Ja, oder wenn du eben Sachen selber machst und das alles, ja, du hast ganz (lacht) Entschuldigung. So, jetzt aber wieder ernst. Ja, du hast ganz viele Möglichkeiten, selbstwirksam zu sein. Carsten ist auch gerade sehr selbstwirksam und verkneift sich das Lachen.

Carsten Ich meditiere.

Stefanie Innerlich oder.

Carsten Es ist gar nicht.

Stefanie Äußerlich (lacht). So mit den Gesichtsmuskeln. Yoga. Gesichtsmuskelyoga.

Carsten Probiere ich gleich nochmal. Musst du mir nachher eine Anleitung geben.

Stefanie Also jetzt zurück zum Punkt hier. Ja, also es gibt ganz viele Möglichkeiten, selbstwirksam zu sein. Und Selbstwirksamkeit macht dich eben glücklich. Ja, so wie uns gerade!

Carsten Du bist total high. Genau.

Stefanie Ja.

Carsten Du hast mir am Anfang aber noch mal eine Frage gestellt, die interessant ist und die ich aber noch nicht beantwortet habe.

Stefanie Oh.

Carsten Als wir auf die Zahl der Sklaven gekommen sind, hast du mich gefragt, wie ich mich damit fühle.

Stefanie Ich habe dich nicht gefragt, habe die Hörerinnen und Hörer gefragt.

Carsten Ja, aber.

Stefanie Bei mir weiß ich okay, ja,

Carsten Ich habe da auch unabhängig von dieser Frage im Vorfeld schon mal drüber nachgedacht, wie fühlt sich das an, jetzt damit konfrontiert zu werden, dass ich jetzt 16 Sklaven habe oder 18 oder, keine Ahnung, ich glaube bei dir waren es sogar 20?

Stefanie Ach so.

Carsten Ja.

Stefanie Weil ich zu faul war, das zu justieren. Sonst hätte ich wahrscheinlich null.

Carsten Ja, aber anscheinend funktioniert die Berechnung ja, du kommst ja in die gleiche Richtung wie ich auch. Aber ein richtiges, ich sag jetzt mal mieses Gefühl oder ein bedrücktes Gefühl habe ich gar nicht verspürt. Für mich war das eine ganz abstrakte Zahl.

Stefanie Abstrakt.

Carsten Die ist zu weit weg. Ich kann mir da nichts drunter vorstellen. Ich weiß Okay, es gibt da irgendwo auf der Welt 16, 18, 20 Leute, die nur deswegen quasi in sklavenartigen Verhältnissen leben, weil ich mein Leben so lebe, wie ich es lebe. Aber das ist so weit weg. Ich habe keine Vorstellung davon. Wo sind die, was machen die dort für mich? Wie sieht deren Alltag aus? Was ist da überhaupt verwerflich an diesem Alltag? Was ist so bedrückend? Es ist alles irgendwie ganz, ganz, ganz weit weg.

Stefanie Okay, gut, dann eine Aufgabe für dich, Carsten, die ich dir jetzt hier in unserem Coachinggespräch mal mitgeben möchte.

Carsten Bis zur nächsten Woche

Stefanie. Informiere dich doch mal.

Carsten Muss ich dann auch?

Stefanie Tu es.

Carsten Ich fliege da vielleicht einmal morgen hin.

Stefanie Ja, ganz nachhaltig. Immer. Ja. Hm. Ja. Aber da stand ja, dass natürlich selbst ein Sklave schon viel zu viel ist.

Carsten Ja, von der Logik.

Stefanie Das ist ja die.

Carsten Logik selber. Klar, ich merk ja vom Verstand her, das ist nicht richtig, was da läuft.

Stefanie Ja, nun, also es ist ja, wir können uns natürlich schon mal den Bauch pinseln, dass wir jetzt weniger haben als der Durchschnitt. Aber war trotzdem. Also mich hat es einfach dazu angeregt zu sagen: Gut, so ist, wenn du ein Smartphone hast. Ja, hallo, ich habe ein Smartphone, dann macht es Sinn, das nächste Smartphone gebraucht zu kaufen.

Carsten Ja, aber meins ist gebraucht.

Stefanie Ja.

Carsten Ja, aber das sind so Aspekte, die werden jetzt zum Beispiel da in diesem slaveryfootprint ja gar nicht berücksichtigt, können sie wahrscheinlich auch nicht.

Stefanie Aber das ist doch schon was, womit du, weil wir doch wissen, dass so ein, so ein Smartphone eben einen hohen Sklavenanteil hat, sozusagen. Auch was die Kleidung angeht. Wenn ich die Kleidung gebraucht kaufe, dann habe ich da ja auch schon wieder weniger und so auch generell. Also wenn ich gucke, dass es ressourcenschonend ist, was ich mache, dann einfach das reduziere. So, ja. Ich weiß nicht, ob man es auf null reduzieren könnte.

Carsten Das glaub ich nicht, weil immer im Hintergrund irgendwelche Faktoren sind, die ich nicht direkt beeinflussen kann.

Stefanie Ja schon alleine, also ich meine ja, selbst, wenn wir mit der Bahn fahren, werden ja wahrscheinlich für die Bahn auch irgendwelche Sachen, also für den Zug an sich ja irgendwelche Sachen benötigt, die dann doch irgendwie nicht nachhaltig hergestellt werden können. Ja, also es ist ja, es ist eben das, wir leben in einer nicht perfekten Welt. Aber ich denke auch da macht es Sinn zu sagen, nicht sich davon erschlagen zu lassen „So, ich kann ja eh nichts tun, das ist so viel“, sondern einfach das zu tun, was ich tun kann. In meinen, meiner, meiner Welt.

Carsten Richtig, und es gibt ja Alternativen. Ja, die blendet man, ich weiß nicht, ich wollte schon sagen, die blendet man aus. Also die sind einem nicht geläufig. Ich muss ja nicht ausblenden, ich kenne sie einfach noch nicht. Aber wenn ich weiß, okay, da gibt es einen Missstand und ich investiere halt ein bisschen Zeit, um zu recherchieren, dann finde ich ja auch raus, wo kommt der Missstand her und wie gehen andere Leute damit um? Und dann, spätestens dann merke ich ja, dass es schon ganz viele Möglichkeiten gibt, da anders mit umzugehen, mit diesem. Und das hilft dann schon wirklich zu sehen, wie man mit diesen Alternativen auch sehr gut leben kann.

Stefanie Ja.

Carsten Durchaus ein Maß an mehr Freiheit bekommt. Auch so empfinde ich das. Also ja, aus diesen alten Gewohnheiten rausgehen fühlt sich erst mal unbequem an, aber im Endeffekt bekomme ich dadurch mehr Freiheit. Bewusst, bewusstere Entscheidung. Ich wollte schon sagen mehr Verantwortung. Die Verantwortung ist die gleiche. Ich werde mir nur der Verantwortung wahrscheinlich bewusster, vorher habe ich sie so nicht wahrgenommen.

Stefanie Man war so zugedröhnt, man war halt in der Matrix. Jetzt sind wir aus der Matrix raus. Ja so, also ich meine, wir haben ja jetzt auch gesagt, wir brauchen einen neuen Staubsauger, weil unser nicht das gehalten hat, was er versprochen hat. Und daraufhin haben wir ja auch in den Kleinanzeigen einen gebrauchten Staubsauger besorgt und den Staubsauger, den alten Staubsauger nicht weggeschmissen, sondern verschenkt. So, und jetzt hat irgendjemand anders sich darüber gefreut und hat, der Staubsauger existiert weiter, und unser gebrauchter Staubsauger funktioniert viel toller als der andere. Genau, so, toll. Und das ist auch noch was, was ich sagen wollte: Ich habe jetzt, Carsten hat mir jetzt endlich das Buch „Magic Cleaning“ mitgebracht, den ersten Teil, weil es war ständig vergriffen, also Magic Cleaning von Marie Kondo. Das Buch gibt es in fast allen Bücherhallen in Hamburg, und es sind 32 Stück. Soso (lacht). Und es war fast immer überall vergriffen. Oder dann halt in irgendeiner Bücherhalle, wo ich gerade nicht hinkam, da war eins da oder so, aber es war fast immer vergriffen.

Carsten Sehr hohe Nachfrage.

Stefanie Ja, jetzt hat Carsten es geschafft, das zu holen. Ich habe vorhin reingelesen und war prompt enttäuscht, weil sie damit anfängt, dass sie sich damit rühmt, wie viel, also es geht da um Aufräumen. Magic Cleaning. Ja, und es wurde, ich habe immer in den Rezensionen gelesen, dass es darum geht, dass du auch nicht nur deine Wohnung entrümpelst, sondern auch deine Seele. Und dass es eine besondere Art von Aufräumen ist. Aber sie schreibt am Anfang direkt, wie viel die Leute doch weggeschmissen haben. Irgendwie, was habe ich gesagt? Eine Million? Keine Ahnung. Also eine Tonne. Aber weiß ich also.

Carsten 200 Müllsäcke oder so was?

Stefanie Ja, das war nur bei einer. Das war der Rekord von einer Wohnung, die 200 Müllsäcke weggeschmissen haben. Und sie startet ihr Aufräumen damit, dass sie die Menschen animiert, alles wegzuschmeißen, was sie nicht mehr brauchen. Und das hat mir so sauer aufgestoßen, dass ich das jetzt nicht mehr empfehlen kann das Buch. Ich meine, ich habe vorher zwar immer gesagt so, ich habe davon gehört, dass es gut sein soll, aber dieses, dass das Wegschmeißen ein elementarer, ein elementarer Bestandteil dieses Buches ist und dieser Methode ist, das empfinde ich, das stößt mich ab.

Carsten Ja, das ist nicht mehr unseres, sagen wir mal so. Wir haben uns damit arrangiert, Dinge weiter zu benutzen oder abzugeben.

Stefanie Ja, also wirklich, dann, wenn ich das wirklich nicht haben will, dann verschenke ich es oder verkaufe ich's.

Carsten Wir reden hier nicht von Hausmüll.

Stefanie Nein. Also klar.

Carsten Wenn 200 Säcke.

Stefanie Das, das war so rein gedacht. Genau.

Carsten Nicht mehr benötigt werden, nachdem man sich die Frage stellt, brauche ich diesen Gegenstand überhaupt noch?

Stefanie Sie schreibt dann davon, wie sie damit angefangen hat, dann in ihrem, sie hat irgendwie als Jugendliche oder so hat sie dann irgendein Buch gelesen, wo es dann, wo es nur ums Wegschmeißen ging, und animiert davon hat sie dann 18 Müllsäcke in ihrem Zimmer oder acht Müllsäcke, ich weiß nicht mehr wie viel, aber ist ja auch wurscht wie viel, jeder Müllsack ist einer zu viel, hat sie einfach Kleidung, die ihr zu klein war, in den Müllsack gepackt und hat dann irgendwelche Radiergummis oder Stifte oder alles, was sie halt nicht mehr brauchte, und hat das dann weggeschmissen. Und ich finde es halt ziemlich krass, dass sie halt mit ihrer Methode, wo sie dann sagt, dass sie schon so und so und so und so und so und so viele Menschen erreicht hat, all diese Menschen dazu animiert, die Sachen wegzuschmeißen, weil wir versuchen hier in Richtung Zero Waste (lacht), also ich meine, wir sind noch lange nicht bei Zero Waste, aber wir versuchen halt wenig Müll zu produzieren und ich finde es auch, das ist, das ist Ressourcenverschwendung auf jeden Fall. Also du sagst: Oh ja, gut, das passt mir jetzt nicht mehr das Kleidungsstück, oder ich finde es halt nicht hübsch oder ich hab's jetzt seit einem Jahr nicht angehabt und dann schmeiße ich es einfach weg. Ja, das finde ich, ist auch nicht in Ordnung dem Kleidungsstück gegenüber. Also so, es ist nicht wertschätzend.

Carsten Ja, habe ich auch gerade gedacht. Die Wertschätzung fehlt da.

Stefanie Und das stößt mich jetzt ab. Also selbst wenn Ihre Philosophie ganz toll sein mag, ich habe jetzt noch nicht weitergelesen. Ich habe ja nur davon gehört, weil es ja um Seele entrümpeln und Lalala geht. Das stößt mich ab, und das finde ich irgendwie, das ist so, das ist so eindimensional gedacht, so, ja, gut, dann ja, ich finde es auch gut, wir haben das ja auch gemacht, wir haben ja auch unsere ganzen Bücher, wir haben jetzt hier noch ein paar Bücher stehen, wir haben immer noch Bücher, also wir haben noch ein paar Bücher hier stehen, aber wir haben ja keine Ahnung, 95 Prozent unseres Bücherbestandes haben wir ja weggegeben, aber das haben wir nicht weggeschmissen. Wir haben, also ich kann, ich kann Bücher auch irgendwie gar nicht wegschmeißen. Ich habe die Bücher, wir haben die verkauft und verschenkt. Ja, ja, ja und auch generell: Ja, es kommt manchmal vor, dass ich noch Sachen wegschmeiße, aber das ist dann irgendwie kaputt und kann nicht mehr repariert werden. Das ist aber jetzt auch nicht mehr so häufig, weil ich irgendwie.

Carsten Ich wollte gerade sagen, das ist schon sehr, sehr selten geworden. Ja, ja, so.

Stefanie Aber dass man säckeweise, und dass sie sich auch damit rühmt, säckeweise Dinge wegzuschmeißen, finde ich schon ziemlich krass.

Carsten Ja, ich glaube, das liegt daran, dass eher, der Impuls wichtig ist, möglichst schnell die Trennung von den Dingen durchzuführen. Da ist es natürlich dann effektiver zu sagen, ich nehme den Sack und schmeiß den irgendwo in die

Stefanie Themse (lacht)

Carsten Restmülltonne

Stefanie Genau, in Japan in die Themse. Ihr wisst.

Carsten Dann wissen wir auch, wo der Plastikmüll hinkommt, der da rumschwimmt. Nein, aber ich glaube, das ist so der Fokus. Erst mal schnell weg von den Sachen, damit man dann eben diese Ordnung hat und dann vielleicht. Also ich habe das Buch ja nicht gelesen, ich kenne das nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie erst mal sagt, ich entrümpelt meine Wohnung, um dann auch in mir selbst irgendwo aufräumen zu können.

Stefanie Ja, also es geht ja, also das ist so quasi, der erste Schritt ist bei ihr eben das Wegschmeißen und dann kommt erst das Aufräumen und dann sortierst du so in allen, also ganz perfide. Das habe ich aber eben noch nicht durchgelesen. Ich habe es nur durchgeblättert und hatte vorher schon darüber gelesen. Aber dieser erste Schritt, der ist für mich wirklich, dass Sie sagen: Ja, ich plane ja, das haben schon so viele Leute so viel insgesamt weggeschmissen und so und alle freuen sich darüber wegzuschmeißen und so (lacht). Das finde ich ganz schön krass. Also ich empfinde das heute als extrem krass. Ich weiß auch nicht, ob ich früher so viel weggeschmissen habe. Ich habe bestimmt früher mehr weggeschmissen als heute. Auf jeden Fall. Also ich denke, dass wir uns da schon einen ganzen Tacken weiterentwickelt haben. Also wir sind auf dem Weg einfach weitergegangen, dass es uns jetzt stört.

Carsten Dass es uns stört. Aber ich denke so das Wegschmeißen selber, da haben die meisten Menschen Probleme damit. Ich glaube, das ist so ein bisschen Messietum, also dieser, dieser Hang, Dinge aufzubewahren, weil man sie irgendwann nochmal benötigen kann. Also nicht umsonst gibt es Keller oder Dachböden, die irgendwie vollgestopft werden.

Stefanie Ja, das stimmt schon. Ja. Ja. Ja. Gut. Ja.

Carsten Ja, jetzt haben wir ja schon fast drei Bücher hier, oder zwei Bücher und ein Magazin durchgesprochen. Wir wollten.

Stefanie Ja eigentlich nur.

Carsten Mit den Sklaven starten.

Stefanie Hier noch so eine kurze Besprechung. Der Kochen ohne Knochen Werbejingle. Also, ähm. Ja. Kochen ohne Knochen? Nein. Evi Hartmann, Wie viele Sklaven halten Sie? So, wem empfiehlst du das Buch?

Carsten Eigentlich allen unseren Hörern.

Stefanie Und Hörerinnen.

Carsten Und Hörerinnen. Nicht ganz uneigennützig, weil ich möchte ganz gerne in den Kommentaren zu dieser Podcastfolge deine persönliche Sklavenzahl sehen.

Stefanie (lacht)

Carsten Geh bitte direkt auf die Internetseite slaveryfootprint.org, spielt das Ganze durch. Das geht, wenn du es relativ.

Stefanie Detailliert.

Carsten Detailliert machst, dauert es glaube ich irgendwie zehn Minuten, Viertelstunde.

Stefanie Zumindest länger als.

Carsten Ansonsten im Schnelldurchlauf maximal fünf Minuten. Ist relativ zügig gemacht tatsächlich. Und das würde mich mal interessieren. Wo steht ihr?

Stefanie Ja, ja, du darfst es auch anonym posten. Wir hatten es beim letzten Mal glaube ich höselgrüssel und so, wann war das beim vorletzten Mal? Du kannst jetzt auch Hümpelpümpel nehmen (lacht).

Carsten Bin mal gespannt, was du bei der nächsten Folge vorschlägst.

Stefanie Das überlege ich mir bei der nächsten Folge. Es muss ja noch, ein bisschen Überraschungen soll ja schon sein. Du kannst es kaum erwarten. Ich verstehe. Gut. Also ich sage immer, am Anfang der Folge lass uns eine halbe Stunde reden und jetzt gucke ich.

Carsten Haben wir auch eine halbe Stunde plus.

Stefanie Hm. Ich befürchte irgendwie, uns hört bald keiner mehr zu, wenn die Folgen so lang sind.

Carsten Ja, wir machen jetzt mal Schluss, würde ich sagen. Wir haben genug gesprochen. Also Empfehlung fürs Buch bedingt für Leute, die, also meine persönliche Sichtweise, mit einem schweren Thema auch durchaus eine schwere Art des Schreibens gewohnt sind oder die das nicht abschreckend finden. Für die ist dieses Buch aus meiner Sicht eher weniger geeignet, weil ich das doch sehr polemisch finde. Zynisch, oder.

Stefanie Ja, also ich fand es ganz gut, mal einfach noch mal wieder so aus einer anderen Sicht das Thema betrachtet zu sehen. Und dafür ist es eben auch gar nicht so dick. Ich glaube, 221 Seiten hat das, genau, und da liest es sich dann relativ schnell durch.

Carsten Ja, es liest sich sehr schnell durch.

Stefanie Genau. Also wir können es nicht verlosen, weil wir es ausgeliehen haben. Genau. Und jetzt mal schnell wieder zurück geben müssen. Ja.

Carsten Genau das machen wir jetzt auch.

Stefanie Jetzt gleich, jetzt gleich.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 70 - Schluss mit schnell

Ein Beitrag

Folge 70 - Schluss mit schnell

In dieser Folge

  • erzählt Carsten von der ARTE-Dokumentation, die er in den letzten Tagen gesehen hat,
  • sprechen wir darüber was neu für uns ist und was bekannt und
  • erklärt Carsten, warum die Dokumentation einen neuen Blickwinkel in unseren Alltag bringt.

"Schluss mit schnell" ist eine ARTE-Dokumentation aus dem Jahr 2014, die heute immer noch so aktuell ist, wie vor 3 Jahren, wenn nicht noch aktueller.

Und auch wenn der vegane Aspekt in dieser Dokumentation (mal wieder) nicht vorkommt, lohnt es sich trotzdem über Entschleunigung nachzudenken.

Müssen wir denn immer alles so schnell wie möglich erledigen?

Noch ein Tipp: lies die Kommentare unter dem YouTubeVideo nicht- reine Zeitverschwendung ;-)

Links zur Folge

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Carsten Heute treten wir mal auf die Bremse. Entschleunigung ist unser Thema.

Stefanie Entschleunigung.

Carsten Entschleunigung.

Stefanie Und ja, Carsten hat ohne mich eine Dokumentation geguckt.

Carsten Ja, aber nur, weil ich das in der Mittagspause mache. Ich hatte ja gar nicht die Möglichkeit...

Stefanie Carsten hat mir das erst im Nachhinein verraten. Hat es gebeichtet, quasi, dass er ohne mich eine Dokumentation...ja, es kam mir so vor.

Carsten Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?

Stefanie Hast die neunschwänzige Katze wieder rausgeholt.

Carsten Das habe ich vorhin schon. Genau.

Stefanie Ja. Okay. Also was ist es denn für eine Dokumentation?

Carsten Das ist eine Dokumentation mit dem Titel „Schluss mit schnell“. Und zwar ist die, ich weiß nicht wann, aber irgendwann mal auf dem Sender Arte gelaufen, und behandelt viele Aspekte, die wir eigentlich auch schon mal angesprochen haben und die uns interessieren. Aber aus einem ganz anderen Blickwinkel, und zwar aus dem Blickwinkel Schnelligkeit, Beschleunigung. Also dass wir in einer Gesellschaft leben, die eigentlich immer schneller wird, da wo Dinge schneller laufen. Wo.,,

Stefanie Wo wir auf einmal ganz schnell sprechen?

Carsten Schneller sprechen und und und. Genau. Nein, aber wo die Beschleunigung und die Zeitrhythmen, also Beschleunigung immer schneller wird, immer größer wird, und die Zeitrhythmen immer kleiner, und das Ganze wird aus der Perspektive, oder wird so hergeleitet, dass quasi durch die Art und Weise, wie Kapital zirkuliert, quasi eine automatische Beschleunigung eintritt, weil Kapital immer schneller zirkulieren möchte.

Stefanie Was heißt das?

Carsten Das heißt.

Stefanie Für die Unbedarften.

Carsten Für die Unbedarften.

Stefanie Für mich zum Beispiel.

Carsten Ja, die leiten das zum Beispiel ab von dem Aktienhandel. Das ist so ein.

Stefanie Meinst du bei der Börse, wo dann immer schneller, schneller, schneller.

Carsten Oder ja.

Carsten Was wird da.

Stefanie Computer gesteuert?

Carsten Ja, genau. Es wird einer zitiert, der gesagt hat: Damals, vor ein paar Jahrzehnten hast du dir eine Aktie gekauft und das war eine Aktie. Ist ja im eigentlichen Sinne ein Unternehmensanteil, und du hast diese Aktie irgendwie liegen lassen und darauf gewartet, dass das Unternehmen sich entwickelt, so dass du dann im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte irgendwann eine Wertvermehrung hast. Mittlerweile ist es ja so, dass Aktien als Spekulationsobjekt gekauft werden. Also du hast ja gar kein Interesse mehr daran, dass das Unternehmen jetzt irgendwie floriert und wächst und größer wird und an Wert gewinnt, sondern du kaufst diese Aktien, spekulierst damit und versuchst möglichst schnell möglichst viel Gewinn zu scheffeln. Und diese Art und Weise führt eben dazu, dass unglaublich viel Geld in unglaublich kurzer Zeit transferiert wird, also zirkuliert. Und das führt aber gleichzeitig dazu, dass wir als Gesellschaft, dass auch die Wirtschaft immer schneller reagieren müssen. Das heißt, Unternehmen müssen schneller reagieren, um sich diesen Finanz, dieser Doktrin der Finanzmärkte irgendwie anzupassen. Waren müssen stärker, schneller zirkulieren und transportiert werden, weil eben auch der Konsum dadurch stärker wird. Also es wird immer mehr Geld in den Umlauf gebracht, der Konsum wird angetrieben und das Ganze ist quasi so eine Beschleunigungsspirale. Und…

Stefanie Ist ja vielleicht so, was mir dazu einfällt, ich habe ja den Film wie gesagt nicht gesehen. Ist ja auch, dass die Gegenstände immer schneller kaputtgehen, die wir uns kaufen.

Carsten Das, genau.

Stefanie Oder auch, dass es dafür dann ganz schnell gar keine neuen also, dass die neuen Programme jetzt zum Beispiel beim Smartphone gar nicht mehr für die älteren Modelle funktionieren.

Carsten Und dich zwingen, was Neues zu kaufen.

Stefanie Genau, dich zwingen, wenn du das Programm haben willst, musst du ein neues Smartphone haben, aber auch, dass die neuen Geräte immer schneller rauskommen oder.

Carsten Genau, die Produktlebenszyklen. Ja, das hängt, also das ist so diese Facette von dieser Beschleunigung, und diese Dokumentation greift den Aspekt der Beschleunigung aus unterschiedlichen Sichtweisen auf. Eben dieser Aktienhandel wird genannt, und was ich da sehr interessant fand, war ein Beispiel von einem, ich weiß nicht, ein Aktienhändler war es nicht, das ist ein Computer- oder ein IT Spezialist, der in den 80er Jahren einen der ersten Computer mit Touchscreen für Börsenmakler erfunden hat. Der ist also wirklich so hingegangen, hat ein riesiges Gerät entwickelt, was total unhandlich aussieht, aber was den Börsenhändler auf dem Parkett ermächtigt hat, den Wert einer Aktie quasi vom Display abzulesen. Okay, und das war damals wohl so eine Zeit, wo die meisten Händler noch durch Zurufen und so was eine Wertbestimmung durchgeführt haben. Und er hat eben seinen Kunden den Vorteil gegeben: Du brauchst jetzt nicht großartig mit irgendwelchen Leuten in Kontakt treten und raten, was die jetzt gerade für einen Wert da runterschreiben, sondern du kannst den Wert jetzt direkt hier auf dem Display lesen und die Aktie handeln. So, mittlerweile ist dieser IT Spezialist, das Unternehmen was er gegründet hat, ist glaube ich irgendwie so sieben, acht oder neun Milliarden schwer, hat also richtig viel Kohle gescheffelt in den letzten 20, 30 Jahren, und der wird mehrfach gezeigt und auch zitiert, und der hat momentan Analysesoftware, die diesen Hochfrequenzhandel analysiert. Er erklärt auch das Konstrukt Hochfrequenzhandel, was ja nichts Anderes heißt, als dass heute nicht unbedingt reale Personen Aktien handeln, sondern das sind Computer, Algorithmen.

Stefanie Genau, das habe ich auch schon mal gehört.

Carsten Genau. Und da wird auch genannt, dass zum Beispiel an der Wall Street das Parkett eigentlich nur noch so ein Showroom ist für die Medien, für die Presse, die irgendwie Fotos oder Filme oder Dokus drehen möchte. Aber der eigentliche Aktienhandel findet eigentlich schon ich sag jetzt mal in den Kellerräumen, in Rechenzentren statt. Und es wird quasi so ein Ausschnitt gezeigt, wo an dieser Computersimulation der Verlauf einer Aktie, ich glaube einer Stunde oder einen Tag gezeigt wird, im Zeitraffer. Da wird gezeigt, wie diese Aktie gehandelt wird, im Hochfrequenzbereich, weltweit. Und du siehst quasi, das ist irgendwie ein Bruchteil von einer Sekunde, den sie zuerst einblenden, und du siehst einfach nur irgendwie so ein, so ein Aufgedonner, dass da auf dem Bildschirm irgendwie 1000 Zeichen hin und her flattern, und dann ist es auf einmal wieder still. Ja, und dann wird das Ganze in mehreren Sequenzen immer langsamer gezeigt, bis hin zu einer Art richtigen Slow Motion, wo du wirklich siehst, wo bewegt sich jetzt so ein Pfeil von rechts nach links, und du siehst dann auch diese globalen Zusammenhänge, dass von New York nach Tokio, und diese Börsenplätze werden dadurch ersichtlich, die Anzahl und die Geschwindigkeit, und da wird einfach klar, dass diese Computer, die miteinander interagieren, innerhalb von Millisekunden zehntausende von Transaktionen tätigen, wo eigentlich gar keine menschliche Person mehr involviert ist. Und dieser Analyst oder dieser Computerspezialist, der zeigt oder erklärt, dass dieses Monitoring Tool nichts Anderes macht, als zu prüfen, ob hinter einer dieser teilnehmenden Stelle eventuell ein Mensch steckt, oder ob es ein Algorithmus ist. Also die Algorithmen belauern sich gegenseitig, und das Perfide ist, die werfen einfach so Aktien in den Aktienmarkt, um zu gucken, welcher Algorithmus reagiert jetzt wie da drauf? Und wenn irgendwo in diesem Algorithmus erkenntlich ist: Nein, das ist kein Computer auf der gegenüberliegenden Seite, sondern das ist ein Mensch, weil die Reaktionszeit vielleicht ein bisschen geringer ausfällt oder so was, dann wird Alarm ausgelöst, so dass auf der teilnehmenden Seite irgendein Aktienhändler weiß: Okay, da steckt ein Mensch hinter, und Menschen sind fehlbar. Und dann können die hingehen und versuchen, diesen Menschen um keine Ahnung, nen Cent zu erleichtern, oder so was. Bei diesem ganzen Transaktionsvolumen was da durchgeht, werden dadurch dann halt Millionen oder Milliarden gescheffelt. Das erinnert ein bisschen an einen Terminator, dieser Skynet oder so was, dieser Computer, der dann die Algorithmen, die sich verselbstständigen. Das war sehr imposant, einfach zu verstehen, dass Aktienmärkte heute eigentlich fast schon autonom verlaufen, und nur noch zwischen den einzelnen Computern sich die Algorithmen dann verabreden und untereinander handeln. Also das war wirklich beängstigend, und dadurch eben auch diese Beschleunigung. Und gleichzeitig werden aber auch andere Projekte gezeigt, wie jetzt zum Beispiel ein Tunnelbau in Italien, der von Mailand glaube ich nach Lyon laufen soll, von Italien nach Frankreich. Genau. Und da kommen jetzt Beispiele immer noch rein, wo das Ganze wieder für uns interessant wird. Und zwar ist das eine Entscheidung gewesen, also eine Schnellzugverbindung zu bauen, die um die 26 Milliarden Euro kosten wird. Und da begehren jetzt auf allen beteiligten Seiten die Bürger auf und sagen, das ist totaler Humbug, so viel Geld für ein Unternehmen oder für eine Unternehmung zu investieren, die niemandem nützt, weil die Fahrt selber ist noch nicht mal billig. Sie ist noch nicht mal wirklich direkt. Das heißt, du hast nicht den wirklichen Zeitvorteil, weil du irgendwo, ich sag jetzt mal jenseits der Stadt dann anhältst, und musst dann von dem Endpunkt der Bahn, der Schnellbahn, nochmal irgendwie eine halbe Stunde oder sowas bis in die Stadt reinkommen. Und die Einwohner und Anwohner profitieren davon überhaupt gar nicht. Die sagen halt, das sind letztendlich irgendwelche politischen Entscheidungen, wo irgendwelche Firmen von profitieren, also Baufirmen und Logistik, Firma etc., weil das ganze vom Staat finanziert wird, um Staatsgelder irgendwo abzuschöpfen, und deswegen begehren die halt auf und protestieren und treten für mehr Langsamkeit ein. Und das ist jetzt tatsächlich so dieses „Schluss mit schnell“ Szenario, weil im weiteren Verlauf dieser Dokumentation werden Personen und Vereinigungen und Organisationen gezeigt, die versuchen, aus dieser Schnelligkeit, aus diesem schnellen Konsum, aus dieser ganzen Beschleunigungsspirale auszusteigen. Und da treten dann Akteure auf wie zum Beispiel Rob Hopkins. Den kennst du auch.

Stefanie Nee, habe ich noch nie von gehört. Wer ist das denn?

Carsten Das ist der Mann mit dem Segelohren

Stefanie (lacht) Ja genau, so kann man sich denn immer gut merken. Ja, den kennen wir ja alle. Auch du, liebe Hörerin, lieber Hörer, weil du ja fleißig unsere ganzen Folgen hörst, und deswegen hast du ja auch das „Einfach jetzt machen – Transitionhandbuch“ dir angehört, also unsere Rezension dazu. Das Hörbuch folgt. Carsten lacht im Moment überhaupt nicht mit, der guckt immer nur so.

Carsten Ja.

Stefanie Wir müssten euch tatsächlich noch ein Video machen.

Carsten Um Gottes Willen.

Stefanie Damit man sieht, wie Carsten guckt. „Ey, ich habe den Witz nicht kapiert.“

Carsten Ja, also Foto machen.

Stefanie Toll. Slow Motion.

Carsten Slow Motion.

Stefanie Also, was willst du mir damit sagen? Rob Hopkins kennen wir alle.

Carsten Ja, die Transitionbewegung kommt dann ins Spiel.

Stefanie Zeigt er auch seine 21 Pfund-Note?

Carsten Nein, die hat er diesmal nicht dabei. Aber er erklärt, dass ganz viele Menschen auf der Welt mit unterschiedlichen Konzepten versuchen, dieser Beschleunigung entgegenzuwirken. Und da werden jetzt in dieser Dokumentation tatsächlich andere Beispiele genannt als in den Filmen, die wir vorher gesehen haben.

Stefanie Okay.

Carsten Die aber in die gleiche Richtung reingehen, dass sich Bürger zusammentun und auf regionaler Ebene wirtschaften und das soziale Miteinander anders aufzäumen. Die ganz bewusst sagen Nein, ich möchte an dieser Art und Weise, wie Wirtschaft auch im globalen Zusammenhang stattfindet, da möchte ich nicht dran teilnehmen. Wir wollen uns lokal regional mit anderen Konzepten auseinandersetzen. Da wird in Amerika, ich glaube nördlich von New York, oder ein Stadtteil von New York, zum Beispiel ein ich glaube ein Lebensmittelgeschäft gezeigt, die aus der Region Bio-Lebensmittel einkaufen und an, ich glaube, du musst quasi Mitglied in dieser Food Corporation sein oder Foodcoop oder wie auch immer, nur dass, ich glaube ungefähr 70 % der Stadt Mitglied in dieser Initiative sind. Und dieser Supermarkt lebt von Freiwilligen. Also es ist so gestaltet, dass du vergünstigte Preise bekommst, musst aber dafür monatlich…

Stefanie Soundso viele Stunden arbeiten.

Carsten Zwei, zweieinhalb Stunden oder so was dort mitarbeiten.

Stefanie Ah ja.

Carsten Und das zeigen die halt, dieses Konzept und das Ding. Also dieser Supermarkt ist extrem groß geworden, die haben vor 30 Jahren irgendwie angefangen.

Stefanie Also so ein Konzept war auch in einem der Filme, den ich da gesehen hatte, im Rahmen, ich meine, der war im Rahmen der Wandelwoche. Okay, also, weil ich hatte glaube ich zwei Filme ohne dich gesehen, meine ich, also doch.

Carsten Den auf der Wandelwoche ja.

Stefanie Da hatten wir gedacht: Habe ich sonst noch etwas ohne dich getan?

Carsten Das interessiert mich jetzt auch (lachen).

Stefanie Aber da war auch so ein Konzept, da war dieser Gemeinschaftshof, wo die quasi günstiger zur Miete wohnen, dafür aber sich einmal in der Woche dann eben beim Essen machen beteiligen. So, solche Sachen. Das ist schon ganz interessant so ein Modell.

Carsten Ja, ich fand das auch sehr spannend, gerade weil du gesehen hast, die haben vor 30 Jahren schon damit angefangen. Das war so eine ganz kleine Initiative, die irgendwie im Hinterhof oder in so einem kleinen Büro gestartet hat. Und wurde jetzt zu einem der größten, sagen wir mal Supermärkte in der Stadt und eben so unwahrscheinlich hohen Anklang in der Bevölkerung findet. Also es ist wirklich ein kompletter Ort, der sich dahinter stellt und sagt: So wollen wir jetzt leben.

Stefanie Ja, das ist ziemlich cool, dass du so eine Gemeinschaft bildest. Wobei, ich war jetzt am Wochenende bei einem Seminar, und da hatten sich zwei Teilnehmerinnen, also die sind so aus dem Norden von Deutschland dann nach Hamburg gereist, und zwei Teilnehmerinnen hatten sich unterhalten. Ich weiß nicht wo dann eine dritte Person wohnte, aber die eine meinte dann: Oh, das ist aber schon sehr spießbürgerlich da, da muss man dann auch schon in der Feuerwehr Mitglied sein und so. Das ist ja auch eine Art von Gemeinschaft. So, und das da weiß ich auch nicht. Also ich meine, ich bin auch nicht so der Typ, der gerne so, also bisher. Ich, irgendwie scheint sich da was zu entwickeln. Also bisher war ich sagen wir mal so nicht der Typ, der jetzt unbedingt im Dorfleben Teil hat. Jetzt haben wir in Hamburg jetzt nicht unbedingt das Dorf, aber so dieses ich weiß nicht. Empfindest du das noch anders? Ist das anders für dich?

Carsten Ich weiß nicht, ob du das als Vereinsmeierei irgendwie, das ist es ja, so dieser negative Touch. Ob der nun tatsächlich existiert.

Stefanie Also ich hatte so eine Befürchtung irgendwo, und ich weiß auch nicht, ob das. Vielleicht ist es dann irgendwie wieder nicht so für alle, weil es ja durchaus eben Menschen gibt, die das nicht möchten.

Carsten Gut, ich habe es ja persönlich noch nie erlebt. Ich kenn das ja nur aus diesen Dokumentationen, und da hatte ich eigentlich schon den Eindruck, dass noch ein gewisses Maß an Anonymität existiert. Das hilft ja dann auch zu sagen: Okay, da ist so eine Grenze, ich möchte mich so stark und so viel einbringen und darüber hinaus bitte nicht, weil das ist dann keine Ahnung meine Privatsphäre. Ja, und bei einer Vereinsmeierei habe ich ja immer so, also, das ist mein persönliches Empfinden, eher so den Eindruck, da ist diese Grenze nicht so wirklich existent.

Carsten Okay.

Carsten Also, dass man sehr viel vom Persönlichen und Privaten preisgibt, um eben auch Mitglied dieser Gemeinschaft zu sein.

Stefanie Okay. Ja, aber ich weiß nicht. Also irgendwie sperrt sich da in mir auch noch so was, wo ich dann denke du, wo ist der Unterschied zwischen dem normalen Dorfleben sag ich mal, wo du dann halt wirklich in den verschiedenen Vereinen Mitglied bist und diesen Fortschlitt lieber Fortschrittlich (lacht), fortschrittlicheren Vereinigungen wie dem, was du jetzt erzählt hast.

Carsten Ich glaube, der Charakter ist auch anders. Wenn ich mir jetzt überlege, was für Vereine hast du da?

Stefanie Ja, vielleicht ist die Motivation ist irgendwo anders.

Carsten Na ja, du hast den Schützenverein, die Freiwillige Feuerwehr oder so was. Die haben ja.

Stefanie Vielleicht auch alle als Motivation nur zusammen saufen und grillen.

Carsten Das klingt hart, aber genau das Bild habe ich auch vor Augen, jaja.

Stefanie (lacht) Das ist, wie es mir vermittelt wurde.

Carsten Ja, oder THW, ich glaube schon, dass der Hilfeaspekt und der soziale Aspekt schon so eine treibende Kraft ist, also dieses anderen Leuten helfen.

Stefanie Die meisten gehen halt dahin.

Carsten Und ich glaube bei diesen. Also eigentlich reden wir über Transitionprojekte. Ja, Transition ist ja ein breiter.

Stefanie Die wollen ja was bewegen.

Carsten. Genau, du willst ja, du hast ja eine andere Grundmotivation. Du willst ja bestehende Wertesysteme oder Wirtschaftssysteme irgendwie komplett anders aufstellen. Du willst eigentlich die Welt verändern.

Stefanie Und das wollen die ja nicht. Die wollen ja eigentlich. Vielleicht könnte…also ich will hier niemandem zu nahe treten, aber für mich ist es mehr so das Gefühl von mir heraus, dass es bei diesen Vereinen gar nicht so darum geht, irgendwas zu verändern, sondern über das Bestehende zu reden.

Carsten Die haben auch so, Tradition fällt mir jetzt gerade so ein.

Stefanie Genau, Tradition weiterzugeben und auch nicht unbedingt was Neues zu wagen, und vielleicht auch bei den meisten Sachen eher über Dinge zu lamentieren und zu jammern, die bestehen, als irgendwie das zu machen. Ich glaube, der Machen-Aspekt steht da, das Tun steht dann nicht so im Mittelpunkt.

Carsten Oder anders gesagt: Dinge anders zu machen.

Carsten Ja genau.

Carsten Du machst schon was, bei der Feuerwehr oder wie auch immer.

Stefanie Trinken, essen (lacht) Halt so dich in einen Rausch saufen.

Carsten Ja. Ja, genau. Rauschsaufen.

Stefanie Irgendwelche, wie du das damals gemacht?

Carsten Ich war noch nie. Doch, Ich war im Verein.

Stefanie Siehst du.

Carsten Aber das war ein anderer Verein.

Stefanie Ja, Ja. So, ich wollte jetzt mal kurz, eine kurze Pause machen. Wir gehen mal eben zur Toilette und dann sehen wir uns gleich wieder. Tschüss. Nein, Scherz. Nein. Ich wollte einfach mal mittendrin mich bei unseren zwei neuen Patronen bedanken.

Carsten Mittendrin.

Stefanie Mittendrin.

Carsten Statt nur dabei. Genau.

Stefanie Ja, Patronen. Hört sich an wie Matronen. Das sind doch so ältere Damen. Aber.

Carsten Also das sind jetzt Herren. Ob sie älter sind, weiß ich nicht.

Stefanie Gut, es könnte ja auch ein Pseudonym sein. Also jedenfalls wollen wir uns bei Dirk und Sven bedanken.

Carsten Genau. Dirk und Sven. Das ist uns eine La Ola wert, oder?

Carsten Okay, hhhhhhhhhhhhhhhhhhhhey! Vielen Dank!

Stefanie Das war ganz, ganz toll. Das war so kurz hintereinander, habt ihr beide euch dazu entschlossen, uns zu unterstützen. Und neben Birgit seid ihr jetzt die beiden Neuen, die unseren Podcast mit möglich machen. Denn mit euren drei Beiträgen es ist jetzt auch schon wieder näher dran an den Hostinggebühren, und das ist wirklich toll, weil das jetzt, es mag jetzt erst mal wenig erscheinen, aber es.

Carsten Tut sich was tut sich. Wir waren total überrascht und ja, freuen uns einfach. Ja, es ist total klasse.

Stefanie Positiv überrascht.

Carsten Genau. Also noch mal danke, danke, danke.

Stefanie Danke. Und wenn du dich jetzt entscheiden solltest, auch Patron zu werden, dann freuen wir uns natürlich riesig. Denn je mehr Patronen es gibt, desto mehr können wir eben machen. Und schau dir gerne unser Video an, dann weißt du Bescheid.

Carsten Motiviert das auch nochmal. Genau.

Stefanie Und ja, wir freuen uns auf jeden Fall über jeden, der uns unterstützt. Und wenn du der Meinung bist, du kannst uns jetzt nicht finanziell unterstützen, dann freuen wir uns natürlich auch über eine iTunes Bewertung, und wir freuen uns auch generell, wenn du uns weiter empfiehlst, Kommentare schreibst, uns Emails schreibst, uns einfach wissen lässt, dass du da bist und dass du uns ganz toll findest.

Carsten Das ist ganz wichtig.

Carsten Ja genau, das hält uns am Leben.

Stefanie Das gehört dazu. Also bitte erzähl uns täglich, dass du uns ganz toll findest. Dann gibt es auch ganz hoch motivierte Podcastfolgen, das nur so nebenbei.

Carsten Genau.

Carsten So, jetzt ist die Pause vorbei.

Stefanie Genau, so, warst du auch auf dem Klo?

Carsten Das sag ich jetzt nicht.

Stefanie Okay, erzähl mal weiter. Also wir waren jetzt gerade bei der Transition-Bewegung, bei Rob Hopkins und dem…

Carsten Genau, Rob Hopkins, sein Heimatort Totnes wird auch erwähnt. Er selbst wird in dem Film oder in der Dokumentation auch nochmal gezeigt, wie er nach Frankreich reist, um einfach dort vor, ich weiß gar nicht was für ein Publikum, auch mal seine Transitionidee auszusprechen und vorzustellen. Und im Endeffekt ist dieser Film auch nochmal eine Zusammenfassung an alternativen Wirtschafts- und Wertemodellen. Er geht so ein bisschen in den Bereich mit rein Regional und Lokalwährungen, aber nicht so tief wie andere Dokumentation. Was ich sehr gut fand an der Dokumentation war, dass überdurchschnittlich lang über das Thema Permakultur berichtet wurde.

Stefanie Oh ja, das ist cool.

Carsten Ich glaube, das war eine französische Initiative, die dort Permakultur durchführt. Ich weiß jetzt nicht in welchem Zusammenhang, ob das jetzt ein Dorf war oder einfach ein Hof. Auf jeden Fall waren dort mehrere ehrenamtliche Personen, die wirklich dort in diesem Permakulturgarten sag ich jetzt mal oder Acker oder was auch immer es ist, einfach gezeigt haben, dass Permakultur ein tragendes Element für Ernährung sein kann, also, dass eben auch eine Art Ernteertrag existiert, der nennenswert ist.

Stefanie Dass es da eben nicht auf die Quadratmeter ankommt, sondern die Art, den Boden zu nutzen, die Fläche zu nutzen.

Carsten Genau. Und ich meine, nagle mich jetzt bitte nicht drauf fest, aber ich meine, dass in der Dokumentation auch gesagt wurde, dass Permakultur natürlich arbeitsintensiver ist, dementsprechend auch mehr Personeneinsatz erfordert. Aber man solle sich quasi mal überlegen, ob man das Geld für höhere Erträge eher in Dünger und in Landmaschinen und in Monokulturen und all das, was damit zusammenhängt, Abhängigkeiten investiert oder ob man lieber sagt: Nein, ich muss eigentlich Geld investieren, generell, um halt Ernteerträge zu bekommen, aber ich wähle jetzt eine Art, die nachhaltig ist. Permakultur ist ja letztendlich vom Konzept her so ausgelegt, dass sie durch sich alleine bestehen kann. Der Begriff Perma heißt ja nichts anderes als permanent. Ja, also ich habe eigentlich eher mehr Nutzen aus dieser Art der, wie nennt man das…

Stefanie Zyklus?

Carsten Nein, also der, der Bepflanzung, also, des Gärtnerns oder der Landwirtschaft oder wie auch immer, aber es gibt es ja auch verschiedene Konzepte, Garten oder Landwirtschaft oder Forstwirtschaft oder so was. Also du hast letztendlich mehr Nutzen aus dieser Permakultur, als dass du Energie aufwenden musst. Am Anfang ist es aufwendiger, um erst mal dieses System aufzubauen. Aber nachher trägt es sich selbst, wird immer arbeits, also wird immer weniger arbeitsintensiv, aber ist langfristig ausgelegt. Ich habe auch irgendwo mal gelesen, dass das im Hintergrund so diese Philosophie da ist, dass du quasi etwas schaffst, was auch der siebten Generation nach dir noch von Nutzen ist, also dieser Nachhaltigkeitsaspekt, krass ist das.

Stefanie Der siebten Generation?

Carsten Ja, und das hat mir nochmal so ein bisschen verdeutlicht, wo dieser Begriff Perma oder Permakultur herkommt. Du könntest das rein theoretisch auch auf Unternehmen ummünzen, dass man eben sagt: Nicht Permakultur im landwirtschaftlichen Sinne, sondern das Unternehmen selber soll halt nach diesem Perma, nach dieser Permaphilosophie aufgebaut werden, um letztendlich mehr Nutzen für die Gemeinschaft, für die Menschen zu schaffen, als dass Arbeitsaufwand investiert werden muss oder Kapital oder so was also, oder Ressourcen verbraucht werden. Also das fand ich eigentlich ganz interessant von diesem Konzept, aber ich bin mir nicht sicher, ob das mit dem Unternehmen auch wirklich in dieser Dokumentation genannt wurde, oder ob ich das irgendwie als Randnotiz mal so gelesen habe. Auf jeden Fall fügt sich da so ein bisschen das Bild, weil ich das Konzept Permakultur sehr spannend finde.

Stefanie Urururururenkel.

Carsten Hast du gezählt?

Stefanie Ja, ich habe an den Fingern abgezählt.

Carsten Da musstest du ja zwei Hände bemühen, das ist ja krass.

Stefanie Und, gab es sonst noch was?

Carsten Ja, das ist das, was interessant war. Wir haben das ja immer so aus diesem Nachhaltigkeitsaspekt kennengelernt, um quasi aus diesem…

Stefanie Und jetzt ist das gar nicht nachhaltig (lachen).

Carsten Nein, ich fand den Blickwinkel interessant, weil entweder also.

Stefanie Aufgedeckt, es ist nichts Nachhaltiges dabei, so ein Mist.

Carsten Also, Nachhaltigkeit und auch diese Globalisierung oder jetzt als Gegenpol der Globalisierung des Wirtschaftens oder dieses Konsumverhaltens, das waren ja eigentlich so mehr unsere Ansatzpunkte. Deswegen sind wir auf Transition und Permakultur aufmerksam geworden. Ja, und hier im Rahmen dieser Dokumentation war es eben die Perspektive der Beschleunigung. Also dieser zeitliche Aspekt.

Stefanie Das ist dann halt entschleunigt.

Carsten Genau, das ist dann auch die große Klammer, also die Dokumentation fängt quasi an, indem verschiedene, weiß nicht, Wirtschafts- und Philosophieexperten und was auch immer, also Leute, die sich mit dem Thema Beschleunigung und so was...

Stefanie Deswegen beschleunigst du jetzt gerade auch blblblblbl.

Carsten Du spulst doch vor, gibt es zu. Ja, so steigt die Dokumentation ein und bildet da eben diese Klammer, und genau diesen Aspekt, den fand ich unglaublich interessant, weil ich den vorher in diesem Zusammenhang noch nicht so kennengelernt habe. Also sprich Beschleunigung, oder was ich ja am Anfang sagte, Entschleunigung.

Stefanie Hm hm. Viele kluge Worte.

Carsten Viele kluge Worte.

Stefanie Und empfiehlst du unseren Hörern und Hörerinnen denn, den Film zu sehen?

Carsten Sofern du, lieber Hörer oder liebe Hörerin…

Stefanie Du fängst immer mit den Männern an, das ist unhöflich. Wir Frauen hier, Frauen an die Macht.

Carsten Ich bin jetzt ganz unhöflich. Die Männer, die uns unterstützen, sind im Moment in der Mehrzahl, also Frauen, ne?

Stefanie Hör mal, Birgit hat uns viel länger unterstützt. Die war die erste Pionierin!

Carsten Spul mal zurück. Habe ich vielleicht damals auch Frauen zuerst genannt? Ich weiß es gar nicht.

Stefanie Ja, ja, ja

Carsten Ja, ja.

Stefanie Also, du, liebe Hörerin, lieber Hörer.

Carsten Genau. Ungefähr, ich glaube, anderthalb Stunden maximal, also irgendwie eine Stunde 15 Minuten, eine Stunde 20 Minuten oder so was geht diese Dokumentation.

Stefanie Eine Stunde 40 Minuten glaube ich sogar.

Carsten Eine Stunde 40 Minuten?

Stefanie Oder 50, 60, 70.

Carsten Wird immer mehr.

Stefanie Beschleunigt.

Carsten Genau, richtig. Ja, also kannst auf alle Fälle mal anschauen. Es ist jetzt keine sonderlich spannende Dokumentation wie „Cowspiracy“ oder „What The Health“, aber so in der Art und Weise, wie diese Art der Dokumentationen, vom Sachlichen, Emotionalen her gestaltet sind, sind sie auf alle Fälle sehr sehenswert. Okay, sehr informativ, sagen wir es mal so und für, ich sage jetzt mal.

Stefanie Ist denn das Thema vegan da irgendwie drin?

Carsten Nein, leider nicht. Es hat vom veganen her ...

Stefanie Das ist total merkwürdig, dass die immer so Nachhaltigkeit und Entschleunigung und keine Ahnung, und wie kann ich jetzt besser anbauen, Permakultur ... aber vegan spielt keine Rolle. Das ist so, so ein Tabu.

Carsten Weiß ich nicht, ob es ein Tabu ist.

Stefanie Doch, es ist ein Tabu.

Carsten Genau. Stimmt. Da waren mal so ein paar vegane Schilder. Die haben sie rausgeschnitten, Mit schwarzen Balken und so.

Stefanie Und wie hast du dann erkannt, dass es vegan war?

Carsten Ich habe die unzensierte Version (lachen).

Stefanie Die über 18? Ja Okay, ich verstehe.

Carsten Da waren nackte Schilder.

Stefanie Die kann man nicht unverhüllt lassen. Die müssen unbedingt verhüllt werden. Okay. Ja, gut. Möchtest du abschließend noch etwas über diese Dokumentation, die du ohne mich gesehen hast, denn noch sagen?

Carsten Ja, vielleicht nicht häppchenweise schauen, so wie ich das gemacht habe. Ich habe mir in der Mittagspause über mehrere Tage hinweg immer mal so Schnipsel von 15 bis 20 Minuten angeschaut. Ich habe heute gemerkt, es hätte sich empfohlen, das wirklich am Stück mal anzuschauen, weil wenn man das über so langem Zeitstrahl versucht irgendwie zu konsumieren, dann geht doch einiges verloren an Information. Ich habe heute Mittag nochmal ein bisschen reingeschaut und mir war der Anfang schon gar nicht mehr richtig klar.

Stefanie Ja, okay.

Carsten Wirklich so am Stück durchgucken und dann lohnt sich das auch. Und dann ins Handeln kommen! Also nicht nur angucken, sondern auch wirklich Transition leben.

Stefanie Mach es, lass jucken (lachen).

Carsten Genau. Also zumindest dann das Buch von Rob Hopkins besorgen.

Stefanie Einfach Jetzt Machen.

Carsten Einfach Jetzt Machen. Wird auch noch mal verlinkt. Für alle, die das jetzt nicht mitschreiben können.

Stefanie Na ja, manchmal ist es ja so, dass wir irgendwie geistig das ausblenden. Dann so, dass wir nur das wahrnehmen, was wir auch gerade wahrnehmen wollen. Wir filtern ja gerne. So wie du bei dem „Milch besser nicht“, bei der Folge ja auch am Anfang die ganzen ethischen Aspekte ausgefiltert hattest und dann.

Carsten „Mythos Milch“ meinst du?

Stefanie Hieß der Mythos Milch? Ach ja, Milch besser nicht war das Buch.

Carsten Weil wir filtern manchmal und blenden aus.

Stefanie Hier das beste Beispiel (lacht). Ich habe das jetzt live vorgeführt. Milch besser nicht. Die neue Podcastfolge vom SWR 2.

Carsten Genau. Die wissen das nur noch nicht, dass sie die produziert haben.

Stefanie Ja, also beim Mythos Milch hattest du gesagt, dass du das Ethische ausgeblendet hast. Ja, du bist ja nicht so der ethische Typ.

Carsten Ethisch, Ethnisch.

Stefanie Genau, der ethnische Typ. Ja, genau. Okay, dann würde ich sagen, war es das.

Carsten Haben wir es für heute.

Carsten Genau. Hey!

Stefanie Na ja. Ja, okay. Wenn ich ein bisschen was raus schneide, bist du bei Hey.

Carsten Just in time.

Stefanie Ich dachte schon, was ist mit Justin?

Carsten Ich kenne keinen Justin. Nein, das habe ich jetzt ausgeblendet (lachen). Ich wollte es vermeiden.

Stefanie Carsten hatte früher auch diese Poster.

Carsten Wir beenden das jetzt. In Hamburg sagt man Tschüss und…

Stefanie (lacht)

Carsten Okay. Die kann gerade nicht. Und auf Wiedersehen.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Stefanie Aber ich, warte mal… In diesem Sinne hast du vergessen. Ich wollte gerade sagen, das waren immer drei Teile.

Carsten Na, dann sagst du halt.

Stefanie In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.



Stefanie Mir fällt gerade kein Titel mehr von Nsync ein, den ich jetzt anstimmen könnte, so weit weg ist das.

Carsten Ich habe die nie gehört.

Stefanie Ja, ja, ja. Das sagst du jetzt.

Carsten Da gibt es eine Simpsonsfolge, wo die mit drin waren.

Stefanie Echt? Nsync waren bei den Simpsons?

Carsten Ich glaub schon.

Stefanie Ich habe das alles vergessen.

Carsten Sei froh.

Stefanie Es ist weg. Filter, Filter. Ich habe es verdrängt. Tja, dann musst du wohl selber deine CDs rauskramen und was hören (lacht). Nun gut, beenden wir das mal für heute.

Carsten Tschüss.

Stefanie Tschüss.

Folge 69 - Wenn Dir alles zuviel wird

Ein Beitrag

Folge 69 - Wenn Dir alles zuviel wird

In dieser Folge

  • sprechen wir über die Ohnmacht, die uns ab und an niederstreckt,
  • erzählen wir Dir was wir tun, wenn uns alles zu viel wird und
  • geben wir Dir Tipps, was Du tun kannst, um aus dem Loch wieder herauszukommen.

Sicher kennst Du das auch. Dieses Gefühl der Ohnmacht, dieses Gefühl, dass Du allein ja doch nichts ändern kannst, dass trotzdem immer weiter Tiere sterben und Du als Einzelperson eigentlich völlig machtlos bist.

Wir sind schon öfter durch solche Täler gegangen und wollen mit Dir nun unserer Erfahrungen teilen.

Vor allem aber wollen wir nicht im Dunkel verweilen, sondern mit Dir wieder hinaus ins warme, helle Sonnenlicht gehen. Und dafür haben wir einige Tipps für Dich zusammengestellt.

Links zur Folge

Harald Welzer: Klimakriege
https://www.buch7.de/store/product_details/107598352

Jane McGonigal: Gamify your Life
https://www.buch7.de/store/product_details/1026096250

Das Spiel zum Buch
https://www.superbetter.com/

Hier kannst Du "Für Milch sterben Aufkleber" bestellen
https://www.facebook.com/fjodorrr/

Und jetzt sind wir neugierig...

Lass uns gemeinsam eine Liste voller Power-Ups erstellen.

Schreib einen Kommentar: Wie kommst Du aus dem Dunkel wieder raus?

Stefanie & Carsten

Vegane Dokumen­ta­tio­nen und Filme

Ein Beitrag

Folge 68 - Vegane Filme

In dieser Folge

  • stellen wir Dir die Dokumentationen "Gabel statt Skalpell", "What the health" und "Carnage" vor,
  • erzählen wir über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Filme und
  • erklären wir Dir, warum "Carnage" ganz anders ist, als die anderen Filme...

Obwohl "Gabel statt Skalpell" schon etwas älter ist, hatten wir diese Dokumentation bisher noch nicht gesehen und es hiermit nachgeholt- Check. :-)

Zum Film gibt es auch ein Kochbuch, das wir noch nicht getestet haben- beim nächsten Bücherhallenbesuch holen wir das nach.

Auch zum neuen Dokumentarfilm "What the health", von den Machern von "Cowspiracy" gibt es ein Kochbuch- durchaus sinnvoll, weil es die Menschen nach einer Umstellung auf rein pflanzliche Ernährung nicht alleine lässt.

Die BBC-Dokumentation "Carnage" ist dagegen ganz anders als die beiden genannten Filme- sie schaut aus der Zukunft auf unsere heutige Gegenwart und fragt sich, was wir hier eigentlich treiben.

Links zur Folge

Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Stefanie Heute wollen wir dir ein paar Filme vorstellen, die wir in letzter Zeit geguckt haben.

Carsten 3 Stück.

Stefanie Genau und das eine ist Yakari (lacht). Nein, also wir reden heute über Dokumentationen.

Carsten Yakari, genau. Schon total geschädigt.

Stefanie Das ich immer wieder angucken muss ja, also jedenfalls, es sind 3 Dokumentationen.

Carsten , erzähl doch mal, welche sind das denn, außer Yakari?

Carsten Wir haben was anderes geguckt also.

Stefanie Zwischendurch, zwischen den einzelnen Folgen.

Carsten Was Ernstes, genau. Das ist zum einen „Carnage“.

Stefanie Das ist hört sich so ähnlich an wie Yakari, Carnage, Ya-ka-Ri, Car-Nage.

Carsten Ja, ist vielleicht auch so aus dem indianischen her, ne? Nein, Carnage ist eine BBC Dokumentation, die ist kostenfrei gewesen.

Stefanie Ja also, ich hab jetzt, ich dachte halt auch das kann man sich kostenlos angucken. Ich hab jetzt rausgefunden, dass manche Menschen illegal die auf Youtube hochgeladen haben, diese Dokumentation, das heißt, du solltest einfach mal auf Youtube nach Carnage und BBC suchen, dann findest du den Film auch.

Carsten Genau, das war der erste Film, dann haben wir noch 2 weitere geguckt, einer, der schon etwas bekannter ist, der sagt dir

Stefanie Ein älterer, „Gabel statt Skalpel“

Carsten Genau, und als dritten Film haben wir ganz aktuell „What The Health“ geguckt. Von Kip Andersen, der auch Cowspiracy gemacht hat, das ist so sein zweiter Film. Diesmal schaut er dann in den Bereich Ernährung und nicht in den Bereich, ja ökologische Auswirkungen der Massentierhaltung.

Stefanie Aber das Ende ist das gleiche wie beim letzten Mal: Leb vegan.

Carsten Ja, genau.

Stefanie So deswegen ist auch Colleen Patrick-Goudreau mit ihrer 30 Tage Challenge auch wieder mit dabei, auf der Take Action Seite. Also wenn du auf What The Health gehst, hat sie dann noch einen, also gibt es da einen Take Action Bereich und da kannst du dich dann wieder für die 30 Tage Challenge anmelden. Wenn du das noch nicht gemacht hast, ist es eine Empfehlung von mir, sie hat das wirklich super aufbereitet. Das ist kostenlos zumindest war es das damals. Ich habe jetzt grad nicht mehr reingeguckt, ob es jetzt diesmal kostenlos ist, aber ich nehm mal an, es ist immer noch so. Und da kriegst du dann 30 Tage lang jeden Tag eine Email von Colleen, Patrick-Goudreau, und Sie hat das echt ganz toll aufbereitet. Also, das lohnt sich, das da mal anzuschauen, selbst wenn du schon vegan lebst. Das ist sehr interessant, sie hat da ganz viele Informationen reingepackt. Und darum ging es jetzt eigentlich gar nicht, aber ich wollte das noch mal erwähnen.

Carsten Genau, die beiden letztgenannten Filme sind inhaltlich auch sehr nah beieinander, Gabel statt Skalpell und What The Health schauen auf die gesundheitlichen Auswirkungen einer pflanzenbasierten Ernährung.

Stefanie Genau und da - ist aber das Wort The Healt? What The Health? (lacht) ist, finde ich, von den Bildern her irgendwie schon besser.

Carsten Ja, also Gabel statt Skalpell wirkt so ein bisschen, hast du auch schon treffend gesagt, so ein bisschen wie aus den 80er Jahren

Stefanie Das ist alles nicht so

Carsten Der ist aber aktuell der Film, also das sind jetzt nicht so uralte Dokumentationsschnipsel, aber irgendwie die Machart, die ist schon so ein bisschen altbacken. Und What The Health, ja, wer Cowspiracy gesehen hat, in der gleichen Machart, ne, so ein bisschen frischer. Optisch sehr ansprechend, super Kameraführung, und natürlich auch so ein bisschen dieses investigative, also beim… wobei in beiden Filmen hast du quasi einen Protagonisten, der seine eigene Geschichte da so ein bisschen mit einbringt.

Stefanie Wobei bei Gabel statt Skalpell ist das nur ganz, ganz am Rande, das ist jetzt nicht so der rote Faden mit dem

Carsten Nein, es ist nicht der rote Faden, aber er lässt sich ja selber irgendwo von einer, ich sag jetzt mal er stellt seine Ernährung um und bekommt dann halt eben doch die positiven Effekte einer veganen Ernährung am eigenen Leib zu spüren und

Stefanie Ja, wobei jetzt das dann auch nicht der Regisseur war

Carsten Das weiß ich nicht.

Stefanie Nein, der hieß anders

Carsten Alos nicht Anders, sondern er hatte einen anderen Namen

Stefanie Genau, er hatte einen anderen Namen, ja, aber jetzt wollen wir genau, sollen wir einfach mit What The Health anfangen?

Carsten Starte mal

Stefanie Achso ich, ja, ich dachte du

Carsten Du bist die Rädelsführerin

Stefanie Rädelsführerin (lacht), ja, ich richte mal mein Abzeichen und dann gehts los, also What The Health haben wir gestern erst geguckt, den gibt es im Moment nur auf Englisch und teilweise haben die so schnell geredet, dass ich nicht alles verstanden hab. Aber ich glaube, den Kern habe ich verstanden. Da geht es natürlich jetzt wieder darum, aufzuklären, wie die Zusammenhänge sind zwischen der Ernährung, was auch von den Einzelnen, ja, Gesundheitsorganisationen, aber eben auch diesen einzelnen Stiftungen, ich weiß nicht, sind nur Stiftungen, aber jedenfalls also.

Carsten Es sind auch ja Stiftungen und Gesundheitsorganisationen, also offizielle Staatsorgane teilweise

Stefanie Was von denen propagiert wird, was man essen soll, wenn man jetzt irgendwie an Diabetes oder Herz…

Carsten Heart diseases

Stefanie Herzkrankheiten leidet. Oder eben an Krebs. Da war Brustkrebs, das war ja auch so ein großes Thema.

Stefanie Was, was man dann, wie man damit umgehen soll, das findet man alles auf deren Internetseiten. Da sind dann eben auch Ernährungsempfehlungen, und der Kip Andersen deckt dann eben wieder auf, dass das aber entgegenläuft gegen diese Studien, die sagen, dass, wenn du genau das isst, also jetzt Fleisch in dem Sinne und auch vor allem verarbeitetes, stark verarbeitetes Fleisch, das macht dich eigentlich erst krank. Und wenn du jetzt den krebskranken oder den Menschen, die an Diabetes leiden, dann diese Ernährung empfiehlst dann ist das irgendwie sinnbefreit und da ruft er eben auch dann öfter an und wird immer abgewimmelt

Carsten Genau, er versucht der Sache nachzugehen, also er steigt auch, ich glaube, ich weiß nicht, ob das initial war, oder irgendwo erwähnt er dann ja auch diese Studie der Weltgesundheitsorganisation, die verarbeitetes Fleisch hier in die gleiche Krebsgefährdungskategorie eingebracht hat wie Rauchen, Asbest und Plutonium, und versucht dann die entsprechenden offiziellen Stellen damit zu konfrontieren und zu sagen, ihr versucht hier gerade irgendwie eine Antikrebs, also dieses Brustkrebs, diese Vereinigung und das, ich weiß jetzt nicht mehr, wie die amerikanische Organisationen gegen Krebs heißt. Die propagieren ja auf ihrer Internetseite oder auf ihren Internetseiten immer noch so eine gesunde Ernährung, die aber sehr Fleischlastig ist. Und mit solchen Zahlen konfrontiert er die und sagt, wie passt denn das zusammen? Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt genau das Gegenteil von dem, was ihr da gerade auf eurer Internetseite habt, ich würde ganz gerne mal drüber sprechen. Und da kommt er halt nicht weit.

Stefanie Genau, also er findet eigentlich nur eine Person, mit der er sprechen kann, und die würgt ihn dann auch mitten im Interview ab, wenn es eigentlich wirklich darum geht zu erklären, warum empfehlen die denn jetzt, dieses Fleisch zu essen, wenn das doch überhaupt nicht gesund ist

Carsten Ja, und interessant ist dann im Nachgang, also er führt oder versucht halt, diverse von diesen Organisationen zum Gespräch zu bewegen. Nachdem er da scheitert, und auch nachdem dieses eine Interview, was tatsächlich stattfindet, dann so unvermittelt abbricht, zeigt er halt oder versucht er zu recherchieren, wo könnte denn jetzt die Ursache für dieses Schweigen, oder für diesen abrupten Gesprächsablauf liegen und klärt dann halt auf, dass diese Organisation einen Großteil ihrer Gelder durch die Fleischverarbeitende oder generell aus der Lebensmittelindustrie bekommen.

Stefanie Und nicht nur davon, sondern eben auch von vielen Medikamentenherstellern, und das, also der Film wird wieder so, ja, mit Parallelsträngen aufgefüllt, sage ich als Cineastin (lacht), jedenfalls gibt es da eben noch Menschen, Einzelbeispiele, die gezeigt werden, die am Anfang eben eine Riesenbatterie an Medikamenten nehmen müssen, weil sie an bestimmten, also an Diabetes zum Beispiel oder Herzkrankheiten oder generell an bestimmten Problemen leiden.

Carsten Also multikaputt, wollte ich gerade schon sagen

Stefanie Ja, genau, und also eine Dame wird da vorgestellt, der gesagt wurde, dass sie in den nächsten 30 Tagen auf jeden Fall einen Herzinfarkt bekommen wird, und sie setzt, also alle, die vorgestellt werden, setzen ihre Medikamente ab und steigen um auf eine pflanzenbasierte Ernährung und haben dann alle nach zwei Wochen schon den Effekt, dass sie keine Medikamente mehr brauchen. Ja also so, dass ist einfach, und die eine wird gezeigt, dass sie kaum mehr laufen kann, nur noch mit so einem

Carsten Rollator

Stefanie Rollator, genau, und danach kann sie wieder ganz normal gehen. Also so, es wirkt so ein bißchen wie Wunderheilung (lacht), ich hab nochmal gedacht, das sind, das sind schon so Extrembeispiele, das wirkt so, als wäre Jesus vorbeigekommen und hätte die Hand aufgelegt. Also ich weiß nicht, ob das so, also ich hab solche, also wir haben später dann nochmal drüber gesprochen, dass ständig werden solche Dinge gezeigt, dass, sobald du vegan lebst, also auf eine pflanzenbasierte Ernährung umsteigst, fühlst du dich fitter, gesünder, toller, dein Leben hat sich einfach super bewährt und du bist einfach ein Jungbrunnen und so und

Carsten Alles quasi über Nacht, innerhalb von wenigen Tagen.

Stefanie Ich meine, wir leben jetzt seit mehr als zwei Jahren vegan, also mir ist es nicht passiert, ich hab nur, also ich hab darüber nachgedacht, vielleicht liegt es daran, dass ich von vegetarisch auf vegan umgestiegen bin. Das könnte halt sein, dass es, dass, die meisten steigen, also die gezeigt werden mit diesem super mega wow Beispielen, sind ja die, die von „ich ess extrem ungesund und Fleisch und alles“ auf „ich esse jetzt auf einmal extrem gesund und Pflanzen basiert“ umsteigen, und da kann ich mir das natürlich vorstellen, dass es so einen Megaeffekt gibt

Carsten Gut, das sind natürlich auch ich sag mal so wirklich ganz, ganz massiv kranke Personen gewesen, die hatten extrem hohe Cholesterinspiegel, standen kurz vorm nächsten Herzinfarkt und keine Ahnung, wars im Grunde genommen eigentlich keine wirkliche Lebensperspektive mehr so aus gesundheitlicher Sicht betrachtet. Und wir waren ja von vornherein, also wir beide, bevor wir umgestellt haben, ja nicht krank, wir waren ja eigentlich schon relativ gut gesund und haben uns ja mit frischen Sachen dann schon versorgt, haben auch immer schon selber gekocht, also es war jetzt nicht so, dass wir jetzt irgendwelche Fast Food Junkies gewesen sind oder halt komplett

Stefanie Sind wir halt jetzt erst

Carsten Ja, jetzt

Stefanie Seit wir vegan leben, gehen wir nur noch zu Vincent Vegan

Carsten Wollte ich gerade sagen

Stefanie (lacht) übrigens geht es geht gleich nochmal los

Carsten Diese Folge ist gesponsert von (lacht)

Stefanie (lacht) Übrigens, unser heutiger Sponsor: die vegane Fast Food Industrie...

Carsten Genau richtig, ja, Rügenwalder

Stefanie Das ist doch nicht, naja, gut. Also ja das, das finde ich, also ich meine klar, ich finde es beeindruckend, was da passiert, aber irgendwie, ich kann es nicht, ich kann es nicht bestätigen.

Carsten Nee, leider nicht, also ich hätte es auch ganz gerne irgendwie so am eigenen Leib erfahren, dieses, diese Wunderheilung von heute auf morgen einfach viel mehr Energie zu haben und

Stefanie Ja, ich habe auch gehört, so bei vielen, dass sie gesagt haben, meine Allergien sind alle weg, meine Neurodermitis ist weg, alles ist viel besser geworden. Und bei mir ist es eigentlich nicht so. Also ich habe wirklich vor, jetzt muss ich nachrechnen, vor 8 Jahren oder so hat es bei mir angefangen mit Allergien. Vorher hatte ich gar keine Allergien, und dann hat es irgendwie mit Allergien angefangen und dann, die sind jetzt aber nicht weg, also so ab und zu also merke ich das schon, dass ich mal wieder was irgendwie ein paar mehr Nüsse essen kann, als ich vorher essen konnte, aber das ist alles so, das ist nicht durch die vegane Ernährung weggegangen, also ich behaupte mal, dass vieles eben auch psychisch sein kann, also durch Stress bedingt.

Carsten Ja, ich denke, da gibt es noch ganz viele andere Einflussfaktoren.

Stefanie Das ist nicht nur die Ernährung definitiv. Ja.

Carsten Ja, was sonst? In diesem Film also, unabhängig davon, dass wir jetzt diese Wunderheilung am eigenen Leib nicht bestätigen können, muss ich sagen, er war sehr sehenswert, wobei er für Leute, die sich schon so mit diesem veganen Ernährungsthema auseinandergesetzt haben, nicht wirklich bahnbrechend Neues gezeigt hat.

Stefanie Und vor allem, weil wir vorher Gabel statt Skalpell geguckt haben, und dann kommen halt immer die gleichen Menschen vor, die die gleichen Sachen erzählen und dann irgendwann weiß man es halt. Das ist, war auch, also wer, wenn du Hope For All gesehen hast. Also wie gesagt, ich empfehle den jetzt nicht uneingeschränkt, weil da so ziemlich krasse Szenen drin sind, und wenn du einmal krasse Szenen gesehen hast, musst du den Film nicht gucken. Aber Hope For All war auch so ähnlich aufgebaut, nur noch dramatischer, so mehr schwarz-weiß, also so mit dieser Musik, wenn die bösen Fleischesser kamen und mit der beschwingten „Huuh Musik“, wenn die braven, tollen Pflanzenesser kamen, also das war so mehr so, da hatten wir ja auch schon mal drüber gesprochen. Nur da war es auch wieder so, dass Menschen gezeigt wurden, die durch diese pflanzenbasierte Ernährung eben Wunderheilung erfahren haben, und das ist so, ja, das kann natürlich ein starkes Motiv sein, also wie gesagt, ich bin halt einfach nicht so der Typ, der so auf dieser Gesundheitsschiene ist. Mir bedeutet das einfach nicht so viel, wahrscheinlich, weil ich einfach so eine Grundgesundheit habe und nicht, nie irgendwie so extrem krank war. Aber vielleicht ist es für manche hilfreich, aber manchmal denke ich ja auch, vielleicht ist das auch schon wieder zu extrem, das wirkt schon wieder so Sektenhaft

Carsten Ja, also ich will das nicht in Abrede stellen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es diese Effekte gibt, und dass auch Menschen genau das erleben, ja.

Stefanie Natürlich, das glaube ich auch, ich meine nur, wenn man immer wieder diese Wunderheilungen zeigt, dass es dann vielleicht so ein bisschen ja, dann erwartest du eben auch selbst, dass es bei dir passiert

Carsten Ja klar

Stefanie Und wenns dann nicht passiert, dann ist halt.

Carsten Dann ist die Enttäuschung da

Stefanie Genau, ist die Enttäuschung da und dann ist die vegane Ernährung schuld, weil die nicht das versprochen hat, äh nicht das gehalten hat, was sie versprochen hat. Versprochen vielleicht schon (lacht), aber nicht und das, ich denke halt irgendwie, es ist alles sehr, sehr individuell.

Carsten Ja klar, vielleicht picken die sich ja auch so die Rosinen raus, ne, dass sie sich extra Kandidaten aussuchen, wo sie genau diese Effekte haben, ne also die werden jetzt wahrscheinlich im Vorfeld nicht einfach irgendwelche wildfremden Leute ansprechen, keine Ahnung, zehn Leute und dann einer davon hat genau diese Effekte und bei neunen ist halt ein bisschen moderater, also ich glaub schon, dass sie sehr fokussierter vorgehen.

Stefanie Ja.

Carsten Natürlich passiert dann auch klar.

Stefanie Ja ok, aber generell also vielleicht wenn, also wie gesagt, der Film ist im Moment erst nur auf Englisch zu sehen, also vielleicht, wenn du wartest, vielleicht kommt er noch mal irgendwann auf Deutsch raus sind.

Carsten Ich denke schon, im Laufe des Jahres wird er mit Sicherheit auf Deutsch verfügbar sein

Stefanie Ja, ich meine, das war ja bei Cowspiracy auch so. Gabel statt Skalpell ist ja schon ein bisschen älter schon von 2011 oder?

Carsten Ich glaube schon ja.

Stefanie Und da, ja wie gesagt, die Bilder, die wirken aber so, als wären sie von 1980, also klar, da sind noch viele Archivaufnahmen dabei, und da wir Gabel statt Skalpell zuerst gesehen haben und dann erst What The Health, da wirkt es eben so, als würde What The Health sehr viel wiederholen. Aber ja, es sind halt einfach diese Erkenntnisse, die da schon gezeigt wurden, nochmal aufgearbeitet.

Carsten Also ich glaube, der grundlegende Unterschied war, das habe ich so wahrgenommen bei What The Health, es versucht im Hintergrund zu diesen Gesundheitsapparat in Amerika zu hinterfragen, so ein bisschen bloßzustellen, die Zusammenhänge, wo kommen Gelder her, wie ist das ineinander verbandelt, wie sind Einflussnahmen und, und, und. Und das ist schon interessant, aber auch für mich jetzt nichts Neues gewesen

Stefanie Weil wir halt schon die einzelnen Sachen halt gelesen, vor allem „Food Mafia“ müssen wir noch rezensieren

Carsten Ja.

Stefanie Also da steht das halt auch ziemlich viel drin.

Carsten Und bei Gabel statt Skalpell war für mich eigentlich, also das, was im Vordergrund stand und was ich so wahrgenommen habe, die Geschichte von dem Colin Campbell und dem Doktor Esselstyn. Das fand ich ganz interessant in dem Film, einfach mal diese Kombination zu sehen, dass das beides Pioniere waren, jetzt mal aus heutiger Sicht Pioniere für die vegane Ernährung. Die völlig unabhängig gestartet sind, zu gleichen Erkenntnissen gekommen sind, also sprich Verzicht auf tierische Lebensmittel, aber aus unterschiedlichen Sichtweisen und dann im Laufe

Stefanie Wobei bei dem Professor, oder war der nur Doktor? Bei Herrn Esselstyn war es auf jeden Fall so, dass er am Anfang noch Milch mit drin hatte, und dann erst, als er auf den Campbell gestoßen ist, hat er auch die Milch rausgenommen.

Carsten Genau, der hat also quasi seinen Patienten, er selber ist ich glaub, was ist er eigentlich, Herzspezialist, irgendwie so, ja und hatte seinen Patienten eine bestimmte Ernährungsform empfohlen, die schon sehr dramatische Heilerfolge hatte. Also Leute, die quasi kurz vor ihrem finalen Herzinfarkt litten, die wurden dann zu ihm geschickt, und er sagte auch, die waren deutlich kränker als das, was er sich eigentlich erhofft hatte, die ihm zugewiesen wurden, und denen hat er eben eine bestimmte Ernährungsempfehlung ausgesprochen, die schon sehr Pflanzenlastig war. Und damit hat er sehr starke Heilerfolge gehabt. Und später ist er dann auf die Arbeiten von dem Colin Campbell aufmerksam geworden, und hat da dann realisiert, dass auch die Milch und Milchprodukte extrem schädlich sind und hat dann entschieden: Ok, ich wechsel dann diese Ernährungsempfehlungen auf komplett pflanzlich. Und beide, sowohl Campbell als auch Esselstyn sind dann quasi im Laufe ihres Lebens zum Veganer geworden. Und

Stefanie Da werden dann auch also die Kinder, von denen gezeigt bzw. auf jeden Fall, der eine Sohn von dem Doktor Esselstyn wird da gezeigt

Carsten Der bei der Feuerwehr arbeitet.

Stefanie Der bei der Feuerwehr arbeitet, und da dann nochmal zeigt, dass die ganze Feuerwehrmannschaft sich dann vegan ernährt, aber nicht wegen ihm, sondern wegen eines Kollegen, der hatte auch, was hatte der?

Carsten Der hatte einen extrem hohen Cholesterinwert, irgendwie so von 340, 350 oder irgendwie sowas, und da haben die aus Solidarität entschieden, wir verändern jetzt unsere Ernährungsweise, um ihm eben was Gutes zu tun, damit er halt mitzieht. Und sind halt alle, haben sich dann ab dem Zeitpunkt vegan ernährt. Genau und wie es so sein sollte, auch die sind dann auf einmal fitter geworden.

Stefanie (lacht)

Carsten Und haben mehr Ausdauer gehabt

Stefanie Ja, irgendwie, alle machen das

Carsten Ich kann mich da noch an die Szene erinnern, wo er dann diese Feuerwehrstange hochklettert, aber ohne Beine, sondern nur mit den Armen und dann beim Hochklettern so „Echte Männer sind Veganer!“, oder?

Stefanie Eat Plants!

Carsten Eat Plants, genau, so einfach so dieses Machobild ein bisschen zu karikieren

Stefanie Bei Gabel statt Skalpell kann man auch ganz gut nochmal die China Study nachvollziehen, also da wird auch noch mal genau gezeigt, wie die China Study entstanden ist und wie Colin Campbell eigentlich überhaupt zu seinen Ergebnissen gekommen ist.

Carsten Ja, das war auch sehr interessant.

Stefanie Das fand ich interessant, das ist definitiv also, wenn du dich dafür interessierst und für diese gesundheitlichen Aspekte, die eine pflanzenbasierte Ernährung hat, dann sind die beiden Filme auf jeden Fall sehr interessant für dich, also Gabel statt Skalpell bietet mehr so Hintergründe, und What The Health bietet dann mehr dieses investigative, zu zeigen wie stehen eigentlich die Beziehungen da zwischen den Gesundheitsorganisationen und der Industrie und auch der Pharmaindustrie eben. Und warum geben die denn wohl solche Ernährungsempfehlungen heraus? Ja, weil sie eben finanziell abhängig sind. Das ist eben genau das Gleiche, ich habe dabei die ganze Zeit gedacht und wieder und wieder an Thank you for Smoking gedacht. Es ist genau das Gleiche wie mit der Tabakindustrie, damit wird es ja auch verglichen. Das ist so, wie wenn die Egg-Industrie sagt, ja, also die Eierindustrie, wenn die dann da Merkblätter herausgibt, wie man am besten irgendwie mit Eiern umgeht, und die Lambindustrie mit Lammfleisch, und so

Carsten Das sind aber staatliche Ernährungsempfehlungen gewesen?

Stefanie Jaja, und die werden halt von denen, von der Industrie geschrieben und dann nur mit dem Siegel der Staatlichkeit herausgegeben, so dass sie dann nichts mehr machen müssen, da wird denen schon Arbeit abgenommen. Also das heißt, dass wir da wirklich ein bisschen aufhorchen müssen und nicht Autoritätsgläubigkeit an den Tag legen, dass wir sagen ja, aber der Staat hat es doch gesagt, die Gesundheitsbehörde hat doch gesagt, die sind eben anderen Interessen verpflichtet. Nicht uns, dem Volk und der Volksgesundheit, sondern der Industrie, und die Industrie möchte natürlich einfach Geld verdienen, ja.

Carsten Ja, was ich jetzt noch zu Gabel statt Skalpell sagen wollte, ist, die Hintergründe über die China Study, die du angesprochen hattest, die sind im Buch der China Study eigentlich auch schon enthalten. Aber ich fand den Film als Ergänzung extrem wertvoll, weil er das Ganze visuell untermauert, das sehr schön aufgearbeitet hat aus meiner Sicht und auch die Beteiligten zeigt. Also da ist halt nicht nur Campbell, sondern auch eben sein chinesischer Kollege, die beide diese Studien durchgeführt haben. Und das einfach mal so wirklich so im Bild zu sehen, das finde ich eigentlich ganz interessant, das war so eine schöne Ergänzung zu dem Buch.

Stefanie Ja. Und jetzt können wir eigentlich Carnage überlagen.

Carsten Carnage, ja, der ist komplett anders gemacht.

Stefanie Ja, Carnage ist quasi eine Dokumentation aus der Zukunft, aus 2067 heraus. In dieser Zukunft leben alle vegan, also rein pflanzlich, das ist eine Gemeinschaft des Mitgefühls. Diese Dokumentation gibt es auch nur auf Englisch, also eben von BBC. Aber das hab ich da jetzt nicht so als schwierig empfunden.

Carsten Ich weiß gar nicht, gab es da Untertitel?

Stefanie Ich bin mir nicht mehr sicher.

Carsten Ich bin mir auch nicht sicher, aber ich fand ihn auch sehr gut verständlich.

Stefanie Ja, also jedenfalls geht es darum, dass ähnlich, also für mich ist das irgendwie so eine Parallele zur Nazizeit zur Aufarbeitung, die Achtundsechziger das sind jetzt die Siebenundsechziger, Zweitausendsiebenundsechziger, vielleicht haben sie extra so gemacht, die dann das sind die Kinder, die schon vegan aufgewachsen sind, und die stellen jetzt Fragen: Warum habt ihr damals Fleisch gegessen, wie konntet ihr nur, was habt ihr getan, wie konntet ihr kleine Babys essen, was war denn da los? Und diese Dokumentation klärt darüber auf, wie es dazu kommen konnte, und geht dann zurück in die Vergangenheit, was dann unsere Gegenwart ist, aber eben teilweise auch unsere Vergangenheit zeigt. Was ich dann auch wieder ja interessant fand, dass sie dann gesagt haben, nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich eigentlich die meisten Pflanzenbasiert ernährt, weil eben kein Fleisch da war, und da haben sie am gesündesten gelebt und dann sind sie durch das Wirtschaftswachstum, Wohlstand und so weiter. Und raus aus dem Mangel bedeutete dann ja eben das Fleisch essen, das sind sie dahin gekommen, dass sie jetzt Mengen an Fleisch essen mussten, so das Gehörte dazu. Und das sollte auch nicht weggenommen werden und dann zeigen sie eben diese Entwicklung bis heute und dann aber eben auch die Entwicklung weiter ab heute bis 2067, und es ist halt

Carsten Genau, so eine fiktive Zukunft wird dargestellt mit eigenen Akteuren, Aktivisten, einer erlebt noch so einen dramatischen Tod, der aufgrund seines Aktivismus, also ein veganer Aktivist, der wohl irgendwie.

Stefanie Der wird dann erstochen und gegessen also (lacht)

Carsten Ja genau, also der Film selber ist lustig, also es ist eher ein sehr humorvoller

Stefanie Es gibt da ein paar kleine Szenen, wo ist wirklich ja dann die Realität im Schlachthaus gezeigt wird, das ist aber nur ganz kurz und zu ertragen, also nicht so wie bei Hope For All, das ist wirklich nur eben kurz einfach, weil die so wie in der Dokumentation das gezeigt haben, das ist ähnlich also mich hat das so ein bisschen daran erinnert wie eben die Aufarbeitung, die bei mir in der Schule stattgefunden hat. Wir haben ganz, ganz viel über die Nazizeit gesprochen. Wir haben ganz viele Filme gesehen über KZs, über Juden vergast werden, über Knochenberge, über Kleiderberge und das Ganze. Wir haben immer wieder solche Filme gesehen. Und irgendwann war so eine Übersättigung da, und ich weiß nicht, ob das irgendwann mit Tier filmen auch so sein wird. Aber so ähnlich, dass eben einfach gezeigt wird, wie war das damals, ist es in dieser Dokumentation auch, aber nur ganz kurz.

Carsten Ja, wobei der Tenor schon ja lustig und.

Stefanie Das ist natürlich so, die haben die Zukunft natürlich sehr interessant da.

Carsten Ja, die nehmen sich selbst nicht so wirklich ernst, ne, also das ist, ich finde es echt gut gemacht, das war richtig gut, richtig unterhaltsam. Was mir noch so im Kopf war, ist diese Szene in der Oper, wo die Opernsängerin die Kuh darstellte und dann das Leiden der Kuh quasi in Form einer Oper?

Stefanie Das eigentlich nicht nur lustig ist, weil das ja wirklich so ist, also so was sie halt da gesungen hat, was sie da gezeigt hat, das ist genau das Leiden der Kuh, das ist heute so. So ist das, und das ist einfach nur in dieser Form dargestellt. Das gibt es natürlich heute nicht, aber so ja, es wird in dieser Dokumentation so gezeigt, dass das mit ein Erweckungserlebnis war, für die Menschen. Eine Form des Aktivismus, die die gezeigt haben, der Aktivist, der später dann erstochen und aufgegessen wurde, der hat am Anfang eher so auf der PETA Schiene, also die Organisation PETA, da immer so mehr so Randale und Krawall, und dann hat er irgendwann, ist er eher auf den Trip der Liebe gekommen, dann so mehr Compassion und Mitgefühl, auch mit allen anderen, und hat versucht dann irgendwie, sich mit Schlachtern und Wurstverkäufern zu vertragen und hat die umarmt und fand es ganz furchtbar eigentlich, also hat das irgendwie versucht, hat dann aber Blumen vor Metzgereien abgelegt

Carsten Genau, so Trauerblumen.

Stefanie Da dann haben sie so in ja, und das also mit so Karten dran, so in also so wie mit schwarzem Rand und also solche, und diese Form des Aktivismus finde ich eigentlich ganz cool, das könnten wir eigentlich auch machen.

Carsten Ja, der Film hatte echt gute Ideen. Ne wo man denkt, warum ist das tatsächlich noch nicht umgesetzt worden? Also das ist schon sehr cool gewesen, was sie da gemacht haben, das war ja auch der Aktivist, der nachher noch in diesem Interview gesagt hat, wir sind gar nicht die Veganer. Ihr seid die Carnisten, genau er hat dann gesagt ich spreche gar nicht davon, dass wir vegan sind, sondern ich sag einfach ihr seid die Carnisten.

Stefanie Genau, „We are all Animals“ hat er gesagt, „We are all Animals, and you are Carnists.“ Und das so ja, wir sind eigentlich in der Gemeinschaft, und ihr stecht heraus, ne, ihr seid die anderen.

Carsten Dass das, einfach mal umzudrehen, das fand ich schon sehr, sehr prägnant, das ist mir so wirklich noch im Kopf geblieben.

Stefanie Ja, also von uns auf jeden Fall die Empfehlung: Schaut das an, wenn du da die illegale Fassung noch findest (lacht). Guck dir das mal an. Und ja, eigentlich alle 3 Filme, je nachdem, wofür du dich interessierst, ne so also wenn das gesundheitliche dich interessiert, dann lohnt es sich natürlich auch Gabel statt Skalpell und What The Health anzuschauen.

Carsten Ja, die waren alle kurzweilig genug, dass man sagen kann, ich kann mich da mal ein Abend mit hinsetzen und mir das anschauen

Stefanie Ja, nur es, also bei den beiden Dokumentationen wiederholt es sich dann schon so n bisschen ne, weil die Akteure halt immer ähnlich sind

Stefanie Nur so der Colin Campbell und der Esselstyn, die kommen halt wirklich in jedem veganen, inf fast jeder veganen Dokumentation vor.

Carsten Wobei, Campbell fehlt bei What The Health. Ja, das hat mich gewundert. Ich hab die ganze Zeit drauf gewartet, ne der ist.

Stefanie Ich bin davon ausgegangen, dass er (lacht)

Carsten Ich habe auch die ganze Zeit drauf gewartet, dass der genannt wird aber.

Stefanie Er hat sich bestimmt gedacht, na ja, den habe ich halt, so den hatte ich halt schon ja ok. Ja also von daher, wenn du jetzt nochmal irgendwie einen Filmabend machen möchtest oder generell mal schauen möchtest, dann guck doch da einfach mal rein.

Carsten Genau.

Stefanie Und wenn du noch irgendwelche Filmempfehlungen für uns hast, dann schreib uns doch einfach einen Kommentar oder eine Email, da freuen wir uns auch darüber.

Carsten Ja, ruhig in der Art von Carnage also, das hat mir sehr gut gefallen, einfach mal nicht so Bierernst, sondern das Ganze so ein bisschen lockerer. Genau ja, dann würde ich auch schon sagen in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören

Stefanie Sollte ich jetzt noch was sagen darauf?

Carsten Nein. Wollte überlegen, wie ich jetzt ende.

Stefanie Ok, Tschüss.

Folge 67 - Vegan in Gesellschaft

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Folge 67 - Vegan in Gesellschaft

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir von Erlebnissen, die wir bei Familienfeiern und Firmenfrühstück hatten,
  • sprechen wir über den Spielraum, den wir als Veganer haben und
  • verrate ich Dir mein neu-entdecktes, super-einfaches Pralinenrezept :-)

Ostern ist gerade vorbei und sicherlich hast Du auch den ein oder anderen Tag in größerer Gesellschaft verbracht.

Manchmal fällt das ganz leicht, weil sich alle Mühe geben und an Dich denken oder vegane Speisen schon ganz normal sind. Manchmal bedeutet es etwas mehr Planung, weil die anderen vielleicht noch überfordert sind mit diesem ominösen "vegan".

Und zu anderen Gelegenheiten hast Du vielleicht selbst nicht daran gedacht, Dich zu informieren, ob es vegane Optionen gibt und gerätst in eine Situation, in der Dein Gegenüber sich unwohl fühlt, weil Du ihre Restaurantempfehlung ausschlägst.

Über das und noch ein wenig mehr plaudern wir in dieser Podcastfolge.

Folge 66 - Vegan bedeutet Mangel

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Folge 66 - Vegan bedeutet Mangel

In dieser Folge

  • stelle ich Dir meine These zum Ursprung der Gleichung "Vegan = Mangelernährung" vor,
  • spreche ich mit Carsten über meine Milchforschung und
  • echauffiere ich mich ein wenig über die gängigen Diskussionen, ob Milch gesund oder ungesund sei.

Im vergangenen Jahr habe ich viel zum Thema Milchwerbung geforscht und bin dabei immer tiefer in die Vergangenheit eingetaucht.

Während ich meine gesammelten Materialien Schritt für Schritt ausgewertet habe, bin ich auf einen geschichtlichen Zusammenhang gestoßen, der mich letztendlich zu der "Mangelthese" geführt hat, die ich Dir in dieser Folge vorstellen möchte.

Ich finde es wichtig die Gegenwart nicht losgelöst von der Vergangenheit zu betrachten. Wir stehen heute hier aufgrund unserer Vergangenheit.

Immer wieder gab es Menschen, die für ihre Rechte auf die Straße gegangen sind. Alle Privilegien, die wir heute haben, wurden von unseren Vorfahren hart erkämpft.

Heute sind wir dran. Nie war der Boden besser bereitet, oder, um es mit Satres Worten zu sagen "Wir sind frei- das ist ein Privileg und eine Verpflichtung!"

Links zur Folge

Milchartikel in der Schrot&Korn (über archive.org lesen)
http://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/machts-die-milch-noch.html

Folge 65 - Im Gespräch mit Rachel Suhre

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Folge 65 - Im Gespräch mit Rachel Suhre

In dieser Folge

  • spreche ich mit Rachel Suhre von mamadenkt.de über ihren Weg zum Minimalismus,
  • erörtern wir, wie sie Minimalismus in ihrem Familienalltag integriert und
  • verrät mir Rachel vor welchen Herausforderungen sie steht.

Auf dieses Gespräch habe ich mich schon lange gefreut. Immer ist etwas dazwischen gekommen, jetzt hat es endlich geklappt. :-)

Rachel beschäftigt sich schon lange mit den Themen Minimalismus und Nachhaltigkeit.

Da sie auch Mutter von drei Kindern ist, hat mich ganz besonders interessiert, wie sie den Minimalismus in ihren Familienalltag integriert und wie ihre Umwelt darauf reagiert.

Danke noch einmal Rachel, dass es endlich geklappt- es war ein schönes Gespräch :-)

Links zur Folge

Rachels Blog
mamadenkt.de

Mehr über Rachel
http://www.rachelsuhre.de/

Folge 64 - Vegane Kochbücher Volume 2

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Folge 64 - Vegane Kochbücher Volume 2

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir welche Kochbücher es im Laufe des letzten Jahres es in unsere Küche geschafft haben,
  • stellen wir jedes Kochbuch ein wenig vor und
  • verraten Dir welche Kochbücher auch wieder gehen durften.

In unserer ersten Kochbuchfolge vor einem Jahr haben wir schon einmal unsere Kochbuchsammlung vorgestellt.

Einige Kochbücher sind geblieben, drei von den Kochbüchern, die wir damals hatten, sind gegangen: No meat athlete, vegan in Topform und das Attila Hildmann Kochbuch haben mittlerweile eine andere Heimat gefunden.

Dafür kamen im Laufe des Jahres einige Kochbücher dazu und darum geht es in dieser Folge.

Seit wir einen Bücherhallenausweis haben, sind wir noch experimentierfreudiger geworden und leihen uns auch spontan neue Kochbücher aus - eine Vorgehensweise, die ich jedem empfehlen kann :-)

Links zur Folge

"Immer schon vegan" von Katharina Seiser
https://www.buch7.de/store/product_details/1023109797

"Vegan schnell, schnell" von Josita Hartanto
https://www.buch7.de/store/product_details/1022443716

"Vegan aber günstig" von Patrik Bolk
https://www.buch7.de/store/product_details/1024902025

Unsere Podcastfolge "Vegan ist teuer"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-20-vegan-ist-teuer

"Vegane Küche für Kinder" von Christina Kaldewey
https://www.buch7.de/store/product_details/1019959556

"Vegan backen mit Ölen" von Kristina Unterweger
https://www.buch7.de/store/product_details/1022443718

"La Veganista: Mein selbstgemachter Power-Vorrat" von Nicole Just
https://www.buch7.de/store/product_details/1026741352

"Foodtruck Kochbuch: Delicious Vegan Fast Food" von Vincent Vegan
https://www.buch7.de/store/product_details/1026035505

"Die Kunst vegan zu backen" von Axel Meyer
https://www.buch7.de/store/product_details/1022492260

"veganpassion - vegane Lieblingsrezepte zum Backen" von Stina Spiegelberg
https://www.buch7.de/store/product_details/1021294016

"A Grain, a Green and a Bean" von bevegt
https://www.bevegt.de/grain-green-bean-buch/

Folge 63 - VeggieWorld 2017

Ein Beitrag

Folge 63 - VeggieWorld 2017

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir von unseren Erlebnissen auf der VeggieWorld 2017
  • berichtet Carsten gaaanz ausführlich über Attila und
  • sprechen wir über die Neuerungen, die es dieses Jahr gab.

Die VeggieWorld war dieses Jahr zum zweiten Mal in Hamburg und deutlich größer als beim letzten Mal. Zwar immer noch in Schnelsen- was nicht gerade zentral in Hamburg liegt, aber nun über zwei Ebenen mit mehr Programm im Angebot.

Es gab Workshops, die man im Vorfeld buchen konnte, jede Menge Vorträge und ganz viele Aussteller.

Es war möglich sich an den Probierhäppchen satt zu essen - einer von uns hat das auch getan, Du darfst raten wer... ;-)

Der Star am Sonntag war Attila Hildmann, den Du auch oben auf dem Foto ganz deutlich sehen kannst. :-D

Links zur Folge

VeggieWorld
https://veggieworld.de/

Unsere Folge zu "Aus kontrolliertem Raubbau" von Kathrin Hartmann
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-36-aus-kontrolliertem-raubbau

Faces of Veganism
https://blog.vgnexp.de/

Buch "Einfach vegan - die süße Küche"
https://www.buch7.de/store/product_details/1019875593

Folge 62 - Vegan nervt aka Karnismus

Ein Beitrag

Folge 62 - Vegan nervt aka Karnismus

In dieser Folge

  • rezensieren wir das Buch "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" von Melanie Joy,
  • sprechen wir darüber, warum "Vegan" nervt und
  • lesen wir Dir ein paar Leserbriefe aus der Schrot und Korn vor.

Die Buchrezension von "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" haben wir lange vor uns hergeschoben. Wir haben das Buch schon vor bald 1,5 Jahren gelesen, aber es bisher einfach nicht geschafft darüber zu sprechen.

Dabei ist das Thema so wichtig. Carsten hat mir wieder bewusst gemacht, wie stark die omnivore Ernährungsform auf Gewalt basiert. Dabei ist es jedem klar, der auch nur eines dieser schrecklichen Tiervideos gesehen hat.

Nur dass die Gewalt Methode hat und im System fest verankert ist, das war mir nicht mehr so bewusst.

In dieser Podcastfolge sprechen wir nicht nur über das Buch, sondern auch über Alltagsbeispiele, in denen wir den Karnismus wiederfinden.

Links zur Folge

Schrot und Korn
http://schrotundkorn.de/

Karnismus erkennen Kampagne (mit TED-Talk von Melanie Joy)
http://karnismus-erkennen.de/

Karnismus-Video von "Vegan ist ungesund"
https://www.youtube.com/watch?v=QsjNwjGUftc

"Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" von Melanie Joy
https://www.buch7.de/store/product_details/1020905310

Unsere Folge zu Cowspiracy
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-12-cowspiracy-das-geheimnis-der-nachhaltigkeit

Matrix-Szene "Rote Pille vs. blaue Pille"
https://www.youtube.com/watch?v=CWIfwZ99AVA

The Meatrix
http://www.themeatrix.com/

Unsere Folge "Veganer sind einfach die besseren Menschen"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-29-veganer-sind-einfach-die-besseren-menschen-reloaded

Buch "Einfach vegan - die süße Küche"
https://www.buch7.de/store/product_details/1019875593

Folge 61 - Selber­machen Reloaded

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Folge 61 - Selbermachen Reloaded

In dieser Folge

  • nehmen wir Bezug auf unsere Folge zum Thema DIY von vor fast einem Jahr,
  • erzählen wir Dir, was wir seitdem noch alles selbermachen und
  • berichten wir Dir, was aus unseren damaligen Vorhaben geworden ist.

Selbermachen hat für uns einen hohen Stellenwert. Auch wenn es zeitintensiv ist, so überwiegen in den meisten Fällen die Vorteile.

Wenn Du etwas selber machst, weißt Du, was drin ist. Du sparst in den meisten Fällen Verpackungsmüll und Geld.

Damit tust Du nicht nur Dir selbst, sondern auch Deiner Umwelt etwas Gutes. Bei uns ist noch viel Luft nach oben, was das Selbermachen angeht.

Trotzdem haben wir im vergangenen Jahr viele Dinge ausprobiert und etabliert- das wollen wir in dieser Folge mit Dir teilen.

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Was machst Du alles selbst? Hast Du noch Tipps für uns?

Erzähle uns doch davon in den Kommentaren.

Stefanie & Carsten

Folge 60 - Veganer sind einfach anders

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Folge 60 - Veganer sind einfach anders

In dieser Folge

  • sprechen wir über das immer wieder auftretende Gefühl anders zu sein,
  • erzählen wir Dir von Begegnungen der dritten Art, die wir erlebt haben und
  • berichten wir Dir von unseren Alltagsstrategien.

Vegan zu leben bedeutet für uns eine stetige Entwicklung. Wir lernen so viele neue Dinge, ziehen Schlüsse daraus und verändern unseren Alltag ein ums andere Mal.

Da bleibt es nicht aus, dass wir abseits vom Mainstream landen und schief angeguckt werden.

Andersherum passiert es uns aber auch immer wieder, dass wir "die anderen" schief angucken, weil sie immer noch Dinge tun, deren Sinn wir schon lange nicht mehr sehen.

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Gibt es auch in Deinem Leben Situationen, in denen Du Dich anders fühlst?

Berichte uns doch davon in den Kommentaren.

Stefanie & Carsten

Folge 59 - T. Colin Campbells China Study

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Folge 59 - T. Colin Campbells China Study

In dieser Folge

  • stellt Carsten Dir die beiden Bücher "China Study" und "InterEssen" von T.Colin Campbell vor,
  • erfährst Du wann es Sinn macht die Bücher zu lesen und
  • erklärt Carsten wie es dazu kam, dass "InterEssen" entstanden ist.

Jeder der sich mit dem Thema "Vegan" beschäftigt, hört über kurz oder lang von der China Study. Sie wird als DIE wissenschaftliche Grundlage zur veganen Ernährung bezeichnet.

Grund genug für uns diesem Standardwerk und seinem Nachfolger eine Podcastfolge zu widmen.

Da die Ergebnisse der China Study unter anderem auf Tierversuchen basieren, habe ich in den Links zur Sendung auch die Webseite der "Ärzte gegen Tierversuche" verlinkt, auf der Du Dich u.a. über tierversuchsfreie Methoden informieren kannst.

Links zur Folge

Buch "China Study" von T. Colin Campbell
Buch bei buch7.de

Buch "InterEssen" von T. Colin Campbell
Buch bei buch7.de

Ärzte gegen Tierversuche
Ärzte gegen Tierversuche

Nursus Health Study
http://www.nurseshealthstudy.org/

Folge 58 - Transition: einfach jetzt machen

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Folge 58 - Transition: einfach jetzt machen

In dieser Folge

  • stellen wir Dir zwei Bücher und einen Film vor,
  • sprechen wir über die Transitionbewegung und
  • erklären Dir wie Du Teil des Wandels sein kannst.

Transition ist ein Begriff, der uns nun schon länger begleitet- in den letzten zwei Jahren sind wir immer wieder auf verschiedenste Art über "Transition" gestolpert.

Erst im Nachhinein ist uns klar geworden, dass das "Incredible edible" Projekt der Stadt Todmorden in England auch ein Teil der Transition Bewegung ist.

Und so sind eigentlich alle lokalen Projekte des Wandels ein Teil der großen Transition-Idee, die die ganze Welt erfasst hat. Teilweise im Stillen, so dass es kaum jemand mitbekommen hat, teilweise aber auch sehr medienwirksam wie in England.

Von "Incredible edible" haben wir nun schon in verschiedenen Büchern gelesen und in einigen Dokumentationen gesehen.

Wie Du die Welt durch lokales Handeln veränderst- davon erfährst Du in dieser Podcastfolge.

Links zur Folge

Voices of Transition
http://voicesoftransition.org/de/

Unsere Rezension zu "Tomorrow"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-19-tomorrow-die-welt-ist-voller-loesungen

Buch "Einfach jetzt machen" von Rob Hopkins
https://www.buch7.de/store/product_details/1021977104

Buch "Befreiung vom Überfluss" von Niko Paech
https://www.buch7.de/store/product_details/1018886872

Transitioninitiativen in Deutschland
http://www.transition-initiativen.de/

Folge 57 - Auf dem Rücken der Pferde

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Folge 57 - Auf dem Rücken der Pferde

In dieser Folge

  • spreche ich mit Carsten über mein einstiges Hobby Reiten,
  • diskutieren wir darüber wie Tierliebe und Pferdesport zusammenpassen und
  • erörtern wir die Pfade, wie wir seit unserer Entscheidung vegan zu leben, beschritten haben.

Ich war wohl was Pferde angeht ein typisches Mädchen. Schon von Kleinauf war ich von Ponys und Pferden begeistert und dazu gehörte auch immer diese zu Reiten.

Meine Zimmer waren voller Pferdeposter, ich hatte "Wendy" abonniert, meine Sommerferien verbrachte ich auf dem Ponyhof, ich bekam Reitunterricht, habe Abzeichen erlangt und Turniere geritten- Pferde waren mein Leben.

Und nun hat sich im letzten Jahr ganz langsam der Zweifel in mein Herz geschlichen: wenn ich Pferde liebe, darf ich sie dann kontrollieren?

Links zur Folge

Folge 56 - Vitamin D und K2

Ein Beitrag

Folge 56 - Vitamin D und K2

In dieser Folge

  • sprechen wir über die Vitamine D3 und K2 und deren Verwandten,
  • erklärt Carsten, warum und wann Du Vitamin D supplementieren solltest,
  • erörtern wir was Vitamin K2 mit der ganzen Sache zutun hat.

Erstmal vorweg: wir sind keine Ernährungsberater und glänzen hier nur mit angelesenem Wissen.

In diesem Fall glänzt Carsten, da alles Gesundheitliche in sein Metier fällt.

In den letzten Wochen hat Carsten jede Menge Fachbücher über Vitamin D und Vitamin K gelesen und möchte sein Wissen nun in dieser Folge mit Dir teilen.

Wenn Du Dich fragst, ob die Empfehlungen Vitamin D zu supplementieren nur Geldschneiderei sind, dann lass Dich beruhigen: das ist es nicht.

Links zur Folge

Buch "Vitamin D - Die Heilkraft des Sonnenvitamins"
https://buch7.de/produkt/vitamin-d-uwe-groeber/1039475806?ean=9783804738751

Buch "Gesund in sieben Tagen : Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie ; ein Leitfaden für die Praxis / Raimund von Helden"
https://buch7.de/produkt/gesund-in-sieben-tagen-raimund-von-helden/1025738756?ean=9783939865124

Buch "Vitamin D : das Sonnenhormon ; warum die Sonne so wichtig für uns ist ; wie Sie Ihren Vitamin-D-Vorrat auftanken / Jörg Spitz ; William B. Grant"
https://buch7.de/produkt/vitamin-d-das-sonnenhormon-kompakt-ratgeber-joerg-spitz/1038906971?ean=9783863741785

Buch "Vitamin K2 : vielseitiger Schutz vor chronischen Krankheiten / Josef Pies"
https://buch7.de/produkt/vitamin-k2-josef-pies/1019784874?ean=9783867311021

Das Vitamin D-Präparat, das wir nutzen
http://www.sunday.de/vitamin-d/

Volständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge sprechen wir über das Thema Vitamin D und Vitamin K2.

Carsten Mein neues Lieblingsthema.

Stefanie Ja, Carsten hatte in letzter Zeit gefühlte 100 Bücher über Vitamin D gelesen.

Carsten Es waren drei - gefühlte 100.

Stefanie Und deswegen wollte er unbedingt jetzt mal eine Podcastfolge darüber machen, um dieses Wissen, was sich da angestaut hat, loszuwerden.

Carsten Um neues Wissen wieder aufnehmen zu können. Das Wissen kursiert quasi in meinem Kopf, in meinem Hinterstübchen und will irgendwie artikuliert werden.

Stefanie Was ich bisher mitbekommen habe ist, dass bei jedem Zipperlein was ich habe oder was jemand hat, was du hast, ist es auf Vitamin D Mangel zurückzuführen. Nimm Vitamin D Tropfen, dann wird alles gut.

Carsten Ja. So, das ist eigentlich die Quintessenz. Genau.

Stefanie Also was hat dich eigentlich dazu veranlasst, dich mit diesem Vitamin zu beschäftigen?

Carsten Eigentlich meine Müdigkeit. Also ich bin - das ist ja kein Geheimnis, dass ich sehr gesundheitsfixiert bin. Das ist vielleicht auch eine Marotte von mir. Das ist mein großes Interesse. Und ich habe eigentlich jetzt so wieder eine Phase gehabt, wo ich wieder eine sehr spürbare Müdigkeit hatte, die nicht nur morgens beim Aufstehen, sondern auch den ganzen Tag angehalten hat. Es waren immer so Phasen da, wo ich gemerkt habe, ich habe zwar auch durchaus mal ausreichend geschlafen, aber ansonsten war ich dann immer irgendwo mit so einer Grundmüdigkeit belastet.

Und das Thema, das beschäftigt mich eigentlich schon relativ lange Zeit. Vor ungefähr einem Jahr war es Vitamin B12, was mir sehr gut geholfen hat. Seitdem supplementieren wir auch regelmäßig Vitamin B12. Das kann es jetzt also nicht mehr sein. Und trotzdem kam die Müdigkeit wieder durch. Ich meine aber nicht mehr ganz so schlimm wie damals, aber trotzdem noch spürbar. Und da bin ich - Wie bin ich denn darauf gekommen? Ich glaube irgendwie bei YouTube, bei irgendeinem Channel habe ich mal wieder in der Mittagspause auf...

Stefanie YouTube mal abgeschaltet, sondern angeschaltet und mal wieder deine Mittagspause so verbracht, dass du nur Videos geguckt.

Carsten Ich habe meine Kollegen schon so erzogen, dass sie mich nicht stören. Wenn die merken, dass ich meinen Kopfhörer aufsetze, dann wissen die ich gucke jetzt Fernsehen quasi. Ja, auf jeden Fall habe ich da dann Input bekommen. Dass Vitamin D ein ganz wichtiges Vitamin ist und durchaus auch auf den persönlichen Energiepegel einwirkt. Also da wird natürlich bei solchen Channels häufig darüber berichtet, dass die Leute, die jetzt seit neuestem oder seit einiger Zeit Vitamin D nehmen, sich auf einmal total fit fühlen und weniger Schlaf brauchen.

Stefanie Eigentlich, was man bei B12 auch hört.

Carsten Oder was man bei veganer Ernährung hört, eigentlich generell, du fühlst dich besser, hast ein größeres Wohlbefinden.

Stefanie Aber was ich bisher gelesen hatte war, dass es eigentlich Vitamin D als solches gar nicht gibt, sondern dass es Vitamin D3 und Vitamin D2 gibt. Vitamin D einfach nur D gibt es nicht. Habe ich gelesen.

Carsten Ja, das ist reine Vitamin D ist ja eigentlich nur der Überbegriff. Und dann gibt es verschiedene Formen von Vitamin D, die von der Wirkungsweise her fast identisch sind. Die Literatur spricht eigentlich immer nur von Vitamin D2 und Vitamin D3 und ursprünglich war es mal von den regulären Ansichten her so, dass Vitamin D3 eine bessere Wirkung haben sollte. Das hat sich mittlerweile anscheinend geändert.

Stefanie D3 war das aus tierischem Ursprung oder?

Carsten Genau, das ist das aus tierischem Ursprung. Das gibt es mittlerweile aber auch aus Flechten, dementsprechend vegan, und Vitamin D2, so hieß es damals immer, das würde von der Wirkungsweise nicht so gut sein. Mittlerweile hat sich das aber auch anscheinend relativiert. Also die aktuellen medizinischen Erkenntnisse deuten wohl darauf hin, dass beides gleich wirkt.

Stefanie Okay, und Vitamin D2? Woraus wird das gewonnen oder wo ist das drin?

Carsten Das weiß ich jetzt gar nicht mal so, weil die Literatur, die ich so gelesen habe, sich mehr auf Vitamin D3 konzentriert. Ich weiß, dass Vitamin D2 zu Supplementierung vornehmlich in Amerika eingesetzt wird, also die Nordamerikaner·innen, wenn die Vitamin D zu sich nehmen, dann wahrscheinlich primär Vitamin D2. Warum auch immer. Aber hier in Deutschland oder in Europa klang es so, als ob das Vitamin D3 so die primäre Vitamin D Versorgung darstellt.

Stefanie Okay, das Grundlegende ist ja eigentlich, dass wir Vitamin D über die Sonneneinstrahlung aufnehmen, also über unsere Haut quasi, also dass wir in den Sommermonaten eigentlich nicht supplementieren müssten. Oder doch?

Carsten Hm, ja, nein. Also die Haut ist in der Lage Vitamin D selbst zu bilden, eine Vorform davon. Das wird dann quasi nachher im Stoffwechsel aktiviert und ist dann auch quasi so dieses Hormon. Also es ist ja sowohl als auch. Es ist ein Vitamin, aber auch ein Hormon, das wirkt auf hormoneller Ebene dementsprechend auch schon in kleinsten Dosen. Und in den Sommermonaten, wenn du wirklich bei gutem Sonnenstand und wenig Wolken also Du musst wirklich gutes Wetter haben, dich sonnst, dann wird auch von der Haut entsprechend ausreichend Vitamin D gebildet. Okay, das hat allerdings den Nachteil, dass du auch in entsprechenden Regionen leben musst, wo du viel Sonne abbekommst.

Und da sind wir jetzt genau bei dem Punkt, der eigentlich dazu führt, dass gerade so in den nordeuropäischen Regionen eigentlich ein latenter Vitamin D Mangel existiert, weil wir nicht genügend Sonnenstrahlen abbekommen. Okay, also in den Sommermonaten hätten wir die Möglichkeit dazu, in den Wintermonaten schon nicht mehr. Ja, zwischen Oktober und März ist der Sonnenstand zu niedrig, das heißt der Winkel der Sonne ist so niedrig, dass die für den Vitamin D Aufbau notwendige UV B Strahlung komplett aus der Atmosphäre schon fast rausgefiltert wird oder die minimalen Reste, die dann eventuell noch durchkommen würden, die reichen beim besten Willen nicht mehr aus, um in der Haut natürliches Vitamin D bilden zu können.

Zwischen März und Oktober, also quasi so Frühjahr, Sommer bis in den Herbst hinein hättest du rein theoretisch die Möglichkeit. Du müsstest dann allerdings auch zur Mittagszeit, also da wo der Sonnenstand am höchsten ist, möglichst unbekleidet rumlaufen, also mit nacktem Oberkörper. Es reicht also nicht, einfach nur freie Hände, vielleicht freie Arme zu haben und das Gesicht, sondern du müsstest dann schon größere Körperflächen der Sonne aussetzen und auch ungefähr 20 Minuten lang, damit du dann möglichst viel Vitamin D aufbaust, was dann, weil Vitamin D fettlöslich ist, im Fettgewebe des Körpers eingespeichert werden kann und dich dann rein theoretisch über die Wintermonate ja mit versorgen könnte.

Stefanie Heißt das, dass schlankere Menschen gar nicht so viel Vitamin D einspeichern?

Carsten Also rechnerisch gesehen ja. Menschen, die adipös sind, tragen quasi unter Umständen große Vitaminreserven mit sich rum. Deswegen kann es auch durchaus sein, wenn man jetzt so eine Brachial Diät durchführt und innerhalb sehr kurzer Zeit sehr viel Fett abbaut, dass dann viel Vitamin D freigesetzt wird. Okay, das heißt aber nicht, dass du dann keinen Mangel hast. Also der Mangel kann dann ja latent schon existieren. Jetzt wird das Vitamin D freigesetzt und gleich quasi die Mangelsituation zu einem gewissen Teil aus und irgendwann ist es verbraucht. So eine Faustformel spricht davon, dass 20 % deines Vitamin D Volumens fast immer hier rumträgst, nach einem Monat verbraucht ist. Und dann, wenn du es nicht weiter zu führst oder durch Sonnenlicht nicht selber bildest, dann landest du automatisch wieder in einer Mangelsituation.

Stefanie Okay, und was hast du jetzt aus den Büchern so gelernt?

Carsten Also was Vitamin D betrifft war das interessant, nochmal die Bestätigung, dass es mit UV B Strahlung selbst aufgebaut werden kann. In der Literatur wird da ganz häufig auf Urlaubssituationen verwiesen, dass Leute sich nach einem Urlaub zum Beispiel in südlichen Regionen deutlich besser fühlen, die das ja auch schon auf die Sonne auf auf das bessere Klima zurückführen. Aber dass das tatsächlich durch den Aufbau von Vitamin D kommt. Also je näher du zum Äquator kommst, desto besser. Der Sonnenstand sollte so sein, dass er im Idealfall direkt über dir steht.

Man sagt auch immer, in den Zeiten, wo der Schatten eines Gegenstandes kürzer ist, als der Gegenstand selber, das sind die Zeiten, in denen du auch wirklich Vitamin D über die Haut aufbauen könntest. Aber wie gesagt, wir befinden uns jetzt hier in Deutschland in Breitengraden, die einfach nicht ausreichend sind, um in der großen Menge Vitamin D aufzubauen. Es sei denn du bist jetzt ein·e Freiluftfanatiker·in und wie gesagt hast im Sommer eigentlich Zeit genug, um sehr häufig mit nacktem Oberkörper oder in Badebekleidung draußen rum zu laufen oder dich zu sonnen. Du müsstest quasi rechnerisch so zwischen 20 und 30 Sonnentage haben, wo du wirklich exzessiv dann dich sonnen kannst, um überhaupt noch nennenswerte Mengen mit in den Winter transportieren zu können.

Was ich auch noch gelernt habe, ist, dass diese Frühjahrsmüdigkeit ganz massiv auf einen Vitamin D Mangel zurückgeführt wird. Die Reserven, die du rein theoretisch über den Sommer aufbaust, verbrauchen sich in den Wintermonaten. Und dadurch, dass dann früher der Vitamin D Spiegel komplett erschöpft ist, kommst du dann automatisch in den Bereich von Frühjahrsmüdigkeit. Vitamin D wird in ganz vielen Zusammenhängen gesehen. Ursprünglich war klar, dass Vitamin D mit dem Kalziumhaushalt oder Stoffwechsel in Verbindung steht. Mittlerweile kommen aber immer mehr Erkenntnisse ans Tageslicht durch medizinische Forschung, dass Vitamin D Rezeptoren in ganz vielen Geweben, in ganz vielen Organen vorhanden sind. Das war vor einiger Zeit noch gar nicht so klar.

Stefanie Und was bedeutet das genau?

Carsten Das heißt, ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass Vitamin D nur in der Leber quasi so umgewandelt werden kann. Okay, das ist wahr. Mittlerweile hat man aber festgestellt, dass Rezeptoren in ganz vielen anderen Organen vorhanden sind, sogar bis hin zum Gehirn. Die komplette Funktionsweise ist bisher noch nicht so ausreichend erforscht, dass man sagen kann, ich habe jetzt wirklich belastbare oder auch handfeste Ergebnisse. Also das ist wirklich noch ein Forschungsbereich, der momentan noch aufgebaut werden muss. Aber man kann heute schon davon ausgehen, dass Vitamin D viel mehr Einfluss auf den menschlichen Organismus hat als nur den reinen Kalziumstoffwechsel.

Es gibt von der Studienlage her schon sehr viele Indizien oder Aussagen, die klarstellen, dass Vitamin D Mangel Krebsverläufe zum Beispiel negativ beeinflusst. Also wenn du einen hohen Vitamin D Spiegel hast, wirkt das präventiv gegen Krebs. Die Thematik Gehirn wird hinsichtlich von Alzheimer und Demenz in der Wissenschaft behandelt. Man geht davon aus, dass ein hoher Vitamin D Spiegel auch dafür sorgt, dass sich Demenz weniger stark ausbildet oder auch eine Supplementierung von Vitamin D einen positiven Verlauf auf eine Demenz hat, dass die Demenzfolgen nicht mehr ganz so krass ausfallen. Das Immunsystem wird maßgeblich über Vitamin D gesteuert, was auch nicht so klar war. Also je nachdem was für Bücher man jetzt liest, bekommt man schon den Eindruck, dass ein guter und ausgeglichener Vitamin D Haushalt vor Grippe, vor Erkältung, vor so was schützt.

Stefanie Wie du mir das immer mal wieder zwischendurch gesagt hast. Bei allem ist es irgendwie Vitamin D Mangel. Vorher war es B12 Mangel, jetzt ist es Vitamin D Mangel. Ich habe letztens ein Interview gelesen, wo die Interviewte gesagt hat, dass sie verschiedene Nahrungsmittelallergien hatte und dann sich das sich so ausgewirkt hatte, dass sie immer so müde war. Das heißt auch bei ihr waren es dann Allergien auf Nahrungsmittel, so dass sie dann bestimmte Nahrungsmittel gemieden hat und jetzt nicht mehr so müde ist. Müdigkeit ist so ein Phänomen, das kann wirklich alles als Ursache haben.

Carsten Ja, das ist natürlich auch das Trügerische. Wenn du dich jetzt nur auf diesen Punkt Müdigkeit konzentrierst und dann kommst du irgendwie durch Vitamin B12, Vitamin D, Vitamin K2, zu dem ich ja gleich noch ein bisschen was sage, das mit den Allergien, Gluten.

Stefanie Also es ist ein großes Feld und dann kann es auch noch sein, dass du einfach nicht genug schläfst. Das kann durchaus auch müde machen.

Carsten Es ist aber durchaus auch ein Teufelskreis, muss man sagen. Es ist ja nicht nur in Alleinstellung das Problem. Zum Beispiel das mit diesen Allergien. Auch da wirkt Vitamin D positiv auf den Allergieverlauf, das heißt Auto Immunreaktionen, was ja nichts anderes ist als eine Allergie, die du jetzt zum Beispiel bei Steinobst entwickeln kannst, wird durch einen guten Vitamin D Spiegel deutlich verbessert, also teilweise bis zum kompletten Heilungsprozess. Herz-Kreislauf Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Risiken und so was, werden durch einen ausreichenden Vitamin D Spiegel auch sehr günstig beeinflusst bzw. können repariert werden durch einen ausreichenden Vitamin D Spiegel Es wird ganz viel mit einem Vitamin D Mangel dargestellt.

Wobei, da bin ich jetzt persönlich auch so ein bisschen vorsichtig mit der Äußerung. Die Studien, die dort in der Literatur beschrieben werden, die zeigen, dass die Leute, die einen Vitamin D Mangel haben, natürlich einen sehr ungünstigen Krankheitsverlauf haben. Also wenn ich natürlich weiß, dass ein Großteil der Menschen unter Vitamin D Mangel leidet, dann ist es ja kein Wunder, dass kranke Leute auch einen relativ niedrigen Vitamin D Spiegel haben. Es wird aber auch in diesen Studien oder in der Literatur darauf hingewiesen, dass wenn den Leuten dann Vitamin D zugeführt wird, um diesen Mangel zu beseitigen, das einen sehr günstigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat, dass die Krankheit teilweise komplett ausheilen kann, auch durchaus bei Krankheiten wie jetzt zum Beispiel Herz-Kreislauf-Krankheiten, wo man eigentlich vom Medizinischen davon ausgeht, dass die nicht reparierbar sind, dass man damit quasi bis zum Lebensende mit leben muss. Also da scheint Vitamin D wirklich ganz brachiale Effekte zu zeigen. Es ist eins von den Mitteln, die teilweise so als durchaus als Wundermittel propagiert werden. Okay, was in der Hinsicht ja eigentlich nicht verkehrt ist, weil wenn du die Möglichkeit hast übers Sonnenlicht Vitamin D aufzubauen, dann ist es natürlich das kostengünstigste Medikament, was du so bekommen kannst.

Stefanie Ja, auf jeden Fall. Genau. Also ist der Sommerurlaub im Süden, wenn er auch nicht nachhaltig ist fürs Klima, nachhaltig für den Körper.

Carsten Auf jeden Fall ist das gesundheitlich das Beste, was du machen kannst. Also Sonne tanken. Das Problem hier in den westlichen Industrieländern ist aber, dass du wahrscheinlich aufgrund deines Tagesablaufs einfach nicht genügend Sonnenstrahlung abbekommt. Du sitzt den ganzen Tag entweder im Büro oder bist auf der Arbeit. Es sei denn, du bist jetzt irgendwie Maurer·in, der·die den ganzen Tag draußen steht.

Stefanie Da musst du dann aber auch halb nackend draußen stehen, sonst...

Carsten Wird ja auch teilweise gemacht.

Stefanie Das machen die deswegen um Vitamin D aufzunehmen, sehr klar. Natürlich deswegen!

Carsten Die missachten den Arbeitsschutz, um Vitamin D zu tanken. Also ja, du bist vom normalen Tagesablauf eigentlich nicht in der Lage das so auszuschöpfen. So dann gibt es natürlich auch so die Diskussion, die da geführt wird: Sonnenexplosionen. Es heißt ja auch immer Hautkrebs, Risiko lange in der Sonne und die meisten Menschen sind ja heute in dem Moment, wo sie das Haus verlassen schon eingecremt entweder durch normale Kosmetika, die ja durchaus auch schon Lichtschutzfaktoren beinhalten oder dass man sich separat noch einschmiert. Gerade helle Typen wie wir. Im Sommer gehe ich ja meistens immer mit einem Sunblocker raus. Das führt natürlich dazu, dass die Haut gar nicht die Möglichkeit hat, Vitamin D aufzubauen.

Ja, aber was ich jetzt noch mal zum Hautkrebs Risiko sagen wollte: Es gibt mittlerweile Tendenzen die medizinische Lehrmeinung so zu interpretieren, dass das Risiko Hautkrebs zu entwickeln geringer ist als die positiven Folgen, die das Vitamin D mit sich bringt. Okay. Also das ist, wenn man so diese Statistiken sieht, die in dieser Literatur herangezogen werden. Dann sterben mehr Menschen an den Folgen eines Vitamin D Mangels oder aus den Krankheiten die sich daraus ergeben als Leute die Hautkrebs entwickeln. Deswegen lohnt es sich auf alle Fälle wieder mehr Sonne an die Haut zu lassen. Also weniger Lichtschutzfaktor oder Sunblocker auftragen, dafür Sonne in Maßen genießen, solange bis man merkt okay, jetzt kommt ein Sonnenbrand. Also man sollte vorher schon abbrechen, aber bis zu dem Zeitpunkt sollte man der Bestrahlung schon die Möglichkeit geben die Haut zu erreichen und dann Vitamin D aufbauen zu können. Und dadurch habe ich, auch wenn ich latent ein Risiko habe, Hautkrebs irgendwie zu erleiden, aber trotzdem einen positiveren Effekt und kann generell alle anderen Krankheiten dann die zum Beispiel Krebs ich sag jetzt mal so andere Organe, die nicht die Haut befallen, damit positiv zu beeinflussen.

Stefanie Wie ist das denn? Hast du irgendwas gelesen, ob da ein Sonnenstudiobesuch auch Vitamin D aufbaut? Ich habe da nämlich irgendwie immer was gehört, dass das bei ganz schlanken Menschen möglich ist.

Carsten Prinzipiell schon. Schwierig ist es deswegen, weil du sicherstellen musst, dass die Sonnenbank, die du verwendest, deine Haut typgerecht bestrahlen kann. Also es nützt nichts, wenn du eine Sonnenbank nimmst, die 0815 genauso eine dunkelhäutige Person bestrahlt, wie eine hellhäutige. Es gibt anscheinend Sonnenbänke, die mit Sensoren ausgestattet sind, wo du vorher den Hauttyp bestimmen kannst und die Sonnenbank kann dann automatisch einstellen „Okay, du musst jetzt keine Ahnung maximal fünf Minuten da drunter legen“ und dann schaltet sie sich ab. Oder du musst irgendwie 20 Minuten noch drunterliegen. Aber das können moderne Sonnenbänke anscheinend schon. Du musst sicherstellen, dass die Sonnenbank auch ordnungsgemäß gewartet ist und dann dementsprechend auch UV B zur Verfügung stellt.

Die die Bräune selber, die wird ja eigentlich über die UV A Strahlung hervorgerufen und da besteht natürlich das Risiko, dass die Sonnenbänke mehr UV A als UVB Strahlen haben und du quasi schon Bräunungsseffekt hast, aber wenig Vitamin D aufbauen kannst. Du hast also so vom optischen her den Eindruck Mensch, das wirkt alles total super und im Endeffekt hast du trotzdem einen niedrigen Vitamin D Gehalt im Blut, weil die Strahlung einfach zu wenig UVB Strahlung beinhaltet.

Stefanie Zu wenig Vitamin D kommt da angestrahlt.

Carsten Genau, genau genau.

Stefanie Und was hat das jetzt alles mit dem Vitamin K2 zu tun?

Carsten Vitamin K2 ist auch noch mal sehr sehr interessant. Das was ich gelernt habe ist, dass die Erkenntnisse zu Vitamin K2 noch sehr jung sind. Die sind noch durchaus jünger als das, was die medizinische Wissenschaft mittlerweile über Vitamin D weiß. Das kann man auch daran erkennen, dass wenn man jetzt in irgendwelche Nährstofftabellen reinschaut, wird dort häufig von Vitamin K gesprochen. Es gibt aber unterschiedliche Vitamin Ks. Wenn in den Nährstofftabellen von irgendwelchen Lebensmitteln Vitamin K ausgewiesen wird, dann ist es ganz häufig Vitamin K1. Was viel interessanter ist, ist Vitamin K2. Es gibt auch Vitamin K3, 4, 5, wobei Vitamin K5 zum Beispiel sehr toxisch wirkt. Ist also nicht zu empfehlen. Ich weiß auch nicht, wo man das her bekommt.

Vitamin K1 ist so der Klassiker. Das ist das, was ganz zu Anfang gefunden oder entdeckt wurde. Das ist, ich weiß gar nicht Anfang des 20. Jahrhunderts irgendwo so in 20, 30 oder 40 Jahren, also relativ früh schon. Und Vitamin K1 ist vornehmlich so im grünen Blattgemüse drin, Spinat, Kohl etc. und das wird für den Blutgerinnungsprozess benötigt. Jetzt kommt neuerdings die Erkenntnis, dass es auch Vitamin K2 gibt und Vitamin K2 ist maßgeblich am Kalziumstoffwechsel beteiligt. Das sind völlig unterschiedliche Mechanismen, die dort angetriggert werden. Vitamin K1 und K2 können sich in gewisser Weise unterstützen. Also Vitamin K1 kann im gewissen Maße Funktion von Vitamin K2 übernehmen und andersrum, aber nicht vollständig und auch nur zu einer begrenzten Menge. Also so vollständig erforscht ist das noch nicht. Aber generell sind es zwei völlig unterschiedliche Wirkungen, die diese beiden Vitamine haben.

Vitamin K2 ist deswegen wichtig, weil in Kombination mit Vitamin D sichergestellt wird, dass dann das Kalzium auch sauber verstoffwechselt wird. Also ganz platt gesagt sorgt Vitamin D dafür, dass das Kalzium, was ich mit der Nahrung aufnehme, auch wirklich in den Körper gelangt und aufgenommen werden kann. Dann kursiert es quasi im Körper. Aber damit es dann auch tatsächlich an den richtigen Stellen eingelagert wird, also im Knochen, Gewebe, in den Zähnen oder auch im Bindegewebe, brauche ich Vitamin K2. Es nützt dir also nichts, dass du rein Vitamin D zu dir nimmst. Dann kannst du quasi das Kalzium im Darm in den Körper überführen. Aber wenn dann zu wenig Vitamin K2 zur Verfügung steht, hast du unter Umständen das Problem, dass dieses Kalzium, das frei zirkuliert, sich irgendwo absetzt und unter Umständen die Arterien verkalkt.

Stefanie Oh ja, das ist blöd.

Carsten Und damit genauso viel Kalzium wie es notwendig ist, in die Knochenstruktur oder auch in die Zahnstruktur integriert werden kann, brauchst du Vitamin K2 und hast dadurch auch nochmal den positiven Effekt, dass Vitamin K2 auch die Arterien säubert. Also die Verkalkung, die eventuell in den Arterien existiert, wird durch Vitamin K2 auch aufgeräumt, also quasi Staubsauger mäßig oder wie auch immer. Es wird in dieser Hinsicht auch so eine Anekdote über einen sogenannten Weston Price mit eingebaut.

Weston Price war ein amerikanischer Zahnarzt, der Anfang des 20. Jahrhunderts gewirkt hat. Der ist 1889 oder so geboren und der hatte irgendwann festgestellt, dass die amerikanische Bevölkerung sehr viel Zahnprobleme hat, die sich aber bei Naturvölkern nicht finden. Er hat dann mit seiner Frau wohl die ganze Welt bereist und Naturvölker, die damals wirklich noch so in der Natur gelebt haben, studiert und herausgefunden, dass die aufgrund ihrer natürlichen Lebensweise kein Karies hatten, keine Zahnfehlstellung, keine Spangen tragen mussten, um diese Fehlstellung auszugleichen. Also gar keine zahnmedizinischen Probleme kennen, wie wir in den Industriestaaten.

Und er hat das dann darauf zurückgeführt, dass es irgendwas mit der Ernährung zu tun haben muss und hat sogar einen Stoff quasi identifiziert, aber nicht vollständig, aber Rückschlüsse darauf gezogen, der genau dafür sorgt, dass die Zahngesundheit auch erhalten bleibt. Karies Schutz, dass der Kiefer sich entsprechend entwickelt und die Zähne genügend Platz haben um dort zu wachsen und nicht schiefwachsen. Und er hat diesen Stoff Aktivator X genannt.

Er hat den nicht weiter spezifizieren können, dafür fehlten damals die Mittel. Aber er hat den damals Aktivator X genannt und er wusste auch, wo Aktivator X vorhanden ist. Und zwar hat er festgestellt, dass Aktivator X in Milch oder Milchprodukten enthalten ist, sofern die Milch von Kühen stammt, die sehr viel grünes Gras gefressen haben. Frisches Gras. Du hattest mich, als ich dieses Buch über Vitamin K2 gelesen habe, auch gefragt, warum denn da auf dem Cover des Bildes nur tierische Produkte abgebildet sind.

Stefanie Also Milch, Käse, Eier, das war da drauf.

Carsten Das sind die natürlichen Vitamin K2 Quellen.

Stefanie Aber auch nur, weil die Kuh grünes Gras gefressen hat.

Carsten Genau. Aber auch nur, weil die Kuh grünes Gras gefressen hat.

Stefanie Das ist also so ähnlich wie beim B12. Nicht die Kuh hat das Vitamin von sich aus, sondern sie bildet es auch nur in ihrem Körper, weil sie das Gras gefressen hat.

Carsten Ja, also Vitamin K2 wird von bakterienähnlichen Strukturen hergestellt, ähnlich wie beim Vitamin B12. Also gibt es ganz viele Parallelen, unter anderem bei den Pflanzen durch den Photosynthese Mechanismus. Naja so und dadurch nimmt die Kuh das auf und kann das entsprechend verstoffwechseln. Und Weston Price hatte im Rahmen seiner Untersuchungen und Studien ein angereichertes Butterfett entwickelt, das sehr viel Vitamin K2 beinhaltet. Und da muss ich jetzt vorsichtig sein. Die Literatur sagt, dass er damit in der Lage war Karies zu heilen. Also er hat im Grunde genommen Patienten, die sehr viel Karies Vorfälle hatten, angeraten, die Karies gar nicht so klassisch zu behandeln mit Bohren und säubern und dann anschließend versiegeln, sondern die sollten quasi dieses Butterfett nehmen und dreimal täglich auf die entsprechenden kariösen Stellen aufstreichen. Und nach wenigen Wochen ist die Karies verschwunden gewesen und die Löcher haben sich dann automatisch wieder gefüllt. Also sind nachgewachsen. Okay, das wird heute darauf zurückzuführen sein, dass das Vitamin K2, wenn ich es wirklich lokal auf den Zahn auf die Karies adaptiere, zum einen diesen Säuberungsseffekt habe und zum anderen aber auch dafür sorge, dass genau an den Stellen durch diese Kalziumeinlagerung der Zahnschmelz wieder nachwachsen kann.

Stefanie Okay, also es wird heutzutage praktiziert.

Carsten Es stand da drin. Aber wie gesagt, die Datenlage zur Vitamin K2 ist extrem dünn. Das ist ein ganz, ganz, ganz neuer Forschungsbereich, wo noch nicht viel Studien existieren. Man stößt jetzt langsam so auf die ersten Erkenntnisse und merkt, dass es ein ganz wichtiges und vielleicht auch bahnbrechendes Vitamin ist. Aber ich will jetzt nicht sagen: hör auf zum Zahnarzt zu gehen und schmiere irgendwie Vitamin K2 auf die Zähne. Aber es ist schon sehr interessant, dass das damals schon Anfang des 20. Jahrhunderts so praktiziert wurde.

Stefanie Wobei man ja dazu sagen muss, dass Anfang des 20. Jahrhunderts Zahnärzt·innen noch nicht in der Form anerkannt waren wie Ärzt·innen.

Carsten Das war noch nicht der Beruf, den wir heute kennen.

Stefanie Genau. Also es war noch eine andere Art von Zahnarzt.

Carsten Interessant war einfach nur, dass Weston Price gesagt hat, die degenerierte westliche Industrienahrung führt dazu und das ist ja genau die gleiche Thematik wie heute. Nur fast 100 Jahre früher. Das ist schon lange her. Wobei ich jetzt die Nahrung damals vor 100 Jahren schon fast als natürlich klassifiziert hätte.

Stefanie Aber ja, es war auch schon, dass es im Rahmen der Industrialisierung passiert ist. Also es ist schon ja über 200 Jahre her. Also von daher. Aber was heute ja ist, wenn man jetzt behaupten würde, dass man das Vitamin K2 über Milch und Milchprodukte und Eier aufnimmt und dann voraussetzt, dass es aber eigentlich von Kühen sein muss, die frisches grünes Gras gefressen haben, dann dürfte ja darin eigentlich nichts mehr enthalten sein, weil ja die Kühe heutzutage also 97 % der Kühe, sagen wir mal die meiste Zeit kein frisches Gras fressen, sondern denen Kraftfutter zugefüttert wird und Heu oder so, also dass die wirklich nichts Frisches mehr bekommen. Das heißt, es dürfte eigentlich auch kein K2 mehr in ihrer Milch sein.

Carsten Dürfte über diesen Mechanismus nicht. Aber jetzt sind wir wieder beim Vitamin B12. Den Kühen wird das zugefüttert.

Stefanie Ist das so?

Carsten Es stand in diesem Buch drin. Ich weiß nicht, ob das jetzt hier in Deutschland auch zutrifft, aber in diesen Studien oder in diesem Buch bezog sich der Autor auf

Stefanie Amerika. Oder?

Carsten Ich glaube, das war sogar ein deutscher Autor. Ich bin mir nicht ganz sicher. Also ich bin jetzt ganz vorsichtig mit dem, was ich sage, aber es wird dort erwähnt, dass den Kühen das Vitamin K zugefüttert wird, aber nicht als Vitamin K2, sondern als Vitamin K3. Das Vitamin K3 ist auch noch relativ wenig erforscht. Also was bekannt ist, der Wirkungsmechanismus ist noch ein bisschen drastischer im positiven Sinne als Vitamin K2. Was jetzt die Auswirkung auf Krebs hat. Also Vitamin K2 hat einen sehr, sehr positiven Effekt auf Krebserkrankungen. Aber Vitamin K3 ist da noch ein Tacken besser, also um Längen besser. Allerdings verursacht Vitamin K3 selber Leberkrebs. Deswegen wird davon abgeraten Vitamin K3 aufzunehmen, sondern Vitamin K2.

Stefanie Kriegen die Kühe dann davon Leberkrebs?

Carsten Das ist die Frage. Das wurde jetzt nicht in dem Buch behauptet oder überhaupt irgendwie erwähnt. Es kann natürlich sein, dass die Kühe, weil sie nicht lange genug leben, das gar nicht ausbilden können. Oder die wandeln das im Stoffwechsel um. Es wird wirklich nur erwähnt, den Kühen wird dieses Vitamin K3 zugefüttert. Und in einem anderen Zusammenhang wurde vorher in diesem Buch gesagt Vitamin K3 führt zu Leberkrebs. Also dass Kühe jetzt Leberkrebs bekommen können, dichte ich jetzt quasi mal hinzu aufgrund dieser Schlussfolgerung, die sich daraus ergibt. Aber ich weiß jetzt natürlich nicht, wie früh wird Vitamin K3 im Stoffwechsel der Kuh in K2 umgewandelt? Vielleicht erreicht es ja gar nicht die Leber, sondern wird, bevor es aktiv wird, schon in K2 umgewandelt. Das ist eine ganz dünne Datenlage.

Ganz interessant ist auch so dieser Zusammenhang dieser beiden Vitamine auf Krebskrankheiten, weil beides wird als absolut positiv bei Krebskrankheiten dargestellt, also sowohl Vitamin D als auch Vitamin K2. Es gibt Studien, bei Vitamin D deutlich mehr, bei Vitamin K2 wird es langsam auch mehr, die darauf hinweisen, dass wenn den Patienten, die diverse Krebsleiden haben, Vitamin K2 oder Vitamin D gegeben wird, dann auch der Krebs stärker bekämpft werden kann, teilweise rückläufig ist. Komplette Heilung wurde da jetzt nicht genannt, aber sehr positiv auf den Krebsverlauf. Aber beim Vitamin K2 ist die Studienlage noch sehr sehr sehr sehr dünn, weil Vitamin D hat sich schon ein bisschen mehr verfestigt.

Jetzt hatte ich vorhin gesagt, dass Vitamin K2 vornehmlich aus tierischen Quellen stammt oder über diesen Photosynthese Prozess in den Pflanzen. Es gibt mittlerweile, das ist das Schöne, dass der Autor auch das bekräftigt, auch für Veganer·innen eine Alternative. Also wirklich einen Passus mit reingesetzt, wo er gesagt hat also Veganer·innen müssen jetzt keine Angst haben, sondern die können auch aus nicht tierischen Quellen, aus pflanzlichen Quellen Vitamin K2 gewinnen und zwar aus Natto.

Stefanie Ja gena,u das steht da auf unserer Packung drauf.

Carsten Genau. Also das Präparat was wir nehmen, hat das K2 aus Natto.

Stefanie Und was ist Natto?

Carsten Das erklärt er Gott sei Dank. Ich habe das auch vorher schon mal irgendwo gesehen und gehört, aber in dem Moment, wo ich das das erste Mal gelesen habe, war mir das nicht mehr klar. Das sind quasi entweder fermentierte oder vergorene Sojabohnen. Es sind gekochte Sojabohnen, die mit einem bestimmten Pilz geimpft werden und nach 2 bis 3 Tagen bildet sich dann so Fäden. Die werden durch diesen Pilz irgendwie zersetzt oder so was. Also wenn man das so sieht, das sieht eher so Kaugummi -gallertartig aus, also nicht sehr appetitlich, soll aber eine Delikatesse sein, zumindest so in den asiatischen Ländern. Für den europäischen Gaumen wahrscheinlich dann doch eher gewöhnungsbedürftig.

Aber durch diesen Pilz, der dann die Sojabohnen quasi umwandelt, wird Vitamin K2 gebildet. Und jetzt kommt der Clou. Natto ist das derzeit das Lebensmittel, was den aktuell aller allerhöchsten Vitamin K2 Wert aufweist, also teilweise zehnmal mehr als in tierischen Quellen. Okay, wobei, da ist jetzt die Studienlage, was Vitamin K2 betrifft, auch so ein bisschen unterschiedlich. Es gibt einige Studien, die bringen für Milch und Käse Produkte hohe Vitamin K2 Werte aus und andere Studien sagen: Nee, das ist ein Bruchteil davon. Also das scheint wohl, wenn man jetzt tatsächlich auf tierische Produkte setzt, immer noch einen Unterschied zu geben. Von wo kommt der Käse, wie wird er hergestellt oder auch die Milch? Wie sind die Haltungsbedingungen der Kühe? Was wir gerade schon gesagt haben, also so unterschiedliche Sachen, die spielen da mit rein. Der richtig verlässliche Wert ist tatsächlich jetzt die rein pflanzliche Wahl. Natto ist das Lebensmittel schlechthin, aus dem Vitamin K2 wirklich in Unmengen gebildet werden kann, was bezogen werden kann.

Stefanie Was kannst du jetzt unserer Hörer·innen für ein Richtwert mitgeben? Du hattest da so Formeln rausgeschrieben. Soll ich die einfach mal in die Shownotes setzen, die Formeln oder?

Carsten Ich würde das im Moment nicht aussprechen, weil die Formeln selber suggerieren, dass es hundertProzentig sicher ist, wie jetzt das jeweilige Vitamin dosiert werden soll. Wir sind ja jetzt keine Ernährungsberater·innen, Expert·innen etc. Ich würde empfehlen einen Blick in die entsprechenden Bücher zu werfen. Damit du Zuhörer oder Zuhörerinnen dann nachlesen kannst, wie dein Vitamin D Spiegel berechnet oder mitunter deiner Vitamin D Zufuhr berechnet werden kann. Da gibt es unterschiedliche Formeln und unterschiedliche Wege dorthin zu kommen. Die sind nicht sonderlich kompliziert. Also wer dann ein bisschen rechnen kann mit den ganz normalen Rechengrundrechenarten, der kommt da sehr, sehr schnell hin. Was aber auffällt, dass die gesamte Literatur auf, ich sag jetzt mal so tägliche Werte kommt, die teilweise zehnmal so hoch sind wie das, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mit sich bringt.

Stefanie Aber weil wir wissen, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung jetzt auch nicht immer das Nonplusultra für uns ist...

Carsten Nein, das Problem bei denen ist natürlich, dass die auf eine objektive wissenschaftliche Faktenlage bauen. Und wenn ich natürlich erst mal eine Studie habe und noch eine Studie und noch eine Studie und irgendwann so viele Studien haben, dass ich eine Metastudie drüber setzen kann und dann aufgrund dieser Erkenntnisse dann meine Ableitung für und meine Ernährungsempfehlungen ausspreche, dann muss ich mich auch nicht wundern, dass ich zehn Jahre später diese Empfehlungen habe.

Aus der Literatur ist sehr schön ersichtlich, dass wenn ich den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung folge und ausschließlich das zu mir nehme, was dort vorgegeben wird, dass ich zwangsläufig in einem ganz krassen Vitamin D Mangel landen muss. Also das reicht bei weitem nicht aus. Zum zweiten geht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mit ihrer Empfehlung einfach nur in einen bestimmten Richtwert. Also da ist eine Bandbreite, die ausgesprochen wird und der Richtwert wird quasi für alle Menschen gleich angesetzt Und das ist falsch, weil egal was für ein Buch da jetzt über Vitamin D gelesen wird, die sagen ganz klar der Vitamin D Gehalt, den ein Mensch benötigt, der muss immer in Relation zum Körpergewicht genau genommen werden.

Schwere Menschen brauchen mehr Vitamin D, leichtere entsprechend weniger. Und wenn ich jetzt natürlich mit einem einzigen Wert wie bei der DGE Empfehlung rein gehe, dann kann ich immer nur falschliegen. Ja und laut den Berechnungen, die in diesen Büchern war und da sind alle Bücher eigentlich gleich, ist einfach die Faktenlage so, dass wenn ich der DGE folge, ich zwangsläufig in einen ganz ganz krassen Vitamin D Mangel reinlaufe. Davon mal abgesehen ist fraglich, ob überhaupt die Leute diesen Referenzwert der DGE erreichen. Also da gehe ich mal davon aus, dass obwohl der Wert schon relativ niedrig angesetzt ist, die meisten Leute trotzdem noch täglich noch weniger Vitamin D aufnehmen. Okay, zu Vitamin K2 kann ich gar keine Empfehlung aussprechen. Da gibt es auch keine Richtwerte.

Stefanie Das ist aber das Präparat, was wir jetzt haben. Das ist eine Kombination aus D3 und K2, so dass wir das war ja auch schon so aufgeschlüsselt haben. Ich kann das ja einfach mal verlinken, wo wir das jetzt her beziehen, einfach so, also ohne jetzt eine wissenschaftliche Empfehlung auszusprechen, sondern einfach nur, was wir persönlich machen.

Carsten Genau, wir verdienen da auch nichts dran, du kannst da ruhig draufklicken und bestellen. Da ist kein Affiliatelink hinter.

Stefanie Genau wir verdienen da nichts dran, nur so, dass du siehst wo wir das jetzt her beziehen und dass das einfach diese Kombination ist, nicht nur das Vitamin D einzeln sondern gemeinsam mit dem K2 zusammen.

Carsten Genau. Und beides auch aus veganen Quellen. Genau. Wobei ich sagen muss, dass die Relation, die da in diesem Präparat gefunden wird, die findet sich in der Literatur in bestimmten Empfehlungen. Aber die Empfehlungen, was Vitamin K2 betrifft, sind heute immer noch so unterschiedlich, dass sie teilweise vom Faktor von zehn voneinander abweichen.

Stefanie Also wir wissen eigentlich gar nicht genau, ob wir richtig tropfen, aber wir tropfen.

Carsten Ich glaube, das weiß heute noch gar keiner. Dafür ist die Forschung einfach noch zu neu.

Stefanie Also die Hauptsache ist, überhaupt zu supplementieren, damit wir diesen Mangel dann ausgleichen können.

Carsten Ja, also bei Vitamin D ist es auch so, dass eine Überdosierung eigentlich nicht wirklich machbar ist. Es gibt so Fälle in der Literatur, wo Patienten extrem viel Vitamin D aufgenommen haben. Das sind dann so, das rechnet sich ja in internationalen Einheiten. Da hatte jemand in kurzer Zeit, ich glaube 3 Millionen internationale Einheiten aufgenommen. Also das sind so drei Fläschchen von dem, was wir da jetzt stehen haben und wir kommen da ja relativ lange mit hin, weil immer nur so zu dritt ein paar Tropfen davon genommen werden. Das wirkte dann toxisch. Da muss man einfach abwarten, dass sich dann der Vitamin D Spiegel wieder beruhigt. Aber so ganz krasse Nebenwirkung gibt es definitiv nicht. Da ist sich die Literatur relativ einig. Vitamin K2 habe ich nichts gefunden. Also da stand jetzt nichts drin, dass man Vitamin K2 überdosieren kann. Wahrscheinlich ist die wissenschaftliche Datenlage da einfach noch ein bisschen zu neu.

Stefanie Ja. Gibt es noch abschließend irgendetwas, was du an Erkenntnissen preisgeben möchtest?

Carsten Also für mich als Erkenntnis ist jetzt einfach ganz wichtig, dass ich beides supplementiere, weil ich einfach gemerkt habe, ich kriege beide.

Stefanie Du meinst beides Vitamin D3 und K2.

Carsten Genau.

Stefanie Okay, nicht B12, das sowieso.

Carsten Das sowieso. Das steht für mich völlig außer Frage. Bei Vitamin D war ich ja vor ungefähr einem Jahr noch völlig unsicher. Da hatte ich mich so ein bisschen drauf verlassen, dass ich das über die normale Sonnenstrahlung mitbekomme im Sommer. Mir war schon klar, dass ich das im Winter nicht bekomme, aber jetzt, nachdem ich diese Bücher gelesen habe, habe ich für mich viele, viele Erkenntnisse bekommen und den Rückschluss gezogen, dass ich das tatsächlich zunehmen muss, um eine gute Deckung zu haben. Und Vitamin K2 ist aufgrund dieser Situation, dass das Kalzium, was ich dann aufnehme und vom Vitamin D quasi, ich sage jetzt mal so platt gesagt, in den Körper befördert wird, das muss ja auch irgendwo eingelagert werden. Also brauche ich Vitamin K2. Und da bietet sich so ein Kombi Präparat natürlich an. Ich kann natürlich auch beides separat kaufen, dass ich ein reines Vitamin D Präparat habe.

Stefanie Und dann frei kombinieren. Aber so jetzt ist es am einfachsten für uns.

Carsten Gut, da sind wir mal bequem.

Stefanie Genau ab und zu. Sonst sind wir immer unbequem. Aber so?

Carsten Ja gut. Ja, ja, die Bücher verlinken wir in den Shownotes.

Stefanie Genau. Und die haben wir dieses Mal ausgeliehen. Das heißt, es gibt nichts zu verlosen.

Carsten Können wir nicht nicht versteigern.

Stefanie Ja, genau, Ja. Was es aber immer noch zu verlosen gibt, ist „Der Circle“ von Dave Eggers und „Selbst denken“ von Harald Welzer immer noch bis Ende Januar. Wenn du uns einen Kommentar schreibst unter der jeweiligen Podcastfolge hast du immer noch die Möglichkeit, eins der beiden Bücher zu gewinnen.

Carsten Genau. Also wirklich kurz auf unsere Internetseite gehen, im Bereich der Podcasts sich die entsprechende Folge raussuchen, einfach nur reinschreiben in den Kommentar: möchte ich gerne haben das Buch, reicht schon aus um an der Verlosung teilzunehmen.

Stefanie Auch ganz nett so was, was informativ ist noch hinzuschreiben. Aber gut.

Carsten Aber die reine Teilnahme würde schon ausreichen, einfach sich kurz zu melden.

Stefanie Ja, also wenn du eins der Bücher oder beide gerne haben möchtest, wenn du an der Verlosung teilnehmen willst, schreib einen Kommentar.

Carsten Bis Ende Januar.

Stefanie Bis Ende Januar. Genau.

Carsten Super.

Stefanie Bis Ende Januar 2017. Wer weiß, wann du diese Folge hörst?

Carsten Ja, richtig. Ja. Dann habe ich dir eigentlich alles erzählt, was ich jetzt so ganz grob gelesen habe. Also ich habe viel mehr gelesen. Ja, aber so als Quintessenz würde ich das so einfach mitgeben wollen. Abschließend: Die Bücher sind relativ schnell durchzulesen. Das hast du ja selber gesehen...

Stefanie Zack waren die durchgelesen.

Carsten Es waren drei Tagen oder so was. Ja, kann man sehr schnell einfach mal durchblättern. Sind teilweise ein bisschen faktenlastig. Also wer so das medizinische Jargon nicht unbedingt möchte, der blättert dann über das eine oder andere hinweg. Aber sie sind sehr allgemein verständlich geschrieben und ja dementsprechend auch durchaus noch ein bisschen empfehlenswert.

Stefanie Genau, und die Buchtitel findest du dann in den Shownotes. In diesem Sinne. In Hamburg sagt man tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Warum essen Veganer keinen Honig?

Ein Beitrag

Folge 55 - Warum essen Veganer keinen Honig?

In dieser Folge

  • sprechen wir darüber warum Veganer eigentlich keinen Honig essen,
  • erzählen wir Dir von den beiden Dokumentationen, die wir angeschaut haben und
  • berichten wir von den Erkenntnissen, die wir daraus gewonnen haben.

Honig und Bienen sind ein Thema, das wir bisher vernachlässigt haben. Zwar haben wir schon lange Honig durch Agavendicksaft ersetzt, trotzdem haben wir uns noch nicht näher mit den Hintergründen der Honigproduktion beschäftigt.

Durch die beiden Filme, die wir uns angeschaut haben, haben wir noch einiges dazulernen können und wir geben dieses Wissen gerne an Dich weiter.

Bienen sind faszinierende Geschöpfe und wir sollten alles dafür tun, sie zu schützen.

 

Links zur Folge

Film "More than honey"
http://www.morethanhoney.ch/

Film "Bienen- Himmelsvolk in Gefahr"
über buch7.de kaufen

Mao, die Spatzen und die Bienen
http://www.bee-careful.com/de/initiative/menschliche-bienen-china/

Folge 54 - Hat Dein Hobby einen Haken?

Ein Beitrag

Folge 54 - Hat Dein Hobby einen Haken?

In dieser Folge

  • spricht Carsten über seine Vergangenheit als Angler,
  • sprechen wir über den (scheinbaren) Widerspruch zwischen Naturschutz und Angeln,
  • erörtern wir die Gefühlswelt der Fische.

Angeln ist ein Sport. Mit Wettkämpfen, Wettbewerben und Vereinen.

Wer Angeln will, muss eine mehrwöchige Prüfung ablegen, die nicht nur das waidgerechte Töten beinhaltet, sondern auch Naturschutzaspekte berücksichtigt.

Angeln ist also mehr als ein Hobby - ein Sport mit Brief und Siegel.

Was die Faszination am Angeln ist und warum so viele diese Sportart wählen, darüber (und noch über ein paar andere Dinge) spreche ich mit Carsten in dieser Podcastfolge.

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Konnten wir Dir mit dieser Folge weiterhelfen?

Hinterlasse gerne einen Kommentar.

Stefanie & Carsten

Folge 53 - Viele gute Vorsätze

Ein Beitrag

Folge 53 - Viele gute Vorsätze

In dieser ersten Folge des Jahres 2017

  • sprechen wir über alles, was wir uns für das neue Jahr vorgenommen haben,
  • laden wir Dich ein mit uns zu gehen und
  • stellen wir Dir eine Möglichkeit vor uns zu unterstützen.

Neues Jahr, neues Glück?

Auf jeden Fall ist der Anfang des Jahres für viele eine Art Neustart, eine Zeit, in der man noch sehr motiviert einige Ziele verfolgt und gute Vorsätze fasst.

Wir haben viel gelernt im vergangenen Jahr und wollen vieles von dem in diesem Jahr weiterführen und noch vertiefen.

Außerdem möchten wir Dich noch ein bisschen besser kennenlernen und habe diese kleine Umfrage für Dich vorbereitet: https://veganrevoluzzer.typeform.com/to/R3IK16

Herzlichen Dank schon einmal fürs Mitmachen. :-)

Links zur Folge

Umfrage zu Patreon
https://veganrevoluzzer.typeform.com/to/R3IK16

Harald Welzer "Selbst denken"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-49-harald-welzer-selbst-denken

Rezepte zum plastikfreien Leben
https://plastikfreier-leben.de/selbst-gemacht/

Nicole Just "Mein selbst gemachter Power-Vorrat"
z.B. bei buch7.de kaufen

Stückgut - der Unverpacktladen in Hamburg
https://www.stueckgut-hamburg.de/

Marie Kondo "Magic Cleaning"
z.B. bei buch7.de kaufen

Secondhandladen-Karte
https://www.google.com/maps/d/u/0/viewer?mid=z_lQQLJXTFNo.kVnRMp5xZLng

Meine Forschung zur Milchwerbung
forschung.stefanie-rueckert.de

Hamburg vegan erkunden
Hamburg vegan

Wandelwoche
http://www.wandelwoche.org/

Und jetzt sind wir neugierig...

Machst Du mit? Was sind Deine guten Vorsätze?

Erzähl uns doch davon in den Kommentaren.

Stefanie & Carsten

Folge 52 - Das war (unser) 2016

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Folge 52 - Das war (unser) 2016

In dieser Folge

  • präsentieren wir Dir einen traditionellen Rückblick auf unser Jahr 2016
  • erzählen Dir wofür wir dankbar sind und
  • freuen wir uns über die vielen Entwicklungen, die in diesem Jahr stattgefunden haben.

Diese letzte Folge in diesem Jahr ist ganz dem Zurückschauen gewidmet.

Wir freuen uns, dass Du uns durch das ganze Jahr auf unserer Forschungsreise begleitet hast und heben noch einmal einige Highlights hervor.

Seit unserem Start im März hat sich einiges getan und wir hoffen, dass wir Dich mit unseren Folgen inspirieren konnten.

Im nächsten Jahr wird es dann in aller Frische weitergehen- wir haben unser Reiseziel noch lange nicht erreicht und so werden wir natürlich noch weiterforschen.

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Wie war Dein Jahr 2016? Konnten wir Dich inspirieren?

Wir freuen uns über Deinen Kommentar.

Stefanie & Carsten

Folge 51 - Konsum und Komfort

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Folge 51 - Konsum und Komfort

In dieser letzten Sonderfolge zum Thema Konsum

  • sprechen wir über die Gefahren, die von den komfortablen Konsumangeboten unserer Zeit ausgehen,
  • stellen wir das Buch "Der Circle" von Dave Eggers vor und
  • reden wir über Privatsphäre und Datenschutz.

Ich muss es zugeben: ich bin ein Datenschutznerd. Und bevor ich mich dazu entschieden habe, meine Zeit den Tieren zu widmen, habe ich länger mit mir gerungen, ob ich nicht doch besser für den Datenschutz kämpfen soll.

Letztlich habe ich mich dazu entschieden, dass die Tiere jemanden brauchen, der für sie kämpft- auf unsere Privatsphäre sollten wir alle acht geben.

Umso mehr freue ich mich, dass wir in der heutigen Folge ENDLICH die Themen Privatsphäre und Datenschutz ansprechen können :-)

Ermöglicht hat es mir der Roman "Der Circle" von Dave Eggers, das ich vor kurzem geschenkt bekommen (Danke Nina ;-) ) und sofort durchgelesen habe.

Es führt unsere Gegenwart so perfekt weiter und zeigt welche Möglichkeiten in unserem heutigen Konsum schlummern, das ich es Dir unter keinen Umständen vorenthalten möchte.

Links zur Folge

Buch "Der Circle" von Dave Eggers
Bei buch7.de kaufen

MyLifeBits Projekt
https://www.microsoft.com/en-us/research/project/mylifebits/

Artikel in der c't (Den aktuellen Artikel tragen wir nach, wenn er online ist)
https://www.heise.de/ct/ausgabe/2015-17-Editorial-Nichts-zu-verbergen-2755486.html

Buch "Sicher in sozialen Netzwerken" von Manuel Ziegler
Bei buch7.de kaufen

Und jetzt sind wir neugierig...

Wie wichtig ist Dir Deine Privatsphäre?

Schreib uns davon gerne (anonym ;-)) in den Kommentaren.

Stefanie & Carsten

Folge 50 - Im Gespräch mit Adrienn von Tóth

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Folge 50 - Im Gespräch mit Adrienn von Toth

In dieser Folge

  • spricht Carsten mit Adrienn von Tóth über die Fragen, wie man Kindern einen entspannten Umgang mit Geld beibringen kann und
  • erörtert die Frage wie man das Verständnis schafft, dass Geld nicht in unbegrenzten Mengen zur Verfügung steht und nicht alle Wünsche sofort erfüllt werden können.

Adrienn fördert als Coach über www.richfamily.info die finanzielle Kompetenz von Familien.

Carsten und Adrienn sprechen über geniale Ideen wie die "Ampel" und die Familienbank, über Taschengeld, wann, wie oft und in welcher Höhe Taschengeld sinnvoll ausgegeben werden sollte und passend zur Jahreszeit gibt Adrienn noch Tipps zur Gestaltung des Adventskalenders, aber auch Anregungen für schöne Geschenkideen zum Weihnachtsfest.

Links zur Folge

Webseite von Adrienn von Tóth
www.richfamily.info

Kinderfinanzen-Challenge
https://www.richfamily.info/richkids/

Und jetzt sind wir neugierig...

Wie stehst Du zum Thema Kinderfinanzen?

Erzähl uns doch davon in den Kommentaren.

Adrienn & Carsten

Folge 49 - Harald Welzer: Selbst denken

Ein Beitrag

Folge 49 - Harald Welzer: Selbst denken

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Buch "Selbst denken - eine Anleitung zum Widerstand" von Harald Welzer vor,
  • erzählen wir Dir, was es in uns ausgelöst hat und
  • verraten wir Dir was tun kannst, um Widerstand zu leisten.

Dieses Buch ist eines der wichtigsten unserer Zeit. Du solltest es unbedingt lesen und Dich inspirieren lassen.

Auch wenn es unbequem ist, Deine Komfortzone zu verlassen - es ist ungemein wichtig, wenn Dir Deine Zukunft nicht egal ist.

Natürlich sollst Du Dein Leben nicht in der nächsten Sekunde völlig auf den Kopf stellen. Beginne einfach damit "selbst zu denken".

Übe Dich darin "nicht einverstanden zu sein" und zu Deiner Überzeugung zu stehen.

Leiste Widerstand gegen ein Wirtschaftsmodell, das unseren Planeten verschlingt und unsere Zukunft gleich mit dazu.

Leider hat sich in diese Folge wieder dieses ominöse Störgeräusch eingeschlichen- ich habe versucht es zu entfernen, das Ergebnis war aber nicht wirklich toll, also habe ich die Folge so gelassen und bitte um Nachsicht...

Links zur Folge

"Selbst denken" von Harald Welzer
Das Buch bei buch7.de kaufen

Yes Men
http://yeslab.org/

Meine Forschung zur Milchwerbung
https://von-herzen-vegan.de/milchgeschichten

"Wir müssen leider draußen bleiben" von Kathrin Hartmann
Das Buch bei buch7.de kaufen

Die Podcastfolge von bevegt
http://www.bevegt.de/tipps-vegan-podcast/

Stiftung FuturZwei
http://futurzwei.org

Transkript (Korrektur gelesen von Lakoja)

Carsten Heute gibt es eine Anleitung zum Widerstand. Das Motto ist: “Fang endlich an, selbst zu denken.” Von Harald Welzer.

Stefanie Was Carsten damit sagen möchte, ist, dass wir heute das Buch von Harald Welzer besprechen. Und das kannst du natürlich im Anschluss an diese Sendung gewinnen.

Carsten Richtig.

Stefanie Wenn die Glücksfee namens Carsten.

Carsten Ich darf diesmal ziehen. Okay.

Stefanie Mit Tütü und Zauberstab dich zieht dann, eigentlich muss ich mal so eine Fotomontage von dir machen.

Carsten Meinst du, dann haben wir mehr Teilnehmer? Vielleicht. Vielleicht.

Stefanie Vielleicht ja. Also zurück zum Wesentlichen. Heute besprechen wir das Buch “Selbst Denken” Eine Anleitung zum Widerstand von Harald Welzer. Das ist das Buch, das uns zu diesem Podcast inspiriert hat. Und also eigentlich, nein, das ist falsch. Das Buch hatten wir da noch nicht gelesen, aber Aussagen aus dem Buch, die von Kathrin Hartmann in ihrem Buch wiederum zitiert wurden “Aus kontrolliertem Raubbau” und für die Konsum Reihe hat uns das Buch auf jeden Fall inspiriert und wir sind jetzt in den beiden letzten Konsumfolgen auch darauf zurückgekommen. Genau wie das Buch. Deswegen muss es heute mal nur und ausschließlich um dieses Buch gehen.

Carsten Um das Buch “Selbst denken”. Ja, du hast es jetzt gerade frisch gelesen. Bei mir liegt es schon ein bisschen zurück. Ich weiß gar nicht. Ich habe es vor drei, vier Monaten vielleicht sogar noch ein bisschen länger her, weiß es gar nicht mehr, wann ich das zuletzt gelesen habe.

Stefanie Ja, also bei mir hat es ein bisschen gedauert, bis ich es geschafft habe. Ich habe jetzt in den letzten Tagen quasi Hardcorelesen gemacht, immer in jeder freien Minute dieses Buch gelesen, damit ich das jetzt endlich zu Ende lese und damit du es gewinnen kannst. Wenn du einen Kommentar unter diese Podcastfolge schreibst und bis Ende Januar oder wenn du, Ende Dezember ist ein bisschen kurzfristig…

Carsten Ja, wir geben einen Monat obendrauf. Also, wenn du bis Ende Januar einen Kommentar unter die Podcastfolge…

Stefanie Und verrat uns doch dann, warum du das Buch haben möchtest.

Carsten Ja, genau das interessiert uns und mehr brauchen wir eigentlich nicht. So, und dann wird unter allen Teilnehmern das Buch versendet, äh versendet, wollte ich gerade schon sagen, verlost. Und der glückliche Gewinner wird von uns dann halt per Email informiert und kriegt es dann von Carsten.

Stefanie Carsten, die Tütü-Fee wird das dann auslosen.

Carsten Ja, was hast du denn aus “Selbst denken” quasi jetzt mitgenommen?

Stefanie Was habe ich gedacht

Carsten …oder nicht? Hast du angefangen selbst zu denken? Was heißt eigentlich selbst denken? Wieso heißt das Buch so? Was will uns der Autor, Welzer, uns da…

Stefanie Was will er uns sagen?

Stefanie Also, ich weiß noch, als du das Buch ausgelesen hast, hast du gesagt, dass es eins der wichtigsten Bücher ist, die du in letzter Zeit gelesen hast oder bisher immer je in deinem langen, langen, langen, langen Leben.

Carsten Ich habe nicht so viel gelesen, aber es war…

Stefanie So. Also, es ist auf jeden Fall ein wichtiges Buch.

Carsten Definitiv. Ja.

Stefanie Und ich kann mich dem nur anschließen. Also, im Grunde geht es dem Harald Welzer, ich kann ja mal eben kurz, damit wir jetzt uns ja nicht so viel Arbeit machen, hinten den Text lesen.

Carsten Genau.

Stefanie Vorlesen, was da auf dem Buch draufsteht: “Früher war Zukunft ein Versprechen, dass alles besser wird. Doch heute ist klar, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Harald Welzer analysiert schonungslos die gegenwärtige Lage. Ein expandierender Konsum verzehrt alle Ressourcen. Die Bürger sind politisch gelähmt. Das muss anders werden. Wir müssen uns wieder ernst nehmen und selbst denken. Harald Welzer zeigt uns, wie. Damit die Zukunft keine Bedrohung ist, sondern wieder ein Versprechen wird.” Ein Versprecher.

Carsten Versprecher, ein Versprecher verschwindet. Genau.

Stefanie Ja, das Buch ist jetzt schon von 2011 oder so..

Carsten Ich bin mir gar nicht sicher. Also es ist schon, ein paar Jährchen hat es schon. Das ist jetzt die…

Carsten 2013 und wir haben jetzt die sechste Auflage von 2015 in den Händen.

Stefanie Genau, das haben wir sogar neu gekauft. Es sieht jetzt nicht mehr so aus. Also wenn du es in den Händen hält, ist es definitiv gelesen. Also ich meine, wir haben es noch nicht mal gebraucht, sondern neu gekauft.

Stefanie Nicht mehr ganz sicher, aber wir haben es halt sehr, naja, gelesen.

Carsten Also ja. Ist aber auch ein Zeichen dafür, dass wir es ordentlich benutzt haben. Also nicht nur nicht nur Unterlage, Briefbeschwerer.

Stefanie Einfach nur in den Schrank gestellt oder sonst irgendwas, sondern wir haben es tatsächlich gelesen. Es hat uns begleitet, eine Zeit lang in unserem Leben. Aber es soll jetzt nicht nur um die Äußerlichkeiten gehen.

Carsten Sondern auch um die inneren Werte. Wie viel Seiten hatte das Buch eigentlich noch? Das macht so einen unscheinbaren Eindruck. Du blättert gerade so ein bisschen. Das sind knapp an die 300 Seiten.

Stefanie Ja, 293.

Carsten Ja, Es ist also ein kompaktes Taschenbuch. Also, ich muss sagen, so von der Dicke des Buches habe ich gedacht, ich komme da relativ schnell durch. Aber das Buch ist so vollgestopft mit Informationen. Ich habe relativ lange gebraucht, um da durchzukommen, um das auch alles zu verarbeiten, was er dort schreibt, weil es so wuchtig fulminant ist und eigentlich überhaupt nichts Unwesentliches enthält. Also alles das, was..

Stefanie Nicht nur wuchtig, sondern auch wichtig.

Carsten Wichtig, auch genau, absolut, ja, ja. Und das hat mich an einem Punkt auch extrem beeinflusst. Es gab für mich beim Lesen ein Aha-Erlebnis und, ich weiß nicht mehr, ich glaube, das war so in der Mitte oder zum Ende hin oder so im letzten Drittel. Irgendwo kam dann oder am…

Stefanie Anfang.

Carsten Am Anfang, nein, dann kam dann der Punkt, wo er auf das Nicht-Einverstanden-sein einging. Er hat das auch so in einem Wort geschrieben. Nichteinverstandensein und das mag vielleicht so ein bisschen obskur anmuten, aber bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht klar, dass ich tatsächlich die Wahl habe, nicht einverstanden sein zu dürfen. Also, ich habe das Recht, mit bestimmten Dingen, die in der Welt passieren, einfach nicht einverstanden sein zu müssen. Und das war für mich so ein Weckruf zu sagen: Hey, da ist, also ich sage ja immer, so ein bisschen pauschal gesagt oder flapsig geäußert, der Rebell in mir zum Tragen gekommen, also irgendwie so ein Teil in mir hat dann gesagt: Super. Klar, also ich muss da jetzt nicht alles schlucken, was da jetzt in der Welt passiert. Ich darf auch durchaus mal nicht einverstanden sein. Also in der Hinsicht war das Buch für mich alleine aufgrund dieser Thematik schon eine Augenöffner.

Stefanie Also, ich wollte euch jetzt gar nicht unterbrechen.

Carsten Das war's.

Stefanie Das war’s. Punkt.

Carsten Ein Augenöffner für diesen Punkt. Er hatte noch viel mehr Punkte.

Stefanie Ich wollte dazu noch mal aus dem Buch zitieren: “Der neue Mensch. Er verändert sich permanent durch die Bedürfnisse, die immer aufs Neue in ihm geweckt werden und ist unablässig mit ihrer Befriedigung beschäftigt.” Damit meint Harald Welzer jetzt uns, alle, die Konsumenten, deren einziger Lebensinhalt eigentlich nur arbeiten und kaufen ist.

Carsten Ja.

Stefanie Und im Grunde, wir haben es ja schon gesagt: weiter wie bisher geht es nicht. Dieses System, in dem wir leben, beruht auf Expansion. Und Ressourcen sind aber nicht unendlich, sondern endlich. Und deswegen können wir nicht immer weiter expandieren und wachsen und wachsen und wachsen, weil das, von dem wir nehmen, einfach irgendwann weg ist. Er zeichnet in diesem Buch auch zwei verschiedene Zukunftsgeschichten: In der einen, wo wir dann reduzieren, also in die reduktive Moderne gehen und dann wirklich schauen, wie könnte es anders gehen. Das, was er eben auch dann uns ans Herz legt und das andere ist, wenn es einfach so weitergeht, führt es weiter, dass dann im, ich glaube er sagt sogar im Jahr 2033 also nicht…

Carsten Nicht so weit hin, ja, nicht mehr. Ich weiß gar nicht mehr, welche Jahreszahl er nannte, aber das ist alles irgendwie greifbar, was diese Szenarien betrifft, die er dort beschreibt.

Stefanie Ja, genau, eine nicht ganz so schöne Geschichte aus dem Jahr 2033, schreibt er. Also, wo es dann wirklich darum geht, dass er genau beschreibt, wie die Zukunft dann aussehen könnte, wenn es jetzt einfach so weiter geht wie bisher. Und dann wird ein Großteil der Menschheit verschwinden. Also er meinte, dass die Ressourcen eigentlich höchstens für 1 Milliarde Menschen reichen. Und das heißt, wenn, es gibt ja diese Titel auch: “10 Milliarden, wie werden wir alle satt?” Das heißt, ein Großteil der Menschen wird verschwinden. Und wenn wir das verantworten können, dass wir sagen: “So, wir gehören dann zu den Gewinnern und wir leben unser Leben auf Kosten anderer Leben, dann ist es sozusagen ja okay, wenn wir das für uns verantworten können. Aber wenn wir sagen, das kann ich vor mir selbst nicht rechtfertigen, sollte ich mein Leben überdenken und selbst denken.

Carsten Ja, selbst denken, genau. Anfangen, selbst zu denken und nicht alles hinzunehmen, was einfach so ist. Also auch durchaus nicht einverstanden sein mit den Sachen, die einem so tagtäglich begegnen oder vorgesetzt werden. Sei es jetzt Konsum, sei es jetzt politische Entscheidung, sei es gesellschaftliche Strömung, sei es Tradition. Also er geht da wirklich sehr, sehr grundlegend ein und sagt aber wir müssen uns ändern.

Stefanie Er gibt auch ganz, ganz viele Beispiele von Menschen, die das jetzt schon machen. Er betitelt das immer so und so, denkt selbst so und so denkt selbst. Auch die Yes Men, die finde ich ja so lustig. Die finde ich ziemlich cool. Die habe ich damals während des Studiums schon kennengelernt und das fand ich irgendwie schon immer deren Aktionen. Also wenn du die Yes Men noch nicht kennst, dann guck wirklich mal im Internet mit der Suchmaschine deiner Wahl nach den Yes Men. Also die werden wie Englisch, also, ja geschrieben und men, also Männer. Und das ist ein Duo, die wirklich so politische Aktionen durchführen, die sich dann als die, die zu Konferenzen quasi eingeladen werden und sich dann als Menschen ausgeben, die sie gar nicht sind und dann so den Rahmen sprengen. Und also deren Aktionen sind wirklich super.

Carsten Ja, absolute Knaller.

Stefanie Und da gibt es halt noch andere Beispiele, auch aus Deutschland eben, einige Beispiele, nicht nur englische oder amerikanische Beispiele. Und das nimmt auch einen guten Teil des Buches ein.

Carsten Ja, find ich auch gut, weil so, ich sag jetzt mal, die ersten 2/3 des Buches sind ja schon wirklich eine sehr fundamentale, aber auch sehr ausführliche Kapitalismuskritik. Also Harald Welzer beschreibt dort ja den Mechanismus des Kapitalismus und sagt auch, er redet dort von Extraktivismus, also sprich die Art und Weise, wie wir mit den Ressourcen der Erde umgehen. Und dabei begrenzte er sich jetzt ja nicht auf Erdöl und Erdgas und irgendwie so zwei, drei Komponenten, die immer so in den Medien auftauchen, sondern er greift generell auf Ressourcen vielfältiger Natur, oder beschreibt die. Und mit diesem Extraktivismus bezeichnet er eben genau diesen Mechanismus, dass ich immer mehr entnehme als überhaupt nachhaltig, also dieser Nachhaltigkeitsaspekt überhaupt abfangen kann. Gut, bei Erdöl und Erdgas: wenn ich es weg habe, dann ist es weg. Aber auch ich, er hat das so beschrieben, wenn ich jetzt zum Beispiel von fossilen Kraftstoffen im PKW-Bereich auf Elektroautos umstellen, ändert es nichts an der Grundsystematik des “immer mehr”. Das heißt, ich verschone vielleicht in dem ersten Moment dann die Ressourcen für Erdöl, weil ich eben einen anderen Treibstoff nehme, quasi diese erneuerbaren Energien, was dann da reinkommt. Aber im Grunde genommen verschlimmbessere ich die Situation, weil für das Umstellen auf Elektrofahrzeuge auch wieder extrem viele Ressourcen entnommen werden müssen. Also, diese Autos müssen ja auch gebaut, entwickelt etc. werden. Also ich mache im Grunde genommen genauso weiter wie vorher auch, nur halt mit einem grünen Anstrich. Genau, ändere aber das Grundproblem nicht. Und das gibt es auf ganz vielfältiger Ebene. Und das schildert er eigentlich ganz gut, weil er sagt, dass es weiterhin der Kapitalismus ist, halt grüner Kapitalismus oder wie auch immer man das nennt. Aber du bleibst halt im Rahmen dieses Kapitalismus und dieses System Kapitalismus suggeriert dir ja, es gibt immer eine Lösung für die Probleme, die ich selber hervorgerufen habe. Also von ich gehe jetzt auf von Kohle auf Erdöl oder von Erdöl, jetzt auf erneuerbare Energien und dann irgendwann kommen wir an den erneuerbaren Energien, an dem Punkt, dass ich feststelle: Hm, diese ganzen Windkrafträder und Solarzellen und Elektroautos, die müssen ja nicht nur irgendwie produziert werden und damit Ressourcen verschwenden, sondern sie müssen auch irgendwann mal entsorgt werden. Die haben auch irgendwann ihr Lebensende erreicht. Wo bleibe ich denn mit diesem ganzen Müll, den ich damit produziert habe? Da gibt es ja auch noch kein Konzept. Das greift er eigentlich schön auf. Und er sagt eben der Kapitalismus, der führt eigentlich zu so einer Art Beschleunigung. Also, ich komme an ein Problem, zum Beispiel Peak Oil wird dort genannt, also, die Erdölreserven neigen sich dem Ende zu, das wissen die Leute. Und der Mechanismus des Kapitalismus ist aber so verheerend, dass er sagt: Okay, ich mache jetzt nicht langsamer, sondern ich mache jetzt schneller. Ich versuche, das Problem dadurch zu beheben, indem ich mit noch mehr Technologie auf dieses Problem einwirke. Also ich versuche, neue Förderungsmethoden, zum Beispiel, einzuführen, also Stichwort Fracking oder sowas. Ja, da wo ich dann merke, okay, ich kann diesen Punkt, der Erschöpfung des Erdöls vielleicht noch mal technologisch so ein bisschen nach hinten verschieben, zeitlich. Aber im Grunde genommen mache ich noch alles viel schlimmer und und führe zu noch mehr Umweltkatastrophen und und und und und. Er beschreibt das so als beschleunigendes Element. Also so die Art und Weise wie ich vorher schon alles kaputt gemacht habe, das mache ich jetzt halt immer noch schlimmer und immer noch schneller und kann damit noch ein Stückchen weiterlaufen. Und wie du gerade schon gesagt hat, wenn du zu den Privilegierten gehörst, die ein gutes Leben haben, die merken das wahrscheinlich als als Letzte, weil das, was wir dann quasi mit diesem Extraktivismus und mit dieser Beschleunigung verursachen, das ist einfach ein Elend auf einer anderen Seite. Also wir, wir spielen dort mit anderen Leben. So, und kommen damit eine ganze Zeit lang eigentlich ganz gut zurecht. Aber das Elend, was wir erzeugen, wird immer größer und immer umfangreicher. Und da ist dann die Frage: Wollen wir damit leben? Können wir damit leben? Müssen wir umsteuern?

Stefanie Na ja, er nennt das ja auch die Kultur es “Alles immer” in der wir leben. Das fand ich auch einen ganz guten Begriff, weil es ja tatsächlich so ist, dass es uns ja schon irgendwie aufregt, wenn, oder dass es quasi schon fast merkwürdig ist, wenn mal was aus ist.

Carsten Also dann etwas nicht bekommen, weil wir es gewohnt sind…

Stefanie Ja auch so, also ich meine diese ganzen, wenn man jetzt also die Prime-Bestellung und so, man kann alles sofort bekommen. Dann natürlich auch, das hatten wir ja schon, in, ich glaube in unserer ersten Konsum-Folge, gesagt, dass es also auch durch Kredite, also die sofortige Befriedigung der Bedürfnisse sind jetzt durch Kredite möglich, durch Ratenzahlungen durch alles was wir schon gesagt haben. Es gibt keine Verzögerung mehr wirklich, sondern es ist so, dass wir alles sofort bekommen können und es ist alles immer verfügbar. Und das ist eigentlich, sagst du auch ganz schön, es passt halt wirklich gut auch zu meiner Forschung wieder, zu der Milchforschung, weil es diese Geschichte eben auch berührt. Wir müssen es im Kontext der Geschichte sehen, dass alles nicht immer da war, also so, sondern das ist erst seit dem Mauerfall so, seit dem Mauerfall, also in Deutschland, seit dem Mauerfall ist es so, dass es wirklich alles immer gibt. Das ist da so katapultiert. Und in den letzten 25, 26 Jahren ist es so wirklich zack, so zu dieser, ja zu dieser Welt geworden. Und das ist eben diese Welt, in der wir aufgewachsen sind. Wir kennen das nicht anders und für uns war alles immer schon da und wir haben alles immer bekommen. Wir haben vielleicht nicht immer alle Wünsche erfüllt bekommen zu Weihnachten oder so, aber es gab immer die Möglichkeit, alles da zu haben.

Carsten Ja, das.

Stefanie Das finde ich, das ist schon, das hat mir schon viel bewußt gemacht, wo wir eigentlich jetzt leben. Was das für eine Welt ist, in der wir leben.

Carsten Ja, also da muss ich auch sagen, da hat mir dieses Buch extrem viel gebracht und auch viel Verständnis aufgebaut, weil Harald Welzer ja diesen Kapitalismus nicht erst so in der Jetztzeit beschreibt, sondern auch so die Entwicklung, um dieses Grundverständnis aufzubauen: Warum ist das jetzt eigentlich so? Und wie stark ist das jetzt so in den letzten Jahren gestiegen? Er führt ja durchaus auch Beispiele an, um einfach zu zeigen, was ist so in den letzten 200 Jahren passiert, in den letzten 100 Jahren, in den letzten 50 Jahren, in den letzten 10 Jahren. Und man merkt einfach, dass es eben diese Beschleunigung gibt. Gerade so nach den Nachkriegszeiten, dieses Wirtschaftswachstum, dieses Wohlstandswachstum, dass da sämtliche Kurven eines ja, ich weiß nicht, was was führt er da an?

Stefanie Also Bevölkerungswachstum klar, aber eben auch städtische Bevölkerung. Papierverbrauch ist enorm gestiegen. Dann McDonald’s Restaurants hat er auch da.

Carsten Wie die sich entwickelt haben, das ist auch ganz lustig.

Stefanie Ja, irgendwie gibt es jetzt, was hat er da, sind es 31.000 mittlerweile irgendwie im Jahr 2000, oder? Ja, dann Transport, Kraftfahrzeuge, internationaler Tourismus, Kommunikation und Telefone, Düngemittel-Verbrauch ist auch krass angestiegen, Wasserverbrauch klar. Also das sind alles so, Staudämme hat er auch. Also er hat da ganz viel…

Carsten Einfach ganz wild Statistiken hingelegt, um einfach zu zeigen, egal was du dir anguckst, alles ist in den letzten 100 oder 50 Jahren, eigentlich so in den letzten 50 Jahren extrem stark gestiegen. Vorher, das ist alles noch relativ, eine flache Steigerungsrate und dann irgendwann schnellte das nach oben und explosionsartig gestiegen.

Stefanie Während der Kriege ging es ja auch nicht. Also es ist wirklich erst die Nachkriegszeit, wo das so explodiert ist und wo es dann auch eben darum ging: raus aus diesem Mangel. Also den Mangel, den man während der Kriegsjahre, das war ja jetzt eigentlich, wenn man das jetzt so von uns aus betrachtet, eine ziemlich lange Kriegszeit, so wenn man beide Weltkriege zusammen sieht. Dazwischen war ja jetzt auch nicht viel Zeit und da war immer viel Mangel und in den Nachkriegsjahren auch ganz viel Mangel. Und auch dann die Sparsamkeit und darauf achten, dass man etwas hat. Und es war ja nie genug da. Wirklich. Also klar, es gab immer welche, für die genug da war, aber für die meisten war halt nicht genug da und deswegen hat es sich’s ja jetzt gedreht. Wobei wir jetzt wieder eigentlich wieder so abwärts gehen, dass es jetzt wieder viele gibt, für die nicht genug da ist, obwohl es halt, also das Existenzminimum ist gestiegen. Aber trotzdem ist es halt so, dass es ja jetzt wieder viele gibt, die sich diesen Wohlstand gar nicht leisten können. Das ist ja auch was die Kathrin Hartmann, die hat ja noch ein Buch, die hat ja noch mehr Bücher geschrieben, aber unter anderem auch eins: “Wir müssen leider draußen bleiben.” Das haben wir jetzt noch nicht gelesen, aber ich habe halt schon darüber gelesen und gehört. Und da, das thematisiert sie da, dieses Problem.

Carsten Ja.

Stefanie Und das sagt er auch noch, der Harald Welzer nennt es selbst auch nochmal hier in dem Buch, das sie eine wütende Reportage geschrieben hat. Also sie ist da wohl immer mit sehr viel Herzblut dabei. Also so über dieses Problem, auch dieses Problem, dass Menschen der Meinung sind und sich quasi auch erdreisten, dann zu sagen, dass man den Armen am besten hilft, indem man ihnen Mikrokredite gibt, obwohl sie diese vielleicht gar nicht bedienen können und das dann immer schlimmer alles wird. Und das ist ja nur auf, ja, also auf Kosten dann der Kreditnehmer aber eben dann für die Kreditgeber halt nur rentabel ist.

Carsten Am Ende gewinnt immer die Bank.

Stefanie Genau. Ja, und das ist eben auch mit ein Problem. Also in diesen Buch “Selbst denken” von Harald Welzer werden wenn ganz ganz viele Punkte angesprochen, die alle total wichtig sind und lest dieses Buch! Also das soll jetzt nicht das Ende sein, aber ich will es nur nochmal betonen, also wirklich: Lest dieses Buch, das ist total wichtig. Und wenn du es haben willst, dann, wie gesagt, wir verlosen unser Leseexemplar dann unter allen Kommentaren, die es haben wollen, wenn du nicht dazu gehören solltest, also wenn du nicht gezogen wirst, dann leih es dir aus. Geh zu deiner Bücherei deines Vertrauens oder frag irgendjemanden, der es hat. Wirklich: lies es. Das ist ganz, ganz wichtig.

Carsten Also es gab ganz wenige Bücher, die mich so beeinflusst und beeindruckt haben wie dieses hier. Also “Selbst denken” ist tatsächlich ein Augenöffner für mich gewesen, auch mit vielen Sachen, wo ich eigentlich der Meinung war: Hast du schon mal so gehört. Klar, Wirtschaftswachstum nach dem Krieg etc. ist ja jetzt auch nichts Neues, dass das angestiegen ist. Und Kapitalismuskritik ist ja jetzt auch nichts, was Harald Welzer erfunden hätte. Also solche Komponenten waren im Vorfeld für mich ja auch schon alles irgendwie relativ bekannte Themen. Aber die Art und Weise, wie Harald Welzer das hier in diesem Buch verarbeitet, das ist extrem prägend gewesen. Ich ziehe erstmal meinen Hut vor vor dieser Leistung, die er da vollbracht hat, um dieses Buch zu schreiben. Aber es ist, wie du schon sagtest, sehr, sehr, sehr wichtig, um eben auch verstehen zu können: Wo stehen wir heute? In was für eine Situation haben wir uns im Moment eigentlich hineinkatapultiert durch dieses, vielleicht zu unreflektierte, Konsumverhalten, mit dem wir aufgewachsen sind. Was wir vielleicht, weil du gerade sagtest, unsere Generation, wir kennen es nicht anders. Wir nehmen es als selbstverständlich hin und für uns kommt es so vor, als ob es immer schon so gewesen wäre. Es ist ja und dieses: “Ist ja völlig normal, war ja immer schon so.” Und das, was wir vorhin eingangs beschrieben hatten mit diesen ganzen Statistiken, dass eben vor 50 Jahren ungefähr erst dieser ganze Boom angefangen hat und alles nach oben schnellte, ist ja nochmal eine Bewusstwerdung, die der Herr Welzer da durchführt, um klar zu machen: Nein, das ist nicht immer schon so gewesen, sondern das ist eigentlich relativ kurzlebig, wenn ich anschaue, wie…

Stefanie Das auf lange Sicht betrachtet, das ist es ja eben auch. So, diese, der ganze Zeitstrahl, sage ich mal, also wenn man wirklich schaut, die Industrialisierung, dass sie so vor 200, 250 Jahren so langsam begonnen hat und dass man da, das ist wirklich so ein Aspekt, die Industrialisierung, die hat uns eben dazu gebracht wo wir jetzt sind aber es ist, explodiert ist es wirklich erst dann so nach dem zweiten Weltkrieg und dann dann nochmal richtig nach dem Mauerfall.

Carsten Was ich sehr spannend fand in diesem Buch. Er schreibt dort ein Kapitel über den Exitus von Hochkulturen. Ich weiß nicht, ob du das dann schon gelesen hast, aber da ging es darum, dass er sagte, Hochkulturen sind eigentlich immer in der Menschheitsgeschichte am, deswegen niedergegangen, weil sie ihre zur Verfügung stehenden Ressourcen verbraucht hatten. Da sind entweder alle oder maßgebliche Ressourcen, die für diese eine Hochkultur wichtig waren, irgendwann erschöpft gewesen. Es gab eigentlich keine Möglichkeiten mehr, weitere Ressourcen abzubauen oder wie auch immer. Also Technologien waren noch nicht weiter entwickelt und er sagte, das war eine Vergangenheit für diese eine Hochkultur natürlich tragisch. Die ist halt verschwunden. Jetzt befinden wir uns aber in der gleichen Situation, nur mit dem Nachteil, dass wir global agieren. Die Hochkulturen damals waren ja immer sehr lokal oder regional. Wenn die eine Hochkultur verschwunden ist, hatte das auf den Rest der Welt eigentlich eher einen relativ geringen Einfluss. Jetzt steht aber die ganze Menschheit als quasi Hochkultur da, oder bzw. jetzt die, ich sag jetzt mal überspitzt, die westliche Industriewelt. Die aber vom Einfluss her eben auch auf die Entwicklungsländer abfärbt. Das heißt, wenn wir jetzt denn den Karren vor die Wand fahren, dann hat das nicht nur einen Einfluss auf die Hochkultur der westlichen Industrieländer, sondern auf die gesamte Menschheit. So, weil wir nicht nur mit lokal begrenzten Ressourcen agieren, sondern wir plündern gerade den kompletten Planeten, da bleibt dann nicht mehr viel übrig. Also selbst wenn die westlichen Industrieländer irgendwie den Exitus erleiden sollten, weil wir hier sämtliche Ressourcen verbraucht haben, ist halt nicht mehr viel Substanz da für, ich sag jetzt mal so Entwicklungsländer, die vielleicht noch gerade so diesen Exitus überlebt haben, weil ja, die stehen dann auch vor dem Nichts und…

Stefanie Das, ja, es ist eben dieses globale Agieren, was esjetzt besonders verschärft, so dass aber auch gerade dieses globale Agieren ist ja genau das, was uns jetzt sozusagen hilft, den Klimawandel zu leugnen, weil wir ihn ja noch nicht spüren. Auf der anderen Seite der Welt ist er aber schon und wir sehen ihn aber noch nicht.

Carsten Ich sag jetzt mal eine wettermäßige Anomalie oder sowas.

Stefanie Hier ist es nicht, dass es uns jetzt arg beeinträchtigt. Was ich noch sagen, ich wollte noch zwei Dinge ansprechen und ich wollte auch gleich noch was vorlesen. Also, ich hatte mir noch rausgeschrieben, dass es eine Politik für nachhaltige Moderne nur geben wird, wenn es überall Avantgarden gibt, die eine neue Geschichte erzählen. Damit meint er, dass es schon, also dass es gruppenübergreifend sein muss. Dass eine Bewegung nur wirklich erfolgreich sein kann, wenn sie in allen Gruppen und Schichten dann Befürworter hat. Und wenn es also so eine Einzelgruppe ist, die einfach nur, ja, irgendwelche Freaks sind, sozusagen, dann geht es nicht. Also es erinnert mich auch immer so ein bisschen an die vegane Bewegung. So, wann hat es Erfolg, wann hat es keinen Erfolg? Es gibt so viele unterschiedliche Veganer auch. Es gibt extreme Tierrechtsaktivisten, die durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, genauso wie die netten Attila Hildmanns unter uns und alle anderen Veganer dazwischen. Also ich weiß nicht, ob man der das genaue extreme Gegenteil zu den Tierrechtsaktivisten ist, aber eben, es gibt ganz viele verschiedene Veganer und unter der Betrachtung dieser, ja dieser Regel, dass es wirklich eine Bewegung alle Schichten und Gesellschaftsschichten und Gruppen und alles durchdringen sollte, macht es tatsächlich Sinn, auch wenn man nicht jeden gut finden muss. Man muss ja nicht mit jedem sympathisieren. Aber er sagt, dass es 3 bis 5%, jeder Gruppe sollten es sein. Er schreibt halt in dem Buch so jeder Hausmeister von jedem, also so aus jeder Gruppe einfach, sollte es jemand sein, dass ,er sagt es jetzt natürlich für wirklich eine nachhaltige Moderne, dass man da für, es geht hier nicht um Veganismus, aber irgendwie finde ich es ganz interessant: Man kann viele Dinge einfach auch auf den Veganismus übertragen.

Carsten Auf diese Bewegung, die da jetzt gerade stattfindet. Die Mechanismen sind die gleichen, die er beschreibt.

Stefanie Also was er auch sagt, ja, ich überlege gerade, was ich habe so vieles. Also am liebsten will ich ja das ganze Buch vorlesen. Aslo so viel, das ist der Nachteil, wenn man es gerade eben gelesen hat. Wenn man so ein bisschen Abstand dazu hat, dann sortiert sich das noch so ein bisschen und dann muss man nicht mehr alles so wiederholen, was da gesagt wurde. Aber ja, bei mir ist das jetzt alles noch so frisch und ich habe mir auch ganz viel aufgeschrieben und aufgesprochen und so. Und jetzt einige Dinge wollte ich eben noch sagen. Zum einen geht es bei ihm auch darum, dass er sagt, dass das Dagegensein quasi auch nicht bequem ist. Wenn es bequem ist, wenn man bequem Nein sagen kann, dann ist man nicht dagegen. Also so ist es halt. Das heißt, wenn du jetzt sagst: Ja, ich weiß, weiter wie bisher geht es nicht, ich muss jetzt was unternehmen, dann musst du dazu auch wissen, dass es nicht leicht wird. Also du musst aus deiner Komfortzone rausgehen, wirst Dinge tun, die nicht bequem sind.

Carsten Zwangsläufig.

Stefanie Und wirst auch in Situationen kommen, in denen du dich vielleicht unwohl fühlen wirst. Und er hat eine Situation, die finde ich ganz interessant. Er betitelt auch groß: Unbequemlichkeit. Das wollte ich kurz mal anlesen. Also er sagt hier: “Kurz, es existiert eine unendliche Menge von Möglichkeiten, es sich selbst und anderen unbequem zu machen. Das ist allerdings leicht gesagt, aber schwer getan. Man verletzt nämlich soziale Erwartungen, wenn man nicht einverstanden ist. Ich war unlängst zu einem Mittagessen eingeladen, zu dem sich der Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt mit einer Reihe von Unternehmern, Museumsleitern usw. traf, um über Fragen einer nachhaltigen Zukunft zu sprechen. Ich hatte die Aufgabe, vor dem Lunch eine kurze Rede zum Thema zu halten und nachdem ich das absolviert hatte, wurde die Vorspeise serviert. Es handelte sich um ein ausgesucht gutes Restaurant und der Thunfisch, der nun aufgetragen wurde, sah wirklich großartig aus. Freilich wäre es ein eklatanter Widerspruch zu meinen gerade vorgetragenen Überlegungen gewesen, diese Vorspeise zu essen. Aus meiner Sicht gehört es zum kategorischen Imperativ gelebter Zukunftsfähigkeit, sich nicht schuldiger zu machen als unvermeidlich. Und Thunfisch zu essen geht heute einfach nicht mehr. Nun saß ich also da mit einem harten Interessenkonflikt. Sollte ich tatsächlich die soziale Konvention verletzen und die Vorspeise ostentativ nicht anrühren, würde ich damit dem anschließenden Gespräch über meinen Vortrag nicht von vornherein eine unglückliche Richtung und mich selbst als Ökostreber geben und damit meinen Gesprächspartnern gleich Tür und Tor für ihre Argumente gegen meine Ausführungen öffnen. Würde ich also nicht genau die Absicht konterkarieren, weswegen ich diese Einladung angenommen hatte, würde ich mich, kurz gesagt, zu dem Arsch machen, den eingeladen zu haben, nach übereinstimmender Auffassung ein Fehler war. Außerdem sah er echt lecker aus, der Thunfisch, und tot war nun schon mal obendrein. Oder: Wäre die Ablehnung dieser ganz und gar idiotischen Vorspeise nicht eine völlig fraglose Angelegenheit, die überhaupt keiner Überlegung bedurfte? Einfach eine Frage der Haltung. Was war denn schließlich mit meiner Glaubwürdigkeit mir selbst gegenüber? Klare Sache, Überzeugung geht vor.” Ja, er schreibt da jetzt noch ein bisschen mehr darüber. Also mal abgesehen davon, dass ich ihm zu seinem Urteil über den Thunfisch, dass er so lecker sei, nicht zustimmen kann. Das sei jetzt mal dahingestellt. Der gute Mann ist offensichtlich kein Veganer. Da ein Minuspunkt für dieses Buch.

Carsten Oh, hast du einen Minuspunkt gefunden? Ja.

Stefanie Jetzt müssen wir es leider wegschmeißen. Piep, piep, piep. Ja, also abgesehen davon ist es eigentlich so ein Dilemma. Also ich muss dazu noch sagen, ich habe jetzt die neueste Folge von “beVegt” gehört, wo es darum geht, wie man sich als Veganer in einer nicht veganen Welt verhält. Und Kathrin und Daniel sprechen da unter anderem auch über ähnliche Situationen wie es ihnen denn ging. So mit, ja, wie man sich denn jetzt verhält? Also ein Beispiel war diese Pizza mit Käse, die sie eigentlich ohne Käse bestellt hatten, die mit Käse kam und die sie dann zurückgehen lassen haben, was vor einigen Jahren war und was sie heute nicht mehr tun würden. Also so einfach die Art und Weise, wie gehe ich jetzt damit um? Harald Welzer schreibt später noch, er hätte ja auch einfach sagen können, er sei Vegetarier, dann wäre das einfach akzeptiert worden. Das heißt, für ihn ist es jetzt nicht genau so wie vegan und so. Aber was dahinter steht und was natürlich der Titel ja auch schon sagte, ist diese Unbequemlichkeit. Wenn ich dann zu meinen eigenen Überzeugungen stehe, versetzt es mich eben in diese Lage, dass es unbequem wird.

Carsten Ja.

Stefanie Dass ich unbequem bin für andere und ja, dass ich eben nicht mehr der Norm entspreche. Und das muss ich vorher wissen. Also wenn ich wirklich was bewegen will, dann wird es nicht bequem sein.

Carsten Genau. Ja. Andersrum kann es auch ein Indikator sein. Also wenn ich merke, es ist unbequem, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich damit was bewegen kann, relativ groß. Wenn ich jetzt versuche, irgendwelche hochtrabenden Ideen umzusetzen und merke, es ist total einfach und völlig bequem und niemand stößt sich daran, dann werde ich wahrscheinlich auch keine Wirkung entfalten oder erzielen.

Stefanie Also von daher, du wirst dich darauf gefasst machen müssen, wenn du jetzt für dich entscheidest: Ja, ich will was ändern. Ich möchte eine andere Geschichte schreiben. Ich möchte einfach loslegen. Nicht nur darüber nachdenken, nicht nur theoretisieren, sondern einfach loslegen und ausprobieren. Dann wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einfach werden und nicht bequem. Was nicht heißen soll, dass dich das abschrecken soll. Denn als wenn du vegan lebst, dann weißt du auch schon, wie es ist, wenn es unbequem ist. Von daher haben wir vielleicht auch einfach eine gute Voraussetzung dafür.

Carsten Ich muss aber sagen, diese Unbequemlichkeit selber, die nimmt ab für jeden Aspekt. Also unbequem war es überhaupt erst mal diesen Schritt ins Vegane zu gehen. Nachdem du ihn gegangen bist, war es relativ bequem. Dann bist du aber den nächsten Schritt gegangen. Also das ist ja so, dass dann diese Bequemlichkeit nicht endlos dauert, sondern es kommen immer weitere Punkte, die einmal was Unbequemes zutage fördern. Aber diese Hürde zu nehmen, die wird immer geringer.

Stefanie Ja, das stimmt.

Carsten Weil du merkst, okay, du hast es beim ersten Mal geschafft, das mutete schon extrem unbequem an. Du hast es dann gemacht. Und naja, war ja doch nicht so schwierig. Beim zweiten Mal ist es dann leichter gefallen. Und irgendwann akzeptierst du dann, dass solche Schritte, solche Entscheidungen, solche Veränderungen unbequem sind, weil die Unbequemlichkeit, dann im besten Fall nur darin besteht, sich einfach nur mit einem bestimmten Thema bewusst auseinanderzusetzen. Du musst Zeit investieren. Man muss vielleicht auch mal ein bisschen Geld investieren, um, ich sag jetzt mal, beim beim Kochen andere Zutaten zu kaufen, die sich vorher noch nicht da in der Küche eingefunden haben. Aber das könnte dann schon das Maß an Unbequemlichkeit sein, was du dann überwinden musst.

Stefanie Ja 36, es ist natürlich auch so, wenn wir jetzt weitergehen in unserem Alltag, wenn wir sagen: So, wir wollen jetzt auf Plastik verzichten, wir möchten gerne unverpackt einkaufen, wir möchten eben die verschiedensten Dinge, weniger Müll und so. Dann ist es eben so, in bestimmten Situationen dann zu sagen Nein, ich möchte das jetzt nicht verpackt bekommen oder einen bestimmten Vorgang zu stoppen, der üblich ist und sich dann sozusagen zu outen als jemand, der das nicht will. Was ich ja auch bei Harald Welzer jetzt erst gelernt habe, oder was mir erst wieder bewusst geworden ist, wo er über Wasser gesprochen hat, das aus Frankreich kommt oder das eben aus anderen Ländern kommt, da habe ich überhaupt noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass es ja total sinnbefreit ist, sozusagen ausländisches Wasser zu trinken und zu kaufen, weil es einfach nicht nachhaltig ist. Also mal davon abgesehen, dass wir hier immer Leitungswasser trinken. Aber wenn man jetzt auswärts irgendwo isst oder wenn man in einem Restaurant ist und dann wird einem das Evian oder was auch immer.

Carsten Ein gutes Wasser, ein gutes Mineralwasser.

Stefanie Ein gutes, tolles Mineralwasser kredenzt. Da habe ich noch überhaupt nicht drüber nachgedacht. Das heißt, es wird immer wieder Details geben, die einem dann auffallen und wo es dann von einem selbst verlangt wird, aktiv zu werden und aktiv zu sagen, ja und dann eben zu seiner Überzeugung zu stehen und zu sagen: Nein, ich möchte das nicht. Und das ist dann eben die Sache. Ja, wo stehe ich dann? Ich höre von vielen, die dann sagen: Ja, lieber nicht auffallen. Und ich würde auf keinen Fall irgendwas sagen und so. Nur das ist eben dieses Dilemma, in dem der Harald Welzer war. Das mit dem Thunfisch also, es war wirklich so, dass er irgendwie gemurmelt hatte: Ja, er könnte das nach dem, was er gesagt hat, ja jetzt nicht essen. Und dann hat der Gastgeber ihm das weggenommen und ihm was Neues bringen lassen. Und dann haben sie das zum Anlass genommen, darüber zu diskutieren, wie man sich in solchen Situationen verhalten kann.

Carsten Ja.

Stefanie Ich wollte gleich noch hier die zwölf Regeln für erfolgreichen Widerstand vorlesen.

Carsten Kannst du gleich. Ich wollte jetzt noch mal…

Stefanie Jetzt. Also zwölf Regel zwölf Regel!

Carsten Nein. Jetzt möchte ich erst einmal diese, Unbequemlichkeitsthematik. Da kommt für mich dann wieder genau dieses nicht einverstanden sein ins Spiel. Ich habe vorher auch ganz häufig Situationen gehabt, wo ich mich unwohl gefühlt habe und wo ich dann einfach gedacht habe: Hmmm, wie verhalte ich mich und darf ich und will ich jetzt überhaupt auffallen etc.. Und dadurch, dass ich das in diesem Buch gelesen habe, dass das Harald Welzer mir quasi erlaubt. Ich darf auch mal nicht einverstanden sein. Ja, es war für mich wirklich so eine Erlaubnis, auch mir selbst gegenüber. Das hat mir persönlich extrem geholfen zu sagen: Nee, wenn ich jetzt…

Stefanie Sollte Harald Welzer diese Folge jemals hören: Vielen Dank, das… Darf ich Harald Welzer duzen, muss ich ihn siezen?

Carsten Das musst du ihn fragen.

Stefanie Er hat irgendwie am Anfang geschrieben: Ekelhafte Duzerei. Also muss ich ihn siezen. Lieber Harald, lieber Harald.

Carsten Lieber Harald, genau.

Stefanie Lieber Harald, Sie haben das toll gemacht.

Carsten Ja, also für mich ist das wirklich so ein Punkt, wo ich sage: Also wenn so Zweifel hochkommen, dann kann ich mir jetzt heute immer sagen: Nein, ich darf nicht einverstanden sein. Ich habe das Recht, nicht einverstanden sein zu müssen.

Stefanie Steh zu dir!

Carsten Ja, genau das ist so.

Stefanie Ich muss das jetzt noch mal loswerden, weil es gibt ja durchaus Hörerinnen und Hörer, die auch den beVegt-Podcast hören. Und wenn du noch nicht den beVegt-Podcast hörst, dann empfehle ich ihn dir hiermit. Ich muss ja zugeben, dass ich die Folgen, wo es nur so ums Laufen geht, meist überspringe, weil ich gehe zwar auch joggen, aber ich bin jetzt nicht so, irgendwie ist das jetzt nicht so meine Mission, wollte ich schon sagen, oder mein…

Carsten Dein großes Hobby oder deine Leidenschaft?

Stefanie Nein. Mir fehlt das Wort dafür sogar. Also, es ist quasi. Hmm. Hmm hm. Füge Wort ein. Aber die veganen Folgen, wo es halt ums Vegane geht und so. Das finde ich halt immer sehr interessant. Die Lauffolgen sind bestimmt auch ganz interessant. Ich höre sie mir nur halt nicht an. Also von daher, wenn du dich fürs Laufen interessierst, auch die anhören. Und als ich das eben gehört habe, ich merke halt immer wieder, dass es diese Unterschiede gibt, wann man sich für was entschieden hat. So, ich weiß jetzt nicht ganz genau, wie alt Kathrin und Daniel sind. Ich vermute aber, dass sie so mit Mitte 20 sich zum Veganismus bekehrt haben, um religiös und so… Nein, also dass sie halt dann vegan geworden sind, den Schritt gegangen sind. Genau. Und na ja, und sie reden halt viel darüber. Und ja, und eben dieses Unbequeme, genau das, das Unbequeme und ich habe ja eben mit elf diesen Schritt gemacht und ich habe halt so einen Vorsprung. Und ich habe damals, es ist einfach dieses… Ich kann einfach Menschen deswegen nicht so gut helfen, die jetzt gerade erst diesen Schritt gemacht haben, wenn sie schon erwachsen sind. Also so, und da ist es dann vielleicht ganz gut, wenn du dir diese Folge anhörst von Kathrin und Daniel, wenn du da noch mal so einen Rückhalt brauchst. Bei mir ist es so, dass ich einfach mit elf diesen Schritt gegangen bin und ich bin, also ich bin nicht vegan geworden, ich bin vegetarisch geworden, damals wusste ich nichts von vegan, aber ich bin einfach dabei geblieben. Ich habe einfach gesagt: Nee, ich mache das nicht. Dann war ich halt unbequem für die anderen. Aber ich habe es einfach gemacht. Und ich bin auch nie zurückgegangen, weil das einfach für mich feststand. Also ich sehe es jetzt nicht als besondere Stärke oder so, sondern es war für mich einfach, es stand einfach fest. Und ich glaube, dass das wiederum aber mir geholfen hat, einfach, dass ich jetzt bei vielen Dingen einfach sagen kann: Pfft, bin halt unbequem.

Carsten Also für dich ist der Schritt zum vegan nicht das Problem gewesen. Du hast also quasi…

Stefanie Ja, es ist schon so gewesen… Also Kathrin und Daniel sagen das auch so, denn man will ja immer geliebt werden und gefallen und in der Gruppe dazugehören. Ich habe aber auch als Vegetarierin immer dazugehört, denn als Vegetarierin ist es viel leichter, in die Gruppe zu gehören als als Veganer. Und ich habe das ja schon mal gesagt, das ist eben diesen Punkt gab, wo ich dann gefragt wurde: “Aber nicht vegan, oder?!” “Nein, so verrückt bin ich doch nicht, vegan.” Also es gab schon diese Abgrenzung, aber jetzt ist es irgendwie so seit, ist ja jetzt schon länger, dass wir vegan leben und seit ich da reingefunden habe in die Rolle ist es dann wieder in Ordnung.

Carsten Wobei du jetzt auch eine Abgrenzung hast. Also ich habe jetzt in letzter Zeit häufiger die Frage bekommen: “Wie du bist vegan, aber einer von denen, die nur Früchte essen, bist du jetzt nicht?”

Stefanie Es geht noch schlimmer. Prana ernährt sich nur von…

Carsten Sonnenlicht, Sonnenlicht, Luft und Liebe. Genau. Also, wenn ich draußen an der frischen Luft bin und mal für zehn Minuten faste und nichts trinke und nichts esse, dann ernähre ich mich nur von Sonnenlicht. Ja, auch bei Regenwetter. Aber streich ich von… Ja, genau. Ja, aber ich fand das immer so, also, das ist in letzter Zeit häufiger der Fall gewesen.

Stefanie Ja, echt? Krass. Nein, ich komme ja nie unter Leute. Deswegen kann ich das nicht so…

Carsten Ja, du kennst nur das Internet.

Stefanie Ich nenne das Internet. Ooh.

Carsten Ja. Okay.

Stefanie Zurück zum Wesentlichen. #

Carsten Zwölf Punkten, die du da hast…

Stefanie Jetzt schon? Ja, ja.

Carsten Ja, ja, wird langsam Zeit.

Stefanie Oh, ich guck auf die Zeit.

Carsten Ja, ja, genau so! Weißt du.

Stefanie Wir schneiden einfach alles raus und nehmen nur die zwölf Regeln.

Stefanie So, wir reden über das Buch. Zwölf Regeln für erfolgreichen Widerstand. Leistet Widerstand, weil es ist wichtig.

Carsten Ja, ja, alles.

Stefanie Alles ist wichtig.

Carsten Panta re. Genau.

Stefanie Das ist so, aber du weißt nicht, alles ist nicht.

Carsten Das ist ja schon klar. Ich konnte da einen anderen Akzente setzen.

Stefanie Ja, also

Carsten und seine Griechisch-Kenntnisse. Griechisch für Anfänger.

Carsten War das griechisch, Panta re? Frag mich doch nicht, wo das herkommt.

Stefanie Also, ich habe ja dasgroße Latinum gemacht.

Carsten Das war ja ein anderes Volk.

Stefanie Ja, aber.

Carsten Weiß selbst ich.

Stefanie Das weiß selbst du…

Stefanie Als ich damals in der fünften Klasse Latein hatte, habe ich meinem Lateinlehrer versprochen, dass ich in der Oberstufe auch Griechisch nehme.

Carsten Das wurde an der Schule gelehrt?

Stefanie Als ich in der fünften Klasse war, schon. Aber ich glaube, es ist schon, als ich in der sechsten Klasse war, abgeschafft worden.

Stefanie Weil keiner mehr Griechisch gewählt hat.

Carsten Das ist auch so ein bisschen exotisch hierzulande.

Stefanie Es ist wahrscheinlich auch Altgriechisch gewesen und nichts, was man jetzt in Griechenland hätte anwenden können oder so, aber ich hätte auch das Graecum machen können. Wollte ich jetzt nochmal so einführen.

Carsten Mit fremden Worten. Komm, lass uns zurück auf das Buch.

Stefanie So. Also, zurück zum Wesentlichen. Zwölf Regeln für erfolgreichen Widerstand. Erstens: Alles könnte anders sein. Panta re.

Stefanie Es ist einfach zu spät. Also wir brauchen mal irgendwie einen Sponsor, damit wir auch formal etwas aufnehmen können.

Carsten Zahlt mein Gehalt, dann kriegt ihr auch frische Folgen.

Stefanie Ja. Machen jetzt einenSponsoring-Aufruf: Also, wenn ihr bitte, es reicht ja auch, wenn wie Karsten einen Tag in der Woche nicht arbeiten muss, dann können wir an dem Tag das aufnehmen.

Carsten Schon fast Erpressung.

Stefanie Das war ein Sponsoring-Aufruf.

Stefanie Also zurück zum Wesentlichen. Ich fange noch mal von vorne an.. Zwölf Regeln für erfolgreichen Widerstand:

Stefanie Erstens: Alles könnte anders sein. Zweitens: Es hängt ausschließlich von Ihnen ab, ob sich etwas verändert. Drittens: Nehmen Sie sich deshalb ernst. Viertens: Hören Sie auf einverstanden zu sein. Fünftens: Leisten Sie Widerstand, sobald Sie nicht einverstanden sind. Sechstens: Sie haben jede Menge Handlungsspielräume. Siebtens: Erweitern Sie Ihre Handlungsspielräume dort, wo Sie sind und Einfluss haben. Achtens: Schließen Sie Bündnisse. In Klammern: Das füge ich jetzt dazu, zum Beispiel mit uns. Neuntens: Rechnen Sie mit Rückschlägen, vor allem solchen, die von Ihnen selber ausgehen. Zehntens: Sie haben keine Verantwortung für die Welt. Elftens: Wie Ihr Widerstand aussieht, hängt von Ihren Möglichkeiten ab. Zwölftens: Und von dem, was Ihnen Spaß macht.

Carsten Ja.

Stefanie In diesem Sinne.

Carsten Nein.

Stefanie Wir müssen Ihnen nur noch ein müdes Lachen davon kosten.

Carsten Auch wenn wir jetzt schon eine relativ lange Folge haben. Aber wir müssen jetzt…

Stefanie Das Buch ist es auch wert.

Carsten Es ist auch wert. Genau. Wir müssen aber jetzt mal einen Schritt jenseits des Buches machen, und zwar möchte ich FuturZwei einmal kurz ins Gespräch bringen. Magst du mal erklären, was FuturZwei ist? Nö. FuturZwei ist eine Stiftung, die von Harald Welzer geleitet wird. Da gibt es auch eine Internetseite dazu, die auch futurzwei.org heißt. Die ist ganz interessant gestaltet, auch vom grafischen her, finde ich ganz interessant, weil die Navigation völlig unüblich ist.

Stefanie Aber es gibt auch eine Navigationsmöglichkeit mit nur mit Text.

Carsten Die habe ich noch nicht mal gesehen.

Stefanie Ja, habe ich vorhin gesehen und gedacht: oah, was ist denn hier?

Carsten Gewöhnungsbedürftig.

Stefanie Also es gibt zwei verschiedene Versionen.

Carsten Also unbedingt mal anschauen. Dort werden Geschichten erzählt von Leuten, die schon mal anfangen, Dinge anders zu machen. Genau, die selbst denken. Also kleine Erfolgsgeschichten. Obwohl diese Erfolgsgeschichten nicht unbedingt immer ein konkretes Ergebnis oder ein positives Ergebnis zeigen müssen.

Stefanie Ja, genau das haben wir nämlich noch ganz vergessen zu sagen. Harald Welzer sagt eben auch, dass diese Geschichten, die wir erzählen, wenn wir aus dem aktuellen Wirtschaftsmodell heraustreten und hin zu einer nachhaltigen Moderne gehen, dass die einfach noch nicht linear sind, vorbestimmt, alles ist klar, sondern dass es alles ein Ausprobieren ist.

Carsten Genau, das.

Stefanie Durchaus auch ein Scheitern sein kann. Immer wieder. Aber das ist einfach durch das Scheitern und das Ausprobieren dann quasi der Weg das Ziel ist.

Carsten Es gibt eigentlich keine Gewährleistung, dass das, was wir dann anders machen, auch richtig ist oder besser funktioniert, sondern das muss man wirklich, wie du schon sagtest, ausprobieren und das kristallisiert sich dann quasi durch das Tun heraus. Ja, und das ist eben bei dieser Stiftung FuturZwei so, dass die genau solche Geschichten aufgreifen. Erzählen von Menschen, die eben angefangen haben, Dinge anders zu machen. Und geben, ich glaube, das sind relativ kurz gehaltene Geschichten, die dort erzählt werden. Und ich glaube, es gibt auch Audioschnipsel. Also das was so, ich kann die als Blogbeitrag lesen, ich kann die als Audioschnipsel und ich glaube auch so eine Art Zukunftstagesschau wird dort gezeigt.

Stefanie Also ich habe mir das noch nicht so ganz genau angeguckt.

Carsten Ganz interessant. Und auch ich, ich fand es teilweise sogar lustig. Ich meine, dass das ein bisschen satirisch gezeigt wird.

Stefanie Oh, ne “teilweise lustig…”

Carsten Ja, es ist ja ein ernster Hintergrund. Da müssen wir aufpassen, dass man da nicht zu sehr lacht. Ja, okay. Ich fand aber interessant, wie es überhaupt zu diesem Titel FuturZwei gekommen ist, weil FuturZwei, damit bezieht sich Harald Welzer ganz konkret auf die grammatische Zeitform. Er sagt also irgendwann…

Stefanie Es wird gewesen sein.

Carsten Es wird gewesen sein. Oder wir werden es versucht haben. Das ist für ihn wichtig zu sagen. Irgendwann kann er sagen: Wir werden es versucht oder wir werden es versucht haben. Ob wir erfolgreich gewesen sind, das spielt erstmal keine Rolle. Aber wir werden es versucht haben. Und deswegen fand ich, ich weiß nicht, ob er es in diesem Buch “Selbst denken” erwähnt hat. Oder habe ich das später…

Stefanie Doch, doch, der hat das da auch drinstehen? Das mit dem FuturZwei, also jetzt nicht, die Stiftung ist da auch kurz erwähnt, aber das Futur II als Zeitform ist da auch erwähnt.

Carsten Okay, ich habe das im Nachgang, da habe ich noch mal ein bisschen über ihn recherchiert, auch in einem Interview nochmal gesehen. Da hat er das auch nochmal ein bisschen ausführlicher skizziert und das war bei mir so hängengeblieben und hat mich auch geprägt. Und ich bin seitdem auch mehr oder weniger regelmäßiger Leser von dieser Internetseite FuturZwei und finde das eigentlich ganz interessant, was für Anregungen dort gegeben werden. Also finde ich auch ganz wichtig, das zu kennen und auch öfters mal zu lesen und vielleicht in Zukunft auch mal…

Stefanie Ist auch inspirierend. Und ich würde sagen: lies dieses Buch. Was sagst du, Carsten ?

Carsten Auf alle Fälle. Also sollte eigentlich kein Weg dran vorbeiführen. Es ist wichtig.

Stefanie Genau. Und wie gesagt, du hast die Chance, das bei uns zu gewinnen. Wir verlosen unser gut gelesenes Leseexemplar unter allen Kommentaren, die bis Ende Januar 2017 bei uns auf der Internetseite unter der Podcastfolge eingehen. Und ich habe auch gedacht, dass wir, also generell ich ja meine Touren durch Hamburg, die sind ja auch jetzt schon so weit gediehen, dass ich eben das nach dem nachhaltigen Konzept zu dem Veganen eingearbeitet habe, aber dass ich gerne auch noch weitergehen würde und wirklich diese das, was halt schon gelebt wird, das, wer denkt selbst, dass auch solche Dinge noch weiter einzuarbeiten. Ich bin da auch dabei und jetzt kann ich noch einen kurzen Werbeblock einschieben und zwar so, mach mal im Werbejingle…

Stefanie Also jedenfalls wenn du, bei mal einer meiner Touren mitmachen möchtest, kannst du jetzt noch schnell kurz vor Weihnachten dir einen Gutschein über meine Internetseite sichern. Und zwar habe ich zwei Pakete geschnürt und die Pakete kannst du dann auf jede beliebige Tour einlösen, die ich im nächsten Jahr anbiete. Und die Gutscheine sind ein Jahr gültig und du kannst einfach auf meine Internetseite gehen und kannst es entweder als PDF den Gutschein bekommen oder ich schick ihn dir per Post zu. Wenn er bis Weihnachten noch ankommen soll, müsstest du dann allerdings dich möglichst bald entscheiden, denn wer weiß, wie zuverlässig die Post ist. Aber es gibt die Last Minute-Variante, dass du dann ein PDF von mir bekommst und dann kannst du selber ausdrucken und so verschenken. Und wenn du das machst, freue ich mich natürlich riesig. Und dann sehen wir uns natürlich ja auch bald in Hamburg.

Carsten Persönlich. Und können ganz viel reden.

Stefanie So. Werbepause vorbei.

Carsten Ja, ich mache die Werbepause…

Stefanie Ja. Was wolltest du sagen?

Carsten Ich wollte Werbeblock noch mal ein bisschen länger fassen, weil du hast gesagt, du kannst ja selber jetzt bestellen. Es ist doch ein perfektes Weihnachtsgeschenk. Lass es dir doch schenken. Also

Stefanie Oh ja. Noch mal das Werbejingle.

Stefanie Ja, da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Genau. Lass es dir schenken. Du kannst es auch einfach noch mal deinen lieben Verwandten, Bekannten und so sagen, dass sie dir das schenken sollen. Ja, du kannst auch ganz komfortabel bei mir per PayPal zahlen. Das habe ich nämlich alles eingerichtet. Nur für dich. Bei PayPal bist du ja auch 100% abgesichert, wenn du keine Lust hast, Datenschutz, wir wissen Bescheid, per PayPal zu bezahlen. Dann kannst du mir auch einfach eine Email schreiben und wir regeln das so unter der Hand unter der Brücke. Jetzt ist der Werbeblock wirklich zu Ende.

Stefanie Also von daher freuen wir uns, dass du bis hierhin durchgehalten hast. In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 48 - Soja: gesund oder ungesund?

Ein Beitrag

Folge 48 - Soja: gesund oder ungesund?

In dieser Folge

  • sprechen wir über die Sojabohne und deren Wirkung,
  • berichtet Carsten über die aktuelle Studienlage,
  • klären wir ob Soja denn nun gesund oder ungesund ist.

Vor einiger Zeit hatten wir Dich in einer Umfrage nach Wunschthemen gefragt und eines davon war, ob Soja gesund oder ungesund sei.

Dieses Thema habe ich direkt an Carsten delegiert und er hat sich sofort an die Recherche gemacht, um dabei festzustellen, dass dieses Thema durchaus zur Lebensaufgabe mutieren kann.

Diese Podcastfolge ist daher nur eine kleine Zusammenfassung dessen, was Carsten sich in den letzten Wochen angelesen hat.

Wenn Du tiefer in die Materie einsteigen möchtest, schaue Dir gerne die Links zu dieser Sendung an. Sie sind ein kleiner Teil dessen, was Carsten bisher gesichtet hat.

Links zur Folge

PRO SOJA

VeBu - Ist Soja gesund? & Einfluss auf die Schilddrüse durch Sojaprodukte
https://vebu.de/essen-genuss/pflanzliche-alternativen/soja-sojaprodukte/ist-soja-ungesund/
https://vebu.de/essen-genuss/pflanzliche-alternativen/soja-sojaprodukte/ist-soja-ungesund/einfluss-auf-die-schilddruese-durch-sojaprodukte

Albert Schweitzer Stiftung - Soja: gesund oder ungesund?
https://albert-schweitzer-stiftung.de/themen/vegan-gesund/soja-gesund-oder-ungesund

NutritionFacts.org - Videos: How much soy is too much / Calcium Absorption: Soy mild vs. cow milk / Does tofu cause dementia?
http://nutritionfacts.org/video/how-much-soy-is-too-much/
http://nutritionfacts.org/video/calcium-absorption-soy-milk-versus-cow-milk/
http://nutritionfacts.org/video/does-tofu-cause-dementia/

Fit for Fun: Wie gesund ist Soja wirklich?
http://www.fitforfun.de/abnehmen/gesund-essen/soja/neueste-forschung-wie-gesund-ist-soja-wirklich_aid_6883.html

Stern.de Warum der Hype um die Bohne übertrieben ist
http://www.stern.de/gesundheit/soja-lebensmittel--wie-gesund-ist-soja--3246550.html

Ist Soja ungesund? Das Problem mit Soja
http://www.urgeschmack.de/problem-soja/  

Ist Soja gesund oder schädlich?
http://www.provegan.info/de/studien/detailseite-studien/ist-soja-gesund-oder-schaedlich-1/

So gesund sind Fleischalternativen
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/tofu-seitan-tempeh-so-gesund-ist-fleischersatz-aus-soja-und-weizen-a-1009480.html

Soja: Mythen und Fakten über Tofu, Tempeh und Sojamilch
http://www.bevegt.de/soja/

NDR: Wie gesund ist Soja?
http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-gesund-ist-Soja,soja116.html

Soja-Bohnen: Gesundheitliche Vorteile umfassend belegt
http://www.vegan.eu/index.php/meldung-komplett/items/spja-gesundheit.html

Neue Untersuchungen bestätigen: Soja ist gesund
http://www.eufic.org/article/de/artid/neue-untersuchungen-soja/

Nature: Consumption of soy foods and isoflavones and risk of type 2 diabetes: a pooled analysis of three US cohorts
http://www.nature.com/ejcn/journal/vaop/ncurrent/full/ejcn2016117a.html

Nature: Soy isoflavone consumption and colorectal cancer risk: a systematic review and meta-analysis
http://www.nature.com/articles/srep25939 

Nature: Effect of whole soy and purified daidzein on ambulatory blood pressure and endothelial function—a 6-month double-blind, randomized controlled trial among Chinese postmenopausal women with prehypertension
http://www.nature.com/ejcn/journal/v69/n10/full/ejcn201524a.html

Nature: Soybean greatly reduces valproic acid plasma concentrations: A food–drug interaction study
http://www.nature.com/articles/srep04362

Nature: Effect of dietary soy intake on breast cancer risk according to menopause and hormone receptor status
http://www.nature.com/ejcn/journal/v64/n9/full/ejcn201095a.html

Nature: Soy intake and breast cancer risk in Singapore Chinese Health Study
http://www.nature.com/bjc/journal/v99/n1/full/6604448a.html

Nature: Relation between soy-associated isoflavones and LDL and HDL cholesterol concentrations in humans: a meta-analysis
http://www.nature.com/ejcn/journal/v57/n8/full/1601628a.html

Nature: Effects of soy phytoestrogens on the prostate
http://www.nature.com/pcan/journal/v10/n3/full/4500953a.html

Nature: Nutrition: Soy food intake and breast cancer
http://www.nature.com/nrendo/journal/v6/n4/full/nrendo.2010.11.html

The Role of Soy in Vegetarian Diets
http://www.mdpi.com/2072-6643/2/8/855

JackNorrisRD: Response to Not Soy Fast
http://jacknorrisrd.com/response-to-not-soy-fast/

Der Artgenosse: Hey Veganer, Soja ist ungesund
https://www.youtube.com/watch?v=gdBvn-3EHe4#t=366

CONTRA-SOJA

Die Sojalüge - Warum deine veganen Freunde sich damit Schaden
http://paleolifestyle.de/gesundheit/soja-ungesund/

Irrtum und Heuchelei der Pflanzenesser: Das Gift der Soja
http://www.medizin-welt.info/aktuell/Soja-gefaehrdet-die-Gesundheit/196

Soja = Sondergiftmüll
http://www.mmnews.de/index.php/i-news/9344-soja-sondergiftmuell

Die Wahrheit über Hülsenfrüchte
https://www.paleo360.de/gesunde-ernaehrung/die-wahrheit-ueber-huelsenfruechte/

ARD Video: Die Gefahren von Soja
http://www.ardmediathek.de/tv/Faszination-Wissen/Die-Gefahren-von-Soja/Bayerisches-Fernsehen/Video?bcastId=14912700&documentId=27747470

Labortests zeigen Verbindung zwischen Sojaprodukten und Krebs – vier gewichtige Gründe, ab heute auf Soja zu verzichten
http://info.kopp-verlag.de/medizin-und-gesundheit/gesundes-leben/zach-c-miller/labortests-zeigen-verbindung-zwischen-sojaprodukten-und-krebs-vier-gewichtige-gruende-ab-heute-au.html

Tofu und Soja neu bewertet
https://www.dr-feil.com/allgemein/tofu-und-soja-neu-bewertet.html

Gute Pillen - Schlechte Pillen: Allergisch auf Soja
http://gutepillen-schlechtepillen.de/kurz-und-knapp-allergisch-auf-soja/

Nature: Soy consumption is not protective against diabetes in Hawaii: the Multiethnic Cohort
http://www.nature.com/ejcn/journal/v65/n2/full/ejcn2010228a.html

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Stefanie Heute gehen wir auf einen Hörer oder Hörerinnenwunsch ein und sprechen über Soja. Das war ein Wunsch aus der Umfrage, die wir erstellt hatten. Und Carsten hat ganz lange recherchiert. Ich habe das nämlich gleich an Carsten delegiert, weil es darum ging: Soja, ist das jetzt gesund oder ungesund? Und sobald es um gesund oder ungesund geht, ist Carsten gefragt.

Carsten Bin ich derjenige, der arbeiten darf. Genau, ja.

Stefanie Nicht, weil Carsten jetzt so besonders medizinische Hintergründe hätte oder jetzt vor kurzem sein Medizinstudium abgeschlossen hätte. Sondern einfach, weil du dich dafür interessierst.

Carsten Genau richtig. Ja, ich habe aber die Aufgabe auch gerne angenommen, weil das hat mich auch interessiert, tatsächlich mal ein bisschen zu recherchieren. Was hat es denn mit diesem Soja auf sich, mit den kritischen Aspekten, die da immer genannt werden. Aber auch, was für gesundheitliche positive Wirkungen hat denn Soja?

Stefanie Ja, ich würde vielleicht direkt mal fragen: Wie ist das denn jetzt? Wachsen Männern denn dann tatsächlich Brüste?

Carsten Also nur, wenn neben Soja auch mal Steroide gespritzt werden, dann könnte es der Fall sein. Nein. Also ich denke, nachdem was ich bisher gelesen habe, ist Soja relativ unbedenklich. Es gibt so ein paar Punkte, auf die man achten muss, aber ansonsten ist es ein völlig gesundes Nahrungsmittel. Kein Wundermittel, kein Heilmittel, wie es manchmal so beschrieben wird, sondern ein ganz normales, typisches, gesundes Nahrungsmittel, ohne dass ich da jetzt irgendwie ein schlechtes Gewissen haben müsste.

Stefanie Okay, was sind jetzt die Punkte, auf die der geneigte Hörer, die geneigte Hörerin achten sollte? Und vielleicht ich auch?

Carsten Ich glaube, das Wichtigste ist, man darf sich nicht kirre machen lassen, weil ich habe wirklich Tonnen an Informationen da durchgewühlt.

Stefanie Deswegen hat es halt so lange gedauert.

Carsten Es hat ein bisschen länger gedauert, nicht, weil ich das sehr spät angefangen habe, sondern ich habe immer zwischendurch tatsächlich im Internet recherchiert. Ich habe einfach die Suchmaschine meiner Wahl angeschmissen und erstmal.

Stefanie Du hast die ganze Zeit so getan, als würdest du arbeiten. Und deine Kollegen dachten immer „Oh, der ist voll dabei“.

Carsten Ich war hoch konzentriert.

Stefanie Aber Carsten hat nur für Soja recherchiert.

Carsten Nur recherchiert. Monatelang. Genau (lachen). Ja, ich habe aber tatsächlich ziemlich viel Informationen einfach mal gesichtet. Ich habe mir erst mal ein Inhaltsverzeichnis aufgestellt von sämtlichen Internetseiten, die mir bei der Recherche begegnet sind und habe versucht, erst mal vorbehaltlos an das ganzen Material heranzugehen. Also ich habe alles gesichtet, was in irgendeiner Art und Weise ausführlich auf Soja einging oder eingegangen ist. Ich habe mir auch Videos zum Thema angeschaut. Ich bin auch nachher bei wissenschaftlichen Seiten wie Nature gelandet und habe mir dort mal die Studienlage angeschaut. Also es ist extrem umfangreich, und ich muss auch sagen, ich habe irgendwann für mich den Punkt erreicht, wo ich gesagt habe, ich möchte jetzt nicht noch weiter recherchieren, weil das ist tatsächlich eine Lebensaufgabe. Ich glaube, ich könnte ein komplettes Menschenleben damit verbringen, sämtliche Informationen zu sichten, die irgendwie etwas mit Soja und Studien und wissenschaftlichen Befunden zu tun haben. Also das ist der absolute Irrsinn.

Stefanie Okay. Also falls du dich berufen fühlst, liebe Hörerin, lieber Hörer, es scheint da noch ein Feld zu geben, also die Möglichkeit einer Nische. Wenn du Expertin für Soja werden möchtest. Jetzt ist die Chance.

Carsten Ob das jetzt spannend ist, weiß ich nicht.

Stefanie Aber nur, weil es für uns nicht spannend ist, kann es ja für andere spannend sein. Also Carsten gibt dir dann gerne ein paar Tipps, wo du anfangen kannst und dann geht es los.

Carsten Genau. Einfach melden. Ich schmeiße meine never ending oder ever lastigen Quellenverweis Liste mal rüber und dann kann die Recherche beginnen. Ja, also es war sehr, sehr umfangreich. Deswegen hat das auch viel Zeit in Anspruch genommen, und ich hatte wirklich alle Hände voll damit zu tun, die ganzen Informationen auch zu sortieren, sodass sie für mich nachher schlüssig sind und ich da einen roten Faden rausbekommen.

Stefanie Und was sind denn jetzt die Punkte, auf die man achten soll? Du hast gesagt, so ein paar Punkte gäbe es, auf die man achten sollte.

Carsten Ja, also ich sag jetzt mal so, das wo es wirklich drauf ankommt ist, man muss sich immer im Hinterkopf behalten, Soja ist ein Allergen. Also genauso wie Nüsse Allergene sind, muss man auch bei Soja eben drauf achten. Wenn ich eine allergische Reaktion feststelle, dann sollte ich Soja natürlich vermeiden oder prinzipiell eben auch die Verzehrmenge minimieren. Okay, das ist so, das ist so das Wichtigste. Die andere Thematik ist, wenn ich eine Schilddrüsenproblematik habe, sollte ich auch drauf achten, dass mein Sojakonsum nicht allzu hoch ist, weil Soja bestimmte Inhaltsstoffe besitzt, die negativen Einfluss auf die Schilddrüse haben können. Dazu muss man aber horrende Mengen an Soja nehmen. Das heißt jemand, der eigentlich gesund ist und überhaupt gar keine Probleme mit der Schilddrüse hat, der wird, also der muss sich schon selten dämlich anstellen, damit er so hohe Mengen an Soja verzehrt, dass das jetzt eine langfristige Schilddrüsenproblematik dann nach sich zieht. Aber jemand, der das schon von vornherein hat, also eine Grundbelastung mit der Schilddrüse, der sollte eben darauf achten, dass er eben auch Sojaprodukte nur in moderaten Mengen zu sich nimmt. Und allgemeiner Rat, der immer an dieser Stelle zu lesen war: Jod sollte zusätzlich noch hinzugezogen werden. Also man sollte eben jodiertes Speisesalz oder eine andere Jodquelle haben, wie zum Beispiel Algen. Wobei bei Algen muss man auch aufpassen, weil die teilweise einen extrem hohen Jodgehalt haben. Also nicht, dass man dann überdosiert, aber das ist quasi so die Möglichkeit, um den negativen Effekt von Soja, das heißt, da wird quasi die Bauchspeicheldrüse insofern negativ beeinflusst, dass sie nicht mehr die Leistung erbringt, das kann ich ausgleichen, indem ich dann versuche, Jod hinzuzuziehen, weil Jod kurbelt eben die Schilddrüsenleistung an. Das sind so die beiden Aspekte. Okay, dann wird es noch kontrovers diskutiert, was Soja in der Säuglingsernährung bedeutet. Da bin ich nicht ganz schlüssig geworden, aber ich denke, da sollte man auch eher aufpassen, dass man vielleicht nicht unbedingt auf, ich sag jetzt mal, Sojaprodukte zurückgreift, die extrem hochdosiert sind. Also so ein Proteinpulver oder so was sollte man dem Kind nicht unbedingt geben.

Stefanie (lacht) Warum macht man das?

Carsten Ja, ich weiß ja nicht, was in dieser Babynahrung teilweise drin ist. Genau. Also das sind so die Punkte, die wirklich zu beachten sind. Ansonsten ist extrem viel Angstmacherei da, wenn man so das Internet anschaut. Also Soja wird da teilweise als toxisch, als die Giftpflanze schlechthin dargestellt. Teilweise grenzt das so an Verschwörungstheorien. Also es gibt anscheinend einen Autor, der sogar relativ einen starken Bekanntheitsgrad durch seine Anti-Sojabücher erreicht hat, und er sagte, diese ganzen positiven Wirkungen, die dem Soja zugewiesen werden, kommen alle von Monsanto. Okay, weil Monsanto eben als Weltmarktführer ein Interesse daran hat, Soja in einem positiven Licht darzustellen, und die ganzen Studien, die in irgendeiner Art und Weise eine positive Wirkung von Soja postulieren würden, die werden alle irgendwie finanziert und beeinflusst von Monsanto.

Stefanie Aber ich dachte, die ganzen genmanipulierten Monsantopflanzen, das ist doch alles nur für die Tiernahrung, und das ist ja sowieso hier nicht zugelassen. Und jetzt also, wenn ich mir das jetzt so anschaue im Geschäft, wenn man jetzt die Sojamilch kauft, dann steht da auch drauf „Aus EU-Soja“. Also das ist jetzt österreichischer Soja, kein amerikanischer Soja, also. Und sowieso, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, ist es ja nun mal auch so, dass irgendwie 98 % oder wie viel war es, was für die meisten, der meiste, der höchste Sojaanteil geht für die Tiernahrung drauf.

Carsten Genauso. Tierfutter.

Stefanie Für Tierfutter, und nur eben 2 % gehen für den Menschen.

Carsten Genau.

Stefanie Werden für Menschen verwertet, und das ist ja nicht der Monsantosoja.

Carsten Also ich, ich glaube dieses Monsanto Argument, das ist einfach nur so ein Totschlagargument gewesen um eben zu sagen okay, da gibt es eben einen Konzern, der Milliarden zur Verfügung hat und der eben für ein positives Image sorgt. Das ist natürlich schwer zu entkräften, weil wenn du dann irgendwo Studien findest, die eine positive Wirkung haben, dann zu sagen nee, die sind jetzt nicht von Monsanto beeinflusst, das würde mir jetzt unmöglich fallen, weil das würde ja bedeuten, ich müsste jetzt wirklich jede einzelne Studie so weit durchlesen, dass ich weiß, wo kommen die entsprechenden Studiendurchführer her, was haben die für einen finanziellen Hintergrund, was für, keine Ahnung, Interessen, wie oder was für Interessen werden die geleitet? Also das ist unglaublich schwierig mit so einer Art Verschwörungstheorie klar zu kommen und zu sagen nee, da kann ich mich von freisprechen. Also ich bin.

Stefanie Ich glaube das ist dann wieder das, wo Qualitätsjournalismus einsetzt. Also da, die wirklich auch die Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, dass sie geschult wie sie sind dann auf ihre Art recherchieren können. Also wir als Amateure hier (lacht), also wir haben ja, wursteln uns da so durch, wie wir es halt für möglich halten, wie es uns halt, wie wir denken, wie es richtig ist und ich denke, jemand der Journalismus studiert hat, der wird sich da irgendwie, wird da anders rangehen, und dann geht es natürlich wieder um die Bezahlung. So ja.

Carsten Was ich auch sehr interessant finde ist, dass die positiven, oder anders gesagt, es wird bei Soja sehr kontrovers diskutiert, dass Krankheitsbilder durch Soja entstehen. Das wird zum Beispiel von den Kritikern vorgeworfen, also Herz-Kreislauf-Erkrankungen, krebsauslösend etc. pp. Oder bzw. als Mineralstoffräuber, da eben bestimmte Stoffe im Soja drin sind, die dafür sorgen, dass bestimmte Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium etc. gehemmt werden, oder die Aufnahme gehemmt wird. Die Befürworter von Soja sagen genau das Gegenteil. Also Soja wirkt eben positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es wirkt, es minimiert das Krebsrisiko. Es ist ein optimaler Mineralstofflieferant. Ich kann das.

Stefanie Also das hört sich für mich irgendwie so an wie die Argumente bei der Milch. Also so bei der Milch ist es ja auch so: Die Befürworter von Kuhmilch sagen, dass es der Kalziumlieferant schlechthin ist, und was wir gelesen haben, wenn es Milch, Kuhmilch kritisch gesehen wird, was das Gesundheitliche angeht, ethisch lassen wir jetzt mal hier außen vor, ja, dann ist es ja so, dass Kuhmilch dem Körper mehr Kalzium entzieht als es ihm gibt. Und so ähnlich hört sich das für mich jetzt beim Tofu auch an.

Carsten Ja, ja, es sind.

Stefanie Beim Tofu sage ich jetzt schon (lacht).

Carsten Ja Soja. Aber Tofu ist ja auch nur eine andere Weiterverarbeitungsstufe.

Stefanie Du weißt schon. Beim Soja.

Carsten Genau. Ja, also es sind halt eben bestimmte Stoffe drin, die dafür sorgen, dass diese Mineralstoffaufnahme im Körper halt anscheinend verändert oder verschlechtert wird, wie Phytate oder Oxalate. Das sind Stoffe, die finde ich aber auch in anderen Gemüsesorten, also bzw. das ist etwas, was ich generell im Gemüse vorfinde, in dem einen Gemüse mehr, in einem anderen weniger. Das ist jetzt nichts, was ausschließlich Soja eigen ist. Deswegen muss ich Soja jetzt nicht verteufeln.

Stefanie Also worauf sollte ich dann am besten achten? Sollte ich Soja dann mit irgendwas kombinieren?

Carsten Es gibt ja Soja in verschiedenen Verarbeitungsstufen oder Formen. Also ich kann ja, ich esse nicht die Sojabohne, sondern das, was du gerade schon gesagt hat, Tofu ist ja so eine Möglichkeit. Ich kann aber auch fermentierte Sojaprodukte nehmen wie Miso oder Tempeh, die von der Bekömmlichkeit her nochmal ein bisschen besser sind. Insgesamt würde ich sagen, ist es immer eine Frage der Menge. Ich ernähre mich ja nicht ausschließlich von Soja, sondern ich nehme ja auch noch weitere Stoffe hinzu. Das heißt, wenn ich jetzt bei jeder Mahlzeit horrende Mengen an Sojaprodukten mit reinnehmen würde, dann würde ich persönlich schon denken okay, das ist kritisch, weil dann habe ich natürlich die entsprechenden Phytate oder Oxalate mit dabei, die eben genau diese Mineralstoffzufuhr verschlechtern. Da muss ich mir vielleicht nochmal Gedanken machen, dass ich mehr Lebensmittel hinzunehme, wo ich dann eben diese Mineralstoffe in größeren Mengen nochmal mit rein bekomme, dass ich eine separate Kalziumquelle habe oder eine separate Eisenquelle habe. Ich kann aber auch, und das ist ja auch der Trick beim Eisen, dafür sorgen, dass ich, wenn ich schon so was zu mir nehme, ich gleichzeitig Vitamin C in der Nahrung habe, weil zum Beispiel beim Eisen ist es ja so, dass die Eisenaufnahme durch zusätzliches Vitamin C deutlich besser ausfällt, als wenn ich nur das reine pflanzliche Eisen versuche, was heißt nicht versuche, esse, und der Körper es versucht dann halt aufzunehmen. Das sind so Tricks, die man mit einbringen könnte. Aber ansonsten, wenn ich einfach nur schaue, wie viel Soja generell so in der Nahrung enthalten ist und wenn ich mich ausgewogen ernähre und abwechslungsreich ernähre, ist es völlig unkritisch. Dann kann ich auch mal eine Mahlzeit oder so was mir erlauben, da wo ich dann ich sag jetzt mal so, so einen Mineralstoffhemmer mit rein nehme. Das sind ja jetzt nicht horrende Mengen, die ich dann rein nehme, dass, wenn ich eine Soja Portion esse, dass ich dann eine Woche lang kein Kalzium oder kein Eisen mehr aufnehme, sondern das ist ja immer nur auf diese eine Mahlzeit begrenzt.

Stefanie Hast du denn das Gefühl, dass die Sojakritiker diejenigen sind, die auch die Vegankritiker sind?

Carsten Das habe ich jetzt nicht immer wahrgenommen. Es gibt einige Internetseiten, die genau diese Argumente hinzuziehen. Die gehen dann aber nicht ausschließlich nur auf das Soja, sondern die beziehen sich jetzt zum Beispiel auf diese Oxalate oder Oxalsäure oder eben auf die Phytoöstrogene, die ja eben beim Soja auch kritisch sind, weil denen ja auch ein Einfluss auf den Hormonhaushalt zugesprochen wird. Das sagen die Befürworter, die sagen, das ist eher positiv, und die Kritiker sagen nee, das ist genau das Gegenteil, also es ist halt Teufelsaat. Ja, aber es ist nicht die Mehrheit der Internetseiten, die sich mit Soja beschäftigt, die gleichzeitig vegankritisch sind.

Stefanie Ja, es könnte ja sein, weil das Soja halt da durch Tofu ein großer Bestandteil in der veganen Ernährung ist. Und, also Soja ist ja eigentlich eine Bohne.

Carsten Ja genau.

Stefanie Und warum ist denn Soja dann als Bohne so viel schlimmer als andere Bohnen? Also irgendwie schwarze Bohnen oder Kidneybohnen oder weiße Bohnen?

Carsten Also ich glaube, ich habe jetzt die Inhaltsstoffe der anderen Bohnen nicht durchgelesen, aber beim Soja wird eben genannt, das sind so Inhaltsstoffe, die häufig als Kontraargumente hinzugefügt werden. Das sind diese Phytate, die ich schon genannt habe, Lektine, Isoflavone Oxalate, dann Proteaseinhibitoren, Goitrogene, Saponine, Hämagglutinine. Das sind alles so Inhaltsstoffe, die mir teilweise bevor ich angefangen habe zu recherchieren, nichts sagten.

Stefanie (lacht) Mir sagen sie immer noch nichts. Keine Ahnung. Ich sage ja, ich interessiere mich da nicht so für das. Deswegen habe ich ja dich.

Carsten Das ist so, das ist so, das liest sich wie so eine Liste an Inhaltsstoffen aus der Giftküche.

Stefanie Genau. Ja, okay, das ist alles in dieser kleinen Sojabohne drin.

Carsten Ja, das ist da alles drinne. Teilweise aber auch muss man sagen, in Mengen, die einfach nicht wirklich relevant sind. Jetzt kommen natürlich die Kritiker hin und sagen: Ja, aber es gibt Studien, die haben nachgewiesen, dass der und der und der Inhaltsstoff genau die und die und die negative Wirkung hat. Wenn man dann mal so ein bisschen genauer hinschaut und auch vielleicht die Befürworterseiten findet oder auch so Internetseiten, die genau diese kritischen Stimmen beleuchten und versuchen auseinanderzupflücken, dann fällt auf, dass die Kritiker sich häufig auf veraltete Studien beziehen, Durchaus auf Studien, die eben in Laboren auf Petrischalenbasis durchgeführt wurden, wo sowieso sehr fraglich ist, kann ich diese Studienergebnisse überhaupt übertragen? Teilweise wurden hochisolierte Bestandteile in den Studien untersucht. Also klar, wenn ich mir irgendeinen Stoff aus irgendeiner Pflanze rausziehe und den in einer extrem hohen Dosierung dann im Labor untersuche, dann muss ich mich auch nicht wundern, dass da bestimmte Effekte auftreten, die vielleicht nicht unbedingt immer positiv sind.

Stefanie Ja.

Carsten Und genauso ist es anscheinend bei ganz vielen Studien, die eben einen kritischen Aspekt bei Soja aufgeworfen haben. Und dementsprechend ist es einfach die Menge, die da häufig eben als Kriterium herangezogen wird. Aber diese kritischen Seiten, die verwischen das teilweise, also die gehen da gar nicht drauf ein. Für die ist einfach nur wichtig: Okay, da gibt es halt Studien, die und die und die Studien werden dann teilweise zitiert und dann ist klar okay, Soja ist schlecht, ist böse halt.

Stefanie Okay, also würdest du denn sagen, also es gibt ja viele, die sagen zu viel von etwas ist nicht gut. Also das ist, dass man das generell auch als Maßstab nehmen kann, so ein Satz so also, dass man ein bisschen achtet, jetzt nicht zu viel Soja zu sich zu nehmen? Also wenn man jetzt schon Sojamilch und Tofu und weiß ich nicht, die verschiedensten Bestandteile in seinen Alltag integriert, dass man dann vielleicht eine andere Milchsorte nimmt oder so was?

Carsten Ja, das ist schwierig zu sagen, weil es hängt auch immer davon ab, wie der einzelne Körper darauf reagiert. Also diese Labor, genau, das ist sehr, sehr individuell. Also nur, weil jetzt in dieser Petrischale ein bestimmter Effekt nachgewiesen wird, heißt das ja noch nicht, dass wenn dieser Effekt tatsächlich bei einem Menschen auftritt, dass er bei jedem Menschen gleich auftritt, oder überhaupt oder mit was für einer Konsequenz. Also ich denke, da gehört auch so ein bisschen Feingefühl hinzu, dass man feststellt oder für sich dann auch Gespür dafür bekommt, wie gut tut einem ein Nahrungsmittel. Also nicht alles, was prinzipiell gesund ist, muss ja nicht zwangsläufig auch für einen selber eine gute Wirkung entfalten. Und sei es einfach nur so Themen wie Verdauungsbeschwerden, Blähungen oder Völlegefühl oder irgendwie so was. Das muss ja nicht unbedingt immer heißen, oder anders gesagt, das kann mir auch bei gesunden Lebensmitteln passieren. Also deswegen würde ich da jetzt keine allgemeine Empfehlung aussprechen, dass man bestimmte Sojaprodukte gar nicht nimmt, sondern das ist wirklich einfach nur die Frage: Wie häufig nehme ich sie, und in was für Mengen? Also wenn ich jetzt natürlich jeden Tag drei Liter Sojamilch trinken würde hm, würde ich persönlich jetzt schon sagen ja, ist schon so ein bisschen viel. Wenn ich aber sage oder keine Ahnung, ich mach mein Müsli morgens mit Sojamilch, da kommt was weiß ich 0,2 Liter oder 0,3 Liter Sojamilch mit rein. Und ansonsten esse ich vielleicht nur ein paar Mal die Woche ein bisschen Tofu, würde ich das als völlig unkritisch erachten.

Stefanie Also das heißt doch, die Menge macht's sozusagen, also, dass man da schon darauf achten sollte, so ein bisschen. Also dass es nicht unbedenklich ist, in rauen Mengen Soja zu sich zu nehmen.

Carsten Nein, wie halt bei vielen anderen Sachen auch.

Stefanie Also das ist schon etwas, was man dann sich überlegen sollte.

Carsten Genau. Also ja, im Grunde genommen eben darauf achten, abwechslungsreich und möglichst vielfältig zu essen.

Stefanie Und gibt es denn sonst noch Punkte, die man beachten sollte oder.

Carsten Also von denen die ich so gefunden habe, war es wirklich, dass, die allergische Wirkung und eben die Thematik mit der Schilddrüse, die wurde hervorgeschoben. Ansonsten, was ich durchaus gelesen habe, der Einfluss der Phytohormone, die im Soja enthalten sind, die haben gerade bei Frauen in den Wechseljahren durchaus einen positiven Effekt. Okay, das ist vielleicht etwas, was noch mal interessant ist, weil die Wirkung von diesen Phytoöstrogenen ist ähnlich wie beim Östrogen. Und deswegen heißt der Name auch Phytoöstrogen, also pflanzliches Östrogen. Die Wirkung ist aber schwächer als die von dem Östrogen, was der eigene Körper herstellt, hat aber den positiven Effekt, dass diese Phytoöstrogene viel schneller an den Körperrezeptoren andocken als das körpereigene Östrogen. Also die schnappen sich quasi die Rezeptoren. Und Frauen, die in den Wechseljahren eben über, ich sag jetzt mal, von diesen hormonellen Einflüssen da negative Effekte spüren, die können durchaus mehr Soja zu sich nehmen und dadurch eben eine höhere Phytöstrogenquote zu sich nehmen. Und der Mechanismus im Körper bleibt gleich, das heißt, da werden Hormone irgendwo verarbeitet, sag ich jetzt mal ganz laienhaft. Aber es werden halt nicht mehr diese sehr stark wirkenden körpereigenen Östrogene verarbeitet, sondern die eher schwächer wirkenden Phytoöstrogene. Und dadurch kommen halt diese Wechseljahrebeschwerden nicht mehr ganz so in den Vordergrund. Das ist vielleicht noch so eine Kleinigkeit für Frauen. Ansonsten habe ich eigentlich keine direkten Empfehlungen, aber ich kann da vielleicht noch mal so ein bisschen auf diese positiven Effekte eingehen. Einfach nur mal um zu benennen, was Soja eigentlich so alles positiv leisten kann. Generell leistet es einen guten Beitrag zur Krebsvorsorge oder Vorbeugung. Diverse Krebsorten wurden untersucht und es wurde festgestellt, dass ein gemäßigter oder regelmäßiger Sojaverzehr einen positiven Einfluss auf Prostata, auf Brustkrebs, auf Darmkrebs etc. hat. Ich kann damit das Risiko minimieren, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Soja selber hat eine Schutzfunktion für Herz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es wirkt sich positiv aus auf die Knochengesundheit, auch die Nierenfunktion, also im Vergleich zu tierischem Protein wurde es gesehen. Soja hat eben einen Schutzfaktor auf die Nierenfunktion. Die Niere wird bei tierischen Proteinen deutlich stärker belastet, als wenn ich jetzt Sojaprotein zu mir nehme. Soja wirkt Cholesterin absenkend, verdauungsfördernd und auch blutfettsenkend, und ja, Linderung der Wechseljahresbeschwerden, das, was ich gerade schon angedeutet habe. Das sind so Sachen, die ich einfach gelesen habe, mehrfach und in bestimmten Studien. Und ich denke, das ist auch tatsächlich das, was am Ende übrigbleibt, dass diese positiven Wirkungen von Soja tatsächlich existieren. Aber wie gesagt, es ist kein Wundermittel. Das heißt jetzt nicht das, dass du jetzt, wenn du Soja isst, keinen Krebs mehr bekommst oder vom Diabetes Typ 2 geheilt wirst oder irgendwie sowas, also das jetzt nicht.

Stefanie Es ist keine Garantie.

Carsten Nein. Was auch immer wieder erwähnt wird, dass die Studienlage zu Soja noch nicht vollständig ist. Also es gibt Tonnen an Studien, aber es ist trotzdem noch so, dass ganz, ganz, ganz viele Effekte einfach noch nicht so zur Genüge erkundet oder erforscht sind, dass man jetzt mit hundertprozentiger Sicherheit den kompletten Wirkstoffbereich von Soja irgendwie umgrenzen kann. Also da muss auch in Zukunft noch viel, viel geforscht werden. Aber die Tendenz in den letzten Jahren ist eindeutig immer in die positive Richtung. Also alles das, was neuere Studien, unabhängige Studien feststellen, geht ganz klar in die Richtung, dass Soja einen positiven Effekt auf den menschlichen Körper hat. Und das wird sich wahrscheinlich auch nicht umkippen, wenn jetzt weiter geforscht wird. Okay. Ja.

Stefanie Ja.

Carsten Also deswegen meine persönliche Empfehlung ist gerne.

Stefanie Ja, also auf die Frage jetzt: Ist Soja gesund oder ungesund, kannst du da eine eindeutige Antwort angeben?

Carsten Tendenz eher gesund.

Stefanie Aber eindeutig kann es halt nicht sein, weil so viel Durcheinander auch ist.

Carsten Ich, von dem was ich gelesen habe, würde ich sagen es ist es durchaus gesund. Es ist.

Stefanie Okay.

Carsten Ähnlich gesund wie jedes andere Obst, Gemüse oder pflanzliches Lebensmittel. Was vielleicht eher kritisch ist, aber es gibt ja was ich gerade schon sagte, zum Beispiel Nüsse oder so was, oder andere pflanzliche Nahrungsmittel, die eben auch allergisch wirken. Ja, ähnlich würde ich das bei Soja auch sagen. Es gibt halt bestimmte Seiteneffekte, die muss man dann berücksichtigen und auch kennen, aber ansonsten ist es gesund.

Stefanie Ja, dann eben darauf achten, nicht die riesigen Mengen an Soja täglich zu verzehren.

Carsten Oder ausschließlich nur Soja.

Stefanie Also die Soja Diät (lachen). Also jetzt. Hm gut, also unser neues Wundermittel, Carsten hat auch da schnell noch was dazu entwickelt, könnt ihr günstig für … jetzt noch kaufen, kaufen, kaufen, kaufen. Dazu noch eine Folge zum Konsum. Ja okay. Also das heißt im Grunde, also klar, das war jetzt nur die Kurzfassung von dem, was du in den letzten Monaten ausgearbeitet hast. Also wenn du, liebe Hörerin, lieber Hörer noch Fragen hast, dann schreibt gerne einen Kommentar. Carsten antwortet dann darauf auch ausführlich.

Carsten Ja. Was ich, was ich jetzt nicht leisten konnte, ist wirklich jede einzelne kritische Seite mit jedem einzelnen Argument noch mal zu hinterfragen und dann irgendwie was dagegen zu legen oder so was. Also da habe ich mich dann teilweise auf, wie nenne ich sie jetzt Metaseiten oder irgendwelche anderen Seiten zurückbesonnen und gedacht okay, die haben das schon mal für mich durchdacht. Das ist natürlich ein bisschen schwierig, wenn.

Stefanie Ja.

Carsten So, was bleibt. Also ich persönlich kann eine Unbedenklichkeitsempfehlung aussprechen.

Stefanie Genau. Also wir können hier keine ärztliche Beratung machen. Das heißt, wenn du noch nicht sicher bist, dann geh zur, nochmal, als geh besser doch nicht zum Arzt, der sagt wahrscheinlich ist alles schlimm.

Carsten Bloß nicht vegan.

Stefanie Bloß nicht vegan. Gehe zu einer Ernährungsberaterin, einer veganen deiner Wahl. Oder einem Ernährungsberater.

Carsten Genau. Und dann das Ernährungsprogramm. Also die Art und Weise, wie du dich jetzt gerade ernährst. Mit was für Mengen von Soja oder anderen Nahrungsmitteln.

Stefanie Wie das halt auch zusammenspielt.

Carsten Genau.

Stefanie Wie dein Körper aufgebaut ist, ist es ja eigentlich vielleicht auch so wie bei der B12 Aufnahme in den Körper, je nachdem. Wenn du jetzt im Zahnfleisch Probleme hast oder wenn du Darmprobleme hast oder was auch immer, ich meine, es kann ja auch irgendwas im Körper vorliegen, was wir gar nicht wissen. Wir können ja nicht in uns reingucken, außer wir legen jetzt Hand an uns. Dann ist es ja wirklich so, dass man das nicht mitkriegt. Und da sind wir halt alle individuell.

Carsten Dann funktioniert das beste Schulwissen auch nicht bei uns. Also wenn, dann kann dreitausenmal drinstehen, dass die Nährstoffe super sind, und der Körper kann sie vielleicht in dem Moment gar nicht aufnehmen oder verarbeiten.

Stefanie Genau. Also die Tendenz ist, Soja ist gesund, aber es ist eben für jeden individuell und es ist ein Allergen. Deswegen aufpassen, wenn du, das kann allergische Reaktionen auslösen.

Carsten Genau. Ja genau richtig.

Stefanie Also das war jetzt die Zusammenfassung (lacht).

Carsten Das war jetzt die Zusammenfassung. Für mich ist es schon ziemlich kurz, wenn ich weiß, wie viele Stunden ich denn, ich hab's ja jetzt nicht aufgeschrieben oder mit getrackt, aber ich habe schon ziemlich viel Recherche betrieben.

Stefanie Du hast auch ganz viel Material gesammelt. Genau. Wir verlinken auch einiges dann noch in den Shownotes. Wenn du da noch weiterlesen, hören, gucken willst, dann bist du da gut aufgehoben.

Carsten Richtig. Okay, dann bin ich heute wieder dran.

Stefanie Du bist dran.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 47 - Konsum und Werbung

Ein Beitrag

Folge 47 - Konsum und Werbung

In der zweiten Sonderfolge zum Thema Konsum

  • sprechen wir über unser Verhältnis zu Werbung und wie es sich in den letzten Jahren gewandelt hat,
  • geht es um den Einfluss, den Werbung auf unseren Konsum hat,
  • sinnieren wir darüber, wie insbesondere die Fernseh- und Kinowerbung manches Leben prägt.

Werbung begleitet uns im Alltag, ob wir es wollen oder nicht.

Wir können uns einem Teil der Werbung entziehen, indem wir nicht fernsehen und kein Radio mehr hören. Und doch ist unsere Umwelt zuplakatiert mit Werbebotschaften, die uns mal mehr und mal weniger stark ins Auge fallen.

"Etwas mit Medien" ist ein oft geäußerter Berufswunsch, der sicher auch aufgrund seiner scheinbaren Gestaltungsfreiheit so attraktiv ist.

"Etwas mit Medien" bedeutet aber nicht nur Spaß und bunte Bilder, sondern auch Verantwortung- etwas, das wir nicht automatisch mit diesem Berufsfeld verbinden.

Denn wenn ich Werbung gestalte, trage ich auch einen Teil der Verantwortung für die Wirkung dieser Werbung.

Durch meine Fähigkeiten wird der Konsumstrom gelenkt - werden Ressourcen verbraucht - bin ich Teil des Systems "Wirtschaftswachstum", das im Umkehrschluss unseren Planeten zerstört.

Daher wünsche ich mir, dass wir, die wir "etwas mit Medien" machen, öfter einmal darüber nachdenken, WAS wir da eigentlich machen - machst Du mit?

Links zur Folge

Unsere Podcastfolge zu "Die Grenzen des Wachstums"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-39-die-grenzen-des-wachstums

Club of Rome - Die Grenzen des Wachtums
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums

Harald Welzers Buch "Selbst denken"
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Unsere Podcastfolge zu "Greenwash Inc."
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-22-greenwash-inc-von-karl-wolfgang-flender

Meine Forschung zur Milchwerbung
http://du-veraenderst-die-welt.de/forschung

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Carsten Und jetzt die Werbung. Ja, das ist unser heutiges Thema, denn heute sprechen wir über die Werbung im Allgemeinen. Du lachst schon.

Stefanie Das hast du ganz schön gemacht.

Carsten Habe ich ganz schön gemacht.

Stefanie Ja, richtig herzig.

Carsten Ja, wir waren unlängst im Kino.

Stefanie Wir müssen jetzt erst mal sagen: Herzlich willkommen zur zweiten Sondersendung.

Carsten Zum Thema Konsum. Ja, hätte ich erwähnen können. Also es geht um den Konsum.

Stefanie Genau. Aber das war quasi gerade der Vorspann, die Vorwerbung vor dem Hauptfilm. Und jetzt kommt der Hauptfilm.

Carsten Genau. Wir waren im Kino. Nachmittagsvorstellung, mit unserem Kind in der Kindervorstellung. Und ich musste mit Erstaunen, also mit Erstaunen auch über mich selbst feststellen, dass die Werbung vor dem Kinofilm für mich befremdlich, und ich weiß gar nicht, wie, wie soll ich das Gefühl ausdrücken? Ich fand sie.

Stefanie Es war halt extrem lang und extrem viel Werbung. Und ja.

Carsten Ich habe mich unwohl gefühlt, sagen wir mal so, ich hatte irgendwie.

Stefanie Es war auch unpassend für Kinder, die Werbung, also fand ich jetzt.

Carsten Es war für mich eine ganz massive emotionale Anti, ja was heißt Reaktion, also ich habe schon so eine Abneigung gegen diese Werbung, das habe ich in der Vergangenheit nie so wahrgenommen. Ich meine, es war ja nicht das erste Mal, dass wir im Kino waren.

Stefanie Ach ja, müssen wir uns jetzt outen (lachen). Ja, wir waren noch nie.

Carsten Da an dem Tag oder in dieser Situation ist mir das wirklich bewusst geworden. Und da habe ich dann auch nochmal angefangen, über das Thema Werbung im Allgemeinen nachzudenken, wie uns das eigentlich, oder uns alle beeinflusst, so von unserem Kaufverhalten, von unseren Wünschen, vielleicht auch von den Zielsetzungen, die wir im Leben ja irgendwie erreichen wollen. Ich weiß es nicht. Also es ist schon sehr, sehr durchdringend. Und ja, ich habe eigentlich, als ich da im Kino saß, so diesen Reflex gehabt, dass ich unseren Sohn vor dieser Werbung irgendwie bewahren wollte.

Stefanie Du wolltest ihm die Augen zuhalten oder? (lacht)

Carsten Ja, weil ich also nee, nicht zuhalten. Aber ich fand es irgendwie schon sehr, sehr befremdlich oder so was. Das war so, so ein so ein ja, so ein Abwehrreflex. Und nein, ich möchte ihn davor abhalten, weil im normalen Alltag erlebt er das auch nicht. Aber allein, dass ich diesen Reflex habe, das finde ich schon sehr bemerkenswert oder hat mich gewundert, weil vor zwei Jahren wäre das noch was völlig Anderes gewesen. Also ich glaube, da wäre mir das eigentlich egal gewesen, was für eine Werbung läuft, oder dass überhaupt Werbung läuft.

Stefanie Und was, also jetzt nicht in Zusammenhang mit unserem Sohn, also ich meine, vor zwei Jahren wären wir auch mit ihm noch nicht ins Kino gegangen, aber in Zusammenhang mit ihm wäre mir das, war mir das noch nie egal, was, ob er jetzt Fernsehen sieht oder nicht.

Carsten Also ich glaube schon, dass bei mir durch den Schritt in das vegane Leben noch mal eine kritische, oder das kritischere Hinterfragen begonnen hat. Vorher habe ich viele Sachen einfach so „okay, das ist halt so“, habe ich irgendwie akzeptieren oder wegdrücken können oder.

Stefanie Ja, du bist ja auch vom Fernseher großgezogen worden, muss man ja so sagen.

Carsten Ja, richtig.

Stefanie Also von daher, das war vielleicht auch was Anderes als bei mir.

Carsten Ja, wurde immer die Milchwerbung gezeigt.

Stefanie Genau (lachen). Also von daher. Ja, und du kannst ja heute noch jedes Werbejingle singen. Mach mal!

Carsten Nee, kann ich nicht mehr.

Stefanie Komm, mach mal. Los! (lacht)

Carsten Spontan fällt mir gar nichts ein.

Stefanie Nein, aber, also ich verstehe ja, was du meinst. Also wir, aber ich habe gerade gedacht, wieso vor zwei Jahren? Das ist jetzt im Zusammenhang mit vegan.

Carsten Mit unserem veganen Weg, wo wir angefangen haben.

Stefanie Ich wollte nämlich gerade sagen, Fernsehen haben wir ja schon länger nicht mehr.

Carsten Ja, ich habe mal überlegt, wann haben wir das letzte Mal ein Fernsehgerät gehabt? Das ist doch mit Sicherheit schon fünf oder sechs Jahre her.

Stefanie Also ein Fernsehgerät, wir haben ja dann nachher das gegen einen Monitor ersetzt, einfach.

Carsten Genau. Einfach stumpf einen PC Monitor hingestellt, so einen damals relativ schnieken 24-Zoll-Monitor. Wenn ich mir heute so Wohnzimmer angucke.

Stefanie Ja, hier dagegen ist unser (lacht).

Carsten Gefühlte 3-Meter-Durchmesser-Fernseher.

Stefanie Wir wissen nicht, wir sind, wir müssen jetzt mal zugeben, wir sind einfach nicht so hip, ne? Also tut uns echt leid.

Carsten Wir müssen uns outen. Also auch diesen Monitor gibt es mittlerweile nicht mehr. Wir haben kein.

Stefanie Ja.

Carsten Fernsehgeeignetes.

Stefanie Nein, wir haben.

Carsten Gerät mehr.

Stefanie Also ich weiß noch, als unser Sohn geboren wurde, da hatten wir einen zu Hause, in dem wir eigentlich gar kein Fernsehen beantragt hatten und da lief es noch irgendwie, obwohl wir nichts beantragt hatten.

Carsten Ja das war Kabel Deutschland, die hatten noch Kabelanschluss gelegt. Die haben uns ja zweimal geschrieben, dass.

Stefanie Dass es abgeschaltet wird.

Carsten Dass es abgeschaltet wird.

Stefanie Und es wurde nicht abgeschaltet. Da lief noch was, und dann, ich glaube ein halbes Jahr später wurde es dann abgeschaltet, und dann haben wir halt auch nichts beantragt.

Carsten Nee, wir haben es auch, ich sag jetzt mal, wenn, dann nur passiv genutzt. Also in der Hinsicht, dass wir.

Stefanie Du meinst, dass das Kind halt damit großgezogen wurde (lacht).

Carsten Ja, irgendwie muss es ja still gehalten werden.

Stefanie Muss der Säugling, den haben wir dann vor das Fernsehgerät gelegt, und haben wir ihn mit Teletubbies beschallen lassen.

Carsten Oh ja, das hätten wir machen können.

Stefanie (singt) Teletubbies (lachen).

Stefanie Ich habe zu viel Gilmore Girls geguckt, deswegen habe ich das noch intus.

Carsten Na, da haben wir also, in der Phase haben wir aber tatsächlich nur Filme aufgenommen.

Stefanie Ja, ich hatte eine ganz starke Phase, in der, ich hatte mal einen DVD Rekorder, den habe ich mittlerweile auch schon verkauft, und da habe ich, ich habe auch meine DVD Sammlung schon verschenkt. Ich habe ganz, ganz, (lacht) ganz viele Filme aufgenommen, geschnitten, gebrannt, in eine hübsche Hülle gesteckt und alles, und diese, dieses komplette Paket mit den vielen, vielen, vielen Filmen habe ich einer Freundin geschenkt.

Carsten Waren das diese 400 Filme?

Stefanie Ich habe keine.

Carsten Irgendwie ist mir die Zahl 400 DVDs.

Stefanie Weiß ich nicht mehr, ob es 400 waren, aber es waren ganz, ganz viele, und es war ganz legal. Die habe ich ganz legal, habe ich die aufgenommen, geschnitten, gebrannt.

Carsten Das war so das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Stefanie Ja, ja, ja, ja.

Carsten Ja. Aber genau, das war aber schon die Phase des auslaufenden Fernsehkonsums.

Stefanie Ja, und dann haben wir halt, wir hatten halt auch irgendwie keine Zeit. Also so die Eltern unter unseren Zuhörern und Zuhörerinnen mögen das eventuell nachvollziehen können. Ich habe das Gefühl, dass jemand, der keine Kinder hat, das nicht nachvollziehen kann. Es ist einfach bei uns so gewesen, dass uns der Alltag mit Kind so in Anspruch genommen hat, dass wir abends, wenn die Möglichkeit gewesen wäre, jetzt den Fernseher anzuschalten, lieber entweder zum Buch gegriffen haben oder direkt eingeschlafen sind. Ja, und mittlerweile ist es halt jetzt schon so lange her. Also das ist jetzt wirklich. Ja, also es fehlt mir nicht und das stört mich auch nicht.

Carsten Für mich ist der Gedanke, Fernsehen zu gucken nicht existent. Also es ist für mich auch keine Option. Wir haben, also wir beide haben ja vor gar nicht so langer Zeit mal darüber nachgedacht, wie sieht denn unsere ultimative Wunschliste aus? Wenn wir mal wirklich richtig viel Geld hätten, was würden wir uns kaufen wollen? Und in dem Zusammenhang, das ist mir erst nachdem ich diese Liste nochmal überschaut habe, klar geworden, Fernsehen war für mich überhaupt gar keinen Gedanken wert. Also es wäre jetzt nicht so gewesen, dass ich gesagt hätte.

Stefanie Wir brauchen keinen Megafernseher.

Carsten Nein, selbst wenn ich jetzt irgendwie einen Lottogewinn hätte, wäre das letzte, was ich mir kaufen würde, ein Fernsehgerät.

Stefanie Oder ein Auto.

Carsten Oder ein Auto.

Stefanie Oder.

Carsten Die dürfen sich um den letzten Platz streiten.

Stefanie Oder. Oder (lachen).

Carsten Nein, aber der, der Gedanke ist mir gar nicht gekommen. Da stehen im Moment andere Dinge, nicht nur im Moment. Ich glaube nicht, dass Fernsehen für mich noch mal eine Relevanz bekommt. Wir werden damit konfrontiert werden, je älter unser Sohn wird, der sieht das dann ja bei anderen und wird auch diese Forderung irgendwann haben. Aber ich persönlich habe kein Bedürfnis danach, irgendwie Fernsehen zu sehen. So, und wenn wir jetzt so die letzten Jahre mal Revue passieren lassen, ist uns ja auch eine ganze Menge an Werbung erspart geblieben.

Stefanie Ja, aber was ich gerade gedacht habe, also was. die Gilmore Girls gibt es ja jetzt wieder. und ich habe da sogar den Start verpasst. Ich meine, ich habe die letzten 15 Jahre irgendwie damit zugebracht, Gilmore Girls zu gucken, immer und immer und immer wieder. Wobei jetzt im letzten Jahr, doch ich glaube, letztes Jahr habe ich noch mal was geguckt davon. Ich weiß nicht mehr genau. Ja, aber dieses Jahr nicht mehr. Und ich habe gemerkt, also ich habe dann auf Twitter gesehen, wie andere darüber getwittert haben: Gilmore Girls und so. Und dann habe ich überlegt: Naja, also auf Netflix zugreifen kann ich ja auch. Das ist sehr unproblematisch und ich könnte mir das jetzt auch anschauen, denn Zugriff hätte ich ja, wenn ich wollte. Aber komischerweise habe ich dann gedacht: Nee, aufgrund dessen, dass ich mich jetzt so stark mit Konsum beschäftige, ist das irgendwie gar nichts, womit ich jetzt meine Zeit verbringen will. Denn eigentlich geht es bei den Gilmore Girls auch wirklich nur ums Konsumieren (lacht). Also ich meine, das ist, es geht halt nur um so ja, die Alltagsrealitäten in dieser kleinen Welt, und es geht ganz, ganz viel um Konsum, und sei es nur Essen. Ja, also ich meine die beiden, die futtern ja.

Carsten Fast Food.

Stefanie Ohne Ende. Und jetzt mal ganz abgesehen von dem veganen Aspekt, also was den Konsum angeht, irgendwie im Moment überwiegt es, dass ich das jetzt gar nicht mehr anschauen möchte, also sonst, also hätte, hättest du mich vor einem halben Jahr gefragt oder vor einem Jahr. Ich, ich hätte das sofort sehen müssen, sozusagen. Aber jetzt wirklich aufgrund des Umgangs, und der Beschäftigung mit dem Thema Konsum, und was du eben gerade sagtest mit der Werbung. Ich hatte doch diesen Film gesehen. Ach so, genau, das war im Rahmen der Wandelwoche in Hamburg, wo ich diesen einen Film gesehen hatte. Wie hieß er jetzt noch gleich? Ähm, das war über Wandel, Wandel ist möglich, Wandel, Wandel.

Carsten Ich habe da die letzten Tage auch drüber nachgedacht.

Stefanie Wandel, Wandel, „Die Grenzen des Wachstums“. Genau, das hatte gar nichts mit Wandel zu tun (lacht). Die Grenzen des Wachstums, und die Grenzen des Wachstums kommt ja eigentlich hier von diesem „Club of Rome“-Bericht von 1972. Aber der Film, die Dokumentation gehörte ja auch irgendwie so, also hat den Titel mit aufgegriffen, und da wurde ja dieser eine, jetzt bin ich mir wieder nicht mehr sicher, war es der Franzose oder der Spanier, also einer von den beiden zitiert, oder er hat das da gesagt, dass er der Meinung ist, dass Werbung per se eben schlecht ist. Und dann, also noch da, ist ja noch nicht so lange her, habe ich, haben wir, wir haben ja darüber gesprochen in der Folge, ich verlinke die Folge auch noch mal, und noch da war, war es noch neu für mich und da habe ich gedacht: Ja stimmt, so habe ich da noch nie drüber nachgedacht. Und jetzt denke ich auch langsam: Ja, das stimmt. Ohne diese ganze Werbung, die ständig auf uns einprasselt, hätten wir manche Bedürfnisse überhaupt nicht. So wie dieses Beispiel bei Harald Welzer, in dem, jetzt wollte ich auch schon „weniger ist mehr“ sagen (lacht). Selbst denken. Ich bin. Aha. Ja, also selbst bei selbst bei selbst denken. Selbst ist der Mann. Ach, das war was Anderes.

Carsten Jetzt ist erst mal Harald Welzer dran.

Stefanie Okay, also. Selbst bei selbst denken ist dieses Beispiel drin mit den Kaffeemaschinen und den Kapseln.

Carsten Ja genau.

Stefanie Ja, und das haben wir ja in der Verwandtschaft auch, dass es da eine Person gibt, die ganz stolz gesagt hat: Oh, jetzt habe ich hier diese Zeitersparnis mit diesen Kapseln und so. Und dann hat ein anderer Bekannter gesagt: Ja, aber das ist schon mehr Müll. Und dann hat die mit den Kapseln gesagt: Ja, ich spare so viel auf anderen Seiten und in anderen Bereichen, das ist ja wohl nicht so schlimm, wenn ich hier jetzt so ein bisschen Müll produziere.

Carsten Genau, dann darf ich mir das jetzt quasi gönnen.

Stefanie Genau. Und das ist ja nun auch. Also ich weiß nicht, ob es jetzt ein Werbe, also durch die Werbung initiiert wurde, aber das ist so eine Rechtfertigung auch irgendwie, dass ich halt eine Ressource halt ausnutzen kann, weil ich auf der anderen Seite spare.

Carsten Ja. Ja, ich glaube schon, dass das Bedürfnis, ein solches Gerät zu besitzen, ganz klar von der Werbung gesteuert wird. Ich glaube, wenn sowas nicht beworben würde, würde sich das nicht durchsetzen. Das ist ein ähnliches Beispiel wie bei elektrischen Zahnbürsten. Braucht eigentlich auch kein Mensch, aber die Werbung verkauft es so, als wäre es das Nonplusultra. Als würde nur diese automatisierte Rotation der Zahnbürste für eine optimale Zahnreinigung sorgen.

Stefanie Ja, es wird ja aber auch eben von Zahnärzt:innen und professionellen Zahnreinigungsfachkräften und so beworben.

Carsten Völlig unabhängig. Die verdienen da auch nichts dran. Die machen das völlig selbstlos. Absolut neutral.

Stefanie Natürlich, es ist alles total ehrenamtlich.

Carsten Ethisch, ethisch korrekt und so genau. Also denen wollen wir jetzt nichts unterstellen. Ja, also was mir so immer auffällt, wenn ich über dieses Thema, gerade Fernsehwerbung, das ist ja das, wo wir uns massiv entzogen haben dadurch, dass wir eben keinen Fernseher mehr haben, denke ich, oder habe ich das Gefühl, dass ich schon deutlich freier geworden bin mit meinem Konsumverhalten, also nicht so beeinflusst. Es ist schwierig auszudrücken. Ich versuche das immer so bei meinen Arbeitskollegen irgendwie einzuschätzen. Da habe ich durchaus den Eindruck, dass die sehr stark Medienvorbelastet sind oder auch Werbungsvorbelastet sind. Also jetzt gerade in der Vorweihnachtszeit bekomme ich das mit, weil die sich alle naselang irgendwelche Geschenke schicken lassen. Die sind ja die totalen Interneteinkäufer, und es gibt, also jetzt kurz vor Weihnachten wird es ein bisschen weniger, weil die ihre Geschenke schon zusammen haben. Aber in den letzten drei Wochen, da ist kein Tag vergangen, wo nicht irgendwie ein Paket bei uns in der Abteilung gelandet ist, was privat war, die lassen sich das alles in die Firma schicken, teilweise auch wenn die Urlaub haben oder so was, dann werden trotzdem die Pakete dahin gestellt Und dann frage ich mich natürlich auch, was besorgen die sich da alles, wo kriegen die das alles her? Und wenn die dann ihre Sachen auspacken und die reden ja auch darüber „Hey, hast du das schon gesehen oder dieses, toll“, und dann kriege ich schon mit, ja das haben die irgendwo im Fernsehen gesehen. Irgendwo wurde es beworben und also, ich habe den Eindruck, es ist sehr stark durch Werbung getrieben, und das sind durchaus Sachen, wo ich sage, oder wo ich das Gefühl habe als Unbeteiligter, ich würde da nie im Leben auf dieses Produkt kommen. Ich, also ich wüsste gar nicht, wonach ich suchen müsste, wenn es mir nicht durch die Werbung aufgedrückt würde.

Stefanie Na ja, das ist ja aber auch irgendwo dieser Hype, jetzt immer das neueste Smartphone zu haben. Wobei ich auch noch mal darüber nachgedacht habe bei dem neuesten Smartphone. Ich habe ja mal bei O2 im Verkauf gearbeitet vor zehn Jahren (lacht). Es ist schon länger her. Ja, und sogar vor über zehn Jahren mittlerweile, Mann bin ich alt. Also die Falten, die kommen (lacht). Ja, das sind Lachfalten. So. Hihi. Gut, genug. Jedenfalls habe ich gedacht, es ist ja so, dass die Vertragsgestaltung so ist, dass alle zwei Jahre man Anspruch auf ein neues Handy hat, was ja dann irgendwie auch suggeriert: Egal ob jetzt dein Handy noch gut ist oder nicht, nimm dir jetzt ein neues Handy, du hast Anspruch darauf.

Carsten Ja, du hast es ja bezahlt.

Stefanie Ja, du könntest, ich überleg gerade. Also klar, wenn du halt nichts machst, dann verlängert sich der Vertrag ja automatisch und das, du kannst dann jederzeit dir quasi das neue Handy holen und dann nochmal um zwei Jahre verlängern. Aber im Grunde ist es ja tatsächlich so, dass du irgendwie immer, es wird halt versucht, dir nochmal ein neues Handy aufzudrücken, und das ist ja auch wieder Konsum, klar. Und dann auch immer das Neueste und das Tollste und das Beste. Und also wir beide mit unseren damals schicken Handys sind ja jetzt auch schon lange out. Also von daher (lacht).

Carsten Wie, schick? Geht die irgendwann weg?

Stefanie Ja doch. Also seit dein Handydisplay einen Sprung hat, würde ich sagen es ist nicht mehr schick.

Carsten Ich warte noch drei Jahre, dann ist Retrolook wieder in, und dann reißen sich die Leute um mein iPhone 3GS.

Stefanie Dann heißt das Used was auch immer, genau Look. So. Ja, also jedenfalls ist das, was aber dann ja auch wieder das Problem ist, wenn wir jetzt beim Thema Smartphone bleiben, dass ja du mit deinem älteren Modell dann auch das Problem hast, dass du nicht mehr alle Apps bekommen kannst und dann auch wieder eingeschränkt wirst automatisch, dass du also quasi von den Drittanbietern auch noch gezwungen wirst, was Neues zu kaufen, wenn du weiterhin diesen Komfort nutzen möchtest.

Carsten Aber Moment, da glaube ich, das empfinde ich nicht so.

Stefanie Nicht?

Carsten Nein, ich wäre

Stefanie Ist das nur von Außen betrachtet so? (lacht)

Carsten Ich glaube, ich bin, auch wenn ich in der IT arbeite jetzt nicht unbedingt so der Nerd und Techie, der jetzt den neuesten Firlefanz benötigt. Ich glaube auch das ist ein Thema, was sehr stark durch Werbung gesteuert ist. Wenn ich natürlich immer gucke, was jetzt als neueste Applikation, als neueste App, als neuester Hype verkauft wird, ja klar, dann habe ich natürlich auch irgendwo das Bedürfnis, mir genau diese App zu besorgen. Ich persönlich habe dieses Empfinden nicht. Ich vermisse auf meinem Handy überhaupt nichts. Also ich habe alle Funktionen, alle Apps, die ich draufhabe und ich habe ein paar Apps, das ist nicht so, dass ich mit den Standardfunktionen irgendwie unterwegs bin, sondern ich habe ein paar auch sehr spezielle Apps, habe ich gefunden. Die finde ich auch heute noch. Aber ich bin jetzt wirklich nicht derjenige, der jetzt, ich sage jetzt mal zweimal, dreimal viermal im Monat sich neue Apps drauf zieht. Das ist vielleicht ein, zweimal im Jahr, und ich komme jetzt technisch gesehen schon in den Bereich, wo ich sehe, wenn ich tatsächlich mal was Neues suche, brauche ich im Moment länger, um was zu finden, was eben noch mit diesem alten iPhone 3GS funktioniert. Also das System selber ist ja schon wirklich Asbach uralt, wenn man jetzt so die IT Zeitsprünge oder Zeitfenster mal anschaut, aber ich finde trotzdem noch was. Das ist nicht der neueste Schrei…

Stefanie Übrigens, Asbach uralt.

Carsten Was ist mit Asbach uralt? Du guckst mich jetzt an, ich weiß jetzt nicht…

Stefanie Nein, nein. Aber weil du, Asbach uralt ist doch…

Carsten Ach ja, stimmt. Die wirken, ja richtig.

Stefanie Da hat dich die Werbung eingeholt. Ja, jetzt hing es aber gerade.

Carsten Ich habe nie behauptet, dass ich nicht Werbegeschädigt wäre (lachen).

Stefanie Ich wollte das nur mal so kurz…

Carsten Und das ist ein gutes Beispiel. Ja, guck mal ganz subtil. Ist mir noch nicht mal aufgefallen.

Stefanie Mir schon. Du hast es noch nicht, du hast es dann noch nicht mal gemerkt, als ich es angesprochen habe, so tief sitzt es. Ich sage ja, du bist als Kind mit Asbach uralt Pralinen…

Carsten Nein, wir haben immer Napoleon aus dem Aldi bekommen.

Stefanie Ach so, ja, ja, ja, (lachen) okay.

Stefanie Ja, aber so müssen die ja auch, die müssen ja dann auch so ähnlich heißen, diese Pralinen, damit die erkennen, das ist sowieso so ein, naja gut, okay, ich habe dich unterbrochen.

Carsten Ich will noch mal kurz zurück auf diese Handythematik. Also wie gesagt, ich habe eben nicht den Eindruck, dass ich da irgendwie eingeschränkt bin. Weil die Funktionen, die ich benötige, die habe ich. Ich kann kein Pokemon Go spielen, aber ich habe auch kein Bedürfnis danach.

Stefanie Pokemon Go kannst du, also, tut mir leid. Wir müssen das jetzt hier beenden.

Carsten Okay.

Stefanie Tschüss (lacht).

Carsten So, jetzt haben wir eine Runde Pokemon Go gespielt, nachdem wir uns komplett neue Handys besorgt haben (lachen).

Stefanie Wir waren mal eben shoppen. Shoppen. Hier in Hamburg hat ja auch alles ein bisschen länger auf. Da können wir uns dann noch schnell ein Handy besorgen, abends.

Carsten Also ich glaube, beim Hauptbahnhof kannst du rund um die Uhr, ich weiß nicht, ob du da Handys bekommst, aber.

Stefanie Unter der Brücke.

Carsten Unter der Brücke.

Stefanie: Du weißt schon, du weißt schon. Okay. Also genug jetzt. Werbung.

Carsten Letztendlich muss ich sagen, ich fühle mich deutlich freier dadurch, dass ich eben keine Fernsehwerbung mehr konsumieren muss. Mir fällt es auf, dass, wenn ich woanders Werbung wahrnehme, das sind bei mir bedingt durch den Arbeitsweg meistens Plakate an den Bushaltestellen oder an den S-Bahn Bahnhöfen. Da gucke ich schon sehr kritisch hin. Also ich nehme das heute anders und auch bewusster wahr, dass ich dann durchaus denke: Hm, was will mir diese Werbung sagen, was wird da jetzt versucht anzuregen? Ich nehme auch die Gefühlsregung wahr, die diese Werbung versucht auszulösen. Kann ich aber ganz gut abschirmen. Also nicht, dass da jetzt irgendwie mal ein Bedürfnis erweckt wird, aber ich hinterfrage diese Werbung ja, und das habe ich in der Vergangenheit so nicht gemacht. Also ich will jetzt nicht sagen, das ist jetzt ein komplett neuer Prozess. Das wird sich im Laufe der letzten Jahre auch unabhängig von dem vegan leben jetzt eingespielt haben. Aber jetzt so in letzter Zeit, wo ich eben mein Konsumverhalten reflektiere, ist das noch mal sehr, sehr deutlich geworden, dass ich das wirklich hinterfrage.

Stefanie Ja, was ich halt die ganze Zeit so überlege ist, ich habe ja Kommunikationsdesign studiert, und das hatte ich auch schon mal gesagt, die meisten Kommunikationsdesigner landen einfach in der Werbung. Auch ich war mal kurz im Onlinemarketing, also angestellt tätig, und ich habe auch bei einer Internetmarketingagentur gejobbt. Und jetzt so im Nachhinein, auch wenn ich so sehe, was Kommilitonen machen oder generell was Menschen machen, die das studiert haben und die dann auch wirklich in Werbeagenturen arbeiten, dann ja, ich weiß nicht. Dann, ich denke da auch noch mal kritischer drüber nach, was habe ich, was habe ich da eigentlich studiert? Das ist so, und ich habe aber gemerkt, also ohne mich jetzt hier mit Heiligenschein versehen zu wollen, dass das Verkaufen nie so meins war. Aber so geht es wahrscheinlich auch vielen so, also so, ich meine, wenn man als Designer in einer Werbeagentur arbeitet, dann geht es ja auch nicht darum, dass ich jetzt, dass man selber was verkaufen soll, sondern man gestaltet ja nur die Anzeigen oder die Kampagnen oder was auch immer. Man steht ja dann nicht vorne und soll irgendwas verkaufen. Man ist nicht der Vertriebler.

Carsten Nein, du bist halt ein Auftragsbearbeiter.

Stefanie Auftragskiller (lachen).

Carsten: Auftragskiller, genau.

Stefanie Du weißt schon. Hmmm ja, aber irgendwie sehe ich jetzt diese ganze Branche kritischer, weil das ja alles, klar, es, so bei vielen, bei Marken und generell. Es geht darum Gefühle zu vermitteln. Es geht so, also was auch bei Harald Welzer stand das wieder, dass Red Bull zum Beispiel eben ein Lebensgefühl verkauft und so.

Carsten Zur Perfektion getrieben.

Stefanie Und auch, ich weiß gar nicht, wo war das jetzt, bei einem der Autos das sie, man kauft das Lebensgefühl und bekommt noch ein Auto dazu. Also so in der Art, also ich weiß jetzt nicht ob es bei Porsche oder bei Ferrari oder so war, dass auf jeden Fall eben diese Art, das ist ja auch eben, oder die die großen Marken, also dasselbe Apple genauso, das ist einfach so diese Zugehörigkeit. Und im Grunde, ja also Werbung und die, die die Werbung machen, die Designer, die das entwickeln, entwerfen, tragen ja eine große Verantwortung dann irgendwo auch und also sind ja…

Carsten Handlanger des Bösen.

Stefanie Ja also (lachen) so krass würde ich es jetzt, na ja ich weiß was du meinst, aber irgendwie ja, ich sehe das jetzt alles tatsächlich ein bisschen kritischer. Und ich, also als ich damals bei O2 gearbeitet habe, war das für mich auch dieses Verkaufen, also dieses immer, dieser Druck, immer Verträge machen, Verträge machen und Vertragsverlängerungen und Zubehör verkaufen und immer nur verkaufen, verkaufen, verkaufen. Also nichts, dem ich lange standgehalten habe. Also das war nichts für mich. Also mittlerweile ich habe ja auch, ich hab's ja versucht. Also ich habe versucht, im Marketing Fuß zu fassen. Ich habe versucht, eine Zielgruppe mir rauszupicken, und ich habe das alles versucht. Aber irgendwie, bin ich irgendwie dafür auch nicht geschaffen, und vielleicht ist es ja das, erleichtert mir das jetzt den Zugang, auch mich kritisch mit dem Konsum auseinanderzusetzen?

Carsten Ja, denke ich schon.

Stefanie Ich weiß nicht. Es ist so also ein bisschen zwiegespalten. Ich will jetzt hier auch niemanden verdammen. Wenn du jetzt als Designer in einer Werbeagentur arbeitest oder als Designerin oder halt selber Webseiten entwickelst oder was auch immer. Wie gesagt, ich habe auch, also ich habe auch als Webentwicklerin gearbeitet, und es ist, das ist ja ein Handwerk. Also ich finde, Webentwicklung ist halt mehr so ein Handwerk, da designt man ja jetzt keine großen Kampagnen und so, sondern man konstruiert eben Webseiten. Aber bei diesen ganzen Hochglanzsachen, also jetzt irgendwie bei BBDO oder Jung von Matt oder wo auch immer zu arbeiten und dann große Kampagnen zu designen, Gefühle und keine Ahnung, also das ist alles so wie in Greenwash, Inc. eben diese Welt, die da beschrieben wurde in dem Buch, was wir auch rezensiert haben, und die Folge kann ich auch nochmal verlinken. Da wurde es ein bisschen sehr überzogen dargestellt, aber im Grunde auch wahr, dass diese, das ist noch mal wieder so eine eigene Welt, und das entspricht halt auch einfach nicht der Realität, und das ist halt wirklich fern von jeglichem Verantwortungsbewusstsein der Umwelt gegenüber. Es ist halt einfach nur Geld verdienen.

Carsten Ja, ist es letztendlich auch. Wobei die natürlich extrem gute Arbeit leisten. Weil wenn du guckst, was für Emotionen dort bewegt werden. Und ja, das siehst du alleine schon dadurch, dass ja eine Marke einen Wert an sich hat. Das sind ja Milliardenbeträge, die teilweise für diese riesigen Marken draufgehen und da hängt ja auch nicht viel Substanz hinter. Das ist einfach nur die Marke, das ist ja was ganz Abstraktes, was über Marketing, was über Werbung aufgebaut wird.

Stefanie Der Haken von Nike, das ist ja nichts Großartiges, aber trotzdem, oder dieses Zeichen von der Deutschen Bank, das hat auch ewig viel Geld gekostet.

Carsten Ja, da ziehe ich durchaus den Hut vor den Leuten, die so was bewerkstelligen und die, die daran gearbeitet haben, dass so etwas so groß wird, so omnipräsent. Das ist eine extreme Leistung. Nichtsdestotrotz stehe ich natürlich so Werbung generell kritisch gegenüber, weil ich sag jetzt mal ganz harsch gesagt, tendiere ich eher dazu zu behaupten, dass Werbung mir Dinge verkauft, die ich eigentlich gar nicht brauche.

Stefanie Ja, das ist ja das auch, was dieser spanische Franzose (lacht) ich weiß echt nicht mehr, welcher das war von beiden. Also das, was er halt auch gesagt hat, dass Werbung halt eben Bedürfnisse weckt, die vorher gar nicht da waren. Und genau das, diese Problematik dahinter, das ist ja auch allein wenn ich jetzt einmal durch das Einkaufszentrum gehe, dann könnte ich ja noch dies und könnte ich ja noch das und dann kommt man… Oder IKEA, so dieses IKEA Phänomen, dass man ständig mit Sachen rausgeht, vor allem in dieser Klüngelabteilung da unten, die man gar nicht braucht. Also ich meine, wir waren jetzt schon ewig nicht mehr im IKEA, aber ich denke, jeder, wahrscheinlich jeder unserer Generation war schon mal im IKEA, würde ich sagen.

Carsten Ja, die Wahrscheinlichkeit…

Stefanie So, und ich habe mal, als ich noch studiert habe, war ich ja öfter beim IKEA, und dann habe ich es tatsächlich mal geschafft, einfach nur durchzugehen und ein Teil zu kaufen, oder so (lacht).

Carsten Du hattest vielleicht schon Alles.

Stefanie Ja, ja, so in der Art, weil ich so oft da war. Dann habe ich halt nur noch eben schnell das und so. Und, aber früher, das weiß ich noch, als ich klein war, waren wir ab und zu beim Ikea und dann sind wir immer da mit dem Warenkorb, mit dem Einkaufswagen durchgefahren, und dann wurde halt auch hier was, und diese obligatorischen Kerzen mit Palmöl, und diese ganzen Sachen wurden dann immer eingeladen. So viel Dekokram, den man eigentlich überhaupt nicht braucht.

Carsten Aber du läufst vorbei, siehst das, sieht gut aus…

Stefanie Ja genau. Und das ist halt dieses Ding, dass man sich so an Dinge hängt und sein Glück in diesen Dingen sucht, und dann Kaufen. Und das wird ja dann auch wieder, also dass viel so die Einsamkeit dann durch Kaufen wieder ausgeglichen werden soll oder dass Einsamkeit gefüllt werden soll oder dass bestimmte Gefühle gefüllt, Gefühle gefüllt, Gefühle gefüllt werden sollen durch das Kaufen, und durch die Werbung halt dieses, so.

Carsten Ja also, ja das stimmt schon wahrscheinlich. Ich habe das bei mir schon lange nicht mehr empfunden, weil mir die Dinge, die mir momentan wichtig sind, die werden tatsächlich nicht beworben. Also wenn ich da jetzt drüber nachdenke, finde ich so gut wie nichts, was explizit beworben werden muss. Es ist ein spannendes Thema. Also wir haben es eben konzentriert auf die Fernsehwerbung. Aber im Grunde genommen betrifft es alles, was irgendwo Werbung hat. Ich fand, das ist eigentlich gerade jetzt hier hinsichtlich des Themas Konsum, was wir für die Dezembersonderausgaben definiert haben, ein guter Anlass gewesen. Und ja, liebe Hörerin, lieber Hörer, schreib einfach mal ein paar Kommentare, wie es dir geht. Also mich persönlich würde wirklich interessieren: Wenn du vegan bist, wie hat sich denn dein Verhältnis zur Werbung verändert? Also ist das genauso wie bei mir, dass ich jetzt durch das kritischere Reflektieren meines Konsumverhaltens auch kritischer auf die Werbung reagiere? Und da interessiert mich mal deine Erfahrung. Schreib da ruhig einen Kommentar drunter.

Stefanie Genau.

Carsten Vielleicht hast du ja auch ein paar Anregungen, dass wir in einem bestimmten Bereich noch ein bisschen tiefer mit reingehen sollen. Das können wir dann in einer späteren Folge noch bearbeiten.

Stefanie Genau, dann sage ich jetzt mal: In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiederhören.

Folge 46 - Im Gespräch mit Sandra Schindler

Ein Beitrag

Folge 46 - Im Gespräch mit Sandra Schindler

In dieser Folge

  • spreche ich mit Sandra Schindler über ihre Erfahrungen als vegane Mutter,
  • plaudern wir über Sandras Weg zum Veganismus und
  • wir reden natürlich auch darüber, wie Sandra Weihnachten feiert.

Als ich vor kurzem das Interview mit Sandra Schindler auf ichlebegruen.de gelesen habe, dachte ich mir: ja, diese Frau frage ich einfach mal nach Tipps und Tricks im veganen Familienalltag.

Gesagt, getan - das Ergebnis hörst Du in dieser Folge. :-)

Und in Anlehnung an Folge Nummer 44 konnte ich mir nicht verkneifen Sandra zu fragen, wie sich Weihnachten bei ihr verändert hat, seit sie vegan lebt.

Links zur Folge

Sandra Schindlers Webseite
http://www.sandra-schindler-schreibt.de/

Sandras Buch "Der kleine Milchvampir"
http://www.veganverlag.de/neu/milchvampir

Sandras Facebook-Seite
https://www.facebook.com/schindler.schreibt

Colleen Patrick-Goudreau
http://www.colleenpatrickgoudreau.com/

Colleens Folge "Being the vegan in the room"
Folge über Soundcloud anhören

Und jetzt sind wir neugierig...

Hast Du noch Fragen an Sandra? Wie sieht Dein veganer Alltag mit Kindern aus?

Wir freuen uns auf Dich in den Kommentaren:

Sandra & Stefanie

Folge 45 - Gedanken zu Konsum

Ein Beitrag

Folge 45 - Gedanken zu Konsum

Diese Folge ist der erste Teil von vier Sondersendungen zum Thema "Konsum", die jeweils an den vier Sonntagen im Dezember "on air" gehen.

Es geht in dieser Folge um

  • unsere Gedanken zu Konsum in der (Vor-)Weihnachtszeit,
  • den Einfluss, den Harald Welzer auf unser Denken hat,
  • unsere Erlebnisse und Vorhaben, durch die wir unsere Erkenntnisse in die Tat umsetzen.

Da mich das Thema Konsum momentan stark beschäftigt und mir auch noch 4 Sendungen zu meinem Ziel 52 Folgen in diesem Jahr zu produzieren fehlen, habe ich kurzerhand beschlossen, dem Thema vier Sondersendungen zu widmen.

Und wenn es in der Weihnachtszeit nicht um Konsum geht, wann dann?

Alternative Konzepte zu unserem Konsumverhalten sind längst überfällig und so machen wir uns jetzt auf die Suche nach praktikablen Lösungansätzen.

Machst Du mit?

Links zur Folge

Harald Welzer "Selbst denken"
Buch bei buch7.de kaufen

Mein Blogartikel "Was brauche ich wirklich?"
http://du-veraenderst-die-welt.de/blogartikel/was-brauche-ich-wirklich

Meine Forschung wie aus Kuhmilch ein Grundnahrungsmittel wurde:
http://du-veraenderst-die-welt.de/forschung

Leben ohne neue Kleider von Pia
http://www.kraft-futter.de/2016/04/leben-ohne-neue-kleidung/

Secondhandladen-Karte
https://www.google.com/maps/d/u/0/viewer?mid=z_lQQLJXTFNo.kVnRMp5xZLng

Und jetzt sind wir neugierig...

Wie denkst Du über Konsum und Deine Art zu konsumieren?

Verrate uns doch etwas darüber in den Kommentaren...

Carsten & Stefanie

Folge 44 - Wie feiern Veganer Weihnachten?

Ein Beitrag

Folge 44 - Wie feiern Veganer Weihnachten?

In dieser Folge

  • sprechen wir über den zweiten veganen Weihnachtsmarkt in Hamburg,
  • erzählen Dir, wie wir als Veganer Weihnachten feiern und
  • lassen ganz viele andere Veganer selbst zu Wort kommen :-)

Am ersten Adventswochenende war der Hammonia Weihnachtsmarkt in Hamburg und ich war mit dabei. Sogar an beiden Tagen von morgens bis abends.

Es war ein buntgemischtes Völkchen dort, es gab viel zu essen und auch einiges zu sehen.

Ich habe viele tolle Gespräche geführt und möchte mich hier auch noch einmal bei den netten Menschen bedanken, die mir erzählt haben, was sich an Weihnachten für sie verändert hat, sei sie vegan leben: DANKE.

Links zur Folge

Veganer Weihnachtsmarkt in Hamburg
http://www.veggie-hh.de/

Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
https://albert-schweitzer-stiftung.de/

Foodtruck "Vegan Ost"
https://www.facebook.com/VeganOst/

Grønt - veganer Lieferservice in Hamburg
http://groent.de/

Vegetarische Initiative
http://www.vegetarische-initiative.de/

Wohlempfinden pur - Gewürze und Öle
https://wohlempfindenpur.de/

Riegelmanufaktur
http://riegelmanufaktur.de/

Und jetzt sind wir neugierig...

Was hat sich für Dich an Weihnachten verändert, seit Du vegan lebst?

Erzähl uns doch davon in den Kommentaren.

Carsten & Stefanie

Im Gespräch mit Stephanie Wiermann

Ein Beitrag

In dieser Folge

  • spreche ich mit Stephanie Wiermann über ein plastikfreieres Leben,
  • erzählt Stephanie von ihren Erfahrungen mit "ZeroWaste" und
  • reden wir über die vielen Möglichkeiten Plastik im Alltag zu ersetzen.

Das ist die erste Folge ohne Carsten und trotzdem bin ich nicht allein :-)

Ich freue mich mit Stephanie Wiermann über ihre Webseite plastikfreier-leben.de und ihre Erfahrungen mit einem plastikfreieren Leben sprechen zu können.

In diesem Gespräch von Stefanie zu Stephanie reden wir auch über Stephanies anderes Projekt, ihren Gartenblog fiefhusen.de in dem sie über ihre Gartenexperimente, aber auch ihre total niedlichen, puscheligen Hühner schreibt.

Links zur Folge

Stephanies Seite zum plastikfreien Leben
https://plastikfreier-leben.de/

Stephanies Seite zu ihrem wilden Nutzgarten
http://www.fiefhusen.de/

Bea Johnson
http://www.zerowastehome.com/

Carnabauwachstücher herstellen
Link zur Anleitung

Unsere Rezension zu Plastic Planet
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-26-plastic-planet-oder-wie-gefaehrlich-ist-plastik-wirklich

VIP Leser Bereich Forschung
forschung.stefanie-rueckert.de

Und jetzt sind wir neugierig...

Was sind Deine Erfahrungen mit Plastik in Deinem Leben?

Erzähl uns doch davon in den Kommentaren.

Stephanie & Stefanie

Folge 42 - Before the flood

Ein Beitrag

Folge 42 - Before the flood

In dieser Folge

  • sprechen wir über den neuen Film von Leonardo DiCaprio,
  • diskutieren wir über den Sinn und Unsinn von Konsum
  • und stelle ich Dir meinen VIP-Leser-Bereich für meine Forschung vor.

Die Dokumentation "Before the flood" gab es in der Zeit vom 30. Oktober bis zum 6. November 2016 kostenlos in 45 Sprachen zu sehen.

Wir haben den Film über National Geographic in der deutschen Übersetzung angeschaut.

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist der Film momentan nur kostenpflichtig zu finden- aber vielleicht ändert sich da ja noch etwas.

Leonardos Ziel ist es, den Film so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen, da wird er den Film bestimmt auch noch über diesen Zeitraum hinaus verbreiten.

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Hast Du "Before the flood" schon gesehen? Was können wir gegen den Klimawandel tun?

Erzähl uns doch davon in den Kommentaren.

Carsten & Stefanie

Folge 41 - Im Gespräch mit Hannah Rosenblatt

Ein Beitrag

Folge 41 - Im Gespräch mit Hannah Rosenblatt

In dieser Folge

  • ist Hannah Rosenblatt zu Gast,
  • sprechen wir mit Hannah über Essstörungen und Veganismus,
  • erzählt Hannah von ihrem Weg zur veganen Lebensweise

Hannah hat uns vor einigen Wochen angeschrieben und wollte mit uns ein Interview zum Thema "Essstörungen und Veganismus" führen.

Nach einem Vorgespräch ist daraus weniger ein Interview, als mehr ein lockeres Gespräch geworden, in dem Hannah viel von ihren Berührungspunkten mit der veganen Lebensweise und ihren Erfahrungen erzählt.

Hannah schreibt in "ihrem Blog von vielen" über ihr Leben nach der Gewalt, alle Formen von Gewalt und ihre Art damit umzugehen.

In ihrem Podcast "Viele Sein" geht es um das Leben mit dissoziativer Identitätsstruktur.

Links zur Folge

Veganfreundliche Krankenkassen
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/veganfreundliche-krankenkassen

Hannahs Blog "Ein Blog von vielen"
https://einblogvonvielen.org/

Hannahs Podcast "Viele sein"
https://vielesein.wordpress.com/

Transkript (Von baerenstark Korrektur gelesen)

Stefanie: In dieser Folge dürfen Carsten und ich Hannah Rosenblatt als Gast begrüßen. Hannah Rosenblatt hat auch einen Podcast und einen Blog. Der Podcast heißt: „Viele sein“ und der Blog „Ein Blog von vielen“. Und Hannah hat uns angesprochen, weil sie uns einige Fragen zum Thema Essstörung im Zusammenhang mit Veganismus stellen wollte. Und eigentlich sollte es ein Interview werden, aber irgendwie ist dann daraus doch ein Gespräch geworden. Ein ziemlich langes Gespräch, gebe ich zu, also für unsere Verhältnisse zumindest. Wenn du dir Hannahs Podcast einmal anschaust, dann siehst du, dass es für Hannahs Verhältnisse ganz normal ist, ein etwas längeres Gespräch zu führen. Und deswegen habe ich unser Gespräch auch nicht gekürzt, sondern einfach in voller Länge hier zur Verfügung gestellt. Und das erste, was wir Hannah gefragt haben, war, wie sie denn jetzt überhaupt auf unseren Podcast aufmerksam geworden ist. Und das erzählt Hannah jetzt einfach.

Hannah: Ich habe im Sommer eine Radtour gemacht. Also ich habe die richtig lange geplant und ich wollte von mir aus zu Hause mit dem Hund an die Nordsee fahren, ans Meer, und das war schon richtig so lang geplant. Und dann war die Frage: Okay, was esse ich denn? Ich habe einen Hintergrund mit Essstörungen, auch sehr lange. Ich bin schon sehr lange und sehr viel in Therapie mit Essstörungen. Und es war dann klar, okay, mein Essverhalten wird sich verändern müssen und ich werde nicht mehr den gleichen Zeitplan haben können und ich werde meine Sachen nicht mehr so zubereiten können. Und viel Geld habe ich auch nicht, das heißt, ich werde mir auch nicht immer kaufen können, was ich esse. Und es war zu der Zeit so eine ganz krude Mischung aus so komischen Low Carb Konzepten mit viel Fleisch, viel Eiweiß, so wenig wie möglich Kohlenhydrate. Und es war halt irgendwie so diese Idee und das war total unhinterfragt, irgendwie. Und war irgendwie auch klar: Okay, ich fahr durch Nordrhein Westfalen und dann durch Niedersachsen und es wird bestimmt über Land viel Fleisch zu essen geben und ich hatte mich da irgendwie total darauf eingestellt, dass es so ist, und hatte dann kurz vorher noch ein Video gesehen von einer Person, die sich rein vegan ernährt und die hatte das irgendwie so: „Ja, dann gehst du zu einem Baum und holst dir einen Apfel und dann bist du erst mal so versorgt und kriegst Energie.“ Und das war irgendwie so – die hat es so leicht erklärt. So, das war irgendwie so: „Ja, du siehst was, du steckst es dir in den Mund und fertig. Also wenn du weißt, du kannst das essen, dann kannst du es essen.“ Und es war so simpel, ja und so überraschend auch irgendwie. Und dann kam ich von der Radtour zurück und hatte dann irgendwie so: „Okay, du hast jetzt nur Pflanzen gegessen, Pflanzen, Früchte, Obst, Gemüse.“ Ich hatte irgendwie auf der Fahrt noch einen Liter Milch gekauft und als der dann alle war, das auch nicht mehr. Und es war halt irgendwie so: „Es geht dir gut und du hast Kraft und Energie und irgendwie so – moment mal, das ist vegan. Du fandest vegan immer komisch.“ und es guckt irgendwie komisch und „es ist doch viel zu aufwendig und es ist kompliziert“. Und ich hatte vorher auch immer wirklich nur komische Begegnungen mit dem Thema vegan und veganen Menschen, das kam mir immer so umständlich vor, immer so: „Geh halt in Laden und hol dir was!“ – „Aber das ist alles nicht vegan!“, und das war immer so meine Vorerfahrung. Und dann hatte ich geguckt: Was gibt es eigentlich? Vielleicht gibt es ja noch andere vegane Menschen, die nicht ganz so komisch und umständlich sind. Und dann bin ich auf eueren Podcast gekommen und irgendwie bin ich so geblieben und accidently bin ich irgendwie inzwischen immer noch vegan und esse immer noch vegan und es geht mir immer noch gut, wer hätte das gedacht. Ja, mein Thema ist halt Essstörungen und ich dachte, als Thema ist es vielleicht ganz interessant, das einfach mal ins Podcast zu bringen.

Carsten: Ja klar, zumal wir das ja auch noch nicht thematisiert hatten. Also du hattest uns damals ja schon mal darauf angesprochen, dass wir schon, ich sag jetzt mal, relativ viel und facettenreich diskutiert haben, aber genau diesen Aspekt bisher noch nicht berührt haben. Und deswegen bietet sich das ja an, quasi im Rahmen dieses Gesprächs wirklich einfach mal über das Thema Essstörung, wie verhält sich das auch mit mit der veganen Ernährung? Beißt sich das? Gibt es da irgendwie Überschneidungen? etc., dass wir das dann jetzt mal ein bisschen im Gespräch erörtern und diskutieren.

Hannah: Wurde das denn schon mal an euch herangetragen? So: „Ihr verzichtet ja auf alles, ihr genießt ja gar nicht mehr. Das ist doch schon voll in einer Essstörung.“ Wurde das mal an euch herangetragen?

Carsten: Nein. Also ich habe diesen Verzicht also nicht im Rahmen von oder nicht in dieser Ecke von Essstörungen, sondern mehr in den Bereich „Du darfst das nicht“. Aber das ist ja ganz was anderes als eine Essstörung. Aber persönlich habe ich das noch nicht erlebt, dass mir jemand ein Essstörung attestiert hat. Ich weiß nicht. Ist dir das schon mal begegnet?

Stefanie: Bei mir eigentlich auch nicht. Ich habe ja mit elf angefangen, vegetarisch zu leben und ich meine, ich habe mich nie wirklich gesund ernährt. Da waren auch viele Süßigkeiten, Eis und was weiß ich dabei. Also, das heißt, ich hatte nie die Chance wirklich, dass es so aussehen könnte, als würde ich zu dünn werden. Wobei ich auch in der Klasse durchaus Mädchen hatte, die sich mal die Finger in den Hals gesteckt haben. Und ich habe eine Klassenkameradin gehabt, die sehr groß war und sehr dünn und die habe ich gefragt, wie sie das macht. Und dann meinte sie ja, steck dir einfach einen Finger in den Hals und dann wird es schon. Und dann habe ich gedacht: „Oh ja, cool,dann mache ich das auch mal“ und so, also aber von außen herangetragen hat das noch nie jemand an mich und auch nicht wegen der Ernährung. Also beim Vegetarischen nicht und beim Veganen auch nicht.

Hannah: Ja, also ihr habt schon irgendwie einmal schon Berührungspunkte damit, einfach gerade weil es dann doch irgendwie üblich ist, oder? Also ich kenne das aus meiner Schulklasse, da gab es auch viele, die: Finger in den Hals, ganz viel essen, ganz wenig essen. Also Essstörungen an sich sind eigentlich bekannt. Jeder kennt jemanden, der irgendwie schon mal mit einer Essstörung zu tun hatte. Als ich anfing mit dieser Recherche, mit dieser Selbsterkenntnis: „Ok, du hast jetzt …“– für mich ist es immer ein bisschen schwierig. Ich habe eine Vorgeschichte aus Magersucht in so einer Kombination mit so einer latenten Essstörung. Mein Gewicht war schon ganz, ganz weit oben mit 120 Kilo. Es war auch schon ganz weit unten mit irgendwie gerade 52 Kilo bei einer relativ hohen Größe. Und ich weiß inzwischen, dass wenn sich mein Essverhalten ändert, dass da immer irgendwas mit drin ist, also emotionales Essen genauso wie aber auch Kontrollgefühle. Also bei mir ist es immer ganz viel Kontrolle. Deswegen hatte es mich jetzt während der Radtour eigentlich nicht so überrascht, weil es war eine Situation: Ich war alleine als Frau mit einem Hund über Land mit einem Zelt im Rucksack. Klar hatte ich auch Angst und irgendwie so und das war so mein: Sich dann aufs Essen zu konzentrieren hatte auch was von Kontrolle und von: Ein Bereich ist relativ sicher und so, das ist irgendwie klar. Und ich hatte dann irgendwie gedacht: Okay, und das ist jetzt noch geblieben, muss ich mir Sorgen machen? Es ist irgendwie: Was kompensiere ich gerade oder bin ich gerade dabei irgendwas zu kompensieren oder tue ich mir gerade wirklich einfach nur was Gutes? Und ich hatte dann so ein bisschen darüber nachgedacht: Okay, ernähre ich mich gesund, wenn ich doch aber eigentlich weiß, dass mein Essverhalten krank ist? Und diese Auseinandersetzung hatte dann dazu geführt, einfach mal zu gucken, wie ist die Schnittmenge zwischen Leuten, die sich vegan oder vegetarisch ernähren und Menschen, die eine Essstörung haben? Und interessanterweise ist die Schnittmenge bei den Frauen sehr groß. Es sind so viele Frauen, die eine Essstörung haben oder mit einer Essstörung leben – das muss ja nicht immer krank sein oder so, dass man sehr schwer leidet. Aber wenn man sie einmal hat, dann hat man sie irgendwie immer und diese Schnittmenge ist sehr groß. Das fand ich sehr interessant. Also die ich habe hier die Zahl: Die Frauen, also erwachsene Frauen zwischen 18 und 79, sind 1,5 % in Deutschland und die Anzahl von Veganerinnen sind auch ungefähr wie 1 % oder so. Und da ist dann irgendwie für mich die Frage: Okay, krass, hilft Veganismus oder eine Ernährung wie vegetarisch/vegan, hilft das im Umgang mit der Essstörung? Und diese Fragestellung konnte ich für mich mit Ja beantworten. Weil ich mich plötzlich auf so eine Art mit Ernährung auseinandersetze, die viel mehr im Blick hat: Wie geht es mir eigentlich? Also was tut mir gut oder was entlastet mich an vielen Stellen? Und das war was, was ich dann irgendwie bei euch im Podcast auch immer wiedergefunden habe. So dieses: Es geht uns viel besser, also die Entlastung in vielen Bereichen. Also ich habe da halt wie gesagt festgestellt, dass es für mich gut ist, mich auf diese Art auseinanderzusetzen.

Carsten: Also du hast durchaus positive Erfahrungen damit gemacht. Das war jetzt eigentlich das, was ich mich die ganze Zeit frage. Wenn du merkst oder du hast gesagt, du hast einen Unterschied gemerkt oder du merkst, da passiert etwas und die Beschäftigung mit der veganen Ernährung, die hat dir tatsächlich auch gesundheitlich und psychisch was Positives gegeben oder auf welcher Ebene spielt sich das im Moment bei dir ab?

Hannah: Gesundheitlich total. Ich habe nicht mehr Bauchschmerzen dauernd. Und das ist mir auch erst irgendwie vor ein paar Tagen aufgefallen, dass ich irgendwie so gar keine Bauchschmerzen mehr habe. Oder ich hatte ständig Reizdarm. Also ich hatte ein Reizdarmsyndrom und musste da eh immer schon gucken, was in welcher Kombination ich wie esse. Und ich hatte vor ein paar Tagen gedacht: „Warte mal, das ist ja, ich habe das ja gar nicht mehr so!“, aber auch so, das kam mir jetzt irgendwie nach ein paar Monaten so. Ich habe nicht mehr so viele Bauchschmerzen. Meine Pickel sind weniger geworden, ich habe viel mehr Ausdauer. Es ist irgendwie: Ich bin viel wacher und fitter irgendwie. Nur psychisch weiß ich es nicht. Also ich habe irgendwie manchmal das Gefühl: Okay, mein Essen hat mich nicht glücklich gemacht, aber das hat es ja vorher auch nicht. Was ich merke ist, dass sich die Art der Auseinandersetzung verändert hat. Also es ist nicht so, dass ich mit dem Essen nicht so befasst bin, dass ich übers Essen nachdenke, sondern über das, was ich esse. Also ich sehe Nahrungsmittel jetzt irgendwie nicht mehr als: „Du gehst in den Laden und du kaufst ein und du musst gucken: wie viel Fett, wie viel Kalorien, wie viel Zucker, blablabla.“ Also diese Bestandteile, die da draufstehen, sondern dass ich irgendwie gucke: „Okay, die nächsten Tage will ich Sport machen und ich will das machen und ich will das machen und ich will das machen. Jetzt wäre es gut, wenn ich viele Kohlenhydrate aufnehme, weil ich ja Treibstoff brauche. Also mehr davon, mehr davon, mehr davon. Und abends noch ein Smoothie mit viel Süßigkeiten, also mit viel Obst, mit süßem Obst, und dann wird das schon gehen.“ Also es ist irgendwie mehr so: Welche Lebensmittel geben mir den passenden Treibstoff für das, was ich mache. Und das ist ein Denken, das total neu ist. Das habe ich vorher nie gemacht, weil irgendwie: „Okay, morgens darfst du irgendwie einen halben Löffel davon und abends dann eventuell ein Stück Käse und dann ist schon gut, weil dann hast du 500 Kalorien zusammen.“ Es ist ja so eine Miniportion und die soll dann die ganze Zeit reichen und jetzt ist es so ein riesen Berg und ich kann den voll essen, weil es ist ja alles nur Treibstoff und es ist so …

Stefanie: Es ist ganz anders rum.

Carsten: Du kommst dann wahrscheinlich aus dieser sehr stark kalorienorientierten Denkweise.

Hannah: Ja. Kein Fett.

Carsten: Wenn du jetzt natürlich so erzählst, dass diese vegane Ernährung viel Obst und Gemüse bei dir erstmal umfasst, dann sind das ja durchaus oder grundlegend erstmal Nahrungsmittel, die eine niedrige Energiedichte haben. Also diese Berge, die du gerade ansprichst, das ist ja tatsächlich so. Du musst ja, um die gleiche Energiemenge aufzunehmen, deutlich mehr, auch mehr Volumen, an Obst und Gemüse essen.

Hannah: Und das ist ja das Geile: Ich darf zum ersten Mal und es ist voll gesund. Ich darf so viel essen bis nichts mehr geht. Und dann noch zwei Stunden später darf ich nochmal so einen Berg und es ist dann auch echt so: „Hey, du darfst das. Das ist überhaupt gar kein Problem.“ Diesen Gedanken zu haben, dass das Essen nicht mit Verzicht zu tun hat, das habe ich jetzt gerade zum ersten Mal in meinem ganzen Leben. Dieses: „Ich kann mir den Bauch vollschlagen und es ist nicht schlimm.“ Und es ist nicht nur nicht schlimm, weil ich essen kann was ich will eigentlich, sondern weil es weder krank macht noch irgendwie böse ist. Obst und Gemüse enthält ja nichts Schädliches für einen. Man muss halt nur wahnsinnig viel davon essen, oder wahnsinnig viel, man muss mehr davon essen als von einem Stück Käse. Das erlebe ich als sehr befreiend, als sehr als erhebend auch, wenn ich kurz drüber nachdenke.

Carsten: Zählst du denn weiterhin Kalorien oder ist das für dich mittlerweile total obsolet geworden, weil du einfach nach der Menge gehst?

Hannah: Ich denk manchmal noch drüber nach. Also dann überlege ich schon irgendwie, weil ich habe jetzt auch Gewicht verloren, ganz schön viel. Also seit der Radtour habe ich noch mal 20 Kilo abgenommen und das ist jetzt gar nicht so lange her. Und dann denke ich auch irgendwie: „Okay, Wow. Das war jetzt nicht schwer, diese Kilos zu verlieren.“ Und ich merke schon an manchen Tagen, wenn es mir nicht gut geht, dass ich dazu tendiere, weniger zu essen – weil ich einfach weniger esse, weil ich weniger Appetit habe, nicht weil ich es mir vornehme – und dass ich dann darüber nachdenke: „Okay, wie viel Kalorien habe ich jetzt eigentlich intus? Wie weit bin ich drunter oder drüber?“ Weil ich auch weiß: Auch Gewicht zu verlieren ist in meinem Fall nicht so, das führt in immer nicht so tolle Ecken irgendwie. Ich achte schon drauf, aber nicht mehr so: „Wie viel darf ich?“, sondern: „Wie viel hab ich? Wie viel brauche ich noch?“ Es ist mehr so ein: „Wie halte ich den Status, den ich jetzt habe?“ Das ist auch was, was ich nie loswerde. Wobei ich auch mich frage: Du machst ja auch noch Sport. Ich kenne viele Kraftsportler und so, überhaupt alles was so in diesen Bodybuilderbereich kommt, die da auch sehr extrem darauf achten, wie viel sie wovon aufnehmen. Hat sich das bei dir verändert? Oder warst du da überhaupt so drin?

Carsten: Ich war nie der Kalorienzähler. Ich habe 16 Jahre trainiert und auch sehr intensiv trainiert, auch sehr häufig trainiert. Ich habe durchaus so Phasen gehabt, wo ich jeden Tag im Fitnessstudio war und bin aber mehr nach dem Gefühl gegangen. Ich habe einfach geguckt: Was braucht der Körper an Energie? Aber nicht, dass ich jetzt gesagt habe, ich muss jetzt die und die Kalorienzahl zu mir nehmen. Ich habe auch nie auf mein Körpergewicht geachtet. Also es war jetzt nicht so, dass ich jetzt irgendwie Buch geführt hätte: Die Kalorien habe ich zugenommen und so viel Kilogramm habe ich jetzt in der und der Zeit an Masse zugelegt, war das jetzt Fett, war das jetzt Muskel. Das machen ja durchaus viele Sportler, die schon mit dem Fokus auf Masse aufbauen und auf Kraftaufbau da trainieren. Das habe ich nie gemacht, ich bin da eher nach dem Gefühl gegangen. Und jetzt ist es bei mir eigentlich komplett anders. Ich bin jetzt seit über fünf Jahren nicht mehr im Fitnessstudio gewesen. Ja, fünf Jahre ist das schon her. Und trainiere einfach zu Hause. Wir haben so ein Kraftgerät, wo ich einmal die Woche trainiere. Also ein ganz anderes Trainingsverhalten. Das ist aber nicht bedingt durch eine vegane Ernährung, sondern einfach durch die Lebensumstände, in denen wir uns jetzt so eingefunden haben. Und ich versuche jetzt bei diesem einen Training möglichst effizient zu trainieren. Ich habe meine Trainingsart auch geändert. Ich trainiere jetzt im hochintensiven Bereich, also eine ganz langsame Übungs-Ausführung mit moderatem Gewicht, aber so, dass der Muskel dann nach den Wiederholungen massiv erschöpft ist. Das mache ich auch ganz bewusst deswegen, damit ich möglichst lange Erholungsphasen brauche, weil ich eben nur einmal die Woche trainiere. Da will ich nicht, dass der komplette Muskel dann nach drei Tagen schon wieder total fit ist und dann nach einer Woche eigentlich der Trainingseffekt schon wieder vorüber ist. Und da achte ich zumindest direkt nach dem Training darauf, dass ich bestimmte Nährstoffe bekomme. Aber das ist mehr so, dass ich mir dann irgendwie einen Smoothie mache oder einen Shake und den messe ich aber nicht ab. Also weder von der Menge her, noch dass ich jetzt irgendwie sage: „Die und die und die Zutaten müssen jetzt in der und der Menge mit rein.“, sondern da gucke ich einfach, was im Kühlschrank ist. Ich habe so vom Gefühl her und auch im Hinterkopf: Ich weiß zum Beispiel: Welche Bestandteile haben jetzt viele Kohlenhydrate, wo ist jetzt Eiweiß drinne? Wenn ich Sprossen zur Hand habe, mische ich die da auch mit rein. Also ich weiß, okay, da habe ich viele Vitalstoffe und auch nochmal so ein bisschen Aminosäuren-Profil, je nachdem was für eine Sprossenart ich habe. Also es ist sehr viel intuitiv, was ich momentan mache. Aber dieses extreme Zählen oder drauf achten, das habe ich eigentlich gar nicht. Ich habe auch gar nicht den Anspruch, dass ich jetzt innerhalb von einer gewissen Zeitspanne, keine Ahnung wie viel Muskelmasse ich aufbauen soll oder so was. Das ist nicht mehr mein Anspruch. Ich finde es gut, wenn ich merke, dass der Körper jetzt eine gewisse Grundanspannung hat, dass ich auch ein paar Tage später noch merke: „Okay, du hast jetzt am Wochenende trainiert. Ich merke die Muskeln noch. Ich habe vielleicht noch eine, noch einen kleinen Muskelkater oder ich habe noch so diese diese Grundspannung im Muskel.“ Das ist ein gutes Gefühl, aber viel mehr brauche ich im Moment auch gar nicht.

Hannah: Ich habe auch irgendwie das Gefühl, vegane Ernährung fragt viel mehr danach: Was braucht man eigentlich? Also es ist für mich irgendwie gar nicht so ein Verzichtdenken. Also was ich auch kenne – das wäre jetzt eine Frage, die ich an Stefanie hätte, du bist ja eine Frau oder du wirst als Frau gelesen – wie gehst du damit um, wenn dann irgendwie Diäten an dich herangetragen werden oder wenn du irgendwie eine Werbung siehst oder so? Ich habe jetzt zum Beispiel neulich gesehen, diese komischen Drinks, die man kaufen kann für die, die sind nicht vegan. Dass ich mich dann schon gefragt habe: Okay, stell dir mal vor, du bist Veganerin und dann bist du aber dick. Weil du ja auch dick sein kannst, obwohl du Veganerin bist. Man kann auch dick sein, wenn man Veganerin ist und man kann auch abnehmen wollen, wenn man Veganerin ist und dann will man so eine Diät machen. Und das geht gar nicht, weil diese Shakes zum Beispiel oder weil jeder Diätplan, den man so kriegt, der dann ausgewogen ist und zum Abnehmen helfen soll, ist vielleicht maximal vegetarisch. Und da wäre für mich die Frage, ob du schon mal eine Diät versucht hast oder drüber nachgedacht hast und dann gedacht hast: Aber das ist nicht vereinbar mit vegan oder veganer Ernährung oder wie das überhaupt so für dich, also ob das für dich mal Thema war, oder so?

Stefanie: Ja. Also bei mir war es so, dass ich eine ganze Zeit lang Weight Watchers gemacht habe, aber das war, bevor ich vegan geworden bin. Das heißt, bevor ich Abitur gemacht habe, habe ich enorm zugenommen. Und dann habe ich danach gedacht, ich muss jetzt mal wieder abnehmen und habe dann irgendwie Weight Watchers für mich entdeckt. Und dann habe ich damals ja schon vegetarisch gelebt und da ging das auch schon mit der Option, dass man vegetarisch ankreuzt und dann wurden einem nur so Mahlzeiten-Vorschläge für vegetarisch gegeben. Aber da bei Weight Watchers ist es ja so, dass man sich das ja sowieso alles so selbst zusammenstellt und man sammelt ja diese Punkte, also es sind ja keine Kalorien, die man zählt, sondern Punkte, aber man zählt auch wieder irgendwas, und dann hat man ja auch für den Sport Punkte, und dann wiegt man das so gegeneinander auf und man hat dann pro Tag so und so viele Punkte, die man verbrauchen kann und so. Und das habe ich damals gemacht, das habe ich dann auch vor, ich glaube vor drei Jahren oder so habe ich das das letzte Mal, habe ich nochmal mit Weight Watchers abgenommen. Und dann habe ich aber irgendwann für mich einfach gesagt: Das macht keinen Sinn mehr, weil ich einfach emotional esse und es ist eigentlich, wenn ich mich jetzt an so Regeln halte, dann bekämpft das nicht mein eigentliches Problem, die Ursache, die dahinter liegt, hinter dem Essen. Und deswegen gehe ich jetzt lieber die Ursachen an, als dass ich dann jetzt irgendwelche Diäten mache. Also richtige Diäten – also außer jetzt das, was die Mitschülerin damals, als ich irgendwie 15 war, mir geraten hat, also das ist jetzt keine Diät, aber so – so was habe ich jetzt sonst nicht gemacht. Also Weight Watchers rühmt sich ja auch damit, keine Diät zu sein, aber eben so in der Richtung, das habe ich bis jetzt gemacht, aber seit ich vegan lebe, eigentlich nicht mehr. Aber es hat nichts mit dem vegan Leben zu tun, sondern einfach damit, dass ich vorher schon beschlossen habe, ich möchte einfach jetzt nicht mehr mich irgendwie reglementieren, sondern ich versuche sozusagen, mein Gewicht so weit zu ignorieren, wie es irgendwie geht, und dann die Ursachen anzugehen.

Hannah: Ja, das habe ich jetzt auch gemerkt: Wenn ich jetzt mit Menschen spreche, die wissen, dass ich eine Essstörung habe oder eine Biografie damit habe und denen dann sage: „Ja, ich bin jetzt gerade auf pflanzlich, also und ich ernähre mich im Moment nur pflanzlich.“ – „Ja, ach ja, du machst jetzt in vegan, du bist jetzt Veganerin.“, und ich merke, dass ich mich da rausdrehe aus dieser Zuschreibung, zum einen, weil ich mich da selbst nicht einengen will. Also ich will es als Option haben, irgendwie immer sagen zu können: „Ja, jetzt gerade fühlt es sich total richtig an und total gut und vielleicht wird es sich auch nie verändern. Vielleicht, aber vielleicht doch. Vielleicht habe ich irgendwann noch mal eine Situation, in der ich irgendwie nur an Fleisch komme, oder …“ Also ich will mich damit nicht einengen. Und ich finde es wichtig zu trennen zwischen „vegan als Lifestyle“, so als Performance, wie man es jetzt total erleichtert machen kann. Jeder kann sich überlegen, für drei Wochen vegan zu sein. Es gibt ja lauter vegane Sachen, Ersatzprodukte, und Obst und Gemüse gibt es ja eh dauernd, und jeder kann sich dafür entscheiden und sich dann hinstellen und sagen: „Ich bin der super tolle Vegan-Gutmensch, Lebensretter, Planeten-Wow.“ Und es gibt aber eben auch die Notwendigkeit zu essen. Also man muss essen, sonst stirbt man. Und für mich ist das total wichtig, mir das immer wieder klar zu machen. Wenn ich nicht esse, sterbe ich. Wenn ich nicht esse, geht es mir nicht gut. Und dabei ist es dann erstmal semi-relevant, was das eigentlich ist. Ich merke immer, wenn ich die Entscheidung treffen kann, ist es jetzt rein pflanzlich oder nicht, dann ist es ein Moment, in dem das meine vollständige Entscheidung ist und so, aber bis zu diesem Moment muss ich erst mal kommen. Und damit ich diese Entscheidung treffen kann, muss ich wählen können zwischen vegan oder nicht vegan. Und das ist dann das, was für mich wichtig ist und irgendwie auch in Bezug auf die Essstörung wichtig ist. Für mich ist es dieses Moment zwischen der Frage „Was brauche ich?“ und „Was darf ich?“ ist dann das Moment, in dem mein Kopf anfangen muss reinzugehen und sich überlegen muss: Will ich leben oder habe ich Schwierigkeiten mit dem Leben? Denn mein essgestörtes Verhalten deutet ganz klar auf Schwierigkeiten mit dem Leben hin. Wenn ich es aber schaffe, mich fürs Leben zu entscheiden und fürs Essen zu entscheiden, dann habe ich wieder andere Möglichkeiten, was ich eigentlich esse. Also wenn man sich das so als Optionenbaum vorstellt, ist mein Optionenbaum, der hat so ein Ästchen mehr, das vor der Frage steht: „Vegan oder nicht vegan?“ Und das dann für mich auch trennt zwischen Lebensstil und lebenssichernder Entscheidung. Das finde ich immer wichtig und irgendwie auch gut klarzumachen. Ich habe schon so viele Gespräche mit Menschen geführt, dass ich sehr schwer magersüchtig war und sehr, sehr dünn war. Wie mir immer wieder angetragen wurde: „Du möchtest nur schön sein, du möchtest nur gefallen.“ Genauso wie Veganer immer wieder hören, oder vegetarische Menschen: „Du willst ja nur Tiere retten. Du willst ja nur den Planeten schöner machen. Du willst es ja nur besser machen als alle anderen.“ Also dieses: „Veganer, ihr wollt ja nur die besseren Menschen sein.“ Das kann man sein. Es ist nicht schlimm. Es ist nichts Verwerfliches daran, ein guter Mensch sein zu wollen oder Dinge richtig tun zu wollen. Es ist auch nicht schlimm, schön sein zu wollen. Schlimm ist, dass man für bestimmte Dinge diesen Entschluss treffen muss und sich dann in so einem Kontrast zu anderen Menschen sieht.

Stefanie: Aber ist jetzt der ethische Aspekt, spielt der für dich überhaupt eine Rolle beim vegan sein oder ist es bei dir eher jetzt wirklich nur die Ernährung?

Hannah: Ich muss da total vorsichtig sein mit dem ethischen Bereich. Du hattest ja mal in dem Podcast vorher gesagt, dass das mit der Milch dich so getroffen hat. Ich merke das immer, ich habe ja jetzt so einen Hof gesehen, also in richtig, während der Radtour, da hatte ich einen Liter Milch gekauft und ich stand da und fand das total cool, dass ich so eine Kuh berühren konnte. Das war so ein Biohof irgendwie. Und es war nicht die Massentierhaltung, die ich da gesehen habe und also die ich in Filmen sehen kann oder so. Es war aber irgendwie schon auch so, was ich mir vorgestellt hatte. Die waren im Grünen, die sind da rumgelaufen und hatten so einen Unterstand. Aber ich wusste natürlich nicht, dass dieser Hof davon lebt, dass Leute daran vorbeikommen und ein Liter Milch mitbringen. Also nur dieses eine Dorf hat davon profitiert von diesem einen Biohof. Das war nicht die Bio Milch, die ich kaufen kann im Laden, das habe ich dann auch erst später rausgefunden. Aber ich muss bei diesem ethischen Aspekt immer aufpassen, dass ich nicht in so eine Schuldfalle tappe. Weil Leben ist das Dilemma des Menschen. Um zu leben muss er anderes Leben verdrängen und oder verdrängt dabei einfach anderes Leben. Und ich muss dann immer gucken, wie schuldig ich mich dafür fühle und wie sehr ich das dann mit Emotionen auflade. Ich kenne auch viele: Bei diesem letzten Aufenthalt, wo ich so sehr dünn war, waren auch andere sehr dünn und sehr essgestört, und die haben dann: „Ja ich kann keine Tiere essen, weil dann stirbt ja eine Kuh für mich.“ und für die war das richtig schlimm. Die waren da richtig drin und haben da wirklich schwer darunter gelitten. Die Luft, die sie geatmet haben, hätte ja jemand anders atmen können. Es ist so eine ganz tiefe Schulddynamik in einem drin fürs eigene Leben, fürs eigene am Leben sein. Und ich kenne das auch und muss dann immer vorsichtig sein. Vorher habe ich mich auch gegen Massentierhaltung eingesetzt und für Nachhaltigkeit und gegen den Klimawandel und alles was man da tun kann, was man so als Einzelperson tun kann, habe ich vorher auch gemacht. Aber es hat mich nie davon abgehalten, darüber nachzudenken, das zu essen, also Tiere zu essen oder Fleisch zu essen. Nicht, weil es keine Rolle gespielt hat, sondern weil es damit nicht erklärt ist oder weil es damit nicht gelöst ist. Und ich glaube auch nach wie vor, dass mein Veganismus oder meine Entscheidung, mehr Pflanzen zu essen nicht zwangsläufig macht, dass weniger Tiere sterben müssen. Ich weiß nicht, ob es eine Glaubensentscheidung ist, aber ich habe so das Gefühl, es werden ja Milliarden von Tieren getötet am Tag um auf dem Müll zu landen. Es wird ja so viel, so viel getötet und so viel produziert, dass es viel Müll ist von Anfang an, dass es viel Abfall ist. Und ich immer nicht so genau weiß: Okay, inwieweit sind die Auswirkungen von meinem Verzicht oder davon, dass ich als Konsumentin wegfalle – so müsste man das ja eher ausdrücken – das weiß ich immer nicht so genau. Ich bin mir da in meiner Selbstwirksamkeit immer nicht so.

Carsten: Ja, das ist ein schwieriges Thema, da stimme ich dir zu. Ich habe die Frage für mich natürlich auch schon mal irgendwo durchgekaut und ich glaube, das hat jeder gemacht, der irgendwie mit Veganismus oder auch generell mit so einer ethischen Grundhaltung mal sich auseinandergesetzt hat. Und ja, ich habe für mich einfach so das Gefühl gehabt, dass diese Frage eigentlich mehrere Facetten beinhaltet oder von den Antworten her facettenreicher wird. Also zum einen: Ich stimme dir zu, es ist zweifelhaft, wie groß mein Einfluss als Einzelperson ist, wenn ich jetzt das Gesamtgefüge sehe. Man kann da auch lapidar sagen: „Das macht den Kohl nicht fett, ob ich jetzt vegetarisch bin oder nicht.“ Also wenn ich jetzt sterbe, ist die Welt auch nicht besser oder schlechter. Ich habe nicht den direkten Einfluss.

Hannah: Wir sind nicht die Einzigen.

Carsten: Ja, wir sind nicht die Einzigen. Wenn ich das jetzt wieder umdrehe, dann kommen aber andere Facetten. Für mich selbst, für meine eigene Welt ist das ein kolossaler Unterschied. Weil ich meine Welt ganz anders wahrnehme, wenn ich genau eine/diese ethische Grundhaltung walten lasse oder einfließen lasse. Das ist für mich persönlich ein ganz anderer Motivator, als wenn ich jetzt sage: „Das ist eh alles scheißegal.“ Also dieser Fatalismus, zu sagen: „Ich kann eh nichts ändern.“, das drängt mich irgendwann in eine sehr depressive Stimmung, dass ich vielleicht auch den Wahrnehmungsfokus sehr auf die negativen Aspekte, also Tierleid, Umweltzerstörung, Krieg, Ausbeutung etc. – also da brauchst du nur die Nachrichten einschalten und schon hast du negativen Fokus – und das möchte ich nicht, das frisst mich auf. Deswegen gehe ich erst mal davon aus, dass ich für mich meine eigene Welt ändern kann, indem ich ein anderes ethisches Wertesystem für mich etabliere. Das muss ich ja selber erst mal in mir etablieren, das muss erwachsen. Ich bin ja auch ganz anders aufgewachsen, ich habe eine andere Prägung gehabt und ich muss mich über meine eigene Prägung hinwegsetzen. Dann kommen noch weitere Facetten hinzu, dass ich sage: In gewisser Weise bin ich ja eine Art Vorbildfunktion. Wobei der Begriff Vorbild auch schon ziemlich weit oder schon zu weit geht.

Stefanie: Ein Vorbild für wen?

Carsten: Für die Leute in meinem Umfeld. Weil dadurch, dass ich anders bin, werfe ich Fragen auf. Die fragen dann: „Ja warum machst du das?“ Und dadurch bekomme ich ja die Chance, dass ich denen erkläre, was ich mache. Ich könnte Multiplikator werden. Also dadurch, dass wir jetzt einen Podcast machen, Blog schreiben oder so was, versuchen wir uns ja schon als Multiplikator von unseren Erfahrungen, die wir gemacht haben, die wollen wir ja mitteilen, das ist ja quasi so unser Reisebericht jetzt mal.

Stefanie: Ich war dabei.

Carsten: Du warst dabei, genau. Aber so einem normalen Sozialumfeld – Familie, Beruf etc. – habe ich immer noch so den stillschweigenden Anspruch: Okay, ich bin quasi so eine Art Multiplikator. Die Leute werden darauf aufmerksam, stehen vielleicht in der Kantine neben mir und fragen mich: „Na, was gibt es denn heute zu essen?“ Weil die noch keine Vorstellung davon haben, was heißt vegan eigentlich? Die denken auch immer noch an diesen Verzicht: „Okay, dann darfst du nur Salat essen.“ Und dann kommt der Carsten an und hat dann …

Hannah: Ja, wenn nichts anderes da ist, musst du aber auch immer Salat essen.

Carsten: Ja, richtig. Aber ich komme jetzt mit so einem riesigen Teller mit irgendwelchen ganz anderen Sachen, die gar nicht nach Salat aussehen. Dann kommt natürlich sofort die Frage auf: „Was ist denn das?“ Und dann erklärst du. Dann komme ich zwar heute immer noch sehr an den Punkt, dass dann so Ausreden kommen: „Ja, aber ich mag Fleisch einfach viel zu gerne, als dass ich darauf verzichten kann.“ oder „Das ist mir zu aufwendig, so was zu kochen.“ Aber man kommt in den Dialog und der hört nicht auf. Das ist nicht so, dass die Leute sich dann irgendwie abkehren nach dem ersten Dialog und dann nie wieder das führen, sondern die Neugierde bleibt und die wächst. Also es ist ein sehr, sehr zartes Pflänzchen. Also das motiviert mich. Und dann habe ich natürlich auch den Anspruch, meinem eigenen Sohn gegenüber ein ganz anderes Wertemodell vorzuleben, als ich es mitbekommen habe, wo ich sage: Ja, ich konnte damals in meiner Kindheit und meiner Jugend gar nicht anders handeln, weil dieses Wertesystem, was mir quasi aus meinem familiären oder meinem Sozialumfeld mitgegeben wurde, das war halt so, das gab es halt nicht anders. Und jetzt setze ich mich drüber weg, ich reflektiere das, treffe zumindest aus meiner jetzigen Sicht die besseren Entscheidungen. Vielleicht denke ich in 10, 20 Jahren noch ein bisschen anders darüber, aber zu meinem jetzigen Zeitpunkt denke ich, ich habe da jetzt bessere Entscheidungen, die ich treffen kann und möchte das auch gerne meinem Sohn mitgeben. Also es ist jetzt an der Stelle noch nicht mal mehr eine individuelle Entscheidung, sondern das ist schon wirklich der Vorbildcharakter, das Vorleben.

Stefanie: Ja. Ich würde auch sagen, dass es so ein Unterschied gibt zwischen Vorleben und Vorbild sein, irgendwie. Also für mich zumindest. Klingt vielleicht nach Wortklauberei, aber irgendwie: Vorbild, finde ich, sind wir nur für unseren Sohn und wir leben vielleicht den anderen das vor, einfach schon allein durch unsere Existenz. Einfach das: Wir sind halt die Veganer oder so, und dann leben wir. Dann kann man gucken, wie wir das leben und dann kann man das gut finden oder schlecht finden. Aber wir leben es halt.

Hannah: Oder ein Bild zu sein oder greifbar für jemanden zu sein, finde ich, geht damit auch schon einher. Das wäre jetzt so eine Frage: Fragen die Leute dich das wirklich? Also gehen die wirklich so mit dir in Kontakt? Weil ich kann mich erinnern, die Gespräche, als ich noch nicht rein pflanzlich gegessen habe, waren mit Veganern immer so: Du machst das alles so umständlich. Willst du eine Extratour? Also ich war überhaupt nicht offen und überhaupt nicht nett und überhaupt nicht so nachfragend. Also nicht, weil es mich nicht interessiert hätte, sondern weil ich irgendwie immer dachte: „Das ist eine völlig andere Welt. Das ist überhaupt nicht vereinbar mit meiner Welt, in der Essen noch mal so ganz anders aufgeladen ist und nochmal ganz anders ist.“

Carsten: Also ja, die treten mit mir in Kontakt. Wahrscheinlich auch, weil ich denen erlaube, mit mir in Kontakt zu treten. Und auch nicht abwertend. Also das ist was, wo ich auch durchaus mittlerweile positive Erfahrungen mache. Eine war vor zwei oder drei Wochen …

Stefanie: Beim Grillen.

Carsten: Genau, so ein Grillen. Ein ehemaliger Arbeitskollege hatte seinen letzten Tag. Ich war mit ihm, ich will jetzt nicht sagen gut befreundet, aber wir hatten eine sehr offenes und ehrliches, partnerschaftliches Miteinander entwickelt.

Stefanie: Auf Augenhöhe.

Carsten: Auf Augenhöhe, genau. Er hatte sich entschieden, ein Abschiedsgrillen zu veranstalten. Bei uns in der Firma ist es halt so, die haben tatsächlich einen professionellen Grill und da wird regelmäßig gegrillt. Da kommen dann auch extreme Fleischberge und Wurstberge auf den Grill und dann habe ich gedacht: „Okay, gut, ich mag ihn, aber ich möchte nicht beim Grillen dabei sein. Ich nehme mir mein eigenes Essen an dem Tag mit. Ich kann auch nachher abseits des Grillens von ihm noch mal Abschied nehmen“ – mich verabschieden, Abschied nehmen klingt so nach Tod.

Stefanie: Also dich von ihm verabschieden.

Carsten: Von ihm verabschieden. Also habe ich mich dann quasi in die Kantine gesetzt, habe mein Essen aufgewärmt, habe es dann gegessen und irgendwann klingelte das Telefon sturm. Es war meine Arbeitskollegin dran, die mich dann aufgefordert hat: „Du musst sofort rauskommen. Andreas hat extra vegane Würstchen für dich geholt.“ Ich war eigentlich schon ziemlich satt von dem, was ich vorher gegessen hatte. Dann hab ich gedacht: „Okay, jetzt musst du raus.“ und bin da hingegangen. Bin auch als letzter dann auf diesem Platz angekommen. Die anderen hatten dann schon alle irgendwas zu essen in Hand. Also das heißt, ich war schon in einer sehr exponierten Position. Der letzte, der reinkommt, fällt erst mal so auf und dann wird extra für mich.

Hannah: Und dann kriegt er auch noch vegane Wurst.

Carsten: Genau, eine Packung vegane – das war irgendwie so eine Wurst und ich weiß gar nicht.

Stefanie: So ein Grill-Set. Was man so fertig kaufen kann wahrscheinlich.

Stefanie: Das hat er dann extra auf den auf den Grill gelegt und es kamen keine Kommentare. Also nicht so irgendwie: „Eh, das ist ja vegan.“ oder „Biste Veganer?“, also nichts Abfälliges, sondern ich habe dann meine Wurstbrötchen da gegessen und bin dann mit einem anderen Kollegen ins Gespräch gekommen. Der guckte dann so: „Ach, bist du vegetarisch?“ Ich sag: „Ne, Veganer.“ „Ach ja, das ist ja interessant.“ So. Und dann habe ich gedacht, jetzt stirbt das Gespräch und ist zu Ende. Totales Desinteresse.

Stefanie: „Das ist interessant, ich setz mich mal weg.“

Carsten: Aber dann passierte folgendes. Dann fing er an zu erzählen, dass er vor etlichen Jahren einen Urlaub gemacht hat. Da ist er glaube ich irgendwie durch die sibirische Taiga, Tundra, keine Ahnung was, also wirklich so ganz abseits der Zivilisation.

Hannah: Janz weit wech.

Carsten: Ganz weit weg. Nichts zu essen, nichts zu trinken, sondern du musst dich halt dessen bedienen, was du vorfindest. So und die haben aber auch Extremmärsche gemacht und haben vorher überlegt: Was kannst du denn als energiereiche Nahrung mitnehmen? Und sind bei Soja gelandet. So und dann sagte er: „Ja, ich habe mich da tatsächlich über Wochen hinweg quasi rein vegan ernährt und Soja …“ Und dann hat er mir erzählt, was er mit dem Soja alles gemacht hat, und wir waren voll im Thema. Wir haben uns eigentlich indirekt über eine vegane Ernährung unterhalten, aber ohne es explizit so zu titulieren und auch überhaupt nicht abwertend, so nach dem Motto: „Das hat ja gar nicht geschmeckt, aber ich musste das essen, weil sonst nichts da war.“, sondern: „Nein, das schmeckt. Kommt auf die Zubereitung an, hat auch viel Energie gehabt, und, und, und.“ Also richtig so positiv. Und da habe ich dann gemerkt: Ich kann mich durchaus dazustellen. Ich bin jetzt nicht irgendwie von einem anderen Stern oder werde nicht schief angeguckt oder irgendwie mitleidig belächelt oder irgendwie als total verschroben dargestellt oder so, sondern die respektieren das. Die holen sogar extra aus dem Supermarkt ein veganes Grillset nur für mich.

Hannah: Das ist so süß.

Carsten: Und das sind so Sachen, wo ich dann merke: Ich muss mich jetzt nicht verstecken und ich kann positive Erfahrungen machen und die Leute thematisieren es, indirekt. Also nicht, dass da jemand als Veganer vom Platz gegangen ist. Also so nicht. Ich mache da keine Bekehrung oder so.

Stefanie: Predigt.

Carsten: Nein, absolut nicht. Ja, das sind so Sachen, wo ich dann merke: Okay, ich bin zumindest akzeptiert.

Stefanie: Du stellst dich dann da auf so einen Stuhl und dann …

Carsten: Genau.

Hannah: Ich kenne das auch so, von so Veranstaltungen – ich gebe ja häufiger Vorträge und Workshops woanders zu anderen Themen – und im studentischen Umfeld wird es irgendwie häufig so gemacht, dass die Küche von der Veranstaltung generell vegan ist, weil es jeder essen kann. Weil man da am wenigsten auf Allergien und Zeug achten muss. Also es ist das inklusivste Essen. Da musste ich aber auch erst mal hinkommen zu dem Gedanken, wie exkludierend es auch sein kann, bestimmte Dinge so ganz üblich dazu zu tun, wie die aber alles verderben können oder alles verseuchen können durch … Ja, ich würde jetzt heute auch nicht mehr unbedingt dann, wenn irgendwo Käse drin ist. Also ich würde auf jeden Fall nochmal anders drüber nachdenken, ob ich einen Salat mit Käse esse, oder den Salat nehmen, wo dann daneben der Käse liegt, damit ich mich entscheiden kann, den dazu zu tun oder nicht. Ich hatte vorhin noch einen Gedanken zu den Gesprächen mit anderen: Die Exklusivität mit der veganen Ernährung oder mit der Ernährung, die anders ist. Zum Thema Essstörungen und so. Da hatte ich auf der Seite vom Vegetarierbund, dem vebu [heute proveg] – kennt ihr den? – Stefanie &

Carsten: Ja.

Hannah: da kann man gucken: Gesundheitseinrichtungen und Ärzte, die Veggie-freundlich sind. Und da habe ich auch noch mal geguckt: Okay, was für Reha-Kliniken gibt es eigentlich? Und wie wäre das heute, wenn ich heute massiv untergewichtig noch mal in die Klinik komme und sage: „Okay, ich habe einen Rückfall in die Magersucht erlitten.“, wo gehe ich jetzt hin? Würde ich dabei bleiben wollen, vegan zu leben? Würde ich auch in dem Moment noch an dieser Entscheidung festhalten, also wäre ich dann noch stark? Hätte ich dann noch die Kraft, mir das zu überlegen? Und dann habe ich geguckt: Ach, es gibt eh nicht viele Kliniken und Einrichtungen oder Reha-Einrichtungen, die überhaupt vegetarische Sachen anbieten, geschweige denn vegan, weil es nicht als gesund etabliert ist, sich vegan zu ernähren. Also nur „Vollwertkost“. So „vollwert“ bedeutet immer noch nicht, alle Vitamine und Mineralien aufzunehmen, was man mit egal was zusammenkriegt, das schafft man mit Pflanzen genauso wie mit Milch und Fleischprodukten. In der 0815-Küche in Gesundheitseinrichtungen bedeutet das aber Fleisch, Kartoffeln, Gemüse. Sieben Tage die Woche. Wo ich mich dann schon auch gefragt habe: Okay, was bedeutet das für mich? Und was bedeutet es für euch: Wenn ihr im Krankenhaus wärt mit irgendwas, würdet ihr denn auch Wert darauf legen? Also würdet ihr dann auch richtig bis ins Letzte gehen und mit Ärzten diskutieren oder wie weit würdet ihr gehen, damit ihr vegan bleiben könnt?

Carsten: Also ich muss sagen, die Frage habe ich mir vorher noch nicht gestellt, aber wenn ich sie jetzt so bekomme, würde ich sagen, ich würde wahrscheinlich dazu tendieren, den Weg des geringsten Widerstandes zu nehmen, der aber darin bestehen würde, dass ich Stefanie fragen würde: „Kannst du mir von zu Hause was bringen?“ Also ich würde wahrscheinlich das Essen verweigern, was mir da aufgetischt wird, unabhängig ob vegan oder nicht. Ich habe eher eh immer so die Erfahrung gemacht, dass Krankenhauskosten eh so naja …

Hannah: Die ist auch total ungesund. Da gibt es auch inzwischen tatsächlich Studien darüber, dass dieses aufgewärmte Zeug, das enthält ja nichts mehr.

Stefanie: Es ist ja im Grunde schon tot.

Carsten: Es ist ja nicht mal schmackhaft. Also wenn es schmackhaft wäre, könnten wir ja nochmal irgendwie anders diskutieren. Aber nee, ich glaube ich würde dazu tendieren, zu sagen: „Komm, bring mir was von zu Hause mit“, und sei es einfach nur Obst, Gemüse, irgendwas, was dann vielleicht rein Rohkost oder so was verzehrt werden kann. Die muss ja jetzt nicht irgendwie mit, keine Ahnung, säckeweise gekochten …

Stefanie: Muss ich dir nicht die ganze Zeit was kochen.

Carsten: Musst mir nicht was hinterher tragen, nein.

Hannah: So einen kleinen Feldkocher neben dem Sauerstoffzelt?

Stefanie: Genau, ich bin live immer dabei und koche.

Carsten: Und nimmst noch den Hochleistungsmixer mit, damit das intravenös dann auch verabreicht wird … Aber ich glaube, das ist der Vorteil, dass wir zu zweit sind. Ich gehe davon aus, dass wenn so was passiert und ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist, dann wird hoffentlich einer von uns zu Hause bleiben können. Nicht, dass wir beide irgendwie verunglücken und im Krankenhaus liegen. Aber das wäre so meine Option, zu sehen, dass ich von zu Hause oder von außen irgendwie was bekomme.

Stefanie: Ja, also bei mir: Ich war einmal im Krankenhaus, als ich Vegetarierin war, aber vegetarisch, also es ging damals schon. Ich glaube, ich war 16 oder so. Es ging damals schon, vegetarisch zu bestellen, das ist ja auch noch relativ einfach, finde ich. Ich war jetzt, als ich schwanger war, war ich noch Vegetarierin. Da war ich aber auch nur kurz zum Entbinden im Krankenhaus – wollte ich eigentlich gar nicht, aber das musste dann so sein – und da warst du noch nicht mal vegetarisch, da hast du dann mein Frühstück gegessen, weil die mir nicht geschafft haben, was Vegetarisches zu bringen, weil sie gesagt haben: „Auf die Schnelle geht das nicht.“, weil ich nachts angekommen bin und daher konnten die das nicht vor…

Hannah: Mussten sie ein Ei auf dein Brot machen?

Carsten: Ein Wurstbrot.

Stefanie: So ein Wurstbrot oder so was. Also ich hatte sowieso nicht so … Ich habe dann zu Hause was gegessen. Bei mir ist es einfach dieses: Ich kann das einfach nicht essen. Ich habe jetzt seit 22 Jahren kein Fleisch mehr gegessen und keinen Fisch und ich könnte jetzt auch nicht irgendwie Käse, Milch oder sonst Eier, irgendwas essen. Ich kann es nicht. Also es geht irgendwie nicht. Und deswegen: Also selbst wenn wir beide irgendwie im Krankenhaus liegen, dann hoffe ich, dass irgendjemand Nettes … Also ich meine, da muss sich ja auch irgendjemand um unseren Sohn kümmern, der wird dann hoffentlich uns was vorbeibringen.

Carsten: Ja, dieses nicht essen können, das ist auch interessant. Also genau diesen Punkt habe ich auch erreicht, dass ich, wenn ich vor nicht veganen Alternativen stehe, habe ich gar nicht das Verlangen, was zu essen. Also ich muss mir die Aversion nicht einreden. Ich musste mir die vorher auch nicht aufbauen, sondern die ist automatisch dadurch entstanden, dass ich eigentlich vegan gelebt habe oder vegan gegessen habe. Die ist irgendwie in mir erwachsen.

Stefanie: Vielleicht hast du zu viel Zeit mit mir verbracht.

Carsten: Meinst du, du steckst an, oder wie?

Stefanie: Genau.

Hannah: Ich hatte so einen Moment heute auch. Ich habe heute so ein Schoko-Bonbons in der Hand gehabt, so ne Toffees, und hatte irgendwie total klar: „Oh, heute ist ein beschissener Tag und ich muss noch so viel tun. Ich brauche mehr Energie. Okay, wir kaufen jetzt Bonbons.“ und das war irgendwie so und ich hatte in einer Hand Lakritzbonbons – ich liebe Lakritzbonbons – und dachte aber: „Okay, davon werde ich ganz schön viele essen müssen.“ Und Lakritz macht auch einfach, das powert den Blutdruck hoch, irgendwas, wenn man zu viele davon ist. Und ich hätte für die gleiche Kalorienmenge also weniger essen müssen von Schokobonbons, also Toffees mit Schokolade drumrum, und da war aber Milchzeug drin. Und es war genau so ein Moment, in dem ich dachte: „Ach nee, Schoko-Bonbons weg.“, und die Lakritzbonbons dann halt mehr. Aber es war so dieses: Ich weiß ja, wie ich mich entscheiden kann. Also es ist nicht nur das und nur damit ist es möglich so, sondern eben auch: Okay, es muss aber nicht, es ist kein Muss. Die Alternative ist so viel klarer und dann braucht man auch Ekel oder Aversion gar nicht, sondern es ist so: Ich kann das jetzt machen, ja, okay. Aber ich muss gar nicht. Es geht auch so. Die Aversion ist dann irgendwie mehr gegen die Faulheit, ehrlich gesagt. Das ist mehr so: Das wäre jetzt bequem. Und einfach rein damit, so irgendwie. Aber wieso denn, wenn es auch anders geht und gar nicht mal mit so viel mehr Aufwand? Es ist dann irgendwie auch nochmal eine andere Ehrlichkeit. Weil ich hab zum Beispiel, wo wir gerade bei bei Krankenhaus und Gesundheit und so sind, ich habe heute festgestellt, dass ein Medikament, das ich nehmen muss, auch nicht vegan ist. Es enthält irgendwie Laktose-Mono-bla bla bla, irgend so ein Laktose-Ding. Wo ich dann auch dachte: Okay, das wäre jetzt total unbequem und wahrscheinlich sogar unmöglich, dieses Medikament ohne Laktose, also ohne Milchbestandteile zu bekommen. Ich weiß, dass es das gibt, aber der Aufwand, das zu machen, wenn ich den stemmen könnte, dann bräuchte es ja das Medikament nicht. Ja, und dann habe ich irgendwie gedacht: Okay, das ist dann jetzt vielleicht ein Kampf, den ich jetzt gerade noch nicht kann. So würde dann meine Entscheidung oder meine Abwägung im Krankenhaus sein: Wie viel Kraft hätte ich dafür, eben durchzukämpfen, dass ich mich so ernähre, wie ich das möchte oder wie ich mich entscheiden möchte? Oder ich war zum Beispiel im Krankenhaus letztes Jahr und auch nicht wegen einer körperlichen Sache, sondern wegen einer psychischen Geschichte. Und ich weiß auch, dass ich mich da vegetarisch entschieden habe. Aber nicht, weil ich da schon so dachte. „Ach, ich muss jetzt unbedingt pflanzlich.“, sondern weil es am wenigsten ekelhafte Aussichten geboten hat, weil es da wirklich jeden Tag irgendwie Kohlrouladen mit Hackfleisch, am nächsten Tag irgendwie komisches Kassler und dann Schweinebraten. Wirklich für die Menschen, die Vollkost angegeben haben, gab es jeden Tag irgendwas mit Braten oder Fleisch oder Frikadelle und es war alles vom Schwein. Also wir leben, ich lebe jüdisch und also wenn da wenigstens Rinderzeug gestanden hätte, hätte ich mir ja einreden können, es ist ein bisschen koscher, aber das war es halt auch nicht. Und dann war das vegetarische, das war auch irgendwie echt eklig und von weitem schon erkennbar als überhaupt nicht gesund oder förderlich. Und wenn ich dann heute darüber nachdenke und mich damit konfrontiert sehe, glaube ich nicht, dass ich die Kraft dafür hätte, in der Situation, in der es mir so schlecht geht, dass ich in einem Krankenhaus sein muss, durchkämpfen könnte, dass ich kriege, wofür ich mich selber entscheiden würde. Ich glaube auch irgendwie der Weg des geringsten Widerstands. Wobei es mich dann schon zeckt, irgendwie zu wissen: Okay, man macht da einen Abstrich für die eigene Gesundheit mit dem Beigeschmack, dass man was total Ungesundes macht, nämlich Dinge isst, die einem überhaupt nicht gut tun, nur weil sie dort angeboten sind.

Stefanie: Also wäre jetzt eigentlich der nächste Schritt, die Krankenhäuser dazu zu bringen, was Vernünftiges zu Essen auf den Tisch zu stellen. Ich habe das irgendwo mal gelesen, dass es ja auch diese verschiedenen Arten gibt für Krankenhäuser und auch Altenpflegeheime, dass die das nur noch so aufwärmen, also dass es die ganze Zeit also warmgehalten wird auch eine ganze Zeit lang, oder dass, ich weiß nicht mehr. Also es gab so verschiedene Arten, zwei verschiedene Arten das Essen zu servieren, ob es jetzt noch mal warm gemacht wird oder ob es die ganze Zeit warmgehalten wird. Aber in beidem Fall verliert es ja eigentlich die Nährstoffe.

Hannah: Es verliert über einen ganzen Tag. Das ist irgendwie auch mit diesen Schulen, mit Schul-Catering, also Schulküche, ist genau das gleiche. Und die entscheiden nach wirtschaftlichen Standards, die gucken nicht darauf, was gesund ist oder was überhaupt am Ende übrig bleibt, sondern was verzehrbar bleibt. Es geht dann nur um verzehrbare Mahlzeiten und nicht um: Was braucht … Gerade bei Schulessen stört mich das total. Du hast da heranwachsende Kinder und dann fühlst du dich schlecht, wenn du diese 8 € oder 5 €, was das am Tag kostet, dass dein Kind in der Schule was essen kann, und dann weißt du: Das, was du da teuer bezahlst, ist tote Mahlzeit mit wenig Gewinn. Und das Kind muss dann aber funktionieren noch, also es muss ja lernen und funktionieren einfach. Das würde mich sehr zecken. Aber die Entscheidung für so einen Caterer oder für so eine Küche (es ist ja Großküche) wird dann nicht nach so einem Wirtschaftsmodell oder eben Wohlstandsmodell – da sind wir wieder beim Podcast – die Entscheidung wird nicht danach getroffen: Was ist gesund und was ist gut und was brauchen die Leute? Sondern: Was braucht unser Geldbeutel?

Carsten: Genau, was ist bezahlbar?

Hannah: Und was ist effizient und was ist verkaufbar? Wenn ich den Bogen mache in die Behandlung meiner Magersucht zum Beispiel: Da musste ich liegen, also den ganzen Tag liegen, um wenig Kalorien zu verbrauchen. Und war damit natürlich auch günstig geparkt. Dann wird man überwacht die ganze Zeit, dass man keinen Sport macht oder so. Das heißt auch: Privatsphäre, ade. Mein Bett stand da neben dem Schwesternzimmer auf dem Flur, wo alle Leute dran vorbei gegangen sind. Damit ich im Blick behalten werden kann. Mein Essen durfte ich selber nicht aussuchen und es war aber alles so maximal ungesund. Also es war die Hölle, da muss man ja nicht mal magersüchtig sein oder irgendwie komisch abnehmen wollen, sondern einfach sich kurz mal überlegen, was man eigentlich üblicherweise so isst und was man zu essen gezwungen ist, sobald man als nicht fähig, eine ordentliche Entscheidung zu treffen, eingestuft wird. Es wird dann irgendwie Sahnejoghurt zum Frühstück, zum Mittag und zum Abendbrot und als Zwischenmahlzeit, wenn man abgenommen hat. Das heißt vier mal am Tag Sahnejoghurt. Für wen ist das gesund? Also für niemanden. Weder für einen kranken noch für einen gesunden Organismus. Und ich hatte permanent Bauchschmerzen und das hat man mir nicht geglaubt. Aber dass ich Laktose-Schwierigkeiten habe, das konnte ich ja zu dem Zeitpunkt, das wusste ich nicht. Das ist dann viel Fett und dieses verarbeitete Fett in Wurst, in so Wurst, in Würstchen oder in Käse. Alles Fette, mit denen der Körper auch gar nichts anfangen kann. Außer Energie, die dann nicht abgefahren wird, weil ich mich nicht bewegen durfte, mehr war das nicht. Aber wenn ich dann gegenrechne: Gekostet hat das das Krankenhaus nichts. Das war in der Menge, wie das dort sowieso immer angeliefert wird, weil es ja alles Großküche ist. Da war das Aufpäppeln der Ernährung von mir auf diese Art und Weise so billig, so so so viel billiger. Und was wir am Anfang hatten: Das ist nicht die Riesenportion, sondern man kann von mir erwarten: So eine Scheibe Wurst oder ein Stück Käse und Brot kann man von mir erwarten, in 20 Minuten zu essen, auch mit einem gestörten Essverhalten, mit all der Überwindung, die das kostet. Man kann das aber nicht erwarten, von mir dann, keine Ahnung, sechs Bananen, zwei Äpfel, ein halbes Kilo Birnen und so ein halbes Pfund Bohnen, das die gleiche Menge Kalorien hat. Das kann man von mir nicht erwarten, in 20 Minuten zu essen. Das wiederum bedeutet, die Zeit bis ich das gegessen habe, war billiger fürs Krankenhaus, weil eine Pflegekraft nur 20 Minuten auf mich einwirken musste. Es war billig, weil die Portionsgröße klein war und es war billig, weil es der letzte Müll war. Wenn man das in vegan umrechnet oder eine vegetarische Kost, wird es alles teurer. Aber nicht weil es wer weiß wie wertvoll wäre oder was anderes liefern würde als andere Kost, es wäre einfach teurer. Und das wäre dann das, wo man dann ansetzen müsste, dass man entweder vegane Großküchen oder vegane Kost als umsetzbar für eine Großküche etabliert oder eben klar macht: Ja, Essen ist ein bisschen mehr als einfach nur Essen.

Carsten: Ja, wobei du ja gerade schon Großküche gesagt hast. Also ich glaube, der Nährwertfaktor wäre bei einer veganen Kost aus einer Großküche auch nicht wesentlich höher als bei dem, was sonst schon so zerkocht wird, weil die müssen das nach dem gleichen Schema aufarbeiten. Es wird relativ früh am Tag gekocht, wird lange warmgehalten, wird dann quer durch die Welt chauffiert, um Krankenhäuser und diverse andere Einrichtungen zu beliefern. Und dann wird auch bei einer veganen Kost ja eigentlich das Positive wahrscheinlich auch schon verkocht oder – wie auch immer dann – da raus sein aus dem Essen. Ich glaube nicht, dass das dann eine frische Rohkost sein wird.

Hannah: Wobei, bei Gemüse denke ich halt: Wir dämpfen gerade viel, weil das macht am wenigsten kaputt und es geht am schnellsten. Das sind irgendwie zehn Minuten, dann kann ich mir so einen Berg machen. Denke ich auch immer: Es ist doch viel einfacher. Dann hast du einen ganzen Berg Gemüse, dämpfst den grad durch und dann kannst du ihn … Aber du hast halt viel Masse und hast dann einfach viel mehr Masse und die dann mal eben durchzudämpfen wäre eine Herausforderung in der Überlegung.

Carsten: Ja.

Hannah: Wenn ich mir überlege: Wie könnte man es umsetzen? Da müsste man halt immer gucken: Erst mal von diesem, aus dieser … wie bei der Milch zum Beispiel diese Propaganda, „Das ist gesund und das deckt alles ab.“, und so müsste … es müsste Gemüse-Propaganda geben, also Obst- und Gemüse-Propaganda oder einfach so eine Überlegung: Was brauchen wir eigentlich wirklich? Wirklich so eine ganz klare Auseinandersetzung damit: Was wird gebraucht? Das fehlt mir total. Gerade Altenpflege oder Schule? Da sprechen wir von Kindern, die wachsen und die lernen und die total hohen Energiebedarf haben. Bei alten Leuten, die sind halt alt. Also die brauchen auch Kraft, die dürfen nicht schwach werden, sonst werden sie anfällig für Krankheiten. Und im Krankenhaus sind die Leute eh schon krank. Sie sollten keine Nahrung erhalten, die sie noch kränker macht oder zusätzlich unnötig belastet. Das kommt mir manchmal vor, als hätte man sich darüber gar keine Gedanken gemacht, sondern einfach nur: „Ach, das ist eine große Menge Leute auf einem Haufen. Die müssen wir irgendwie satt kriegen, die Mäuler stopfen.“ Also so ganz, als wären wir noch im Krieg, als wäre die Versorgung von Menschen so: „Hauptsache, sie sterben uns nicht weg.“ Aber wir sind ja nicht im Krieg. So ist es ja nicht. Wir leben in friedlichen Zeiten und so privilegiert, dass wir uns eigentlich darüber Gedanken machen könnten und dafür einsetzen könnten, dass alle gut versorgt sind. Das ist irgendwie.

Carsten: Das ist paradox. Genau.

Stefanie: Aber es geht ja da im Krankenhaus tatsächlich ja auch immer um das Wirtschaftliche. So wie du gerade auch schon sagtest: Dass es immer die Kosten sind, die Kosten. Und es darf eben alles immer nicht viel kosten, weil sonst dieses Wirtschaftssystem Krankenhaus dann nicht mehr funktioniert. Und das sieht man ja auch nicht nur am Essen, sondern auch an den Behandlungen. So dass für eine Operation bekommen die mehr Geld, als wenn du nur so anders geheilt wirst. Also für einen Kaiserschnitt kriegen die mehr Geld, als wenn du einfach nur so entbindest und so. Also solche Sachen. Ja, das ist wirklich …

Hannah: Das ist total …

Stefanie: Das ist dieses System. Ich habe ja vorher mich damit beschäftigt, weil ich ja für Ärzte und Zahnärzte die Praxis-Werbung gemacht habe quasi. Also Praxis-Marketing, mein erster Versuch, mich selbstständig zu machen. Und da habe ich mich viel damit auch beschäftigt, weil in der Werbung für Ärzte und Zahnärzte, die dürfen ja eigentlich gar nicht richtig werben und so, und bin immer wieder zu diesen Krankenhäusern dann. Also Krankenhäuser sind dann noch mal was ganz anderes als Ärzte und Zahnärzte. Und Krankenhäuser haben eigentlich mit Heilen schon fast nichts mehr zu tun. Also sind da wirklich nur Wirtschaftssysteme.

Carsten: Ja, Wirtschaftsunternehmen, also sehr, sehr viel mehr als die einzelne Arztpraxis oder so was. Das ist schon sehr, sehr hoher Kostendruck.

Stefanie: Ja und selbst bei den Ärzten und Zahnärzten ist es mittlerweile so, dass sie viel eher nur noch auf die Kosten gucken und sehr, sehr wenig Zeit ja nur noch haben, um die Patienten zu behandeln. Und das ist alles zum Nachteil. Ja.

Hannah: Ich habe irgendwie immer das Gefühl, so jetzt, je mehr ich mich mit vegan und veganen Möglichkeiten und auch Wegen auseinandersetze, wie ich Krankheiten heilen kann, ohne diese Entscheidung eingeschränkt zu sehen, einfach nur eingeschränkt zu sehen. Und es geht dann nicht darum: „Ich möchte jetzt nur noch vegan behandelt werden.“, sondern ich möchte so behandelt werden, dass ich mich nicht dafür entschuldigen muss oder rechtfertigen muss, dass ich mich ernähre, wie ich mich ernähre. Und dass mitgedacht wird, dass mein Organismus vielleicht gerade durch einen ganz anderen Prozess geht, weil er entgiftet, weil er sich umstellt, weil er sich neu anpasst, weil er an andere Dinge angepasst ist als jemand, der alles isst. Also ich erwarte da nicht ein ganz konkret ausgestieltes Behandlungs-Setting, sondern ich erwarte, dass die Person da etwas mitdenkt. Und dann merke ich schon irgendwie: „Okay, von meiner Hausärztin kann ich das nicht erwarten, von meiner Zahnärztin kann ich es nicht erwarten, von meiner Neurologin kann ich es nicht erwarten. Verdammt, keiner von den Leuten, die mich behandeln, kann das mitdenken oder denkt das mit oder ist irgendwie so weit drin.“ Und dann gucke ich nach und stelle fest: Okay, die die Personen oder der Personenkreis, der sich aufs Heilen und Behandeln breiter irgendwie spezialisiert, sind Heilpraktiker*innen. Also Heilpraktiker und Heilpraktikerinnen. Und das muss man selber bezahlen. Und wenn du das nicht kannst, dann hast du halt Arschlecken 53. Das ist schon so irgendwie so eine Aussicht, wo ich denke: „Ey! Echt jetzt?“

Stefanie: Ja, das stimmt.

Hannah: Wirklich? Wieso denn? Ich habe doch eine Krankenversicherung. Eigentlich … Also, ich habe doch eine Krankenversicherung. Macht die nicht eigentlich, dass ich selber behandeln kann und eine Arzt-Wahl treffen kann? Und wieso kann ich mich dann auf diese Instanz nicht so verlassen. Nur weil ich was anders machen will oder … das finde ich so … Da denke ich auch immer so: Okay, bei allen Möglichkeiten, wo ich was entscheiden kann: Wieso muss ich an so zentralen Stellen was anders entscheiden? Was soll das denn? Wer bestimmt denn letztlich, was gesund ist? Ist es die Krankenkasse? Im Moment ist es irgendwie dann an vielen Stellen doch meine Krankenkasse, die darüber entscheidet, was gesund ist für mich und nicht meine Ärzte. Und auch nicht ich.

Stefanie: Derjenige, der das bezahlt, der die Leistungen bezahlt, der bestimmt, was gesund ist.

Hannah: Ja genau.

Stefanie: Es gibt ja diese BKK Provita, die sich anscheinend für vegane – für vegane Krankenhäuser wollte ich schon sagen – vegane Ernährung ausgesprochen hat. Also die – und die securvita ist so ein bisschen – aber die BKK Provita, da hat wohl der … Vorsitzende?

Carsten: Der Vorsitzende, Vorstandsvorsitzende oder so was, der ist jetzt auch seit einigen Jahren Veganer.

Stefanie: … und der hat sich dafür ausgesprochen und die unterstützen dann Veganer und vegane Ernährungsweise.

Carsten: Auch das mit den Heilpraktikern.

Stefanie: Genau, auch das mit den Heilpraktikern.

Carsten: Genau, das wird da auch gut aufgefangen.

Stefanie: Aber es ist die einzige Krankenkasse. Also von daher ist es schon so …

Hannah: Das ist so verrückt, das hatte man ja irgendwie bei: Wenn du ein Kind erwartest und dich gegen ein Krankenhaus entscheidest, da musst du heute ja auch Glück haben, dass du überhaupt noch eine Hebamme findest und dann noch vielleicht noch ein Geburtshaus oder eine, die dann auch mitgeht, wenn du zu Hause sein willst, und die Krankenkasse sagt: „Ja, machen wir.“ Wieso entscheidet mein Geldbeutel darüber, was gut für mich ist oder was gesund für mich ist? Wo ist meine eigene Entscheidung? Und das ist so was, wo mein Kern in der Essstörung liegt, in diesem Verlust von Möglichkeiten, selbst entscheiden zu können und die Verantwortung für mich und mein Leben selbst tragen zu können. Und zwar so, dass ich es gut kann. So, dass ich das Gefühl habe, ich treffe Entscheidungen für mich und so, dass es mir gut geht, so dass ich mich mit diesem Gefühl verbinden kann, dass es mir gut geht damit, dass ich bin und dass es mich gibt und dass ich lebe, mit allen Schwierigkeiten, die da manchmal so drin sind. Wenn ich halt so ganz klar haben muss, dass so wichtige Entscheidungen über meine Gesundheit und wie ich mir das vorstelle, dass die gar nicht bei mir liegen am Ende – also schon die Entscheidung, aber dann entsprechend auch die Umsetzung davon – dass das alles gar nicht bei mir liegt, das ist schon dann irgendwie so ein Punkt, da muss ich schon irgendwie atmen und meine Füße still halten, weil … das macht mich sehr wütend. Und dann habe ich so diesen Aktionismus und frage mich dann schon: Okay, ich bin keiner von den Leuten, die Leuten rote Farbbeutel an den Pelzmantel schmeißt und „Mörder“ ruft. Aber ich bin an manchen Stellen dann doch schon kurz davor, so Fenster von Krankenversicherungen einzuschmeißen oder mich Blockupy anzuschließen. Und ich einfach denke: Wieso regiert denn das Geld die Welt? Warum? Wo ich dann an den Punkt komme, auch in meiner Essstörung zu merken: Es geht bei mir viel um Konsumentscheidungen. Es geht um Entscheidungen an sich und um die Bereiche, die ich entscheiden kann. Und um meinen Wunsch, Kontrolle zu haben. Und ich finde es dann sehr symptomatisch, dass sich das bei mir und meinem Körper entlädt. Also da wohne ich ja drin. Ich kann ja schlecht aus meinem Körper raus. Aber es entlädt sich eben nicht woanders. Also es entlädt sich nicht bei solchen Instanzen zum Beispiel. Wo ich auch denke: Veganismus oder vegetarische Ernährung passiert immer in Körpern oder ist eine Entscheidung für Körper, aber es ist immer die Frage: Kann es sich auch politisch dann ausladen? Wo ist der Punkt, wo die Art, wie wir mit uns umgehen, sich auf auch auswirkt, auf das Wohlstandsmodell, in dem wir leben, oder die Gesellschaft, in der wir leben? Ich weiß immer nicht so genau. Das hatten wir ja vorhin, diese Frage: Wie viele Auswirkungen …

Carsten: … hast du als Einzelperson? Aber guck mal: Jetzt sind wir schon zu dritt. Das multipliziert sich irgendwo und jeder für sich trifft jetzt andere, vielleicht reflektiertere Konsumentscheidungen. Und damit bist du schon Politikum. Automatisch, ohne dass du dich jetzt irgendwie anstrengen musst. Aber allein [durch] die Tatsache, dass es mehrere gleichzeitig oder ähnlich machen, bist du schon politisch aktiv.

Stefanie: Ich finde es aber auch noch interessant: Eigentlich geht es auch ums Gesundheitssystem. Da hatte ich bisher überhaupt nicht darüber nachgedacht, dass vegan, also die Entscheidung, wie ich mich ernähre – muss ja jetzt nicht vegan sein – aber wie ich mich ernähre, dass das auch mit dem Gesundheitssystem zusammenhängt, verbandelt ist, dass es Auswirkungen hat, dass das eine mit dem anderen koexistiert, quasi, und eben mit dem Geld.

Hannah: Aber du brauchst ja kranke Leute, damit eine Krankenkasse überhaupt eine Berechtigung hat, wenn wir alle gesund sind, also das ist ja irgendwie so …

Stefanie: Ja, wobei die ja auch Präventionsmaßnahmen dann noch unterstützen, vielleicht bräuchte man sie dann nur noch dafür oder für Unfälle, aber nicht für chronische Krankheiten, wenn es die dann nicht mehr geben würde, theoretisch.

Hannah: Die Idee ist irgendwie – ich hatte dafür vorhin eine Zahl und jetzt habe ich sie verblättert – aber da ging es um so Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, die sind davon viel weniger betroffen. In der China Study stehen noch ganz viel mehr Statistiken darüber, wie viel gesünder die vegane oder vegetarische – die nennen es ja dann die „überwiegend pflanzliche“ – Ernährungsweise ist, und wo ich dann denke: Das ist doch hochbrisant für Krankenkasse und das ist doch hochbrisant fürs Gesundheitssystem. Wenn die wirklich da ein Interesse daran haben, wenig Geld auszugeben, dann sollten sie doch viel Geld darin investieren, dass die Menschen, die dort einzahlen, auch gesund sind und sich gesund ernähren. Es ist so ein logischer Schritt, aber … Also für mich ist es dann so: So radikal wie ich dann irgendwie auch bin, denke ich auch: Aber es geht nicht darum, ob wir gesund sind. Es geht denen darum, dass wir bezahlen oder auch nicht bezahlen, dass man Leistungen in Anspruch oder eben nicht in Anspruch nimmt oder nur sehr wenig in Anspruch nimmt, weil es dort nicht um Gesundheit geht, sondern primär um Geld verdienen und um Einfluss irgendwie auch. Aber das ist so was, wo ich denke: Okay, dafür sind wir viele und vielleicht muss man dann einfach nur eine Weile warten. Auf den Aufstand der Vegetarier … und Veganer warten, die sagen: „Nee, also diese Herztransplantation bezahle ich jetzt nicht, weil vielleicht brauche ich das noch und ich hab's mir nicht mit Schweinefett kaputt gemacht, mein Herz.“ Also ihr versteht, was ich meine? Es ist natürlich so eine hoch ethisch fragwürdige Entscheidung, das so zu machen, aber es ist schon so: Als Kollektiv zahlt man in so eine Kasse ein und wenn sich wenn so eine Uneinigkeit besteht oder sich so ein bestimmtes Kollektiv herausbildet, das auf eine bestimmte Art lebt und bestimmte Dinge vermeidet, ich finde es dann schwierig, so die Verantwortung für Personen zu übernehmen, die das nicht machen oder so. Ich finde das diskussionswürdig zumindest.

Carsten: Ja, das ist so eine Art Stresstest für eine Solidargemeinschaft. Wie weit kann man das dann noch tragen? Auch für sich selber noch verantworten? Da fängt es dann ja an oder geht es da ja auch noch weiter.

Hannah: Ich lese ja gerade dieses „Harte Kost“. Ich finde, das ist so ein Weltuntergangsphänomen, aber das ist dann schon die Überlegung: Wir machen den Planeten kaputt, wir machen unsere Umwelt kaputt, wir machen unser Miteinander kaputt dadurch, dass wir es machen, wie wir es machen und dadurch, dass es gemacht wird, wie es gemacht wird. Wen unterstütze ich, wo mache ich mit, wo stecke ich meine Kraft rein? Oder erhalte ich das erst mal so, dass ich einfach gucke, dass ich vegan bleibe, so lange wie ich kann, weil es das ist, was ich gerade machen kann. Es ist ja auch so, vielleicht ist das der erste kleine Protest zu sagen: Okay, ich entscheide mich dagegen.

Carsten: Also für mich ist wichtig, bessere Entscheidungen zu treffen. Nicht die beste, die werde ich nie treffen, aber ich kann im Vergleich zu den Entscheidungen, die ich in der Vergangenheit getroffen habe, sagen: Das, was ich heute entscheide, ist besser. Und dann kann ich im nächsten Schritt gucken: Kriege ich noch eine bessere hin? Also bei uns war es das Thema Palmöl. Also wir haben erstmal angefangen mit vegan und haben dann auch Produkte gekauft, in denen Palmöl drin ist, haben uns aber zu dem Zeitpunkt, wo wir gesagt haben, wir leben jetzt vegan, schon eigentlich relativ gut gefühlt, bis wir dann irgendwann gemerkt haben: Na, Palmöl ist ja auch irgendwie sehr zweifelhaft. So, und dann haben wir quasi noch eine bessere Entscheidung getroffen, dass wir jetzt eben Palmöl vermeiden, da wo es geht. Und so hangelt man sich immer lang. Das ist ein Prozess. Ich komm dann nie ans Ende, ich komme immer irgendwo an einen Punkt, wo ich denke, die Entscheidung, die ich jetzt gerade getroffen habe, die ist zwar in Relation zur Vergangenheit besser, aber auch da stoße ich jetzt an Grenzen. Ich habe vielleicht jetzt gerade mein Geld einem Unternehmen in die Hand gedrückt, was wieder zweifelhafte Aktionen gefahren hat, wo ich nicht mit einverstanden bin oder was im Endeffekt doch irgendwie Greenwashing gemacht hat und …Also das ist ein Prozess, ich weiß nicht, ob der jemals aufhört. Es wird immer irgendwie für mich so Eckpunkte geben, wo ich merke: Das ist suboptimal, beim nächsten Mal machst du es besser. Aber allein die Tatsache, dass ich in so einer Iteration drin bin, dass ich versuche, besser zu werden, das ist für mich schon ein Punkt, wo ich sage: Grundlegend mach ich es richtig.

Stefanie: Aus deiner Sicht.

Carsten: Aus meiner Sicht, klar.

Stefanie: Wenn dann wieder jemand kommt, der dann …

Carsten: Von außen betrachtet wird immer irgendjemand was finden und sagen: Ja, das und das und das und das. Aber darum geht es ja gar nicht.

Hannah: Das musst du auch noch machen, das muss ich nicht machen. Aber du, der ja sowieso gerade versucht, …

Carsten: Genau, ich bin ja nicht perfekt. Ja, aber ich kann dann für mich, meine eigene persönliche, mir gegenüber liegende Rechtfertigung ja sagen: Ich mache es zumindest. Ich versuch, das dann einfließen zu lassen und beim nächsten Mal besser zu entscheiden. In der Vergangenheit war mir das alles schnurzpiepegal. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Da war so gut wie jede Entscheidung falsch oder schlecht.

Stefanie: Ja, also ich finde dieses falsch und richtig so ein bisschen schwierig. Also ich würde es jetzt nicht so schwarz/weiß sehen wollen. Also bei mir ist es so, dass ich eigentlich die meiste Zeit nach dem Gefühl gehe, was jetzt gerade für mich richtig ist. Ja, jetzt bin ich auch bei richtig und falsch, jetzt bin ich in dem gleichen Muster gelandet. Was sich für mich gut anfühlt, sagen wir mal so. Nur kurz mit den Kühen nochmal: Ich wusste das eigentlich ja schon irgendwie ein Jahr oder so oder ein 3/4 Jahr, dass es da Babykühe gibt sozusagen und so und das Schicksal der Milchkühe. Und habe dann aber auch noch den Anstupser gebraucht von Carsten, als er dann gesagt hat: So wir verzichten jetzt auf die Milch. Und vorher wusste ich das aber auch, und trotzdem habe ich irgendwie damit gelebt. Also so, ich glaube, das ist einfach, es kommt so mit der Zeit einfach, so alles so nach und nach …

Hannah: Ja, man trifft immer die bestmögliche Entscheidung.

Stefanie: Für einen selbst.

Hannah: Ja. Wie gesagt, ich war echt einer von den Veganer-Bashing-Leuten. Ich hab ganz oft diese Sprüche gemacht: „Du isst meinem Essen das Essen weg.“ und so, war da überhaupt nie offen und trotzdem war das das Beste, was ich gerade machen konnte. Das war nicht die Zeit, in der ich die Kraft hatte, die Ressourcen hatte, mir darüber Gedanken zu machen, was ich eigentlich tue und so. Nicht nur, weil ich eine Essstörung hatte, sondern weil ich einfach auch noch ganz viele andere Sachen zu tun hatte. Deswegen war ich nicht unbewusst oder irgendwie so ganz raus und es war mir auch nicht egal. Aber es war nicht das, worum ich mich gerade kümmern konnte. Ich habe zum Beispiel, das mit dem Palmöl habe ich auch aufgehört, weil: Ich habe nicht die Kraft, bei jedem Einkauf zu gucken, was steht hinten drauf. Wenn ich die Kraft habe, dann mache ich es und dann treffe ich diese Entscheidung dagegen. Genauso wie bei Plastik: Wenn ich gerade die Kraft habe, alles so mit den Händen zu tragen oder meine Tasche zu stopfen, dann kaufe ich auch keine neue Plastiktüte. Dann gucke ich eher, dass ich einen Stoffbeutel dabei habe oder so. Aber wenn das alles nicht geht, dann kaufe ich auch eine Plastiktüte und benutze sie so oft, bis sie kaputtgeht. Ich glaube, das Bewusstsein um die Optionen, die man hat, ist das, was es dann verändert. Und ich glaube, es ist auch wichtig, so Schwachstellen zu kennen, oder den Verbesserungsbedarf, sagen wir es mal so. Ich würde jetzt nicht sagen: Veganer haben sie so ein Omnipotenz-Anspruch oder wir Weltenrettungs-Gutmenschen oder so. Wir wollen ja nicht alles auf einmal verändern. Aber ich glaube es ist schon wichtig zu sehen, was man verändern könnte, damit es weniger scheiße ist als jetzt. Ich finde Müll, ich finde Lebensmittelverschwendung richtig schlimm. So habe ich angefangen vor ein paar Jahren, dass ich in den Container gestiegen bin, weil ich kein Geld hatte und dabei festgestellt habe: Ey, hallo! Ich hätte jetzt auch in den Laden gehen können, dann hätte ich mir das alles kaufen können. Aber dann wäre ich in den Laden gegangen und hätte das gekauft. Und jetzt wurde das weggeschmissen. Hä? Was geht hier? Also das finde ich richtig schlimm. Gerade wenn man irgendwie, wie – ich weiß nicht, wie ihr aufgewachsen seid, aber vielleicht habt ihr auch immer so gehört: Ja, woanders sterben Kinder, weil sie nichts zu essen haben.

Carsten: Genau. Erst mal den Teller leer, hier.

Hannah: Ich habe immer alles aufgegessen. Ich habe immer alles brav im Laden gekauft und trotzdem wird total viel weggeschmissen und trotzdem verhungert irgendwo anders jemand. Das ist so! Ich finde es wichtig, das zu sehen und wichtig, darüber zu reden und das auch so zu machen, wie ihr das mit dem Podcast macht, dass es ganz viele Menschen hören können und einsteigen können und die Option haben, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Sich das anzuhören und dann zu überlegen: Integriere ich das jetzt in mein Leben oder ist es gerade einfach nicht die Zeit? Aber dann habe ich es wenigstens schonmal gehört und irgendwann anders wird es wieder relevant. Ich glaube, man muss immer diese Option haben.

Carsten: Und dadurch erwächst auch die Selbstwirksamkeit. Du hattest das vorhin mal angestoßen. Aber das fällt mir jetzt noch gerade wieder auf, weil, je mehr ich, ich persönlich mich mit diesen Dingen auseinandersetze: vegan, Palmöl, Plastik, Müllvermeidung, etc., desto stärker habe ich das Gefühl, selbstwirksam zu werden, weil ich einfach diese einzelnen Punkte so peu a peu … Ich komme von dem einen aufs nächste, mach das in meinem Tempo. Es gibt auch durchaus Situationen, wo ich denke, ich bin total überfordert, es kotzt mich gerade alles an, ich schaffe das nicht, die Welt ist grundlegend übel und so. Diese Negativphase kommt dann wieder, dass man einfach diese Überforderung wieder wahrnimmt. Aber generell so auf lange Sicht gesehen ist es wirklich so: Ich fühle mich selbstwirksam. Mensch, ich habe das jetzt geschafft. Ich bin jetzt vegan geworden. Das war doch so eine riesige Hürde und jetzt im Nachgang total lächerlich. Also finde ich lachhaft, was für Angst ich vorher hatte. Weil nachher, als ich drin war, war es total einfach. Es hat vielleicht sogar Spaß gemacht. Das war interessant und es war nicht mal ansatzweise so aufwendig, wie ich es mir vorher in meinen kühnsten Ängsten vorgestellt habe. Dann fange ich an, mit dem Plastik, da haben wir diese Dokumentation gesehen. Ich bin dann bei uns in der Küche gestanden und hab dann erst mal gedacht: Scheiße, da kommst du nie raus, überall Plastik.

Stefanie: Alles voller Plastik!

Carsten: Jetzt gehe ich in die gleiche Küche, mache den gleichen Schrank auf und stell fest: Das ist schon deutlich weniger geworden! Ich nähere mich einem besseren Zustand an und fühle mich selbstwirksamer, weil ich es selber mache. Es ist nicht so, dass ich jetzt dieses fatalistische Moment habe, wo ich denke, irgendjemand wird es machen oder das Leben wird das schon irgendwie richten, sondern nein, wir machen das, ich mache das. Und das ist ein unglaublich gutes Gefühl und je häufiger man das erlebt, desto stärker wird es. Und ich sag jetzt mal so: Resonanz auf unseren Podcast ist so ein so ein Thema; die Tatsache, was ich vorhin schilderte, dass ich im Kollegenkreis nicht als Außenstehender betrachtet werde, der abwertend irgendwo behandelt wird, sondern wo ich mich quasi auf gleicher Ebene als als Veganer positionieren kann und komme mir nicht vor wie so ein Alien. Das ist etwas, wo ich dann Bestätigung bekomme und das bringt mich einfach dazu, zu sagen: Ja, ich kann auch den nächsten Schritt, da kommt noch irgendwie eine Herausforderung. Die sehe ich heute vielleicht nicht, aber ich bin mir sicher, da kommt ein Thema, was ich heute noch nicht sehe, was eine riesige Hürde erstmal darstellt. Aber die kann ich nehmen, weil ich die anderen vorher auch schon genommen habe.

Stefanie: Gerade wollte ich sagen, dass es einfach jetzt auch viel einfacher geworden ist alles. Als ich damals vor vielen, vielen Jahren Vegetarierin geworden bin, da war ich immer die Einzige. Also ich war immer allein, aber es hat mir nichts ausgemacht. Ich war immer irgendwie anders. Ich war außen und anders und das war halt so und ich habe das so hingenommen und das gehörte so dazu. Meine Eltern haben so weiter gegessen, mein Bruder hat so weiter gegessen, ich war immer allein. Aber meine Oma hat mir damals vegetarische Kochbücher geschenkt, das fand ich nett von ihr. Und ich habe auch immer gekocht, ich habe auch für mich selbst gekocht, ich musste das sowieso machen. Und jetzt, heute, finde ich, zum einen ist es über die Jahre viel einfacher geworden, vegetarisch zu essen. Ich finde, vegetarisch gehört schon fast mit dazu. Es gibt eigentlich überall was Vegetarisches. Jetzt ist es das, was ich früher vor 20 Jahren hatte mit vegetarisch, ist jetzt heute das vegan so ein bisschen. Wobei das vegan ja jetzt durch diesen Hype und Trend und was weiß ich auch jetzt mehr etabliert ist schon, finde ich, also mehr in den Köpfen der Leute, und es gibt ja jetzt so viele Produkte zu kaufen und so viel und überall gibt es vegane Optionen und so. Vielleicht nicht überall so auf dem Land, da ist es manchmal noch schwierig, haben wir festgestellt. Aber sonst finde ich, es ist auch einfach viel einfacher geworden.

Hannah: Also für mich ist es immer noch so ein bisschen eine Hürde, danach zu fragen. Also ich hatte das jetzt, vor zwei Wochen habe ich so ein Eis, Frozen Joghurt – oh, lecker, super lecker – und es war jetzt so mein Sommer-Ding und ich habe das die ganze Zeit: Ich bin einfach in den Laden gegangen und habe immer so, ich habe da so meine Schwierigkeiten, so was bestellen und so. Und dann stand ich da und war immer schon so aufgeregt und habe das nie geschafft, „mit Sojamilch“ zu sagen und habe einfach immer nur: einmal mit, was ich wollte, also das war dann Kuhmilch. Und dann hatte ich aber irgendwann so einen Moment. Und dann bin ich da so reingestiefelt, richtig mit Anlauf, und habe das ganz schnell gesagt. Und ich weiß gar nicht, ob ich es wirklich so ausgesprochen habe. Aber ich glaube, die Person hatte schon gemerkt, ich möchte was anderes als das Normale. Und die Alternative von normal war ja Soja. Diese Konstellation hat es mir so leichter gemacht, dann diese Hürde zu nehmen. Und dass das dann geklappt hat, hat auch irgendwie so: Ich schaff das jetzt immer, hinzugehen und zu sagen: Ich möchte es aus Sojamilch. Aber dafür braucht es auch diese ganzen Fehlschläge vorher, bis ich so diesen Anlauf hatte. Bis ich dann so genervt war von mir selber, dass ich das nicht geschafft habe, die alternative Variante zu bestellen. Aber dann hat es funktioniert und seitdem ist es gar nicht mehr so ein Problem. So ähnlich ist es, wie damals, ich hatte eine Situation mit einer Person, da waren wir unterwegs. Und sie war vegan und ich noch nicht. Und wir wollten essen gehen und es gab kein Geschäft, wo es ging, also wo es irgendwas wirklich Veganes gab. Und ich hatte irgendwie gedacht: „Oh, jetzt, das ist doch jetzt total künstlich, wir können doch überall hingehen, hier sind doch lauter Geschäfte. Wieso kann sie in keins reingehen? Ist doch nicht so wichtig.“ Und heute denke ich so: „Oh, was für eine Scheißsituation für sie und mein Unverständnis dazu.“ Aber auch das musste ich erst mal leben. Man muss auch irgendwie erst mal so diesen Switch hinkriegen. Für Veränderung braucht's Entwicklung und für Entwicklung muss man auch so eine Erfahrung machen. Auch auf die Nase fallen.

Stefanie: Also es war bei mir ja auch so, als ich vegetarisch gelebt habe, da wurde ich ja auch gefragt: „Ja, aber nicht vegan?“ Und da habe ich immer gesagt: „Nein, so verrückt bin ich nicht.“

Hannah: „Ja, ich bin doch ganz normal.“

Stefanie: „Nicht vegan jetzt hier, vegetarisch, das ist nicht schlimm, aber vegan.“ Ja, man muss irgendwie sich erst mal so dahin entwickeln, das stimmt. Also das braucht einfach seine Zeit und wir sind alles Menschen. Wir sind eben nicht perfekt.

Carsten: Genau.

Hannah: Es interessiert mich jetzt: In Hamburg sagt man tschüss … ich würd das jetzt gerne mal singen.

Carsten: Erst ganz zum Schluss.

Stefanie: Erst darfst du dich bedanken.

Carsten: Ja okay. Ich bedanke mich natürlich ganz herzlich. Wir haben jetzt ein sehr ausführliches und aus meiner Sicht auch sehr umfangreiches Gespräch, also auch thematisch sehr umfangreich. Ganz, ganz viele Facetten, ganz viele Aspekte, fand ich extrem spannend und du hast mir auch, Hannah, noch den einen oder anderen Punkt so quasi genannt oder damit angestoßen, den ich vorher gar nicht so auf der Agenda hatte. Stefanie hat das gerade schon gesagt mit dem Krankenhaus.

Stefanie: Ja, solche Sachen sollten wir durchaus nochmal recherchieren.

Carsten: Vielen, vielen Dank, vielen, vielen Dank für die ganzen Anregungen, für das unglaublich nette Gespräch.

Hannah: Ja.

Stefanie: Vielen Dank natürlich auch von mir. So, und jetzt möchtest du sehen, wie das geht. Dann leg mal los.

Carsten: Ja, in diesem Sinne.

Stefanie: In Hamburg sagt man Tschüss …

Carsten: … und auf Wiederhören.

Hannah: Bis dann!

Folge 40 - Vegan sein verpflichtet

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Folge 40 - Vegan sein verpflichtet

In dieser Folge

  • greifen wir einen Hörer*innenwunsch auf und sprechen über das Thema "Selbstkritik/Kritik an der veganen Szene",
  • erzähle ich Dir von einer E-Mail, die mich inspiriert hat und
  • senden wir immerhin 2 O-Töne :-)

Ursprünglich war diese Folge ganz anders geplant- dann kam das Leben mal wieder dazwischen und so gibt es heute kein Special zum Weltvegantag, sondern eine Folge zu einem Wunschthema.

Damit haben wir das Thema "Selbstkritik" aber noch nicht erschöpft- es wird uns weiterhin begleiten.

In dieser Folge geht es erst einmal um die Frage, ob ich als Veganerin ein veganes Buch kritisieren darf oder ob ich, dem größeren Wohl verpflichtet, dieses Buch loben muss, auch wenn es nicht meiner Meinung entspricht.

Wie denkst Du darüber?

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Darf ich als Veganerin ein veganes Buch kritisieren, wenn es mir nicht gefällt oder muss ich meine Meinung dem größeren Wohl unterordnen?

Wir sind gespannt auf Deine Meinung!

Carsten & Stefanie

Folge 39 - Die Grenzen des Wachstums

Ein Beitrag

Folge 39 - Die Grenzen des Wachstums

In dieser Folge

  • erzähle ich Dir und Carsten von einem Filmabend, bei dem ich war,
  • sprechen wir über die Wandelwoche in Hamburg
  • und über die vielen Intiativen, die es in Deutschland schon gibt.

Auf den Filmabend bin ich über einen Tipp in der Hamburger Straßenzeitung, der Hinz&Kunzt gekommen und darüber auch auf die Wandelwoche.

Es ist so spannend immer wieder neue Konzepte und Intiativen kennenzulernen, die alle ebenso auf der Suche sind, wie wir.

Nach dem Film "Die Grenzen des Wachstums und das bessere Leben" der Journalistin Karin de Miguel Wessendorf, gab es noch eine Podiumsdiskussion, die ich aufgezeichnet habe.

Da sie 50 Minuten lang ist, findest Du sie hier:

Links zur Folge

Den Film "Weniger ist mehr. Die Grenzen des Wachstums und das bessere Leben"
Anschauen

Die Wandelwoche
http://www.wandelwoche.org/

Unsere Podcastfolge zu "Tomorrow"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-19-tomorrow-die-welt-ist-voller-loesungen

Unsere Podcastfolge zur Veggienale
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-38-veggienale

Mein Artikel "Bio zwischen Wunsch und Wirklichkeit"
http://du-veraenderst-die-welt.de/blogartikel/bio-zwischen-wunsch-und-wirklichkeit

Radtour "Hamburg vegan erkunden"
http://du-veraenderst-die-welt.de/radtour

Audioguide zur Radtour "Hamburg vegan erkunden"
http://guidemate.com/guide/Hamburg-vegan-erkunden-Die-Radtour-57f6137de4b03ae5c930acbe

Spaziergang "Hamburg vegan erkunden"
http://du-veraenderst-die-welt.de/spaziergang

Grünanteil
https://beta.gruenanteil.net/

Und jetzt sind wir neugierig...

Bist Du der Meinung, dass ein gutes Leben für alle möglich ist?

Wir freuen uns über Deinen Kommentar.

Carsten & Stefanie

Folge 38 - Veggienale & Fairgoods

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Folge 38 - Veggienale

In dieser Folge

  • berichten wir Dir von der Veggienale, der Messe für vegane Lebensweise,
  • erzählen wir was ich während meiner Podiumsdiskussion erlebt habe
  • und präsentieren die O-Töne, die Carsten gesammelt hat.

Die Veggienale hat am 15. und 16.10.2016 zum ersten Mal in Hamburg statt gefunden. Gemeinsam mit der Messe für nachhaltiges Leben, der fairgoods Messe.

Es gab ein buntes Rahmenprogramm, einige Aussteller und viel zu essen.

Carsten hat einige Besucher dazu befragt, wie sie auf das Thema vegan und die Messe aufmerksam geworden sind.

Die Messe findet in den kommenden Monaten noch in Köln, Graz, Nürnberg und Hannover statt.

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Warst Du auch auf der Veggienale? Wie hat es Dir gefallen?

Wir freuen uns über Deinen Kommentar.

Carsten & Stefanie

Folge 37 - Vegane Eltern, mangel­ernährte Kinder

Ein Beitrag

Folge 37 - Vegane Eltern, mangelernährte Kinder

In dieser Folge

  • sprechen wir über einen Artikel, den Carsten beim Bahnfahren gesehen hat,
  • über die Emotionen, die dieser Artikel bei Carsten ausgelöst hat
  • und wie wir mit "Veganbashing" umgehen.

Vielleicht geht Dir das manchmal auch so. Du fährst Bahn und Dein Gegenüber liest eine Zeitung. Und dann springt Dir eine Überschrift ins Auge, die Dich neugierig macht.

Du beobachtest wie Dein Mitreisender den Artikel gespannt liest und fragst Dich, was er dabei wohl denkt. Du kannst aber nicht mehr als die Überschrift erkennen und das macht Dich ganz rappelig.

So ging es Carsten vorgestern, als er beim Bahnfahren die Überschrift "Veganer Wahnsinn - Mutter lässt Baby fast verhungern" in der Zeitung einer Mitreisenden las.

Diese Situation in der Bahn und der Artikel selbst haben Carsten nicht in Ruhe gelassen, so dass diese Podcastfolge entstanden ist.

Vollständiges Transkript

Stefanie Carsten hat da mir vorhin so einen Artikel zugeschickt aus der Mopo.

Carsten Der Hamburger Morgenpost.

Stefanie Ja, ja, unser Leib und Magenblättchen, das wir jeden Tag konsumieren und Carsten auch immer – was, gibt es auch eine Seite 3, aufschlägt.

Carsten Gibt's eine Seite 3?

Stefanie Keine Ahnung. Auf der Internetseite gibt es auch eine Rubrik Girls, hab ich gerade gesehen.

Carsten Super, die muss ich mir morgen früh noch mal anschauen. Ja, also ich habe keine Ahnung, was die Zeitung insgesamt alles schreibt. Ich lese sie so nicht. Ich habe heute quergelesen.

Stefanie Wie bist du überhaupt darauf gekommen? Erzähl mal!

Carsten Ja, ich fahre ja ein Teilstück meiner Berufsstrecke, um zur Arbeit zu kommen oder nach Hause zu fahren mit der S Bahn. Ja, und habe dort eine Frau so quasi diagonal von mir sitzen sehen, die die Mopo aufgeschlagen hatte und dann genau diesen Artikel gerade las. Und die Überschrift stach mir sofort ins Auge: „Veganer Wahnsinn, Mutter lässt Baby fast verhungern!“

Stefanie Genau. Und ich habe gedacht, ich lese das mal einmal vor, es ist auch nur ganz kurz. Oder willst du vorher noch was sagen?

Carsten Nee, lies mal erst vor.

Stefanie Das ist gut. Also: „Fayette County -

Unglaublich: Eine 33-jährige Mutter aus dem US-Staat Pennsylvania muss sich jetzt wegen Kindeswohlgefährdung vor Gericht verantworten. Elizabeth Hawk, eine passionierte Veganerin, hatte ihrem elf Monate alten Sohn wochenlang nichts als Beeren und Nüsse zu essen gegeben. Er wäre fast verhungert. Als das Jugendamt in der Wohnung der alleinerziehenden Mutter nachsah und bei dem Baby erhebliche Entwicklungsstörungen und Ausschlag feststellte, hatte Mutter Elizabeth Hawk das mit Allergien abgetan, an denen ihr kleiner Sohn angeblich leiden würde.

Dagegen heißt es in einem Gerichtsgutachten, der kleine Junge sei fast verhungert, der Ausschlag und die Ekzeme an seinem Körper seien so schlimm gewesen, dass die Gefahr einer Blutvergiftung bestand. Außerdem sei er körperlich so schwach, dass er nicht mal krabbeln konnte. Das Baby kam sofort in eine Klinik im Fayette County. Nach mehrwöchiger Behandlung geht es ihm inzwischen wieder besser. In der Zwischenzeit haben die Behörden der Mutter das Sorgerecht vorläufig entzogen und den Jungen bei seinem Vater untergebracht.

Hawks Schwägerin Brandy, die in der Nähe wohnt, hatte die Mutter immer wieder auf ihre extreme Ernährungsphilosophie angesprochen und umzustimmen versucht. Aber die fanatische Veganerin habe sich nichts sagen lassen: „Ihr Ziel war es, nur noch von Wasser und Sonnenlicht zu leben.“

Carsten Ja, man muss dazu sagen, dass diese Berichterstattung in der Hamburger Morgenpost eigentlich so dieser Ecke Boulevard entspringt. Für die Nichthamburger·innen: sie ist auf Bildzeitungsniveau quasi das lokale BildZeitungsPendant und ist halt sehr...

Stefanie Deswegen ja auch die Girls.

Carsten Genau die dort. Ja, ich glaube, das ist einfach so unsere Bild Zeitungs Abklatsch. Mehr weiß ich nicht. Ich denke mal, die haben das Konzept irgendwie übernommen. Auf jeden Fall reißerische Titel, wie man das schon mit diesem „Veganer Wahnsinn“ mitbekommt und dementsprechend inhaltlich. Hm, naja. Also ich weiß natürlich, wie die Mopo tickt bzw. normalerweise tituliert, dass es so reißerisch ist und trotzdem hat mich dieser Artikel. Ja, aufgeregt. Ich fühlte mich irgendwie angegriffen, wahrscheinlich, weil wegen dieses Attributs „Veganer Wahnsinn“, dass da verwendet wurde.

Stefanie Also was hat dich da jetzt so getroffen? Also bei mir war es jetzt so, dass ich mir gedacht habe, naja, wieder so ein Blödsinn halt. Aber was hat dich jetzt so getroffen?

Carsten Ich stehe ja dazu, vegan zu leben. Ich identifiziere mich damit. Und irgendwie hat es bei mir was angetriggert, wo ich mich als Mitglied dieser Gruppe oder eigentlich Gesellschaftsgruppe.

Stefanie Dieser Sekte...

Carsten Dieser Sekte, genau!

Stefanie fanatisch...

Carsten Von dieser fanatischen Sekte.

Stefanie Die nur von Wasser und Sonnenlicht lebt.

Carsten Aber ich weiß nicht was daran schwächt? Also das funktioniert! Für ein paar Minuten oder so..

Stefanie Wir leben auch von Wasser und Sonnenlicht. Wir haben Essen, noch ein paar andere Sachen, aber.

Carsten Also den kompletten Nachmittag über von Wasser und Sonnenlicht. Ja, das funktioniert hervorragend. Genau. Bis zum Abendbrot.

Stefanie Also, was stört dich jetzt?

Carsten Genau das. Genau das ist das Problem, was ich da empfinde. Also, ein richtig guter Umgang mit einem solchen Artikel fällt mir sehr schwer, weil im Hintergrund immer dieses Kindesleid existiert.

Stefanie Und es ist eher so dein „Du als Vater“?

Carsten Ich kann das nachvollziehen. Klar, ich habe ja von meiner Vatersituation auch den Anspruch, dass mein Kind gesund aufwächst, wohlgenährt, eine physiologisch und geistig ganz normale Entwicklung durchmacht und fühle mich da in irgendeiner Art und Weise ja durchaus angegriffen. Wenn eine solche Berichterstattung so schwarz weiß, malerisch und auch total verzerrt auf einmal ein Bild zeichnet, wo die Veganer·innen in eine ganz extreme Ecke rein gepusht werden, die eigentlich mit vegan so gar nicht viel zu tun hat. Also ich meine, das könnte genauso gut eine Metzger Familie gewesen sein, die ihr Kind verhungern lässt.

Stefanie Ja und dieser Trend nur von Licht und Liebe zu leben. Es gibt ja diese, die nur von Sonnenlicht und ich weiß nicht oder Prana irgendwie so was leben. Das hat mit vegan nichts zu tun.

Carsten Das sind einfach Leute, die total abgedreht sind.

Stefanie Und ja, es ist auch gefährlich. Es gab mal einen Artikel in der Kochen ohne Knochen, wo genau darüber geschrieben wurde, dass du nicht nur sagen kannst, jede·r hat das Recht auf seine Meinung, das sind halt einfach Menschen, die haben eine ganz andere Meinung als wir, sondern es ist eben auch gefährlich, weil Menschen dadurch auch sterben können, wenn sie dem anheim fallen. Und vielleicht ist es ja auch das, dass es gleichgesetzt wird damit, dass vegan wie eine Sekte ist und man stirbt, Kinder sterben.

Carsten Genau. An Mangel oder so. Ja, ich sag mal spinnerte Leute gibt es in jeder Gesellschaftsform.

Stefanie Aber du bist nicht spinnert und deswegen willst du...

Carsten Ich will auch nicht spinnert sein. Nein, aber das spinnerte selber hat mich ja nicht aufgeregt. Einfach so, dieses Attribut vegan. Also das mag jetzt ein bisschen zynisch klingen, weil im Hintergrund wie gesagt, dieses Kindesleid noch mit hineinspielt, aber wenn ich jetzt eigentlich nur diese Überschrift tituliert hätte „Wahnsinn, Mutter lässt Kind fast verhungern“. Ja, das wäre keine Schlagzeile mehr. Das würde niemanden mehr hervorlocken. Es ist wirklich dieses Attribut „Vegan“ bzw. ich muss irgendeine Gruppierung wählen, die als Randgruppe oder als kleinere Gruppe bekannt ist. Vielleicht die sowieso irgendwie...

Stefanie Ja, wo ist jetzt gerade der Hype, trendy, hip bla? Alle sprechen davon, dass vegan gerade so hip ist.

Carsten Genau. Also man muss sich immer irgendwie zuspitzen. Und dann wird daraus eine Schlagzeile. Dann haben wir.

Stefanie Die verrückten Veganer wieder.

Carsten Dieses skandalöse wieder. Genau. Ja.

Stefanie Ja, was natürlich, wenn man mal das jetzt so ein bisschen in die Realität wieder einrückt. Ein 11 Monate altes Kind, am besten ist es natürlich, es wird gestillt. Das weiß natürlich keiner, ob das gestillt wurde oder nicht. Wenn es voll gestillt wird, ist es sowieso egal, ob es jetzt nur Beeren und Nüsse noch isst, denn wenn es voll gestillt wird, dann kriegt es genug Nahrung. Ich will jetzt nicht in die Details der Milchproduktion gehen, aber es ist ganz normal, dass eine Mutter, ob sie jetzt eine menschliche Mutter ist oder eine tierische Mutter, eine Mutter, die säugt, hat eigentlich immer genug Milch für das Kind. Und wenn sie das nicht hat, dann gibt es eben bestimmte Ursachen. Aber wie dem auch sei, ein 11 Monate altes Kind, das arme Ding hat nur Beeren und Nüsse gegessen. Ja, natürlich finde ich es nicht gut, wenn eine Mutter ihr Kind verhungern lässt. Und gerade mit dieser Philosophie, sie wollte nur noch von Wasser und Sonnenlicht leben.

Carsten Nur das hat halt mit vegan nichts zu tun. Der Punkt, der reibt mich da auf, wo ich dann denke: Hey, ich bin Veganer, aber ich bin halt nicht so.

Stefanie Die fanatische Veganerin. Also was mich dann interessiert hatte, ich habe vorhin noch mal diese Kommentare durchgescrollt, weil meistens kommen dann ja die Hasskommentare, aber das hat sich alles so im Rahmen gehalten. Da haben tatsächlich das viele kritisiert.

Carsten Die Berichterstattung.

Stefanie Die Berichterstattung, dass das mit vegan nichts zu tun hat. Ja also so und das sind wahrscheinlich gar nicht selbst Veganer, aber so, dass es eben darum geht. Ja gut, einer fragt hier: „Bekommen Babys, die vegan ernährt sind, dann eigentlich Muttermilch?“ Ja, aber gut, das ist vielleicht einfach nur so und ja quasi schreiben die meisten hier, dass die Überschrift völlig daneben ist, weil es nichts damit zu tun hat. Also sich von Sonnenlicht und Wasser zu ernähren hat nichts mit Veganismus zu tun. Genau, und das schreiben die halt hier auch. Und dann gut, einer schreibt „Ja, wozu noch das Wasser? Da sind doch auch Organismen drin, das zuckt so schön unter dem Mikroskop. Also töten Veganer Lebewesen, wenn sie Wasser trinken. Wie inkonsequent sind sie eigentlich?“

Carsten Aber wir trinken doch nur destilliertes Wasser.

Stefanie Wir töten... Ja, gut. Also wie dem auch sei, aber ich hatte irgendwie eine ärgere Diskussion da drunter erwartet. Es ist aber wahrscheinlich gar nicht mehr so gehypt. Aber das ist auch ein Artikel von heute?

Carsten Den habe ich heute irgendwie direkt in der Zeitung gesehen und ich glaube das online irgendwie. Als ich ihn gesehen habe, war er gerade viel vier Stunden oder sowas halt.

Stefanie Vielleicht kommt da noch was genau. Aber was ich ja noch gesehen habe. Ich hab vorhin mal im Mopo noch nach „vegan“ gesucht. Gegoogelt wollte ich schon sagen.

Carsten Gemopot.

Stefanie Und was ich halt interessant fand, irgendwie so drei Treffer waren da so in chronologischer Reihenfolge. Der älteste vom 11. 07. 2016. „Großeltern retteten es, vegan ernährt, Baby fast gestorben“ und dann stand da noch drunter: „Die Eltern hatten dem Kleinkind wichtige Mineralien vorenthalten.“ und dann am 12. 07.2016, also einen Tag später: „Notoperation - vegan ernährtes Baby stirbt beinahe an Unterernährung“ und dann als Unterüberschrift: „Ein strikt vegan ernährtes Baby musste in Mailand notoperiert werden.“ und im Text selber steht halt „ein angeblich vegan ernährtes Baby“ also ist es überhaupt nicht sicher, dass es vegan ernährt wurde. Aber der Titel ist eben „vegan ernährtes Baby stirbt beinahe an Unterernährung“ und am 6. 08. 2016: „Weil die Eltern es vegan ernährten: Kind (1) stirbt fast an Mangelerscheinungen. Durch die vegane Ernährung wurde der Herzfehler des Kindes verschlimmert.“ und das ist das gleiche Kind von der ersten Schlagzeile und ich vermute die zweite, die mittlere ist auch das gleiche Kind. Das ist nämlich alles in Italien und es wird halt so ein bisschen ausgeschlachtet, „vegan ernährtes Kleinkind“ und es hatte einen Herzfehler. Und du kannst überhaupt nicht sagen, ob es jetzt an der veganen Ernährung lag. Keiner weiß die genauen Umstände, aber es kommt das Wort „vegan“ vor und deswegen stirbt es deswegen.

Carsten Genau ausschließlich.

Stefanie Also es ist ja nicht gestorben. Wir sind jetzt hier nicht diejenigen, die sagen naja, lasst die Menschen doch ihre Kinder mangelernähren. Darum geht es nicht. Uns geht es jetzt hier um diese Aufheizung des Begriffs „vegan“.

Carsten Wir haben ja selber ein Kind und wir achten darauf, dass entsprechend alles.

Stefanie Wobei er in dem Alter noch nicht vegan ernährt wurde.

Carsten Nein, in dem Alter nicht. Aber jetzt. Ich meine, er ist immer noch in der Entwicklung, also noch jung genug und deswegen haben wir ein Augenmerk darauf, dass er dann dementsprechend auch gut versorgt wird.

Stefanie Ja, ich habe dazu einen ganz brandheißen aktuellen Ausspruch des Erziehers [im Kindergarten] unseres Sohnes. Unser Sohn meinte heute Morgen im Beisein des Erziehers zu mir, dass er so groß werden will wie ich. Und dann habe ich zu ihm gesagt: „Ja, du wirst auf jeden Fall so groß wie ich, wahrscheinlich so groß wie Papa oder noch größer.“ Und dann meinte der Erzieher: „Werd lieber (Also Carsten ist halt sehr groß, das hatten wir am Anfang schon mal) werd lieber nicht so groß wie Papa oder größer. Da fangen nur die Probleme an, ein großes Bett zu finden und was weiß ich was alles.“ Und dann guckte er mich so an und meinte: „Na ja, du ernährst ihn ja sowieso proteinarm, dann wird er ja sowieso nicht so wachsen.“

Carsten Na, ganz toll.

Stefanie Und ich? Was hatte ich ihm heute mitgegeben? Kichererbsen. Also unter anderem. Das ist ja jetzt auch total Protein und da habe ich dann nur so gelächelt und nichts mehr gesagt.

Carsten Das ist das Bild. Genau.

Stefanie Ja. Also selbst uns passiert es eben mit intelligenten Menschen, die völlig klare Entscheidungen treffen können, sonst total offen sind, dass sie solche Sprüche raushauen.

Carsten Ja.

Stefanie Ja, also dieser Erzieher ist ein total netter Mann und ja, ich finde ihn sehr offen. Ein loyaler Typ, aber trotzdem kommt dann so was.

Carsten Ja gut, der hat mit Sicherheit auch so die ein oder andere Denkschablone im Kopf und da fällt das dann rein und dann kommen halt solche Sprüche.

Stefanie Ja, also mittlerweile denke ich dann ja, red du halt, ich weiß, wie ich mein Kind ernähre und mein Kind ist definitiv nicht mangelernährt. Wir achten auf alles, B12 wird supplementiert, Vitamin D und der Rest wird alles über die Nahrung zugeführt. Also woran ich dann auch immer denke, was die ganzen Kinder, die sich nur von Fastfood und Süßigkeiten ernähren und so, die überprüft ja auch keiner.

Carsten Da macht sich wahrscheinlich auch kein Elternteil wirklich Gedanken darüber, was gesunde Ernährung ist.

Stefanie Genau, aber bei jemanden, der sich vegan ernährt oder so, ist dann gleich so *uuh* - wobei halt wirklich wir, die wir uns vegan ernähren, uns auch total informieren und irgendwelche Beispiele so wie das jetzt mit der „Wahnsinns-Mutter die sich nur von Sonnenlicht ernährt“ Ja klar. Ich meine bei solchen Beispielen, das lässt sich halt gut ausschlachten.

Carsten Ja. Also ich glaube, mich hat am meisten gestört die Tatsache, dass dieser Artikel in der S Bahn, wo er mir aufgefallen ist, eben so lange durchgelesen wurde. Die Frau hat diese Seite sehr sehr sehr lange gelesen.

Stefanie Das der Artikel kann ja jetzt nicht länger gewesen sein als das hier, oder?

Carsten Der ist schon sehr kurz, deswegen. Ja gut, ich frag mich sowieso wie die Leute so lange in der Bildzeitung oder Mopo lesen können.

Stefanie Sie gucken sich nur das, du weißt schon, Seite drei.

Carsten Ja, also wenn ich mal jetzt abschweife, aber so die Bildzeitung ist vom Leseniveau her, wenn ich die morgens mal zufällig bei uns in der Kantine finde, ich habe die innerhalb von zwei Minuten durchgelesen und ich glaube, ich habe alles verstanden, was drin steht.

Stefanie Carsten outet sich hier.

Carsten Einmal durchblättern und weißt du was drinsteht. Da brauche ich jetzt nicht irgendwie eine halbe Stunde oder so was. Ich weiß nicht. Ich wundere mich immer, dass Leute so intellektuell dahinter sitzen und dann.

Stefanie Vielleicht hat sie gar nicht gelesen, sondern hat nur so getan als ob und hat an was ganz anderes gedacht.

Carsten Du meinst sie hat meditiert. Genau, die hat gerade Sonnenstrahlung aufgenommen und gegessen.

Stefanie Das hat gerade so gut reflektiert und so.

Carsten Das stimmt.

Stefanie Geht dir das nicht manchmal so, dass du über einem Text sitzt und du liest und liest immer wieder die gleiche Zeile oder so, weil du in Gedanken ganz woanders ist? Vielleicht war das bei ihr so.

Carsten Ja.

Stefanie Weiß man ja nicht.

Carsten Ja, bei anderen Texten ja, aber solchen weiß ich nicht. Okay, ja gut, ich will da jetzt nicht drüber lästern.

Stefanie Wir wissen das ja nicht, du kennst die Frau nicht. Ich weiß nicht, was in ihr vorgeht.

Carsten Also nee, ich konnte sie auch nicht ansprechen. Dafür war der Zug zu voll. Es war aber extrem präsent und dementsprechend.

Stefanie Und wie hast du das jetzt gesehen? Die saß dir doch gegenüber, oder?

Carsten Also ich. Ich stand.

Stefanie Ach, Du standest.

Carsten Ich bin quasi.

Stefanie Hast herüber gelukt...

Carsten Nee, sie saß direkt auf der anderen Seite. Aber neben uns saßen noch zwei Personen und der Gang selber war auch noch. Da waren auch noch einige Passagiere und ich musste quasi so zwischen zwischen zwei Passagieren durchluken und habe aber direkt auf diese Seite geschaut. Ich habe dann quasi den Blick nur geradeaus gehabt und dann habe ich die Schlagzeile gelesen und dann habe ich erst mal das, was ich lesen konnte, gelesen. Das war wirklich nur so diese Schlagzeile. Der Rest war für mich zu klein, dafür war ich zu weit weg. Aber ich habe eben wahrgenommen okay, die liest und liest. Wie gesagt, dann habe ich gedacht, okay, die bildet sich jetzt eine Meinung, die muss das ja anscheinend ernst nehmen, weil wenn sie es nicht ernst nehmen würde, würde sie jetzt umblättern und die nächsten Artikel lesen. Und dann kam halt die Emotionen hoch und das Gedankengerüst fing an sich aufzubauen und das Karussell zu drehen. Und dann habe ich gedacht, ich muss das irgendwie thematisieren.

Stefanie Ja, okay. Und so ist diese Podcastfolge entstanden. In Hamburg sagt man tschüss… Ja, okay, ich verstehe, ja. Also du hast mir das dann geschickt und ich habe das vorhin noch schnell gelesen und mich hat es jetzt nicht so berührt. Vielleicht ist es wirklich diese Situation, dass du im.

Carsten Ich denke schon.

Stefanie In der Bahn und das war einfach an diese Frau und wie die das gelesen hat. Denn so wie ich jetzt eben überflogen habe, habe ich gedacht, da ist wieder so ein spinnerter Artikel von Menschen, die einfach nur Aufmerksamkeit wollen.

Carsten Ja gut, mir hat ja auch geholfen, dass du im Nachgang nochmal direkt bei der Mopo im Onlinearchiv geguckt hattest: Wie stehen die oder wie ist die Berichterstattung jetzt zu diesem Thema? Und die geht ja klar in die Richtung, die du gerade auch schon vorgelesen hast.

Stefanie Wobei es tatsächlich so eine Folge gibt, dass die von Vincent Vegan vegane Produkte testen für die. Da habe ich gedacht: Ey, Verräter, für so jemanden macht ihr das!

Carsten Das hätte ich jetzt nicht für möglich gehalten. Ich hatte gedacht, dass die wirklich – nicht Vincent Vegan - sondern dass die Mopo direkt auf diesen Kurs ist, so vegan bashing.

Stefanie Ja nee, das ist ein bisschen älter, also irgendwie von Anfang des Jahres oder so, irgendwie „die zwei von Vincent Vegan testen einen veganen Vanillejoghurt oder so“, also so solche Sachen habe ich gerade auch noch gesehen.

Carsten Vielleicht tue ich der Zeitung ja auch Unrecht, vielleicht sind es ja eigentlich nur einzelne Redakteure, oder...

Stefanie Ja gut, wir wissen es nicht. Ich habe am Wochenende eine Folge zu Tierrechten gehört von SWR2 Wissen und SWR2 Wissen finde ich echt gut. Ich hör das fast immer nur als Podcast. Und ich weiß jetzt auch nicht, ob ich SWR2 Wissen so empfangen könnte hier in Hamburg. Aber jedenfalls höre ich mir ab und zu, wenn ich dann da im Feed eine gute Folge sehe, höre ich mir das an und das war jetzt eine Produktion vom letzten Jahr, von 2015. Nichtsdestotrotz ist es natürlich immer noch aktuell und ich fand das echt sehr gut, nur dass dann am Ende kam: „Ja, vegane Ernährung ist in manchen Kreisen im Moment ja hip“.

Carsten Was eher so abfällig rüberkommt.

Stefanie Ja und das hat es für mich, in meinen Augen total abgewertet, diesen ganzen Bericht, denn vorher war es wirklich objektiv, die haben das gut berichtet. Klar, der Großteil der Menschheit oder was heißt der Menschheit, der Großteil der deutschen Bevölkerung, sagen wir mal so, ernährt sich eben nicht vegan und die meisten sind der Meinung, wenn das Tier irgendwie einmal Sonnenlicht im Jahr erblickt, dann ist es gerechtfertigt das zu essen.

Carsten Nein, nur wenn es dann dabei einmal grinst. Es muss ja ein glückliches Tier sein.

Stefanie Ja, also gut, wir machen uns jetzt da gerade so ein bisschen drüber lustig. Ich verstehe das auch alles. Ich habe, wie gesagt, vorher auch Eier von glücklichen Hühnern gekauft und Milch von glücklichen Kühen. Ich war der festen Überzeugung, dass es so was gibt. Ich bin dann aufgewacht und ich weiß jetzt, dass es das nicht gibt. So. Punkt. Ich weiß das, dass wir uns diese Konstrukte bauen, weil wir das sonst nicht vor uns selbst rechtfertigen können. Aber ich finde, wo wir jetzt so unter uns sind, dürfen wir ab und zu mal ein bisschen drüber lachen. So also nicht, dass jetzt hier der Eindruck entsteht, ich würde das nicht verstehen. Es ist tatsächlich so, auch wir haben eine Vergangenheit, wir sind nicht als Veganer·innen geboren und selbst als Vegetarierin bin ich nicht geboren, sondern auch das musste ich mir erarbeiten. Aber wie dem auch sei, da habe ich schon einen Faden verloren. Also diese Sendung vom SWR 2 Wissen. Vorher hatte ich auch eine schöne Sendung über Bienen angehört, „Die Biene in der Kultur“. Das fand ich sehr schön. Da ist mir wieder eingefallen, dass wir noch gar keine Podcastfolge über Honig und Bienen gemacht haben. Das kommt auch noch alles.

Carsten Ja.

Stefanie Aber wie gesagt, das fand ich irgendwie, also es war wirklich objektiv. Aber dann dieser Satz und dieser Satz, da habe ich dann gedacht, ja, toll, bei vegan geht es wirklich nicht ums hip sein. Du hast ja diesen Artikel geschrieben, wo du dich auch darüber aufgeregt hast, dass so „Ja, ach, du bist ja vegan, du darfst das ja nicht essen.“ Und das gleiche gilt für „Ja, ach ja, du machst das ja nur, weil das hip ist oder trendy oder was auch immer.“ Und wenn jetzt was anderes hip ist oder trendy, dann machst du halt was anderes. Und darum geht es gar nicht. Das ist für uns ein Lebensstil oder eine Einstellung. Und ja, wir können nicht anders, es geht nicht anders. Ich kann das vor mir selbst nicht rechtfertigen, anders zu leben. Und ja, es ist halt einfach so.

Carsten Ja und so eine Äußerung, es ist hip, das wertet das Ganze wieder ab. Ja, du kannst im Vorfeld, ich weiß nicht, 20 Minuten oder so was geht normalerweise so eine Sendung kannst du wirklich merken, es ist inhaltsvoll, auch sehr gut recherchiert. Und der letzte Satz, der bügelt das dann quasi noch mal irgendwie so beiseite.

Stefanie Und das ist wie, fällt mir jetzt gerade ein, wie bei „Harte Kost“, wo du immer gesagt hast: so hey da wurden die Konzepte vorgestellt und dann im letzten Satz sagt er dann ist sowieso alles doof. Also so ähnlich ist es halt auch. Ja, aber ich wollte jetzt gar nicht hier so ewig darüber reden.

Carsten Nein, wir sind von der Mopo gekommen, von diesem Artikel.

Stefanie Eigentlich nur, dass du dich darüber aufgeregt hast, du nicht gesagt habe: Hey, lass uns doch gleich das teilen mit unseren Hörern und Hörerinnen, mit dir, und vielleicht geht es dir ja auch so...

Carsten Liebe·r Hörer·in, wie reagierst du denn, wenn du solche Schlagzeilen siehst, gerade bei ja, ich sag jetzt mal so Zeitschriften oder Magazine oder Zeitungen, die schon einigermaßen auflagenstark sind. Gut, die Mopo ist jetzt nicht überregional, aber hier in Hamburg eben schon sehr, sehr bekannt und dementsprechend auch in der breiten Leserschaft vorhanden.

Stefanie Und ich meine, solche Titel gibt es ja auch immer wieder. Also nicht nur in der Mopo.

Carsten Lässt dich das kalt oder bist du genauso emotional getriggert wie ich jetzt heute? Das wäre mal ganz interessant.

Stefanie Oder bist du so tiefenentspannt wie ich?

Carsten Also ich glaube, die nächsten Male, wenn mir solche Schlagzeilen über den Weg laufen, werde ich auch ein bisschen gefasster reagieren können. Und wir werden jetzt auch nicht jedes Mal, wenn die Mopo berichtet eine Podcastfolge machen, das ist jetzt nicht Sinn der Sache.

Stefanie Jetzt jeden Abend.

Carsten Es war einfach nur so, dass das Thema einfach hochgekommen ist und ich hatte einfach Redebedarf. Und ich kann mir vorstellen, dass vielleicht so von der Reaktion oder von den Gedankengängen, die wir jetzt so geäußert haben, der·die eine oder andere Hörer ein ähnliches Erlebnis hat oder das auch so schildern kann.

Stefanie Jetzt haben wir über ein kleines Thema ganz lange geredet. Wie schön. Ich wollte eigentlich eine kurze Folge machen.

Carsten Gut, dann kürzen wir sie ab. Okay? Und sagen: In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Mopo-Artikel "Veganer Wahnsinn"
ist mittlerweile offline, lässt sich noch über archive.org abrufen: https://web.archive.org/web/20201108121910/http://www.mopo.de/news/panorama/veganer-wahnsinn-mutter-laesst-baby-fast-verhungern-24874266

SWR2 Wissen "Menschenrechte für Tiere"
mittlerweile gibt es nur noch das Transkript zur Folge: https://www.swr.de/-/id=15342780/property=download/nid=660374/t4g3e1/swr2-wissen-20150711.pdf

Carstens Artikel "Ach ja, Du darfst das ja nicht essen..."
http://du-veraenderst-die-welt.de/blogartikel/ach-ja-du-darfst-das-ja-nicht-essen

Unsere Podcastfolge zu "Harte Kost"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-24-harte-kost-von-valentin-thurn-und-stefan-kreutzberger

Mein Artikel "Bio - zwischen Wunsch und Wirklichkeit"
http://du-veraenderst-die-welt.de/blogartikel/bio-zwischen-wunsch-und-wirklichkeit

Folge 36 - Aus kontrolliertem Raubbau

Ein Beitrag

Folge 36 - Aus kontrolliertem Raubbau

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Buch "Aus kontrolliertem Raubbau" von Kathrin Hartmann vor,
  • erzählen Dir, welchen Eindruck es auf uns gemacht
  • und wie es diesen Podcast beeinflusst hat.

"Aus kontrolliertem Raubbau" ist ein ganz besonderes Buch für mich, weil es mich maßgeblich zu diesem Podcast motiviert hat.

Zugegeben, es ist ein Wälzer, aber ein durchaus lesenswerter und ein ungemein wichtiger.

Es ist das Sachbuch zu "Greenwash Inc." und dabei keinesfalls trocken oder langweilig geschrieben.

Diese Folge ist ein bisschen länger geraten, weil mir das Thema so am Herzen liegt- es gibt so vieles, was wir jetzt sofort tun könnten, um einen Unterschied zu bewirken.

Falls Du es noch nicht gemacht hast, nimm doch bitte an dieser Umfrage zur Optimierung unseres Podcasts teil.

Ganz herzlichen Dank :-)

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Hast Du bis zum Ende durchgehalten? Naa, was waren unsere letzten Worte? :-)

Schreib uns doch einen Kommentar...

Carsten & Stefanie

Folge 35 - Der Weltschulmilchtag

Ein Beitrag

Folge 35 - Historisches zum Weltschulmilchtag

In dieser Folge

  • sprechen wir mal wieder über mein Forschungsobjekt: Die Kuhmilch,
  • erkläre ich, was ich über die Historie der Schulmilch herausgefunden habe
  • und warum Schulmilch viel mehr ist als reine Trinkmilch.

Sicherlich gab es auch in Deiner Kindheit Milch beim Hausmeister Deiner Schule zu kaufen.

Ich musste damals noch bestellen, ob ich lieber Vanillemilch, Kakao, Bananentrunk oder reine Vollmilch trinken wollte und ich glaube, ich habe mich meist für Vanillemilch entschieden- weiß es aber nicht mehr genau.

Dann haben wir diese kleinen Tetrapaks bekommen und in der Pause getrunken. Das war damals ganz normal für mich.

Für Dich auch?

Dank der Subventionierung sind in den letzten 60 Jahren die meisten Kinder in Deutschland mit der Schulmilch aufgewachsen und haben sich als "Kunden von morgen" an das tägliche Glas Milch gewöhnt.

Falls Du es noch nicht gemacht hast, nimm doch bitte an dieser Umfrage zur Optimierung unseres Podcasts teil.

Ganz herzlichen Dank :-)

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Carsten In der heutigen Folge behandeln wir das Thema Weltschulmilchtag und dazu habe ich extra fürs Interview eine diplomierte Expertin ins Studio eingeladen. Und ich begrüße Stefanie.

Stefanie Vor allem extra dafür. Ja, also danke für die Einladung, lieber Carsten. Ich bin dieser Einladung sehr gerne gefolgt. Meine Anreise war auch nicht sehr beschwerlich und ich übernehme die Reisekosten.

Carsten Dann ist ja alles gut. Genau. Ja. Weltschulmilchtag. Erklär mir mal, warum braucht die Welt einen Schulmilchtag?

Stefanie Also. Da bin ich jetzt überfragt. Hm, also die Welt braucht deswegen einen Weltschulmilchtag, weil die Welternährungsorganisation der Vereinigten Staaten das so beschlossen hat, und zwar am 28. September 2000, also vor 16 Jahren. Der Schulmilchtag ist seit 2000 immer am letzten Mittwoch im September und ist jetzt natürlich nicht so bekannt wie der Weltmilchtag oder Tag der Milch oder wie auch immer. Weil der Tag der Milch ja schon seit 1956 existiert. Und ich vermute, dass der Weltschulmilchtag dazu genommen wurde, um nochmal ein bisschen die Schulmilch populärer zu machen.

Carsten Einfach nur Milch, oder geht es hier um mehr?

Stefanie Du mit deinen Hintergedanken... Carsten kennt natürlich schon meine Grafik, die ich erstellt habe zum Weltschulmilchtag. Der hat schon gespickt.

Carsten Nein, die habe ich alle aus dem Gedächtnis gelöscht. Ja, ich gehe jetzt völlig unvorbereitet und unbefangen hier ins Gespräch. Total unbefangen, unbefangen.

Stefanie Genau. Immer. Wir sind immer nur unbefangen. Ich habe auch eine Infografik erstellt zur Schulmilch und da sind dann auch noch mal alle Zahlen zu lesen. Ich kann die jetzt nicht alle auswendig. Ich habe da ein paar Zitate, die ich aus den einzelnen Dokumenten rausgefischt habe, die ich in der ehemaligen Milchforschungsanstalt in Kiel gesichtet und gehoben habe sozusagen, die ich alle da mühselig eingescannt habe, für mich Stunden verbracht...

Carsten Informationsschätze oder?

Stefanie Genau, ja, also ich finde das Archiv dort sehr schön, aber wie auch immer, jedenfalls, ähm, habe ich jetzt die Frage vergessen Was war die Frage? Ach so, ob es da nur um Milch geht? Also tatsächlich umfasst der Begriff Schulmilch nicht nur die Trinkmilch, sondern neben allen Getränken wie zum Beispiel Milchmixgetränke, also was immer so der Standard ist, Vanillemilch und Bananenmilch, ja, auch Kakao, vor allem Kakao, denn Kakao wird am meisten getrunken. Und dann gehören aber auch alle Milchprodukte, also Quark und Joghurt zur Schulmilch dazu. Wenn also irgendwelche Zahlen veröffentlicht werden, wie viel Schulmilch denn getrunken wird, gegessen wird, was auch immer, da gehört es mit dazu.

Carsten Ja, das hatte mich so ein bisschen gewundert bei den ganzen Zahlen, weil wenn man so den Namen Weltschulmilchtag hört, dann war bei mir zumindest so der Eindruck okay, es geht primär so um die reine Milch.

Stefanie Ja klar, es wirkt immer so. Wenn über Milch gesprochen wird, wirkt es immer so, generell wenn man jetzt mal von der Schulmilch wieder weggeht zur „normalen Milch“, sag ich mal, dann ist es immer Milch und Milchprodukte und da gehört dann auch die Butter dazu. Und die Geschichte der Milch ist eigentlich eine Geschichte der Butter. Dass Milch wirklich getrunken wurde, wie es heutzutage der Fall ist, das ist ja erst seit noch nicht mal 100 Jahren so! Ja, also in diesem Maße natürlich auf Bauernhöfen, ganz klar. Wenn Milch vorhanden war, wurde auch Milch getrunken. Nur weiß ja bestimmt jede·r, dass wir nicht alle immer auf Bauernhöfen gelebt haben und eine Milchkuh zur Verfügung hatten. Also von daher. Ja, also für alle anderen, die nicht auf dem Bauernhof gelebt haben, war das eher nicht üblich, die Milch zu trinken.

Aber jetzt, heute soll es um die Schulmilch gehen. Und was ich ganz interessant fand. Ich habe also verschiedene Artikel darüber gelesen aus verschiedenen Jahren. Und zum einen geht es natürlich um die Subventionierung. Es ist so, dass die Schulmilch von 1957 an subventioniert wurde bis 1965 gab es diese Subventionierung mit Bundes- und Landesmitteln und dann in Nordrhein Westfalen ging es noch bis 1974 weiter, aber in den anderen Bundesländern nicht. Und dann also die Subventionierung.

Subventionierung bedeutet ja einfach nur, dass die Schulmilch verbilligt verkauft werden konnte. Und es geht aus verschiedenen Berichten auch hervor: Wenn die Schulmilch teurer wäre, hätten die Schüler die nicht gekauft. Also die Milchindustrie hat verschiedene Umfragen erstellt und so und die habe ich auch alle durchgeblättert und es ist tatsächlich so, es wird nur gekauft, wenn es günstig ist und eigentlich ist es immer Kakao. Also es geht nicht um die Vollmilch, sondern Kakao wird verkauft und die Milchindustrie findet es trotzdem gut, weil dann Milch mitverkauft wird.

Und ich habe auf der Internetseite zum Schulmilchtag eine Studie gelesen, dass ein Kakao beim Frühstück den Zähnen weniger schaden würde als Mineralwasser beim Frühstück. Ja, also es zieht sich bis heute durch. Es ist nicht so, dass es schon 50 Jahre her ist und damals wussten die das nicht so, sondern diese Argumentation gibt es heute noch, weil die Kinder einfach nicht die pure Milch trinken wollen, sondern irgendwie eine Süßung da drin haben möchten. Ja und was ich ganz interessant fand, ist, dass die Motivation dahinter, warum denn jetzt eigentlich diese Schulmilch subventioniert werden muss, von Beginn an bis heute - Wenn wenn dich das Thema interessiert, lies dir mal, ich verlinke das auch auf der Seite zum Welt Schulmilch Tag die Argumentation durch - das ist die gleiche Argumentation wie 1957. Also es ist egal 60 Jahre hin oder her. Also ja ich weiß wir haben noch nicht 2017, aber wir dürfen jetzt mal ein Jahr runden. Also wirklich, es ist die gleiche Argumentation: Die Kinder bekommen zu Hause kein Frühstück, gehen also ohne Frühstück in die Schule. Sie sind durchgehend mangelernährt, also kriegen zu Hause sowieso nichts richtiges zu essen und bekommen auch kein Pausenfrühstück von den Eltern mitgegeben. Und das liegt immer schon daran, dass die schlimmen Mütter arbeiten gehen und sich deswegen nicht mehr so um ihre Kinder kümmern können.

Ich muss hier eine kleine Anekdote einschieben. Ich höre ja sehr gerne Miss Marple Krimis, ich höre ja sowieso gerne Hörbücher und Miss Marple und Sherlock Holmes sind so meine beiden Lieblingsserien. Ja, sagen wir mal antike Krimis. So also. Und bei Miss Marple ist es auch so, ich meine, das ist ja schon alles älter und selbst bei ihr ist es so, dass sie sagt ja, die Mütter heutzutage, die können sich ja auch gar nicht mehr so um ihre Kinder kümmern, weil sie berufstätig sind. Also das heißt, dieses Problem, das ist wie bei Sokrates mit der Jugend, der Schlimmen, also es zieht sich einfach durch. Es ist immer das gleiche Problem.

Und ich habe meine Infografik auch „Im Namen der Volksgesundheit“ genannt, denn die Volksgesundheit, die kommt immer vor. Das ist das ja, man muss ja schon fast sagen Totschlagargument. Also es ist definitiv die Motivation, die so nach außen gezeigt wird, die Volksgesundheit, die ist wichtig. Ich kann das verstehen nach dem Zweiten Weltkrieg, als da wirklich viele gehungert haben, dass da wirklich so eine Motivation da war, dass die Kinder dann tatsächlich mangelernährt waren und dass dann da wirklich ein Frühstück in der Schule wichtig war. Ja aber jetzt erzähl mir mal bitte heute und auch schon früher - ich meine, wir sind schon nicht so aufgewachsen, dass wir jetzt Probleme hatten, ernährt zu werden! Und ich bestreite nicht, dass es immer noch Kinder in Deutschland gibt, die nicht genug zu essen bekommen. Aber es geht natürlich dann auch darum, was kriegt man zu essen. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es heute wie damals die ganzen 60 Jahre durch immer das gleiche Problem geben kann.

Carsten Glaube ich auch nicht. Also wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, einmal für mich persönlich und auch vielleicht für meinen Bruder. Das ist so der familiäre Hintergrund. Ich habe das nie erlebt, dass wir ohne Frühstück das Haus verlassen haben und auch nicht, dass wir zur Schule gegangen sind, ohne noch ein Zwischenfrühstück mitzubekommen. Ich weiß zwar jetzt nicht ganz genau, was wir dort mitbekommen hatten, wahrscheinlich irgendwie belegtes Brot, aber wir haben immer etwas dabei gehabt und das war meiner Erfahrung nach auch bei den Kindern, die ich auf dem Pausenhof gesehen habe, ebenfalls der Fall.

Stefanie Jetzt muss ich dazu sagen, was ich auch gelesen habe, was ich gar nicht in meine Infografik aufgenommen habe: Die Mütter geben den Kindern das falsche Frühstück mit.

Carsten Oh Himmel auch.

Stefanie Ja, nämlich - das habe ich in den Schriften aus 1957 bis 1965 gelesen, dass dann die Mütter Berge von Butterbroten mitgeben. Die sind aber nicht zuträglich der Konzentrationsfähigkeit und Leistungsförderung, weil die den Organismus nur belasten. Wichtig ist es, so ein Milchfrühstück zu haben.

Carsten Zu wenig Zucker, deswegen auch Kakao.

Stefanie Das ist egal. Irgendwo stand das, dass wir beim Zucker ja wissen, dass das die Konzentrationsfähigkeit hebt, den Leistungsspiegel hebt. Dass er dann genauso schnell absinkt, ist egal. Die Milch ist nahrhaft und die Milch ist ein Gehirnnahrung und deswegen sind Berge von Butterbrote nicht gut. Die Mischung machts. Sie haben da auch so Bilder gehabt mit einem Joghurt und einer Milch und dann einem Brot. Also so, das Brot an sich ist nicht schlecht, aber die Berge von Brot sind schlecht. Also das heißt, wie die Mutter es macht, das ist nicht richtig, außer sie macht es so, wie die Milchwirtschaft das möchte.

Carsten Aber die verkaufen keine Butterbrote.

Stefanie Nee, deswegen muss die Mutter doch noch Milch kaufen.

Carsten Aber es gibt ja die Milchschnitte.

Stefanie Die gabs damals ja - Gott sei Dank - noch nicht. Das ist ja auch das Perfide, dass es den Eltern so verkauft wird, als sei alles gut, solange da irgendwie...

Carsten ...ein Milchglas drauf abgebildet ist. Das muss dann noch nicht mal wirkliche Milch drin sein. Milchauszug oder so. Aber ich muss mal ein ernstes Wort mit meiner Mutter sprechen, wenn ich die das nächste Mal sehe. So geht das ja nicht. Also meine gesamte Schullaufbahn eigentlich. Ich konnte mich nie konzentrieren. Ich bin entweder verhungert oder übersättigt gewesen, aber nie so richtig konzentriert bei der Sache. Wie habe ich denn dann meine Schule geschafft?

Stefanie Weiß ich nicht. Haste ja auch gar nicht. Wollen wir jetzt mal erzählen. Also ja, gut, kleiner Scherz am Rande. Also jedenfalls ist das ein Punkt, der mir aufgefallen ist, dass immer die gleichen Argumente angeführt werden, egal in welchen Situationen. Denn wie gesagt, direkt nach dem Krieg kann ich das durchaus verstehen.

Carsten Absolut ja.

Stefanie Heute nicht mehr, auch in unserer Kindheit nicht mehr. Also vor 30 Jahren. Also da bin ich noch nicht zur Schule gegangen, aber ja. Jedenfalls denke ich, es war ja wichtig für die Nachkriegsgeneration, dass sie dann in diesen Wohlstand kam und es ging ja auch relativ zügig. Also ich denke klar, unsere Eltern, die sind noch so aufgewachsen, dass es noch nicht so prall alles war. Ja, aber dann, als sie wirklich jugendlich / erwachsen wurden, dann war der Wohlstand ja da. Ja, da gibt es ja auch Wohlstandsbäuche und so. Deswegen kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass es immer die gleichen Gründe geben kann.

Carsten Ich finde das nur faszinierend, weil die Argumentation stammt ja heute aus dieser Initiative des Weltschulmilchtages. Der ist ja erst 2000, wie du vorhin gesagt hast, alles ins Leben gerufen worden, bezieht sich aber auf Argumentationen, die aus 1957 stammt.

Stefanie Die beziehen sich jetzt nicht explizit darauf.

Carsten Aber sie verwenden die gleichen Argumente. Du weißt es, weil du nachgeschaut hattest. Der Unbedarfte, der schaut rein und sieht quasi so, der Zustand: heute ist alles total schlecht. Die Kinder kriegen nichts zu essen. Aber es weiß ja eigentlich kaum jemand, dass diese Argumentation 60 Jahre lang eigentlich immer konstant blieb und sich nie geändert hat. Und das finde ich aber interessant, dass so eine Argumentation aus der Nachkriegszeit heute noch zieht, dass das so unreflektiert von den Leuten geglaubt wird.

Stefanie Wir sind ja auch Eltern und ich höre es auch von anderen Eltern, die mich fragen, wenn ich mit denen darüber spreche, vegan: Ja, aber woher kriege ich dann das Kalzium für meine Kinder? Ich will ja, dass alles abgedeckt ist und so und das mit der Milch ist von Anfang an so eingebläut worden, dass das das perfekte Nahrungsmittel ist. Das hat all die Nährstoffe, die man braucht. 1870 hat das alles so angefangen, davor war auch schon ein bisschen, aber diese Marketingmaschine hat erst da angefangen. Auch schon zur Nazizeit war das und auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Es ist immer wieder versucht worden, das so anzutreiben. Richtig in Schwung gekommen ist es natürlich dann durch die Massentierhaltung nach dem zweiten Weltkrieg.

Carsten Ja, es ist so in den Köpfen der Leute schon verankert, dass es als sehr gesundes Lebensmittel quasi beworben wird über Generationen weg. Es wird dann nicht mehr reflektiert. Das ist dann schon, ich will nicht sagen, historisch bedingt, auch nicht Tradition, aber es wird als gesichertes Wissen wahrgenommen.

Stefanie Ja, das Marketing hat gewirkt. Es gibt ja diese Zeitschrift, den „Milchkaufmann“, den. Den gibt es dann in verschiedenen Regionen wie den saarländischen Milchkaufmann usw und so fort. Und dann gibt es den deutschlandweiten Milchkaufmann und der Milchkaufmann ist ja so eine Spezies sozusagen, die ausgestorben ist mittlerweile. Den gab es dann mal für 20 Jahre und es ist quasi der Zwischenhändler zwischen dem Bauern und dem Käufer.

Carsten Also in der Phase, wo es Milch noch nicht wirklich im Supermarkt gab oder vielleicht auch noch keine Supermärkte.

Stefanie So genau. Und da kamen die Supermärkte erst langsam auf. Da gab es noch viel, diese „Tante Emma Läden“. Und da gab es dann reine Milchgeschäfte, wo dann natürlich Milch und Milchprodukte verkauft wurden, teilweise auch Eis. Und das war ja auch relativ neu alles. Und naja, jedenfalls gibt es da diese Zeitschriften dazu und ich muss immer schmunzeln, wenn ich das lese. Das ist so interessant, das zu lesen, weil es wirklich so ein... Es sind ja Verkäufer, es sind Händler wie heute. Wenn du also wie jeder Verkäufer, wie Autoverkäufer, wie keine Ahnung was Verkäufer da. Genau solche Argumente werden da auch gesagt, wie du dein Schaufenster richtig präsentierst, wie du die Kunden ansprichst, was du den Kunden mit gibst, die hatten auch eigene Kundenzeitschriften. Also so, ja, und da stehen auch Artikel drin über die Schulmilch und dass es so wichtig ist, diese Kunden von morgen anzufüttern, schon mit der Milch und so nach dem Motto wie es immer so hieß „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Das würde dann auch gelten und so würde man sich die Generation von morgen heranzüchten.

Das ist wirklich so gemeint, dass man irgendwie versuchen muss die Kinder davon zu überzeugen diese Milch zu trinken. Natürlich profitieren die davon finanziell, aber sie sagen immer, sie tun das im Namen der Volksgesundheit. Und diese Volksgesundheit ist wie so ein Schild, das wird immer hochgehalten: „Volksgesundheit“. Und dafür machen die das ja. Ich werde noch viel zur Milch machen. Ich werde auch noch einige Infografiken erstellen und ich habe so ein ziemlich cooles Propagandaschrift gefunden, die „Milch - Wunder der Schöpfung“ heißt. Stammt auch von 1957 und es ist wirklich Wahnsinn, was da drin steht. Also es ist wirklich reinste Propaganda.

Carsten Ich fand das Vorwort, was du mir präsentiert hast, schon extrem pathetisch.

Stefanie Ja, total. Und ich finde es so spannend, das zu lesen, weil das natürlich diese Sicht zeigt und wenn man jetzt mal vergleicht heute: die Kuh existiert eigentlich gar nicht mehr, es geht nur um das Produkt. Nicht, dass da eigentlich ein Kuhleben und Kälber die sterben müssen. Und die Kühe müssen auch sterben, weil die Menschen die Milch wollen, dass das alles da dranhängt, das ist alles wegreduziert. Und diese Diskrepanz zwischen Produkt und Herkunft ist geschaffen worden durch die Supermärkte. Dass das dann wirklich entkoppelt worden ist. Wenn du in einen Supermarkt gehst, du weißt ja gar nicht, wo die Milch herkommt.

Carsten Doch! Von fröhlichen Weidekühen.

Stefanie Ja, genau, die hüpfen das rüber und sagen Hey, ja, ich habe zu viel Milch, Komm, zapf dir was ab. Also so?

Carsten Ja, genau.

Stefanie Genau von denen. Ja. Dann singen sie „Heidi.“

Carsten Die sind auch schon mit Milchkannen durch die Berge gelaufen.

Stefanie Genau. Okay. Aber zurück zur Schulmilch. Hast du noch eine Frage?

Carsten Du hattest gerade mit diesen Marketingaspekten das. Ich habe erst gedacht, du kommst da auf die Provision zu sprechen. Also, das wäre ein guter Ansatz gewesen. Du hast mir nämlich gesagt, im Rahmen deiner Recherche wäre dir aufgefallen, dass die Hausmeister an den Schulen damit Provisionen verdienen.

Stefanie Ja, das wusste ich vorher auch nicht. Vielleicht weißt du das schon, liebe·r Hörer·in, denn ich habe das erst gelesen in dieser Schrift von 1997. Ich weiß nicht, wie lange die Hausmeister·innen schon Provision kriegen. Aber jedenfalls, da stand drin, dass sie pro Milchflasche 5 bis 10 Pfennig Provision bekommen. Wobei damals 1997, die noch gesagt haben das Pfandsystem, das ist viel zu aufwendig. Wir verkaufen lieber Einmalverpackungen. Ja, sehr nachhaltig. Ja, so voll Umwelt und so! Aber im Vergleich zu den 20 Pfennig pro Colaflasche ist die Milch nicht so attraktiv für den Hausmeister. Und deswegen muss man den Hausmeister noch irgendwie ködern, dass der auch gerne was verkauft.

Carsten Ich finde das total stark. Ich wusste das vorher nicht. Ich hab das damals in der Schule ja auch mitbekommen, dass der Verkauf immer bei den Hausmeistern stattfand und ein ehemaliger guter Freund von mir, dessen Vater war auch Hausmeister, zufällig an der Schule, an der ich damals auch war. Aber ich habe das nie mitbekommen, dass die Hausmeister sich damit Geld dazuverdienen. Ich dachte immer, das ist einfach so, ja, die sind angestellt an einer Schule und und nutzen dann die Pausenzeiten, um dann so für die Schule was zu verkaufen.

Stefanie Ja genau. Ich dachte, das auch.

Carsten Das gehört zu dem Laden da.

Stefanie Ja, aber das ist deren Eigentum sozusagen. Wie ich es gelesen habe, ist es so, dass das Problem bei diesen Pfandflaschen dann war, dass viel Glas zu Bruch gehen kann. Und diese randalierenden Jugendlichen…

Carsten Die so schlimm sind…

Stefanie Diese schlimmen Schüler...

Carsten Sprichst du jetzt aus heutiger Zeit oder von Sokrates?

Stefanie Nee, nee.

Carsten Sokrates hatte noch keine Schulmilch, genau.

Stefanie Nee, das stand tatsächlich da so drin, dass die Hausmeister aufgrund der schlimmen Schüler keine Glasflaschen haben wollen, weil die die immer zerdeppern und sie selber dann dafür aufkommen müssen. Und das gegenüber der Molkerei, die das liefert, dann nicht beanstanden können. Ja, und solche Dinge stehen da auch drin. Ich habe das, wie gesagt, noch nicht ganz durchgelesen, weil das einfach noch viel zu lesen ist. Ich werde das auch noch weiter aufarbeiten, aber ich wollte jetzt zum Weltschulmilchtag erst mal so einen Überblick geben. Ja, und es ist wirklich ganz spannend, das alles so zu lesen, so die Hintergründe auch zu sehen. Und im Grunde ist aber was das Ganze durchzieht, diese Motivation, die Volksgesundheit und auch zu sagen: Ja, wenn es jetzt keine Schulmilch mehr gibt, keine subventionierte Schulmilch, dann ist ja alles hin, was wir uns da aufgebaut haben. Und dann müssen die armen Kinder alle elendiglich verhungern. Also vielleicht nicht, aber jedenfalls sind sie dann mangelernährt.

Carsten Die Noten gehen runter. Ich sag nur PISA...

Stefanie Ja das ist ja dann auch die Frage: Warum muss denn eigentlich die Volksgesundheit immer herhalten und warum müssen die Kinder leistungsfähig sein? Das ist ja dann auch wieder so die Sache. Ja, sie müssen deswegen leistungsfähig sein, damit wir leistungsfähige Arbeiter·innen nachher haben, die das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Ich meine, es war ja in der Nachkriegszeit klar, da sollten die alle aufgeputscht werden, damit sie ordentlich arbeiten und das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Ist aber heute noch genauso. Die Schüler·innen sollen leistungsfähig sein, damit leistungsfähige Erwachsene draus werden.

Carsten Aber hatte ich da nicht irgendwie eine Studie gesehen, aus der ersichtlich wurde oder eine Korrelation da war in den Ländern oder Bundesländern? Ich weiß nicht mehr ganz genau, wie das war, wo weniger Schulmilch konsumiert wird, ist der Notendurchschnitt besser? Also irgendwie genau das Gegenteil von dem, was die Milchindustrie sagt.

Stefanie Hab ich noch nicht gesehen.

Carsten Irgendwo ist mir mal so eine Studie über den Weg gelaufen. Ich meine, Korrelation ist jetzt nicht Kausalität, aber ich fand das schon bemerkenswert, weil das ja eigentlich dem widerspricht.

Stefanie Also meiner Meinung nach ist das eh alles nur reine Propaganda. Die Milchwirtschaft hat sich da ein Milliardengeschäft aufgebaut. Das ist der zweitgrößte Wirtschaftszweig in der Lebensmittelbranche oder Wirtschaft.

Carsten Das sind nicht die kleinen Bauern von nebenan, sondern das ist eine richtige Wirtschaftsmacht, da ist es ist ein Milliardengeschäft im Hintergrund. Und wenn die sich da über Subventionen noch mal eine goldene Nase verdienen können und dann obendrauf noch dann im Rahmen einer Propagandagesteuerten Weltschulmilchaktion...

Stefanie Es ist ja nicht nur zum Weltschulmilchtag, sondern generell die Schulmilch. Die haben ja ganz, ganz viele Aktionen, dass sie dann irgendwelche Wettbewerbe machen oder die Schulmilch Kartons, also die Tetrapaks dann noch mal bedrucken, die haben Sticker, die man sammeln kann, damit man immer wieder welche nachkauft und Sammelalben und was weiß ich. Und es sind ja nicht die Bauern, die das irgendwie antreiben. Die Bauern sind ja jetzt eigentlich auch nur noch Lieferanten, aber nicht mehr diejenigen, die dafür sorgen, dass ihre Milch verkauft werden muss, sondern es sind ja die Molkereien, die das alles machen. Und ja, es gibt ganz, ganz viele Werbemethoden, die sie angewandt haben. Aber was tatsächlich gleichzeitig ist, ist, dass die ganze Zeit, über die Jahrzehnte hinweg gesagt wird, dass der Schulmilchverbrauch rückläufig ist. Und das ist also quasi ein ständiger Kampf, so dass mehr Schulmilch konsumiert werden soll, aber gleichzeitig dann die Schulmilch nicht so viel getrunken wird, also gerade rückläufig ist und dann aber wieder gesagt wird: Ja, Schulmilch ist ganz wichtig, aber es will keiner trinken. Also es ist über die Jahrzehnte hinweg vieles gleich.

Carsten Ja, das hat mich so ein bisschen irritiert. Als ich das das erste Mal so mitbekommen hatte, dass es eigentlich genauso wie dieses Argument die Eltern geben den Kindern nichts mit zieht sich ja auch über diese 60, 70 Jahre hinweg und über einen ähnlichen Zeitraum ist auch immer der Konsum der Schulmilch rückläufig gewesen. Da hab ich mir dann die Frage gestellt, dann müsste es doch langsam gar keine Schulmilch mehr geben, wenn es immer nur rückläufig ist.

Stefanie Aber weil seit 1977 diese EU-Subventionierung da ist und weil natürlich die DGE, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt „Milch muss getrunken werden. Milch ist ganz wichtig für dich“ und weil einfach diese Propaganda da ist. „Milch ist wichtig, Milch ist wichtig, Milch ist wichtig“ deswegen wird es weiterhin so gemacht. Die Erwachsenen geben das vor, die Kinder müssen nachziehen.

Carsten Na gut, die reflektieren das ja auch nicht oder können es ja nicht.

Stefanie Die können es nicht, werden vielleicht teilweise auch gezwungen. „Du musst dein Glas Milch trinken.“

Carsten Könnte, ja, weiß ich nicht, ob das heute noch gemacht wird.

Stefanie Ich kann mir das schon vorstellen, also ich kenne Familien, in denen morgens immer eine Flasche Milch noch getrunken wird. Nuckelflasche...

Carsten Das steigert nur die Konzentration...

Stefanie Weil das irgendwie so wichtig sein soll. Ja, also das ist so tradiert.

Carsten Aber H-Milch.

Stefanie Keine Ahnung, ob es H-Milch ist. Na, aber apropos H-Milch, ich habe sogar Studien gelesen da drin in diesen ganzen Artikeln und so, wo dann darüber diskutiert wurde, wie wertvoll denn jetzt die H-Milch ist, weil Kakao meistens als H-Milch Kakao verkauft wurde und da stand, dass das genauso toll ist, wie die Vollmilch. Ich weiß nicht warum, aber jedenfalls ging es wirklich. Also wen es interessiert, frage mich bitte. Ich werde die entsprechende Stelle raussuchen und das dann noch mal dir mitteilen. Nur im Moment weiß ich es gerade nicht mehr. Aber jedenfalls fand ich es nur interessant, weil es darum ging. Ja H.Milch, das macht nichts, die wertvollen Stoffe sind sowieso enthalten und so, also so generell ist es egal in welcher Form, wie die Milchschnitte es ist ganz egal, hauptsache irgendwie ist da Milch drin. Auch wenn sie vielleicht nicht drin ist, ist es immer gesund.

Carsten Aber das ist doch ein gutes Argument, was man gegen die Milchwirtschaft einwenden kann. Es gibt ja mittlerweile so viel Milchpulver, da könnten wir ja sämtliche Milchkühe abschaffen und jahrzehntelang nur noch unser H-Milch auf Milchpulverbasis herstellen, wird ja sowieso gemacht. Das weiß ja auch kaum jemand, dass die in den Molkereien ja auch nichts anderes machen, als die Milch in ihre Bestandteile zu zerlegen. Und dann wird wieder alles Baukastenmäßig zusammengeklatscht. Aber da müsste ja mittlerweile auch so über lange Strecken hinweg einfach auf Basis von Milchpulver die Möglichkeit da sein, seine Milchprodukte zu erzeugen.

Stefanie Ja, wobei Milchpulver ja meistens dann verwendet wird für die Kälberaufzucht.

Carsten Die brauche ich dann ja nicht mehr. Die fallen dann da weg.

Stefanie Nein, ich meine nur, sie ist schon in Verwendung. Ja, ich verstehe, was du meinst. Okay, also.

Carsten Das Thema ist sehr umfangreich und erschöpfend. Ich denke mal, wir werden das vielleicht später nochmal ein bisschen vertiefen. Du bist ja mit deiner Forschung auch noch nicht so zu Ende, sondern kommst ja eigentlich immer tiefer. Da gibt es immer wieder feine Fundstücke.

Stefanie Mir geht es ja um die Milchwerbung und darum, wie das jetzt so populär geworden ist. Und ja, da ist es so, dass ich denke, es gibt diese verschiedenen Zielgruppen und Schulmilch ist eine davon. Dazu gehören natürlich auch immer die Eltern, dann auch die Hausmeister, das weitet sich dann wieder. Schulen und dann alles, was so dazugehört. Kindergärten sind teilweise auch dabei. Dann ist es wieder keine Schulmilch mehr. Aber es ist dieses Bildungssystem sozusagen. Und da steht stand auch drin, dass es besonders gut ist, wenn in den Kindergärten die Kinder schon ans Milchtrinken gewöhnt werden, weil sie dann zuverlässig in der Schule weitertrinken und so da herangezogen werden zu zuverlässigen Milchtrinkenden. Genau. Und den Absatz ankurbeln.

Carsten Ne, ne, ne, ne Volksgesundheit.

Stefanie Kein Absatz?

Carsten Das folgt jetzt keinen wirtschaftlichen Interessen.

Stefanie Volkswirtschaftlichen...

Carsten Volkswirtschaftlichen Hintergründe.

Stefanie Ja, also wie gesagt, ich habe dazu eine Infografik erstellt. Die kannst du dir gerne anschauen und wenn sie dir gefällt, auch gerne teilen. Das freut mich natürlich. Und wenn du noch Fragen hast, wie gesagt, das kann jetzt hier alles nur so ansatzweise behandelt werden. Aber ich wollte auf jeden Fall zum Weltschulmilchtag eine Folge machen, dann frag gerne, schreib eine Email.

Carsten Genau. Und du bist ja sowieso immer mal wieder Richtung Recherche unterwegs. Vielleicht gibt es da ja die eine oder andere Frage, die dann im Rahmen deiner Forschung nochmal aufgegriffen und bearbeitet wird.

Stefanie Ich habe auch noch ganz viel Material, ich konnte noch nicht alles sichten. Das ist so ein bisschen schwierig, das alles, oder was heißt schwierig? Es ist eine Herausforderung, das alles in dem kleinen Zeitkontingent, das ich habe, zu bewältigen. Und ja, also es macht mir auf jeden Fall sehr viel Spaß.

Carsten Genau in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 34 - Die vegane Brille

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Folge 34 - Die vegane Brille

In dieser Folge

  • sprechen wir über die veränderte Wahrnehmung unserer Umgebung, seit wir vegan leben,
  • erzählen wir Dir wie sich unser Blick auf unsere Lieblingsbücher und -serien verändert hat
  • und wie wir im Alltag mit diesen Gefühlen umgehen.

Vielleicht geht es Dir ähnlich wie uns und Du hast seit Du vegan lebst auch schon das ein oder andere ganz neu wahrgenommen, obwohl es schon immer da war.

Mir geht es zum Beispiel mit dem Wort "Kalb" so.

Als ich noch vegetarisch gelebt habe, ist die Verbindung zwischen dem Wort "Kalbsfleisch" und dem Tier, der Babykuh, nicht bis in mein Bewusstsein vorgedrungen.

Heute sehe ich "Kalbswurst" und "Kalbsdöner" und ich sehe das Lebewesen, das es einmal gewesen ist.

Falls Du es noch nicht gemacht hast, nimm doch bitte an dieser Umfrage zur Optimierung unseres Podcasts teil.

Ganz herzlichen Dank :-)

Links zur Folge

Umfrage zum Podcast
https://veganrevoluzzer.typeform.com/to/Mpw5um

Colleen Patrick- Goudreau "From consumption to compassion - the stages we go through when we stop eating animals"
https://soundcloud.com/colleen-patrick-goudreau/sets/from-consumption-to-compassion

Karnismus
http://karnismus-erkennen.de/

Grafik zum Weltschulmilchtag
https://magic.piktochart.com/output/16140515-weltschulmilchtag

Und jetzt sind wir neugierig...

Wie geht es Dir mit Deinen Lieblingsserien und/oder -büchern? Siehst Du sie auch in einem ganz anderen Licht?

Wir freuen uns auf Dich in den Kommentaren...

Carsten & Stefanie

Folge 33 - Veganes Straßenfest in HH

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Folge 33 - Veganes Straßenfest in Hamburg

In dieser Folge

  • sprechen wir über das vegane Straßenfest in Hamburg,
  • erklärt Carsten, warum er keine O-Töne gesammelt hat
  • und erörtern wir gemeinsam, warum ein veganes Straßenfest wichtig ist.

Wir hatten einen Plan. Wir wollten wie bei der VeggieWorld O-Töne für Dich sammeln. Dieser Plan ist fehlgeschlagen.

In dieser Folge erfährst Du warum. Eins verraten wir schon einmal vorher: es lag nicht an der Technik... ;-)

Bitte nimm doch an dieser Umfrage zur Optimierung unseres Podcasts teil.

Ganz herzlichen Dank :-)

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Warst Du auf dem Straßenfest? Wie hast Du es erlebt?

Erzähl uns doch davon in den Kommentaren...

Carsten & Stefanie

Folge 32 - Vegane Eltern, junges Gemüse

Ein Beitrag

Folge 32 - Vegane Eltern, junges Gemüse

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Buch "Vegane Eltern, junges Gemüse" von Corinne Matzka und Jonas Engelmann vor,
  • erzählen Dir, welchen Eindruck das Buch auf uns gemacht hat
  • und teilen unsere Einschätzung mit Dir, für wen das Buch geeignet ist.

Auf dieses Buch habe ich schon länger gewartet- Ende letzten Jahres ist es schon in der Kochen ohne Knochen vorgestellt worden und es sollte ursprünglich im November 2015 erscheinen.

Über die Monate hatte ich das Buch wieder aus den Augen verloren und so ist es erst vor etwa einem Monat in meinem Briefkasten gelandet.

Ich muss vielleicht mal dazuschreiben, dass wir die Bücher, die wir hier rezensieren, alle selbst kaufen und nicht von den Autoren oder Verlagen zur Verfügung gestellt bekommen.

Wir rezensieren aus eigenem Antrieb was uns gerade bewegt.

Aber zurück zu "Vegane Eltern, junges Gemüse". Jedes vegan lebende Elternteil kennt die Herausforderung, die eigenen Werte dem Nachwuchs zu erklären.

Gerade dann, wenn die Mitmenschen es doch ganz anders vorleben. Ein wenig mehr Halt in Form eines Ratgebers kann da nicht schaden - aber höre selbst, was wir von "Vegane Eltern, junges Gemüse" halten.

Links zur Folge

Buch "Vegane Eltern, junges Gemüse - Handbuch für den veganen Familienalltag" von Corinne Matzka / Jonas Engelmann
https://www.ventil-verlag.de/titel/1612/vegane-eltern-junges-gemuse

Vollständiges Transkript

Carsten Heute sprechen wir über ein weiteres Buch mit dem Titel „Vegane Eltern, Junges Gemüse - Das Handbuch für den veganen Familienalltag“ von Corinne Matzka und Jonas Engelmann.

Stefanie Sind die zusammen?

Carsten Ich glaube schon, so wie ich das verstanden habe. Das müsste doch das Pärchen sein, was das Kind bekommen hat, oder? Ich hoffe nicht, dass ich jetzt den Autoren Unrecht tue, aber ich habe das so verstanden, dass die beiden quasi ein Paar sind.

Stefanie Ach so, ja, ja, das kann schon sein.

Carsten Das Buch ist relativ neu. Das ist dieses Jahr im Juni auf den Markt gekommen. Wir haben da auch relativ lange drauf gewartet.

Stefanie Ich guck mal, hier steht auch „Momentan leben sie mit zwei Kindern in Wiesbaden“.

Carsten Ja, siehste, genau da habe ich ihnen nicht Unrecht getan.

Stefanie Genau. Wir haben da auch lange drauf gewartet auf das Buch. Ich habe das nämlich letztes Jahr schon als Buchrezension in der - ich wollte schon „Hinz und Kunzt“ sagen. Hahaha.

Carsten Das ist das Straßenmagazin hier in Hamburg, übrigens extrem lesenswert.

Stefanie Wir haben das Buch in der „Kochen ohne Knochen“ gesehen. Das ist auch die Edition Kochen ohne Knochen. Ja, also von daher hängt es auch irgendwie zusammen. Es kam aber dann erst im Juni raus und es sollte aber schon letztes Jahr rauskommen und dann habe ich es irgendwie aus dem Blick verloren und habe es erst letztens vor einem Monat oder so gekauft.

Carsten Ist also noch relativ frisch bei uns auf dem Tisch, aber wir haben es frisch auf dem Tisch.

Stefanie Bei uns gibt es nur frisch auf den Tisch.

Carsten Genau. Nur grüne Bücher. Genau. Ja. Worum geht es denn in diesem Buch überhaupt? Also „Vegane Eltern, junges Gemüse“ bzw. der Untertitel „Handbuch für den veganen Familienalltag“ verrät schon den Inhalt. Es sind Hinweise, Ratschläge, aber auch Hintergrundinformationen für junge Eltern. Oder anders gesagt: Eltern mit jungen Kindern. Ob die Eltern jung sein müssen, weiß ich nicht genau.

Stefanie Heutzutage ist ja alles möglich.

Carsten Heutzutage ist alles möglich.

Stefanie Wir sind ja auch nicht mehr so jung. Steinalt quasi.

Carsten Ja, das ist quasi der Hintergrund dieses Buches. Und ich schaue gerade mal kurz rein, wie viele Seiten es sind. Also es sind so 120, 125 Seiten. Das ist relativ dünn.

Stefanie Und klein, es ist so ein DIN A5 Format.

Carsten Es ist sehr handlich, im Untertitel steht ja auch Handbuch. Es ist aber trotzdem sehr voll mit Informationen. Es geht da um den Familienalltag, wo die Frage im Raum steht: Wie vermittle ich eigentlich die vegane Lebensweise? Was mache ich denn mit entsprechenden Konfliktsituationen, wenn jetzt zum Beispiel Großeltern oder Verwandte sich mit dem Veganismus noch schwer tun? Oder meinen, das Kind muss doch ein Stück Fleisch haben, um groß zu werden? Wie gehe ich dann auch mit skeptischen Kinderärzt·innen um, Kita und Babysitter? Das normale Familienleben wird hier aus den einzelnen Facetten noch mal betrachtet, wo man eventuell Probleme oder Fragestellungen bekommen könnte, wenn man sich ganz klar als Veganer·in positioniert und auch gerne möchte, dass das Kind möglichst im Alltag immer vegane Optionen zur Verfügung hat und die dann auch im Idealfall essen kann.

Stefanie Ja, und es sind ganz viele Interviews drin mit verschiedenen vegan lebenden Eltern oder Elternteilen.

Carsten Ich glaube meistens auch Blogger, die sind alle irgendwo im Internet aktiv.

Stefanie Genau, sind viele Blogger·innen und einige davon, die auch schon bekannt sind, sag ich mal, bzw. Buchautor·innen.

Carsten Ich meine auch Mediziner·innen gesehen zu haben. Dr. Markus Keller, der in der veganen Szene relativ bekannt ist.

Stefanie Die üblichen Verdächtigen.

Carsten Er ist sehr präsent, man kennt ihn dort aus Veranstaltungen. Er ist bei Ifane, dem Institut für alternative und nachhaltige Ernährung. Also solche Interviews sind mit drin. Da bekommt man nochmal so ein bisschen Hintergrundinformationen von Fachleuten und das Buch schließt ganz zum Schluss mit einem dritten Teil, wo es dann um das Thema gesunde Ernährung geht, also sprich Nährstoffe. Was für Nährstoffe gibt es überhaupt, auf die ich achten muss? Wo bekomme ich die her? Und was an diesem Buch aus meiner Sicht sehr hervorsticht, sind Nährstoffttabellen. Wie hoch ist der Bedarf in bestimmten Lebenssituationen, damit ich mich darauf einstellen kann, wenn mein Kind im Alter - ich habe jetzt gerade die Tabelle vor mir von 1 bis 3, 4 bis 5, 6 bis 12 oder 13 bis bis 18 Jahre alt ist, also entsprechend der Entwicklungsphase des Kindes. Wie hoch ist da der entsprechende Nährstoffbedarf? Das sind also so sehr hilfreiche Informationen, die dieses Buch mitgibt und insofern ist es aus meiner Sicht durchaus empfehlenswert, dieses Buch zu lesen.

Stefanie Es ist auch ein Kapitel über Schwangerschaft noch drin. Also wenn du als Veganer·in schwanger bist, was du dann beachten solltest und etwas zum Thema Stillen, also Schwangerschaft und Stillzeit.

Carsten Also es fängt wirklich in der Phase an und geht, ich sage jetzt mal inhaltlich zumindest von der Tabelle her betrachtet bis zum Erwachsenenwerden. Ich glaube aber, dass der Inhalt des Buches mehr auf kleinere Kinder, ich will jetzt nicht sagen Kleinkinder, sondern jüngere Kinder abzielt.

Stefanie Kindergartenkinder oder auch Grundschulkinder.

Carsten Ich sag mal so da, wo die Kinder sich noch sehr stark an den Eltern orientieren, um auch diese Lebensweise, dieses Vegane zu vermitteln und auch im Familienalltag zu etablieren. Das ist ja eigentlich so, dieser Anspruch, dass in den ersten Jahren das Kind auch soweit stabil in diese Lebensphase mit reinläuft, dass es dann nachher nicht irgendwie Probleme hat, im Alltag zu sagen okay, was ist denn das überhaupt? Also sich ganz klar positionieren kann und weiß, warum die Eltern das zum Beispiel auch machen. Es richtet sich eher so an jüngere Familien, die erst mal wissen wollen...

Stefanie an Familien mit jüngeren Kindern! Nicht jüngere Familien.

Carsten Genau.

Stefanie Ja, aber du hattest gesagt, dass dich das bei den Interviews gestört hat, dass die immer nach den Schuhen gefragt haben. Oder habe ich das falsch in Erinnerung?

Carsten Nein, das ist richtig.

Stefanie Also die Interviews sind relativ ähnlich aufgebaut. Mich hat es nicht gestört, weil ich gedacht habe, es ist so ein Vergleichsfaktor, verschiedenen Personen immer die gleichen Fragen zu stellen, damit man verschiedene Antworten bekommt und die vergleichen kann. Aber dich hat das schon gestört?

Carsten Ja, ich habe eigentlich gedacht, okay, da ist eine Frage, die habe ich jetzt vorhin schon beantwortet bekommen und ich war mit der Antwort zufrieden. Und jetzt wird sie nochmal gestellt und nochmal gestellt und nochmal gestellt und nochmal gestellt. Also irgendwann denke ich Nee, ich habe meine Antwort. Ich weiß, wie ich damit umgehen muss und gut. Aber so wie du das darstellst, klar, du kriegst auf eine Frage unterschiedliche Antworten, damit mehrere Facetten. So habe ich das dann nicht verstanden. Vielleicht bin ich da so ein bisschen der penetrante Leser. Diesen einen Aspekt fand ich, wirklich blöd.

Stefanie Aber wie gesagt, das ist deine Meinung.

Carsten Es ist keine Abwertung des Buches, im Gegenteil, das ist einfach nur ein Aspekt, wo ich denke okay, ja, eine Antwort reichte mir. Das Buch selber würde ich empfehlen. Ich würde es aber wirklich Eltern empfehlen, die noch relativ frisch in dieser Materie drin sind.

Stefanie Da sind viele Sachen, die wir schon für uns geklärt hatten.

Carsten Ja, also wir haben vor anderthalb Jahren den Schritt gemacht und und leben jetzt vegan und ich habe so 80 - 90 % dessen, was dort im Buch drinsteht, eigentlich für mich selber schon irgendwie erarbeitet. Oder wir haben es im Alltag einfach schon schon gelebt. Wo ich dann denke okay, es ist zwar nett zu sehen, dass wir damit nicht atypisch sind, also wir machen es eigentlich genauso, wie es da drin steht. Aber ich habe jetzt nicht unbedingt den Mehrwert aus diesem Buch rausbekommen, wo ich dann festgestellt habe, Mensch, ich mache da irgendwas völlig falsch oder ich habe was vergessen oder so, sondern es ist für mich keine Begleitung gewesen. Ich denke, Familien, die noch relativ frisch sind, die sich noch unsicher fühlen, die einfach vom Background her noch mal ein bisschen Unterstützung benötigen, die werden in diesem Buch wirklich viel Inspiration finden. Aber wenn man sich schon gefestigt sieht und auch schon im Alltag diverse Situationen gemeistert hat, dann ist das nicht mehr der große Mehrwert.

Stefanie Was mich jetzt so ein bisschen gestört hat an dem Buch, war nachher, dass mit den Nährstoffen. Ich habe mich so ein bisschen unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich gedacht habe: Oh Gott, ich muss jetzt auf alles achten. Ich muss jetzt das Kind ständig wiegen und abmessen und dreimal die Woche dann Blut abnehmen und gucken, ob die Nährwerte stimmen. Also so ein bisschen überspitzt, aber so hat sich das für mich angefühlt. Dabei ist unser Kind kerngesund und es ist alles in Ordnung. Also ich sehe da, so lange ich darauf achte, dass er B12 zu sich nimmt, kein Problem und wir ernähren uns sehr ausgewogen und so.

Ich finde es natürlich wichtig, auf die ganzen Nährstoffe zu achten und so, aber ich bin und war nie der Typ, der ständig auf Nährstoffe achtet. Ja, also die ganzen 20 Jahre, die ich mich vegetarisch ernährt habe, habe ich nie darauf geachtet, dass ich jetzt irgendwelche bestimmten Nährstoffe zu mir nehme. Ich habe auch nie geguckt, dass ich mich besonders gesund ernähren muss. Also so im Sinne von, was wichtig für meinen Körper ist. Das ist dann bestimmt eine Eigenheit von mir und viele machen es anders. Ich erlebe es ja auch immer, dass der Großteil von denen, die ich kenne, stark immer auf die Gesundheit achtet. Du gehörst dazu. Also deswegen ist es für mich ja auch kein Problem, denn du achtest da drauf, da brauch ich nicht drauf zu achten. Und so haben wir eigentlich ja, es ist immer gesund. Und da ich fast ausschließlich nach Rezept koche und wir jetzt nur noch diese gesunden veganen Kochbücher haben, ist das einzige, was ungesund ist, das, was ich selbst so esse. Ich nenne jetzt keine Details, aber das ist ja nicht das, was unser Kind isst.

Ich fand das schon so ein bisschen penetrant, das hat mich auch genervt und ich habe dann nachher gedacht: Oh, das will ich nicht. Aber für jemanden, der da so ein bisschen unsicher ist, ist es eine gute Übersicht. Und für alle, die es interessiert, ich bin ja anscheinend eine Ausnahme. Also für alle, die es interessiert, ist es ganz gut. Es ist wirklich auch ausführlich, nicht nur diese Tabelle, sondern es ist auch so ausführlich aufgelistet, was jetzt genau an Nährstoffen gebraucht wird.

Carsten Genau, auch wieder pro Lebensphase und ja, warum das jetzt vom Bedarf her höher oder niedriger ist oder wo man das dann auch wirklich in den einzelnen Lebensmitteln herbekommt und wie viel man davon eigentlich dann nehmen müsste, um diesen Nährstoff zu decken.

Stefanie Genau, Zink, Jod, Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Proteine, bla bla bla, also das ganze Zeug.

Carsten Und ja, also vom Inhalt her, um sich das ein bisschen vorzustellen, denke ich macht es nochmal kurz Sinn, wenn Du vorliest, was da hinten draufsteht auf dem Buch.

Stefanie „Eines ist klar Veganismus ist mehr als ein Ernährungskonzept. Die Entscheidung für ein veganes Leben ist eine Entscheidung für ein bewusstes Leben, das Konsequenzen aus den uns umgebenden Verhältnissen zieht. ‚Vegane Eltern, junges Gemüse‘ beschäftigt sich pädagogisch einfühlsam mit der Frage, wie sich Werte an Kinder vermitteln lassen. Wie kann eine nachsichtige Erziehung zum Veganismus aussehen? Und welche konkreten Fragen tun sich im Alltag junger Familien auf, die ihren Kindern etwas anderes vorleben wollen als die Mehrheit der Gesellschaft? Welche Kinderpflegeprodukte sind vegan und wo bekomme ich sie her? Wie lässt sich ein veganer Kindergeburtstag organisieren? Hat mein Kind ein Recht auf vegane Ernährung in der Kita? Auf welche Nährstoffe muss ich bei Heranwachsenden besonders achten? ‚Vegane Eltern, junges Gemüse‘ gibt hilfreiche Tipps und Denkanstöße für den veganen Familienalltag, ergänzt um die Erfahrungen von anderen Eltern und die Ratschläge von Ernährungs- und ErziehungsexpertInnen bietet das Handbuch Hilfe in fast allen Lebenslagen junger Familien.“

So, es steht jetzt mindestens zweimal junge Familien. Ich behaupte jetzt mal, es geht nicht darum, dass die Eltern jung sind, sondern dass die Kinder noch jung sind. Und im Grunde ist es ja alles auch bei uns eine Entwicklung. Also so Anfang letzten Jahres war es noch ganz schwer, unserem Kind zu erklären, warum es jetzt keinen Käse mehr gibt. Er war ja schon vegetarisch, das heißt, es ging nicht darum zu erklären, warum es jetzt kein Fleisch gibt, sondern einfach nur warum, wieso kein Käse, kein Croissant mehr und Milchbrötchen und solche Sachen. Und das hat er damals noch nicht verstanden, also habe ich es ihm auch nicht aufgezwungen. Aber mittlerweile ist er einfach so alt, dass er das versteht und ich ihm das erklären kann. Und dann ist es auch okay.

Carsten Es gibt da in diesem Buch ein Kapitel, das hat die Überschrift „Ich will Käse.“ Ich hatte vor ein paar Wochen tatsächlich so eine Situation, die exakt in die gleiche Richtung ging. Da bin ich mit ihm über den Wochenmarkt gegangen und er hatte den Wochenmarkt immer noch in Erinnerung. Damals, zu unseren vegetarischen Zeiten, hat er mal ein Stück Käse bekommen. Wir haben ihm dann an einem bestimmten Stand immer Brötchen gekauft und der Stand, das war so eine Kombi zwischen Bäcker und Käserei oder so was. Und dann hat er von der gleichen Fachverkäuferin auch immer ein Stück Käse mit auf die Hand bekommen. Das war so ein so ein Ritual. Und jetzt, nach langer Zeit sind wir wieder auf diesen Wochenmarkt gewesen. Und dann kam er irgendwann an und sagte „Ich will ein Stück Käse.“ Und da war ich erst mal perplex, weil er jetzt seit keine Ahnung, anderthalb Jahren keinen Käse mehr verlangt hat. Hat sich aber wohl daran erinnert. Und dann habe ich ihm gesagt „Pass mal auf, also Käse ist nicht vegan.“ Und damit war das Thema gegessen. Er hat nicht gezetert, er hat einfach nur gemerkt okay, ein Käse ist nicht das, was wir normalerweise essen. Es ist nicht vegan. Was auch immer er jetzt momentan unter vegan versteht, aber er weiß alles, was nicht vegan ist, landet bei uns nicht auf dem Speiseplan. Ich hatte keinen Widerstand oder auch kein schreiendes Kind. Oder „ich will jetzt doch“ oder so was, sondern das war einfach von der Situation her damit durchstanden.

Stefanie Ja, wobei wir auch die Situation haben, wenn er jetzt auf einem Kindergeburtstag eingeladen ist. Ich hatte ihn gefragt. Ich habe ihm das erklärt, dass es da wahrscheinlich nichts Veganes gibt und habe ihn gefragt, ob ich ihm was mitgeben soll. Und da hat er nein gesagt. Er möchte gerne das essen, was es da gibt. Ich weiß, dass er da kein Fleisch isst, aber er den Kuchen, der ganz bestimmt nicht vegan ist, hat er bestimmt gegessen und ich habe ihm das alles erklärt und er weiß es. Er versteht es. Und ich denke einfach, wenn er noch nicht so weit ist. Und vielleicht wird er nie soweit sein, man weiß es ja nicht. Aber wenn er das so möchte, dann ist es für uns okay. Ja, es gibt nur einfach zu Hause nichts Nicht-Veganes. Ich finde, das hängt einfach von der Einstellung des Kindes ab, vom Alter des Kindes, von der Art des Kindes. Also, es ist ganz, ganz individuell.

Carsten Es gibt keine Universallösung.

Stefanie Ja, genau. Und ich, ich lese auch von Kindern, die vielleicht fünf sind und dann auf Geschenke verzichten und nur noch sich dann irgendwie Geld für das Patentier wünschen. So was kann ich mir bei unserem Kind nicht vorstellen. Also es gibt offensichtlich ganz altruistisch veranlagte Kinder, die sowas dann machen und ja, das kann ja auch sein, nur unsers ist nicht so und ich denke, wenn du auch ein Kind hast, wirst du wissen: jedes Kind ist individuell und deswegen kann dieser Ratgeber natürlich nur ein lockerer Ratgeber sein. Man muss einfach bedenken, diese Menschen, die das geschrieben haben, sind einfach auch nur Menschen und können nicht universell sagen so und so hat es zu sein. Zwischendrin habe ich mit denen auch nicht übereingestimmt bei einigen Sachen und ja, und auch die verschiedenen Interviews, da ist es auch nicht immer das, von dem ich sage so mache ich das auch. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.

Carsten Ja, es gibt da nicht diese eine Linie, sondern es gibt ein Potpourri an möglichen Verhaltensweisen oder Aspekten. Genauso wie es in einer normalen Erziehung auch so ist. Das hat ja mit vegan erstmal wenig zu tun. Das ist einfach nur so, dass jeder Mensch einen anderen Blickwinkel auf das Thema Erziehung oder auf Kinder hat. Und das spiegelt sich hier in diesem Buch genauso wieder.

Stefanie Und wenn du dieses Buch jetzt haben willst, dann schreibe einen Kommentar unter dieser Podcastfolge bis Ende September 2016 und im Oktober 2016 schreibe ich dann vielleicht genau dich an und sage dir, dass du das Buch gewonnen hast. Genau so sieht es aus. Und ja, das Buch ist tatsächlich wie gesagt eher für vegane Eltern, die jetzt noch so ein bisschen unsicher sind. Deswegen verlosen wir das Buch auch. Wir haben zwar Informationen daraus gezogen, aber ich würde es jetzt nicht als ständigen Ratgeber in unserer Familie brauchen.

Carsten Nee. Ein bisschen was habe ich rausgenommen. Aber hatte ich ja vorhin schon gesagt, dass 80- 90 % dessen eigentlich schon, weil wir gefestigt in der Materie drin sind, sich per se schon ergeben hat. Was ich vielleicht noch anfügen kann, es ist wirklich ein rein proveganes Buch. Also es ist kein Diskurs wo unterschiedliche Sichtweisen ist vegan jetzt gut / ist vegan jetzt schlecht diskutiert werden, sondern die Autor·innen sind ganz klar, das ist von Veganer·innen für Veganer·innen. Man kann sich dann dementsprechend sicher fühlen. Muss sich jetzt nicht irgendwie noch mit kritischen Aspekten auseinandersetzen und Verunsicherung mit reinbringen, sondern es ist von Veganer·innen für Veganer·innen.

Stefanie Genau. Also wenn du das Buch haben willst, schreib einen Kommentar und bis Ende September 2016 und ich benachrichtige dich dann.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 31 - Gibt es glückliche Milchkühe?

Ein Beitrag

Folge 31 - Gibt es glückliche Milchkühe?

In dieser Folge

  • nehmen wir Bezug auf einen Blogartikel zum Thema "Milch von glücklichen Kühen",
  • sprechen wir über unsere Wahrnehmung von Milchkühen
  • und diskutieren darüber was glückliche Milchkühe ausmacht.

Milchkühe entwickeln sich langsam zu meinem Lieblingsthema und so verwundert es Dich sicherlich nicht, dass ich nicht widerstehen konnte, einen Blogartikel zu dem Thema "glückliche Milchkühe" zu kommentieren.

Das habe ich sowohl auf Facebook, als auch nun mit Carsten getan und wir sind gespannt auf Deine Meinung.

Links zur Folge

Der besagte Artikel "Preiswerte Milch von glücklichen Kühen - geht das überhaupt?"
https://web.archive.org/web/20180113180114/https://www.otto.de/reblog/milch_preiswert_kuehe_gluecklich-12728/

Mein Artikel "Mama Muh und die Milch"
http://du-veraenderst-die-welt.de/blogartikel/mama-muh-und-die-milch

Der Podcast von Katrin & Daniel von bevegt
http://www.bevegt.de/podcast/

Hof Butenland
http://www.stiftung-fuer-tierschutz.de/

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute möchte ich einmal kurz über die Frage sprechen, ob es glückliche Milchkühe geben kann.

Carsten Und ebenso wie Du auf die Frage gekommen bist. Du hast den Bericht gelesen, oder?

Stefanie Ja, ich bin ja jetzt seit kurzem bei Facebook. Meine neue Hassliebe. Ich bin immer noch nicht sicher, ob ich da bleibe, weil ich eigentlich aus Datenschutzgründen nicht davon überzeugt bin und ich eigentlich auch davon überzeugt bin, dass ich nur das machen will, was mir wirklich entspricht, ich aber so oft gefragt wurde: Warum bist du nicht auf Facebook? Warum bist du nicht auf Facebook, dass ich dann irgendwann diesem Druck nachgegeben habe. Und jetzt bereue ich es ein bisschen. Aber ich habe auch wieder Erfahrungen gesammelt. Aber gut, zurück zu der Frage ob es glückliche Milchkühe gibt. Genau. Und da habe ich natürlich, wie ich das bei Twitter auch gemacht habe, also jede Menge Seiten geliket. Bei Twitter folge ich ja anderen. Ich finde Twitter irgendwie einfacher, übersichtlicher. Aber gut, davon mal abgesehen also und da unter anderem auch den Reblog, das ist irgendwie der Nachhaltigkeitsblog von Otto.

Ich bin nämlich eingeladen worden, zu einem Workshop, dem Rethink Workshop. Und der kommt noch im Oktober. Und das ist wird veranstaltet von diesem Reblog. Und ja, tatsächlich muss ich da für diese Einladung Katrin und Daniel danken von Bevegt. Die haben auch einen ganz tollen Podcast. Da geht es um Laufen und vegane Ernährung. Ja, also da noch mal Werbung gemacht. Also jedenfalls die von diesem Reblog. Da gibt es anscheinend ganz viele verschiedene Blogger, die da Berichte schreiben. Und eine Dame ist der Frage nachgegangen, wo man in Deutschland glückliche Milchkühe findet und hat einen Betrieb vorgestellt. Wo genau, habe ich mir jetzt nicht gemerkt, aber sie hat auch noch so eine Liste gemacht, wo in Deutschland es ähnliche Betriebe gibt und hat sich das angeguckt und auch so die typischen Sachen aufgezeigt, dass die Kühe gut versorgt werden, dass sie anständig aussehen und so und jedenfalls geht es darum, glückliche Milch von glücklichen Kühen, wo es die gibt, weiß diese Bloggerin.

Und ich habe den Bericht gelesen und habe darunter auf Facebook kommentiert und habe gefragt, ob es denn überhaupt glückliche Milchkühe geben kann. Ja, weil im Grunde muss man sich ja überlegen, dass diese Milchkühe, die künstlich geschwängert werden und auch nur Milch geben, wenn sie immer schwanger sind, sich das ja auch nicht aussuchen. Und die Kälber? Kann es denn sein, dass Milchkühe glücklich sind, wenn ihnen jedes Mal die Kälber weggenommen werden und Mutter und Kind getrennt werden und die Kälber dann in diesen Boxen kurze Zeit verweilen, je nachdem ob sie jetzt als Nachschub für die entsprechende Milchkuh herangezogen werden, oder? Im Durchschnitt bekommt so eine Milchkuh ja vier Kälber in der Zeit, in der sie ausreichend Milch gibt. Bei manchen Betrieben mag es mehr sein, aber im Durchschnitt ist es so und von diesen vier Kälbern ist es meistens eine Fifty fifty Chance, ob es ein männliches oder eine weibliches Kalb ist und es wird nur ein weibliches Kalb benötigt. Die anderen drei sind über.

Und dieses weibliche Kalb wird benötigt, wenn die Mama nicht mehr ausreichend Milch gibt, also nicht mehr wirtschaftlich ist, die dann zum Schlachter geht, das Kalb dann die ersetzt. Es ist ja auch so, dass diese Kälber schon mit weniger als einem Jahr befruchtet werden und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie man dann behaupten kann, die sind glücklich darüber. Ein Teenie ist es ja noch gar nicht, die sind ja noch Kinder. Ja, im Kindheitsalter künstlich befruchtet werden, dann schwanger werden und dieses Kind immer wieder abgeben müssen, ihre eigenen Kinder. Und jede Mutter weiß einfach, wie das ist.

Also jedenfalls habe ich diese Fragen gestellt. Daraufhin hat die Dame dann auch noch mal geantwortet und hat gesagt, ja, da würde man ja jetzt in den tierethischen Bereich rübergehen. Und sie meinte das Argument mit der künstlichen Besamung, das würde sie quasi nicht unterstützen, denn wir würden das ja gleichsetzen Geschlechtsverkehr mit Lust und künstliche Besamung mit Vergewaltigung und deswegen und das könnte man ja so nicht sagen und deswegen weist sie das von sich und aber sie hätte sich nicht getraut, den Bauer zu fragen, was mit den Kälbern passiert. Klar.Und sie hat Fotos da gepostet von den Kälbern in ihren typischen kleinen Boxen und...

Carsten Die hatten alle ein Lächeln auf den Lippen.

Stefanie Ja nee, aber jetzt mal ernsthaft. Ja, und dann mit diesem Titel „Vera weiß, wo es die Milch von den glücklichen Kühen gibt.“ Auch wenn ich es jetzt gerade nicht vor Augen habe, aber es beschäftigt mich jetzt schon eine ganze Weile. Ich war ja am Montag auch wieder in Kiel und habe zur Schulmilch geforscht oder jetzt beim Schulmilchtag, da schreibe ich nochmal was zusammen und da machen wir auch nochmal eine Folge drüber. Dann, wenn es soweit ist, das ist ja erst Ende September. Aber also die Milchkühe. Ich merke das einfach. Es wird definitiv mein Thema bleiben. Es ist die Frage wie siehst du das denn? Also ist es aus deiner Sicht so, können wir das nicht beurteilen, weil das ja ins tierethische abdriftet?

Carsten Aber grundsätzlich hast du mich vorhin gefragt hat es, ob wir über diese Frage sprechen können „Gibt es glückliche Milchkühe?“ Genau da hattest du ja in diesem Artikel eigentlich schon die Grundannahme gesehen, dass die Autorin gar nicht in Frage stellt Gibt es Glückliche Milchkühe? Sondern sie sagt Es gibt glückliche Kühe, man muss sie suchen. Also ich kann das durchaus nachvollziehen, dass wenn du aus dieser Sichtweise schaust und weißt, eigentlich ist das großer Mist, der da passiert, dann versuchst du die Betriebe rauszusuchen, wo du sagst Mensch, nein, bei denen ist es alles noch heile Welt. Ja, und ich glaube, das war auch die Motivation der Autorin zu sagen, es gibt wirklich noch einige Vorzeigebetriebe, bei denen es anders läuft.

Ich habe so einen leicht perfiden Gedanken gehabt, das erste, was mir durch den Kopf geschossen ist, ist die Frage: Gibt es glückliche Sklaven? Also es fällt so für mich in eine ähnliche Kategorie. Also ich habe auf der einen Seite immer eine bestimmte Form von Ausbeutung, ja, die muss per se passieren. Egal ob ich jetzt einen Menschen Sklave habe oder eine Milchkuh, die ich nur deswegen benötige, um Milch produzieren zu können. Das hat beides eine Qualität an Ausbeutung und die ist per se da, egal ob die sich jetzt gerade freuen. Ich kann mir durchaus vorstellen, auch wenn das jetzt ein ziemlich pervertierter Gedanke ist, aber dass es durchaus Lebensphasen im Leben eines Sklaven gibt, wo er sagt Mensch, jetzt bin ich gerade glücklich. Und wenn ich genau an einem solchen Moment auf diese Situation schaue, dann habe ich vielleicht auch das Problem nicht zu erkennen, dass das, was dort im Grunde genommen passiert, eigentlich absolut übel ist. Also das sind so die Gedanken, die mir vorhin so durch den Kopf geschossen sind.

Stefanie Und ja, ich denke einfach, es kommt darauf an, ob ich der Milchkuh - Es geht ja jetzt wirklich um Milchkühe und nicht um die Fleischproduktion - ob ich der oder generell ob ich Tieren Gefühle zuspreche. Ich habe ja auch eine Freundin, die sagt ich kann das nicht vergleichen, ich als Mutter und die Kuh als Mutter, da sind Welten dazwischen. Für mich sind da keine Welten dazwischen, auch wenn wir anders aussehen, empfindet diese Kuh genau das gleiche wie ich. Ich bin davon überzeugt. Und es gibt auch viele Beweise, dass es Kühe so empfinden. Und die Schwangerschaft dauert auch genauso lange wie beim Menschen und jede Mutter weiß einfach, dass frau schon während der Schwangerschaft eine Bindung zu dem Kind entwickelt. Und wie grausam, wenn man sich das mal vorstellt, wie grausam ist das, wenn dir direkt nach der Geburt oder vielleicht auch einen Tag nach der Geburt das Kind entrissen wird und du wirst dann an eine Milchmaschine angeschlossen und musst Milch geben. Und du weißt auch überhaupt nicht, was mit deinem Kind passiert.

Das habe ich ihr natürlich nicht geschrieben, jetzt so in der Art, sondern ich habe gesagt, wenn wir voraussetzen, dass die Kühe empfinden und dass sie auch Gefühle haben, wenn wir ihnen Gefühle attestieren, dann stellt sich natürlich die Frage und dann genau das: Wie würde eine Mutter empfinden? Wie ist das? Und auch die Frage - Die Kälber, die einfach nur als Abfallprodukt zur Welt kommen, um nach kurzer Zeit als Kalbsfleisch dann im Laden zu landen? Also mittlerweile, ich bin der festen Überzeugung, dass ich als Vegetarierin das alles überhaupt nicht so wahrgenommen habe. Aber mittlerweile ist das mit diesem Kalb, also zwischendurch wird mir schon schlecht, wenn ich nur Kalb lese, weil ich einfach jetzt eine andere Bindung habe.

Carsten Du weißt was dahinter steckt.

Stefanie Ja, also ich meine, vorher wusste ich auch, was dahinter steckt, aber ich habe es nicht wahrgenommen.

Carsten Ich muss noch nicht mal großartig darüber nachdenken wie viel Emotion oder Gefühl kann jetzt eine Kuh empfinden? Und auch dieser direkte Vergleich wo steckt jetzt eine höhere Qualität an Emotion oder Gefühl beim Menschen oder bei der Kuh? Und wie weit unterscheiden die sich? Das brauche ich gar nicht machen aus meiner Sicht. Ich muss einfach nur schauen. Wir reden über Säugetiere und Säugetiere sind von der Natur aus so ausgelegt, dass sie eine bestimmte Bindung zum Nachwuchs haben. Beidseitig von der Mutter zum Nachwuchs, vom Nachwuchs zur Mutter. Und diese Bindung, die mag vielleicht von der Qualität her, je nachdem, was für Säugetiere man anschaut, zwischen Mensch und Säugetier unterschiedlich ausfallen. Aber sie ist in jedem Fall existent und auch so stark ausgeprägt, dass das Überleben eines Tieres davon abhängt.

Und wir Menschen durchbrechen ganz bewusst diese Bindung, indem wir jetzt bei der Milchkuh zum Beispiel das Kalb von der Mutter trennen. Und das ist alleine für mich schon ein Punkt, wo ich dann mittlerweile von meiner jetzigen Position sage: Nein, das möchte ich nicht. Allein deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass es glückliche Milchkühe gibt. Das geht einfach nicht. Genau. Und davon abgesehen davor oder danach kommen ja durchaus noch Leidenswege. Ich muss ja überhaupt schauen, was passiert denn mit dieser Kuh? Die mag ja vielleicht noch gut gepflegt sein, mag vielleicht auch von der Haltung her irgendwie einen ordentlichen Eindruck machen, wenn ich da in den Stall reinkomme und vielleicht Stroh sehe. Oder wenn die jetzt tatsächlich mal Tageslicht sehen sollte und steht auf der Weide und ich schaue sie dort an, aber die Kuh muss Höchstleistungen erbringen. Der Organismus der Kuh muss Höchstleistungen erbringen, um diese irrsinnigen Mengen an Milch zu produzieren, die wir von dieser Kuh abfordern. Das ist nicht mehr natürlich, was dort passiert.

Also natürlich wäre, dass die Kuh eine Milchmenge produziert, die ausreicht, um dieses Kalb zu ernähren. Aber die Milchmenge ist deutlich geringer als das, was heute Kühe leisten müssen, damit sie noch wirtschaftlich profitabel sind. Das heißt, da habe ich alleine schon von diesem wirtschaftlichen Aspekt her einen bestimmten Grad an Ausnutzung den ich persönlich ganz schwer damit in Einklang bringen kann zu sagen okay, die Kuh könnte glücklich sein, wenn ich sie an der Stelle einfach ausnutze, indem ich eine Kuh mit Hochleistungsfutter füttere, unter Haltungsbedingungen halte, die zum vorzeitigen Verschleiß führen.

Also allein der Lebenszyklus dieser Kuh ist ja deutlich verkürzt. 1/4 oder 1/5 dessen, was sie normalerweise in der freien Wildbahn unter artgerechter Haltung, also in der Freiheit erleben würde. Plus dieser dauerhafte Verbleib in einer Extremsituation. Die Kuh ist ja die meiste Zeit ihres Lebens schwanger. Das ist ja keine keine natürliche Lebensweise für die Kuh. Und da fällt es mir nicht schwer. Ich kann kategorisch sagen, es gibt keine glücklichen Milchkühe, egal wie proper die jetzt aussehen, wenn ich in einen Vorzeigebetrieb reinschaue.

Stefanie Und da waren auch noch andere Kommentare, die genau in die Richtung gehen: Es gibt keine glücklichen Milchkühe. Ich sehe aber immer noch diesen, diesen Shift sozusagen, also dieses einerseits, was ich früher auch hatte, dass ich gedacht habe so, ich kaufe Biomilch und ich kaufe Bio Eier und so, also also genau das, was wahrscheinlich auch die Intention dieser Autorin ist, dass sie auf der Suche ist nach der bestmöglichen Haltung. Genau. Aber mittlerweile sind wir da, dass wir, ich sage jetzt einfach mal wir, weil ich davon ausgehe, dass du auch so denkst, dass wir das System einfach infrage stellen.

Carsten Ja, da kommt wieder dieser Spruch: Es gibt nichts Gutes im Bösen.

Stefanie Ja.

Carsten Also das ist jetzt krass ausgedrückt das System als grundlegend böse zu identifizieren, das ist wahrscheinlich nicht böse, das fällt eher so in den Bereich das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint. Die meinen es ja gut.

Stefanie Aber genau im Grunde ist es einfach das System was schlecht ist und da kann man noch so viel dran rumdoktoren und noch so schön die Haltungen und noch denen irgendwie grüne Blümchen bringen. Oder was auch immer, es bringt einfach nichts. Glückliche Milchkühe kann es aus unserer Sicht nicht geben.

Carsten Es gibt vielleicht den glücklichen Bauern und den glücklichen Kunden, die sagen Alles tutti, alles toll. Aber die Kuh ist aus meiner Sicht definitiv nicht glücklich.

Stefanie Es ist viel, was wir uns so vormachen, was wir sehen wollen. Also es ist immer wieder die Matrix. Jeder erschafft sich seine eigene Wirklichkeit. Das ist ja auch tatsächlich so und wir auch. Wir sind ja nicht perfekt. Auch wir wissen noch ganz vieles nicht und auch wir sehen nur einen Teil davon. Und wir gucken jetzt dahinter, hinter diese Welt. Wie bei der Matrix. Da sind wir schon ausgestiegen und sehen das Problem. Für viele ist es aber einfacher, das Problem nicht zu sehen. Ja so, es geht ja gar nicht darum, dass man das Problem kennt und dann sagt ja, ist mir doch egal. Ich würde sagen, wenn ich das Problem kenne und dann sage ja, es ist mir doch egal, ich trinke trotzdem Milch, dann ist es was anderes, oder?

Carsten Dann bist du aber schon zu dieser Erkenntnis gekommen zu sagen okay, da passiert etwas, was ich im Grunde genommen nicht gutheiße, aber ich ignoriere es einfach. Ja.

Stefanie Wenn ich das weiß. Genau.

Carsten Ich glaube ein Großteil der Menschen lässt es nicht an sich heran. Die sind vielleicht kognitiv, haben die es irgendwie schon mitbekommen, Aber so auf der emotionalen Ebene zu verstehen oder nachzufühlen, was da passiert, das haben die meisten noch nicht gemacht.

Stefanie Das ist auch ein Prozess. Das war bei uns ja genauso. Ich wusste auch schon länger, dass das nicht okay ist mit den Milchkühen und habe aber immer noch nicht den Schritt gemacht. Und jetzt, seit ich mich da so lange mit beschäftige, ist es anders. Also meine Meinung ist, je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigen, desto weniger können wir in diesem System bleiben.

Carsten Da gebe ich dir recht, weil bei mir war ja die Anfangssituation gar nicht durch diese Tierqualausnutzung oder diese ethischen Argumente begründet. Bei mir war es einfach gesundheitlich und erst nachdem ich dann gesagt habe nein, ich verzichte auf diese Produkte, ich trinke jetzt keine Milch mehr, ich esse keinen Käse, kein Joghurt, habe ich dann erst mal angefangen, mich mit diesen ganzen Themen auseinanderzusetzen, quasi hinter die Kulissen zu schauen: Was passiert denn da überhaupt? Mittlerweile bin ich so auf einem Stand, wo ich sage ja, die ethischen Aspekte, also das, was diese Grausamkeiten, die sich da im Hintergrund abspielen, die sind sogar noch erdrückender als zu sagen, was mir persönlich gesundheitlich passieren könnte. Also ich will jetzt Milch nicht als Gift verteufeln, es hat einfach nur nicht die gesundheitliche Auswirkung, die ich mir davon versprochen habe. Und es ist eigentlich eher kontraproduktiv auf die lange Sicht gesehen. Aber die Motivation zu sagen nee, ich bleibe jetzt genau bei dieser Entscheidung. Ich werde definitiv keine Milch mehr konsumieren, keine Milchprodukte mehr essen, ist, nachdem ich hinter die Kulissen geguckt habe, erst mal genau aus diesen ausbeuterischen oder tierethischen Aspekten begründet. Ja, also da positioniere ich mich ganz klar, auch wenn ich mich da irgendwie gesellschaftlich mehr so an irgendeine Extremposition stelle.

Stefanie Wir sagen nicht, dass die Bauern alle böse sind und schlecht und was weiß ich was. Darum geht es überhaupt gar nicht.

Carsten Es sind also keine kategorischen Tierquäler oder so was, wo man dann sofort denken könnte, wenn man sagt es gibt keine glücklichen Kühe.

Stefanie Es geht um die Kühe, es geht um das System, also um diese Art und Weise, wie wir damit umgehen.

Carsten Der einzelne Bauer, der muss ja auch bis zu einem gewissen Punkt das Wohl des Tieres im Auge behalten, weil sonst ist das Tier ja nicht wirtschaftlich ist. Aber genau da hört es dann wieder auf. An der Stelle, wo man dieses Wirtschaftliche mit einbringt, kann der Bauer gar nicht anders, als das Tierwohl zurückzustellen. Weil wenn er das nicht machen würde, würde er seine eigene Existenz gefährden. Die Existenz seines Hofes, das ist ja ein Unternehmen, da stecken ja Arbeitsplätze dahinter, da steckt die Familie dahinter.

Stefanie Sagen wir mal, sein Geschäftsmodell würde ja gar nicht funktionieren, wenn er der gleichen Ansicht wäre wie wir. Er bräuchte einfach ein ganz anderes Geschäftsmodell. Er müsste dann Pflanzenmilch herstellen.

Carsten Oder er macht ein Kuhaltersheim wie Hof Butenland. Also einen Lebenshof. Aber das ist ja, wie gesagt, nicht sein Geschäftsmodell.

Stefanie Nein, sein Geschäftsmodell würde platzen, wenn er jetzt so denken würde wie wir. Und deswegen kann er ja gar nicht anders. Also solange er nicht umdenkt, kann er nicht anders und es muss dabei bleiben. Und ich denke natürlich, es wirkt so, als würden die Bauern, die jetzt zum Beispiel in dem Bericht vorkommen, die ja es gibt, ja, es gibt solche und solche. Es gibt welche, die mehr Profit orientiert sind und es gibt welche, die sehr tierlieb sind, sag ich mal.

Also es ist ja auch so, z.B. im Vergleich mit Pferden reiten, Reiter·innen. Ich bin ja auch jahrelang geritten und mittlerweile bin ich der Meinung, was für ein Blödsinn. Mittlerweile reift die Erkenntnis, dass ein Pferd vielleicht gar nicht so gerne möchte, dass ich auf dem Rücken sitze und es mit einer Gerte, Sporen und einer Kandare - mit Kandare bin ich ganz selten geritten - aber mit Gebiss im Maul und an den Zügel zerren und was weiß ich, was traktiere. Und ja, also mittlerweile reift auch dieser Traum in mir so ein Lebenshof oder ein Altersheim für ausgediente Schulpferde zu schaffen, die nämlich auch ganz oft beim Schlachter landen. Aber gut.

Die meisten Reiter·innen lieben ihre Tiere und machen es aber trotzdem. Und genauso ist es bei den meisten Bauern. Dann nehme ich an, auch die lieben wahrscheinlich ihre Tiere bis zu einem gewissen Grad, aber machen das trotzdem, weil das System einfach so ist und weil das deren Überzeugung ist.

Carsten Ja, die wachsen ja auch damit auf. Das sind häufig übernommene landwirtschaftliche Betriebe, die vom Eltern oder Großelternteil stammen und das ist ja über Traditionen hinweg dann eine ziemlich große Prägung. Und die zu hinterfragen, da zu sagen nee, ich kann das jetzt nicht mehr, das ist natürlich ein extrem großer Schritt, das.

Stefanie Verstehe ich schon gut. Ich meine, der Jan Gerdes vom Hof Butenland hat das ja gemacht. Der war vorher ja auch Milchbauer und macht das.

Carsten Also ich ziehe meinen Hut vor ihm. Das ist echt schon eine gute Leistung.

Stefanie Ich glaube die älteste Kuh, die da lebt, ist 16 oder 17, also so alt werden die ja nie im normalen Betrieb. Also von daher.

Carsten Was man aber auch noch mal dazu sagen muss, gefährlich ist natürlich bei solchen Artikeln: Der Leser ist geneigt zu sagen, ja, so was gibt es und dann entsteht auch im schlimmsten Fall der Eindruck, das ist ja vielleicht gar nicht mal unnormal. Oder es gibt das relativ häufig. Aber dabei, selbst wenn angenommen, es gäbe glücklichere Kühe, dann sind das vielleicht zehn oder 20. Also ein oder zwei Betriebe vielleicht ja.

Stefanie Wobei sie hat glaube ich, zehn Betriebe in ganz Deutschland oder so aufgezählt.

Carsten Und wenn du dann aber hochzählst, wie groß sind die Betriebe und wie viele Kühe sind insgesamt in Deutschland „stationiert“ wollte ich gerade schon, sagen. Das sind natürlich ganz andere Größenordnungen. Da sprichst du irgendwie, keine Ahnung, in Prozent oder vielleicht sogar im Promillebereich. Also da wird ein ganz anderes Bild projiziert. Das hat mit der Wirklichkeit da draußen relativ wenig zu tun. Das ist ja schon fast Greenwashing.

Stefanie Ja, damit haben wir die Frage nun diskutiert, nicht abschließend beantworten können. Aber so viele Kühe kennen wir nicht. Doch Du hast auch jetzt auf der Arbeit ein paar Kühe kennengelernt. Nebenan auf der Wiese, oder?

Carsten Ja, aber das sind Fleischkühe, also keine Milchkühe. Und das war aber nur eine Handvoll. Also nicht repräsentativ.

Stefanie Wir machen demnächst noch eine repräsentative Kuhbefragung.

Carsten Genau richtig. Rennen über die Wiesen. Und fragen

Stefanie Bist du glücklich?

Carsten Okay, gut. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 30 - Folge Deinem Gefühl und tanz Dich frei :-)

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Folge 30 - Folge Deinem Gefühl und tanz Dich frei :-)

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir von meiner neusten Lieblingsbeschäftigung,
  • erklären, was das alles mit Deinem Gefühl zu tun hat
  • und sprechen ein bisschen über die KonMari-Methode.

Ballast abwerfen ist ein Dauerbrenner in meinem Leben- sowohl innerlich, als auch äußerlich, sowohl körperlich, als auch Besitz.

Seit ich vegan lebe, denke ich über viele Dinge nach, an die ich früher keinen Gedanken verschwendet habe.

Mir werden Dinge bewusst, die ich vorher einfach so hin genommen habe und ich bin viel offener geworden. Offener gegenüber Veränderungen, aber auch offener gegenüber Charakterzügen.

Das muss nicht alles mit dem Vegan-Sein in Zusammenhang stehen, es kann natürlich auch Altersweisheit sein ;-)

In dieser Folge sprechen wir in erster Linie darüber wie wir mit unserem großen Bücherbestand umgehen und was das alles in mir und Carsten ausgelöst hat.

 

Links zur Folge

Folge 29 - Veganer sind einfach die besseren Menschen

Ein Beitrag

Folge 29 - Veganer sind einfach die besseren Menschen RELOADED

In dieser Folge

  • sprechen wir noch einmal über die Aussage, dass Veganer die besseren Menschen seien,
  • erzählen wir Dir von unseren neuen Erkenntnissen zu dieser Aussage
  • und berichten Dir von unseren Theorien zu dem Thema.

Als ich mich am Sonntag mit meiner Radtour-Teilnehmerin unterhalten habe, sagte sie ganz von sich aus, dass sie häufig mit dieser Aussage "Veganer hielten sich für etwas besseres" konfrontiert würde und das obwohl sie unter gar keinen Umständen etwas besseres sein wollte.

Sie, eine junge Frau mit sehr spannenden Zukunftsplänen, folgt nur ihrem Gefühl und ist ausschließlich ethisch motiviert- genau wie ich.

Und deshalb kann ich sie auch so gut verstehen- ebenso, wie Nicht-Veganer sich vielleicht von unserem Veganer-Sein herabgesetzt fühlen, fühlen wir uns von der Aussage wir hielten uns für etwas besseres verletzt.

Ich lebe nicht vegan, um mir ein Krönchen oder einen Heiligenschein aufsetzen zu können, sondern weil ich nicht anders kann. Mein Gefühl verbietet es mir.

Links zur Folge

Und jetzt sind wir neugierig...

Was hältst Du von unseren neuen Erkenntnissen? Hast Du auch das Gefühl wir nähern uns dem Kern der Aussage? Oder bis Du ganz anderer Meinung?

Hinterlasse gerne einen Kommentar :-)

Carsten & Stefanie

Folge 28 - Ein Leben ohne Auto

Ein Beitrag

Folge 28 - Ein Leben ohne Auto

In dieser Folge

  • erzählen wir Dir, warum wir seit über 1,5 Jahren kein Auto mehr haben,
  • wie wir auch ohne Auto zurecht kommen
  • und wie das Leben ohne Auto die Wahrnehmung verändert

Früher war ich der festen Überzeugung, ein Auto zu besitzen sei wichtig.

Mit dem Auto bist Du flexibel und unabhängig. Du kommst schnell von A nach B und kannst unproblematisch Dinge transportieren.

Seit ich kein Auto mehr habe, denke ich manchmal wieviel Geld ich unsinniger Weise für mein Auto ausgegeben habe, obwohl ich es in der Großstadt kaum brauchte.

Mittlerweile messe ich Entfernungen in Fahrradwegen und nutze für längere Strecken Bus und Bahn.

Wenn ich wirklich ein Auto brauche, leihe ich es mir einfach.

Ein Mietwagen hat für mich viele Vorteile. Meist bekomme ich ein fast neues Modell, ich kann mir je nach Anlass die passende Größe aussuchen und ich zahle auch wirklich nur für die Zeit, die ich es brauche.

Vollständiges Transkript

Carsten Heute geht es darum, wie wir unseren Alltag ohne Auto meistern.

Stefanie Genau, dazu müssen wir natürlich sagen, dass wir in einer Großstadt leben und dass da das Leben ohne Auto relativ einfach ist.

Carsten Spielverderber. Ich dachte wir machen es jetzt allen schmackhaft.

Stefanie Na, wir wissen schon, dass es auf dem Land anders sein kann.

Carsten Richtig. Okay, zugegeben. Ja, also ich muss dir zustimmen. Die Infrastruktur einer Großstadt ist schon so ein Faktor, der mir das Leben ohne Auto wirklich ganz enorm erleichtert.

Stefanie Wobei du ja im Moment einen ziemlich langen Anfahrtsweg zur Arbeit hast. Und mit dem Auto wärst du sicherlich schneller.

Carsten Mit dem Auto wäre ich definitiv schneller. Ja, im Moment ist es so, kann ich ja auch gerne mal beisteuern, ich fahre 20 Minuten per Rad zur nächsten Bahnstation. Das könnte ich auch mit Bus fahren. Aber ich finde das Radfahren angenehmer.

Stefanie Der Bus hält direkt vor unserer Haustür. Du müsstest nicht mit dem Rad fahren.

Carsten Ich müsste nicht mit Rad fahren, aber die Busfahrt dauert genauso lange.

Stefanie Genauso schleichend wie Du.

Carsten Genauso schleichend wie ich, genau.

Stefanie Ihr fahrt immer so nebeneinander her und winkt euch zu: Hallo.

Carsten Ich halte mich fest… Nein. Also es sind schon mal die ersten 20 Minuten, dann fahre ich noch ein Stück mit der AKN, das ist quasi Regionalbahn oder so wie die Nordwestbahn. Also Bummelzug hält quasi bei jedem kleinen Bahnhof und sammelt Leute ein. Und dann fahre ich nochmal das letzte Stück von dem Zielbahnhof bis zur Arbeit noch mal 20 Minuten nochmal per Fahrrad. Das heißt also, ich habe zwei Fahrräder, das andere habe ich dann hinten in einem anderen Ort stehen und insgesamt bin ich ungefähr eineinhalb Stunden unterwegs pro Strecke. Ja, so, und das ist natürlich dann schon mal ziemlich, ja relativ lang. Ich versuche das natürlich auch durch zukünftige Positionswechsel...

Stefanie Wir wollen jetzt nicht zu viel verraten.

Carsten Nicht spoilern, genau. Also es wäre schon mein Wunsch, dass ich das in Zukunft ein bisschen verkürzen kann. Aber im Moment ist es so.

Stefanie Nicht durch Einsatz eines Autos.

Carsten Nicht durch ein Auto. Also irgendwie ist die Option für mich eigentlich gar nicht mehr existent.

Stefanie Ja, aber vielleicht können wir vorher noch mal sagen: Wir haben nicht bewusst auf das Auto verzichtet, sondern unser Auto hat vor anderthalb Jahren den Geist aufgegeben und dann haben wir einfach kein neues mehr gekauft und haben dann einfach alle Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad erledigt, als das vor anderthalb Jahren so war. Da hast du noch eine Fahrtstrecke von einer Stunde gehabt, wobei du mit dem Auto teilweise auch nicht viel kürzer gefahren bist.

Carsten Wenn ich schnell gewesen bin, bin ich damals mit dem Auto 35 Minuten gefahren. Das setzt voraus, dass ich keinen Berufsverkehr hatte, früh losgefahren bin und wirklich mit, so hart am Limit gefahren bin.

Stefanie Wir erzählen das hier nicht, was Carsten alles...

Carsten Aber tatsächlich war es so, dass ich für die meisten Fahrten auch 50 bis 60 Minuten gebraucht habe. Gerade so der Rückweg, da, wo ich dann mit in den Berufsverkehr gekommen bin, obwohl ich asymmetrisch gefahren bin. Ich bin eigentlich immer entgegen des normalen Berufsverkehrsstroms gefahren, aber nichtsdestotrotz in der Stadt staut sich das einfach und deswegen fiel es mir relativ einfach zu sagen, ich fahre das jetzt eben mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, weil ob ich eine Stunde im Auto sitze oder eine Stunde in der Bahn, ist ja vom Zeitfaktor her kein großer Unterschied. Nur dass ich dann eben mit der Bahnfahrt auch Fahrradfahren koppeln konnte.

Stefanie Und beim Bahnfahren kannst du natürlich auch lesen oder Musik oder Podcasts hören, zum Beispiel. Wobei, Podcast hören kannst du im Auto auch, aber du kannst nicht lesen. Und das Fahrradfahren war für dich ja auch eine sportliche Betätigung, die du vorher nicht machen konntest.

Carsten Das war wirklich so ein Punkt, wo ich gesagt habe, zu dem Zeitpunkt in meinem Leben hatte ich zu wenig Bewegung. Und dadurch, dass ich dann auf das Auto verzichtet habe, musste ich ja zwangsläufig mit Fahrrad fahren. Und das waren halt 40 Minuten Radfahren pro Tag, die ich vorher nicht hatte. Und das hat schon einiges ausgemacht. Also so allein vom Gefühl her war es dann schon eine Erleichterung und eine durchaus willkommene Abwechslung.

Stefanie Warum erzählen wir das jetzt eigentlich?

Carsten Ja, weil wir irgendwie gerade überzeugt sind, ohne Auto die Zukunft oder das Leben zu führen. Wir brauchen es nicht. Die Option, ein Auto zu kaufen oder ein Auto zu fahren, existiert für uns eigentlich so nicht.

Stefanie Ja. Also wie machen wir das? Wenn wir zu den Großeltern müssen und mal längere Strecken unterwegs sind, dann mieten wir einfach ein Auto.

Carsten Genau.

Stefanie Und ich habe auch mal mit einer Freundin darüber gesprochen, was wäre, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Und sie meinte, dann hättest du auf jeden Fall ein Auto, dann einfach so, dann würde das einfach da stehen, wenn du es halt mal brauchst. Und ich habe da wirklich länger drüber nachgedacht. Und nein, ich hätte kein Auto, ich hätte dann einen guten Vertrag mit einem Verleihservice oder wenn's halt ganz dringend wäre, würde ich ein Taxi rufen. Wenn das Geld keine Rolle spielt, dann ist es ja egal. Aber ich hätte mir das alles so eingerichtet, dass ich dann immer, wenn ich ein Auto brauche, auch eins zur Verfügung hätte. Nur es kommt wirklich ganz selten vor, dass wir mal ein Auto brauchen und ich bin wirklich jetzt vor ein paar Tagen das erste Mal seit anderthalb Jahren wieder Auto gefahren. Gut, beim Mieten ist es halt so, dass es immer extra kostet, wenn man zwei Fahrer anmeldet und dann bist du, Carsten, bis jetzt immer gefahren. Und da jetzt vor ein paar Tagen, konntest du nicht fahren und deswegen habe ich das gemacht. Aber da habe ich auch schon gedacht, kann ich noch Auto fahren? Aber ich konnte noch Auto fahren, ich habe keinen Unfall gebaut und so alles gut. Ja, aber es ist schon so, damals, als ich das Auto hatte - es war auch erst ein Leasingwagen, weil ich ja auch gar nicht so viel Geld hatte und so - da war ich der festen Überzeugung, ich brauche unbedingt so ein großes Auto, weil ich irgendwie gedacht habe: Ja, in Zukunft, werde ich Pferde haben und ich muss damit einen Anhänger ziehen können. Und ich habe irgendwie alles für die ferne Zukunft mir ausgemalt. Ich habe das alles jetzt nicht und ich habe auf jeden Fall daraus gelernt, dass ich nicht mehr so weit in die Zukunft blicke. Mir irgendwas anzuschaffen, sage ich mal, wo ich gar nicht weiß, ob ich das wirklich irgendwann mal so brauche. Ich schaue jetzt eher so, was ich jetzt brauche. Ja, so und gut, das passt also jetzt im Moment zu diesen Punkten, mit denen wir uns sowieso beschäftigen: was brauche ich wirklich? Und ein Auto brauchen wir einfach nicht wirklich.

Carsten Nein, das ist für mich als Option auch komplett gestorben. Also selbst wenn ich jetzt Schlechtwetter hätte und ich muss jetzt ehrlich zugeben, ich würde auch bei Regenwetter das Fahrrad dem Bus vorziehen, also zumindest jetzt für meine Arbeitsstrecke, einfach weil es für mich angenehmer ist. Ich habe im Moment überhaupt gar keine Scheu, mich in voller Regenmontur auf die Straße zu wagen.

Stefanie Also wenn deine Jacke vom Imprägnierservice wieder da ist, dann ist es auch wieder okay. Die haben wir mal etwas falsch gewaschen.

Carsten Und beim nächsten sehr argen Regenschauer bin ich extrem nass auf der Arbeit angekommen. Ich bin aber auch sehr schnell getrocknet. Also toi, toi, toi. Ja, aber auch das hat mich nicht davon abgehalten. Ich bin da mittlerweile eher so auf dem Stand zu sagen, ich kaufe mir eine ordentliche Regenhose, hol mir mal Gamaschen heißen diese Überschuhe, die ich dann anziehe, damit ich auch von den Füßen her trocken bleibe. Und dann bin ich halt bis auf Gesicht und Hände vollkommen trocken.

Stefanie Ja, also ich fühle mich auch viel wohler, wenn ich mit dem Fahrrad fahre. Ich fahre ja auch jeden Tag Fahrrad, auch um den Kleinen zum Kindergarten zu bringen und wieder zurück. Der Kleine fährt ja jetzt auch schon Fahrrad und so fährt die ganze Familie Fahrrad. Und ich mache das lieber, als Bus zu fahren oder so. Also für mich ist tatsächlich das Fahrradfahren das Mittel und ich kann ja noch mal beisteuern, weil viele dann denken: Oh ja, aber mit Familie ist ein Auto halt besser. Der eine Erzieher von unserem Sohn, der hat auch kein Auto und er hat drei Kinder und der fährt immer mit dem Fahrrad und die haben aber allerdings mit ihren Nachbarn, die ein Auto haben, eine Abmachung, dass sie deren Auto in so Notsituationen mal leihen können. Aber es ist einfach so, dass sie mit den Fahrrädern klar kommen. Also seine Frau fährt Fahrrad, er fährt Fahrrad, die Kinder fahren Fahrrad, alle. Der jüngste Sohn von ihm ist vier Jahre alt und der kann dann natürlich noch nicht so ewig lange Strecken fahren. Wobei auch der schon mit seinem Papa joggen fährt, sozusagen, mit dem Fahrrad und dann acht, neun Kilometer mit dem kleinen Rädchen durchfährt und der Papa läuft bestimmt nicht langsam. Nicht so wie ich. Jedenfalls, das macht er ohne Probleme. Und ich habe ihm auch diese Frage gestellt: Was wäre, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Würdest du dir dann ein Auto kaufen? Und er meint: nein. Es ist einfach eine Einstellungssache auch, es geht eben auch mit drei Kindern offensichtlich. Die hatten nie ein Auto, also die ganze Zeit über nicht, die haben sich nie eins angeschafft. Also sie haben immer mit allen Kindern, auch im Säuglingsalter das ohne Auto gemacht. Und ich habe immer gedacht, naja, wir haben halt nur ein Kind, da ist es einfacher, als wenn du mehrere hast. Aber seit ich ihn kenne, denke ich naja, es ist wirklich eine Einstellungssache.

Carsten Es ist so, ja.

Stefanie Es ist natürlich auch irgendwo bequem, wenn man dann die Kinder einfach ins Auto packt und losfährt.

Carsten Ja, ist es mit Sicherheit. Aber irgendwie stellt sich die Frage für uns im Moment auch gar nicht. Ich überlege gerade selbst, als wir damals das Auto noch hatten, sind wir auch relativ häufig trotzdem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren oder mit dem Fahrrad.

Stefanie Du hattest das Auto immer, um damit zur Arbeit zu fahren und deswegen hatte ich eh kein Auto. Und ich bin sowieso schon die ganze Zeit mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren. Also von daher.

Carsten Ja, ich bin ja am Wochenende zum Wochenmarkt auch mit Fahrrad gefahren. Ja.

Stefanie Da hatten wir ja auch noch einen Fahrradanhänger. Jetzt haben wir wieder einen. Unser Fahrradanhänger hat nach deinen Wochenendeinkäufen irgendwann einen Achsbruch erlitten...

Carsten Glücklicherweise direkt vor unserer Haustür.

Stefanie Das war auch so ein Hundeanhänger. Das war kein Kinderanhänger, so ein 1.000 € teurer Chariot oder was auch immer, sondern so ein Hundeanhänger. Der hatte dann wohl seine Lebensdauer erreicht.

Carsten Da bin ich auch schon mit Fahrrad gefahren. Und ich habe damals eigentlich immer versucht, meine Arbeitswege per Rad zu fahren. Hatte auch fast immer das Glück, das zu können. Ja, und auch als ich damals ein eigenes Auto hatte.

Stefanie Du meinst vor unserer gemeinsamen Zeit.

Carsten Vor unserer Zeit. Da kannten wir uns noch nicht.

Stefanie Als es dich noch nicht gab...

Carsten Da gab es mich noch nicht, nee, da bin ich trotzdem mit Fahrrad zur Arbeit gefahren, auch bei jedem Wetter.

Stefanie Ja, stimmt, hast du erzählt.

Carsten Das war eine Strecke, die wir auch 20 Minuten, 20, 25 Minuten lang. Und selbst bei Eis und Schneeregen bin ich mit Fahrrad gefahren, obwohl ich zu Hause in der Garage mein eigenes Auto stehen hatte. Aber das kam für mich gar nicht in Betracht, mich ins Auto zu setzen. Es war einfach so von Optionen. Du fährst mit Fahrrad zur Arbeit und Thema durch. Du kannst dich halt entsprechend dafür anziehen, dass das Wetter nichts ausmacht. Und ja, damit war das Thema eigentlich vom Tisch. Mein Arbeitskollegen haben mich dann echt für spinnert erklärt, weil die gesagt haben Mensch, du hast doch ein Auto, wieso kommst du jetzt bei dem Regen mit Fahrrad? Ja, ich habe gesagt, wieso regt ihr euch darüber auf? Das war für mich einfach überhaupt keine Option. Also von daher lag der Gedanke jetzt nicht ganz so fern. Ich glaube, ich war damals schon relativ nahe dran zu sagen: Also ich brauche eigentlich kein Auto, obwohl ich damals noch sehr ländlich gelebt habe. Und jetzt hier in Hamburg mit der ganzen Infrastruktur, wie du vorhin schon sagtest, wir haben die nächste Bushaltestelle direkt vor der Tür, das sind 50 Meter entfernt. S Bahn Station ist zehn Minuten von hier entfernt, wenn du mit Bus fährst, oder ich glaube, mit Fahrrad auch nicht viel länger.

Stefanie Mit dem Fahrrad brauchst du keine zehn Minuten.

Carsten Keine 10 Minuten, ist sogar schneller. Und die Einkaufsmöglichkeiten sind gerade was unsere Wohnlage betrifft, natürlich genial. Ich kann quasi fast alles irgendwie fußläufig erreichen. Das sind natürlich so Aspekte, wo ich mir sage, selbst wenn ich jetzt Geld hätte, warum soll ich mir ein Auto zulegen? Brauche ich nicht.

Stefanie Aber ich bin ja auch auf dem Land aufgewachsen, genau wie du. Eigentlich sind das so ähnliche Verhältnisse gewesen, wie wir aufgewachsen sind und ich bin irgendwie so aufgewachsen mit der Idee, dass ein Auto wichtig ist und dass man halt so zwei Autos hat. Es sind Autos immer vorhanden und ein Auto war auch total wichtig und ich kann das auch verstehen, wenn du gerade den Führerschein machst, dass du dann gerne auch ein eigenes Auto hättest und so. Ich glaube aber auch, dass sich das heute verändert, dass durch dieses ganze Carsharing und so, dass sich da das Bewusstsein dafür verändert. Ich weiß nicht, wie das für unseren Kleinen dann irgendwann mal sein wird, wenn er so weit ist. Im Moment möchte er noch ganz viele Autos und Traktoren, Flugzeuge ferngesteuert, aber auch selber und keine Ahnung was. Also im Moment ist da noch kein Bewusstsein vorhanden, aber ich weiß nicht, wie es dann sein wird. Also ich habe ja auch keine Ahnung. Vielleicht existiert die Welt auch gar nicht mehr, wer weiß. Aber davon mal ganz abgesehen für mich war das irgendwie ganz normal und ich ärgere mich irgendwie zwischendurch immer noch darüber, dass ich damals so entschieden habe, dass ich gedacht habe, ich brauche unbedingt so ein großes Auto, was mich Unmengen an Geld gekostet hat. Sinnlos verbraten, denn die meiste Zeit stand es nur rum. Und das ist ja bei vielen Autos so, dass sie einfach nur rumstehen. Das ist ja der Sinn des Carsharing eben auch, dass man sein Auto dann, es muss ja nicht das eigene Auto sein, aber eben einfach sich ein Auto leiht für die Zeit, die man es braucht. Ich merke aber einfach jetzt so mit der Zeit kommt so das Bewusstsein für sowas. Das ist jetzt nicht im Rahmen des Veganseins gekommen und wir haben das auch nicht gemacht wegen der Umwelt, oder? Nee, wir haben das einfach für uns gemacht.

Carsten Weil wir es einfach nicht gebraucht haben. Wir haben ja festgestellt, das wir können drauf verzichten. So einfach war es.

Stefanie Ja und also so mit Fahrrad und Anhänger, so Anhänger ist halt ganz praktisch für größere Einkäufe. Da lässt sich alles erledigen. Und so die laufenden Kosten, man muss halt immer mal bedenken, dass die Kette ab und zu reißt. Wenn man jetzt so oft fährt wie wir, braucht man jedes Jahr eigentlich fast schon eine neue Kette. Das sind halt so Sachen. Reifen. Teilweise braucht man neue Mäntel, aber das ist ja alles nicht vergleichbar mit den Kosten, die man jetzt für so ein Auto hat.

Carsten Allein die Versicherung für so einen Wagen frisst deutlich mehr...

Stefanie Steuer und Instandhaltung musst du auch noch bedenken. Dann braucht das Ding auch noch hier in der Stadt einen Stellplatz und dann musst du dafür ja auch noch Benzin bezahlen. Und das muss du für das Fahrrad alles nicht.

Carsten Ich könnte mir jetzt gar nicht mehr vorstellen, solche solche Kosten aufzuwenden, nur um ein Auto haben zu wollen, was dann die meiste Zeit nur rumsteht.

Stefanie Ja, natürlich. Also wenn wir jetzt ein Auto mieten, dann müssen wir eben auch einen Batzen Geld bezahlen, sozusagen, den jemand, der ein Auto schon besitzt, nicht zahlt, weil er halt dann nur die Spritkosten sieht, aber aufgerechnet ist halt für uns so günstiger.

Carsten Ich hatte jetzt hier in diesem Buch „Cheaponomics“ etwas sehr interessantes gelesen. Der Autor geht auf den Bereich der relativen Geschwindigkeit ein. Das fand ich total spannend, weil er da in diesem Vergleich sogar eine Statistik nennt, die auch Hamburg mit einbezieht. Und da geht es darum, einfach zu schauen, mit was für einem Verkehrsmittel ist man eigentlich relativ gesehen am schnellsten und der Wert, der mir so im Kopf geblieben ist, war, dass wenn man mit Fahrrad fährt, die relative Geschwindigkeit so 12,5 km/h ist und damit würde man im Vergleich zum Auto sogar schneller sein. Jetzt ist die Frage, was heißt denn relative Geschwindigkeit? Er geht einfach hin und sagt es reicht ja nicht, einfach anzunehmen, Du setzt dich ins Auto, setzt dich aufs Fahrrad und fährst die gleiche Strecke und guckst, wer schneller ist und was für eine Geschwindigkeit das jeweilige Gefährt bekommt. Sondern die relative Geschwindigkeit bezieht eben auch die Zeit ein, die du aufbringen musst, damit du zu diesem Zustand des Losfahren kommst. Also sprich, wie viel Zeit musst du investieren, um Geld zu verdienen, um dir ein Auto leisten zu können? Oder wie viel Zeit musst du investieren, um Geld zu verdienen, um dir dein Fahrrad leisten zu können? Diese Zeitspanne ist natürlich deutlich kürzer, um sich ein Fahrrad leisten zu können, als wenn du Geld aufbringen musst, um das Auto zu kaufen plus Zeit, die du an der Tankstelle, in der Werkstatt, im Stau, etc verbringst. Also das zieht er alles zusammen und sagt: im Endeffekt reicht es, wenn du mit einem Fahrrad so zwölf km/h fährst und du bist relativ gesehen schneller, als wenn du mit Auto fährst. So, und das fand ich total spannend, weil das mir ins Bewusstsein geführt hat, wie viel Arbeit, wie viel Geld, wie viel Zeit muss ich eigentlich aufwenden, um mir diesen Luxus Auto überhaupt gönnen zu können? Also im schlimmsten Fall müsste ich die Hälfte meines Tages fürs Auto arbeiten.

Das war auch wieder so ein Durchschnittswert, dass die gesagt haben, vier Stunden am Tag arbeiten die Leute in den USA für das Auto. Ja, das ist natürlich schon ziemlich heftig und das fand ich schon interessant. Das war jetzt für mich nicht wichtig, um mich zu überzeugen, weil ich schon überzeugt bin. Aber allein so diese Gedankengänge: ja, er hat recht. Also um sich mal wirklich bewusst zu machen, was heißt das eigentlich ein Auto zu haben, wie viel Arbeit und Zeit muss ich investieren, um genau diesen Zustand zu erreichen und auch beibehalten zu können?

Stefanie Und was mir jetzt gerade einfällt in dem Film „Plastic Planet“, den wir gesehen hatten, sagte der Werner Boote ja auch, dass Taxifahrer den höchsten - ist es der BPA-Wert? Ich weiß nicht mehr genau, aber jedenfalls diese Phthalate inhalieren in dem Auto. Also die sind am kränksten, weil sie halt die ganze Zeit über im Taxi sitzen und diesen Kunststoff inhalieren und dadurch auch die Giftstoffe aufnehmen. Und ja, dann habe ich so gedacht, wenn ich dann so im Auto sitze. Gut, also wie gesagt, ich muss mir ab und zu mal eins leihen, aber es ist auch gesundheitlich vielleicht tatsächlich besser, auf das Auto zu verzichten. Ja, also jetzt so nach dem Film, nur mal so als Idee noch dazu, was man da so inhaliert und so und wenn man über die negativen Auswirkungen von Plastik nachdenkt...

Carsten Also letztendlich muss ich sogar sagen, dass mir das Fahrradfahren als Luxus vorkommt. Ich kann es mir erlauben, auch mir selbst gegenüber aufs ein Auto zu verzichten.

Stefanie Meinst du zeitlich oder generell?

Carsten Ja generell, nicht mal zeitlich. Ich bin flexibel, ich kann aufs Fahrrad steigen, kann losfahren, also bin ich jetzt nicht an irgendwelche Zeiten von Bussen oder Bahnen gebunden. Wobei das ja noch nicht mal schlimm ist. Die haben ja hier in Hamburg einen sehr guten Takt. Aber ich kann die Route selbst bestimmen. Ich kann Abkürzungen fahren.

Stefanie Ja, das Fahrrad ist da wirklich am besten. Das stimmt.

Carsten Und ich habe eben gerade bei gutem Wetter, das ist eine schöne Sache, wenn man wirklich im Sonnenschein dann irgendwie zur Arbeit fährt oder wieder den Nachhauseweg meistert und und hat dann immer ein echt geniales Wetter. Das hebt nochmal die Laune und man bekommt Abstand und kann auch mal so ein bisschen ausspannen oder sich auspowern. Ich bin dann auch gerne mal geneigt, mal einen Tacken zuzulegen oder auch ein bisschen mich selbst herauszufordern. Aber das ist was ganz anderes, als wenn ich jetzt im Auto sitzen müsste und würde dann im Stau stehen, würde mich vielleicht aufregen und keine Ahnung. Im Auto, würde ich jetzt wirklich sagen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Stress ist, relativ hoch. Auf dem Fahrrad finde ich es viel, viel angenehmer.

Stefanie Wobei du natürlich auch Stresssituationen auf dem Fahrrad erlebst, wenn du nicht gesehen oder halb überfahren wirst oder so als Fahrradfahrer. Das gibt es natürlich schon. Nur ich dachte gerade so, wenn du dann im Auto sitzt und wieder mit dem lila Armband anfängst, das ist nicht zuträglich. Ja, wobei, mit dem lila Armband und das Auto, da fällt mir ja jetzt wieder diese Geschichte von Will Bowen ein, wie er erzählte, dass er sich da immer aufgeregt hat über so einen Transporter, der vor ihm her gefahren ist auf der Autobahn und ihn dann immer ausgebremst hat und so und dass er dann ständig solche Transporter gesehen hat, die ihn ausgebremst haben. Und da hat sich drüber aufgeregt. Und dann stell ich mir immer so ein wütendes Männchen da drin vor und irgendwann hat er dann gemerkt, ja, das wirkte gerade so auf ihn, als würde er die so heraufbeschwören. Und dann hat er gedacht, dann dreh ich das um. Und was könnte das Positive sein daran? Das Positive ist halt, dass ich dadurch langsamer und sicherer fahre. Und dann hat er, jedes Mal, wenn einer vor ihm war, ihm gedankt dafür, dass er da war und gesagt hat: Toll, dass du da bist und mir wieder zeigst, dass ich so sicherer fahren kann. Und dann waren die auf einmal weg.

Carsten Ja.

Stefanie Dann war das Phänomen nicht mehr da.

Carsten Da hat er seinen Wahrnehmungsfokus wieder irgendwie verschoben.

Stefanie Und hat das nicht mehr heraufbeschworen. Es ist schon schon ganz spannend.

Carsten Ja, also wir können es einfach nur empfehlen, öfters mal das Auto stehen zu lassen und dann wirklich gerade so in der Großstadt einfach zu versuchen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch mit Fahrrad zu fahren und auch ruhig mal irgendwie ne Regenhose zu kaufen und dann auch Schlechtwetter mal auszunutzen.

Stefanie Wie gesagt, auch bei Familie mit mehreren Kindern ist es durchaus möglich ohne Auto klar zu kommen. Und ja, wenn du jetzt noch nicht so darüber nachgedacht hast, ob es auch ohne Auto geht, also wenn du noch so am Anfang stehst, sag ich mal, dann kannst du einfach mit dem Fahrrad ein bisschen mehr fahren. Also für uns war es gut, das Auto einfach nicht mehr zu haben.

Carsten Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, mal einen kompletten Monat aufs Auto zu verzichten, den Arbeitsweg, sofern es dann von der Entfernung machbar ist, einfach mit Fahrrad zu fahren. Ja, und auch bei schlechtem Wetter. Also nicht irgendwie zu sagen, ich mache das jetzt nur, ich bin nur ein Schönwetterfahrer oder so. Nee, das nicht wirklich. Regenklamotten organisieren, bereitlegen. Ich habe die immer bei mir mit im Rucksack, transportiere mein Essen und sogar meinen Laptop.

Stefanie Dann transportierst du noch Werkzeug, falls du einen Platten hast.

Carsten Ich bin voll ausgestattet. Also nicht, dass ich da noch irgendwie einen zweiten Werkzeugkasten habe. Nein, alles im Rucksack und ich bin dann halt völlig mobil. Und dann kann mich auch nichts schocken, selbst wenn ich jetzt hier losfahre und stelle dann hinten beim Zielort, wo ich arbeite, fest: Mensch, das Wetter ist hier ganz anders, stört mich nicht. Ich habe ja meine komplette Regenmontur dabei und dann ziehe ich mir halt im Zug eben mal eine Regenhose an. Dann ist das halt so. Also ruhig ausprobieren, einen Monat durchziehen und dann einfach gucken, was das mit einem macht. Ich habe diese Umstellung, durch den Verzicht auf unser Auto ja auch durchaus mitgemacht. Und vorher hatte ich wirklich das latente Gefühl, ich habe zu wenig Bewegung. Dadurch, dass ich dann aber eine ganze Zeit lang mit Fahrrad fahren musste, habe ich mich im Endeffekt deutlich besser gefühlt. Also ich war ausgelasteter. Ich habe wieder gemerkt, diese körperliche Bewegung an sich, die tut gut und nachher das Wetter selber. Meine Güte, wenn ich mal ein paar Regentropfen ins Gesicht bekomme.

Stefanie Gerade hier in Hamburg ist es ja nicht immer nur Sonnenschein.

Carsten Da darf man dem Wetter sowieso nicht trauen. Also von daher immer irgendwie alles dabei haben und dann passt das schon. Und es lohnt sich ja durchaus. Gut, dann haben wir es für heute, oder?

Stefanie Ich würde sagen, ja.

Carsten Alles klar. Gut. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Folge 27 - Die Sache mit dem lila Armband

Ein Beitrag

Folge 27 - Die Sache mit dem lila Armband

In dieser Folge

  • berichten wir Dir von unseren Erfahrungen mit dem lila Armband,
  • stellen wir Dir das Buch "Einwandfrei" von Will Bowen vor
  • und erklären Dir, warum wir immer noch jammern.

Das Buch "Einwandfrei" von Will Bowen befindet sich schon einige Monate in unserem Besitz und auch die Armbänder haben wir schon seit längerem.

Eigentlich wollten wir erst vom lila Armband berichten, wenn zumindest Carsten die 21 Tage gemeistert hat.

Jetzt berichten wir einfach von unseren Erfahrungen und den Veränderungen, die das Buch und die dahinterliegende Philosophie bei uns bewirkt haben.

Links zur Folge

Offizielle Webseite von Will Bowen
http://www.willbowen.com/

Colleen Patrick-Goudreau
http://www.joyfulvegan.com/

Und jetzt sind wir neugierig...

Nimmst Du die Herausforderung an und möchtest ein lila Armband geschenkt bekommen?

Ich habe momentan 5 Armbänder zu verschenken. Wenn Du eines möchtest, hinterlasse doch bitte einen Kommentar und verrate uns warum Du es haben möchtest (wenn ich noch mehr finde, bekommen die folgenden auch noch eins- es könnten noch 2-3 weitere auftauchen).

"'Nur nicht knausern!' sagte Michel aus Lönneberga" und so habe ich beschlossen auch das Buch unter allen Kommentaren, die bis zum 31. August 2016 eingehen, zu verlosen.

Wenn Du uns dann noch von Deinen Erfahrungen mit dem lila Armband berichtest, machst Du uns ganz besonders glücklich :-)

Carsten & Stefanie

Folge 26 - Plastic Planet - wie gefähr­lich ist Plastik?

Ein Beitrag

Folge 26 - Plastic Planet oder wie gefährlich ist Plastik wirklich?

In dieser Folge

  • stellen wir Dir den sehr sehenswerten Dokumentarfilm "Plastic Planet" von Werner Boote vor,
  • erzählen Dir von unseren Erkenntnissen, die wir durch diesen Film gewonnen haben
  • und laden Dich zu verschiedenen Buchverlosungen ein.

Auf den Dokumentarfilm "Plastic Planet" bin ich über einen Artikel von Deutschlandistvegan.de gekommen.

Diesen Dokumentarfilm kannst Du Dir kostenlos über die Bundeszentrale für politische Bildung anschauen, er hat Spielfilmlänge und ist sehr gut gemacht.

Auf Plastik zu verzichten ist definitiv eine Herausforderung und war für mich bisher eigentlich nur aus Nachhaltigkeitsgründen sinnvoll.

Durch den Film ist mir der Gesundheitsaspekt um einiges bewusster geworden und ich weiß, dass es für mich noch viel zu tun gibt.

Links zur Folge

Komplettes Transkript

Stefanie Heute wollen wir über den Dokumentarfilm "Plastic Planet" von Werner Boote reden.

Carsten Ja, den haben wir uns gerade angeguckt und jetzt wirklich ganz frisch, nachdem wir den Film quasi ausgemacht haben, haben wir uns jetzt vors Mikrofon gesetzt und wollen die frischen Eindrücke noch mal ein bisschen verdauen, muss ich ehrlich sagen. Also bei mir kreist es gerade so ein bisschen im Kopf.

Stefanie Und diese Folge gibt es später, weil ich jetzt die ganze Woche krank war und immer noch ein bisschen krank bin. Und weil ich krank bin, hat Carsten mir beim Filmgucken Gesellschaft geleistet, weil ich es sonst nicht geschafft hätte. Ja, den Film wollten wir uns sowieso schon mal anschauen. Ich habe den gefunden über eine Challenge, wie es so viele im Internet gibt, nämlich den „Plasticfree July“. Das habe ich über irgendeinen Newsletter gefunden. Also wie die verschlungenen Pfade im Internet so gehen. Wo es darum geht, dass man den ganzen Juli oder nur einen Tag oder eine Woche oder so ohne Plastik lebt. Und dieser Film wurde da angepriesen. Und da wir sowieso ja schon mit dem Plastik so ein bisschen angefangen haben, dachte ich, macht es Sinn, den anzugucken.

Carsten Der ist übrigens kostenlos und wird auf der Internetseite des Bundesministerium für politische Bildung angeboten.

Stefanie Das war bpb?

Carsten Ja, ich habe das vorhin gemerkt, weil ich natürlich auch wissen wollte, wofür steht die Abkürzung bpb?

Stefanie Plastik? Irgendwas mit Plastik?

Carsten Nein, das war politische Bildung.

Stefanie Bundesweite Plastik. Klassische Bildung. Genau. Plastik.

Carsten Wir verlinken das aber noch mal und wie gesagt, das ist kostenlos, kann sich jede·r jederzeit dann anschauen. Und es ist wirklich empfehlenswert. Dauert ungefähr anderthalb Stunden.

Stefanie Ja, es ist so Spielfilmlänge. Ja, das ist auch wie ein Spielfilm gemacht. Also es tut mir leid, wenn meine Stimme jetzt ein bisschen komisch klingt und wenn ich vielleicht den einen oder anderen Aussetzer habe. Ich bin noch nicht ganz fit. Ich habe mich am letzten Wochenende verkühlt, als wir auf der Suche nach einem neuen Hund mit Bussen unterwegs waren zu den Tierheimen. Und die Busse haben jetzt neuerdings eine schöne Klimaanlage, wenn es draußen 30 Grad ist und drinnen die Klimaanlage, scheint mein Körper das nicht mitzumachen. Ja, das macht Spaß. Ich habe mich auch die ganze Zeit gewundert, woher jetzt dieses Kratzen im Hals kommt, bis ich auf die Idee gekommen bin, es muss diese Klimaanlage gewesen sein. Also liebe Kinder, fahrt nicht mit Klimaanlage, ihr werdet dann krank. So. Okay, also zurück zum Thema. Also "Plastic Planet". So zusammenfassend würdest du jetzt sagen, guck dir den Film an oder guck ihn dir nicht an?

Carsten Doch angucken! Also ich bin jetzt noch ein bisschen benommen von den ganzen Informationen und Fakten, weil ich eigentlich überfordert bin mit dem, was er darstellt. Es geht letztendlich darum, worum geht es eigentlich? Er versucht in diesen anderthalb Stunden zum einen zu zeigen, wie stark Plastik mittlerweile unseren Alltag bestimmt. Ja, das ist mir vorhin so richtig bewusst geworden, weil wir zwischendurch. Der Film hatte beim Streamen so ein paar Aussetzer, die wir als Pause genutzt haben und ich bin dann auch teilweise in der Küche gestanden, habe mir was zu essen geholt und habe dann festgestellt okay, ich habe ja überall irgendwie Plastik und na ja, also das hat er ins Bewusstsein gehoben. Wo ist überall Plastik bei uns im Alltag vorhanden? Können wir uns eine Welt ohne Plastik überhaupt vorstellen? Eigentlich nicht. Also ich kann es jetzt nicht.

Also da bin ich echt überfordert und er geht darauf ein, was für negative Effekte Plastik bzw die Stoffe im Kunststoff haben und zeigt aber auch, dass eigentlich gar nicht so wirklich bekannt ist, was denn dort überhaupt für Substanzen letztendlich in diesen Kunststoffen verarbeitet werden. Das sind teilweise Betriebsgeheimnisse, die so gar nicht nach außen getragen werden oder auch auch überhaupt nicht publik gemacht werden. Und man kann durch bestimmte Materialanalysen, ich sag jetzt mal so, die sehr bekannten schädlichen Substanzen nachweisen. Das geht er da in dem Film auch sehr, sehr gut an, aber ein Großteil der Substanzen ist einfach völlig unbekannt. Wahrscheinlich nur diesen chemischen Herstellern irgendwie bekannt, aber die rücken nicht damit raus.

Stefanie Der Film hat mich ein bisschen an „Cowspiracy“ erinnert, weil das auch ein persönlich motivierter Filmemacher ist, der dann durch die Welt jettet und versucht, eine Spur zu verfolgen. Und ein bisschen auch an „Tomorrow“, auch aufgrund der Geschichte, dass er auf der Suche ist und durch die Gegend fährt und mit vielen Menschen spricht. Also dieses Format ist sehr ähnlich, nur, dass es diesmal ein österreichischer Filmemacher ist und kein kalifornischer Dreamboy, der da durch die Gegend jettet. Also von daher da ist es ein wenig unterschiedlich, aber ansonsten finde ich es schon so ein bisschen ähnlich, vor allem, weil er da auch so relativ offen dran geht. Und man sieht ihn dann immer aus der Plastikflasche trinken und er ist persönlich motiviert dadurch, dass sein Großvater irgendwie im Plastikhandel war.

Carsten Genau der war eine Größe im damaligen kunststoffverarbeitenden Industriebereich und...

Stefanie ...ist mit 61 Jahren schon gestorben.

Carsten Wobei die Todesursache nicht genannt wurde.

Stefanie Aber er ist früh gestorben. Also ich meine, wenn ich dazu bedenke, dass es einfach unsere Großeltern, damals war es ja einfach noch nicht alles so bekannt. Mein Großvater ist ja auch sehr früh gestorben, als ich fünf war und bei ihm war es so, mein Großvater war Arzt und er ist im Krieg mit diesen Röntgenstrahlen quasi da immer konfrontiert worden und er hat dadurch dann später Krebs bekommen. So kann es natürlich bei dem Großvater von Werner Boote auch mit dem Plastik zu tun gehabt haben. Aber ich denke, es ist generell so, dass diese ganzen Stoffe, dass was wir früher alles noch nicht wussten und was so unbewusst ist, ist das gleiche mit der Handystrahlung und diesen ganzen Sachen. Alles was wir noch nicht wissen, das kommt jetzt so langsam, dass wir dann wissen, dass es doch irgendwie krebserregend ist.

Carsten Man kommt im Nachgang häufig an einen Punkt, wo man denkt okay, du hast jahrelang irgendwie mit gesundheitsschädlichen Einflüssen gelebt, sei es jetzt irgendwie Stoffe, Strahlung oder keine Ahnung was was dann, wie du schon sagtest, über Jahrzehnte hinweg einfach nicht bekannt war und dementsprechend auch nicht als als Gefahr gesehen wurde.

Stefanie Ja, wobei, der Werner Boote sagte auch am Ende so ja, aber wir leben ja noch. Also das heißt, es hat uns jetzt nicht getötet. Und außerdem, wenn man im Krankenhaus ist, da ist irgendwie alles aus Plastik, da braucht man das ja auch, um zu überleben. Und der Interviewpartner, mit dem er da gerade gesprochen hat, meinte er dann: Na ja, wenn du als Krebspatient dann dahin kommst und der Krebs ist vom Plastik verursacht worden, dann überlegst du dir auch hat das Plastik jetzt das Leben gerettet oder hat es den Tod verursacht? Oder die Krankheit verursacht? Das stimmt schon.

Carsten Was ich auch sehr gut fand. Generell gibt es die Aussage, dass die Menge das Gift macht. Nach dieser Mentalität wird beurteilt, wie viel man sich von einer Substanz irgendwie aussetzen darf. Und eine Wissenschaftlerin hat aber noch mal richtiggestellt, dass im Bereich von Kunststoffen bestimmte Inhaltsstoffe, z.B. dieses BPA darf man nicht nach dieser Maßgabe bewerten, weil dieses BPA wie ein Hormon wirkt, wie Östrogen und Hormone wirken schon in der kleinsten Konzentration. Da macht also nicht die Menge das Gift aus, sondern schon die kleinste Menge ist das Gift. Und dieses ins Bewusstsein zu rufen, fand ich schon sehr interessant. Also ich habe bis dato, muss ich ehrlich sagen zwar mitbekommen okay, BPA frei und solche Deklarationen gibt es ja relativ häufig, oder ich habe da zumindest mal drauf geachtet, weil wir ja jetzt auch mit Kinderspielzeug und mit Säuglingsequipment zu tun hatten. Da achtet man ja schon drauf. Aber dass da genau dieser Hintergrund existiert, dass das wie ein Hormon wirkt, durchaus auf das Gehirn negative Auswirkungen hat, also auf die Gehirnentwicklung, Krebs verursachen kann. Hodenkrebs, dass es die Fruchtbarkeit bis zu drei Generationen schädigen kann.

Stefanie Ja und vor allem auch bei Menschen mit Penis und Hoden. Ich hatte irgendwann mal vor langer, langer Zeit jedenfalls, gelesen, dass es gerade bei sehr jungen Menschen mit Penis und Hoden sehr schädlich sein kann, dass da die Fruchtbarkeit eingeschränkt wird, die Spermienproduktion und auch, dass es zu Hodenkrebs führen kann, dass gerade sehr junge Menschen mit Penis und Hoden sehr anfällig dafür sind. Und da habe ich jetzt an die Mengen von Duplosteinen bei uns im Kinderzimmer gedacht und an all das Plastikspielzeug, was da rumliegt und was das Kind schon, naja, in seinen ersten Jahren immer mal in den Mund gesteckt hat. Und was natürlich viele Kinder machen oder alle, die damit in Kontakt kommen.

Carsten Ja, das sind so Momente, wo ich mir dann wirklich hilflos vorkomme oder als ich damit konfrontiert wurde während des Films und überlege okay, wo ist denn bei uns im Alltag überhaupt Plastik drin? Und eigentlich fast überall, wie soll ich mich dem jetzt entziehen? Und das dällt mir echt schwer, damit umzugehen. Da habe ich noch nicht den Schlüssel. Ich habe zwar jetzt den Impuls zu sagen, wir versuchen dort, wo es geht, in Zukunft auf Plastik zu verzichten.

Stefanie Schritt für Schritt, Schritt für Schritt.

Carsten Aber dieses Gesamtproblem auch nur in einer akzeptablen Größenordnung aus dem Leben herauszubekommen, das scheint mir im Moment noch völlig undenkbar und auch unmöglich. Also da muss noch einiges an Zeit und auch Gedanken investiert werden, dass ich da besser mit klar komme.

Stefanie Wir haben vor zwei Monaten angefangen mit der Haarseife. Einfach auch aus den Gründen. Plastik weg, also unverpackte Haarseife. Ja, und generell so, dass es vegan ist usw und so fort. Aber da habe ich auch gedacht, weil ich dann auch angefangen habe, im Badezimmer zu gucken, was kann ich denn ersetzen? Also da gibt es ja so viele Plastikdöschen und Tübchen und keine Ahnung was, dass ich gedacht habe: Naja, man denkt vielleicht oder ich habe auch am Anfang so gedacht: Ich habe ja eigentlich gar nicht so viel Plastik und das ist wie beim Fleischessen. Also wie gesagt, ich habe ja schon seit Ewigkeiten kein Fleisch mehr gegessen. Aber ich höre das immer wieder, dass es viele Menschen gibt, die sagen, ich esse ja nicht viel Fleisch und es fällt einem dann erst auf, wenn man dann wirklich mal drauf guckt, wie viel man überhaupt isst. Und bei mir habe ich dann gedacht, ja, das ist irgendwie so ähnlich.

Ich denke, ich habe doch nicht viel Plastik und wenn ich dann mal hingucke, dann sehe ich eigentlich, wie viel Plastik das überhaupt ist und wie viel sinnloses Plastik dann auch. Also ich denke, der erste Schritt ist auch mal zu gucken, was kann man denn ersetzen und dann langsam weiter zu gehen. Das ist wie bei allem was wir machen, wie beim vegan werden, wie bei allem wirklich, sozusagen bei der Nachhaltigkeit und beim Plastik geht es ja jetzt auch um die Gesundheit wieder, dass düberkreuzt sich ja überall, dass wir dann sagen Schritt für Schritt, langsam, weil sonst macht es einen fertig. Sonst macht man gar nichts. Aber gar nichts machen bringt nichts. Also besser, du machst etwas, als nichts.

Carsten Genau das hatten die in dem Film auch sehr gut dargestellt. Dass da immer wieder Familien dabei waren, die haben das mitgemacht, zu gucken, wie viel Plastik habe ich eigentlich im Haushalt und haben all das rausgestellt in den Gärten.

Stefanie Viele unterschiedliche Familien.

Carsten Ja, genau. Der Produzent reist um die Welt trifft sich mit unterschiedlichsten Personen und in den Ländern, wo er da ist, hat er dann wohl immer Familien gefunden, die sich auf dieses Abenteuer eingelassen haben.

Stefanie Und das sogar im Slum in Indien.

Carsten Genau. Und das, was dann als Ergebnis rauskommt, wenn also man sieht, dann so im Zeitraffer, wie die das Haus ausräumen und die ganzen Sachen dann im Garten positionieren aufbauen. Für mich wirkte das nachher total skurril. Das ist dann einfach so Leute in einem Meer aus Plastik. Also jetzt Haushaltsgegenstände, angefangen von Planschbecken, die sowieso schon draußen standen, über Gartenmöbel, irgendwelche Behälter, Eimer. Und das wirkte echt skurril. Und wenn man sich dann vorstellt okay, ich glaube noch nicht mal, dass das wirklich alles Plastik war. Ich habe nicht gesehen, dass die ihre Kühlschränke oder ihre Kosmetika oder so was rausgeräumt haben.

Stefanie Gut, wobei das geht wahrscheinlich in der Masse auch unter.

Carsten Das kann in der Masse untergehen. Aber das fand ich schon cool.

Stefanie Und sie haben alle gesagt: Oh, ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Plastik im Haus habe.

Carsten Denen war das auch nicht bewusst.

Stefanie Nee, nee, das ist einem auch einfach nicht bewusst. Und das ist ja auch gerade das Wichtige, dass wir uns das bewusst machen. Und wenn wir es uns bewusst gemacht haben, dann können wir weiter gehen. Genau, das ist der erste wichtige Schritt. Manchmal ist es auch schön, wenn man sich dessen nicht bewusst ist. Manchmal ist es ganz schön einfach in dieser Traumwelt zu bleiben.

Carsten Probleme gar nicht wahrzunehmen. Ja.

Stefanie Das verstehe ich auch. Das kann ich auch verstehen, wenn du jetzt zum Beispiel sagst, ich habe schon genug Probleme, ich habe jetzt keine Lust, mich um das Plastik noch zu kümmern. Das kann ich total verstehen. Also wir machen das ja auch Schritt für Schritt. Wir haben ja auch nicht einen Tag gewählt und dann gesagt: So, jetzt krempeln wir unser Leben komplett um und dann wird alles um 180 Grad gedreht, sondern wir erforschen das jetzt einfach Schritt für Schritt und jeder geht den Weg in seinem Tempo.

Carsten Ich muss ehrlich sagen, dass als wir damals den Schritt ins Vegane gegangen sind, hätte ich nie im Leben darüber nachgedacht, dass uns irgendwann mal das Thema Plastik begegnet. Das war überhaupt gar nicht existent, das Problem.

Stefanie Ich habe noch andere Menschen / Bekannte, mit denen ich rede, die also selber Vegetarier·in sind., die mir vehement unterstellen wollen, dass ich mich für was Besseres halte, weil ich jetzt vegan lebe und zweitens dann auch immer wieder sagen naja, aber dann, wenn ich irgendwo wandern gehe, sei es auch in Deutschland so, dann gibt es da ja kein veganes Restaurant und dann kann ich das eh nicht durchhalten. Und ich finde einfach, darum geht es nicht. Es geht nicht darum zu sagen, nur weil ich das an einem Punkt vielleicht nicht durchhalten kann, dann kann ich es gleich ganz sein lassen. Sondern ich finde, es zählt jeder Schritt. Gerade bei Tierleid und beim Plastik ist es ja nun mal so, da geht es auch um uns, um die Gesundheit, geht es um unsere Kinder. Und es geht natürlich auch um die Umwelt und auch wieder um die Tiere im weitesten Sinne. Also die, die das Fressen, das Plastik und daran verenden und so und das andere ist, ich finde nach wie vor vegetarisch leben und vegan leben, das ist ein riesiger Unterschied dazwischen, was das Bewusstsein angeht. Denn diese 20 Jahre, die ich vegetarisch gelebt habe, habe ich nie, nie über all die Dinge nachgedacht, über die wir jetzt in den letzten anderthalb Jahren nachdenken, seit wir vegan sind. Ja, vielleicht habe ich es mal gestreift. Vielleicht.

Carsten Aber es war wirklich noch nicht so ein Berührungspunkt, dass du gesagt hast, du musst jetzt da handeln.

Stefanie Das ergibt sich jetzt alles auf unserem Weg, seit wir vegan geworden sind, so organisch, ganz normal. Wir sind jetzt offen dafür. Aber als ich vegetarisch gelebt habe, war das für mich einfach. Ich habe einfach auf Fisch und Fleisch verzichtet und das war's. So, Punkt. Ich habe mich irgendwie angepasst und das war's. Ich will jetzt nicht sagen, dass alle Vegetarier·innen so sind. Ich kenne durchaus auch mindestens eine Vegetarierin, die auch politisch motiviert war und Pelzträger·innen angegriffen hat und so, also von daher. Das muss nicht heißen, dass alle Vegetarier·innen einfach integriert sind und nicht weiterdenken, so wie ich. Aber ich bin der Meinung, dass die meisten so gedacht haben, wie ich. So, ich verzichte jetzt auf Fleisch und Fisch und was die anderen machen ist deren Sache. Ich will die nicht bekehren, das ist alles okay, aber jetzt? Ich will jetzt auch immer noch keinen bekehren, aber jetzt merke ich, dass es weitergeht.

Carsten Da steckt noch viel, viel, viel mehr im Hintergrund.

Stefanie Ja, genau und das Plastik gehört dazu. Und ich finde, also wie gesagt, wir haben den Film gerade erst gesehen, aber ich finde ihn sehr, sehr empfehlenswert. Es hat nichts mit vegan zu tun, Gar nichts.

Carsten Nein, es kein veganer Film, aber er hat ganz schöne Landschafts Bilder. Also zumindest in der ersten Einstellung, bis der Kameraschwenk dann kommt und...

Stefanie Ich finde den Film auch gut gemacht und ich finde auch, jede·r sollte ihn mal gesehen haben.

Carsten Der Film ist von der Qualität her und vom Unterhaltungswert für mich gleichbedeutend mit „Cowspiracy“ zum Beispiel. Und mir kam es so vor, dass „Cowspiracy“ deutlich stärker beworben wurde. Der ist irgendwie sehr präsent gewesen, eine Zeit lang. Vielleicht auch, weil ich da gerade so in meinen Wahrnehmungsfilter drauf ausgerichtet habe. Aber ich finde das ein bisschen irritierend, dass gerade dieser Film "Plastic Planet" für mich bis dato komplett unbekannt war.

Stefanie Ja, ich weiß, ich habe ehrlich gesagt auch nicht weiter recherchiert, aber es kann natürlich auch sein, das ist jetzt ein Österreicher, das andere war ein Amerikaner, dass der Amerikaner mehr Werbung dafür gemacht hat, die haben ja auch das glaube ich, über eine Indiegogo Kampagne und alles so initiiert. Und ich weiß nicht, wie Werner Boote jetzt seinen Film realisiert hat, wie er dafür Werbung macht, Ich weiß es nicht. Ich habe erst vor einer oder zwei Wochen davon gehört. Bis ich diesen Newsletter gelesen hatte, wusste ich auch noch nichts davon.

Carsten Ja, mir ging es genau so, dass ich nie davon was gehört hatte. Also diese wie heißt das? Plastik weg oder Plastik.

Stefanie Plastikfree July.

Carsten Plastikfree July oder diese Aktion, die hatte ich vorher auch noch nicht so wahrgenommen.

Stefanie Also ist auch wieder ich glaube, ich weiß nicht, ob englisch oder amerikanisch, aber jedenfalls nicht deutsch basiert.

Carsten Ja, aber ist ein hochspannendes Thema und ich werde mit Sicherheit in Zukunft stärker darüber nachdenken, auch gerade beim Kauf von irgendwelchen Lebensmittel oder Gegenständen.

Stefanie Und also wir haben ja schon damit angefangen. Da bei unserem Hofladen muss man ständig wie ein Luchs aufpassen, dass die einem nicht alles in Plastik verpacken und ich habe ja schon immer die Plastiktüten dabei, aber jetzt denke ich, da habe ich ja eher immer gedacht an nicht so viel Müll, aber jetzt denke ich, das immer in Plastik einzupacken, ist keine gute Idee. Wir müssen jetzt wirklich mal in Stofftaschen investieren.

Carsten Da habe ich nämlich gerade auch drüber nachgedacht. Also unser Ansatz war bisher ja immer, wenn wir schon so was haben, so häufig wie möglich verwenden. Also wenn du sagst, du gehst zum Hofladen und bringst schon Plastiktüten mit. Dann sind das eigentlich die, die wir vor etlicher Zeit mal dort bekommen haben. Die verwenden wir weiter. Wenn ich jetzt aber in dieser Dokumentation sehe, dass gerade die schädlichen Stoffe dadurch freigesetzt werden, aus diesem Plastik, indem Plastik längere Zeit den Umwelteinflüssen, also Sonneneinstrahlung, Hitze etc. und auch Abrieb, dann stellen wir gerade die Frage ist das wirklich so gut, dass wir die ganzen Sachen da einpacken?

Stefanie Ja, wir müssen wirklich. Es gibt ja auch so Netze, das hatte ich gesehen. Wir verlinken das dann auch, das waren so Gemüsenetze, Brotnetze, was auch immer. Die wurden bei uns so beworben. Ich habe nur gedacht Aha, jetzt zahle ich da jetzt Geld für, kann ich das nicht selber machen? Und hatte da dann angefragt, ob das ein besonderer Baumwollstoff ist. Und das wollten die aber nicht verraten. Also von daher, so was gibt es ja auch, oder? Man könnte ja auch mal versuchen, das selber zu nähen. Brotbeutel auch. Wobei Brot ja meistens in Papiertüten kommt, das ist ja schon mal wieder was anderes. Da ging es mir dann mehr um den Müll.

Carsten Du kannst es nicht in Papierbeuteln lagern, dann wird es steinhart.

Stefanie Ja, genau, das ist auch die Frage wie lagere ich das dann? Bisher habe ich das Brot tatsächlich in Plastiktüten gelagert und die Plastiktüten immer wieder verwendet und auch eingefroren. Wir frieren ja auch Brot ein und dann auch diese ganzen „Tupper“ - das ist ja kein echtes Tupper, was wir haben.

Carsten Aber ja, diese Kunststoffbehälter.

Stefanie Wo wir dann auch unsere Essensreste einfrieren oder so, wo wir dann nochmal was essen. Das ist ja wirklich. Es gibt so vieles zu bedenken, auch für das Kind. Das hat natürlich auch eine Plastikbox für Mittagessen und für Frühstück und hat immerhin keine Plastiktrinkflasche mehr. Aber ich habe gerade gedacht, die hat einen Plastikverschluss. Ja, also es gibt irgendwie ganz viele Dinge, wo man drauf achten muss. Und ich habe dann auch gedacht, na ja, gut, wo es zu spät ist, ist das Kind hat auch ein Fläschchen bekommen und so einen Schnuller. Weil als ich das gesehen habe, da war auch so ein Bild, wo dem Baby so der Schnuller in den Mund. Da habe ich gedacht, ja, da ist natürlich ständig durch den Schnuller, was weiß ich was ausgetreten.

Carsten Zumindest sind die dann schon mal BPA frei.

Stefanie Aber weiß man das noch genau? Ja, also das ist wirklich. Wird man erst mal drauf gestoßen oder macht man sich das bewusst, sieht man überall nur noch Plastik. Das ist das gleiche wie bei uns Vegan in der Anfangsphase. Wir sehen nur noch überall Leichen.

Carsten Es dauert einen Moment, bis das sich wieder so relativiert, dass man da normal mit umgehen kann und trotzdem für sich selber die Lösung findet.

Stefanie Das ist das gleiche wie wenn du dir ein neues Auto kaufst, dann siehst du nur noch diese Automarke oder du bist schwanger und siehst nur noch Schwangere und was weiß ich. Also ist klar, es ist ein normales Phänomen. Aber trotzdem. Wir haben Handlungsbedarf.

Carsten Lass uns das mal probieren. Wir gehen da jetzt mal eine ganze Zeit lang mit diesem bewussten Thema durch den Alltag und dann können wir in ein paar Monaten noch mal ein Resümee ziehen, was sich dann getan hat.

Stefanie Ich würde gerne noch etwas ergänzen. Und zwar habe ich, bevor Carsten und ich den Film gesehen haben, noch eine Dokumentation gesehen. Die kam, glaube ich, auf Phoenix. Über Umwege bin ich auf diese Dokumentation gekommen. Das war eine Hamburger Familie, siebenköpfig, also fünf Kinder von im Alter zwei bis, ich schätze 17. Also ich glaube, dass die alle noch zur Schule gegangen sind. Und die haben ausprobiert, einen Monat lang ohne Plastik zu leben. Und da wurden die Werte gemessen, also was sie vorher für Werte hatten, also im Urin und was sie dann nach den vier Wochen für Werte hatten.

Carsten Und die Werte heißt die Substanzen, die aus den Kunststoffen freigegeben werden, die dann in den menschlichen Organismus gelangen.

Stefanie Genau darauf wurde das getestet und die haben das auch nicht geschafft 100 % plastikfrei zu leben. Aber auch bei denen war dieses Phänomen, die haben irgendwie 50 Umzugskisten voll mit Plastik gepackt und das eingelagert solange, damit sie nicht in Versuchung kommen. Aber hatten dann immer noch das Problem, dass sie irgendwie ihren Käse und ihr Fleisch, also Dinge, womit wir keine Probleme haben. Aber na klar, wir haben ja trotzdem Probleme. Wenn man jetzt Tofu so usw. Gut, also da das Problem aus Hygienegründen wird es so nicht gegeben, was jeder kennt, der das mal versucht hat. Aber sie haben gemerkt, nach den vier Wochen waren ihre Werte deutlich besser. Das heißt, es kann auch wieder zurückgehen.

Carsten Das heißt, die Belastung im Urin war schon merklich geringer. Jetzt ist es allerdings auch so, das wurde ja auch in diesem "Plastic Planet" gesagt, es gibt ja Stoffe, die auch übers Blut getestet werden. Werner Boote selber wurde ja auch auf BPA getestet und da wurde auch festgestellt, dass er signifikante Mengen BPA im Blut hat. Und da hieß es dann, bei Tieren würde das sogar zu einer verminderten Spermienzahl von durchschnittlich 40 % führen. Also es wurden auch so Schreckgespenster aufgebaut, das war jetzt mal mein persönlicher Eindruck. Das ist dort in diesem Film auch nochmal vorgekommen, dass Stoffe auch tatsächlich im menschlichen Körper nachweisbar sind. Und dann kam aber noch mal ein Abschnitt, wo eine europäische Kommissarin, also eine Politikerin, interviewt wurde, die gesagt hat, es wurden im Laufe der letzten zehn Jahre Studien durchgeführt und im Rahmen dieser Studien wurden elf Substanzen untersucht und die wurden, wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe, auch wirklich als gesundheitsschädlich erkannt.

Stefanie Genau. Aber es gibt irgendwie Hunderttausende.

Carsten Ja, sie sagte, das muss man sich jetzt mal im Verhältnis dann vergegenwärtigen, dass angenommen wird, dass es Hunderttausende von Substanzen gibt, die untersucht werden müssten, deren Schädlichkeit überhaupt nicht nachgewiesen werden kann, weil keine Untersuchungen dazu existieren. Aber das war bei diesen elf Substanzen genauso. Da wurde von der Kunststoffindustrie, bis zum Jahre 1999 BPA noch als unbedenklich eingestuft. Also wirklich, die haben massiv dafür geworben oder auch auch Lobbyarbeit betrieben, um zu sagen nein, das ist nicht gesundheitsschädlich. Und dann sind aber die unabhängigen wissenschaftlichen Studien und die gesamte wissenschaftliche Lage so eindeutig gewesen, dass auch die kunststoffverarbeitenden Industrie nicht mehr sagen konnte: Nein, das stimmt nicht, sondern die mussten dann zugeben: Ja, BPA ist gesundheitsschädlich, aber es wird bis zum heutigen Tag noch in den Produkten verwendet.

Ja, also nur weil einige Produkte auf dem Markt sind, wo draufsteht „BPA frei“, ich meine, das ist ja schon ein Indiz dafür, dass es generell in der breiten Masse noch verwendet wird als Weichmacher. Und das ist für mich so ein Punkt, wo ich denke: Hey, hallo, ihr wisst, dass es gesundheitsschädlich ist und macht es trotzdem noch in die Produkte rein?! Von daher, es gibt viele Stoffe, die dann tatsächlich auch im menschlichen Körper gespeichert werden und auch aus den ganz normalen Alltagsgegenständen, Verpackungen für Lebensmittel, also da, wo ich wirklich intensiv Kontakt habe, nicht einfach irgendwie so einen Kunststoffstuhl, den ich mir jetzt im Sommer da in den Garten stelle oder sowas, sondern wirklich im täglichen Leben Materialien, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, die ich dann aufnehme und dadurch kommen diese Stoffe in den Körper und sind auch nachweisbar. Also es sind nicht irgendwie so kleinere Mengen, wo man sagt okay, komm, das ist zu vernachlässigen, sondern ist signifikant. Und das ist wirklich beängstigend.

Stefanie Ja, man muss auch bedenken, dass wir alle, auch du, die·der du hier gerade zuhörst, ja wahrscheinlich früher in unserem Leben damit in Kontakt gekommen sind. Und viele von uns sind ja auch mit Fläschchen großgezogen worden. So über den ein oder anderen Zeitraum. Muss ja nicht von Anfang an gewesen sein, aber sicherlich wurde da auch mit Fläschchen was gemacht und Plastiklöffel und haste nicht gesehen. Und damals, als wir noch klein waren, da war es dann noch ungetestet. Also 1999 ist noch nicht so lange her.

Carsten Da war ich schon alt genug.

Stefanie Du warst schon nicht mehr so klein, dass du mit dem Löffelchen gefüttert wurdest. Ja, also jedenfalls haben wir das alle mitgemacht und es ist alles ja wahrscheinlich in unserem Körper. Heißt aber nicht, dass wir jetzt sagen können Ach ja, egal.

Carsten Ja das sagte der eine Wissenschaftler auch. Es heißt nicht Plastik tötet dich, aber Plastik wirkt sich negativ auf deine Lebensqualität aus.

Stefanie Ja, das war's. Es kann dich krank machen. Also, all diese Zivilisationskrankheiten, die auch durch den Konsum von tierischer Nahrung verursacht werden können, kann auch durch das Plastik verursacht werden. Es kann alles zusammenkommen. Und da hatte ich ja vorhin schon zu dir gesagt. Also meiner Meinung nach ist das alles jetzt in den letzten 100 Jahren so entstanden. Also diese ganze industrielle Revolution und mehr und mehr und mehr und alles soll billiger sein. Und dieses Du liest ja jetzt gerade auch dieses Cheaponomics Buch gerade, dass ich eigentlich auch noch lesen wollte, aber dann habe ich es immer noch nicht getan usw Aber jedenfalls das gehört irgendwie alles zusammen. Das ist irgendwie eine große Masse und wir sind jetzt vom Veganen her dahin gekommen. Andere kommen vielleicht vom Plastik dahin. So, aber irgendwie führt es uns alle in die gleiche Richtung, denn wir wollen ja alle was ändern.

Carsten Also in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 25 - Artgerecht ist nur die Freiheit von Hilal Sezgin

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Folge 25 - Artgerecht ist nur die Freiheit von Hilal Sezgin

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Buch "Artgerecht ist nur die Freiheit" von Hilal Sezgin vor,
  • klären wann Du das Buch lesen solltest und wann nicht
  • und erörtern die Besonderheiten dieses Buches.

Hilal Sezgin ist in der veganen Szene keine Unbekannte. Sie studierte Philosophie und lebt seit 2007 in der Lüneburger Heide.

Von ihrem Leben dort berichtet sie in ihrem Buch "Landleben. Von einer, die raus zog" (das wir noch nicht gelesen haben).

Links zur Folge

"Artgerecht ist nur die Freiheit" bei buch7 kaufen
https://www.buch7.de/store/product_details/1021883399

(Das ist die Auflage, die wir haben. Es gibt auch noch eine neuere- ob es dort Änderungen gibt, weiß ich leider nicht.)

"Anständig essen" von Karen Duve
https://www.buch7.de/store/product_details/1018847655

Das Video mit Karen Duve von peta
https://youtu.be/5_SQbTmAKn0

 

Folge 24 - Harte Kost von Valentin Thurn & Stefan Kreutzberger

Ein Beitrag

Folge 24 - Harte Kost von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Sachbuch "Harte Kost" von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger vor,
  • erzählen wir Dir wann Du dieses Buch lesen solltest
  • und wann Du besser zu einem anderen Buch greifst.

"Harte Kost" ist das Buch zum Kinofilm "10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?" und trägt den Untertitel "Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt."

Das Buch ist an die Struktur des Kinofilms angelehnt und enthält daher persönliche Texte zu den Dreharbeiten von Valentin Thurn und Fakten geschrieben von Stefan Kreutzberger.

Die Autoren haben den Anspruch den Leser am Ende nicht hilflos zurückzulassen, sondern praktische Handlungsoptionen aufzuzeigen - ob es ihnen gelingt, hörst Du in unserem Podcast. :-)

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute sprechen wir wieder über ein Buch, und zwar über "Harte Kost". Heute gibts "Harte Kost".

Carsten "Harte Kost", ja, nur noch hartes Brot.

Stefanie Genau das ist das Buch zum Kinofilm „10 Milliarden. Wie werden wir alle satt?“, den wir beide nicht gesehen haben? Oder hast du denn gesehen?

Carsten Den habe ich nicht gesehen. Nein.

Stefanie Und zwar von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger. Und der Untertitel ist „Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt.“

Carsten Genau. Und wenn ich das richtig verstehe, ist das mindestens das zweite Buch. Oder der zweite Film von diesen beiden.

Stefanie Genau das erste war das mit „Taste the Waste“.

Carsten Genau den wir auch nicht gesehen haben, aber der auch hier in diesem Buch relativ häufig genannt, wird der Film.

Stefanie Ich muss dazu sagen, dass ich das Buch noch nicht komplett gelesen habe. Ich muss mich jetzt mal outen als Leserin, die immer mal so Bücher zwischendrin liest. Also zumindest bei Sachbüchern, also bei Romanen mache ich das nicht, aber bei Sachbüchern gucke ich manchmal so rein und dann finde ich ein Kapitel, was ich gut finde, dann lese ich das und deshalb habe ich das Buch noch nicht komplett gelesen, aber du hast es schon ganz gelesen.

Carsten Ja, ich gehöre zu den Klassikern. Ich fange vorne an und höre hinten erst auf. Ja und lese auch zwischendurch keine anderen Bücher, sondern ich muss mich da durchkämpfen, egal was für ein Buch es ist.

Stefanie Ich gebe ja zu, wir sind da etwas unterschiedlich in der Leseweise, aber immerhin, wir ergänzen uns. Ich wollte auch hier einmal kurz hinten lesen.

Carsten Genau den Klappentext.

Stefanie Ist das auch ein Klappentext, wenn er hinten drauf?

Carsten Sag einfach, du liest das, was hinten draufsteht.

Stefanie Ja, Also: „Wir haben es satt. Wir alle wünschen uns friedlich grasende Kühe. Schweine, die bis zu ihrem sanften Ende ein glückliches Leben führen dürfen und giftfreies Obst vom Bauern aus der Region.“

Tut mir leid, ich muss das mal gerade unterbrechen. Ich wünsche mir nämlich ehrlich gesagt keine Schweine, die bis zu ihrem sanften Ende ein glückliches Leben führen dürfen, sondern Schweine, die überhaupt nicht geschlachtet werden. So, dann geht's weiter.

“Massentierhaltung finden wir nicht in Ordnung. Chemischen Dünger, Pestizide und Gentechnik auch nicht. Aber sind wir nicht naiv, wenn wir glauben, ohne all das könne man die 10 Milliarden Menschen ernähren, die bald unsere Erde bevölkern werden? Das jedenfalls behaupten die Vertreter der Agrarindustrie. Doch gegen eine ressourcenfressende Lebensmittelproduktion, die kein Maß mehr kennt, vermehrt sich überall auf der Welt Widerstand. Und dessen Protagonisten haben jede Menge Alternativen im Gepäck. Was essen wir morgen? Eine Reise zu den Pionieren einer neuen Landwirtschaft.“

Carsten, sach mal, hält das Buch, was es verspricht?

Carsten Definitiv nicht.

Stefanie Warum nicht?

Carsten Weil diese Frage „Wie werden wir denn in Zukunft alle satt?“ vorne auf dem Klappentext ist ja entlehnt aus dem Filmtitel „Wie werden wir alle satt?“ und ich habe eigentlich erhofft, genau auf diese Frage eine Antwort durch dieses Buch erarbeiten zu können. Ich musste aber feststellen: Nee, also doch. Die Antwort wird gegeben. Indirekt. Aber nicht in diesem Buch, sondern in dem Film „Taste the Waste“, was ich sehr irritierend fand.

Stefanie Und du hast gesagt, eigentlich geht es darum, nicht mehr so viel wegzuschmeißen.

Carsten Ja, richtig. Also Quintessenz, das mag ich, auch wenn es ein bisschen blöd ist und vielleicht spoilert, aber jetzt schon mal vorwegnehmen. Die Quintessenz ist: Wir haben eigentlich das Problem gar nicht. wir würden heute schon die 10 Milliarden satt kriegen, weil wir auch heute schon genügend Lebensmittel produzieren, davon aber die Hälfte wegschmeißen.

Stefanie Sie sind ungerecht verteilt.

Carsten Das, was dann übrig bleibt, ist ungerecht verteilt. Aber diese beiden Autoren haben ja vorher in dem Film „Taste the Waste“ schon mal anscheinend - ich kann es nur so rezitieren, wie es hier aus diesem Buch "Harte Kost" hervorgeht, schon dargelegt, dass 50 % der Nahrungsmittel eigentlich vernichtet werden, teilweise schon während des Produktionsvorgangs, während der Ernte, während des Transports, während der Lagerung und nach dem Kauf und nach dem Zubereiten, das heißt die komplette Kette hinweg fällt so viel Abfall an oder wird zu viel an Lebensmittel vernichtet, dass es ungefähr die Hälfte dessen ausmacht, was weltweit überhaupt produziert werden könnte.

Und wenn man das, wenn ich sage jetzt mal erhält und auch gerecht verteilt, würden wir locker 10 Milliarden Menschen satt bekommen. Ja, das ist aber die Krux, weil eigentlich habe ich genau deswegen das Buch "Harte Kost" gelesen, um darauf eine Antwort zu bekommen und muss dann aber feststellen: Nee, irgendwie gehen die beiden Autoren immer wieder auf diesen Film „Taste the Waste“ ein und erklären eigentlich nicht so aus oder nicht so direkt, wie ich es jetzt gemacht habe, sondern eher aus meiner Sicht so ein bisschen subtil, dass die Antwort eigentlich schon in ihrem vorherigen Buch oder Film zu finden ist. Okay, das fand ich sehr irritierend.

Stefanie Also jetzt so dadurch, dass wir beide ja jetzt "Tomorrow" gesehen haben: Mir fällt auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt der Film "Tomorrow" dazu ein. Findest du dann "Tomorrow" besser gemacht? Eine subtile Frage.

Carsten Eine sehr subtile Frage. Also ein eindeutiges Ja. Ich finde "Tomorrow" deutlich besser. Wenn man sich jetzt beide Filme vielleicht vom Cover anschaut, stellt man auch schon einen größten Unterschied fest. "Harte Kost" hat, wie hier auf dem Bild zu sehen ist, ja nicht nur in Ernährung, sondern es ist ein düsteres Bild. Du hast ein Kornfeld mit einem sehr düsteren Himmel. Das sind Gewitterwolken oder was auch immer. Und bei "Tomorrow" ist es genau das Gegenteil. Da wirkt locker flockig, auch der Himmel wirkt positiv.

Und so ist auch der Grundtenor. "Harte Kost" geht drauf ein: Mensch Leute, wir haben ein Problem und ich zeige euch jetzt Lösungen. Und davon handelt auch dieses Buch "Harte Kost", dass die verschiedenen Ernährungskonzepte oder vermeintlichen Lösungen dargestellt werden und zwar sehr, sehr ausführlich. Aber um anschließend quasi sagen zu müssen: eigentlich ist es keins von diesen Konzepten wirklich tragfähig. Das ist so leider das, was dann aus diesem Buch rauskommt. Und bei "Tomorrow" werden ja eigentlich Konzepte vorgestellt, die alle funktionieren, wo die Autor·innen des Films "Tomorrow" anschließend auch sagen: Hier, komm, wir haben euch Einzelbeispiele sehr, sehr intensiv und ausführlich dargestellt, aber jede einzelne Idee, die wir jetzt hier in diesem Film behandelt haben, gibt es weltweit 100 oder 1000 Mal.

Stefanie Ja, das fand ich sehr schön am Ende. Also wenn du den Film noch nicht gesehen hast, unbedingt angucken.

Carsten Und wir haben auch die Podcastfolge zu diesem Film natürlich.

Stefanie Also solltest du noch unentschieden sein, hör dir die Podcastfolge an und geh dann ins Kino. Genau.

Carsten Also insofern ist "Tomorrow" deutlich interessanter, weil er beflügelt, während "Harte Kost" eher irritiert. Das mag aber auch vielleicht so die Intention gewesen sein von diesen beiden Autoren, die "Harte Kost" geschrieben haben, dass die eher irritieren wollten oder nicht irritieren wollten, sondern eher mäßigen wollten hinsichtlich der Lösungskonzepte, die hier durchgesprochen werden.

Stefanie Wobei ich hier gerade sehe, dass das Vorwort auch von Dr. Vandana Shiva wieder ist, die ja als Veganerin, Botschafterin usw eigentlich unterwegs ist und die hier auch noch schreibt. „Ich bin mir sicher, dass Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn mit "Harte Kost" einen bedeutenden Beitrag zu diesem Sinneswandel leisten werden von einem mechanistischen, wissenschaftsorientierten Weltbild hin zu einem ökologischen, von einer abfallproduzierenden, zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, von Gewalt zur Gewaltlosigkeit, von Krankheit zu Gesundheit und Wohlbefinden, vom Monopol hin zum Gemeingut und von der Monokultur zu Diversität.“

Carsten Ja, das ist ein schöner Anspruch. Vielleicht hat sie das Vorwort geschrieben, ohne das Buch zu kennen. Ich werte das so, also natürlich diesen Impuls und und das ist für mich persönlich auch die Lösung, da ist der Wunsch der Vater des Gedanken. Aber das finde ich so in diesem Buch leider nicht wieder. Das ist direkt das Vorwort und als ich das gelesen habe, habe ich gedacht Mensch, das ist ja super interessant. Ja, kriege ich auch in diesem Grundtenor entsprechende Informationen. Leider ist es nicht so, aber ich würde gerne trotzdem noch mal erklären, was denn überhaupt in diesem Buch geschrieben wird. Also es ist so ein bisschen zweigleisig. Das sind zwei Autoren und die haben zwei verschiedene Arten, ein bestimmtes Thema zu behandeln. Ich weiß jetzt nicht, wer was geschrieben hat, aber einer versucht sachlich mit Fakten darzulegen.

Stefanie Der Stefan Kreutzberger.

Carsten Der ist das mit den Fakten, genau.

Stefanie Und Valentin Thurn berichtet von den Dreharbeiten.

Carsten Genau. Okay. Richtig. Also dieser Faktenteil selber ist optisch auch hervorgehoben in einer anderen Schriftart und auch grau hinterlegt. Da merkt man, wo geht es jetzt hier um reine Fakten? Da werden Hintergrundinformationen geboten, auch sehr, sehr detailliert. Das ist hochinteressant, ist aber natürlich sehr sachlich geschildert. Ja, während der andere Autor, wie du gerade schon vorgelesen hattest, über Dreharbeiten zu diesem Film, aber auch teilweise, meine ich, auch aus „Taste the Waste“ - Zeiten berichtet. Der jettet wirklich um die Welt und unterhält sich mit Pionier·innen oder Macher·innen oder Ideengeber·innen von bestimmten Nahrungskonzepten. Und da ist er sehr breit gestreut. Also der unterhält sich mit den Leuten, die die Gentechnik favorisieren. Sowohl was jetzt den Getreideanbau betrifft. Er hat auch versucht, bei Monsanto Interviewtermine zu bekommen.

Stefanie Die er nicht bekommen hat.

Carsten Er hat dann aber bei Bayer Crop Science einen Interviewtermin bekommen.

Stefanie Das war eines der Kapitel, das ich gelesen habe. Tatsächlich, wo er gesagt hat, dass er irgendwo, ich glaube im Rheinland dann direkt um die Ecke, da wo er wohnt, einen Interviewtermin bekommen hat bei Bayer Crop Science. Und dann meine ich mich zu erinnern, dass er irgendwas gesagt hätte, dass das so ein großes Gewächshaus gewesen ist. Kuppel, irgendwas? Oder war das war was anderes, was ich gelesen habe, wo er dann reingeführt wurde?

Carsten Ja, ausnahmsweise. Das haben die ganz oben auf einem Gebäude gebaut, damit Greenpeace Aktivisten keinen Zutritt auf dieses Gelände bekommen. So wurde es dargestellt. Ja, also Gentechnik spielt da eine Rolle, wie gesagt beim Getreidebereich, aber nachher auch in der Fischzucht, da werden diese Frankenfische oder so dargestellt, so eine Forelle, die genetisch manipuliert wurde, die hat noch keine Zulassung. Er geht aber auch auf andere Konzepte ein. Also auch der ökologische Landbau wird von ihm behandelt. In Japan besucht er eine Fabrik, die eigentlich als ganz, ganz hyper modernes Gewächshaus funktioniert. Da wird Gemüse angebaut in einer Art, ich will schon sagen Aquakultur, die werden nur noch in der Nährlösung gehalten. Also die Wurzeln, die haben eine Nährlösung, die sitzen gar nicht mehr im Boden. Das wird über mehrere Ebenen und Stockwerke gemacht. Das ist Reis. Ja, genau. Genau das sind die!

Stefanie Für alle, die gerade nicht sehen, was ich mache. Ich habe gerade ein Foto hochgehalten.

Carsten Ja, richtig. Das sind so unter Reinraum-Bedingungen gezüchtete Gemüsesorten oder Pflanzen. Genau Stefanie hält mir gerade noch mal das Foto hin. Da steht da so ein Mann in seiner Reinraummontur und das sieht alles so ähnlich aus wie Weltraumforschung. Das stimmt total.

Stefanie Das eine ist ganz pink, das ist hier unter LED Licht.

Carsten Und genau die experimentieren zum einen mit bestimmten Licht, versuchen das Pflanzenwachstum so weit zu optimieren, dass es mit bestimmten Lichtarten, Wellenlängen und auch Länge der Dauer der Belichtung möglichst hohes Pflanzenwachstum erwirkt. Dann wird das Ganze nur noch mit Nährlösungen gefüttert. Also die haben keinen Kontakt mehr zum Boden und das Ganze ist so effektiv, dass da mehrere 100 fach mehr geerntet werden kann, als auf einer Vergleichsfläche im normalen ländlichen Ackerbau und hat den Vorteil, dass du unabhängig vom Standort bist. Du kannst das Ding also wirklich mitten in die Stadt reinsetzen. Ein solches Gebäude braucht auch kein Tageslicht mehr, sondern das wird wirklich in so einer abgeschirmten Halle durchgeführt.

Und diese ReinraumBedingungen haben den Vorteil, dass du keine Pestizide hast, keine Krankheitserreger, sondern du hast hochreines Essen, was du dann rausbekommst. Aber das ist wieder typisch Japaner. Die gehen extrem ins Extrem. Was bei diesen Lichtanlagen bei mir noch hängen geblieben ist, die versuchen natürlich die Produktionskosten so gering wie möglich zu halten und haben bei der Beleuchtung mittlerweile LEDs. Aber die sind bei denen immer noch zu energieintensiv und die experimentieren jetzt mit Laser. Die wollen die die Pflanzen mit bestimmten Laserstrahlen belichten, weil ein Laser noch mal deutlich weniger Energie benötigt als eine LED und LED, hat schon fast keinen Energiebedarf. Um die Produktionskosten so niedrig wie möglich zu halten.

Und solche Konzepte werden da durchgesprochen. Und was ich an dieser Schilderung interessant finde, der Autor geht wirklich direkt ins persönliche Gespräch mit den Leuten, die für diese Technologie brennen. Also diese Pionier·innen oder teilweise auch alteingesessene Forscher·innen, die jetzt im Rahmen dieser Gentechnik Thematik voll überzeugt sind von ihren Konzepten. Da werden erst mal die Vorteile von diesen Technologien beleuchtet. Der Autor versucht immer zwischendurch so ein paar kritische Fragen mit einfließen zu lassen, aber der Grundtenor von dieser Darstellung ist erstmal positiv hinsichtlich des Konzeptes oder der Technologie. Ja, wenn man das so liest, dann denkt man okay, es ist sehr einseitig. Erst mal vom Befürworter geschildert, ja und dann kommt der harte Umbruch. Das ist dann meistens so, dass ich sage jetzt mal so zwei, drei Seiten oder vielleicht sogar noch mehr über diese Technologie berichtet wird, sehr, sehr positiv.

Und dann so der letzte Abschnitt, also empfunden habe ich das so als zwei bis Dreizeiler, da geht dann der Autor noch mal hin und führt eine Schlussfolgerung ein, die er sehr subjektiv mit einfließen lässt. Und da ist es durchweg so, dass er sagt: Ja, klingt alles toll, aber funktioniert nicht. Bringt nichts, ist zu teuer oder bringt nicht die Mengen raus. Er zieht eine Schlussfolgerung heran, wo ich mich immer wieder gefragt habe: Wo kommt die denn jetzt auf einmal her? Es wird gerade in der epischen Breite sehr positiv über diese Technologie berichtet und du ziehst eine Schlussfolgerung, die sehr, sehr subjektiv ist. Die kann ich als Leser nicht unbedingt immer nachvollziehen, es sei denn, ich habe mir aus anderen Quellen schon mal diese Informationen erarbeitet. Aber aus diesem Buch gehen die nicht hervor. Die kommen also für den unbedarften Leser wirklich sehr, sehr willkürlich daher und er zerredet damit die Lösung.

Er sagt okay, alles toll, aber funktioniert nicht. Und dann kommen so ein, zwei Totschlagargumente und die bleiben dann da stehen und dann geht er zum nächsten Thema. Und das ist so etwas, wo ich dann irgendwann zum Ende des Buches hin gedacht habe okay, du hast jetzt keine Ahnung, schon deine 20, 30 Lösungskonzepte, alle klingen toll, aber funktionieren nicht. Jetzt muss langsam mal eins kommen, was wirklich funktioniert. Und das fehlte. Das wird aber bis zum Schluss des Buches nicht wirklich so ausführlich dargestellt, sondern das, was zum Schluss hin kommt, sind so Konzepte, die mehr so auf dieses Buch oder auf diesen Film „Taste the Waste“ hindeuten. Da wo es dann wirklich darum geht zu sagen: Hey, wir müssen eigentlich das, was wir heute produzieren, eher umverteilen oder dafür sorgen, dass es nicht vernichtet wird. Und da habe ich dann gedacht, das kann es doch nicht sein. Dafür lese ich jetzt ja nicht 300 Seiten tollste Technologien durch, um dann anschließend zu hören: Naja, die Lösung haben wir schon im vorherigen Buch präsentiert.

Stefanie Oder im vorigen Film.

Carsten Oder im vorigen Film. Das war so ein bisschen. Hm.

Stefanie Du hörst, liebe·r Hörer·in, Carsten echauffiert sich ein wenig über das Buch.

Carsten Minimalst.

Stefanie Ich kann noch mal dazu sagen, dass ich bei diesen Büchern meistens immer ganz hinten gucke, was denn da jetzt steht. Also das mache ich manchmal auch bei Romanen, aber bei diesen, wenn es darum geht, ja, was kann man denn jetzt tun? Und naja, also ich blättere gerade mal.

Carsten Du blätterst gerade mal im Nachwort. Wie viele Seiten sind das?

Stefanie Das sind 5 Seiten im Vergleich zu knapp 300 Seiten. Da steht jetzt „Was haben wir gelernt, unsere Erkenntnisse und Folgerungen“ Und mich interessiert dann wirklich, was kann ich denn jetzt tun? Also ich weiß ja, wie es ist, dann möchte ich jetzt auch was tun und dann möchte ich gerne Antworten haben. Und diese Antworten, das kann ich auch bestätigen, dadurch, dass ich ja nur das Ende nochmal gelesen habe, gibt das Buch nicht wirklich. Also was ich ganz interessant finde, ist, dass auch hier jetzt das „Incredible Edible Project“ vorgestellt wird. Ich glaube, das gibt es jetzt schon zehn Jahre.

Carsten Das weiß ich nicht. Wie lange es gibt, habe ich jetzt gar nicht so gelesen. Aber das, was da in dem Film „Tomorrow“ dargestellt wird, wird ja auch sehr gut geschildert. Es sind die gleichen Personen, die benannt werden. Das gleiche Konzept ist hier in dem Kapitel sogar als „die essbare Stadt“ firmiert. Ich glaube im Film "Tomorrow" hieß es auch so.

Stefanie Essbare Städte, genau.

Carsten Das wird aber nicht als Lösungskonzept vorgeschlagen, sondern das wird hier in diesem Buch "Harte Kost", einfach mehr so als nette Beilage dargestellt. Also er geht auf diese essbaren Städte ein. Er nennt auch Fairteiler.

Stefanie Das haben die ja initiiert. Foodsharing stammt von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger. Von ihrem Film „Taste The Waste“ kommt die Foodsharing Plattform. Das haben sie quasi dadurch initiiert, das haben sie ins Leben gerufen. Sie haben also tatsächlich schon mal was gemacht. Also das ist so, das stammt von denen. Aber wie du jetzt berichtet hast, scheinen sie daran hängengeblieben zu sein. Also es kommt nicht mehr.

Carsten Es ist ja auch okay, wenn das die Lösung ist.

Stefanie Nur darüber dann nochmal einen neuen Film und ein neues Buch zu schreiben und nichts gelernt zu haben, ist irgendwie.

Carsten Ja, es ist dürftig, weil das ist wirklich, wo ich denke Hm, irgendwie fühle ich mich so meiner Lesezeit beraubt, weil ich natürlich eine gewisse Erwartung habe. Und wenn sich die Erwartung nicht durch dieses Buch befriedigen lässt, oder ich da jetzt nicht die die entsprechende Lösungen bekomme, dann hätte am Anfang eigentlich gereicht: Okay, dann guck dir doch „Taste the waste“ an, dann weißt du eigentlich alles, worauf es ankommt. Ja, dieses Buch ist hilfreich, um einfach mal so mit diesen einzelnen Ernährungskonzepten, die sich hier weltweit aufgetan haben, auseinanderzusetzen, um einfach mal zu gucken okay, wie gehen jetzt die Befürworter·innen mit diesen Technologien um und was haben die für diese Technologie mit einzubringen? Und da durch diese Fakten, die dann parallel beigesteuert werden, kriegt der·die Leser·in schon mal ziemlich viel Hintergrundinformationen an die Hand. Und das ist das einzige wirklich Interessante. Aber gelockt hat mich natürlich schon so die Aussicht: Okay, da gibt es Antworten auf: Wie ernähren wir uns oder wie kriegen wir die Masse an Menschen ernährt? Und ich lese ja das Buch, um genau diese Frage beantwortet zu bekommen.

Stefanie Ja. Und wenn man jetzt mal wieder das mit dem Film "Tomorrow" vergleicht, finde ich, dass in dem Film wirklich sehr schön dargestellt ist. Ganz kurz wird das Problem dargestellt und dann liegt der Fokus wirklich auf den Lösungen. Ja, und das sehr positiv.

Carsten Genau. Ja, durchweg positiv. Da ist nichts, wo gesagt wird, okay, da gibt es Probleme.

Stefanie Nur am Anfang, wenn das Problem beziffert wird, also gesagt wird, was jetzt los ist, was Sache ist und dann das Positive. Also ich habe jetzt schon ganz viel Feedback zu dem Film auch gesehen, gelesen, gehört und die meisten sagen, dass sie wirklich total beschwingt aus dem Film rausgehen und ich weiß nicht - kannst du das mit dem Buch genauso sagen?

Carsten Nein, absolut nicht. Was mich auch sehr irritiert hat, was ich sage jetzt mal meine Enttäuschung noch mal untermauert hat, sind so zwei Sachen bei diesem Buch Die "Harte Kost". Zum einen geht er auch auf den ökologischen Landbau ein, faktisch aber auch aufgrund von so einer Reiseberichterstattung, wo er sich mit einem Biobauern trifft und da diskutiert.

Stefanie Mit den Kühen, meinst du das?

Carsten Ja, das auch. Aber auch einfach so, dass er nachher auch diesem ökologischen Landbau per se die Fähigkeit abspricht, als tragbares Lösungskonzept zu funktionieren. Weil da wird einfach, ich sage jetzt mal so ein bisschen abgekürzt gesagt: Ja, klingt gut, aber produziert nicht die Mengen, die wir eigentlich bräuchten. Was ja auch im Kontext dieses Buches absolut irritierend ist, weil, wenn ich ganz zum Schluss sage naja, eigentlich haben wir heute schon genug, da muss ich doch den Ökolandbau nicht deswegen zerreden, weil er nicht diese hohen Mengen produziert. Er geht aber ganz zum Schluss auf den letzten Seiten in diesem Buch auch auf Permakultur und so was ein. Und da wird ja auch in diesem Zusammenhang mit Permakultur ganz oft gesagt, dass diese Art der des Landbaus eine sehr viel größere oder einen sehr viel größeren Ertrag erwirtschaftet, als der klassische oder der ökologische Landbau. Ja, aber Permakultur wird einfach nur so mehr am Rande erwähnt, ohne ihn als einzelne Facette oder als Lösungskonzept genauso intensiv zu behandeln wie alle anderen Dinge, die in diesem Buch dargestellt werden. Also dass der Ökolandbau schlecht weggekommen ist, das finde ich persönlich nicht so schön. Fand ich sehr enttäuschend. Deswegen hattest du gerade das mit der Kuh eingebracht. Es ist kein veganes Buch.

Stefanie Noch nicht mal ein vegetarisches.

Carsten Noch nicht mal ein vegetarisches. Und der Autor? Ich weiß nicht, wer von den beiden, aber einer der beiden hat aus meiner Sicht ein absolut dummes Zitat mit eingebracht. Also er hat das selber gesagt, nicht von einem Gesprächspartner.

Stefanie Er hat was Dummes gesagt, sagen wir mal so.

Carsten Und zwar geht er darauf ein, dass es in Irland in der Universität Cork wohl ein Stipendium gegeben hat oder jetzt gibt, wo zwei Forscher mit einer Summe von 50.000 £ die Möglichkeit haben, eine kuhfreie Milch zu entwickeln. Die soll auf Hefebasis entstehen. Und der Autor sagt er, er kann sich das irgendwie nicht vorstellen. Quasi so, ich sag jetzt mal ein bisschen frei übersetzt: eine Welt ohne Kühe, dass man komplett auf die Kuhhaltung verzichtet. Und dann kommt das aus meiner Sicht wirklich dumme Argument: weil er befürchtet, dass dann eine Verbuschung der Wald- und Wiesenflächen stattfindet. Weil wenn keine Kühe mehr da sind, kann auch keiner mehr das Gras fressen und dann verbuscht das ja. Wo ich dann denke äh, Junge, irgendwie hast du es nicht ganz kapiert, oder?

Stefanie Ich glaube, er hat einfach noch nicht den Bewusstseinszustand erreicht.

Carsten Also sein Argument war an Steilhängen kannst du nicht mit einem Traktor mit einem Rasenmäher hin. Da müssen irgendwelche lebenden Tiere hin. Und dafür brauchst du Kühe, die an den Steilhängen dann das Gras wegfressen. Nicht, dass es verbuscht.

Stefanie Also wobei ich mich frage warum eigentlich Kühe? Da können doch auch Schafe grasen oder irgendwelche anderen Tiere.

Carsten Ich sag jetzt mal ein bisschen überspitzt: Er nimmt ganz bewusst Tierleid und Tod in Kauf, um sein ästhetisches Landschaftsempfinden in den Vordergrund zu stellen. Da denke ich also irgendwo hast du Schuss nicht gehört.

Stefanie Gut, also wir. Wir beruhigen uns jetzt mal wieder.

Carsten Ich habs zumindest durchgelesen.

Stefanie Carsten hat's durchgelesen und sagt jetzt: Hopp oder Topp!

Carsten Na eher hopp...

Stefanie Hopp, hopp! Okay. Und ich hab bis jetzt nur so reingelesen. Und was ich gelesen habe, fand ich ganz interessant, mal diese ganzen Aspekte kennenzulernen. Ich glaube, ich habe es einfach noch nicht genug gelesen, dass ich das so empfunden hätte, wie du. Ich bin jetzt aber unsicher, ob ich es überhaupt noch lesen soll, weil irgendwie. Naja, also zum einen finde ich, durch den Film "Tomorrow" haben wir ja schon viel mehr Lösungen rausgefunden und zum anderen, naja, also wenn es mir sowieso nichts gibt.

Carsten Ja, also wie gesagt, wenn du dich mit diesen einzelnen Themen auseinandersetzen möchtest, die in diesem Buch besprochen werden, dann ist das absolut lohnenswert, weil es sehr kompakt ist, es werden Hintergrundinformationen geliefert, aber du musst drauf achten, dass die Technologie oder dieses Konzept erst ausnahmslos positiv dargestellt wird von den Befürworter·innen. Dieses kritische Hinterfragen erfolgt marginal, aber es ist kein Diskurs. Also nicht so, dass der Autor jetzt hingeht und versucht, das mit kritischen Fragen so stark zu untermauern, dass dann die Entscheidung dem Leser obliegt, sondern es ist erst mal primär aus Sicht des·der Befürworter·in geschrieben. Aber um nachher genauso massiv mit Totschlagargumenten widerlegt zu werden vom Autor, was auch wirklich nicht unbedingt so die schöne Art ist, um so ein Thema zu behandeln. Okay, also wenn du dich da generell so mit diesen Fakten und Facetten auseinandersetzen möchtest, dann lies es. Vielleicht kommt es dir auch gar nicht so negativ vor, wie ich mir. Vielleicht bin ich da einfach zu negativ geprägt gewesen, weil ich von dieser Frage geleitet wurde. Wenn man sich von dieser Frage löst, dann mag das Buch ja ganz anders wirken.

Stefanie Ich würde ganz gerne noch den letzten Absatz einmal vorlesen, womit das Buch dann endet. „Wir müssen mit der Aufklärung bei den Kindern anfangen, in den Schulen. Fleischverzehr, Massentierhaltung und ihre Folgen für die Gesundheit und Umwelt thematisieren. In allen öffentlichen Mensen und Kantinen sollte mindestens ein vegetarisches Gericht angeboten werden und sie sollten sich verpflichten, nur noch Fleisch aus Weidehaltung einzukaufen. Es geht nicht um Verbote. Es geht darum, dass die Verbraucher unterstützt werden, damit sie leichter erkennen, was gesünder ist, besser schmeckt und zu einer Landwirtschaft beiträgt, die auch unsere Kinder und Enkel noch ernährt.“

Carsten Ja, also das ist ein sehr, sehr wichtiger und guter Absatz.

Stefanie Wobei ich jetzt gerade so denke ein vegetarisches Gericht und dann auch noch nur Fleisch aus Weidehaltung, da hat „Cowspiracy“ schon widerlegt, sag ich mal nur Fleisch aus Weidehaltung geht einfach gar nicht, weil wir nicht die Flächen haben für die Weidehaltung. Aber was ich total wichtig finde, ist die Kinder aufzuklären. Ja, die Kinder sind wirklich diejenigen, die es am besten verstehen.

Carsten Und du musst berücksichtigen das Buch, wie wir vorhin schon gesagt hat, ist definitiv kein veganes Buch. Der Veganismus wird hier zwar auch kurz behandelt, wird aber auch ganz klar gesagt: auch der kann keine Antwort auf die Ernährungsfrage liefern, weil er kein Konzept da hat. Also es gibt da schon einen Abschnitt, der das behandelt. Aus meiner Sicht auch idiotisch behandelt. Wieder mit dieser Frage: Was würde denn passieren, wenn alle Menschen von heute auf morgen aufhören würden, Fleisch zu essen? Was passiert mit diesen ganzen Tieren. Wo ich dann denke: Also sorry, das ist ja wohl ein Treppenwitz der Geschichte und den dann hier absolut ernsthaft in so ein Buch reinzubringen.

Stefanie Ja, aber ich glaube, dass das einfach so ist, wir sind einfach jetzt schon weiter. Also denn solche Fragen hättest du dir vielleicht vor zwei Jahren auch gestellt.

Carsten Ja, ja, okay, da muss ich jetzt zugeben ja, jetzt, wo ich mich mit dem Thema beschäftige, ist das für mich eine absolut irrelevante Frage.

Stefanie Das Buch liegt schon länger hier. Als ich das letztes Jahr gelesen habe, hat mich das noch nicht gestört.

Carsten Ja, das ist ja ähnlich wie diese Frage: Was würdest du machen, wenn du auf einer einsamen Insel bist und nichts essen? Würdest du dann auch das Fleisch essen? Also solche Fragen sind absolut Blödsinn, weil diese Situation nie vorkommen wird. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering.

Stefanie Ja, genau. Ja, gut. Also um das jetzt mal abzuschließen. Was empfiehlst du?

Carsten Bedingt lesen.

Stefanie Nur wenn du noch nichts anderes vor hast….

Carsten Nein, nein. Also vielleicht vorher im Fachhandel oder im Buchhandel einfach mal das Buch in die Hand nehmen, das Inhaltsverzeichnis anschauen, gucken, ob die Themen, die dort behandelt werden, interessant sind und dann durchaus mal rein lesen. Ich glaube, kostenmäßig wäre es gar nicht mal das Problem. Das kann man ja auch durchaus relativ günstig im Gebrauchthandel bekommen.

Stefanie Oder Du gehst in die Bibliothek deines Vertrauens und leihst es dort aus.

Carsten Das ist immer die Frage: Möchte ich jetzt Zeit investieren für ein Buch, was auf die Kernfrage, die anfangs gestellt wird, eigentlich gar nicht die Antwort liefert?

Stefanie Und ich kann es jetzt noch nicht wirklich empfehlen, weil ich es noch nicht komplett durchgelesen habe.

Carsten Vielleicht kommst du zu einer ganz anderen Schlussfolgerung.

Stefanie Ja, genau. Und dann machen wir eine neue Folge.

Carsten "Harte Kost" Reloaded.

Stefanie Ja. Also ich weiß nicht, ob es ein Zeichen dafür ist, dass es nicht so toll ist, dass ich es bis heute noch nicht zu Ende gelesen habe. Ich habe letztes Jahr im Oktober damit angefangen, das zu lesen.

Carsten Ja gut, Du hast aber zwischendurch auch so viele andere Bücher gelesen.

Stefanie Ja, natürlich. Ich habe ganz viel anderes gelesen. Aber es zeigt ja auch irgendwie, dass es jetzt nicht so ganz so. Es hatte nicht so die Priorität.

Carsten Und auch nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Stefanie Also von daher. Naja gut, also wir sagen erst mal so eine Semi- Empfehlung. Also es ist ganz interessant, um mal Hintergründe noch mal zu sich anzueignen. Also wenn du da noch nicht so viel gelesen hast, dann macht es Sinn da mal reinzulesen. Aber am besten ist, kauf es nicht direkt, sondern leih es dir erst mal aus.

Carsten Erst mal reinschnuppern. Ja.

Stefanie Also das ist jetzt keine super Kaufempfehlung. Ja genau. Schau dir aber auf jeden Fall "Tomorrow" an und auch zu „Cowpiracy“. Da haben wir ja auch eine Podcastfolge gemacht. Also die Filme schau dir auf jeden Fall an, die können wir uneingeschränkt empfehlen.

Carsten Ja, definitiv. Die bringen einen Mehrwert. Da ist egal, wie man zu dem Thema steht, aber man kriegt Informationen, die auch in diesen Kontext passen. Genau. Okay. Ja, in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 23 - Warum muss Gutes Tun so schwer sein?

Ein Beitrag

Folge 23 - Warum muss Gutes Tun so schwer sein?

In dieser Folge

  • sprechen wir über unsere Versuche Dinge zu verschenken, die zu schade zum Wegwerfen sind,
  • über unsere Erfahrungen mit ebay Kleinanzeigen und Recyclinghöfen
  • und über die Frage, warum es so schwer ist etwas Gutes zu tun.

Wir haben schon oft Dinge verschenkt. Zum Beispiel Bücher, für die man kaum noch etwas bekommt, wenn man sie verkaufen will, die aber trotzdem noch wie neu sind.

Oder Kleiderbügel oder einen Toaster oder Schuhe oder Kleidung oder Taschen oder Schränke.

Und wir haben schon viele Kanäle genutzt, um Interessenten zu finden, die sich Beschenken lassen wollen.

Seien es die Kleinanzeigen, Tauschkisten, den Verschenkmarkt von Stilbruch oder Stilbruch selbst und immer artet das Verschenken in Arbeit aus.

Gerade jetzt, wo wir in einer Minimalismusgetriebenen Entrümpelungsphase sind, wäre ein System klasse, bei dem wir mit unseren Geschenken anderen auch etwas Gutes tun könnten, ohne noch einen riesen Aufwand betreiben zu müssen.

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von Birgit G.)

Stefanie Heute wollen wir uns mal ein bisschen aufregen.

Carsten Genau, über unser Erlebnis, was wir gerade geteilt haben.

Stefanie Genau. Also wir sind gerade dabei, ein bisschen zu entrümpeln und wollen uns eigentlich von Dingen trennen, die schon lange in unserem Keller schlummern. Wir haben auch ein paar Sachen schon verkauft, wollen aber eben auch einiges verschenken.

Carsten Ja, genau. Also kein Gerümpel oder Sperrmüll, sondern definitiv Haushaltsgegenstände, die seit längerer Zeit einfach nur verstauben, aber im Grunde genommen noch gut sind.

Stefanie Dazu gehören Kleiderbügel, die offensichtlich nichts wert sind, wie wir gerade erfahren haben. Kabel, die immer noch funktionieren. Verlängerungskabel, Mehrfachsteckdosen. So was hat sich bei uns ziemlich angesammelt und wir haben das immer mit uns herumgetragen, weil wir der Meinung waren, wir brauchen das vielleicht noch irgendwann. Aber jetzt sind wir eben dabei zu entrümpeln.

Carsten Also PC-Lautsprecher oder was haben wir noch? Ein Bügeleisen.

Stefanie Ein Schlafsack. Ähm, ja. Was hatten wir?

Carsten Thermoskannen.

Stefanie Thermoskannen, genau. Toaster. Ja. Also verschiedenste Dinge, wo meine Hemmschwelle, zu sagen „ich will da noch Geld für“ sehr gering ist, wo ich gedacht habe, die verschenke ich. Und erst haben wir angefangen das … sollen wir jetzt chronologisch vorgehen oder mit dem, was wir gerade erlebt haben?

Carsten Mach mal das, was wir gerade erlebt haben, das ist ein bisschen aufregend jetzt.

Stefanie Also ja, was heißt aufgeregt? Das vorher hat mich noch mehr aufgeregt als das, was ich jetzt ... Also im Grunde habe ich mir vorhin die Frage gestellt, warum ist es so schwer, was zu verschenken? Und warum ist es so schwer, was Gutes zu tun?

Carsten Ja, genau. Also um das mal darzustellen, wir sind gerade hier in Hamburg beim Recyclinghof gewesen.

Stefanie Zu Fuß.

Carsten Zu Fuß, genau.

Stefanie Mit der Sackkarre.

Carsten Ist aber kein Problem. Das sind, glaube ich, nur ein paar 100 Meter gewesen.

Stefanie Ja, genau. Es war kein Kilometermarsch. Es geht nur darum: Wir sind ökologisch korrekt zu Fuß gegangen. (lachen) Nein, wir haben ja kein Auto. Und dann haben wir gedacht, wir leihen uns dafür jetzt auch kein Auto. Also Geld auszugeben, um was wegzubringen, was wir verschenken wollen, finde ich irgendwie unlogisch. Ja, okay. Also wir sind da hingegangen.

Carsten Und die haben da auch eine Ecke, wo eben Gebrauchtgegenstände abgegeben werden können, die tatsächlich noch gut sind, damit die dann anschließend in den Wiederverkauf gehen, bei Stilbruch. Und da haben wir dann im Vorfeld schon einige Sachen zusammengesucht, wo wir wussten, okay, die schmeißen wir jetzt ganz bewusst nicht weg, weil die sind ja noch gut.

Stefanie Genau, die funktionieren auch alle noch. Ist nichts dran.

Carsten Genau. Und sind mit diesem ganzen Batzen, das sind drei Umzugskartons voll gewesen, da gerade vorstellig gewesen und mussten mit Erschrecken feststellen, es soll quasi alles in die Tonne. Die wollten es eigentlich gar nicht haben.

Stefanie Die wollten es nicht haben und die wollten auch noch Geld dafür, dass wir denen das geben.

Carsten Weil es Hausmüll ist.

Stefanie Und das fand ich ziemlich krass. Also ich konnte meine Kleidung da ... da haben sie so Kleidercontainer gehabt, da habe ich dann die Kleidung reingeschmissen, da musste ich nichts für zahlen. Das ist schon mal nett, aber so die ganzen Kleiderbügel, dafür hätten wir Geld zahlen müssen und die hätten die halt weggeschmissen. Genau. Und das wollten wir ja gerade nicht. Wir wollten das ja verschenken.

Carsten Ja, und das war schon so ein bisschen merkwürdig, weil wir eigentlich genau mit Gegenständen dort hingegangen sind, wo wir wussten, die sind tatsächlich noch funktionsfähig. Die waren teilweise bis vor kurzem noch in Verwendung.

Stefanie Genau. Wir haben dort einfach nur ausgedünnt.

Carsten Ja, einfach nur ausgedünnt. Und wir haben halt ja, wie du schon sagtest, also eine Hemmschwelle, jetzt dafür Geld zu nehmen. Die war relativ hoch. Also das war jetzt nicht so, dass wir da jetzt noch irgendwie Euros oder so was für sehen wollten, sondern ...

Stefanie Wir wollen das einfach verschenken. Wir wollten was Gutes tun. Ja, aber es ist anscheinend hier in Deutschland nicht so einfach möglich – vielleicht ist es auch nur in Hamburg so – Gutes zu tun.

Carsten Ah, ich glaube schon. Das liegt nicht nur an Hamburg, sondern generell.

Stefanie Du hast ja vorhin gesagt, als ich dich gefragt habe, hast du gesagt, weil wir eine Wegwerfgesellschaft sind. Und so kommt es mir auch echt vor. Also die Kabel haben sie dir jetzt einfach weggenommen und weggeschmissen.

Carsten Und die hat er mir quasi aus den Händen gerissen und ist schon davon marschiert, bevor ich überhaupt noch irgendwie reagieren konnte.

Stefanie Das waren funktionierende Verlängerungskabel, Mehrfachsteckdosen, die wir eigentlich verschenken wollten.

Carsten 5 Meter, 10 Meter teilweise. Gut. Ich meine, es tut mir jetzt persönlich nicht weh, weil ich genug unten im Keller liegen habe.

Stefanie Mir tut es schon ein bisschen weh, wenn ich denke: Zum einen haben wir dafür ja auch Geld ausgegeben. Das ist zwar schon ein bisschen länger her, aber zum anderen, andere haben vielleicht das Geld nicht und würden sich freuen, wenn sie die geschenkt bekämen.

Carsten Und da waren noch die Originaletiketten dran. Ich glaube, die haben wir nur einmal benutzt oder so was. Also von daher.

Stefanie Ja, also deswegen haben wir vorhin auf dem Weg zurück beschlossen, wir nehmen jetzt diese Podcastfolge auf, weil das jetzt tatsächlich nicht das einzige Erlebnis ist, das wir bisher hatten, sondern sich das jetzt so gehäuft hat, dass wir gedacht haben, wir müssen jetzt einfach mal darüber reden. Mit dir teilen. Und wenn du ähnliche Erfahrungen hast oder Ideen hast, wie man es anders machen kann, sind wir dafür offen. Also interessieren wir uns auch dafür, auf jeden Fall. Also ja. Was wir halt noch erlebt haben, ist mit den Kleinanzeigen. Das erste was wir gemacht haben, was ich generell bei jedem Umzug .gemacht habe .. haben wir eigentlich schon immer mit den Ebay-Kleinanzeigen … Ich glaube, ganz am Anfang, als es die noch nicht gab, haben wir mit Quoka angefangen.

Carsten Weiß gar nicht, ob es das noch gibt.

Stefanie Doch, ich glaube, Quoka gibt es noch. Es gibt so viele Kleinanzeigen, aber irgendwie habe ich mich auf Ebay-Kleinanzeigen jetzt so eingeschossen und es war schon bei den letzten Umzügen so. Also wir sind schon relativ häufig umgezogen und jedes Mal gab es immer so Sachen, die wir dann verschenkt oder verkauft haben. Aber jetzt ziehen wir im Moment nicht um und wollen aber trotzdem Dinge ausdünnen. Was man jetzt noch dazu sagen muss, wir haben tatsächlich jetzt auch Dinge verkauft und konnten uns dafür jetzt einen – taadaa – Mixer leisten.

Carsten Hochleistungsmixer, yeah!

Stefanie Noch keinen Vitamix. So viel haben wir dann nicht verkaufen können. Aber das ist für dich auch noch so eine Idee, wenn du sagst, oh, das ist mir viel zu teuer, so ein Mixer: Guck doch mal im Keller und guck auch mal generell, was sind Dinge, die du wirklich nicht mehr brauchst oder wo du denkst, ah, die könnte ich vielleicht in drei Jahren noch brauchen oder so. Dann brauchst du sie meistens gar nicht oder du kannst sie dir dann auch irgendwie noch mal besorgen oder leihen oder was auch immer. Jedenfalls wirst du so, wenn du Dinge verkaufst, dann auch das Geld für Dinge zusammenbekommen, die du jetzt wirklich brauchst. Und in unserem Fall ist es jetzt der Mixer, den wir jetzt mehrmals täglich nutzen und viel Spaß damit haben. Aber zurück zur Erfahrung: Ich wollte jetzt nicht so einen Meckerpodcast machen, aber irgendwie hat mich das jetzt gerade schon ...

Carsten Ja also, wie du schon sagtest, das ist nicht das erste Mal bei den Kleinanzeigen, aber du sagst, du hast Sachen einfach auch zum Verschenken reingestellt.

Stefanie Und das war jetzt tatsächlich der Gipfel des Eisbergs mit den Kleinanzeigen. Ich habe schon oft was darüber verschenkt und es macht immer Arbeit, immer macht es Arbeit und das nervt mich so. Verschenken soll keine Arbeit machen und das finde ich so anstrengend. Es gibt Menschen, die sagen ja, können wir uns irgendwo treffen und eine Übergabe machen, wo ich sage: Nein, warum denn? Ich möchte das verschenken, ich will einfach nur … hier, ich hab was für dich. Das ist noch gut. Ich verschenke auch keine kaputten Sachen oder irgendwas, sondern dann sollen die Leute zu mir kommen und nicht immer irgendwo treffen. So, das ist das eine. Das andere, was ja so, ich glaube, überall passiert: Das sind Leute, die sagen, ja, ich will das alles haben und dann melden sie sich nie wieder oder die irgendwie sagen ja, ich komme dann und dann und dann kommen sie nicht. Das sind so generelle Sachen, aber was wir jetzt aktuell hatten, das waren zwei Dinge: Eine, die ich herbestellt hatte, die was geschenkt bekam, und eine andere, die zum gleichen Zeitpunkt kam, die was gekauft wollte. Es waren Hocker, die zu verkaufen waren. Die hatte ich schon in den Flur gestellt und die, die was zu verschenken bekam, also die sich da was kostenlos abholte, war die einzige, die dann hier im Treppenhaus unterwegs war und die hat uns tatsächlich die Hocker weggeklaut.

Carsten Ja, also nicht nur das genommen, was wir zu verschenken hatten, sondern anschließend die Hocker noch mit eingeladen und ist von dannen gezogen. Und als dann die zweite Dame hier aufschlug und die Hocker abholen wollte, waren wir richtig verdutzt, weil wir gedacht haben, die stehen da unten im Hausflur.

Stefanie Also es ist hier ein Mehrfamilienhaus. Die Haustür stand sperrangelweit auf. Am Wochenende ist hier aber keiner außer uns. Ich hatte die Frau noch gesehen und ich habe sogar noch gesehen, dass sie mit dem Auto vor der Tür geparkt hat. Also die war, Entschuldigung, ich muss das jetzt mal so sagen, kackendreist. Also hat die sich einfach diese Hocker mitgenommen und ich hab ihr dann noch geschrieben und habe gesagt, also ob sie vielleicht zufällig diese Hocker mitgenommen hat. Nein, wiesooo? Und dann hab ich gesagt, naja, die waren für jemanden bestimmt, der da Geld für bezahlen wollte. Nee, da wäre so ein Mann gewesen, der hätte sich die angeguckt und so. Wo ich gesagt habe, ja natürlich, also da war niemand. Und sie ... also wir haben ihr die Tür aufgemacht, die Tür war zu. Bei uns ist die Tür immer zu. Man muss klingeln, um reinzukommen und es ist außer uns niemand da gewesen und ja, gut. Also jedenfalls das war der Aufreger. Der nächste Aufreger kam dann am nächsten Tag von einem, der dann … nee, gar nicht, am gleichen Tag war es, noch genau am gleichen Tag. Der wollte dann, ich hatte den ursprünglich auch zur gleichen Zeit bestellt, weil ich die alle gesammelt habe. Dann muss man nicht ständig da sein, weil es ist ja jetzt auch nicht so, dass wir dann den ganzen Tag hier hocken und warten, dass mal jemand vorbeikommt. Und er sagte dann, er kann zu der Uhrzeit nicht, er würde um 18:00 kommen. Wir haben ja auch noch Dinge zu tun und ich war mit dem Kleinen draußen. Und dann war es so, dass ich auf einmal um 17:00 eine Nachricht kriegte: „Ja, wo sind Sie denn? Ich habe geklingelt. Sie sind gar nicht da.“ So ne? Ja, das war übrigens auch zu verschenken. Also es ist alles zu verschenken gewesen. Es ist nicht so, dass ich jetzt hier den Deal über 1.000 € oder so gemacht habe, sondern es war alles zu verschenken. Und dann habe ich geschrieben: Naja, wir haben doch 18:00 gesagt, ich war jetzt gerade nicht da, ich weiß gar nicht mehr, wo ich war. Ich glaube, ich war auf dem Balkon oder irgendwo war ich. Jedenfalls habe ich das Klingeln nicht gehört. Ich hab ja nicht damit gerechnet. Und dann hat er geschrieben, oh ja, das wäre jetzt aber blöd, er wäre jetzt schon wieder zu Hause und er wäre jetzt extra 20 Minuten hin- und 20 Minuten zurückgefahren. Das wäre ja wirklich doof. Und das hat mich total aufgeregt. Und das wofür? Wofür? Ich will was verschenken. Ich will einfach nur was Gutes tun. Ich möchte das verschenken, aber ich möchte nicht, dass das so einen Aufwand macht.

Carsten Vor allem weil wir ja sagen, okay, zu einem bestimmten Zeitpunkt sind wir zu Hause. Sind wir erreichbar, dann klingeln, dann kriegst du das Ding. Oder den Gegenstand einfach übergeben und dann ist gut. Ja. Und dann? Aber mit der Zeit feilschen oder eben auch sich darüber beschweren, dass man eine Stunde vor dem ursprünglich vereinbarten Termin dann nicht zu Hause ist und dass dann derjenige auch Anfahrtswege in Kauf nimmt. Also ganz ehrlich, mir ist das völlig egal, von wo jemand kommt, wenn ich etwas zu verschenken habe oder selbst wenn ich etwas zu verkaufen habe, dann ist das Sache dessen, der jetzt hierhin kommt.

Stefanie Dass er sich das selbst überlegt.

Carsten Genau. Ich bin ja nicht dafür zuständig, wo der wohnt.

Stefanie Genau.

Carsten Er weiß, wie weit er fahren muss und dann kann er sich im Vorfeld immer noch überlegen: Ist mir das die Sache wert?

Stefanie Das ist wie der, der hier auch noch was abholen wollte und gesagt hat, er kommt jetzt extra von weiter weg, deswegen will er das günstiger. Ja, ja. Also äh ja, weiß ich nicht. Ich suche auch über die Kleinanzeigen. Und wenn ich das suche, dann gucke ich doch, dass es so passt. Und dann stelle ich nicht nur Ansprüche, nur weil ich jetzt irgendwie zehn Kilometer weiter gefahren bin. Also ich finde das sehr merkwürdig.

Carsten Nein, das ist ja nicht mein Problem als Verkäufer. Also ich meine, das ist ja aber gut, das sind halt so Argumente beim Feilschen. Aber schlimm wird es dann, wenn solche Argumente oder solche Vorwürfe kommen, wenn was zu verschenken ist.

Stefanie Ja genau. Also beim Verkauf, da ist es noch irgendwie eine andere Sache. Aber verschenken … Ich weiß nicht, ich will doch einfach nur was verschenken. Und wenn das dann so in Arbeit ausartet und so anstrengend ist und mir jegliche Energie raubt, dann mache ich das nicht mehr. Und dann? Dann ist es natürlich wieder die Sache, wenn wir jetzt wie heute beim Sperrmüll waren, also bei dem Recyclinghof, und wir eigentlich da Dinge hinbringen wollen, die noch gut sind.

Carsten Wie gesagt, das waren drei Umzugskartons, die wir ganz bewusst mit Dingen beladen haben, wo wir wissen, die tun doch. Die sehen neuwertig aus, dieses „verstaubt“ ist noch nicht mal bei den Sachen, weil die eigentlich auch eingelagert waren in die Kartons. Also die waren absolut funktionsfähig und neuwertig.

Stefanie Ja und wenn man dann sieht, dass sie die auch noch wegwerfen wollen, weiß ich nicht. Ich meine, wir wollen doch gerade nichts wegwerfen, Wir wollen doch keinen Müll produzieren. Und dann haben wir wieder das Problem. Ja, das günstigste wäre es ja, es einfach in die Tonne zu schmeißen. Ja und das Problemloseste, also das, was am wenigsten Zeit, am wenigsten Geld kostet, ist das Zeug hier einfach in die Tonne zu kloppen. Und jedes Mal, wenn die Müllabfuhr kommt, noch mal was Neues rein.

Carsten Ja, richtig. Ja und dann so Sachen, weiß ich nicht. Das finde ich schon so ein bisschen komisch. Und ich denke, was du vorhin schon sagtest, dass das aus meiner Sicht ganz klar der Wegwerfgesellschaft zu schulden ist, dass eben diese Mentalität vorherrscht: Sachen kriegst du relativ günstig, kannst du fast überall bekommen, deswegen lohnt sich das häufig halt nicht. Kleinere Gegenstände, die im Grunde genommen eigentlich auch nicht den großen Wert besitzen, tatsächlich noch irgendwie weiterzuverarbeiten, sondern die kommen einfach in die Tonne. Und wenn sie jemand braucht, ja dann muss er halt in den Laden gehen und kann irgendwo für 50 Cent oder einen Euro oder keine Ahnung dann irgendwo nachkaufen.

Stefanie Ich meine, es gab bei uns auch mal irgendwann einen Zeitpunkt, wo wir noch keine Kleiderbügel hatten und da mussten wir uns die kaufen. Also von daher weiß ich nicht. Es gibt bestimmt Menschen, die noch keine Kleiderbügel haben. Also gerade wenn man von zu Hause auszieht, hat man jetzt nicht ein großes Set an Kleiderbügeln. Und solche Menschen freuen sich doch darüber, wenn sie die kostenlos bekommen oder besonders günstig. Und dann weiß ich nicht, warum man da noch Geld für zahlen muss, dass man die wegschmeißt. Also das finde ich total sinnbefreit.

Carsten Oder das Bügeleisen. Ich weiß, das hatte ich mir damals mal gekauft, wo ich noch eine Einzelwohnung hatte.

Stefanie Hast du das Bügeleisen jetzt weggeschmissen?

Carsten Na ja, das ist da geblieben, aber das ist jetzt nicht so so teuer gewesen, hat damals 20 € gekostet, war aber ein Siemens-Bügeleisen. Ich glaube, das habe ich drei, vier Mal benutzt.

Stefanie Ja, stimmt.

Carsten Das war nigelnagelneu und dementsprechend finde ich das ein bisschen schade, dass auch solche Gegenstände, dass sich da noch nicht mal mehr die Zeit genommen wird, sondern da wird einfach nur pauschal in diesen kompletten Wust an Sachen, die dann da auf dem Tisch liegen, oder bei uns im Karton geguckt und gesagt, das ist alles irgendwie Kabel-Elektromüll links und der Rest ist dann halt Hausmüll.

Stefanie Und das ist ja gar nicht kaputt. Wenn es kaputt wäre, dann würde ich es ja noch verstehen. Aber so? Ja also, ich finde es einfach ... Mir fehlen einfach die Worte. Also bei meiner Radtour „Hamburg vegan erkunden“ habe ich ja diese Tauschkisten mit drin. Und ich hatte ja auch schon nach diesen Erlebnis mit dieser diebischen Elster und diesen ganzen nervigen Sachen mit dem Verschenken überlegt, ob wir hier so eine Tauschkiste bei uns aufs Gelände bauen. Aber leider will unser Vermieter das nicht. Also ich bin jetzt noch nicht weiter vorgedrungen, ob wir vielleicht die woanders hinbauen können. Gut, dann müssen wir die erst mal bauen und so und die nächsten Tauschkisten sind jetzt hier weiter entfernt, sodass wir jetzt nicht das Ganze mitnehmen können. Wir können ja nur mit dem Fahrrad fahren. Also das wäre jetzt die einzige Möglichkeit, die mir jetzt noch einfallen würde, wenn wir hier eine Tauschkiste hinbauen. Also falls du noch nicht weißt, was eine Tauschkiste ist: Bei uns in Hamburg gibt es die, die gibt es auch in Berlin und ich weiß nicht, wahrscheinlich auch in anderen Städten. Es ist einfach so wie früher die Telefonzellen so in der Größe, ja eine Zelle, eine Kiste groß begehbar, wo dann Kleidung, Bücher, Dinge, also alles Haushaltsgeräte, so was, was wir jetzt verschenken wollten, dann drin liegen, was andere sich rausnehmen können, wo man selber auch was rausnehmen kann. Kostenlos. Also einfach öffentlicher Raum, also öffentlich. Jeder kann da mitmachen und die Idee finde ich halt sehr schön. Nur wir müssten das erst hier bauen und im Moment hält mich das davon ab, noch mal wieder da zu investieren. Vielleicht können wir das noch mal irgendwie schaffen, dass wir das zusammen machen. Nur ich fände es halt schön, wenn man einfach die Dinge loswerden würde, oder? Ich habe auch schon gedacht, ich muss einfach jetzt hier auf dem Hinterhof einen Flohmarkt machen und dann die ganzen Sachen loswerden. Nur das Einfachste wäre für mich wirklich, das über die Kleinanzeigen zu machen. Zu sagen: Hier, das ist alles zu verschenken, komm vorbei, kriegst du nur das. Ja, also durch diese ganzen Erlebnisse, die wir hatten und es ist ja nicht das erste Mal, dass wir das hatten. So jedes Mal wenn ich über die Kleinanzeigen was verschenken wollte, gab es immer irgendwelche Sachen. Menschen, die zu irgendeinem anderen Zeitpunkt kommen. Menschen, die noch Ansprüche stellen, Menschen, die irgendwie nörgelig sind.

Carsten Du koordinierst. Es geht ganz, ganz viel Zeit und auch viele Nerven drauf, dass du die Leute halt koordinierst oder mit denen Rücksprache hältst. Und das ist einfach bei solchen Sachen, wo man eigentlich was zu verschenken hat, einfach überhaupt nicht mehr sinnvoll. Also wenn ich weiß, ich kriege da noch keine Ahnung, horrend viel Geld für, ist das was anderes. Da habe ich ein größeres Interesse und auch eine etwas andere Hemmschwelle oder eine Schmerzschwelle. Aber wenn es darum geht, irgendwelchen Kleinkram zu verschenken, das weiß ich nicht. Da hätte ich auch eventuell den Anspruch, dass das einfacher gehen muss. Und dann sage ich einfach okay, wir sind zu dem und dem Zeitpunkt da und dann kommt und holt es auch ab.

Stefanie Also ich weiß auch nicht. Also wenn du, liebe Hörerin und Hörer, noch irgendwas weißt, also eine Idee hast, wie das einfacher gehen könnte mit dem Verschenken ohne Auto. Also wir haben kein Auto, mit dem wir jetzt durch die Gegend fahren können. Wir sind entweder mit dem Fahrrad unterwegs, zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dann gerne, schreibe uns gerne, sprich uns an, schreibe einen Kommentar.

Carsten Oder wie sind deine Erfahrungen, hast du auch mal was zu verschenken gehabt? Oder bist du in einer ähnlichen Situation wie wir gerade, im Ausmisten umzugsbedingt oder generell? Minimalismusbedingt oder wie auch immer. Und was für Erfahrungen machst du mit Sachen, die einfach zu verschenken sind? Wie wirst du das los und wie empfindest du den Aufwand?

Stefanie Bist du auch genervt von Ebay-Kleinanzeigen? Also lass uns eine Gruppe gründen. Ja also mich würde das schon interessieren. Also mir tut es halt weh, wenn ich jetzt Sachen wegschmeiße von denen ich a) weiß, ich hab dafür Geld bezahlt und b) weiß, die sind noch gut und andere könnten davon noch profitieren.

Carsten Genau.

Stefanie Ich bin halt einfach genervt von diesem Aufwand, den ich betreiben muss, um die verschenken zu können.

Carsten Ja so, jetzt haben wir uns ein bisschen den Frust von der Seele geredet.

Stefanie Gibts noch irgendetwas?

Carsten Eigentlich will ich nur wissen, gibt es andere Konzepte? Vielleicht hat der oder die Hörer da an der Stelle noch so ein paar Ideen.

Stefanie Die Hörer?

Carsten Die Hörer.

Stefanie Der oder die Hörer? Die Hörerin.

Carsten Mehrzahl.

Stefanie Ach so, ja, ich rede immer nur in der Einzahl.

Carsten Okay.

Stefanie Also es hören ja nicht mehrere gleichzeitig.

Carsten Auf jeden Fall. Das würde mich natürlich schon interessieren, was es da für andere Erfahrungen und und Ideen gibt.

Stefanie Ja, vielleicht sind wir einfach zu sensibel.

Carsten Zu unerfahren und nicht dickhäutig genug.

Stefanie Ich glaube, unerfahren sind wir nicht. Wir haben schon so häufig Dinge verschenkt.

Carsten Stimmt, ja.

Stefanie Na gut, also wir wollen jetzt ja auch nicht hier ewig reden, von daher:

Carsten In diesem Sinne ...

Stefanie in Hamburg sagt man Tschüss ...

Carsten und auf Wiedersehen.

Folge 22 - Greenwash Inc. von Karl Wolfgang Flender

Ein Beitrag

Folge 22 - Greenwash Inc. von Karl Wolfgang Flender

In dieser Folge

  • stellen wir Dir den Roman "Greenwash Inc." von Karl Wolfgang Flender vor,
  • erzählen wir Dir warum Du das Buch lesen solltest
  • und was Dich vielleicht davon abhalten könnte.

"Greenwash Inc." ist 2015 erschienen und das Debüt des jungen Autors, der in Hildesheim Literaturwissenschaften studiert(e?).

Dieses Buch ist kein veganes Buch- es geht um Nachhaltigkeit, um den Schein der Fair-Trade-Zertifikate und um die schöne Werbewelt.

Du findest im Netz viele unterschiedliche Rezensionen zu dem Buch. Schau Dir also gerne erst einmal die Webseite an, lies ins Buch hinein und entscheide Dich dann.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Carsten Heute möchten wir ein Buch besprechen, was wir vor einiger Zeit schon gelesen hatten. Und zwar handelt es sich um das Buch Greenwash Inc. oder Greenwash Incorporated.

Stefanie Ich würde sagen, Greenwash Inc..

Carsten Ich finde Incorporated irgendwie cooler.

Stefanie So wie Monster Inc.. So, so. Und zwar ist das Buch von Karl Wolfgang Flender. Und anders als der Name vermuten lässt, ist der gute Mann erst 30, er hat es im Rahmen eines Studiums geschrieben. Er studiert Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim und das Buch ist quasi ein Produkt oder ein wie nennt man das?

Carsten Eine Studienarbeit.

Stefanie Eine Studienarbeit da weiß ich nicht, aber es ist jedenfalls daraus entstanden.

Carsten Das ist ein Roman.

Stefanie Es ist ein Roman. Genau. Also, das ist das erste Mal, dass wir einen Roman vorstellen.

Carsten Ich glaube schon. Ja. Alle anderen Bücher waren Sachbücher.

Stefanie Also, das ist jetzt diesmal kein Sachbuch. Und ich würde ganz gerne einmal vorlesen, was hinten auf dem Buch steht und dann, was im Umschlag drinsteht. Ja, und das Buch ist auch ganz schön gestaltet, also es ist aus dem DuMont Verlag und hat eine rote Flamme auf dem Umschlag. Ich würde sagen, das ist ein Blatt.

Carsten Ja, ich denke so Ahornblatt-mäßig, aber als Flamme.

Stefanie Genau so: „Wir alle wollen ein gutes Gewissen haben und trotzdem konsumieren. Die PR Agentur Mars und Jung verkauft uns die passenden Lügen, damit wir uns besser fühlen. Gesünder, moralisch auf der richtigen Seite. Thomas Hessel macht Karriere in dieser Branche. Virtuos inszeniert er Hope Stories von Ghana bis Indien und bringt die abgründige Realität hinter der Produktion zum Verschwinden. Für den Erfolg seiner Projekte geht er über Leichen, bis er selber zum Opfer der eigenen Ambitionen wird. Ein unerschrockenes Debüt. Kraftvoll, schamlos.“ Ich wollte schon kraftlos sagen Nein. „Kraftvoll. Schamlos.“ Ja, also ich denke, hier Mars und Jung. Das erinnert mich so an Jung von Matt. Ich weiß auch nicht, warum.

Carsten Ich glaub, das war auch überhaupt nicht beabsichtigt...

Stefanie Und ja, ich weiß nicht, ob Thomas Hessel auch noch an irgendwen angelehnt ist, aber das weiß ich nicht.

Carsten Das ist auf jeden Fall die Romanfigur.

Stefanie Und im Umschlag steht noch drin: „Sie haben ein Unternehmen mit problematischem Portfolio? Genmais, Produktion in asiatischen Sweatshops? Kein Problem. Mars und Jung kümmert sich darum.“ Das reimt sich sogar: ‚Mars und Jung kümmert sich darum‘. Ja, okay. „Die Agentur bietet eine ganzheitliche Betreuung von viralen Imagekampagnen über die Beschaffung von Fair Trade Zertifikaten bis zum Krisenmanagement vor Ort. Falls es irgendwo mal brennt, in einer Textilfabrik zum Beispiel, in der es keine Fluchtwege gibt.“ Ja, okay, das geht dann noch so ein bisschen weiter. Aber im Grunde ist es genau das, was hinten schon draufsteht. Und dann steht noch was über den Autor. „Karl Wolfgang Flender erzählt mit schmerzhafter Präzision die Geschichte eines steilen Aufstiegs und eines rasanten charakterlichen Zerfalls. Ein erbarmungsloses Debüt, hochintelligent, schamlos und zynisch.“ Ja, was sagst du dazu?

Carsten Also den Klappentext, den du gerade vorgelesen hast, der spielt natürlich an diese Katastrophen in Bangladesch. Die Textilfabrik, die da eingebrochen ist, die wird jetzt zwar so nicht explizit erwähnt, aber das ist ja so was ähnliches wie da erzählt wird und man merkt schon, dass er genau diese Themen oder diese, ich sag mal so, diese Welt oder so, die da im Hintergrund stattfindet, die quasi das Resultat für die westliche Konsumwelt darstellt, dass er das ganz gezielt aufgreift und in diesen Roman einarbeitet.

Stefanie Wie fandest du das Buch?

Carsten So gut es jetzt auf dem Klappentext klingt, fand ich es gar nicht. Es war nicht so überzeugend. Also eher so durchschnittlich.

Stefanie Ja, also ich habe es gerne gelesen. Ich fand es lustig. Also also jetzt nicht im Sinne, dass die Fakten total lustig sind, aber ich fand es gut geschrieben. Also so, dass es mich einfach mitgenommen hat. Ich konnte es gut durchlesen.

Carsten Ja okay. Ich hatte mich erst mal reinarbeiten müssen. Also ich glaube, so die ersten 50 Seiten, die waren für mich ziemlich müßig. Ja, reinlesen, durchhalten. Irgendwann wird es mal interessant, so nach dem Motto „Ja und dann wurde es auch interessant.“ Aber so die ersten 50 Seiten, das war für mich wirklich so eine Hürde.

Stefanie Ja, also für mich gar nicht. Ich fand es eigentlich von Anfang an ganz interessant zu lesen. Wir wollen jetzt natürlich auch nicht zu viel verraten. Empfiehlst du das Buch denn?

Carsten Ich empfehle es deswegen, weil es schon sehr interessant zwischen Fiktion und Realität vermischt. Also das war etwas, wo ich beim Lesen gemerkt habe, ich kann das gar nicht auseinanderhalten. Also teilweise geht es so ins Abstruse rein, dass da wirklich bei mir die Frage aufkommt: Kann das noch real sein? Kann das in der Realität stattfinden? Und dann kommt aber gleich im Nachgang bei mir der Gedanke: Ja klar, das könnte durchaus sein, auch wenn es total überzogen dargestellt wird. Aber genau das ist es, was nachher reizvoll ist. Dieses nicht trennen können von was hat er sich ausgedacht und was könnte tatsächlich so stattfinden oder was hat tatsächlich schon mal stattgefunden? Ich glaube, dass einige Informationen, die er hier vielleicht eingearbeitet hat, tatsächlich auf wahren Begebenheiten oder auch auf Erfahrungsberichten basieren, ohne dass wir als Leser·innen das so mitbekommen. Und dadurch, dass er das Ganze als Roman schreibt, hat das ja erst einen fiktiven Grundcharakter.

Stefanie Ja, ich habe ja davor und währenddessen das Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ von Kathrin Hartmann gelesen. Ich lese im Moment so viele Bücher parallel mal wieder, dass ich manchmal mit den Namen durcheinander komme. Aber was Kathrin Hartmann schreibt ist quasi der Beleg dafür, dass das Buch von Karl Wolfgang Flender nicht rein fiktiv ist. Also so einige Begebenheiten, die da drin sind, kann sie belegen aus der realen Welt, ohne dass die beiden jetzt irgendwie zusammen gearbeitet hätten oder so, aber genau solche Beispiele habe ich bei ihr real wiedergefunden, denn ihr Buch ist ja ein Sachbuch. Ja, und das kann sie auch belegen. Sie hat Quellen dafür und alles. Also von daher: es wirkt fiktiv. Es ist unglaublich, was alles passiert.

Carsten Also unglaublich vom Zynischen her. Also jetzt, wo man denkt, das kann nicht passieren, das ist einfach zu schrecklich. Aber es passiert. Es passiert.

Stefanie Ja, genau. Ja. Und du wolltest gerade was sagen?

Carsten Ja. Was hängengeblieben ist für mich bei diesem Buch ist so eine Aussage. Es gibt nichts Gutes im Bösen. Ja, das fand ich irgendwie. Das ist wirklich hängengeblieben, weil er im Grunde genommen zu der Schlussfolgerung kommt: Das System selber ist schon grundlegend in der Hinsicht böse, als dass so viele Schlechtigkeiten und schlechte Sachen passieren. Es ist einfach systembedingt. Und deswegen kommt er zu dieser Aussage Es gibt nichts Gutes im Bösen. Das heißt, wenn man wirklich was Gutes möchte, muss man das System nicht nur infrage stellen, sondern es auch verlassen. Und erst dann ist man auch in der Lage, wirklich etwas Gutes zu machen. Also ich sage jetzt mal eine nachhaltige Produktion, wirklich fairen Handel und sich nicht immer nur darauf verlassen, dass da vielleicht eine Aussage von einem Produktionsunternehmen kommt, dass alles gut ist oder dass irgendwelche Zertifikate ausgestellt werden oder Fairtrade Labels oder so was, sondern die sind, wenn man jetzt diesem Roman sehr viel Glauben schenkt, ja häufig auch nur erkauft.

Stefanie Greenwashing, das ist es ganz genau und das passiert ja auch so und es war ja jetzt jüngst in den Medien mit den Bananen. Dass dieses Frosch-Siegel (Rainforest Alliance) einfach noch nicht mal die kleinsten Standards einhält. Wir werden das Buch aus kontrolliertem Raubbau auch noch vorstellen. Also es ist wirklich ein Fundus an Informationen, an wichtigen Informationen und das belegt einfach, dass man diesen Siegeln nicht trauen kann. Und nachdem ich das Buch gelesen habe, habe ich auch gedacht oh weh, was kann ich überhaupt noch glauben?

Carsten Mit dem Greenwashing?

Stefanie Ja, genau, Also beides eigentlich. Aber jetzt so dieses Greenwashing hat es noch mal bestärkt, dass ich gedacht habe: Wem kann ich jetzt noch glauben? Das sind doch alles Werbelügen und ja.

Carsten Aber genau, wenn du zu dem Punkt kommst, dann hast du ja schon mal einen großen Schritt gemacht. Du hinterfragst es. Dann ist es aber auch deine Verantwortung, zu recherchieren und mal zu gucken, was heißt das eigentlich? Nicht einfach nur zu sagen Mensch, da klebt jetzt so ein tolles Logo drauf, da steht Fairtrade oder keine Ahnung was. Und das einfach so hinzunehmen, sondern jetzt aktiv hinzugehen und zu sagen Hm, das könnte auch einfach erkauft sein, einfach nur, ich will jetzt nicht sagen Marketinggag, sondern einfach eine Möglichkeit, sich so einen kleinen grünen sozialen Anschein zu erkaufen. Und da ist dann wirklich die Eigenrecherche gefragt, um zu gucken, was steht da wirklich hinter.

Stefanie Und da sind wir wieder bei dem Punkt, dass wir einfach zu bequem sind, um das zu machen. Genau das, wo wir die ganze Zeit eigentlich stehen. Mache ich das jetzt wirklich, das Unbequeme also oder mache ich es mir einfach? Die meisten, uns eingeschlossen, lieben es bequem und das Unbequeme, da haben wir wieder das Problem: Mache ich das jetzt wirklich? Mache ich das nicht. Ich vertraue einfach darauf, dass es so ist.

Carsten Ja, Du gibst dann aber auch die Verantwortung ab. Du überträgst die Verantwortung irgendeiner Organisation, die diese Labels ausstellt. Ja, und das dann aus Bequemlichkeit. Hat sich schon mal jemand drum gekümmert? Die haben das geprüft, die prüfen das laufend oder was auch immer für Gedanken da mit einhergehen. Und da muss ich mir jetzt keine Gedanken mehr machen, sondern kann dieses Produkt einfach kaufen und braucht gar kein schlechtes Gewissen haben.

Stefanie Ja, es ist dieses: ich bin bequem oder es ist mir bewusst. Also ich kann entweder wissen oder bequem sein. Also gut, dazwischen gibt es natürlich auch Graustufen, aber diese beiden Pole gibt es einfach. Und das ist ja das gleiche beim Datenschutz. Also wenn ich jetzt mal mein Lieblingsthema Facebook nehme. Ja, Facebook klar. Jeder sagt, Facebook ist so toll oder Instagram oder Google. Vielleicht ist Google auch noch einfacher. Google ist total bequem. Ich kann da einfach was eingeben und es ist alles total klasse, aber es wird alles gespeichert und Google weiß Bescheid. Das ist genau das gleiche bei Facebook. Ja, man kann private unsichtbare Gruppen einstellen, aber Facebook weiß Bescheid. Und damit ich es bequem habe, ist alles kostenlos. Ich zahle nichts dafür.

Doch ich zahle mit meinen Daten. Und genauso ist es . Ich gebe einen Teil von mir auf. Und genauso auch bei den Siegeln, bei allem, wo ich nicht mehr nachdenken muss. Sobald ich es bequem habe, muss ich mir mal überlegen, warum ich es bequem habe, denn irgendeinen Preis zahle ich dafür, auch wenn es nicht gleich Geld ist. Aber ich zahle immer einen Preis dafür. Und es kann auch sein, dass ich diesen Preis zahle, dass ich dann sage: Ach ja, das ist gerade total bequem, dass ich hier um die Ecke beim Kik mir meine T Shirts kaufen kann. Und die sind auch noch total günstig. Ich zahle aber dafür den Preis, dass dafür Kinder sterben oder Kinder missbraucht, misshandelt werden, was auch immer. Aber ich weiß es ja nicht direkt und solange ich das nicht weiß...

Ja, also ich kann das total verstehen, wenn ich sage, ich will jetzt auch nicht über alles nachdenken müssen und ich will nicht alles infrage stellen müssen, was kann ich denn dann noch kaufen? Also bei dem Punkt sind wir ja auch schon lange gelandet. Es ist ja nicht nur mit vegan, dass ich dann anfange, was kann ich dann noch essen? Sondern dann auch, wenn ich weiter gehe, kommt noch mal, was kann ich dann noch essen, weil es dann wirklich darum geht: Wo kommt denn das Kokosöl her, wo kommt das Palmfett her, wo kommt also die einzelnen Komponenten her? Das Hinterfragen geht weiter so.

Carsten Und das gleiche bei Textilien.

Stefanie Es gehört einfach alles zusammen. Und was ich an dem Buch so schön finde, ist , dass er das nochmal so überspitzt darstellt und auch, dass die Gegenwart, also in der PR Agentur das ist - ich hatte da eine Amazon Rezension gelesen, wo dann eine Frau gesagt hat, sie kann gar nicht glauben, dass es solche Männer geben soll und also da würde sie ja an der Welt verzweifeln, so in der Art und ja, das kann ja gar nicht sein. Und das wäre ja dann ein schlechtes Buch, wenn er das so erzählt. Und ich habe ja selber in einer Marketing Agentur gearbeitet und ja, das war jetzt keine Riesenagentur, aber ich habe mit vielen Werbern und allen möglichen PR Menschen Kontakt gehabt. Ja, es ist so in großen Agenturen.

Carsten Agenturen sind auch nicht dazu da, um irgendwie nachhaltig zu agieren, sondern die dienen dem Kunden. Und der Kunde ist ja wie zum Beispiel in diesem Buch käuflich. Genau das sind diese Großkonzerne, die ein bestimmtes Image haben und die auch viel Geld auf den Tisch legen können, um Imageschäden auszubügeln oder im Vorfeld irgendwie zu vermeiden, sich einen grünen Anstrich zu geben oder so was. Ja genau, die haben richtig Geld in der Tasche und können sich das leisten. Also ja, das ist das Interessante, das was wirklich aus diesem Buch dann heraus spricht, das so ein bisschen die Werbewelt dargestellt wird, wenn sie auch oftmals so ein bisschen überzeichnet erscheint für mich. Aber es ist nicht alles komplett von der Hand zu weisen.

Stefanie Ich finde es überhaupt nicht überzeichnet mit der PR Welt. Also ich habe ja immer nur einen Bruchteil davon mitbekommen, aber wenn du nur den Bruchteil siehst und dann das hochrechnest auf das wie es wirklich ist: Ja, es ist tatsächlich so, wie es dargestellt wird. Ja, also ich meine, klar, die Details können immer variieren, aber so. Also vielleicht können wir noch was zum Erzähler sagen. Es ist ein Icherzähler, dieser Thomas.

Carsten Eine Ichperspektive. Ja.

Stefanie Genau. Und das Buch zeigt auch die Entwicklung des Icherzählers. Für den Erfolg seiner Projekte geht er über Leichen. Das heißt, eigentlich wirkt es so, als wäre er gar nicht so sympathisch. Aber ich konnte tatsächlich zwischendurch mit ihm Mitgefühl empfinden.

Carsten Er hat doch ein grünes Gewissen. Also wird ja auch in dem Buch geschildert, dass er selber ökologisch und biologisch einkauft. So ein bisschen. Also er hat ein gewisses Reflexionsvermögen, aber da an der Stelle, wo es wirklich ins Eingemachte geht, da geht er über Leichen. Genau.

Stefanie Er ist so ein bisschen ambivalent. Sagen wir mal so moralisch ambivalent. Er passt sich an, aber irgendwo hat er dann auch so Grundsätze. Aber irgendwie ist er dann auch weg und der ist auch, glaube ich medikamentenabhängig oder so, also jedenfalls irgendwas war da noch. Also es ist eine ziemlich krasse Gestalt, wenn man das mal so sagen darf. Ja, aber irgendwie passt er da auch rein. Ich denke, viel mehr sollten wir gar nicht verraten. Mich würde jetzt nur noch interessieren...

Carsten ...wie ich zu der Schlussfolgerung gekommen bin, dass das Buch aus meiner Sicht eher durchschnittlich ist? Also erst mal, weil ich relativ lange gebraucht habe, um rein zu kommen ins Buch. Aber also wirklich für mich diese Einstiegshürde, bis mich das Buch inhaltlich gepackt hat. Und ich fand es so vom Erzählkonstrukt her wie so eine Mischung aus American Psycho.

Stefanie Ja, damit wird es auch ganz oft verglichen.

Carsten Es kommt da aus meiner Sicht definitiv nicht ran. Aber ich glaube, es wird deswegen damit verglichen, weil auch hier in diesem Buch sehr viel, ja sehr detailliert besprochen über Belanglosigkeiten, Statussymbole etc. gesprochen wird. Alles das so was in der Werbebranche existiert, mit Squash spielen und so was alles kommt dann also sehr, sehr ausführlich. Und das ist auch ein Stilelement bei American Psycho. Wobei American Psycho geht da wirklich komplette Kapitel nur ins Belanglose und so ins Extrem, dass es schon müßig ist, sich da durchzuquälen. Aber ich glaub, das ist ein Stilmittel, was hier bei Greenwash Inc. auch mit einfließt. Und die andere Ebene, dieses aus meiner Sicht überzogene auch vom Humor. Das erinnert mich ganz stark an diese Art und Weise, wie Tommy Jaud seine Romane skizziert. Und das ist natürlich: Der eine liebt es, für den anderen ist es schon wieder ein bisschen zu flach oder zu laut.

Stefanie Das ist jetzt auch nicht so meins.

Carsten Ja, ich meine, ich habe damals mal Vollidiot gelesen gehört, das hatte Christoph Maria Herbst vorgelesen und das war die genialste Lesung überhaupt, weil der den Charakter auch super rüberbringen konnte. Also von daher, das Buch fand ich richtig gut, aber nachher habe ich dann einfach gemerkt, okay, ich habe da so einen Sättigungsfaktor gehabt, spätestens beim zweiten Buch von Tommy Jaud und dann irgendwann auch kein Interesse mehr gehabt. Vielleicht spielt das noch nach, dass mich das zu sehr an Tommy Jaud erinnert. So ja okay, also deswegen bin ich da so ein bisschen vorbehaltlich. Ich empfehle es trotzdem, weil der Inhalt hochgradig interessant ist und genau zu dem Punkt führt, dass der Leser am Ende oder vielleicht auch schon zwischendurch merkt Hm, das ist sehr viel Schein, sehr viel Sein. Wo ist da die Grenzlinie, wem kann ich jetzt noch vertrauen?

Stefanie Also was ich noch dazu sagen kann: es gibt dazu auch eine Internetseite, die verlinken wir dann auch und da sind noch so ein paar Werbevideos von „Mars und Jung“, die sind auch total lustig zum Angucken. Also die verlinken wir noch. Ich würde einfach nur noch sagen: lies das Buch. Ich finde es gut. Ich finde es auch gut, mal so einfach als Zwischenlektüre um mal wegzukommen. Es geht da überhaupt nicht um vegan. Zwischendurch hatte mal was mit vegetarisch, weil er sagte, er hat für irgendeinen Kunden Schweinemast oder so vertreten und seitdem ist er Vegetarier, aber auch nur so pseudomäßig und keine Ahnung. Also es geht jetzt nicht um vegan, aber hier geht es dann um Greenwashing und um Nachhaltigkeit. Und Schein und Sein usw. Also ich würde sagen, lies es.

Carsten Ja, kann ich auch dazu sagen es ist sehr schnell zu lesen. Also es ist nicht so, dass man da jetzt irgendwie Tage investieren muss, um sich da durchzuackern. So jetzt nicht. Es ist relativ flüssig geschrieben.

Stefanie Ja, genau. Es ist auf jeden Fall ein paar Stunden wert.

Carsten Genau. Gut, in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss, Auf Wiedersehen.

Folge 21 - Veganer sind einfach die besseren Menschen

Ein Beitrag

Folge 21 - Veganer sind einfach die besseren Menschen

In dieser Folge

  • fassen wir uns ausnahmsweise einmal kurz und
  • gehen der Aussage nach Veganer seien einfach die besseren Menschen,
  • um zu ergründen wo diese Aussage eigentlich herkommt und wie sie zu uns passt.

Als ich noch Vegetarierin war, habe ich friedlich mit Omnivoren den Tisch geteilt. Ich habe kein großes Aufheben um meine Art der Ernährung gemacht und die anderen haben sich auch nicht daran gestört.

Vielleicht hatte ich mich über die Jahre hinweg auch so gut angepasst, dass ich Chamäleon-gleich in jede Gesellschaft passte.

Jedenfalls änderte sich die Wahrnehmung schlagartig, als ich Veganerin wurde.

Seitdem wird nicht nur meine Entscheidung kritisch hinterfragt, mir wird auch noch pauschal unterstellt, ich würde mich für etwas besseres halten.

???

Wird man gleich heilig gesprochen, wenn man sich entscheidet vegan zu leben?

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute wollen wir uns mal ausnahmsweise ganz kurz fassen. Und zwar geht es heute darum, dass Veganer einfach die besseren Menschen sind.

Carsten Ja, damit ist eigentlich alles gesagt.

Stefanie Genau. Und tschüss.

Carsten (lacht)

Stefanie Ja. Okay, gut, diesen Scherz haben wir, glaube ich, letztes Mal auch schon gemacht. Dass damit alles gesagt ist. Okay, gut. Also, wir wiederholen uns offensichtlich. Ja. Also, im Grunde geht es darum, dass ich schon des Öfteren darauf angesprochen wurde, dass sich manche Veganer·innen einfach für bessere Menschen halten.

Carsten Ja, ich muss zugeben, ich kenne das nur so aus den Medien oder weil es schon eine Art Running Gag ist. Mir selber ist das noch nicht untergekommen, dass man mir gegenüber behaupten würde, ich würde mich als was besseres empfinden.

Stefanie Na ja, mir wurde das tatsächlich auch noch nicht unterstellt, aber tatsächlich sehr intelligente Menschen, behaupte ich jetzt mal, also wirklich intelligent, nicht ironisch intelligent, haben gesagt, dass es Menschen gibt, die sich ja dann eben für was Besseres halten. Deswegen scheint es ja dieses Phänomen zu geben. Ich frage mich nur warum? Warum sind denn Veganer·innen die besseren Menschen?

Carsten Ich glaube, das geht gar nicht darum, dass ein·e Veganer·in sich in irgendeiner Art und Weise als was besseres darstellt, sondern ich glaube, die vegane Sichtweise ist konfrontierend, weil sie hinterfragt. Und sie hinterfragt halt Dinge, in die wir quasi alle hineingeboren wurden, die wir so nicht hinterfragen, die für uns oder für die breite Mehrheit eben Normalität ist. Und wenn ich das natürlich hinterfrage, ist das erstmal unbequem und vielleicht wird diese unbequeme Unbequemlichkeit als besserstellend empfunden. Also ich kann mir das nicht anders erklären. Ich weiß es nicht.

Stefanie Ich hatte im Vorfeld tatsächlich mal bei - jetzt heißt es Startpage, vorher Ixquick, weil ich ja versuche nicht über Google zu suchen - einmal eingegeben „Veganer bessere Menschen“ und bin dann auf verschiedene Artikel gestoßen zu diesem Thema, die genau so titeln „Sind Veganer die besseren Menschen?“ und so in der Art und habe dann mir einen Artikel angeguckt, der - ich weiß jetzt nicht wie alt der war, aber ich bekomme ihn jetzt nicht mehr ganz zusammen - aber was mir halt noch im Kopf geblieben ist, ist, dass der Autor des Artikels irgendwie erzählt hat, dass er mit einer Frau zusammen gekocht hat, die wohl vegan lebt. Ich weiß jetzt nicht, in welchem Kontext er sie kennengelernt hat. Es schien jetzt nicht seine feste Partnerin zu sein und dann fing es irgendwie an, so dass sie sagte „Aha, rote Beete, das sieht aus wie Blut, wenn du das schneidest.“ und er dann gesagt hat „Ja, was isst du denn eigentlich so?“ Und dann sagte sie „Nudeln und Erdnussbutter“ und dann hat der Autor geschrieben da wäre ihm das erste Mal der Gedanke gekommen Veganer sind gar nicht die besseren Menschen.

Ja, und das fand ich total skurril. Also so erst mal eine Person rauszupicken, die sich so ernährt, dann von dieser einen Person auf alle zu schließen, so wie alle Schwarzen, alle - keine Ahnung – Harzer, was weiß ich. Also was man alles noch so diskriminierend sagen könnte. Alle Reichen, alle Lehrer·innen, alle Zahnärzt·innen, alle keine Ahnung was. Alle sind einfach gleich. Alle Frauen können nicht Auto fahren. Alle Männer, was weiß ich. Also, jedenfalls, da darfst du dann einsteigen. Das fand ich schon mal skurril. Und dann dieses ja sehr merkwürdige Beispiel.

Carsten Also ich fand das gerade auch sehr merkwürdig.

Stefanie Ich meine, du hast es vorher nicht gelesen. Ich habe es Dir gerade erst erzählt - es ist ja live sozusagen. Für dich, die·der du zuhörst ist es nicht mehr live.

Carsten Live on tape.

Stefanie Genau, ich erzähle das Carsten gerade. Wir haben kein Skript, wir haben nur beschlossen, wir müssen jetzt mal darüber reden. Ja, also ich fand das total komisch.

Carsten Ja, gut. Also. Aber es zeigt ja, dass es durchaus diese Meinung gibt. Wie auch immer die gebildet wird.

Stefanie Ich habe ja auch häufiger schon bei diesen Kommentaren unter irgendwelchen „Veganer sind so und so“ oder „Das ist vegan“ oder was auch immer Artikeln oder Videos gelesen, dass eben dann da stand, ja, ihr seid auch nicht die besseren Menschen und dann so in diese Richtung zu argumentieren. Ich finde aber, dieses Argument kommt ganz häufig vor. Also entweder sie sind halt nicht die besseren Menschen oder zu sagen „Veganer sind die besseren Menschen“ und ich verstehe einfach nicht, wo das herkommt.

Carsten Also wie gesagt, ich empfinde mich überhaupt nicht so. Mir ist es auch noch nicht begegnet, also scheine ich auch auf andere Leute noch nicht so...

Stefanie (lacht) Du scheinst noch nicht so… Hast noch nicht den Heiligenschein... polierst ihn noch...

Carsten Nee, vielleicht bin ich nicht militant genug, dass die Leute mich für was besseres halten oder glauben, ich würde mich selber. Genau.

Stefanie Ja, genau. Es geht ja nicht darum, dass sie denken, du bist wirklich was Besseres, sondern dass sie der Meinung sind, du würdest denken, du seist was besseres und würdest dann deine Meinung auf sie usw..

Carsten Also wenn, wenn ich so was ausstrahlen würde, dann denke ich, dass die Leute mich schon direkt darauf ansprechen würden, und sei es nur durch irgendeine neckische Bemerkung oder irgendeinen Seitenhieb.

Stefanie „Hältst Dich mal wieder für was besseres hier.“

Carsten Ja genau. Ach Scheiße, da kommen doch tausende Bemerkungen. Ich hab das schon verdrängt.

Stefanie Ist schon so normal geworden.

Carsten Genau. Natürlich und vor allem in diesem Tonfall.

Stefanie Und dann wirfst Du Dein Haar so nach hinten.

Carsten Ich weiß ja nicht, was Du so von mir denkst. Okay, lassen wir das. Mein Haar nach hinten...

Stefanie (lacht)

Carsten Dass ich das Haar nach hinten werfen kann...

Stefanie Genau. Also das Foto auf der Internetseite ist übrigens schon sehr, sehr, sehr alt.

Carsten Danke...

Stefanie Also so genug. Das war doch früher mit den langen Haaren?

Carsten Ja, sehr viel früher. Da gab es noch kein vegan. Da gab es den Begriff noch nicht.

Stefanie Doch, so alt bist du jetzt auch noch nicht.

Carsten Ach, verrate das jetzt nicht.

Stefanie Warte mal, vegan, das gibt es irgendwie seit 1930 oder so.

Carsten Ja, ich weiß…

Stefanie Gut, also genug gescherzt. Also ja, Veganer sind einfach die besseren Menschen.

Carsten Fühlst du dich als Veganerin überlegen?

Stefanie Mir geht es auch überhaupt gar nicht darum, überlegen zu sein. Mir geht es um die Tiere.

Carsten Also deswegen machst du vegane Ernährung.

Stefanie Jetzt hör auf! Geh. Hier, die Scheidungspapiere und dann geh.

Carsten Genau. Den Tieren hinterher. Genau.

Stefanie Ja, also, ja, ich mache das wegen der Tiere. Und ich mache das auch nicht, um ein besseres Gewissen zu haben, sondern einfach, weil ich möchte, dass die Tiere leben können bzw. ich möchte eben nicht, dass sie wegen mir sterben. Ich weiß, dass trotzdem Tiere sterben, das weiß ich.

Carsten Ja klar, aber du minimierst es halt.

Stefanie Ja, ist es ein Versuch. Aber ich kann es nicht vor mir selbst rechtfertigen. Ich lerne ja auch immer noch dazu. Ja, ich weiß, dass trotzdem Tiere wegen mir sterben, weil ich eben einfach nicht alles bedenken kann. Aber es ist auch nicht das Ziel von mir, perfekt zu sein. Wir können einfach nicht perfekt sein.

Carsten Wir können es halt vorleben. Das sind so Kleinigkeiten. Auch wenn das jetzt thematisch in eine ganz andere Richtung geht und auch ein bisschen kleiner angesiedelt ist vom Beispiel, aber hier in Hamburg, im HVV ist es ja so, dass dort immer so Plakate in den Bussen hängen mit dem Hinweis, dass die Fahrgäste doch gerne vorne einsteigen mögen und dann auch die Karte vorzeigen. Ich habe das an ganz vielen Bushaltestellen, wo alle Leute in alle möglichen Türen reinströmen, weil der Bus so voll ist. Und da denkt natürlich kein Mensch dran, so in geordneter Reihe sich vorne anzustellen und seine Fahrkarte vorzuzeigen, sondern die wollen einfach nur einen Platz ergattern und ignorieren halt diese Bitte. Das ist ja noch nicht mal irgendeine Anforderungen oder eine Aufforderung, sondern einfach eine Bitte. Und ich denke dann immer für mich okay, ich stell mich vorne an, einfach weil ich möchte, dass die anderen Leute sich auch so verhalten. Und wenn ich nicht mit dem gleichen guten Beispiel voran gehe, dann kann ich das auch nicht von anderen verlangen.

Stefanie Jetzt habe ich verstanden, worauf du hinaus willst.

Carsten Lange Rede, kurzer Sinn. Ja genau. Und ähnlich sehe ich das auch mit einer veganen Lebensweise. Ich mache das quasi für mich. Ich habe diesen Schritt gemacht und ich bin quasi eine Vorbildfunktion. Ich lebe anderen Menschen das vor. Aber jetzt nicht so.

Stefanie Dass du dich für was Besseres hältst.

Carsten Auch nicht so, so präsentativ wollte ich gerade sagen. So, dass ich mich jetzt nach vorne stelle und sage ich bin vegan und guck mal so funktioniert das. Sondern ich lebe einfach so mein Leben…

Stefanie Nicht so wie ich. Okay, also ja, du lebst dein Leben.

Carsten Ich lebe mein Leben und ich weiß, die Leute in meinem Umfeld wissen, ich bin Veganer. Ja, also die fragen sich dann zwischendurch natürlich auch okay, was isst er denn jetzt? Oder Das sieht ja lecker aus oder was macht er denn da? Und manchmal kommen auch ein paar blöde Sprüche, dann darfst du ja dies nicht und darfst du das nicht? Also dieses typische Verbot „Veganer dürfen nicht“. Als wenn es beim Vegan sein um Verbote geht ja, aber dabei belasse ich das dann meistens. Ich gehe also nicht rum und versuche zu missionieren.

Stefanie Nein, macht auch keinen Sinn.

Carsten Nein. Und mir geht es einfach nur darum zu sagen okay, ich bin jetzt für mich in meiner Haltungsweise ein Vorbild oder ein Statement. Ich mache es, ich zeige, es funktioniert so und erst dann, wenn ich diesen Punkt erreicht habe, kann ich auch verlangen in Anführungszeichen, dass andere Leute das auch machen. Ja, so und genauso ist es halt mit dem vorne einsteigen. Ich möchte ganz gerne, dass die Leute sich dann entsprechend auch daran halten.

Stefanie Schöne Metapher.

Carsten Eine sehr schöne Metapher und dementsprechend mache ich das auch so und ich fühle mich deswegen nicht besser oder so was, sondern das ist einfach ein Anspruch an mich selbst.

Stefanie Also mich würde jetzt noch interessieren, ob du, liebe·r Hörer·in, auch schon mal mit diesem „Veganer halten sich für was Besseres oder sind einfach die besseren Menschen oder sind nicht die besseren Menschen“ konfrontiert wurdest und wie du dich dazu positionierst, was du darüber denkst, das interessiert mich. Dich auch?

Carsten Mich auch, natürlich.

Stefanie Oder etwa nicht?

Carsten Doch… Wie gesagt, ich kenne es irgendwie nur aus den Medien.

Stefanie Und dass andere mir davon erzählen, dass es halt solche Menschen gibt und ich dann immer sagen muss: Aber ich bin doch gar nicht so. Ich sehe es halt einfach nicht.

Carsten So ist das auch so ein gesellschaftliches Bild eines Veganers. Aber kein·e Veganer·in hat das jemals für sich selber erlebt, also weiß ich nicht.

Stefanie Ja, also deswegen, uns interessiert das wirklich brennend, was du darüber denkst. Schreib uns gerne eine Email.

Carsten Teile uns einfach mit: bist du davon betroffen? Hast du so was schon erlebt oder merkst du einfach nur, es wird darüber gesprochen, aber du kennst selber kein Beispiel oder vielleicht auch keine Person, die sich damit konfrontiert sehen.

Stefanie Also wir sind sehr an deiner Meinung interessiert. Ja, und das war es jetzt tatsächlich auch schon. Wir wollen es ja heute kurz und knackig halten.

Carsten Genau viel mehr gibt es so nicht drüber zu sagen. Wir fühlen uns nicht als was Besseres, wir sehen uns auch nicht so.

Stefanie Und wir wollen auch gar nicht was Besseres sein. Wir wollen einfach nur mit unserem Gefühl im Reinen leben.

Carsten Genau so richtig.

Stefanie Wir folgen unserem Gefühl.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagen Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Der Artikel, über den ich spreche, ist hier zu finden:
http://www.taz.de/!5036388/

Und dann fühl Dich frei, einfach mal "Veganer bessere Menschen" in die Suchmaschine Deiner Wahl einzugeben...

Jetzt sind wir neugierig...

Wie siehst Du das mit den besseren Menschen? Hast Du eine Meinung dazu?

Dann erzähl uns davon sehr gern in den Kommentaren,

Carsten & Stefanie

Folge 20 - Vegan ist teuer (inklusive Buchrezension)

Ein Beitrag

Folge 20 - Vegan ist teuer

In dieser Folge

  • räumen wir mit dem Vorurteil auf vegan sei teuer,
  • stellen wir Dir das Buch "Vegan aber günstig" von Patrick Bolk vor,
  • erzählen wir Dir von der NDR-Doku "Essen ohne Geld"
  • und erklären wir Dir was es mit Mundräubern, Fairteilern und Containern auf sich hat.

Nachdem wir nun sehr häufig mit der Aussage "Vegan ist teuer" konfrontiert wurden, ist es Zeit für eine Podcastfolge zu diesem Vorurteil.

Vegan kann natürlich teuer sein, wenn Du nur Superfoods, Ersatz- und Fertigprodukte isst.

Das ist aber bei einer nicht-veganen Ernährung genauso.

Generell zahlen wir immer einen Preis für unsere Bequemlichkeit- in allen Lebenslagen, manchmal zahlen wir mit Geld, manchmal mit unseren persönlichen Daten, manchmal mit unserer Freiheit, manchmal mit unserer Gesundheit.

Nichts ist so eindimensional wie es scheint oder manch einer es gerne hätte.

Das Leben ist bunt und vielfältig und genauso ist auch die vegane Ernährung.

Du kannst Dir einen Hochleistungsmixer kaufen- musst Du aber nicht.

Du kannst jeden Tag ins Restaurant gehen - musst Du aber nicht.

Es ist immer eine Frage der Priorisierung und daran entscheidet sich auch, ob vegan teuer ist oder nicht.

 

Links zur Folge

Transkript (Korrektur gelesen von Wolfgang R.)

Stefanie In dieser Folge müssen wir uns leider mal outen. Wir gehören zur absoluten Oberschicht.

Carsten Ja, dem Lotteriegewinn sei Dank. Wir haben es geschafft. Wir können jetzt vegan leben. Wir können es uns leisten.

Stefanie Wir haben keinen Lotteriegewinn. Ich wollte eigentlich damit sagen, wir sind einfach von Natur aus stinkreich.

Carsten Ach so.

Stefanie Welche Lotterie? Okay, also Scherz beiseite. Es geht heute um das allgemein bekannte Vorurteil, vegan sei so teuer.

Carsten Ja.

Stefanie Und passend dazu habe ich nochmal einen Artikel raus gekramt, der in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen ist. Und ich bin auf den Artikel aufmerksam geworden, weil ich bei Claudia Renner auf dem Blog war (www.claudia-renner.de), die seit fünf Jahren Veganerin ist. Sie ist Vegancoach. Sie hilft Menschen bei ihrem veganen Neustart. So jedenfalls habe ich das bei ihr gesehen. Sie hatte sich so über den Artikel echauffiert, dass sie einen Leserbrief geschrieben hat und den auf ihrem Blog veröffentlicht hat, weil sie der Meinung war, dass die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, nicht die FAZ, sondern die Sonntagszeitung. Also ist das dann die FASZ, oder?

Carsten Keine Ahnung.

Stefanie Ja, jedenfalls, dass die das sowieso nicht drucken werden. Von daher hat sie gedacht, sie nutzt ihren Blog dafür. Da bin ich ja darauf aufmerksam geworden. Und da wir jetzt ja mal über „Veganes ist so teuer“ sprechen wollen, es ist halt so ein Eliteding.

Carsten Gönnt man sich genau das.

Stefanie Also wenn du nicht irgendwie 10.000 € im Monat verdienst, dann tut es mir leid. Solltest du jetzt mal wirklich wieder zurückkehren zum Fleischessen?

Carsten Genau. Ja, eben.

Stefanie Ich wollte mal die letzten beiden Absätze zitieren aus diesem Artikel, damit wir wissen, worum es geht. Der Artikel ist von Lucia Schmidt geschrieben worden, der Redakteurin im Ressort Leben der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Und der titelte mit „Die Hysterie um Milch“, vom 5. 04. 2016. Also nicht mehr ganz aktuell.

Carsten Aber noch einigermaßen frisch.

Stefanie Ja, also ich verlinkt den auch. Sie schreibt da halt so ein bisschen: was denn jetzt auf einmal los ist, Milch sei schon wieder ungesund? Was soll das denn? Zitiert dann ja auch Studien vom „Max Rubner Institut“ , die ehemalige Milchforschungsanstalt, die deswegen gegründet wurde, um die Milch voranzubringen.

Carsten Aber sie sind halt objektiv.

Stefanie Genau, das sind halt Experten. Zitat: „Es gibt Menschen, die ernst zu nehmend unter Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten leiden. Ihnen muss geholfen werden. Alles andere sind selbstgemachte Probleme. Luxusfragen der Oberschicht. Vegane, gluten- oder laktosefreie Ernährung ist teuer, benötigt Zeit. Wer früher nach Weißbrot oder Milchreis Bauchschmerzen bekam, hat davon eben nicht mehr häufig gegessen. Das war die einfache Konsequenz, ganz ohne große Aufregung und Ideologie. Heutzutage aber wollen wir alles und auf nichts verzichten.“ Da stimme ich ihr tatsächlich zu. Wir wollen tatsächlich alles und auf nichts verzichten. Das stimmt schon, das gehört so zum Mainstream dazu. Diese Errungenschaft, wovon wir jetzt erst durch den Wandel zum Veganen hin uns kritisch mit auseinandersetzen. Aber sie sagt ja hier die Oberschicht.

Carsten Luxus.

Stefanie Überhaupt das die halt das gerade nicht macht. So, also dann geht es weiter. „Neben zahllosen weltanschaulichen bis fanatischen Ernährungstrends legen wir heute übrigens auch große Anstrengungen da hinein, wieder mehr Natürlichkeit in unser Leben zu bringen. Wohnen, Reisen, Kosmetik alles steht unter dem Motto back to nature. Das sind zwei parallel verlaufende gesellschaftliche Trends, die sich doch eigentlich widersprechen.“ Und dann der letzte Satz in diesem Artikel „auf Berghütten, auf die wir heute ziehen, um uns eine Auszeit zu nehmen, um abzuschalten und achtsam mit uns selbst zu sein, gibt es natürlicherweise keine Mandelmilch.

Carsten Schade, dann fahre ich nicht zur Berghütte. Mist.

Stefanie Ja, verdammt. Wann habe ich das letzte Mal Mandelmilch getrunken?

Carsten Dann nehmen wir sie einfach mit.

Stefanie So endet es also. Da sind 80 Kommentare drunter unter dem Artikel. Ich habe nur so ein bisschen rein gelesen. Und ich gebe ja zu. Also es ermüdet mich immer, diese Kommentare zu lesen, weil dann immer „hin und her“ und „Hick und Hack“. Dann wird aufeinander eingehackt. Also von daher, es macht keinen Sinn. Aber es scheint tatsächlich weitverbreitet zu sein, dass vegan teuer sein muss.

Carsten Dieser Lebensstil, also sie hat es ja jetzt nicht explizit vegan genannt, sondern laktosefrei und...

Stefanie ….aber sie sagt „vegane, gluten- oder laktosefreie Ernährung“. Also ich sehe das so, als wären das verschiedene Arten von Ernährung, dass du dich vegan oder gluten- oder laktosefrei ernährst.

Carsten Vegan, ja gut, aber sie Sie umreißt es halt. Du hast recht, das vegan hatte ich ja gerade gar nicht mal so wahrgenommen. Ich hätte mich mehr so auf Gluten konzentriert.

Stefanie Gluten. Wir haben ja Gott sei Dank keine Glutenunverträglichkeit.

Carsten Nein.

Stefanie Wir diskutieren ja jetzt hier Luxusfragen in unserem Podcast. Definitiv. Wenn Du also keine 10000€ im Monat verdienst, dann kannst du jetzt abschalten. :-)

Carsten Tut mir leid, das ist völlig aussichtslos. Also. Ja, geht gar nicht. Ja.

Stefanie Scherz beiseite. Das ist jetzt nur mal so als Ausgangspunkt. Das scheint weitverbreitet zu sein. Man trifft ja auch zwischendurch darauf. Es wird ja auch so ein bisschen geschürt durch diese teuren Ausstattungen. Ich meine, dass ich das bei Attila Hildmann auch schon in seinem Kochbuch gelesen habe, dass man sich auch schleunigst so einen Vitamix zulegen soll.

Carsten Nun mal genau den teuersten von allen.

Stefanie Genau. Also wir haben ja immer noch unseren Pürierstab. Wobei ich jetzt gestern oder vorgestern im Internet gesehen habe, weil ich auf der Suche war, ob ich denn jetzt die Blätter von den Kornblumen, die bei uns jetzt als essbare Blüten wachsen, essen kann. Ob ich die den Smoothie tun kann, weil wir so viele Kornblumen auf dem Balkon haben.

Stefanie Bin ich auf einem einer Internetseite gelandet, wo es um grüne Smoothies ging und da stand dann bloß nicht mit dem Pürierstab.

Carsten Aber warum? Hat er das auch ausgeführt?

Stefanie Das würde nicht schnell genug zerhäckseln, nicht fein genug. Dadurch würde das nicht nährstoffreich sein, also sogar schädlich.

Carsten Aber wenn ich das Grünzeug so esse und kaue, muss ich dann schneller kauen, damit sich die Nährstoffe freisetzen?

Stefanie Dann brauchst du Hochleistungszähne?

Carsten Ja.

Stefanie Geh mal zum Zahnarzt. Also, ich schätze, dass das wieder so eine Seite war, die halt mir ein Mixer verkaufen will.

Carsten Eigentlich so hintenrum, wie bei Provision von Vitamix bei Attila.

Stefanie Also gut. Wir müssen zugeben, als unser Pürierstab kaputt gegangen ist haben wir uns für 20 Euro einen neuen gekauft. Erst mal, wir sparen auch noch auf unseren Hochleistungsmixer.

Carsten Jetzt hast du verraten, dass wir gar nicht so viel Geld haben. Mist.

Stefanie Mist, Ja, okay.

Carsten Wir schalten hier ab. Peinlich. Ja. Na gut. Also.

Stefanie Also, wir sparen ja noch auf unseren Hochleistungsmixer, den wir uns wirklich irgendwann mal leisten möchten.

Carsten Ja, klar.

Stefanie Also, es macht schon Sinn. Wir haben nichts gegen Hochleistungsmixer. Nur wir sind halt schon der Meinung, dass man durchaus mit einem Pürierstab anfangen kann.

Carsten Ja, definitiv. Also das, was wir im Moment mit dem Stab alles hinbekommen Wir kriegen Smoothies hin.

Stefanie Auch Aufstriche. Sonst müssen wir gar nichts hinkriegen.

Carsten Aufstriche klingt jetzt wenig, aber im Grunde machen wir sehr viel damit.

Stefanie Auch Füllungen für diverse Gerichte, sei es eine Tarte. Wenn du da mal was pürieren muss.

Carsten Wir wollten aber nicht über Pürierstäbe reden

Stefanie Nein, wir wollen heute auch noch das Buch Von Patrick Bolk „Vegan, aber günstig. Spar dir das Tier“ vorstellen.

Carsten Ja.

Stefanie Und noch über unsere Einkaufsgewohnheiten sprechen.

Carsten Gewohnheiten. Was kostet uns eigentlich unsere vegane Ernährung?

Stefanie Ja, wobei wir das ja noch nicht so ganz raus haben.

Carsten Wir versuchen das noch zu analysieren und mal ein bisschen zu berechnen Was kostet uns so ein normales Mittagsgericht? Da bin ich aber noch nicht so weit. Also da kann ich jetzt weder in diesem Podcast noch in den nächsten Wochen irgendwas vorweisen. Aber das wird auch nochmal interessant sein. Aber vom Gefühl her, das ist nicht so sehr viel, was wir im Moment ausgeben. Das ist normal. Aber bevor wir vegan geworden sind, haben wir auch nicht viel mehr fürs Essen ausgegeben.

Stefanie Es ist jetzt eben eine Verschiebung, so dass man jetzt nicht mehr einkauft, andere Sachen genau.

Carsten Was wir kaufen oder was wir denn jetzt tatsächlich essen können, ohne dass es allzu teuer wird. Da hattest du jetzt gerade das Buch „Vegan, aber günstig“ genannt.

Stefanie Ich halte es mal hoch - in die Kamera.

Stefanie Du hattest das noch gar nicht gelesen. Es ist tatsächlich nicht nur ein Kochbuch, sondern...

...ich muss mal eben kurz gucken. Die Rezepte fangen bei Seite 87 an und das ganze Büchlein hat 141 Seiten, also mehr als 2/3 des Buches ungefähr sind Tipps. Sowie Hintergrundinformationen, wie man eben Geld sparen kann und das finde ich sehr gut. Also das Büchlein kostet nur 10 € und ich empfehle es jedem. Es ist sehr sinnvoll, wenn du dir überlegst, wie du Geld sparen kannst. Dann ist es auf jeden Fall total sinnvoll. Die Rezepte sind fast ohne Bilder. Am Ende ist noch so das Sparweihnachtsmenü drin. Da sind drei Bilder, aber sonst ist es halt ohne Bilder. Ich habe auch schon ein paar Gerichte daraus gekocht. Ich versuche immer aus den Kochbüchern, die ich kaufe, erst mal alles mögliche durchzukochen, weil ich dann erst mal alle ausprobieren will. Ich habe nicht alles gekocht, weil mich nicht alles anspricht. Es gibt ja verschiedene Arten von Käse Soßen sozusagen. Also mit Hefeschmelz und hier habe ich jetzt eigentlich sozusagen die perfekte Käsesoße draus entwickelt aus dem Hefe Schmelz. Das ist also für für das Kind vor allem, dass es immer nach Käse schreit, aber problemlos zufrieden ist mit unserem pflanzlichen Käse. Das ist völlig akzeptiert. Also jetzt zum Beispiel aus „La veganista backt“ den Pizzateig dazu den Hefeschmelz aus „Vegan, aber günstig“ und es schmeckt super.

Carsten Ja, das schmeckt.

Stefanie Also ich mixe jetzt tatsächlich so ein bisschen die verschiedenen Arten. Also ich muss zugeben, ich bin durch dieses Buch auch ein bisschen experimentierfreudiger geworden, wobei ich wirklich eher experimentiere beim Backen als beim Kochen. Beim Kochen kriege immer Schweißausbrüche, wenn ich improvisieren muss. Ich kann besser nach Rezept kochen.

Carsten Okay, ich meine, wir haben ja auch mittlerweile schon einige Bücher und gute Rezepte und da haben wir uns auch richtig schön eingefunden. Also es ist jetzt nicht so, dass wir händeringend nicht wissen, was wir jetzt essen sollten.

Stefanie Ja, also ich kann ja immer so ein bisschen sagen, was in dem Buch so drin ist. Also es geht erst mal um Vegan einkaufen und Geld sparen. Da gibt es so basic Tipps, eigentlich viele Sachen, die wir auch schon machen. Also klar, grundlegende Tipp, den man auch schon immer befolgt hat, wenn man gerade der Meinung ist, man darf nicht mehr zunehmen, kaufe niemals hungrig ein. Das ist so, weil du dann immer irgendwelchen Schwachsinn kaufst.

Stefanie Oder zu viel oder was auch immer. Also das ist so. Ja und dann sagt er schreibt dir eine Einkaufsliste, das machen wir ja auch. Also meistens setze ich mich hier entweder freitags oder samstags morgens hin und suche die Rezepte für die kommende Woche raus. Da ich jetzt für unseren Sohn, für die Kita dann auch noch mit kochen muss und ich so Komponenten quasi von dem, was er in der Kita bekommt, berücksichtigen kann. Also bei denen ist es so, dass sie alles in einzelnen Töpfen geliefert bekommen. Also wenn es Nudeln mit Soße gibt, dann gibt es die Nudeln extra. Das heißt, ich kann die Nudeln schon mal nutzen, die er bekommt und gebe ihm einfach nur eine Soße mit. Damit es vegan ist. So muss ich jetzt immer das noch mit einbeziehen. Vorher war es einfacher, weil ich dann einfach nur für uns beide jetzt gekocht habe. Jetzt koche ich für uns drei, was jetzt von der Portionsgröße nicht unbedingt viel mehr bedeutet.

Carsten Der muss aber ja noch gross und stark werden.

Stefanie Jetzt muss ich halt eben gucken für unseren Sohn, dass wir das halt vom Kindergarten berücksichtigen, wenn es da irgendwie Kartoffeln noch gibt, dann kann ich gucken, dass ich da irgendwie was dazu mache. Manchmal, oder sagen wir mal so häufiger, gibt es dann eben Sachen, wo wirklich dann eben Milchprodukte oder irgendwas drin ist. Also danach richte ich mich und ich setze mich halt hier hin und gucke die Kochbücher durch und dann suche ich Gerichte wirklich für die ganze nächste Woche raus und schreibe die Zutaten auf. Auch getrennt in Obst und Gemüse. Alles was wir - was du - dann beim Hofladen besorgst und alles, was für uns dann beim Budni oder im Supermarkt gekauft wird. Und dann gebe ich Carsten die beiden Listen und dann geht er los.

Carsten Und ich bin der Einkaufsexperte. Wo gehe ich denn jetzt einkaufen oder wie haben wir uns organisiert? Bei uns ist es so, dass wir den sehr großen Vorteil haben, dass wir in greifbarer Nähe einen Hofladen vorfinden. Der hat einen Teil des Angebotes aus Eigenanbau, also Obst, teilweise auch Gemüse oder jetzt gerade Himbeeren und Erdbeeren. Und das sind natürlich so Sachen, die extrem günstig sind. Also wenn ich mir jetzt anschaue, ich kriege da ein Kilo Bio- Äpfel für 1 €.

Stefanie Oder 1,30 €, ja, das ist schon total günstig. Hier im Rewe kostet es das Doppelte.

Carsten Ja, also und die Dinger sind halt frisch, kommen direkt von diesem Hof. Aber ich bekomme auch mehr als nur Obst, sondern ich kriegt glaube ich so 80 bis 90 % dessen, was wir an Obst und Gemüse eigentlich brauchen, direkt bei diesem Hofladen.

Stefanie Wobei ich dann wieder gedacht habe, so, die importieren auch Sachen. Er hat nämlich dann Zwiebeln aus Neuseeland. Ich habe eigentlich mich darauf verlassen, dass wenn ich im Hofladen einkaufe, das auch wirklich regional ist. Das hat mich dann so ein bisschen, dass es dann eigentlich so wie auf dem Wochenmarkt vorher, bevor wir hierhin gezogen sind, hast du ja immer auf dem Wochenmarkt eingekauft. Da ist natürlich noch viel mehr Auswahl.

Carsten Ja, gut, wenn wir jetzt Auswahl bräuchten, habe ich ja auch, haben wir auch am Wochenende Wochenmarkt, Aber das ist jetzt hier mit dem Hofladen so zehn Minuten Fußweg.

Stefanie Das ist halt ziemlich praktisch. Aber sonst würde ich ja den Wochenmarkt empfehlen, was halt Frische angeht.

Carsten Dann haben wir eigentlich noch mal einen anderen kleinen Vorteil, und zwar auch in ungefähr greifbarer Nähe. Da müssen wir jetzt nur zehn Minuten Bus fahren, da habe ich einen türkischen Supermarkt und der ist natürlich genial, wenn ich Bohnen, Kichererbsen, Hülsenfrüchte, Linsen, Reis, Bulgur, Tahin etc. benötigen. Das könnte ich da wirklich in sehr, sehr großen Packungen kaufen.

Stefanie Sogar in Säcken.

Carsten Bei Reis sind zehn oder 15 Kilo Säcke. Das ist schon ziemlich cool. Haben wir jetzt noch nicht gekauft, aber da holen wir zumindest Bohnen und Kichererbsen so was in größeren Verpackungen her. Natürlich auch Tahin, das ist Sesam, wo es für diejenigen, die es noch nicht kennen, das ist eigentlich etwas, was ich so im normalen Biomarkt kenne und dort vom Preis her auch in die obere Preiskategorie schieben würde. Also nicht ganz günstig, aber ich bekomme es jetzt hier beim türkischen Supermarkt, also für die Hälfte des Preises, was ich normalerweise bezahle.Sogar noch günstiger, wenn ich das hochrechne. Das sind so Sachen, die müsste man oder die würde ich jedem empfehlen, einfach mal in Erfahrung zu bringen, ob solche Einkaufsmöglichkeiten generell irgendwo existieren. Jetzt hier in Hamburg ist natürlich aufgrund der Großstadtsituation diese Möglichkeit größer, so was zu finden. Aber ich denke mal, es muss ja nicht unbedingt ein türkischer Supermarkt sein, es können ja asiatische Supermärkte oder so was sein. Da gibt es mit Sicherheit einige von den Lebensmitteln, die man normalerweise so in den veganen Ernährungsalltag einbringt. Auch günstiger, als wenn ich jetzt direkt im Bio oder eigentlich im Biomarkt schaue. Biosupermarkt oder Budni in Hamburg hat eben auch das Alnatura Sortiment. Also das sind so Sachen, die wir halt nutzen, wo ich jetzt Abstand von nehme sind natürlich so Superfoods.

Stefanie Am Anfang haben wir das auch gemacht.

Carsten Ja klar.

Stefanie Ich meine, da waren wir so neu und dann hieß es noch, du musst das machen.

Carsten Aber sie sind ja da, muss ich zugeben, das ist natürlich auch so ein Eindruck. Wenn du jetzt so Bücher liest wie von Attila Hildmann oder „No meat athlete“ und solche Sachen? Da taucht ganz häufig dann auch schon mal so das eine oder andere Superfood mal auf. Matschatee, Chiasamen. Muss ich Iowas unbedingt haben?

Stefanie Vor allem auch zum Beispiel Chiasamen. Das war ja jetzt so der Hype. Und eigentlich sind Leinsamen genauso.

Carsten ...die bekommst Du auch ganz günstig.

Stefanie Mehr machen wir eigentlich gar nicht mehr. Ich würde noch dazu raten, die Preise auch zu vergleichen in den verschiedenen Supermärkten. Ich weiß, dass es einfacher ist, immer nur zu einem zu gehen, aber es macht schon Sinn. Also ich sehe das vor allem bei der Schokolade. Weil meine Lieblingsschokolade kann Preisunterschiede von mindestens 0,30 € aufweisen.

Carsten Da kommt mir gerade noch eine Idee. Was den Preisvorteil betrifft, den man beim Einkaufen mit einkalkulieren kann. Grundnahrungsmittel selber kochen. Das ist natürlich der Schlüssel, sich günstig zu ernähren. Wenn ich jetzt natürlich hingehe und sage, ich möchte immer nur irgendwelche Fertigkost haben. Das ist unter Umständen tatsächlich teurer.

Stefanie Das ist es, was das Vegane teuer macht. Wenn Du also meistens Ersatzprodukte und Fertigprodukte kaufst, dann ist das natürlich deutlich teuer. Außerdem kommen immer wieder Berichte oder Fernsehsendungen darüber, dass das nicht gesund ist. Fertiggerichte sind generell einfach nicht so gesund.

Carsten Wenn ich Junkfood kaufe, egal ob vegan oder nicht. Ja, das ist halt Junk Food.

Stefanie Es macht auf jeden Fall Sinn, selber zu kochen. Es ist günstig, bedeutet meistens auch immer noch ein bisschen mehr Zeitaufwand. Wenn ich viel selber mache, dann ist es günstiger. Aber es bedeutet eben auch, dass ich viel Zeit aufwenden muss. Je nachdem, was ich jetzt gerade selber mache, dass ich zahle für die Bequemlichkeit. Um nochmal auf das Buch „Vegan, aber günstig“ zurückzukommen. Er sagt auch: Stell einen Essensplan für die Woche auf. Größere Mengen kaufen. Teil Dir dein Budget ein. Das machen wir auch. Wir haben uns auch überlegt, wie viel wir im Monat für Essen ausgeben wollen und teilen das dann eben ein und machen das dann auch so, dass wir am Anfang des Monats dieses Geld komplett abheben und das eingeteilte in eine Dose legen und dann den benötigten Teil für den Einkauf herausnehmen.

Carsten Ich bin wahrscheinlich der einzige ITler weltweit, der tatsächlich noch darauf beharrt, mit Bargeld zu bezahlen.

Stefanie Ich zahle mit dem Bargeld, aber auch aus Datenschutzgründen. Patrick Bolk schreibt in seinem Buch, dass man dann einen besseren Überblick hat über das Geld und was einem zur Verfügung steht. Und das stimmt natürlich auch. Also bei mir ist es definitiv auch Datenschutz. Aber wenn du immer mit EC Karte zahlst, dann verlierst du total schnell den Überblick über das, was du noch auf deinem Konto hast. Deswegen finde ich es auch sinnvoller, diesen ganzen Batzen, den man jetzt im Monat für Essen ausgeben will, dann erst mal abzuheben und dann zu lagern und dann nur im Notfall nochmal ans Konto zu gehen.

Carsten Also ich muss sagen, bei mir wirkt sich das mittlerweile so aus, dass ich auch wirklich nur die Menge an Geld ausgebe, die ich gerade im Portemonnaie habe. Wenn ich gerade kein Geld im Portemonnaie habe, dann ist diese Option mit EC Karte zu bezahlen, bei mir eigentlich gar nicht mehr vorhanden. Also das kommt mir gar nicht in den Sinn. Ich stehe dann da und denke: Wo ist der nächste Geldautomat? Total krass, aber so habe ich mich schon wieder an dieses Bargeld gewöhnt.

Stefanie Da habe ich dich gut konditioniert. Sehr schön. Früher haben die Männer den Frauen das Haushaltsgeld. Mache ich das andersrum mit dir?

Carsten Ja, verstanden. Genau.

Stefanie Scherz. Ja. Wir empfehlen Dir, wann immer möglich bar zu zahlen. Was noch? Eigenmarken statt Markenprodukten, Angebote nutzen, Ware kurz vor der Mindesthaltbarkeit. Im Reformhaus ist es ja meistens etwas teurer, aber wenn ich da hingehe, um mir zum Beispiel Brot oder Schokolade zu kaufen, dann schaue ich in die Kühltheke, was sie gerade so haben. Und wenn da was reduziert ist, was ich gerne mitnehmen möchte, dann nehme ich das mit. Aber sonst kaufe ich im Reformhaus mittlerweile schon wieder sehr selten.

Carsten So so.

Stefanie Das meiste kriegen wir jetzt auch eben anderswo. Wir brauchen ja auch keine Goji Beeren oder Maulbeeren. Die haben wir wieder aus unserem Plan gestrichen. Backwaren vom Vortag. Die werden ja meist direkt nach Ladenschluss weggeworfen. Aber da gibt es übrigens jetzt hier in Hamburg ein Projekt von „Hinz und Kunz“ - der Straßenzeitung. Die haben mit einer ortsansässigen Bäckerei ein ein Brotretter Projekt aufgezogen. In einem Pilotprojekt wird in einem Shop das Brot vom Vortag verkauft. Und das macht „Hinz und Kunz“, also Arbeitslose und Obdachlose, die da dann jetzt auch noch eine Job haben. Die verkaufen nun Brot, Brötchen und Allerlei vom Vortag.

Carsten Die Bäckerei liefert es dahin?

Stefanie Nein, die holen das da ab. Also die fahren dahin und holen es ab. Die müssen tatsächlich bis nach Lübeck fahren, weil die Bäckerei den Sitz in Lübeck hat. Dann holen die das aus Lübeck ab und liefern das dann in diesen Laden. Und es kommt richtig gut an.

Carsten Der ist auch eine super Idee.

Stefanie Die verkaufen von morgens um acht bis alles weg ist. Ja und meistens ist es halt ganz schnell weg und das kommt richtig gut an.

Carsten Du hast also ein Hammer geiles soziales Projekt, bringst Leute in Lohn und Brot. die vorher wirklich in prekären Verhältnissen gelebt haben, denen gibt es jetzt eine Chance. Und du verschwendest halt dieses Brot nicht mehr. Ich weiß nicht, was damit passieren würde, wenn es nicht verkauft würde. Wahrscheinlich würde es irgendwie im besten Fall noch gehäckselt und dann wird es Paniermehl.

Stefanie Oder Tierfutter.

Carsten Ich könnte mir vorstellen, dass da auch ziemlich viel Brot und Backwaren vernichtet wird, Das kommt halt wieder in den Kreislauf und schmeckt ja nicht unbedingt deswegen schlechter.

Stefanie Ja, da kann ich vielleicht gerade den Schwenk machen. Wir haben eine NDR Doku gesehen „Essen ohne Geld“. Die können wir auch empfehlen, die verlinken wir auch. Da war auch ein Student, der das getestet hat, wie man in Hamburg ohne Geld etwas zu essen bekommt. Der hat verschiedene Möglichkeiten getestet, wie man ohne oder mit wenig Geld etwas zu essen bekommt. Unter anderem ist er eben auch auf dem Hamburger Fischmarkt morgens gewesen. Bevor der geschlossen wurde hat er dann so einen Megakorb für 5 € ergattert.

Carsten Weil die Händler es einfach verkaufen bevor sie es wegschmeißen. Da bekommt man wirklich horrende Mengen für wenig Geld.

Stefanie Ich schau nochmal in das Inhaltsverzeichnis des Buchs nach weiteren Tipps. Welche veganen Produkte sind teuer und welche nicht,? Wo kaufen Veganer ein? Ganz klar, Veganer können überall einkaufen.

Carsten Ja das geht.

Stefanie Er will damit sagen, die Veganer müssen nicht alle beim „Veganz“ einkaufen. Du kannst auch Kräuter und Pilze sammeln. Am Besten mit vorheriger Anleitung bei einer entsprechenden Wanderung. Dann gibt’s das Projekt Mundraub.org. Dort sind auf eine Karte europaweit Orte markiert, wo es ja freies Obst und Gemüse gibt, was man „mundräubern“ kann.

Carsten Also wenn im Park irgendwie ein Apfelbaum steht, ist der verzeichnet und dann kann man da hingehen und sich Äpfel pflücken, wenn sie reif sind.

Stefanie In Berlin hat es angefangen, wie so viele Projekte in Berlin anfangen und da machen die auch schon Radtouren, wo sie dann zum Beispiel zu Apfelbäume oder Brombeerhecken fahren und die Plätze zeigen. Schau mal bei mundraub.org, ob bin Deiner Nähe auch bereits etwas eingezeichnet ist. Also es ist meistens eher so in Großstädten und im Umkreis darum so auf dem Land geht es da nicht so viel. Die meisten Leute dort haben aber selber was.Oder es gibt halt nichts, was angebaut wird. Also es geht eigentlich eher darum, dass essbare Städte entstehen, wie in „Tomorrow“. Das ist der Ansatz. Also ein ziemlich cooles Projekt. Oder selber anbauen. Das versuchen wir ja jetzt auch so, dass wir auf dem Balkon selber anbauen.

Carsten Ja.

Stefanie Das ist natürlich erst mal gut. Wir mussten ja jetzt auch erst mal ein bisschen in Erde und Saatgut investieren.

Carsten Kubikmeter Erde in den 2. Stock nach oben befördern.

Stefanie Also wir haben eine Aufzug. Oberklasse, Oberschicht, du weißt schon. Was noch? Selber machen. Einkochen, wie bei Omi. Dörren, Gesichtspflege selber machen. Günstig vegan kochen, statt im Restaurant zu essen – klar. Es geht jetzt um günstig „keep it simple“ mit günstigen basics. z.B. nach der Grain-green-bean Formel. Also immer ein Getreide, ein Gemüse und eine Hülsenfrucht zu einem Gericht kombinieren, weil man dann alle Nährstoffe beisammen hat. Da hat er auch so eine Mixtabelle für Salate, für Wraps, für was auch immer alles da drin. Also ist wirklich ein großer Fundus. Baukastenrezepte mit Resteverwertung. Wie die Reste womit nochmal zu verwerten sind. Die richtige Lagerung spart auch Geld. Dazu noch ein paar Spartipps, dann kommen die ganzen Rezepte. Es ist zwar nur ein kleines Büchlein, aber mit viel Inhalt.

Carsten Total viel.

Stefanie Ja also definitiv. Also wie gesagt, es kostet nur 10 € und ich finde es sehr wertvoll und ich habe es auch schon einmal verschenkt. Dann wollte ich noch mal hier auf die NDR Doku zu sprechen kommen. „Essen ohne Geld“.

Carsten Die du gerade schon genannt hat, die mit dem Studenten.

Stefanie Da ging es ja zum Beispiel auch um Foodsharing. Dieser Student ist da ja so umhergefahren, durch die Gegend gefahren.

Carsten Durch Hamburg gefahren, irgendwo war das ein Edeka Filiale, irgendwie so ein Supermarkt.

Stefanie Ja, das Projekt ist in Elmsbüttel. Daher Interessiert es wahrscheinlich nur die hamburgischen Hörer und Hörerinnen.

Carsten Ja, ich höre.

Stefanie Also kostenlos, Ja. Sharing. Das Prinzip ist das, dass jetzt nichts weggeworfen werden soll. Es gibt sogenannte „Fairteiler“ (foodsharing.de). Diese Fairteiler sind feste Stationen, die ich ja auch in meine Radtour integriert habe, dann wo entweder mit Kühlschrank, wo man dann auch gekühlte Lebensmittel fairteilen kann oder einfach nur Schränke, wo man dann nicht so leicht verderbliche Sachen rein stellen kann. Das Prinzip ist einfach so, dass ich dann, wenn ich halt irgendwie aus welchen Gründen auch immer zu viel übrig habe, das da reinlegen kann und dann können andere sich das da rausholen. Das kostet die halt nichts und es läuft halt alles über foodsharing.de.

Carsten Ja okay.

Stefanie Dann gibt es noch das Prinzip der Essenskörbe. Wenn jetzt wir zum Beispiel aus unerfindlichen Gründen für eine Woche verreisen würden.

Carsten Urlaub?

Stefanie Urlaub, was war das? Aber wir haben jetzt hier aber noch ein bisschen Essen rumliegen, dann könnten wir das da einstellen und sagen So, wir haben jetzt hier noch drei Bananen, fünf Äpfel und eine Mandelmilch. Dann könnte ich das da rein stellen und andere könnten das dann abholen. Und das hat dieser Student ja auch gemacht.

Carsten Da war noch eine Frau...

Stefanie ...die hat Lebensmittel von irgendwoher gerettet, aus irgendeinem Supermarkt. Diese hat sie dann angeboten.

Carsten Der Student hat das dann gefunden im Internet und konnte sich dann Sachen, die er braucht dann raus nehmen

Stefanie Dann war da noch eine alleinerziehende Dame gezeigt, die überall Sachen abgeerntet hat.

Carsten Direkt hier in Hamburg. Ja, die ist an Gärten und Hecken vorbei und durch Parks. Sie dann gepflückt, eigentlich wie bei Mundraub.org.

Stefanie Sie hat dann auch Kimchi gemacht und so. Sie hat die ganze Zeit geraucht und dann denke ich so hey, aber gut, rauchen ist eine Sucht trotzdem. Also ich meine, das Geld würde ich eher für Essen ausgeben, aber ich habe halt noch nie geraucht, deswegen kann ich mich dann natürlich auch nicht so rein versetzen. Ich will sie auch nicht verurteilen dafür. Es sagt sich wahrscheinlich einfacher, als es ist. Wenn Du nicht rauchst, dann hast Du jedenfalls gleich ein paar Euros mehr. Ich meine, die kosten schon 5 € pro Schachtel. Oder sind die jetzt noch teurer geworden?

Carsten Nun, ehemaliger Arbeitskollege hat sich immer beschwert, warum die Kollegen immer in Urlaub fahren. Als ich ihm gesagt habe, deinen Urlaub verrauchst Du jeden Tag. Er hat das dann hochgerechnet, es war tatsächlich so ein sehr schöner Urlaub, den er sich dann hätte leisten können. Also er hat nicht aufgehört zu rauchen, hat dann auf den Urlaub verzichtet. Vielleicht war er trotzdem nur neidisch, hat es aber nicht mehr geäußert. Da war ihm das klar geworden, dass das Geld, was er für was andere Leute für den Urlaub ausgeben, dann tatsächlich bei ihm dann da ja verpufft.

Stefanie Ich kenne da auch mal jemanden, der eher sich nichts zu essen gekauft hat als keine Zigaretten.

Carsten Naja, egal.

Stefanie Aber gut. Zurück zu der Doku. Ich glaube eine Studentin hat in Mülltonnen gestöbert. Wie heißt das noch gleich? Containern?

Carsten Containern. Genau. Bei den Supermärkten

Stefanie Das ist eigentlich verboten. Aber viele Supermärkte schmeißen eben noch gute Sachen weg, weil die irgendwie eine Delle haben oder abgelaufen sind und schmeißen die einfach in ihre Tonne. Also es waren viele, viele Tipps, Anregungen. Also ich würde jetzt nicht sagen: hey du geh containern.

Carsten Ja genau.

Stefanie Aber die Sache mit dem Mundraub und Foodsharing und so und eben generell Sachen, die nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum sind, also die mit dem Containern, die hat auch viele Sachen eingefroren, dann und dann Sachen wieder raus geholt.

Carsten Einfach gut, da muss er auch so sagen, das waren halt wirklich Leute, die in sehr prekären Verhältnissen leben. Klar, die haben gar nicht die Möglichkeit, nicht so viel Spielraum, sich irgendwie anders zu verhalten.

Stefanie Der Student hat das nur für sich als Test gemacht.

Carsten Ja genau, das muss man auch berücksichtigen, wenn es um Containern geht.

Stefanie Ich wollte nur sagen, was in der Doku halt drin war. Also die verschiedenen Dinge, um auch wirklich Essen zu retten. Um der Verschwendung vorzubeugen, klar. Was man dann noch bedenken kann, ist Stromsparen oder was auch immer. Also gibt noch verschiedene Aspekte. Nicht nur allein essen und Kochen. All das wird auch in „Vegan, aber günstig“ beschrieben. Es gibt da wirklich ganz umfassende Tipps.

Carsten Also ich denke, es lässt sich so ein bisschen zusammenführen auf selber kochen und Listen machen. Wobei das nicht ausschließlich nur für das Vegan Kochen gilt.

Stefanie Natürlich nicht. Wir haben das auch schon gemacht, als wir vegetarisch gelebt haben.

Carsten Genau, das macht für uns eigentlich keinen Unterschied.

Stefanie Hat was mit Familie zu tun. Also seit wir eine Familie sind planen wir mehr als früher. Wir habe auch schon vorher selber gekocht, aber wir planen nun besser.

Carsten Einem Kind geht das meistens auch nicht anders. Anders als Single.

Stefanie Kommt drauf an, wie alt das Kind ist.

Carsten Ja.

Stefanie Zusammenfassung: wenn wir noch mal auf den Anfang zurückkommen, wo die werte Frau Schmidt gesagt hat Vegane Ernährung ist teuer, benötigt Zeit. Können wir sagen, benötigt Zeit? Ja.

Carsten Gesunde Ernährung braucht immer Zeit.

Stefanie Ja, aber teuer muss sie nicht sein. Wenn du natürlich gerne Fertigprodukte kaufst und Ersatzprodukte und Superfoods, dann ist vegan teuer, keine Frage.

Carsten Klar, ja.

Stefanie Aber nicht, wenn du Dich einfach auf die Basics beschränkt und viel selber machst.

Carsten Ja.

Stefanie Was heißt beschränkst? Das hört sich wieder negativ an.

Carsten Keine Beschränkung, das ist die reine Vielfalt.

Stefanie Ja, also wenn du dich regional ernährst, sagen wir mal, dann gibt es nämlich keine exotischen Superfoods. Es gibt ja viele regionale Superfoods, da empfehle ich dann wieder „La Veganista - Superfoods“ von Nicole Just.

Carsten Cool, weil da Superfoods genannt sind, die ich nie als Superfoods klassifiziert hätte.

Stefanie Es gibt andere Arten sich zu ernähren und andere Lebensstile, aber vegan muss nicht teuer sein!

Carsten Nein. Genau.

Stefanie Aber es benötigt mehr Zeit, muss aber auch nicht. Du kannst auch immer noch essen gehen.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 19 - Tomorrow - die Welt ist voller Lösungen

Ein Beitrag

Folge 19 - Tomorrow - die Welt ist voller Lösungen

In dieser Folge

  • stelle ich Dir den wunderbaren Film "Tomorrow" vor,
  • erzähle wie er aufgebaut ist,
  • berichte, warum er mir so gut gefallen hat
  • und wieso Du jetzt sofort ins Kino gehen solltest, um Dir diesen Film anzuschauen.

Tomorrow ist ein französischer Dokumentarfilm, der vor allem eines zeigt: es gibt auf der ganzen Welt Menschen, die sich nicht mit dem drohenden Kollaps abfinden, sondern viele große und kleine Möglichkeiten finden unseren Planeten zu retten.

Jeder von uns kann die Welt verändern- jeder tut es auch schon. Mit jedem Bissen, den wir essen, mit jeder Kleidung, die wir kaufen, mit jeder Entscheidung, die wir treffen.

Wir haben es in der Hand.

Es macht keinen Sinn zu warten, bis sich irgendjemand anders bewegt. Wenn sich etwas bewegen soll, dann mach Du den ersten Schritt!

Inspirierende Beispiele findest Du in diesem tollen Film.

Vollständiges Transkript

Carsten Heute geht es um morgen. Oder anders zu sagen „Tomorrow“. Das ist der Titel des Kinofilms, den Stefanie sich heute um 12:00 Uhr anschauen durfte. Sie hatte den ganzen Tag bis zu dieser Aufnahme nichts über diesen Film verraten.

Stefanie Ich habe dir wohl was verraten. Ich habe gesagt, du musst ihn dann auch angucken.

Carsten Ja. Okay. Super. Super Zusammenfassung. Also, ich muss ja sagen, du hattest mir ja wirklich überhaupt nichts über diesen Film erzählt.

Stefanie Doch, wir haben uns zusammen den Trailer angeschaut.

Carsten Aber das ist bei mir schon so ein bisschen in Vergessenheit geraten. Also ich wusste wohl, dass es irgendwie um Alternativszenarien geht. Der Titel war mir noch im Hinterkopf geblieben, aber ansonsten, viel ist da jetzt nicht mehr haften geblieben. Ich glaube, wir müssen betonen, dass es kein Spielfilm, also keine Fiktion, sondern diesen Bericht der da zitiert wird...

Stefanie Es ist ein Dokumentarfilm.

Carsten Also dieser Bericht, dass innerhalb der nächsten 40 Jahre.

Stefanie Genau der existiert tatsächlich.

Carsten Der existiert, dieser Bericht.

Stefanie Genau.

Carsten Und die beiden Protagonisten oder Schauspieler, die versuchen, der Sache wirklich nachzugehen.

Stefanie Und er ist kein Schauspieler. Er ist Aktivist. Und sie ist Schauspielerin. Okay. Und sie haben sich über einen Dritten kennengelernt. Und dann haben sie zusammen beschlossen diesen Film zu machen. Das habe ich jetzt gerade in diesem Presseheft gelesen. Also dieses Presseheft kann man sich auf der Internetseite zum Film runterladen. Da kann man sich auch noch ganz andere Sachen runterladen. Und man kann auf der Internetseite auch sehen, in welchen Kinos der Film läuft. So, bei uns in Hamburg läuft er in zwei verschiedenen Kinos. Er läuft aber auch in ganz vielen anderen Städten in Deutschland und ist jetzt am 2. Juni 2016 angelaufen.

Carsten Also wirklich sehr, sehr frisch.

Stefanie Genau. Ja, nur leider ist es ja bei diesen Independent Filmen, sage ich jetzt mal so, dass sie nur ganz kurz laufen. Es ist auf jeden Fall ein Dokumentarfilm und es ist auch kein veganer Film. Also die beiden leben nicht vegan und es geht auch überhaupt nicht um vegan in dem ganzen Film, aber es geht eigentlich um das, weswegen wir ja auch hier diesen Podcast machen. Ein weiter wie bisher geht nicht. Und da müssen jetzt Lösungen her. Wir sind auf der Suche nach einem neuen Wohlstandsmodell und das ist eigentlich quasi der Film zu unserem Podcast. Ich fand es ganz, ganz, ganz spannend. Deswegen habe ich mich auch heute wieder ins Kino gesetzt, wo alle anderen draußen in der Sonne gebrutzelt haben.

Carsten Ganz alleine saßt du anscheinend nicht, oder?

Stefanie Nee, aber es waren wirklich wenig da. Also wir waren zu zehnt im Kino, kleiner Kinosaal. Es waren zwei Mütter mit Kindern da. Ich glaube, die waren so um die zehn Jahre alt. Und dann waren da noch, ich würde sagen ja, drei Senioren und noch zwei so in unserem Alter würde ich sagen, ein Pärchen. Ich war die Einzige, die allein da war im Kino. Aber so ist das halt.

Carsten So, es ist halt so.. Genau. Ich muss ja auf das Kind aufpassen.

Stefanie Genau. Ja, ich bin auch früher schon, als ich noch Studentin war, alleine ins Kino gegangen. Also von daher. Mir macht das nichts, wenn ich den Film schön finde, gehe ich halt allein ins Kino.

Carsten So war das auch gar nicht gemeint.

Stefanie Oder war das eine Spitze, dass du nicht mit durftest?

Carsten Nein, nein. Es sei dir doch gegönnt. Ich bin einfach nur neugierig und ich möchte gerne erfahren, was jetzt tatsächlich so im Film besprochen wurde. Und ich werde mir den ja eh noch mal anschauen.

Stefanie Ja, genau. Also du musst ihn dir quasi noch mal angucken, den finde ich nämlich so super. Bei „Hope for All“ war es ja wirklich so, dass ich denke, also wegen dieser ja...

Carsten konfrontierenden Szenen

Stefanie Genau. Den Film „Hope for all“ würde ich nur empfehlen, wenn man selbst solche Szenen noch nicht in dem Maße gesehen hat. Also wenn man wirklich das braucht um aufzuwachen. Bei diesem Film „Tomorrow“, den kann ich wirklich jedem empfehlen. Und da würde ich auch sagen, Du liebe Hörerin, lieber Hörer, guck dir dann unbedingt an! Ja, das ist wirklich ein sehr, sehr sehenswerter Film.

Carsten Ja, das heißt, der baut keine düsteren Szenarien auf, sondern er versucht das Ganze sehr positiv darzustellen oder durchweg positiv.

Stefanie Na ja, was heißt durchweg positiv. Also das Ausgangsszenario ist ja eben, in 40 Jahren gibt es, aber es ist einfach, der Film an sich ist einfach gar nicht düster. Also der ist bunt und fröhlich und du gehst aus diesem Film raus und willst die Welt verändern. Okay, also du bist glücklich beseelt. Also mal kurz zum Aufbau: Der Film fängt mit der Studie an und die beiden, die diese Studie verfasst haben bzw. er fängt halt so an, dass die Macher·innen erzählen, wie sie denn auf diesen Film gekommen sind. Aber dann stellen sie die beiden Verfasser·innen dieser Studie vor. Die erzählen dann von der Studie und erzählen davon, dass die Menschheit auf einen Kollaps zusteuert. So also die genauen Details, die kann man sich auch auf der Internetseite durchlesen und auch der Link zur Studie und alles ist da.

Dann ist der Film aufgeteilt in fünf Teile. Und da geht es dann um die Landwirtschaft, um Energie, um eine Wirtschaft, um Demokratie und um Bildung. Und diese fünf Themen behandelt der Film eigentlich. Und da werden Lösungen gezeigt, um diesem Kollaps zu entgehen. Ja, also diesem Massensterben quasi. Also es ist so, dass wenn, wenn wir so weitermachen wie bisher, dass es dann in absehbarer Zeit - wir erleben das noch, unser Kind wird davon voll betroffen sein - dass es wirklich zum sechsten Massensterben in der Geschichte der Erde kommen wird. Und so, dass es wirklich durch Chemie und ja also ich kann es jetzt gar nicht mehr alles wiedergeben warum das so ist, das hat sich bei mir nicht so festgesetzt. Bei mir haben sich nur die Lösungen mehr festgesetzt. Also das heißt wen das interessiert mit der Studie möge es bitte noch mal durchlesen. Also so die genauen Fakten, was da alles drin steht, das ist alles verlinkt. Ich verlinke es auch unter dem Podcast wieder.

Es wurde zwar angeschnitten, was denn jetzt passiert und dann wurde gezeigt, so dieses Filmteam, die sind glaub ich irgendwie zu sechst oder zu siebt durch die Welt gejettet und haben nach Lösungen gesucht. Und dann haben sie diese Lösungen vorgestellt, unterteilt in diese fünf Bereiche. Und mit der Landwirtschaft haben sie angefangen und sie haben eben definitiv nicht irgendwas gesagt von wegen „Werdet alle Veganer“, das spielt da gar keine Rolle, sondern es geht um Ernährungssouveränität, was ja auch wirklich der Schlüssel ist für uns. Und in dem Bereich Landwirtschaft wurden dann Sachen vorgestellt wie Urban Gardening Farming Projekte.

Da gibt es ein ziemlich cooles Projekt, das habe ich schon gelesen in dem einem Buch zum. Wie heißt das noch gleich? Ich habe jedenfalls schon in einem Buch davon dem Projekt gelesen: Incredible Edible. Das ist ein Projekt aus England. Der Ort heißt Todmorden. Und da hat eine Frau sich mit einer anderen zusammengeschlossen. Und die haben gesagt, wir machen aus der Stadt eine essbare Stadt. Ja, und die haben zum Beispiel alles bepflanzt mit essbaren Sachen und das dann auch beschriftet: Was ist da, was gibt es da? Und so kommen die Leute ins Gespräch und das ist deren Idee gewesen. In dem Trailer wird die eine Initiatorin davon noch mal gezeigt, dass sie sagt: „Wir haben nicht damit angefangen zu sagen, wir wollen die Welt verbessern oder verändern, sondern wir haben mit dem, was direkt vor unserer Haustür stattfindet, angefangen, ja mal einen Schritt gemacht.“ Und darum geht es ja auch.

Das sind so verschiedene Projekte in England, in Amerika - komischerweise oder bezeichnenderweise gibt es kein Projekt aus Deutschland in den ganzen fünf Bereichen, okay, also Deutschland kommt nur einmal vor, als es um Energie geht, wo es irgendwo, ich habe nicht schnell genug hingeguckt, manchmal fand ich es ein bisschen schnell eingeblendet, das waren halt die Originaltöne mit Untertiteln und da waren zwischendurch dann auch noch so Bezeichnungen eingeblendet und Informationen in Schrift. Und manchmal war es ein bisschen schnell so, dass ich gar nicht alles abscannen konnte.

Carsten Du warst auf die Untertitel fixiert und...

Stefanie Ja, oder eben auch, dass das einfach zu schnell war. Der Text war da und dann wieder weg und so, also es ging auf jeden Fall um einmal kurz bei der Energie um ein Projekt, ich glaube irgendwo in Karlsruhe oder so. Ich bin mir nicht ganz sicher. Jedenfalls im Süden. Süddeutschland. Wo es um Solarzellen ging und dass das halt kleine Solarkraftwerke sind, die die einzelnen Häuser. Das war das einzige Mal, wo Deutschland wirklich vorkam, sonst war es mehr Amerika, aber auch Indien und verschiedene Projekte in England und in Frankreich natürlich, in der Schweiz. Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, aber sie sind auf jeden Fall um die ganze Welt ja gejettet.

Carsten Sind das jetzt so Projekte, die du als Privatperson sofort aufgreifen und für dich umsetzen kannst oder standen da größere Organisationen wie Vereine oder irgendwelche Stiftungen dahinter?

Stefanie Also bei der Landwirtschaft waren es eigentlich immer Einzelpersonen, die das angefangen haben. Und bei Urban Gardening denke ich ja auch gerade so, wenn ich jetzt an meine Radtour denke, die hier morgen das erste Mal startet, wo ich ja auch ein Urban Gardening Projekt in Hamburg mit eingebaut habe und solche Sachen: ja, es kann noch viel mehr werden. Also eins, was ich aus dem Film auch mitgenommen habe, ist wieder diese Bestätigung: Es sind Einzelpersonen, die das anfangen und dann werden daraus riesige Bewegungen. Dieses Incredible edible shat sich jetzt weltweit verbreitet.

Carsten Also das ist nicht nur in diesem Todmorden?

Stefanie Ja genau, nicht nur in Todmorden, sondern es hat sich verbreitet. Also ich hab's jetzt noch nicht recherchiert, wie es ist, aber am Ende des Films wurde noch mal gezeigt, dass es nicht nur diese einzelnen Projekte gibt, die sie gezeigt haben, sondern natürlich noch ganz, ganz viele andere und es wurde auch gezeigt, dass die Einzelprojekte sich so und so oft verbreitet haben. Und auch das Urban Gardening gibt es so und so oft auf der Welt und ich kann jetzt wirklich nicht die ganzen Zahlen mehr nennen, aber du, du hast am Ende so ein Gefühl von „Ja!“

Carsten Da ist eine Welle. Also du wirst nicht mit Einzelphänomenen konfrontiert, sondern da ist eine Welle, die sich jetzt verbreitet.

Stefanie Und du kannst auch was machen. Ja, du! Du kannst was machen. Das ist ja genau die Botschaft, die ich auch habe und die wir mit diesem Podcast haben. Du kannst etwas bewegen, du kannst das. Du fängst einfach klein an. Also ich habe jetzt auch schon gedacht, ob wir einfach hier im Stadtteil mal anfangen und auch mit so essbaren Pflanzen. So Verkehrsinseln bepflanzen die mit essbaren Sachen oder die haben in Todmorden vor der Polizeistation etwas gepflanzt damit die Leute in Kontakt zur Polizei kommen. Und die haben dann auch gesagt, dass die Menschen es besonders toll finden, vor der Polizeistation etwas mitzunehmen, ohne zu bezahlen. Also das ist also einfach.

Carsten Legalisierter Diebstahl.

Stefanie Sozusagen. Die Idee ist auch, dass die Menschen über die Pflanzen ins Gespräch kommen und so mehr Kontakte geknüpft werden und wieder eine Gemeinschaft wächst.

Carsten Ja, okay. Ja, das klingt spannend.

Stefanie Und ich denke ja auch so was wie mit den Tauschboxen und so, das ist jetzt alles hier nicht genannt worden, aber das gehört ja irgendwie mit dazu. So, und dann haben sie mehr so größere Projekte gezeigt, auch Landwirtschaft, Permakultur, die ohne Traktoren auskommen, also die einfach alles von Hand machen, weil es darum geht, dass wir bald nicht mehr genug Öl haben werden.

Carsten Okay, ja.

Stefanie Und die Menschen erwirtschaften mit 300 Quadratmetern - ich bin mit Zahlen im Moment echt nicht so, also ich glaube, es sind 300 Quadratmeter gewesen - ohne Traktor genauso viel, wie jemand mit Traktor mit einem Hektar Land. Und das war halt ganz interessant zu sehen, weil sie auch so Sachen austüfteln und das finde ich dann wieder spannend, wenn sie was tüfteln. Da habe ich jetzt auch gleich was für uns gelernt, für den Balkon, dass Basilikum gerne im Halbschatten steht. Bei uns steht es nämlich in der prallen Sonne. Und da haben die Menschen das so angebaut, dass sie in ihrem Gewächshaus Tomaten züchten und da drunter das Basilikum, weil das ja im Halbschatten stehen kann. Und da drüber, über den Tomaten haben sie noch Trauben ranken lassen. Die haben dann wiederum Wasser abgegeben. Und die Person, die sie da interviewt haben, hat gesagt, dass sie hier intellektuell mehr gefordert wird, als in ihrem Job als Juristin, den sie vorher hatte, weil sie einfach gucken muss, was passt zusammen und wie kriege ich das alles hin und so und sie meinte es sei ein super Gefühl wenn du selbst was anbaust und sagen kannst ich kann mich selbst ernähren. Ja, ich bin unabhängig. Und das ist auch so, dieses, diese Unabhängigkeit, diese Freiheit, das zu bewahren.

Carsten Okay, da werden also wirklich so Konzepte angeboten, wo du als Einzelperson dich wirklich komplett selbst ernähren kannst. Ja, das ist ja schon mal interessant. Ich meine das, was wir momentan machen, das ist ja eigentlich Kräuteranbau.

Stefanie Ja, die, die sich so komplett selbst ernähren, die sind dann auf dem Land.

Carsten Ja logisch, das sind dann wahrscheinlich die, die irgendwie so um die 300 Quadratmeter haben.

Stefanie Genau. Ja, aber ein „Urban Farmer“ sozusagen, in Detroit sagte dann halt auch, das wäre halt so romantisch Urban Gardening und dann, wenn die Leute da hinkommen, merken sie halt, das ist harte Arbeit. Also diese Romantik, das ist so ein bisschen fehl am Platz. Es ist halt im Moment in das zu machen. Und er meinte aber dann auch, was ich sehr wichtig fand, dass es nicht darum geht die Bauern auf dem Land durch Urban Farming zu ersetzen, sondern es geht darum, wirklich alles zusammenzubringen. Also die, die in den Vororten das machen, die, die das in der Stadt machen und die, die das auf dem Land machen. Und was ich auch ganz interessant fand: es ist tatsächlich so, dass 70 bis 75 % des Essens, des Gemüses, von Kleinbauern angebaut wird. Es ist nicht so, dass die großen Konzerne wirklich das meiste anbauen, sondern das meiste sind eben die Kleinbauern und die Konzerne kaufen von denen. Und das heißt, die Kleinbauern haben irgendwo auch die Macht. Eigentlich. Also und es geht darum also die zu unterstützen.

Ja, also der Film ist sehr sehr reich an Lösungen und das ist auch wirklich das Schöne daran. Es sind so die verschiedenen Aspekte, wie gesagt, Landwirtschaft, Energiewirtschaft, dann noch Demokratie und Bildung und das alles wirklich abgebildet wird. Die Massentierhaltung wird ganz kurz nur gestreift. Also es geht darum, dass wenn wir weiterhin so viel Fleisch essen wie bisher, dass es dann eben zu dem Kollaps kommen wird, weil ja tatsächlich das meiste, was die großen Konzerne anbauen, als Tierfutter verwendet wird und nicht zum Menschen kommt. Das, was vom Menschen dann gegessen wird, das kommt von den Kleinbauern und nicht von den großen Konzernen, weil die großen Konzerne das für Energie und für Tierfutter verwenden.

Carsten Ist ja aber auch nicht schlimm. Wir haben ja die Gentechnik, die sorgt dafür, dass auch dann der Rest der Menschheit satt wird, wenn 70 % des Essens dann schon an die Tiere verfüttert wird.

Stefanie (lacht) Genau. Ja, das ist schon total interessant. Also wie gesagt, das Wort vegan kommt nie vor und es wird auch nie gesagt, wir sollen alle Veganer werden. Ich denke, ich kann diesen Film wirklich uneingeschränkt empfehlen. Er regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und mit mir hat er gemacht, dass ich dann da rausgegangen bin und gesagt habe: Ja, cool, das mit meiner Radtour ist genau die richtige Idee und ich will das auch noch weiter ausbauen und auch generell das, was wir hier machen, das ist wirklich das Richtige. Und vor allem, wenn du dir überlegst, das ist jetzt in 40 Jahren, kann schon alles vorbei sein, sozusagen. Also es hieß, wenn wir in den nächsten 20 Jahren nichts machen, dann ist es vorbei, sozusagen. Dann können wir nicht mehr umdrehen. Und das heißt, wenn nicht jetzt, wann dann? Wir haben es in der Hand. Wir können jetzt was machen und das haben sie eben gezeigt. Dann ging es noch um Energie. Da waren die verschiedensten Arten. Island ist komplett 100 % energieunabhängig. Also Energieautark. Die haben alles umgestellt, nach diesem Kollaps und dem Ganzen [Anmerkung: Gemeint ist die Bankenkrise 2008-2011, siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Islands_Finanzkrise_2008%E2%80%932011] und sind jetzt nicht mehr von außen auf Lieferungen angewiesen. Und die machen das mit

Carsten Thermalwärme oder so was. Also die sitzen ja quasi auf Vulkanen. Ja, Geysiren.

Stefanie Genau, genau. Und ich glaube auch mit Wind, aber ich bin mir nicht ganz sicher. Aber jedenfalls auch wieder erneuerbare Energien und das ist ganz interessant, weil so verschiedene Konzepte gezeigt wurden, wie es funktionieren kann. Also es ist wirklich ein Film, der Lösungen einfach zeigt, das was meistens halt fehlt. Zum Beispiel bei „Hope for All“ ist es so, es werden schon ein paar Lösungen gezeigt, aber der Hauptteil liegt halt darauf zu sagen: guck mal, so ist es, einfach die Wahrheit zu sagen. Und hier ist halt nur ein ganz kurzer Teil „so ist es oder so kann es werden“ und dann der größte Teil „das sind die Lösungen“. Und was ich noch ganz interessant fand, also bei Wirtschaft, das war ganz lustig, weil sie halt gesagt haben, dass es diesen Trend gibt, dass manche Orte ihre eigene Währung entwickeln. Ich habe vorher nie darüber nachgedacht, über diese ganzen Wirtschaftssachen, aber den Sinn habe ich jetzt endlich verstanden. Weißt du Bescheid?

Carsten Ich habe das mal als Podcast oder so was gehört oder gelesen, aber ich könnte das hier nicht sagen, wo der Sinn da liegt.

Stefanie Okay.

Carsten Wirtschaftliche Unabhängigkeit würde ich vermuten.

Stefanie Also es geht darum - in dem Trailer sagt Rob Hopkins „Wir haben hier zum Beispiel einen 21 £ Schein.“ und dann sagt er auf die Frage warum?: „Weil wir es können.“ - es geht darum, das Geld in der Stadt zu behalten. Das heißt, du hast dann einen lokalen Kreislauf. Du gibst das Geld in diesem lokalen Geschäft aus und förderst damit dann Arbeitsplätze in diesem Geschäft, förderst auch Steuern für die Stadt in diesem Geschäft. Weil es ja meistens so ist, dass große Unternehmen gar nicht da Steuern zahlen. Die zahlen irgendwo Steuern, aber nicht da, wo es gebraucht wird. Und so bleibt es in diesem Kreislauf. Du kannst dann mit diesem, das Geld außerhalb der Stadt nichts wert ist, nur in der Stadt einkaufen. Und es gab auch noch ein Beispiel, dass die Schweiz auch eine eigene Währung hat. „Wir“ heißt sie.

Carsten Ja, stimmt, davon hab ich mal gehört.

Stefanie Ja, okay. Ich habe mich da ja noch nie so für interessiert, für diese ganzen Finanzsachen. Aber jedenfalls ist es da auch so: für Darlehen muss man quasi Zinsen zahlen, irgendwie ganz niedrig 1,5 % oder so, aber auf Guthaben gibt es keine Zinsen. Das heißt, es macht keinen Sinn, sich da irgendwas anzuhäufen von dem Geld. Man könnte Millionär werden oder Milliardär, aber es würde halt nichts bringen, weil du nichts davon hast, das Geld vermehrt sich nicht. Und so will dann auch keiner Millionär werden. So gibst du das Geld einfach nur in diesen Kreislauf ab. Und es geht aber darum, das zu kombinieren. Das soll nicht die andere Währung ersetzen, sondern es soll einfach eine Ergänzung sein, dass du damit die lokale Wirtschaft förderst. Aber eben dann noch trotzdem, wenn du dann woanders was kaufst, das andere Geld hast.

Carsten Ja, okay.

Stefanie Ja, so, das ist dann wieder unabhängig. Einer von den Expert·innen hatte das verglichen mit: wenn es nur eine Währung gibt, das ist dann so, als würde es überall Tannen geben. Wenn man dann da ein Streichholz reinwirft, dann brennt alles ab. Aber wenn es einen Mischwald gibt oder einen Urwald oder was auch immer, dann ist das eben nicht so einfach, weil es so viele verschiedene Bäume gibt. Und dann kann das noch gelöscht werden. Ja, das fand ich ganz interessant.

Carsten Ja, das ist ein interessantes Bild, was da gezeichnet wird.

Stefanie Zum Thema Demokratie. Da hatten sie noch mal das Beispiel in Island auch genannt, weil da durch die Bankenkrise 2008 alles zusammengebrochen ist und dann noch mal gezeigt, was das bewirken kann, wenn das Volk aufsteht sozusagen. Dann hatten sie auch noch ein Beispiel in Indien, wo ein Einwohner in dem Dorf, der eigentlich - da gibt es ja dieses Kastensystem und er war oder ist immer noch, ich weiß es nicht. ein Unberührbarer - und er durfte eigentlich gar nicht zur Schule gehen und hat es dann aber irgendwie doch geschafft und hat auch studiert und ist dann zurückgekommen und hat dann beschlossen, da die Demokratie sozusagen einzuführen. Und er hat angefangen, da ein neues System einzuführen, wo dann wirklich auch alle Kasten miteinander kommunizieren und das auch lokal aufzubauen, wo jede·r mitbestimmen kann. Wo es dann Volksversammlungen gibt, wo jede·r etwas sagen kann, wo jede·r abstimmen kann und jede·r mitmachen kann. Und auch in dem Dorf, um Berührungsängste sozusagen abzubauen, haben sie angefangen - eigentlich müsste man wegen der Kasten dann verschiedene Stadtteile sozusagen haben - und der Initiator hat gesagt, was ist denn, wenn alle Armen zusammen in einem Stadtteil wohnen und dann haben sie so Doppelhaushälften gebaut mit auf der einen Seite die Unberührbaren, auf der anderen Seite die Berührbaren sozusagen. Und das funktioniert anscheinend so. Das sind alles so Positivbeispiele.

Okay und dann war als letztes Jahr noch das Thema Bildung und das fand ich ganz interessant. Da habe ich gleich gedacht, sollen wir mal nach Finnland auswandern, denn die haben da irgendwie so ein total tolles Bildungssystem. Klar, die Sprache ist vielleicht ein bisschen schwierig, aber ansonsten - die Bildung ist toll. Ich glaube, sie haben deswegen Finnland gewählt, weil es darum ging, dass die beim PISA Test immer so toll abschneiden und haben dann halt geguckt, wie das in den Schulen abläuft und gesehen - sie haben extra eine Schule ausgewählt, die in einem ärmeren Stadtteil lag - haben dann aber gesehen, dass auch da irgendwie alles total klasse ist. Und ich fand es ganz schön zu sehen, wie die Schüler einfach in der Klasse auch rumlaufen durften und dann haben die irgendwie ihre Schulaufgaben auf dem Boden gemacht oder sind dann da rumgehüpft und so. Und der Rektor hat erzählt, dass sie für die Ausbildung der Lehrer·innen so ein bisschen was von Steiner, ein bisschen was Waldorfmäßiges, ein bisschen Montessori, ein bisschen hiervon, was also von überall was genommen haben und auch Kinderpsychologie und so. Alles kommt mit in die Ausbildung rein.

Am Ende wurde gefragt, was denn die Kinder da lernen sollen in der Schule. Und da hat er auch gesagt, es geht ja darum, sie aufs Leben vorzubereiten, aber dann auch zu lernen, kein Rassismus, Gleichberechtigung und ja, auch um Liebe quasi und nicht darum, irgendwie toll Mathe zu können oder so was. In dem Film wurde auch gezeigt, dass sie da in der Schule dann auch Handarbeiten machen und auch so handwerkliche Sachen lernen und lernen auch zu schneidern und solche Sachen. Und das fand ich ziemlich cool. Ich weiß gar nicht, ob bei Bildung noch mehr war, aber es ist irgendwie ist nur das hängen geblieben jetzt gerade. So insgesamt war das wirklich so, ich habe zwischendurch auch immer wieder genickt und gedacht: ja, ja, das stimmt, das ist genau das, so wie ich es jetzt auch gelernt habe, was ich mir alles angelesen habe, in den letzten Monaten. Und trotzdem dieses Gefühl, nicht so der Ohnmacht, sondern dieses Ja!

Carsten Da gibt es was, ja.

Stefanie Jetzt machen wir was. Das ist gut. Es ist gut, dass wir den Podcast machen. Es ist gut, dass ich jetzt mit der Radtour anfange. Dass wir einfach was machen. Dass wir jetzt auf unserem Balkon ein bisschen was züchten. Wir machen was. Ja. Und ich habe auch überlegt, ob so eine lokale Währung, ob so was auch in Hamburg funktionieren würde. Ich weiß nicht, ob Hamburg dafür nicht zu groß ist. Ob das geht. Aber vielleicht würde das in den Stadtteilen funktionieren, weil es geht ja wirklich darum die lokalen Märkte zu unterstützen. Ob das wohl funktioniert? Da, wo sie es gezeigt haben sind das alles kleinere Städte, in Bristol auch und ich weiß gar nicht wo noch, aber jedenfalls gibt es das in England häufiger. Was meinst du?

Carsten Weiß ich nicht. Ich bin mit dem Konzept noch nicht wirklich vertraut, also weiß ich nicht. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen.

Stefanie Und so, jetzt habe ich ganz viel erzählt. Möchtest du vielleicht noch irgendwas wissen?

Carsten Nee, eigentlich nicht. Ich bin neugierig. Ich möchte den Film gerne sehen. Das, was mich konkret interessiert, das ist diese Studie, wo du gesagt hast, dass die am Anfang des Films vorgestellt wird.

Stefanie Auf der der Film basiert, weswegen der Film überhaupt gemacht wurde.

Carsten Ja. Ja, weil ich bin ja so gerne so der, ich will nicht sagen der Zahlenmensch, aber der Fakten Mensch und ich möchte wissen, wenn da schon so ein düsteres Szenario skizziert wird, wo kommt das her? Wie wirkt sich das aus? Was für Fassaden hat das und und und.

Stefanie Das kannst du auf jeden Fall am Anfang des Films alles hören und dann kannst du dir ja auch die Studie nochmal durchlesen.

Carsten Also das klingt so ein bisschen nach Al Gore, der da ja auch mit seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ damals mal nach vorne geschossen ist. Und ich weiß gar nicht, da war der Film, glaube ich, mehr auf diese düsteren Szenarien ausgelegt. Ich versuche mich gerade daran zu erinnern, aber ich meine, hängengeblieben bei dem Film ist einfach, dass es erstmal so ein Bedrohungsszenario war und ich weiß nicht, ob da irgendwelche Alternativen so stark in den Vordergrund gerückt wurden. Dafür ist das auch schon ein bisschen zu lange her. Aber wenn du sagst, hier ist es eigentlich komplett umgekehrt, dass es quasi so diese Studie als Einstiegsmaterial gibt, um zu zeigen okay, so sieht die Zukunft wahrscheinlich aus., damit müssen wir uns arrangieren oder bzw. müssen wir versuchen, irgendwie eine Lösung zu finden und dann besteht der Hauptbestandteil des Films im Aufzeigen von Lösungsszenarien zu sagen okay, wir sind nicht komplett machtlos, im Gegenteil, wir haben viele Alternativmöglichkeiten, wir können Lösungen herbeiführen und die werden heute schon gelebt. Und zwar nicht an Einzelbeispielen, sondern halt weltweit und je nachdem, welchen Bereich man anschaut. Es gibt halt diverse Wellen, die jetzt schon ja schwappen.

Stefanie Ach so, was ich noch vergessen hatte, ist die Musik zum Film. Die ist ziemlich cool. Also die wurde extra für den Film geschrieben und die passt wirklich ganz toll. Also es ist ganz, ganz klasse Musik dazu. Es lohnt sich, die vielleicht noch mal so zu besorgen. Den Soundtrack. Der ist wirklich klasse. Also den finde ich toll. Dazwischen gibt es noch anderes Material, was man schon so kennt. Aber das ist so, das begleitet den ganzen Film und das macht das Ganze nochmal so ein bisschen, ja, weiß ich nicht, also bei mir hat es so ein bisschen so ein Kribbeln ausgelöst, so nach dem Motto: ja, jetzt, ja, jetzt können wir die Welt verändern. Wobei ich hatte dann eine Person, die kurz vor mir aus dem Kino gegangen ist, einfach gefragt: Wie fanden Sie denn den Film? Und sie so: „Hm, ja“ , wo ich dann gedacht habe, ich bin voll im „jetzt die Welt verändern Modus“ Und sie sagt: „Ja, er war schon ein bisschen lang.“ Wo ich gedacht habe, okay, also es scheint nicht für jede·n so zu sein. Also am Ende musst du, Carsten und du, liebe·r Hörer·in, vielleicht dann tatsächlich selbst entscheiden. Für mich war es definitiv so, dass ich dadurch, dass ich ja schon auf diesem Weg bin, dass ich ja weiß, es geht nicht so weiter, ich muss was tun, mich das nochmal beflügelt hat.

Carsten Vielleicht ist das genau der Punkt, dass der·die Zuschauer·in genau diese Erkenntnis haben muss. Also es geht nicht so weiter wie bisher. Es muss sich irgendwas ändern.

Carsten Wenn Du unbedarft in so einen Film reingehst, kann es ja sein, dass du überfordert bist, weil du ja selber noch nicht diese Erkenntnis hast und wirst aber schon damit konfrontiert, dass es da ein Problem gibt und mit Lösungen. Und es kann vielleicht schon mal einen Schritt zu weit sein.

Stefanie Ja, ich weiß es nicht. Also kann natürlich auch sein, dass sich dann jemand - ich weiß ja nicht, also mit der Dame habe ich dann nicht viel mehr gesprochen, das weiß ich jetzt nicht, was sie gedacht hat - aber dass sich manch eine·r, die·der nicht so enthusiastisch rausgeht, denkt: naja, woanders klappt das, aber hier würde das nie klappen. Und außerdem würden diese ganzen kleinen Sachen ja sowieso nichts ändern. Also mit so einem Gefühl der Überforderung oder Resignation da rausgeht. Ich finde wirklich, dass dieser Film zeigt, Einzelpersonen, die den ersten Schritt machen, sind total wichtig. Ja. Du bist wichtig. Noch mal.. Du bist wichtig.

Carsten Ich auch?

Stefanie Du auch.

Carsten Danke.

Stefanie Und du auch. Und du. Wir alle sind wichtig. Also, wir alle sind wichtig. Und wir alle können jetzt sofort einen Schritt machen. Und wenn wir alle einen kleinen Schritt machen? Was dann?

Carsten Dann bewegt sich die Welt?

Stefanie Dann machen wir zusammen einen Riesenschritt. Und wenn wir alle zusammen hochhüpfen, dann?

Carsten Geht die Welt kaputt.

Stefanie Wackelt die Erde. Ja. Also. 3 2 1. Und hopp! (lacht)

Ja. Okay. Also, genug gespaßt. Also. Guck dir den Film an. Carsten guckt ihn sich auch noch an.. Ja. Also, er bekommt von mir sogar frei dafür.

Carsten Oh, super.

Stefanie Toll, ne?

Carsten Dann gucke ich noch einen zweiten Film…

Stefanie So, genug gescherzt. Die Filme, die Zeiten und die Orte und überhaupt, wann der Film spielt, das kannst du alles auf der Internetseite von dem Film finden. Ich verlinke das alles in den Shownotes.

Carsten Plus. Du hattest gesagt, dieses Presseheft.

Stefanie Das ist alles auf der Internetseite drauf. Also ich glaube im Moment, bei diesem hier brauche ich nicht so viel zu verlinken. Also ich werde den Trailer noch mal einbinden.

Carsten Genau, schaut euch den Trailer an. Guckt auf die Internetseite. Muss das Presseheft vorher gelesen werden?

Stefanie Ich habe das Presseheft auch nicht vorher gelesen. Ich habe es vorhin mal runtergeladen und mal durch gescrollt. Das ist schon ganz interessant, weil da noch ein Interview mit den Macher·innen drin ist.

Carsten Ja, okay, gut, aber ich sage mal, der Hunger, der wächst dann ja auch beim Gucken.

Stefanie Genau. Schnapp dir ne Tüte Popcorn und los geht's.

Carsten Aber nur, wenn die nachhaltig angebaut sind.

Stefanie Ja, und vegan.

Carsten Vegan, ohne Butter.

Stefanie Angebaut. Ohne Butter. Genau.

Carsten So in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Links zur Folge

Tomorrow - der Film
http://www.tomorrow-derfilm.de/

Die Studie, auf der der Film basiert:
http://www.nature.com/nature/journal/v486/n7401/full/nature11018.html

Hope for all
http://www.hopeforall.at/

Unsere Rezension zu "Hope for all"
https://von-herzen-vegan.de/podcastfolgen/folge-16-hope-for-all-von-nina-messinger

Harte Kost - Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt  
https://www.buch7.de/store/product_details/1022438783

Essbare Städte in Deutschland am Beispiel Kassel
http://essbare-stadt.de

Incredible Edible
http://incredibleediblenetwork.org.uk/

Folge 18 - Der Welt­milchtag- Visionen und Wortspiele

Ein Beitrag

Folge 18 - Der Weltmilchtag- Visionen und Wortspiele

In dieser Folge

  • sprechen wir über die Geschichte der Milch, die eigentlich eine Geschichte der Butter ist,
  • streifen wir die Herkunft einiger buttriger Wörter im allgemeinen Sprachgebrauch,
  • stellen wir Dir die Vision des Schweden Sten-Olof Arph vor, der 1968 vom Jahr 2000 geträumt hat
  • und reden über Zukunftsvisionen im allgemeinen.

Der 58. internationale Tag der Milch oder Weltmilchtag wird dieses Jahr am 1. Juni gefeiert.

In die Milchwirtschaft wurden schon lange große Hoffnungen gesetzt- sowohl gesundheitliche, als auch finanzielle.

Da blieb es nicht aus, dass es immer wieder Visionäre gab, die sich überlegten, wie auch die stark wachsende Bevölkerung der Zukunft mit der "wertvollen" Kuhmilch versorgt werden könnte.

Vollständiges Transkript

Carsten Hier ist jetzt der zweite Teil zum Weltmilchtag. Wie in der letzten Folge schon angesprochen, wollen wir uns heute so ein bisschen über die damaligen Zukunftsvisionen unterhalten. Du hast ein bisschen was ausgegraben, was so vor etlichen Jahrzehnten mal als Zukunftsvision gesponnen wurde. Und die Zukunft müsste eigentlich jetzt so eine Echtzeit oder in der Heute-Zeit stattfinden.

Stefanie Das war für das Jahr 2000.

Carsten Oh, gut.

Stefanie Ist also schon 16 Jahre her. Es müsste also eigentlich schon alles da sein. Der Weltmilchtag, dieses Jahr am 1. 06.2016, wir sind also immer noch nicht so weit bzw. doch wenn die Folge gesendet wird war, war der 1.6. schon. Das heißt, das ist also quasi die Folge danach und die andere war die Folge davor. Also das war es dann, wie du schon sagtest, einrahmen.

Carsten Umrundet haben.

Stefanie Umrunden? Drum zu, nee...

Carsten Drum zu. Richtig...

Stefanie Weltmilchtag, jetzt am Wochenende waren ja schon einige Aktionen und es gibt die Aktionsgruppe, die sich gebildet hat zu „Sag nein zu Milch“, das ist von Ariwa, die Tierbefreier e.V. und Nandu, genau, die haben sich zusammengeschlossen zu „Sag nein zu Milch“. Und die Internetseite verlinken wir auch noch mal und in allen großen Städten gibt es jetzt Aktionen in dieser Woche, weil eben auch die Bauern und der Molkereiverbund den Tag der Milch in der ganzen Woche feiern, sozusagen.

Carsten Ja.

Stefanie Ja, gut, aber erst mal zur Zukunftsvision. Ich forsche ja immer noch zu Werbung und hatte mir mehrere Bücher ausgeliehen und ich schaffs ja auch nicht so viel zu lesen. Und ich habe jetzt ja auch schon mal verlängert, damit ich das noch schaffe. Aber jedenfalls, das Buch heißt: „Die Milch - Geschichte und Zukunft eines Lebensmittels“. Und relativ am Anfang gibt es einfach dann die Geschichte des Nahrungsmittels der Milch. Wobei man bei der Milch natürlich auch sagen muss, dass die Geschichte der Milch eigentlich eine Geschichte der Butter ist. Ja, ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt hatte, aber jedenfalls merkt man es auch am Sprachgebrauch, so was wie reinbuttern, weil das Buttern immer ein sehr anstrengendes Geschäft war, was aber trotzdem die Frauen gemacht haben. Also es war wirklich ein Frauenhandwerk, es war aber Knochenarbeit. Und auch absahnen, das war dann also das Abschöpfen des Rahmens von der Milch. Oder auch Butterfly.

Carsten Ja, genau.

Stefanie Das stammt noch von noch viel früher aus dem Mittelalter, dass die Menschen damals gedacht haben dass es so Milchhexen gibt, die dann Schadzauber ausführen und sich in Motten verwandeln und dann bei den Kühen die Milch absaugen sozusagen oder den Milchfluss stoppen. Und daher Butterfly und der Schmetterling, das kommt dann vom Schmetten und das ist auch wieder Butterschlagen.

Carsten Okay.

Stefanie So findet sich das auch in unserer Sprache wieder und auch „die Butter vom Brot nehmen“ und „Brot und Butter Geschäft“. Genau, da möchte ich auf jeden Fall auch noch mal einen Blogartikel zu schreiben mit den verschiedenen Herkünften, also so ein bisschen recherchieren, wo das eigentlich als herkommt. Ich schau mal auf meinen Zettel, ob ich da noch andere Worte hatte. Ach so, genau die Milchmädchenrechnung. Das ist jetzt aber wieder was anders. Ja okay, aber man merkt eben einfach nur die Geschichte der Milch ist eigentlich eine Geschichte der Butter. Und das Milch trinken war einfach nicht so üblich, weil Milch so kostbar war. Es gab einfach noch nicht diese Mengen. Diese Mengen sind jetzt wirklich erst mit der Molkerei in den letzten 100 Jahren aufgekommen.

Carsten Ja.

Stefanie Jetzt im Moment ist der Milchpreis ja schon wieder so gefallen und ich habe auch wieder viele Artikel darüber gelesen über „die bösen Bauern“ und „die sollen mal hier und hmhmhm...“ Natürlich finde ich es nicht gut, wie die Kühe gehalten werden und ich finde es generell eben nicht gut, seit ich das mir alles bewusst gemacht habe. Sonst habe ich es ja stillschweigend einfach hingenommen. Aber man muss auch bedenken, dass die Bauern ja auch nur der Marktwirtschaft unterliegen. Die haben sich diesem Modell angepasst und das ist einfach in den letzten 60 Jahren so gewachsen und die Milchbauern, die es heute gibt, die müssen immer investieren, die haben hohen Kredit aufgenommen und die können gar nicht mehr anders.

Carsten Nein, das ist eine Einbahnstrasse gewesen, wie du schon gesagt hast. Die haben halt irrsinnige finanzielle Abhängigkeiten, um überhaupt in diesem Geschäft noch bestehen zu können. Es geht ja wirklich nur noch über Masse. Ja, und die können nicht anders und deswegen ist es da einfach fehl am Platze zu sagen, die Bauern sind Schuld.

Stefanie So ein Schwarz-Weiß-Denken hilft uns einfach auch nicht weiter. Was uns weiterhilft, ist einfach gemeinsam Zukunftsvisionen zu entwickeln. Es ist einfach, dass ich denke, dass in den letzten 50, 60 Jahren sich das alles durch dieses Wirtschaftswachstum, also immer Wachstum, Wachstum, Wachstum so verselbstständigt hat, dass die Politiker·innen selber gar nicht mehr wissen, was sie da machen und das ist unaufhaltsam immer weiter gewachsen und da wird jetzt was subventioniert, was eigentlich überhaupt nicht wirtschaftlich ist und auch eigentlich nie wirtschaftlich war. Und das ist einfach explodiert. Und das Tierwohl ist so sehr in den Hintergrund geraten, dass eben darüber nachgedacht wird: Ja, wie kriege ich jetzt noch den letzten Tropfen Milch aus der Kuh raus? Und wie kriege ich dieses Tier - also im Grunde sind es da wirklich, wie gesagt nur noch Maschinen - aber wie kriege ich das jetzt hin?

Und dazu gibt es eine Zukunftsvision für das Jahr 2000 von einem Schweden - ich weiß nicht, ob er noch lebt - deswegen ich sag jetzt einfach mal, er heißt Sten-Olof Arph. Ich habe noch nicht die original Version davon gefunden, sondern nur das Zitat, was in dem Buch drin ist und ich suche immer noch danach. Diese Vision hat er 1968 entworfen und die hat er auf einem Kongress vorgestellt und tatsächlich auch Zuspruch erhalten. Und ich lese das jetzt einfach mal vor:

“Arph ging davon aus, dass die Weltbevölkerung auf 8 Milliarden ansteigen und es immer schwieriger werde, die Menschen durch herkömmlich betriebene Landwirtschaft zu ernähren. Neben Milch würden Ersatzstoffe für Milch einen breiten Raum einnehmen.“

Was ja auch irgendwie interessant ist. Ersatzstoffe für Milch. Meinen die damit pflanzliche? Könnte ja sein? Na ja, das ist mir jetzt erst aufgefallen. Ich habe mich immer auf diese Vision konzentriert. Aber okay, ich lese weiter.

“Markantestes Element dieser Zukunftsvision ist, daß neben der Verarbeitung auch die Erzeugung der Milch in hohem Maße industrialisiert sein werde. Die Zukunft werde in Milchfabriken mit mehreren 10.000 Kühen liegen, für deren mögliche Gestalt Arph ein Beispiel gibt: ‚Ein Kuhstall besteht aus einem mehrstöckigen Gebäude. Jedes Stockwerk beherbergt mehrere 100 Kühe. Die Kühe stehen auf beweglichen Bodenplatten, die sie von einem zum anderen Ende des Gebäudes befördern, in dem sich die Melkanlage befindet. Die Fütterung erfolgt automatisch auf individueller Grundlage. Jede Kuh erhält ihre Ration beim Passieren der Fütterungsstation. Der Kot wird automatisch gesammelt und abgepumpt. Mehrere Gebäude zusammen bilden die Milcherzeugungsanlage.‘ Als Jahresleistung einer Kuh seien 10.000 bis 15.000 Liter nicht unrealistisch. Für die Fütterung der Kühe könnten Zellulose, Hefen aus Mineralölen, Seetang und andere Nahrungsquellen erschlossen werden. Dafür ließen sich bisher als Weide genutzte Landflächen durch den Feldbau der menschlichen Ernährung dienstbar machen.“ Es geht gleich noch weiter, aber ich würde gerne da einmal Deine Meinung zu hören.

Carsten Ehrliche Meinung? Ja. Warum brauche ich dann die Kühe?

Stefanie Als ich das das erste Mal gelesen habe, habe ich gedacht, das ist voll abgespacet. Da fliegen die Kühe so durch die Gegend auf so beweglichen Platten...

Carsten Nee, aber mal ernsthaft. Also, er geht dann ja schon darauf ein, dass das, was heute auf der Ackerfläche für Futtermittel verwendet wird, dass das ja nicht mehr benötigt wird, weil er alternative Futterquellen versucht zu erfinden oder zugänglich zu machen und dann die entsprechende Acker- und Weidefläche für den Anbau von normalen Nahrungsmitteln für den Menschen zu verwenden. Ja, das kannst du heute schon machen, dafür brauchst du keine Kühe. Also dann kannst du auf die Kühe verzichten.

Stefanie Ja, aber ich denke aus dem Blickwinkel von 1968, wo Milch immer noch als das gesunde und wertvolle Nahrungsmittel, sollte Milch erhalten bleiben, aber zusätzlich noch was anderes angebaut werden. Brot war ja immer schon wichtig. Aber wie findest du das denn hier: mehrstöckige Gebäude, mehrere 10.000 Kühe und vor allem die Jahresleistung einer Kuh 10.000 bis 15.000 Liter. Also wenn man bedenkt, dass im Moment die Jahresleistung einer Kuh bei 5 bis 6000 Liter liegt. Dieses Buch ist von 1996, das heißt das ist schon 20 Jahre her und die Milchleistung damals, 1994 lag der Durchschnitt bei 5330 Kilogramm. Also es wurde in Kilo gerechnet, weil es immer um Butter ging und daher stammt das noch, mit den Kilo, also nicht Liter aber Kilo. Hier steht sogar in Israel liegt die Milchleistung bei 9000 Kilogramm, warum auch immer. Aber jedenfalls ist sie jetzt nicht enorm viel höher. Wie gesagt, wir hatten ja schon darüber gesprochen, dass es diese extremen Hochleistungskühe in Amerika gibt, die so eine krasse Milchmenge geben. Aber 10 bis 15000 Liter waren im Jahr 2000 definitiv noch nicht erreicht. Man muss ja immer bedenken, was das für den Organismus der Kuh bedeutet so eine Menge Milch zu erzeugen. Was sie arbeiten muss und wie die ausgenutzt wird.

Carsten Ja.

Stefanie Die Kuh als lebendes Wesen tritt völlig in den Hintergrund.

Carsten Ja, das ist ja schon fast so, als ob du einen Menschen nur noch auf Triathlon schickst und entsprechend fütterst, dass er rund um die Uhr noch eine Hochleistung erbringen kann.

Stefanie Ja, ich meine, das war irgendwie vergleichbar mit Ultra Marathon.

Carsten Ja, die Belastung für den Organismus ist natürlich am absoluten Extrem angesiedelt, sowohl bei den Leuten, die eben Ultra Marathon laufen, also jetzt heute bei den Kühen.

Stefanie Nur dass die Ultra Marathonläufer das freiwillig machen. Die werden nicht gezwungen ständig Ultra Marathon zu laufen, die machen das aus Spaß und Freude. Und diese Kuh macht das eben nicht aus Spaß und Freude, sondern weil der Mensch das will.

Carsten Und ist dann eben nach ein paar Jahren komplett ausgelaugt, weil der Körper das nicht hergibt. Genau.

Stefanie Ja, ich lese mal weiter: „Von der Erzeugungsanlage fließe die Milch durch Rohrleitungen direkt zur benachbarten Molkerei, die täglich etwa 2 Millionen Liter verarbeite und wo der Betrieb ebenso wie bei der Milcherzeugung weitgehend automatisiert ablaufe. Bei der Verarbeitung sei mit der vermehrten Herstellung reiner Milchbestandteile wie Casein, Molkeneiweißen, Butteröl, fraktionierten Butterölen usw. für die Lebensmittelindustrie zu rechnen. Der Absatz der Butter werde ab, der des Käses dagegen zunehmen. Trinkmilch werde von ihrer Beliebtheit nichts einbüßen, doch gelangen sie zum größten Teil als ein aus Trockenmilch rekonstituiertes Getränk an den Verbraucher.“

Und damit endet das hier. Hier wird dann diese Zukunftsvision noch mal besprochen. Das lese ich jetzt nicht mehr vor. Mir geht es jetzt erst mal darum. Wie diese Pro-Milch-Leute das besprechen, das wollen wir gar nicht hören. Dieses „ein aus Trockenmilch rekonstituiertes Getränk“ - ich meine, die Milch, die jetzt im Supermarkt landet, ist ja auch schon nur noch zusammengesetztes Kunstprodukt quasi. Diese Industrialisierung damit sagt das ja dann auch. Ich meine, das war 1968, das ist so ein bisschen. Ja, wenn man sich das so überlegt, was sie damals sich schon gedacht haben, daran kann man auch ablesen, dass die Kuh als Tier einfach völlig im Hintergrund stand und die Kuh als Maschine einfach nur.

Carsten Ja, das ist Fließbandarbeit. Das ist wie in einer Autofabrik. Da wird dann am Fließband irgendwo ein bestimmtes Produktionsmittel durchgeschleust und dann - ja, mir fehlt da jetzt noch so die Vision, dass dann, wenn die Kuh aufgebraucht ist, sofort in dem gleichen Gebäude, keine Ahnung, unten im Keller dann der Schlachthof drin ist.

Stefanie Und vielleicht öffnet sich dann so eine Luke. *Plöpp*

Carsten Ja, ich habe gedacht, so.

Stefanie Dann fällt die Kuh halt direkt da rein. Bestimmt ist da der Schlachthof auch mit drin, dann in dem Gebäude. Von der Heinrich Böll Stiftung gibt es da dieses super Dossier, was ich jedem, jedem empfehle und jedem, den ich sehe, kennenlerne, wie auch immer empfehle ich dieses Dossier. Das ist eigentlich für Kinder und Jugendliche, aber da kann jede·r von uns total viel draus lernen. Und das heißt „Iss was?!“ Das verlinke ich auch noch mal und da ist auch eine Vision, aber da geht es um Schweine und das ist wohl in den letzten Jahren gewesen. Aber es war auch ein Hochhaus, dass Schweine in Rotterdam, direkt in der Hafenstadt in einem Hochhaus mit mehreren Etagen Stockwerken beherbergt werden sollten und sie sollten sogar einen Balkon bekommen, damit sie mal raus schnuppern können. Und da sollte der Schlachthof direkt mit drin sein. Aber aus dem Grund, dass den Schweinen dann der lange Transportweg erspart wird. So und gut, wir, die wir halt das Nutzen der Tiere generell ablehnen, also da finde ich halt, es bringt nichts zu sagen: „Ach ja, das ist ja schön, dass die Schweine da ein bisschen mehr Platz haben und auch mal nach draußen schnuppern dürfen.“

Carsten Bevor sie mit dem Messer kommen.

Stefanie Also ja, aber tatsächlich ist halt diese Idee, Tiere eben aufzustocken, sozusagen, anscheinend verbreitet.

Carsten Ja, du musst da irgendwie diese Massen unterbringen. Und wenn du versuchst, die irgendwo stadtnah oder sowas unterzubringen, dann bleibt dir nichts anderes übrig, als in die Höhe zu gehen. Ja, aber ich finde das schon sehr befremdlich, da jetzt wirklich hinzugehen und zu sagen, ich mache mir über mehrere Etagen hinweg irgendwie eine Kuh, eine Schweinehaltung und wie bei dieser Vision über die Kühe dann auch gleichzeitig mit ja tatsächlich Fließbänder, dass die Kuh ja eigentlich gar nicht mehr laufen kann...

Stefanie Ja, die ist ja auf beweglichen Planen quasi, wird sie so durch die Gegend geflogen. Das ist wie die Verfilmung von „Per Anhalter durch die Galaxis“. Da fliegen die doch auch mit so einem Aufzug oder sowas durch die Gegend und gucken sich dann an, wie die Erde wieder remodelliert wird. So stelle ich mir das auch vor, dass die Kühe so durch die Gegend fliegen und dann wird hier die Station angeflogen und die Station und also.

Carsten Brauchen sich nicht mehr bewegen.

Stefanie Ja, ich meine, sie werden auch jetzt schon so gehalten, dass sie sich nicht bewegen, aber sie wollen sich ja bewegen. Ja, also was die Kuh will, wird halt nicht berücksichtigt.

Carsten Nee, das tritt vielleicht in den Hintergrund.

Stefanie Und ich hatte mich jetzt letztens wieder mit einer Bekannten unterhalten, deren Bruder eine Schweinemast betreibt und die früher auf dem Bauernhof aufgewachsen ist und die auch Milchkühe hatten. Und sie sagte, dass ihr Bruder die Milchkühe vor fünf, sechs Jahren aufgegeben hat, weil die so arbeitsintensiv sind. Weil du da immer jeden Tag nach gucken musst und bei den Schweinen - und das fand ich irgendwie total erschreckend - ist es so, dass die automatisch gefüttert werden und dann muss man halt nicht unbedingt am Sonntag noch mal hingehen.

Carsten Die können mehrere Tage dann halt mal für sich sein.

Stefanie Und da fällt es mir nicht immer leicht, mit ihr dann einfach so zu reden, dass die Freundschaft bestehen bleibt. Aber ich denke dann eben, sie ist da einfach noch nicht so weit und sie ist in diesen Mechanismus noch verfangen. Und ja, wir waren alle mal im Karnismus verfangen und bei mir war es durch das lange Vegetarierinnendasein halt so, aber ich habe das mit den Milchkühen und mit den Eiern und den Bienen und den Schafen, was die Wolle angeht und das ganze ja auch alles nicht gesehen. Deswegen kann ich ihr da keinen Vorwurf machen, aber es fällt mir schon schwer. Aber so wie sie es sagte, dass die Milchkühe so arbeitsintensiv sind, denke ich, kann einfach so eine Vision nicht Wahrheit werden, weil ja durch diese ganzen Krankheiten, von denen wir auch wissen, die Mastitis und dass Kühe eben einfach Lebewesen sind und keine Maschinen, dadurch kann es einfach auch nicht funktionieren, mehrere 10.000 Kühe übereinander zu stapeln und so am Fließband abzufertigen.

Carsten Ich kann mir das auch nicht vorstellen, dass das funktioniert irgendwie. Nee.

Stefanie Am 2. Juni 2016 startet ein neuer Film. „Tomorrow“ heißt er und die Vorschau hatte ich gesehen, als ich mir „Hope for all“ angeguckt habe und ich votiere jetzt mal dafür, dass ich den auch sehen darf und nicht du. Also ja, wir ziehen noch irgendwie Stöckchen oder wir losen aus wer von uns den sehen darf. Der klang wirklich sehr vielversprechend und wir werden ihn auf jeden Fall auch hier noch dann vorstellen, wenn wir ihn gesehen haben. Eine·r von uns. Und da geht es wirklich darum, dann Lösungen zu finden. Also es ist kein Vegan Film soweit ich das jetzt gesehen habe - ich hab mir die Vorschau angeguckt, die kann ich dann auch noch mal verlinken, sondern da geht es darum, eben Tomorrow Lösungen zu finden. Der Ausgangspunkt war, dass eine·r von den Filmemacher·innen einen Bericht gelesen hatte, dass in 50 Jahren die Erde einen Kollaps erlebt oder so ähnlich. Also jedenfalls ging es darum wie werden unsere Kinder aufwachsen und da Lösungen zu finden, wie man auch anders in diesem System arbeiten kann und das finde ich sehr interessant. Ich höre dazu im Moment auch gerade eine Serie vom SWR 2 Wissen, da geht es um die teilende Gesellschaft. Und jetzt am Sonntag war der vierte Teil, da ging es um Sharing Economy, um das Wirtschaftliche davon. Und tatsächlich haben die das sehr kritisch dargestellt - also die gehen alles sehr kritisch an und ich finde es aber schön, wie sie das machen und ich finde das sehr empfehlenswert. Ich verlinke das auch. Also so, das ist wirklich wirklich empfehlenswert, solltest du dir anhören, wenn du dich dafür interessierst. Und da haben sie gesagt, inwiefern die Sharing Economy die Zukunft unserer Kinder gefährdet und ob die Sharing Economy nicht noch schlimmer ist als der Kapitalismus, weil der aus uns allen quasi nicht versicherte Kleinunternehmer·innen macht.

Carsten Achso ja.

Stefanie Mit diesem Uber, diesem Fahrdienst und diesen Taxen, wo du dann als Fahrer·in nur während der Fahrt versichert bist, auf der Hin- und Rückfahrt bist du aber nicht versichert. Und solche Beispiele haben sie genannt. Airbnb, wo du Privatwohnungen und -häuser vermieten kannst - sie haben die meiste Zeit von Amerika gesprochen - aber im Grunde ging es um Dienstleistungen, die du dann ausführst für Geld, wo du aber dann das alles ohne Versicherung machst und ob das nicht noch schlimmer ist. Und dass dadurch eben die, die sowieso wenig Geld verdienen, rausgedrängt werden. Das ist total interessant. Also solche Zukunftskonzepte finde ich sehr interessant und deswegen ja Zukunftsvisionen zur Milch, aber eben auch Zukunftsvisionen generell. Also das finde ich ganz spannend.

Carsten Ich muss mir die Folgen noch anhören. Ja, ich bin da noch nicht so weit.

Stefanie Wir können ja vielleicht noch mal eine Extrafolge dazu machen, wenn diese zwölfteilige Serie beendet ist - die Serie ist jetzt erst bei Folge vier - oder mal zwischendrin, um das mal zusammenzufassen, die mal ein bisschen vorzustellen, die ist wirklich sehr hörenswert. Also ich finde SWR2 Wissen macht viele hörenswerte Folgen und die sind auch immer nur so ne halbe Stunde lang und die kann man sich ja auch als Podcast anhören. So mache ich es auch. Ich höre gar kein Radio, sondern ich höre nur Podcasts. Deswegen produziere ich auch einen Podcast.

Eins wollte ich jedenfalls noch erwähnen. Wir waren am Freitag auf einer Hochzeit und haben uns auch mit den Gästen unterhalten. Wir sitzen nicht nur stumm da. Und zum einen habe ich mich mit einer Dame unterhalten, von der ich gar nicht wusste, wie alt sie ist. Sie hat mich gefragt, was ich mache, also habe ich ihr das erklärt und habe ihr dann auch gesagt, dass ich zur Milch forsche und habe ihr das dann erzählt, dass es damals noch dem Milchkaufmann gab und diese reinen Milchfachgeschäfte und so. Und dann meinte sie ja, das kennt sie alles noch aus ihrer Kindheit. Sie musste so 60 gewesen sein, würde ich schätzen. Und das finde ich sehr interessant, dass es eben Menschen gibt, die das alles noch kennen. Und dann haben wir noch Jüngere befragt, sozusagen, die dann auch gesagt haben, sie kennen das auch noch aus ihrer Kindheit, aber eben auf dem Land, dass da noch der Milchwagen kam, weil sie eben auf dem Land wohnen, in der Stadt war das dann nicht mehr so. Und das eben bei den Bauern - das ist aber eben das Bäuerliche. Es geht ja immer um diese Trennung von der Ab-Hof-Milch und der Molkerei-Milch, dass da die kuhwarme Milch ein Qualitätsmerkmal ist. Und es ist ja eben wie gesagt, von der Molkerei weggedrängt worden. Aber es gibt jetzt wieder tatsächlich, ich habe es aus mehreren Quellen gehört, auf dem Land solche Vorstöße, dass es so was wie Milch-Tankstellen gibt, wo du dann hinfährst und das abholen kannst und so eine Milchklappe oder sowas. Also wieder der Versuch, die Rohmilch direkt vom Hof zu verkaufen.

Carsten Also sprich das Naturprodukt wieder in den Vordergrund zu stellen. Genau.

Stefanie Aber es ist natürlich schwer, weil die, sagen wir mal, Molkereilobby ganze Arbeit geleistet hat, diese Milch zu diffamieren, dass sie dann halt unhygienisch ist, dreckig, schmutzig und auf jeden Fall ungesund, verursacht Krankheiten, etc.. Also das ist ja wirklich so, dass ist ja sehr allgemein so eingetrichtert worden.

Carsten Ja, ja, es kam ja auch von der Gesetzgebung irgendwann auch das Verbot für den Ab-Hof-Verkauf. Das durften die ja aus hygienischen Gründen nicht machen und das ist ja im Laufe der letzten Jahre weggebrochen. Also da hat es wieder eine Gesetzesänderung gegeben. Ich weiß jetzt nicht wann. Ich weiß auch nicht in welchem Detail, aber zumindest haben die Landwirte jetzt doch wieder die Möglichkeit, unter bestimmten hygienischen Auflagen den Ab-Hof-Verkauf wieder durchzuführen. Und da scheint wohl wieder so ein kleiner Nischenmarkt zu sein, der sich da versucht irgendwie zu positionieren. Also ich glaube, das wird eher nicht die breite Masse erreichen. Aber interessant finde ich einfach nur, dass auch die das Qualitätsmerkmal wieder in den Vordergrund stellen, die versuchen ihre Rohmilch als qualitativ hochwertiges Produkt wieder zu vermarkten. Das ist ja im Grunde genommen, so haben die Molkereien ja damals auch versucht zu arbeiten, die Qualität in den Vordergrund zu stellen. Die haben es aber anders definiert. Bei den Molkereien war es eben Qualität, dadurch, dass die Hygiene im Vordergrund stand. Und jetzt bei den Landwirten ist eben das Naturprodukt.

Stefanie Genau das es wenig verarbeitet ist, das ist quasi wieder so ein Zurück. Und ich meine, wir hatten irgendwann mal so eine Doku gesehen, die war aber nicht so toll, deswegen habe ich die noch nie verlinkt, zu Milch und da wurde auch ein Betrieb vorgestellt, die dann auch diesen Ab-Hof-Verkauf wieder machen. Damals war ich aber noch nicht so belesen, was das angeht, deswegen hatte ich das nicht so auf dem Schirm und da wurden auch Kunden von denen vorgestellt, die dann gesagt haben „Ach ja, das ist so toll, das ist wie damals.“

Carsten Ja. Nostalgiefaktor kommt noch oben.

Stefanie Genau, das ist wie damals und ich weiß noch usw. und so fort. Und es war ja eben auch so in der Bevölkerung, diese kuhwarme Milch war einfach ein Qualitätsmerkmal. Aber weil die Molkerei gesagt hat, das ist schmutzig, unhygienisch, haben sie sich davon dann beeinflussen lassen.

Carsten Ich finde das aber spannend wie von der Definition der Begriff Qualität ausgelegt.

Stefanie Wie flexibel das ist. Ja und daran erkennt man ja dann auch, wie das ganze System funktioniert. Also was bedeutet das jetzt? Und das unterliegt Schwankungen. Mal ist Qualität hygienisch reine weiße Milch und jetzt ist Qualität, dass sie möglichst unverarbeitet ist. Also je nachdem, für wen. Und ja, das ist dann das Interessante daran. Und die Kuh? Die steht immer im Hintergrund.

Carsten Ja, klar.

Stefanie Also es geht nur um die Milch, nur um das Produkt. Und dass dahinter eben die Kälber sterben und so..

Carsten Ja, genau. Das Leiden der Kuh steht im Hintergrund. Also beim Ab-Hof-Verkauf ist die Kuh ja schon zentraler in der Vermarktung drin. Dadurch, dass du eben von einem Naturprodukt sprichst, was dann eben auch...

Stefanie Dass es der Kuh „gut“ geht und so..

Carsten Genau. Aber dass das Leiden der Kuh deswegen nicht wesentlich besser ist, weil letztendlich ist es doch egal, ob die Milch jetzt vom Kunden direkt beim Bauern abgeholt wird oder der Bauer, die an die Molkerei verkauft. Ja, das ist für die Kuh eigentlich gehupft wie gesprungen. Ändert nichts an ihrem Leiden.

Stefanie Ja, aber das fand ich eben interessant, dass es Zeitzeugen gibt, die nicht schon über 100 sind, die das alles noch so miterlebt haben. Und daran können wir wieder erkennen, dass das alles noch jüngere Geschichte ist. Das ist einfach noch nicht so lange her. Aber, da wieder die Rolle der Werbung, das Marketing hat eben ganze Arbeit geleistet. Das Marketing hat so viel Arbeit geleistet - Ich habe mal ganz kurz noch in den Vermarktungsatlas von der CMA, der zentralen Marketinggesellschaft für die Agrarindustrie, reingeschaut und dann stand da was von wegen wie die Kunden die Milch empfinden, also mit welchen Attributen die die belegen. Und da wurden auch Befragungen aufgezeichnet und dann ging es um die Frage: „Wenn Sie Ihrem Kind was mitgeben, was ist das denn dann?“ Und dann an zweiter Stelle der Antworten stand die Milchschnitte.

Carsten Die Milchschnitte.

Stefanie Die Milchschnitte als gesunder Snack für zwischendurch. Und das ist ein 1a Beispiel für Werbung.

Carsten Ja klar.

Stefanie Weil. Ich meine. Hallo, wo ist die Milchschnitte gesund? Das hat sich mir so eingebrannt, als ich gesehen habe, auf dem zweiten Platz schon Milchschnitte. Und ich glaube, Obst und so stand noch da drunter.

Carsten Da ist auch keine Milch drin im Obst.

Stefanie Genau.

Carsten Kann ja nicht gesund sein.

Stefanie Ich habe vergessen, was an erster Stelle stand. Ich weiß nur an zweite Stelle stand die Milchschnitte. Ich werde das auch alles noch mal aufarbeiten. Aber wie gesagt, es kostet einfach Zeit. Und deswegen muss ich das nach und nach machen. Aber das mit der Milchschnitte, fand ich, ist so ein gutes Beispiel für funktionierende Werbung und wie das Mütter beeinflusst hat, ihren Kindern diese Milchschnitte zu geben. Also der Meinung sind, ja, das ist was Gutes. Ich meine, so ist es ja auch in der Werbung und daran kann ich mich auch erinnern, auch wenn wir jetzt seit vier Jahren keinen Fernseher mehr haben, ist es trotzdem so, dass - ich weiß jetzt nicht, was aktuell für Werbung kommt - aber was damals für Werbung kam, da war immer irgendwie: hier der gesunde Snack für zwischendurch. Und was war das? Halb 10 ist... Nee, das war Knoppers, das Frühstückchen. Ja, aber so ein Schwachsinn. Ja, so ein gezuckerten ****** so verkaufen für, für was? Und da ist dann irgendwie Milch eingeschleust.

Carsten Ja, aber noch nicht mal frische Milch. Das ist ja auch nur Pulverzeugs, das da mit reingemengt wird.

Stefanie Ja, ja, ja, natürlich. Das ist nur eine Idee. Das ist nur in unserem Kopf.

Carsten Und ein Bild auf der Verpackung. War doch so, oder? Bei der Milchschnitte, war da nicht so ne kleine Milchkanne, oder so?

Stefanie Ja, ja, bei der Milchschnitte ist immer so, hier die Extraportion Milch halt oder so, oder? War es nicht das? Oder war es woanders her? Aber egal, ich wollte es nur sagen, auf Platz zwei. Ich weiß nicht mehr, von welchem Jahr das war, aber es hat sich mir so eingebrannt und deswegen will ich das halt auch untersuchen, weil ich wissen will, welche Strategien haben die benutzt, wie hat es funktioniert, warum ist das alles so alltäglich und wieso kaufen die das alle?

Carsten Schmeckt gut. Ist gesund.

Stefanie Genau.

Carsten Steht sogar drauf.

Stefanie Genau das reicht jetzt aber hier, wirklich. Also mit dem Thema Milch sind wir definitiv noch nicht durch.

Carsten Aber wir wollten halt eben im Rahmen dieser Doppelfolge den Weltmilchtag...

Stefanie Den 58. nicht den 59.

Carsten ...noch mal gesondert behandeln. Ganz einfach aus aktuellem Anlass. Ja, und das passte auch ganz gut zu deinen Recherchen und Forschungsergebnissen, wo du noch lange nicht zu Ende bist.

Stefanie Aber das ist eine never ending story. Ich weiß auch noch nicht, was draus wird. Ich werde immer gefragt: Was wirds denn? So nach dem Motto. Die Bibliothekarin hat mich auch gefragt, ob es Master oder Bachelor wird. Ich so nee, ich bin keine Studentin.

Carsten Ich glaube das einzige was du sagen kannst, was mit Sicherheit sagen kannst es bleibt vegan.

Stefanie Es bleibt vegan. Ja, das stimmt.

Carsten Aber ansonsten ist es halt offen vom Ergebnis. Ja, aber da sind ja doch schon so ein paar Facetten und interessante Sachen rausgekommen, die man jetzt genau in dieser Doppelfolge drin haben konnte.

Stefanie Und das ist es ja auch, was ich wollte. So ein bisschen historischen Hintergrund zu geben. Denn das meiste, worum es hier geht, ist das Aktuelle, das Tierleid und so. Und da befassen sich eben schon genügend Menschen mit. Da kann ich also noch ein bisschen was Historisches beisteuern. Und diese Zukunftsvision mit den fliegenden Kühen und so und das finde ich halt ziemlich passend.

Carsten Vielleicht gibt es da eine Hörerschaft, dann auch so ein paar weitere Zukunftsvisionen, die von damals stammen. Also nicht vom heutigen Tag an, wie könnte die Landwirtschaft im Jahr 2050 aussehen oder so.

Stefanie Kennst du auch fliegende Kühe?

Carsten Nee, aber das wäre natürlich interessant zu wissen, was ist denn so bei anderen mal verhaftet gewesen oder was wird diskutiert?

Stefanie Ja, oder eben auch wenn du dich noch erinnern kannst an Ab-Hof-Verkauf, an Werbung. Also wie gesagt, ich bin immer interessiert an Milchwerbung. Also ich bin jetzt eben erst in den 50er, 60er, 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ich taste mich ganz langsam vor, was es so gibt und ich bin auch dabei. Ich werde auch noch mal weiter in die Vergangenheit gehen, weil es eben vor dem zweiten Weltkrieg noch mal andere Werbung gab. Aber so das was wir jetzt haben, das Fundament wurde auf jeden Fall nach dem zweiten Weltkrieg gelegt. Und wenn du da noch was weißt und mir da irgendwie nochmal einen Tipp geben kannst, gerne.

Carsten Ja, sind wir offen für. Also, liebe Hörer, liebe Hörerin, einfach mal so wie hast du das damals empfunden von der Werbung? Kennst du vielleicht noch alte Werbung? Vielleicht hast du da so ein altes Poster irgendwo mal gesehen. Ist natürlich hochinteressant.

Stefanie Wie gesagt, zum Thema Schulmilch, das mache ich nochmal extra, das kommt alles noch.

Carsten Schick uns das einfach mal zu. Schreib uns eine Anekdote, von mir aus nimm auch ein kleines Audio auf und lass es uns zukommen. Da sind wir neugierig und würden uns über entsprechendes Feedback freuen.

Stefanie Genau. Also Milch. Ich merke wirklich, Milch wird mittlerweile so zu meinem Hauptthema. Ja, also von daher gerne alles loswerden.

Carsten Genau. Wir werden das aufgreifen, aber auch das, was du, Stefanie, dann nochmal erarbeitet hast, auch in zukünftigen Folgen immer mal wieder irgendwo mit reinbringen. Sei es, wenn ein aktueller Anlass sich ergeben sollte oder wenn du irgendwie bahnbrechende Ergebnisse in deiner Forschungstätigkeit dann hast. Ja, dann gibt es ja immer.

Stefanie Forschungsdurchbruch.

Carsten Forschungsdurchbrüche. Interessante Themen kommen ja immer wieder aufs Tablett und das kann man dann ja auch relativ gut in solchen Folgen einfliessen lassen. Da sind wir frei bleibend. Es gibt kein vordefiniertes Schema, sondern das machen wir einfach mal so zwischendurch.

Stefanie Wie es halt bei der Forschung so ist. Wir sind einfach nur neugierig.

Carsten Genau. Ja, in diesem Sinne.

Stefanie Ich wollte gerade sagen: In diesem Sinne, jetzt machen wir es andersrum. In diesem Sinne.

Carsten In Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Und auf Wiedersehen.

Links zur Folge

Sag Nein zu Milch - Kampagne von ARIWA, die Tierbefreier und Nandu
http://sagneinzumilch.de/

Die Milch : Geschichte und Zukunft eines Lebensmittels / hrsg. im Auftr. der Stiftung Museumsdorf Cloppenburg, Niedersächsisches Freilichtmuseum von Helmut Ottenjann ... [Museumsdorf Cloppenburg, Niedersächsisches Freilichtmuseum], Cloppenburg : Museumsdorf Cloppenburg, 1996.

Tomorrow - der Film
http://www.tomorrow-derfilm.de/

Hope for all
http://www.hopeforall.at/

Unsere Rezension zu "Hope for all"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-16-hope-for-all-von-nina-messinger

Iss was - Dossier
https://www.boell.de/de/isswas

Die teilende Gesellschaft - SWR2 Wissen
http://www.swr.de/swr2/wissen/swr2radioakademie-die-teilende-gesellschaft/-/id=661224/did=17078978/nid=661224/1txmsd5/

Weltmilchtag
http://www.tag-der-milch.de/

Ausgemolken - Milchausstieg selber machen
http://www.ausgemolken.net

Folge 17 - Der Weltmilchtag- historisch betrachtet

Ein Beitrag

Folge 17 - Der Weltmilchtag- historisch betrachtet

In dieser Folge

  • erfährst Du von den historischen Wurzeln des Weltmilchtags,
  • den Anfängen der "modernen" Milchwirtschaft,
  • von einer ausgestorbenen Berufsgruppe
  • und den Beweggründen für die intensive Bewerbung der Milch.

Der internationale Tag der Milch oder Weltmilchtag wird dieses Jahr am 1. Juni gefeiert. Das war nicht immer so.

Der erste Weltmilchtag fand am 6. Juni 1958 unter dem Motto "Milch = Gesundheit" statt.

Weitere Daten sind z.B. der 18. Mai 1960 mit dem Motto "Milch - unser bestes Getränk" und der 24. Mai 1962.

Im Vordergrund standen die Volksgesundheit und die Förderung der Landwirtschaft- tierrechtliche oder gar ethische Aspekte waren kein Thema.

Nach dem Krieg und den Hungerjahren ging es in erster Linie darum die Gesundheit und Arbeitskraft der Bevölkerung zu steigern.

Die Milch sollte als günstiges und nahrhaftes Volksnahrungsmittel eine Schlüsselrolle spielen.

Links zur Folge

"Milch besser nicht" von Maria Rollinger
www.milchbessernicht.de

Unsere Podcastfolge zu "Milch besser nicht"
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-15-buchrezension-milch-besser-nicht-von-maria-rollinger

Der Grüne Plan
https://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-gruenderjahre/wirtschaft-und-gesellschaft-im-westen/wandel-der-landwirtschaft.html

Bibliothek der ehemaligen Milchforschungsanstalt in Kiel
https://www.mri.bund.de/de/service/bibliothek/

Weltmilchtag
http://www.tag-der-milch.de/

Sag Nein zu Milch - Kampagne von ARIWA, die Tierbefreier und Nandu
http://sagneinzumilch.de/

Ausgemolken - Milchausstieg selber machen
http://www.ausgemolken.net

Transkript (Korrektur gelesen von Erika K.)

Carsten Heute sprechen wir über ein aktuelles Thema und zwar möchten wir den Weltmilchtag oder den internationalen Tag der Milch einrahmen in einer Doppelfolge und zwar findet am 1. Juni der nächste Weltmilchtag statt und Stefanie hat sich auf Recherchetour gemacht und einiges an Hintergrundinformationen über die Historie dieses sagenumwobenen Milchtages herausgefunden.

Stefanie Der sagenumwobene Milchtag. Ja, Mythen spinnen sich um diesen Milchtag unter anderem auch der wievielte das jetzt eigentlich ist.

Carsten Ja, der wievielte ist es denn eigentlich?

Stefanie Bei Wikipedia steht, es ist jetzt, es müsste der 59. sein. Aber ich hab rausgefunden, es ist erst der 58.

Carsten Oh, wie kommt das? Kann Wikipedia nicht zählen?

Stefanie Ja, wir wissen ja, Wikipedia ist ein usergenerierter Content. Ja also deswegen, - wer weiß woher…

Carsten aber wann fand dann der erste Tag denn überhaupt statt?

Stefanie Ja, wo Du schon so fragst sag ich es dir natürlich. Also jetzt mal hier Tacheles, also der erste internationale Milchtag fand am 6. Juni 1958 statt. Und wenn ich richtig zählen kann ist jetzt eben erst das 58. Mal.

Carsten Da stimme ich dir zu.

Stefanie So dass er 2018 sechzig wird sozusagen.

Carsten Alter Greis vielleicht geht er dann in Rente, ja.

Stefanie „Alter Greis“ - lass das nicht unsere Eltern hören! So, also ihr habt das nicht gehört. So, ok also der erste internationale Milchtag fand unter dem Motto „Milch gleich Gesundheit“ statt. Und das ist eigentlich auch schon bezeichnend für die Zeit damals, 1958 vor 58 Jahren; was eigentlich noch gar nicht so lange her ist, aber es war tatsächlich noch eine turbulente Anfangszeit der Milch und im Grunde, wenn wir jetzt von Milch sprechen, sprechen wir auch gar nicht von dem, was da aus dem Euter fließt, sondern wir sprechen von der Molkerei-Milch.

Carsten Ausschließlich von der Molkerei-Milch, so wie ich das gesehen habe.

Stefanie Genau, also ich wollte jetzt ganz gerne das hier noch ein bisschen mehr in den geschichtlichen Kontext stellen. Ich war heute ja mal wieder in Kiel in der ehemaligen Milch-Forschungsanstalt in der Bibliothek und hab da alte Schriften gewälzt und unter anderem auch den „Milchkaufmann“ das ist eine Zeitschrift oder eine Zeitung, eine Fachzeitung,

Carsten ein Branchenblatt

Stefanie genau ja, das ist gut. Ein Branchenblatt für den Milchkaufmann, den es damals eben noch als Beruf gab. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, ne?

Carsten Sagt mir so zumindest nichts.

Stefanie Ja, ich hab auch gedacht, also, es ist wirklich eine Branche, die gab es auch nur ganz kurz, also sie ist aufgekommen sagen wir mal so in den 30er, 40er Jahren des letzten Jahrhunderts und hat sich dann ja so gehalten, sagen wir mal bis ja Ende der 70er Jahre, also wirklich nur so 40 Jahre vielleicht.

Carsten Nicht wirklich lange.

Stefanie Also es war eben damals so, „damals“ das so zu sagen, als wäre es voll ewig her, aber es ist wirklich noch nicht lange her. Damals, als unsere Eltern so kleine Kinder waren, oder geboren wurden, je nachdem, das damals war es eben so, dass es noch Milchfachgeschäfte gab und Milch durfte nur da verkauft werden in diesen Fachgeschäften. Und noch viel früher gab es natürlich die Milch direkt vom Bauernhof und das ist eigentlich, kann man sagen, dass die, ja die moderne Milchwirtschaft, so um 1870 anfing mit der Erfindung der ersten Zentrifuge. Wenn es dann eben möglich wurde, die Milch schneller und besser zu verarbeiten und dann ging es in kleineren Schritten immer weiter. Es gab auch erste Experimente mit Melkrobotern, die für die Kühe nicht sehr schön waren und hatte ich das eigentlich schon beim letzten Mal erzählt, als wir über die Milch gesprochen haben?

Carsten Ich bin mir nicht sicher, ob wir das im Podcast besprochen haben…

Stefanie oder einfach so, also ich hatte das schon mal erzählt. Ja, das würde ich auch nochmal gesondert irgendwie erzählen, aber jedenfalls, die technische Entwicklung schritt voran und dann war es so, das der Verleger der Milchzeitung - das ist auch wieder ein Fachblatt - habe ich auch vorhin wieder in dem Archiv bewundert, Reihe um Reihe von tatsächlich...

Carsten Du hast den Verleger bewundert?

Stefanie Nein, das Fachblatt. So, also jedenfalls habe ich diese Zeitung bewundert, ja, also hab es aber jetzt heute nicht mehr rausgezogen, weil mir das, ich hatte nicht so viel Zeit und außerdem… ja also es geht natürlich darum, wie aus der Milchwirtschaft, die eigentlich eher was bäuerliches ist, dann wirklich eine Wirtschaft zu machen und einen Wirtschaftszweig, wirtschaftliches Arbeiten. Und es geht dann auch wiederum darum, das in einen geschichtlichen Kontext zu stellen und zu sagen, so, es gab dann die Weltkriege und es gab Hunger. Nachdem, also zwischen den Weltkriegen wurde viel gehungert, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg – gut, jetzt haben wir einen großen Zeitsprung gemacht. Aber, jedenfalls vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Menschen gehungert in der Nachkriegszeit und es ging jetzt darum, diese Milch als Volksnahrungsmittel zu etablieren.

Carsten günstiges Lebensmittel mit einem bestimmten Nährwert..

Stefanie Genau

Carsten was noch erschwinglich oder auch verfügbar für die komplette Republik, also für die Masse war

Stefanie …für den Arbeiter. So und also tatsächlich die Motivation am Anfang muss noch, sagen wir mal, lauter gewesen sein, also so, es war noch nicht so nur profitorientiert, sondern wirklich es ging wirklich um die Volksgesundheit, es ging darum, ja eben Mangelernährung...

Carsten also die hatten weniger den wirtschaftlichen, sondern mehr so einen ideellen oder gesundheitlichen Aspekt?

Stefanie Also soweit ich das daraus gelesen hab, ist es also so, wie die Milch damals beworben wurde, wurde halt dieser gesundheitliche Aspekt rausgestellt. Aber es ging vor allem darum, wenn man diesen Zusammenhang sieht zwischen den Weltkriegen und der wirtschaftlichen Lage und also dem Hunger und ja einfach dass es diese Klassenunterschiede auch gab zwischen der Bevölkerung; dass eben die breite Masse nicht genug zu essen hatte. Es ging darum, jetzt ein Lebensmittel zu etablieren, das laut damaliger Darstellung besonders gesund und nahrhaft ist und dann auch zudem noch günstig. Und wenn wir jetzt springen - erster internationaler Tag der Milch ist ja in 1958 - also wenn wir jetzt bis dahin springen, ist es so, 1958 da war der Krieg ja noch nicht so ganz so lange vorbei, der Zweite Weltkrieg. Und nach dem Zweiten Weltkrieg, wie gesagt, hungerten die Massen und da ging es dann wirklich darum, jetzt die Wirtschaft wieder anzukurbeln und dann kam dieser „grüne Plan“ auf den Plan. Muss noch mal eben gucken das war 57, meine ich. Ich hab mir das hier aufgeschrieben.

Carsten Was genau ist dieser „grüne Plan“?

Stefanie Also ich muss mal eben gucken, ob ich das Datum noch hab, aber das hab ich mir gar nicht aufgeschrieben. Aber ich meine das war 1957 - aber jedenfalls also, der „grüne Plan“, da ging es darum, dass die Politiker, das waren die CDU- Politiker damals, die Landwirtschaft ankurbeln wollten, dass sie gesagt haben, jeder kann Bauer sein, der Bauer sein will und versucht haben, verstreut liegende Felder zusammenzufügen. Das waren diese Flurbereinigungen, dass Flüsse einbetoniert, begradigt wurden also, sagen wir mal Sünden, aus unserer Zukunft betrachtet, die später auch versucht wurden, wieder rückgängig gemacht zu werden. Aber es war alles unter dem Motto „So, wir müssen uns jetzt wieder selbst ernähren können und die Landwirtschaft muss stark unterstützt werden“ und dadurch fing es dann eben auch an, dass die Milch subventioniert wurde und also auch die ganze Landwirtschaft wurde subventioniert, aber eben auch die Milch. So und als Teil des Ganzen war eben dann ja der internationale Milchtag natürlich willkommen, also 1958. Und das alles fließt da mit ein in dieses Ganze also einerseits ist es natürlich sehr wirtschaftlich motiviert, Deutschland soll sich wieder erholen und soll sich aufbauen, die Wirtschaft soll wieder florieren und andererseits ist es dann so, dass die Gesundheit die „Volksgesundheit“ im Vordergrund steht und das soll eben nicht mit der Milch direkt, der Rohmilch, vom Euter quasi, also vom Bauern „ab Hof Verkauf“ haben sie das immer genannt, soll nicht dadurch erfolgen, sondern durch die reine weiße, hygienisch reine Molkereimilch.

Carsten Ja, ich hatte vorhin in den Unterlagen, die du jetzt vorbereitet hattest, ja auch nochmal so eine Werbeanzeige von damals gesehen und da fiel mir auf, dass dort zwar Milch an sich präsentiert wird, das wird aber in Gläsern von Händen festgehalten. Hände greifen quasi oder halten Gläser fest, in denen Milch drin ist und auf diesen Plakaten fehlt jeglicher Zusammenhang zu Kühen. Also, da wird das Produkt Milch in den Vordergrund gestellt, aber ich unterstelle mal, dass die Werbetreibenden damals also ganz klar diese Parallele zur Kuh oder die Verbindung zur Kuh einfach ganz bewusst ausgeblendet haben.

Stefanie Genau es ging jetzt also wirklich um dieses Molkereiprodukt. Allerdings habe ich eben in den Schriften - ich hab also diesen Milch Kaufmann durchgelesen - also die ganzen Aufzeichnungen bis, glaub ich, 1970 war der letzte, ich bin mir nicht ganz sicher. Aber jedenfalls ist es bis 1967, da hab ich das letzte gefunden, die letzte Aufzeichnung, dass immer noch anscheinend viele Kunden oder viele mögliche Kunden, viele Menschen, direkt ab Hof gekauft haben. Also dass die Milch direkt vom Bauern immer noch großen Zuspruch hatte und die Milchkaufleute, die Handelsleute, die in den Milchgeschäften wollten das natürlich nicht und wollten es unterbinden und haben aber immer noch dagegen angefochten. Und die Milch konnte auch die ganze Zeit nicht ohne Subventionen, also der Milchhandel konnte nicht ohne Subventionen bestehen, und im Grunde ging es eben darum, also die Kühe und das Tierwohl und alles das, da ging es eigentlich fast gar nicht drum, also es war alles so in den Hintergrund gerückt. Es ging nur um Hygiene, und es ging darum, ein günstiges „Volksnahrungsmittel“ zu etablieren und das eben mit allen Mitteln. Aber überall, wo ich dann also alles, was ich gelesen hab klang so als wären diese Menschen, die das geschrieben haben, wirklich der festen Überzeugung, dass Milch wirklich gesund ist also nicht das es irgendwie eine Masche ist oder so, sondern dass es wirklich gesund ist und sie haben wirklich an den Nährwert der Milch geglaubt.

Carsten Quasi so das ideale Nahrungsmittel gefunden und das wollen wir jetzt entsprechend in der Bevölkerung fest verankern, als Volks- oder Grundnahrungsmittel und dementsprechend waren ja auch die Strategien und Ratschläge, die da in diesen Zeitungen drin standen, ausgelegt. Also ich hatte das parallel oder zwischendurch mal ein bisschen gelesen, da gibt es ja durchaus extreme Handlungsempfehlungen für diesen Milchkaufmann ja, so wie er mit seinen Kunden umgeht, wie er versucht, jetzt entsprechend auch Hausfrauen irgendwie zu überzeugen und so. Das ist dann nicht so unterschwellig, wie man sich heute so Marketing vorstellt, sondern schon wirklich konkrete Handlungsempfehlungen. „Sie müssen“ also jetzt frei übersetzt, du kannst das gleich besser wiedergeben, aber „sie müssen so und so mit den Leuten sprechen“ und exakt der Wortlaut wird auch vorgegeben.

Stefanie Ja, genau ja, es ist natürlich noch alles sehr am Anfang so und diese Entwicklungen, das ist ja quasi ein neuer Beruf. Und die müssen da erst reinwachsen und auch diese, ja also das sind dann Kaufleute, also die müssen eben werben und auch ja verkaufen können, aber die meisten können das eigentlich gar nicht, die kennen sich halt mit der Milch wohl aus, aber die können eigentlich nicht verkaufen.

Carsten Ja, gut, ich mein…

Stefanie Das sollen sie halt lernen.

Carsten Der Beruf war halt neu und hat keine lange Lebensdauer gehabt, also kann kein klassischer Ausbildungsberuf gewesen.

Stefanie Wobei, es gab auch Lehrlinge und so in der Zeit. Es ist halt so, dass sich das so entwickelt hat, dass zunächst halt der „ab Hof Verkauf“, dann dass die Bauern Milchmädchen eben eingestellt haben, die die Milch weiterverkauft haben, die dann mit dem Wagen durch die Gegend gezogen sind. Dann gab es eben Milchhändler, die mit größeren Wagen durch die Gegend gezogen sind, und dann gab es diese Verkaufsstätten, die festen, also die Läden, wo man dann reingehen konnte. Und die gibt es ja jetzt auch nicht mehr, also es ist dann einfach im Zuge, als die Supermärkte kamen - das war so in den Siebzigern, also des letzten Jahrhunderts - da fing das eben an mit Discount und den ganzen Sachen, also das steht schon alles da drin, also, dass sie Angst haben vor Discount und so und dass es alles weg geht und dass die Milch dann auf einmal in den Einzelhandel kommt und dass die Milch dann auf einmal in die Supermärkte kommt und so und also, das sind alles so Erfahrungen, also, das ist wirklich auch eine interessante Geschichte. Genau, denn der deutsche Milchkaufmann…

Carsten Und aus dem hast du dann jetzt eine Passage zum ersten internationalen Milchtag?

Stefanie Genau, habe ich rausgesucht und ich wollte das nur mal kurz vorlesen, das ist auch gar nicht so lang. „Erster internationaler Milchtag. Molkereibesichtigungen und kostenlose Schulmilch vorgesehen.“ Dazu muss ich jetzt nochmal kurz einwerfen, ich habe bis jetzt diese verschiedenen Zielgruppen quasi herausgearbeitet was wer jetzt, also an wen die Werbung gerichtet wurde und Schulmilch ist definitiv nochmal ein eigenes Thema. Das möchte ich auch noch weiter ausarbeiten, aber es gibt ja noch den Weltschulmilchtag.

Carsten Den gibt es auch noch?

Stefanie Ok, der ist im September und deswegen habe ich gedacht, ich verschieb das mit der Schulmilch noch ein bisschen also mach ich das passend zum September, kümmer ich mich jetzt erstmal um die anderen Zielgruppen und mit der Schulmilch mach ich das dann…

Carsten Ja ok.

Stefanie Gut, also hier geht es jetzt tatsächlich um den internationalen Milchtag. Den Schulmilchtag gibt es erst seit 2000. Das ist also definitiv eine Marketing-Masche. Gut, das hier mit dem Weltmilchtag ist auch irgendwie eine Marketing Masche, ne.

Carsten Aber schon mal etablierter.

Stefanie Genau. Gut also, ich zitiere: „am 6. Juni 1958 findet der erste internationale Milchtag statt. Dem das Leitwort „Milch gleich Gesundheit“ gegeben wurde. Unter der Schirmherrschaft des Internationalen Milchwirtschaftsverbandes beteiligen sich daran die folgenden 11 Länder: Belgien, Finnland, Indien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, Vereinigtes Königreich und die Bundesrepublik Deutschland.“ Ich finde das irgendwie merkwürdig mit Indien..

Carsten Ja, das ist das einzige Land, was nicht in Europa sitzt.

Stefanie Indien sticht so ein bisschen raus und deswegen ist es sehr international, aber Amerika beteiligt sich da nicht dran.

Carsten Ne, okay, komm vielleicht später.

Stefanie „Die mehr als 530 Millionen Menschen dieser Länder sollen durch den internationalen Milchtag daran erinnert werden, dass Milch und Milcherzeugnisse die wertvollsten und preiswertesten Grundnahrungsmittel mit vielfältiger Verwendungsmöglichkeit sind.“ Genau und das finde ich halt auch interessant, so generell gibt es bei diesem Milchkaufmann auch verschiedene Kundenzeitschriften. Ich hatte jetzt tatsächlich heute welche ausgegraben, da die eine, die heißt „frisch und froh“ und hab da lustige Sachen über die Hausfrau und so alles mögliche gelesen – also, das ist halt für die Hausfrau und da sind auch so Fortsetzungsromane drin und solche Sachen halt. Alles, was man von so einer Zeitschrift erwartet und so, es ist total lustig. Also es geht natürlich um die Milch und da ist auch so ein Comic drin, wo immer Milch dann ja einen Stellenwert hat und so und also so, wie man sich so eine typische Frauenillustrierte vorstellt von damals mit Milch als Hauptthema. Und okay also, das ist total lustig, ich muss sie nochmal, also ich hatte heute wie gesagt nicht viel Zeit und deswegen also es gibt noch so viel in dem Archiv zu heben. Deswegen…, also ich kann jedem nur empfehlen, der da forschen will, in dieses Archiv zu gehen.

So also weiter ich zitiere mal weiter. „Diese wissenschaftliche und wirtschaftliche Erkenntnis hat sowohl für die Länder Bedeutung, in denen noch immer Hunger und Not weit verbreitet sind, als auch für die Staaten, in denen die Menschen durch fortgeschrittene Zivilisationen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind. Durch sinnvolle und natürliche Ernährung, in der die Milch das wichtigste Grundnahrungsmittel ist, kann Ernährungsschäden wirkungsvoll begegnet werden.“ Was sagst du eigentlich dazu?

Carsten Ich sehe das natürlich sehr zwiespältig, gerade jetzt so in den letzten Jahren kommen immer mehr kritische Stimmen hoch, die diesen gesundheitlichen Wert der Milch dann doch stark in Frage stellen. Es wird zwar an vielen Stellen sehr kontrovers diskutiert, aber es deuten immer mehr Studien und medizinische Ergebnisse darauf hin, dass die Milch eben nicht so gesund ist, wie es propagiert wird. Und wenn ich das jetzt so lese, hier dieses wichtigste Grundnahrungsmittel als das es dargestellt wird. Ich glaube, da sind wir mit der heutigen Wissenslage ganz weit von entfernt. Also das Mindeste, was man heute über Milch sagen kann, ist, dass es sehr kontrovers zu diskutieren ist, aber ich würde es definitiv nicht mehr als das wichtigste Grundnahrungsmittel betrachten.

Stefanie Ich weiß nicht, also ich bin ja wie gesagt gesundheitlich nicht so versiert, ne? Das heißt nicht, dass ich gesundheitlich schlecht dastehe, also, das ist ja eher dein Interessensgebiet. Ich weiß halt nur in diesen Zeitungen und Zeitschriften, die ich jetzt gelesen hab, also die alten Ausgaben, dass Milch quasi für alles bestimmt ist, gegen alles hilft und also: Milch bei Grippe, Milch bei keine Ahnung… Tinnitus, hätte ich jetzt schon fast gesagt. Also Milch, ja Milch hilft im gegen Managerkrankheiten, damals schon

Carsten Damals schon, Burnout…

Stefanie Quasi so Kreislauferkrankungen. Milch hilft gegen Zahnschmerzen, Milch hilft was weiß ich, also Milch ist quasi universell einsetzbar.

Carsten Das ist das Super Food der Nachkriegsgeneration.

Stefanie Genau! Also irgendwie schon und das finde ich halt sehr interessant, weil ja also wir ja beide dieses Buch „Milch besser nicht“ gelesen haben und gut, du hast es ein bisschen mehr gelesen als ich, aber da ja steht doch eigentlich drin, dass Milch nicht gesund ist und außerdem, wenn ich immer noch mal diesen Galen von Pergamon anbringen darf, der 1500 Jahre lang quasi gesagt hat, dass Milch ungesund ist.

Carsten Und eigentlich Gründe genannt hat oder auch Erkenntnisse propagiert hat, die heute durch Studien ja auch nachgewiesen werden können und ja okay, der lag gar nicht so falsch oder gar nicht falsch oder wie auch immer, auf jeden Fall bewahrheitet sich das.

Stefanie Das ist halt, gut, also ich meine die Milch, die er damals quasi zur Verfügung hat, das eine ganz andere Milch als die, die wir jetzt haben.

Carsten Das kannst du auch nicht direkt vergleichen. Aber gut, hier geht es ja letztendlich auch nur um die Molkereimilch, die jetzt hier bei diesem internationalen Milchtag oder auch in der im Rahmen dieser ganzen Marketingmaschinerie, die da losgetreten wurde, betrachtet wird.

Stefanie Genau, die halt angepriesen wird.

Carsten Die angepriesen wird, genau. Und genau da gibt es auch ja eigentlich eine Vielzahl an kritischen Information und ich denke, das wird definitiv noch mindestens einmal einen Podcast oder eine Podcast Folge geben, wo wir vielleicht auch noch das, was du jetzt da in diesen ganzen Unterlagen recherchieren konntest, also quasi diese pro-gesundheitlichen Argumente aufgreifen.

Stefanie Also es ist wirklich total viel, es ist extrem. Klar, weil natürlich soll es als gesundes Volksnahrungsmittel verkauft werden.

Carsten Ja und dass wir das dann einfach mal so gegenstellen gegen das, was heute so bekannt ist.

Stefanie Hm, ja.

Carsten Das wird aber später nochmal folgen, also ich denke, das wird noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen, bis wir das für uns so weit ausgearbeitet haben, aber es ist mit Sicherheit noch ein spannendes Thema.

Stefanie Ja okay, ich les mal weiter: „Zum internationalen Milchtag haben die beteiligten Länder einen Plakatwettbewerb veranstaltet, bei dem eines der Deutschen vom Verein zur Förderung des Milchverbrauchs EV Frankfurt am Main vorgelegten Plakate gewählt wurde. Es zeigt im Fünffarbdruck auf dunklem Blau eine helle Erdkugel, von der aus eine durch Fahnen gebildete Hand ein Glas Milch hält. Im Vordergrund des Armes sind die Farben der am internationalen Milchtag 1958 beteiligten Länder besonders herausgearbeitet.“ Also siehst du, auch beim ersten Plakat gab es eben schon die Hand mit der Milch. Es geht wirklich nicht um die Kuh, es geht um die Milch, also es geht um die Molkerei.

Carsten Das Endprodukt, Molkereimilch.

Stefanie Das ist quasi der Erzeuger heißt es ja nur noch, es gibt den Erzeuger, also das ist alles so anonymisiert jetzt.

Carsten Ja gut, du hattest ja vorhin auch schon mal gesagt, dass die Milchwirtschaft an der Stelle ja versucht, den bäuerlichen Milch - wie soll man sagen – Milchverkauf….

Stefanie Also, Du meinst den „ab Hof Verkauf“.

Carsten Genau, den „ab Hof Verkauf“ schlechtzumachen, wegzudrängen. Schmutzig, also quasi dieses Hygieneargument, es ist nicht hygienisch genug und deswegen kann ich das verstehen, dass dann gerade bei solchen Marketingmaßnahmen, oder

Stefanie halt die Kuh nicht mehr da ist

Carsten Die Kuh nicht mehr da ist, der Bezug zum Landwirt, zum natürlichen Erzeugnis auch zwangsläufig rausgenommen werden muss, um eben irgendwo so ins Abstrakte reinzubringen, hier ist ein Lebensmittel; wo auch immer das herkommt, aber es ist da ja.

Stefanie Wobei ich mich dann ja frage, warum braucht es denn dann noch die Kuh, warum kann man das dann nicht komplett künstlich herstellen? Also weißt du, ich mein, so arg, wie das jetzt behandelt wird, wie das in der Molkerei zersetzt und wieder zusammengelegt wird und was weiß ich. Es hat eigentlich mit dem, was aus dem Euter fließt, ja nix mehr zu tun, warum braucht man das dann noch?

Carsten Vielleicht waren sie damals noch nicht so weit, um sowas wie Sojamilch….

Stefanie Aber.

Carsten Ich meine ja, interessante Frage.

Stefanie Also ich meine jetzt Heute. So also gut zurück zu damals 1958. Ich zitiere weiter: „die Durchführung des internationalen Milchtages in der Bundesrepublik liegt beim Verein zur Förderung des Milchverbrauchs EV Frankfurt am Main und den Landeswerbestellen. Unter anderem wird die Öffentlichkeit in der 1. Juniwoche durch Zeitungsanzeigen und Anschlag des Plakates aufmerksam gemacht. Die dreitausendzweihundert Molkereien des Bundesgebietes wurden gebeten, eine Woche der offenen Tür mit Betriebsbesichtigungen für jedermann durchzuführen und darüber hinaus am 6 Juni die Schulmilch kostenlos zu geben.“ Das war es.

Carsten Sehr interessant also, hier ist der Kontext wirklich so auf den Juni gelegt? Damals war es auch, glaube ich, der 6. Juni, in diesem Jahr fällt der Weltmilchtag oder der internationale Tag der Milch eben auf den 1.Juni. Aber es ist nicht immer der Juni gewesen, also das ist jetzt so ein bisschen Mai Juni, also so hundertprozentig wissen noch nicht ganz genau, nach was für ein Schema jetzt die entsprechenden Tage festgelegt wurden.

Stefanie Genau der dritte Tag der Milch, der Dritte internationale Milchtag war am 18. Mai 1960 mit „Milch unser bestes Getränk“ und dann der fünfte Tag, war quasi am ja, das war ja der fünfte Tag 1962 war dann am 24. Mai. Also wir können jetzt wirklich nicht sagen, das war immer am 1. Juni.

Carsten Nee, wahrscheinlich immer so in der Ecke Ende Mai, Anfang Juni irgendwie.

Stefanie Irgendwie so Mai/Juni, irgendwie so von bis.

Carsten wo auch immer das begründet ist.

Stefanie Ja soweit erstmal zum ersten Weltmilchtag der historische Abriss. Und in der nächsten Folge sprechen wir dann ein bisschen über die Zukunft, allerdings nicht die Zukunft von heute aus gesehen, sondern von 1958 aus.

Carsten Also das, was sie da als Zukunftsvisionen schon hatten.

Stefanie Und genau also wir haben…

Carsten Davon bewahrheitet.

Stefanie ich habe noch ne sehr interessante Zukunftsvision ausgegraben, die war aber von 1968 für das Jahr 2000. Das will ich auf jeden Fall noch einmal vorstellen, das ist ziemlich cool. Ich muss dann noch die Quelle finden, das habe ich noch nicht geschafft, aber ich hab zumindest ein kleines Zitat da draus. Und ja, und dann eben zu sagen, wie ging das denn jetzt weiter? Also wie, ja, einfach einen Ausblick nochmal auf das Historische.

Carsten Genau, damit umrunden wir quasi oder umrahmen nicht umrunden; wir umrahmen damit den diesjährigen Weltmilchtag und versuchen einfach so ein bisschen Hintergrundinformationen durchzufüttern und vielleicht auch mal ein bisschen kritisch das Ganze zu beleuchten.

Stefanie Okay, und natürlich bist du, liebe Hörerin, lieber Hörer, auch eingeladen, mit uns zu sprechen. Also, wenn du Fragen hast oder Anregungen oder dir irgendwas auf der Seele brennt, schreibt uns einen Kommentar oder eine Email.

Carsten Genau, also wir sind wirklich daran interessiert, einfach mal so aus persönlicher Erfahrung mitzubekommen wie ihr oder vielleicht eure Eltern damals diese Aufbruchzeit, als die Milch ja richtig gepusht wurde, mitbekommen haben.

Stefanie Das ist auch nochmal so ein Schulmilchthema, das will ich auch noch mal angehen, aber klar, also wir werden auch nochmal mit unseren Eltern sprechen und auch generell also vor allem die Generation ist ja jetzt noch da.

Carsten Genau, noch haben wir die Möglichkeit, das wirklich so im direkten Dialog herauszufinden, aber ich denke, das ist schon ein spannendes Thema, weil ja es ist, nimmt dem Ganzen auch so ein bisschen die Schärfe. Man beginnt immer so, die den Eindruck zu bekommen, als wäre Milch eigentlich immer schon dagewesen so ja, ne wenn man sich das so anschaut und stellt fest, ne eigentlich sind es vielleicht die Eltern- oder Großelterngeneration die das erste Mal damit wirklich so konfrontiert wurden, in der breiten Masse, dann relativiert das schon vieles.

Stefanie Ja.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 16 - "Hope for all" von Nina Messinger

Ein Beitrag

Folge 16 - "Hope for all" von Nina Messinger

In dieser Folge

  • stelle ich Dir und Carsten den Film "Hope for all" von Nina Messinger vor,
  • erzähle ich wie die Filmpremiere in Hamburg abgelaufen ist,
  • erfährst Du was ich gut fand und was nicht so gut
  • und zum Schluss lese ich Dir noch Nina Messingers Vision vor.

"Hope for all" ist ein rein privat finanziertes Projekt der Macherin Nina Messinger und ist dadurch auf Spenden und jede Menge "Weitersagen" angewiesen. Bist Du dabei?

Im Anschluss zum Film gab es eine Diskussion mit der Filmemacherin und drei Experten, die ich fast komplett mitgeschnitten habe.

Ich saß nicht ganz vorne und die Experten haben nicht immer direkt ins Mikro gesprochen, daher ist es manchmal etwas schwierig alles zu verstehen, aber ich fand die Diskussion trotzdem interessant, deshalb habe ich sie online gestellt.

Da die Podcastfolge schon sehr lang ist, kannst Du Dir den Mitschnitt hier anhören:

Trailer zum Film

Links zur Folge

Jetzt sind wir neugierig...

Wirst Du Dir den Film anschauen oder hast Du ihn schon gesehen? Wie findest Du ihn?

Erzähl uns doch davon in den Kommentaren...

Carsten & Stefanie

Folge 15 - "Milch besser nicht" von Maria Rollinger

Ein Beitrag

Folge 15 - Buchrezension: "Milch besser nicht" von Maria Rollinger

In dieser Folge

  • stellen wir Dir das Sachbuch "Milch besser nicht" von Maria Rollinger vor,
  • geben Dir einen Überblick über den Inhalt,
  • sprechen über Kuhgöttinnenmythen und heilige Kühe in Indien,
  • geben Dir einen Einblick in das Inhaltsverzeichnis
  • und verraten Dir auch, was uns nicht gefallen hat.

Links zur Folge

Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Stefanie Heute wollen wir eine Buchrezension wagen, und zwar über das Buch „Milch besser nicht“ von Maria Rollinger.

Carsten Ja, das ist quasi so das Standardwerk, wenn es um das Thema Milch geht, habe ich den Eindruck, also immer mal wieder wird auf dieses Buch verwiesen. Und wir haben auch in, wo war es, in der „Kochen ohne Knochen“ war ihre Rezension.

Stefanie Nee, da wurde das nicht rezensiert. Da war ein anderes Buch, ein aktuelles rezensiert worden, und ich hatte überlegt, das zu kaufen. Und, wie heißt das jetzt, „Die Milch macht's nicht“ oder so ähnlich, also ich weiß nicht mehr genau, aber jedenfalls hatte ich dann überlegt, das zu kaufen. Und hatte dann bei dem üblichen Buchversender (lacht), bei dem es so viele Rezensionen gibt und der nicht nur Bücher versendet, dann mal nachgeschaut und da stand, dass dieses Buch eigentlich nicht viel Neues gibt, und wenn man ein umfassendes Werk haben will, dann sollte man besser Milch besser nicht, besser Milch, besser nicht (lacht) kaufen oder lesen, weil das einfach viel umfangreicher ist.

Carsten Ja genau, und deswegen ist genau dieses Buch Milch besser nicht dann bei uns auch anschließend auf dem Tisch gelandet. Und von uns beiden durchgelesen worden und ja, ich muss sagen, ich bin begeistert.

Stefanie Ich natürlich nicht, ich finde es ganz furchtbar, deswegen rezensieren das hier, wir machen ja eine Pro und Kontraliste. Nein (lacht) ich, ich finde es auch super und klar, der Titel sagt ja eben schon, worum es der Autorin geht. Milch besser nicht ist kein Pro-Milch-Buchen oder Pro-Kuhmilch-Buch, also von daher ist es natürlich schon so ein bisschen auf diese Seite eingepolt, sag ich mal.

Carsten Die Zielrichtung ist klar vorgegeben. Es ist halt ein kritisches Buch über den Themenkomplex Milch, ist aber nicht eindimensional. Also in dem Buch wird wirklich von vorne bis hinten so gut wie alles, was irgendwie zum Thema Milch dazugehört, besprochen. Angefangen von der Historie, was du ja sehr spannend findest, bis hinüber zu, ich glaube, die ethischen Aspekte sind auch mit abgedeckt.

Stefanie Aber auch sehr viel gesundheitliche Aspekte, die ich ausgelassen habe, die du dafür gelesen hast.

Carsten Ja, die waren erfreulich umfangreich, also das ist so von den Informationen, die ich bisher über das Thema Milch bekommen habe, wirklich mit eins von den Fundiertesten, weil wirklich sehr detailliert auf jeden einzelnen, wenn wir mal sagen Inhaltsstoffparameter, wollte ich schon sagen, Inhaltsstoff eingegangen wird. Und es wird auch teilweise auf Studienmaterial verwiesen, warum gerade dieser Inhaltsstoff so kritisch zu bewerten, es ist also schon sehr, sehr umfangreich, und es geht aber zum Schluss in diesem Buch auch in den Bereich der Verarbeitung, um einfach klarzustellen, dass Milch gar nicht mal mehr dieses natürliche, ja Naturprodukt ist, was man sich dann eigentlich immer so vorstellt.

Stefanie Also das, was aus dem Euter fließt, ist es nicht mehr.

Carsten Definitiv nicht, nein, also den Schilderungen dieses Buches nach zu urteilen, und die sind aus meiner Sicht sehr, sehr glaubwürdig, handelt es sich bei der Milch letztendlich um ein wirklich hoch verarbeitetes Lebensmittel.

Stefanie Ja, das hat ja jetzt nichts damit zu tun, dass sie irgendwas erfunden hätte. Aber du meinst, es ist glaubwürdig, dass es

Carsten Klingt erstmal so unglaubhaft, oder so unglaublich. Wenn man das eher unbedarft erstmal liest, dann denkt man: Meine Güte, was passiert denn da eigentlich

Stefanie Dass die Milch in ihre Bestandteile zerlegt wird, also ich mein, ich hab jetzt, angeregt dadurch und auch vor allem durch diesen Prozess, dass ich ja eben erst Vegetarierin war und dann mich mit den Milchkühen beschäftigt habe, dann auch noch Mutter bin, das kommt noch dazu, das irgendwie auch so ein bisschen persönlich genommen hab. Dass ich das alles nicht wusste und dass ich das so lange verleugnet habe, dieses Halbwissen, was ich dann vielleicht doch irgendwie hatte, also alles, was mit den Kühen passiert, irgendwie berührt mich das mit den Kühen mehr als mit den Hühnern, muss ich zugeben. Keine Ahnung, das ist einfach jetzt so eine Priorität bei mir, dass jetzt die Milch irgendwie den Vorrang hat. Das weiß ich nicht. Vielleicht sind Hühner durch das Eierlegen, ist es einfach weiter weg.

Carsten Das kann sein.

Stefanie Aber jedenfalls, deswegen habe ich mich damit ja auch mehr beschäftigt, und forsche jetzt auch mehr darüber und habe jetzt auch noch mehr Bücher gelesen dazu. Und im Grunde, wenn man sich das mal so überlegt, also das Milch besser nicht war das erste Buch dazu, mit Hintergrundlektüre, was ich gelesen hab. Jetzt lese ich noch ein paar weitere dazu, und es ist eigentlich so, dass die natürliche Milch, die aus dem Euter fließt, die wurde früher ja gar nicht so getrunken, außer vielleicht in Bauernfamilien.

Carsten Selbsternährer.

Stefanie Genau, also so auf Bauernhöfen.

Carsten Selbstversorger, Entschuldigung. Selbsternährer sind wir alle.

Stefanie Selbst (lacht). Wie auch immer, ich sag Mhm also, aber jedenfalls, also ich habe es jetzt vorhin nochmal in einem anderen Buch gelesen, also diese flächendeckende Milchversorgung, und auch Trinkmilchversorgung, ist erst durch die Erfindung der Zentrifuge möglich geworden, also das heißt wirklich die Technik, und erst durch die Industrialisierung ist das alles möglich geworden. Und die Industrialisierung ist eben nicht schon vor tausend Jahren erfolgt, sondern eben erst so vor hundert Jahren und da, wenn man es ganz genau nehmen will, irgendwie vor 130 oder 140 oder so in Jahren, also Ende des 19. Jahrhunderts jedenfalls. Und da geht es erst los, aber selbst dann, Anfang des 20. Jahrhunderts, waren die Menschen noch kritisch, der Milch gegenüber, der Trinkmilch gegenüber, und vor allem auch vor allem eben aber auch generell, wenn es um Milch ging, verarbeiteter Milch gegenüber, das ist ja auch das Wichtige, das steht natürlich in dem Buch auch drin, das steht aber auch in anderen Quellen drin. Deswegen meinte ich so oh zu dem, dass du sagst, du glaubst der Frau wohl also, ich habs auch aus anderen Quellen, die auch Pro Milch eingestellt sind, wo dann, also ich kann diese Quellen auch nochmal verlinken dann auf jeden Fall. Wo es dann eben darum geht, dass da auch die Geschichte beschrieben wird, wie halt vom Handmelken es zum Melkroboter ging und so weiter und sofort. Aber was ich noch nicht richtig durchgelesen hab, was aber, also das ist wirklich von Pro, also von Milchbefürwortern geschrieben, und wo auch drin stand, dass das für die Kühe sehr schmerzhaft am Anfang gewesen ist, weil es da um irgendwelche Melkröhrchen ging, die ins Euter eingeführt werden und so, also Dinge, die ich mir gar nicht vorstellen will, und wo ich wie gesagt im Moment noch nicht viel darüber gelesen habe, weil ich im Moment ja mehr auf die Werbung fixiert bin, und die Propaganda, die Milchpropaganda. Aber (lacht) klar, es ist alles eine Entwicklung, also diesen Melkroboter, den es heute gibt, gab es natürlich, das ist alles ein Prozess wie bei jedem, also das steht jetzt wiederum bei ihr nicht drin, wie diese Melkmaschinen erfunden wurden. Aber es ist eben ein Prozess, und dieser Prozess hat eben erst am Ende des 19. Jahrhunderts stattgefunden, also angefangen.

Carsten Ja, also von der Historie selber geht sie da schon drauf ein, und schildert das aus meiner Sicht doch sehr, sehr umfangreich. Sie fängt jetzt nicht im 19. Jahrhundert an, sondern sehr viel früher, von der Mythologie wird noch erwähnt, dass dann dementsprechend die Kuh oft im Zusammenhang oder direkt als Gottheit angesehen wurde, was Göttliches, dieses göttliche Element hatte, das wird mit reingebracht also einfach den Status der Kuh.

Stefanie Genau, das ist ja auch dieses Nährende, die Muttermilch, und das ist ja die Kuhgöttin und auch die Schöpferin der Erde, Schöpferin des Alls und so, auch die Geschichte der Milchstraße. Also solche Dinge halt alle. Wir waren ja jetzt vorgestern auf dieser Fotoausstellung bei uns hier in Hamburg Heiliges Leder, wo dann die Geschichte der heiligen Kühe oder heiligen Rinder oder wie auch immer in Indien dargestellt wurde von einem Fotografen, der eben nach Indien gereist ist. Da ist quasi ja, sagen wir mal dieses Göttliche, oder diese Riten sind da noch so ein bisschen übrig geblieben, so ein kleines bisschen zumindest so oberflächlich, dass auch Gesetze erlassen wurden, dass in Indien die Kühe nicht geschlachtet werden dürfen, weshalb eben, wie stand das da, also diese Kühe nach Bangladesch, also zu Grenze getrieben werden, um dann da rüber geschmuggelt zu werden, um dann als Leder eben für uns alle zu enden.

Carsten Ja, die landen dann halt nicht aus Indien, sondern auch Bangladesch bei uns, so unter Lederverarbeitung.

Stefanie Genau, aber es sind eigentlich ursprünglich die Heiligen, genau die indischen heiligen Kühe, und die landen da drüben, und der Fotograf hat, wir verlinken das auch noch, diese Ausstellung und den Fotografen, der hat das wirklich toll dargestellt. Also ich nehme nicht an, dass er ein Veganer ist, und ich weiß es halt nicht, aber ich, er hat diesen Weg verfolgt und es geht natürlich auch um die Ausbeutung da, und dass diese Lederverarbeitungsbetriebe, dass da die Arbeiter, die da in den Gerbereien arbeiten, dann keinen Schutz haben. Darum geht es eben auch, und dass das meiste Leder, was wir beziehen, also überall fast immer dieses Leder aus Indien beziehungsweise Bangladesch drin ist, also verarbeitet ist. Aber jedenfalls da, da ist das Göttliche noch so ein bisschen erhalten dadurch, dass die Kühe da auch frei rumlaufen und halt so in so Riten und Kulten mit eingebunden werden.

Carsten Das war aber in der Historie der Antike halt noch weiter verbreitet. Also heute findest du es ja, wie du schon sagtest, vornehmlich erstmal in Indien, aber es hat natürlich andere Wurzeln, und die werden hier in diesem Buch Milch besser nicht eben auch sehr ausführlich beschrieben, und damit startet eigentlich auch das Buch. Also ist es ist quasi so das erste, Kapitel oder die ersten Kapitel, die gehen in diese Zeit hinein, und dann gehts dann schon so in die ja Moderne, wie sich dann der Milchkonsum überhaupt entwickelt hat, dass es vornehmlich eben Butter war, vielleicht auch ein bißchen Käse.

Stefanie Ja, also, ich muss dann mal wieder reingrätschen (lacht) also es ist natürlich so, sie sagt, zum einen sagt sie, dass es eine große Lücke gibt zwischen der Antike, dann in den Griechern, äh, Griechern, Griechern, das war das Kombiwort aus Griechen und Römern (lacht) Griechern, ist schon die Griechen, also jedenfalls den Griechen und den Römern, die damals ja schon eine hochentwickelte Kultur haben, und dann sind wir irgendwie abgestürzt ins Mittelalter. Ich weiß auch nicht warum, aber das wissen andere wieder. Und da gibt es dann so ja eine Lückem und dann fängt es erst eigentlich wieder so in 18.,19. Jahrhundert an, das ist dann, wie das so ein bisschen bergauf ging mit unserer Entwicklung, der menschlichen Aber sie sagt, dass die Geschichte der Milch eigentlich eine Geschichte der Butter ist, weil Milch also generell, weil es so eine weibliche Flüssigkeit war, und ist, immer noch, eher so den Kindern und den Kranken vorbehalten war und den Alten vielleicht noch, und generell eigentlich Milch nicht wirklich getrunken wurde, sondern eben weiterverarbeitet wurde. Also damals gab es eben auch noch keine Massentierhaltung, so dass einfach nicht genug Milch zur Verfügung war, und auch nicht die Möglichkeit, dass die Kühe rund ums Jahr Milch gegeben haben, sondern auch die haben saisonal geschwankt quasi so, und eben, so eine Kuh muss immer schwanger sein, um Milch zu geben. Und damals, also bevor das mit der Massentierhaltung anging, anfing, oje ich kann schon nicht mehr sprechen, anfing, war es eben auch so, dass die Kühe, wenn sie schwanger waren, nicht gemolken wurden. Also was ja auch sinnvoll ist, weil da ganz andere Hormone produziert werden und so. Ja, jede schwangere Frau weiß, dass es ihr anders geht, wenn sie schwanger ist, als wenn sie nicht schwanger ist und das, also beim Menschen ist es genauso wie bei der Kuh, es werden einfach bestimmte Hormone produziert und der Körper ist ganz anders und es wächst eben ein neues Leben in dir, so, jetzt habe ich den Faden verloren

Carsten Die Geschichte der Butter war es

Stefanie Ach so Geschichte der Butter, genau, also dass es eben darum ging, Butter, und wie gesagt, ich lese jetzt eben auch noch andere Lektüre, wo dann auch gesagt wird, warum jetzt also zum Beispiel die Griechen, die Griechern (lacht), die Griechen und die Römer haben eben keine Butter hergestellt. Die haben die Milch zum Käsen benutzt, quasi, also die haben Käse hergestellt, und Käse war damals, also alle haben lecker lecker, also Käse musste es einfach damals schon geben, und das war schon Gourmet, aber das war nichts, was die Massen gegessen hätten.

Carsten Und galt auch nicht als gesund. Sondern eher andersrum, es ist halt ein Genussmittel.

Stefanie Genau.

Carsten Aber wurde eben als ungesund oder schädlich angesehen

Stefanie Also sollte man eigentlich nicht essen, aber es ist halt genauso wie mit der Schokolade und Gummibärchen. Wir hatten das schon mal, es schmeckt einfach(lacht), genau, und auch Wein und was weiß ich, sowas sollte man einfach nicht, so und trotzdem. Wir hatten ja auch schon, ich weiß gar nicht mehr, ach so in der Folge über die Milch hatten wir das mit Galen von Pergamon, von da stammte das, eben das stammt ja aus diesem Buch, das Zitat, dass er Milch eben generell abgelehnt hat, also als sehr ungesund und diese Liste an Krankheiten. Vielleicht, wir können ja sonst nochmal gucken eben nach der Liste an Krankheiten, die er da aufge…soll ich mal eben gucken ich weiß, wo das ist. Dann darfst jetzt nochmal eben was erzählen.

Carsten Diese Geschichte wurde eben aus diesem Buch entlehnt und zeigt eigentlich eindrucksvoll, dass Milch einfach noch nicht so lange dieses positive Image hatte, wie wir es heute pflegen, und galt eigentlich bis vor ich sag jetzt mal so hundert Jahren, immer noch als sehr, sehr bedenklich. Und dieser Pergamon von Galen hat eben über 1500 Jahre hin ganz stark die Fachwelt beeinflusst, das, was er damals gesagt hatte, 200 nach Christus glaub ich.

Stefanie Genau, 200 nach Christus.

Carsten Da hat sich dann 1500 Jahre lang quasi so die komplette Medizin nach gerichtet, und du hast jetzt gerade die Liste der.

Stefanie Die Liste der beobachteten Krankheiten durch Milch und Käsegenuss, ja und dann, ist lang steht hier, also dann, ich zitiere: Verschlüsse und Krankheiten der Leber, Nierensteine, Blasensteine, Katarrh in Klammern Asthma, Blähung unter dem Zwerchfell, führt zu Druck auf das Herz und Herzbeschwerden. Blähungen im Unterleib, angeschwollener Unterleib, Schädigung von Zähnen und Zahnfleisch, schwerer Hautausschlag, Milzerkrankungen, Erstickungsanfälle, Veränderung der Sehkraft, Kopfschmerzen, Nervenleiden, Schwindel, Epilepsie.

Carsten Ja, was ich also sehr interessant finde, wie gesagt, das stammt eben so aus der Zeit 200 nach Christus, aber der ein oder andere Begriff, der ist ja heute immer noch in direktem Zusammenhang mit dem Milchkonsum, das ist also jetzt nicht einfach.

Stefanie Genau, hier steht auch: Heutige Milchkonsumkritiker beschreiben das auch.

Carsten Genau, ja ist schon faszinierend, wie damals, ja im Grunde genommen ohne diese medizinischen Apparate, die man heute zur Verfügung hatte, eine ähnliche Aussage getroffen werden konnte und die Krankheitsbilder dann ähnlich eingegrenzt werden.

Stefanie Und auch Molke, also das Einzige, was der Pergamon von Galen ja eben gut fand war die Molke, weil die eben abführend wirkt.

Carsten Hm, wenn man den Begriff „Ab“ nimmt, dann ist es nicht abführend, sondern ein Abfallprodukt.

Stefanie Ja, ja klar, das haben wir am Ende des Buches auch nochmal, dass jetzt ja die Molke überall drin ist, aber das hatten wir auch schon in der Milch, also in der Folge zu der Milch gesagt. Nur, wie ich da in den Chips noch die Molke gefunden hab und ja.

Carsten Das ist einfach, ja wie gesagt, ein Abfallprodukt aus der Käseherstellung und fällt mittlerweile in so horrenden Mengen an, dass die Milchindustrie ganz findig geworden ist, um diesen, ja Abfall, irgendwie noch unterzubringen und zu Gewinn zu machen. Und deswegen finden sich teilweise eben Auszüge aus Molke oder auch als ja, das wird ja mittlerweile aufgespalten und dass man dann halt Milchzucker und die ganzen Bestandteile rausbekommt, und die landen dann teilweise in den Backwaren, also Brot, Brötchen etc.

Stefanie So wie ich ja auch nicht wusste, dass da Aminosäuren aus Schweineborsten in den Broten drin sind, im Brot oder im Brötchen, wo ich dann denke, so häh, was hat das da eigentlich zu suchen.

Carsten Ja, man kriegt es auch gar nicht so direkt heraus, weil wenn, ja klar, beim Bäcker ist es eh nicht deklariert und ja, dann ist fraglich ob.

Stefanie Wobei, also jetzt fangen sie langsam an, veganes Brot zu deklarieren.

Carsten Vegan, ja okay, das ist ja was anderes. Aber die Bäckereien, die das noch nicht tun und.

Stefanie Da weiß man es nicht.

Carsten Nein, weiß ich nicht, und wissen wahrscheinlich dann auch die Verkäuferinnen nicht, und auch der Bäcker nicht, was für Zusatzstoffe da drin sind, wenn sie eine Fertigmischung bekommen, also es wird schon schwierig an der Stelle. Aber es ist halt sehr weit verbreitet, und die Milchindustrie hat da natürlich dann Mittel und Wege gefunden, um ja möglichst jedes Quäntchen, was da aus diesem Rohextrakt Milch herausgekommen ist, dann auch tatsächlich noch mal gewinnbringend auf den Markt zu schmeißen. Ich finde es ganz schön, dass es so ausführlich dargestellt wurde, und das Buch hat mir auch sehr viel Input gegeben. Also ich bin ja sowieso so ein faktenliebender Mensch der möglichst viel aus diesem ganzen Thema, was er dann gerade liest, herausnehmen möchte. Und ich, ich muss das auch für mich adaptieren, also ein bisschen zu, dass ich versuche, mir irgendwie Argumente damit aufzubauen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich dann irgendwann mal in einer Diskussion bin, aber irgendwie habe ich so diesen Spleen hier, argumentativ dann so ein bisschen Input zu holen, und das finde ich, kann dieses Buch hervorragend vermitteln. Also da war jetzt ganz, ganz wenig, wo ich sage, an der Stelle fehlt ihm ja noch was oder gefällt mir das Buch nicht, also es sind eigentlich nur zwei Aspekte, die ich da an diesem Buch generell so ein bisschen kritisiere, und ansonsten ist es grundlegend

Stefanie Ja dann sag doch mal, was kritisierst du daran?

Carsten Zum einen ist das Buch, und das muss man fairerweise sagen, nicht ausschließlich sachlich geschrieben. Also man merkt schon, dass die Autorin sehr emotional schreibt. Sie schildert die Auseinandersetzung mit kritischen Argumenten auf eine sehr emotionale Art und Weise. Also sie weiß ganz genau, wo jetzt der Mainstream seine Argumente aufhängt und verweist auch darauf, dass das, was sie teilweise so aus den Studien rauszieht und zitiert, noch nicht wissenschaftlich so gefestigt ist, weil auch die Studienlage vielleicht nicht so weitergeführt wird, dass man auch sagen muss, oder sagen kann, vom wissenschaftlichen Standpunkt her, das ist jetzt wirklich gesichert. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass die Studien schlecht wären, sondern dass einfach, ja, kein großes Interesse daran besteht, bestimmte Details so wissenschaftlich noch mal nachzuforschen. Dafür ist die, ich sag jetzt mal ein bisschen abgekürzt, die Milchlobby einfach zu stark und hat ein zu hohes Mitspracherecht, um zu verhindern, dass solche ausführlichen Forschungen nochmal wissenschaftlich bis zum Ende durchgeführt werden.

Stefanie (lacht) Ich muss da immer an „Tank you for smoking“ denken.

Carsten Ja genau, der geht in die gleiche Richtung. Also wie gesagt, das ist nicht der Autorin zu schulden, aber man merkt schon, dass sie da eine bestimmte Wut hat und diese Wut sie auch antreibt, dieses Buch zu schreiben. Finde ich nicht schlecht, aber.

Stefanie Die ist, die Autorin ist auch selbst Juristin.

Carsten Ja, genau, das wusste ich wohl, als ich es gelesen hatte, und deswegen dachte ich also Juristen, die sind ja eigentlich immer sehr sachlich und faktenorientiert und, das hat mich dann so ein bisschen gewundert. Also wie gesagt, das ist das einzige oder einer der beiden Punkte, wo ich sagen muss, hm, kommt manchmal nicht ganz so schön, ein bisschen sachlicher hätte ich es mir dann an der einen oder anderen Stelle schon gewünscht. Und das andere, das hat mit der Auflage dieses Buches zu tun, da bin ich mir im Moment unsicher. Wir haben die Auflage aus dem Jahre 2011

Stefanie Genau, und es gibt jetzt schon eine von 2013, eine neue Auflage.

Carsten Genau.

Stefanie Aber die, das wusste ich jetzt vorher auch nicht, ich hab das gebraucht gekauft, das Buch. Also die erste Auflage war von 2004.

Carsten Und dann gab es noch mal 2007 eine nächste Auflage, die war dann auch als aktualisiert und überarbeitet gekennzeichnet.

Stefanie Genau, und die nächsten zwei sind dann eben unverändert.

Carsten Genau, da wurde wahrscheinlich einfach nur mal das Buch nachgedruckt, die kommen dann aus dem Jahre 2010 und 2011. Und wie gesagt, 2011 ist die Ausgabe, die wir jetzt vorliegen haben, die inhaltlich aber auf das Jahr 2007 abstellt. Und da sind, ich habe sie jetzt nicht im Kopf, aber so einige Punkte in dem Buch, ich glaube auch irgendwo eine Studie oder ein Forschungsergebnis, was 2007 kurz vor der Fertigstellung oder Veröffentlichung war. Wo ich gedacht habe schade, das hätte ich noch ganz gerne als Ergebnis da in diesem Buch mitbekommen, wo da jetzt grad die Reise hingeht, also das ist so ein bisschen.

Stefanie Ja, das muss man dann selber nachforschen.

Carsten Genau, man bekommt so Fakten an die Hand und weiß, eigentlich geht es jetzt an der Stelle noch weiter, und dieses Weitergehen, das dauert eigentlich auch nicht mehr so lange, vom damaligen Zeitpunkt 2007, und überlegt mal Mensch, wir haben 2016.

Stefanie Das ist schon 9 Jahre her.

Carsten Wieso steht das dann nicht in dem Buch? Die hat doch Jahre später nochmal veröffentlicht, ach nein, das war dann einfach nur noch mal eine unbearbeitete Auflage. Das ist ein bisschen schade, da hätte ich mir ganz gerne schon gewünscht den aktuellen Stand, also ich denke mal.

Stefanie Vielleicht hat sie es in der 2013er Auflage gemacht, und das nur dadurch, dass wir jetzt halt die vorige Ausgabe gekauft haben.

Carsten Ja, also ich würde mir wünschen, dass dieses Buch generell auch in Zukunft aktuell gehalten wird, weil ich glaube, dass sich da sowohl vom wissenschaftlichen Standpunkt her, aber auch so vom Thema der Milchindustrie noch ein bisschen was bewegt und auch verändert. Und ja, wie gesagt, wir haben 2016, das sind fast 10 Jahre oder 9 Jahre, seitdem die Fakten in diesem Buch dann verarbeitet wurden. Also ich glaube schon, dass sich da nochmal inhaltlich ein bisschen was geändert hat, und das würde ich mir schon wünschen, dass man dann in Zukunft nochmal auf eine aktualisierte, inhaltlich aktualisierte Version dieses Buches dann zurückgreifen kann.

Stefanie Ich würde gerne nochmal einmal kurz so einen Überblick geben, was jetzt in dem Buch eigentlich alles drin ist. Also wir hatten ja schon gesagt, also so die Historie wird beschrieben, also über Milch, Milchertrag, Urgeschichte der Milch, Römer und Griechen, Germanen und Skythen, Geschichte, die noch nicht geschrieben ist, das ist jetzt das, was zwischen dem Mittelalter und der ja vorindustriellen Zeit war, dann Ziegen- und Schafsmilch und die weitere Entwicklung in Deutschland. Und dann hat sie hier von der Subsistenz zu industrieller Produktion - was heißt eigentlich Subsistenz?

Carsten Frag mich jetzt was Besseres.

Stefanie (lacht) Wir geben zu, wir wissen nicht alles.

Carsten Man möge googeln.

Stefanie Man möge uns sagen, was es heißt. Bis dahin wissen wir es wahrscheinlich auch, weil wir jetzt schnell geguckt haben, was es heißt. Also jedenfalls 1870 – 1970, da schreibt sie eben dann, das ist wirklich also 1870 ist so ungefähr der Zeitpunkt, wo es halt losgeht. Und da schreibt sie dann eben über ja, den Milchhandel, und dass die Trinkmilch aufkommt, und Butter, und Butterrevolution, dann Molkereien und Margarine, genau die Margarine wird erfunden. Und ja klar, dann gibt es natürlich auch Milchpanschereien und solche Dinge. Also, dann wird die Milch eben zerlegt in ihre Bestandteile. Ja, dann geht es auch ganz viele um Hygiene, also für die erste Milchpropaganda war es ganz wichtig, dass die Milch rein ist, und das ging, das war auch so mit dem Industriellen, ja mit der, wie nennt man das, Industrierevolution, weiß nicht, also jedenfalls damit ging das einher, dass die Milch, war, wurde so als ja bäuerliches Rück, Rückschritt,

Carsten Rückständig

Stefanie Rückständig, mir fehlt das Wort. Rückständiges, Dankeschön (lacht), dafür sind wir hier zu zweit, noch so als rückständiges Lebensmittel betrachtet, weil es ja eben so, das war halt so retro, und deswegen musste jetzt die Propaganda ein bisschen laufen, dass das jetzt hygienisch rein, weiß, natürlich ist, und dieses hygienisch hat sich ziemlich lang gehalten, also dann kam der zweite also das war vor dem Ersten Weltkrieg, dann kamen die Weltkriege oder beziehungsweise zwischen dem ersten und dem Zweiten Weltkrieg war es auch noch, und dann nach dem Zweiten Weltkrieg waren aber die ganzen Apparaturen, also alles, was man brauchte, um wirklich hygienische, reine weiße Milch herzustellen nicht mehr vorhanden, also keine Ersatzteile möglich, und so, und dann war wieder so ein Rückfall, und dann ging das wieder von vorne los, quasis und also es ging dann noch so ein bisschen mit hygienisch, aber heute ist hygienische Milch, ist hygienisch ja kein

Carsten Qualitätsmerkmal mehr.

Stefanie Genau, das ist jetzt normal, es muss hygienisch sein, aber weiß, also rein und natürlich, das ist immer noch was, und dabei, wie wir ja schon vorhin sagten, ist die Milch keineswegs mehr natürlich. Also die, die man heutzutage im Supermarkt kriegt. Und dann sagt sie hier: Folgen industrieller Milchproduktion und Milchverarbeitung, so dass, das ist auch noch so was, was sie sagt. Die kleinen Erzeuger werden zum Aufgeben veranlasst, da gab es verschiedene Wellen in Deutschland, dass die Betriebe, die Bauernhöfe, die nur 2 oder 3 Kühe hatten oder vielleicht auch nur eine, dass die halt schnell weg waren vom Fenster. Also dass es hin ging zur Massenproduktion. Und klar, also hier Mastitis, darum geht es ja auch, also die Euterentzündung. Genau, Milch ist nicht mehr die alte, sie hat sich gravierend verändert. Das ist jetzt auch so das, was wir jetzt gerade schon sagten. Das Leiden der Tiere, klar, da spricht sie auch davon. Dann geht es darum, Milchproduktekonsum vorgestern, gestern und heute, da hat sie es auch so ein bisschen, ja anhand, sie sagt ja, ein historischer Doktorschmaus und die Doktorandenfete 2000, also der Vergleich wäre, was Milch und Milchprodukte damals und heute für eine Rolle gespielt haben. Und so generell was in Zahlen, und dann auch von 1800 bis zum zweiten Weltkrieg, und dann die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg dann auch noch mal so ein bisschen diese ganzen Jahre, wie sich der Konsum verändert hat. Und dann kommt das, was ich alles nicht so gelesen habe (lacht), das sind alles die gesundheitlichen Aspekte, das ist wirklich ziemlich viel, das sind

Carsten Können wir ja so ganz grob mal benennen, also es geht da um die Zivilisationskrankheiten, Unverträglichkeiten, Laktase wird sehr intensiv behandelt. Das Thema Milch und Calcium und die darin enthaltenen Widersprüche werden sehr ausführlich dargestellt. Dann geht es auf weitere Inhaltsstoffe und deren Problematik, also Milchzucker, Galaktose, Cholesterin, Milcheiweiß, Vitamine etc. Dann geht es in einen Bereich von Gentechnikverarbeiteter Milch. Da greift sie auf Aspekte zurück, die in Amerika eigentlich vornehmlich zu finden sind. Wird ja auch nochmal sehr ausführlich dargestellt, ja und dann geht es in den Bereich der Verarbeitung. Was heißt eigentlich Pasteurisierung? Was passiert da eigentlich? Homogenisierung, Allergien und Darmschäden, die daraus resultieren können. Später dann eben in den Bereich von, ja, wie definiere ich eigentlich frische Milch? Was heißt frisch eigentlich? Der Begriff frisch wird dort naja, lest es. Es ist, ja das wusste ich auch nicht, dass es so freigebig dann dargestellt wird ne, oder gesehen werden kann. Ja, und dann sind wir halt in den diversen Milchprodukten, die dort noch im Buch beschrieben werden, wie Butter, Sahne und Eiscreme, dem Thema Sauermilch Produkte und ja, Alakasi wird dort nochmal beschrieben, Alakasi müsste man nochmal ein bisschen ausführlicher

Stefanie Alaktasie

Carsten Alaktasie? Was hab ich gesagt?

Stefanie Du hast Alakasi gesagt

Carsten Alaktasie, genau. Also sie spricht im gesamten Buch von Laktasiern und Alaktasiern. Alaktasier sind alle Leute, die Lactase

Stefanie Tolerant sind.

Carsten Intolerant sind. Intolerant sind, genau. Das macht sie deswegen, weil sie sagt, also Laktoseintoleranz, nicht Laktaseintoleranz, Laktoseintoleranz wird häufig als Krankheit oder als Mangel oder sowas dargestellt, eher als negativ. Da sagt sie Nein, das ist ein völlig natürlicher Umstand, und deswegen verwendet sie eben den Begriff Alaktasie oder Alaktasier. Ja, und dann zum Schluss geht es dann in den Bereich von Quark und Milcheiweiß, Käse und dessen Unverträglichkeiten, das Thema Molke

Stefanie Was wir gerade schon sagten genau.

Carsten Genau, hat sie dann nochmal als Grobüberschrift mit „Ungeliebter Abfall“ deklariert. Ja, und ganz zum Schluss.

Stefanie Leider etwas kurz, finde ich.

Carsten Findest du? Das Kapitel nennt sich Was hindert uns“

Stefanie Fandest du das lang genug? Ich fand das irgendwie ziemlich kurz, was da, also gerade das, also was kann ich jetzt machen und so, da hätte ich mir irgendwie.

Carsten Ach so, für mich war das einfach nur Zusammenfassung dessen, was sie im Vorfeld im gesamten Buch schon geschrieben hat, das war einfach so Zeitraffer dessen, was sie in den vorherigen 300 Seiten geschrieben hat.

Stefanie Achso, hätte ich nur alles gelesen, ne? (lacht)

Carsten Ja, aber du hast gerade was ganz Wichtiges angesprochen. Dieses was machen wir jetzt eigentlich, das geht für mich aus diesem Buch eigentlich so gut wie gar nicht hervor, also das ist für mich keine Handlungsempfehlung, sondern man wird konfrontiert mit: Hier, pass mal auf, das passiert mit Milch, das ist Milch. Und dann steht man da erstmal. Und es, man erfährt als Leser eigentlich weder, wie ist die Autorin jetzt umgegangen? Verzehrt sie jetzt noch Milch, oder hat sie es einfach runtergefahren, vom Konsum her? Ist sie jetzt vegan oder vegetarisch? Also wie, also diese ganzen Handlungsempfehlungen, die fehlen in diesem Buch. Und das finde ich auch so ein bisschen schade, weil ich hätte mir da schon vom persönlichen her so ein Statement gewünscht, dass die Autorin dann auch gesagt hätte, mit dieser Wut, die sie dort ins Buch miteingebracht hat, Entschuldigung, so kam es mir vor, da hätte ich auch erwartet, dass sie zum Schluss noch mal ganz klar sagt: Leute, die einzige Konsequenz oder das einzige Handeln, was jetzt noch übrig bleibt, ist dies und jenes, oder dass sie halt sagt, wie sie selber damit umgegangen ist, ne das das fehlt da leider.

Stefanie Ich finde, bei solchen Publikationen sollte immer auch ein Teil dabei sein, der eben einem hilft zu handeln. So irgendwie, was mache ich denn jetzt, so ist es leider oft so, dass man dann allein gelassen wird.

Carsten Ja, gerade hier bei einem Lebensmittel was, wenn man das Buch vorher noch nicht gelesen hat und sich mit dem Thema Milch generell noch nicht kritisch auseinandergesetzt hat, da wird ein wirklich ein Nahrungsmittel, was sehr weit die reguläre Ernährung durchdringt, wird demaskiert, und wird also grundlegend sehr kritisch und auch ganz bewusst sehr negativ dargestellt und ja, wie gesagt, ich hatte mir so ein bisschen die Handlungsanleitung gewünscht.

Stefanie Ja, aber trotzdem empfehlen wir es, oder?

Carsten Definitiv! Also für mich eines der wichtigsten Bücher, was Ihnen zur Zeit gelesen habe.

Stefanie Wir lesen viele wichtige Bücher in letzter Zeit (lacht), also von daher unser Schlussfazit: Lies das Buch.

Carsten Auf alle Fälle sehr lohnenswert.

Stefanie Genau, wir verlinken das. Also auf jeden Fall für jeden, der dir sagt, dass Milch so total gesund ist, dem kannst du das auch in die Hand drücken und sagen: Hier, lies selbst.

Carsten Genau, der wird seine Meinung schnell ändern.

Stefanie Ja. Gut oder eben auch nicht, weil manchmal will man das auch einfach nicht sehen, dann kann man halt sagen, weil gerade wegen der Wut, mit der die Dame das geschrieben hat, von der, also ich habe die Wut jetzt nicht so bemerkt, aber du hast ja auch mehr gelesen als ich. Ich habe ja diese ganzen gesundheitlichen Aspekte übersprungen. Vielleicht sagt der oder diejenige, die das nicht sehen will, dann ja, das ist ja alles nur irgendwie Propaganda.

Carsten Tut das als unsachlich ab, und damit ist es schon in der Schublade und ja, genau könnte sein.

Stefanie Ja, aber ich finde, dass es wirklich umfassend ist und dass es ja eben von der Historie bis, ja zum über Gesundheit und alles auch die ethischen Aspekte halt abdeckt und deswegen sehr, sehr lesenswert ist.

Carsten Ja, also selten ein Buch in der Hand gehabt, was so dünn wirkt und trotzdem so ergiebig ist.

Stefanie (lacht) Ja stimmt, das ist nicht wirklich dick.

Carsten Nein.

Stefanie Das hat, warte mal, wieviel Seiten?

Carsten 320 oder so was?

Stefanie Ja, wenn man die ganzen.

Carsten Ja.

Stefanie Ja, 317.

Carsten Ich hab, ich hab schon ziemlich dran zu kämpfen gehabt, um mich durchzuwühlen, ja, weil ich auch natürlich dann sehr konzentriert lese, um eben möglichst viel mitzubekommen. Keine leichte Lektüre, nicht so wie du, nein, du warst ja am ersten Abend schon durch.

Stefanie Ja genau, ich hab da auch lange dran gelesen, aber eben wie gesagt nicht alles gelesen, ich habe zwischendurch dann auch geblättert, habe auch von der Genkuh in Amerika gelesen, die, du grinst schon wieder so komisch. Was redet sie wieder so viel? Sie muss das aber noch eben loswerden. Die Genkuh in Amerika, die genmanipulierte, die dann, nein, oder war das nur eine Hochleistungskuh? Jedenfalls, die in einem mit einer Schwangerschaft quasi in einem Laktationzyklus schon so viel Milch gibt wie andere in vier Zyklen, war die jetzt genmanipuliert oder nicht? Ja, jedenfalls war es eine Hochleistungskuh und dann ist sie halt schlachtreif, weil sie so fertig ist. Alles, der ganze Körper ist hinüber, dass sie dann eben ja keine Ahnung, mit 2 Jahren zum Schlachter geht. Hat sich aber gelohnt für den, der da (lacht).

Carsten Ist unverständlich, das sind einfach.

Stefanie Es sind halt keine Tiere mehr, sondern nur noch Maschinen.

Carsten Sollte, ja klar, anders kann man das nicht mehr bezeichnen.

Stefanie Ja ja, naja gut, so beenden wir dieses Kapitel. So noch genau noch was. Ich möchte gerne noch loswerden, erstmal natürlich vielen Dank fürs Zuhören, ja. Und zum anderen, wenn du noch Fragen hast oder Kommentare loswerden willst, schreib uns bitte einen Kommentar hier unter die Podcast Folge. Oder schick uns eine Email. Und ja, wir freuen uns natürlich auch über Rezensionen und so weiter und sofort, aber wir freuen uns auch über Themenvorschläge für nächste Podcastfolgen, oder wenn du sagst, ich habe dieses Buch gelesen, redet doch mal darüber oder irgendwas, ja.

Carsten Genau, einfach Input geben, wir freuen uns drüber.

Stefanie Genau, ja.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 14 - Die wichtigsten Fakten zum Hühnerei

Ein Beitrag

Folge 14 - Die wichtigsten Fakten zum Hühnerei

In dieser Folge

  • sprechen wir über Ei-Alternativen zum Backen (mehr dazu in den Links zur Folge),
  • über die Praktik des Kükenschredderns,
  • über die verschiedenen Haltungsformen der Legehennen (Boden-, Freiland- und Biohaltung)
  • und wie sich diese unterscheiden,
  • über die Lebenserwartung einer Legehenne
  • und warum wir finden, dass Ethik nicht käuflich ist.

Links zur Folge

Unsere Folge zu den Kochbüchern
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-2-vegane-kochbuecher-mit-la-veganista-und-maeggi-kokta

Backen ohne Ei
https://vebu.de/essen-genuss/pflanzliche-alternativen/eiersatz-die-besten-ei-alternativen/

Kala Namak - das Ei-Gewürz
http://www.alles-vegetarisch.de/gewuerze-vegan-schwarzes-salz-schwefelig-aromatisch-eigeschmack-pflanzlich,art-3732

Nicole Just - La Veganista
http://www.nicole-just.de/

Colleen Patrick-Goudreau - JoyfulVegan
http://www.joyfulvegan.com/

Bruder Hahn Initiative
http://www.bruderhahn.de/

Weiterführende Informationen zu Legehennen - Albert Schweitzer Stiftung
https://www.albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung/legehennen

Heinrich Böll Stiftung Dossier "Iss was?! Tiere, Fleisch und Ich"
https://www.boell.de/de/isswas

Brüten für den Weltmarkt - NDR Dokumentation
Auf YouTube anschauen

Transkript (Korrektur gelesen von Wolfgang R.)

Stefanie In dieser Folge sprechen wir jetzt über Eier. Carsten hat schon Ei-Pod Folge gesagt. Nein. Ei. Was hast Du gesagt? Die Ei-Podcastfolge

Carsten Ei-Podcast. Genau.

Stefanie Also es geht ja nicht um Apple Sachen, sondern tatsächlich um Speise Eier von Legehennen.

Carsten Genau, von Legehennen. Ja, richtig. Das ist natürlich ein Thema, gerade wenn man vom Vegetarischen ins Vegane wechseln möchte. Dann stellt man sich natürlich immer die Frage: Was macht man dann so?

Stefanie Wie soll ich jetzt ohne ein Ei backen? Was ist mit Biskuit und wo man überall massig Ei reinhaut? Also da gibt es natürlich verschiedene Lösungen und die wollen wir jetzt hier eigentlich gar nicht so diskutieren. Wir können gerne noch mal verlinken, damit du genau weißt, wie du backen kannst ohne Ei.

Carsten Genau. Also Rezepte gibt es da massig. Im Endeffekt muss ich sagen, was dieses Thema betrifft, fand ich es eigentlich relativ einfach.

Stefanie Du hast ja auch nie gebacken.

Carsten Ich habe aber sehr viele Eier gegessen.

Stefanie Ja, das stimmt. Aber gebacken habe immer nur ich.

Carsten Aber ich krieg das ja mit. Die Rezepte, die du jetzt backst, die Ei-freien, die schmecken ja...

Stefanie ...schmecken halt so nach nichts.

Carsten Genau, kein Ei Geschmack.

Stefanie Nein. Also, wir können vielleicht mal so eben die Basics nennen. Also, ich empfehle ja immer noch Nicole Just „La veganista“. Ich habe jetzt die ganze Zeit Podcastfolgen von Colleen Patrick-Goudreau, die ich auch gerne verlinke, gehört und deswegen denke ich die ganze Zeit an „Joyful vegan“. Sie ist eine Amerikanerin und die hat eben den Podcast „Food for Thought“. Und ihre Internetseite heißt colleenpatrickgoudreau.com, dort kommen und deswegen hatte ich jetzt gerade nicht mehr an „La Veganista“, sondern nur noch Joyful vegan gedacht. Aber ja, meine Kochbücher von „La Veganista“ von Nicole Just. Und da gibt es eben auch einen „La veganista backt“ und da sind die Basics drin beschrieben, also zum Beispiel Biskuit, wo dann eigentlich normalerweise ganz viel Ei rein gehört. Da nimmt sie einfach Sprudelwasser, also kohlensäurehaltiges Wasser. Oder wenn man halt diesen Eigeschmack sehr gerne mag, da gibt es ein bestimmtes Salz, das heißt Kala namak. Das ist ein ayurvedisches Salz und das hat diesen typischen Eigeschmack.

Carsten Ei, Schwefel, Ja, auch Geruch

Stefanie Eine Freundin von mir hat gesagt, ich darf nicht Schwefelig sagen. Das klingt wie Teufel und Hölle. Also, das ist negativ. Ich meine das nicht negativ, möchte ich dazu sagen. Sie meinte mit Schwefelig man gleich was negatives verbinden, also es wäre so was Ekliges. Nein, ich meine damit wirklich, wir haben das Salz auch und ich würze damit auch. Also wenn man damit zum Beispiel ein Rühr Tofu oder so was macht oder halt Omelett Ei freies Omelett dann schmeckt es genau wie Omelett mit Ei, weil man eben das ist einfach nur dieses Salz.

Carsten Ja, also es ist relativ einfach. Also es gibt natürlich auch Ei Austausch. Das haben wir noch nie benutzt, da können wir nicht viel zu sagen. Ich weiß, es gibt es, ich habe das auch mehrfach dann irgendwie in irgendwelchen Rezensionen oder Berichten gelesen, so Geschmackstest oder irgendwie so was. Aber mich hat das selber jetzt noch nicht getrieben zu sagen, ich kaufe mir das.

Stefanie Ich finde auch diese ganzen Austauschsachen, wir sind ja jetzt nicht vegan geworden, weil wir jetzt unbedingt alles eins zu eins ersetzen müssen. Also es ist halt beim Backen tatsächlich so durch dieses tradierte Verständnis, dass Mann oder Frau in diesem Falle eher Eier nimmt zum Backen braucht Mann oder Frau einen Ersatz und ist deswegen halt auf der Suche nach Ersatz für Eier. Um ja quasi ein Ei an sich zu ersetzen. Also das bräuchte ich jetzt nicht. Also damit ich jetzt halt so ein gekochtes Ei habe, das dann vegan ist.

Carsten Fehlt mir ehrlich gesagt auch nicht. Ich meine, ich habe das damals ja wirklich in Massen gegessen. Wenn Du überlegst, was ich damals so für für meinen Proteinbedarf gescheffelt habe. Mal so eine Sechserpackung Ei als Spiegelei abends noch in die Pfanne

Stefanie Du hast auch gekochtes Ei mit zur Arbeit genommen. Und das Lustige ist ja, du hast mir ja letztens erzählt, dass deine Kollegin, die dir das quasi nur nachgemacht hat, da findest du das jetzt schon ekelig, oder?

Carsten Ich mag den Geruch nicht mehr und das ekelt mich wirklich an.

Stefanie Ja. Bist du so ein bisschen mäkelig mit ihr, dass sie das jetzt noch macht? Natürlich total lustig, du hast das ja auch gemacht, aber du empfindest dann so, wie kannst du das jetzt noch machen?

Carsten Ja, genau.

Stefanie Also so, ja. Aber gut, das ist auch noch so ein Ding. So, das, was ich jetzt höre. Also, ich kann Colleen Patrick-Goudreau nur jedem empfehlen. Also, es ist halt alles auf Englisch, klar. Aber sie ist halt auch eine Institution. Bei ihr geht es halt immer um Compassion, um Mitgefühl. Und das ist also, dass wir eben auch Mitgefühl mit denen haben, die noch nicht so weit sind. Die eben noch in der Matrix stecken und noch nicht herausgetreten sind. Die das einfach eben noch nicht ihre fully compassion wirklich gefunden haben. Und das ist etwas, was wir natürlich auch ständig noch üben müssen.

Carsten Ja, da bin ich noch ganz am Anfang. Also gerade gerade, was jetzt diese besagte Arbeitskollegin betrifft, wo es mich dann wirklich ekelt. Es geht ja noch nicht mal um das Sehen, sondern der Geruch. Ja, also das ist tatsächlich etwas, wo ich im Moment Probleme habe. Ja, jahrelang selber gemacht.

Stefanie Ja genau. Und deswegen ist es halt so, das ist was, wo wir dann auch auf uns selbst schauen müssen und dann das üben müssen.

Carsten Ja, quasi auf der anderen Seite merkt man dann auch schon, welchen welchen Weg man zu selber zurückgegangen oder zurückgelegt hat. Ja, weil so lange ist das ja noch nicht her, zeitlich betrachtet.

Stefanie Eigentlich gar nicht, wenn ich so überlege. Eine Freundin von mir hatte mich zu Weihnachten gefragt, Wenn ich denn jetzt also nicht vegane selbstgebackene Plätzchen geschenkt bekommen würde, ob ich die denn essen würde. Und da habe ich tatsächlich noch mal nachgedacht. Ist das höflich? Darf ich die zurückweisen? Ist es unhöflich, wenn ich jetzt sage Nein, ich esse die dann nicht, die hat die ja extra für mich gebacken. Sie hat es nur gefragt, sie hatte mir keine mitgebracht. Aber da habe ich wirklich noch so gedacht. Heute würde ich sagen Nee, die esse ich nicht. Also auch, wenn es unhöflich erscheint. Aber ich kann das nicht. Ich kann die einfach nicht mehr essen. Das geht einfach nicht.

Carsten Okay, jetzt haben wir schon sehr stark über das Thema gesprochen, über das wir eigentlich gar nicht sprechen wollen.

Stefanie Genau.

Carsten Wir hatten eigentlich bei der Folge Ei eigentlich ein komisches Wort im Titel.

Stefanie Legehennen.

Carsten Legehennen, also mehr den ethischen Aspekt im Hinterkopf. Und den würden wir jetzt gerne auch mal diskutieren, warum wir eigentlich dazu gekommen sind, komplett auf das Ei zu verzichten. Also nicht nur, weil wir uns entschlossen haben, vegan zu werden, sondern weil wir natürlich auch eben genau diesen ethischen Background irgendwann mal beleuchtet haben. Und das sind so Fakten, da gruselt es mir einfach, wenn ich das so mitbekomme.

Stefanie Wir wollen natürlich jetzt nicht schockieren oder so, sondern wir wollen einfach nur die Fakten bringen.

Carsten Genau. Also ein paar Zahlen und ein paar Berichte.

Stefanie Also das mit dem Ei habe ich sogar noch vor der Milch so wahrgenommen, weil irgendwann im vorletztes Jahr oder so ging das durch die Medien, dass eben diese männlichen Küken geschreddert werden. Die Eintagesküken quasi. Worüber ich mir nie Gedanken gemacht habe. Du auch nicht, oder? Oder hast du dir mal Gedanken darüber gemacht?

Carsten Nee. Ich bin der Meinung, als es in den Medien hochgekocht ist, dass mir das eigentlich schon relativ lange klar war. Aber ich könnte jetzt nicht sagen, wie lange ich davon wusste. Also ich habe es einfach nur so wahrgenommen, dass es sogar in den Tagesthemen war.

Stefanie In der Tagesschau, ich weiß es nicht mehr.

Carsten Genau, also sehr stark medial präsent, dass eben diese männlichen Küken da millionenfach geschreddert werden.

Stefanie Oder Vergast.

Carsten Oder vergast.

Stefanie Oder einfach in den Müll geschmissen.

Carsten Die sind einfach überflüssig. Das sind...

Stefanie ...Männer.

Carsten Sind als Männer halt überflüssig.

Stefanie In der Milchindustrie und Eierindustrie sind männliche Nachkommen wertlos.

Carsten Genau so!

Stefanie Dir war das eigentlich schon bewusst? Also was heißt bewusst? Also du hattest, du wusstest es eigentlich schon, hast es aber weggeschoben.

Carsten Ich glaube, dass ich da in der Vergangenheit schon mal drüber gestolpert bin, dass ich das entweder einmal oder mehrfach irgendwo schon mal gehört habe. Hab es da verdrängt. Das war für mich nie ein Argument zu sagen, ich verzichte jetzt auf Ei.

Stefanie Ja gut, du warst ja eh immer mehr so der gesundheitliche Typ, als der ethische.

Carsten Ja, wobei, ich muss sagen, ich habe ja damals in meiner Schulzeit, ich war noch Schüler, da habe ich mal in den Sommerferien komplette sechs Wochen in einer Eiersortiererei gearbeitet. Und das hat dazu geführt, dass ich dann nach dieser Arbeit jahrelang kein EI mehr gegessen habe. Mir ist der Appetit vergangen.

Stefanie Eier Sortiererei heißt was?

Carsten Ja, da wird einfach das gelegte Ei angeliefert und dann überprüft. Entsprechend der Größe sortiert.

Stefanie Ach so, okay.

Carsten Größe, Güteklasse etc., hier wird geguckt, also durchleuchtet. Das ist einfach nur so die die Sortierung um das ganze anschließend in den Handel zu bringen

Stefanie Okay. Also dieses M und L.

Carsten Ja, genau.

Stefanie Das heißt, da war schon so so ein bisschen was angeteasert oder an getriggert.

Carsten Ja, da war noch gar nichts Ethisches im Hintergrund zu sehen. Du hattest im Grunde genommen nur das Ei gesehen. Wir hatten einen Lieferwagen, da haben wir dann die die Eier raus geholt. Das sind so große Gestelle gewesen. Ich weiß gar nicht, wie viele hunderte Eier oder so in so einem Rollcontainer drin waren. Und dann sprang da auf einmal eine Maus oder eine Ratte entgegen. Also Hygiene und so.

Stefanie Ich dachte schon, da sprang ein Küken aus dem Ei.

Carsten Nee, dass das Gott sei Dank nicht. Eine Eier-Sortiererei ist ja letztendlich auch relativ harmlos, da passiert ja nicht viel. Wie schon gesagt, das Tier ist einfach nur die Eier. Aber da unter diesen Sortiermaschinen oder so was, wenn da mal ein Ei runter gefallen ist und das nicht schnell genug weggeräumt oder sauber gemacht und dann in den Sommermonaten, wo es sowieso so irrsinnige hohe Temperaturen gab, ist es dieser Schwefelgeruch von verdorbenen Eier oder so was. Das sind alles so ja Eindrücke gewesen.

Stefanie Deswegen hat meine Freundin wahrscheinlich gesagt schwefelig.

Carsten Ja, okay, aber das war prägend. Das hat mich wirklich davon abgehalten, über Jahre hinweg wirklich Eier zu konsumieren. Also nicht nur hartgekochte Eier, sondern generell Ei. Ich habe also, obwohl ich nicht vegetarisch war, ja auch noch lange nicht vegan, war ich eigentlich bestrebt, überhaupt gar keine Eier mehr zu essen.

Stefanie Ich mochte eigentlich auch nie so wirklich. Ich habe auch noch Tagebuchaufzeichnungen von früher als Schülerin, wo ich ja schon vegetarisch war und dann, wo ich auch geschrieben habe, dass ich Eier eben deswegen nicht esse, weil ich sie nicht mag.

Carsten So einfach geschmacklich?

Stefanie Genau, aber später habe ich sie dann eben doch gegessen, weil ich mir irgendwie eingeredet habe, dass sie gesund sind. So, also so über diesen Gesundheitsaspekt, da war ich da doch dann irgendwie so drauf gekommen. Und klar, wenn Eier im Kuchen stecken oder sonst irgendwie so, dann schmeckst du sie ja nicht so direkt raus.

Carsten Ja, es sei denn, wir haben zusammen gebacken.

Stefanie Ja, ja, aber worum es da jetzt eigentlich ging, war ja, dass ja, wie wir jetzt drauf gekommen sind. Also ich. Ich habe da nie drüber nachgedacht, dass das da wie diese „Eierproduktion“ jetzt abläuft. Also mir war das nicht bewusst. Also was heißt bewusst? Ich habe nie darüber nachgedacht, dass es ja logischerweise auch männliche Küken geben muss und also wie das überhaupt alles abläuft. Ich habe in meiner Vorstellung gab es diese absurden draußen herum pickenden Hühner. Also ich meine, ich habe sowieso dieses von ganz ganz früher vor 150 Jahren oder so, ich habe sowieso ja nur Bioeier gekauft und nicht irgendwie aus Bodenhaltung oder sogar Freilandhaltung nicht, sondern immer nur Bio, weil ich gedacht habe, die haben es am Besten. Aber wir haben ja selber raus gefunden, was Bio bedeutet. Also sechs statt neun Tiere pro Quadratmeter.

Carsten Genau.

Stefanie Und eigentlich ist Bio genauso wie Freiland. Nur die kriegen ein bisschen anderes Futter, ein bisschen mehr Auslauf.

Carsten Aber ansonsten? Den riesigen großen Unterschied sehe ich da genau nicht.

Stefanie Ach so, und die haben ja auch riesige Herden, die da gehalten werden, dass das bei Bio sind es halt 3000 statt 6000 oder 9000 Tiere pro Gruppe. Also wenn man überlegt, dass diese Hühner eigentlich von Natur aus irgendwie in ganz kleinen Gruppen von irgendwie 5 bis 10 Hühnern und einem Hahn unterwegs sind, können die in so einer Riesengruppe überhaupt gar nicht ihr Sozialverhalten ausleben.

Carsten Also es ist nicht mal ansatzweise artgerecht. Wie gesagt, da ist Bio nicht wirklich so deutlich besser wie Bodenhaltung oder Freilandhaltung. Aber vielleicht können wir mal so diese drei Gruppierungen so ein bisschen nebeneinander stellen, wenn man das so ein bisschen eingrenzen kann. Was heißt das eigentlich? Bodenhaltung? Freilandhaltung? Bio?

Stefanie Ja, also ich wollte noch mal eben kurz das zu Ende erzählen, was ich wie das bei mir war. Also ich habe das dann in den Medien gehört. Also ich habe es dann gesehen, das mit dem typischen Schreddern und so. Und hab dann gedacht Oh Gott, und dann habe ich halt gelesen, dass Demeter und Bioland das nicht machen. Und dann habe ich erst mal bei Demeter und Bioland weiter gekauft und habe mir dann aber nicht weitere Gedanken gemacht. Also ich habe dann nur gedacht, nee, das mit den Schreddern, das will ich nicht. Also kaufe ich jetzt aber trotzdem weiterhin Eier. Aber dort, wo es nicht gemacht wird. Und jetzt erst im Zuge dessen, dass wir gesagt haben wir werden vegan. Natürlich auch, was Eier angeht, weil Eier, also Milch und Eier halt für jede Vegetarierin eben ein Problem darstellen, sag ich mal bei der Umstellung, Da muss man eben mal klären. Und Milch und Milchprodukte, klar. Jedenfalls erst da habe ich mich wirklich damit beschäftigt. Also vorher war es für mich klar natürlich, ich lasse jetzt die Eier weg. Das ist halt so bei vegan. Aber diese ganzen Hintergründe und die verschiedenen Haltungsformen, das habe ich erst dann gemacht und dann klar, also es gibt diese drei Haltungsformen. Also Käfighaltung gibt’s nicht mehr.

Carsten in den USA schon.

Stefanie Ja, also wir reden jetzt mal von Deutschland. Jetzt gibt es halt nur noch Bodenhaltung, Freilandhaltung und Biohaltung.

Carsten Genau so generell. Was die Zahlen betrifft. Bodenhaltung, was heißt das eigentlich? Bodenhaltung heißt, dass ich also extrem große Betriebe habe. Die haben mehr als 200.000 Tiere und da werden die Tiere in Gruppen von bis zu 6000 Hühnern gehalten. Im Moment ist es so, dass sich neun Tiere ein Quadratmeter Platz teilen. Genau so, das sind so ungefähr zwei DIN A4 Seiten da stehen neun Tiere drauf. Das ist schon ziemlich heftig. Wenn man sich aber überlegt, dass Bodenhaltung wirklich den großen Anteil an der Eierproduktion hält.

Stefanie Ein Quadratmeter sind zwei DIN A4 Seiten?

Carsten Ich habe es nicht ausgerechnet. Ich habe es irgendwo übernommen.

Stefanie Jetzt mal überlegen. Eine DIN A4 Seite ist 30x20cm quasi. Ja, dann müssten es drei DIN A4 Seiten sein (Anmerkung: 1qm sind 16 DIN A4Blätter)

Carsten Übernommen. Ja.

Stefanie Ne, noch mehr. Also neun DIN A4 Seiten, oder? Ich glaube, das mit den DIN A4 Seiten kann nicht sein.

Carsten Das streichen wir, Okay?

Stefanie Weil ich glaube, ein Huhn hat denn nicht mehr Platz als auf einer DIN A4 Seite. So ist das glaube ich.

Carsten Kann man das so umrechnen, dass der genau so war? Deine Notizen sind deine Notizen. Diese DIN A4 Seite sehr ansprechend.

Stefanie Ja, das war eine. Hast du das aus dem Iss-was-Report? Ja, das war, dass ein Huhn nicht mehr Platz hat, als es auf einer DIN A4 Seite. Und das hatten die da halt so gezeigt. Genau. Es geht um ein Huhn. Also neun haben halt dann drei mal drei quasi. Nein, es ist wirklich wenig Platz. Genau. Aber wir verlinken auf jeden Fall auch für dich dieses Dossier. Das habe ich auch schon in vorigen Podcastfolgen verlinkt. Ist von der von der Heinrich Böll Stiftung. Genau. Und das ist echt toll. Also das ist wirklich für jeden. Es ist eigentlich für Kinder gemacht. Also Kinder sind jetzt so Jugendliche, Kinder und Jugendliche. Aber ich finde das so toll grafisch gemacht.

Carsten Dass sind viele Fakten, aber auch extrem viel. Man sieht auf den ersten Blick, wovon die entsprechenden Zahlen handeln. Und ja, das ist nicht einfach so ein Fließtext, der über 70 Seiten geht und irgendwie Müdigkeitserscheinungen hervorruft, sondern es ist optisch echt.

Stefanie Ansprechend, echt super klasse. Und es geht auch gar nicht darum, dass jetzt alle vegan werden sollen in diesem Dossier, sondern es geht eben um die Herkunft des Fleisches.

Stefanie Genau ja.

Carsten So also das wäre Bodenhaltung. Wie gesagt, so riesige Betriebe von mehr als 200.000 Tiere und dann die Gruppengröße bei 6000 angesiedelt.

Stefanie Die dann aber alle in einer Halle sind.

Carsten Oder es können mehrere Hallen sein.

Stefanie Also ich meine jetzt diese 6000.

Carsten Die 6000 müssen in einer Halle sein und so eine Gruppe.

Stefanie Genau, eine Gruppe. Und die, die sind jetzt nicht da. Sind jetzt nicht irgendwie neun Tiere immer unterteilt in so Käfigen, sondern die laufen auf einer riesigen Fläche.

Stefanie Die Laufen übereinander hinweg.

Carsten Kleinstadt aus Hühnern.

Stefanie Genauso. Und die können halt gar kein Sozialverhalten entwickeln, weil die ja auch nicht irgendwie mal weggehen können und was weiß ich.

Carsten Die haben im Zweifelsfall auch nie Tageslicht gesehen oder so was. Und da kommen wir vielleicht nachher noch mal drauf. Ja, ich möchte jetzt kurz noch mal so die Freilandhaltung abgrenzen, Freilandhaltung selber, da sind die Betriebe ein bisschen kleiner. Von der Tiergröße her sind so um die 30.000 Tiere insgesamt, wobei die Gruppengröße gleich groß ist. Auch die haben bis zu 6000 Tiere in einer Gruppe. Aber die Freilandhaltung selber, die sagt mal, dass jedes Tier zusätzlich vier Quadratmeter Auslauf Fläche draußen hat. So allerdings mit diversen Einschränkungen. Also das klingt jetzt erst mal so total super. Die dürfen nach draußen. Also der Betriebsinhaber, darf man da noch Landwirt sagen? Also der Besitzer kann das zeitlich eingrenzen. Also der bestimmt wie häufig und wie lange dürfen die Hühner eigentlich diese Freilauffläche benutzen? Es kann ein ganzer Tag sein, das kann aber auch eine Stunde am Tag sein. Also es gibt eigentlich keine direkte Regelung und es wird auch nicht direkt überprüft. Und ob die Hühner das in Anspruch nehmen, hängt natürlich davon ab, wie diese Freilandfläche aufgebaut und beschaffen ist. Also ein Huhn hat Angst, ganz klar die, die wollen irgendwo draußen Schutz haben vor Raubvögeln. Und wenn das eine Brachfläche ist, wo man sich nicht verstecken kann, wo keine Hecken sind und und keine Büsche oder so was, ja, dann zieht es die Hühner gar nicht raus. Dann bleiben die lieber drin. Genau.

Stefanie Ja, dann nutzen die das eben gar nicht. Also es hört sich halt ganz nett an, dass die Freiland haben. Aber wenn es also zum einen, wie gesagt, kann es eben eingeschränkt werden und zum anderen, wenn es dann nicht entsprechend begrünt ist, dann wird es nicht genutzt.

Carsten Also ein bisschen niedlich, die wohnen drin mit Balkon, Garten oder einen kleinen Vorgarten. Ob der genutzt wird sei mal dahingestellt. Aber so vom Zahlenverhältnis her. Ungefähr 17 % der Legehennen kommen im Freiland in Freilandhaltung. Also der große Anteil ist wirklich reine Bodenhaltung.

Stefanie Ja, das ist ja auch gerade das Problem bei Sachen wenn man jetzt fertige Produkte kauft. Wo schon Eier drin sind, sind die meistens aus Bodenhaltung.

Carsten Klar.

Stefanie So dass du halt schon direkt damit diese Misere mit kaufst. Und klar, also wir machen lieber Sachen selber, als dass wir Fertigprodukte kaufen. So, also von daher stehen ja jetzt Eier auch gar nicht mehr zur Debatte. Aber es macht generell Sinn, mehr selber zu machen. Es ist günstiger und...

Carsten ...dann kann man es entscheiden. Genau dann kann man eben doch noch selektieren. Und dann sind wir bei Bio. Wo ist der Unterschied zu Bio oder zwischen zwischen Freiland, Bodenhaltung und Bio? Also bei Bio ist es so, dass die Gruppengröße noch mal halbiert ist. Also habe ich nicht 6000 Hühner in einer Gruppe, sondern halt 3000. Das klingt natürlich erst mal so okay, nur noch die Hälfte. Aber bei dem, was du vorhin schon gesagt hat, das in der Natur eine Gruppe so 10 Tiere umfasst, macht das einen Unterschied? Kriegt das Huhn das mit, ob es mit 6000 Gefährten untergebracht ist oder 3000? Also ich glaube nicht, dass ein Huhn zählen kann und der andere Unterschied ist, dass weniger Tiere pro Quadratmeter gehalten werden. Also bei den anderen genau mehr Platz anstatt wie bei Boden und Freilandhaltung. Dass sich neun Tiere den Quadratmeter teilen, habe ich bei Bio eben nur sechs Tiere. Nur jetzt auch nicht der „Himmel auf Erden“. Und dann gibt es eben nochmal den Unterschied, dass bei der Biohaltung der Schnabel nicht gestutzt wird oder abgeschnitten wird.

Stefanie Das ist das bei allen so?

Carsten Ich bin mir nicht sicher. Ich habe das so aus diesem Pamphlet übernommen.

Stefanie Pamphlet hört sich für mich sehr negativ an.

Carsten Na ja... finde ich nicht.

Stefanie Nicht? Also dann ist das was Persönliches. Streichen wir das jetzt hier.

Carsten Also, ich habe das so übernommen, dass bei dieser Biohaltung eben dieser Schnabel oder diese Schnabelstutzung nicht durchgeführt wird. Bei Boden- und Freilandhaltung sehr wohl. Warum wird das überhaupt gemacht? Der Hintergrund da liegt, dass man dieses kannibalistische Verhalten unterdrücken möchte. Also gerade bei dieser extrem großen Gruppenzugehörigkeit kommt es da vor, dass die Tiere einfach verhaltensgestört sind. Sich selber Picken, Federn, ausreißen oder ja, kannibalistisches Verhalten zeigen. Ja, das zeigen die aber auch, wenn der Schnabel gestutzt ist. Also das ist jetzt nicht so, dass wenn ich den Schnabel stutze, dass dieses Verhalten dann nachlässt. Also verhaltensgestört ist verhaltensgestört.

Stefanie Ja. Also generell ist halt dieser Unterschied zwischen dem, was ich mir immer so vorgestellt habe. Die laufen halt so wie bei „Michel in Lönneberga“ schön auf dem Hof herum und haben ein schönes Leben und picken sich so durch die Gegend.

Carsten Legen ab und an mal ein Ei.

Stefanie Genau so, wie sie halt gerade Lust haben. Ja, das ist halt von der Wirklichkeit ganz, ganz weit entfernt. Dann ist es natürlich auch nicht wirtschaftlich.

Carsten Sie so zu halten.

Stefanie Das kannst du nicht. Genau. Und das ist ja dann auch so. So ein Huhn, Legehuhn legt ja anscheinend 300 Eier im Jahr.

Carsten Bis zu.

Stefanie Bis zu 300 Eier. Und dass der Eierverbrauch in Deutschland auch sehr hoch ist. Ich habe jetzt gerade noch was aufgeschrieben. Aber du kannst es auch alles nachlesen in den Shownotes. Also wir verlinken dann natürlich auch die weiterführenden Informationen, wo wir das alles herhaben, damit du das noch mal in Ruhe lesen kannst. Und der Eierverbrauch ist sehr hoch. Und früher, wenn man überlegt, dieses Huhn, das also dieses domestizierte Haushuhn, das Bankivahuhns, aus Indien? Ich bin mir nicht mehr sicher. Das Bankivahuhns hat ca. 20 Eier pro Jahr gelegt hat, wie jeder andere Vogel eben auch. Und die sind alle nur zur Fortpflanzung gewesen. Sie sind nicht dafür gedacht gewesen, dass irgendein Mensch kommt und sie isst. Also es ist so: Ein Huhn legt eben Eier zur Fortpflanzung und es will die eigentlich bebrüten. Und eigentlich ist es halt nie gedacht gewesen, dass es unbebrütete Eier gibt. Das ist halt alles nur durch den Menschen gekommen, der sich gedacht hat: „Halt lecker“! Ich brauche jetzt so ein Ei zum was weiß ich Verzehren, backen, kochen, was auch immer. Und diese Hühner, diese Legehennen. Wir sprechen jetzt eben nur über Legehennen. Es gibt ja auch noch die Masthühner oder Hähnchen, die dann eben zum Verzehr gedacht sind. Und diese Legehennen, die sind ja so hoch gezüchtet worden. Früher gab es ja immerhin noch diese Zweinutzungsrassen, logischerweise, weil keiner darüber nachgedacht hat, dass er jetzt irgendwie beides getrennt züchtet, sondern das ist ja alles nur durch diese Massen entstanden. Also es gibt ja angeblich in Deutschland keine Massentierhaltung, sondern nur Intensivtierhaltung. Prozessoptimierung, wenn man mal hier als Projektmanager redet.

Stefanie Also jedenfalls es ist alles nur durch dieses immer mehr, immer mehr und und wir wollen Geld verdienen, wir wollen Geld verdienen und alle wollen billig essen. Alles muss billig sein und es muss eben ganz viel sein. Dadurch ist es ja nur gekommen. Das heißt, diese Hühner, diese Legehennen, die es heute gibt, die sind ganz, ganz weit entfernt von dem, was es früher mal war. Und also so ein Huhn hat früher auch wirklich 20 Jahre gelebt, oder10 Jahre? Also jedenfalls in dem Dossier habe ich zehn oder elf Jahre gelesen und früher hat dieses Bankivahuhns 20 Jahre gelebt.

Carsten Unterschiedlich, je nach Rasse.

Stefanie Je nach Rasse. Genau. Also jetzt sagen wir mal, selbst wenn es zehn Jahre lebt, so eine Legehennen, die jetzt in so einem Betrieb lebt, die lebt halt zwischen zwölf und 15 Monaten. Also das heißt, sie wird ein Jahr alt oder ein bisschen älter.

Carsten Dann ist sie entkräftet, ausgezehrt aufgrund dieser extrem hohen Leistung.

Stefanie Weil sie halt ständig Eier gelegt hat, was gar nicht normal wäre. Also sie legt eigentlich im Grunde nur Eier, um sich fortzupflanzen. Also eigentlich möchte sie gerne ein Ei legen, das bebrütet sie dann in dem Nest und dann soll daraus ein Küken schlüpfen und es ist nicht dafür gedacht, dass wir es wegnehmen und es essen. Also es ist halt einfach dadurch entstanden, dass der Mensch sich gedacht hat, ich greif da jetzt mal ein. Eigentlich ist es ein mieses Spiel, was wir da spielen.

Carsten Es ist ja noch nicht mal, dass das diese hohe Leistungsanforderung jetzt nur für diese Entkräftung sorgt, sondern ich habe das vorhin schon mal gesagt, dass wenn ich natürlich in so riesigen Gruppen bin, kein Tageslicht sehe, dann komme ich natürlich mit Umwelteinflüssen in Kontakt, die ich so in der freien Wildbahn gar nicht habe. Das sind also, ich sag jetzt mal Extrembedingungen. Wovor es mir eigentlich gegraut hat, als ich das gesehen habe oder gelesen hatte war die permanente Luftverschmutzung mit Ammoniak. Also die die Hühner leiden teilweise über längere Zeiträume unter Lungenproblemen, Entzündungen oder unter Krankheiten.

Stefanie Das hatte ich noch gar nicht gelesen.

Carsten Dass ist verpestete Luft. Also jeder Mensch reingeht in diese Ställe, der hat entweder einen Atemschutz drauf oder darf halt nicht so lange drin bleiben, weil er sonst irgendwo Lungenprobleme bekommt. Und die Hühner bleiben dort ihr Leben lang.

Stefanie Die haben keine Frischluft ihr Leben lang. Das bedeutet eben, dass sie nicht mal anderthalb Jahre alt werden. Also die werden maximal 15 Monate alt. Ja, und das bedeutet also, sie sind eigentlich noch Kinder sind. Also fast alle Tiere, die wir essen, von denen wir leben, sind Kinder, wenn sie sterben oder Babys.

Carsten Also Biohühner mögen jetzt vielleicht etwas länger leben?

Stefanie Bei Biohühner ist es so, dass es eventuell noch eine zweite Legeperiode gibt. Das ist halt so, dass Hühner ja normalerweise Eier periodisch legen, so dass sie dann zwei Legeperioden haben. Das sie zur kalten Jahreszeit, wenn es dunkel wird, sie dann eben einfach nicht mehr legen und dann wieder ab Ostern. Deswegen ist ja auch dieses Osterfest, weil es dann wieder Eier gab. Vorher gab es halt keine Eier. Also das ist tatsächlich diese Tradition, dass es deswegen eben diese ganzen Eier gibt zu Ostern, weil es dann wieder Eier gab und vorher eben diese Periode war, wo es keine Eier gab, dass das Huhn dann keine Eier gelegt hat, dass das Huhn jetzt also quasi jeden Tag Eier legt rund ums Jahr, liegt nur daran, dass es halt so speziell gezüchtet ist und dieses Legemehl noch gefüttert bekommt. Dazu die künstliche Beleuchtung, so dass das Huhn komplett ausgereizt wird, dass es wirtschaftlich bleibt. Und dann, wenn es eben ausgereizt ist, geht es zum Schlachter und da wird es dann zum Suppenhuhn, denn zu mehr taugt es nicht, weil da ja nicht viel dran ist. Bei Bio kann es halt sein, dass das ein bisschen langsamer geht und dass die dann noch eine zweite Legeperiode dranhängen. Aber das muss nicht sein. Also es ist halt jedem Halter dann auch wieder selbst überlassen.

Carsten Wobei ich mir da jetzt natürlich die Frage stelle ist das jetzt eigentlich angenehmer fürs Huhn oder ist es eigentlich nur ein etwas längerer Leidensweg? Ja, also gut, mag jeder sich selber die Antwort dazu geben. Aber für mich steht fest egal wie, ein schönes Leben ist das nicht.

Stefanie Ich hab da nie drüber nachgedacht, was das eigentlich bedeutet, so eine Legehennen zu sein. Ich habe auch nie über das Schicksal der Küken nachgedacht. Ich hatte jetzt auch diese Bruderhahninitiative gesehen, wo es darum geht, dass eben diese Küken gerettet werden. Die männlichen Küken, also die Bruderküken der Legehennen. Und die werben mit diesem Slogan 0,04 € für die Ethik. Und das hat mich irgendwie gestört.

Carsten Also das ist so eine Art moderner Ablasshandel.

Stefanie Ja genau, Ablasshandel hattest du gesagt. Das klingt so, als könnte man sich Ethik erkaufen. Also vier Cent für die Ethik. Du brauchst nur vier Cent zu zahlen. Guck mal, und dann gibt es Ethik. Das finde ich total herablassend. Man könnte sagen, vier Cent für die Bruderküken oder vier Cent für das Leben. Aber nicht für die Ethik. Ich finde, Ethik ist doch nicht käuflich!

Carsten Nein, Ethik ist nicht Käuflich.

Stefanie Aber ja. Ja, wir verlinken auch diese Initiative, damit du dir selbst ein Bild davon machen kannst. Und es ist natürlich alles nur unsere Meinung, was wir hier kund geben, das ist klar. Aber ich denke wirklich, Ethik hat was mit dem Gefühl zu tun und nicht was mit Geld.

Carsten Genau.

Stefanie Haben wir jetzt alle Fakten so genannt? Also es ging also um die verschiedenen Haltungsformen. Es geht darum, was unterscheidet die. Also wie gesagt, du kannst es noch mal alles nachlesen. Wirklich detailliert. In den Links. Die Lebenserwartung der Hühner, das der Legehennen, die kleinen Masthühner lassen wir mal außen vor. Die Zustände dort, fehlt uns noch was?

Carsten Nein, ich denke, für diesen Themenkomplex haben wir soweit die wichtigsten Sachen genannt. Weitere und tiefere Informationen kommen in den Shownotes. Natürlich gibt das Thema Ei noch sehr viel mehr her. Ich will jetzt nicht sagen vergleichbar umfangreich wie das Thema Milch, aber es stecken noch andere Sachen mit drin. Den gesundheitlichen Aspekt haben wir noch nicht angesprochen. Also ja, ich denke ein Thema Legehennen müsste man auch noch mal ergänzen um das Thema Masthähnchen, Schlachtereien etc. Das hat zwar mit dem Ei nichts zu tun, aber wenn wir schon beim Huhn sind, würde das auch mit reinpassen. Aber ich denke, das sind halt zukünftige Podcastfolgen.

Stefanie Wir gucken mal. Also irgendwie interessiert mich Milch mehr als Ei. Deswegen wird es auch mehr über Milch geben. Gerade auch, weil ich ja darüber jetzt forsche.

Carsten Ja, dein Forschungsprojekt. Ich will jetzt noch nicht weitere Folgen zum Thema Ei ankündigen, aber wenn wir über neue Aspekte stolpern, kann es sein, dass wir es nochmal aufnehmen.

Stefanie Wir können das auch andersherum machen. Wenn du noch irgendwelche Fragen hast. Also du liebe HörerIn, nicht du, Carsten. Wenn du noch Fragen hast, dann stelle sie uns gerne und schreib uns einen Kommentar oder eine Email und dann können wir das auch auffassen. Wir machen das ja hier nur für dich und wir wollen dir helfen und wir wollen dich mit Informationen versorgen. Wenn Du also weitere Ideen oder Wünsche hast, dann machen wir das natürlich gerne.

Carsten Klar, na klar.

Stefanie Also ich meine, das ist ja hier keine „Two Man Show“.

Carsten Sondern so ne...

Stefanie ...“Art One Woman / One Man Show“, also so, dass wir uns das hier nur gegenseitig erzählen. Wir wissen das ja schon.

Carsten Also wir freuen uns auf den Dialog. Und wenn da Input kommt von dir, dann greifen wir den gerne auf, diskutieren das oder forschen.

Stefanie Und freuen uns auch generell darüber, wenn du uns irgendwie Feedback gibst, wenn du uns erzählst, wie du den Podcast findest, wenn du uns eine supertolle Rezension auf ITunes gibst. Genau. Also konstruktives negatives Feedback. Nicht auf ITunes, sondern nur bei uns. Na? Nein, aber wir freuen uns jedenfalls auf, auf, auf Kommentare von dir! Dialog? Ja, so oder so, im Moment ist es so ein bisschen so, als würden wir so in den luftleeren Raum senden. Ohne Feedback.

Carsten Ohne Feedback. Ja, ja. Traurig.

Stefanie Genau. Irgendwie schon. Also. Applaus. Ist das nicht Lohn? Nein. Der Lohn des Künstlers. Wie war das?

Carsten Des brotlosen Künstlers.

Stefanie Da haben wir ja eine brotlose Kunst. Nein. Na gut. Also, jetzt mal, jetzt das alles hier.

Carsten So, also sind wir auch schon weit weg vom Thema.

Stefanie Genau. Ja, Hier um Applaus, schnorren und so..

Carsten Genau. Bitte.

Stefanie Bitte. Also gut. Also, beenden wir das jetzt, bevor es würdelos wird.

Carsten Richtig so? In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 13 - Food Inc. - Was essen wir wirklich?

Ein Beitrag

Folge 13 - Food inc. - Was essen wir wirklich?

In dieser Folge

  • stellen wir Dir den Film "Food Inc." vor,
  • erzählen welche Fakten uns am meisten beschäftigt haben.
  • sprechen über Saatgutwäsche, ausgebeutete Arbeiter und krumme Praktiken
  • und erklären warum die amerikanischen Verhältnisse auch in Deutschland gelten.

Links zur Folge

Cowspiracy - Das Geheimnis der Nachhaltigkeit
http://www.cowspiracy.com/ oder Cowspiracy als DVD kaufen

Food Inc
http://www.takepart.com/foodinc

Food Inc. Trailer
Auf YouTube anschauen

Heinrich Böll Stiftung Dossier "Iss was?! Tiere, Fleisch und Ich"
https://www.boell.de/de/isswas

Erkenne den Zusammenhang | PETA
http://www.erkenne-den-zusammenhang.de/

Vollständiges Transkript (Korrektur gelesen von ä'Odner)

Stefanie Ja, dann lass uns doch über Food Inc.

Carsten oder Food Incorporated, genau das war der zweite Film …

Stefanie Genau,

Carsten … den wir auch über Netflix gesehen haben?

Stefanie Genau

Carsten Auf den sind wir aufmerksam geworden, weil wir eigentlich Cowspiracy sehen wollten.

Stefanie Natürlich, total unvorbereitet da angezeigt, was man noch kucken könnte. Hmmm, wie kann das denn passieren? Ja, also jedenfalls den gibt es da auch zu sehen. Aber der ist schon ein bisschen älter, der ist von 2008 sogar.

Carsten Das kann durchaus sein.

Stefanie Ja, es ist schon ein bisschen älter. Und der ist also eher ethisch, denke ich, oder? Ja, also er zeigt ziemlich krasse Szenen zwischendurch, also so Schlachthofszenen, die man nicht unbedingt immer sehen will. Ja, aber er ist auch…

Carsten Er ist sehenswert. Er beinhaltet ganz klar konfrontierende Bilder, mit denen man sich dann auseinandersetzen soll. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob dem Zuschauer die Möglichkeit gegeben wird, sich vorzubereiten und gegebenenfalls wegzuschauen, wenn es dann so wird. Ich meine, das kommt halt sehr unvermittelt.

Stefanie Ja und? Also ich meine, es ist natürlich irgendwo auch wieder Amerika da, diese Megafelder, die es da gibt, es geht da ja dann auch um die Saatgutkonzerne. Oder war das jetzt ein anderer Film? Ja, das ist schon der.

Carsten Monsaato ist da genau ein Kernbestandteil, um einfach mal zu zeigen, wie unsere Lebensmittel heutzutage quasi, ja was für Abhängigkeiten da drin bestehen. Also Monsaato habe ich gerade schon gesagt, dass da.

Stefanie Monsaato oder Monsanto?

Carsten Monsanto. Tschuldigung, hab ich Monsaato gesagt?

Stefanie Ja, wegen Saatgut Monsaato.

Carsten Ja, Tschuldigung, mein Fehler. Ja, also auf jeden Fall dieser Konzern da kommt halt, wird sehr intensiv behandelt. Die Machenschaften, die sich dort entsponnen haben aufgrund der Thematik, dass Monsanto Rechte an dem Genmais und, wie soll man sagen, an diesem Züchtungskit oder so was, haben. Also ja, um anders gesagt du kaufst…

Stefanie An dem Saatgut?

Carsten … Saatgut, sondern du kaufst dann ja auch quasi das…

Stefanie Dünger und Pestizid.

Carsten … Dünger und Pestizide. Das Roundup wird da glaube ich erwähnt. Also dieses Gesamtbundel-Paket, was die Bauern sich zulegen müssen und die Abhängigkeiten, die sich da einmal bei dem einzelnen Bauern ergeben, aber auch der ja durchaus politische und auch vielleicht sogar sogar physische Druck, der ausgeübt wird auf Bauern, die sich weigern, dieses Saatgut zu kaufen, die sagen, ich ziehe mir mein Saatgut weiterhin selbst. Ja, und es gibt da auch dieses eine Beispiel von einem Saatgutreiniger oder auch -aufbereiter, also …

Stefanie Reiniger, ja.

Carsten Reiniger, ein legitimer Beruf, der…

Stefanie Aber schon fast ausgestorben ist.

Carsten … fast ausgestorben ist, aber der nichts anderes macht, als aus der vorherigen Ernte, anhand des dort angefallenen Getreides, Saatgut aufzubereiten, dass der Bauer quasi seine neue Ernte da aussäen kann. Das ist natürlich im Sinne, also nicht im Sinne von Monsanto.

Stefanie Das ist verboten.

Carsten Das ist verboten sogar genau und tief unter Strafe. Ja, dieser Saatgutaufberater, der macht das aus Idealismus.

Stefanie Und der stand dort vor Gericht auch, ne?

Carsten Musste sein… er hat seine Existenz dadurch gefährdet und durfte dann auch nicht mehr seines Amtes walten und mit ihm dann quasi auch seine kompletten Kunden. Ja.

Stefanie Also ja klar. Also ich finde, das ist sehr generell. Aber ich, das macht jetzt nicht den kompletten Film aus. Es ist halt nur also das ist noch mal auch irgendwie so ein Thema für sich würde ich sagen. Also das können wir noch mal irgendwann extra besprechen, weil das entzieht sich, ist ja nicht nur in Amerika, sondern dieses ganze Vorgehen, genau, das ist global und ja, also das würde jetzt irgendwie zu viel werden.

Carsten Ich habe es nur deswegen nochmal so tiefgreifend erwähnt, weil für mich das sehr stark hängengeblieben ist. Wenn ich über den Film nachdenke, dann ist das für mich so ein wirklich prägnanter Faktor gewesen. Aber es geht auch noch mal, zum Beispiel auf das Ich. Ich meine, das war relativ am Anfang auf das Angebot im Supermarkt, da wo er in riesigen Shopping Malls oder Supermärkte, die in Amerika vorherrschen, von der Kamera rein summt und dieses gigantische Aufgebot und an und diese ellenlangen, also gefühlte kilometerlange Regalreihen dann zeigt und sagt „also gefühlt haben wir eine riesige Auswahl“ und er führt das dann aber so zusammen, dass er sagt „eigentlich sind es nur vier oder fünf Großkonzerne.“

Stefanie Ich glaube nur vier und er hatte, war das da? Doch, er hat doch gesagt, dass ihn irgendwie seine gesamte Recherche oder ein Teil seiner Recherche fast immer irgendwie auf ein Maisfeld in Iowa oder so geführt hat.

Carsten Also ziemlich krass.

Stefanie Mais ist überall drin.

Carsten Genau

Stefanie Mais von diesem Feld. Und in Amerika haben die ja Mega-Felder. Das kann man sich ja hier in Deutschland überhaupt nicht vorstellen, wie riesig das da alles ist. Aber es ist auch, Sie haben auch einen Bauern interviewt, der gesagt hat „so, wir bauen das hier nur an, weil ihr Kunden, ihr, ihr Endverbraucher das kauft! Wenn ihr was anderes haben wollt, bauen wir auch was anderes an.“ Ja, also da sieht man wieder die Macht der Nachfrage. Und was ich aber auch total krass an dem Film war diese eine Familie, die gesagt hat: „Wir würden uns ja gerne gesund ernähren. Aber die gesunde Ernährung ist hier so teuer, dass wir eher uns da bei irgendeiner Burgerkette für jedes Kind einen Burger für 1 $ holen, also irgendwie mit 10 $ dann insgesamt dann satt sind.“

Carsten Genau. Also ganz bewusst wissen die, dass das schlecht war. Ja, der der Vater hat ja sogar Diabetes 2 gehabt und die mussten … 200 $ im Monat?

Stefanie Die eine Tochter auch.

Carsten Die Tochter auch schon. Stimmt genau. Aber ich glaube 200 $ im Monat mussten die halt für Medikamente ausgeben. Aber einfach nur aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, weil die nicht kochen konnten, zeitmäßig. Die mussten halt viel arbeiten. Und die sind, das ist natürlich dann auch so eine Szene, die in dem Film meiner Meinung nach auch, ja weiß ich nicht vielleicht ein bisschen ausgeschlachtet wird, wo die durch den Supermarkt gehen.

Stefanie und sagen Oh nein, das geht nicht, das Gemüse ist zu teuer.

Carsten Genau, da, wo die Tochter gerne ein Stück Obst haben will, eine Birne oder so was, und dann rechnet die Mutter aus, „Na ja, von dem Geld könnten wir gerade mal drei Birnen kaufen! Ihr geht da vorne zum Süßigkeitenregal, da kriegst du dann - keine Ahnung - ja, große Flasche Limonade, Tüte Chips und Schlachmichtot! Da hast du viel mehr von. Wirst du satt davon.“

Stefanie Ja. Also gut. Sie. Ich glaube, das hat sie jetzt nicht gesagt, Tüte Chips und so, aber eben, klar. Sie sagt das selber, sie weiß es! Sie weiß es, dass es ungesund ist, wie sie sich ernährt und wie sie ihre Kinder ernährt. Aber sie kann es finanziell nicht anders. Und das ist natürlich total hart.

Carsten Das ist total krass. Und der Film versucht das natürlich dann auch wieder so zu ..., er versucht das zu erklären, warum das so ist und greift da eben auch die Thematiken Subventionierung und versteckte Kosten an, dass genau diese Lebensmittel, es sind ja eigentlich keine Lebensmittel, es sind wenn dann höchstens Nahrungsmittel, also Essbares, das das, was für uns im Grunde genommen eher schädlich ist, weil es entweder dick macht, Krankheiten hervorruft, wie Diabetes, oder halt durch den Zuckergehalt sehr kariesfördernd ist, halt diese ungesunden Sachen im Vergleich deutlich günstiger sind als das, was wirklich gut für uns ist, das Gesunde. Das wird da noch mal ganz klar dargestellt, warum da dieses Ungleichgewicht bei den Preisen existiert.

Stefanie Ja, ich meine, dass die auch bei dem Burger irgendwie gesagt hatten, so ein Burger, der müsste eigentlich 10 $ kosten, wenn man diese ganzen versteckten Kosten mit einrechnet, obwohl er irgendwie nur 2 $ kostet.

Carsten Genau, genau, die haben das ja genau um diesen Faktor einfach mal statistisch ausgerechnet. Was bedingt das eigentlich mit Wasserverbrauch und Landverbrauch und und und, was alles so in dieser Produktion drinsteckt, und wenn man das wirklich auf das Produkt beziehen würde, dann ja, was für ein…

Stefanie Und was natürlich. Entschuldige, jetzt habe ich dich ...

Carsten Ich wollte das noch mal hervorheben, weil, weil die ja von diesem Burger ausgegangen sind, der ursprünglich 1 $ kostet, dass der eben dann noch 10 $ kosten würde oder müsste, wenn man das so rechnet. Und das ist natürlich schon ein ganz krasses Verhältnis und für mich war es einfach mal sehr einleuchtend. Hat mich stark beeindruckt.

Stefanie Ich, also was ich auch noch, da war noch diese Aspekt, dass in den „Tierfabriken“ – jetzt mal in Anführungsstrichen - in diesen Schlachthöfen, diesen Riesen-Schlachthöfen, was ja wirklich also… Dass da ja dann auch wieder Arbeiter ausgebeutet werden, die, ich meine die hätten da auch noch die Geschichte des Schlachthaus irgendwie mit drin in dem Film? Stimmt das? Also ich ich habe zwischendurch hab so viele Dokus gesehen.

Carsten Ich weiß dass die auf der einen Seite die Leute, die illegalen Leute da eingestellt haben, auf der anderen Seite aber gleichzeitig verfolgt haben.

Stefanie Ja, aber ich meine, war das nicht so, dass sie gesagt haben, so, früher war das so ein ganz schlechter Beruf. Dann kam mal eine Zeit, wo das anerkannt war und dann gab es auch Versicherungen, was weiß ich was. Und jetzt ist es wieder so, dass es wieder irgendwelche jetzt da kommen, die glaub ich aus Mexiko illegal. Hier in Deutschland kommen die dann aus …

Carsten Bulgarien, Rumänien,

Stefanie … die, genau so aus osteuropäischen Ländern, und werden auch illegal ausgebeutet. Und das ist ja Akkordarbeit, was die da machen und Knochenarbeit. Und die sind die ganze Zeit da mit dem Blut und diesen Matsch und das teilweise, ja, auch eben diese Probleme, dass die Tiere, sie können die gar nicht richtig betäuben in dieser Akkordarbeit und dann passiert es auch mal, dass da ein Tier eben noch lebt, während es zerteilt wird. Oder es passieren Unfälle. Das ist ja auch so, es passieren Unfälle, aber da sind, die Arbeiter sind nicht krankenversichert. Also sowas ist natürlich auch. Es sind ja nicht nur die Tiere, die leiden, sondern es sind eben auch die Menschen da und die Menschen verrohen ja auch. Ich meine, wenn du die ganze Zeit nur mit beschäftigt bist zu töten, dann dann kannst du nicht psychisch stabil bleiben und so.

Carsten Kannst Du auch nicht. Gut, das Beispiel, was er brachte, ist natürlich das absolute Extrem. Ich glaube, schlimmer geht es da gar nicht, weil er natürlich den größten Schlachthof der Welt dort dokumentiert. Er zeigt aber auch die Umgebung. Das heißt, das ist jetzt nicht irgendwie angrenzend an eine Millionenstadt, sondern wirklich am Arsch der Welt in einem ganz kleinen Ort, könnte man schon fast so als Kaff bezeichnen. Und der Ort hat aber ursprünglich mal einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, gerade durch diese, durch diesen riesigen Schlachthof. Das war aber schon lange Zeit, also lange Zeit her. Ich weiß nicht, wann das floriert hat, aber in der Dokumentation wurde auch erklärt, dass irgendwann die Einheimischen zu teuer wurden.

Stefanie Ja, und das die dann ...

Carsten Genau. Man ist dann auf die ...

Stefanie … von ganz weit weg, 100 Kilometer entfernt oder noch weiter...

Carsten 100 Meilen!

Stefanie 100 Meilen.

Carsten 100 Meilen werden die Leute reingeholt, laufen dann natürlich auch über die Grenze, um dort nochmal ein bisschen Geld zu bekommen. Also Grenze, das, was du eben sagtest Mexiko. Und das ist dann so ein ganz perfides Spiel, dass der Schlachthof auf der einen Seite angewiesen ist, genau diese billigen Arbeitskräfte einzustellen, weil sonst rentiert sich das nicht, weil der Fleischpreis einfach so gering wie möglich sein muss. Auf der anderen Seite sind aber die Staatsbehörden hinterher, diese illegalen Einwanderer wieder zurückzuschicken. Und da hatten sie jemanden von der Gewerkschaft oder Betriebsrat? Nee, Gewerkschaft war das, der ist mit dem Dokumentarfilmer bei einer, was war das Razzia?

Stefanie Ja, genau das haben die gesehen. Das habe ich auch erst nicht so verstanden, warum die dann nicht eingreifen. Aber das geht wohl nicht.

Carsten Dokumentarfilmer Die halten sich dann irgendwie im Hintergrund auf. Es war schon sehr, sehr verstörend zu sehen, wie da, ich glaube, es waren Sheriffs oder Polizeikolonnen, die jetzt die illegalen Arbeiter, die aber eigentlich seit Jahren da schon in einer Fabrik arbeiten, wohl wissentlich von allen Beteiligten so zur Kenntnis genommen wurden, wie die dann da vor laufender Kamera abgeführt wurden. Und das ist jetzt ein Fakt, den ich nicht verifizieren kann, aber es wurde halt benannt, dass es ein Agreement mit dem Schlachthof gibt, dass Prozentual soundso viele von diesen illegalen Einwanderern pro Tag oder so was weiß ich nicht...

Stefanie … ich weiß es auch nicht mehr.

Carsten Quasi abgeführt werden dürfen, um eben dem Genüge zu tun, nach dem Motto ja, die wollen wir auch nicht.

Stefanie Die haben ja immer genug.

Carsten Dass, genau, dass diese illegalen Einwanderer hier reinkommen, aber auf anderen Seite darf die Behörde nicht mehr abführen, als in dieser Vereinbarung ausgehandelt, um eben auch diesen Produktionsablauf nicht zu gefährden, weil dann, wenn sie konsequent wären, die Behörden konsequent wären und würden sämtliche Einwanderer entweder direkt an der Grenze abhalten oder sofort wieder ausweisen, dann gäbe es de facto eigentlich nicht genügend Arbeitskräfte, um diese Scheißarbeit da in dem Hof, in dem Schlachthof erledigen zu können.

Stefanie Ja, also wer macht das freiwillig? Das ist ja auch was anderes, als wenn jetzt ein Familienbetrieb mit ein paar Tieren, wie früher, wie man sich das noch so vorstellt oder wie vielleicht einige das noch erlebt haben, wo dann der Vater selbst geschlachtet hat, das ist etwas ganz anderes. Was die da machen müssen in diesen Mega-Schlachtbetrieben, das ist ja Akkordarbeit, die müssen ja zack, zack, zack, zack, zack, das machen mit rasenden Mengen. Das ist etwas, was man überhaupt nicht mehr fassen kann. Also ich jetzt vor kurzem, es war ja ein Brand in so einer Tierfabrik in Dortmund, glaube ich, oder was hatte ich gesagt? Na, jedenfalls hier, hier in Deutschland. Und dann hieß es ja Ironie. 1000 Schweine sind gerettet worden aus dem Schlachthof. Ja, für was? Für was? Und dann überleg mal: 1000 Schweine! Das hat nichts mehr, hat gar nichts mehr zu tun mit diesem Bild von einem Familienbetrieb.

Carsten Nee, also ich glaube, da weichen wir jetzt vom Film ab. Das wird da schon Wahnsinn. Aber ich möchte auch gerne darauf eingehen, weil ich finde das auch wichtig. Man könnte jetzt ja hingehen und sagen, wenn ich den Film gesehen habe, Mensch, das sind amerikanische Verhältnisse. Den größten Schlachthof der Welt hinzuziehen ist natürlich ein Extrembeispiel. Dann kann man sich jetzt natürlich, wenn man so ein bisschen abgestumpft ist, zurückziehen und sagen, ich schwäche das Ganze ab, weil so passiert das halt wirklich nur singulär an der Stelle und anderswo ist es deutlich besser. Selbst wenn hier in Deutschland, vielleicht, ich kann es überhaupt nicht bewerten, noch sehr stark dieser Familienbetrieb vorherrscht - Du schüttelst jetzt schon den Kopf - aber ich sag jetzt mal so, so für diejenigen, die versuchen, das so abzuschwächen, nur mal um so eine Zahl zu nennen, die de facto passiert: es werden weltweit 10 Milliarden Nutztiere geschlachtet, um eben für den menschlichen Verzehr oder für den menschlichen Gebrauch oder als eigenes Futtermittel für diesen Industriezweig wieder her zu halten. 10 Milliarden weltweit pro Woche!

Stefanie Ja, ich würde gerade sagen nicht pro Jahr.

Carsten Pro Woche. Ja, das, es weiß jeder von uns vom Zahlenverhältnis. Das sind deutlich mehr als die Welt menschliche Population aufweist.

Stefanie Und das ist ja jetzt nicht so, dass das gleichmäßig verteilt wäre auf die ganze Population. Es ist…

Carsten Nee, es ist viel mehr so für diese Industriestaaten.

Stefanie für unsere westliche…

Carsten Unsere westliche Welt. Und das sind Dimensionen, da kann mir wirklich kein Mensch erzählen, dass es überwiegend friedlich zugeht, dass das alles irgendwie idyllisch passiert und dass das ohne diese mörderische Akkordarbeit gewährleistet ist.

Stefanie Es gibt ja, was Familienbetriebe angeht, gibt es ja kaum noch Schlachter, die jetzt wirklich so im Familienbetrieb arbeiten, sondern es gibt vielleicht noch Bauernhöfe, die im Familienbetrieb arbeiten, aber die schlachten ja nicht mehr selbst, sondern die Tiere enden alle an demselben dunklen Ort und die haben alle dasselbe dunkle Schicksal, egal ob sie jetzt bio sind oder ob sie jetzt konventionell sind. Sie landen alle in so einer Tierfabrik.

Carsten In der gleichen Transportschiene, um zum Schlachthof gekarrt zu werden und nachher in dem gleichen Schlachthof. Klar, ‚Schlacht‘!

Stefanie Schlaft hoch. lacht

Carsten Meine Lippen werden schlaff zu fortgeschrittener Stunde am Abend.

Stefanie Jetzt verrat doch nichts. NSA weiß Bescheid.

Carsten NSA weiß Bescheid.

Stefanie Gut. Ja, aber gut. Das führt jetzt vielleicht schon wieder zu weit. Wir haben uns zu sehr…

Carsten Genau. Man merkt, es ist ein emotionales Thema, was über diesen Film angetriggert wird. Die Größenverhältnisse sind bizarr und eigentlich kaum greifbar. Aber es entspricht der Realität.

Stefanie Ja. Also kuckt euch den Film nur an, wenn ihr es wirklich wissen wollt. Jetzt hab ich schon wieder ihr gesagt.

Carsten Wenn du es wirklich wissen möchtest.

Stefanie Ihr, Eure Hoheit, kuckt euch das so an, wenn du es wirklich…

Carsten Du, König Kunde

Stefanie Bist du denn ein Kunde? Also König Kunde. Also, wenn du es wirklich wissen willst, wo dein Essen herkommt, wie gesagt, es sind halt amerikanische Verhältnisse in diesem Film, aber das Prinzip ist natürlich überall in den westlichen Ländern das Gleiche.

Carsten Ja, vielleicht sind die Dimensionen immer unterschiedlich skaliert, aber wie Du sagst, dass das Prinzip ist das Gleiche und ich denke mal, dass es, wenn man diesen Film gesehen hat, beim nächsten Einkauf oder beim nächsten Besuch eines Restaurants, welches auch immer, kommt man vielleicht so ein bisschen ins Grübeln oder denkt man mal kurz drüber nach: Warum ist das eigentlich so günstig? Warum ist mein Hamburger wirklich so verflucht günstig? Warum kriege ich Fleisch in einer abgepackten oder als abgepacktes Produkt, als Wurst oder wie auch immer aufgearbeitet, so günstig im Kühlregal oder in der Tiefkühltruhe? Also das sind so Aspekte, die sollten dann zumindest schon mal wieder hochkommen, nachdem man den Film gesehen hat und hoffentlich zieht man dann auch seine persönlichen Konsequenzen raus, reduziert den Fleischanteil oder entscheidet sich eben zu einer vegetarischen oder veganen Lebensweise. Das wird jetzt in diesem Film nicht ganz so dargestellt, aber es ist nicht so wie bei bei Cowspiracy, dass das alles konsequent gesagt wird, ich muss halt in die vegane Lebensweise, um da einen Riegel vorzuschieben. Das bleibt also offen, wie man damit umgeht. Aber es ist halt die Konfrontation mit all diesen Fakten, die uns definitiv schon sehr präsent sind. Und auch.

Stefanie Wir empfehlen euch auf jeden Fall beide.

Carsten Filme. Genau.

Stefanie Aber eben mit dem Hinweis, dass der eine der Cowspiracy eher nachhaltig ist, also es sind beide nachhaltig, aber also den Nachhaltigkeitsaspekt anspricht und Food Inc. eher den ethischen Aspekt.

Carsten Ja.

Stefanie So, das Gesundheitliche ist glaube ich in beiden so ein bisschen mit drin.

Carsten Ja, hat aber keinen Stellenwert. Also wer sich von der gesundheitlichen Thematik da informieren möchte, der wird mit diesen beiden Film vielleicht nicht wirklich froh sein.

Stefanie Nein,

Carsten Der wird vielleicht froh sein, dass er andere Aspekte mitbekommen hat, aber der gesundheitliche Aspekt, der wird dadurch nicht nicht zufriedengestellt.

Stefanie Ja, ja, also wir verlinken die beiden Filme auf jeden Fall in den Shownotes.

Carsten Ja genau.

Stefanie Und ja, das war’s jetzt erst mal. Wolltest Du noch irgendwas sagen?

Carsten Ja, was die Verlinkung betrifft. Wir können natürlich nicht auf Netflix verlinken. Wir verlinken auf die Internetseite.

Stefanie Ne, wir verlinken auf die Internetseiten. Damit ihr wisst, genau, worum es geht.

Carsten Relativ offen.

Stefanie Ja. Nein, wir schreiben euch nicht vor, wie die Filme zu sehen habt. Nein, das wollte ich damit nicht sagen. Ich wollte nur sagen damit ihr jetzt, also ich meine, natürlich kann man sich den Namen leicht merken, aber der Vollständigkeithalber verlinken wir es.

Carsten Natürlich. Genau.

Stefanie Und in Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen. Und ja, eigentlich viel Spaß beim Schauen.

Folge 12 - Cowspiracy: Das Geheimnis der Nachhaltigkeit

Ein Beitrag

Cowspiracy - Das Geheimnis der Nachhaltigkeit

In dieser Folge

  • stellen wir Dir den Film "Cowspiracy" vor
  • erklären, warum Du Dir den Film unbedingt angucken solltest
  • und sprechen über das Thema Nachhaltigkeit

Eigentlich haben wir in der gleichen Folge auch noch über den Film "Food Inc." gesprochen, da die Aufnahme aber fast 40 Minuten lang geworden ist, haben wir uns entschlossen, die Filme in zwei Folgen zu teilen.

Unsere Rezension zu "Food Inc." gibts dann nächste Woche. :-)

Links zur Folge

Cowspiracy - Das Geheimnis der Nachhaltigkeit
http://www.cowspiracy.com/ oder Cowspiracy als DVD kaufen

Food Inc
http://www.takepart.com/foodinc

Netflix
https://www.netflix.com/de/

Cowspiracy - EU Parlaments-Anhörung im Dezember 2015
Auf YouTube anschauen

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute wollen wir mal zwei Filme vorstellen und zwar Cowspiracy und Food Inc..

Carsten Genau die haben wir uns angeschaut, vor kurzem im Internet. Genau.

Stefanie Wir haben uns ein Netflix Probeaccount kostenlos für einen Monat gegönnt. Eigentlich um uns Cowspiracy anzugucken.

Carsten Ja, genau, exklusiv dafür. Und dann haben wir gemerkt, es gibt noch ein bisschen mehr und sind bei Food Incorporated hängen geblieben und haben uns das auch nochmal angeschaut.

Stefanie Und dann haben wir uns noch ein paar Filme angeschaut, über die wir jetzt nicht sprechen wollen.

Carsten Nein, aber die beiden Filme, die sind sehr präsent. Die haben uns auch geprägt und wir fanden sie sehr, sehr informativ und von der Machart auch so bemerkenswert, dass wir gesagt haben, da würden wir gerne mal eine Folge drüber machen und drüber sprechen.

Stefanie Und Cowspiracy, damit fangen wir jetzt erst mal an. Der Macher von Cowspiracy, der geht von der Nachhaltigkeit aus. Er beschreibt , wie seine Kindheit war und sagt dann, dass ihn Al Gores „Unbequeme Wahrheit“ geprägt hat. Ich finde das total lustig, wie er das macht. Es ist so ganz locker.

Carsten Ja es ist nicht so eine knallharte Doku, die einfach nur Fakten auf den Tisch schmeißt und sagt: Jetzt setz dich damit auseinander. Sondern es ist definitiv unterhaltsam.

Stefanie Ja, und man muss dazu sagen, bei Cowspiracy gibt es nur eine einzige Schlachtszene und sonst? Also nein, jetzt nicht im Sinne von den Heeren, die bei Herr der Ringe immer aufeinandertreffen, sondern von töten. Wobei da wird auch getötet bei Herr der Ringe aber also...

Carsten in dem. Sinne nicht fiktiv, sondern...

Stefanie Nein, ich meinte jetzt die Schlacht der fünf Heere von den Hobbits. Da habe ich gerade dran gedacht, aber ich meinte eigentlich damit, es gibt bei Cowspiracy nur einmal eine Szene, wo eine Ente geschlachtet wird. Sie wird von einem geköpft. Ich konnte da nicht hingucken. Du hast da hingeguckt.

Carsten Ja, für mich war das jetzt nicht so bluttriefend und abartig.

Stefanie Ich habe ja nicht hingeguckt, deswegen weiß ich nicht, ob es bluttriefend war. Also, du sagst, es war nicht. Also von daher. Nur vorab, wenn Du Dir Cowspiracy anguckst, was wir dir sehr ans Herz legen, dann kannst du vorab sicher sein, es gibt keine extrem verstörenden Szenen da drin. Das einzige ist wirklich diese eine Szene, in der diese Ente geschlachtet wird.

Carsten Aber da kann man sich drauf vorbereiten und alles andere, was dort ist, ist mehr von den Zahlen her bemerkenswert, aber nicht schockierend. Also wie gesagt visuell leichte Kost.

Stefanie Die Zusammenhänge werden sehr locker und finde ich sehr sehr gut erklärt.

Carsten Infotainment. Es ist unterhaltend, aber hochgradig informativ, weil selbst für mich, der ich ja im Vorfeld schon mal so das eine oder andere mitbekomme, gelesen oder wie auch immer konsumiert habe an Informationen war sehr, sehr viel Neues dabei, wo ich gedacht habe, das hat mir wirklich was gebracht. Also es hat Spaß gemacht, dem Film zu folgen, aber auch gleichzeitig nochmal etliche neue Ansatzpunkte zu haben oder zu bekommen, wie dieses Thema Fleischkonsum auch zu bewerten ist.

Stefanie Ja, also mit dem Nachhaltigkeitsaspekt. Der Nachhaltigkeitsaspekt ist für mich ja auch eigentlich neu, weil ich ja immer nur das Ethische gesehen habe, das Gesundheitliche dann durch dich ein bisschen. Aber die ganzen Dimensionen wie viel Wasser verbraucht wird und auch der Methanausstoß der Kühe und so, das ist auch sehr interessant und der Erzähler dieser Doku, der erzählte ja, dass er, nachdem er Al Gores unbequeme Wahrheit gesehen hat, zum fanatischen Umweltschützer geworden ist. Insofern, als dass er den ganzen Müll getrennt hat, Energiesparlampen eingebaut hat, kurz geduscht hat. Ich finde die Szene so cool, wie er unter der Dusche steht und dann sich so ganz schnell abschrubbt und dann der Wasserverbrauch.

Carsten Ja genau, beim Zähneputzen zwischendurch das Wasser ausstellen, ja, also.

Stefanie All solche Sachen, die ihm dann auch gesagt wurden. Und dann ist er aus Überzeugung mit dem Fahrrad gefahren, was ja in Amerika sehr bemerkenswert ist. Hier ist es jetzt nicht so eine große Sache, mit dem Fahrrad zu fahren und das Auto stehen zu lassen, aber da ist es natürlich eine große Sache, wenn man da die Strecken mit dem Fahrrad zurücklegt.

Carsten Er war sehr idealistisch unterwegs, also im positiven Sinne jetzt, nicht verblendet idealistisch, sondern er wollte was bewegen. Und er ist dann irgendwann gestolpert...

Stefanie Es war so, dass er sagte mit den Jahren hat er festgestellt, dass sich irgendwie nichts verändert hat. Er hat quasi alles getan, was er konnte, aber nichts hat sich verändert. Ich habe letztens mit einer Freundin drüber gesprochen und die meinte dann na ja, das lag daran, weil außer ihm das sonst keiner gemacht hat. Also das hat er jetzt da nicht gesagt. Also bei ihm war dann das, was du gerade sagen wolltest, dass er da bei dem Freund über einen Facebook Post oder so gestolpert ist.

Carsten Also wie genau weiß ich nicht, könnt ihr im Film nachschauen. Ich weiß nur, dass er über einen Fakt gestolpert ist oder aufmerksam gemacht wurde. Und zwar ein Bericht der Vereinten Nationen, also etwas, wo wirklich Gewicht hinter steht. Nicht irgendwie so eine Nullacht 15 Behörde, sondern die Vereinten Nationen haben erwähnt, dass hinsichtlich der Treibhausgase mehr als die Hälfte dessen, was als Treibhausgase in die Atmosphäre ausgestoßen wird, durch die industrielle Viehzucht oder oder Nutztierhaltung entsteht. Also er geht da wirklich auf Zahlen ein.

Stefanie Ja, das waren jetzt in diesem Fall 51 %.

Carsten 51 %. Und er stellt auch in Relation, dass das mehr ist als der gesamte globale Transportsektor, also Auto, Fernlastverkehr und Flugzeugverkehr insgesamt. Was das Ganze natürlich an der Stelle für mich bemerkenswert macht, weil ich erinnere mich daran, dass vor kurzem in Paris die Weltklimakonferenz stattfand und dieser ganze Aspekt dort zumindest in den Medien, die ich konsumiert habe, noch nicht mal angesprochen wurde. Alles konzentriert sich irgendwie so auf Transport und Industrie, aber das ist im Grunde genommen nur der kleinere Teil da, wo wirklich die Musik spielt, das wird auf der breiten Front auch gar nicht so präsent gemacht und auch nicht wahrgenommen. Aber das thematisiert dieser Film Cowspiracy.

Stefanie Er sagt ja dann auch, warum wurde er dann nie darüber informiert? Warum hat keine dieser Naturschutzorganisationen oder Umweltschutzorganisationen das je irgendwie thematisiert? Warum steht das dann nicht auf deren Internetseiten? Und er fährt die dann alle ab und interviewt die dann und bekommt eigentlich meistens abschlägige Antworten. So, und dann kommt auch nachher raus, dass das es so ist, dass Menschen gestorben sind, die da weiter nachgeforscht haben.

Carsten Genau, Du legst dich mit einem Industriekomplex an.

Stefanie Genau die, die die Macht haben. Und das sieht man auch, wenn man den Trailer anguckt. Da ist das ja immer so eingeschnitten, dass dieser Viehhalter, der ganz, ganz viele Jahre lang eine Rinderzucht hatte sagt: wenn du jetzt noch nicht weißt, dass du dich hier mit den Falschen angelegt hast, also irgendwie, er sagt es ja auf Englisch. Also jedenfalls, wenn du noch nicht weißt, dass du hier deinen Kopf auf die Schlachtbank gelegt hast, quasi, dann solltest du es jetzt wissen und mal endlich abhauen.

Carsten Das hat er quasi dem Dokumentarfilmer gegenüber gesagt. Ja wohl bewusst, dass deswegen, weil das amerikanische Verhältnisse sind, die da zum Tragen kommen, dass eine Aussage, die der Lebensmittelwirtschaft schadet, unter den Patriot Act fällt und damit strafbar ist. Genau das ist dann ein terroristischer Akt. Das ist wieder typisch Amerika, würd ich jetzt mal so ein bisschen flapsig behaupten. Also für mich als, wie ich denke, aufgeklärte Europäer, sind das irgendwie so Verhältnisse, die für mich total obskur sind.

Stefanie Wobei ich meine Frankreich, nach den Terroranschlägen gehen die in die gleiche Richtung.

Carsten Ja okay, gut, gebe ich dir recht. Also von daher trotzdem irgendwie sehr skurril.

Stefanie Wir in Deutschland müssen einfach unsere Freiheit nutzen. Wir haben eine Verpflichtung, den Mund aufzumachen. Andere können es einfach nicht. Also jedenfalls sagt der Filmemacher oder der Autor des Films dann ja, dass es auf ihn so wirkt wie eine Cowspiracy, also quasi eine Verschwörung.

Carsten Das ist Spiracy, aber er nimmt den Begriff Cow mit rein und deswegen ist eigentlich alles irgendwo diese industrielle Massentierhaltung. Er konzentriert sich da jetzt vornehmlich erst mal, was die Namensgebung betrifft, auf die Kühe. Aber er geht natürlich auch auf die anderen Aspekte ein. Also ich glaube, bei ihm sind Ente und Huhn präsent. Schweine weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, ob er auf die eingegangen ist?

Stefanie Ich denke schon. Ich weiß es jetzt ehrlich gesagt auch nicht mehr.

Carsten Rinder sind das präsente Thema bei ihm.

Stefanie Ja, er spricht viel darüber. Und natürlich, er untersucht auch Alternativen. Und deswegen auch diese eine Schlachtszene. Ach nee, gar nicht. Bei dem einen Bauern, der soll Bio sein. Die sagen ja auch organic die ganze Zeit da, wo der dann nachher auf dem Traktor fährt und dann, wo er so wegfährt und dann sagt naja, wir wollen ja auch nicht alles was billig ist. Ein billiges Auto wollen wir ja auch nicht haben, So ne, dann wo er so wegfährt, das ist auch ganz cool. Bei dem sieht man auch, wie so Hühner geschlachtet werden und so. Ja, stimmt, Aber das habe ich nicht als so extrem empfunden. Es ist nicht so ein Massaker. Im ganzen Film steht der ethische Aspekt überhaupt nicht im Vordergrund. Der wird nur ganz nebenbei mal ganz zart berührt. Denn am Ende ist die logische Konsequenz von dem Filmemacher, dass er sich dann vegan ernähren wird, weil er einfach nicht möchte, dass andere Tiere für ihn töten. Also er sagt, er könnte nicht selber ein Tier töten und er möchte auch nicht andere dafür bezahlen. Genau das soll jetzt hier keine Propaganda sein für vegan, sondern einfach nur für ihn ist das die logische Konsequenz daraus. Aber in dem Film geht es wirklich um den Nachhaltigkeitsaspekt.

Carsten Also sprich Treibhausgase, CO2, aber viel mehr Methan, was dort in der Landwirtschaft freigesetzt wird.

Stefanie Und diese ganzen Waldrodungen.

Carsten Waldrodung Genau. Also all die Fläche da, wo man für Rinder die Beibehaltung Weidehaltung, die dann aber für die Fast Food Industrie benötigt werden, dass da die Waldrodung einsetzt. Und er sagt auch der Hauptgrund, dass der Amazonasurwald abgeholzt wird, liegt eigentlich in der Weidehaltung.

Stefanie und nicht im Palmöl, wie man sonst eigentlich denkt,

Carsten oder im Sojaanbau oder Holzraub oder Abbau oder so was. Es wird Weideland benötigt, um genau diese Rindermengen da zu versorgen bzw aufziehen zu können. Das ist so ein Aspekt neben dem Treibhausgasthema, aber er geht auch auf den Wasserverbrauch ein. Ja, das ist genau. Du lachst schon. Das ist das wirklich lustige an diesem Film, dass er am Anfang von sich erzählte, wie stark er jetzt auf diesen Wassersparmodus umgestellt hat. Und als ihm dann klar wurde, dass in diesem Rechenbeispiel, was er dann einbringt, für 1/4 von einem Burger bei McDonalds 2500 Liter Wasser verschwendet werden, hat er kurz überlegt und sagte: Mensch, da kann ich ja 2 bis 3 Monate von duschen. Genau. Und da wurde einfach klar, wie absurd es ist, auf der einen Seite so idealistisch derjenige zu sein, der bis zum Bersten auf keine Ahnung auf Körperhygiene zu verzichtet oder das so kurz wie möglich hält, um Wasser zu sparen und auf der anderen Seite sich weiterhin bei Fastfoodketten oder generell mit Fleisch ernährt.

Stefanie Und dann sagt er „und ich habe immer nur so kurz geduscht!“

Carsten Genauso genau wie er sich da drüber aufgeregt hat.

Stefanie Das ist ganz lustig, ihn dabei zu verfolgen und es ist für ihn auch eine Reise. Er startet bei dem Nachhaltigkeitsaspekt und ein bisschen was ethisches ist auch mit drin. Gesundheitlich auch, denn er und er trifft dann auch noch einen Arzt, der schon lange vegan lebt und der ihm dann erklärt, ob das denn gesundheitlich möglich ist, vegan zu leben. Und das ist aber nur ein ganz winziger Aspekt. Also die Hauptsache ist da wirklich die Nachhaltigkeit.

Carsten Was noch bemerkenswert an diesem Film ist, das schildert er aber auch während dieses Films, dass ihm die Geldgeber abhandengekommen sind. Die haben gemerkt, je tiefer er sich in diese Thematik einarbeitet und je mehr konfrontativ er quasi mit dem Industriekomplex umgehen muss, desto schwieriger ist es dann, Leute zu finden, die das ganze Unterfangen finanzieren. Wenn ich das noch richtig im Kopf habe, stand er wirklich kurz davor, während dieses ganzen Filmvorhabens, das Projekt ad acta zu legen, weil auf einmal die finanziellen Mittel fehlten. Er hat dann aber sehr prominente Unterstützung gefunden, und zwar, ich glaube, der Hauptgeldgeber war dann auch Leonardo DiCaprio.

Stefanie Ich meine, wenn man auf Cowspiracy.com geht, dann steht da oben, dass die Netflix Übersetzungen, dass die von Leonardo DiCaprio gesponsert werden. Aber ich weiß es nicht keine Ahnung was, aber natürlich ist es für die Verbreitung des Films sehr wichtig. Also dieser Film, den gibt es nicht nur auf Englisch, sondern auf Netflix ist die deutsche Übersetzung auch zu sehen.

Carsten Genau. Der Film ist auch unglaublich gut gemacht. Es ist kein Amateurvideo, sondern man merkt schon, dass da richtig hochqualitative Arbeit geleistet wurde. Also zumindest von der Aufmachung her. Die Produktion an sich ist hoch qualitativ. Inhaltlich hat er sich sehr stark in Themen einarbeiten können. Das merkt man auch. Was natürlich dann, ich denke mal, so ein bisschen polarisiert ist die Art und Weise seiner Investigation. Die zielt natürlich auf ein bestimmtes Ziel ab. Das ist natürlich konfrontativ, das muss man im Vorfeld auch wissen und muss jede·r für sich selbst bewerten, wie man da jetzt dazu steht. Ich fand es hoch spannend, weil er auch bei Umweltorganisationen und auch staatlichen Stellen sehr provokant aufgetreten ist und die auch teilweise bloßgestellt hat und das auch so veröffentlicht.

Also man merkt schon, dass teilweise der·die eine oder andere Gesprächspartner·in dann erst mal überlegt und und feststellt: Na ja, irgendwie ist das, was da jetzt tatsächlich so in der Landwirtschaft passiert, nicht ganz so toll, aber entweder ich darf nicht drüber sprechen oder er·sie hat Angst oder man versucht sich selber zu rechtfertigen. Also man merkt - so ging es mir in eigentlich allen Gesprächen, die dort im Video zu sehen waren - der Gesprächspartner war nachher hochgradig verunsichert und wollte sich zurückziehen auf das fachliche Terrain, was entweder von seiner Organisation oder von seiner staatlichen Stelle bearbeitet wurde. Und das eigentliche Thema, die nachhaltigen Auswirkungen dieser Viehwirtschaft, das wurde irgendwie immer so weggedrückt, so nach dem Motto dafür sind wir nicht zuständig, oder der Staat will gar nicht, dass wir darüber reden und so, also es war schon sehr, sehr markant.

Stefanie Ich denke, mehr brauchen wir gar nicht zu erzählen.

Carsten Ne, guckt euch den Film an! Genau. Nutzt es. Netflix ist ja sowieso rund um die Uhr erreichbar. Also von daher. Ich weiß nicht, ob er sonst woanders noch zu bekommen ist.

Stefanie Also irgendwo müssen sie ja auch Geld verdienen, weil hier starten ja jetzt auch schon ihr neues Projekt, das heißt „What the Health“. Und dann geht es da auch wieder investigativ um die Pharmaindustrie. Ja, da haben die so einen dicken Burger, der so voller Medikamente ist als Titelbild. Ich habe mir dazu schon die Indiegogo Kampagne angeguckt und die haben schon ganz viel gesammelt. Also die haben 270 % des Ziels erreicht.

Carsten Weil die Leute sehen, es bringt wirklich was auch von der Qualität die da abgeliefert wird.

Stefanie Also ich ich finde es wirklich gut, was die machen. So, jetzt du wieder.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 11 - Kuhmilch: Grundlegendes zum Grundnahrungsmittel

Ein Beitrag

Kuhmilch Fakten

In dieser Folge

  • geben wir Dir einen kurzen Überblick über das Thema "Kuhmilch",
  • sprechen wir über die ethischen Aspekte und die allesbestimmende Wirtschaftlichkeit,
  • die gesundheitlichen Fakten
  • und auch die Historie des Milchtrinkens.

Gegen Mitte/Ende der Folge ist ein merkwürdiges Klickgeräusch im Hintergrund zu hören, das ich (Stefanie) bei der Bearbeitung der Folge nicht entfernen konnte. Ich bitte hiermit um Entschuldigung, dass die Tonqualität damit leicht eingeschränkt ist- bei der nächsten Folge wirds wieder besser :-)

Links zur Folge

Transkript (Korrektur gelesen von Rupert)

Stefanie Heute geht es um Milch, und weil Milch so ein extrem umfassendes Thema ist, haben wir gedacht, wir bieten jetzt erstmal nur einen Abriss.

Carsten Genau, wir müssen auf alle Fälle in weiteren Folgen wirklich ins Detail gehen, aber wir haben im Vorfeld einfach mal so die für uns wesentlichen Punkte zusammengetragen und festgestellt, das ist ein Thema, was sich quasi so nie erschöpft.

Stefanie Genau, wir haben auch schon mal eine Vorgängerfolge quasi aufgenommen und die wieder verworfen, weil die immer länger wurde und länger (lacht)

Carsten Und deswegen haben wir uns jetzt zu teilen entschieden, und heute wie gesagt der grundlegende Überblick. Wie wir zu Milch stehen, was wir über Milch in Erfahrung gebracht haben und was uns

Stefanie Und warum Veganer jetzt eigentlich keine Milch trinken

Carsten Genau.

Stefanie Und eigentlich so die grundlegenden Fakten, und ich denke, wir fangen einfach mal mit der Ethik an

Carsten Genau.

Stefanie So warum trinken Veganer keine Milch, aber Vegetarier schon?

Carsten Ja, das ist eigentlich eine gute Frage, die uns auch betrifft. Um ehrlich zu sein habe ich die, solange ich vegetarisch gelebt habe, komplett ausgeblendet. Ich war mir dieser ethischen Dimension so gar nicht bewusst.

Stefanie Genau, da war, also vor allem du warst ja immer sowieso eigentlich eher gesundheitlich motiviert, und ich ja mehr ethisch, und ich ja, ich habe das auch auf meiner Seite geschrieben und auch in meinem, ich muss jetzt hier dafür mal Werbung machen, für meinen neuen Emailkurs „Von vegetarisch zu vegan in sieben Tagen - endlich vegan leben!“ ja, total kostenlos, da kann man auf meiner Startseite sich direkt anmelden.

Carsten Und richtig gut.

Stefanie (lacht) Ja, voll unparteiisch hier, und also ganz, ganz objektiv natürlich bewertet. Vor allem, du weißt ja auch noch gar nicht alles, du bist erst bei Tag 4, glaub ich.

Carsten Genau, ich bin bei Tag 4.

Stefanie Ja, aber wenn du also jetzt noch vegetarisch lebst, und dir überlegst, du müsstest jetzt mal vegan werden, und da sind noch ganz viele Hürden, mach doch einfach mal diesen Emailkurs mit. Und wenn du Menschen kennst, denen du diesen Emailkurs gerne ans Herz legen möchtest: Herzlich gerne, denn ich möchte einfach nur helfen, ich brauch da auch noch Feedback dafür.

Carsten Es ist eine hervorragende Begleitung, um diesen Schritt vom Vegetarischen ins Vegane zu machen und.

Stefanie Genau.

Carsten Milch wird dort auch behandelt

Stefanie Sehr objektiv, ne, (lacht) hier diese Bewertung von Carsten, total die super Begleitung, hier dieses Produktes, ja, also es ist kostenlos. So aber jetzt genug Werbung gemacht, zurück zur Ethik, also im Grunde, als mir das eben klar wurde, dass es ethisch eigentlich korrekter ist, auf Milch und Käse und so zu verzichten, Ja, bin ich, du immer noch nicht, ich bin durch tiefe Täler der Schuld gegangen, also ich habe wirklich gelitten, weil ich gemerkt habe, ich wollt ja, ich habe auf Fleisch verzichtet, weil ich nicht wollte, dass Tiere wegen mir sterben. Ja und Fakt ist halt einfach, so eine Milchkuh in der heutigen Zeit, wenn man erstmal nur die Milchkuh sieht, ja, die hat, erlebt 5 - 6 Schwangerschaften höchstens, und dann stirbt sie. Wobei es heißt, dass sie nur 5 - 6 Jahre alt wird, sie wird natürlich nicht sofort nach der Geburt schwanger. Das heißt, es kann sein, dass sie dann auch nur 4 Schwangerschaften erlebt und dann stirbt, weil es kommt halt auf die Kuh an, wie weit die so gehalten wird. Und das ist bei Bio auch nicht viel anders. Vielleicht lebt die da zwei, drei Jahre länger. Aber das Grundprinzip ist das Gleiche, und dann natürlich, es muss eine Kuh immer wieder schwanger werden, damit sie eben ausreichend Milch gibt und eben wirtschaftlich ist.

Carsten Sie gibt also nicht per se Milch, wie wir vielleicht anfangs auch naiver Weise gedacht haben, weil es heißt ja auch Milchkuh, nein, eine Kuh muss schwanger sein.

Stefanie Und ja.

Carsten Schwangerschaft ist halt ein extremer, ein Extrem in jeder Lebensphase, das wird jede Mutter, auch wenn ich jetzt nicht als Mutter spreche, aber du wirst mir beipflichten

Stefanie Du als Mutter, du weißt es auch, wie das ist, wenn die Milch in die Brust schießt und so du so als Mutter erzähl mal (lacht)

Carsten Ich als Mutter ja.

Stefanie So also nein aber klar, dass, da kann ich dir beipflichten, auch ich ja kann mein Kind nur stillen, wenn ich eben schwanger geworden bin, und so ja auch früher Soja (lacht)

Carsten Da sind wir schon bei Alternativen.

Stefanie Genau dann früher die Armen, da habe ich auch gar nicht drüber nachgedacht, aber deine Cousine hat mich letztens darauf aufmerksam gemacht, dass eine Amme, die früher eben diese Kinder gestillt hat, musste vorher ja logischerweise auch ein Kind bekommen haben. Und ich habe da nie drüber nachgedacht. Also dann das heißt, sie hatte selber ein Kind, was sie gerade gestellt hat, und hat daneben noch ein zweites mit gestillt.

Carsten Oder hat halt nie wirklich abgestillt

Stefanie Ja, genau, ja nur.

Carsten Oder ihr eigenes abgestillt und dann das nächste weitergestillt so lang.

Stefanie Nur eben, es ist bei jedem Säugetier so, dass irgendwann die Milchleistung in Anführungsstrichen nachlässt, so und da eine Kuh durchschnittlich 20 Jahre alt wird, und ein Mensch durchschnittlich weiß ich nicht 80 Jahre alt wird, ist es natürlich so, dass ja proportional die Milchleistung bei der Kuh schneller nachlässt als beim Menschen. Und deswegen ist diese Kuh nach einem Schwangerschaftszyklus schon wieder, ja, sie muss das Kalb gebären und sofort wieder geschwängert werden, damit die Milchleistung nicht nachlässt.

Carsten Genau, so, und dieser Zyklus ist so kräftezehrend, dass diese Hochleistungskühe tatsächlich nur ja eben diese minimale Anzahl an Schwangerschaften wirklich überstehen.

Stefanie Genau, und dann lässt aber eben, dann lässt einfach ihre Milchleistung nach

Carsten Sie wird unwirtschaftlich, und damit landet sie dann auf dem Schlachthof und

Stefanie Und stirbt eben dann auch

Carsten Und stirbt eben auch

Stefanie Und das ist eben halt kein schönes Leben, die Kuh lebt nicht auf der Alm und wird dreimal am Tag irgendwie dann die Alm hinab getrieben, um dann da gemolken zu werden und dann wird sie wieder hoch getrieben oder so, sondern es ist wirklich so, dass die meisten Kühe einfach nur im Stall leben.

Carsten Genau, anders wäre auch gar nicht, könnte man diese riesigen Mengen an Milch und Milchprodukten, die konsumiert werden, gar nicht realisieren, also mit einer Almkuh, die wirklich dreimal am Tag da irgendwie gemolken wird und auf der Alm steht und hin und her ja getrieben wird von der Alm in den Stall, Schlall, in das Schlamassel, in den Stall, das würde sich gar nicht wirtschaftlich lohnen. Also dementsprechend ist das ein industrieller Apparat, der da im Hintergrund arbeitet mit allen Facetten, die da eben noch einreichen. Was wir sehr bestürzend fanden war auch die Tatsache, dass das Kälbchen nach der Geburt von der Mutter getrennt wird.

Stefanie Natürlich, es wird direkt weggenommen, weil du, ja die Milch ist ja nicht für das Kälbchen bestimmt, sondern für uns Menschen. Wir wollen die ja trinken, und wenn jetzt das Kälbchen die Milch trinken würde, wäre ja keine Milch mehr für uns da. Und es geht eben auch nicht, das irgendwie aufzuteilen, weil dann wieder zu wenig da ist, dann ist es wieder nicht wirtschaftlich genug. Und das Kälbchen, wenn es ein weibliches Kälbchen ist, dann wird es später auch zur Milchkuh. Aber egal, was für ein Geschlecht das Kalb hat, das wird weggenommen. Und separiert und in diese Kälberboxen gesperrt, von denen ich mich in meiner ja also Naivität, als ich zuerst mal so Kälberboxen gesehen und gedacht habe, es sind etwas große Hundeboxen also, die sind wirklich nicht groß.

Carsten Sehen auch genauso aus.

Stefanie Ja sehen so aus wie so Hundetransportboxen und ja, und wenn es eben ein männliches Kälbchen ist, dann geht es entweder, geht es dann zum Mästen, zur Kälbermast und wird dann so im Alter von höchstens anderthalb Jahren geschlachtet, vielleicht sogar noch früher. Oder was wir jetzt Erschreckenderweise feststellen mussten, wird es sofort nach der Geburt getötet, weil es eben sowas von unwirtschaftlich ist und für das Fleisch von so einem Milchkuhkalb quasi nicht wirklich was gezahlt wird.

Carsten Und der Begriff Ramschkuh, oder Ramschkälber

Stefanie Ramschkälber

Carsten Ist da aufgetaucht mit dem Vergleich, das ein Kalb, ein männliches Kalb genauso viel bringt wie oder genauso viel Erlös bringt wie ein Turnschuh, so irgendwie der Wertvergleich.

Stefanie Ja, also, es war 45€ für so ein Kalb, und das kommt dann, da war auch gezeigt, also das ist eine NDR Doku, die wir auch gerne verlinken, über die wir gerade gesprochen haben, also klar und dann eben diese krassen Sachen, dass wenn eine Milchkuh keine Leistung mehr bringt und die ist gerade schwanger, wird sie trotzdem geschlachtet, und das Kalb, was im Mutterleib ist, verendet dann, weil es nicht mitbetäubt wird, wenn die Kuh geschlachtet wird, sondern das erstickt einfach, das ungeborene Kalb. Ja also, es sind schreckliche Gedanken, und also bei mir hat es sehr viel Schuld ausgelöst, und mich hat es ziemlich fertiggemacht. Und ja, weiß nicht, wie war es bei dir?

Carsten Ja, bei mir selber ist das noch auf der emotionalen Ebene nicht ganz so tief angekommen. Ich merk, dass es mich belastet, aber ich bin wahrscheinlich von meinem Werdegang her zu stark mit diesen landwirtschaftlichen- und Massentierhaltungsaspekten groß geworden. Deswegen habe ich, wenn ich nur darüber nachdenke oder berichte oder lese eigentlich nicht so diese Schuldgefühle. Problematisch wird es natürlich, wenn ich so konfrontierende Bilder oder Videomaterial sehe, das dringt schon zu mir durch, und da kommt schon so ein Schuldkomplex, aber jetzt nicht so rückwirkend, dass ich sage, was habe ich all die Jahre lang für Blödsinn getrieben, sondern eigentlich eher so auf, dass mein jetziges Verhalten gemünzt, dass ich sage nee, das möchte ich absolut nicht mehr mittragen, das kann ich nicht, das kann ich auch von mir selbst nicht verantworten. Es sind natürlich Extremsituationen, die sich dort abspielen. Die haben allerdings Methode und sind, ja wie sagt man, so systemimmanent, das sind also keine Einzelfälle, über die dort berichtet wird.

Stefanie Das muss so sein, weil es wirtschaftlich ist, und es ist ja nun mal auch so, dass die Milchbauern das auch nicht wirklich freiwillig machen, das ist, sie haben sich ja nicht gedacht hihi ich finde das voll lustig, so ein Kalb jetzt zu töten und ich finde das irgendwie total toll, sondern die müssen auch überleben. Genau, und deswegen machen die diesen ganzen Wahnsinn einfach mit. Eigentlich eben, weil der Konsument ja günstige Milch haben. Der Konsument möchte einfach billige Milch, billigen Käse, alles billig, und dadurch hat der Bauer eben das Nachsehen.

Carsten Und muss halt in einer Art und Weise handeln, wo ich persönlich für mich einfach die Entscheidung getroffen habe, das möchte ich nicht. Ich möchte weder das Tier da sehen, wo es dann am Ende landet, noch möchte ich den Landwirten dazu zwingen, so zu handeln, wie er handeln muss, und meine Entscheidung ist einfach, ich verzichte darauf. Ich bin an der Stelle der Nachfrage und.

Stefanie Und du hast ja auch die Macht, also du

Carsten sowohl als auch du Zuhörerin, Zuhörer hast die Macht als Konsument, Konsumentin. Wenn du sagst, ich trinke die Milch nicht mehr, ich mach das nicht mehr mit, ich kauf mir jetzt die Sojamilch oder die Mandelmilch oder die Hafermilch oder was auch immer, dann ja, wirst du das stoppen können, denn wenn wir alle das zusammen machen, dann wird der Bauer auch sagen gut, da gibt es kein Geschäft mehr, da mach ich nicht mehr mit. Ich überleg mir was Anderes, der ist ja nicht dann hilflos und geht dann zugrunde, sondern der Bauer oder der Landwirt oder die Landwirtin hat er jetzt nicht nur Viehwirt gelernt oder Milchkuhbetrieb gelernt, sondern der weiß ja viel mehr.

Carsten So, die werden halt das produzieren, was nachgefragt wird. Genau. Wenn Milch nachgefragt wird, dann ist das System eben darauf ausgelegt, dass sie eben Milch produzieren. Ja so also eine Nachfragesteuerung. Jetzt haben wir diesen ethischen Aspekten besprochen. Es gibt ja auch noch eine gesundheitliche Ebene, weswegen Milch nicht unbedingt so dieses Wundermittel ist, was so in der Werbung beschrieben wird. Das hatte mich damals tatsächlich dazu bewogen, vegan zu werden. Ja also diesen Aspekt mitzubekommen

Stefanie . Mythos Milch (lacht)

Carsten . Mythos Milch, genau

Stefanie Wieder unsere Lieblings Podcastfolge, wobei ich die immer noch nicht gehört hab ne.

Carsten Ja, es lohnt sich aber.

Stefanie Ja, aber dafür bin ich sicher, dass du da die gesundheitlichen Aspekte.

Carsten Wir verlinken auch nochmal auf diesen Podcast, wo der herkommt. Was mich aber damals, als ich diesen Podcast gehört habe, also Mythos Milch, diesen Podcast gehört habe, wirklich schockiert hat war einfach der Aspekt, dass Milch extrem negativ auf das Immunsystem wirkt. In diesem Podcast wurde eben berichtet, dass ein ganz bestimmtes Milchprotein dazu führt, dass die weißen Blutkörperchen diesen Milchbestandteil wie ein Allergen betrachten und dann erstmal ja quasi versuchen, dieses Allergen irgendwie einzufangen, loszuwerden, zu verstoffwechseln, und das führt eben letztendlich dazu, weil eben dieses Protein nachher eben im Darmbereich verarbeitet wird, dass das Immunsystem mehr oder weniger nur noch im Darm aktiv ist. Ja, ich habe mir überlegt Mensch, was mache ich hier eigentlich für ein Blödsinn? Ich versuche eigentlich, meine Ernährungsweise dahingehend zu optimieren und auszubauen, dass ich möglichst gesund werde, und gleichzeitig sorge ich eben durch den hohen Milchkonsum dafür, dass meine weißen Blutkörperchen im Darm sitzen und ja eigentlich im Rest des Körpers überhaupt nicht mehr Spalier stehen können, also wenn dann irgendwie Erkältungsviren oder was auch immer ja, es ist da dieser Soldatenbegriff.

Stefanie Ja, du weißt schon das, was du so. Ach so, das ist da angeführt worden. Ich dachte was ist das, was ist der so blutlich der Soldatenbegriff.

Carsten Ne, wie das Immunsystem solche Soldaten, die Soldaten des Immunsystem sowie die Blutkörperchen beziffert und die würden sich dann halt im Darm sammeln und hätten dann eben den kleinen Nachteil, weil das hätte den kleinen Nachteil, dass das im Rest des Körpers nicht mehr in der Art und Weise und Funktionsweise zur Verfügung steht, wie man sich das eigentlich wünschen würde. Zur Abwehr von Krankheitskeimen, aber auch und das wird in diesem Podcast auch nochmal beschrieben, durchaus zur Reaktion auf Krebszellen. Was heißt Krebszellen? Krebstumore würden halt vom körpereigenen Immunsystem nicht mehr so attackiert werden können, wie man sich das eigentlich wünschen würde, weil eben diese ganzen weißen Blutkörperchen stärker sich um dieses Milchprotein kümmern müssen. So, das hat bei mir natürlich irgendwo einen Schalter umgelegt, da habe ich gedacht ok, dem muss ich jetzt mal nachgehen, und ich möchte dementsprechend auch keine Milch mehr konsumieren. Irgendwie war das zündende Argument. Gleichzeitig wurde aber auch noch mal darauf hingewiesen, dass dieses ja dieser Mythos, dass Milch dieses Kalzium Elixier schlechthin.

Stefanie Deswegen wahrscheinlich Mythos Milch.

Carsten Ja, dass das nur die Hälfte der Wahrheit ist. Ja, Milch enthält extrem viel Kalzium, auch im Vergleich zu anderen Lebensmitteln. Aber dieses Calcium kann von der Milch gar nicht so aufgenommen werden.

Stefanie Von der Milch? (lacht)

Carsten Äh, von dem Körper, Entschuldigung

Stefanie Das Kalzium kann von einem Milch nicht so aufgenommen? Ja, von dem Körper.

Carsten Da sagt heute sogar die Weltgesundheitsorganisation, dass eigentlich der Vorteil dieses hohen Kalziumgehaltes in der Milch durch den hohen Anteil der tierischen Proteine, die gleichzeitig mit zugeführt werden, eigentlich wettgemacht wird.

Stefanie Wir haben zu viel Protein, ist doch auch negativ, tierisches Protein.

Carsten Genau, also ich mache es nur ganz abgekürzt, aber im Endeffekt ist es so, dass wenn sehr viel tierisches Protein zu sich genommen wird, wird dadurch die Vitamin D Produktion, ich sage jetzt mal gehemmt, Vitamin D ist aber notwendig, um Kalzium aufzunehmen und in den Knochen einzuspeichern. Das hat natürlich jetzt wieder den kleinen Nebeneffekt, dass ich, wenn ich jetzt Milch zu mir nehmen, eigentlich sehr viel Kalzium zu mir nehme. Das kann aber nicht verstoffwechselt werden, weil eben durch diesen hohen Proteingehalt das Vitamin D fehlt, und der Körper versucht sich dann im Endeffekt so zu arrangieren, dass er diesen Kalziumüberschuss ausscheiden muss, und dieser ganze Stoffwechselvorgang führt letztendlich ganz stark abgekürzt dazu, dass tatsächlich Kalzium aus dem Knochen und aus den Zähnen herausgenommen wird, um eben diesen ganzen Verarbeitungsvorgang durchzuführen. Und das soll unter Umständen eine der Quelle für Osteoporose sein.

Stefanie Ja, ne dann, ja du. Das, was dir ja beim ersten Mal hören, du hast doch gesagt du hast den Podcast irgendwie dreimal gehört ne? Beim ersten Mal hören ist dir ja gar nicht aufgefallen, dass Maria Rollinger mit ihrem Buch „Milch besser nicht“ da eine große Rolle spielt, die unabhängig fundiert, ich wusste ja noch gar nicht von Maria Rollinger, hatte ich mir dieses Buch ja schon gekauft, und ich habe, allerdings muss ich ja zugeben, ich lasse diese gesundheitlichen Aspekte, die da drinnen sehr differenziert aufgelistet sind für dich noch, die darfst du lesen (lacht). Ich habe das also bis jetzt nur so überblättert. Über das Buch, wenn ich damit irgendwann fertig bin, wollen wir auch noch mal eine extra Folge machen, weil das ist wirklich sehr reichhaltig ist, und da ist es ja auch so. Also in diesem Buch wird die Historie der Milch und des Milchtrinkens eigentlich gezeigt, und es ist tatsächlich so, dass die ersten 1500 Jahre nach Christus sozusagen ja Milch und Käse eigentlich als ja, als schlecht, als gesundheitsgefährdend gesehen wurden.

Carsten Das war damals so die medizinische Lehrmeinung, einfach zu sagen, oder dass, das Milch an der Stelle gar nicht, ja eigentlich eher schädlich ist.

Stefanie Ja, das war ja dieser Galen von Pergamon, ich muss immer auf unseren Zettel blicken, der 200 nach Christus Arzt in Rom war und nichts von Milch hielt, und er machte eben Milch und Käse für viele Krankheiten verantwortlich. Da ist so eine ganz lange Liste in dem Buch, die wir jetzt nicht vorlesen, aber es ist halt sehr interessant, weil er eben 1500 Jahre lang als absolute medizinische Autorität galt, auf die sich Ärzte und Naturwissenschaftler beriefen. Und na ja, also wir leben jetzt im Jahre 2016. Und naja, er lebte 200 nach Christus, und das heißt, bis 1700 war er dann

Carsten War das die vorherrschende Lehrmeinung.

Stefanie Genau, und dazwischen muss irgendwas passiert sein, dass jetzt auf einmal Milch ein Grundnahrungsmittel ist.

Carsten Wobei, jetzt darfst du natürlich nicht den Eindruck erwecken, dass Milch jetzt schon seit über 200 Jahren so dieses.

Stefanie Über 200 Jahre, also von 1700 bis jetzt. Ja, es sind ja 200 Jahre.

Carsten Ich habe gesagt über 200 Jahre. Genau, diesen absolut gesundheitlichen Aspekt als vordergründig oder dass das so angesehen wurde.

Stefanie Das es ein Grundnahrungsmittel ist.

Carsten Das es ein Grundnahrungsmittel ist, das ist nicht der Fall, das ist extrem kurz ist, das hat mich selber gewundert, wie kurz diese Zeitspanne ist, seitdem Milch so als Grundnahrungsmittel oder als gesundes Grundnahrungsmittel betrachtet wird.

Stefanie Das sind ja keine hundert Jahre jetzt, nicht, also ich hab das ja auch in dem Buch gelesen, und ich finde es halt sehr interessant, dass Milch ja bis 1960 eigentlich noch als eklig galt, also Milch trinken, jetzt nicht die Butter und der Käse, das wurde und Quark, Butter, Käse und Quark, das waren so Dinge, die schon früher verwendet wurden. Und Käse wurde auch von den Römern schon als lecker betrachtet, aber eben als ungesund, so wie wir jetzt auch nicht sagen würden, dass irgendwie Gummibärchen total gesund sind, aber trotzdem kann man die lecker finden, würde ich jetzt mal so vergleichen

Carsten Aber auch nicht so in diesen Mengen wie wir sie heute, das war Luxusgüter.

Stefanie Genau das waren Luxusgüter, und das war auch nur in gehobenen Klassen, und auch also jetzt Familien, die Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt haben, die ja hatten kaum Milch auf dem Speiseplan, also Milch kam ja erst später dazu, weil einfach Anfang des 20. Jahrhunderts gab es einfach noch nicht so viele Milchkühe. Und auch noch nicht diese vielen Betriebe, also war noch nicht so viel Milch zur Verfügung. Und erst durch die Industrialisierung, also auch tatsächlich erst so nach dem Zweiten Weltkrieg wurde durch dieses Haltbarmachen dann die Milch mehr verbreitet.

Carsten Genau.

Stefanie Und dann ja, dies ist mit dem Ekel, ich finde das voll interessant, weil da stand halt, so bis 1960 ungefähr war, dass also wirklich so ein Ekel vor dem Milch trinken herrschte, ähnlich wie ein Ekel vor Blut trinken. Und dass dieser Ekel erstmal überwunden werden musste, das heißt die Menschen mussten erstmal da dran trainiert werden, Milch zu trinken, und das wurde dann eben im Laufe der Jahre mit ganz viel Propaganda geschaffen, mit Werbung.

Carsten Vorher galt das eben als Körpersekret, wie Blut trinken oder so, so auf dieser Ekelskala war das

Stefanie Habe ich gerade schon gesagt, Blut trinken.

Carsten Ich wiederhole das noch mal, weil es für mich

Stefanie Blut trinken. Du weißt schon, Blut trinken? Ja, wie halt die Vampire unter uns, die machen das ja auch so gerne. Oh Gott ja, also jedenfalls. Das finde ich ja total interessant. Ich habe jetzt auch, so mein nächstes Projekt, was ich angehen will, zu erforschen, wie die Werbung das geschafft hat, aus dieser Milch, die damals als eklig galt und eigentlich auch nicht wirklich als Grundnahrungsmittel, wie daraus ein Grundnahrungsmittel werden konnte. Also wie haben die das geschafft, dass ja Milch so populär geworden ist, und das ja eben so kurzer Zeit Also das ist auf jeden Fall ein Werbekunststück, und die Milchindustrie hat da bestimmt ordentlich Geld investiert. Und ich habe ja auch gelesen, dass also im Zweiten Weltkrieg also Nazideutschland da auch schon ordentlich Geld investiert hat in diesen Wirtschaftszweig, weil die eben gesehen haben ey, da ist noch ordentlich Kohle zu machen.

Carsten Ja, und vom heutigen Standpunkt aus muss man natürlich sagen, dass die Milchwirtschaft einen der größten Lebensmittelwirtschaftszweige überhaupt darstellt. Wenn man sich mal überlegt, wo überall Milch und Milchpräparate, Milchprodukte drin sind. Das ist ja, das ist kaum vorstellbar, heute in einen Supermarkt zu gehen und zu sagen oder alle Produkte zu streichen, wo irgendwo Milch oder Milchbestandteile drin.

Stefanie Ja, das ist ja wieder, sogar, entschuldige, aber ich muss das nochmal loswerden. Sogar in den Chips, die ich ne Weile lang gegessen habe war Molke drin. Und das mit der Molke das ist nämlich auch so cool, Molke ist ja so eigentlich nur ja ein Abfallprodukt von der Käseherstellung, und das ist halt so lustig, dass das eben die sich überlegt haben, die Industrie: Mist, Molke kann ich nicht ins Abwasser einführen, weil das sonst lässt es nämlich die Fische verenden. Das darf ich nicht, da muss ich ganz viel Geld dafür zahlen, dass ich das loswerde, also mach ich daraus jetzt mal einen Hypeprodukt, total gesund, und jetzt machen wir Molkekuren, und Molke, und ich hab früher auch so Molkezeugs getrunken. Das war aber nie pure Molke, ne, das war ja immer mit irgendwas versetzt.

Carsten Irgendwelchen Aromen, oder?

Stefanie Wenn ich jetzt darüber nachdenke, was ich da getrunken hab, uuh, aber im Grunde war es, es ist ja immer noch so, es ist ja nicht so, als wäre es vorbei. Es ist ja immer noch so, dass es diese Actimel und Yakult Fläschchen, das sind ja auch nur so kleine, das ist jetzt nicht Molke, aber das sind das ist das ist alles nur ein Werbegag, ne?

Carsten Ja klar.

Stefanie Das ist totaler Schwachsinn.

Carsten Richtig gut Geld damit verdienen.

Stefanie Ja genau, das ist einfach nur eine Werbemasche, und ja also es hat nichts mit Gesundheit zu tun, sondern höchstens Gesundheit der Verkäufer, weil die halt ordentlich Geld damit verdienen, und das ist halt ziemlich krass. Das ist einfach ne Augenwischerei, ne?

Carsten Ja definitiv, genau. Ja, du hattest vorhin so den Bereich Bio nochmal kurz angesprochen, ganz am Anfang, dass Bio auch nicht anders ist. Also ich denke, das sollten wir mal wirklich klarstellen, dass das, was wir gerade geschildert haben, auch von diesen ethischen Aspekten bei Bio definitiv auch der Fall ist.

Stefanie Bei Bio ist halt das Futter anders, ne, die haben halt

Carsten Es ist das Futter anders, vielleicht bleiben die Kälber einen Tacken länger war den Müttern, kommt immer ganz drauf an, ich habe da unterschiedliche Sachen geführt, aber es ist definitiv nicht so, dass, ich sag jetzt mal eine natürliche Mutter, oder eine

Stefanie Ja das ginge ja eben einfach gar nicht.

Carsten Kuh-Kalb-Bindung entstehen kann.

Stefanie Es geht ja nicht, das Kalb bei der Kuh zu lassen, weil sonst keine Milch mehr für den Menschen da ist.

Carsten Genau, auch Biobauern müssen wirtschaftlich arbeiten, und ein wirtschaftlicher Milchprodukte- oder Milchproduzent kann halt nur dann die entsprechenden Mengen Milch produzieren, wenn sichergestellt ist, dass diese Milch halt nicht beim Kalb ankommt, sondern eben in den normalen Produktionszyklus landet. Und ja so hart es klingt, am Ende des Tages, wenn die Kuh ausgedient hat, erschöpft ist, der komplette Körper entkräftet ist: Die landet im gleichen Viehtransporter am gleichen Schlachthof wie auch eine konventionelle Kuh.

Stefanie Ja, das ist ja auch tatsächlich so, am Ende landen sie alle am gleichen dunklen Ort, ne? Also es ist ja so, das Ende ist bei denen allen gleich. Ja, ich will da gar nicht im Moment so viel darüber nachdenken, das ist sind einfach die Fakten.

Carsten Genau. Ja, wir haben jetzt einen rudimentären Überflug über das ganze Thema durchgeführt. In den Shownotes werden wir noch einiges verlinken an weiterführenden Informationen, da wo wir uns selbst bedient haben, wo du dich dann nochmal im Detail schlau machen kannst. Du hast jetzt schon gemerkt, dass dieses Thema relativ umfangreich ist. Wie gesagt, wir werden das eine oder andere Thema oder den einen oder anderen Aspekt definitiv nochmal in zukünftigen Folgen behandeln und hoffen aber trotzdem, dass du an der Stelle schon mal einen ganzen Deut schlauer geworden bist als vorher.

Stefanie Ja, wir wollen dich ja jetzt eigentlich so nicht so stehen lassen, also was du machen kannst, ist ja auf jeden Fall eben jetzt keine Milch mehr zu trinken, keinen Käse mehr zu essen, kein Joghurt und was auch immer alles. Und einfach Milch kannst du total simpel ersetzen gegen Pflanzenmilch, da gibt es eine riesen Auswahl, Joghurt auch, falls du da drauf angewiesen bist, sag ich mal, das einzige ist eben der Käse. Käse ist wirklich ein Schwachpunkt der veganen Ernährung, weil alles was es so gibt, schmeckt einfach nicht so wie richtiger Käse in Anführungsstrichen, und da haben wir ja auch in unserer Brotaufstriche-Sendung schon mal, boah Sendung, wir sind voll cool (lacht), ja in unserer Sendung darüber gesprochen, also ich jedenfalls, dass wir ja den Käse jetzt gar nicht mehr vermissen. Es ist wirklich eine Gewöhnungssache, Geschmacksgewöhnungssache und jetzt mal ehrlich, wenn du jetzt das Gefühl hast, dass du am Anfang ja ab und zu dir noch ein Stück Käse gönnen musst, dann ist es halt so, dann ist dein Prozess einfach noch nicht so weit, dass du diesen Schritt gehen kannst. Wir sind ja auch nicht an dem Tag, an dem du den Podcast gehört hast, sofort hundert Prozent vegan geworden.

Carsten Nein, nein, Ich muss sagen, ich habe letztens noch ein Foto gesehen, wo wir gekocht haben

Stefanie Ich dachte schon, du hast ein Foto gesehen, ich dachte schon, ich hab letztens noch ein Stück Käse gegessen also (lacht)

Carsten Nein, aber das Foto, das war glaube ich aus März oder April letzten Jahres, und den Entschluss, auf Käse, also auf Milch zu verzichten, den haben wir Ende Dezember Anfang Januar gemacht. Auf dem Foto war aber ich glaub entweder Schmand oder saure Sahne zu sehen.

Stefanie Uih, ja, ich weiß, da haben wir noch damit gekocht, ja.

Carsten Genau, das war noch so eine Übergangsphase.

Stefanie Oder war das Sojadings, also ich meine, das wäre auch so ein

Carsten Nee, nee, das waren Becher. Biobecher

Stefanie Biobecher aus.

Carsten Was wir machen, ich glaube saure Sahne war es. Also wir haben auch einen Moment gebraucht, um da rauszukommen, aber um nochmal an diese Käsethematik anzuknüpfen: ich glaube, das ist eine Geschmackssache. Wenn du genügend Alternativen hast, die dir ganz viele neue Geschmacksnuance bieten und neue Geschmackswelten eröffnen, dann fällt es dir irgendwann relativ leicht zu sagen, oder was heißt, das war bei uns noch nicht mal eine bewusste Entscheidung, jetzt komplett auf ändern, das ist einfach rausgewachsen.

Stefanie Ja, genau du, es geht ja darum, jetzt Neues zu entdecken, zuzulassen, mutig zu sein und einfach mal zuzulassen, dass du auch, dass es neue Dinge gibt und nicht immer nur diese 3 verschiedenen Käsesorten, die du dir kaufst oder so. Es ist jetzt nur mal so zugespitzt gesagt, ich habe ja keine Ahnung, was du dir sonst so gekauft hast, aber einfach zu sagen: So, ich lass mich jetzt darauf ein, und ich guck jetzt mal was es so gibt, und dann experimentiere ich mal. Also ich hatte heute Abend wieder diesen sehr leckeren Avocadoaufstrich und muss dann immer stark an mich halten, den nicht komplett aufzuessen, und das ist ja wirklich total simpel. Einfach nur die Avocado zerdrücken, ein bisschen Salz, bisschen Sojasauce und total lecker, ist ja sogar Rohkost.

Carsten Absolut.

Stefanie Ne also, ich meine, den habe ich schon in unserer Brotaufstrichesendung genannt, aber wie gesagt, ich finde den so lecker, das ist so simpel, und das kriegt man halt ganz einfach hin, ne so und es gibt so viele neue Sachen. Also wenn es dir eben hilft, dich da entlang zu hangeln und immer das vegane Produkt von dem zu suchen, was du jetzt vorher gegessen hast, dann ist es ja auch ok. Nur wir möchten dich ermutigen, wirklich mal neue Schritte zu machen und weiterzugehen, einfach mal etwas Neues auszuprobieren. Exprimm...

Carsten Experimentieren.

Stefanie Experimentierfreudig zu sein, wollte ich sagen exprimm…(lacht) also ja, mit meiner Stimme geht es zu Ende, mit meinem Hirn auch, also beenden wir das jetzt. Also sei experimentierfreudig, sei neugierig. Und wenn du noch Fragen hast, nicht zu vergessen, kannst du dich gerne bei uns melden. Und wir freuen uns natürlich auch über Feedback und naja, wenn du unseren Podcast gut findest, dann freuen wir uns natürlich auch darüber, wenn du zum Beispiel bei itunes eine Rezension für uns gibst. Das wäre ganz klasse.

Carsten Eine super schöne Bewertung

Stefanie Genau, und wenn du uns blöd findest, darfst du uns aber auch schreiben, aber bitte keine Rezension bei itunes (lacht). Also wenn du was doof findest, dann sag uns Bescheid, wir sind natürlich offen dafür.

Carsten Genau, dann ändern wir das.

Stefanie Genau wir, wir machen das ja hier nur für dich. Deswegen sitzen wir abends hier und.

Carsten Berichten über unseren Werdegang.

Stefanie Genau, also.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen

Folge 10 - Das Veganer-Vitamin: Alles dreht sich um B12

Ein Beitrag

Folge 10 - Alles dreht sich um B12

In dieser Folge

  • sprechen wir über unsere Erfahrung mit dem Vitamin B12,
  • erklären auf welche Arten Du B12 supplementieren kannst
  • und warum auch Fleischesser B12 nicht auf "natürlichem Weg" zu sich nehmen.

So bleibst du auf der sicheren Seite: Mach einmal im Jahr einen Bluttest und lasse Holo-TC, Holocystein und Ferritin (Speichereisen) messen.

Links zur Folge

Transkript (Korrektur gelesen von Birgit G.)

Stefanie Es folgt jetzt als zweiter Teil B12 als alleinige Podcastfolge, weil wir gemerkt haben, dass wir mit den vorangegangenen Nährstoffen doch schon irgendwie die Zeit überschritten haben, die wir uns vorgenommen hatten.

Carsten Genau und Vitamin B12 ist halt sehr wichtig, weil es ein sehr kritischer Nährstoff ist, der auch sehr kontrovers diskutiert wird. Wo ich aber auch dazu sagen muss, er ist sehr wichtig. Und Statistiken zufolge haben gerade Veganer das Problem, eine Vitamin-B12-Unterversorgung zu erleben.

Stefanie Ja, wir haben das aber vorher gar nicht so gewusst, oder wie sollen wir das sagen?

Carsten Ich bin eigentlich eher unglücklicherweise darauf aufmerksam geworden, dass ich ein Vitamin-B12-Mangel hatte.

Stefanie Ja, du warst einfach total müde und k.o.

Carsten Müde und erschöpft, aber über lange Strecken hinweg und konnte eigentlich die Ursache nicht wirklich finden und bin dann beim Arzt gewesen und habe mir dann leider, leider direkt schon Vitamin-B12-Spritzen geben lassen. Das heißt, so einen empirischen Beweis, ob ich wirklich den Mangel hatte, weiß ich ehrlich oder habe ich ehrlich gesagt nicht. Aber ich habe halt direkt nach der ersten Spritze festgestellt, dass mein Energielevel und man, ja, dass die Erschöpfung aber mal komplett weg war. Das war wie ein Schalter umlegen und es ging halt von jetzt auf gleich wieder besser. Das war für mich so der Startpunkt zu sagen, okay, ich muss mich jetzt mit diesem Thema auseinandersetzen. Und deswegen haben wir auch heute eine extra Folge gemacht, weil aus persönlicher Erfahrung die Relevanz von Vitamin B12 bekannt geworden ist.

Stefanie Also bei mir war es ja so, dass ich wie gesagt schon, also als Vegetarierin, auf so was überhaupt nicht geachtet habe und deswegen auch als Veganerin gedacht habe: Pff, Nährstoffe, ja, ich nehme schon alles zu mir, was ich brauche. Das ist doch egal. Aber auch ich habe das eben gemerkt. Mir ging es auch nicht so gut. Ich war auch beim Arzt und der hat dann meine Blutwerte gemessen, hat dann auch B12 gemessen und das war dann zwar nicht im Minus, sagen wir mal so, aber am untersten Rand und das war aber das einzige. Alle anderen Nährstoffe, da hat er keine Probleme gesehen. Ich habe jetzt die Werte nicht alle gesehen, aber er hat mir nur gesagt: Vitamin B12, da sollte ich mal was machen, sollte ich mal ein paar Tabletten nehmen oder so. Also er hat jetzt auch nicht gesagt, Spritzen. Also vielleicht die Möglichkeiten: Du hast dir jetzt Spritzen geben lassen. Das waren vier.

Carsten Vier Spritzen. Ja.

Stefanie Über welchen Zeitraum?

Carsten Das war jetzt pro Woche eine Spritze. Das war wirklich mal so eine Auffrischungskur, weil sie davon ausgegangen sind, dass mein Vitamin-B12-Haushalt wirklich am unteren Ende war.

Stefanie Ja, du warst auch total fertig.

Carsten Ich war total fertig. Also ich hätte mir gewünscht, dass wir vorher nochmal einen Bluttest gemacht hätten. Also der Bluttest nach diesen vier Spritzen war natürlich fulminant ...

Stefanie Da war alles super, Sonnenschein.

Carsten … auch wieder bis zum Maximum, also das Labor hat halt irgendwie bis zum Referenzwert von, keine Ahnung, normalerweise messen die bis, ich glaube, 2000 irgendwie so, was auch immer für eine Skala das ist.

Stefanie Genau.

Carsten Und in dem Fall haben die jetzt einfach bis 2700 und schlag mich tot, irgendwie so ein ganz krummer Wert, und haben dann aufgehört mit der Messung und bis dahin reichte mein Vitamin B12.

Stefanie Also diese Spritzen, die waren also richtig, die haben alles aufgeladen.

Carsten Genau, genau.

Stefanie Und das, die musstest du bezahlen, ne?

Carsten Die musste ich bezahlen. So eine Spritze kostet 7,50 €. Das ist also jetzt nicht unbedingt das Geld. Und Vitamin B12 selber wird aber im Körper in der Leber zwischengespeichert, sodass ich jetzt ein Polster habe und kann auch erstmal die nächsten Monate ...

Stefanie Wobei der dir, glaube ich, empfohlen hatte, irgendwie alle acht Wochen das zu machen, oder?

Carsten Ja, normalerweise so, dass du vierteljährlich noch mal versuchst, was drauf zu nehmen. Das ist aber ein bisschen schwierig, weil wenn du es genau wissen möchtest, dann müsstest du regelmäßig Bluttests, Blutuntersuchungen durchführen. Die sind aber je nachdem, wie du deinen Vitamin-B12-Marker misst, entsprechend kostenträchtig und werden auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Und dementsprechend habe ich eigentlich nicht so das große Interesse, jetzt vierteljährlich, da jetzt irgendwie ein Blutbild machen zu lassen

Stefanie Solange es dir gut geht. Du hast es ja gemerkt, dass es dir nicht gut ging. Also was wir eben gelernt haben, ist: B12 auf jeden Fall supplementieren. Also die Möglichkeiten, die du hast, ist dann das, was

Carsten gemacht hat, über Spritzen, dass du zum Arzt gehst und am besten lässt du erst mal ein Blutbild machen. Da waren irgendwelche Marker, haben wir das aufgeschrieben, hier auf unserem Spickzettel, was man da ...

Carsten Nee, leider nicht.

Stefanie Okay, irgendwie war das mit Holo TC messen und noch irgendwas messen. Also wir verlinken es auf jeden Fall in den Shownotes, da steht das auch drin, was man da messen soll und wir schreiben es dann noch mal rein. Also ein Blutbild machen lassen, am besten jedes Jahr auf jeden Fall ein Blutbild machen lassen, um da auf der sicheren Seite zu sein. Genau, jetzt fällt es mir wieder ein, wo ich das aufgeschrieben habe für meinen neuen E-Mail-Kurs, den ich mache. Da hatte ich das alles reingeschrieben. Genau. Also dieses Blutbild machen lassen. Also B12 muss supplementiert werden, sonst geht es dir schlecht. Du wirst müde, abgespannt, total. Ja, kann auch sein, dass du depressiv wirst. Also dir geht es einfach schlecht. Und ja, und es kann eben auch langfristige Schäden hervorrufen.

Carsten Nervenschäden bis hin zu Gehirnschäden. Gerade bei bei Kindern, Kleinkindern, die noch im Wachstum sind, da wo sich der Körper und auch das Nervensystem noch ausbildet. Es ist ein absolut kritischer Nährstoff.

Stefanie Also das muss, muss einfach.

Carsten Das wäre sträflich zu sagen, ich verzichte auf Vitamin B12 oder ich ignoriere es.

Stefanie Und es ist ja auch so, dass das Fleisch das enthält, sondern, was hattest du gelesen, dass die Tiere nehmen das über den Boden auf. Das B12 ist eigentlich im Boden drin, in der Erde, aber dazu müssten wir halt die Erde essen, quasi, in rauen Mengen.

Carsten Ja, also das ist so, wirklich so der Hintergrund. Wo kommt Vitamin B12 eigentlich her? Wenn man es genau nimmt, ist es ein Bakterium oder mehrere Bakterienarten. Die sind alleine diejenigen, welche Vitamin B12 überhaupt herstellen können. Und diese Bakterien findet man in der freien Natur, eben in einem guten Mutterboden oder in einem gedüngten Mutterboden, wobei bei der Düngung häufig der Kuhdung diese Bakterien hinzuführt. Oder es kann auch im stehenden Wasser enthalten sein durch diese Bakterien. Und da wir aber heutzutage Gott sei Dank nur aufbereitetes Wasser trinken, möchte ich halt niemandem zumuten, jetzt irgendwie an einen See zu gehen …

Stefanie … an einen Tümpel zu gehen ...

Carsten … und unseren Vitamin-B12-Haushalt irgendwie wieder gerade zu ziehen. Also dann laufe ich ja eher Gefahr, mir die Cholera einzufangen. Und ja, das möchte ich nicht unbedingt.

Stefanie Und bei den Tieren ist es ja so, dass sie heutzutage gar nicht mehr rauskommen und dass denen ja auch dann B12 zugefüttert wird, oder?

Carsten Genau. Ich hatte mal die Information bekommen, dass ungefähr 90 % des synthetisch hergestellten Vitamins B12 in die Nutztierfütterung geht. Einfach aus verschiedenen Gründen. Erstens sind die Tiere heutzutage von ihrer Haltung und ihrer Fütterungsweise selber so überlastet, dass die Vitamin-B12-Aufnahme in deren Eingeweiden schon stark vernachlässigt ist. Das heißt, ich muss entsprechend viel Vitamin B12 mit rein füttern, damit auch genügend Vitamin B12 nachher im Tier verbleibt. Und eben, dass der Ursprung vom Vitamin B12, also sprich, dass die Tiere in der freien Wildbahn eben auch verdrecktes Futter fressen oder verdrecktes Grünzeug, wo eben diese Bakterien drauf sind. Diese Möglichkeit gibt es ja heute für die meisten Tiere eigentlich gar nicht mehr. Die meisten Tiere bekommen ja irgendwelche Hochleistungspräparate oder Futter und sehen auch gar kein Tageslicht mehr und dementsprechend haben sie auch nicht mehr die Möglichkeit, über die vorhandenen Ressourcen das dann aufzunehmen. Und das ist natürlich schon ein sehr interessanter Hintergrund, Fakt, zu wissen, dass das meiste synthetische Vitamin B12 eigentlich über die normale Tiernahrung dem Tier zugefüttert wird. Das heißt also, ein Fleischesser, wenn man es ein bisschen überspitzt nimmt, supplementiert eigentlich auch nur über den Umweg des Tieres. Aber ein bisschen genauer muss man es jetzt nehmen. Also Wiederkäuer, sprich Kühe, also Rinder generell oder auch Schafe, die bilden selber Vitamin B12 im Pansen, da sitzen halt die Bakterien. Und dadurch, dass eben dieser Wiederkäuer oder dieses Wiederkäuen existiert, versorgen die sich selber über ihre Eingeweiden mit entsprechendem Vitamin B12. Aber da ist natürlich relativ fraglich, wie hoch diese Synthetisierungsrate ist, ob das noch ausreicht, um das Tier mit den Vitamin-B12-Mengen zu versorgen, die das Tier eigentlich noch benötigt. Und deswegen gehen da die meisten Landwirte schon auf Nummer sicher und verabreichen das eben über die normale Nahrung. Insgesamt ist es so, dass Vitamin B12 das letzte Vitamin ist, was gefunden wurde, und noch relativ schlecht untersucht ist. Das heißt, das musste ich selber feststellen bei einer Recherche im Internet. Es gibt nicht unbedingt die breite Masse an wirklich frei zugänglichen Informationen. Also ich bin jetzt kein Medizinstudent und habe auch keine medizinische Literatur durchgeblättert, aber bei allen anderen Vitaminen bekommt man schon sehr, sehr viel Hintergrundinformationen. Weiß, wo kommt es her und und Mengenverhältnisse etc. und Vitamin B12, da ist die Studien- und die Kenntnislage noch so ein bisschen mau. Das ist natürlich schlecht, wenn ich jetzt als Veganer versuche mich zu rechtfertigen, weil ich dann natürlich auf einem relativ löchrigen Fundament argumentieren muss.

Stefanie Ja, aber, weißt du, rechtfertigen … Also mittlerweile, ich denke immer diese ganzen Grundsatzdiskussionen, das ödet mich so an. Ich will da überhaupt nicht mehr drüber reden. Also wir bereiten ja extra für dich diese Grundlagen auf, damit du vegan leben kannst. Und natürlich auch, damit du dich irgendwie auf eine Art und Weise rechtfertigen kannst. Aber ich finde diese Fronten, die sich dann da bilden und wo dann immer so hin und her geschossen wird, das ...

Carsten Das führt zu nichts.

Stefanie Das führt einfach zu nichts. Am besten ist es, einfach mit gutem Vorbild voranzugehen und einfach zu machen und nicht so viel darüber zu reden. Gut, wir reden auch viel darüber, aber nicht nicht so viel darüber zu diskutieren, was jetzt okay ist und so. Und ja.

Carsten Ich finde auch ja, es sind müßige Diskussionen. Schwierig wird es natürlich, das ist so mein persönliches Erlebnis, was ich hatte, wenn man einer medizinischen Autorität zum Beispiel gegenübersteht. Ich hatte beim letzten Arztbesuch ein Argument von meinem Arzt bekommen, der sagte ja, vegan und vegetarisch, das sei ja alles ganz nett. Aber gerade beim Vitamin B12 müsse man ja eigentlich anerkennen, dass unsere Gene noch nicht wirklich so weit sind, dass man jetzt rein vegan leben könnte. Da sitzt man natürlich dann da und denkt: Gut, das ist ein Mediziner. Irgendwie habe ich mich unwohl gefühlt mit dem Argument. Also mein Gefühl hat mir gesagt, das ist irgendwie Nonsens, was du mir da gerade erzählst, aber ich konnte da überhaupt nicht reagieren. Ich könnte dem nichts entgegensetzen und hab das erst mal so mitgenommen. Jetzt so im Nachgang, wenn ich mich da ein bisschen mit beschäftigt habe, muss ich zum einen sagen, das ist ein Arzt, der aber seine private Meinung geäußert hat. Das muss man natürlich mal so sagen, dass die wenigsten Ärzte durch ihr Studium überhaupt eine Expertise im Bereich Nahrung und Ernährung gesammelt haben. Es ist generell nicht unbedingt Bestandteil eines medizinischen Studiums.

Stefanie Ja.

Carsten Ich will jetzt nicht sagen, dass Ärzte generell keine Ahnung davon haben. Es gibt genügend Ärzte, die sich da zusätzlich qualifizieren, aber im normalen Studium ist es halt wie gesagt kein Bestandteil. Dementsprechend muss man mit solchen Äußerungen mal vorsichtig umgehen und im Zweifelsfall immer sagen okay, das ist eine private, eine persönliche Meinung eines Arztes, der per se eine Expertise hat, aber auf einem ganz anderen Gebiet.

Stefanie Ja, Ärzte sind halt auch nur Menschen ...

Carsten Sind auch nur Menschen. Das darf man aber nicht verwechseln.

Stefanie … mit Meinungen. Menschen mit Vorurteilen.

Carsten Und dann das Argument mit den Genen selber hat mich natürlich alleine schon so ein bisschen beschäftigt. Und heutzutage muss ich sagen, es ist totaler Nonsens, weil die Gene damit gar nichts zu tun.

Stefanie Nein, aber so ein Totschlagargument.

Carsten Das ist ein Totschlagargument. Wenn ich mir dann anschaue, es ist ja auch so eine Frage gewesen, die in diversen Diskussionsforen und Studien gestellt wurde: Wo kriegen denn indigene Völker, die eigentlich so gut wie kein Fleisch essen, nur ganz, ganz wenig Fleisch, Vitamin B12 her?

Stefanie Die kriegen das aus den Tümpeln.

Carsten Ja genau, ja, verunreinigte Nahrung. Die waschen ihr Gemüse halt nicht, die nehmen halt noch genügend Mutterboden zu sich. Da, wo diese Bakterien drin sind. Trinken halt noch entsprechend naturbelassenes Wasser. Aber die haben halt eben nicht dieses Problem. Die nehmen vielleicht insgesamt weniger Vitamin B12 zu sich, aber die brauchen vielleicht auch nicht unbedingt diese riesigen Mengen wie wir in der heutigen Industrienation, weil deren Leben vielleicht noch ein bisschen, ich nenne es jetzt mal ein bisschen abgekürzt, ein bisschen ursprünglicher ist, ein bisschen natürlicher ist. Das heißt, der Stoffwechsel funktioniert an der Stelle vielleicht nochmal ein bisschen anders.

Stefanie Aber was wir dazu auch sagen können, es ist nicht gesagt, wie viel Milligramm oder µ Gramm Vitamin B12 ich jetzt aufnehmen sollte. Also das ist einfach noch nicht geklärt. Die Menge, das heißt, wir können auch nicht sagen, nimm jetzt soundso viel µ Gramm pro Tag zu dir und es ist gut. Also es ist wirklich noch nicht geklärt. Ich nehme ja die Tabletten, ich nehme jeden Tag eine Tablette mit 30 µ Gramm oder so oder 50, ich bin mir nicht ganz sicher. Also Katrin und Daniel von bevegt.de, die empfehlen eine oder zwei Tabletten – ich bin mir nicht ganz sicher – mit 1000 µ Gramm pro Woche. Und das ist … ja, du hast das jetzt gerade da runtergeholt ... also 30 µ Gramm eine Tablette nehme ich jetzt pro Tag. Also ich fühl mich jetzt auch nicht schlecht.

Carsten Also es ist so, du hast einmal die Zahl 30 und einmal 1000. Man muss sagen, wenn kleinere Mengen regelmäßig zu sich genommen, die werden besser vom Körper aufgenommen. Wenn ich es nur unregelmäßig mache, also quasi wöchentlich oder monatlich, muss ich schon zur extrem hohen Dosierung greifen.

Stefanie Also einmal die Woche mindestens, wenn du so eine Tablette nimmst. Und sonst, wenn du das täglich machst, kannst du halt kleinere Mengen nehmen. Unser Sohn nimmt auch die 30 µ Gramm Tablette. Ich verlinke da auf jeden Fall auch noch mal was zu tofufamily.de. Da geht es um vegane Familien, wo es dann auch noch mal darum geht, was vegane Kinder, was da die Ernährungsempfehlungen sind und was es da so für Ergänzungsmittel gibt, da gibt es auch ganz verschiedene. Ich kaufe jetzt einfach die aus dem Budni von Doppelherz.

Carsten Die sind vegan.

Stefanie Genau, die sind vegan. Aber das heißt jetzt nicht, dass ich dir sage, kauf nur die. Also es gibt ganz viele, die eben andere Präparate empfehlen. Und das Neueste, wovon wir eben gehört haben und was wir gesehen haben, ist die vegane Zahnpasta.

Carsten Ja, genau. Wird stark beworben auch gerade vom VEBU oder so?

Stefanie Genau. Wir haben ja auf der Messe hatte ich mich ja mit einer vom VEBU unterhalten, auch über die Zahnpasta. Und sie hatte auch gesagt, sie nutzt die Zahnpasta selber, aber es kommt bei der Zahnpasta drauf an. Der Wirkstoff wird über das Zahnfleisch aufgenommen. Es kommt eben dann auch drauf an, wie lange du putzt, wie dein Zahnfleisch beschaffen ist. Wenn du halt Parodontose hast, dann hast du eben ein Problem. Also wenn du eine Zahnfleischentzündung hast oder so, dann wird das nicht so gut aufgenommen. Wenn du gesundes Zahnfleisch hast, und wie gesagt ist jeder Körper ist anders und jedes Zahnfleisch ist anders. Das heißt, eine Zahnpasta würde ich sagen, ist das unsicherste von allem. Du kannst es ergänzend vielleicht machen, das ist von Santé oder wie wird es ausgesprochen? Also jedenfalls die Zahnpasta B12, die bekommt man dann ja entweder im veganen Einzelhandel oder ich weiß gar nicht, ob es die schon im Drogeriemarkt gibt, aber sonst eben online. Also es ist eine Möglichkeit. Ich würde aber auf keinen Fall dazu raten, nur auf die Zahnpasta zu setzen. Und ich würde immer dazu raten, auch noch Tabletten zu nehmen, wenn man das machen möchte.

Carsten Also an der Stelle nochmal will ich die Angst nehmen. Nach meinem jetzigen Kenntnisstand kann man Vitamin B12 nicht überdosieren. Das heißt also, das einzige was passiert ist, man sorgt dafür, dass es teurer Urin wird, der produziert wird. Also das, was vom Körper nicht aufgenommen werden kann, wird über den normalen Stoffwechselvorgang, ja, über den Urin wieder ausgeschüttet und landet dann quasi in der Kloschüssel. Da aber die Tabletten an sich nicht wirklich so viel oder so teuer sind, wenn ich das jetzt mal so auf eine Tagesdosis runterbreche, mache ich mir da eigentlich keine Gedanken, ob wir vielleicht mit der Dosierung, die wir haben, einfach überdosieren oder so.

Stefanie Also um das zu testen, ist es natürlich sinnvoll, dann eben wieder einen Bluttest zu machen und dann kann man einfach schauen, wie wirkt das jetzt, was ich da zu mir nehme, die Präparate. Ist das ausreichend oder nicht? Und dann kann man das ja immer noch höher dosieren. Und du merkst es eben auch, wenn dir Vitamin B12 fehlt, wenn du so müde bist und abgespannt. Klar, das kann auch am Stress liegen, aber wir haben es eben gemerkt. Wir waren halt besonders k.o. Und dir geht es einfach besser, wenn du das regelmäßig nimmst. Und wir empfehlen es wirklich ausdrücklich, B12 zu nehmen.

Carsten Ja, genau. Vor allen Dingen ist das natürlich ein schleichender Effekt. Vitamin B12 selber wird vom Körper über mehrere Jahre hinweg gespeichert. Also die Werte, die ich so gelesen habe, waren so zwischen fünf und sieben Jahre.

Stefanie Okay.

Carsten Das heißt natürlich gerade in so einer Umbruchphase, wo ich vielleicht vorher omnivor gegessen habe und noch vielleicht über meine Fleischnahrung genügend Vitamin B12 zu mir genommen habe, über die vegetarische Zeit bis hin zum veganen Stadium, sag ich jetzt mal, da kann ich natürlich noch so von meinen körpereigenen Reserven schöpfen und merke gar nicht, dass ich im Grunde genommen über meine normale Ernährung zu wenig zu mir nehme. Und irgendwann komme ich dann so an einen Punkt, wo ich mich vielleicht wie bei uns jetzt schlapp, müde, abgespannt fühle. Da sind ja noch so milde Symptome. Also da habe ich ja noch keine wirklich körperlichen, kritischen, irreversiblen Schäden.

Stefanie Was ja auch gut ist.

Carsten Was ja Gott sei Dank gut ist. Aber eben bis zu diesem Zeitpunkt kann viel Zeit vergehen und man selber steht dann da und denkt so, eigentlich habe ich ja jetzt nichts anders gemacht als sonst. Die letzten Jahre habe ich mich vielleicht nach einem bestimmten Schema ernährt. Ich habe nichts geändert. Wieso fühle ich mich jetzt auf einmal schlapp? Vielleicht ist dann der Punkt nach mehreren Jahren gekommen, wo eben dieser körpereigene Speicher leergefressen ist, ohne dass ich wie gesagt merke. Ohne ein Blutbild oder einen Bluttest bekomme ich halt nie die Gewährleistung und nie die Sicherheit, wo stehe ich jetzt gerade.

Stefanie Also so einen Bluttest kannst du natürlich auch dazu nutzen, dass du dann anderen Kritikern zeigen kannst, dass mit dir alles okay ist. Also dafür ist es eben auch gut, nicht nur für dich, sondern wenn du das Gefühl hast, du musst irgendwie dich rechtfertigen, dann kannst du dieses Blutbild auch dafür nutzen.

Carsten Genau. Ganz zum Schluss möchte ich noch mal so einen Aspekt mit einbringen, den ich zumindest im Internet häufig gesehen hatte. Da ging es dann darum, dass das Nehmen von Tabletten, um diesen Vitamin-B12 Haushalt sicherzustellen, als unnatürlich dargestellt wurde. Und das ist natürlich häufig ein Argument gewesen, was anderen Veganern entgegengebracht wird. Vegan sei ja per se unnatürlich, weil ich eben Tabletten nehmen muss. Ja, das ist aus meiner Sicht eigentlich ein total dummes Argument, weil wenn ich jetzt diese Messlatte Natürlichkeit ansetze, dann dürfte ich eigentlich gar nichts mehr machen. Dann müsste ich das Leben, was ich heute so führe, von der Art und Weise, wie wir uns fortbewegen, der Art und Weise, was wir essen, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, was ich heute anziehe, wo ich schlafe, wie ich wohne etc., all das ist überhaupt nichts mehr im Vergleich zum natürlichen Ursprung, wo wir vielleicht evolutionsbiologisch mal gestartet sind.

Stefanie Ja.

Carsten Oder wo unsere Gene noch heute hängen. Ja.

Stefanie Ach ja … Paleo, vegan, weißt du. (lacht)

Carsten Vegan, Paleo, vegan, wie auch immer, Frauen waren ja per se immer schon Veganer, weil die ja immer die Sammlerinnen waren und die Männer waren die Jäger, oder? Solche Argumente habe ich immer gehört. Also dieses Natürliche, das ist einfach ein dummes Argument, ignoriert das, nehmt lieber eine Tablette, als dass ihr ein Tier sterben lassen müsst, um euer Vitamin B12 zu bekommen.

Stefanie Du „ihrst“ schon wieder so sehr.

Carsten Ja, ich „ihre“. Ich irre. Ja, wir waren eigentlich beim Du.

Stefanie Ja. Also nimm lieber eine Tablette.

Carsten Genau. Und bist du auf der sicheren Seite. Und. Punkt.

Stefanie Genau. So, damit wollen wir das jetzt auch beenden, oder?

Carsten Genau das war das, was wir zum Vitamin B12 sagen können.

Stefanie Wenn du uns auch noch was zu sagen hast, dann gerne. Und wir freuen uns immer. Wir sind ja offen für Diskussionen. Das ist ja jetzt nicht so, dass wir hier irgendwie als die Gurus auftreten wollen, sondern wir wollen einfach nur mit dir unseren Kenntnisstand teilen. Und wenn du dann noch mehr dazu beitragen kannst, freuen wir uns. Und wenn du noch Fragen hast, auch gerne. Schreib uns einen Kommentar oder eine E-Mail.

Carsten Richtig, freuen wir uns drauf.

Stefanie Genau. So, jetzt du.

Carsten In diesem Sinne ...

Stefanie ... in Hamburg sagt man tschüss ...

Carsten … und auf Wiedersehen.

Folge 9 - Die wichtigsten Nähr­stoffe für Veganer

Ein Beitrag

Folge 9 - Die wichtigsten Nährstoffe für Veganer

In dieser Folge

  • klären wir woher Du als Veganer die wichtigsten Nährstoffe bekommst,
  • reden über Blutbilder und Mangelerscheinungen
  • und erzählen Dir von unseren Erfahrungen rund um das Thema Nährstoffe.

So bleibst du auf der sicheren Seite: Mach einmal im Jahr einen Bluttest und lasse Holo-TC, Holocystein und Ferritin (Speichereisen) messen.

Links zur Folge

Frei zugängliche Nährwerttabellen und Übersichten findest Du z.B. hier:

Vegan Taste Week
http://vegan-taste-week.de/ernaehrung/naehrstoffe

Peta2
http://www.peta2.de/naehrwerttabelle

Als Teil des Startpakets von beVegt
http://www.bevegt.de/startpaket/

Weiterführende Infos findest Du hier:

Podcastfolge von beVegt zum Thema Protein:
http://www.bevegt.de/eiweiss-protein-podcast/

Vegan leben mit Kind:
http://www.tofufamily.de/category/vegane-kinderernaehrung/

Unsere Podcast-Folge zum Vitamin B12 findest Du hier:
http://du-veraenderst-die-welt.de/podcastfolgen/folge-10-alles-dreht-sich-um-b12

Transkript (Korrektur gelesen von Birgit G.)

Stefanie In dieser Folge sprechen wir über Nährstoffe und insbesondere auch B12.

Carsten Wir möchten einen kleinen Abriss darüber geben, wie es sich mit Nährstoffen verhält, wenn man auf die vegane Ernährung umstellt. Es ist immer ein sehr bekanntes und beliebtes Thema und häufig auch eine Fragestellung, wo bekommt man denn diese und jene Nährstoffe her? Und wir versuchen heute so ein bisschen Hintergrundinformationen beizusteuern und Ängste zu nehmen.

Stefanie Als ich noch Vegetarierin war, haben mich Nährstoffe nicht interessiert. (lachen) Da habe ich einfach gegessen, was ich wollte, und habe mich nicht so drum gekümmert. Du hast dich ja schon immer darum gekümmert.

Carsten Nährstoffe waren immer mein Thema, genau.

Stefanie Und bei mir war es so, dass ich erst bei dem Umstieg auf vegan gemerkt habe, ich muss mich doch mal kümmern, weil das dann mit dem B12 ein Problem war.

Carsten Genau, halt die kritischen Nährstoffe.

Stefanie Und du wolltest jetzt aber erst mal auf die anderen Nährstoffe eingehen und das B12 dann später behandeln.

Carsten Genau, Vitamin B12 machen war quasi zum Schluss, weil es aus meiner Sicht eben der kritischste Nährstoff ist. Da wollen wir ein bisschen mehr zu sagen und ich würde jetzt einfach mal so anfangen mit dem bekanntesten Nährstoffthema. Protein oder Eiweiß. Wo kriege ich das denn her?

Stefanie Where do you get your Protein? (lacht)

Carsten Also um es vorweg zu sagen, eigentlich ist das ein No-Brainer. Da braucht man nicht drüber nachdenken. Man kann gar nicht zu wenig Protein zu sich nehmen, wenn man sich einigermaßen ausgewogen ernährt. Das ist eigentlich in fast allen Lebensmitteln enthalten, wenn man nur so ein bisschen in Richtung Getreide oder Hülsenfrüchte unterwegs ist, Nüsse oder Kartoffeln zu sich nimmt, dann hat man auf alle Fälle genügend Proteinquellen. Ich nehme jetzt noch so ein paar Produkte, die eigentlich standardmäßig auf jedem Esstisch vorhanden sein sollten: Brot, Haferflocken, Nudeln, Reis, Hirse, diverse Bohnen, Linsen. Vielleicht ein bisschen exotischer, diese sogenannten Pseudogetreide wie Quinoa, Amaranth oder neuerdings auch die Chia-Samen. Dann gibt es eben auch diese ganze Tofu-Palette von reinem Tofu, Sojamilch, Soja in diversen Geschmacksrichtungen oder Verarbeitungsstufen. Seit einiger Zeit auch Lupinen. Das sind so die die namentlichen Proteinquellen, wo man eigentlich überhaupt gar kein Problem mit hat. Die sollten eigentlich in jeder Grundernährung enthalten sein oder zumindest eins von diesen Produkten, was ich gerade genannt habe.

Stefanie Ja, und ich habe auch so Comics gesehen, wo dann so ein Gorilla gefragt wird, wo bekommst du denn dein Protein her? (beide lachen) Wieee, du kannst auch ohne Fleisch überleben? Also es ist tatsächlich machbar, eben auch Muskeln aufzubauen.

Carsten Ja, absolut. Einer der stärksten Menschen der Welt, Strongman Patrik Baboumian ...

Stefanie Den hatten wir ja auch schon genannt und den können wir auch noch mal verlinken.

Carsten … ist seit 2013 Veganer und schaut mal im Internet ein bisschen die Videos an, dann merkt man einmal, dass das Protein oder Eiweiß überhaupt gar kein Thema ist. Also wie gesagt, das ist ein No-Brainer und man muss sich schon selten dämlich anstellen, um zu wenig Protein zu sich zu nehmen. Also im Gegenteil, das was für die vegane Ernährung spricht, ist, wenn man sich im Hinterkopf behält, dass der Normalesser, wenn ich jetzt so einen Fleischesser als Normalesser bezeichnen darf, ein Omnivor durchschnittlich doppelt so viel Protein zu sich nimmt, wie eigentlich empfohlen ist. Und wenn ich mir anschaue, so Fleisch, so roundabout 20 % Protein und die meisten Getreidesorten liegen so um 10, 15 %. Also ich sag jetzt mal so ein bisschen pi mal Daumen ungefähr die Hälfte von dem, was Fleisch hat, dann kann man ja eins und eins zusammenzählen und feststellen, eigentlich die Menge Protein, die man auch täglich braucht, ohne dass der Körper damit überfordert ist, die kriege ich aus rein pflanzlicher Ernährung.

Stefanie Ich hatte auch, glaube ich zum Beispiel gesehen, dass man so ein Schweinesteak oder was das da war, im Vergleich weniger Protein hat als Hülsenfrüchte, als so ein Linsengericht, meine ich. Oder war das was anderes?

Carsten Das kann durchaus sein.

Stefanie Irgendwie so was hatte ich schon gesehen. Oder gleichviel, also eben einfach um zu zeigen, es ist machbar.

Carsten Und Soja steht natürlich komplett außen vor, so ungefähr 40 Gramm Eiweiß auf 100 Gramm Trockenmasse. Das ist unangefochten, also da kriegt man kein Fleisch oder so was, da muss man schon Proteinpulver ins Fleisch reinmischen, damit man dann nochmal einen höheren Proteingehalt reinbekommt.

Stefanie Nun, manche wollen eben auch kein Soja essen. Deswegen ist es halt ganz gut zu wissen, du kriegst dein Protein auch über andere Wege, nicht nur über Soja.

Carsten Genau. Ist also überhaupt gar kein Thema. Macht euch da überhaupt gar keine Sorgen. Wie gesagt, man muss sich selten dämlich anstellen, um einfach unterversorgt zu werden mit Protein.

Stefanie Und das nächste ist dann Eisen. Das war ja auch schon als Vegetarier ein Problem, dass es immer hieß, Vegetarier haben Eisenarmut. Ich während meiner Schwangerschaft hatte einen besseren Eisenwert als die Fleischesserinnen. Also ich hatte immer einen super Eisenwert, einfach aus dem Grund, weil ich morgens Müsli gegessen habe und dazu frisch gepressten Orangensaft.

Carsten Genau, das ist eigentlich schon genau die Formel, nimm Getreide und Vitamin C.

Stefanie Haferflocken zum Beispiel.

Carsten Vitamin C sorgt dafür, dass das Eisen, pflanzliches Eisen viel besser absorbiert werden kann im Verdauungsbereich. Und dann hast du eigentlich das Problem nicht mehr. Das ist auch eigentlich ein No-Brainer.

Stefanie Du und dein No-Brainer. (lacht)

Carsten Ich find den Begriff ziemlich ...

Stefanie Merke ich schon. Also denk dir mal was Neues aus hier.

Carsten Also keinen Gedanken daran verschwenden. Einfach versuchen ganz normal Haferflocken oder irgendwelche anderen Flocken. Also das, was normale Müslizutat ist, oder Scheibe Brot oder so was, Getreide, ein bisschen Vitamin C mit rein. Das kann eine Frucht sein, das kann Orangensaft sein, das kann jetzt mal TK-Obst sein, was man sich vielleicht reinmischt. Also all das ist gar kein Problem. Wir haben Vitamin C, Entschuldigung, wir haben Eisen eigentlich nie wirklich als Präparat zu uns genommen, haben nie drauf geachtet und deine Erfahrung mit dem hervorragenden Eisenwert, die kann ich bestätigen. Zu meiner Zeit im letzten Jahr als Veganer habe ich zweimal meinen Eisenwert messen lassen. Das war einmal im Sommer, da war ich ungefähr, ich sag jetzt mal maximal ein halbes Jahr Veganer. Da hieß es dann bei den Laborergebnissen, als die mir dann kundgetan wurden, dass der Arzt oder die Arzthelferin sich wünschen würde, dass alle anderen Patienten ähnlich hervorragende Eisenwerte bekämen oder hätten. Und dann habe ich im Dezember noch mal Blutanalyse machen lassen und da habe ich dann einen konkreten Wert bekommen. Das war irgendwie so einer vom vom Labor, ein Messwert, wo das Labor bis maximal 600 Einheiten misst. Ich weiß jetzt nicht was für Einheiten, aber der Pegel war 600. Und zu dem Zeitpunkt oder an dieser Stelle hat das Labor auch gar nicht mehr weiter gemessen und mein Eisenspiegel im Blut war bis zu diesem Messwert vorhanden. Also wahrscheinlich noch deutlich drüber, aber das Labor hat nicht mehr gemessen. Wie gesagt, ich weiß jetzt nicht mehr was für eine Masseinheit.

Stefanie Also alles paletti.

Carsten Tiptop. Wer trotzdem noch mal wissen möchte, wo ist denn Eisen, pflanzliches Eisen überhaupt drin: Also wie gesagt, Haferflocken oder sonstige Flocken, generell Vollgetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse oder Sonnenblumen und Kürbiskerne. Im Grunde genommen derjenige, der Müsli isst, der wird eigentlich nie Probleme haben, zu wenig Eisen zu sich zu nehmen.

Stefanie Also für die bessere Aufnahme des Eisens eben Vitamin C dazu.

Carsten Dann haben wir noch Kalzium. Das ist ja auch öfters mal so ein Thema, wo die Frage aufkommt, wo kriege ich denn mein Kalzium her, wenn ich mein Glas Milch nicht mehr trinken darf?

Stefanie Die Kuhmilch?

Carsten Ja, die Kuhmilch.

Stefanie Was machen wir da?

Carsten Ja, was machen wir dann da? Also ich würde sagen, wir essen einfach Grünkohl oder Brokkoli oder. Andere grüne ...

Stefanie Bäh, Grünkohl!

Carsten Getreidesorten. Sesam, ganz klar. Also Sesam ist fast schon unangefochtene Spitze, was Kalziumgehalt betrifft, kann man mit ins Müsli mischen, oder das, was wir mittlerweile machen, ist ...

Stefanie … unser grüner Smoothie.

Carsten Grüner Smoothie, morgens.

Stefanie Immer noch mit dem Pürierstab. Wenn wir dann irgendwann einen Mixer haben, dann ist er wahrscheinlich auch viel smoother. (lacht)

Carsten Aber schmeckt trotzdem schon sehr gut.

Stefanie Ja, aber der sieht noch nicht so werbemäßig aus. Er hat noch kleine Stückchen. Also von daher, wenn er wirklich smooth ist, dann trinke ich vielleicht auch den Grünkohl-Smoothie. Aber im Moment mit unserem Pürierstab gibt es keinen Grünkohl-Smoothie. Das kann er nicht.

Carsten Aber wir mischen halt nicht nur … übrigens haben wir gar nicht gesagt, was wir reinmischen.

Stefanie Im Moment mischen wir Feldsalat, Banane, Wasser und das Sesammus.

Carsten Sesampaste, genau, Tahini oder Sesammus. Das ist nichts anderes als Sesam zu Mus verarbeitet. Hochkonzentriert.

Stefanie Könnte man auch selbst machen. Aber wir haben ja eben noch nicht so ein Hochleistungsding, also kaufen wir es noch.

Carsten Ja, genau. Es ist doch gar nicht so teuer. Also ich kaufe es bei einem türkischen Lebensmittelhändler, da gibt es größere Abpackungen.

Stefanie Ist das ein Kilo?

Carsten 800 Gramm.

Stefanie 800 Gramm und das war 6 €.

Carsten So um die 6 €. Da gibt es manchmal ein bisschen günstiger, aber jetzt so regulärer Preis sind so 6 €. Also ich denke, für den Preis ist das echt ...

Stefanie Wir machen ja auch nur einen Esslöffel für uns beide rein, also hält es schon ein bisschen länger. Aber das mit dem Sesammus macht das in dem Smoothie so eine milchartige Konsistenz, das ist voll lustig. Das hatte ich vorher gar nicht gedacht. Aber es schmeckt dann wirklich ein bisschen so wie ein Milchshake.

Carsten Ja, genau. Also das ist schon cool.

Stefanie Ja, eigentlich hatten wir Kokoswasser auch mal drin, aber da sind wir aus Kostengründen wieder von abgekommen.

Carsten Das ist dann schon so im Bereich Superfood. Das muss man sich leisten können, wollen.

Stefanie Genau, das muss man sich leisten wollen.

Carsten Sesam, dunkelgrünes Gemüse, Mandeln sind eine sehr gute Quelle und darüber hinaus findet man aber auch genügend angereicherte Lebensmittel mit Kalzium, also Sojamilch oder Pflanzenmilch.

Stefanie Ja genau, Hafermilch mit Kalzium.

Carsten Genau, nimmt man mit rein. Oder halt Mineralwasser.

Stefanie Mineralwasser, genau. Ist eigentlich im Leitungswasser Kalzium drin?

Carsten Nicht wirklich. Das ist ja schon durch die Kläranlagen ein bisschen anders aufgearbeitet als Mineralwasser.

Stefanie Das heißt, das Mineralwasser wird aber angereichert damit oder kommt das so?

Carsten Nein, das kommt aus dem Boden. Das ist durch die Mineralschichten, die da quasi im Untergrund wirken.

Stefanie Also davon kommt das Kalzium.

Carsten Nimmt das beim Weg nach unten in die Wasservorräte, quasi genügend Mineralstoffe zu sich.

Stefanie Okay, aber wir trinken ja eigentlich nur Leitungswasser, sollten eigentlich dann investieren in kalziumreiches Mineralwasser, oder?

Carsten Ich denke, dadurch, dass wir im Grunde genommen durch das Mus und durch das Müsli etc., da sehe ich eigentlich nicht das Problem. Und du hast ja auch die Hafermilch, da kaufen wir auch die mit Kalzium, weil sie eigentlich genauso teuer ist wie die ohne Kalzium.

Stefanie Genauso viel wie die ohne Kalzium. Schmeckt jetzt auch nicht irgendwie anders. Da ist irgendeine Alge drin, glaube ich.

Carsten Ja, das sind die aus einer Meeresalge. Frag mich jetzt nicht nach dem Namen, das ist so ein ganz exotischer Begriff, den müsste ich wirklich ablesen.

Stefanie Okay, was haben wir noch?

Carsten Weiteres Thema sind Omega-3-Fettsäuren oder Fettsäuren allgemein. Was die speziellen Omega-3-Fettsäuren betrifft: Da ist das Einfachste, was man machen kann: Leinsamen. Sollte man schroten, damit eben die Omega-3-Fettsäuren besser vom Körper aufgenommen werden können. Aber ansonsten ist es halt super günstig.

Stefanie Ja, die kann man auch schon geschrotet kaufen, da kosten sie nur 0,20 € mehr als ungeschrotet.

Carsten Man kann sie halt normal kaufen und holt dann irgendwie so einen kleinen Kaffeemixer, wollte ich gerade schon sagen.

Stefanie Kaffeemixer! (lacht)

Carsten Kaffeebohnenzerstörer. (lacht)

Stefanie Kaffee-Smoothie-Macher. (lacht)

Carsten Man kann aber auch Leinöl nehmen.

Stefanie Leinöl ist super. Muss man sich ja wieder leisten wollen, oder?

Carsten Nein.

Stefanie Also ich dachte, das wäre so.

Carsten Ja gut, die Flaschen sind, ich glaube, mit 200 oder 250 Milliliter nicht die größten. Also jetzt nicht so wie Sonnenblumen- oder Olivenöl, aber die liegen auch, glaube ich, nur bei 2,50 € oder so was.

Stefanie Ja gut, also im Verhältnis ist es aber schon irgendwie ...

Carsten Ja, aber du nimmst jetzt nicht mehrere Esslöffel davon.

Stefanie Weiß ich das? Vielleicht möchte ich ja gerne. (lachen) Ich brauche doch Omega-3.

Carsten Das kannst du. Du kannst aber auch andere Ölsorten nehmen. Nimmst du Rapsöl, Hanföl oder Walnussöl oder Walnüsse. Also perfekt, muss ich nicht unbedingt ganz ins Meer und irgendwelche Fische oder so was wildern, sondern kriegt das alles irgendwie relativ ...

Stefanie Die Meere sind eh leer, das kommt also aus der Aquakultur. Okay, und dann?

Carsten Ja, dann habe ich natürlich noch Thema Folsäure. Folsäure ist etwas, wo eigentlich jeder drauf achten sollte, egal ob er jetzt Fleisch isst oder sich vegetarisch oder vegan ernährt.

Stefanie Ist es denn für Männer auch so wichtig? Folsäure kenne ich immer nur für Frauen.

Carsten Doch, Folsäure ist generell wichtig für Männer.

Stefanie Generell für Männer, nur für Männer. (lacht) Also bei den Frauen ist das ja … Okay. Also wofür ist das wichtig?

Carsten Also Folsäure ist generell für die Zellbildung wichtig.

Stefanie Genau, das war das. Zellerneuerung, deswegen während der Schwangerschaft.

Carsten Ganz genau. Schon fast kritischer Nährstoff. Ich mach mir da weniger Sorgen, weil ich hatte ja ...

Stefanie Willst ja nicht schwanger werden.

Carsten Nee, werde ich glaub ich auch so schnell nicht mehr.

Stefanie Nicht mehr. Du hast das schon hinter dich gebracht. Menopause, Menopause. Ja, ja, ja.

Carsten Ich hatte im Dezember meinen Vitamin-B12-Speicher auffrischen lassen und bin da beim Arzt gewesen und habe mir entsprechende Spritzen geben lassen. Und diese Spritzen hatten nicht nur Vitamin B12, sondern der Arzt hat dann gleich so ein Kombipräparat mitgegeben, wo auch Folsäure mit drin ist. Also von daher beides in einem Rutsch auffrischen lassen und deswegen bin ich da auf der sicheren Seite. Muss man aber nicht spritzen lassen, kann man auch über ganz normale Nahrungsmittel zu sich nehmen. Einige davon sind auch wieder das grüne Blattgemüse. Wo wir vorhin schon beim Kalzium waren, Bohnen und du bekommst es über Hefeextrakte, Kohlsorten haben es, viele Nüsse haben es. Wer gerne Spargel isst, ist da auf der sicheren Seite. Oder Vollkornprodukte bzw. auch Weizen, Keimlinge oder Weizenkeime, die enthalten auch entsprechend Folsäure.

Stefanie Okay.

Carsten Ja, dann haben wir noch mal einen Nährstoff, Jod. Da komme ich ins Schwimmen, weil Jod selber relativ selten vorzufinden ist. Meistens versucht man das dann schon über jodiertes Speisesalz zu sich zu nehmen.

Stefanie Aber Jod wird doch auch relativ kritisch gesehen, oder?

Carsten Zu viel, ja.

Stefanie Ich habe gelesen, zu viel Jod und dann heißt es aber wieder, wir würden generell zu wenig Jod zu uns nehmen. Und ich habe auch schon gelesen, dass man Jod auf jeden Fall irgendwie – was, wie viel? – irgendwie gab es da eine Empfehlung, so und so viel µg soll man zu sich nehmen.

Carsten Es ist sehr kontrovers diskutiert. Ich weiß auch noch nicht ganz genau, wo wir uns jetzt einpendeln sollten. Da bin ich selber noch nicht so wirklich schlau draus geworden. Ich weiß, dass Jod bei den pflanzlichen Nahrungsmitteln häufig nur bei Algen vorzufinden ist. Die finden ja relativ seltenst den Weg auf den Speiseplan. Also Sushi ist da jetzt mal außen vor gelassen.

Stefanie Wir haben einmal Algen ausprobiert, aber irgendwie war das nicht so ... Ich bin eh kein Meeresfrüchte-Fan, noch nie gewesen.

Carsten Ja und von der Dosierung ist es natürlich auch schwierig. Also wenn man jetzt diese Höchstgrenzen anschaut und dass man nicht zu viel nehmen soll, weil dann vielleicht die Schilddrüse und der Stoffwechsel beschleunigt wird und, und, und. Also da weiß ich ehrlich gesagt nicht so recht. Also ich denke mal, jodiertes Speisesalz oder eben durch andere Zugaben. Häufig werden ja auch andere Produkte mit Jod angereichert. Ich denke mal, Pflanzendrinks gibt es mittlerweile auch schon so ein bisschen mit Jod. Ich würde jetzt persönlich denken, dass das ausreicht.

Stefanie Ja, ich denke, wir verlinken noch auf verschiedene Übersichten, die wir gefunden haben im Internet von verschiedenen Anbietern, Blogs und Organisationen, also Nährstoffübersichten, was man so machen sollte. Und da steht dann auch teilweise drin, was die empfehlen an Jod zu sich zu nehmen, ob man dann Nahrungsergänzungsmittel nehmen soll oder eben jodiertes Speisesalz oder so was. Also da lassen wir dich nicht einfach so mit dieser vagen Aussage stehen, sondern du kannst dann nochmal nachlesen und dir eben deine eigene Meinung bilden dazu.

Carsten Genau. Was ich noch dazu sagen möchte, Jod ist kein Thema, was nur Veganer oder Vegetarier betrifft, sondern Jod ist auch für Fleischesser das Thema. Weil ich bekomme diesen Stoff auch nicht übers Fleisch. Last but not least, was die normalen Nährstoffe betrifft: Vitamin D wird häufig genannt. Ich selber musste mich da im Laufe der letzten Monate so ein bisschen einfuchsen und einlesen, weil ich ehrlich gesagt vorher dieses Thema völlig ignoriert habe. Mittlerweile bin ich aber vom Informationsstand da, dass ich weiß, Vitamin D wird zwar durch Sonnenlicht synthetisiert oder dein Körper kann es selber synthetisieren, vorausgesetzt genügend Hautfläche wird der Sonne ausgesetzt, aber auch dann nur, wenn entsprechend UVB-Strahlung an die Haut herankommt. Was ich jetzt in letzter Zeit immer wieder mitbekommen habe, ist, dass diese UVB-Strahlung gerade in den Wintermonaten bei uns aufgrund des niedrigen Sonnenstandes, also der Winkel, den die Sonne dann zu unseren Breitengraden hat, der filtert entweder alles oder einen Großteil des UVB-Strahlspektrums aus, sodass wir in den Wintermonaten eigentlich gar nicht in der Lage sind, genügend Vitamin D selber über die Haut aufzunehmen oder Sonne aufzunehmen, um Vitamin D zu synthetisieren. Das heißt jetzt nicht, dass ich latent einen Vitamin-D-Mangel ausbilden muss, vorausgesetzt, ich bin jetzt in den Sommermonaten relativ lange und häufig an der Sonne, dann kann ich meinen Vitamin-D-Speicher auffüllen. Aber ich habe natürlich ein Problem, wenn ich zum Beispiel dunkelhäutig bin. Also ein hoher Pigmentanteil in der Haut sorgt dafür, dass wenig Vitamin D gebildet wird.

Stefanie Wobei ich jetzt bei Kathrin und Daniel von dem Bevegt-Blog, dem Läuferblog, gelesen hatte, dass die auch dazu raten, dass man Vitamin D in der dunklen Jahreszeit supplementiert mit Nahrungsergänzungsmitteln. Und die sind ja als Läufer eigentlich häufig draußen, würde ich denen mal unterstellen.

Carsten Die laufen sicher nicht im Wohnzimmer. (lacht)

Stefanie Wenn die das schon raten, dann denke ich auch, dass es sinnvoll ist, dass jeder eben generell in den dunklen Monaten, sag ich mal, im dunklen Halbjahr von Oktober bis April oder bis März das wirklich supplementiert.

Carsten Ich denke auch. Also Supplemente sind nicht unbedingt so teuer und man tut sich eigentlich einen Gefallen damit. Es gibt auch noch Nahrungsmittel, die enthalten Vitamin D, das sind zum Beispiel Avocados, Champignons. Teilweise wird Vitamin D in Margarine noch eingebracht, aber das sind alles Nahrungsmittel, die vielleicht vom Mengenverhältnis nicht so häufig und üppig auf dem Speiseplan stehen, dass man da eben seinen normalen Tagesbedarf über längere Strecken mit deckt. Und deswegen würde ich auch empfehlen, nehmt Supplemente zu euch, Tabletten. Ich weiß nicht, ob es als Spritze oder so was erhältlich ist, aber wir nehmen halt Tabletten und fahren damit im Moment eigentlich ganz gut.

Stefanie Ja.

Carsten In diesem Sinne ...

Stefanie … in Hamburg sagt man Tschüss ...

Carsten … und auf Wiedersehen.

Folge 8 - Veganer werden niemals krank.

Ein Beitrag

Folge 8 - Veganer werden niemals krank.

In dieser Folge

  • erzählt Carsten von seinem Vorhaben nie wieder krank zu werden,
  • berichten wir dir von unseren Erfahrungen in Bezug auf Erkältungen
  • und kommen noch einmal auf den Mythos Milch zu sprechen.

Links zur Folge

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge wollen wir darüber reden, dass man als Veganer·in niemals wieder krank wird.

Carsten Genau das ewige Leben versprechen wir. Ob wir es halten können, wissen wir nicht ganz genau. Nein, im Ernst: Wir haben im Grunde genommen unsere eigenen Erfahrungen im Laufe des letzten Jahres gemacht, was das Thema Gesund bleiben betrifft. Und da wollen wir ein bisschen drüber reden und dir davon berichten.

Stefanie Genau. Also erst mal warst du gar nicht gesund. Das lag aber an deinem B12 Mangel.

Carsten Genau. Genau. Ich würde sogar nochmal einen Schritt zurück oder weiter zurück in die Vergangenheit gehen. Das trifft eigentlich so den Punkt, an dem ich mich entschieden habe, vegan zu werden. Der ist bei mir gesundheitlich geprägt gewesen und ich habe das damals im Zusammenhang mit einem Podcast gehört. Den nenne ich jetzt noch mal kurz. Das ist vom Titel her „Mythos Milch“ vom SWR2.

Stefanie Den haben wir auch schon in der Pilotfolge verlinkt, den verlinken wir auch hier noch mal.

Carsten Der Podcast selber läuft eine halbe Stunde und die letzte Viertelstunde geht auf den Bereich Gesundheit ein. Und da habe ich dann gemerkt, inwiefern Milchkonsum sich auf das Immunsystem auswirkt. Ich will den Podcast jetzt nicht in der epischen Breite erklären, für mich war das maßgebliche Kriterium, dass ein bestimmtes Milchprotein im Darm eigentlich nicht wirklich verarbeitet werden kann und vom Immunsystem als Eindringling behandelt wird und das Immunsystem versucht dort entsprechend zu reagieren, indem die weißen Blutkörperchen aktiv werden und dieses Protein versuchen zu verstoffwechseln oder damit umzugehen. Was im Umkehrschluss heißt, dass ein Großteil des Immunsystems eigentlich im Darm steckt, also per se schon steckt. Aber auch die weißen Blutkörperchen, die sonst eigentlich frei zirkulieren könnten, werden im Darm festgehalten, um den Milchkonsum irgendwie zu stemmen. Und da habe ich einfach gemerkt: Mensch für Irrsinn, ich will eigentlich gesund werden. Meine komplette Ernährung im Laufe meines Lebens, ich sag jetzt mal meiner zweiten Lebenshälfte, die ich bisher genießen durfte, war stark geprägt davon, dass ich diesen gesundheitlichen Aspekt berücksichtige. Und ich habe da mit dieser Information gemerkt, ich mache eigentlich genau das Falsche.

Stefanie Deine zweite Lebenshälfte Wann hat denn deine zweite Lebenshälfte angefangen genau, also jetziges Alter durch zwei?

Carsten Ja genau. Also die ansonsten reale zweite Lebenshälfte, die steht ja noch vor mir.

Stefanie Eigentlich willst du ja unendlich leben, also wirst du nie eine zweite Lebenshälfte haben. Aber zurück zu deinem Darm.

Carsten Ja, also meine Blutkörperchen, die dann nicht mehr frei zirkulieren konnten. Und mir ist klar geworden okay, also selbst bei einer kleinen Erkältung oder so was werde ich ein Problem haben, weil das Immunsystem erst mal damit zu tun hat die Milch, die ich konsumiere, irgendwie zu verarbeiten, anstatt die ganzen Viren, Bakterien etc. was dann auf mich zukommt. Und ich weiß nicht, ob irgendjemand das belächelt hat, aber für mich war stand fest, dass ich Ende vorletzten Jahres als Vorsatz für das neue Jahr genommen habe. Dadurch, dass ich jetzt Vegan werde, möchte ich auch ein Ziel haben, in diesem Jahr nicht mehr krank zu werden.

Stefanie Und dann bist du krank geworden.

Carsten Dann bin ich krank geworden. Nee.

Stefanie Ähm.

Carsten Ja, ja, ich bin ein bisschen krank geworden, das gebe ich zu. Aber nicht unmittelbar.

Stefanie Und nicht direkt nach dem Vorsatz.

Carsten Nicht direkt nach dem Vorsatz.

Stefanie Hat eine unsichtbare Hand zugeschlagen und dich niedergestreckt oder so... Wann hast du eigentlich „Darm mit Charme“ gelesen? War das davor oder danach? Aber ich glaube danach. Ich habe dieses Buch „Darm mit Charme“ von Giulia Enders nur so ein bisschen durchgeblättert. Ich meine, dass sie auch schreibt, dass das mit der Milch nicht so prall ist für den Darm, oder?

Carsten Ja, ich glaube aber, das haben wir erst nach der Umstellung auf die vegane Ernährung angelesen.

Stefanie Na ja, jedenfalls jetzt habe ich dich unterbrochen. Was wolltest du eigentlich sagen, bevor Gott dich abgestraft hat?

Carsten Bevor Gott mich abgestraft hatte? Ich wollte noch mal auf meine Krankheitsgeschichte eingehen. Also, in der Tat bin ich krank geworden. Ich habe ein paar Erkältungen gehabt, ich glaube, zwei oder drei. Aber die sind längst nicht so massiv ausgefallen, wie es in den Jahren vorher der Fall war. Also das war wirklich phänomenal und auch so prägend, dass mir das bewusst geworden ist, dass diese Erkältung innerhalb von drei Tagen komplett verschwunden sind. Die sind noch nicht mal richtig ausgebrochen.

Das war so ich bei mir. Deutet sich eine Erkältung immer durch Kratzen im Hals an und in der Vergangenheit konnte ich da wirklich den Wecker nach stellen. Also wenn ich einen Tag an einem Tag dieses Kratzen festgestellt habe, wusste ich, am nächsten Tag ist die Nase dicht und spätestens am zweiten Tag bin ich voll mit Erkältungsbeschwerden konfrontiert und das zieht sich dann oder hat sich in der Vergangenheit immer so diese obligatorische Woche hinweggezogen. Ja, es spielt auch gar keine Rolle, was ich da gemacht habe. Also es war immer dann die komplette Woche. Teilweise habe ich dann auch wirklich flach gelegen.

Und im letzten Jahr, wo ich dann schon vegan war, habe ich dann einfach festgestellt, okay, da kommt dieses Kratzen. So am nächsten Tag habe ich dann so ganz leichte Beschwerden gefühlt. Dann der nächste Tag selber waren die Beschwerden schon fast weg und dann am vierten Tag habe ich gar nichts mehr gemerkt. Es hat drei Tage gedauert und ist aber wirklich nie ausgebrochen. Das habe ich so zwei, dreimal im Jahr gehabt und da habe ich dann irgendwann gemerkt: Ja, da ist tatsächlich irgendwo ein Infekt drin, also es bricht nicht aus, es ist stark verkürzt, und eigentlich habe ich nie darunter gelitten. Das war nicht so, dass ich irgendwie komplett im Bett gelegen habe, sondern es hat mich so nicht beeinträchtigt.

Stefanie Ich bin schon krank geworden, ich war auch erkältet. Aber gut, damit können wir natürlich auf jeden Fall sagen, dass vegane Ernährung Erkältungen und Krankheiten nicht ausschließt. Da spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle. Genau. Also wenn es einem irgendwie psychisch nicht so gut geht, wenn man ein bisschen im Stress ist oder so, also Stress ist auf jeden Fall ein guter Faktor, dann nützt auch die beste Ernährung nichts. Dann liegt man flach.

Carsten Ja, dann ist es klar, dass das Immunsystem einfach so geschwächt, dass man dann auch durch - keine Ahnung, so viel Obst und Gemüse wie man essen möchte - nicht unbedingt so diesen Abwehrschild dann wieder hochzieht. Ja.

Stefanie Eine Freundin von mir meinte ja auch sie liegt meistens einmal im Jahr richtig flach und freut sich da schon drauf, weil sie meint, dass sie dann endlich mal einfach zu Hause ausspannen kann sozusagen. Sie erlaubt, sich dann nur auszuspannen, wenn sie krank ist. Und das ist natürlich auch ein ziemlich krasses Zeichen für Stress.

Carsten Ja.

Stefanie Also so, dass du dir keine Auszeit nehmen kannst, weil du so viel arbeiten musst, also auch selber sagst, du musst so viel arbeiten und dann nur ausspannen darfst, wenn du krank bist.

Carsten Also ob sich der Körper jetzt diese Auszeit dann holt in dem Moment.

Stefanie Ja, ja, aber das ist ja auch häufig so, was wir so beobachten. Ich habe jetzt heute gelesen, Kurkuma und Ingwer sind so toll gegen Erkältungen.

Carsten Ja, das stimmt. Aber bei uns gibt es im Moment nicht mehr so viel Ingwer.

Stefanie Haben wir irgendwie so schlechte Darmerfahrungen mitgemacht... Das war sehr Verdauungsfördernd.

Carsten In einem Maße, was schon nicht mehr schön war. Also bei mir jetzt und ja, jetzt haben wir, ich muss sagen, hier diesen neuen Tee, den wir da geholt haben, da ist Ingwer drin.

Stefanie Den haben wir nicht geholt, den habe ich geschenkt bekommen.

Carsten Geschenkt bekommen. Aber den trinke ich jetzt auf der Arbeit auch schon mal, okay. Also im Moment pendelt es sich ein. Ich glaube, das ist die Dosis. Und auch wenn ich über längere Zeit.

Stefanie Zu viel ist, sowieso nie gut. Aber Kurkuma hast du ja auch in deinem Müsli.

Carsten Genau, das gehört einfach dazu. Wobei das hatte ich auch, bevor ich vegan geworden. Ja, da hatte ich das auch schon.

Stefanie Und warst trotzdem krank war, die kleinen Blutkörperchen, da hat das bisschen rosa Pulver für dich, du weißt schon, dieser rosa Kurkuma.

Carsten Was du da reintust. Aber mein Kurkuma ist gelb.

Stefanie Das rosa Pulver. Das hat nichts gebracht. Aber was ich noch sagen wollte, ist, dass du ja am Anfang 2015 tatsächlich so total matt und abgespannt warst. Und das war dieser B12 Mangel. Und ich hatte mich auch mit dieser Freundin, tatsächlich der Freundin, von der ich gerade erzählt habe, darüber unterhalten, dass du ja so fertig warst. Und sie meinte dann so ja, da denkt man ja gleich dem Mann fehlt das Stück Lebenskraft, das Fleisch. Ja, was sagst du jetzt dazu?

Carsten Ja, völlig falsch.

Stefanie Das fehlt dir. Jetzt Guck mal, du als Mann. Du musst doch Fleisch essen. Um gesund zu sein.

Carsten Ja. Also, ich habe jetzt nicht unbedingt das Gefühl, mich weniger männlich zu fühlen, dadurch, dass ich kein Fleisch mehr esse. Nein, eher wähne ich mich im Vorteil, dass ich diese ganzen Mechanismen, die da im Hintergrund wirken und auch dieses Gesundheitliche besser zu durchdringen und verstehen. Das, was damals tatsächlich dazu führte, hattest du schon genannt: ein Vitamin B12 Mangel. Der rührt aber jetzt weniger daher, dass ich mich vegan ernährt habe, sondern der kam schon aus der Vergangenheit, bedingt durch Stress, durch extreme körperliche Beanspruchung, weil ich sehr, sehr hochleistungsorientierten Sport betrieben habe und da habe ich einfach meine Reserven erschöpft. Jetzt habe ich das Defizit behoben. Es wird noch mal eine separate Folge über dieses Gesamtthema Vitamin B12 und Nährstoffe geben. Heute weiß ich, dass mein Vitamin B12 Spiegel ausreichend ist. Ich weiß jetzt nicht ganz genau, wo er heute steht. Nachdem er aufgefrischt wurde, war er am Maximum und das ist noch nicht so lange her. Du hattest vor ein paar Tagen noch eine Erkältung und ich weiß, im Arbeitsumfeld, oder viele Leute haben mir bestätigt, dass das geht jetzt mal wieder rum, dieser Spruch. Einmal oder zweimal mehr hört man, dass alle Leute liegen flach.

Stefanie Genau, nur Carsten nicht.

Carsten Na, ich muss aber sagen, ich habe an dem einen Abend auch gemerkt, dass wieder ein Kratzen im Hals stattfand. Nur diesmal habe ich keine drei Tage gebraucht, sondern am nächsten Tag war das Ganze schon weg. Es war für mich so,

Stefanie als ob Gott wieder ein Machtwort gesprochen hat.

Carsten Ein Machtwort gesprochen.

Stefanie Hat gesagt: Der Mann muss arbeiten, irgendwo muss das Geld herkommen.

Carsten Ja, ich will das jetzt nicht zu hoch loben. Das Jahr hat gerade angefangen und das war so die erste Erkältung, die gekommen ist. Ich will das erst mal ein bisschen abwarten, wie sich das entwickelt im Laufe des Jahres. Ob ich dann trotzdem noch so vom vom Gesundheitszustand stabil bleibe.

Stefanie Hört sich an, als wärst du chronisch krank. Ob ich dann stabil bleibe? Ja, wir wissen auch noch nicht. Wir berichten dann davon.

Carsten Ich habe den Anspruch, gar nicht krank zu werden. Aber ich habe im Moment den Eindruck, dass mein Immunsystem extrem gut aufgestellt ist, weil ich trotzdem noch eine relativ stressige Arbeitsumgebung habe. Also ich merke, die Stressbelastung ist wieder ein bisschen angestiegen.

Stefanie Dann hast du noch so ein stressiges Familienumfeld.

Carsten Ja, genau, die Frau und das Kind.

Stefanie Das Kind weniger, mehr die Frau. Danke schön.

Carsten Nein. Also Stress ist definitiv ein Faktor und der beeinträchtigt auch mein Immunsystem. Und trotzdem ist mein Immunsystem in der Lage gewesen, diese Erkältung so entsprechend zu meistern. Und das führe ich ganz klar darauf zurück, dass ich im Rahmen der Ernährung deutlich besser aufgestellt bin als damals noch zu Zeiten, wo ich entweder vegetarisch mich ernährt habe oder zu diesen normalen Fleischzeiten. Ja. Also von daher glaube ich mal, dass dieses, was du vorhin sagtest oder dieser Eindruck, dass da ein Stück Lebenskraft fehlt,

Stefanie Das hat sie natürlich nur so aus Spaß gesagt. Aber es ist schon so was, was andere auch sagen würden, weil Männer und Fleischessen, das gehört irgendwie zusammen.

Carsten Ja.

Stefanie Wir haben ja auch eingangs berichtet, wie du diese Berge an Fleisch gegessen hast. Und das ist so Frauen, die solche Berge essen würden, würden wahrscheinlich komisch angeguckt werden. Ja, das bringt man irgendwie nur mit Männern zusammen. Es sei denn, man heißt Gilmore Girls.

Carsten Ja, aber wie gesagt, ich kenne das. Ich kenne dieses Bild. Ich weiß noch nicht mal, ob es ein Vorurteil ist. Ich glaube, das ist so eine gesellschaftliche Prägung, dass man sagt, so ein Stück Lebenskraft und Männer müssen Fleisch essen. Also für mich fällt das so in diesen Bereich rein, wie „alle Bauarbeiter lesen die Bildzeitung“ oder so was. Also irgendwie lässt sich das Klischee auch für mich nicht trennen. Aber für mich persönlich muss ich sagen: nein, mir fehlt kein Fleisch, mir fehlt kein Stück Lebenskraft. Ich glaube auch nicht, dass Fleisch einen gesundheitlich positiven Effekt für mich hätte.

Stefanie Ja, wenn man mal bedenkt, womit die ganzen Tiere so gefüttert werden und so.

Carsten Ich weiß es sogar, dass dem so ist, weil ich mich im Laufe des letzten Jahres sehr intensiv damit auseinandergesetzt habe. Das ist noch nicht mal nur so eine Überzeugungsthematik, wo ich einfach nur glaube oder ein Gespür habe.

Stefanie Nicht nur Gott, der zu Dir spricht. Oder aus dir.

Carsten Ich so als tief gläubiger Mensch. Sondern allein diese wissenschaftlichen Fakten.

Stefanie Wir dürfen jetzt keine Witze machen. Es gibt auch Menschen, die daran glauben.

Carsten Meinst Du gleich kommt ein Blitz und straft uns ab, oder?

Stefanie Ja, genau, ungefähr so okay.

Carsten Also auch diese wissenschaftlichen Erkenntnisse, die sich jetzt durch neueste Studien oder medizinische Untersuchungen ergeben, die darauf hindeuten, dass Fleisch definitiv nicht den Gesundheitsaspekt erfüllt, der von dieser breiten Werbekampagne in die Gesellschaft getragen wird.

Stefanie Ich habe heute Morgen im Vorbeifahren so eine Schlagzeile gelesen und ich meine, es war aus der Bildzeitung, die ungefähr so lautete wie „Was steckt wirklich im Schweinefleisch“ oder so? Und ich habe vergessen, danach zu suchen, aber das wäre natürlich mal interessant, ob das tatsächlich in der Bildzeitung jetzt so was auch drinsteht. Ja, aber wegen dieser komischen Schweinefleischpflicht und so, aber damit schweifen wir ab. Es ging ja eigentlich darum, dass wir jetzt Veganer·innen immer 100 % gesund sind, quasi 150 %.

Carsten Bis jetzt hat sich der Plan, ewig zu leben noch erfüllt. Noch lebe ich. Ich werde dann in der Ewigkeit noch mal berichten, ob das dann immer noch so ist.

Stefanie Da gibt es aber dann wahrscheinlich ganz andere technische Möglichkeiten, um mit dir in Kontakt zu treten. Wenn du dann auch noch da bist.

Carsten Kein Podcast mehr, das geht dann nur noch mit Gedanken beamen oder so. Auf jeden Fall zum Thema Gesundheit kann ich für meine Seite nur sagen: Ich habe positive Erfahrungen damit gesammelt. Ich habe den Eindruck, mein Immunsystem ist deutlich stabiler und leistungsfähiger geworden durch die vegane Ernährung. Ich weiß nicht, was deine Erfahrung damit ist?

Stefanie Weiß ich auch nicht so genau. Das ist wie damals, als mir gesagt wurde „hat auch was gemacht“. Ja so, danke. Ja, ich habe auch was gemacht. Ich kann da nicht so viel zu sagen, weil bei mir Ernährung ein anderes Thema ist und Gesundheit und bei mir viel Stress und so dazu gehört. Also von daher ist es eigentlich eher so, ja, also die Erkältung, die ich jetzt hatte, die war nicht so heftig wie. Aber ich weiß nicht, ob es an der Ernährung lag. So, und deswegen - Ich bin ja auch nicht so eine Ernährungsfetischistin wie du...

Carsten Ich achte natürlich schon auf meine Gesundheit.

Stefanie Ja, und das ist mir eher schnuppe. Von daher zählt mein Wort eher nicht. Also es ist, was du so sagst. Und bei mir ja, es kann die Ernährung sein, aber es kann auch sein, dass ich irgendwie alles ein bisschen entspannter angehen lasse oder so - Ja, so hang loose und so und chill. Ja. Hahaha.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie Ja, genau. Achso, Entschuldigung nochmal. In diesem Sinne Ist das jetzt nicht ein bisschen zu abrupt?

Carsten Wenn du chillen willst.

Stefanie Ach so, ja. So war es nicht gemeint.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie Ich wollte jetzt noch was sagen. Ich wollte nur sagen: im Grunde haben wir alles gesagt. Okay.

Carsten In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 7 - Das große VeggieWorld Special Teil 2

Ein Beitrag

Folge 7 - VeggieWorld Special Teil 2

In dieser Folge

  • erzählen wir vom zweiten Tag der VeggieWorld
  • berichten von den Vorträgen
  • und präsentieren Dir den zweiten Teil der O-Töne zu der Frage "Was bedeutet Vegan für Dich?"

Links zur Folge

VeggieWorld
http://veggieworld.de/de/

Karnismus erkennen
http://karnismus-erkennen.de/

Arne Ewerbeck - Vegan in Hamburg
http://www.veganinhamburg.de/

Happy Cow
http://www.happycow.net/

Vanilla Bean - Restaurantfinder-App
https://www.vanilla-bean.de

Vebu - Vegetarierbund
https://vebu.de/

Jetzt sind wir neugierig...

Verrätst Du uns auch was Vegan für Dich bedeutet?

Schreib doch einfach einen Kommentar.

Wir freuen uns auf dich...

Carsten & Stefanie

Folge 6 - Das große VeggieWorld Special Teil 1

Ein Beitrag

Folge 6 - VeggieWorld Special Teil 1

In dieser Folge

  • erzählen wir vom ersten Tag der VeggieWorld
  • berichten von den Vorträgen
  • und präsentieren Dir den ersten Teil der O-Töne zu der Frage "Was bedeutet Vegan für Dich?"

Links zur Folge

VeggieWorld
http://veggieworld.de/de/

Veganer Koch - Jérôme Eckmeier
http://www.jeromeeckmeier.com/

Dr. Markus Keller
http://ifane.org/

Das leckere Eis gibts hier:
http://www.myprerogative.de/

Twelve Monkeys Vegankrams in Hamburg
http://twelvemonkeys.de/

Grete Schulz Pflanzliche Feinkost in Hamburg
http://greteschulz.de/

Reformhaus
http://www.reformhaus.de/

Jetzt sind wir neugierig...

Warst Du auch auf der ersten VeggieWorld in Hamburg? Dann erzähl uns doch in Kommentaren was Dir am besten gefallen hat.

Wir freuen uns auf dich...

Carsten & Stefanie

Folge 5 - Ungewollter Gewichtsverlust bei veganer Ernährung

Ein Beitrag

Folge 5 - Ungewollte Abnahme

In dieser Folge

  • erzählt Carsten von seinen Erfahrungen mit ungewolltem Gewichtsverlust bei der Umstellung auf die vegane Ernährung
  • reden wir über die generellen Mechanismen zum Ab- und Zunehmen
  • und geben Dir Tipps, wie Du Dein Gewicht halten kannst.

Links zur Folge

No Meat Athlete - Matt Frazier
https://www.buch7.de/store/product_details/1022242106

Vegan in Topform das Kochbuch - Brendan Brazier
https://www.buch7.de/store/product_details/1021738221

Joyful Vegan mit Colleen Patrick-Goudreau
http://www.joyfulvegan.com/

Veganer Kraftsportler - Strongman Patrik Baboumian
http://www.patrikbaboumian.de/

Vegan leben und laufen - der Blog für vegane LäuferInnen
http://www.bevegt.de/

Vollständiges Transkript

Stefanie Heute wollen wir über ungewollte Gewichtsabnahme reden.

Carsten Genau.

Stefanie Und das ist ein Thema, bei dem ich eigentlich nichts zu sagen habe. Deswegen reden wir darüber, was du so für Erfahrungen gemacht hast.

Carsten Ja, ich steuere ein bisschen was dazu bei. Du hattest aber gerade schon gesagt ungewollt. Genau darum geht es. Ich möchte jetzt nicht über vegane Ernährung sprechen, die als Ziel hat, gewollt Gewicht abzunehmen.

Stefanie Es geht nicht darum, Vegan ist keine Diät.

Carsten Genau, keine Diät, sondern es ist einfach ein Teil der Erfahrung, die ich persönlich gemacht habe. Gerade in der Anfangsphase meiner veganen Ernährung, in den ersten 2 bis 3 Monaten, glaube ich war das, habe ich massiv an Gewicht verloren.

Stefanie Ja, also gut, du hast dich jetzt nicht halbiert...

Carsten Aber ich habe mal versucht, das ein bisschen zu rekonstruieren, nur damit man dann weiß, von was für Größenordnungen ich da jetzt gerade rede. Normalerweise ist mein Körpergewicht bei um die 98 Kilo. Körpergröße 2 Meter. Also von daher sportlich, athletisch, groß, schlank. So, also jetzt nicht übermäßig muskulös, aber schon durchtrainiert.

Stefanie Das ist jetzt hier keine Stellenbeschreibung für dein neues Onlinedating Profil oder so, also brauchst du nicht so detailliert...

Carsten Nein, das nicht. Aber ich möchte schon irgendwo ein Verhältnis von dieser Gewichtsabnahme dann präsentieren. Als ich mich dann entschieden habe, auf die vegane Ernährung umzustellen, habe ich in den ersten Monaten das Problem gehabt, dass ich nicht mehr genau die gleiche Energiemenge, Kilokalorien Menge, genommen habe, wie ich das vorher eigentlich gewohnt war. Ich habe vorher sehr, sehr viel Protein versucht über Milch- und Milchprodukte zu mir zu nehmen.

Stefanie Das war ganz viel Käse und Joghurt und und Milch...

Carsten Genau, Joghurt fürs Müsli, Milch mit obendrauf.

Stefanie Und Eier hast du auch gegessen.

Carsten Jede Menge Eier auch, sehr viel. Also ich sag jetzt mal reine Milchprodukte waren so zweieinhalb bis drei Kilo pro Woche, die ich nur zum Stillen des eingebildeten Proteinlevels gebraucht habe. Und nachdem ich für mich entschieden habe, ich möchte jetzt absolut vegan leben, auf Milchprodukte verzichten, ist das Gewicht nach unten gerutscht und ich bin von diesen 98 Kilo, die ich idealerweise hatte, auf, ich glaube 86 Kilo habe ich dann zwischenzeitlich gewogen., gerutscht. Das ist natürlich dann schon ein krasser Verfall gewesen.

Stefanie Manche wünschen sich das ja.

Carsten Ja, gut. Ich habe aber immer den Anspruch gehabt, dass ich diese Muskelmasse, die ich mir über mein mein normales Training aufgebaut und erhalten habe, dass ich die auch gerne behalten möchte und ja, du hast selber teilweise gesagt, dass ich ziemlich ausgezehrt und und abgemagert aussehe.

Stefanie Ja, das stimmt. Das war wirklich so!

Carsten Ja, genau.

Stefanie Ja, es geht ja jetzt auch, wie gesagt, hier um ungewollte Gewichtsabnahme. Und ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass vegan keine Diät ist. Und dass Diäten sowieso nicht helfen beim Abnehmen. Ja, aber wie gesagt, das soll jetzt hier nicht Thema sein. Es soll jetzt hier darum gehen, dass du vielleicht abgenommen hast oder abnimmst, während du dich vegan ernährst, aber das ist gar nicht willst.

Carsten Genau. Einfach so diese Frage: Wie gehe ich damit um? Was passiert da? Ist das überhaupt richtig? Genau. Und ja, einfach von meiner Seite aus: Ich habe diese Erfahrung auch gemacht. Ich habe sie bewusst gemacht. Mir war klar, ich gehe in dieses Abenteuer - damals war es noch ein Abenteuer - „vegan“ und muss mich erst mal orientieren. Und für mich war klar in dieser Orientierungsphase, was nichts anderes heißt, als zu überlegen: Wie kann ich meinen Speiseplan jetzt entsprechend wieder so strukturieren, dass ich auch die Eiweißmenge und die Energiemenge zu mir nehmen kann, die ich eigentlich brauche? In dieser Orientierungsphase war mir schon klar, dass ich Gewicht abnehme. Ich habe mich aber ganz bewusst erstmal in das Abenteuer gestürzt und bin dann im Nachgang quasi hingegangen und wir haben uns dann über Rezepte quasi unseren neuen, ich sag jetzt mal Ernährungsplan wieder erarbeitet.

Stefanie Wir haben uns ja dann diese beiden Kochbücher von Matt Frazier und Brendan Brazier gekauft.

Carsten Also speziell für Sportler·innen.

Stefanie Um zu gucken, weil ich ja dachte, es muss doch gehen. Es gibt auch vegane Sportler·innen, und die müssen doch auch wissen, wie man sein Gewicht halten kann ohne Fleisch oder Milchprodukte zu essen.

Carsten Das hat schon geholfen, so das Verständnis, was da in den Büchern vermittelt wird. Wobei der Fokus dort mehr auf Ausdauersport liegt. Für mich war eigentlich mehr so Muskel- und Krafttraining das Thema. Aber vom Grundverständnis her haben mir die Bücher trotzdem weitergeholfen, weil ich einfach gemerkt habe, dass es doch ausreichend oder sehr vielfältige Lebensmittel gibt, die einen hohen Protein und Eiweißanteil besitzen. Und wenn ich die entsprechenden in die vegane Ernährung aufnehme und auch regelmäßig esse, dann habe ich kein Problem mehr damit.

Stefanie Bist du jetzt eigentlich wieder bei deinem Idealgewicht, oder?

Carsten Ich gehöre jetzt nicht zu den Leuten, die sich täglich wiegen.

Stefanie I Ich dachte, ich hätte dich ständig auf der Waage gesehen...

Carsten Ständig. Ja, genau. Das war eine Illusion. Ach so, ich glaube, es war eine andere Zeit. Letzte Woche habe ich mich nochmal gewogen. Ich bin mittlerweile bei 93,8 gewesen, also auf einem guten Weg wieder zu meinem Idealgewicht. Ich trainiere jetzt aber auch nicht mehr so ausführlich wie in der Vergangenheit, aber versuche es trotzdem regelmäßig zu machen und dann aber auch mit einer Intensität, die mein Körper in so fern fordert, dass ich weiß, er baut jetzt automatisch Muskeln auf, aber langsamer, hoffentlich auch nachhaltiger. Und ich merke , dass es schon einen Unterschied macht, ob ich jetzt von 86 Kilo spreche oder von fast 94 Kilo. Und ich glaube, das eine oder andere Kilo kommt jetzt im Laufe der nächsten Monate auch noch oben drauf. Also ich weiß nicht, ob ich irgendwann noch mal die 98 Kilo erreiche, aber ich habe auch gar kein Ziel. Für mich ist klar, ich habe die Erfahrung gemacht, ich kann wieder Masse zu mir nehmen, indem ich einfach für mich diese eiweißreichen Nahrungsbestandteile stärker mit in die Ernährung einbeziehe.

Stefanie Was wäre das zum Beispiel?

Carsten Also es sind vor allen Dingen Hülsenfrüchte, Bohnen zum Beispiel. Ich versuche aber ab und an auch im Müsli, zum Beispiel mit Sojaflocken oder generell Soja das Ganze anzureichern. Aber jetzt nicht so massiv, dass ich jetzt irgendwelche Proteinpulver oder so was zu mir nehme, sondern ich mache es eher so, dass ich versuche, mit der für uns eigentlich normalen Mahlzeit alles zu stillen. Und wenn ich merke, ich brauche mehr, dann esse ich auch mehr.

Stefanie Wir machen ja jetzt auch die Energieriegel. So dass du dann Energieriegel hast für deinen Nachmittagstief.

Carsten Ja, genau. Einfach um zu sehen, okay, das Mittagessen reicht vielleicht nicht aus. Ich esse gegen zwölf und um 18:00 haben wir Abendbrotszeit, das hat sich so eingespielt und dazwischen ist einfach noch ein Korridor, da, wo einfach mal irgendwo die Energie rausgeht.

Stefanie Ich glaube, das kennen auch ganz viele, dass es nachmittags runtergeht.

Carsten Also von daher das überbrücke ich, indem ich dann einfach Energieregel nehme.

Stefanie Die Energieriegel nach dem Rezept von Matt Frazier No Meat Athlete. Er hat da einen ziemlich coolen Energieriegelbaukasten, so ein Baukastenprinzip, wo er Zutaten vorschlägt und die mischt man dann in der Küchenmaschine zusammen und mixt sich die da zurecht und dann kriegt man so eine Masse da raus, die streicht man auf ein Backblech und backt die dann irgendwie so 20 Minuten ungefähr und dann schneidet man seine Riegel zurecht. Ja, das ist ziemlich cool.

Carsten Ich muss auch sagen, im Moment, die letzte Fuhre, die du da fabriziert hast, schmeckt extrem cool. Die vorherige hat mir auch schon gut geschmeckt, aber diese schmeckt noch viel besser.

Stefanie Ja, ich packe immer das rein, was wir gerade noch da haben.

Carsten Wenn's mal nicht schmecken sollte, dann liegt es nicht am schlechten Rezept, sondern eher daran, dass man die falschen Zutaten miteinander kombiniert hat. Aber dieses Baukastenprinzip ist einfach genial. Also ich glaube, das sind so sieben oder acht verschiedene Kategorien und jede Kategorie hat auch nochmal so gefühlte 4,5,6 Varianten, also sprich Zutaten. Und man kann sich aus jeder Kategorie eine Zutat raussuchen und mischt dann alles zusammen.

Stefanie Beim letzten Mal hatte ich die Haferflocken vergessen, weil er die nämlich extra geschrieben hat. Ja okay, aber diesmal habe ich jetzt Haferflocken reingetan.

Carsten Also ich merke auf alle Fälle einen Unterschied, ob ich jetzt nachmittags versuche, diesen kleinen Hunger mit Obst irgendwie zu stillen, oder ob ich die Energieriegel nehme. Also Obst hält bei mir nicht so lange vor. Es reicht vielleicht für eine Viertelstunde, halbe Stunde, je nachdem, was ich gerade esse. Und dann kommt aber sofort der Hunger durch. Und bei diesen Energieriegeln ist es wirklich so, dass wenn ich zwei Stück esse, dann bin ich auch erst mal satt.

Stefanie Das ist doch gut. Und das sind jetzt auch keine voluminösen Riegel sondern so handelsübliche kleine Riegel.

Carsten Also kann ich empfehlen, das ist gerade so für diesen kleinen Hunger zwischendurch sehr wichtig, weil das gerade so diese wirklich proteinhaltigen Nahrungsmittel sind, die in diesem Baukastenprinzip verarbeitet werden, da kriege ich dann natürlich auch noch mal gehörig Energie dazu geliefert. Und summa summarum habe ich damit eigentlich mein Tagesziel, mein Tagespensum, ausgeschöpft. Und ja, wie gesagt, im Moment bin ich eigentlich eher so in der Phase, wo ich über die völlig normale Ernährung, ohne dass ich jetzt irgendwelche Zusatzpräparate nehmen muss, auch tatsächlich wieder Muskelmasse aufbauen kann.

Stefanie Eine Freundin von mir, die hatte mir erzählt, sie hätte auch mal angefangen vegan zu leben und die hat dann gesagt, sie hat dann irgendwie aber auch noch - ich kenne mich da überhaupt nicht mehr aus – irgendwas mit Basenausgleich...

Carsten Säure-Basen-Haushalt.

Stefanie Oder irgendwie so was ausprobiert und sie hat, ich weiß nicht, ob das zusammengespielt hat, aber sie meinte, sie hatte so abgenommen und sie ist sowieso schon total dünn und das war natürlich ganz schlecht, dass sie abgenommen hat und dann hat sie sofort damit aufgehört. Ja, meinst du denn, dass das daran liegt? Also woran kann das denn liegen?

Carsten Du nimmst eigentlich immer automatisch ab, wenn du weniger Energie zuführst, als du brauchst. Ich kann mir vorstellen, dass sie vielleicht im Extremfall nur auf Salate oder auf solche Energie- oder Lebensmittel mit niedriger Energiedichte zurückgegriffen hat. Also sehr viel Obst und Gemüse. Dagegen spricht ja nichts. Nur am Ende des Tages reden wir über Kilokalorien, die ich zuführen muss, wenn ich sage, ich nehme jetzt Lebensmittel wie Obst und Gemüse, die eine geringe Energiedichte haben, dann muss ich die Menge erhöhen. Dann esse ich nicht zwei Kilo Obst und Gemüse, sondern dann muss ich vier Kilo essen. Das erzeugt erst mal so einen psychologischen Widerstand, weil man denkt: Meine Güte, jetzt muss ich viel mehr essen als vorher. Aber im Endeffekt geht es um die Energie, die Energie ist die gleiche, nur das Volumen ist größer.

Stefanie Im Grunde ist es doch so wenn ich jetzt irgendwie mein Gewicht halten will, muss ich doch so viel essen, wie ich auch verbrauche, oder? Und wenn ich jetzt abnehmen will, muss ich weniger essen als ich verbrauche. Oder den Verbrauch erhöhen. Und andersrum. Wenn ich zunehmen will, dann muss ich mehr essen.

Carsten Mehr Essen als ich verbrauche.

Stefanie Genau. Also eigentlich ist es doch ganz simpel.

Carsten Ja gut, es gibt da noch so ein paar Spielarten, dass der Körper versucht, sich dann einzupendeln. Angenommenen Du möchtest jetzt abnehmen und du sagst, du verbrauchst jetzt keine Ahnung, deine zweieinhalbtausend Kilokalorien und du führt dem Körper jetzt eigentlich über einen längeren Zeitraum nur noch 1000 Kilokalorien zu, dann reagiert der Körper darauf und dann denkt er: ist das eine Hungersnot? Ich muss speichern. Er ist dann quasi auf Notstrom und verbraucht dann auch weniger. Und wenn man dann wieder mehr zu sich nimmt, weil man irgendwann sagt Mensch, ich komme mit diesen 1000 Kalorien einfach nicht mehr aus, mein Hunger ist so bohrend, dass ich jetzt wieder 2000 zu mir nehme. Dann kommt der Jojo Effekt. Dann braucht der Körper vielleicht nicht 2000, die ich jetzt wieder zuführe, sondern auch 1500 und dann sind 500 Überschuss und dann nimmt man wieder zu. Ja, also solche Spielarten kommen rein, aber im Endeffekt ist es einfach nur mathematisch, je nachdem, was ich möchte. Wenn ich jetzt abnehmen möchte, muss ich weniger zu mir nehmen oder den Verbrauch ankurbeln oder andersrum, wenn ich zunehmen möchte. Ja und bei deiner Freundin kann ich mir vorstellen, wie gesagt, dass sie auf die Lebensmittel gesetzt hat, die eigentlich eine niedrige Energiedichte haben. Da hätte sie mehr von essen müssen. Ja und da fällt mir noch ein schöner Spruch ein, das betrifft die Colleen Patrick-Goudreau, die einen extrem guten Podcast oder auch ein extrem gutes Programm für Veganer·innen macht. Allerdings nur auf Englisch, weil sie

Stefanie Amerikanerin ist.

Carsten Die hatte zu diesem Thema mal gesagt, das kennt sie auch, dieses Phänomen, dass die Leute abnehmen. Und anscheinend hat sie öfters mal Klagen gehört, dass Leute, die versucht haben, auf die vegane Ernährung umzustellen, gesagt haben: Ich habe die ganze Zeit nur Hunger, was mache ich denn dagegen? Oder sie wurde um Rat gefragt. Und sie sagte: Das einzige was ich sagen kann, ist doch, wenn du Hunger hast, dann iss! Ja und ich denke mal, das wird da auch der Fall gewesen sein bei deiner Freundin. Weil, wenn sie zu wenig Energie zu sich genommen hat, dann wird sie automatisch ein Hungergefühl haben, weil der Körper verlangt ja nach Energie und wenn sie dem nicht stattgibt und sagt okay, nee, eigentlich so gefühlt habe ich die gleiche Menge vom Volumen her zu mir genommen, wie ich sonst auch gegessen habe. Dann ist es zwangsläufig so, dass sie einfach dem Körper nicht genau die Energie zuführt, die er braucht.

Stefanie Die Namen, die wir jetzt genannt haben, die verlinken wir natürlich auch wieder in den Shownotes.

Carsten Ja. Abschließend kann ich nur den Tipp geben. Wenn du vermeiden möchtest, dass du jetzt zu sehr abnimmst, dann solltest du dich vor der entsprechenden Entscheidung, vegan zu leben oder jetzt auch wenn du schon diesen Schritt gegangen bist, möglichst zeitnah erst mal über mögliche Gerichte und Kombination von Nahrungsmitteln informieren, damit du in der Lage bist, darauf zu reagieren. Bei mir hat es, wie gesagt, ein paar Monate gedauert, bis wir vom Thema her so dicht oder so tief drin waren, dass wir Antworten auf diese Fragen bekommen haben. Nur das ist ja nicht immer bei jedem·r so, dass er·sie drei Monate Zeit opfern möchte.

Stefanie Und vor allem ist es auch nicht für jede·n unkritisch, jetzt so abzunehmen. Bei dir war es auch irgendwann kritisch, aber eigentlich haben wir doch jemanden noch nicht genannt, diesen Patrick Baboumian, Deutschlands stärksten Mann, der ja auch Veganer ist und der Kraftsport macht, der müsste ja eigentlich dein Vorbild sein.

Carsten Ja, also er ist insofern ein Vorbild und Idol, als dass er zeigt, dass du mit einer veganen Ernährung auch absolute Höchstleistungen und auch Muskel und Masseaufbau realisieren kannst. Er ist Strongman. Das sind diese Typen, die aussehen wie so ein wandelnder Schrank, so eine Schrankwand, genauso massig breit. Die tragen dann irgendwelche LKW Reifen oder Traktorreifen oder Hinkelsteine oder so was.

Stefanie Kleine Obelixe.

Carsten Einige sagen faszinierend, andere sagen spinnert. Aber es ist interessant so was zu sehen und der ist seit 2013 Veganer. Ich glaube 2011 Vegetarier geworden. Dann hat er den Schritt zwei Jahre später zum Veganismus gemacht und hat aber, und das ist das Interessante, seitdem er Veganer ist, seine eigenen Rekorde teilweise noch überboten. Also er hat an Leistungsfähigkeit zugenommen, gerade durch die vegane Ernährung. Und das ist einfach so ein Indiz für mich gewesen, weil ich gemerkt habe Mensch, klar geht das. Das ist überhaupt gar kein Problem, vegan zu sein und trotzdem irgendwo einen sportlichen Leistungsanspruch zu haben und das auch sauber gewährleisten zu können. Man muss sich nur mit auseinandersetzen mit der Frage: Wo kriege ich denn jetzt die entsprechenden Proteine in der Menge her, die ich als Sportler·in für mich benötige?

Stefanie Also was Sportler·innen angeht, da gibt es natürlich einige Blogs noch, die werden wir auf jeden Fall in den Shownotes auch verlinken. Also alle, die mir jetzt so bekannt sind und wenn du noch welche kennst und wenn du noch Ideen hast, wie man nicht bewusst abnimmt mit veganer Ernährung, indem man das Gewicht hält, dann kannst du auch gerne einen Kommentar hinterlassen.

Carsten Genau, immer her damit. Wir sind gespannt und neugierig. Das interessiert mich dann auch.

Stefanie So, jetzt wieder Du.

Carsten In Hamburg, sagt man Tschüss.

Stefanie Nee, das sag ich. Du sagst in diesem Sinne.

Carsten Ach so. In diesem Sinne. Genau.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiedersehen.

Folge 4 - Selbermachen oder DIY für Veganer

Ein Beitrag

Folge 4 - Selbermachen

In dieser Folge

  • erzählt Carsten von seinen Erfahrungen mit der Sprossenzucht,
  • berichten wir über unser Vorhaben einen Küchengarten auf dem Balkon anzulegen
  • und erzählt Stefanie von ihren Versuchen Butter ohne Palmfett herzustellen.

Links zur Folge

Hochbeet-Gärtnern Monat für Monat - Susanne Nüsslein-Müller
https://www.buch7.de/store/product_details/1026345767

Peaceful Gardening - Susanne Heine
https://www.buch7.de/store/product_details/1023104257

Prinzessinnengärten Berlin
http://prinzessinnengarten.net/

Experiment Selbstversorgung
http://experimentselbstversorgung.net/

Vollständiges Transkript

Stefanie In dieser Folge wollen wir jetzt das Thema Selbermachen ansprechen und so baut das darauf auf, quasi auf die Vorgängerfolge logischerweise mit dem Brotaufstrich, wo wir angefangen haben, selber zu machen. Und du hast schon immer eigentlich Sprossen selbst gezogen.

Carsten Ja, das war schon vor meiner veganen Zeit.

Stefanie Ich glaube, das hast du auch schon gemacht, bevor ich dich kennengelernt habe, glaube ich, oder?

Carsten Ja, also, gefühlt 15 Jahre lang. Ja, bestimmt 30 Jahre. 30. Ein halbes Jahrhundert Erfahrung im Sprossenanbau? Genau.

Stefanie Also sehr qualifiziert.

Carsten Steht schon in meiner Geburtsurkunde drin.

Stefanie Zehn Jahre minus quasi. In deinem früheren Leben warst du auch schon hochmotivierter Sprossenzüchter.

Carsten Genau.

Stefanie Und warum hast du das denn gemacht?

Carsten Eigentlich aus gesundheitlichen Gründen. Ich habe nämlich festgestellt oder zumindest mir mal angelesen, dass diese Sprossen hochwertige Mikronährstofflieferanten sind, durch Mineralstoffe und Vitamine. Ja, im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Und ja, dieser gesundheitliche Aspekt, der hat mich eigentlich immer gelockt und ich hatte damals auch irgendwann mal im Bioladen diese Keimgeräte gesehen und habe gedacht okay, probierst du es aus? Also Klassiker war die Kresse und dann kamen andere Sprossenarten hinzu Bockshornklee, Alpha Alpha oder Lucerne. Mittlerweile diverse Sprossenmischungen, die man so im Laden kaufen kann. Da bin ich nicht unbedingt festgelegt. Ich versuchte auch relativ häufig zu mischen, aber das war wie gesagt damals schon so vor zehn oder 15 Jahren bei mir der Fall und ich habe das eigentlich all die Jahre lang mitlaufen lassen.

Stefanie Jetzt machst Du es wieder mehr. Also ich meine, dass wir auch eine Zeit lang das nicht so viel hatten, oder? Ich glaube auch, dass wir eine Zeit hatten, wo unser Abendbrottisch nicht so reich gedeckt war. Also nicht so vielfältig und auch nicht so gesund. Ja, und ich glaube jetzt ist es mehr motiviert auch durch die Umstellung auf die vegane Lebensweise. Genau. Ja, ist das denn nährstoffmäßig gut für mich?

Carsten Ja, definitiv. Also wie gesagt, von den Vitaminen her ist es natürlich ein super Energie- oder Vitaminlieferant, egal was du jetzt nimmst. Ansonsten kriegst du auch diverse andere Mineralien und Spurenelementen mit geliefert. Das ist, ich will jetzt nicht sagen der absolute super Energiemix, aber von diesen Mikronährstoffen ist es ein super Topping, du kannst es direkt aufs Brot legen.

Stefanie Ja machen wir auch auf Brotaufstriche drauf.

Carsten Ja erst mal so, man könnte jetzt aber auch irgendwie versuchen, einen entsprechenden Salat daraus zu machen. Also diese Sprossen in einen Salat mit reinzumengen machen ja auch viel, aber wir machen es klassisch über diesen ganz normalen auf dem Brotaufstrich drauf als Topping. Genau.

Stefanie Und was braucht man jetzt dafür? Du hast so Gefäße, Keimgläser und diesen Boden, dieses, wo du deine Kresse drauf wachsen lässt.

Carsten Ja gut, da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten. Ich habe jetzt so ein Kunststoffgehäuse, wo man dann die Kresse ausstreut oder tropft.

Stefanie So nach unten in so eine extra Schale.

Carsten Genau. Es gibt auch diese Tonschalen teilweise in Igelform, damit das so stachelig aussieht oder so. Also Kresse ist wirklich einfach. Rein theoretisch könntest du sie auch auf Mull oder auf Küchenrollen züchten. Wichtig ist, dass du einen Untergrund hast, der einfach nur feucht ist und die Wurzeln da irgendwie Fuß fassen können und nach ein paar Tagen hast du dann entsprechende Saat, die du ernten kannst.

Stefanie Und die Samen, die du aussähst, die kriegt man eigentlich im Drogeriemarkt.

Carsten Also im Grunde genommen kannst du sogar bei Getreide anfangen. Du könntest hingehen und jedes Getreide, was du kaufst, einfach einweichen und nun keimen lassen.

Stefanie Ja, okay. Stimmt.

Carsten Durch diesen Keimprozess werden die Nährstoffe, die in dem Saatgut drin sind, noch mal umgewandelt, werden dadurch hochwertiger. Es werden viele Enzyme gebildet, die nachher auch für den menschlichen Organismus sehr hilfreich sind. Da fällt mir zum Beispiel ein, dass man bei dem einen oder anderen Bäcker zwischendurch auch mal Sprossenbrot bekommt. Ja, da ist genau das eingearbeitet, weil der Nährstoffgehalt dieser Sprossen durch den Keimvorgang einfach höher ist. Okay, also wertet das Brot noch mal auf. Also da ist man im Grunde genommen vom Getreide her schon mal relativ frei. Das kriegt man ja wirklich überall. Und ansonsten diese Sprossenmischung, die man kaufen kann im Drogeriemarkt oder im Reformhaus, Bioladen, also die gibt es ja schon fast überall.

Stefanie Okay. Ja, und das ist so das eine, was wir selber machen, was du quasi schon immer selber machst und was unser Abendbrot bereichert. Und was wir jetzt gerade anfangen selber zu machen, ist eigentlich, dass wir versuchen, einen Kräutergarten anzulegen für drinnen und für draußen.

Carsten Genau da züchten wir jetzt gerade auf der Fensterbank kleine Setzlinge, damit dann, wenn das Wetter es zulässt, die Saat nach draußen getragen werden kann. Das muss noch alles geschaffen werden.

Stefanie Genau. Ja. Wir hatten ja letztes Jahr schon uns dieses Buch „Peaceful Gardening“ gekauft und dann mal reingelesen. Aber weil es dann auf den Winter zuging, haben wir noch nichts gemacht. Und auch „Hochbeet gärtnern“ haben wir uns ein Buch gekauft. Also die beiden Bücher werden wir verlinken für dich, falls du auch Interesse hast, weil wir gedacht haben, wir haben keinen Garten und dass wir auf dem Balkon gärtnern können. Genau. Und so ein Hochbeet zu bauen ist dafür natürlich viel einfacher, weil wir auf dem Balkon ja logischerweise keinen keine Erde haben, in die wir graben können.

Carsten Ja, das schaffen wir uns dann, dieses Umfeld und meine Hoffnung ist, dass wir dann nicht nur reine Küchenkräuter sondern auch Gemüse anbauen können,

Stefanie Salat, Tomaten,

Carsten Auf alle Fälle, weil es relativ einfach ist. Und wenn es klappt, würde ich auch ganz gerne Richtung Kürbis sogar mal unterwegs sein. Zucchini, Gurke.

Stefanie Ja, was ich ja auch gelesen hatte, war, dass man Erdbeeren in so Hängetöpfen raushängen lassen kann, was dann natürlich auch ziemlich cool aussieht und ist auch schön zu ernten und solche Erdbeeren zu haben. Genau so, also so was zu machen, das wollen wir jetzt auch ausprobieren, wenn es dann wärmer wird, so was wirklich schön anzupflanzen. Und dann natürlich, was mir noch am Herzen liegt, auch draußen Blumen auszusäen, die für die Bienen gut sind und dass wir vielleicht auch noch mal so ein, für wilde Bienenvölker, Insektenhotel bauen. So was . Also in solche Richtung wollen wir auch noch gehen. Ausprobieren, wie kann man jetzt hier in der Großstadt, auf dem Balkon vielleicht sich so einen kleinen Garten anlegen.

Was ich ja auch auf meiner Seite jetzt gerade dabei bin aufzubauen, sind auch diese Urban Gardening Projekte, wo ich dann auch mal schauen wollte. Ich weiß, in Berlin gibt es diese Prinzessinnengärten und ich habe mich jetzt hier aber noch nicht so umgeschaut, ob es die Möglichkeit gibt, dann da auch Setzlinge mitzunehmen und dann die hier zu ziehen, quasi in dem eigenen kleinen Hochbeet dann zum Beispiel.

Carsten Das wäre natürlich interessant mal zu sehen, aber ich glaube, das kriegen wir alles noch hin.

Stefanie Ja, genau, das ist ja jetzt alles im Aufbau. Das fangen wir jetzt alles an und wenn du diese Folge viel, viel später hörst, dann ist es vielleicht alles auch schon fertig. Ja, das sind alles so Projekte, die wir noch vorhaben.

Carsten Ja, also ich stelle mir das auch so vor, dass es eine ganz tolle Ausgleichsmöglichkeit ist, wirklich so am Wochenende oder nach Feierabend, wenn man vielleicht einen stressigen Arbeitstag hatte, dann noch mal ein bisschen auf dem Balkon zu gärtnern. Ja, und natürlich auch in der Hoffnung, dass das nicht einfach nur in Arbeit ausartet, sondern dass es auch optisch dann schöner aussieht als so ein nackter Balkon, der keine Ahnung, wie jetzt gerade, irgendwie gepflastert ist. Aber dass ich dann die Wände auch ein bisschen begrünt habe und auch ein bisschen Farbe durch die Blumen da rein bekomme.

Stefanie Und für unser Kind ist es ja auch sehr spannend, weil er jetzt auch jeden Tag guckt, wie groß die Blumen wachsen und das auch gerne gießt und so. Also von daher ist das sowohl für uns Erwachsene als auch für die Kinder sehr spannend. Wenn du auch Kinder hast, dann macht das zusammen. Das ist wirklich ein schönes Projekt.

Carsten Ja, das machen die Kinder gerne, freuen sich darüber, werden mit eingebunden, haben ihre eigenen Ideen und wie gesagt, wir wollen einfach mal ausprobieren und werden mit Sicherheit auch darüber berichten, ob das ganze Vorhaben jetzt von Erfolg gekrönt war, wie groß die Ernte war und wo wir vielleicht im nächsten Jahr noch mal besser werden müssen.

Stefanie Ja, also es ist einfach nur ein Experiment. Wir gucken jetzt mal, weil das Problem bei Gemüse und ja bei allem was man jetzt so kaufen kann, konventionell sage ich mal, dass man nie weiß, womit das gedüngt worden ist. So, und dann ist es ja auch irgendwo nicht wirklich vegan. Ja, und man weiß nicht so genau, wo es herkommt. Klar, wir kaufen entweder hier regional direkt bei unserem Local Dealer, also so, nee, also von unserem Hofladen um die Ecke oder auf dem Wochenmarkt. Aber trotzdem düngen die ja natürlich auch konventionell. Und ja, es ist natürlich irgendwie schöner, mal auszuprobieren, ob das nicht auch so geht ohne Tierdung.

Carsten Genau. Also bei uns.

Stefanie Ohne Schlachtabfälle.

Carsten Wenn wir vegan düngen mit unserem eigenen Kompost. Ja, genau. Im Herbst letzten Jahres haben wir hier schon einem Schnellkomposter vorbereitet, der in einer Ecke unseres Balkons steht. Und ich muss eingestehen, ich weiß noch gar nicht, ob das was geworden ist. Keine Ahnung.

Stefanie Es ist alles ein Experiment.

Carsten Ein Experiment.

Stefanie Ja, genau. Wir sind da ganz offen. Ja, ja. Aber mir fällt noch ein, was ich noch versucht habe, selber zu machen, weil ich das Problem mit dem Palmfett jetzt hatte oder wir das ja immer noch haben. Palmfett als Dauerbrenner. Weil Palmöl immer schlecht ist, quasi - Details gibt es in späteren Podcastfolgen. Wenn wir dann mal auf die Nachhaltigkeit kommen - habe ich versucht, Margarine oder Butter selbst herzustellen. Und das ist nicht so ganz geglückt. Ich habe so ein paar Rezepte gefunden im Internet und habe das dann nachgebaut. Das war aber dann mit Kakaobutter und Öl und da weiß ich auch nicht, ist Kakaobutter so viel besser und so? Also es gibt natürlich Möglichkeiten, wenn man dem Palmöl ausweichen will, das dann selber zu machen. Aber der Aufwand ist natürlich größer. Und ja, es schmeckt auch immer nach dem Öl, was man da verwendet.

Carsten Es ist geschmacklich schon ein großer Unterschied, muss ich sagen. Es funktioniert ja. Aber je nach Rezept funktioniert es mal besser, mal besser, mal schlechter. Und da muss man sich dann schon drauf einstellen. Und das muss einem bewusst werden, dass das Ergebnis dann nicht vergleichbar ist, als wenn ich jetzt irgendwie Margarine oder

Stefanie diese Alsan Butter hole. Nur, wie gesagt, da ist das Palmfett drin. Ob Bio oder nicht ist total egal beim Palmöl, weil es immer Existenzen bedroht. Aber wie gesagt, ein anderes Thema, was wir gerne noch mal ansprechen, wenn wir auch die Bücher rezensieren. Also fällt dir noch was ein? Selbermachen.

Carsten Wir haben eigentlich alles umrissen, was wir jetzt aktuell geplant haben oder bereits durchführen. Brot hattest du vorher noch mal angesprochen, dass wir zwischendurch immer mal wieder Brote selber backen?

Stefanie Genau. Und die schmecken auch richtig gut.

Carsten Absolut top. Super.

Stefanie Ja, also ohne Ironie. Also wirklich super.

Carsten Ja, das werden wir in Zukunft nochmal ein bisschen weiter ausprobieren. Noch mal neue Rezepte oder Variationen der Rezepte ausprobieren.

Stefanie Was übrigens auch immer Rezepte sind von La Veganista muss ich sagen. Also es ist wirklich meine Lieblings Kochbuchautorin. Also das ist so umfassend. Ich kann es immer nur empfehlen.

Carsten Ja und ansonsten bleibt mir nichts anderes zu sagen, als darauf zu warten, dass wir die erste Ernte einfahren und dann unsere Ergebnisse akustisch präsentieren können.

Stefanie Ja, und im Blog können wir es ja auch bebildern und vielleicht trauen wir uns auch irgendwann mal ein Video zu machen.

Carsten Vielleicht Angaben, wie groß die Ernte dann tatsächlich im Verhältnis genau ist.

Stefanie Ja, naja, also mir fällt jetzt im Moment auch nicht mehr ein.

Carsten Ja, ich würde sagen, das war's.

Stefanie Genau.

Carsten Also in diesem Sinne.

Stefanie Was muss ich noch mal sagen? Ach ja, genau. Also noch mal.

Carsten Ja, in diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Carsten Und auf Wiederhören.

Folge 3 - Vegane Brotaufstriche als Alternative zu Aufschnitt und Käse

Ein Beitrag

Vegane Brotaufstriche

In dieser Folge

  • sprechen wir über vegane Brotaufstriche,
  • über die Vielfalt im Supermarkt
  • und die Möglichkeiten beim Selbermachen.

Vollständiges Transkript

Stefanie Wie schon angekündigt, wollen wir heute mal über Brotaufstrich reden.

Carsten Genau als Alternative zu Aufschnitt. Ja, das, was normalerweise fehlt, wenn man jetzt in die vegane Ernährung reingeht und eigentlich nur gewohnt ist, irgendwie ein Stück Wurst und Käse auf dem Brot oder Brötchen zu haben.

Stefanie Wobei, haben wir ein Stück Wurst auf dem Brot oder Brötchen?

Carsten Wir nicht, aber...

Stefanie Käse. Genau, Wir hatten ganz viel Käse und Frischkäse. Und was hatten wir eigentlich alles? Ich weiß es gar nicht mehr genau, aber Käse auf jeden Fall in Scheiben.

Carsten Ja. Also für mich war Käse definitiv. Also ein Brot oder ein Brötchen ohne Käse war undenkbar.

Stefanie Hatten wir eigentlich irgendwas anderes? Mir fällt jetzt gar nichts ein. Ja, eben. Die Margarine und der Käse. Butter und Käse. Ja, mehr fällt mir jetzt im Moment auch nicht ein.

Carsten Beim Käse hatten wir verschiedene Sorten.

Stefanie Ja, klar, genau das war die Variation. Das war, dass wir verschiedene Arten von Käse hatten.

Carsten Kannst Du mal sehen, wie einseitig das war, aber für uns war das völlig normal. Ich kann nur sagen, für mich war Käse deswegen die Wahl meines Aufschnitts, weil ich immer noch der Meinung war, ich muss irgendetwas haben, wo ich Protein rausziehen kann. Deswegen immer schön Käse drauf.

Stefanie Deswegen hast Du Mengen von Käse genommen. Ja, und dadurch, dass der Käse jetzt wegfiel, war da auf einmal ein Loch.

Carsten Ja, genau. Was kommt denn jetzt aufs Brot? Das war so die Frage, aber die konnte man relativ schnell beantworten.

Stefanie Ja, dann im Supermarkt, also ich meine im Biosupermarkt oder auch beim Budni, überall gibt es Aufstriche. Schon fertig.

Carsten Genau.

Stefanie Und ich kann mich auch erinnern, wir hatten früher „Tartex“ heißt das glaube ich. Die Firma hatten wir auch mal, so hefebasierte Aufstriche auch schon, als ich klein war. So was. Ja, also das heißt, wir kannten schon Aufstrich so, aber das war nie so primär, dass wir irgendwelche Aufstriche gehabt hätten.

Carsten Nee, nee, Aufschnitt und Käse sind dann so die Klassiker gewesen. Marmelade ja, höchstens mal zum Frühstück, aber meistens zum Abendbrot oder so herzhaft.

Stefanie Ja, aber jetzt durch den Einstieg / Umstieg / Wie auch immer, haben wir uns dann dem Aufstrich hin zugewandt und das ging dann ziemlich schnell ins Geld.

Carsten Ja, es ging schnell ins Geld, aber wir haben halt auch festgestellt, es gibt eine ganze Bandbreite. Es war jetzt nicht so, dass ich sage, ich kann jetzt von einer Sorte Käse nur auf ein oder zwei Aufstriche wechseln, sondern die Palette war extrem breit gestreut. Ganz viele Geschmacksnuancen. Und da muss ich sagen, da haben wir noch immer im Supermarkt gekauft oder bzw. auch in den Reformhäusern oder Biomärkten. Aber für mich selber ist da das erste Mal der Punkt gekommen, wo ich gemerkt habe, wie variantenreich diese vegane Ernährung sein kann.

Stefanie Ja.

Carsten Vorher so zwei, drei Sorten Käse und auf einmal hat man dann so sechs verschiedene Sorten Aufstrich da stehen. Das war schon sehr interessant.

Stefanie Du meinst jetzt auf dem Tisch, weil im Laden gibt es schon mehr Sorten Käse und auch mehr Sorten Aufstrich.

Carsten Ja, ich kann ja nur von dem reden, was ich dann tatsächlich auch gegessen habe.

Stefanie Ja, das ist halt so bei uns in Hamburg. Da gibt es nur zwei Sorten Käse im Laden und sechs Sorten Aufstriche, mehr nicht.

Carsten Ist ein sehr spezieller, exquisiter Laden gewesen.

Stefanie Nein, in ganz Hamburg ist das so... Ja, gut. Nein, wir wollen das jetzt nicht weiter ausführen, diese Gedanken, die da aufkommen. Okay, also jedenfalls der Aufstrich. Und wie ich gerade schon sagte, das ging schnell ins Geld und dann durch die die Kochbücher, die wir dann gekauft hatten. Da waren auch immer schon Rezepte für Aufstriche drin und dann haben wir eigentlich angefangen, mal welche selber zu machen.

Carsten Ja, irgendwann sind wir dann gekommen, haben das ausprobiert und festgestellt das ist ja super einfach.

Stefanie Ja.

Carsten War auch so einfach und auch schnell gemacht und hat super geschmeckt. Also schmeckt nach wie vor.

Stefanie Schmeckt immer noch, hat nicht nur super geschmeckt, schmeckt immer noch. Wir haben jetzt so ein paar Standardaufstriche aus den Kochbüchern, die wir ja schon erwähnt haben in der vorangegangenen Folge und haben dann irgendwann, weil das halt so mit drei, vier Standardaufstrichen irgendwann langweilig wurde, uns dieses „Brotaufstriche vegan und vollwertig“ noch gekauft und testen da jetzt neue Aufstriche draus und gucken ab und zu mal im Internet.

Carsten Genau, aber so Standards können wir ja erwähnen. Der Grünkernaufstrich ist so ein Klassiker geworden. Rote Linsen Aufstrich ist ein Klassiker geworden. Wir haben mittlerweile Avocadocreme.

Stefanie Ja, das ist total simpel. Nur die Avocado zerdrücken, ein bisschen Sojasauce und ein bisschen Salz dazu. Und es schmeckt total super. Total, so ganz, ganz einfach zu machen und schmeckt total lecker.

Carsten Ja, dann haben wir was, was ganz exklusiv ist. Das ist mehr so ein Fleischersatz gewesen.

Stefanie Ach dein Zwiebelmett, was wir deinen Eltern vorgesetzt haben und die das nach wie vor gerne essen, die das auch zu Hause nachgemacht haben. Und du hast es...

Carsten mit in die Firma genommen, so zwischen den Tagen die restlichen übrig gebliebenen Kämpfer, die sich dann nicht in den Winterurlaub getraut haben, sondern in der Firma Stellung bezogen haben. Die haben sich dann morgens zum Frühstück eingefunden und dann habe ich gedacht ist egal, ich probiere es mal aus. Ich setze denen mal eine Mettwurst da vor und habe auch großspurig angekündigt, ihr kriegt jetzt Mett. Und nachdem die ersten dann reingebissen haben, kam dann die Frage: „Ist das denn selbstgemacht?“ - „Ja, ist alles selbst gemacht.“ - „Ja, das ist interessant. Wie machst du dein Mett selber so?“ - „Ja, nimmst du mal ein bisschen Reiswaffeln und Zwiebeln und Tomatenmark“ und dann kamen so die ersten Blicke, die gedacht haben ich verarsch die jetzt ja. Aber als ich dann das Geheimnis gelüftet habe: „Nein, ihr esst gerade veganes Mett.“ ist eine schöne Diskussion losgebrochen. War überzeugend. Der Geschmack war auch überzeugend.

Stefanie Ja, ich kann es nicht beurteilen.

Carsten Doch ja, wir sind auf einmal so beim Thema „Warum esse ich das, was ich esse?“ angekommen, wo jeder so seine eigene persönliche Meinung mit reingebracht hat. Also natürlich habe ich jetzt niemanden von einer rein veganen Ernährung überzeugen wollen und das auch nicht getan. Aber es war schon interessant, dass die Kollegen da in der Hinsicht offen waren und auch gesagt haben, dass diese Rezepte tatsächlich schmecken.

Stefanie Ja, und nicht von Anfang an gesagt haben, das kann gar nicht schmecken oder so.

Carsten Ja, die Vorbehalte, die kamen überhaupt nicht. Im Gegenteil, dadurch, das ich eben so eingestreut habe hier, kriegt jetzt ganz normales Mett.

Stefanie Und du hast ja quasi durch die Hintertür. Und das Rezept stammt von der La Veganista Nicole Just, deren Opa Metzger war oder immer noch ist. Oder Schlachter. Ich bin mir gar nicht sicher. Auf jeden Fall aus so einem Fleischerhaushalt kam. Fleisch muss drauf. Ja genau. Und die das dann dementsprechend nachgebaut hat in vegan und was natürlich ziemlich ziemlich cool ist. Mir fällt jetzt gerade auch gar nicht ein, was wir sonst noch an Standardaufstrichen haben.

Carsten Also heute hatten wir irgendwas mit Erbsen ausprobiert. Das Rezept stammt aus dem Buch „Brotaufstriche vegan & vollwertig“. Neuere Variation. Ansonsten muss ich auch ehrlich sagen, fällt mir jetzt gar nichts so ein.

Stefanie Wir sind überhaupt nicht so variantenreich. Na ja, es ist halt, wenn man so seine Lieblinge gefunden hat, dann kocht man die halt immer mal wieder nach. Und ab und zu gucke ich mal im Internet auch da gibt es natürlich auch jede Menge Aufstrich Rezepte. Also wenn man da einfach mal schaut, dann kann man ganz, ganz viel finden. Und ja, denn der Käse, der ist jetzt eigentlich weg. Ich habe jetzt gerade heute im Budni den reduzierten veganen Käse gekauft, um noch mal zu gucken.

Carsten Da haben wir vorhin schon mal so reingebissen und

Stefanie festgestellt, alle drei sagten: Nee! Diese veganen Käsealternativen, ich habe bis jetzt noch keine gefunden - ich habe allerdings auch nicht viele ausprobiert - also keine, die wirklich dann nach Käse schmeckte, also diesen Ersatz. Ich habe aber mittlerweile auch nicht mehr den Anspruch, einen Käseersatz zu finden im Sinne von: Das muss eins zu eins wie der Käse schmecken. Das fehlt mir einfach nicht mehr.

Carsten Nee, mir ehrlich gesagt auch nicht. Mir fällt gerade noch mal ein weiterer Aufstrich ein, der Rote Bete Aufstrich.

Stefanie Ah ja, genau, der Rote Bete Aufstrich. Ja, der ist auch sehr lecker. Ist auch von Nicole Just La Veganista. Also die ganzen Aufstriche, die wir jetzt ausprobiert haben, stammen aus den Kochbüchern, die wir in der letzten Folge genannt haben.

Carsten Das ist halt, ich sag jetzt mal ganz pauschal, einfach nur ganz normales Gemüse oder irgendwelche Hülsenfrüchte, die mit Ölen und so weiterverarbeitet und püriert werden, vielleicht ein bisschen gekocht werden.

Stefanie Da wollte ich noch dazu sagen, dass ich am Anfang auch immer gedacht habe, ich brauche für alles so einen Hochleistungsmixer. Wir haben bis heute noch keinen Hochleistungsmixer. Wir machen das mit dem Pürierstab und das reicht jetzt im Moment noch aus. Wobei wir jetzt so langsam denken, das wollen wir dann in der nächsten Folge noch mal besprechen, so langsam hätten wir schon gerne einen Hochleistungsmixer. Wenn es dann wirklich daran geht, andere Dinge selber zu machen, wie Hafermilch oder so, dazu braucht man halt schon einen Hochleistungsmixer und auch beim Erstellen deiner Energieriegel geht der Pürierstab an seine Grenzen. Also manchmal. Der hat schon Grenzen, aber so für die Basics und so - also ich meine, wir haben jetzt wie gesagt seit einem Jahr keinen - da kommen wir mit dem Pürierstab super aus.

Carsten Ja, und ich glaube, wenn ich jetzt überlege, wie lange machen wir das mit den Aufstrichen? Ich glaube schon fast ein 3/4 Jahr. Da sind wir relativ schnell hingekommen, dass wir die selber machen.

Stefanie Ja.

Carsten Ja, und das spricht eigentlich dafür, dass man eben auch mit dem schmalen Budget und mit einem eher eingeschränkten Equipment in der Küche problemlos über die Runden kommt.

Stefanie Ja, und ich meine, für die meisten Sachen brauche ich auch gar keinen Pürierstab. Also jetzt vielleicht beim Rote Beete Aufstrich. Die Rote Beete zu zerdrücken, so alleine, das ist halt ein bisschen schwer. Aber jetzt der Linsenaufstrich, den zerdrücke ich ein bisschen mit der Gabel. Ja, den Erbsenaufstrich. Wenn ich die Erbsen jetzt mal ein bisschen länger noch gekocht hätte, hätte ich die auch mit der Gabel zerdrücken können. Aber irgendwie war ich dann zu ungeduldig und habe das dann püriert.

Carsten Aber Grünkernaufstrich musst du ja auch nicht unbedingt pürieren. Der muss vorher geschrotet werden.

Stefanie Genau. Wir haben eine Mühle geerbt. Sozusagen. So eine von meinen Eltern schon. Weil ich als Kind vollwert ernährt werden musste aufgrund meiner Neurodermitis gegen Zucker, hatten meine Eltern sich damals diese Mühle angeschafft. Das heißt, wenn wir mal rechnen, wie alt ich bin, das verraten wir natürlich nicht, niemand weiß das. Also jedenfalls ist die Mühle schon sehr alt und die haben wir einfach und dadurch schroten wir halt öfter.

Carsten Ja, würde aber auch funktionieren mit einer elektrischen Kaffeemühle. Ja, oder was natürlich ja auch geht – ich spreche jetzt nur für Hamburg - die meisten Budni Filialen haben ja auch eine Mühle.

Stefanie Ja, stimmt, die haben auch eine Mühle und da kann man auch schroten. Und Grünkernschrot kann man natürlich auch so kaufen.

Carsten Ich glaube auch einige Bioläden bieten das mittlerweile auch schon an. Das ist also irgendwie keine neue Erfindung vom Budni, sondern.

Stefanie Nein, nein. Ja, genau. Also solche Mühlen stehen da auch. Also wir besitzen halt so eine Mühle. Deswegen ist es für uns recht einfach, das alles selber zu schroten. Aber wir besitzen eben noch keinen Hochleistungsmixer und brauchen den jetzt im Moment auch noch nicht. Also ein Wunsch wäre ganz schön, wenn wir ihn bald hätten, aber wir kommen noch gut ohne klar. Also um es dir - haben wir eigentlich vorhin schon wieder euch gesagt?

Carsten Nein, nein.

Stefanie Okay, wir haben bis jetzt immer dir, du und nicht euch geihrt, eure Hochheiligkeit - Gut, also wenn du jetzt eben sagst, du möchtest das mal ausprobieren mit dem Brotaufstrich und auf den Geschmack gekommen bist, dann kannst du das eben auch mit deinem herkömmlichen Küchenequipment machen. Da brauchst du dir jetzt keinen teuren Hochleistungsmixer anzuschaffen. Du wirst die meisten Aufstriche auch so hinbekommen.

Carsten Genau. Vielleicht würde ich zum Abschluss noch mal eben so diese vier Buchtitel vorgeben, aus denen wir den größten Fundus unserer jetzigen Aufstrich ziehen. Das ist einmal, was du vorhin schon sagtest von Nicole Just „La Veganista“. Dann haben wir bei „Vegan - lecker lecker“ noch ein paar sehr interessante Rezepte gefunden und natürlich das Buch „Jeden Tag vegan genießen“ von Mäggi Kokta. Das haben wir.

Stefanie Das österreichische.

Carsten Das ist ein österreichisches, genau. Da, wo wir uns langsam rantasten, was neu für uns ist es dieses Buch „Brotaufstriche, vegan und vollwertig“.

Stefanie Ja, wir verlinken es auch wieder in den Shownotes.

Carsten Aber da haben wir das letzte 3/4 Jahr genau die Rezepte herausziehen können, mit denen wir abends also wirklich jeden Abend unser Aufstriche herstellen.

Stefanie Aber genau jeden Abend stehen wir in der Küche. Stundenlang. Nein, wir machen das einmal in der Woche. Da produzieren wir frische Aufstriche und dann haben wir die ganze Woche was zu essen.

Carsten So aufwendig ist es nicht, weil wir finden noch abends Zeit eine Podcastfolge aufzunehmen.

Stefanie Genau. Ja, nur für dich.

Carsten Nur für Dich.

Stefanie Damit wir einfach mal unsere Erfahrungen weitergeben können. Und wenn du was davon für dich mitnehmen kannst, freuen wir uns.

Carsten Genau das wäre super. In diesem Sinne.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss, Auf Wiedersehen.

Links zur Folge

La Veganista - Nicole Just
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Jeden Tag vegan genießen - Mäggi Kokta
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Vegan lecker lecker
https://www.buch7.de/store/product_details/108433511

Brotaufstriche vegan & vollwertig - Annette Heimroth, Brigitte Bornschein, Markus Bonath
https://www.buch7.de/store/product_details/1024364796

Folge 2 - Vegane Kochbücher mit La Veganista und Mäggi Kokta

Ein Beitrag

Folge 2 - Vegane Kochbücher

In dieser Folge

  • stellen wir dir unsere veganen Lieblingskochbücher vor,
  • reden über Kochbücher, die unseren Weg gekreuzt, es aber nicht in unseren Alltag geschafft haben
  • und geben einen Einblick in die Rezeptevielfalt der einzelnen Kochbücher.

Links zur Folge

La Veganista - Nicole Just
https://www.buch7.de/store/product_details/1020618226

La Veganista backt - Nicole Just
https://www.buch7.de/store/product_details/1022447534

La Veganista Superfoods - Nicole Just
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Jeden Tag vegan genießen - Mäggi Kokta
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Vegan lecker lecker
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Vegan lecker lecker 2
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No Meat Athlete - Matt Frazier
https://www.buch7.de/store/product_details/1022242106

Vegan in Topform das Kochbuch - Brendan Brazier
https://www.buch7.de/store/product_details/1021738221

Brotaufstriche vegan & vollwertig - Annette Heimroth, Brigitte Bornschein, Markus Bonath
https://www.buch7.de/store/product_details/1024364796

Transkript (Korrektur gelesen von ä'Odner)

Stefanie Heute geht’s um Kochbücher.

Carsten Genau. Wir haben natürlich im Verlauf des letzten Jahres das eine oder andere Kochbuch mal für uns selber gekauft und möchten jetzt einfach mal frei besprechen, welche Kochbücher uns geprägt haben, welche uns überhaupt nicht gefallen haben.

Stefanie Genau. Das ist total subjektiv. Also jeder sollte für sich rausfinden, was die richtige Richtung für ihn oder sie ist. Und wenn du der Meinung bist, dass ein bestimmter Kochbuchautor oder eine -autorin, die wir vielleicht nicht so gut finden, für dich besser passt, ist das völlig in Ordnung.

Carsten Es gilt immer selber ausprobieren. Bild dir deine eigene Meinung.

Stefanie Und genau. Und wir sagen das deswegen, weil wir jetzt mit Attila Hildmann anfangen.

Carsten Richtig. Attila Hildmann. Muss ich eigentlich zu dieser Person nicht großartig was sagen. Er war.

Stefanie Sehr Präsent.

Carsten Er war sehr präsent.

Stefanie Ich muss zuerst was sagen, weil nämlich Attila Hildmann habe, glaube ich, ich ins Spiel gebracht, weil nämlich eine Bekannte von mir, da habe ich noch nicht vegan gelebt und auch noch nicht so mit dem Gedanken gespielt, mir immer von dem vorgeschwärmt hat. Sie hat selber auch nicht wirklich vegan gelebt, aber sie hatte diesen, diesen Fitnesshype irgendwie so mitgemacht, weil er ja diese Vegan For Fit-Challenge macht und sie fand ihn total toll und hat dann eben das auch alles verfolgt und hatte auch das Kochbuch von ihm und so und ich meine, dass ich das dir dann so gesagt habe, ich weiß es nicht mehr.

Carsten Das kann sein. Irgendwie war er dann zumindest präsent, das ist klar. Wenn man irgendwo Richtung vegan unterwegs ist, sich dann informiert, dann stößt man früher oder später freiwillig oder unfreiwillig eben über Attila Hildmann.

Stefanie Da stößt man drüber, man stolpert.

Carsten Ja, man stolpert.

Stefanie Vielleicht wird man auch gestoßen.

Carsten Stößt man drauf, aber man bleibt irgendwie hängen und muss sich dann losreißen. Ja, wir sind hängengeblieben auf einem Flohmarkt.

Stefanie Genau da hattest du das Buch gesehen. Weil so fanden wir es jetzt schon relativ teuer.

Carsten Definitiv, ja.

Stefanie Ich weiß gar nicht, wie teuer das ist. Wir können ja mal gucken.

Carsten … im Buchladen nie gekauft, aber auf diesem Flohmarkt selber war eine sehr gut erhaltene Ausgabe für, ich glaube 8 € wollten sie haben, ich habe sie dann noch fünf runter gehandelt. Das war mir die Sache wert. Und ich muss auch ehrlich sagen, viel mehr hätte ich für das Buch auch nicht ausgegeben.

Stefanie Man muss ja dazu sagen ‚für unsere Bedürfnisse‘. Also es mag ja sein und sonst würde ja Attila Hildmann auch nicht so gut seine Kochbücher verkaufen, dass es viele Menschen gibt, die ihn mögen und auch seine Kochbücher mögen und seine Art und Weise, wie er damit umgeht,

Carsten Die davon profitieren. Genau.

Stefanie Das heißt, wir wollen jetzt nicht sagen, dass es schlecht ist, nur für uns hat es nicht so gepasst. Wir haben ein paar Sachen nachgekocht.

Carsten Ja, aber ich muss auch ehrlich sagen, ich weiß gar nicht mehr, wann wir das letzte Mal was daraus gekocht haben.

Stefanie Das war alles …

Carsten Schon eine ganze Zeit lang bei uns im Bücherregal.

Stefanie Genau.

Carsten Ja, als Buchstütze muss man sagen.

Stefanie Na ja, es war halt das Erste halt so am Anfang. War so der Einstieg irgendwie, ja, und dann haben wir es aber auch nicht weiter verfolgt. Wir haben keine weiteren Bücher von Attila gekauft. Bei Attila, also bei Attila. Das Pony von einer ehemaligen Freundin hieß auch Attila. Und bei Attila muss ich immer an dieses Pony denken. lacht Und das ist total. Okay. Also Attila Hildmann ist gemeint, nicht das Pony, sondern der Mann. Und ja, also irgendwie. Ich sehe gerade, dass da draufsteht ’vegetarisch und cholesterinfrei’.

Carsten Das hat mich damals auch schon irritiert aber da es ja „Vegan For Fit“ heißt.

Stefanie Ja okay. Vielleicht ist einfach, weil vegetarisch eher anerkannt ist als vegan, wer weiß. Ja gut, also damit haben wir jetzt Attila, haben wir abgehakt.

Carsten Angefangen und Abgeschlossen. Genau. Wir sind auf andere Bücher ausgewichen. Du hattest in der ‚Kochen ohne Knochen‘-Zeitschrift eine Rezension gelesen zu einem Buch, was uns eigentlich damals wirklich den Einstieg in diese vegane Ernährung nochmal ganz kräftig erleichtert hat.

Stefanie Genau das ist, das habe ich hier neben mir liegen: ‚Jeden Tag vegan genießen‘ von Mäggi Kokta, das ist eine Österreicherin und deswegen gibt es bei ihr auch Paradeiser-Salat und Fisolen und so alles. Aber es gibt hinten ein eine Übersetzung, wo man dann nachlesen kann, was das ist. Und das hat mir genau geholfen. Also was ich gut fand an dem Kochbuch, war eben, dass sie, dass es saisonal ist und das finde ich immer total wichtig. Es finde ich schön, so wirklich zu kochen, dass ich weiß, ich habe kann auf die Gemüsesorten und Obstsorten, nicht unbedingt, aber auf die Gemüsesorten zurückgreifen, die gerade Saison haben. Und sie hat da als Titel noch ‚biologisch, saisonal und kreativ‘. Ja das fand ich eben für den Anfang sehr schön. Und ich koche, ja, wir kochen immer noch daraus, aber nicht mehr so viel. Also jetzt, für diese Woche, habe ich mal für den Plan da jetzt mal ein paar mehr Gerichte raus, darauf geschrieben. Aber ich bin ja, nachdem wir da eingestiegen sind, haben wir dann doch wieder andere Kochbücher natürlich auch entdeckt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr, aber ich glaube, dass es auch über die ‚Kochen ohne Knochen‘ war. Es kann auch sein, dass ich einfach so mal rumgestöbert habe. Jedenfalls bin ich dann schnell bei Nicole Just gelandet mit ‚La Veganista‘. Und diese ‚La Veganista‘-Bücher, es gibt ja ‚La Veganista‘, dann gibt es ‚La Veganista backt‘ und ‚La Veganista Superfoods‘. Also diese Bücher, die sind wirklich toll.

Carsten Das sind unsere Kochbibeln. Muss man wirklich so sagen. Da haben wir jede Woche, wenn wir dann einen Wochenendeinkauf planen, mindestens eins dieser Bücher vorliegen. Und ja, es ist eigentlich ein Fundus, wo ich sagen muss eigentlich, also anders gesagt, mir fällt im Moment kein Gericht ein, wo ich enttäuscht war.

Stefanie Ja doch. Also es gab schon zwischendurch was, was jetzt irgendwie nicht so toll geschmeckt hat, aber das liegt dann eben daran, denke ich mal, dass wir das nicht so mögen oder ich das nicht so mochte. Also bei manchen Sachen, die mag ich einfach nicht so, ich hatte das aus diesem ‚La Veganista Superfoods‘ lacht ‚Superfurz‘, du weißt schon. Ah super. Das war mal wieder blähend. Also jedenfalls ‚La Veganista Superfoods‘, das klingt jetzt immer wie Furz, egal wie ich sage.

Carsten Verkneif dir das lachen und erzähl, was du sagen wolltest.

Stefanie Da hatte ich das Kürbis Panacotta nachgemacht und das schmeckte irgendwie gar nicht.

Carsten Ja, das stimmt.

Stefanie Also so ein paar Sachen, die schmeckten irgendwie nicht. Aber wie gesagt, ich weiß nicht, ob es daran lag, wie ich es gemacht habe oder ob es mir einfach nicht schmeckt, anderen aber dafür schon, mir sind die Geschmäcker verschieden. Also von daher, sie sind nicht hundertprozentig supertoll für alles. Aber die Bücher… Also zum Einen, wir haben vorhin ja festgestellt, als wir die Bücher noch mal alle angeguckt habe, wir sind beide sehr visuelle Menschen.

Carsten Die Bilder, die sind sehr entscheidend.

Stefanie Ja, also es ist wirklich, die sind wirklich schön aufgemacht, diese Kochbücher. Und was ich ganz toll finde, ist, dass da vorne, in den ersten Seiten immer noch so Hintergrundinformationen stehen, und bei ‚La Veganista backt‘ steht halt eben auch, wie man ein Ei am besten ersetzt und Milch und wie man dann Sahne macht und Sahnecreme und Eiweiß und solche Sachen, die man halt zum Backen braucht, und wo man am Anfang eben nicht so genau weiß, wie man das ersetzt. Und das ist richtig super. Also so in paar Abschnitten einfach erklärt und das ist so simpel und da denkt man sich ja vorher ja klar, warum bin ich da nicht drauf gekommen? So.

Carsten Ja, und sie hat eben auch für einzelne Schritte, die ein bisschen komplizierter sind, sehr detaillierte, auch bebilderte Anleitungen. Das fand ich so sehr interessant, das ist mir sofort aufgefallen. Wo bei anderen Büchern muss man wirklich den Text von vorne bis hinten lesen, um zu verstehen, was da teilweise gefordert wird. Und hier sieht man das dann wirklich so in fünf, sechs Bildern, die einzelnen Handgriffe und das fand ich gut und hat mir auch sehr geholfen.

Stefanie Ja, also Nicole Just ist auf jeden Fall meine Lieblings-Kochbuch-Autorin. Genau. Und sticht halt völlig hervor mit ihren Rezepten. Und ja, da wir halt nicht nur immer nur die Rezepte kochen wollten, haben wir dann auch noch mal weiter uns umgeschaut und ich bin auch wieder über eine Rezension aus der ‚Kochen ohne Knochen‘ auf dieses ‚Vegan lecker lecker‘, diese Ringbindungshefte gestoßen, die ja sehr günstig sind. Und ganz viele Rezepte bieten. Da gibt es ‚Vegan lecker lecker‘ und, was ist das? - ja, ‚Vegan lecker lecker 2‘.

Carsten ‚Neue Ideen in der veganen Küche‘

Stefanie Genau. Also die da ist ganz viel. Also wenn man jetzt sagt so günstig kochen, es ist ganz viel drin, nur halt, wir hatten ja vorhin gesagt, diese visuelle Sachen, es ist wirklich also eben die Fotos sind nicht immer so ansprechend, aber ...

Carsten Das ist so schon eine andere Klasse. Man merkt schon, da geht es dann mehr so um den Inhalt, dass man günstig und trotzdem lecker kochen kann.

Stefanie Ja, viel Do it yourself.

Carsten Genau. Also diesen Anspruch erfüllen die Bücher wirklich hervorragend. Ich muss sagen, wenn wir was daraus gekocht haben, hat das immer sehr, sehr gut geschmeckt. Aber gerade für Leute wie uns, die sich dann doch eher so von einem Bild locken lassen oder auch leiten lassen, ist es dann manchmal so eine Hürde zu sagen ‚Ja, koche ich das dann? Mache ich das?‘ Das Bild sieht schon nicht mehr ganz so appetitlich aus, aber zumindest gibt es dort ein Bild. Also es gibt ja auch durchaus Bücher, wo das komplett fehlt und insofern für den Preis, den diese Bücher kosten, ist das absolut empfehlenswert. Legt es euch zu und blättert durch und ihr werdet (a) feststellen, es ist alles keine Hexerei, wie man das…

Stefanie Du sagst jetzt auch ‚ihr‘!

Carsten ‚Ihr‘ – ‚du‘, genau. Entschuldigung. Wir hatten vorhin schon festgestellt, dass man intuitiv immer von einem großen Publikum spricht, obwohl wir ja im eins zu eins Dialog mit dir, Hörer, sind,

Stefanie Oder Hörerin

Carsten Oder Hörerin.

Stefanie Immer diese Diskriminierung.

Carsten Nein, war keine Diskriminierung. Es war nur einfach… Ja, ja. Lies dir diese Bücher durch und ich bin sicher, dass du das eine oder andere Rezept finden wirst, was sehr schnell gemacht ist, aber auf der anderen Seite auch sehr gut schmeckt.

Stefanie Was wir, also wofür wir diese Kochbücher regelmäßig nutzen, ist für Aufstriche.

Carsten Genau.

Stefanie Für Brotaufstriche. Ja, das ist gut. Da sind einige gute Rezepte drin, die relativ schnell gehen und dafür nutze ich das häufig.

Carsten Genau.

Stefanie Dafür. Ja.

Carsten Ja. Wir haben noch zwei andere Bücher, die aus einer etwas anderen Ecke kommen. Und zwar ist das mehr so von meiner Seite aus angetriggert worden. Für mich war ganz wichtig, dass ich relativ zeitnah nach meiner Umstellung auf die vegane Ernährung wieder meine sportliche Leistungsfähigkeit gewährleisten konnte. Ich mache Hanteltraining, ja, ich sag jetzt mal Natural Bodybuilding und habe in den ersten Wochen, nachdem ich auf die vegane Ernährung umgesattelt bin, doch ziemlich viele Kilos verloren, ohne dass ich jetzt mein Körpergewicht im Auge behalte, so frenetisch mache ich das nicht. Aber ich habe definitiv schon abgenommen und ich habe nach Wegen gesucht, dass ich das wieder irgendwie kompensiere. Es ging da einfach nur noch um Fragen wie kann ich mich so ernähren, dass ich eine sportliche, angemessene Leistung, also noch nicht mal eine Höchstleistung, gewährleisten kann. Und was gibt es denn da für Kombinationen oder auch für Grundnahrungsmittel?

Stefanie Und komischerweise bist du dann nicht wieder bei Attila gelandet.

Carsten Der will ja abnehmen. Ich wollte zunehmen.

Stefanie Ja stimmt. Du hast ja recht, aber ich wollte gerade sagen, weil da geht es ja um Sport. Stimmt, er will abnehmen. Du willst zunehmen. Genau. Ja.

Carsten Ja, nee. Ich glaube, deswegen bin ich bei ihm nicht gelandet. Aber auch, weil mir die Rezepte bei ihm im Endeffekt auch nicht so hundertprozentig zugesagt haben. Ich glaube, da war wohl irgendwie mal so ein Quinoa Powersalat, an dem wir uns orientiert haben.

Stefanie An dem Du Dich orientiert hast. Den wolltest Du mit zur Arbeit nehmen.

Carsten Den habe ich auch ein paarmal ausprobiert. Der hat auch gut geschmeckt. Aber bei anderen Sachen muss ich ehrlich sagen, das war nicht so meins. Das war ja, ähm. Die Bücher, die ich mir dann im Nachgang geholt hatte, war einmal von Brendan Brazier. Das ‚Vegan in Topform‘, allerdings das Kochbuch. Es gibt da nochmal ein Grundlagenbuch von ihm, was ich glaube auch ‚Vegan in Topform‘ nennt. Und von einem Ultra-Marathonläufer, der Matt Frazier heißt.

Stefanie Ich finde es voll lustig: Brazier und Frazier, die heißen alle so ähnlich. Ich habe glaube ich gerade ganz laut ins Mikro gesprochen. Es tut mir leid, weil ich mich so rübergebeugt habe. Also, Brazier und Frazier.

Carsten Genau. Brazier hat ‚Vegan in Topform‘ geschrieben und Brazier ist der ‚No Meat‘-Athlete.

Stefanie Jetzt hast du zu beiden Brazier gesagt. Also Frazier ist der No Meat-Athlete. Genau. Das ist der Ultra-Marathonläufer. Was ist jetzt mit dem Brazier? Macht er auch so was? Ultramarathon oder was? Nee.

Carsten Ja, er macht so einen Triathlon, glaube ich. Ultra-Triathlon.

Stefanie Gibt es so was auch? Ultra-Triathlon?

Carsten Ja, ich habe ihn in einem Buch irgendwo auf dem Fahrrad sitzen sehen.

Stefanie Ach so, okay, na gut, dann muss da etwas anderes.

Carsten Er macht Sport. Er ist sehr berühmt, für das, was er macht. Er macht aber nicht mein Sport. Kuck mal, hier läuft er auch und hier sitzt er auf dem Rad. Also, er muss irgendwie Triathlet sein, also. Oder zumindest mal gelaufen sein für diese Fotos.

Stefanie Ja, gut. So! Ja, Also jedenfalls war ja die Intention, deswegen habe ich für dich danach gesucht. Du warst so deprimiert.

Carsten Danke.

Stefanie Ja, das wollte ich jetzt mal öffentlich machen. Du warst so deprimiert, weil du so abgenommen hast. Und ich habe gedacht, es gibt doch vegane Sportler. Und dann kann ich doch mal gucken, wie die das machen. Die halten ja schließlich ihr Gewicht und ernähren sich so. Und da sind jede Menge Infos auch drin.

Carsten Ja, ja, genau. Für diese beiden Bücher spricht ganz klar, dass viele Informationen oder viele Hintergrundinformationen geliefert werden, wie man Sport und und vegane Ernährung in Übereinstimmung bringen kann ohne Leistungseinbußen. Im Gegenteil, diese beiden Bücher gehen darauf ein, dass ich eine Leistungssteigerung erwirke. Ähm, allerdings, das ist der Schwerpunkt beider Bücher eben im Ausdauersport. Das ist ja im Grunde genommen überhaupt gar nicht meine Sportart. Ich mache eher so Aufbautraining, Muskelaufbau, habe aber trotzdem davon profitiert von diesen Hintergrundinformationen. Wobei nachhaltig genutzt wird eigentlich mehr dieses No Meat-Athlete.

Stefanie Ja, das soll genau dieses ‚Vegan in Topform’ von Herrn Brazier das ja, da hatten wir mal was draus gekocht, aber der nutzt so viele teure – lacht -

Carsten Superfoods, ich sprechs mal aus. Ja, er hat sehr exklusive, also sehr, sehr interessante Rezepte mit sehr interessanten Zutaten. Also, das einfach mal so zu sehen und vielleicht auch mal ein bisschen zu experimentieren, das mit Sicherheit eine schöne Geschichte. Ich fand es aber tatsächlich einfach zu exotisch, auch zu teuer, wenn man die Grundnahrungsmittel da jetzt betrachtet, die er so nennt und auch in seinen Rezepten verwendet. Es ist definitiv im höherpreisigen Segment angesiedelt und bei No Meat-Athlet von Matt Frazier ist es deutlich einfacher, dort reinzukommen. Also ich habe da den Eindruck, dass er sehr stark auf diese ganz normalen Grundnahrungsmittel baut, die man auch so im normalen Supermarkt bekommt. Und er bietet halt einen recht interessanten Fundus an Rezepten. Wobei zwei Einschränkungen: (a) Es ist nicht so, dass das komplette Buch aus Rezepten besteht, sondern ich glaube so 1/3, wenn es hochkommt.

Stefanie Also es gibt nicht so viele Rezepte, aber eben, es ging uns ja auch da um die Hintergrundinformationen. Das heißt, wenn du Sportlerin oder Sportler bist, dann macht es schon Sinn, sich tatsächlich auch mal so ein Kochbuch zuzulegen, wo es noch mehr Hintergrundinformationen gibt, wie du dich am besten ernähren kannst, wenn du eben Sport treiben willst.

Carsten Also wirklich Ja, definitiv. Lohnt sich.

Stefanie Wirklich Sport! Nicht so wie ich, die ich nur zwei mal die Woche laufen gehe. So ja. Und auch zu gucken, dem entgegenzuwirken, was du eben als Problem hattest, dass du abgenommen hast, obwohl du es nicht wolltest. Ja, da.

Carsten Können wir gleich noch mal was zu sagen, oder ich kann da gleich noch was zu sagen.

Stefanie Nein, ich denke, das verschieben wir auf eine andere Folge.

Carsten Das stimmt, dass es vielleicht ein bisschen zu...

Stefanie Es ist nochmal ein extra extra Thema. Es ist ein extra Thema.

Carsten Ich möchte aber abschließend noch mal zu No Meat Athlete sagen, der größte Makel an diesem Buch ist, dass die Rezepte großteils nicht bebildert sind. Es gibt im Vorfeld, bevor die Rezepte anfangen, in diesem Buch ein paar aufgenommene Foodfotos. Die sind auch, glaube ich, so deklariert, dass ich weiß, welches Gericht damit gemeint ist. Aber nicht zu jedem Gericht ist tatsächlich in der Abbildung vorhanden. Ja, und schon gar nicht direkt bei den Rezepten. Das heißt also, der Rezeptteil ist ausschließlich textbasiert und das ist natürlich schon mal so eine Hürde, wo wir beide immer mal wieder merken, Mensch, hm, da fehlt mir die Vorstellung von dem was, …

Stefanie Wie soll es nachher aussehen? So bei den Energieriegeln. Gut, du weißt, das soll so ein Riegel sein, aber wie? Wir sehen die dann wohl bei ihm aus. Also die Energieriegel, die nutzen wir jetzt schon. Er hat da so ein Grundbaukasten und so, dass also für dich eigentlich, dass du dann nachmittags nicht immer so einen Leistungseinbruch hast, dass du dann so einen Energieriegel essen kannst. Und es ist natürlich viel günstiger, das selbst herzustellen. Aber wie so ein Riegel bei ihm aussieht, das hätte mich mal interessiert. Aber das ist halt nirgendwo zu sehen.

Carsten Nee, leider nicht. Also ich muss sagen, die schmecken sehr gut. Kommt natürlich auf die Kombination der Zutaten an.. Ja, wie gesagt, du hattest vom Baukastenprinzip gesprochen. Also man kann sich natürlich auch mal verbauen und in einer Ecke landen, die nicht so geschmacklich hervorragend ist. Aber das Optische muss ich sagen, ist schon. Man muss wissen, dass es ein wohlschmeckendes Rezept ist.

Stefanie Man muss es erst ausprobieren, man muss erst einmal ins kalte Wasser springen und dann kann man das eben erst erfahren. Genau. Ja, ich würde noch sagen, wir haben noch ein Buch gekauft über Brotaufstriche, weil wir jetzt viel Brotaufstriche selbermachen. Ja, denn klar wirst du auch schon gemerkt haben, wenn du in den, sei es in den Budni gehst, bei uns, oder eben in den Supermarkt und so, solche veganen Aufstriche sind ganz schön teuer, so für das was man da bekommt, diesen kleinen Klecks da und.

Carsten Drei Euro oder vier Euro teuer.

Stefanie Ja, total genau. Und deswegen haben wir ganz schnell angefangen Brotaufstriche selber zu machen. Darüber wollen wir aber auch noch mal eine eigene Folge machen und da haben wir uns eben auch noch mal ein passendes Kochbuch dafür gekauft und das heißt ‚Brotaufstriche, vegan und vollwertig‘. Also die, die Kochbücher, die werden wir auch alle wieder in den Shownotes verlinken oder bzw. ja verlinken, also aufzählen. Und natürlich gibt es jede Menge andere Kochbücher auch noch und wir werden auch noch weiter welche entdecken. Was wir jetzt noch in Aussicht haben, ist dieses neue Kochbuch ‚Vegan, aber günstig. Spar dir das Tier‘, das fand ich ganz interessant. Da habe ich jetzt schon viele Rezensionen drüber gelesen und da, das wollen wir als nächstes ausprobieren.

Carsten Also was dich nachher vielleicht wundern wird, die Sammlung, die wir hier besprochen haben, die ist nicht wirklich groß. Und wenn du das mitbekommen hast, das eine oder andere Buch wird bei uns in der Praxis eigentlich gar nicht mehr richtig angeschaut. Das heißt, der Rest ist aber so ergiebig, dass wir da problemlos mindestens ein Jahr von zehren konnten, ohne dass uns langweilig geworden ist.

Stefanie So, jetzt fängt es langsam an, dass wir halt noch mal noch aus anderen gucken. Genau.

Carsten Aber, das, also auch das spricht für mich, für die Qualität dieser Bücher. Und auch daran kann ich mich so schnell nicht satt essen. Und die Variationen sind halt noch so breit gestreut, dass es Spaß macht, die Sachen nochmal nachzukochen.

Stefanie Ja, wobei ich ja zugeben muss, dass ich halt wenig Gerichte selbst erfinde und mich fast immer an Kochbücher halte ich. Irgendwie habe ich nicht den Ehrgeiz, da selber was zu erfinden. Und ja, ich koche halt ganz gerne nach Kochbuch. Weiß nicht? Du bist eher kreativer in der Küche.

Carsten Aber das funktioniert nicht.

Stefanie Wie? Das funktioniert nicht?

Carsten Ja, aber mir fehlt da die Würze. Ich schaffe es nicht, das dann anschließend…

Stefanie Wollt grad sagen, wie das funktioniert nicht? Wir haben immer was zu essen!

Carsten Wir haben immer was zu essen. Wir werden wahrscheinlich auch immer satt. Ich zumindest. Ja, aber ich habe immer den Eindruck, dass wenn ich das so zusammenwürfel dann schmeckt es nach den Grundzutaten, dass es dann …

Stefanie Dass es nicht genug gewürzt ist. Naja, aber.

Carsten Das ist eine Kleinigkeit. Also ich bin, will sagen kein Hobbykoch.

Stefanie Nein, aber du. Also, du hast eher so das Bedürfnis, mal davon abzuweichen oder mal selber was zu machen. Aber ich halte mich eben an die Kochbücher, an die Kochbücher. Ich kann schon nicht mehr sprechen. Und ja, deswegen ist es mir auch so wichtig, schöne, gut bebilderte Kochbücher zu haben, wo ich halt ganz einfach sehen kann, ach so sieht es aus. Okay, das kommt raus und mich daran orientieren kann und auch diese Grundlageninformationen habe und da ist halt meine Lieblings-Kochbuch-Autorin, muss ich noch mal sagen, Nicole Just und ich finde ihre drei Kochbücher wirklich super.

Carsten Wir wollen ein viertes, falls sie uns hört.

Stefanie Ja genau. Na ja, sie hat glaube ich schon ein viertes. Aber das, das sieht anders aus als diese La Veganista-Reihe, und deswegen habe ich es nicht gekauft. Ja, das war irgendwie irgendwas mit tolle fünf Gänge Menüs kochen oder so… Das interessiert mich halt nicht so. Mir geht es um Alltagsküche. Genau. Ja, also von daher, das war jetzt so unsere Auswahl. Uns interessiert natürlich auch, was du bisher so ausprobiert hast, ob du vielleicht noch ein Kochbuch-Tipp für uns hast.

Carsten Genau. Schreibs in den Kommentar rein. Wir sind da sehr neugierig.

Stefanie Ja, wir sind auch gerne bereit für Austausch. Wir plaudern nicht nur so, nur wir zwei hier. Also wenn du da irgendwelche Tipps hast, gerne. Und wenn du Fragen hast, natürlich auch gerne.

Carsten Genau.

Stefanie Genau so, jetzt wieder du.

Carsten Jetzt vielleicht Ja, in Hamburg sagt man Tschüss.

Stefanie Nein, du sollst sagen „In diesem Sinne.“

Carsten Ach so, in diesem Sinne. Okay.

Stefanie In Hamburg sagt man Tschüss.

Folge 1 - Unsere vegane Lieblings­zeitschrift "Kochen ohne Knochen"

Ein Beitrag

Folge 1 - Vegane Zeitschriften

In dieser Folge

  • stellen wir dir die vegane Zeitschrift "Kochen ohne Knochen" vor
  • und erklären dir wie diese Zeitschrift unseren Weg beeinflusst hat.

Links zur Folge

Die Pilotfolge - Unser Warum zum Anhören

Ein Beitrag

Weiter wie bisher geht es nicht!

In dieser Folge geht es darum,

  • wieso es überhaupt diesen Podcast gibt,
  • was unsere bisheriger Weg bis zur Umstellung auf Vegan war,
  • wie der Weg seitdem weitergegangen ist
  • und was wir in Zukunft vorhaben

Wir laden dich ganz herzlich ein mit uns zu kommen und sind neugierig auf deine Erfahrungen!

Transkript (Von baerenstark Korrektur gelesen)

[Intro]

Stefanie Herzlich willkommen zu unserem neuen Podcast, der Forschungsreise mit – wie heißt du nochmal?

Carsten Carsten. Und du?

Stefanie Ach ja, Carsten, genau. Und Stefanie. Hab ich irgendwie vergessen.

Carsten Macht nichts.

Stefanie Also der Forschungsreise mit Carsten und Stefanie. Und in dieser ersten Folge wollten wir erst mal erklären, warum wir denn jetzt einen Podcast starten wollen, was der Sinn des Ganzen ist und uns auch gar nicht lange mit Vorstellungen aufhalten. Also über mich könnt ihr auf meiner Internetseite lesen und über Carsten erfahrt ihr vielleicht irgendwann mal was. Also die Idee zum Podcast kam ja eigentlich mir.

Carsten Genau.

Stefanie Genau. Die Idee zum Podcast kam mir und zwar aufgrund meiner beruflichen Neuausrichtung und aufgrund unserer gemeinsamen Reise. Und wir haben ja angefangen: wir waren vegetarisch und sind dann Veganer geworden vor einem Jahr. Und das war echt der Startschuss für diese Forschungsreise, denn vegan war nur der Anfang.

Carsten Genau.

Stefanie Und warum? Wie war das noch? Warum sind wir eigentlich vegan geworden?

Carsten Also bei mir war es erst mal rein bezogen auf Gesundheit, die gesundheitlichen Aspekte.

Stefanie Ja, du hast doch diesen einen Podcast gehört.

Carsten Genau. Ich habe mir, das weiß ich heute noch am 23.12.2014 auf dem Weg zur Arbeit einen Podcast aus dem SWR2, also Südwestrundfunk zwei.

Stefanie Meinst du, SWR2 ist so unbekannt?

Carsten Ich weiß es nicht, es ist so Süddeutschland, wir sitzen in Hamburg …

Stefanie … aber unser Podcast strahlt weltweit. Ja, genau, da weiß man wahrscheinlich auch nicht, was SWR2 ist.

Carsten Ich weiß noch den Titel dieses Podcasts, der Podcast war tituliert mit „Mythos Milch“. Das hat mich brennend interessiert, weil ich zu dem damaligen Zeitpunkt noch der Meinung war, dass ich ausschließlich durch Milch und Milchprodukte sehr viel Protein in meine tägliche Nahrung integrieren könnte und hatte da natürlich dann das Augenmerk drauf gelegt, ein bisschen mehr zu dem Thema zu erfahren. Hört euch diesen Podcast an, wie gesagt, Mythos Milch auf SWR2.

Stefanie Genau, wir verlinken das auch dann in den Shownotes.

Carsten Für mich war ich glaube 20 oder 30 Minuten Showprogramm ausreichend, um mich zu bekehren. Und ja, so viel sei verraten, ich habe nach diesem Podcast für mich beschlossen, ab sofort auf Milch und Milchprodukte zu verzichten, was für mich eigentlich gleichbedeutend war mit dem sofortigen Schritt in ein veganes Ernährungsleben. Und ja, wir haben das dann auch relativ zeitnah umgesetzt.

Stefanie Ja, also ich hätte den Schritt ohne deine Entscheidung wahrscheinlich nicht geschafft. Bei mir war es eigentlich immer das Ethische. Und irgendwie habe ich die Augen fest verschlossen, was die Milchkühe angeht und auch was die Hühner angeht. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass Milchkühe schwanger sein müssen, um Milch zu geben. Und was ist eigentlich mit den Kälbern? Und auch bei der Eierproduktion – Produktion! – also dass da männliche Küken einfach nur Ausschussware sind. Also da habe ich nie drüber nachgedacht. Wobei das mit den Eiern: Also wir haben immer schon drauf geachtet, dass es Bio ist. Wobei wir jetzt anders auch schon über Bio denken, aber das erzählen wir später mal. Aber dann kam mal ein Bericht, dass Bioland und Demeter verzichteten darauf, die männlichen Küken zu schreddern. Und da erst ist mir ins Bewusstsein gekommen: Ja, natürlich, was ist das denn? Kükenmord! Also ja, bei mir war es ja immer das Ethische. Aber es hat mir geholfen, dass du gesagt hast: „Ich verzichte auf Milch.“ Dann habe ich auch angefangen, auf Milch zu verzichten. Und bei mir war dann immer die Panik: „Aber mein geliebter Käse! Was soll ich denn jetzt tun? Ich ich will doch noch Käse essen!“ Und es hat sich doch über das ganze letzte Jahr gezogen und ich habe dann im letzten Quartal 2015 angefangen, ganz viele Bücher zu lesen, weil ich auch darüber nachgedacht habe, mich beruflich neu auszurichten, jetzt wirklich meinem Herz zu folgen, was mein Business angeht, und das zu machen, was wirklich in mir brennt. Und das ist schon immer – ich bin ja schon seit über 20 Jahren Vegetarierin, bin jetzt ja eben Veganerin – schon immer die Tierliebe gewesen. Es war nie das Gesundheitliche. Bei dir war es ja immer eher das Gesundheitliche.

Carsten Es war gesundheitliche Ernährung, genau.

Stefanie Ja, du warst ja auch schon mal früher aus gesundheitlichen Gründen Vegetarier und dann hast du ja damit aufgehört wieder.

Carsten Aus reiner Bequemlichkeit habe ich es dann sein lassen. Bedingt dadurch, dass ich damals in einem eher ländlichen Umfeld gewohnt habe.

Stefanie Wobei das keine Ausrede ist.

Carsten Heute nicht mehr.

Stefanie Ich bin auch in einem ländlichen Umfeld groß geworden. Und ich war immer die einzige Vegetarierin.

Carsten Das stimmt ja. Also wie gesagt, bei mir war es reine Bequemlichkeit. Und ich bin eigentlich durch dich wieder auf diesen vegetarischen Genuss gekommen. Muss man ja ehrlich sagen. Es ist ja kein Verzicht gewesen, sondern eigentlich eine andere Genusswelt, in die man sich begibt. Ja, aber der Schritt zum Veganismus, der war dann doch noch ein bisschen weiter.

Stefanie Genau, das war eben durch die Milch. Und das war auch bei dir rein gesundheitlich bedingt, nicht das Ethische. Das kam jetzt erst in den letzten Monaten dazu.

Carsten Diese Dimension und auch die ökologische, die öffnen sich jetzt quasi für mich erst im Nachgang, ist noch lange nicht so fest verankert. Also treibende Motivation bleibt bei mir nach wie vor noch der gesundheitliche Aspekt. Aber ich wage mich auch ganz bewusst immer an die beiden anderen Dimensionen stärker heran, um zu verstehen: Was bedeutet eigentlich Fleischkonsum oder der Konsum von tierischen Produkten aus ökologischer Sicht? Und was bedeutet das aus ethischer Sicht? Und es wird immer erschreckender, je tiefer man sich in diese ganze Thematik einarbeitet.

Stefanie Genau, es ist eine Reise.

Carsten Es ist eine Reise. Aber der Point of no Return ist schon lange für uns erreicht. Also es geht nicht mehr zurück.

Stefanie Genau. Es gibt einfach diesen Moment, wo man nicht mehr zurück kann, und den haben wir schon lange erreicht. Und als ich im letzten Quartal angefangen habe, diese vielen Bücher zu lesen: Eins war dabei, das heißt „Aus kontrolliertem Raubbau“ von Kathrin Hartmann – ich verlink das Buch auch, und wir wollen auch gerne mit diesem Podcast noch Bücher rezensieren und Filme rezensieren und also einfach darüber sprechen, das kommt alles noch – und wir werden auch über dieses Buch etwas ausführlicher sprechen. Das ist ein Riesenwälzer und das ist sehr anstrengend zu lesen, aber es hat total viele Informationen und hat mir sehr stark die Augen geöffnet. Also dieses Buch hat es wirklich in sich und mittlerweile weiß ich eben, dass es kein nachhaltiges Palmöl gibt, weil einfach überall Regenwälder dafür gerodet werden, Einheimische vertrieben werden, Landraub usw. Aber das nur am Rande bemerkt. Also dieses Buch hat mich quasi noch tiefer geführt, also immer weiter. Wenn wir bei der Analogie der Matrix bleiben, immer noch weiter in den Kaninchenbau. Und ja, es ist wirklich so, dass wir gemerkt haben, ein „weiter wie bisher“ geht nicht für uns, aber auch für die Welt.

Carsten Ja, genau.

Stefanie Wir haben ja Filme angeguckt, wie Cowspiracy, da haben wir es dann auch gesehen: Ein Kilo Fleisch verbraucht 15.000 Liter Wasser. Also für die Produktion. Also nicht das Fleisch verbraucht das, sondern dass es produziert wird. 15.000 Liter Wasser!

Carsten Das sind unbegreifbare Dimensionen.

Stefanie Also mal ganz von den ethischen Bedingungen und den Dimensionen abgesehen. Nur alleine jetzt mal zu sagen, der Wasserverbrauch, dafür können wir als Veganer ewig duschen, wenn jemand Fleisch isst, im Vergleich dazu.

Carsten Genau. Das sind natürlich so ganz beeindruckende Zahlenbeispiele, die einem dann so präsentiert werden durch diese Bücher oder Filme, die wir im Moment gesehen haben. Das ist für uns im Moment so die Spitze des Eisberges. Also wir wissen, da gibt es noch ganz viel mehr Informationen und vielleicht auch nochmal viel stärkere harte Fakten. Aber es sind alles so Themen, die wollen wir im Rahmen unserer Forschungsreise tatsächlich nochmal auch hier in diesem Podcast für dich diskutieren, mindestens vorstellen, aber zumindest auch mal von unserer Seite aus die Informationen einsteuern: Was hat das mit uns gemacht? Wie gehen wir dort mit um, mit dieser Information? Wie verändern wir unser Verhalten oder was ist die Konsequenz für uns daraus? Oder, das ist natürlich auch etwas, wo wir neugierig drauf sind: An welcher Stelle kommen wir im Moment nicht weiter? Wo sehen wir eine Hürde, ein Problem, etwas, was uns behindert, was wir auch so nicht aus der Welt schaffen können, wo aber vielleicht du oder andere Hörer dieses Problem schon mal gemeistert haben, dass man da in einen direkten Dialog mit dir treten kann und solche Themen dann auch im Rahmen dieser Podcastreihe noch mal vertieft und wir quasi Lösungsansätze von dir bekommen.

Stefanie Genau. Wir sehen es halt so, wir sind jetzt schon einige Schritte gegangen und wir laden dich ein, mit uns zu gehen und wir werden den größten Teil des Weges gemeinsam dann mit dir gehen. Also es ist so wie Morpheus sagt in der Matrix: Wir können dir die Tür öffnen, durchgehen musst du aber selbst. Also es ist die Frage: Welche Pille wählst du? Wenn du die blaue Pille wählst, wirst du wahrscheinlich keinen weitere Podcastfolge mehr hören wollen, dann bleibst du da, wo du bist und es wird dich nicht weiter beeindrucken. Und du kannst in deiner Welt bleiben und …

Carsten … bist ist glücklich, so wie es ist.

Stefanie Genau. Und du musst dich nicht weiter beunruhigen. Wenn du aber merkst, so wie Neo es gemerkt hat, es ist irgendwas faul und irgendwas nervt und piekst und so und ich will aber was verändern, dann bist du genau richtig bei uns. Dann wähle die rote Pille und dann folgst du uns und wir zeigen dir schon mal: Vegan war für uns jetzt nur der Anfang. Vegan ist für uns keine Diät. Und auch wenn du das aus gesundheitlichen Gründen machst …

Carsten Es ist aber auch nach meinem Empfinden keine Diät. Das ist im Moment eine Ernährungsumstellung gewesen, die aber konsequent ist.

Stefanie Genau, es ist konsequent.

Carsten Es ist konsequent und bleibt auch. es ist also nicht etwas, was phasenweise da ist, sondern die Tatsache, dass ich eben auf tierische Produkte im Ernährungsumfeld verzichte, hat einen langfristigen Effekt. Die wird mich bis zu meinem Lebensende begleiten.

Stefanie Und das ist eben für uns jetzt nicht so ein Trend oder ein Hype, auch wenn es jetzt im Moment wirklich groß ist. Dieser Trend und der Hype, das ist einfach nur ein Zeichen dafür, dass es gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, wirklich umzusteigen. Denn gerade jetzt gibt es so viele Produkte und so viele Möglichkeiten und so viel Neues. Also hier in Hamburg: Im letzten Jahr sind ganz viele neue Restaurants entstanden und es gibt ganz viele neue Möglichkeiten. Ich habe gerade heute noch gelesen, dass Veganz, der vegane Supermarkt, jetzt auch ein Online-Sortiment hat. Also die haben jetzt auch einen Online-Shop, wo du bestellen kannst, was natürlich für Veganer, die auf dem Land leben [hilfreich ist]. Oder wenn du auf dem Land lebst und denkst, „Oh, in meiner Gegend gibt es aber keine Supermärkte, keine veganen Supermärkte und das Sortiment ist echt schlecht.“, sind Online-Supermärkte natürlich viel toller. Onlineshops, vegane Onlineshops, das ist auch noch was; es gibt noch so Vieles, was wir gerne beleuchten wollen.

Carsten Genau.

Stefanie Und es gibt halt auch praktische Sachen, die ich dann auf meinem Blog weiter beschreiben werde, wo wir dann jetzt nicht hier so diskutieren. Hier wollen wir mehr wirklich unseren Weg beschreiben und auch mehr diskutieren als praktische, also wirklich praktische Tipps geben. Die praktischen Tipps, die findet ihr dann immer auf dem Blog, also die weiterführenden Links und auch … Ja, also wir haben noch so viel vor!

Carsten Ja, was haben wir eigentlich vor, was werden wir machen? Also, wir öffnen dir jetzt die Tür, wir bieten dir an, geh mit uns ein Stück. Folge uns über einen längeren Zeitraum oder guck einfach mal so ein paar Schritte oder geh mal ein paar Schritte mit. Und schau mal, wie es dir gefällt. Das heißt konkret: Wir laden dich ein mal eine Zeit lang oder komplett auf eine vegane Ernährung, auf eine vielleicht sogar vegane Lebensweise umzustellen. Was passiert mit dir? Wie machst du das eigentlich? Wie hoch ist die Hürde? Ist sie wirklich so hoch, wie sie am Anfang erscheint? Für uns war sie am Anfang – das hat sich vielleicht vorhin so ein bisschen angedeutet und war auch tatsächlich so – unüberwindbar hoch.

Stefanie Ja, dieses: „Was kann ich denn dann noch essen?“

Carsten Genau, der Gedanke war permanent vorhanden. Jetzt, rückwirkend, muss ich sagen, das war: Einfacher geht es ja schon fast gar nicht. Es ist Bequemlichkeit pur, die jetzt vorherrscht durch das riesige Sortiment.

Stefanie Es gibt so viele Kochbücher, also für jeden Geschmack gibt es Kochbuchautoren.

Carsten Da begleiten wir dich, wir nehmen dich gerne mit an die Hand. Wir steuern diese Erfahrung bei: Was ist mit uns passiert? Wie haben wir das gemacht? Wir versuchen dich auch gerne zu motivieren. Was du sagst, okay, der Anfang ist wirklich hart für dich.

Stefanie „Was ist mit dem Käse?“

Carsten Was ist mit dem Käse? Wie gehst du damit um? Was für Alternativen gibt es? Musst du denn bestimmte Produkte unbedingt essen? Und wie vielfältig ist das eigentlich, zu sagen, ich verzichte auf Fleischprodukte oder auf tierische Produkte.

Stefanie Wobei ich jetzt sagen muss, es hört sich jetzt so an, als würde es jetzt hier rein um so eine Umstellung auf vegane Ernährung gehen. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Ich denke, du mit dem Gesundheitlichen, das kommt halt dazu, worauf soll ich achten? Aber unser gemeinsames Projekt ist ja dann eigentlich eher das nachhaltige.

Carsten Genau.

Stefanie Und dann auch zu sagen: So, wir müssen ein neues Wohlstandsmodell finden und das ist eigentlich die große Richtung auf dem Weg. Unsere Reise soll uns zu dem neuen Wohlstandsmodell führen.

Carsten Genau richtig, ja.

Stefanie Denn einfach dadurch, dass die Wirtschaft global geworden ist, was – ich wollte grade sagen: „was ich ja schon gesagt habe“, aber hab ich noch gar nicht gesagt – dadurch, dass die Wirtschaft global geworden ist, müssen wir ja auch unser Leben global begreifen und unser Handeln global begreifen, also alles was wir tun, was wir kaufen, die Kleidung, die wir kaufen. Wenn wir jetzt bei bestimmten Ketten die Kleidung kaufen und feststellen müssen, die sind mit Kinderhänden genäht worden, dann … Ja, wie beeinflusst uns das? Und wir haben es halt in der Hand. Wir als Konsumenten haben das in der Hand, wir sind die Nachfrage.

Carsten Ja, genau. Wir sind die Nachfrage, wir können sie steuern. Wir können ganz bewusst entscheiden: Für welche Produkte geben wir Geld aus? Welchem Unternehmen gebe ich unser/mein Geld in die Hand? Wo habe ich dann entsprechende Auswirkungen mitfinanziert, die im Endeffekt ja unglaublich hohe versteckte Kosten nach sich ziehen vom Tierleid über Naturprobleme bis hin zu …

Stefanie und dann natürlich auch das Leid der Menschen, die das produzieren.

Carsten … Leid der Menschen. Genau, auf allen Ebenen hat das gegebenenfalls Auswirkungen. Und du hattest das vorhin gesagt: Vegan ist definitiv nicht das einzige Thema, was wir haben. Für uns beide war diese vegane Facette …

Stefanie Was bedeutet eigentlich vegan für dich?

Carsten Vegan für mich bedeutet in erster Linie erstmal tierleid-frei. Aber vegan selber ist für mich nicht die Gleichsetzung mit gesund und auch nicht mit nachhaltig. Ich kann mich auch mit Junkfood vegan ernähren. Das würde dann aber auch meinem gesundheitlichen Aspekt oder meinem Empfinden nicht mehr genügen. Aber das wäre an der Stelle nicht das, was wir wollen. Also wir wollen jetzt nicht in irgendeiner Art und Weise versuchen, alles auf vegan zurückzuführen, sondern vegan ist einfach der erste Schritt, dass man anfängt, wirklich reflektiert über das nachzudenken, was man zumindest mal isst, was man vielleicht auch kauft und anzieht. Und dann geht es halt ein Stück weiter. Was ist vegan für dich?

Stefanie Bei mir geht es immer auf die Ethik zurück, eben auch tierleid-frei, aber auch mehr. Also vegan umfasst für mich tatsächlich das achtsame Leben mit allen. Ein glückliches Leben für alle auf diesem Planeten muss möglich sein. Nicht, wie Stephen Hawking es meint.

Carsten Nein, eher nicht. Er würde uns am liebsten in irgendeine Weltraumrakete stecken und andere Planeten bevölkern. So nach dem Motto: „Die Erde ist ja sowieso schon verloren. Den Planeten müssen wir zwangsläufig aufgeben. Aber wir haben ja durchaus die technischen Möglichkeiten in 100 oder mehreren 100 Jahren, um Terraforming auf anderen Planeten zu betreiben.“

Stefanie Ja, nur das ist dann wieder irgendeine Elite und wir wollen ja auch jetzt was bewirken. Also es geht uns darum: Wir sind diesen Schritt gegangen. Manchmal denke ich, es ist auch so ein bisschen: Es gibt so viele Film-Analogien. Ein bisschen ist es auch wie Narnia, wenn du durch den Schrank gehst in die neue Welt. Es ist wie Alice im Wunderland. Gut, das nimmt Morpheus auch schon als Beispiel: „Du fühlst dich wie Alice im Wunderland.“ Aber es ist auch wirklich wie in der Matrix. Es ist so, sobald … Ja, wir hatten vorhin, bevor wir den Podcast aufgenommen haben, schon mal darüber gesprochen. In unserem Vorgespräch quasi, unserem professionellen Vorgespräch.

Carsten Ja, wir versuchen uns vorzubereiten.

Stefanie Dass diese Aversionen und diese Antipathie und das Negative, was einem so entgegenschlägt, wenn man sagt, man lebt vegan, oder wenn man einfach nur das Wort „vegan“ benutzt, dass das vielleicht auch eben daher kommt, dass jemand, der darauf negativ reagiert, dann irgendwie auch merkt: Ja, es ist was faul, also so oder auch unbewusst. Also dass dieses unbewusste Bewusstsein – das geht auch nicht – also dass da irgendwas schon ist und deswegen halt schon gleich mit Aggressionen reagiert, weil man sich nicht ändern will und man will es auch nicht sehen, aber es ist eben was da. Und seit wir eben diesen Schritt gegangen sind, wir können nicht zurück, es geht einfach nicht und es eröffnen sich ständig neue Welten. Also ich habe mir heute erst das mit der Wollproduktion angeguckt, wo ich vorher gedacht habe: „Na ja, Wolle.“ Und dann habe ich gesehen, wie die Schafe geschoren werden und dass das auch wieder nur so eine Fließbandarbeit ist und die da im Akkord arbeiten müssen. Und dass das für die Schafe kein Gang zum Friseur ist, sondern eben die da quasi misshandelt werden und dass blutende Wunden keine Seltenheit sind. Und vorher habe ich da überhaupt nicht drüber nachgedacht. „Was ist das Schlimme an Wolle? Da wird doch kein Tier getötet.“

Carsten Nein, um Gottes willen. Wolle war für mich eins der natürlichsten Lebensmittel überhaupt. Aber mittlerweile bin selbst ich …

Stefanie Lebensmittel! Hast du das gegessen?

Carsten Ich ess sie nicht.

Stefanie „Ich habe immer Wolle gegessen so nebenbei. Habe ich immer so drauf gekaut. Andere nehmen Kaugummi, ich hab immer so ein bisschen …“

Carsten Okay. Falscher Begriff.

Stefanie Ja. Okay. Ist okay. Es war für dich natürlich.

Carsten Ich hab es halt nicht so kritisch gesehen, aber mittlerweile ist es für mich tatsächlich so, dass wenn ich irgendetwas Richtung Tierprodukt mitbekomme, dann stelle ich mir immer die Frage: Wollte das Tier das denn?

Stefanie Ja, das ist dieses …

Carsten Ist das Tier damit einverstanden, was dort mit ihm passiert. Dass es getötet wird, dass es gemästet wird, dass ihm das Kalb entzogen wird, dass es geschoren wird, dass es kastriert wird ohne Narkose, dass … Die kompletten Facetten. Man kann sich das in diversen Filmen anschauen, aber immer die Frage: Ist das Tier damit eigentlich einverstanden? Oder: Wenn das Tier eine freie Wahl hätte, würde es vielleicht etwas anderes wollen? Würde es vielleicht die Freiheit wollen? Würde es weiterleben wollen? Würde es vielleicht einfach ungeschoren durch die Gegend laufen wollen?

Stefanie Ja, das ist ja, weil die Schafe so gezüchtet worden sind. Also eigentlich, das ist ja immer dieses wie bei den Hühnern, dass die so gezüchtet worden sind. Also dass wir die Tiere, die ursprünglich eigentlich ganz anders waren, so gezüchtet haben, dass sie uns das geben, was wir wollen.

Carsten Was uns ja trotzdem noch nicht berechtigt, das wirklich so in diesem industriellen Maßstab auszunutzen.

Stefanie Ja gut, aber das wollten wir jetzt gar nicht so weit ausführen, das führt uns jetzt zu weit.

Carsten Das ist irgendeine der nachfolgenden Folgen. Womit wir eigentlich beim Thema sind: Wie geht es weiter? Wo wollen wir hin? Du hattest es vorhin schon sehr charmant mit eingebracht.

Stefanie Charmant!

Carsten Charmant.

Stefanie Wie war dein Name? Charmant. Das muss ich mir merken, wenn du so nett bist zu mir.

Carsten Charmikus. Du hast es jetzt ja aufgenommen. Dann kannst du es ja wieder abspielen.

Stefanie Charmikus. Ja, dankeschön. Dann höre ich mir das auch gleich noch mal an. Ja, ich habe das charmant benannt. Erzähl mal!

Carsten Genau, du hast das charmant benannt. In den nächsten Folgen werden wir peu a peu alle anderen Facetten anschauen. Eigentlich wollen wir von der …

Stefanie Wir wollen eigentlich erzählen, wie unsere vorherige Reise war bis jetzt, also bis heute.

Carsten Genau, unsere Erfahrung.

Stefanie Genau, unsere Erfahrungen mit dir teilen. Wir wollen dir sagen, was für Bücher wir gelesen haben, was für Filme wir gesehen haben, was für Webseiten wir uns angeguckt haben, also das alles so vorstellen.

Carsten Mit was für Leuten wir in Kontakt gekommen sind.

Stefanie Wir würden auch gerne Interviews führen mit Inhabern von Geschäften. Jetzt erstmal hier in Hamburg, also veganen Geschäften, veganen Restaurants. Ich habe jetzt gerade erst rausgefunden, es gibt auch ein veganes Hotel in Hamburg. Also so diese ganzen Menschen, mit denen möchten wir gerne reden, denen möchten wir gerne ein paar Fragen stellen und das wollen wir gerne für dich aufnehmen.

Carsten Genau. Und eben auch diese neuen Entdeckungen: Heute das neue Hotel. Vielleicht ist es morgen oder übermorgen ein neues Buch oder ein neuer Film oder eine neue Internetseite. Oder irgendeine neue Erkenntnis. Ja, oder auch eine neue Hürde, dass bei uns vielleicht eine Fragestellung aufkam. Im Moment war es das Thema Palmöl. Wie gehen wir damit um?

Stefanie Ja, ist es immer noch. das ist so ein Dauerbrenner.

Carsten Das sind so Sachen, die werde wir auch behandeln, um einfach unsere Sichtweise mit beizubringen, ohne den Anspruch auf sowohl Vollständigkeit als auch auf Richtigkeit. Also wir sind keine Wissenschaftler, wir können nicht die ultimative Antwort geben. Wir können ja auch nicht sagen, was ist richtig und was falsch. Wir können nur sagen so machen wir es.

Stefanie Genau.

Carsten Wir stellen uns damit auch gerne der Diskussion. Das heißt, wenn du sagst: „Okay, an der und der Stelle könntet ihr eventuell nochmal rechts und links ein bisschen was verbessern.“, oder, „Ich habe da einen anderen Vorschlag, wie ich es machen könntet.“, gerne. Aber wir wollen halt nicht dogmatisch sagen: „So müsst es machen, dann ist es richtig.“, sondern wir geben einfach nur unseren Weg vor. Und sonst begleiten wir.

Stefanie Genau. Wir wollen einfach nur euch teilhaben lassen, weil wir das Gefühl haben, dass es gut ist, wenn wir in die Diskussion kommen, wenn wir miteinander reden können. Also nicht nur Carsten und ich, sondern auch du und wir. Und wir haben halt das Bedürfnis, erst mal das weiterzugeben, was wir bisher erarbeitet haben. Und wir haben auch das Gefühl, dass es wichtig ist. Das ist einfach, wie gesagt: ein „weiter wie bisher“ geht nicht. Und dieses neue Wohlstandsmodell, das werden Carsten und ich nicht hier im stillen Kämmerchen entwickeln können. Das wollen wir gemeinsam mit dir und mit allen, die sich dafür interessieren, entwickeln.

Carsten Genau. Wir gehen jetzt erst mal los, schauen, wo die Reise hingeht. Das ferne Ziel mit dem neuen Wohlstandsmodell ist für uns per se schon mal gesteckt. Wie es genau aussieht, wie wir dorthin kommen.

Stefanie Genau, das ist unser Navigations-Polarstern. Da navigieren wir hin, wie wir das machen?

Carsten Genau, das wird sich alles im Laufe dieser Reise herauskristallisieren. Vielleicht verschiebt sich das Ziel auch. Vielleicht kommt da noch eine andere Dimension vor. Wir lassen das offen. Wir wollen einfach nur die Richtung so weit skizzieren und sind einfach neugierig darauf, wo uns die Reise in Zukunft hinführen wird.

Stefanie Genau. Und wir freuen uns natürlich, wenn du weiterhin dabei bist, wenn du anderen davon erzählst. Wenn du andere einlädst. Wenn wir einfach eine riesig große Gemeinschaft werden, die alle dieses gemeinsame Ziel haben und die alle gemeinsam mitmachen.

Carsten Genau. In diesem Sinne.

Stefanie In diesem Sinne. Und das war's jetzt schon?

Carsten Das wars jetzt schon. Zumindest für diese Folge.

Stefanie Genau. Okay. Und wie war das noch? In Hamburg sagt man Tschüss …

Carsten … und auf Wiedersehen. Oder auf Wiederhören.

[Outro]

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